BERLIN Donnerstag 14. 3ulf 1932 Redaktion u. Expedition: Berlin SW 68, Lindenftr.3 EeL A7 DSnhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendauigab« btt„Sotmiitte". Segngspttit fülBeibeausgabenTSTSf. pro W-ch«, 8,25 SR. pro SRoniil(baocn 87 SM- monatlich fttt Zustellung ins Kausl w- Boraus«ahIBar. SZostBegug 8,97 SR. einschließlich M Ps. Postzeitungs- uni 72 Pf. Poftbestellgebühren. 10 Pf. Jlr. 325 B 159 19. Jahrgang ,M)fu>ad6 Änßeigenpreis: St* lfplt. SRM. Mttorgeile«Pf. Sie SsteNamegsil» kostet> Stark. Rabatt« n. Tarif. F warnnii an mnflenöuroi weis und Brenscheid telegraphieren An d«n Reichspräsidenten van Hindenburg in R e u d e ck (Ostpreußen) ist heute früh folgendes Telegramm abgegangen: Die Unterzeichneten. Vorsitzender der Sozialdemo» kratischen Partei Deutschlands und Vorsitzender der bisherigen sozialdemokratischen Reichstagssraktion, erheben schärfsten Protest gegen die Politik der Reichsregicrung. die innerhalb von sechs Wochen. nicht zuletzt durch die Aushebung des SA.-Verbots und die Freigabe der SA.»Unisormen. bürgerkriegsähnliche Zustände in ganz Deutschland ausgelöst Hot. Die täglich wachsende Zahl von Toten und Schwerverletzten stellt die furcht. barste Anklage gegen ein« Politik dar. die bestimmt wird durch offenkundige Begünstigungen gegenüber der verfassungsfeindlichen NSDAP. Die sechs- wöchige Bilanz des neuen Kurses ist gekennzeichnet durch eine Herabdrückung der Existenzbedingungen für Millionen unterdieHungergrenze. durch eine Verwilderung der politischen Sitten, die vor dem Leben der eigenen Volksgenossen und vor der Ehre wehrloser Frauen nicht Halt macht, durch eine Erschütterung der Reichs» einheit und jeder Staatsautorität, wie fie selbst in den schlimmsten Nachkriegs» jähren nicht in Erscheinung getreten ist. Das find die Folgen einer bsortgesetzten Begünstigung ver» fassungsseindlicher Kräfte» während die Bemühun» gen Versassungstreuer Länderregierungen, Ordnung und Ruhe aufrechtzuerhalten, durch Maßnahmen der Reichsregierung durchkreuzt werden. Die Fortsetzung des bisherigen Kurses beschwört unabsehbare Gefahren für�steich und Volk herauf. Wir mahnen vor aller Welt in letzter Stunde zu grundsätzlicher Umkehr. Otto Wels. Rudolf Breitscheid. Wahrend die Führer anderer Parteien und Verbände sich in den letzten sieben Fahren wiederholt an den Reichs» Präsidenten von Hindenburg gewandt haben, um ihre Wünsche und Forderungen vorzutragen, ist es dos e r st e m a l, daß die Sozialdemokratische Partei diesen Weg beschreitet. Allein diese Tatsache zeigt, daß es sich um einen außergewöhnlichen Schritt handelt, der durch außergewöhnliche Verhältnisse bedingt ist. Der normale Weg in einem parlamentarischen Staat ist der Appell an die verantwortliche Reichsregierung. Zweimal haben unsere Führer den normglen Weg betreten, um die Regierung aus dos Verhängnisvolle einer Politik hinzuweisen, die bereits Dutzende von Todes» opfern, Hunderte von Schwerverletzten zur Folge hat. Nachdem diese Schritte vergebens gewesen sind, weil sich die Reichsregierung durch ihre Abmachungen mit Hitler offenkundig gebunden fühlt, hoben die Führer der Sozial- demokratischen Partei beschlossen, einen letzten Versuch zu unternehmen, das Leben und die Gesundheit TausendervonVolksgenossenvorder Zerstörung zu retten, die ihnen droht, wenn der bisherige Bürger- kriegskurs weiter gesteuert wird. Die Vorgänge bei der Entlassung Brünings haben in erschreckendem Maße bewiesen, in welch einseitiger Weise der Reichspräsident durch seine Umgebung über die einfachsten bfeiits Eiserne Front im Westen Alles tritt um 19 Uhr auf dem Hohen- zollernplatx an. DOUhrTennishallen. Otto Weis/ Carl Seuering Reiht euch alle einl Im Zuge marschieren zehn symbolische Freihelts- gruppen mit. Oer Westen soll heute widerhallen von unserem Ruf: „FREIHEITI" und wichtigsten Tatbestände unterrichtet wird. Es ist anzu» nehmen, daß sich in dieser Hinsicht seit dem Regierungs- Wechsel die Zustände nur verschlimmert haben. Wo es gilt, Menschenleben zu retten und namenloses Unheil von ganz Deutschland abzuwenden, fühlt sich die Sozialdemokratie verpflichtet, keinen Weg unversucht zu lassen. Darum das Telegramm an Hindenburg! Hindenburg dankt Pape«. Danach Vortrag von Gayl. Neu beif. 14. 3uU. Reichspräsiden« von hindenburg empfing heu«« den Reichpfanster von Popen zum perich« über die causanner Verhandlungen. Noch Entgegennahme des vortrage, sprach der Herr Das verwandelte Mittagessen Reichspräsident dem Reichskanzler seinen Pank für die in tau- sonne geleistete Arbeit aus und bat. diesen Dank auch den anderen Mitgliedern der Delegation zu übermitteln. hieran schloß sich ein gemeinsamer Vortrag des Reichskanzler» und des Reichsministers des Znnern über innenpolitische Fragen._ Willkür in Anhalt. Kundgebung der Eisernen Front verboten! Dessau, 14. Juli.(Eigenbericht.) In Anhalt jagt ein Verbot das andere. Am heutigen Abend sollten in Roßlau Dr. Klotz und in Defiau Reichstagsnbgeordneter Tempel in öffentlichen Kund» gebunge« der Eiserne« Front sprechen. Beide Kund» gebunge« sind zehn Stunden vor ihre« Be» ginn verboten worden. Wegen des Defiauer Verbots rief Genosse Seger den nationalsozialistische« Ministerpräsidenten F r e h b e r g an und fragte ihn, ob das zutreffe. Frehberg erwidert«: Jawohl! Darauf fragte Seger nach der Begründung. Frehberg erwiderte:„Weil Sie fie einberufen haben?" Selbstverständlich werden beide Kundgebungen statt» finden als Mitgliederversammlungen der Eisernen Front. Es find Zehntausende von Hand- zetteln sofort verbreitet worden, um die ungeheuerlichen Verbote zur Kenntnis der Wähler zu bringen. Hast du mittags nichts zu fressen Freu dich an den Razi-Tressen? Zeuge gegen Hitler. Adolf„toleriert" die Barone— aber es darf keiner davon reden! Am Montag, 11. Juli, erwirkte die Hitlerpartei eine einstweilige Verfügung des Amtsgerichts Altona, noch der es dem Landtagsabgeordneten Bugdahn verboten fein soll«, zu verbreiten: daß Hitler das Kabinett Pape» billige, daß die NSDAP, oder ihr Führer für die Einfüh» rung der Salz st euer sowie für die Erweiterung der Umsatz st euer verantwortlich sei, daß die NSDAP, als Gegenleistung für die Auf» Hebung des SA.-Verbots und des Uniformverbots in eine Kürzung der Renten und in eine neue Be» lastung der Werktätigen gewilligt habe. Am gleichen Tage erklärte das„Hamburger Tage- blatt", gauamtliches Organ der Ha m'b u r g e r NSDAP.(Nr. 157 vom 11. Juni 1932), in einem Artikel, der sich mit dem Aufklärungsfeldzug der Eisernen Front beschäftigt, wörtlich: „Dabei suhlt ein Blinder, was es mit dieser Tolerierung durch die NSDAP, aus sich ha». Warum sollen wir nicht tolerieren? wissen wir dach, daß wir die Herren oon Morgen sein werden!... Dadurch, daß wir dieser Regierung sachlich qegenübergetreten sind. Hoden wir erreicht, wo» noch bi» vor Wochen sast aussichtslos schien: 1. w ie de r aus ste l l u n g der SA. und Z. und vor allem die Reichstagsouslösung. Mag man au» durchsichtigen Gründen noch so sehr gestern: Wir wissen ganz genau, warum wir die Von. Pape«» Regierung im Augendlirk nicht stürzen. wir versolgen unsere eigenen Pläne... Wir müssen vielleicht im Augenblick etwas hinnehmen, was wir noch gestern schärfstens ablehnten, wir tun die, aber in dem Bewußtsein, daß morgen die ganze Macht in Händen hitters liegt." Hier wird also Schwarz auf Weiß von dem g a u a m t» Wählerlisten einsehen! Ta9ll fassung und die Geschäftsordnung des Landtags legen das deutlich dar. Artikel 20 der Verfassung sagt, daß der Landtagspräsident mit den Befugnissen eines Staatsministers ausgestattet ist. Er führt die Dienstaufsicht über sämtliche Beamte und Angestellte de» Landtags und hat allein dos Hausrecht und die Volizeigewolt. Er vertritt den Staat in allen Rechtsgeschäften, die die Verwaltung des Landtags betreffen. Die Klageschrift stellt eine doppelte Pflichtverletzung des nat'.o» nalsozialistischen Landtagspräsidenien jest. Er mußte bei der er- regten politischen Stimmung und bei den Borfällen, di« sich wenige Tage vorher in der Wandelhalle des Reichstags abgespielt hatten, voraussehen, daß es zu Zusammenstößen im Verlauf der Land- tagssitzung kommen könne. Er hat das versäumt und nicht sür eine ausreichend« Landtagswache gesorgt. Die nächsten erreichbaren Polizeibeamten befanden sich in einem Gebäude gegenüber vom Landtag. Die Zeit, in der sie hätten herbeikommen können, hätte ausgereicht, um den ganzen Landtag kurz und klein zu schlagen. Unter dem verstorbenen Präsidenten Bartels war immer eine ausreichende Hauswache zur Stelle. Das gleiche war unter dem sozialdemokratischen Präsidenten W i t t m a a ck der Fall. Am 25. Mai, ei nein kritischen Tag« erster Ordnung, hatten weder der vorher amtierende Alterspräftdent Litzmann noch der national- sozialistische Präsident Kerrl irgendwelche Maßnahmen getroste,,, um einen ruhigen Verlaus der Sitzung zu gewährleisten. Noch viel schlimmer zu bewerten ist das Berhalten des Land- tagspräsidenten nach den Zwischensätzen. Er hat keinerlei Schritte zur Ermittlung der Täter unternommen. Ja, er hat aus Wunsch der kommunistischen und nationollozialistischen Abgeordneten ab- gelehnt, es zu tun. So war es für den Genossen Jürgenjen durch die Pflichtverletzung des Landtagspräsidenten unmöglich, die Täter zu ermitteln. Aus diesen Gründen ist der preußische Staat, vec- treten durch den Landtagspräsidenten, sür den angerichteten Scha-den verantwortlich und ersatzptlichtig. Ein gegnerischer Schriftsatz bezweifelt die Beamteneigenschaft des Landtagspräsidenten und bestreitet ein ersatzpflichtiges Der- schulden. Ein neuer Termin wurde auf den 10. Oktober anberaumt. Zwei Todesopfer der braunen Pest Das Blutbad in Siemensstadt— Aazi-Täter gefaßt Der hinterhältige FcuerübcrsaU des hakenkrruzgesindels auf die von ihrer Kundgebung am wittenbergplah heimkehrenden Spandaurr Kommunisten in Siemensstadi hal bisher zwei Todes- o p s e r gesorderi. Der Z4 Jahre alte Arbeiter Georg P r e ch l i n aus der Adamstraße in Spandau und der Arbeiter Friedrich G r o t h e aus der Segefelder Straße in Spandau sind bald nach ihrer Ausnahme im Spandauer Kreiskronkenhous g e st o r b e n. Prechlin Halle einen ködlichcn Bauchschuß erlitten und Groth« wurde durch die Pislolenkugel die Halsschlagader zerrissen.. Außerdem fanden im Spandauer Krankenhaus Aufnahme: Der Arbeiter Erich K l o t h mit einem Fußschuß, der Arbeiter Fritz R ö s k e mit einem Schädelbruch und der Arbeiter Fritz Ritter mit einem Armschuß. Drei oder vier weitere Verlegte, die leichte Streifschüsse erlitten haben, konnten nach Anlegung van Notvcr- bänden ihre Wohnungen aufsuchen. Sämtliche Angeschossenen stammen aus Spandau und gehören der Kommunistischen Partei an. Der mutmaßliche Täter ist festgenommen worden, über seine Person schweigt sich die Polizei noch aus. Der preußische Innenminister S e o e r i n g richtete an die Oeffentlichkeit gestern einen dringlichen Appell, den Brudermord einzustellen.„Tag sür Tag färbt das Blut deutscher Bürger dos Strahenpflaster— stellt endlich den unseligen Brudermord ein", so hieß es in dem Aufruf Scverings— und die SA. erteilte noch am selben Abend die Antwort, indem aus dem Hinterhalt das Hakenkreuzgesindel in einen Demonstrationszug schoß, in dem Frauen und Jugendliche Seite an Seite marschierten. Achtmal hat der nationalsozialistische Mörder abgedrückt— jedes Mordgeschoß fand sein Opfer. Am Tatort hielt heute früh Kriminalkommissar Geißler von der Politischen Polizei einen Lokaltermin ab. Soweit sich bisher feststellen ließ, stand der SA.-Schütze in der Nähe eines Vorgartens vor den Siemens-Werken in der Nonnendammollee. Dort wurden bereits gestern abend acht leergeschossene Patronen- hülsen gesunden und heute irüh bei einer neuerlichen Durchsuchung der Totstelle wurde in einem Blumenbeet die Mordwasse, direkt vor dem Verwaltungsgebäude der Siemens-Werke, entdeckt. Der Morder hatte vi« Waffe bei seiner Flucht fortgemorfen: das nützte dem Mordbanditen aber wenig. Ein den kommunistischen Zug begleitender Schupowachtmeister hatte den Schützen genau beobachtet. Leiider konnte sich der Poli.zeibeomte nicht rechtzeitig genug den Weg zu dem Burschen bahnen, um ihm die Waste aus der Hans zu schlagen. Der Beamte eilte aus den Toter zu und er hatte ihn bereit- ergrissen, als es dem SA.-Mann in dem heillosen Durcheinander gelang, sich wieder loszureißen. Passanten erkannten den Burschen jedoch kurz« Zeit darauf unweit des Tat- ortes wieder und übergaben ihn der Polizei. Auch in Oberschöneweide ein Pistolenopfer. Aehnlich wie in Siemensstadt wütete die SA. in Ober- s ch o n e w e i d e, wo auf dem Marktplatz in später Abendstunde vier Kommunisten durch Schüsse niedergestreckt wurden. Der Schlosser Joses S a m l a aus der Mathildenstraßc erlitt einen Wodenschuß, der Zlrbeiter Max W i s ch n e w s k i zag sich einen Armschuß zu, der Arbeiter Paul Raduschka wurde durch einen Rllckenschuß lebensgefährlich oerletzt und der Schmied Ernst R i n g l c r brach mit einem schweren Fußschuß zusammen. Die Opfer wurden ins S.-Elisabeth- Hospital übergeführt. Leider ist zu befürchten, daß auch dieser SA.- Feuerübersoll ein Todesopfer fordern wird. Die Erregung der Oberschoneweider Arbciterbevölkerung über die schändliche Bluttat der Hakenkrcuzler war so ungeheuer, daß sich verschiedentlich An- sammlungen bildeten. Später spielte sich in der Rathaus st raße noch eine Schlägerei zwischen Hakenkreuzlcrn und Kommunisten ob, bei der die Nationalsozialisten abermals feuerten. Die Polizei schritt jedoch rechtzeitig ein und verhinderte erneutes Blutvergießen. 50 Personen, zum großen Teil Hakenkreuzler, wurden sestgenommen. Nazis mitInfanteriegewehren! Erst gestern berichteten wir von einer Waffendurchsuchung der SA.-Kaserne in der Auguste-Biktoria-Straße in Karlshorft. Die Polizei traf 200 SA.-Leute an, von denen 7 Mordbuben scharf- geladene Pistolen in den Taschen hatten. Gestern, spät abends, er- schien die Polizei wieder unvermutet in derselben SA.-Kaserne, und diesmal fand die Polizei nicht nur Pistolen und Hiebwaffen sowie 25 scharfe Patronen, sondern auch 2 gebrauchsfertige Infanteriegewehre. Immer wieder schießwütige GA.- Banditen. Im Norden Berlins in der Seestraße wurden in der Nacht zwei SA.-Leute festgenommen, die auf politische Gegner geschossen hatten. Bei einem der Täter wurden zwei scharfgeladene Pistolen gefunden. hotte sich der ölte Mann, der in der legten Zeit seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte, sehr zu Herzen genommen. Mit einer A x t hatte er seine ganze Wohnaingseinrichtung zu Brenn- holz verarbeitet. Tische, Schränke, Bött usw. halte er kleingehackt und teilweise aufgestapelt. Seine Bücher, die er im Lause seines Lebens angeschafft hatte, hatte er zuvor zu seiner Freundin gebracht. Dann drehte er den Gashahn auf, legte sich aus seine Betten, die er auf der Erde ausgebreitet hatte und erwartete den Tod. Hohenzollerns Knegserleben. Prinz Auwi, der Krontfoldat. Einer der zwei Kaisersöhne, die im Krieg„verwundet" wurden, war Prinz Auwi, seines Zeichens heute Landtogsobgeordnetrr der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei. Seine Verwundung, die er sich im November 1914 zuzog, bestand darin, daß er in der Etappe mit dem Auto gegen einen„feindlichen" Tele- graphenmost fuhr und sich dabel das prinzliche Bein brach. Seine Königlich, Hoheit wurde also mit einem Beinbruch ein- geliesert. Noch dem Hohenzollernwahlspruch„Suum quique", Jedem dos Seine, wurde Seine Königliche Hoheit nicht in die kalte zugige und ungeheizte Kathedrale von Rethel gebracht, wo viele Schwer- verwundete noch an einer dazugekommenen Lungenentzündung starben, fondern er bekam ein besondere« Zimmer eingerichtet und eine direkte Telephonleitung nach Berlin zur Mama. Es wurde auch sofort der bekannte Leipziger Chirurg Professor P a i? r, damals beratender Armeechirurg, telephonisch von einer dringenden Operation abberufen und mußte sofort mit seinem Assistentenstab zu Seiner Königlichen Hoheit kommen. Nach dieser kriegerischen Bekanntschast mit dem französischen Telegraphen- psabl war das Bedürfnis des Prinzen Auwi nach weiteren Front- crlebnissen gestillt. An den Folgen eine- Ueberfalls gestorben, den polnische„Arn- ständische" 1930 oerübt haben, ist der deutsche Gemeindeoertreter Neugebauer aus Hohenbirken, Kreis Rybnik. Befreit haben die Hokenkreuzler den Saar-Landesrat von chrer Gegenwart. Sie scheuen die Anprangerung ihrer Mitverant- wortung für die Papen-Notverordnungen. heu e Feuerwerk und Massenkonzert am Funkturm. Heute wird auf der Berliner Sommerschau„Sonne. Lust und Haus für Alle!" nachmittags und abends ein großes M a s s e n k o n ze r t, an dem 100 Musiker mitwirken, veranstaltet werden. Zum Ab» schluß des Tages wird ein Feuerwerk im Terrassengarten ge- zeigt. Ab 7 Uhr abends beträgt der Eintrittspreis 0,60 M, Metter für Berlin. Nach Gewitterregen Uebergang zu wolkigem und kühlerem Welter.— Für Deutschland. Im Nordosten Gewitter- regen mit Abkühlung, in Mitteldeutschland wolkig und kühler, in Süddeutschland noch vielfach Regensolle, im Westen Besserung mit onfteigenden Temperaturen. Die Ferkel. Einst münden wir in still'res Gleis, Da hat es Hitiem mal gegeben; ledoch ihr Antrag gegen WeiB, Der wird die Nazis Uberleben. Hat längst sich alles abgewandt Von den politischen Halunken, Dann spukt der Antrag noch im Land: So tief war Deutschland einst gesunken! Historikern wird dieser Fund Genügend unsre Zeit anschwärzen, Er zeigt, wie groß der Schweinehund Doch werden kann im Mensehenherzen. So reichen wir— wir sind so trei— Den Antrag der Geschichte weiter, Verewigt ist hier die Partei Der Ferkel und der Ehrabschneider. Hans Bauer. parteidiktaiur über Rundfunk! Die Länder protestieren, Die„Bayerische S t a a t s z e i t u n g", da? Organ der bayerischen Regierung, schreibt zu den Rundsunkplänen der Papen- Regierung, die wir gestern bekanntgaben; „Es ist möglich, daß sich der Konzler und der Reichsinnen- minister auf der Fahrt nach Neudeck auch über die Rundfunkpläne unterhalten, die im Reichsinnenministerium erwogen werden. Diese Pläne,, laufen darauf hinaus, den Ländern auch dieses Feld der Einflußnahme auf ein wichtiges kulturelles Gestaltungsgebiet weit- gehend zu beschneiden. Es kann heute schon versichert werden, daß nicht nur Bayern, sondern auch wohl die übrigen Länder diese Zentralisierungspläne des Rundfunks mit Entschieden- heit ablehnen werden. Dazu kommt noch die Gefahr einer vollständigen Auslieferung des Rundfunks an die Partei- Politik, Bayern hat es bisher für richtig gehalten, die Partei- Politik vom Rundfunk fernzuhalten. Es wäre sehr zu wünschen, daß sich künftighin auch die Reichsregierung zu diesem Grundsatz durchringen könnte," Wie wir hören, werden noch in dieser Woche Reichsrot und Kabinett sich mit den neuen Rundfunkplänen zu befassen haben. Aber unabhängig von der Entscheidung des Reichsrates scheint die Absicht der Papen-Regierung auf jeden Fall zur Durchsührung gebracht werden sollen. Dabei ist auch eine„Entpoliti- s i e r u n g" vorgesehen— allerdings nur die der Landes» send er zugunsten der„Deutschen Welle": das bedeutet, daß künftig nur noch die der Reichsregierung ge< nehmen politischen Vorträge hier laufen sollen, während die politischen Wünsche der Länder im Rundfunk kein Sprachrohr mehr haben, Wie es mit der„Reinigung" des Rundfunks aus dem Gebiete der Parteipolitik aussehen wird, davon kann man sich nach den bisher genossenen, vom Reichsinnenministerium und seinem Sprecher, cherrn Scholz, liebevoll befürworteten Kostproben bereits ein Bild machen. Daß die süddeutschen Länder bisher die Uebernahme nationalsozialistischer Vorträge ablehnten, hat die Nazi; schwer verschnupft, Daß der Rundsunk für„Parteipolitik", wie sie seit einigen Wochen von den Nazis hier in ausgedehntem Maße betrieben wer- den darf, nicht zu haben sein sollte, müßte sich eigentlich von selbst verstehen, Ersatz für hetzerische, von unbeweisbaren Behauptungen und Parteiphrasen strotzende Flugblätter und Versammlungsreden. die sich die Nazipartei sonst schweres Geld kosten läßt, darf der Rundfunk nicht länger bleiben. Es ist eine Ungeheuerlichkeit, den chörern zuzumuten, aus ihren Rundfunkgebühren die Nationalsozia- listische Partei zu subventionieren. Daß eine politische Bildung der chörer an sich— ohne die heute übliche skandalöse parteipolitisch« Verhetzung— möglich ist, zeigten die sachlich-positiven Erklärungen politischer Parteien und die Zwiegespräche zwischen Angehörigen grundsätzlich verschiedener Parteien in einer Zeit, in der das Kultur- Niveau der Herren Barone noch nicht maßgebend war. Aber eine wahrhafte politische Bildung der chörer scheint augenblicklich un- erwünscht. Der römische Satiriker Iuvenal behauptete, das Volk kümmere sich nicht um die Staatsangelegenheiten, wenn man ihm „pznem et circenses", Brot und Unterhaltung, gäbe. Dem d e u t- s ch e n Volke Brot zu geben, ist zur Zeit auch für die Regierung der Barone mit einigen Schwierigkeiten oerknüpft: für die Unter- Haltung hat sie aber den Rundsunk! Tanz der Gegenwart Internationaler Gruppentanz-Wettbewerb Für die Pressefreiheit. presseorganisation gegen pressenowerordnung. Der Bezirksverbond der deutschen Presse hatte zu Mittwoch- abend eine Mitgliederversammlung nach dem chaus der deutschen Presse einberusen, in der die Kollegen Dr, Ernst Feder und Paul Baecker über die neueste Notverordnung und ihre Auswirkung auf die Presse berichteten. In einer lebhaften Aussprache, an der sich namentlich Prof, Dr, Dovifat, Knatz, Prof, Bernhard und Klühs beteiligten, wurde folgende Entschließung angenommen: „Der Bezirksverband Berlin im Reichsverband der deutschen Preis« hat sich eingehend mit der neuen Preisenotverordnung und ihrer Anwendung durch das Reichsgericht beschästigt. Der Bezirks- verband billigt die Stellungnahme des Vorstandes des Reichsver- bandcs, die die Wiederherstellung der Pressefreiheit verlangt. Der Bezirksverband ersucht die Reichsarbeitsgemeinschast, auf die baldige Beseitigung aller Zeitungsvcrbote hinzuwirken, weil er in der Aufrechterhaltung voller Pressesreiheit ein lebenswichtiges Interesse des Staates und einen unentbehrlichen Bestandteil des politischen Lebens erblickt," Mit der Sense erschlagen. Schwere Vluttat in einem Wutanfall. Simmern(chunsrück), 14, Juli, Am Miliwochnachmittag ereignete sich eine schwere Bluttat, Im Streit ergriff der Arbeiter Gallas aus dem Schadhof in unmittelbarer Nähe von Simmern eine Sense und schlug damit auf seinen Schwager ein. der blutüberströmt zusammenbrach. Der Tod trat auf der Stelle ein. Als die Schwester des Erschlagenen ihrem Bruder zu chilse eilen wollte, wurde sie ebrniolls von Gallas mit der Sense angegrilfen, Sie trug dabei sehr schwere Ver- letzungen davon und mutzte dem Kronkenhaus zugeführt werden. Der Polizei gelang es, den Täter nach kurzer Zeit zu fassen. Das. was wir seit Iahren vergeblich erwartet haben, ist end- lich Ereignis geworden: wir haben ein Tanzwerk, das in die Zeit paßt. Dem Leiter der Essener Folkwangtanzbühne, Kurt I o o ß, ist mit seinem Totentanz„Der grüne Tisch" ein Wurf ge- lungen, der für die seit langem im ungewissen tappende neue Tanz- kunst von entscheidender, wegweisender Bedeutung sein kann. Daß dieser„Grüne Tisch" gerade in Paris seine Premiere erlebte und anläßlich des Internationalen Gruppentanzwettbewerbs von Publikum und Jury(der u, a, Rudolf v, Laban angehörte) einstimmig mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde, mag diesem Ereignis erhöhte Bedeutung geben. Besonders in einer Zeit, in der Völker- und Einzelschicksale so restlos abhängig find von den Entscheidungen des grünen Tisches, Die Tanzkunst ist die Kunst, die da beginnt, wo Worte ver- sagen. Und es ist deshalb unmöglich, außer einer knapp gefaßten Inhaltsangabe viel über ein Tanzwerk zu sagen, dessen künstlerisches „Wie" man eben erleben muß, Aber gerade weil die Tanzkunst ohne Worte auskommt, ist sie die darstellende Kunst, die i n t e r- national verständlich ist. Der Inhalt des„Grünen Tisches" ist folgender: Die Konferenz am grünen Tisch debattiert heftig, beschimpft sich gegenseitig, um im nächsten Moment sich in liebenswürdigster Weise zu bekompli- mentieren, zieht im übernächsten niedliche Revolver aus den Taschen, beknallt sich, um sich alsdann mit den zuvorkommendsten Gesten wieder am grünen Tisch niederzulassen, Dann folgt der Krieg: ein Totentanz von erschütternder Wirkung, der durchaus im Realen wurzelt, ohne realistisch zu sein, chier liegt die hohe Kunst der Iooßschen Gruppe, der es gelingt. Tatsächliches mit t ä n z e- tischen— nicht pantomimischen— Mitteln zu gestalten, ohne ins Mystische abzugleiten und damit die Klarheit des Inhalts zu gefährden. Vor zwei Jahren ist das Talhofffche„T o t e n m a l", das mit riesigem Aufwand in München inszeniert wurde, an mysti- schen Vernebelungen gescheitert: zudem ersuhr die beabsichtigte in- ternationale Gültigkeit eine Einschränkung durch die Fest- legung auf einsprachige(deutsche) Texte, Die Schlußszene ist eine Wiederholung der Anfangsszene: eine traurige Tatsachenfeststellung im Grunde, ober mit überlegenem chumor und aus einem sicheren Gefühl für Bühnenwirkung ge- staltet. In keinem der Tanzwerke der letzten Jahre war eine der- artige Geschlossenheit zu spüren, ein derartiger Zusammenklang der„Körperinstrumente", der auch nur stets da zu erreichen ist, wo ein innerer Zusammenklang die Darsteller verbindet. Jedes „Solo" wird hier nicht als Herausstellung dieses oder jenes Tänzers empfunden, sondern als eine im Ablauf de? Werkes organische Not- wendigkeit. Die Iooßsche Tanzgruppe arbeitet zwar von ollen deut- schen Tanzgruppen unter den günstigsten Bedingungen— was der Stadt Essen zur Ehre gereicht— aber sie nutzt auch jede ihr ge- botene Möglichkeit zu ihrer Vervollkommnung aus— was ihr selber zur Ehre gereicht. In die Gemeinsamkeit dieser Tanzgruppe ist selbstverständlich der langjährige musikalische Mitarbeiter Fritz Cohen einzubeziehen, der die Musik zum„Grünen Tisch" schrieb, Es zeugt von der durchschlagenden Wirkung des Werkes, daß Agenten und Theaterbesitzer aus Frankreich, Holland, England, Belgien sich förmlich um wochenlange Engagements der Tanzgruppe rissen. Und es steht zu befürchten, daß man in Deutschland aus diese? Werk recht lange wird warten müssen! Jeder' Art von inier- nationalen Vereinigungen und Ligen aber sei— für den künstlerischen Teil ihrer gelegentlichen internationalen Veranstaltungen — ein Engagemeüt der Jooß-Gruppe wärmstens empfohlen, Der Tanzgruppenwettbewerb, der in Pari» im Theatr« des Ehamps Elysees Anfang Juli an drei Tagen— vorgesehen waren zunächst nur zwei— stattfand, war der Initiative des Inter- nationalen Tanzarchivs zu danken, das erst vor kurzer Zeit von dem Direktor des ehemaligen„Schwedischen Balletts" Rolf de Mare ins Leben gerufen wurde. Das Gebäude selbst ist noch nicht ganz vollendet, aber es soll neben dem Sekretariat eine Tanz-Bibliothek, Vortrags- und Vorführungsräume und die Woh- nung des Konservators enthalten. Rolf de Mare ist bemüht, durch das Archiv und die alljährlich in Aussicht genommenen Wett- bewerbe, zu denen er auch die Preise gestiftet chat(1, Preis 25 000 Franken, 2. Preis 10 000 Franken), die Tanzkunst anzuregen und zu fördern. Von einem Hilfskomitee wurde in diesem Jahr für verbilligte Reise, Unterkunft und Verpflegung der ausländischen Gruppen gesorgt. Die russischen Gruppen, die dort austraten, stammten nicht aus Sowjetrußland, sondern waren aus Vertretern und Schülern der alten russischen Ballettschulen gebildet, die in Paris kultiviertestes altes Ballett weiterpflegen. Mit hervorragen- den technischen Leistungen trat denn auch das Ballett K n i a s e s s und das E g o r o v a> Ballett bei dem Wettbewerb hervor. Aber neben den menschlich packenden Eindrücken des„Grünen Tisches" oerblaßte dieser vorwiegend ästhetische Tanzstil. Offenbar hatte man übrigens in Frankreich selbst die Bedeutung von Marcs Veranstaltung noch nicht ganz ersaßt, denn Frankreich war sowohl zahlenmäßig als auch qualitativ schwach vertreten. Es mag gerade in Deutschland wesentlich interessieren, daß nicht nur der erste, sondern auch der zweite und dritte Preis(außer den beiden Geldpreisen gab es eine Anzahl von Ehrendiplomen mit Bronzemedaillen) an deutsche Tanzgruppen gingen. Den zweiten gewann die Gruppe chellerau-Laxenburg, früher in Deutschland, jetzt in Oesterreich, unter Rosalie E h l a d e k» Leitung, den dritten die Günther-Schule, München, unter der Leitung von Maja Lex, Sie trat vor zwei Jahren mit eigenartigen musikalisch-rhychmischen Gruppenschöpsungen hervor, und hat seitdem auch bei uns, in Italien und Ungarn sich einen Namen gemacht, Professor Oskar Schlemmer, der noch seiner Breslauer Tätigkeit nun an die Staatliche Kunstakademie nach Berlin berufen wurde, gefiel mit neuen sehr originellen Tanz- figuren seines„Triadischen Balletts". Ein Erstlingswerk von Ursel Renate ch i r t H„Die Frau aus einer andern Welt" erhielt den chauptimpuls von der Musik des Komponisten Eduard K ü n n e k e, die zuweilen die gut geschulten Gruppenmitglieder mit fortritz, aber die mangelhafte Schulung der Leiterin nicht zu verdecken vermochte. Neben einer ganzen Anzahl von belanglosen und ganz un- möglichen Darbietungen erfreute die Schweizerin Trudi S ch o o p (vor 3 Iahren bildete sie mit ihrer Schwester chedi eine vergnüg- liche Attraktion der Berliner„Katakombe") mit einer sehr komi- schen und sehr menschlichen Tanzszene„Fridolin", in der sie mit viel Sinn für chumor und Parodie die Tragödie des ewig Un- selbständigen darstellt. In, unserer Zeit, die der sortgesetzten erneuten Begrenzung durch Zollmauern nun auch noch in nationaler Engstirnigkeit die Begrenzung der„Kunsteinsuhr" hat folgen lassen, ist das groß- zügige Unternehmen Rolf de Mores doppelt hoch zu werten. Es wäre zu hoffen, daß auch Theaterleitungen die Ueberzeugung ge- Winnen, wie förderlich für die Kunst der gegenseitige Austausch des Erarbeiteten sein kann, und daß sie nicht weiter den in letzter Zeit belchrittenen Weg verfolgen, einen Künstler, der etwas kann, ab,- zubauen(oder ihm die Kündigung nahezulegen), nur weil er einer anderen Nationalität angehört, Elli Müller-Rau. „Oer Rächer des Tong." Mozart«Saal. Daß ein Film in der unteren Instanz der Filmzensur ver- boten, in der oberen aber freigegeben wird, ist vielleicht nicht sehr erfreulich, ober unvermeidlich, da die Zusammenfegung der Kammern verschieden ist. Daß diesem amerikanischen Film, der das Leben der Chinesen in Amerika behandelt, das gleiche Schicksal widersahren ist, ist nicht verwunderlich. Es ist ein Kriminalreißer, der exotisch porsü- miert ist, im Grunde aber den Kamps amerikanischer Verbreckzerbanden nur in anderem Milieu wiederholt. Es ist ein Film des Grauens. Der Rächer ist das ausübende Organ des Tong, das heißt einer Geheimorganisation, die die Blutrache und die von ihr verhängte Todesstrafe vollziehen läßt. Wir werden Zeugen von nicht weniger als vier solcher Morde, Ja, der Rächer muß seinen besten Freund mit dem Wurfbeil hinrichten, weil seine Organisation es verlangt, Fünfzehn Jahre später wird er seine Tochter heiraten, weil ihr Vater es im Testament festgesetzt hat, Sie erliegt der Verführung eines jungen Chinesen, der Rächer gibt sie frei, nachdem der andere ihm geschworen hat, daß er treu für sie sorgen werde. Aber er ver- schleppt sie in ein Freudenhaus noch China, und der inzwischen au» seiner Organisation ausgestoßene Rächer tritt noch einmal in Funktion, indem er sie befreit und den Verführer tötet, Aus primitiverer Stufe, wo das Rechtsleben noch nicht staat- lich organisiert ist, ist die Ausübung der Justiz und auch die Ver- hängung der Todesstrafe Sache der gesellschaftlichen Gruppen, Wir brauchen nur an die, deutsche Feme zu erinnern. Die romantische Dichtung hat sich dieses Stoffes ja auch wiederholt bemächtigt. Aber was einmal Sache der hohen Literatur war, ist inzwischen Motiv der Schundliteratur und auch des Filmes, der ja vielfach die Schundliteratur ersetzt hat, geworden. Daß ein Mörder die Tochter des Gemordeten heiratet, scheint in dem Film das Sclbstverständ- lichste von der Welt, Das Recht, das die Feme einmal gehabt haben mag, wird niemand diesen chinesischen Privatvereinen zubilligen, Es ist also nichts als ein sensationeller Gruselsirm Der Regisseur W e l l m a n n hat ihn in eine saubere Form gebracht, er entfaltet einen üppigen chinesischen Ausstattungsprunk, Ob das Tatsächliche der Handlung heute oder früher im chinesischen Amerika möglich war, ist gleichgültig. Die Darsteller sind merkwürdigerweise keine Chinesen, sondern Weiße, Edward Robinson gibt den Rächer mit der ganzen unerschütterlichen Ruhe des Orientalen, Er wird in seiner Unbeweglichkeit sast langweilig. Der Trumpf der Be- setzung ist Loretta P oung: sie weiß den chinesischen Mädchen jvirk- lich Charme zu geben, sie hat Ausdruck und suggeriert die Stim- mungswerte der chinesischen Rasse, Auch sonst ist die Darstellung durchaus lobenswert. Rein filmisch ist ein chinesischer Begräbniszug (mit weiß als Trauerfarbe) bemerkenswert, Die chinesische Musik, die das Berliner Kammer- Saxophon-Orchester unter Leitung von Paul Schein- pflüg ausführte,, war dankenswert, ober doch etwas zu festlich- langstielig geraten, Es gab eine chinesische Suite von Walter Nie- man und Gesänge an den Mond von Benno Bardi— beides keine original-chinesische Musik, aber mit chinesischen Motiven und Klang- Wirkungen. D- Nazi-Kultur. Seltsame Kunde kommt aus Dessau. Der neue onhaltische Ministerpräsident hat zusammen mit dem Nazi- Stadtverovdnetenvorsteher das Bauhaus besichtigt und da, zu den Nazi-Kunstsachverftändigen Prof. Schultze-Naumburg mitgebracht. Natürlich waren die Herren nur gekommen, um Anstoß zu nehmen, llnd schon verlautet, daß die Nazi-Stadtverordneiensraktion den ganzen Etat ablehnen will, falls das Bauhaus nicht ausgelöst wird. Ja, es wird sogar schon angedeutet, ldaß auch das von Gropius er- richtete Gebäude daran glauben soll. Man will es abreißen, da es zu anderen Zwecken unverwendbar sei. Das ist die organisch«, ausbauende Zlrbeit einer Partei, die das „Deutschtum" für sich monopolisieren möchte. Aus fanatischem Haß gegen alles Neue, das eigene Wege geht, will sie alles, was von der Gegenseite kommt, ausrotten und zerstören. Das Bauhaus hat wirklich in der ganzen Welt unter allen Künstlern, die für die neue sachliche Architektur eingenommen sind, Slufmerksamkeit, ja, Be- wunderung und Zustimmung gefunden. In seiner Art ist es ein nationaler Schatz geworden, Grund genug für diese wirklichen Vondolen— die alten Vairdolen haben ja tatsächlich nicht Rom zerstört—, ihn zu vernichten. Batja— Herr der Lust. Der tschechische Schuh-Ford war ein Flugenthusiast. In der Näh« seines Fabrikdominiums Zlrm bei Otrokowice in Mähren hatte er einen Flugplatz und eine ganz« Staffel Flugzeuge, Nicht nur er flog— bis nach Indien— auch sein« Beamten mußten es können. Eines Tages befahl er einem dieser M:t- arbeiter, sofort nach Prag zu fliegen, Mer es war Sturm und der Beamte hotte schwere Bedenken. Damit kam er aber bei dem Chef nichi an.„Ah. Sie glauben, man fliegt nur spo>zieren bei schönem Weiter? Dann sind Sie für mich erledigt!" Darauf bestieg der arm« Teufel den Apparat. Im Sturm verflog er sich und kam erst stärk verspätet auf dem Prager Flugplatz Kb e ly an— aber Batja hatte seinen Willen, Wenn er, der„ungekrönte Konig von Mähren", ein Regierungsgebäude in Prag betrat, stand alles stramm. Jetzt ist er mit einem seiner Flugzeuge abgestürzt. Aufdeckung der Mosaiken der hagia Sofia. Die byzantinischen Mosaiken der chagia Sofia, Darstellungen aus der Geschichte des Christentums, die seit der Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahre 1453 mit Gips, teilweise auch mit einer durch- sichtigen gelben Tünche überzogen waren, sollen nach einem Beschluß der türkischen Regierung wieder sichtbar gemacht werden. Einen Kursus für Laienspiel und Sprechchor veranstaltet der Boverilche Vrlk-bildungsverband auf der W ü l z d u r g bei Meihenburg i. B, vom 16, bis 25, Juli 1032, Zur Leinivg des Kursus wurde der Regisseur K a r l V o g t gewonnen, Karl Bogt ist seit langen Jahren in der Jugend- bewegung und lloienspielpslege latig, Trei Jahre führte er den Sprech- und BewegungSchor der Polksbübne in Berlin, In München leitete er 1330 die Sprcchchor« in dem„Totenmal">FestspieI, Eine Liebermonn-Graphik-Auistellung wird Hugo H e l b i n g, Lützow- user 5, am Sonabend erassnen. Sie wird sein gesamtes Werk an Ra- dierungen und Lithos umfassen, Städtische Oper. Intendant Ebert hgt Fritz Busch-Dresden eingeladen. die musikalische Neueinstudierung von Verdis„M askenball" an der Städtischen Over zu übernehmen, Tie Premiere ist für den 2?, September vorgesehen, Tie Regie führt Intendant Ebert, Tie Ausstellung kriegsbeschädigter Künstler im Rathaus Schöneberg wird auf vielfachen Wunsch bis zum 15, Juli verlängert, Lonise Ulrich wurde für das Deutsche Theater und die Kmmneripiel, verpflichtet.________,__. u Gleiches Recht im„Arbeiierstaai". �christliche Verpflichtung gegen, aber nicht für die Arbeiter. In einem arbeitsgerichtlichen Prozeß eines in Rußland be- schüftigt gewesenen qualifizierten Metallarbeiters gegen die Russische Handelsvertretung bemerkte der Kläger, als ihm die vertraglich zugesicherte Wohnung für seine Familie nicht zugewiesen werden konnte, weil eine Wohnung nicht vorhanden war, habe er sich an den Ober st en Volkswirt- s ch a f t s r a t gewandt. Der habe ihm geraten, mit feiner Familie in ein Hotel zu ziehen, bis die Wohnung fertig sei. Auf den Einwand des Arbeiters, daß die Hotelkosten doch viel höher seien als die Wohnungsmiete, habe der Vertreter des Obersten Volkswirtschoftsrots geantwortet, die Differenz müsse das Unternehmen zahlen, bei dem der Arbeiter beschäftigt sei. Cr, der Arbeiter, habe ersucht, ihm diese Zusage schriftlich zu erteilen, damit er seine Ansprüche dem Unternehmer gegenüber geltend machen könne. Darauf habe der Vertreter des Obersten Volkswirtschastsrats geantwortet:„In einem Arbeiterstaat verlangt man nicht» Schriftliches."„Ja", habe der Arbeiter erwidert,„ihr verlangt doch von uns alles schriftlich", worauf er die Antwort er« hielt:„wir müssen es. aber ihr dürft es nicht." So also sieht es mit dem Recht des Arbeiters gegenüber dem Unternehmer in der Sowjetrepublik aus. Nazi-Gireikbrecher. Beim Böttcherstreik in Lauenburg a. d. E. In Lauenburg o, b. E streiken seit Monaten die Böttcher und Hilfsarbeiteter, um ein Lohndiktat der Unternehmer abzuwehren. Die Nazi-„Arbsiterpartei" hat sich redlich bemüht, den Unter- nehmern Liebesdienste zu leisten. Streikende und deren Sinder sind mit der Waffe bedroht worden. Provoziert wurde mit ollen Mitteln. Nebenbei wurden alle Bs- Hörden um Schutz angebettelt. Dabei wurde es mit der Wahrheit nicht so genau genommen. Seit einiger Zeit wird versucht, diesen Abwehrstreik zu einem posttischen Streik der SPD. zu stempeln. Bei diesem unsauberen Geschäft helfen die braven Spießbürger und ihre Vereine getreulich mit. Auch die„Systemporteibehörden" sollen mithelfen. In der„Lauenburgischen Landeszeitung" Nr. 159 bringt die NSBZO. und die Gaubetriebszellen-Abteilung eine„Erklärung". Der Zweck derselben soll sein, die Streikbrecherarbeil der Pgs. heilig zu sprechen. Die Gewerkschaften sollen schuld an den Notverordnungen und an der Außenpolitik sein. Das erklärt jetzt die Nazi-Notver- ordnungs-Erfüllungspartei, die es billigt, das den Aermsten noch das letzte genommen wird. Eine Partei, die die größten Spitzbuben und Halunken schützt, wagt solche Verdächtigungen auszusprechen. Die Partei der Nazis, die den Mord zum politischen Kampf- mittel gemocht hat, schreibt, daß sie berechtigt sei. Streikbrecher zu stellen. Ja, es kommt noch schöner. Gegen die Nazistreik- b r e ch e r hat die Leitung ein„V e r s o h r e n" eingeleitet. Der Untersuchung»- und Schlichtungsausschuß der Louenburger Nazis hat beschlossen: „Dem Antrag der Ortsgruppenleitung in Lauenburg aus Aus- schluß der Pg. wegen ihres Arbeitens in den(bestreikten D. Red.) Foßsabriken kann nicht stattgegeben werden." Weiter hat der„Untersuchungsausschuß" festgestellt, daß die be- streikten Betriebe zu schützen find. Also, die durch die Unternehmer diktierten Lohnsenkungen bis zu Z0 Broz. werden von der Nazi- „Arbeiterporlei" gebilligt und durch Streikbruch verteidigt. In Laucnburg wird ein erbitterter Kampf geführt von einer vollzählig organisierten Berussgruppe. Die von den Streikbrechern hergestellten Fässer werden in Margarinesabriken und in der Fisch- i n d u st r i e abgesetzt. Arbeiter, achtet daraus, von wo die Fässer kommen! Heist in diesem Komps überall mit! Verantwortl. für die Redaltion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Slocke. Berlin. Berlog: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin S® 68, Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. � OkfMffc'Jln&iger � oto I Metallbox für Rollfilme 6X9 nur 4.60 1 Westentaschen Kodak. 4X6'/, neu. nur13,ÖO Voigtländ. Rollfilm m. Voigtar 6,3 nur 28.50 (neu) Agfa Billy 6X9 9ebr.nur22.50 Rollfilm„Extra" 6X9 4 6 3 Aufn 0.50 0.60 0 80 I Filmpack 6 Auf- I nahmen 6X9 9X12 I.OO 1.45 Messingstativ 4 6 teilig nur 3.20 4.20 Metallkassette 9X12 nur 0.45 | Selbstauslöser für Moment nur.. 0.95 | Büttenrand- schnelde- masch. n. 1.25 ! 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Beobachtungen einer Studienreise-- Von Erich Vowe Die vor nicht allzu langer Zeit verössentlichten Bücher:„Wir Zuchthäusler" von Georg Fuchs und„Menschen im Zuchthaus" von Lenka von Körber sind von oller Literatur, die sich mit dem Problem de? Strafvollzugs befaßt, wohl am meisten in der letzten Zeit beachtet worden. Beide Bücher wirken weder im Sinne polt- tischer Verhetzung noch stellen sie bestimmte Personen oder Methoden des Etrasvollzugs bloß oder klagen sie an. Aber beide Bücher zweifeln am System des heutigen Strafvollzugs, um nicht zu sogen, sie verzweifeln. Deutlich oder zwischen den Zeilen ziehen sie das Fazit:„Der heutige Strafvollzug trägt nicht zur Erziehung oder Besserung der ihm unterstellten Menschen bei. Er hat Mühe genug, dahin zu wirken, daß die Gefangenen die Anstalt nicht moralisch schlechter geworden verlassen," Aber es bleibt bei dieser pessimi- stischen Feststellung, bei dieser Verzweiflung, Es wird kein anderes System an die Stelle gesetzt. Es wird kein radikaler Abbau des alten verlangt und Neuaufbau gefordert. Und wenn man schon hier und da von grundlegenden Aenderungen hört, so ist man sich doch darüber klar, daß wir heute in Deutschland bei der heutigen Finanzlage nicht in der Lage sind, kostspielige Aenderungen vorzu- nehmen. Man ist höchstens besorgt, daß die Zustände nicht not- gedrungen noch schlechter werden. Es werden sich also diejenigen, die in Deutschland für den Strafvollzug verantwortlich sind, daraus beschränken müssen, die Kritik und Besserungsvorschläge nur soweit auszunehmen und zu verwerten, wie die Finanzlage es gestattet, d. h, die zu machenden Besserungsvorschläge dürfen so gut wie gor keine Kosten verursachen, Zweifel am System. Amerika, von dessen Zuchthäusern und Gejängnissen hier die Rede sein soll, befindet sich in einer ähnlichen Lage, Auch hier klingt durch die ganze Strafvollzugsliteratur der Zweifel am S y st e m. Die Statistiken der rückfälligen Verbrecher beweisen so- zusagen die Erfolglosigkeit des Strafvollzugs, wenn man die Situation pessimistisch ansieht. Trotzdem glaube ich nach eingehendem Studium der amerikanischen Anstalten sagen zu können, daß hier auf das Ganze gesehen die Anstalten besser und weiter fort- geschritten sind. Sicherlich gibt es in Amerika wie in Deutsch- lond gute und schlechte Gefängnisse. Die Gegensätze sind sogar auf der Gegenseite erheblich schroffer und unausgeglichener. Aber ich glaube, um es kurz deutlich zu machen, was ich meine, daß die besten amerikanischen Anstalten bei weitem besser sind als die besten deutschen Gesängnisse. Und von diesen Gefängnissen könnten wir einiges lernen und ohne erhebliche Unkosten übernehmen. Dabei dürfen wir natürlich nicht in den Fehler verfallen und die ameriko- nifchen Anstalten kopieren. Denn die Aufgaben und Probleme des amerikanischen Strafvollzugs sind andere als bei uns. Auf jeden Fall müssen wir uns hüten vor dem Fehler, dem einige wenige amerikanische Anstalten erlegen sind: die Gefängnisse zu gut herzu- richten, so daß ein Witzblatt sich mit Necht den Scherz erlauben konnte, seine Leser einzuladen, die schweren Wintermonate doch in,.. zu verbringen, wo für alles aufs beste gesorgt sei. Der folgen- den Darstellung liegen nur solche Anstalten zugrunde, deren Methoden ich einem eingehenden Studium unterzog. Mit Rücksicht auf die Situation, in der wir uns befinden, treten die guten An- stalten und Methoden in den Vordergrund, von denen wir glauben lernen zu können, Bei jeder Darstellung des amerikanischen Strafvollzugs, kann nicht genug betont werden dos Interesse, das die O e f f e n t l i ch- k e i t den Gefängnissen und Zuchthäusern entgegenbringt. Die Zeitungen bringen fast täglich Berichte über Besuche in An- stalten. Jedem Bürger stehen die Tore des Gefängnisse» offen, wenn er Interesse an Strafvollzugsmethoden zeigt. Nichts wird ihm verschwiegen oder nicht gezeigt, Erbarmungslos werden schlechte Zustände gerügt und aufgedeckt. Es wird sogar jedem Bürger vor- gehalten, daß er als Steuerzahler das Recht habe, sich danach umzusehen, ob sein Geld richtig angelegt und bestmöglich für Schutz seiner Person und seines Eigentums verwandt sei. Der Staat und private Gesellschasten veranstalten in regelmäßigen Zeitab- ständen Generolvisitationen, um allen etwaigen Miß- ständen auf die Spur zu kommen. Beim Lesen des Berichts der Wickersham-Commisfion kann man sich des Eindrucks nicht er- wehren, als ob man oft sogar nach Mißständen geforscht Hobe, wo in Wirklichkeit keine Uebelstände zu finden waren. Ter Werdegang des Verbrechers. Um die Methoden des amerikanischen Strafvollzugs voll und ganz zu verstehen, muß man zunächst etwas erfahren von dem Werdegang der Insassen. Der größte Teil der Insassen gehört von Jugend auf dem Verbrecherstande an, Schon in früher Kindheit wurden die ersten Erfahrungen gesammelt. Das Milieu, die Straße und �»ie jugendliche Bande wurde» zum Per- führer und schließlich zum Lebenselement. Die amerikanische Literatur um das Problem:„Vererbung oder Milieu" hat sich eindeutig für das letztere als chouptfaktor des Verbrechens entschieden. Der Junge, der in einer Verbrechergegend der großen Städte oder in den Wohnvierteln des Lumpenproletariats, den „Slums" wohnt, geht zwongsmaßig den Weg zum Verbrecher, In manchen Teilen dieser Slums beträgt der Prozentsatz der kriminellen Jugendlichen 100 Prozent, Der Moralkoder ist einfach umgekebrt, Der Junge, der in diesen Straßen wohnen und nicht stehlen würde, käme in Verdacht, anormal veranlagt zu sein. Die Verbrecherbande ist der Beherrscher der Straße, denn selten gehen die Jugendlichen allein ihre verbrecherischen Wege, sondern gemeinsam als Glieder eines organisierten Apparats werden Pläne geschmiedet und aus- geführt. Daß hierdurch dem Gesängni? der Versuch, den Gefangenen zu bessern, ungeheuer schwer gemocht wird, liegt offen zutage, chinzu kommt, daß bei den meisten Insassen der Zuchtbauser die Methoden der Fürsorgeerziehung schon vergeblich onge- wendet wurden. Der Bonn und der Einfluß der Straße war mochtiger und stärker. So ist es denn meistens dem Gefängnis un- möglich, die schon in der Jugend eingelchlagene Lebensrichtung zu andern. Meistens zieht der Gefangene aus der Strafzeit nur die Folge, beim nächsten Rechtsbruch oorsichttger zu sein Zu dieser Schwierigkeit, die nicht nur der amentamsche Strafvollzug bietet (wenn sie auch bei ihm deutlicher wird als irgendwo sonst), kommt ein spezifisch amerikanisches Problem: das Rassen- und Völker- g e m i s ch. Der Versuch, den Amerika als Ganzes unternimmt, nämlich alle Rassen und Völker der Erde nahezu zu einer Nation zusammenzuschweißen, der an Größe meines Erachtens dem Ver- such in Rußland: die Diktatur des Proletariats auszurichten, gleich- kommt, wird in einem Zuchthaus in seiner ganzen Größe und soft unüberwindlichen Schwierigkeiten deutlich, Hier ist ein Hindernis, welches keine andere Notion zu überwinden hat. Jeder Fehlschlag wäre angesichts dieses Problems entschuldbar. Mehrere Rassen und Völker in einer Anstaltsgemeinschost, bedeutet für die Pädagogik des Strafvollzug- eine unlösliche Aufgabe, Bewundernd kann man deshalb nur staunen, wie diesem Problem in den Vereinigten Staaten begegnet wird, wenn es auch nicht zu einer befriedigenden Lösung kommt, Tas Leben im Gefängnis. Die amerikanischen Gefängnisse sind mit geringen Ausnahmen s c h r g r o ß. Es besteht unter den Direktoren der Anstalten ein gewisser Ehrgeiz, dos größte Zuchthaus zu hoben. Aber dos Stoatsgefängnis in Jackson wird mit seinen fünfeinhalb- tausend Insassen wohl für längere Zeit das größte bleiben. Durch das Steigen der Kriminalitätszisser ergibt sich in vielen Gesäng- nissen das Uebel der U e b c r s ü l l u n g, Einzelzellen müssen doppelt belegt werden, oder es werden Notlager hergerichtet. Durch die Weltwirtschaftskrise und die dadurch hervorgerufene Arbeits- losigkeit, von der besonders die Anstalten betroffen werden, werden der Gefängnisleitung neue Aufgaben gestellt. Wie sollen dies« Ar- beitslosen beschäftigt werden? Da man den bei uns beachteten Grundsatz, die Isolierung der Gefangene», nicht in Anwen- dung bringen will, hat man Mittel und Wege gefunden, den arbeits- losen Insassen zu beschästige», sei es, daß er in der Bibliothek seinen Neigungen nachgeht oder auf dem Sportfeld sich betätigt. Die- jenigen, die ihre Schulbildung nicht vollendet haben, besuchen weiter die Schule. Der Schulbesuch ist für manche Gefangene un- bedingt erforderlich, da Amerika mit seinen vielen eingewanderten Bewohnern einen beträchtlichen Prozentsatz Analphabeten auszu- weisen hat. Diejenigen Gefangenen, die das Vorrecht haben, arbeiten zu dürfen— denn Arbeit ist Belohnung für gute Führung— und entsprechend entlohnt zu werden, hoben des Abends Gelegenheit, die Schule zu besuchen. In jedem Fall wird es vermieden, daß der Gefangene den Tag oder nur seine freie Zeit in der Zelle verbringt. Isolierung in der Zelle ist nur für solch? Gefangene, die sich eines Vergehens in der Anstalt schuldig gemacht haben und deshalb ihr« Ordnungsstrafe empfangen Nur in dem Fall eines Vergehen? bolt man eine Isolierung in der Zelle für nutzbringend. Den Ge- fangenen, die sich gut führen, dienen die Zellen nur als Schlaf- zellen, Deshal spielt es auch keine so große Rolle, daß in manchen Gefängnissen noch einige Schlofsäle in Gebrauch sind, Die Zellen sind in den meisten Fällen nicht mit Türen ver- sehen, sondern mit einem E i s e n g i t t e r, so daß man von außen das Innere der Zelle sehen kann. Durch einen Mechanismus kann sowohl jede einzelne Zelle für sich als auch die Zellen eines ganzen Blockteils zusammen geöffnet und geschlossen werden. Weder zur Arbeit noch zum Essen wird die Zelle benutzt. Ich habe kein Ge- fängnis gesehen, in dem das Essen nicht gemeinsam im Speisesaal eingenommen wurde. Die Essensverteilung geht nach dem in Amerika üblichen Eafeteriasystem vor sich. Die Ge- fangenen nehmen ihre Plätze alle in einer Richtung ein, sitzen sich also nicht gegenüber. Von der Güte des Essens kann man sich in jeder Anstalt überzeugen. Nur sehr selten hört man eine Klage über schlechtes Essen, In der freien Zeit gegen Mittag und gegen Abend treiben die Sportbegeisterten Sport, die übrigen ergehen sich rauchend und unterhaltend auf dem genügend Raum bietenden Anstaltsgelände, Keine Isolierung, kein Rauch- oder Sprechverbot, kein Abstand zwischen den einzelnen Gefangenen, sondern zwanglos wie auf dem Schulhof einer großen Schul«. Wenig Aufsichtsbeamte, unbewaffnet, sargen für Ordnung. Es war mir, der ich diese freiheitlichen Methoden von deutschen Gesängnissen nicht kannte, dieses ungezwungene Leben sehr ein- drucksooll. Man fragt sich: Kann dos zu einem guten Ende führen? Aber man fragt sich ebenfalls: Warum versucht man nicht anderswo diese Methoden? Tas Strafsystern. Da die persönliche Freiheit auch das Lebenselement des Zuchthausinsassen ist, ist der Entzug derselben die empfindlichste Ordnungsstrafe, Der Gefangene, der sich gegen die Regeln und Ge- setze der Gemeinschaft vergangen hat, wird von ihr isoliert und muß nun in Einzelhaft ohne Arbeit lernen, was es heißt: Glied der großen Gemeinschaft zu sein. Die anderen Strafen sind ähnlich denen in europäischen Gesängnissen: Entzug von Vergünstigungen wie Teilnahme am Sport oder Kinobesuch usw. Neben dieser Handhabung der unmittelbaren Strafen hoben die amerikanischen Anstalten eine sehr wirksame Mahregel: die Ver- längerung der Strafzeit. Der Richter verurteilt die über- sührten Verbrecher immer zu einer unbestimmten Strafzeit, d, h, er bestimmt Minimum und Maximum der Dauer des Gefäng- nisaufenthalts. Es hängt also von der Gesängnisleitung bzw. von der Führung des Gefangenen ab, wie lange er sich in der Anstalt aufzuhalten hat. Es hat sich ein bestimmtes Verdienst- oder Punktsystem herausgebildet. Wenn der Gefangene einen Monat hindurch keinen Punkt oder nur wenige Ordnungspunkte be- kommen Hot. hat er von seiner Strafe nicht nur einen Monat, sondern vielleicht sogar anderthalb Monat abgesessen, Umgekehrt, wenn er eine bestimmte Anzahl von Punkten überschritten hat, wird ihm der Monat überhaupt nicht angerechnet. Die Idee dieses Punkt- syftems, nämlich der Zusammenhang zwischen Strafzeit und Fvh- rung des Gefangenen, ist in jeder amerikanischen Anstalt durchgeführt, wenn auch die Ausführungen sehr voneinander abweichen. Dieses System erklärt die Seltenheit der Revolten in ameriko- nifchen Zuchthäusern, da jeder darauf bedacht ist, seine Strafzeit so kurz wie möglich zu gestalten, In den meisten Anstalten wird darauf gesehen, daß dos tag- ltch« Einerlei des Lebens des Gefangenen nutzbringend unterbrochen wird. Die Bidliotheten befinden sich in einem ausgezeichnetem Zustand, sowohl was belletristische Literatur als auch wisienschaftlich-allgemeinverständliche Bücher betrafst. In Sing- Sing besitzt jeder Gefangene Radio in seiner Zelle, das er abends von 6 bis 10 Uhr abhören darf. Ein- oder zweimal in der Woche finden Film vortrüge statt, Jackson hat von seinen Gefangenen für diese Ftlmvorträge ein Theater bauen lassen, das in nichts einem prunkvollen Großstodttheater nachsteht. Am Sonn- abendnachmittag kommen Sportmannschasten von auswärts und spielen gegen die einzelnen Anstoltsmannschoften. Auch hier ist Sing-Sing führend, das letztes Jahr sogar zum Staunen der Amerikaner das rauhe Rugbyspiel einführte. Der Sonntag geht in puritanischer Stille vorüber, der Gefangene besucht den Gottes- dienst feiner Denomination, Ter elektrische Sticht. Der freundliche Führer einer Anstalt wird nie vergessen, mit sachlicher Kühle den elektrischen Stuhl zu zeigen und zu er» klären. Man nimmt es sehr oft nicht allzu ernst mit dem Leben eines Menschen in Amerika— man Hot wenigstens den Eindruck, Nur wenige Staaten kennen die Todesstrafe nicht. Als ich Sing- Sing besuchte, befanden sich in dem Todeshause über fünfund- zwanzig Männer, die aus Vollstreckung ihres Todesurteil» warteten, darunter— horribilp dichi— Jugendliche im Alter von sechzehn Iahren, Nicht der schöne Blumengarten vor dem Tadeshause, nicht die geheimnisvolle Stille und auch nicht das bessere Essen, das dort verabreicht wird, ertötet die Anklage manches Verdammten, der einer allzu horten Weltordnung zum Opfer fiel, noch beruhigt den Zweifel an der menschlichen Gerechtigkeit in der Brust de- Be- suchers, Ilm so freudiger betritt man das Gefängnis in Jackson im Staate Michigan, der die Todesstrafe nicht kennt und nur zu lebens- länglichem Anstaltsaufenthalt verurteilt, der bei guter Führung streng aber so human wie möglich gestaltet wird Humanität? Humanität ist die Losung amerikanischer Gefängnis- Pädagogik. Darüber sich mit jedem Gesongenen zu unterhalten, steht dem Besucher frei. Ich sprach oft mit den Gefangenen über die Gefahren dieser oft übertriebenen Humanität, Ich werde nie eine Unterhaltung mit einem jungen Deutschamerikaner vergessen. Ich stellte ihm die Frage: Ob er bei der augenblicklichen Wirtschafts- löge eine Versorgung in einem Zuchthaus, wie es besser nicht ge- dacht werden könne, nicht einem unsicheren Leben außerhalb vor- ziehe,„Sie haben zwar recht", antwortete er:„Wir haben keinen Grund, uns über irgend etwa? zu beschweren, wir kennen keine ungerechte Behandlung Wir haben gutes Esten und viel Ab- wechslung und Unterhaltung, Es ist ein Leben in Freiheit, obep Freiheit hinter Gittern, Sie verstehen das erst, wenn Sie mehrere Jahre hier sein würden. Ohne der Anstalt einen Vorwurf zu machen: Lieber in der Freiheit verhungern als hier ahne Sorgen zu leben." Sehr ost machen die freund- ltchen Gefangenen einen untrüglichen Eindruck, sind glücklich und scheinen zufrieden zu sein. Wenn man sieht, wie die Beamten mit den Gefangenen verkehren, weiß man, hier herrscht ein„eexxl spirit". Alle Gefangenen werde» unter Porole entlassen, d, h, sie müssen von Zeit zu Zeit an die Anstalt berichten oder werden von einem Beamten der Anstalt besucht. Bei Verletzung der Parole- regeln werden sie in die Anstalt zurückgebracht, Dom Gefängnis aus besorgt man auch dem entlassenen Gefangenen Arbeit, wenn es eben zu machen ist. Niemals Haider Gefangene wie bei uns darunter zu leiden, daß er als ehemaliger Gefängnisinsasse keine Stelle bekommt. Entweder man verlangt überhaupt keine Daten über sein Vorleben oder man gibt ihm großmütig eine neue Gelegenheit zu einem neuen Leben, Iugendgefängnisse. Neben den allgemeinen Anstalten gibt es besondere Iugendgefängnifse, Resormatories genannt, unter denen sich Elmira und Rahway besonders auszeichnen. Elmira ist das historische Vorbild für die Iugendgefängnisse der ganzen Welt und für den Stusenstrasvollzug geworden. In den Resormatories herrscht strengere militärische Zucht, wird mehr Wert aus gründ- liche Erlernung eines Handwerks gelegt, sie sind aber im übrigen von den Zuchthäusern nicht sehr verschieden. Rahway macht einen sehr zu empfehlenden Versuch: Jede Woche einen Abend kommen Personen von auswärts, die an sich nichts mit dem Strafvollzug zu tun haben, und diskutieren Lebensfragen mit den Gefangenen in kleinen Kreisen zu zehn Mann, Das zugrunde liegende Buch versucht, Lebensfragen und Probleme des täglichen Lebens jugendlichen Rechtsbrechern nahe zu bringen, ihnen zu helfen und sie womöglich auf den richtigen Weg zurückzubringen, Daneben gibt es in vielen Gefängnissen«ine Art von S e l b st- Verwaltung der Gefangenen, Auf diese Idee der Selbstner- waltung baut auch George, der Gründer der ersten Jugend- r e p u b l i k in Amerika, seinen Versuch des„Sozialen Krankenhauses" auf in Analogie zu dem Krankenhaus, in das die körperlich Kranken kommen, Selbstregierung der Insassen und damit Erziehung zur Verantwortung und Sorge für den tag- lichen Unterhalt sind die in den Iugendrepubliken seit langen Iahren erprobten Ideen, die auf da» Gefängnis als soziales Krankenhaus übertrogen werden sollen. In dem sozialen Krankenhaus wirkt der Sozialpädagoge als Arzt. Die Zukunft wird lehren, ob dieser Versuch Georges ebenso wie seine Jugendrepublik überzeugend und helfend an der Lösung der Probleme des Strafvollzugs entscheidend mitwirken wird. Jetzt aber schon können wir von den amerikanischen Anstalten die Vor- teile lernen, die auch uns weiterhelfen werden: Dos Interesse der Oefsentlichkeit, die Abhängigkeit der Dauer des Aufenthalts in der Anstalt von der Führung des Gefangenen, Die Zwecklofigkect ständiger Isolierung und nutzloser Verbote wie Rauch- und Sprech- oerbot, den Zweck und Vorteil eines gemeinsamen Speisesaals und lest not lean die Betonung der menschlichen Gleichbe- r e ch t i g u n g des Gefangenen auch nach der Zuchthausstrafe, Arbeiler- bei einer Rettungsübung zu Wasser Um den Sieg im Arbeiter-Tennis Oesterreich gegen Berlin 4:4- Heute Fortsetzung der Kämpfe Der Kamps der Kreismannschaft im Arbeiter-Iennissport de« 17. österreichischen Kreises gegen eine Mannschaft des 1> Kreises Berlin-Brandenburg begann gestern aus dem lennisplah im volkspart Rehberge. Bei den Oesierreichern zeigte sich, dost die Männer sehr angrisfsluslig im Spiel waren. Sie legen aus Spielhärte besonderen wert, ohne dabei die Taktik zu vernachlässigen. Von den ausgetragenen Vier-Männer-Einzelspielen gewannen Berlin und Oe st erreich je zwei. Günther- ATGB. unterlag, ohne seine gewohnte Form zu finden, in einem harten Dreisatz-Kampf dem jungen Grazer Tenze. Eine überraschende und unverdient hohe Niederlage mit 6:0 6:0 muhte M ü l l e r- Tennis-Not von Hauben wallner- Wiener-Neuftadt hinnehmen. F i ch e r- Tennis-Not holte einen wertvollen Punkt gegen P i rch- Ternitz durch einen Sieg im Drei- satz. P ü t t n e r- Tennis-Not blieb in eleganter Spielweise eben- falls im Dreisatz über Doppler- Wiener-Neustadt erfolgreich. Im Frauen-Einzel siegt« hoch vurch ihre harten und gutgesetzten Bälle Brinkmann- Tennis-Not über N o v a ck- Wiener-Neustadt mit 6:06:1. P i r ch- Ternitz setzte sich dagegen über Müller- Tennis-Not in zwei Sätzen durch. Wünsch- FTEB. fand sich nach einem verlorenen Satz und besiegte in drei Sägen(Bruder- Ternitz. Das erste österreichische Männcr-Doppel Tenze- Haubenwallncr schlug Kohler-Müller ohne besondere Gegenwirkung mit 6:3 8:6. Die Berliner sanden sich nicht: sie spielten völlig zerfahren, während auf der Gegenseite besonders Haubenwallner z» den besten Leistungen auilicf. Das Treffen wird heute ab 16 Uhr auf dem Sportplatz im Ariedrichshain weitergeführt. Da jede Mannschaft bis jetzt 4 Punkte hat, liegt die Entscheidung des Treffens bei den aus- stehenden Frauen- und gemischten Doppel. Wie am ersten Tage sind scharse Kämpfe und knappe Resultate zu erwarten. Tenmshämpte umdenEuropatitel Die„Prominenten" in Mailand Noch vor acht Tagen beschäftigte man sich in bürgerlichen Sport- kreisen mit der Frage: werden die deutschen Davispokal- s p i e l e r gegen England ehrenvoll mit 2: 3 unterliegen,»der wird es eine Katastrophe von 0: 5 Punkten? In einem der aufregendsten Kämpfe, die die deutsche Tennisgeschichte kennt, rang P r e n n in fünf schweren Sätzen Perry nieder und verhalf damit Deutsch- land zu einem ebenso sensationellen wie unerwarteten 3:2- Sieg über das für unschlagbar gehaltene England. Vom Freitag bis Sonntag wird jetzt auf der Anlage des Mailänder Tennis Club gegen Italiens Ertraklasie zur Schlußrunde der Europazone an- getreten. Die letzte Davispokal-Begegnung zwischen Deutschland und Italien fand im Juni 1S29 in Hamburg statt. Damals siegten wir mit der Mannschaft Moldenhauer, Landmann und Prenn über die Italiener de Stefani, de Morpurgo und Del Bona knapp mit 3: 2, während der letzte Länderkampf 1030 in Florenz, bei dem deutscherseits Kuhlmann, Nourney, Dr. Buh und Frenz mitwirkten, unentschieden 6:6 endcie. Zweimal schon haben die Italiener die Schlußrunde der Europazone gewonnen, 1028 mit 3: 2 gegen die Tschechoslowakei(voran ging ein 4:1- Sieg über England) und 1930 mit 3: 2 gegen Japan. Im Intcrzonenfinale wurden die Italiener dann beide Male von Amerika mit 4: 1 geschlagen, während Deutschland, als es 1929 Sieger der Europazonc wurde, mit 0: 5 gegen Amerika verlor. Alles fiebert, alles wartet „Königlicher" Empfang in Los Angeles— Ist das noch Sport?— Nurmi ist audi dabei Nach der Ankunft der finnischen Teilnehmer in New Park wurde die Mannschaft von Bürgermeister Jimmy Walter empfangen. Hauptperson war natürlich Nurmi, der dem New- Yorker Stadtoberhaupt gegenüber etwas aus seiner Zurückhaltung herausging und ihm Rede und Antwort stand. An seine Start- Möglichkeit zweifelte Nurmi absolut nicht und erklärte im übrigen, daß er den Marathonlaus bestimmt gewinnen würde. Die französische Mannschaft benutzte den Dienstag und Mittwoch zur Besichtigung der Stadt und tritt am Donnerstag vor mittag die direkte Weiterreise nach Los Angeles an. Am Mittwoch vormittag haben die Italiener New Park mit dem Ziel Washington verlassen, von wo aus die Reise mit einer kurzen Zwischcnstation in St. Louis nach Los Angeles sortgesetzt wird. Auch die Holländer befinden sich bereits aus der Eisen- bahnfahrt durch den amerikanischen Kontinent. Das Riefentor des Olympischen Stadions von Los Angeles, auf dem während der Spiele die olympische Flagge mit den fünf Ringen wehen wird, trägt eine riesige bronzene Tafel mit einer recht verheißungsvollen Inschrift, die folgenden Wortlaut hat:„Los Angeles grüßt die Welt und versichert einen„königlichen Empfang" für jeden, der an den Olympischen Spielen vom 30. Juli bis 14. August teilnimmt." Für die bereits im Olympiadorf ein- quartierten Mannschaften hat sich etwas davon schon bewahrheitet. Die Stadt Los Angeles gibt jeder Mannschaft einen besonderen Empfang, bei welcher Gelegenheit jedem Monnschastssührer ein goldener Schlüssel überreicht wird. Derartige Empfänge gibt es jetzt, fast taglich. Sie werden zu einem Ereignis, an dem die ganze Stadt teilnimmt, denn jede Mannschaft marschiert durch die Haupt- straßen der Stadt zu'dem gewaltigen„C i t y h o u s e" und ist bei diesem Einmarsch Gegenstand lebhaftester Ovationen seitens der Be- oötkerung Kein Weltflug mehr ohne Rekord Der Wanderpreis ist da— Sogar von einem Prinzen gestiftet. Wiederholt sind besonders von Amerikanern Versuche unter- nommen worden, im Flugzeug um die Welt zu reisen und dabei möglichst eine Rekordzeit herauszuholen. Der letzte derartige Versuch nahm vor wenigen Tagen ein vorzeitiges Ende, denn das Flugzeug der Amerikaner Griffin und Matt er n ging bei einer Notlandung in Rußland zu Bruch, nachdem die beiden Pilo- ten die Strecke Neufundland— Berlin in glattem Fluge bewältigt hatten. Der Internationole Luftfahrt-Verband hat nunmehr für der- artige Unternehmungen einen für Flugzeuge und Lustschiffe offenen Wettbewerb geschaffen, dessen Gewinner den vom Vorsitzenden der FAI., Prinz Bibesco, gestifteten Wanderpreis erhält. Zwei Bedingungen werden gestellt: einmal Rekordzeit, zum anderen Einhaltung einer bestimmten Route, auf der Zwangs- landungen in Karachi(Vorderindien), Tokio, San Franziska, New Dort sowie in einer europäischen Großstadt. Berlin, Poris, Lon- don, Rom oder Bukarest, zu erfolgen haben. Ein von Berlin aus auf der angegebenen Route durchgeführter Rundflug um die ganze Welt zurück nach Berlin würde über eine Gesamtdistanz von 31 130 Kilometern führen. Rekordsucht Ein amerikanisdher Sporttrainer erhebt öffentliche Anklage Wenn man die Rekord listen der bürgerlichen Leicht- athleten durchsieht, wundert sich so mancher, daß die Arbeiter- sp ortler nie recht damit konkurrieren können. Wie kommen nun aber derartige Rekorde zustande? Darüber gibt ein Trainer der amerikanischen Olympiatruppe lehrreichen Ausschluß. Der Trainer erhebt nämlich in verschiedenen Zeitungen Amerikas öffentliche Anklage gegen eine Anzahl kalifornischer Funktionäre, die den Sprintern, das heißt den Kurzstrecken- läusern, und den Mittelstrecklern zu phänomenalen Rekordzeiten verhalsen haben. Wörtlich erklärte er:„Die Stoppuhren sind zwar einwandfrei gewesen, aber ich mußte vielsach feststellen, daß ein- zelne Zeitnehmer um jeden Preis Rekorde haben wollten und des- halb die Uhren nicht richtig bedient haben." Daß diese Erklärung berechtigtes Aufsehen erregt hat, ist begreiflich. Was aber wird man von feiten der Olympialeitung unternehmen, um derartige Vorkommnisse zu unterbinden? Höchst- wahrscheinlich gar nichts, denn auch die Leitung braucht Rekorde auf jeden Fall, um damit vor der Oeffentlichkeit die Notwendigkeit des bürgerlichen Sports zu demonstrieren. Rekordsucht, aber nicht Ertüchtigung des Körpers, das sind die Ziele des bürgerlichen Sportes. Sensation um einen Hengst Phantastische Summen bei Pferdeversteigerung Die öffentliche Versteigerung des jetzt zehnjährigen englischen Deckhengstes Solario aus dem Nachlaß des verstorbenen Sir John Rutherford, die in der englischen Traiyingszentrale New- market erfolgte, gestaltete sich zu einer Sensation. Die Angebote überstürzten sich förmlich, bis schließlich eine Gruppe englischer Züchter unter Führung von Lord Glanely für den Sensationspreis von 47 000 Guineen, die beim heutigen Kurs des englischen Pfundes einen Betrag von etwa 705 000 M. ausmachen, den Zuschlag erhielt. Es ist dies der h ö ch st e Preis, der je für ein Pferd auf einer öffentlichen Auktion erzielt worden ist. Den Rekord hielt bisher der berühmte Flying Fox, den Herr Edmond Blanc 1900 aus dem Nachlaß des Duke of Westminster für 37 500 Guineen erwarb. Damals war eine Guinee etwa 21 M. wert, so daß der Kaufpreis von 750 000 M. für Flying Fox eigent- lich noch höher war als der für Solario erzielte Preis. Bei frei- händigen Verkäufen wurden für erstklassige Vollblüter allerdings noch höhere Summen bezahlt. Mr. Mallaby Deeley gab seinem Bruder 60 000 Pfund für den Derbyfieger Call Boy, der Argen- tmier Unzue bezahlte 53 000 Pfund für den St. Leger- Sieger Tracery, und vor einigen Jahren wurde der englische Derbysieger Captain Cuttle, der unlängst eingegangen ist, für 50 000 Pfund nach Italien als Deckhengst verkaust. Auch für die Mutterstuten des verstorbenen Sir John Ruther- ford bestand bei der Newmarket-Auktion großes Interesse. Den höchsten Preis erzielte mit 6400 Guineen<96 000 M.) die neun- jährige Roi Herode> Tochter Persuajion mit einem Fohlen von Solario. Fnglsnds neuester Boxmeister Der in der vorigen Woche verregnete Boxkampf zwischen Rezaie Meen und Jack Petersen um die englische Schwergewichts- Meisterschaft wurde vor nur mäßigem Besuch im Londoner Wimbledon-Stadion abgewickelt. Bereits in der zweiten Runde kam das Ende. Jack Petersen landete einen genauen rechten Kinn- haken, der Titelverteidiger stürzte schwer zu Boden und wurde aus- gezählt. Der in seinem Aeußeren stark an den großen Georges Carpen.tier erinnernde Jack Petersen, der sich vor einigen Wochen schon den englischen Halbschwergewichtsmeistertitel holte, soll in der nächsten Zeit in London mit dem deutschen Meister Hein Müller zusammengebracht werden. Buude�iccue\JtWMt ledzu mi: To»riste»»e«>»„Sic Stotucftcunbc". Donnerstag, 14. Juli. 20 Uhr fvrichi Dr. Deri in der Danzigcr Strafte 62, Baracke 2, ounkilich. und zwar Über:„Weltanschauung".— Freitag, 1Z. Juli. Photoarbeitsgeinein- (chaft Franke: Iohannisstrafte 1Z, Dunkelkammer.— Photoarbeitsgrmein, lchaft Neukölln: Bergltrafte 29.— Photoardeitsgemeinschaft Osten: Franksurler Allee 307.— Faltbootabtcilung: Zohannisstr. 1a. Zaltbootgcschichten.— Südost: Manteusfelstr. 7. Traoen-Abend.— Sharlottenburg: Spreestr 30. Treffen am Teufelssee.— Britz: Chausscestr. 48. am Rathaus. Die politische Lage.— Treptow: Elsenstr. 3, am Bahnhof. Bunter Abend.— Montag, 18. Juli. Mal- aemeinschast: Mantcusfelltr. 7.— Photostammabteilung: Johannisstr. lö. Heide» see kontra Wannsec. Bilderkritik hierzu. Teunis-Slot Sroft-Berlin, Abt. Reukölln. Heute, Donnerstag, 20'.z llhr, Mit- gliederverfammlung im Cafe Reinhardt, Hafenheide Z7. Freie Sportuereinigung Pankow. Die Vereinsversammlung Freitag. 13. Juli, fällt wegen Wahlarbeit aus. Sportler treten in dunkler Hose und Echillerhemd zum Fahneneinmarsch im Pankower Gesellschaftsbaus um 19:� Uhr an. Adler 08 sucht für 18. oder 17. Juli Spiele für 2. und 3l Mannschaft auf Gegners Platz. Telephonischer Anruf am Freitag, 20 Uhr, unter v 8 4986. Zßuch Itilhelm Speyer: Jtoman einer llachl Der Titel des Buches hat eigentlich einen doppelten Sinn: ge. meint ist damit die Geschichte des Kriminalschriftstellers Johansen und seiner Frau, die sich in einer Nacht abspielt, oder die vielmehr in einer Nacht geschrieben wird, und dann noch den, daß man den Roman auch in einer Nacht zu Ende liest. Wie ja das mit guten Kriminalromanen meistens so ist, daß man nicht mehr los kommt davon, bis nicht alles geklärt ist, und mit der Stadtbahn manchmal darüber ein paar Stationen z» weit fährt. Und das Buch ist trotz des gar nicht im geringsten kriminalistischen oder sensationellen Titels ein Kriminalroman, in dem ein regelrechter Mord vorkommt, eine Gerichtsoerhandlung, überraschende Geständnisse, Vermutungen, Zu- fälle, und endlich ein ksppv enci, das ziemlich enttäuscht, indem es die ganze aufregende und spannende Handlung, die der Leser eben als Wirklichkeit und tatsächliches Geschehen erlebt hat, auf die Phan- taste des KriminaljchriftsteUers Johanjen abwälzt, der ganz pläglich und unerwartet von einem neuen Stoff derart gepackt wird, daß er feiuen neuen Roman in einer Nacht in die Diktiermaschine spricht. Und so wird dann der Schluß auf eine etwas billige Art und Weise herbeigeführt, indem nämlich die Frau des Schriftstellers, die im Laufe der Handlung eine Freundin erschossen hat, zu ihm ins Zimmer tritt und ihn in die Wirklichkeit, die gänzlich ungetrübt ist, zurückbesördert: gerade in dem Augenblick, wo sich in der Handlung des fiktiven Geschehens die Motivierung und die psychologische Lösung ihrer Tat ergeben soll, tritt sie ins Zimmer, knipst das Licht an und zerstört dem Leser die Freude an der letzten Illusion. Hier ist Speyer in der Ausschaltung des Unfficchrfchciiilichen, in dem Wollen, daß sein Kriminalroman auch die Probe an der Wirklichkeit überstehen möge, einen Schritt zu weit gegangen. Das Buch über- steht diese Probe glänzend, bis eben auf den gutgemeinten Schluß, der wie eine Kulisse auf einer Freilichtbühne wirkt. Bis auf diesen kleinen Schönheitsfehler ist das Buch ausgezeichnet. Besonders her- vorzuheben sind die Charakieristiken der Geschworenen, des Staats- anwattes, des Verteidigers und die Kinderszenen. Das Buch ist flüssig geschrieben, es zeigt neue Wege und Möglichkeiten für den Kriminalschriftsteller, die ausgenützt werden sollten. Es ist im Rowohlt-Vertag, Berlin, erschienen. F. pepper. Rundfunk am Abend Donnerstag, den 14. Juli 1932. Berlin. 16.05 Taten der Dichter(Dr. A. Wolfenstein). 16.30 Alte Tänze. 17.30 1 om Photopraphieren(Prof. Dr. H. Reichen- bachl. 17.50 O. Fröhmke und\. Reinidee: Eigene Prn�a. 18,20 Eine Viertelstunde Technik(Ing. J. Boehraer). 18.35 Begegnungen und Erinnerungen(Adele Schreiber. M. d. R.). 18.53 Die Funkstunde teilt mit 19.00 Staat und Sozialismus(M. d. R. F. Stampfer). 19.20 Unterhaltungsmusik. 20.00 Danzig als deutsche Bildungsstätte(Sen. Dr. Strunk). 20.20 Aus München: Vom internationalen Studenlcnchor-Treffen. 20.30 Tages- und Sportnachrichten. 21.00 Johann Strauß(Hörspiel). 22.20\\ etter-, Tages- und Sportnachrichten. Musikalische Stunde. Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 16.00 Pädagogischer Funk (Ob.-Stud.-Dir. Prof. Dr. H. Werner). 17.30 Bücher deutscher Zukunft(Dr. Langheinrich-Anthos). 18.00 Musikalischer Zeitspiegel(R. Silva). 18.30 Sozial- und Wirtschaftsethik des Alten Testaments(Min.-Rat Goslar). 18.55 Wetterbericht. 19.20 Stunde des Landwirts(Dir. Konrad). 19.33 Völkerhaß als Massenwahn(Dr. K. Basdiwüz). Sonst: Berliner Programm. Zollständiges Europa-Programm im„A olksfunk", monatl. % Pf. durch alle„Vorwärts"-Boteu oder die Postanstalten. PLAZA Nur noch 2 T a g e! Einwaizartreum Rose- Tliealer Sreie fnokfarter Straäe 137 Ick. Wtidisel E 7 342? 6 und 9 Uhr Die eiserne Innglran GartenbUhne 5 Uhr Konzert u.Varlete Drei arme kleine Mliiels Resfauant Berlins BETRIEB KEMPIHSKlY>5 \a/< n f«. RabafleBiBe, Platinabküllr Quecksilber Rinn, metalle. Silber, schmelz« Dbldschmel. zerei. Thristicmnt Söveirickerstrafte 59 - testen« Adalbert. i«. Haltes strafte. Dreiftig Ankleideschranke «ottbillig. 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