Morgenausgabe Nr. 329 A 162 49. Jahrgang Wöchentlich 75 Pf., monatlich 3,25 M. (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus> im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich SOPs. Poitzeitungs-und 72Pf.Postbeslellge» bühren.Auslandsabonnement5,S5M. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto 4,85 M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten aus Ersaß. Erscheinungsweiseund Anzeigenpreist liehe am Schluß des redaktionellen Teils. IfMG. V*""" f Berliner VottSbla« Iientealorgan der Sozialdemokratischen Partei Dentschl. Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 fternspr.: Dönhoff(A T) 293—297. Telegranrin-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Kreitag 1.5. Zuli 1932 Groß-Äerlin 10 ps. Auswärts-LS pf. # kH? � Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin S7 586.— Bankiomo: Bank der Arbeiter, Ange stellten und Beamten, Lindenstr. S. Dt.B.u.DiZc.-Vef., Deposttenk., Jerusalemer Str. 65/66. Eiserne Front im Westen! Gewaltiger Propagandamarsch.- Wels und Severing rufen zum ICampf. Wenn es gilt, in den westlichen Vororten zu demonstrieren, dann sind nicht nur alle Genossen der unmit- telbar beteiligten Kreise vollzählig zur Stelle, sondern es mel- den sich auch spontan unzählige Parteimitglieder und Ange- hörige der Eisernen Front aus den weit entfernten prole- tarischen Bezirken. Denn es für die Arbeiterschaft ein be- sonders erhebendes Gefühl, ihre Macht gerade dort zu zeigen, wo zwar nicht die Not, aber um so stärker die Reaktion zu Hause ist. W i l.m e r s d o r f— das ist der Inbegriff jener Ber- liner Vororte, in denen, abgesehen von einigen wenigen Straßenzügcn und manchen Hinterhäusern, die Proletarier eine verschwindende Minderheit bilden. Um so zahlreicher freilich ist dort die sogenannte Nationalsoziali st ische „Arbeiterpartei" vertreten. Es ist überhaupt charakte- ristisch für das Wesen der Hitler-Bewegung, daß sie gerade d o r t die meisten Anhänger zählt, wo das besitzende Bürger- tum von jeher zu Hause ist. Wilmersdorf mit roten Fahnen zu überfluten, in den vornehmen Straßen die Freiheit-Rufe weithin erschallen zu lassen, den reaktionären Spießbürgern unsere Macht vor Augen zu führen, den Kampfgenossen und Sympathisieren- den, die es in solchen Stadtgegenden natürlich besonders schwer haben, die Solidarität des roten Berlins zu demonstrieren und ihnen neuen Mut einzuflößen— das war der Sinn und Zweck dieser wuchtigen Kundgebung. Schon hatte die Spitze des Zuges nach einstündigem Propagandamarsch durch die verschiedensten Straßen Wil- mersdorfs den Eingang der Tennishallen erreicht, wo an- gesichrs der Genossen Severing, Wels, Grzesinski, Künstler und anderer Parteiführer die begeisterten Hoch- und Freiheit- Rufe kräftiger denn je ausgebracht wurden,— und noch immer standen zur selben Zeit Tausende von Genossen auf dem Sammelplatz, die sich noch nicht in Bewegung setzen konnten! So dauerte der Vorbeimarsch eine volle Stunde und die eigentliche Kundgebung in den überfüllten Tennishallen konnte infolgedessen erst mit einstündiger Ver- spätung ihren Anfang nehmen. Der gestrige Tag war ein wuchtiges, erhebendes Vor- spiel zum 31. Juli— auch in Berlin W! Die Eroberung des Westens. Im Kernpunkt des Westens, um den Hohenzollcrnplatz, sammelte sich gestern Abend die Eiserne Front zur Demonstration noch den Tennishallen. Trotz der unheimlichen Hitze waren dem Rufe Zehntausende gefolgt und selbst die Zugangsstraßen weithin überfüllt. Nach den Neichsbannerformationen wurde der Zug durch eine neuartige Propagandatruppe eröffnet. Zunge Mädels in roten Umhängen trugen drei riesige holz- pseile in den Zarben schwarzrotgotd. die mit frischem Grün geschmückt waren. Unter diesem weithin leuchtenden Symbol marschierten die Massen durch den sonst so stillen Westen. Auch die Mitglieder der einzelnen Parteibezirke waren zum großen Teil in der neuen einheitliche» Kleidung der Eisernen Front: in blauen H e m'd e n und dem Abzeichen der drei Pfeile mar- schierten sie in mustergültiger Ordnung unter den roten Fahnen der Freiheit mit den drei weißen Pfeilen. Plötzlich ein Transparent, das alle die Vielen, die am Wege standen, ausblicken lieh.„Die iunge Hoffnung des Volkes" stand in großen weißen Buchstabe» darauf geschrieben. Hier zog die begeisterte Arbeiterjugend unter dem Gesang ihrer Kampflieder an den Bürgern des West->ns vorbei, die wohl gemerkt haben werden, w o in Wahrheit die aktive Jugend Deutsch- lands steht. Die Demonstration, deren Vorbeimarsch in dichten Reihen eine volle Stunde dauerte, zeigte einen Kampfeswillen wie nie zuvor. Zugleich aber wurde gezeigt, wie man mit einfachen Mitteln, ohne die Parademätzchen der Nazis, unsere Parolen auf die Straße hinaustragen kann. Hinter einem Schild mit der Inschrift:„Wir misten den Hitler-Stall aus" zogen ein paar Schweizer daher, die aus ihre Mistgabeln ein Hakenkreuz aufgespießt hatten. Das Bild erregte bei den zahlreichen Zuschauern an den Straßenkreuzungen lebhaften Beifall und viele der am Wege Stehenden fielen in unsere Äampfruse ein. Am Eingang der Tennishallen nahmen die Genossen S e v e- ring und Wels den Vorbeimarsch ab, wobei unseren Führern Ovationen gebracht wurden, wie man sie nur Menschen gibt, zu denen man volles Der- , trauen hat und die in freier Selbstbestimmung der Massen ausgewählt wur- den. Immer wieder reckten sich die Arme zum Freiheitsgruß: „Unfern Führern ein kräftiges„Freiheit", das war das Gelöbnis der vorbeimarschierenden Arbcitersormatianen zum Wahlkomps. Aus dieser Kampfstimmung heraus bildete sich die spontane Willensäußerung einer jungen Frau, die auf Severing zutrat und ihm zurief: „Dir begrüßen Karl Severing, den Beschützer unserer Zrauenehre!" Der Demonstrationszug wurde zunächst an den Tennishallen vor- b e i g e f ü h r t, da der Saal schon im voraus gefüllt war. Ledig- lich die Jugend und die Fahnengruppcn fanden noch Einlaß. Die übrigen Zehntausende marschierten nach Hause. Sie hatten dem Westen Berlins ihren Kampfeswillen gezeigt und taten es, selbst wenn sie zu Fuß den langen Weg zurückmachcn mußten. Die U-Bahn hatte einen solchen Andrang, daß viele Sonder- Her zu uns! Die Eiserne Front ruft: Volk, Hab' acht! Die rechts st ehende„Weser-Zeitung" bringt folgenden Bericht über eine Versammlung des Nationalsozialisten Gottfried F e d e r in Bremen, in der er erklärte: „vielleicht kommt es gar nicht zur Reichslagswahl. Es fehlt nur noch ein Tröpfchen, und unsere Geduld ist zu Ende... wenn aber das Morden unter den SA.-Leuten so weitergeht, werden wir dasNotrecht unserer Partei proklamieren und dafür sorgen, daß in längstens 14 Tagen die rote vestie erledigt i st. heute noch wird der SA.-Mann aus der Partei ausgeschlossen, der eine Waffe bei sich trägt. Es kann dahin kommen, daß der ausgeschlossen wird, der mit der Waffe sich nicht seiner haut zu wehren weiß." Das ist die gewissenlose sie Bürgerkriegshetze, das niederträchtigste Spiel mit dem Feuer. Heute schon steht fest, daß die Nationalsozialisten niemand aus der Partei ausschließen, weil er Waffen besitzt oder gebraucht. Heute schon steht fest, daß nationalsozialistische Provokateure mit dem Abzeichen des„Antifaschistischen Kampfbundes" der Kommunisten mit den Waffen in der Hand von der Polizei aufgegriffen wurden. Diese klassenverrätcrischen Spiüelmcthodcn gebraucht eine„Arbeiterpartei", die tagtäglich in ihrer Presse und in ihren Bcrsammlungcn die deutsche Arbeiterbewegung verleumdet und zu Gc- walttätigkeitcn gegen die deutschen Arbeiter aufhetzt. Tic Blutschuld der letzten Wochen fällt aus alle die, die dieses Treiben begünstigen und zum offenen Bürgerkriege aufreizen und ihn vorbereiten, um die Rcichstagswahl zu verhindern und dem Bolke die Möglichkeit zu nehmen, mit dem Stimmzettel in der Hand seinen Willen zum Aus- druck zu bringen. Deutsche Arbeiter und Arbeiterinnen! Sichert das Wahlrecht! Laßt euch von euren Klassenfeinden nicht provozieren! Weist aber auch denen die Tür, die von der E i n h e i t s f r o n t reden und in Wahrheit das Spiel der Reaktion treiben. Weist die zurück, die die in der Eisernen Front zusammengefaßten Organisationen tagtäglich in Wort und Schrift des Klassenverrats bezichtigen und damit derwahrenEinheitsfront in denRücken fallen. Die deutsche Arbeiterklasse führt im Zeichen der Eisernen Front den gemeinsamen Kampf gegen den Faschismus im ganzen Lande. Ls gibt keine Einheitsfront außer der Eisernen Front! Arbeiter! Männer und Frauen, Werktätige in Stadt und Land! Wer die Einheitsfront der werktätigen Masse ehrlich will, kämpft in den Reihen der Eisernen Front. Nur dort ist sein Platz. Nur in strengster Disziplin, nur im Zeichen der drei Pfeile machen wir die Berechnung der Gegner auf die Zersplitterung der Arbeiterklasse zuschanden, vernichten wir ihre Hoffnung, den Frei- heitswillen des Volkes in blutigen Straßcnkämpfcn zu ersticken. Vertraut auf eure Kraft! Vertraut auf eure Führung! Es lebe die Eiserne Front! Freiheit! Berlin, den 15. Juli 1932. Die Reichskampfieitung der Eisernen Front Thüringer Lustizblüten. Gozialdemokraien sind Kreiwild.— Ausreizende Nechispraktiken. Am 19. Mai 1932 wurde der verantwortliche Redakteur unseres Erfurter Parteiblatts mit einem Strafbefehl über IlXZ M. Geld» strafe bedacht, weil er in einem Artikel„Schilda oder Ohrdruf?" den Nazibürgermeister Marschler in Ohrdruf einen Partei» buchbeamten genannt hatte. Auf die eingelegte Berufung hin hat jetzt der Einzelrichtcr in Ohrdruf, der national» sozialistisch eingestellte Amtsgerichtsrat Dr. S e y f s e r t h. erneut auf 100 M. Geldstrafe erkannt. Ueber die gegen ihn erhobene An- zweiflung wegen Befangenheit ging dieser Richter mit einer chand- bewegung hinweg, obwohl auch der Amtsanwalt die gleiche Ein- stellung aufwies. Der Rechtsvertreter des Angeklagten verließ dar- aufhin die Verhandlung und legte Ausjichtsbeschwerde ein. Die erneute Verurteilung ist erfolgt, obwohl selbst dieser mit der NSDAP, nach eigener Aussage sympathisierende Richter in feiner Urteilsbegründung sagt: »Zugegeben ist, daß Marschler. ohne Mitglied der NSDAP, zu fein, wohl kaum Bürgermeister geworden wäre." Die Bezeichnung„Parteibuchbeamter" habe aber in dem Artikel im Zusammenhang mit dem Vergleich mit Schilda den„auch sonst gebräuchlichen Nebenfinn" der Dummheit.(!!) In ähnlichen Gedankengängen, wie der Ohrdruser Richter, scheint sich auch der thüringische Amtsanwalt in Arnstadt zu bewegen. Anfang Juni teilte er dem sozialdemokratischen Partei» funktionör O. Steinbrück in Arnstedt auf seine Anzeige von einem Noziüberfall auf dem Friedhof mit, daß zu einer Strasver- folgung„kein öffentliches Interesse" vorläge. Im übrigen hieß es in dem amtlichen Schreiben: „Zhre dauernden Belästigungen fllf find auf 3hr eigenes unkluges Verhalten zurückzuführen." Dieses„unkluge Verhalten" besteht darin, daß der Mann sich öffentlich für die SPD. betätigt! Da dieser Sozialdemokrat sein Verhalten nicht änderte, brummte der Herr Amtsanwalt ihm Mitte Juni 100 M. Geldstrafe dafür auf, daß er in Verfolg feiner beruflichen Pflicht die„A r n st ä d t e r V o l k s z e i t u n g" im Schaufenster aushing, weil in dieser Nummer eine Beleidigung eines Nazis enthalten war. Für diese Beleidigung bekam außerdem der verantwortliche Redakteur noch obendrein 300 M. Gel d- strafe. Die Beleidigung bestand darin, daß das sozialdemokratische Blatt festgestellt hatte, daß der Nazigauanwalt S e m m einen kommunistischen Desraudanten verteidigt hat, weil bekanntlich Geld nicht stinkt. Die neuesten Toten des Herrn Amtsanwalt» datieren au- den letzten Tagen. Am 18. April halte ein Nationalsozialist im„Burg- keller" in Arnstadt folgende Aeußerung getan: „Den Steinbrück schlagen wir noch kurz und klein!" Auf die darauf erstattete Anzeige kam am 30. Juni endlich folgende Antwort:„Auf Ihre Strafanzeige teile ich Ihnen mit, daß eine Bedrohung wahrscheinlich gar nicht vorliegt. da Rampenthal seiNe Aeußerung im Burgkeller vermutlich nicht in der Absicht getan hat. daß Sie Ihnen zu Ohren kommt.(!!) Jedenfalls liegt«in öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung nicht vor." Für den mit Vermutungen und Wahrscheinlichkeiten rechnenden Amtsanwalt liegt ein öffentliches Interesse aber sofort vor, wenn es sich um die angebliche Beleidigung eines National- s o z i a l t st e n handelt. Am 3, Infi gab es in Arnstadt schwere Zusammenstöße zwischen Nazis und Reichsbanner. Die„Arn- städter Volkszeitung" berichtete darüber u. a., daß der Führer des Nazifpielmannszuges, dessen Vorstrafenregister ihr be- kannt sei, mit dem Tambourstab auf wehrlos am Boden liegende Iungbannerleute eingeschlagen habe. Der Nazi fühlte sich dad�-ch beleidigt und auf seinen Strafanirag hin prüft nicht etwa der 5)err Amtsanwalt in Arnstadt erst den Tatbestand, sondern er läßt sofort die betreffende Ausgabe der Zeitung beschlagnahmen. Er ke- gründet das mit folgendem Schreiben: „Die Nr. 185 der„Volkszeitung" vom 5. Juli 1932 ist gestern in der hiesigen Geschäftsstelle der"Zeitung auf Grund des§ 94 der StrO. beschlagnahmt worden und zwar wegen des Artikels, der die Borfälle am Sonntag in Arnstadt behandelt. Dieser Artikel enthält persönliche Beleidigungen, deretwegen Strafantrag gestellt worden ist" Wie schon erwähnt, es handelt sich dabei, wie der Amtsanwalt selbst bestätigt, hat, um angebliche Beleidigungen des Nazi- mannes! Es ist begreiflich, daß die Erregung in der Arbeiterschaft durch solche ausreizenden Rechtspraktiken immer mehr gesteigert wird. Man kann es auch kaum fassen, wie die maßgebenden Regierungsbehörden eine solche sich vom Faschis» mus kaum noch unterscheidende Praxis ihrer Organe dulden können. Das Rechtsempfinden im Volke muß bis aufs äußerste gestört werden, wenn diesen Methoden nicht endlich Einhalt geboten wird. züge eingelegt werden mußten und an jeder Station gab es neue jubelnde Siegesgewißheit und Kampfrufe gegen die Nazis und ihren Terror. In den Tennishallen. Schon lange vor 20 Uhr strömten die Menschen den Tennis- hallen zu. von 19 Uhr ab waren Untergrundbahn und Slraheubahn durch die drei Pfeile der Eisernen Front beherrscht. Zmmer wieder wurde zwischen Kämpfern der Freiheit die Freiheilgrühe getauscht. Der Garten vor den Tennishallen war mit den roten Kampffahnen ausgeschmückt. Am portal hämmerten es Plakate den Kommenden ein: Eiserne Front gegen Hitler-Barone! Der Riesenraum selbst war mit Transparenten und Fahnen ausgestattet. Da stand das ehrliche Bekenntnis und die klare Forderung: her mit dem Wohlfahrtsstaat! und die Folgerung: wählt Liste 1 Sozialdemokraten. Stürmischer Zubel erhob sich, als nach dem Vorbeimarsch die Bannerträger der Eisernen Front, der Partei, des Reichsbanners, unserer Zugend und unserer Sportler hereinmarschirten. Der Jubel steigerte sich zu einem Orkan, als hinter de» Bannern Otto Wels und Earl Severing die Halle betraten. Ein gewaltiges Meer von Freiheitsrufen durchbrauste den Raum. Kaum vermochte Franz Künstler, als die Musik verklugen war. zu Worte zu kommen. „Am 4. April waren wir zum ersten Male hier, und ich sagte. daß wir nicht zum letzten Male hier seien. Der Bezirksvorstand hat Wort gehalten, aber auch Berlins Sozialdemokraten und Re- publikaner hielten wort. Sie zeigten Wilmersdorf eine Kundgebung, wie sie hier noch nicht gesehen ward." Oer Parteivorsitzende Otto Wels wurde mit stürmischen Freiheitrufen begrüßt und antwortete mit dem gleichen Gruß. In kurzen, packenden Worten kennzeichnete er. wie für uns der Begriff der Freiheit Leben und Fortschritt, Aufstieg und Kampf bedeute und wie er deslzalb verbunden fei mit dem festen Willen, die Reaktion zu schlagen, da- mit das Leben gewänne, was allein das Leben lebenswert macht. Er gedachte der gespannten Erwartung, mit der die Arbeiterschaft der ganzen Welt unseren Kampf verfolgt, und kennzeichnete dieses Ringen um den neuen Reichstag unter stürmischem Beifall mit den Sätzen: hier steht Arbeiterschaft gegen Herrenkaste, hier geht es um Volksrecht wider herrenrecht. Wels wies dann darauf hin, daß man davon spräche, der Zorn der Protestanten habe den Katholiken Brüning gestürzt. Die Zustimmung steigerte sich zu minutenlanger Begeisterung, als Wels sagte, daß dieser Sreit der Fakultäten uns nicht berühre, weil wie für den Frieden mit der Arbeiterschaft der ganzen Welt zusammen kämpfen, gleichviel welcher Konfession, welcher Rasse und welcher Nation. Stärkste Beachtung fand es, als Wels darauf hinwies, daß es keine Einheitsfront gäbe außer der Eisernen Front. Und eine tiefe Stille herrschte in dem weiten Raum, als er der durch die Reaktion Gemordeten gedachte. Zu einer vernichtenden Anklage wurde die Rede des Partei- Vorsitzenden, als er die nationalsozialistische Verleumdung über das Verhalten der Sozialdemokratie im Kriege anprangerte. „Da heißt es in Millionen von Flugblättern, wir hätten Landes- verrat getrieben und seien vom Ausland bestochen gewesen. O.nem, das waren wir nicht, denn zu Tausenden litten und fielen die Sozialdemokraten draußen an der Front. Die Herren Auw> von hohenzollern. heute nationalsozialistischer Abgeordneter, und Eitel Friedrich, heute Geldgeber der Nazis, mögen sich einmal bei ihrem Vater in Doorn erkundigen. Als der kaiserlichen Regierung da» Wasser 1917 bi» an den hals ging, da richeteten sich ihre Blicke nach dem Norden Europas. nach Stockholm, wo die Sozialisten aller Länder nach einem Wege zum Frieden suchten. Die Regierung Wilhelm II. war es, die den Sozialisien, de« Wehrheitssozialisten und den Unabhängigen die Pässe nach Stockholm ausstellte. Mögen die Nationalsozialisten doch in Bethmann-hollweg,„Betrachtungen zum Weltkriege" nachlesen, wo über eine Unterredung zwischen dem Kaiser und dem päpstlichen Nuntius Pacelli berichtet wird, die am 29. Juni 1917 im Großen Hauptquartier stattfand. Da kann man als Aeußerung des Kaisers lesen, daß die Kirche die berufenste Instanz sei, den Friedensgedanken zu propagieren. Und weiter heißt es wörtlich: „Die andere große internationale Organisation, die Sozialdemokratie, habe die Bedeutung einer solchen Propaganda richtig erkannt und habe als erste den Wut gehabt, sich mit ihrer Orga- nisation in den Dienst des Friedens zu stellen. Das werde ein dauerndes verdienst der Sozialdemokratie bleiben." So hat der frühere Kaiser gesprochen. Otto Wels wies dann darauf hin, wie Herr von Papen nach Lausanne gefahren sei, um den Poung-Plan zu zerreißen und poli- tische Forderungen zu stellen und dann als Erfüllungspoli» tiker heimkehrt«, um zu zahlen. Wels schloß: Herr von Gayl hat bisher 13 sozialdemokratische Zeitungen verbieten lassen. Gleichwohl wird der Frei- heitsgedankc über Hakenkreuz und Papenkreuz siegen, wir werden uns nicht provozieren und durch niemand aus die Straße locken lassen. Aber wir werden unter dem Zeichen der drei Pfeile kämpfen mit dem Gelöbnis: Lieber republikanisch sterben als faschistisch ver- derben. Als Wels geschlossen hatte, erhob sich die Versammlung, um in begeisterte Freiheit-Rufe auszubrechen, und kaum vermochte sich Carl Severing durchzusetzen, als er, vom gleichen Gruße empfangen, die Tribüne betreten hatte. Er legte dar, wie der 31. Juli«in Schicksalstag fei, der nur mit den Januartagen 1919 verglichen werden könne, an dem zur Nationalversammlung gewählt wurde. Unter größter Aufmerk- samkeit der Zehntausende sagte Severing, daß, wenn das deutsche Volk in der Zeit vom 24. April bis zum 31. Juli nicht Erkleckliches zugelernt hätte,«in Reichstag der politischen Unfruchtbarkeit gewählt würde, der dem Preußischen Landtag vom 24. April ähnlich sei. Severing fügte dabei hinzu, daß wegen der Unfähigkeit dieses Land- tages zur Bildung einer parlamentarischen Regierung und zur Ver- abschiedung der erforderlichen Etatgesetze in Preußen eine geschäfts- führende Regierung die gesamte Verantwortung trage. Diese Regie- rung aber sei demokratisch und republikanisch. Siegten am 3k. Juli nicht die Republikaner, bann würde im Reiche das Kabinett von Papen, von Gayl, von Schleicher geschäftsführend weiter amtieren. Und was das bedeute, darüber müsse man sich klar sein. Severing beleuchtete sodann unter lebhaftester Zustimmung die gleisnerische Haltung der Deutschnationalen und der Nationalsozia» listen, die zuerst die Regierung von Papen nahezu offen unter- stützten, dann aber von ihr abrückten, weil sie es als kompromittier- lich empfanden, daß diebraunenIacken mit der S a l z st e u e r und die Wiederoufer stehung der SA. mit dem Renten- a b b a u in Verbindung gebracht wurde. Aber das Regierungspro- gramm des Herrn von Papen zeigt allzu deutlich, bei wem er in die Schule gegangen ist. Die Worte vom Wohlfahrtsstaat, vom marxistischen Atheismus, vom verderblichen Klassenkampf, vom Kulturbolschewismus, die Herr von Papen anwendet, wir kennen sie lange aus der N a z i k ü ch e. Was aber Herr von Papen mit der Abschaffung de? Wohlfahrts- staates erreichen würde, das würde uns, so sagte Severing unter stürmischen„Niemals"-Rufen, hinter die Jahr« 1881 und 1884 zurückwerfe«. Besonderen Beifall fand Severing. als er darauf hinwies, daß die Regierung der nationalen Konzentration vergessen zu hoben schiene, daß im Liede„Deutschland, Deutschland über alles" die Zeilen folgten: Wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält. Was ist das für eine Brüderlichkeit, so rief Severing, wenn man eine Nowerordnung schafft, über die man als Motto das Wort de» heineschen Lazarus stellen könne: Denn«in Recht zum Leben, Lump, hoben nur, die etwas haben. „Jagen wir", so sagte Severing unter Beifallsjubel, „am 31. Juli die Regierung von Papen und ihre nationalsozialistischen Helfershelfer davon!" -i- während aber Otto wel, und Earl Severing in der halle sprachen, hatte unter freiem Himmel auf dem städtischen Sportplatz im Preußenpark eine zweite kund- gebung stattfinden müssen. Für diese wuchtige Massendemon- slration reichte auch das Riesenrund der lennlshallen nicht. 3m Preußenpark sprachen Karl Litke, Fritz Schröder, her- mann Harnisch und Robert Bredow begeisternde Worte, und die Rufe:„Freiheit, Freiheit. Freiheit!" schallton In das abend- liche Dunkel. Der disziplinierte Heimmarsch folgte. Beim Anmarsch war es nationalsozialistischen Störenfrieden gelungen, durch«inen Handstreich das Banner der 70. Abteilung zu stehlen. Die Polizei stellte das Banner in einemheim der SA. in der Brandenburgischen Straße 74 fest und nahm es an sich, um es der Abteilung wieder zu übergeben. Unter dem Jubel der Riesenversammlung wurde es in die Tennishallen hineingeleitet. Es ist bezeichnend, daß der Stoßtruppsührer der SA. der Polizei auf Ehre und Gewissen versichert hatte, daß sich das Banner nicht in dem ihm unterstellten heim befände. Sozialismus und Staat. Eine Rundfunkrede. Im Rahme» der politischen Rundsunkvorträge, die neuerdings eingeführt sind, sprach gestern abend der Chesredakteur des„Bor- wärts", Genosse Friedrich Stampfer, über„Staat und Sozialismus". Er wies die Hörer auf den Mißbrauch hin, der heut« mit der Bezeichnung„Sozialismus" getrieben wird,, besonders von Leuten, die von der inneren Bedeutung der fozialisttfchen Welt- anfchauung herzlich wenig wissen. Schorf hob er die Wirtschaft- lichen Grundforderungen der Sozialdemokratie hervor, die nichts gemein haben mit den Versprechungen an alle und an jeden, wie sie von den Pseudo-„Sozialisten" unserer Zeit abgegeben werden. Ebenso scharf betonte er die Notwendigkeit der Demo- k r a t i e für die Errtwickelung der Nation.„Demokratie bedeutet nicht, daß der größte Schreihals die meisten Stimmen erhall"— Demokratie bedeutet den Kanrpf um das edelste und schönste Gut aller menschlichen Gemeinschaft: die Freiheit! Die Ansprache wurde über eine ganze Reih« von deutschen Sendern verbreitet. Nichts neues von Neudeck! Oer Neichsinnenminister aus Neudeck abgereist. Meichsinnenunnister von Gayl trifft am Freitagfrüh von Reudeck kommend wieder in Berlin ei«. Ter Konz- ler wird erst am Sonnabend in Berlin zurückerwartet. Ueber de« Ausgang der Besprechung mit dem Reichs» Präsidenten hinsichtlich der innerpolitischen Fragen ver- lautet vorläufig noch nichts. Sie können die Wahrheii nicht hören! Tobsuchtsanfall gegen das Telegramm an Hindenburg. Das Telegramm der Genossen Wels und Breitscheid an den Reichspräsidenten hat bei der„Berliner Börsen- zsitung" einen Tobsuchtsanfall hervorgerufen. Das Blatt, in dem der General a. D. S t ü l p n a g e l den Ton angibt, der aus Verärgerung über Nichlbeförderung aus der Reichs- wehr ausgeschieden ist, geifert: „Dieses Telegramm an den Reichspräsidenten stellt nicht nur den Gipfel hemmungsloser Wahldemagogie dar, es entHall darüber hinaus schwere, ungeheuerliche Beschuldigungen gegen das Reichs- kabinett und eine unverschämte Provokation des Reichskanzlers. Wir nehmen an, daß die Reichsregierung die notwendigen Maß- nahmen o«ranlassen wird, um die Herren schleunig st dem Strafrichter zuzuführen." Das möchten sie gerne! Wer opponiert, fliegt ins Loch, wer die Wahrheit sagt, erst rechtl Wir sind den Herrschaften sehr dankbar, daß sie so freimütig ihre Gefühle gegen uns äußern und aus ihrer Auffassung von staatsbürgerlicher Freiheit kein Hehl machen! Wir geben ihnen aber eins zu bedenken: so hemmungslos schreit nur der auf, den die Peitsche bitterer Wahrheit getroffen hatl Lügen-Orgie. Moralisches Irresein bei den Nazis. Die Nationalsozialisten verbreiten ein Flugblatt, das«ine ejn- zig« Lügen-Orgie darstellt. Jede Lüge hat da«ine Grenze, wo sie lächerlich wird. Diese Grenze ist in diesem Flugblatt bei weitem überschritten. Wer hat die Papen-Regierung gebracht— so fragt das Flug- blatt, und antwortet: die Sozialdemokratie! Wer wird die Papen-Notverordnung nach den Wahlen tolerieren — so fragt es weiter, und antwortet: die Sozialdemokratie! Ausgerechnet! Glauben die an moralischem Irresein leiden- den Bürfchchen, die diesen grotesken Unsinn versaßt haben, daß sie damit das Bündnis Hitlers mit dem Kabinett der B a r q n c und die Verantwortung der Nazis für die Hitler- Notverordnung verdecken können? Dieser Lügenwisch behauptet serner, daß die Sozialdemokratie dem Volk unter dem Finanzminister Hilferding die Inflation gebracht habe. Merkwürdiger Vorwurf von einer Partei, deren Wirtschafts- Programm dem Volke die Segnungen der Inflation geben will! Aber zudem noch gelogen wie ein Naziflugblatt: Die Inflalion war das werk der E u n o und Kompagnie, die ungefähr dasselbe darstellten wie das Kabinelt der Barone, sie war das Werk der Stinnes und Codas Werk der Leute, die heute Hitler finanziere«, weil sie von ihm«ine neue Inflation erwarten! Professor Gumbcl. den studentische und prvjejsorole Nazis v der Univerfität Heidelberg verjagen wollen, ist vo„ dem führenden Pariser mathematischen Univerjitälsinstiiut zu sechs Gastvorlejungeiz im kommenden Wintersemester«ingeladen worden. Ordnung schaffen... Ln Pommern sprengten die Nazi« mehrere Dersamm- lungen der Oeutschnaiionalen und verpriigelten die Redner. »Veutfchnationale und Nationalsozialisten müssen zusammen in Deutschland Ordnung schaffen."(Hilgenberg in Münster.) Das„Vertrauensabkommen". Geteilte Auffassungen in Paris. Weggetreten! Achtung? Achtung? Wir sind militäräKntich! Nazi-Klagges in Braunschweig hat der Eisernen Front eine Demonstration in Braunschweig verbieten wollen mit der Be- grundung, daß nur noch Ausmärsch« milstärischer Organisationen gestattet würden. Das Reichsbanner darf demonstrieren. Mso hat die Ortskampfleitung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold die folgende Parole ausgegeben: Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Told. die militärähnliche Organisation der Eisernen Front, marschiert. Genehmigung ist vorhanden. Diejenizen, die sich bisher keine Uniform beschossen konnten, marschieren, um eine uniformähnliche Bekleidung zu erhalten, in Hellem Hemd mit Hose und Hondstock(geschultert). Die Ausstellung für den Umzug des Reichsbanners mit samt- lichen militoröhnlichen Unterabteilungen ersolgt nach folgendem Plan: 1. Staffel: Hundertschaft. 2. Staffel: Zungreichsbanner mit den Korporalschaflen de» freien Zugendkartell» und der SA?. Z. Staffel: lZ. bis lö. Kameradschaft mit allen Korporal- schasten der Partei, Reichsbannerreserve I. 4. Staffel: l. bis 4. Kameradschaft mit allen Korporal- schasten de» ADGL. Reichsbannerreserve II. 5. Staffel: 5. bis K. Kameradschaft mit allen Korporalschaften des Sporltartell». Reichsbanner- reserve III. 6. Staffel: 9. bis 12. Kameradschaft. Unter der Skizze des Ausmarschplane» steht groß- PJ i r find militärähnlich! Wie wird Ihnen, Herr Klagges? Wenn Sie befehlen, ziehen wir die Uniform an und werden militärähnlich! Wir können auch Korporalschaften bilden! Wir werden sogar sehr militärähnlich, denn unsere Disziplin kann kein Militär übertreffen! Und eine» Tages werden wir kommandieren: Klagges, hiller u. Co. weggetreten! Llnd wir marschieren...! Glanzvolle Massendemonstration in Vraunschweig. Braunschweig, 14.?uli.(Eigenbericht.) Eine gewaltige Demonstration der Eisernen Front beherrschte am Donnerstagabend die Stadt Braunschwelg. Klagges halte geglaubt, durch die Zulassung„nur mililärijcher Formationen- der Aufmarschbeteiligung Abbruch tun zu können. Troh schikanöser Kontrolle, lroh regnerischen Wetters beteiligten sich jedoch 7000 Männer des Reichsbanners, der Gewerkschaften und de» Arbeitersportkartells an dem Aufmarsch. Zehnlausende säumten die Straßen. Der in voller Disziplin verlaufene Aufmarsch wurde mit nie gesehener Begeisterung von der Bevölkerung begrüßt. Ein Meer von Blumen wurde über die Bataillone der Eisernen Front ausgeschüttet. Richter in Halle... Nazikrampf mit Paragraphen. Äer Versuch der Nazis in H alle, sich der Verontwortvng für das Kabinett der Barone und für die Hstler-Rotoerordnung mit Hilfe einer emstweiligen Verfügung gegen die Wahrheit zu entziehen, ist kläglich gescheitert. Die einstweilige Verfügung ist durch(Serichtsbefchluß aufgehoben worden. Was geschieht nun? Es findet sich in Halle ein Richter, der den Nazis eine neue ein st weilige Verfügung gibt, die vollinhaltlich mit jener Verfügung identisch ist. die soeben durch Gerichtsbeschluß aufgehoben worden ist! Durch einstweilige Ver- fügung vom 9. Juli 1332 ist der sozialdemokratischen Halleschen Druckerei-Gesellschaft bei Vermeidung einer Geldstrafe von 1000 M. auf Antrag der Nationalsozialisten verboten worden, in irgendeiner Form folgendes zu behaupten: a) das Gericht habe in der einstweiligen Verfügungssache Iordan/Volksblatt ein vernichtende, Urteil gegen die Nazis gefällt: b) es bleibt also unumstößliche Wahrheit, daß: sa) die Salzsteuer eine Hitler-Steuer sei, bb) die Baronsregierung von der Hitler-Partei unterstützt werde: o) es bleibt wahr: so) daß es nach der Meinung von Hitler für das hungernde Volk noch zuviel Wohlfahrt gibt. db) daß die Hitler-Partei die Partei der Reichxn gegen die Armen sei, cc) daß die Naziführer den schlimmsten Betrug am werktätigen Volk verübt haben,<16) daß durch die Auf- Hebung der gerichtlichen Verfügung gegen das Volksblatt die Schuld der Naziführer einwandfrei festgestellt sei und dadurch die Volksbetrüger entlarvt seien. Da» ist eine feine Justiz! Die neue Verfügung verbietet sogar die Mitteilung einer gerichtsnotorischen Tatsache, nämlich die Aufhebung der ersten einstweiligen Verfügung! So kann das Spiel mit Hilfe der Justiz von Halle weitergehen! Aber die Wahrhest dringt auch nach Halle, und die Wahrheit ist: Hitler ist verantwortlich für das Kabinett der Barone wie für die Hitler- Notverordnung. „Oer Angriff" verboten. Dom 15. bis 23. Juli. Der Polizeipräsident von Berlin hat den„Angriff" bis zum 23. Juli einschließlich verboten. Anlaß zu diesem Verbot gaben sechs Nummern des„Angriff". In diesen Nummern wurden die Justiz, die Polizei im allgemeinen, die Berliner Polizei im besonderen, der Minister des Innern, der Polizeipräsident von Berlin und der Polizeipräsident von Frankfurt am Main beschimpftundböswilligverächtlich gemacht. Ferner hat der„Angriff" in seiner Nummer 144 die katholische Kirche gröblich beschimpft und böswillig verächtlich gemacht. Endlich wurden durch verschiedene Artikel in den genannten Zeitungsnummern lebenswichtige Interessen des Staates dadurch gefährdet, daß unwahre und entstellte Tatsachen behauptet werden. Hundstag-Phantasien. In einem Teil der Presse wird behauptet, daß sowohl der preußische Iustizminister als auch der Staatssekretär im preußi- schen Justizministerium sich um die Stelle des Oberlandesgerichts- Präsidenten in Köln bemühten. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, beruht diese Behauptung aus freier Erfindung. Paris, 14. Juli.(Eigenbericht.) Der Abschluß de» sranzösisch-englischen Vertrauens- abkommen» wird in der Pariser Presse eingehend besprochen. Die nationalistische und sozialistische Presse nimmt das Abkommen mit Skepsis auf. So schreibt Pertinax im„Echo d e Pari s": „Solange wir nicht gesehen haben, daß das Bertrauensabkommen in der A b r ü st u n g, f r a g e und bei der Regelung des Schulden- Problems seine Probe bestanden hat, werden wir veranlaßt sein, es von englischer Seite aus als eine Anstrengung zu betrachten, die dar- auf hinziell, uns viel weiter, als wir e? wünschen, auf den Weg der Vertrogsrevision zu ziehen, und von französischer Seite au« als ein Puloer. chos denr Pubstkum in'die Airgeis gestteub rnerden soll." „P o püla i r e" betont� da« Abkommen sei entmutigend: denn die Völker, die zu viel'Enttäuschungen erlebt hatten, wollten nicht hohle Phrasen hören, sondern Handlungen und Beschlüsse sehen, die geeignet seien, die wirtschaftliche und finanzielle Lage sofort zu' sanieren. Die radikale Presse feiert das Abkommen als großes politisches E r e i g n'i s. So schreibt der ossiziöse„Petit Parisien", das Abkommen sei die psychologische und logische Folge der Wiederannäherungsarbeit zwischen Frankreich und England, wie sie in Lausanne unter dem doppelten Antrieb von Macdonal» und Herriot vollzogen worden sei. Es handele sich um einen fron- zösisch-englischen Wiederannäherungsversuch auf allen Gebieten, um ein Versprechen zu aktiver und vielseitiger Zusammenarbeit zwischen Frankreich und England, aber mit der ossen erklärten Absicht, den Interessen Europas und der Welt zu dienen. Die radikale„Ere Nouvelle" erklärt, Herriot habe durch das Abkommen das Prestige und die Autorität Frankreichs erhöht und nicht nur> Frankreich, sondern Europa und der Menschheit einen Dienst«r- wiesen. Das„Gentleman-Abkommen" veröffentlicht. pari», 14. Juli. Amtlich wird am Donnerstagmittag der Wortlaut de, Gent- leman-Abkommens, da» in Lausanne zwischen Frankreich, England. Belgien und Italien getroffen wurde, veröffentlicht Darin heißt es. daß in dem Falle, daß eine Regelung der Schulden nicht erzielt werden kann, das Abkommen mit Deutschland nicht ratifiziert werden könne. Dadurch würde eine neue Lage ent- stehen und die mteressierten Regierungen würden sich darüber' einigen, was zu geschehen hat In diesem Fall» wird d'» Recht?-. löge aller interessierten Macht« wieder die werden, die vor dem Hoover-Moratorium bestanden hat. Di« Reichsregierung wird von diesem Abkommen unrerrichtet werden. e- Zu dem englisch-französischen Abkommen hört man van offiziöser Stelle in Berlin einstweilen nur recht unbestimmte Meinungen: Was D e u t s ch l a n d in Lausanne vorgeschlagen Hobe über ein Zusammen- wirken, gehe viel weiter als diese englisch-sranzösische Abmachung. Man müsse erst das Ergebnis der Prüfung a b w a r t e n, um zu er- kennen, was an dem Unterschied zwischen der englischen und der französischen Auslegung sei und o b sich das Abkommen gegen irgendeinen anderen Staat, etwa gegen Amerika richte. Deutschland behalte in der Abrüstungsfrage vollkommen freie Hand und wann Deutschland die Forderung erheben werde, den Bersailler Kriegsschuldartikel 231 aufzuheben, sei voll- kommen seine eigene Sache.(Nicht auf die Forderung, sondern auf > die Durchsetzung kommt es aber an!) Front gegen die Gemeinheit. Scharfe Derurteilung der nationalsozialistischen Landtags« froktion. Der„R e i ch s b o t e", ein selbst in der Deutschnationalen Partei weit rechtsstehendes Blatt, schreibt über die schmutzige Beschimpfung der Frau des Polizeioizepräsidenten Weiß: „Durch einen Brief des preußischen Jnnenminister» Seoering an den Berliner Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß ist die öffentliche Aufmerksamkeit auf einen recht betrüblichen Vorfall gelenkt worden. In einer kleinen Anfrage hat die nationalsozialistische preußische Landtagsfraktion Verdächtigungen gegen die Gattin des Dr. Weiß gerichtet, die auf das tiefste bedauert werden muffen. Die Anfrage gibt in der Form, in der sie diese Vorwürfe vor- bringt, selbst zu, daß es sich hier um rein« Verdächtigun» gen handelt, denen kein Bewcismoment zugrunde liegt. Wir waren noch nie Freunde der Sozialdemokratie, v wir sind auch keine Freunde des Herrn Seoering und erst recht nicht des Dr. Weiß. Aber in diesem Falle halten wir es für die sittliche Pflicht aller anständigen Menschen, sich auf die Seite des preußischen Jnnenminister« zu stellen, der in seinem Briese, an den Berliner Polizeivizepräsidenten diese Kampfesweise mit Empörung verurteist. Auch wir sind der Meinung, daß der n a t i o n a l f o z i a- listische Landtagspräsident die Anfrage seiner Partei- genossen in dieser Form nicht hätte durchgehen lassen dürfen. In unserer Ansicht werden wir noch bestärkt, wenn wir daran denken, daß der neue preußische Landtagspräsident erst kürzlich eine A n- frage der Sozialdemokraten, die seine eigene Person betraf, erheblich abschwächen ließ, obwohl sie auch nicht im entferntesten den jedes sittliche Niveau ver- leugnenden Ton dieser nationalsozialistischen Anfrage erreichte, die ein kleiner Ausschnitt aus der politi- scheu Verwilderung der deutschen Parlamente von heute ist." Auch die„Berliner B ö r s e n- Z e i t u n g" ist beut- sich von diesem Antrag abgerückt. Wir stellen das mit Ge« nugtuung sest! „L o k a l- A n z e i g e r".„lag", Deutsche Zeitung",„Deutsche Tageszeitung" aber ver- harren nach wie vor in ihrem Schweigen gegenüber der Gemeilcheit und bei ihrer Unterschlagung des Briefes von Seoering! Die tägliche Verlustliste. Ein Toter, acht Schwerverletzte. willen a. d. Ruhr, 14. Juli.(Eigenbericht.) Arn Donnerstagnachmittag gegen 15 Uhr kam es in Witten zu Reibereien zwischen Mitgliedern der Eisernen Front und National- sozialisten. Eine Rotte SA.-Leute griff die Reichsbannerleute an und schoß auf diese. Dabei wurde ein Reichsbannermann durch einen Oberschenkelschuß verlegt. Als die Reichsbannerleute sich sehr energisch zur Wehr setzten, brachte sich ein flüchtender Nazi beim Hinstürzen selbst einen schweren Bauchschuß bei. Der Ortsgruppenführer der NSDAP., der auf einem Motor- rad herbeigeeilt war, soll sich nach Aussagen von Zeugen an der Schießerei beteiligt haben. Der Motorradfahrer wurde ver» haftet.' � Ein Kommunist erschossen. Düsseldorf. 14. Juli.(Eigenbericht.) Im Stadtteil Oberkassel kam es in der letzten Nacht zu Zu- sammenftößen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Dabei wurde zuerst mit Steinen geworfen und später geschossen. Ein Kommunist wurde durch einen Schuß getötet. Schwere Schießereien im Wuppertal. Wuppertal, 14. Juli. Die Polizei meldet: Um 1 Uhr nachts wurden in Barmen in der Oberwallstraße zwei Nationalsozialisten, die sich von der Goeb- bels-Versammlung auf dem Heimwege befanden, von einem Trupp Kommunisten angehalten, an eine Hauswand gestellt und durchsucht. Als sie nach der Durchsuchung weggehen wollten, wurden auf sie mehrere Schüsse abgegeben. Beide erhielten Oberschenkel- st e ck s ch ü s s c. Die Täter sind unerkannt entkommen. Ferner wurden zwei Kommunisten durch Schiisie vom SA.-Lastwagen schwer verletzt. In den Nachtstunden«nt- wickelten- sich nochmals Schlägereien, bei denen ein Nazi erheblich verwundet und ins Krankenhaus geschafft wurde. Frauen, merkt es euch! Wie das Nazigesindel deutsche Frauen beschimpft. Ein nationalsozialistischer Abgeordneter hat im Preußi- schen Landtag unter wieherndem Gelächter von den national- sozialistischen Bänken sozialdemokratischen weiblichen Abge- ordneten, die riefen:„Unsere Söhne sind im Kriege gefallen!" zugerufen: „Ihr dummen Ziegen, dafür wurden sie euch ja gemacht!" Merkt es euch, ihr deutschen Frauen und Mütter! Die nationalsozialistische Landtagsfraktion sucht mit eiserner Stirn diesen Zuruf abzuleugnen. Der„An- griff", das schmutzigste und verlogenste Blatt von Berlin, spricht dabei von„marxistischen Morastkübeln". Die Nazi- fraktion hat geleugnet in einer Erklärung, in der es heißt: „Die Hochachtung, die der Nationalsozialismus der deutschen Frau und Mutter entgegenbringt, verbietet es von selbst jedem Nationalsozialisten, in derart beleidigender Welse sich über die deutsche Frau zu äußern." Diese Erklärung wird sofortLügengestraft durch einen Artikel in der nationalsozialistischen, vom national- sozialistischen Gauleiter und Reichstagsabgeordneten Koch herausgegebenen„Preußischen Zeitun g". Dort heißt es über deutsche Frauen: "Ziegen älteren und jüngeren Datums... eine Schar von Mastgänsen, die watschelig ihr Fett spazieren führten... Vcrbrcchcrgesindcl... Park!" Merkt es euch, deutsche Frauen, so reden die Nazis von euch! Die nationalsozialistische Landtagsfraktion aber hat ihrer eigenen Erklärung ins Gesicht geschlagen, als sie den infamen Antrag einbrachte gegen die Frau des Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß, in dem es heißt: „Ist schon ein solches verhalten auch sür einen jüdischen Beamten, dem infolge seiner Rassezugehörigkeit naturgemäß deutsche Ehrbegriffe fremd sein müssen, r-« Unmöglichkeit, so kommt hinzu, daß die Frau des Bernhard Weih, wie in Berlin ösfentliches Geheimnis ist, das notorische Verhältnis deskrojanker ist. Selbst wenn B. Weiß das nicht glauben sollte, ist ihm doch bekannt, daß man in Berlin ollgemein der Ansicht ist, daß intime Beziehungen zwischen krojanker und der Frau des B. Weiß bestehen. Es ist deshalb um so unverständlicher, daß Weih sich von diesem ürojanker aushalten lieh." Frauen, merkt euch diese unsagbare Gemeinheit nationalsozialistischen Gesindels! Vor kurzem wurde in Limbach bei Chemnitz der Reichs- bannerkamerad M a r e ck von Nazimördern erschossen. Die Mutter erhielt von Nazischuften den folgenden Brief: „H c r z t i rh r n Glückwunsch, daß der Landesverräter tot ist. Grst wenn sämtliche Lumpen- Genossen den gleichen Weg ge- gangen sind, wird es endlich in Dcntschland besser werden, denn erst seit der Plebs regiert, von dem wir uns allcS gefallen lassen mußten, sind wir inS Glend gekommen. Dreimal h u r r a h, wenn so ein AuSwuchS ver- schwindet!" Dies Gesindel redet noch von„Hochachtung gegenüber der deutschen Frau und Mutter!" Frauen, gebt ihm die rich- tige Antwort! Macht Schluß mit dieser Schande Deutschlands! Frauen, wahrt eure Ehre gegen die Nazigemeinheit! Disziplinbruch in Frankreich. Von den IZl Mitgliedern der sozialistischen Äammersraklion haben, wie sich nach den Stimm- berichtigungen herausgestellt hat, bei der Abstimmung über die Finanzvorlage vier sur die Regierung gestimmt, und zwar Frot, Besnard-Fcrron, Camboulives und R a m a- d i e r. Außerdem haben sich die Abgeordneten Varenne und' Lebret der Stimme enthalten. Sämtliche sechs Abgeordnete sind persönliche Freunde Paul Voncours. Von zwei Parteioerbänden liegen bereits Anträge auf Ausschluß der sechs Abgeordneten aus der Fraktion und der Partei vor. Die sozialistische Fraktion wird sich am Sonn- oabend mit dem Verhalten der t-echs beschäftigen. Die Eiswüste Ostgrönlond ist von Norwegen in Besitz ge- nommen worden. Die Westküste ist viele Monate eissrei: sie gehört Dänemark und ist teilweise besiedelt. WShiei' und wahlerinnen Berlins) Sichert euch das Wahlrecht! 1. Nehmt Einsieht in die Abstimmungslisten! Die Listen liegen an den durch Säulenanschlag bekanntgegebenen Stellen noch bis Sonntag, den 17. luli, aus, wochentags in der Zeit von 13 bis 19 Uhr, Sonntags in der Zeit von 10 bis 16 Uhr. Wer die Stimmliste(Ur unrichtig oder unvollständig hält, muS sofort in der Auslegungsstelle Einspruch erheben. 2. Wer in Berlin eingetragen, aber aus zwingenden Gründen am S1. Juli während der Abstimmungszeit von Berlin abwesend ist oder wer nach Ablauf der Einspruchsfrist seine Wohnung in einen anderen Stimmbezirk verlegt, oder infolge eines körperlichen Leidens oder Gebrechens in seiner Bewegungsfreiheit behindert ist und durch einen Stimmschein die Möglichkeit hat, einen fUr ihn günstiger gelegenen Abstimmungsraum aufzusuchen, erhält auf Antrag einen Stimmschein. Die Ausstellung dieses Stimmseheins muß sofort bei dem für den Wohnbezirk zuständigen Bezirkswahlamt beantragt werden. Am besten sind die Anträge während der allgemeinen Dienststunden mündlich zu stellen, wobei der Grund zur Ausstellung des Stimmscheins auf Erfordern glaubhaft nachzuweisen ist. Auch muß sich jeder Antragsteller über seine Berechtigung, den Antrag zu stellen und den Stimmschein in Empfang zu nehmen, gehörig ausweisen; daher ist die Mitnahme von Ausweispapieren erforderlich. Bei schriftlichen Anträgen ist die Berliner Wohnung genau anzugeben, auch sonst sind alle oben gekennzeichneten Angaben zu machen. Nach dem 29. Juli 1932, nachmittags 3'/z Uhr, werden Anträge auf Ausstellung von Stimmscheinen nicht mehr angenommen. Adressen der für Bertin zuständigen Bezirkswahlämter: 1. Bezirkswahlamt Mitte, Berlin O 27, Blumenstraße 88, Aufgang IV, II. 2. Bezirkswahlamt Z. Bezirkswahlamt 4. Bezirkswahlamt 5. Bezirkswahlamt 6. Bezirkswahlamt 7. Bezirkswahlamt 8. Bezirkswahlamt 9. Bezirkswahlamt 10. Bezirkswahlamt 11. Bezirkswahlamt 12. Bezirkswahlamt 13. Bezirks wahlamt 14. Bezirkswahlamt 15. Bezirkswahlamt 16. Bezirkswahlamt 17. Bezirkswahlamt 18. Bezirkswahlamt 19. Bezirkswahlamt 20. Bezirkswahlamt Tiergarten, Berlin NW 87, Turmstraße 70, Portal 1, 4 Tr. Wedding, Müllerstr. 146/147, Eingang Limburger Straße, Zimmer 5. Prenzlauer Berg, Berlin NO 65, Danziger Straße 64, Zimmer 326. Friedrichshain, Berlin NO 18, Markusstr. 49, II. Kreuzberg, Berlin SW 47, Yorckstraße 10, Zimmer 72— 73. Charlottenburg, Charlottenburg, Berliner Str. 72, Rathaus, 3. Obergesch., Zimm. 325. Spandau, Bln.-Spandau, Potsdamer Tor 2/4, Zimmer 412. Wilmersdorf, Berlin-Wilmersdorf, Stadthaus, Kaiserallee 1/12, Zimmer 159/160. Zehlendorf, Berlin-Zehlendorf, Rathaus, Kirchstraße 3. Schöneberg, Berlin-Schöneberg, Rathaus, Am Rudolf-Wilde-Platz, Eingang Straße „Am Rathaus" Nr. 5. Steglitz, Bln.-Lichterfelde, Rathaus, Schillerstraße 32, Zimmer 4. Tempeihof, Berlin-Tempelhof, Dorfstr. 42. Neukölln, Berlin-Neukölln, Rathaus, Berliner Straße 64, Zimmer 132. Treptow, Bln.-Treptow, Neue Krugallee 2/6, Rathaus. Köpenick, Bln.-Köpenick, Rathaus, 2. Stock, Zimmer 86. Lichtenberg, Berlin-Lichtenberg, Magda- lenenstraße 4, Zimmer 6— 9. Weißensee, Berlin-Weißensee, Rathaus, Alberlinenstraße 6, pt., Zimmer 5. Pankow, Berlin-Pankow, Rathaus, Breitestraße 25/26, 1. Obergeschoß. Reinickendorf, Berlin-Tegel, Veitstraße 5, Zimmer 13. Hamburger Schieberprozeß. 63,5 Millionen Mark Geldstrafe. Hamburg, 14. 3uli. 3n dem sensationellen Hamburger Zuckerschieberprozeß wurde am Donnerstag nach mehrwöchiger Verhandlung das Urteil verkündet. Es wurden verurteilt der hauptongektagte Hausmann 3 u l i u s Stiesel wegen sorlgesehler Zuckersteuerhinterziehung, sortgesehten Betruges usw. zu einer Gesamtstrafe von 6 3ahren 6 Monaten Gefängnis und 14,3 Millionen Mark G e t d st r a s e oder ersahweise l 3ahr Gefängnis, serner zu rund 18 Millionen Mark wertcrsah oder ersahweise abermals 1 3ahr Gefängnis, außerdem zu fünf 3ohren Ehrverlust. Der Angeklagte Hausmann Gustav Lipp wegen der gleichen Slrastalen zu 4 3ahren 9 Monaten Ge- sängnis und(5,7 Millionen Mark Geldstrafe, ersahweisc(5 Monate Gefängnis, sowie serner zu 8.9 Millionen Mark Wertersah oder ersahweise weiteren 6 Monaten Gefängnis, sowie serner zu 4 3ahren Ehrverlust, ferner wegen derselben Delikte bzw. wegen Beihilfe zehn weitere Angeklagte zu Gesängnisstrasen zwischen 8 Monaten und 3 3ahrtn sowie zu Geldstrafen. Zwei Angeklagten wurden freigesprochen. * Dem Hamburger Zuckerschieberprozeß lagen ganz ungeheuerliche Betrügereien und Steuerhinterziehungen zugrunde, durch die der Kaufmann Stiesel gemeinsam mit den Nebenangeklagten einer großen Anzahl von Gläubigern einen Schaden von rund 15 Mil» l i o n e n Mark verursacht hat. Stiesel kam 1919 nach Hamburg und wandte sich dem Zucker- Handel zu. Nachdem seine Firma ursprünglich einen großen Auf- schwung genommen hatte, kam er nach und nach durch versehlte Börsenspekulationen und rückläufige Konjunktur in Schwierigkeiten. Die entstandenen Berluste versuchte er dann durch Zuckersteuer- Hinterziehungen, Betrug von Banken durch ungedeckte Lagerscheine, Kreditbetrug an Zuckerraffinerien, Betrug durch gefälschte Zucker- ausfuhrscheine und Konkursvergehen wieder hereinzubringen. Als die Betrugsmanöver durch einen baren Zusall ruchbar wurden, floh Stiefel mit einem seiner Kumpane hals über Kops nach Südamerika, wobei er noch 220 000 Mark Bargeld mitgehen ließ. Es gelang dann der Hamburger Kriminalpolizei, die beiden flüchtigen Großbetrüger ausfindig zu machen und ihre Auslieferung nach Deutschland zu erreichen. Reichsbannermann niedergestochen! Feiger lieberfall in Schöneberg Gestern Nacht um 11 Ahr überfiel eine Rotte SA.-Leute ohne jeden Anlaß einen Reichsbannermann, der mit mehreren Taxi- chaufseuren in der Grunewaldstrahe in Schöneberg im Gespräch stand. Der Reichsbannerkamerad erhielt einen tiefen Lungenslich. Eine vorüberkommende Polizeistreife— offenbar aus dem Revier in der Gothaer Straße, drängte die Nazis vom Bürgersteig ab. nahm aber keine Verhaftung vor. obwohl sie von den Taxichausseuren aus den feigen llebersall hingewiesen wurde. Der Vorfall bedarf dringend der Klärung durch die vorgesetzten Dienst- stellen. Der schwerverletzte Reichsbannerkamerad wurde von einem Taxichausfeur nach dem Schöueberger Krankenhaus in der Mühlenstraße geschafft. Thcaterdireklor Martin Zickel ist gestern nach schwerer Krank- heit gestorben. Er stand in der Zeit des Sturmes und Dranges der Neuen Freien Volksbühne nahe. Auch später blieb er dem Natura- lismus treu. Mochte auch sein Aufstieg später etwas gehemmt sein, so blieb er doch einer der wenigen klugen und weitsichtigen Theaterdirektoren, für die das Theaterwesen mehr als ein Geschäft war. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Ver„Vorwärts" erscheint wochenläglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe fiir Berlin und im Handel mit dem Titel»Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage„Voll und zeit". Anzeigenpreise: Die einspalt. Millimeterzeile 80 Pf„ Reklamezeile ll.— M» „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Bort 20 Pf. lzulälsig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2S Pf. Familien anzeigen Millimeter» zetle ls Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstrohe 8, wochentäglich von 8Vj bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirischast: S. stlingelhöser; Eewerkschastsbewegung: Z. Steiner; Feuilleton: Herbert Lep�rc; Lokale» und Sonstiges: Fr,« Dorstadt; Anzeigen: Th, Stock«; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärt s-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u. To.. Berlin SW. 68, Lindenstrasi» 1 Hierzu 2 Beilagen. WPE3TH Fl I M Mw Bai am 9 i■ üia» fe■*«»■'«* awo»« � Zusendung von 5 M ah. Obst, Gemüse u. leidif verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Frisches Fleisch Mastochsen-Fleisch Ptd A46 Schweinebauch o. Bcilg. 0.58 Schweineschulter Pfund 0.58 HammelKeule(Lanim) Pfd. 0.98 Kalbskotelett.. Pfund 0.88 Kalbsschnitzel. Pfund 1.08 Fr. Schweineleber. Pfd. 0.64 Frische Zunge. Pfund 0.76 B rattert. Rückenfett Pfd. 0.38 la. Berliner Bratwurst. 0.58 Kalbshaxe (Mengenabgabe bis 5 Pfd.), Pfund%PCr Kalbskamm Pfund Pf. Wurst Hausmacher-Sülzwurst 0.52 Knoblauchwurst. Pfund 0.95 Schinkenspeck i.St.,Pfd. 1.18 Feine Leberwurst. 0.95 1.18 Zervelat u. Salami Pfd. 1.06 Teewurst u. Filetwurst 1.13 Zervelatwursti.Feudarm 1.28 Speck fett 0.68, mager Pfd. 0.90 Käse it. Fett Camembert u. Frühstücks- käse vollfett. Schachtel 0,16 Weißer Käse.. Pfund 0.32 Edamer, Holländer Pfund 0.66 Tilsiter vollfett.. Pfund 0.66 Steinbuschervollfett.Pfd. 0.66 Schweizer bayr., vollf., an 0.95 Margarine Pfund von an 0,25 Kokosfett.... Pfund 0.30 Molkereibutter Pfd. v.»n 1.06 Markenbutter.. Pfand 1.34 Obst Stachelbeeren Johannisbeeren Tomaten,.. Blaubeeren.. Pfirsiche... Bananen... Zitronen.... . Pfund 0.15 Pfund 0.13 . Pfund 0.18 . Pfund 0.24 • Pfund 0.26 . Pfund 0.24 3 Pfund 0.68 Gemüse Blumenkohl Kopf von an 0.06 Grüne Bohnen. Pfund 0.10 Schoten.... 3 Pfund 0.16 Möhren.... 3 Pfund 0.25 WeiB-u.Wirsingk. 3 Pfd. 0.10 Grüne Gurken Stückv.an 0.08 Rotkohl....2 Pfund 0.15 Neue Kartoffeln 10 Pfund 0.38 Himbeer-u. Kirschsaft ohne Fl. 38 pt. H 5) Geflügel Wolgahühner.. Piund 0.55 Tauben..... Stück 0.58 Hühner frisch.. Pfund 0.72 Brathühner... Pfund 0.88 Junge Gänse frisch, Pfd. 0.76 Junge Enten.. Pfund 0.98 Rück. Keule Wildschwein Pfund 0.78 0.88 Rehfleisch. Pfund 1.08 1,18 Fische Seelachs ganze Fische. Pfd. 0.12 Kabeljau ganze Fische, Pfd. 0.1 4 Schelltisch..,. Pfund 0.14 Fisch-Filet... Pfund 0.18 Bratschollen 3 Pfund v.an 0.22 Zander, frisch.. Pfund 0.28 Leb. Krebse 10 St v. an 0.48 Lebende Aale Pid. v.an 0.75 Leb. Schleie Pfund V. an 0.62 Aale 1.40 Bund von an 0.20 Kolonialwaren Bruchreis....Pfund 0.11 Tafelreis.. Pfund 0.14 0.20 ReisgrieB.... Pfund 0.17 Hartgrieß.... Pfund 0.24 Kartoffelmehl.. Pfund 0.20 Haferflocken.. Pfund 0.23 Auszugmehl Pfund 0.26 0.28 Makkaroni Bruch, Pfd. 0.34 0.45 Sago Pfd. 0.32 Tapioka 0.58 Rote-Grütze-Pulver Pfd 0.60 Pudding-Pulver Schoko- ladengcschmack. Pfund 0.60 Bier-Kaltschale. Pfund 0.65 Kaff eeeig. Rösterei. Pfd. v.anl. 90 Spezial-Mischung 20% Kaffee 0.64 40% Kaffee 1.10 Räucherwaren Schellfisch Seelachs. Bücklinge. Flundern. Matjesheringe . Pfund 0.20 . Pfund 0,30 . Pfund 0.38 . Pf und 0.38 3 Stück 0.20 Konserven � do« Rindfleisch mit Reis.. 0.60 Schweinebauch, Mohrr. 0.60 Linsen mit Rauchfleisch. 0.60 Erbsen od. Bohnen m.SpeckO. 60 Würstchen Dose 5 Paar 0.65 Senf- u. Gewürzgurk. l'. 0.62 Konfitüre Eim. Pflaum. 0.95 Erdbeer., Aprik., Orange 1.10 7, Flasche ohne Glas Orangeade u. Zitronade 0.98 FruchtseKtm. St. u.Fl. 0.93 1.20 Weißwein Ltr. 0.55 5 Ltr 2.65 Johannisbeerwein Liter 0.68 5 Liter 3.25 1931 Obermoseler...0.58 1930 Niersteiner....0.90 1 930 Wehlener Rosenbg. 1.25 1928 Rüdesheimer...1.35 Königskuchen. 0.48 .7). Ananas 0.54, Scholc.u.Ros.0.56 Mohn-Strudel /\«n u. Schokoladen-Strudel Nr.A29» 49. Jahrgang Kreitag,-lS. Juli 1932 lisiipselc melier gegen Schupo „Schlagt die Hunde tot!"— Polizeipräsidium gegen„Ängriff"-Schwindel 3m gestrigen„Angriss" wird eine neue infame und oer- logene Hetze gegen Berliner Polizeibeamte getrieben. Zum Zlnlah wird das pflichtgemäße Einschreiten der Beamten gegen einen nicht angemeldeten nationalsozialistischen Demonstrationszug in Lichterselde-West genommen. Dabei werden in altbewährter weise die Dinge gerade in Ihr Gegenteil verkehrt. Die Bazis hatten die wenigen Schupos angegrissen, die Polizei konnte ihre Anordnungen erst durchfuhren, als Verstärkung eingetrossen war. Der„Angriff" ober schimpft und schreit über die Polizei, die die unschuldigen SA.-Bengel zu hart angefaßt haben soll. hierzu teilt die Pressestell« des Polizeipräsidiums folgendes mit: Am Mittwoch, dem 13. Juli, gegen 20 Uhr, marschierte ein geschlossener Demonstrotionszug in Stärke von etwa 700 bis 800 um- formierten Anhängern der NSDAP, mit Musik von Trebbin. Kreis Teltow, kommend, zum Derkehrslokal der NSDAP. Hans Sachs am Bahnhof Lichterfelde-West. Da der Demonstrationszug entgegen der Porschrist des§ 1 Absatz 1 der Verordnung des Reichsministers des Innern vom 28. Juni 1932 für den Ortspolizeibezirk Berlin nicht angemeldet und daher gemäß ß 1 Absatz 3 der Verordnung polizeilich ausgelöst werden mußte, wurde ein Kommando in Stärke von ö Beamten entsandt, das den Zug in der Köhlerstraße erreichte. Der Aufforderung des Kommandoführers an die Zugteilnehmer und die an der Spitze des Zuges marschierenden Führer, auseinander- zugehen, wurde nicht Folge geleistet. Di« beiden Führer erklärten, daß der Zug nicht aufgelöst werde. Was für die Provinz Branden- bürg angeordnet sei, gelte auch für Berlin. Außerdem machten die Führer die Befolgung der polizeilichen Anordnung von der Angabe der Dienstnummer der erschienenen Beamten abhängig. Der Kam- mandoführer rief nunmehr vom 196. Revier aus unter kurzer Meldung des Sachverhalts Verstärkung herbei, da er mit den zur Verfügung stehenden Beamten im Hinblick auf die drohende Haltung der Zugteilnshmer und Mitläufer seinen Anordnungen nicht ohne Gefahr des Blutoergießens Geltung verschaffen konnte. Inzwischen erreichte der Zug in unverminderter Stärke das Verkehrslokal der NSDAP. Hans Sachs am Bahnhof Lichterfelde-West. hier zog sich ein Teil des Zuges in das bezeichnete Lokal zurück, während ein anderer Teil, etwa 200, in geschlossenem Zuge durch die Curtius- Straße in Richtung Drakeftraße weitermarschieren wollte. Die Be- amten stellten sich dem Zuge in der Curtius» Ecke Drakeftraße ent- gegen und lösten die Demonstration aus. Die NSDAP.-Führer Arnold und P l a u tz forderten hierbei ihre Anhänger zu Gewalt- tätigkeiten gegen die einschreitenden Polizeibeamten auf. Es war jetzt zu befürchten, daß ein gemeinsamer Angriff aus die einschreitenden Polizeibeamten unmittelbar bevorstehe, da au» der Menge der Befehl„Sturm 71 fertigmachen" zu hören war. Gleichzeitig wurde beobachtet, daß die Mehrzahl der SA.-Leute die Koppel abschnallten und Miene machten, über die wenigen Be- amten herzufallen. Die Beamten gerieten in schwere Bedrängnis. Die drohende Menge wurde nun zum Rückgehen aufgesordert, gleich- zeitig wurde, da die Anwendung des Polizeiknüppels erfolglos blieb, angeordnet, die P i st o l e n fchußfertig zu machen, hieraus wich die Menge zunächst etwas zurück. In diesem Augenblick traf die Berstärkung am Totort ein, mit deren Unterstützung der Platz geräumt und Zwangsgestellungen vorgenommen werden tonnten. Bei der weiteren Tätigkeit der Polizei vor dem Lokal Hans Sachs wurden die Polizeibeamten aus dem im ersten Stock befindlichen Verkehrslokal mit Flaschen, Tellern und Tassen beworfen. Aus diesem Grunde wurde das Verkehrslokal etwa ab 21 Uhr polizeilich geräumt und geschlossen, um weitere Angriffe von dort aus unmöglich zu machen. Außerdem hatten die eingesetzten Beamten verschiedentlich Rufe gehört:„Jetzt sind wir nicht mehr ruhig, wir brauchen nicht aus- einanderzugehen, die Polizei hat nichts mehr zu sagen. Nehmt der Polizei die Gummiknüppel weg und dreht die Sache um." Es wurde von den Führern der SA.. Arnold oder Plmitz. der Befehl gegeben, Koppel loszumachen und zu schlagen. Es wurde ferner gerufen:„Schlagt die Hunde tot." Außerdem wurden zwei Beamte durch Beinstellen zu Fall gebrocht. Zur Mordtat freche Lüge! Die Methoden des Berliner Naziblattes. In Siemens st adt wurde am Mittwachabend, wie mir ausführlich berichteten,«ine kommunistische Gruppe, die von ihrer Kundgebung am Wittenbergplatz heimkehrte, von Nationalsozialisten beschossen. Zwei Tote und zahlreiche Schwerverletzte hatten die Kommunisten zu beklagen. Der vermutliche SA.-Schutze sitzt im Polizeigewahrsam, und obgleich er von Zeugen und einem Polizeibeamten als der Toter wiedererkannt worden ist, schwindelt der Mörder unentwegt weiter. Was macht nun das nationalsozialistisch« Sudelblott, der„An- griff" aus der furchtbaren Mordtat seiner im Blutroufch befindlichen SA.-Mordbanditen? Man erklärt frech,„die kommunistischen Derbrecherbanden hätten provoziert und sie wären von ihren eigenen Genossen niedergeschossen worden". Wörtlich schreibt das Schandblatt: „Plötzlich fielen in der Dunkelheit einige Schüsse! Wie Augenzeugen berichten, haben in Hausfluren und in einigen Gebüschen bisher unbekannte Zioilpenfonsn gestanden und ge- schössen. Die Nationalsozialisten sind auch jetzt noch der Meinung, daß diese Zivilpersonen entweder Kommunisten oder Reichs- bannerleute gewesen sind, die im Schutze der cmbrechenden Dunkel- heit auf die uniformierten Nationalsozialisten schießen wollten!" Auch das Reichsbanner wird dabei in gemeinster Weise besudelt. Dieser von A bis Z erlogene Bericht ist so dumm und plump gefälscht, daß er die hakenkreuzler bestimmt nicht von ihrer neuerlichen furchtbaren Blutschuld reinwaschen kann. So werden die Mordbanditen von ihrer Berliner Gauleiwng noch zu Helden gestempelt. Dies« Gesellschaft will Deutschland„erneuern". Reite Nazi-Bluttat. Zlugblativerieilerin von E>A.-Führer niedergeschossen. In Reinickendorf- Ost spielte sich gestern abend ein Vor- fall ab. der alles, was die Nazis bisher an Blut- und Schandtoten geleistet haben, in den Schalten stellt. Der SA.-Jührer Schur aus Reinickendorf. O st. Schillerring 38. schoß eine komrnu- nistische Zlugblaltverbreiterin im Treppenhaus nieder und verletzte das Mädchen, eine 20 Zahre alte Erika E. aus der Berner Siraßr. schwer. Der entmenschte Bursche wurde von der Politischen Polizei festgenommen. Wie wir aus Reinickendorf erfahren, gehörte das junge Mädchen zu einer Gruppe der antifaschistischen Aktion, die in Reinickendorf-Ost in den Wohn- und Siedlungshäusern Flugblätter verteilte. Erika E. stieg die Treppen des Hauses Schillerring 38 hinauf und warf durch die Türschlitze der Wohnungen die Propa- gandazettel. Plötzlich öffnete sich«ine Wohnungstllr und vor dem Mädchen stand in der braunen Mörderuniform der SA.-Zührer Schur. 3n der Hand hielt der Bursche eine Hunde- peitsche, mit der er sofort unbarmherzig auf die wehrlose einschlug. Die Uebersallene rief laut um Hilfe und flüchtete die Treppe hin- unter. Diesen Augenblick benutzte der hakenkreuzler, seine Pistole zu ziehen und auf das fliehende Mädchen zwei Schüsse abzufeuern, von denen einer in den rechten Oberschenkel traf. Bewußtlos brach die Getroffen« zusammen. Der Nazischütze lief in seine Wohnung zurück, da sich im Augen- blick eine große Menschenmenge angesammelt hatte, die zweifellos den nationalsozialistischen Schuft aus der Wohnung geholt und gelyncht hätte, wenn nicht die Polizei erschienen wäre, die den Mord- Woins front gegen Hilier-Baronei Unsere nächsten Partei- und Betriebsveranstaltungen: Oalap, Marionfald«. Freitag, 15. lull, 16� Uhr, im Lokal Wildgrube, Kiepertplatr, Betriebsversammlung.„Einheitsfront und Faschismus." Referent Fritz Köcher. Vanammlung da« Schlaf* und Spaisawagen- Partenal« dar Mitropa am Freitag, 15. luli, abends 8(20) Uhr, im„Rosen- thaler Hof", Rosenthaler Str. 40-41. Tagesordnung:„Kampf der Arbeiterschaft um Recht und Freiheit". Referent Willy Schneider. Die Entscheidung drängt! Mitarbeit ist zwingende Pflicht für Jeden Arbeitnehmer! Deshalb erscheint in Massen! Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs. Richter.— Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafö- Angsstellten, Zweigverein Berlin. A. Bürde. 128. Abt., Pankow. Freitag, 15. Tuli, 19H Uhr, öffentliche Kundgebung im„Kurfürsten", Pankow, Berliner Str. 102.„Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse." Referent Robert Breuer. Köpenick. Freitag, 15. 3uli, Demonstration, Treffpunkt 19 Uhr, Dahlwitzer Platz(Siedlung). Anschließend öffentliche Kundgebung im Stadttheater Dr. Haubach spricht. Mitwirkung der Spieltruppe:„Der Querschnitt". Hammerschat»». Versammlung dar beim Arbeittam» Berlin-West und beim Bezirksamt Charletlenburg beschäftigten Arbeiter, Angestallten und Beamten. 15. Tuli, 20 Uhr, Im Restaurant Röhrich, Schloßstr. 45, Ecke Hebbelstraße. Die allgemeine politische Lage und die kommende Reichstagswahl. Referent Kollege Oltersdorf vom Gesamtverband. Die Aufgaben der Hammersehaften während der Wahlbewegung.— Es Ist Pflicht eines Jeden Genossen, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Berliner Brennstoff-G. m. b. H. Freitag, 15. Tuli, 19 Uhr, im Saal 1 des Gewerkschaffshauses, Engelufer 24/25, Versammlung aller beschäftigten Arbeiter und Angestellten. Referent- Hermann Harnisch, MdL.„Die kommenden Wahlen". Darbietungen der Spieltruppe„Wir vom Wedding". 152. Abt. Blankenburg. Sonnabend, 16. Zu», 19)6 Uhr, öffentliche Kundgebung Im Lokal Pansegrau, Buchholz, Bahnhof- Ecke Pankstraße.„Die kommenden Reichstagswahlen." Referent Otto Meier, MdL. Deutsche Tageszeitung. Sonntag, den 17. lull, vormittags >610 Uhr, in den Kammersälen, Teltower Straße 1—4. Veranstaltung der„Elternen Front".„Der 51. lull ein Kampftag für Freiheit und Recht." Referent Erich Kuttner, MdL. Nlederschöneweide-lohannltthal. Montag, den 18. lull, Demonstration der„Eisernen Front". Abmarsch 18>6 Uhr Johannisthal, Kaiser-Wilhelm-Platz. Ansprache des Genossen David Stetten 17. Kreis Lichtenberg. Montag, den 18. Zu», 19>6 Uhr, Kundgebung in der Aula der Schule Parkaue, Lichtenberg, an der MöMendorffstraße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Siegfried Aufhäuser, MdL. ♦. Kreis Prenzlauer Berg. Montag, den 18. lull, 15 Uhr, Frauentreffen im Sportrastaurant ehemaliger Exerzierplatz an der Schönhauser Allee. Ansprache des Genossen Karl Dressel. Rezitationen der Genossin Martha lohn. Mittwoch, den 20. lull: 4. Kreis Prenzlauer Berg. Umzug mit Schlußansprache auf dem Sportplatz Einsame Pappel, Cantlanstr., 20 Uhr.„Wen wählen wir?" Referent Max Heydemann, MdL. Treffpunkt zur Demonstration Arnswalder Platz. 7. Kreis Charlottenburg. Erwerbslosenkundgebung. 15 Uhr im Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Straße 58 „Für Arbeit und Brotl" Referent Max Brinftzer. 9. Kreis Wilmersdorf. Oeffentliche Wahlkundgebung für alle freien Berufe und geistigen Arbeiter 20 Uhr in den Spichernsälen, Spichernstr. Referenten: Major a.D. Anker, Schriftsteller Robert Breuer, Pressechef des Polizeipräsidiums Dr. Haubach. 20. Kreit Reinickendorf. 20 Uhr im Strandschloß Tegel, Uferstraße 1, Wählerinnenkundgebung. Politisches Kabarett unter Leitung des Genossen Hans Bauer. Ansprache der Genossin Käthe Kern. 97. Abf., Naukölin. 20 Uhr: Oeffentliche Wählerversammlung im Lokal Kelmke, Neukölln, Warthestr. 48.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Gottlieb Reese. 108a. Abt., Cöponlek. 20 Uhr; Oeffentliche Kundgebung bei Seidler, Uhlenhorst, Mahlsdorfer Straße.„Der Entscheidungskampf der Arbeiterklasse." Referent Erich Ollonhauer. 151. Abt., Niedersehönhausen. 20 Uhr Im Schloß Niederschönhausen, Lindenstr. 11. Kundgebung:„Der Freiheitskampf der Arbeiterklasse". Referent Genosse Flücht vom Gesamtverband. Slemens-Sehaitwerk. 16>6 Uhr: Eiserne Front-Veranstaltung bei Vogel, Nonnendammallee 100.„Unser Kampf für Freiheit und Recht." Referent Dr, Otto Friedländer Deulteha Telephonwerke. 17 Uhr in der Schulaula, Skalltzer Straße 56, allgemeine Betriebsversammlung.„Sozialversicherung und Arbeitsbeschaffung." Referent Hermann Schlimme. Sorgt für Massenbeteiligung! mit Meyers vorzuglichen Fruchtsäften Himbeersaft.... Vt Flasche 1.05 Kirschsaft••••• V, Flasche 1.05 Zitronenmost••• Vi Flasche 1.05 Orangeade.... V, Flasche 1.1 5 Naturreiner Apfelsaft Original-Flasche SKSSSSk Preis® ehn. Gtas — das zeitgemäße Getränk 1 V? Flasche 0.60 Pfd. 0.54 Vj Flasche Vz Flasche Vz Flasche 0.60 Pfd. 0.54 0.60 Pfd. 0.54 0.65- 2'/, Pfd. Apfel 0.60 O» O Der Unglücksdampfer Sperber I Erklärungen der Reederei Roloff Kanditen aus seiner Wohnung heraus verhaftete� Bei seiner Ber- nehmung wagte er noch zu behaupten, in Notwehr gehandelt zu haben. Llngeheure Naziblamage. Ein paar Männeken mimen Demonstration in Weißensee. Die weißensecr Bevölkerung hat den Nazis eine große Blamage ocrcitet. Auf dem Antonplah in weihensee marschierten gestern abend genau SS SA.-Leute zu einer„Demonstration" aus, nachdem lagelang zuvor eine Bombenreklame gemacht worden war. Sellen haben die Nazis im Berliner Osten eine größere Blamage erlebt. lö Musikanten, ZZ Uniformierte, der Rest in weißen Hemden, das war die ganze Hitlerherrlichkeit. Als ein Naziredner zu der Miniatur- Versammlung reden wollte, erscholl von allen Seiten die Internationale. Die Meißenseer Arbeiterschaft sorgte dafür, daß dieser Ausmarsch vollends zu einer Komödie wurde. Aengstlich verkroch sich später das Bäckerduhcnd hakenkreuzler in ihre SA.-Kaserne in der Bisioriusstrahe. In Weihensce haben die Nazis schon seht ausgespielt, das werden sie gestern nur allzudeutlich gemerkt haben. Llnd es ist doch eine Femetat! Oer„Lokal-Anzeiger" will es aber nicht zugeben. Der„Berliner L o k a l a n z e i g e r" vom vorigen Sonntag schreibt in seinem Bericht über den Prozeß Freerk, die„Tötung des früheren Bauunternehmers und Architekten Hugo Frecck durch die drei Nationalsozialisten Soldan, Seibel und C w i k l i n s k i in der Nacht zum 24. April in Steglitz sei von der Linken zu einem Fememord aufgebauscht" worden. Demgegenüber weisen wir darauf hin, daß der Vorsitzende des Schwurgerichts, Landgerichtsdirektor Linde, in der Urteilsbegründung wörtlich sagte:„Die Tat streift an Totschlag. Der leblose Körper wurde über den IK Meter hohen Drahtzaun mit ziemlicher Wucht hinübergeworsen. Mit Bedauern muß man feststellen, daß es sich um eine außerordentliche Roheit handelt, namentlich seitens des Soldan mit seiner barbarischen Turnerfaust(dem auch mildernde Umstände vom Gericht versagt wurden), und daß diese Tat vielleicht nicht passiert wäre, wenn nicht diese ungeheuer scharfen politischen Gegensätze in unserm Volke vorhanden wären. Es ist«ine Femetat, das könnte man sageni hoffentlich wird dos Wort ein- mal vollkommen aus unserm Sprachschatze verschwinden. Kinder können fast umsonst baden. S Pfennig ein Klußbad, 5 Pfennig ein Hallenbad. Um dem weitaus größten Teil der Großstadtjugend, der nicht in der glücklichen Lage ist, die Ferien außerhalb Berlins zu ver- bringen, Gelegenheit zur Erholung zu geben, hat dos Gesund- heitsamt Lichtenberg für das städtische Flußbad Lich- t e n b c r g an der Köpenicker Chaussee und sür das S t a d t b o d Lichtenberg an der Hubertusstraße sür die Dauer der großen Ferien eine erhebliche Bcrbilligung des Eintrittspreises für Kinder vorgenommen. Kinder bis zun, vollendeten 14. Lebensjahr zahlen für den Besuch des Flußbades bis 12 Uhr täglich, außer Sonnabend und Sonntag, nur S Pf., für ein Schwimmbad im Stadtbad an allen Wochentagen von 7 bis 20 Uhr ebenfalls nur S Pf. An den Freitagen von 14 bis 20 Uhr findet Frauenbaden statt, deshalb fft in dieser Zeit nur Mädchen der Zutritt zum Stadtbad gestattet. Diese soziale Maßnahme des Gesundheitsamtes Lichtenberg verdient Anerkennung und Nachahmung. Rückkehr der Weltflieger. Die beiden aincrikanischen Weltflieger Mattern und G r i f f i n kamen am Donnerstag mit dem planmäßigen Flugzeug der Deruluft(Deutsch-Russische Luftverkehrsgesellschaft) in Berlin an. Die Maschine, ein dreimotoriger Rohrbach-Roland, landete gegen X6 Uhr aus dem Berliner Zentralflughafen. Löß bleibt in Berlin. Der frühere Oberbürgermeister von Berlin teilt mit, daß die Meldung, wonach er sich in Godesberg am Rhein niedergelassen habe, nicht zutreffe. Er wohne in Berlin und habe nicht die Absicht, wegzuziehen. Die Untersuchung über die Ursache der folgenschweren K e s s c l e x p I o s i o n auf dem Berliner Ausflugsdampfer Sperber I, d«r sich noch immer an der Unglücksstelle vor dem Grundstück Havelstraße 9 in Charlottenburg befindet, liegt jetzt in Händen von Sachverständigen der Technischen Hochschule in Char- lottenburg. Leider wird das Unglück mit sechs Todesopfern noch nicht sein Bewenden haben; die Verwalterin der Schisfsküche, ein Fräulein Fröhlich, ringt im Wcstcnd-Krankenhaus mit dem Tode. Fräulein Fröhlich befand sich während der Explosion ebenso wie der Heizer Ernst Schulz unter Deck. Die Wände der Küche, die neben dem Kesselraum liegt, wurden von der unbändigen Gewalt des Dmnpfcs eingedrückt und die am Herd stehende Frau furchtbar verbrüht. Die Reederei Roloff, der der Unglücksdampfcr gehört, hatte gestern Pressevertreter zur Besichtigung des Schadens nach Charlottenburg gebeten. Di« Fabrikmarke des Kessels weist das Signum Groningen 1890 aus. Der Kessel ist also42Jahre alt. Seit Oktober 192S ist das Schiff aber erst in Deutschland de- heimatet; damals wurde es von Amsterdam nach Stettin über- geführt. Da es zu große Fenster hatte, die für die hoffschifsahrt nicht geeignet waren, wurde es im Wiicker 1925/26 in Settin u umgebaut und mit Bullaugen versehen. 1928 wurde dann das Schiff auf der Ostfeewerst in Stettin gründlich überholt, was 22 000 Mark kostete; die legte Ueberholung in Spandau, sür die die Reederei nochmals 2200 Mark ausgab, fand erst in diesem Jahre statt. Das Innere des Schiffsraums ist vollkommen verwüstet. Der ausströmende Dampf hat die Kohlenbunker leergefegt und die schweren Kohlenstücke in die Maschinenanlage geschleudert. Der Schaden an der Maschine muß erst noch untersucht werden. Um den Kesselschaden allgemeinverständlich zu erklären, kann man sagen, daß dem Kessel gewissermaßen eine Naht geplatzt ist. Ein Riß im Material ist dagegen nicht vorhanden. Da 42 Jastre immerhin ein recht angemessenes Alter sind, haben die Stehbolzen, obwohl sie verschraubt und vernietet sind, nicht mehr die nötige Widerstands- kraft gehabt, um auch bei nur acht Atmosphären Druck Kessel- und Rohrmand zusammenzuhalten. So platzte plötzlich die Verbindung zwischen den Wänden, eine schwere eiserne Deckluke wurde weg- geschleudert, und alle Personen, die sich in der Nähe des Kessels befanden, erlitten entweder den Tod oder schwere Verbrühungen. Das Kefselblech selbst ist 16 Millimeter stark, der eingerissene Spalt etwa 60 Zentimeter und 3 Zentimeter breit. Es ist fraglich, ob Nie den Arbeitslosen! iiiimNmtHuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiuiiiiitiimiiiiiiiiiiiniiMiiitlUHinintiiiiiiiiiNiiiiniiniiKiNHHiiiiiiiniHiiiiiiiniiNiiiiii Zugunsten des Erwerbslosen- Hilfswerkes (Notgemeinschaft Berlin zur Errichtung von Heimen und Küchen für Erwerbslose e.V.) Sonnabend, 16. Juli, Norden- Nordwest- Sportplatz Gesundbrunnen Grosses Sportfest Spannende Sporfkärnpfe unter Mitwirkung von Reichswehr, Schutzpolizei und Feuerwehr Eintritt 50 Pfennig/ Erwerbslose 20 Pfennig Beginn des Fu 6ba 1 1 b I i tztu rn i e rs 16.30 Uhr Uebt Solidarität mit den Arbeitslosen durch Massenbesuch! das Schiff überhaupt noch einmal in Betrieb gestellt werden kann. Der tödlich verunglückte 5)eizer E r n st Schulz war bereits sieben Jahre bei der Reederei tätig; ihn trifft, wie bisher feststeht, keinerlei Schuld. Die Reederei stellt ihm auch das beste Zeugnis aus. Entscheidend ist aber, daß sich die Reederei aus die letzte Revision berufen kann, die erst im Mai dieses Jahres stattfand. Damals wurden keine Mängel festgestellt, und trotzdem reißt plötzlich das überalterte Material der Wandveronkerung. Von sachverständiger Seite werden wir noch darauf aufmerksam gemacht, daß es tatsächlich besser wäre, wenn alle Schisfsdampf- kesjel in Zlbständcn von zehn oder zwanzig Jahren neue cstehbolzen erhielten. Das Publikum muß sich andererseits aber fragen: Wie sieht es auf den anderen Zlusflugsdampfern aus? Und hier scheint es notwendig zu sein, mit aller Peinlichkeit und Gewissenhaftigkeit eine außerordentliche Revision aller Kessel- anlagen auf den Berliner Ausslug-dampsern vorzunehmen. Denn so modern die neuen Motorschiffe sind, die auf den märkischen Gewässern fahren, so rückständig scheint noch eine ganze Anzahl der alten Ausslugsdompfer zu sein. Die Firma Rotoff betreibt ihre Reederei bereits seit dem Jahre 1889. Verkehrsunglück in Pankow. Ein Toter und zwei Schwerverlehte. Zn der wollankstrahe in Pankow ereignete sich gestern gegen 17 Uhr ein entsetzliches verkchrsunglück, das ein Todesopfer und zwei Schwerverletzte forderte. Bor dem chause W o l l a n k st r. 58 wurde die 40 Jahre alte Frau Elsbeth T i e l s e r aus der Usedomstr. 28 von einem in scharfer Fahrt herankommenden Motorrad erfaßt und Übersahren. Der Führer des Rades verlor dabei die Ge» walt über seine Maschine und prallte mit ungeheurer Wucht gegen einen Straßenbahnwagen der Linie 199. Der Motorradführer chelmut Schulz aus der Chaufseestr. 47 und sein Begleiter Heinrich Zählte aus der Triststr. 4 blieben mit schweren Verletzungen bewußtlos liegen. Durch die Feuerwehr wurden die drei Ver» unglückten ins Pankower Krankenhaus gebracht, wo Zählte kurze Zeit nach seiner Einlieferung an den Folgen eines Schädelbruchs starb. An der Ecke Rhein st raße und Kaiserallee in Friedenau geriet gestern abend ein Privatwagen auf den Bärger» steig und riß eine Rettungssäule der Stadt Berlin um. Ein Passant, der 62 Jahre alte Kaufmann Ernst Schulze aus der Schloßstraße in Steglitz wurde von der umstürzenden Säule getroffen und schwer verletzt. Sch. wurde ins Auguste-Viktoria» Krankenhaus gebracht. Der Unfall soll durch einen Motorrad» s a h r e r entstanden sein, der plötzlich in die Fahrbahn des Autos geriet._ Zugzusammenstoß aufVahnhosWestend Zugführer und sechs Reisende verletzt. Auf dem Bahn hos Westend ereignete sich gestern Nach» mittag ein Zugzusammenstoß, bei dem ein Zugführer und sechs Reisende verletzt wurden. An den von chalense« gekommenen und im Bahnhof hak tenden chalbzug 3530 der S.-Bcchn, der von zahlreiche» Fahrgästen besetzt war, sollte zur Verstärkung ein Halbzug angehängt worden. Aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache fuhr dieser Leerzug mit großer Heftigkeit auf den besetzten Halbzug auf, so daß dessen Fahrgäste zum Teil von den Sitzen geschleudert wurden. Nachdem sich die erste Ausregung gelegt hatte, meldeten sich sechs Reisende, fünf Frauen und ein Mann, als verletzt, doch handelte es sich nur um geringfügige Fuß- und Quetschwunden, die an Ort und Stelle verbunden werden konnten. Dagegen mußte der Führer des aufgefahrenen Leerzuges, der Zugführer Monse aus Oskar Mus. fWwBr skr Große, irdene Schüsseln werden gebracht und unter die Hälse der angebundenen Tiere gestellt. Jetzt kommt ein Metzger mit langem Messer, das er be- dächtig an einem Metzgerstahl wetzt. Bei diesem Weggeräusch wird das Schreien der Schweine noch toller. Sie rennen jetzt nicht mehr wild im Hof umher, sondern drücken sich in eine Ecke, ai/s der sie sich nicht mehr rühren. Sie spüren den nahen, messerwetzenden Tod. Bei den Schweinen, die auf den Dielen angebunden sind, kippt das Schreien der Wut um zu einem Schreien der Ver- zweiflung. Grauenvoll zieht es sich hin, herausbrechend aus der tiefsten Tiefe der Kreatur, die wie ein Mensch vor dem Nichts, vor der Auslöschung schaudert. Der Gefangene im Klostergang kann das Schreien nicht mehr ertragen. Es erinnert ihn an das Gekreiße einer ge- bärenden Frau, das er einmal gehört hat und das genau so hoffnungslos und schrill und langgezogen klang, als ob es nie enden wollte. Jahrelang ist ihm dieses Schreien nach- gegangen, das den Eintritt des Lebens in die Welt begleitet. Dann vergaß er's unter der Fülle und dem Andrang andern Geschreis. Jetzt haben es die Schweine wieder ausgewühlt aus dem Schlick der Erinnerung. Diesmal ist es letzte Waffe des Lebens gegen den Tod. Wie tief sind doch im Grunde die Kreaturen verschwistert! Der Metzger hört mit dem Wetzen seines Messers auf und steckt den Stähl in den hölzernen Köcher an seiner Hüfte. Wie der Griff eines Edelmannsdegens schaut er heraus, als der Schlächter sich zum ersten Schwein niederbückt, um ihm die Schwarte am Halse zu ritzen. Da, das Schreien steigert sich zu seiner entsetzlichsten Höhe! Der Metzger hat zugestoßen! Von einem der Tiere zum andern geht er und sticht jedem die Halsschlagader auf. In hellem, rieselnden Strahl platscht das Blut in die Becken. Schreiend, schreiend, schreiend, das Letzte hergebend aus dem mißhandelten Hals, bäumen sich die Tiere auf im Todes- kämpf. Die Angst verdoppelt ihre Kraft. Die Dielen biegen sich durch und kommen ins Schwanken unter der krampfig zuckenden, unablässig sich wehrenden Last. Doch die Stricke, die diese Opfer des Todes halten, sind keine Stricke der Seiler- zunft, sondern Klosterstricke; die könnte auch eine zehnfach stärkere Kraft nicht zerreißen. Der Gefangene taumelt bleich gegen die Wand. „Mensch, mach nicht schon vorher schlapp!" ulkt ihn einer der Wachtknechte an.„Wenn du schon hier bei diesem Säue- stechen so empfindlich bist, wie willst du erst deine eigene Sengung bestehen?!" 24. Sigmund ist ungnädig, im höchsten Maße ungnädig. Er hat allen Grund dazu. Ihm tun noch alle Rippen weh von den nächtlich bezöge- nen Prügeln. Außerdem ist er ärgerlich über sich selber. Ohr- feigen möchte er sich! Solch eine Schande! Das hat man da- von, wenn man seine Menschlichkeit walten läßt, statt kalt- schnäuzig dem politischen Instinkte zu folgen! Wie konnte er nur dieser blöden Mitleidsregung erliegen, diesem sentimen- talen Drang, eine vermeintliche Schuld wieder gutzumachen! Heute, im hellen Licht des Tages, muß er sich eingestehen, daß sein Vorhaben, Hus nächtlicherweile im Kerker auszusuchen, schon in der Anlage eine Mordsdummheit war! Wie erst, wenn es ausgeführt worden wäre! Die Folgen dieser be- soffenen Geschichte ließen sich ja gar nicht absehen! Eigentlich müßte er die landsknechtlichen Prügel noch segnen. Sie haben ihn vor einer Torheit bewahrt, deren Auswirkung wahrschein- lich schmerzhafter gewesen wäre, als die davongetragenen blauen Flecke, Beulen und Abschürfungen. Doch Sigmund ist in diesem Augenblick von Milde weit entfernt. Jedesmal, wenn er im Spiegel seine zerschundene Backe betrachtet, stößt der Zornwunsch in ihm auf, diesen Hund von Wachtposten hängen zu lassen! Ohne langes Voraus, ohne gerichtliches Urteil, einfach auf sein königliches Wort hin! Nur die Be- fürchtung, die Prügel könnten dadurch offenkundig werden, läßt ihn von der Durchführung seines Galgenwunsches ab- stehen. Zudem benagen ihn noch andere Sorgen: Wie ist er eigentlich zur Pfalz zurückgekommen? So scharf er auch nach- denkt, so viel List er auch aufwendet, um sein Gedächtnis und fein Erinerungsvermögen zu bespitzeln, die Geschichte bleibt unklar. "A Es klopft. Sigmund schreckt aus seinem Brüten auf. Herr Johann von Schwarzach und der Stadtvogt werden gemeldet. „Laß die Lumpen rein!" sagt er ungarisch seinem Leib- diener. Unter gewöhnlichen Umständen wäre jetzt eine feine Ge- legenheit gewesen, seiner Galle freien Lauf zu lassen und die Vertreter dieser verdammten Stadt, in deren Mauern nicht einmal der eigene König seiner Haut sicher ist, herunterzu- kanzeln! Doch augenblicklich geht das nicht. Im Gegenteil, er muß gegen Bürgermeister und Vogt höflich und zuvor- kommend sein. Er braucht die Leute. Sehr braucht er sie, handelt es sich doch für ihn darum, die der Stadt in Pfand gegebenen Reichskleinodien freizubekommen. Ohne Lösegeld natürlich. Wenigstens für die Dauer der General- Kongregation nachher im Münster, der er Vorsitzen muß. Sigmund ist des Erfolgs seiner Sache sicher. Wenn er die Herren richtig nimmt, werden sie ein Einsehen haben. Ja, darüber hinaus werden sie sich noch geehrt fühlen, daß sie ihm, dem König, einen Wunsch erfüllen dürfen. Er steht bei dieser Verhandlung schließlich auch nicht ganz mit leeren Händen da. Denn von ihm hängt es ab, die von der Stadt nachgesuchten Privilegien zu bewilligen. Wie hat sich beim Bankett gestern der Bürgermeister den Mund fußlig geredet wegen dem roten Zagel im Wappen, dem Trompeter im Felde, dem roten Siegel statt des gelben! Run, er wird gesprächsweise einfließen lassen, daß er nicht abgeneigt wäre, wenn... Da, zwei Rücken beugen sich, ein runder, fetter, ein breiter, eckiger. Sigmund setzt sein Fanglächeln auf und geht nach der Begrüßung ohne Umstände aus sein Ziel los. Herr Johann von Schwarzach, der Bürgermeister der guten und getreuen Stadt Konstanz, oerzieht keinen Muskel in seinem übernächtigen Gesicht. Nicht einmal am Bart zupft er, wie's sonst seine Gewohnheit ist. Nein, regungslos wie ein Bildstock hört er die Bittrede an. Der Vogt desgleichen. Der bringt seinen Jagdhundblick nicht mehr von der Fläre auf Sigmunds Wange los, die beim Sprechen mit auf- und abhüpft.„Aha", denkt er.„der Tröndle schreibt eine ganz achtbare Handschrist! Jetzt möcsit' irf? erst mal die Mosen vom Hellebardenstiel sehen!" Der König hat geendet. Erwartungsvoll ilyaut er auf den Bürgermeister. Sein Mund lächelt zwar, aber sein Blich fordert.(Fortsetzung folgt.) der Sophie-Charlotte-Slrahe 21, mit Schnittwunden an Kopf und Füßen dem Krankenhaus Westend zugeführt werden, Da der Leerzug nicht entgleiste, sondern nur an der Stirnwand beschädigt wurde, konnte der Zugbetrieb in vollem Umfange auf- rechterhalten werden, und nur zwei Züge erlitten geringe Ver- spätungen. Das Llrteil im Asrkus-Prozeß. Znsgesamt 11 Zahre Zuchthaus.- Vier Freisprüche. In dem Vrazeß um die Tötung des lunghiXermanncs Jt o t f u s am 24. Zanuar d. 3. in der Gahkawskyftrahe in Moabit, der seit einigen Tagen die Große Strafkammer des Land- gerichts beschäftigte, wurde gestern in später Abendstunde nach einem 12slundigen Derhandlungstag das Urteil gefällt. Der kommunistische Angeklagte S t o l t, der Führer der Moa- biter Gruppe der Kommunisten, erhielt wegen schweren Land- friedenebruches und Raufhandels 3 Jahre Zuchthaus, Der Kommunist P o st und oer Stennes-Mann Kühl mann wegen Verbrechens nach 8 1 des Republikschußgesetzes 2 Jahre Zuchthaus bzw, 3 Jahrs Zuchthaus, Wegen Landfriedensbruches und Rauf- Handels der Kommunist Kuhli 1 Jahr Gefängnis. Auf«ine Zucht- hausstrafe von 3 Jahren und auf 3 Jahre Ehrverlust erkannte das Gericht gegen den angeklagten früheren Kommunisten und jetzigen Nationalsozialisten See bürg wegen Verbrechens nach§ 1 des Republikschutzgesetzes. Landfriedensbruches und Raufhandels. Freigesprochen wurden die vier Angehörigen der Moa- biter Stennes-Gruppe Lichtenberg, Schemait, Stachehl und Klose, Lichtenberg begrüßt dänische Kinder. Die Kommission für Kinderaustausch an der 3 3. weltlichen Volksschule in Lichtenberg, die 117. Abtei- lung der Sozialdemokratischen Partei und die SAJ, Lichtenbergs veranstalteten am Mittwochabend eine Emp- fangsfeier für ihre dänischen Gäste in den Restaurationsräumen des Flußbades Klingenberg, Geschlossen marschierten die beteiligten Or- gonisationen unter Vorantritt eines Reichsbannertambourkorps durch Neu-Lichtenberg zum Festsaal. Leider wurde es den uniformierten Reichsbannerkameraden, den wahren Vertretern des Volksstaates, durch die Polizei verwehrt, im Zuge mitzumarschieren. Aber sie ließen sich nicht abhalten, den Zug zu begleiten. In allen Straßen. die der Zug passierte, wurden unsere Gäste durch unseren Gruß „Freiheit" von der Spalier bildenden Bevölkerung begrüßt, Ueberall im Zuge blitzten die drei Pfeile. Im festlich geschmückten Saale wurden die dänischen Gäste durch den stellvertretenden Bczirksbürgermeister Lichtenbergs, Genossen S t i m m i n g und je einem Vertreter der Schule und der Partei durch Ansprachen begrüßt. Alle Redner waren sich darin einig, daß der Kinderoustausch ein neuer Weg der Völker- Verständigung und eine Brücke zur Völkerverbindung sei. Den dänischen Parteigenossen muß es hoch angerechnet werden, daß sie ihre Kinder gerade in dieser Zeit zu uns geschickt haben, Genosie L a r s e n. der Führer der dänischen Kinder, dankte den Rednern und Veranstaltern in deutscher Sprache für den herzlichen Empfang. der ihnen zuteil geworden sei. Die großen Erwartungen, mit denen sie nach Berlin gekommen wären, seien weit übertroffen. Die Kinder werden in den kommenden drei Wochen ihres Aufenthalts Gelegenheit habe, einen großen Teil der Berliner Sehenswürdig- leiten zu besichtigen. Willy Sttarek nach Luckau übergeführt. Nachdem bei einigen Angeklagten des Sklarek-Prozesies durch Zurücknahme des Revisionsantrages das Urteil rechtskräftig ge- worden ist, wird nunmehr bei diesen Verurteilten mit der Straf- Vollstreckung begonnen. Der Anfang wurde mit Willy Sklarek gemacht, der am gestrigen Donnerstag vom Untersuchungsgefängnis Moabit nach dem Zuchthaus Luckau abtransportiert wurde, wo er seine vierjährige Zuchthausstrafe zu verbüßen hat. Luckau kam deshalb für ihn in Frage, weil es die Strafanstalt für Nicht- vorbestraft ist. Seiner Frau wurde vor dem Abtransport noch Sprecherlaubnis zur Verabschiedung gegeben. Auch von Leo Sklarek erwanet man noch in dieser Woche, daß er, nachdem er sich inzwischen wieder einigermaßen beruhigt hat, dem Beispiel seines Bruders Willy folgen und ein« Annahme der Strafe ein«r etwa anderthalbjährigen, in Haft zu verbringenden Wartezeit auf die wenig aussichtsreiche Entscheidung über den Reoisionsantrag vorziehen wird._ Berliner Llniversität bis 16. Juli geschlossen. Rektor und Senat der Berliner Universität sind der Ueber- zeugung, daß die noch bestehende Erregung unter den Studierenden einen geordneten Unterrichtsbetrieb im Universitätshauptgebäude nicht zuläßt und haben die weitere Schließung des Unioersitäts- Hauptgebäudes bis Sonnabend, den 16. Juli Ill�Z einschließlich, beschlossen. Mii dem Speer getötet. Osnabrück, 14. Juli. Während der Trainingsstunden des Vereins Deutsche Iugendkraft„Rajensport" wurde beim Speerwerfen der Sportwart M e n k h a u s, der durch die Sonne geblendet war, von einem Speer in die Brust getroffen. Infolge innerer Ver- blutungen trat kurze Zeit nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus der Tod ein. Zwanzig Kinder zertreten. In Talcahuano(Chile) brach in einem Kino während einer Kindervorstellung Feuer aus. Bei der panikartigen Flucht der Zuschauer wurden 20 Kinder zu Boden gerissen und buchstäblich zu Tode getreten. 40 Kinder erlitten Ver- legungen._ Ein sogenannter„Klub der Geistesarbeiter" ladet in Pankow durch Handzettel und Säulcnanschlag zu einer öffentlichen Kund- gebung ein. Da versucht wird, in den Einladungen den Eindruck zu erwecken, daß die SPD. mit zu den Einberusern gehört, weist die Pankower Parteiorganisation daraus hin, daß sie m i t d e r S a ch e nichts zu tun hat. Die Wahlkundgcbung der SPD. iindet heut«, Freitag, 19/� Uhr. mit einem Referat des Genossen Breuer im„Kurfürsten", Pankow, Berliner Str. 102, statt. Kalaban-Prozeß. Am 29. Juli beginnt vor der Großen Ferien- strafkommer des Landgerichts II Berlin der Prozeß gegen das Falschmünzerehepaar Saloban. Delleroussichten für Berlin- Wolkig und nur noch mäßig warm- Neigung zu einzelnen leichten Regenschauern.— Für Deutschland: Im Nordosten anfangs noch w?rm. später unter Gewittern Abkühlung: im übrigen Reiche wolkiges und Verhältnis- mäßig kühles Wetter mit vereinzelten Schauerniederschlagen. Um jeetem Sammler die Vervollständigung seiner Sammlung zu ermöglichen, tauschen wir ab 25. Juli doppelte Bilder gegen jedes gewünschte Bild dieser Sammlung. Eine freudige Überraschung für jeden Sammler wird die anschließende neue Serie sein. Sie finden sie in Kürze in allen Packungen der DICK RUND O/M Dil EROBERUNG DER LUFT jelzl heraus! Sämtliche Bilder dieser mit so ungewöhnlicher Begeisterung aufgenommenen Sammlung sind nunmehr erschienen. Haben Sie schon das herrliche Sammel- Album mit den zahlreichen farbigen Beilage-Blättern? Es ist für nur RM 1.— zu beziehen von der Garbäty Cigarettenfabrik, Berlin-Pankow. r.T�.- V VV*:. Unsere Levens- WEINE, SPIRITUOS. KONSERVEN mittei-Abteilungen stehen unter ständiger Kontrolle des v mm c h e m i k e r s Herrn Dr. Zellner und des Stadt-Tier- arztes i. R.Herrn Dr. Frankf. Apfelw. Ltr. 0.SS 10 Ur. 3.50 Apfelw. SÜß. Ltr. 0,M 10 Ltr. 5.50 Bowlenwein Ltr. o.u 10 Ltr. 5,50 Niersteiner.. Ltr. MO 10 Ltr. 8.50 Tarrag. Wermut Ltr. 0.95 10 Ltr. 9.00 Semoi, Malaga Ltr. 1.05 10 Ltr. 10.00 31 er Laubenhaimar.... mit Fl. 0,68 31 er St. Mortiner...... mit Fi. 0.80 30 er llebfraumlldi....mit FI. 0,88 Alkoholfr. Apfelsaft gr. Sektfl. 0.88 Himb. od, Kirschsaft...itr. 1.30 Zitrone o.Orangeade ltr. 1.30 Jg. Bredt-». S Theater, Lichtspiele usw. mmm Friedrichsleide'Osi (Oberfeld) r«chu von der Marzahner Chaussee Nihe S-Bahnhof(Fahrgeld 20 Pfennig) 5 o. B1-'. Stgs. 2,5, 815 U. HEUTE letzter Tag! Einiuaizeriraum Rose- Theater tisSi FngtfortBr Strafe(Z? Irl. WeiOse; E I 342! 6 und 9 Uhr Die eiserne lungfran Oartenbüline 5 Uhr Konzert u. VarletO Drei mi kleine Mädels Tanz-Konzert Naohmltt. u. abend« Zimmer 1 Est! V. RH. s.. aa 2 Bitten v.RM.fO.-a« Hotel-FrühstOck kompl. RM. 1.50 KomanK&Co. P«iB»nfalrit Berlin N 6» I UsinUtufarfsr Strnls 8i. JUERGEN5 Parzellen f Friedrich Henke G.m.b.H., Cbarlaifeabg., Wallzstr.»4, Wertend 1904 Auskunft täglich Oberfeld 1 7, •.ntig 7 Ol Vertreter Sonnabend und Sonntag auf/ dem Gelände von 10 bia 7 Ohr• V. r' N tf w lr ksa■ sind die KLEINEN ANZEIGEN derQesamuoflase des„Vorwärts" nnd Nach kurzem schwerem Leiben verschieb am 13. Juli meine liebe Frau. unter» gute Mutter. Schwester. Tante. Schwitgerin und Schwiegermutter Etnina Rogowski geb. Herder im 53. Lebensjahre. Zm Namen der Hinterbliebenen Otto Rogowakl und Kinder. Die Einäscherung findet am Sonn» abend, dem 13. Zuli, 17.30 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg statt QftU Aie für die Gewerbe der Tisdiler und Pianotorteaibeiter zu Berlin SO 36, Oranienatr. 39. DU 7.»Ibanbetung der Agsseniatzung ist oom Oberversicherungsamt genehmigt. Druckstücke find IM Agsseniolal erhältlich. Hermann Ehrlich, Borfitzenber._ Die große Funkillustrierte für das schaffende Volk VOLKiPUNK Reich illustrierter Textteil, mit großem Europaprogramm Erscheint wöchentlich, 48 Seiten stark, in Kupfertiefdruck VOLKSPUNK Einzglnummer 25 Pfennig— monatlich 90 Pfennig m Kinderb., Polster, ChaiseL, an Jeden, Teilt Katalog frei. Eisenmöbelfsbrüt Sohl(TbürJ 1' t. VpAv'■-."'v-,<<;{' />. Qp-J. DER AUFSTIEG DER VOLKSFURSORGE Gewerksdiafllich-Genotsen. schaftiiche Versicherung»- aktlengefellschaft, Hamburg SOLLTE AUCH FÜR SIE EIN ZEICHEN DE# GEGENWÄRTIG SIND BEI IHR versichert: AUSKUNFT: LEfSTUNGSFXHIGKEIT UND DER GEBOTENEN SICHERHEIT SEIN G 2265 000 WERKTÄTIGE MIT 850 MILLIONEN RM. Versicherungssumme Berlins 42, RltteratraBa 1201 Berlin• Marlaadorf, Rathaua- straBe 93, pt. I BaHln-Köpenlek, BahnhofatraBa 34 1 Barlin- Liehtanberg, Prankfurlar Allan 122, Barlin-Ralnlckandorf- Oat, Schünholzer Weg 39, Berlin. Pankow, OaillardatraBa 2», Barlin-Spandau, GStalatraBn 8, pt, oder dar Voratand der Valkafliraorga In Hamburg 6, An dar Alatar 57-61 Aeußerst günstige Angebote! In erstklassigen Tisch- u. Bowlen-Weinen u.a. nur-.80 1923 er Schloß Bdckel heimer.. i t92Ser Rüdasheimer Schloßberg 1927er Oppenhetmer Goldberg.] 1/ 1927er Binger Rosengarten... I 1928er Kreuznacher Kronenberg' Pr. deutsehe Weißweine, vrzsl.z. Bowle. Liter v.O.GO1/, Fl. O.SO an Feinste Zitronensaft-Orangeade 1 IUr H.r.teMuoi«n.„.,,1.30 Feinster Hlmbear- u. Kirschsaft/ Erfriichunjjjetrink. ,-':r- 1.45 Beachten Sie, bitte, meine Plakate in den Fenstern. Trspctinp" Liter Vi fl Erstkl. deutscher Wermut ii 1 1 iCjllllC nur 0,86 0.70 Erstki. Dessertwein„Exquisit", gold. ca. 22%..1.65 1.35 Eratkl. Oeascr�ein„Rubin", süß, ca. 22%.1.85 1.45 Echter Oouro Portwein„Spezial", aüß. ea. 18% 1.85 1.50 Prima apeniacher Rotwein.... Liter I.OO � Fl. 0.80 Echte rote und weiße Bordeauxweine... V, Fl. 1.50 an Original Tarregona„Spezial", süß. Liter 1.20 1ll Fl. 0.95 Original Malaga„Spezial"....„ 1.35'/j Fl. 1.10 Original Deaaertwein„Ita"....„ 1.40 Vi Fl. 1.15 Original Ital. Vino Vermouth..... 1.15 V, Fl. 0.96 Obstdessertweine, nur erste Qualitäten, von O.TO p. Ltr. an Se&fandosgBg i fttdflt 39. Preubisch-SüddciUsch« 6taafs.2oäeric. )hil« Gewähr Nachdruck verböte» Aus jede gezogene Nummer find zwei gefafita, und zwar je einer auf die Loj tu bes. beide» Zlbteiluugea 1 C-.4,, m ,r>iif,i n. yvyt ocnnrnit 2. Fiehungstag 14. Füll 1932 L» der heutige» Vonuittagsziehimg wurde» Sewiim« über 400 M. gezoge» 2 chrtow« i» 60000 VL 2793S4 2 Oeoinu pt 1 0000 W. 209030 2»«Dlimj ja 5000 M. 387503 4©eomtu pt 3000 M. 69518 266813 14©tintnn« pt 1000 ffi. 63480 143550 241720 282276 282937 »27676 337676 24 Betpinu nt 800 NL 4755 10697 14313 36370 135047 221232 242830 299942 330313 358067 371605 382816 66 Beminne tu 600 M. 10163 28688 48607 66131 71952 81020 89128 90559 94602 101274 133020 133307 175382 178398 179934 183489 202211 204725 208058 221060 237616 244090 256444 270888 276619 296276 394063 396034 Sa der heutige» Nachmtttagsziehmig wurde» Gewinne über 400 N. gezogen 4«rtobtn, an lOOOO ffl. 170836 386038 6 Sswin-, iu 5000®L 91526 169539 354809 4 s-wi--« pt 3000 92. 138288 227713 14 Sewinn, pt 2000 92. 1130 72312 128322 207279 276104 334997 387264 34«rtstw, n 1000 92. 87792 66063 88839 102394 169135 159692 240395 280406 284937 293568 303590 343224 383978 366161 377149 385792 389264 43»«-in-, PI 800 9» 8759 23763 24051 82100 51277 90784 94333 95677 103554 109839 135661 217386 237091 247601 263354 263805 276431 318462 323253 335678 339192 350976 368191 390600 60 e«»inn« m 500 m. 1 91 58 20878 42094 6341 7 61 644 80576 122218 166093 169303 210608 241930 253965 268132 283461 299734 300230 317442 336369 340S06 343534 361 097 364642 378429378493 S788S3 384236 889226 390128 391613 392639 Di« Ziehung der 5. iNasie der 39. DreuMch. Süddeutsche» <865. Preubljchen) Etaatslotterie findet vom ß. August bis 18. September 1932 statt. KLEINE ANZEIGEN uiiiiiiiuiuiuiiiiiuiiiiuiiiiiiiiiuiuuuiiuiuuiiuumiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiuiiiiiiuiiiuuiuiuimiiiiiimiuiiiiiiiuuiinii Prelle i Uberschrinewort 30 Pfennlfl, Textwort io Pfennig Wiaderholungsraball; 5 mal 5%, 8 mal 7Vt%, 12 mal 10%, oder 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%, 4000 Worte 20%. Annahme durch den Verlag, Lindenttraße 3>>/,? bis 5 Uhr), sämMidie Vorwörts.filiolen und-Ausgabestellen, sowie alle Annoncen-Expedihonen hp i uci Sämtlich« Preis« verstehen sich ohne Glas I Erstklassiger Aquavit . Liter 2. SO 2.85 3.20 3.80 Feinster Weinbrand, Verschnitt e*e Prima Getreidekorn, ca. 40°/,,, „ Weinbrand Masue"... Feinster Jamaika-Rum, Verschnitt Prima Edellikäre 30°/....... Erstklassige Edeltiköre, bis 38%. Direkter Verkauf vom Faß vom kleinsten Quantum ab und Kostproben gratis In allen mit* versehenen Geschäften. V, Fl. 2.00 v, PI. 2.25 Vi Fl. 2.50 Vj Fl. 2.95 3.70 Vi F'- 2.90 Vi Fl. 2.45 % Fl. 3.25 4.20 BERLIN ♦N, Brunnenstraße 42 *N, Müllerstraße 144 •N, Chausseestraße 76 O, Koppenstraße 87 •N, Prenzlauer Allee 50 *N, Schivelbelner Str. 6 *0. Petersburger Str. 42 *SO. Gronauer Str. 15 •SO, KöpenickarSt.1 34-35 *W, Martln-Luther-Str.86 •Steglitz: Sehloßstr. 121 •Lankwitz: Charlotten- ttraße 34 •S, Bergmannstraß« 11 •Charlottenburg: Wilmersdorfer Str. 157 •Neukölln; Berliner Str. 12. Hermann- straBe 27 und Bergstr. 66 •Schöneberg: Kolonnenstraße 7 •Oberschäneweide:Wilhelminenhofstr.40 •Moabit; GotzkowskystraBe 31. Wllsnacker Straße 25 •Spandau: Potsdamer Straße 23 •Weißensee: Berliner Allee 247 Tempelhof; Berliner Straße 152 •Pankow: Woliankstr. 98 •Lichtenberg: Wismarplatz 1 Reinickendorf: Markstraße 45 Schmargendorf; Berkaer Straße 5 Potsdam; Charlottenstraße 69 Verlangen Sie meine Preisliste! Achten Sie auf die Firma Süßkind I uerhaute|[ gtooleam SlMat. ftslsnia» (hoft e»,___ Frucht-Säste verlang: dein Kör. »er, gib sie ihm, aber nur die guten Dinllersäst« aus frischen Himbeerin, Aegseln,»Irschen, Erdbeeren, Oran- gen, Ananas, gi. tränen. Dtnklersälte sind unverfälscht, enthalten Aufbau staff«, sind Muskel nahrung, Freud« der Sportler und »inder, Tages. fläschchen nur 15 bis 18 Ps. in Le- bensmittelgeschästen (auch»onsumge. nossenschgft>. Dink. lerfaftsiTaiäil, Ber. lin, Hansa IßU. Max Sinti«:, Uten. dolerstrafte 5. KieiflungssiücKe, uiisena usw. Leihdavs Lowicks verlaust«u un- glaublich billigen Preisen wenig getragene sowie neu« Herrengarderobe. Herren- u. Damen. telj«. Deitester Weg lohnt,»eine Lombardware. Prinzenftraße 105. eine Treppe. liauio Bahlzefultate ibten st« am losten per Radio. Hochwertige Appa. rate mit etwas de. schädigtem Gehäuse spottbillig. Bequeme Teilzahlung. Bor- suhrung kostenlos. Szilasi, Dresdener. strafte gg.»ein La. den. Telephon Jan- nowitz 0435.• Fatiprsflar Gebrauchte Fahrrader 15,—, I TO,—, 25/—. Werner, Adalbertstr. 9,«att. busser Tor.• Rabis, Sprechmaschinen. N-tzanschtuß-nlag«. komplett mit Roh, ren Lautsprecher, anschlußserlig. 43,—, Lautsprecher 4.75, 7.50, vierpolig 13,—, 18,—, 22,—, Softem 4,75. 6,90.«leklro. dosen 3.50, 5LV. Anoden, 100 Boll 3,25, 4.40, 4,95. 91(6. anöden 18.— Bast- lermaterial, Sprech. Maschinen,»osser. apparate 9,—, 12,—, 15,—, Schrankappa- rote 28,—, 32,—. 35,—, 45,-, 10 000 Werke 3,— 4,—, 6,— sowie alle» Zubehör billig. Mach. now. Beinmeister- strafte 14. Filialen: Friedenau. Rbein. strafte 43; Tbar- lottenbura. Wind- scheid. Ecke»anl- strafte, und»ant. strafte 54. Fabrikneu« Fahrräder 28,—, |fe,-. 85,-, 40,-. 45,—. Machnow. Weinmeisterstr. 14. Filialen: Friedenau, Rheinstr. 43, Ehar, lottenburg, Wind. scheidstrafte, Ecke Kantstraft«. und »antstiafte 54._* Gebrauchte Fahrräder 15,— 20,—, 25,- 30,—, 35,—. Machnow. Weinmeisterstr. 14. J Ballauräder. fabrikneu, 33,— an, Motorradteile und Spottartikal, größte Auswahl, billigste Preis«. Machnow, Wein» meisterstrafte 14. Fi- lialen: Bisebenau, Rheinstr. 46; Ehar- lottenburg, Wind- scheidstrafte. Ecke »antstrafte, und »antstrafte 54.• iHampesucnel ss-d-gebisie. Platinabkäll« Quecksilber Sinn» metall«, Silbet» fchmel»« Golbschmel- »ctei. Ebristianat, »övenickerftrafte 89 Haltestelle Adalbertstrafte___ Soldschmuck, Fahngedisse. Miin- mit Freilaus und�en, Uhren Rücktrittbremse seftt sihlend. Göll 55,—, Alexanderstrafte krell 40.—, 45. I Bennaborräder70,—. Ballonrädel, Mark« Stern, 63,—, 75,— Areona jetzt 95,—. Machnow. Wein- meisterstrafte 14. Grdftte» Fahrrad. baus Deutichlands neben dium, Polizeipräst- Seiliusi'iiaiip 200« RM. sucht Parteigenosse aus Appothek, An- gebot« unter St. an lorwärts-Spedttion und ■Tiotiai Baßuisschinen ■ Polstermöbel, Groftlager zu»lein, preisen,»lubtisch« 9 bis 95, Standuhren 95.»amerling,»a- stanienallee 56(Ecke Fehrbellinerstratze).» Nähmaschinen. groß« Auswahl, Mark 35.— an, in Nundschisschen und Eenttaldobbin 95,—. Machnow, Dein- meisterstrafte 14.• ilialen: Friedenau, tüheinstr. 48, Ehar. lottenburg, Wind- lempelhof, Werder- sch-idstrafte. Ecke, sn-ße 31, »ant' Kant Fahrräder 35.-. 39,-, 42,—. 45.—. Oranienstrafte 128, 3 Treppen.* | Kraittarirzeüeaj Deradteile, Ketten, Reifen, Scheinwerfer, Licht, Maschinen, Dreh» grisse spottbillig. Oraniensttafte 123.• Ohne dtuschreibeaeld oermittel! Woh» nungsheld, Neue Königstraft« acht. unddreiftig, direkt Alexanderplatz.• M.Z2Y. 49.Iahrgang 2. Z-reitag, 15. Juli-ly32 Nun auch noch der Hering! Verteuerung durch Zollerhöhung um 2 Pfennig pro Stück geplant. Die Schleusen sind geössnet: In den Reichsministerien stehen die Vertreter der Interessentenhausen an, um ihre Zollwünsche vor- zutragen und durchzusetzen. Zölle auf Kartoffeln, Zölle auf Gemüse, Zölle aus Südfrüchte, Zölle auf Schmalz und Speck, Zölle aus Vieh, Steuern auf Salz, schließlich Steuer aus Margarine-- alles geht auf Kosten der breiten Massen. Jeder will verdienen. Die breiten Verbraucherschichten aber sollen es bezahlen. Nun will man den Heringszoll erhöhen. Diesmal ist der Reichsfinanzmimster Graf von Schwerin- Krosigk zuständig. Er dürfte kaum Heringe essen. Auch Adolf Hitler, dessen Partei die Verantwortung für die neue Zoll- und Verteuerungswelle trägt, wird etwas Besseres haben als den Hering, um seinen Bauch, der im Laufe der Jahre immer mehr zur Fülle neigt, satt zu machen. Heringe sind das wichtigste Nahrungsmittel der ärmsten Bevölkerung. Wer die Heringe verteuert, nimmt einem großen Teil der deutschen Bevölkerung überhaupt die Fleisch- nahrung. Nur derjenige, der die Massen kalt der Verelendung überantworten will, kann auf den Gedanken kommen, gerade den Heringszoll zu erhöhen und den Heringspreis in die Höhe zu im großen. Der Er soll jetzt auf ist jeder Hering, treiben. Wir erinnern in diesem Zusammenhang an die Feststellung berühmter Aerzte, wonach gegenwärtig in vielen deutschen Städten die Unterernährung, gerade bei den Kindern und Jugend- lichen, allmählich schlimmer wird als während des Krieges und während der Inflation. Bei dem Heringszoll macht man es direkt Zoll beträgt gegenwärtig pro Faß 3 Mark. 9 Mark gesteigert werden. Gegenwärtig der in Deutschland verkonjumiert wird, mit einem Zoll von einem halben Pfennig belastet. Mit der Zollsteigerung wird sich die Be- lastung auf 1,Z Pfennig erhöhen. Aber die Verteuerung ist damit noch nicht abgetan. Ersahrungs- gemäß kommt auf dem Wege vom Import zum Konsum eine weitere Verteuerung zustande, die angesichts eines Zolls von 1,5 Pfennig auf 2 Pfennig zu schätzen ist. Es handelt sich also um eine un- geheuerliche Verteuerung. Wir fragen uns nur, wie lange kann die Geduld des Volkes in diesem„Wohlfahrtsstaat" noch vorhalten, wo man den Erwerbslosen und Rentenempfängern die Notpfennige verkürzt und dann noch den Hering verteuert! Subventionen für Giesche-Zink? Die Ltmstellung in der Magdeburger Versorgungswirtschast. Vor mehr als drei Jahren hatte der Magistrat der Stadt Magdeburg ein Projekt zum Aufbau eines großen mittel- deutschen Industriezentrums aufgestellt, oas an Großzügigkeit nichts zu wünschen übrig ließ. An der verkehrstechnisch außerordentlich begün st igten Einmündung des Mittellandkanals in die Elbe sollte ein modernes Gaswerk, ein großes Elektrizitätswerk und eine von der Giesche-Gesellschaft zu erbauende Zinkhütte entstehen: die Zinkhütte sollte Großabnehmer von Strom des neuen Elektrizitäts- wertes sein. Man kann der Magdeburger Stadtverwaltung die Anerkennung nicht versagen: ein wesentlicher Teil des Pro- jektes ist verwirklicht. Daß man jetzt auf einen Teil der Ausbau- pläne verzichtet, das ist auf die damals von niemand geahnte Verschlechterung der Wirtschaftslage zurückzuführen, das zeugt zu- gleich von dem Willen, zu einer finanziellen Konsolidierung zu kommen. Fertig ist seit längerer Zeit die G r o ß g a s e r e i als Produktionsunternehmen und die Gasversorgung Magde- b u r g- A n h a l t A.- G. als Verteilungsunternehmen. Die Gas- Versorgungsgesellschaft wird von der Stadt Magdeburg b e- herrscht: sie besitzt 54 Proz. des 3-Mill.-M.-Kapitals, weiter« 6 Proz. bot die Provinz Sachsen, während die restlichen 49 Proz. die Dessäuer Gasgesellschaft hat. An der Großgaseret leben- falls 3 Mill. M. Kapital) ist die Stadt Magdeburg mit 49 Proz., Dessauer Gas mit 31 Proz. beteiligt. Der Ausbau dieser Gesell- fchaften erfolgte zum Teil mit kurzfristigen Krediten, weil langfristiges Kapital in dieser Zeit am Kapitalmarkt nicht zu er- halten war. Der Großgaserei hat die Stadt Magdeburg einen Kredit von 3,2 Mill. M. zur Verfügung stellen müssen. Um nun aus diesen Verpflichtungen herauszukommen, b e- schränkt sich die Stadt Magdeburg in Zukunft aus die Be- teiligung an der Gasversorgung. Di« Beteiligung an der Groß- goserei in Höh« von 2,43 Mill. M. wird am Dessauer Gas gegen einen gleichen hohen Betrag von Reichsschuldbuchforderungen verkauft. Ueber die Fälligkeit dieser Schuldbuchforderungen ist nichts bekannt, so daß man über ihren Kurs(der je noch Fällig- keit zwischen 32 und 91 Proz. schwankt) und die etwaige Einbuße der Stadt nichts sagen kann. Der Kredit von 3,2 Mill. M. soll an die Stadt zurückgezahlt werden. Das Elektrizitätswerk, die Mitteldeutsche Kraftwerk Magdeburg A.- G., von deren 19-Mill.-M.-Kopital 49 Proz. be! der Stadt, 49 Pro.z. bei Giefche und 29 Proz. bei Dessauer Gas liegen, wird demnächst mit einer Leistungsfähigkeit von 22 999 Kilowatt in Betrieb kommen. Auf den weiteren Ausbau(geplant bis 199 990 Kilowatt) hatte man bisher keinen Wert gelegt, weil die Zinkhütte bisher nicht gebaut wurde. Jetzt hat in einem Bertrage mit den Reichselektrowcrken die Stadt Magdeburg auf den Ausbau endgültig verzichtet: die Elektrowerke werden den neu auftretenden Strombsdarf zu billigen Preisen decken. Dieser Verzicht ist im Interesse einer planmäßigen Versorgung Deutschlands mit Elektrizität, wie sie von den öffentlichen Unter- nehmen, wie Elektrowerke und Preußen-Elektra, angestrebt wird, nur zu begrüßen. Um nun ihren außerordentlichen Haushalt gleich gründlich in Ordnung zu bringen, plant die Stadt Magdeburg die Aufnahme einer Anleihe von 3 Mill. M., die zum Ausbau der Wasserwerke verwandt werden soll. Ueber die Zinsenhöhe, die auf etwa 7 Proz. beziffert wird, wird noch bei der Reichsbank verhandelt. Alle ihre Werke will die Stadt Magdeburg später in eine Aktiengesellschaft, deren Kapital mit 29 bis 23 Mill. M in Aussicht genommen ist, einbringen. So weit die Umstellung in Magdeburgs Versorgungswirtschast.— Zugleich wird aber bekannt, daß der lange aufgeschobene Bau der Zinkhütte nun doch in Angriff genommen, werden- soll, obwohl man in Fachkreisen darüber einig ist, daß eine Rentabilität bei den heutigen Preisen unmög- lich und auch in absehbarer Zeit nicht zu erzielen i st. Sehr bedenklich aber ist. daß die Giesche-Gesellschaft dafür einen (rückzahlbaren) Subventionskredit vom Reiche er- halten soll. Giesche fördert in Oberschlesien Zinkerze, die nach dem Verlust der Zinkhütte an Polen jetzt in Polen verhüttet werden. Vor Jahren hat Giesche das Angebot des Reichs, mit einem Kredit in Oberschlesien eine neue Zinkhütte zu errichten, abgelehnt. Daß Giesche jetzt diesen Kredit— etwa 13 bis 29 Millionen Mark— in Anspruch nehmen will, um in Magdeburg eine Zinkhütte zu er- richten, erscheint dennoch doppelt verwunderlich. Wie man weiß, wird die Zinkerzförderung von Giesche direkt vom Reich subventioniert. Man glaubte, damit alle Z i n k z o l l- wünsche als erledigt ansehen zu müssen. Ein Zinkzoll erschien bis- her auch deshalb besonders widersinnig, weil der gesamte Bedarf an Fein zink(41 999 Tonnen im Jahre 1931) eingeführt wurde. Wenn nun in Magdeburg Feinzink, wie beabsichtigt, produziert wird, wenn an dieser Produktion dann Reichsgelder unmittelbar i n t e r- e s s i e r t sind und wenn diese Produktion bei den heutigen Markt- Verhältnissen von vornherein zur Unrentabilität verurteilt ist— werden dann nicht sofort neue Zollwünsche, und mit einiger Aussicht auf Erfolg, auftauchen? Die Beteuerungen amtlicher Stellen, vorläufig in keiner Weise an Zinkzölle zu denken, können die Bedenken in keiner Weise zerstreuen. Es bleibt also nur dieser Schluß: der Bau der Magdeburger Zinkhütte ist heute absolut sinnlos. Wird die Reichssubvention gewährt, dann bedeutet das entweder eine glatte Kapitalfehl- l e i t u n g oder die Notwendigkeit zur Einführung von Zink- zöllen. Vielleicht spukt auch hier wieder in amtlichen Gehirnen der Traum von der Autarkie, die auf dem Teilgebiet der Zinkver- sorgung verwirklicht werden soll. Diese Verwirklichung kann aber nur zu neuer Belastung, zu neuer Verarmung der deutschen Wirt- schaft führen. Lausanne und die Konjunktur. Oaö Institut für Konjunkturforschung über den Vertrag von Lausanne. Das Institut sür Konjunkturforschung nimmt in seinem Wochen- bericht zu dem Vertrag von Lausanne vom Standpunkt der Kon- junkturforschung aus Stellung. Das Inkrafttreten des am 9. Juli unterzeichneten Vertrages sei, so heißt es, ein bedeutsamer Schritt zur Bereinigung der Weltwirtschaft von den Kriegssolgen. Für die Konjunkturforschung ergeben sich bei der Beurteilung des Vertragswerks zum Teil freilich anders Gesichtspunkte als für den Politiker: Das Positive des Lausanner Vertrags ist weniger in der nominellen Verringerung der Schuldbeträge als vielmehr darin zu suchen, daß nunmehr eine der wichtigsten Ursachen der V e r- trauenskrise schwinden könnte. Dabei darf man sich freilich über eines nicht hinwegtäuschen: Die politischen Zahlungen sind zwar eine der Hauptursachen der Weltwirtschaftskrise: mit ihrer Beseiti- gung sind aber noch durchaus nicht olle Voraussetzungen für einen neuen Ausschwung gegeben. Das zeigt sich in der Tatsache, daß der Lausanner Tagung die Enipire-Konferenz in Ottawa und die Weltwirtschastskonferenz in London folgen werden. Für die deutsche Wirtschaft gilt zunächst das gleiche wie für die Weltwirtschaft. Zahlungsbilanzmäßig gesehen hätte selbst eine völlige Streichung der Reparationen die Lage, wie sie seit dem Beginn des Hoover-Iahres bestand, für den Augenblick nicht geändert. Die akuten Probleme der deutschen Wirtschaftspolitik bestehen daher nach wie vor in vollem Umfang. Indes hat doch der Vertrag von Lausanne geholfen, die Aussichten der deutschen Wirt- schaft zu klären. Durch die Schonfrist bis Mitte 1933 ist für Wirt- schaft und Staatshaushalt Bewegungsfreiheit zur Durchführung eines umfassenden Wiederaufbauprogramms gegeben. Und selbst noch Ablauf dieser Frist werden die Leistungen Deutschlands(im un- günstigsten Fall jährlich etwas mehr als 499 Millionen) wenig mehr als ein Sechstel der Zahlungen erreichen, die nach dem Poung-Plan und verschiedenen Sonderabkommen hätten geleistet werden müssen (durchschnittlich etwa 2,3 Milliarden). Freilich soll nicht verkannt werden, daß auch die neue Regelung zunächst noch bedeutsame Gefahrenpunkte umschließt: Die eine Gefahr ist die, daß sich die Unterzeichnung des Vertrags durch die einzelnen Mächte verzögert und daß dadurch die psychologischen Wirkungen zum Teil verpuffen. Außerdem wird erst die Praxis erweisen, ob die verschiedenen Einschränkungsklauseln, mit denen die Begebung der 3 Milliarden Schuldoerschreibungen verbunden ist, nicht zu wirtschaftshemmenden Folgen auf den Kapitalmärkten führten. Indes kann die daraus erwachsende Gefahr für die deutsche Wirtschaft möglicherweise geringer sein, als sie es unter den bisher geltenden Verträgen in einer ähnlichen Lage gewesen wäre. Durch die Wiedererlangung der vollen wirtschafts- politischen Souveränität, namentlich der Versügungs- freiheit über Reichsbahn und Reichsbank, wird in mancher Hinsicht auch eine größere Schlagkraft in der Abwehr von außen kommender Kriseneinflüsse gegeben sein. Außenhandel und Zahlungsbilanz können damit freilich nur bedingt in Ordnung gebracht werden: dazu bedürfte es einer viel weitergehenden internationalen Zusammen- arbeit. Alles in allem bedeutet der Vertrag von Lausanne zwar kaum den Wendepunkt zu einem raschen Konjunkturaufschwung: er könnte doch aber wohl der erste Schritt zu einer Besserung der Zukunfts- aussichten sein. Schlechteres LG.-Farben-Geschäst. folgen der internationalen Absperrungen. Der Bericht der I G.- F a r b e n i n d u st r i e A.- G. für das zweite Vierteljahr 1932 spricht von einer stärkeren Geschästs- schrumpfung, die zwar zum Teil saisonbedingt sei, zum größeren Teil aber auf die zunehmende internationale Absperrung durch Zoll- und Devisenschranken zurückzuführen sei. Der Währungsverfall in einigen Ländern wirkt« natürlich auch als Schutz gegen die Einfuhr. Der Jnlandsabsatz hatte unter der wirtschaftlichen II»- sicherheit(nicht auch unter der politischen? D. Red.) zu leiden, die zahlreiche Käufer zur Zurückhaltung veranlahte. Indirekt beeinflußt war der Jnlandsabsatz durch die Ausfuhrerschwerungen, da viele Verbraucher von JG.-Farben-Produkten auf die Aussuhr angewiesen sind. Die Entwicklung im Absatz der einzelnen Produkte war natllr- lich nicht einheitlich. Der gesamte Absatz an Farben und Farbstoffen wird als befriedigend bezeichnet. Auch im Chemikalien- absatz ist gegenüber dem ersten Vierteljahr kein Rückgang cinge- treten. Dagegen waren die Verkäufe von Arzneimitteln er- heblich niedriger. Infolge der Sperrmaßnahmen des Auslands war der Absatz von Photoartikeln nicht so, wie er der Saison entsprechend hätte sein müssen. Bei Kunstseide war ein weiterer Rückgang zu verzeichnen. Der Dünge mittelabsatz war im Inland erheblich ge- ringer als im Vorjahr. Der Ausfall wurde aber durch Steige- rung des Auslandsabsatzes fast ausgeglichen. Der Ab? satz an künstlichem S t i ck st o f f ist gegenüber dem ersten Viertel- jähr nicht weiter gesunken. Baumarktkataflrophe und kein Ende. Aus dem Bounmrkt scheint sich schon im Mai, obwohl gegen April noch eine leichte Belebung der Wohnbautätigkeit zu ver- zeichnen war, ein neuer Stillstand der Entwicklung anzudeuten. In großen Mittelstädten(über 89 999 Einwohner) wurden 3299 Woh- nungen fertig, gestellt: das sind bereits 2se Proz. weniger als im April und 33 Proz. weniger als im Mai vorigen Jahres. Von Januar bis Mai wurden zusammen 1729 Wohnungen erstellt, eine Banleiswng, die sogar um 59 Proz. kleiner war als in der gleichen Zeit des Vorjahres. sDabei befanden sich unter den fertig- gestellten Wohnungen von Januar bis Mai 4499 Umbauwohnungen, mehr als doppelt soviel als von Januar bis Mai vorigen Jahres. Die Zahl der Baubeginne stieg mit 4199 Wohnungen im Mai zwar an, blieb aber um 3 8 Proz. unter dem Stand des Vorjahres. Die Zahl der Bauerlaubnisse erhöhte sich zwar auf 5999 Wohnungen, lag aber noch um 7 Proz. unter der von Mai 1931. Die ersten fünf Monate zusammen brachten gegenüber der gleichen Zeit de? Vorjahres bei den Baubeginnen eine Ver- ringerunq um 55 und bei den Bauerlaubnissen eine Verringerung um 49,5 Proz. Die Bautätigkeit für öffentliche und gewerbliche Zwecke ist weiter außerordentlich gering. In den ersten fünf Monaten des Jahres b>ieben nach der Größe des unibauten Raumes die gewerblichen und öffentlichen Bauvollendungen um 45, die Bau- beginne um 99 und die Bauerlaubnisse um 34 Proz. hinter der der gleichen Zeit des Borjahres zurück! Auch der Stromverbrauch weiter rückg.ängig. Die arbeitstägliche Stromerzeugung blieb im Mai ungefähr auf der Höhe vom April. Der gewerbliche arbeitstägliche Strom- verbrauch im April war weiter rückläufig. Der neueste Äausparkassenkrach. Wieder im Llmkreis von Herrn Hugenberg. Eines der bedenklichsten Institute in der an Skandalen reichen privaten Bausparkassenbewegung, die Centralbausparkajje A.- G., ist zusammengebrochen. Die„Centralbau" wurde von dem Deutschen Creditverein ins Leben gerufen, der bereits im April dieses Jahres die Zahlungen eingestellt hat. Zu den Gründern des Deutschen Creditvereins gehörte der deutschnationale Parteiführer Hugenberg. Die Aktienmehrheit dieses Bankhauses befand sich zuletzt In den Händen einer westdeutschen Schwerindustriellengruppe unter Führung des Bankiers Droste. Aufsichtsratsvorsitzender beider Gesellschaften ist der ehemalige volksparteiliche Reichswirtschafts- minister Dr. B e ck e r- D a r m st a d t. Die„Centralbau" wurde bereits vor Jahresfrist durch Speku- lationsgeschäfte mit sogenannten Kapitalbildungsverträgen bekannt, die von der Fachpresse schärfstens kritisiert wurden. Die enge Per- sonalunion zwischen„Centralbau" und Creditverein führte dazu, daß von den zk Millionen Bausparguthaben der„Centralbau" zwei Millionen ordnungswidrig statt in Hypotheken an itie Sparer bei dem Deutschen Creditverein angelegt wurden. Ein erheblicher Teil der Bausparguthaben ist durch den Creditverein verwirtschaftet worden. Die Spezialität der„Centralbau" war der Abschluß von Großbausparverträgen mit Baugesellschoften. 99 Proz. der Einlagen entfalle» aus 38 Großsparer, von deren Guthaben rund 49 Proz. verloren sind. Zu den Gesellschaften, die sich trotz der Warnungen aus Fach- kreisen den Geschäftspraktiken der„Centralbau" anvertraut haben, gehören die dem Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband nahe- stehende Gagsah, Gemeinnützige A.-G. für Ange- stellten-Heimstätten und mehrere Provinzialwoh» nungsfürsorgegesellschasten. Die als Großsparer interessierten Baugenossenschaften wollen eine Reorganisation der„Centralbau" durchführen, die sie zu einer großen mit Hauszinssteuermitteln arbeitenden Bausparbank der Wohnungsfürsorgegesellschaften umgestalten wollen. Es bleibt ab- zuwarten, ob diese Sanierung gelingt. Die Reichsbahn den Nazis? Dunkle Pläne der Reichsregierung. Hitler bedroht die Eisenbahner mit Arbeits» l o s i g k e i t. Verschiedene Eisenbahndirektionen haben in der letzten Zeit in den verschiedensten Dienststellen Ermittlungen angestellt, in welchem Umfang der Freiwillige A r b e i t s d i e n st zur Verrichtung von Oberbauarbeiten herangezogen wer» den könnte. Manche Dienststellen gingen sogar so weit, daß sie in einzelnen Gasthäusern und ähnlichen Lokalstäten Massen» quartiere einzurichten versuchten. Die Eisenbohndirektionen handelten auf Veranlassung der Hauptverwaltung, und die Hauptverwaltung hat, als die Eisenbahnergewerkschaften dieser Tage in einer Besprechung mit dem Reichsverkehrsminister und der Reichsbahn» gesellschaft schärf st en Protest gegen diese Machenschaften er- hoben haben, erklärt, sie habe ans Weisung der Reichsregierung gehandelt. Im Verlauf der Beratungen hat die Hauptverwaltung auch noch zu verstehen gegeben, daß es die angestellten Ermittlun- gen nicht nur auf eine Erweiterung des freiwilligen Arbeitsdienstes, sondern auch auf die Vorbereitung der Arbeits» d i e n st p f l i ch t abzielten. Die Eisenbahnerorganisationen haben die Hauptverwaltung und den Verkehrsminister mit allem Nachdruck darauf aufmerksam ge- macht, daß die Durchführung der mit den Ermittlungen der Eisen» bahndirektionen verbundenen Pläne für das Eisenbahn» personal katastrophale Auswirkungen haben müssen. Rund 40 000 Eise�bahnarbeiter seien für die nächste Zeit überzählig. Eine Einführung des freiwilligen Ar» beitsdienftes müsse aber die Arbeitsverhältnisse im Reichsbahn- betrieb noch mehr einengen. Die Eisenbahner, die von jeher zu niedrigen Löhnen hätten arbeiten müssen, die bisher das schwere Opfer der Kurzarbeit auf sich genommen hätten, stünden an der Grenze ihrer Geduld. Man sollte mit dieser Geduld nicht spielen. Bei der Hauptverwaltung wie auch bei dem Reichsverkehrs- minister, der ja Eisenbahnfachmann ist, bleiben die von den Organi- sationsvertrctern vorgetragenen Beschwerden der Eisenbahner nicht ohne Eindruck. Beide Stellen haben zugesagt, der Rcichsregierung die Bedenkest der vertragschließenden Organisationen zu unterbreiten. Das Ganze ist ein tolles Stück. Die Reichsbahn— sowohl die Verwaltung wie das Personal— sind gegen Arbeitsdienstexperimente, und selbst der Reichsverkehrsmintster als Fachmann muß die Berechtigung des Protestes der Eisenbahner anerkennen. Warum— so muß man fragen— war denn dieser Vorstoß gegen den Arbeitsplatz der Eisenbahner möglich? worum soll die Reichsbahn mit Arbellsdienstexperlmenlen. ja sogar mit Arbeiksd'.enslpslichlexperimenten beglückt werden? Die Antwort ist nicht schwer zu finden. Hitler verlangt die Arbeitsdienst Pflicht. Cr verlangt sie, weil er seinen SA.-Leuten gutbezahlte Pöstchen als Aufpasser und An- treiber, als Unteroffizier und Feldwebel, als Leutnants und Haupt- leute, als Oberst« und Generäle versprochen hat. Hitler will die Arbeitsdienstpslicht aber nicht nur deshalb, sondern weil er sich für die Millionen, die ihm die Scharfmacher der Schwerindustrie und des Großgrundbesitzes liefern, irgendwie erkenntlich zeigen muß. Die Arbeitsdienstpflicht ist nichts anderes als eine Zwangs- arbeit, die schon durch ihr Bestehen notwendig auf den freien Arbeitsmarkt, auf die Löhne und die Arbeitszeit, auf den Einfluß und die sozialen Rechte der freien Arbeit einen lähmenden Druck ausüben muß. Die Herrschaften, die heute die Arbeitsdienstpslicht propagieren— von dem Obersten Hierl abgesehen, der als Offizier nichts zu verstehen braucht—, sind nicht so blöde, um nicht zu wissen, daß die Arbeitsdienstpflicht wirtfchafllich äußerst ruinös ist. daß sie sich selbst niemals bezahlt machen kann, sondern ungeheure Zuschüsse erfordern würde. Aber für sie macht es sich bezahlt, wenn eine Armee von Zwangsarbeilern, von rechtlosen Heloten der freien Arbeiterschaft gegenübersieht. Es ist bezeichnend für die Regierung der Nazibarone und es ist bezeichnend für die NSDAP., die jetzt glauben machen will, sie habe mit dieser Regierung nichts zu tun, daß sie ausgerechnet die Reichs- bahn als Experimcntierfeld für die Arbeitsdienstpslicht ausgesucht hat. Die Reichsbahn ist nicht nur ein öffentliches Unternehmen, das von jedermann benutzt nzird: es ist vor allen Dingen ein Unter- nehmen, wo die absolute Sicherheit der Reisenden oberster Grundsatz sein muß. Wie denkt man sich in der Reichs- regierung diese Sicherheit zu gewährleisten, wenn ehemalige Offiziere und Feldwebel der alten Armee die Leitung über die Arbeiten im Oberbau der Reichsbahn haben? Oder glaubt die Reichsregierung. daß die 6 00 Millionen Reparationen, von der die Reichsbahn nunmehr durch dos Abkommen von Lausanne befreit wird, dazu da seien, um der SA. des Herrn Hitler geopfert zu werden? Wenn die Reichsbahn Geld hat. dann soll sie gefälligst ihre miserabel entlohnten unteren Beamten und Arbester besser bezahlen! Wir verbitten uns ganz entschieden, daß die Reichs- regierung, ohne hierzu vom Parlament ermächtigt zu fein, die Sicherheit der Reichebahn gefährdet, indem sie die braune Pest auf sie losläßt. Die Einheitsfront marschiert. Eindrucksvolle Kundgebung der AEG. Hennigsdorf. Am Dienstag hielt die Belegschaft der AEG.- Hennigsdorf eine Betriebsversammlung ab. Trotz der ungeheuren Hitze waren Saal und Rebenräume des Lokals Woller überfüllt. Das Referat hielt Genosse Urich. Er wies in treffenden Worten auf den Ernst der Lage hin und betonte unter brausendem Beifall der Bersamw- lung, daß eine wirklich geeinte Arbeiterschaft sofort der chpiunen Pesi ein Ende bereiten könnte. Einzelne Redner sprachen zu den Verhältnissen im Betriebe. E» erwies sich auf dieser Versammlung, daß es bei der AEG.-Hen- nigsdorf, wo bis vor nicht sehr langer Zeit die SPD. dominierte. vorwärts geht, vorwärts bis zum endlichen Siege der Arbeiterschaft. Mit begeisterten„ZreiheirM-Rufen schloß diese eindrucksvolle Kundgebung. Von den anwesenden Kommunisten meldete sich nie- mond zum Wort. NGDAP. Feind jeder Freiheit Ein Naziblatt läßt die Kahe aus dem Sack. Der Deutsche Beamtenbund, der e» bisher ängstlich vermieden Hot, gegen Hitler und den Nationalsozialismus Stellung zu nehmen, wird—- genau wie Hugenberg— von den Nazis entsprechend dafür belohnt. Die Nazi» sind der Meinung, daß sie es beim DBB. mit Leuten zu tun haben, die nicht den Mut haben, offen zu ihrer Meinung zu stehen. Also genieren sich die Nazis nicht. Ihr« An- griffe auf den Schrader-Berband sind bekannt. Die Nazi» behaupten, Genugtuung erhalten zu haben, weil der Vorsitzende Schröder beur- laubt fei und nicht wieder auf seinen Posten zurückkehren werde. Diese Behauptung de»„Angriff" geben wir nur unter Vorbehalt wieder. Die massiven Drohungen haben schließlich eine Abwehr im DBB. hervorgerufen. Das Ortskartell Bochum nahm»ine ent- sprechende Entschließung an uns verschickte diese an die lokale Press«, darurster auch an dos Naziorgon„Rote Erde". Dies« schrieb dazu: „Wir halten es sür eine Unversrorenheit, wenn der Deutsche Beamtenbund sich anmaßt, überhaupt zu unseren Anträgen, die einen Systemwechsel unö einen Umbau unserer ganzen volklichen Organisation bezwecken. Stellung zu nehmen. Es wäre die Frage auszuwerfen, inwieweit im kommenden nationalsozlaliätischen Staat, dessen Geburtsstunde wir jetzt erleben und der zweifellos ständischen, korporativen Charakter haben wird, überhaupt die..Vereinigung»- freiheil" noch bestehen bleiben �vird. Denn die Zeiten des L i b e- ralismus, in denen jeder Schwätzer und Idiot das gleiche tun und lassen konnte und das gleich« galt wie derjenige, der seine nationalen Pflichten erfüllt und etwas leistet, sind vorbei." Die Redaktion der„Roten Erde" scheint des Sieges am 31. Juli sehr sicher zu sein, sonst hätte sie nicht so vorzeitig und ungeniert die Maske gelüftet. Aber vielleicht überlegen sich besonders unter den Beamten noch manche, ob sie am 31. Juli doch noch einmal den Vertretern der„Deutschen Freiheit" ihre Stimme geben sollen, um dann für immer jeder Freiheit beraubt zu sein. Kampf in Belgien noch nicht beendet. Heute Entscheidung des Generalrats. Brüssel, 14. Juli.(Eigenbericht.) In Brüssel tagte am Tonnerx-tag eine National» kouferenz des Bergarbeiterverbandes, die zw den Beschlüssen der paritätischen Kohlenkommission sowie zu der Entschließung des Parlaments Stellung nahm. Die Konferenz endet« mit der Annahme einer Entschließung, in der es heißt, daß. obschon die Ford«. rungen der Bergarbeiter bewilligt worden seien, die Arbeit in den Kohlengruben nur durch eiuen Beschluß des Generalrates der Arbeiterpartei und der Gewert- schasten, die zu Freitag einberufen ist, wieder aufgenom» mcn werden könne, weil sich andere Industriezweige aus Solidarität gegenüber den Bergarbeitern der Streit» bewegung angeschlossen und besondere Forderungen auf» gestellt haben. Praktisch hängt die Beendigung der ganzen Streit» bewegung jetzt vom Ausgang des Konfliktes in der Eisenindustrie ab. wo die Unternehmer trotz der > Stimmung der Arbeiterschaft eine tarifvertragsmäßige Lohnherabsetzung vornehmen wollen. Die Negierung scheint sich des Ernstes der Lage bewußt zu sein, denn sie hat die Einberufung einer allgemeinen Kon» ferenz von Delegierte» der Unternehmer und Arbeiter aller Industriezweige beschlossen, um entsprechend dem vom Parlament ausgesprochenen Wunsch die Unter, nehmer zur Stabilisierung der gegenwärtigen Löhne zu bewegen. Inzwischen hält die Streikbewegung unver» mindert an. In Eharleroi wurde eine deutsche kom- munistische Journalistin verhaftet. In ihrem Hotel- ztmmer wurden Schrtststiiete gefunden, aus denen sich ergeben soll, daß sie den Auftrag hatte, sich an der kom- munistischen Bewegung in Belgien zu beteiligen. Streiks in der Schuhindustrie. Die fchlesischen Schuhinöustriellen wollen eine Extrawurst Das Bestreben der fchlesischen Schuhsabrikanten, die Löhne der Schuhindustrie sür Schlesien unter die im übrigen Reich gezahlten Löhn« herunterzudrücken, hat neben den bereits bestehenden Streiks in Breslau. Oels und E l e i w i tz auch bei der Firma Kosterlitz in Naumburg am Bober zur Arbeitsniederlegung geführt Die Firma Kosterlitz halte zunächst einen Lohnabbau von 21 Proz. diktiert, diesen dann aus 15 Proz.„ermäßigt". Die Arbeiterschaft hat aber jeden Lohnabbau abgelehnt und die Arbeit niedergelegt. Alle Einschüchterungsversuche der Firma, die Ge- schlossenheit der Arbeiterschaft zu zerstören, blieben erfolglos. Die am 13. Juli von 150 Streikenden besuchte Versammlung nahm eine Entschließung einstimmig an, in der sie ihre Ent- schlossenheit bekundet, die Bestrebungen der Schuhsabrikanten Schlesiens auf Abschluß eines Bezirtstarifs, an Stelle des Reichs- tarifoertrages, zum Zweck eine» besonderen Lohnabbaus für Schlesien, mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen. Diese Kämpfe in der Schuhindustrie sind Auswirkungen der Kündigung des Zusatzoertrages zum Reichstarifoertrag für die Schuhindustrie durch die Unternehmerverbände. Am Sonnabend, 16. Juli, finden im Reichsarbeitsministerium Verhandlungen statt, um diesen in bezug auf die Löhne tariflosen Zustand zu beseitigen. Arbeit sür ckOOOO. D i e Verhandlungen der Rhein-Main-Donau- Aktiengesellschaft mit der Gesellschaft für öffentliche Arbeiten über Beschaffung und Finanzierung neuer Arbeits- gelegenheiten sind abgeschlossen. Spätestens in drei Wochen soll am Main und an der Donau mit den neuen Arbeiten begonnen werden, die zunächst für 8000 bis 10 000 Arbeiter Be- schäftigung bringen dürften. Bei den Arbeiten am Main handelt -es sich um den Bau zweier Schleusen bei Faulbach und Rothenfels, um den Bau des Erlabrunner Kraftwerkes und um den Schutzhasen bei Wertheim. Wichtigkeit! Der gelbe RdA., der uns offenbar mit dem Reichsarbeits- Ministerium verwechselt, schickt uns schon wieder eine Berichtigung, in dem er sich ohne Berechtigung auf das Pressegesetz beruft. Die Angaben im Jahrbuch der Berufsverbände bezögen sich nur auf die Einzelmitglieder. Insgesamt habe er 70 000 Mitglieder. Auch gehöre er nicht der Rejchsverbindung nationaler Gewerkschaften an. Wichtigkeit! Im übrigen kann der RdA. seine angeblichen Mit- gliederzahlen nach oben abrunden so viel er will. Er wird nie wagen, seinen Kassenbericht zu veröffentlichen. Wo sind übrigens die Mitglieder, die sich bei öffentlichen Bertreterwahlen zum RdA. bekannt haben? Donau'Oampfschiffahrtsgesellschafi bestreikt. Wie». 14. Juli. Die Arbeiter der Donau-Dampfschifsahrtsgesellschast sind heut« in den Ausstand getreten. Sie hatten, da sie mit einer vertraglich vorgesehenen Lohnkürzung nicht«inverstanden waren, passiv« Resistenz geübt. Infolgedessen waren von der Ge- sellschaft 14 Arbeiter entlassen worden. Daraushin haben sich heut« die übriges Arbeiter mit den Entlassenen solidarisch erklärt. E? handelt sich um etwa 200 Mann. Achtung, pouartzetter! Hiermit verhangen wir über die Firma W a l l n i g, Töpfermeister, und Bruck»,«benfall» Töpfermeister. für die Baustelle Holzmann-Hohenschönhausen, Große Leegestroße, wegen Nichtanerkennung der tariflichen Bestimmungen die Sperre. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschast Berlin. Fachgruppe her Töpfer. Der Schiedsspruch für die lertilindostrie des Gladbach-Rheydtrr und Vicrsener Reviers, der eine Senkung des Mindestarbeitslohncs von 53,5 auf 50,3 Pfennige und«in- entsprechende Senkung aller anderen Lohnsätze vorschlägt, wurde von den Gewerk- s ch a s t« n a b g e l e h n t, von den Unternehmern aber angenommen. Diese haben Verbindlicherklärung des Spruches beantragt. SPD.'Buchdluit»! 2. Bezirk: Sonnabend. 18. Juli, 20 ilhr, b« Sachse, Lindower Str. 26(gegonilber Bahnhof Wedding), wichtige Frax. tionssitzung. Vollzähliges Erscheinen erwartet S>er Kraktiovsvorstavd iFreie Gewerkschafts-Lugenb Aerltn IS. Suli, um 1014 Uhr, tagen die Sruxpen: Süden: eim Wassertorstr. 9,„Der organiialorische Aufbau der FG?."— !. enburg: OugenMjeirn Spreeslr.»0. Die BloieU a-sl alten den Abend aus.— Sotbrinzj! Jugendheim Schule Lonnenburger SN. 20. Sefchichten i: Jugendheim Treptower Str. 08. Aaftnei. Abend. aus nah und fern.—«cutölln Lehrling einst und jetzt." fpielgbenb.— Arnswalder Jugendheim Willdenowli: Hobrechiftrahe.„Die Frau im Ecke Seestraße.„Tagedpoli, Lindauer Straße fBaratfen). Btsmarckstr. 1.„Der — Prenzlauer Berg, Sugendheim Sleimstr. 85. Brett, r Platz: zgir ziehen auf Fredie Laube.— Wedding! R I. 5, 2 Treppen,,"Zimmer IL Tbeo Wäret liest aus enteuer im Siemeer".— Wir fpiele« ab 18 Uhr: Siordostkrein: Sportplatz am Faulen See: Rordlrri»: Spielwiese im Bblkspork Rehbeige. Zugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten .Freitag, finden folgende Beranstaltungen statt: Südwest: Jugend- Yarrtstr. 11(2. Hof. Ouetgobaiide 1 Treppe, gimmer 50). Bortrag: „Lander und Reich in der Relchsverfossung". Referent Dr. Lewinslu— Unser» ••,-•->-«..... 1914—22 Uhr im'SBerdandehau«, Zimmer 2<.— Dir Berliner Deuckerei- nad Bcrlngegelelllchnst m.""'---- 1—""" uckerei- und Pcrlngegelellfchnst m. v. H. kommt von 20—22 Uhr im Jugendheim Sbertnsn. 12 zusammen.— Spiele im Freien- Ab IS Uhr Sportplatz Rehderge,«ponplatz Sch-nthauser Allee(Cinfamc Pappel), Platz 2b, Bolksvark Reuldlln fRodeldahnt, Treptower Park. Wiese 7, sowie Stadion Spondou.Haken. felde.— Sportler, Achtung! Heute lindet um 20 Uhr In unserem Verband». hause di» MUgliederoersamlung der Sportabteilung statt. Das Erscheinen jedes Mitgliedes ist unbedingt eriorderlich. TÖTE diesen stechenden Mordgesellen! SURREND, summend, bedroht die Stechmücke den Menschen bei Tag und Nacht, keimbeladen, bösartig, gefährlich I Stechmücken sind nicht nur lästig, sie sind tödliche Feinde der Menschheit. Beladen mit Keimen gefährlicher Fieberkrankheiten bringen sie jährlich Tausenden den Tod. FHT-» überall bekannt— ist das best© Mittel, um Fliegen, Mücken, Schnaken und alle lästigen Insekten schnell und sicher zu toten. Achten Sie auf den Flit-Soldaten auf der gelben Kanne mit dem schwarzen Band- Nur in der- plombierten Kanne ist FHT erhdltlich» man F L H- CREME Abwehr der Insekten. Große Tube Jßiefack Aas Ende eines 3)efram Peter Sielotf. Wohnhaft Berlin SD., Prin�enstraße. Geboren 7. Mai 1882 in Berlin. Buchhalter bei der South and Western Bank, Abteilung Berlin. Ledig. Von hagerer knochiger Gestalt. Größe: etwa 1,70 Meter. Verknittertes sommersprossiges Gesicht. Stups- naje. Braune Augen. Rotes Ihaar. Besonder« Kennzeichen: Warze an der rechten Kinnseite... Dieser Peter Liesack hatte eine» Tage» folgende Ueberlegungen angestellt: lieber 30 Jahre gehe ich nun schon jeden Morgen zur Bank. 30 Jahre... Als kleiner Stift hat man angefangen, ist sehr langsam an der vielsprossigen Gehaltsleiter hochgeklettert. Erste Sprosse: 30 Mark. Zweite Sprosse: 40 Mark. Dritte Sprosse: SO Mark im Monat. Die Jugend ist vergangen, ohne daß Zeit für Vergnügungen blieb. Ein junger Bankmensch muß lernen, wenn er vorankommen will. Ludwig Megler, Studien zur Geschichte des deutschen Effektenbankwesens, Leipzig 1911: Edgar Joffe, das englische Bankwesen, 2. Auflage. Leipzig 1310: Paul Wallich, die Kon- zentration im deutschen Bankwesen, Stuttgart 1306... Als der Krieg anfing, war man Buchhalter mit 3S0 Mark im Monat. Keine Kugel hatte einen getroffen, und man war auch nicht von den Läusen aufgefressen worden. Nur die Gesichtszüge waren verändert. Es dauerte lange, ehe der gehetzte, müde Ausdruck der Augen wich. Aber dann war alle» wieder wie früher: 9 bis 171z, Uhr Bürozeit. Einsame Abende-, in einem mit Nippe» und Sofaschonern ausgestatteten möblierten Zimmer: einsame Abende in einem freudlosen Zimmer hinter Büchern verbracht. Inflation: die Zahlenkolonnen schwollen an, blähten sich unHeim- lich. Bis in die Nacht hinein mußte gearbeitet werden. Die Flut der bunten, neuknisternden Scheine wurde in Waschkörben geborgen. Und dann, nach«inigen Jahren der Scheinkonjunktur: Deflation, Krise, Abbau. Von je 30 Buchhaltern arbeitet nur einer noch. Dieser ein« bedient eine nickelblitzende amerikanische Maschine. Ein chebek- griff: die Maschine verrichtet auf dünnen Kartons und langen, band- wurmförmigen Papierstreifen die frühere Federhalterarbeit. Die Maschine frißt Zahlen— und Nerven, die Nerven derer, die sie be> dienen. Bankenkrach, Bankenfusion. Das ist wieder: Abbau. Die noch bleiben dürfen, verdienen so wenig, daß es kaum zum Notwendigsten langt. Eine Stenotypistin. 4 Fremdsprachen fliehend sprechend, be- kommt 50 Mark im Monat. Ein Buchhalter, ein Maschinenmensch vielmehr, 180 höchstens. Nur die Direktoren, die Generaldirektoren, die Aufsichtsräte, die Vorstandsmitglieder: die säckeln gut ein. Phantastische Gehälter. Kein Mensch denkt daran, sie zu kürzen. Und dieser Peter Liesack weiß: es wird nicht mehr lange dauern, dann wird auch er in die große Stempelfabrik kommen. Cr wird durch die drei Stationen Alu, Krise, Wohlfahrt filtriert werden und zuletzt ausgelaugt, ohne Hoffnung, dahinleben. Er sieht 30 Jahre freudloser, für ihn nutzloser Arbeit hinter sich liegen, und vor ihm lauert die Hölle der Stempelsabrik. Da wird er aufsässig. Er will sich wehren. Er wird nicht stempeln gchen. Er will wie die Direktoren, Aufsichtsräte und Vorstandsmitglieder leben. Viel Geld will er haben. Die Zahlen, die er 30 Jahre hindurch addiert, subtrahiert, transportiert und bilanziert hat— trocken« Begriffe bis- lang für ihn—. nehmen jetzt plötzlich Leben an, sie bedeuten:«in Auto, hübsch« Frauen, gute Kleidung, Wohlleben. Peter Liesack sucht Verbindung mit der Unterwelt. Gr frsundet sich mit Dirnen, Zuhältern, Liebin und Hehlern an. Er streift jeden Ab»nd in der Gegend de» Alex umher. Er sitzt in den Kneipen und Cafes der Wen Schönhauser.Straße, in d»n«n sich früh morgens che Dieb««infinden, um di« in der Nacht«rbeut»t». Sor« zu vir« schärfen Pet«r Liesack macht Bekanntschaft mit..Blaukopf", dem König der Berliner Hehler. Es gelingt ihm, Vertrauen zu erwecken. Er weiß bald, daß die Unterwelt ihm bei seinem Vorhaben helfen wird- Inzwischen hat er aus seine Ehance gewartet. Und eine» Tage» ist sie da: Peter Liesack wird mit einem Barscheck zur Reichsbank geschickt. 137 000 Mark soll er abholen! Er unterdrückt mit Not ein höhnisches Lächeln, als ihm der Scheck ausgehändigt wird, Er hat kein« Skrupel. Er ist nicht sentimental. Er denkt weder an seine toten Eltern, ehrlich, und brave Leute, noch an jemand ander». Peter Liesack hat auch keine Furcht. Etwa» aufgeregt ist er ja. Aber sein Plan ist gut. Es muß glücken! Er holt das Geld ah. Nimmt sich eine Taxe. Kauft unterwegs «in«n Koffer. Jagt alle Banken ab. um die Taufender in Hunderter umzuwechseln. Weil sie in der Reichsbank die Nummern der großen Scheine haben. Dann entlohnt er di« Tax«. Und dann ist Peter Liesack spurlos vsrlchwund«n. Don den Säulen schreien die roten Plakat«:— Besonder« Kennzeichen: Warze an der rechten Kinnseite. Liesack ist nach Unter- schlagung von 137 000 Mark flüchtig geworden. Zweckdienliche Mit- teilungen erbeten an—— Die Spürhunde jagen da»'flüchtige Wild. 15 000 Mark Belohnung! Peter Liesack aber ist nicht zu finden. Es ist, als wenn di« Erde ihn verschlungen hätte. Aon dem Augenblick an, da er den Chauffeur bezahlt hat, fehlt sehe Spur von ihm. Wo steckt Peter Liesack? Da gibt es in der Weinmeisterstraße «ine„Pension". Die Dorderräume dienen als Absteige, die Hinter- räume, gut verborgen, sind„Blau-Kopss" Hauptquartier. Acht Wochen lang hält Peter Liefack sich hier versteckt. Diese 8 Wochen kosten ihn 5000 Mark. Nicht, daß„Blau, Kopf" ihn erpreßt hätte. Nein, da» macht„Blau-Kopf" nicht. Er liefert für diefe 5000 Mark gute, vollwertige Arbeit- In 8 Wochen ist aus dem Defraudonten Peter Liesack der ehrbgre Kaufmann Julius Heiden geworden- Nur in Kriminalromanen arbeiten sie mit Perücken, Schmink« und falschen Bärten.„Blau-Kopf" weiß bessere Mittel. Ein Arzt, «in bekannter Kosmetiker. steht„Blqu-Kopj" zu Diensten. Liesöcks Stupsnase erhält durch Operation und Parasfineinspritzungen«ine fast klassische Form. Die Warze wird elektrolytisch, narbenlo», ent- fcrnt. Sein Haar wird in der Wurzel gefärbt. Der ungepflegte rot« Schopf verwandelt sich in«inen korrekten, pomadeglänzenden schwar- zen Scheitel, Die zerknitterte Haut wird gestrafft und kunstvoll hinter den Ohren zusammengeholt.. Eine Emulsion, die wasch, und schweißecht ist, gibt ihr einen satten Bronzelon, der die Sommer- sprossen überdeckt. Erste Kleidungstünstler hoben die gutsitzenden, teuren Anzüge geschneidert, Seidenwäsche und Mahschuh« geliefert. Und der Kaufmann Julius Heiden, der nach 8 Wochen den Schlupf- wink«! verläßt, ein elegantes suit-csse mit dem in Dollars umge- wechselten Geld in der Hand, einen garantiert echten Paß in der Brieftasche, gleicht in nichts dem ehemaligen Bankbuchhalter Liesack. Kein Mensch würde ihn al» Liesack wiedererkennen. Heiden-Liesack fährt nach Hamburg. Von dort will er nach Amerika weiter. Er wohnt in den„Jahrenzeiten". Von seinem Zimmer sieht er aus die weite, leichtbewegte Fläche der Alster. Nachts taumeln die Lichter der Fährdampier. glühen die Lampion- der Boote wie Leuchtkäfer- Drüben steht die Stadt: ein zerrissenes Schattenbild. Der Alsterpavillon liegt sestlich erleuchtet. Der Wind weht Musiksetzen herüber. Da» lockt. Peter Liesack geht den Alster. dämm hinunter bis zum Gänfemarkt. Er kommt über den Jungsern- stieg zur R««p»rdahn. Der„Alkazar" ist in Rot und Gold aehalten, gibt auf anien/'Don Erich ZPreuße Eine weite Halle in sanftem Rot. Hoch oben in der Kuppel dreht sich«ine Kristallkugel und sticht bunte Lichtblitze in den Raum. Zwei Kapellen lösen einander ab. Frauen aller Nationen locken. I Iovs you, my sweetheart— je t'aime— t'adoro...! Drei Tage bleibt Peter Liesack in Hamburg. Diese drei Tage kommt er nicht zur Besinnung. Er schwimmt im Trubel der Stadt. Er speist bei Pfordte. Der gutgeschulte Ober liest die Speisekarte in französisch vor: Cousonune Cultivateur— Supreme de Barbue Radiel, Pommes Vapeur— Canlon Nouveau ä l'Orange, Salade de Laitues— usw. usw. Er verzeichnet mit untertäniger Verbeugung das Bestellte und schwirrt ab... Dann sitzt Peter Liesack im Sonderzug der„Hapag", der die Passagiere des„Albert Ballin" nach Cuxhaven bringt. Mit einem leichten Frostgesühl im Rücken klettert er die Gangway hinauf. Aber niemand hält ihn an. Ein hilfsbereiter Steward bemächtigt sich seines Handgepäcks und geleilet ihn zur Kabine. Er wirft sich müde aufs Bett und stürzt in den Schlaf wie in einen Abgrund. Leere, Stille, Eingehen in die Seligkeit... Er wacht erst wieder auf, als sie Sauchampton anlaufen. Aus dumpfer, stickiger Tiefe kommt er zur Besinnung. Ein Ekelgefühl steigt in ihm auf. Er klettert mit zerschlagenen Gliedern in die Kleider. Die kühle Abendlust tut gut. Der„Albert Aallin" hat Pasta- giere und Post übernommen und löst sich wieder vom Kai. Tücher- winken und Sirenengeheul. Ruhig und majestätisch wie ein Schwan gleitet da» Schiff aus dem Hafen. .Herbert Sulenberg:«Ott SEu feinem fiebaigflen Qeburtslag am 15. Juli Ter Reichspräsident und Kultusminister Grimme haden Ludwig Fulda ihre Glückwünsche übermittelt. Dem Dichter wurde dt- Goetbe-M-daille für Wissenschaft und Kunst verlieben. C» war im Jcchre 1893. Da tagte wiederum einmal in Berlin eine Preisrichterschar, die über di« höchste Ehrung, die für deutsche Bühnendichter zu vergeben war, über die Verleihung des st a a t- lichen Schillerpreises zu beraten hatte. Zwei Hostheater- leiter, der aus Berlin und der aus Karlsruhe, standen dem Ausschuß vor, dein eine Reihe der besten, berühmtesten und bedeutendsten Köpfe Deutschlands angehörten. Darunter Gustav F r e y t a g, Heinrich T r e i t f ch k e, Paul H e y s e und Erich Schmidt. Ein- stimmig wurde in diesem hervorragenden Männerrat beschlossen, den Preis dieses Jahres dem damals neunundzwanzigjährigen Ludwig F u kd a aus Frankfurt a. M. zuzusprechen, lind zwar für sein wier- aktiges dramatisches Märchenstück:„Der Talisman". Die hohen Herren Preisrichter setzten daraus einen Glückwunschtelegrammgruß an den also bedachten Poeten aus und begaben sich hierauf, nichts Böse» ahnend, zu dem Festmahl, das eine solch« Preisrichtersitzung nach altem löblichen Brauch zu beschließen pflegt. Da schlug plötzlich wie eine Bombe in den arglosen Kreis der damaligen Gesttesritter die Kunde ein. daß Kaiser Wilhelm der Zweit« sein Bar- recht, die Zuertennung de» Schillerpreises zu bestätigen, abschlägig ausgeübt und dem Urteil der ersten Dichter und Kunstgelehrten seiner Zest seine Zustunmung verweigert hätte. Entgegen der Meinung und dem Spruch d«r angesehensten Kum'trichler erkühnte sich der damals vierunddreitzizjährig« Herrscher, der sich-bi» dahin blutwenig um da» Schriistum seine» Lande» gekümmert hatte, da» Urteil der achtbarsten Kenner umzustoßen und ihm seine Billigung vorzuent- halten Diese schwer entschuldbare Eigenmächtigkeit ri»f um so größere» Erstaunen hervor, weil der alte Kaiser Wilhelm, von dem im Geburtsjahre seines Enkels, des nunmehrigen Kaisers, dieser Preis gestiftet worden war, sich in seiner Bescheidenheit niemal» in di« Entscheidung de» Ausschusses gemischt hatte, der über die Per- teilung dieser Auszeichnung berufen war. Und nun hob der neu« Herr willkürlich den Beschluß einer so au»erlesenen Schar mit einem Federstrich auf. Und warum? Man munkell», man raunte, der jung« Monarch fühl« sich in der Person des Bühnenkönigs Asiolf, den Fulda auf d>« Bretter gebracht habe, gekränkt und verletzt. Sich und feine Herrlcherwürde, von der er eine hohe heilige Ausfassung habe. die er auch Im Spiel nicht angegriffen sehen möchte. Wenn wir heute diese» Märchenstück Fuldas betrachten, da» noch immer sein beste» Werk geblieben ist, so staunen wir, wie sich ein Herrscher durch diese» Bühnenstück in seiner Hoheit hat getroffen sWen können. Da» heißt, wir staunen heut« weniger, als es die Zeit tat, die van diesem Schritt de» Kaisers zuerst überrascht wurde und wie vor den Kopf geschlagen war. Denn diese Ablehnung, die Wilhelm der Zweite dem Urteil der ruhmbedeckten Preisrichter zu teil werden ließ, ergänzt uns Heutigen nur das Bild, da» wir in, zwischen von dem Monarchen bekommen haben. Ja, diese Ver- werfung jenes Kunftrichterspruchs ist uns geradezu ein bezeichnender Zug für das Wesen Wilhelms geworden. Denn um was dreht es sich in dem Fuldafchen Bühnenstück vom„Talisman"? Darum, daß ein Fürst d ie Wahrheit nicht hören will, daß er sich für einen unumschränkten allmächtigen Herrscher von Gotte» Gnaden nimmt, und daß ex alle diejenigen von seiner Seite stößt und ver, bannt, die ihn nicht schmeichlerisch anerkennen, ja anbeten wsllen. Die Bekehrung diese« Größenwahnsinnigen, gegen den sich schließlich sein Volk auslehnt, durch die Natürlichkeit und die Wahrheit, ver« körpert in zwei Frauengestasten, da» ist der schön« Inhalt dieses Märchenftück». Berühmt sind die Worts des Mädchen» geworden, da» dem König, der da vermeint in einem prächtigen Mantel zu erscheinen und die» seine ganz« Umgebung glauben machen will, in» Gesicht sagt, daß er ohne Kloid dastehe:„Herr, kann dich das im Ernst erbosen? Du bleibst der König— auch in Unterhosen." Wilhelm, dem Bismarck stets vergebens anriet, mit ministerialer Bekleidung öfsenstich aufzutreten, wollte nicht so unverbrämt gesehen werden. Im Negligö. Wollte von der Wahrheit und Wirklichkeit nichts wissen und am wenigsten sich selbst erkennen. Und sprach van allem Volk wie Fuldas Märchenkönig stolz und selbstbewußt:„Noch ein-' mal, denn: Ich trag' ein prächtig Kleid. Und bleibt's Euch unsichtbar in Ewigkeit. Ich, Euer Herr, beseht' Euch dran zu glauben." Den Dichter Fulda, der sich als Lustspielpoet wie als Verse- schmied und gewandter Uebersetzer einen guten Namen geschaffen hat. mag es an seinem siebzigsten Geburtstag zu einem Lächeln reizen, wenn er zurückdenkt, wie er ehemals mit seinem hübschen harmlosen Stück in di« sogenannte Weltgeschichte und Politik de» Tages verwebt wurde. Andere wird die Rückerinnerung an dies fast vergessene literarische Erlebnis ernster stimmen, wenn sie sich bewußt werden, wie selten die Menschen ein« Lehre aus der Dichter» Weisheit ziehen wollen, di« ihnen zuströmt. Besonders wenn diese Menschen Monarchen sind. Fulda hat immer in gutem Sinn« solch ein Belehrer sein wollen und nach dem braven alten Horazischen Rezept versucht, lächelnd die Wahrheit zu sagen. Sm„Talisman" ebenso wie in seinen zahlreichen gefälligen anderen Lustspielen. Da- für s«i ihm an seinem heutigen Ehrentag« Dank gavußil Im Rauchsalon legt der Obersteward einen pooI auf. Es wrrd gewettet, wieviel Knoten das Schiff am nächsten Tage laufen wird. Ewsatz 10 Dollars. Der ist Gewinner, dessen Schätzung der Wirk- lichkeit am nächsten kommt. Umlagert von einer Schar Zuschauer tragen zwei Herren«ine Pokerpartie aus. Peter Liesack stutzt. Das kaltentschlossene herrische Gesicht des einen Spielers hat er schon oft gesehen. Dieser mitleidlose brutale Schädel ist unverkennbar: er gehört van Bebbit, dem General-Manager der South and Western, Sein Gegenspieler beim Pokern ist ein deutscher Filmstar, der nach Hollywood ein Engagement hat. Sein fades Beau-Gesicht ist bleich vor verhaltener Wut. Van Bebbit überbietet. Er hat nur zwei kleine Paare in der Hand. Der Schauspieler hat einen klusb in Kreuz. Aber van Bebbit blufft ihn heraus. Beim Pokern wie beim Geschäft entscheidet die dickere Brieftasche. Angewidert steigt Peter Liesack in den Maschinenraum hinunter. Ein leichter Oeldunst liegt in der Lust. Blitzendes Gestänge schießt hin und her. Hinter einer Turbine stehen zwei Heizer, Blonde Jungen von der Wasserkante. Peter Liesack erhascht Fetzen ihres Gesprächs:„Wi möt tosomnholn... De Verband ward de Herrn schon de Büxen s— tramm treckn.. Peter Liesack klettert an Deck. Wi möt tosomnholn... Daran hat er nie gedacht. Blitzartig erfaßt sein Hirn die großen Zusammen- hänge des Lebens. Die dicke Brieftasche entscheidet beim Poker und im Geschäft. Aber es gibt noch eine stärkere Macht als die dicke Brieftasche, das: Wir müssen zusammenhalten! Peter Liesack ist durch seine Tat aus dem„Wir" verbannt. Er hat nur an sich ge- dacht. Er ist einen falschen Weg gegangen. Diese Erkenntnis wirft ihn nieder. Und als drüben das Leuchtfeuer von Cap Landsend auf- blinkt, läßt er sich ins Wasser gleiten. Dumpf klatscht sein Körper ins Meer. Liesack gibt auf. Der Dampfer aber zieht ruhig seinen Weg. Seinen Schornsteinen entsteigt dicker schwarzer Qualm. Die Heizer haben den Kesseln wieder Oel zugeführt. m.rievh*reie:0angHerfrauen Ich meine„Gangsterfrauen", nicht„Frauengangster", nicht weibliche Gangster... Dieser Beruf ist den Frauen in Amerika doch noch nicht erschlossen. Mag man sagen was man will über die Zunft der Gangster, es gehört immerhin eine ganze Menge männlicher Mut dazu, immer mit der Hand bei der Tasche, jeden Moment gespannt zu sein wie der Revolver, um nötigenfalls durch einen fixen Griff als erster seinem Gegner das Gehirn heraaszu- knallen. Schiller zur Beruhigung: so schnell werden Weiber doch nicht zu Hyänen. Nicht einmal in Amerika, wo die Hysterie noch mehr grassiert als in Europa. Gangsterfrauen sind Frauen, von denen man nicht spricht. Gangsterstauen, legitim oder illegitim, blühen im Verborgenen, nur versehentlich, durch ein täppisches Hantieren des Schicksals, kommen sie manchmal ans Rampenlicht. Und stets wird bei dieser Gelegen- heit kund, daß über sie weiter nichts zu sagen ist und daß sie nichts zu sagen haben. Meist haben sie nichts als ein ganz niedliches Gesicht, und oft auch nicht mal das. Als man Jack Diamonds Sweetheart im Polizeiverwahr die Schmink« abwusch, blieb von dem ganzen Mädel nicht viel übrig. Nein, der Gangster sucht keine Partnerin, keine Kameradin, die seine Geschäftssorgen teilt. Je dümmer sie ist, je mehr sie sich hinters Licht führen läßt, um so besser. Keinesfalls soll sie ver- suchen, ihr« Nase in seine Angelegenheiten zu stecken. Wenn Männer ernst« Geschäftsongelegenheiten besprechen, wird sie mit einer Tüte Schokolade in« Kino geschickt. „Gangster"(dieser Titel gebührt in Amerika nur den Engro»- Perbrechern, nicht den Neinen Dieben, die man hängt), haben.ihre eigenen 10 Gebots made in USA. Das vierte lautet:„Du salisi eine Frau nicht in Gefahr bringen." Wo» ist das?„Du sollst«ine Frau nicht in Gefahr bringen, indem du sie von deinen Manipula- tionen etwa» wissen läßt. Deine Gegner würden sie totschlagen wie «inen Hund, fall» sie«in Wissen nicht preisgeben würde." Und das eine muh man den amerikanischen Gangstern lassen— ihre eigenen Gebote übertreten sie nicht. Sa totsicher sind die Gangsterrivalen, so totsicher ist die Polizei, daß sie sich überhaupt gar nicht erst die Müh« machen,«ine Gangsterfrau auszufragen. Denn sie weiß nichts. Sie kennt Jack nur von der Kehrseite. Sollte«ine Gangsterfrou aber doch einmal dos verbotene Schlüsselein finden und die verbotene Tür ausschließen, so liegt sie eine» schönen Morgen» mit zerschossenem Kopf im Straßengraben. Es wird dafür gesorgt, daß sie verschwiegen ist wie das Sr«K. Hinein mit ihr. Sie mag den ganzen log spazieren gehen und sich die Nase pudern und Geld vertrödeln, solange welche» da ist.�Und wenn kein» mehr da ist, kommt der plötzliche Sturz aus der Höhe, zumeist Hals über Kopf direkt in den Schlamm. Jack Diamonds beide bekannten Witwen, Mrs. Diamond und Marion Roberts, die noch vor einem Jahr brillaptenumglitzert und dollargespickt durch die Träume der amerikanischen Büro- und Ladenfräuleins flitterten, lassen sich Heute für 10(Cent in Schaubuden sehen, neben dem Mann mit dem rotierenden Kops und der Frau mit dem Fischlejb. draußen im Coney-Jsland-Kerummel. Ein paar Monate Konjunktur, dann ist auch das vorbei, und— im günstigsten Fall— ist die Welt dann um zwei Toilettenfrauen reicher. In ihrer Glanzzeit glänzen sie natürlich. Großes Auftreten auf den Galasesten der Gangster in den Nightelubs von New Park und Chikago: große Ganster-Smeetheart-Schau mit ollem Drum und Dran. Revolver werden in der Garderobe abgegeben. Brillanten kann man aus dem Tisch liegen lassen. Hier wird nicht gestohlen, Ehrensache. Auch Frauen werden nicht geklaut. Ehrensache. Höchsten«, daß sie einverständlich überschrieben werden. Neuntes Gebot, Im allgemeinen beklagen sich die Gangster-Swcethearts, daß ihre„Boys" gar so zart besaitet sind.„Wo gibt es nach Romantik heute i» Amerika?" beklagte sich eine Gangsterbraut. Nicht einmal mexikanische Banditen gibt es mehr, die über die Grenze kamen, eine Revuejchau mit Revolvern überfielen, alle Ehorusgirls in eine Reihe stellten, sich die hübschesten aussuchten und mit ihnen Reihaus nahmen! Es gibt keine Kavaliere mehr in Mexiko. Nun aber erst der Gangster, der eityverweichlichte! Zu Haus« sitzt der Gangster in Filzpantofseln. Und kann keiner Fliege ein Bein ausreißen. Es gibt herzensgute Papas unter den Gangstern, die nachts gerne ausstehen und den Kinderwagen schieben. Zum Beispiel A l E a p o n e. Er ist der Mustergatte. Ihr herzensguter Mann und treusorgender Vater. Ganze Badewannen voll Frauentränen wur- den vergossen, als Diamond starb. Sogar die geschiedene Frau weinte mit. Frauen bescheidener, solider Bürgerlichtelt. Ja. so ist es wohl... Waschlappen im Lebe» sind oft die brutalsten Ehe- männer, und Gangster fressen zu Hause aus der Hand. Das bißche» Gute, da» bekanntlich in jedem steckt, kriegt die Familie. In den meisten Fällen dauert das Eheglück wohl nur kurze Zeit, Gangster knallen«inander gegenseitig weg aus dem Lebe». Die Probe aus Zeit wird selten gemacht. Aber warum soll man den Tag nicht vor dem Abend loben? Warum nicht loben, wo es etwas zu loben gibt-- und warum nicht lieben, wo es etwas zu lieben gldt? L>« amerikanischen Gangsterfrauen tun beide». 18 Uhr von den bekannten Stellen aus/ Alle Genossinnen und Genossen, die Arbeiterjugend, ArbeitersporUer und Reichsbanner beieiligen sich rV-;?' M-"v? ■-:■ WNWM■ MKMSWWöZWW, NM»« 8Bik. Immer wieder: Blinde in Not. In der als Wohlfahrtseinrichtung dem Landeswohlfahrts- und Jugendamt Berlin unterstellten Städtischen Blindenan- st a l t, Berlin SO. 36, Oranienstr. 26, werden etwa 286 Blinde aus ollen Bezirken Berlins mit Stuhlflechtarbeiten und der Anfertigung von Bärsten, Besen, Körben und Matten beschäftigt. Im Interesse der Blinden wird die Berliner Bevölkerung wiederum aufgerufen, der Städtischen Blindenanstalt namentlich Stuhlflcchtaufträge zu er- teilen, da es gerade der Stuhlslechterei an Arbeit mangelt. Die Ab- holung und Wiederzustellung der Stühle erfolgt kostenlos. Besonders wird darauf hingewiesen, daß im Verkaussladcn der Städtischen Blindenanstalt, Oranienstr. 26— unweit Kottbusser Tor und Oranienplatz— Blindenerzeugnisse aller Art in reicher Auswahl werktäglich von 10 bis\Vk> Uhr zum Berkauf ausliegcn. !SozlalisiWeArbel'terjugendGroZ-Verlln | Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugends-kretariat ___! Berlin SW 68, Lindenstraße 2, vorn 1. Treppe rechts. heule. Freilag. 20 Uhr: Arlonaplatz: Tieclstr. 18: Heimabend.— Roscnthaler Borstadt: Tieckstr. 18, tof II: Kurzreferate.— g-ntrum: Waisenstr. 18:„Faschismus".— Hansa: ochumer Str. 8d:„Tagespolitik".— Moabit I: Watdenserstr. 20:„Arbeits. bcschafsungsprogramm". Referent Paul Bernstein.— Moabit II: Bremer Straße 70:„Fllnsjahresplan".— Gesundbrunnen II: Koloniestr. 8: Spielregeln. — Arnimplatz: Sonncnburger Str. 20: Humoristischer Abend.— Arnswalder Platz I: Schönlanier Str. 11, B. 3:„IEB. und Internationales Arbeitsamt".— Balkan: Mandelstr. IZ:„Tagespolitik".— Faltplatz I: 19 Uhr D-nziger Ecke Ercifsroalder Straße.— Falkplatz II: Sonnenburger Str. 20: Heimabend.— Hohenschönhausen: Freien�walder Str. 0:„Jugend vor dem Etrasrichter".�— furter Allee 307:„Rußland".— Friedrichshain: Friedrichstr. 5—8: Politisch. satirischer Abend.— Petersburger Viertel: Ebertnstr. 12:„Der moderne Mensch".— Stralauer Viertel: Goßlerstr. 61:„Was ist Nationalsozialismus?"— Warschauer Viertel: Litauer Str. 18:„Tagespolitik".— Warschauer Viertel RF.: Litauer Str. 18: Leseabend.— Luisenstadt: Wassertorstr. 4:„Ursprung der Welt. Wirtschaftskrise".— Südwest: Lindenstr. 4: Arbeitsgemeinschaft, lOiH Uhr.— Friedenau: Osfenbachcr Str. Sa:„Soziales Wandern..."— Schöneberg I RF.: Hauptstr. 1ö: Hcinrich-Zille-Abend.— Schöneberg II: Hauptstr. 15: Mädelabend. — Eharlottcnburg: Rosinenstr. 4:„Die Presse von rechts bis links".— Ehar- lottenburg-Süd: Pestalozzistr. 40:„Politische Lage".— Spandau: Lindenufer 1: Heimabend.— Lankwitz: Gemeindeschule Schulstraße:„Das Kommunistische Manifest".— Britz: 19 Uhr Buschkrug.— Neukölln I: Sportplatz Volkspark.— Neukölln II: Sportplatz Volkspark, Platz 6.— Reukölln Hl: Flughafenstr. 68; Brettspielabend.— Neukölln IV: Sportabend.— Neukölln VI; 19 Uhr Sportplatz Sonnenallec.— Neukölln VU: Sportplatz.— Neukölln IX; Steinmetz str. 94: Keimabend.— Neukölln X: 18 Uhr Sportplatz Sonnenallec.— Neukölln XI: Sportabend.— Baumschulenweg: Ernststr. 16:„Die Machtmittel der Bürger- lichen im Kampf gegen die Arbeiterklasse", I.— Schöncwcide II: Berliner Straße 31: Heimabend.— Treptow: Elsenstr. 3:„Vom Zunftgesellen zum freien Arbeiter".— Bohnsdorf: Außenspiele.— Falkenberg: Außenspiele.— Köpenick I und II: Teilnahme an der Kundgebung 19 Uhr Dahlwitzer Platz.— Friedrichs- selbe: Guntcrstr. 44: Mitgliederversammlung.— Karlshorst: Treskowallee 44: „Die Einheitsfront".— Lichtenberg-Mitte: Sportplatz, anschl. Iüngerenabend. — Ncu-Lichtcnbcrg: Guntcrstr. 44: Schallplattenabend.— Mahlsdors: Badeabend.— Hermsdorf: Frauenabend für interessierte Genossen, die anderen gehen zum Bolkstanzabend der FTEB.— Wittenau: Hauptstr. 13:„Selbstdisziplin in der SAI." Wcrbebezirk Schönebcrg: Treffpunkt zur Hofpropaganda 18 Uhr bei Röschens, Apostel-Paulus-Str. 27. 21 Uhr WBV.-Sitzung, Hauptstr. 15. Wcrbcbczirk Neukölln: Alle erwerbslosen Genossen treffen sich um 11 Uhr in der Baracke Ganghoferstraße. Wcrbebezirk Pankow: Antreten des gesamten WB. im„Kurfürsten", Ber- lwer Straße, lOZa Uhr. Fahnen mitbringen. Werbebczir! Westen: Sonnabend/Sonntag Lastautopropagandafahrt zum Uedersee. Abfahrt morgen, 19 i� Uhr, Eharlottenburg, Wildelmplatz. Nachzügler lllV» Uhr Ringbhf. Prenzlauer Allee., Interesficrte Genossen können noch teilnehmen inkl. Uebernachten 1,60 M. Vorträge, Vereine und Versammlungen Zithcr-Elub 1897 Reuköll«. sDirigent: Adolf Wollenschläger. l Jeden Freitag Ucbungsstunde im Restaurant Meißner, Kaiser-Friedrich-Vtraße. Ecke Anzen- grubcrstraße. Beginn 20Z6 Uhr. Zitherspieler und Gäste herzlich willkommen. Espcranto-Gescllschast Eharlottenburg. Montag, 18. Juli, 20 Uhr, Konditorei Wolter, Eharlottenburg, Bismarckstr. 114(Knies, Klubzimmer, Geselliger Abend. Gäste willkommen. SorialisliscberLspei'onto-kunck. Gruppe„Centro". Freitag, den 15. Juli, 19.30, im Metallarbeiter-Verbandshaus Linienstr. 83/85 Temo: Kvaronjara kunveno tagordo: 1. Raporto pri la lasta kvaronjaro.. 2. Propony. 3. Dlstrikta konferenco. 4. Eleclo de delegitoj. 4. Diversajg. Fl�PPii PPl erobert Berlin! Gestern marschierten wir machtvoll durch den Berliner Westen. Am Dienstag, dem 19. Juli, um 20 Uhr Die Eiserne Front marschiert zum Appell in drei Formationen von vier Antrittspiätzen aus im Lustgarten aut. Es marschieren hintereinander: 1. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, 2. Hundertschaften der Sportorganisationen, 3. Hammerschaften der Gewerkschaften. Der Lustgarten wird von der SchloSfreiheit entlang Uber die SchlofibrUcke bis zur Kaiser-Wilhelm-BrUcke abgesperrt. Der Anmarsch zum Lustgarten erfolgt über die Kaiser-Wilhelm- BrUcke und Uber die Schloßfreiheit. Für die Gesinnungsfreunde bleibt der Platz zwischen dem Dom, Museum und Kupfergraben frei. Der Zugang hierzu geht Uber die Eiserne BrUcke und über die Friedrichbrücke. Die Anmarschpläize: Kreis Süden: Antreten 18.15 Uhr Fontanepromenade. Spitze des Zuges Urbanstraße. Marsch durch Urban-, Baerwald-, Prinzen-, Dresdener-, Roß-, Breite Straße, Schloßplatz, Schloßfreiheit, Lustgarten. Kreis Osten: Antreten 18.15 Uhr Küstriner Platz. Spitze des Zuges Paul-Singer-Straße. Marsch durch Paul-Singer-, Kraut-, Holzmarktstraße, Schillingbrücke, Engelufer, Köpenicker Straße, Neue Jakobstraße und weiter wie Kreis Süden. Kreis Norden: Antreten 18.15 Uhr Stralsunder Straße, Vineta- piatz. Spitze des Zuges Brunnensfraße. Marsch durch Brunnen-, Rosenthaler-, Weinmeister-, Münz-, Kaiser-Wilhelm-Straße, Lustgarten. Kreis Westen; Antreten 18.15 Uhr Humboldthafen. Spitze des Zuges Invalidenstraße. Marsch durch Invaliden-, Hessische, Hannoversche, Elsässer Straße, weiter wie Kreis Norden. » Der Rückmarsch erfolgt in der gleichen Weise wie der Anmarsch. Alle mann an DecKl Berlin gehört uns! 14. 10. 32. 85. 92. 105. 10G. 108. Parteinachrichten Groß-Berlin Einsenbungen für diese Rubrik sind st-ls an das Beztrtsserret-ri-l Berlin SW 68. Lindenstraße 1. 2. Hos. 2 Treppen rechts, zu rlchte» Beginn aller Veranstaltungen 19�? Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Kreis. Die Abteilungsleiter werden gebeten, Fahnen vom Parteibüro ab- zuholen.-..----»»"ssugblattvcrbreitung beteiligen. ____ WM________ H___■ WWf___________■ ie Bezirks- führer holen heule von 18—19� Uhr Fahnen und Transparente bei Hübner, Paul-Einger-Str. 65, ab. Abt. Die Parteigenossen treffen sich Sonnabend, 16. Iulr, HVo Uhr, m ihren Zahlabendloialen zwecks Spaziergängen... Abt. fcutc, 18V. Uhr. Funktionär- und junge Parteimitglieder Trestpunkt bei Wolfs, Kaifer-Friedrich-Str. 178, zur Flugblattverbreitung in den Laubenkolonien. . Abt. Heute nach der Flugblattverbreitung Funktionärsitzung im„Eisernen Aost' Heute. 2V Uhr. bei Schmidtbaucr. Bismarckstr. 74, Funktionärsitzung. Abt. Scure Flugblatt, und Handzettelverbreitung. Abt. Die Parteimitglieder beteiligen sich restlos an der Demonstration am Freitag. 15. Juli. Mit anschließender Kundgebung im Stadttheater. Treffen 19 Uhr Dahlwitzer Platz. 193a. Abt. Flugblattausgabe Sonnabend, 17 Uhr, von den bekannten Stellen aus. III. Abt. Heute beteiligt sich unsere Abteilung geschlossen an der Köpenicker Demonstration iDahlwitzcr Platz). Treffpunkt pünktlich 18>� Uhr am Bhf. Grünau.— Morgen. Sonnabend, 17 Uhr, bei Heimann. Flugblattver» breitung. ASD. sowie sämtliche Bezirksführer pünktlich zur Stelle. 112. Abt. Sonnabend, 16. Juli, 29 Uhr, Zahlabend bei Hehler. Rahnsdorf, Fürstenwalder Straße.„Unser Kampf für die Freiheit", Referent Karl Weiner, M. d. L. 127. Abt. Sonnabend, 16. Juli, 21 Uhr, Lokal Schiebe, Vorstandssitzung und Agitationsgrupps.— Sonntag, 17. Juli, 71h Uhr, treffen sich sämtliche Radfahrer bei Gallas, Weißcnsee. 128., 129., 131. Abt. Sonnabend, 16. Juli, 17tzg Uhr, Treffpunkt auf dem Pankower Marktplatz zum Radfahrerumzug. Äbfabrt erfolgt pünktlich. 131. Abt. Kleingärten der Stadt Berlin-Vlankeufelde, Roscnthal und Nordend. Sonnabend, 16. Juli, 29 Uhr, in der„Sportklause". Nordend, am Bolle- Sportplatz, Zusammenkunft aller Parteigenossen und Gesinnungsfreunde. Referent Jockel Meier. Frauenveranstalkungen. 137. Abt. Heute, 20 Uhr. im Bolkshaus, Scharnweberstr. 114, wichtige Ve« sprechung. Alle Genossinnen müssen erscheinen. Arbeiksgemeinschask der kiadersreunde Groß-Berlin. 29. Kreis. Heute, Freitag, letzter Tag für die Meldungen zur ' Elternfahrt am 24. Juli. Kosten 2 M. Meldung und Geld bei | Gen. Pannwitz, Wittenau, Am Hügel 7. Desgleichen heute Rest- Iis Zahlungen der Zeltlagerbeiträge. Treffen der Zeltlagerfahrer Sonn. abend. 16. Iulr, 7tzi Uhr, Waisenbrücke. Wir fahren mit der 68, die 6.35 Uhr ab Wardmannslust fährt. Sport. Rennen zu hoppegarten. Preis von Rahusdors. 1. Neutra(Reibln 2. Offenbach: S. Belgrano. Toto: 70: 10. Platz: 13, 11, 17; 10. Ferner liefen: Mach's vor(4.), Crasi, Tanta, Haselmaus. Ltt-ILIU. OUftUUL-SCI,«.U Brioche, Mittelmeer. Preis von Hirschgartcn. 1. Sonnenstrahl rNciblV. S. Amön: 3 Margot. Toto: 30:10. Platz: 26, 22, 25:10. Ferner liefen: Herzog Wilhelm(4.1, Fatime, Vickv, Wassernymphe, Oberstolz, Manitoba, Rhapsodie, Cornelia. Preis von Karlshorst. 1. Arabeske(Printenf; 2. Makrele; 3. Lstcr- mädel. Toto: 26: 10. Platz: 24, 25: 10. Ferner lies: Terra. Preis der Müggel. 1. Venusta lHiller): 2. Miß Augias; 3. Rogau. Toto: 37; 10. Platz: 14, 19, 13: 10. Ferner liefen: Carna l4.), Altenberg, Theseus, Feldwebel. Preis von Erkner. 1. Janitor(O. Schmidt): 2. Binse: 3. Tasmania. Toto: 58: 10. Platz: 13, 12, 13: 10. Ferner liefen: Ariaman(4.), Lampen- Putzer, Glasbläser, Orfrai. Preis von Grünau. 1. Steinseld(B. Wenzel); 2. Traumkönig; 3. Tarn- schild; 4. Radetzki. Toto: 135: 10. Platz: 26. 18, 34. 28: 10. Ferner liefen: Gcranium, Heuchler, Rodrigo, Araber, Marion, Ledon, Hohe Eule, Pizzarro. Ein Exlrn-flnfehot Hortensien Obst Pfirsiche........... pid. von 0,26 Tomaten........... Piivon 0,18 Bananen............... Pkd.0,24 Johannisbeeren..... pid. 0,18 Stachelbeeren....... pfd, 0,15 Strudeläpfei........ 2pfd. 0,45 Blnnlieeren,0,Z4| Preise nur Freitag und Sonnabend.' Die Zusendung von Lebensmitteln erfolgt bei Bestellung von 5,00 Mark an. Fieisch und leicht verderbliche Waren sind vom Versand ausgeschlossen.— Mengenabgabe vorbehalten.— Verkauf soweit Vorrat.— Unsere Lebensmittel-Abteilungen unterstehen der ständigen Kontrolle und Aufsicht eines Nahrungsmittelchemikers und eines Tierarztes. Frisches Fieisch Kalbsschnitzel piand von 1,08 Kalbskotelett Pfand von 0,88 Kalbskamm o.Big„Pfd.von 0,46 Kalbskeule bi69Pfd.achwer.. ganz oder geteilt..... Pfund von 0,64 Schweineschinken mit Bein................. Pfand 0,70 Eisbein mit Spitzbein, gepökelt.Pfd. 0,34 Hammelvorderfl. Pfd. v. 0,62 SchmorfleischKeaieo.Kti.Pfii.«. 0,78 Suppenfleisch....Pfd. von 0,46 Gulasch............... Pfd. 0,68 Rind-ad.Schweineleb.ptd. 0,64 Schweineköpfe m. Backe, m 0,28 Schweinenieren... Pfand 0,48 Nur in den Häusern Leipziger Str., Alexanderplatz. WilmeradoHfer Str., Belie-Alliance-Str., Cheusseestrasse. Wild u. Geflügel Rehblätter....Pfd. v. 0,78 Wildschw.-Blätt. Pfd. 0,68 Wildschw.-Rück. P(d.0,78 Wildschw.-Keul. Pfd. 0,88 Enten gefroren, Pfd. v. 0,55 Hühner frisch.. Pfd. v, 0,72 Gänse fr.geschl.Ffd.v. 0,76 JungeTauben st v. 0,58 Konfitüre clEtae" Gem. Marmelade.. 0,68 Pflaumen............ 0,95 Aprikosen........... 1,10 Orange.............. 1,10 Erdbeer.............. 1,10 Kolonialwaren Bruchreis........ Pid. 0,11 Tafelreis......... Plä. 0, 14 Hartweizengr!ess?ld.0,24 Perlsago........ P(d,0,32 Eier-Bandnudeln Pfd 0,35 Hörnchen........ Pfd. 0,42 Vanille-PuddingPfd. 0,50 Mandel-Pudd... Pid. 0,50 Schokolad.'Pudd.Pld. 0,60 Rote Grütze..... Pfd. 0,60 Kaffee fr.ger5st,Pfd.v. 1,90 Käse und Fette Harzer........... Pfd 0,26 Allgäuer 20°i„...Pfd. 0,42 Steinbusch.«oHeH. Pfd. 0,66 Briekäse........ Pfd. 0,58 Edam.io11/, Tilsit, ptd. 0,66 Schweizerdin.,301,PId. 0,58 Markenbutter... Pid. 1,34 Allerf. Molkerei Pfd. J, 28 Molkereibutter Pfd. 1,06 Margarine....... Pfd. 0,25 Kokosfett...... 3 Pfd. 0,88 Wurstwaren Sülzwurst........ Pfd. 0,68 Landleberwurst Pfd. 0,78 Jacsdwurst....... Pfd. 0,82 Fleischwurst..... Pfd. 0,78 ff. Leberwurst...Pfd. 0,88 feine Teewurst..Pfd. 1,08 Mettwurst8rsfli*.4rL,Pfd. 0,82 Schink.-PolnischePfd. 0,98 Schinkenspeck.. Pfd. 1,18 Nußschinken.... Pfd. 1,35 Cervelat, Salami Pfd. 1,06 Fetter Speck....Pfd. 0,68 Magerer Speck Pfd. 0,90 Fische, Räucherwar. 'Kabeljau gr.,o.K.,i.g„ Pfd. 0,14 'Schelltisch mit Kopf... Pfd. 0,14 •Kabeljaufilet....pfd. von 0,18 •Schleie lebend..... Pfd. von 0,82 Bücklinge......... Pfd. von 0,38 Aal gen, mittelstark,>/, Pfd. 0,39 Räucherheringe... stück 0,12 Matjesheringe 3 stuck 0,20 Heringssalat.......... Pfd. 0,60 Fleischsalat........... Pfd. 0,60 Saure Gurken 3 stück 0,10 Fettheringe mTomat.lDoee 0,28 Senfgurken.......... Pfd. 0,25 Sardinen........ 5 Dosen 0,88 Salatöl...... VLtr.-Flasche 0,60 rseelaclis gross, o. Kopf,| i. ganzen, Pfi * In allen Hdusern ausser indreesstrasse. Gemüse Neuer Weisskohl 3 Pfd. 0,10 NeuerWirsingkohl 3 pid. 0,10 Neuer Rotkohl.2 pfd.0,15 Salat.............. 3 Köpfe 0,10 Grüne Gurken stück von 0,08 Puffbohnen........... Pfd. 0,08 GrüneBonnen hiesige. 2 Pfd. 0,25 Weine und Fruchtsäfte 1 Rheliipfälz.WelsswelnLtr.0,58 Speierllno-Aplelweinvifi.O.SO JohanRisbeprweln...Ltr. o,68 31 er Edenkoiiener...'i, n. 0,66 Wermulwein......... Ltr. 1,00 29er Sentieimer la» Oriech. Muskat süss, Ltr. 1,20 29er Lieölraumilcli n 1,25 j Jam.-Rüni-¥ersclii4o°;c,itr.4,00 29er Zell.Himinelreich'.n. 1,60 HimbeersaftmitlDeuischarWeinbrandlOianBeade sehr j Zack., F1.0,98|abReIig.(Jaal,Ltr. 4,20 1 ftQuaL'siFl 1,1 Preise ohne Flasche