BERLIN Zreitag 15. Zuli 1932 B 160 49. Jahrgang Redaktion u. Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.S Tel..A.7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis iürbeid« AusgabenldPf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat(davon 87 Pf. monatlich fllr Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug S,S7 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebühren. Anzeigenpreis: Die Isplt. Milli- meterzeile SO Pf. Die Rellamezeile tostet 2 Marl. Rabatte n. Tarif. Hungeireuoite in Weimar Empörung über die Kürzung der umersioizung Amerika läßt sich nicht zwingen Weimar, 13. Juli.(Eigenbericht.) In der Landeshauptstadt Weimar ist es heute in den Vormittagsstunden zu Unruhen und Zusammen- st ö ß e n zwischen den Wohlfahrtsunter st ühungs- empfängern und der Polizei gekommen, wobei die Polizei von dem Gummiknüppel Gebrauch machte. Die Veranlassung hierzu war eine Kürzung der Unterstützungssätze bis zu 1t» Proz., die heute durchge- führt werden sollte. Die Kürzungen sind auf V e r a n- lassung des Oberbürgermeisters erfolgt. Die Wohlfahrstunterstützungsempfängcr bildeten einen Temonstrationszug in Stärke von etwa 200 Mann und zogen vor die Wohnung des Lberbllrger- meisters. Dieser wurde aufgefordert, Aufschluß zu geben. Auf der Straße kam es dann zu Tätlichkeiten gegen den Oberbürgermeister. In der Frauentorstraßc wurde eine Hakenkreuzfahne heruntergeholt. Auf dem Wohlfahrtsamt wurden einige Beamte sowie der Leiter bedroht. Tie Ruhe ist wieder- hergestellt. Hilft! Hilfe! Hugenberg rust Polizei gegen Naziterror! Kiel. 15. Juli.(Eigenbericht.) Der Kreisvorstand der Deutschnationalen Volks- Partei hat an den Regierungspräsidentn im oldenburgischen Landesteil Lübeck eins Eingabe gerichtet, in der aus die Ausfüh- rungen eines nationalsozialistischen Debotteredners in einer Wahlversammlung der DNVP. in der Nähe von Eutin Be- zug genommen wird. Des Redner, der Eutiner Kreisführer der NSDAP., Dr. Saal- feidt, habe die Agitation der DNVP. mit den schärfsten Kraftaus- drücken bedacht und erklärt, wenn die Deutschnationale Volkspartei eine derartige Wahlagitaoin weiter betreibe, würden die National- sozialisten ihre Versammlungen sprengen und die Bude kurz und lclein schlagen. Zum Schluß der Eingabe wird der Regierungspräsident gefragt. was er zu tun gedenke, um derartige Gewalttätigkeiten zu verhüten. dem Terror der NSDAP, wirkungsvoll entgegenzutreten und der Deutschnationalen Volkspartei die Rede- und Versammlungsfreiheit zu gewährleisten. -!° Mittlerweile wird also auch den Deutschnationalen vor ihren Harzburger Freunden a n g st u n d b a n g e. Die Deutschnationalen werden sich allerdings nicht beklagen dürfen, wenn ihr Hilferuf in der Oeffentlichkeit kern Echo findet. In den Wahlkämpfcn der letzten Zeit hat die deutschnationale Presse, an der Spitze die Hugen- bergmeute, mit Behagen den SA.-Terror gegen die Republikaner unterstützt. Sie hat systematisch die republikanischen Abwehraktionen in Ueberfälle auf harmlose SA.-Leute umgelogen und eine Hetze gegen die Eiserne Front eröffnet, die ihresgleichen sucht. Wenn sie jetzt einmal das wahre Gesicht ihrer rechtsradikalen Freunde zu sehen bekommen, so kann dies auf die Mannen um Hugenberg nur erzieherisch wirken. Nazis kürzen Beamiengehätter- wo sie an der„Macht" sind. Neustrelih, 15. Juli. Nach zweitägigen Verhandlungen wurde gestern abend der Etat für Mecklenburg-Strelitz für das Jahr 1932/33 mit den Stimmen der Deutschnationalen und der N a t i o- nalsozialisten angenommen. Zur Deckung des Fehlbetrages wurde die Regierung ermächtigt, eine Gehaltskürzung der Beamten vorzunehmen. Die Nationalsozialisten wünschten zu- nächst eine Freigrenze von 5000. später von 3800 M. Sie stellten schließlich einen Entschließungsantrag, wonach die Regierung gebeten wird, aus Billigkeitsgründen Beamten mit Gehältern unter 3800 M. die Kürzungen gegebenenfalls zurückzuvergüten. Die Sozialdemokraten stimmten gemeinsam mit den Kommunisten gegen die' chme des nationalsozialistischen Haushallsplans. Ein Brief Hoovers an Borah Washington, 15. Zuli. Präsident h o o v e r hat an Senator Borah einen Brief gerichtet, in dem er die Stellung der Vereinigten Staaten zu den Lausanner Abkommen darlegt. In dem Schreiben heißt es: Die Regelung des strittigen europäischen Problems und anderer politischer und wirtschaftlicher Fragen, die die Erholung Europas behinderten, erfüllt das amerikanische Volk mit Befriedigung. Diese Be- schlüsse bedeuten einen wirklichen Fortschritt in der Re- parationssrage und werden erheblich zur Stabilisierung der Wirt- schast beitragen. Ich möchte aber ausdrücklich daraus hinweisen, daß die Vereinigten Staaten vor den kürzlich in Lausanne abge- schlossenen Vereinbarungen nicht um Rat gefragt worden sind, und daß sie an allen solchen Vereinbarungen in keiner weise teilhaben und durch sie auch in keiner weise verpflichtet sind. Ich glaube nicht, daß es die Absicht irgendeiner dieser Vereinbarungen ist, ein gemeinsames vorgehen unserer Schuldner zu bewirken. Sollte aber doch irgendein Abkommen so ausgelegt werden, so würde ich es nicht zulassen, daß das amerikanische Volk zu irgendeinem Schritt in irgendeiner Richtung gezwungen wird, oder daß unsere Politik in irgendeiner weise durch offene oder versteckte Kombinationen beeinslußt wird. Welche Auslegung ist richtig? London, 15. Juli. Die Morgenpresse unterstützt die anläßlich der Veröffentlichung des Gentleman-Agreement, des neuen Konsultativ-Abkommens, und verschiedener amtlicher Erläuterungen zutage getretenen Bemühungen der Regierung, das Mißtrauen in Amerika zu zerstreuen.„Daily Herald" sagt, zwischen H e r r i o t s Erklärungen über eine neue Latente eoreiisie und der Ausfassung Macdonalds von dem neuen Abkommen schienen offenbar Gegensätze zu bestehen. Von feiten der britischen Regierung sei kategorisch erklärt worden, sie werde sich nicht an einer gemeinsamen Forderung Europas gegen- über den Vereinigten Staaten beteiligen. Diese Erklärung werde hoffentlich das Mißtrauen und die Furcht beseitigen, die durch un- diplomatisch« Haltung in Lausanne und anderswo entstanden sei. Alles hängt in der Lust! Die Lausanner Konferenz ist kaum vorüber und schon entrollt sich vor aller Welt ein geradezu groteskes Bild: Alles hängt in der Luft! Wir wissen doch... dtotvei"- Ordnungen Rcnten- Kürzun�en Steuern -ätss�- .. wer dahinter steckt! Dabei steht die Frage, wo die jetzige oder künftige Reichsregierung die parlamentarische Mehrheit für die Ratifizierung des Abkommens hernehmen will, nicht ein- mal im Vordergrund der Zukunftssorgen. Noch viel rätselhafter ist die Frage, ob und wann die europäischen Gläubigermächte, also vor allem Eng- land und Frankreich, das soeben unterzeichnete Ab- kommen ratifizieren werden. Sie haben sich durch eine„Vereinbarung zwischen Ehrenmännern" gegenseitig dazu verpflichtet, diese Ratifizierung e r st dann vorzu- nehmen, wenn die Vereinigten Staaten ihnen ent- sprechende Streichungen ihrer eigenen Schulden gewährt haben werden. Daß dies auf keinen Fall vor der amerikanischen Prä- sidentenwahl, also vor Ende des laufenden Jahres geschehen kann, wird allgemein zugegeben. Immerhin konnte man auf Grund verschiedener Andeutungen, die im Anschluß an verschiedene Besprechungen Macdonalds und Herriots mit den amerikanischen Abrüstungsdelegierten während der Lau- sanner Konferenz gemacht wurden, den Eindruck gewinnen, als ob Hoover unter der Hand weitgehende Zugeständ- nisse solcher Art für die Zeit nach der Wahl in Aussicht ge- stellt hätte. Aber die Bekanntgabe dieses innereuropäischen Gentlemen-Agreement hat in Amerika eine derartige mehr oder minder künstliche Empörung ausgelöst, daß H o o v e r in seinem Schreiben an Borah jede Zusage dieser Art ent- schieden verneint. Vielleicht ist das nur eine Demonstration der Handlungs- freiheit zu dem Zwecke, seine Wahlaussichten nicht zu ver- schlechtem. Vielleicht zeigt sich Hoover gerade jetzt unnach- giebig, wo in Genf die Entscheidung über seinen eigenen, weitgehenden Abrllstungsplan fallen soll: nehmen ihn die europäischen Mächte, insbesondere Frankreich schließlich doch an, dann wird er wahrscheinlich über Schulden- streichungen eher mit sich reden lassen. Einstweilen aber zeigt Amerika seinen europäischen Schuldnern die kalte Schulter, so daß auf absehbare Zeit mit einer Ratifizierung des Lausanner Vertrages durch die Gläubiger Deutschlands nicht gerechnet werden kann. Die Ratifizierung durch Deutschland ist ein nicht minder rätselhaftes Kapitel, denn sie setzt entweder einen vernünftig zusammengesetzten neuen Reichstag oder einen Umfall der Nationalsozialisten im Sinne der internationalen Verständi- gungspolitik voraus. Und wenn nicht ratifiziert wird— was dann? Nach dem Wortlaut der Lausanner Vereinbarungen zwischen den Reparationsgläubigern lautet die Parole:„Zurück zum Poung-Plan!" Reichskanzler v. Papen hat es vor- gezogen, diesen nicht unwichtigen Punkt in Lausanne nicht restlos zur Klärung zu bringen. Er hat zwar die Frage auf- geworfen, sich aber mit der recht dürftigen Antwort begnügt, daß dann eine neue Konferenz stattfinden müßte... Die Wolkenbruch-Nacht. Von Mitternacht bis heute vormittag 600 Alarme. Das nächtliche Gewitter, das wiederum nur eine schwache Ab- lühtung gebracht hat. war von wolkenbruchartigem Regen begleitet. Bereits gegen 10 Uhr war fernes Donner- grollen in Berlin zu vernehmen, aber erst nach Mitternacht kam das sehr langsam heraufziehende Gewitter zur Entladung. Durch den langanhaltenden Wolkenbruch wurden fast in allen Stadtteilen Ueberschwemmungen verursacht. Besonders die tiefer- gelegenen Straßenzüge wurden überflutet, teilweise er- reichte das angestaute Wasser eine Tiefe von 1 Meter und drang in Lager- und Wohnkeller ein. Bei der Berliner Feuerwehr herrschte in der Nacht Hochbetrieb: unaufhörlich liefen die Hilferufe auf der Hauptfeuerwehrwache ein. Etwa von 2 Uhr ab mußte der Feuer- wehr-Ausnahmezustand verhängt werden. Bis heute vor- Treue den Opfem! Antwort der Massen an die Mörder! mittag waren es insgesamt 600 Hilferufe. Zur Zeit sind die Feuer- wehrzüge noch an vielen Stellen mit Absaugearbeiten beschäftigt. Einige Laubenkolonien haben besonders schweren Schaden erlitten. Gefährdung eines 17- Bahn-Tunnels. Senkung der Straßendecke in der Frankfurter Allee. Verhältnismäßig spät niachte sich heute vormittag gegen 10 Uhr eine Folge des nächtlichen Wolkenbruchs bemerkbar, als vor dem Hause Frankfurter Allee 296 die Gehbahn sich in einer Ausdehnung von 12 Meter Länge und über einen halben Meter Breite zu senken begann. Durch die Senkung erschien die Versorgungsleitung der U-Bahn, sowie der U-Bahn-Tunnel selbst gefährdet. Nach dem Be- kanntwerden dieses Schadens begaben sich sofort Beamte und In- genieure des Berliner Tiefbauamtes nach der gefährdeten Stelle, und die Polizei sperrte die Gehbahn in größerem Umkreise sofort ab. Dennoch schritt die Senkung der Straßendecke allmählich fort, und vielleicht erweist es sich als notwendig, den Untergrundbahnverkehr auf der Strecke vorübergehend einzustellen. Ltitter den Rädern eines Feuerwehrwagens. Einem eigenartigen Unfall ist heute vormittag ein bisher unbekannter Mann zum Opfer gefallen. Wegen Wassersnot war in T e g e l o r t die dortige freiwillige Feuerwehr alarmiert worden und wurde, als sie ausrückte, von einer Anzahl junger Leute auf Fahrrädern umschwärmt. Einer dieser Radfahrer im Badekostüm kam plötzlich und zwar lediglich durch eigene Schuld unter die Räder eines Feuerwehrfahrzeuges und wurde mit schweren inneren und äußeren Verletzungen aufgehoben und von einem nachkommenden Fahrzeug sofort in das Reinickendorfer Krankenhaus gebracht. Der Name des Verunglückten konnte noch nicht ermittelt werden. 30 Obdachlose ertrunken. Schlafende Obdachlose vom Hochwasser überrascht. Eine grausige Katastrophe, der in dem glänzenden Zremdenort Nizza annähernd Z0 Menschenleben zum Opfer fielen. enthüllt wieder einmal fürchterliche soziale Zustände. Von den reißenden Fluten des Paillo», der durch Nizza fließt, wurden in der vergangenen Nacht etwa 59 Obdachlos« über- r(i s ch t. Infolge der starken Regensälle schwoll das Wasser des Paillon innerhalb l<1 Minuten derart an, daß die Obdachlosen, die unter einer Brücke nächtigten, sich nicht mehr. retten konnten. Nur wenige der Ucberraschtcn konnten sich retten, wäh- rend die übrigen von den Fluten fortgerissen wurden. Zehn der Obdachlosen konnten noch im letzten Augenblick ans User gelangen. Das Schicksal der übrigen ist unbekannt. Man befürchtet, daß sie— etwa 20 bis 30 an der Zahl— ertrunken find. Blutopfer für Parteigeschäste. ftpö. auf den Dummenfang. Die Schandtat am Mittwoch in Siemensstadt, wo durch Schüsse aus dem Hinterhalt kommunistische Ar- beiter attakiert und � Arbeiter schwer, davon 2 tödlich verletzt wurden, hat den Abscheu aller Arbeiter gegen das verbreche- rische Treiben der Salzsteuer-Soldaten verstärkt. Die KPD. hat nun die Arbeiter der Hakenfelder und der Spandauer Betriebe zu einer Protestversammlung am Donnerstag eingeladen und den Beschluß durchgesetzt, heute bei Arbeitsbeginn in diesen Betrieben einen einstündigen Proteststreik durchzuführen. Außerdem aber wurde der Versammlung eine Ent- schließung unterbreitet, in der es heißt, „daß die Nazis zu ihren Mordtaten durch das Verbot der S P D.- F ü h r u n g an ihr« Mitglieder, gemeinsame antifaschisti- sche Aktionen mit den Kommunisten durchzuführen, direkt er- muntert werden..." Das Blatt, das diese Entschließung in fettem Druck auf seiner Titelseite bringt, ist die„Rote Fahne". Das gleiche Blatt schrieb am 5. Juli: „Darum ist unser Kamps sür die rote Einheitssront ein Kamps gegen die sozialdemokrailsche Politik, gegen die Sozialdemokratische Partei, gegen ihre Instanzen. Nur gegen ihren Widerstand... kann die Einheitsfront des Kampfes geschmiedet werden." Die„antifaschistischen Aktionen" der KPD. richten sich also in der Hauptsache nicht gegen die Nazifaschisten, sondern gegen die Sozialdemokratische Partei! Und an diesem kommunistischen Treiben sollen sich Sozial- demokraten beteiligen? Wer den kommunistischen Dummenfang nicht merkt, der müßte Scheuklappen tragen. Sozialdemokraten aber tragen solche Scheuklappen nicht! Braunschweiger Schreckensurieil. Lederpeitschen kosten 45 Monate Gefängnis. wolsenbütlel, IS. Juli. Vor dem Schnellrichler standen heute 20 Reichsbanner- l c u t e aus Lraunschwcig unter der Anklage des Vergehens gegen die Notverordnung vom 14. Zuni. Die Reichsbannerleute waren am Mittwoch abend nach Wolfen- bültel gekommen, um an einer Demonstration des Reichsbanners teilzunehmen. Bei der Durchsuchung nach Waffen wurden sie s e st- ge n o m m e n, weil sie Hundepeitschen mitgeführt hatten. Vor dem Schnellrichter machten die Angeklagten gellend, daß in Braunschweig Hundepeitschen nicht als Waffen im Sinne des Gesetzes attzusehen seien. Das Gericht verurteilte 15 Angeklagte zur Mindest st rase von drei Monaten Gefängnis. Einer der Angeklagten, der eine Slahlrute bei sich geführt und damit geschlagen hatte, erhielt vier Monate Gefängnis, während vier An- geklagte wegen Mangels an Beweisen freigesprochen wurden. 4 S Monate G e s ä» g n i s hat der Schnellrichter in Wolfen- bültel den IS Reichsbannerkomeraden zudiktiert, weil sie Leder- peitschen(!) mit sich führten. In der Notverordnung über Wasscnmißbrauch vom November 1931 sucht man vergebens, daß auch Lederpeitschen als„Schlagwertzeuge" gelten sollen, deren Mit- führen bei öjfenUichen Aufzügen mit Gefängnis bestrast wird. Nach dem klaren Text der Verordnung gelten als derartige Schlagwerk- zeuge Stahlruten. Spaten, Totschläger sowie Schuß- und Stich- waffen, deren Anwendung schwere, oft tödliche Verletzungen zur Folge hat. nicht aber Lederpeitschen. Das Urteil des Wolfenbütteler Schnellrichters muß daher schärfsten Protest hervorrufen. Die Radikoldemokratische Partei gibt ihren Anhängern die Stimme srci und fordert sie auf,„antifaschistisch" zu wählen. Die Parteileitung hatte beabsichtigt, in einigen Kreisen Kandidaten auf- zustellen, die Reststimmen aber der Sozialdemokratie zuzuführen. Doch war dieser Regelungsoersuch in Mitgliederkreisen auf Wider- stand gestoßen. Eckernfördc, 13. Juli.(Eigenbericht.) Tie Arbeiterschaft Tchlestvig-Holzteins begleitete am Donnerstag die beiden von den Nazis ermordeten Landarbeiter zu Grabe. Aus allen Teilen der Provinz waren mehr als 10 000 Menschen in Eckern- f ö r d e versammelt, wo in dem demolierten«aal des Gewerkschaftshauses die aufgebahrten Leichen ruhten. Tie Ueberführung der«arge nach dem ÄK Kilometer entfernten Heimattirchhof war ein Triumphzug der Idee, für die die Ermordeten ihr Leben gelassen haben. Die Landarbeiter der Güter waren vollzählig der Parole des Landarbeiterverbandes gefolgt und gaben den Toten das Geleit. Diese Wirkung der bestialischen Bluttat dürften die Nazis kaum vorausgesehen haben. Or.ttes Opfer in Hagenow. Schwerin, 15. Zuli.(Eigenberichk.) Der bei der Demonstraiion in hagenow am lehien Sonntag von den Nazis durch einen Bauchschuß schwer verletzte ZOsährige Parteigenosse und Reichsbannerkamerad Friedrich h e i n ck e ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen, heincke ist Vater von zwei Kindern. Ein frecher Schwindel. Hamburg, 15. Juli.(Eigenbericht.) Die Lübecker Nazizeitung verbreitet die Behauptung, daß am Ausmarsch der Eisernen Front in hagenow am 10. Juli 40 ham- burger Polizeibeamte in Reichsbanneruniform teilgenomnren hätten, die auch auf Nationalsozialisten geschossen hätten. Ebenso hat der Nazigauleiter von Mecklenburg, h i l d e b r a n d, diese Behauptung telegraphisch an den Reichswehrminister von Schleicher weitergegeben. Es handelt sich hier um eine unglaublich freche Lüge. An dem Aufmarsch der Eisernen Front in hagenow waren Reichs- bannerleute aus Bergedorf beteiligt, unter denen sich nicht ein einziger Polizeibeamter befand. Der Zweck der Uebung ist affenbar, die Reichsregierung gegen die Hamburger Polizei scharf zu machen. Aus diesem Grunde ist der frech« Schwindel sabriziert worden. Die Verlustliste. Weitere 40 Verletzte am Donnerstag. Düren, 13. Juli. Am Donnerstagmittag kam es vor dem Arbeitsamt zu einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, in deren Verlauf auch mehrere Schüsse fielen. Zwei Kommunisten und zwei Nationalsozialisten wurden schwer verletzt. N ü r n b c r g, 13. Juli. In verschiedenen Straßen der Altstadt kam es zu Schießereien. Zwei Personen, darunter ein Kommunist, wurden schwer v e r- mundet. Hamburg, 13. Juli. Polizeistreifenwagen wurden am Donnerstag, nachts, mehrfach beschossen. Bei Durchsuchung der Wohnungen waren die Bewohner geflüchtet. Polizeibeamte wurden nicht verletzt. Altona, 13. Juli. Bei Zusammenstößen zwischen SA.-Leuten und Reichsbanner- icuten wurden vier Personen oerletzt, darunter zwei Rationalsozia- listen, die das Messer gezogen hatten. Skandal von Ohlau. 30 Ziepublikaner verhafiei, die Nazi-Banditen in Freiheit! Ohlav, IS. Juli.(Eigenbericht.) Die blutigen Zusammenstöße in Ohlau werden in der kommen- den Woche im Schnellgerichtsoerfahren vor der Großen Siros- kammer in Brieg zur Verhandlung kommen. Die Verhandlung gegen die bisher Verhafteten ist aus den 20. Juli anberaumt. Die erste amtliche Stellungnahme der Breslauer Regierungsbehörden ist frühestens Sonnabend zu erwarten. Die Ohlauer Polizeioerwaltun g hat es fertig ge- bracht, schon jetzt vor Beendigung der Ermittlungen, die ausschließ- lich von der Brcslauer Mordtommission sowie von dem politischen Dezernat der Brcslauer Regierung geführt werden, Mitteilungen zu veröffentlichen, deren einseitige Darstellung geradezu als Skan- dal bezeichnet werden muß. Für das Breslauer Naziblatt waren diese Mitteilungen der Ohlauer Polizeiverwaltung natürlich ein gefundenes Fressen. Das Blatt brachte die Mittellungen der Polizei unter der Uebevschrist„Mordschuid des Reichsbanners erwiesen". In dem Bericht der Polizeioerwaltung wird die Schuld an den fol- genschwercn Zusammenstößen auf die republikanische Bevölkerung geschoben. Ueber den Sturm der S.-A.- Leute auf die Wohnungen sozialistischer Funktionäre enthielt der Polizeibericht nichts Näheres. Zeugen aus den Reihen des Reichs- banners und der übrigen Arbeiterorganisationen wurden bisher noch nicht vernommen. Ein an Ort und Stelle weilendes Dorftandsmit- glied des Reichsbanners hat deshalb aus eigener Initiative in dieser Richtung Ermittlungen über den wirklichen Verlaus der Zusammen- stoße durchgeführt. Ihr Ergebnis wurde den Behörden zur Der- fügung gestellt. Die Zahl der Festgenommenen, die sämtlich dem Brieger Ge- richtsgefängnis zugeführt wurden, ist durch neue Verhaftungen auf etwa 30 gestiegen. Von den beteiligten SA.-Leuten wurde bisher niemand vechaftet. Die schuldigen hakenkreuzler lau- fen noch immer srei herum. Sie fühlen sich trotz ihrer viehi- scheu Bluttaten völlig sicher, und sie provozieren weiter. So wurde am Donnerstag Mittag am Ring in Ohlau von den Nazis ein neuer Uebersall auf eine Gruppe von Reichs- bannerleute n versucht. Zwei jüngere Arbeiter wurden nieder- geschlagen und mißhandelt. Als einer der Reichsbannerkameraden auf einer Polizeipfeife das Signal gab, ergriffen die Rowdys sosort die Flucht. Daß angesichts solcher Zustände die Erregung der Ar- beiterschaft ständig wächst, kann niemanden wundern. Schießerei in der Tresckowstraße. Sie Messerstecher aus der Grunewaldstraße entkommen. In der Tresckowstraße. im Norden Berlins, spielte sich in den gestrigen späten Abendstunden eine schwere Schießerei und Schlägerei zwischen S A.- L e u t e n und Kommunisten ab. Ein unbeteiligter Passant, der 20jährige Bäcker Fritz 3 acht) alte aus der wörther Straße, erlitt e'nen l eb en s. gefährlichen Bauchschuh. 3. wurde ins Lazaruskrankenhaus übergeführt, wo er bewußtlos darniederliegt. Der blutige Zwischenfall hatte die ganze Gegend in Aufruhr ver- setzt. Wiederholt gerieten die Gegner später aneinander und oie Polizei hatte Mühe, weiteres Blutvergießen zu verhindern. Ein 46 Jahre alter Kommunist Franz Beschke aus Moabit wurde von SA.-Leuten durch hiebe bewußtlos zu Boden geschlagen. Als einige Polizeibeamte hart bedrängt und durch Steinwürfe und geschleuderte Flaschen erheblich verletzt wurden, mußten einige Schreckschüsse abgegeben werden. Zwei Schupowachtmeister wurden ins Polizeikrankenhaus nach der Scharnhorststraße gebracht. In der vergangenen Nacht wurde eine Reihe von berüchtigten SA.» Lokalen von der Polizei durchsucht. Verschieden« Waisen wurden gefunden und beschlagnahmt. Oer niedergestochene Z�eichsbannermann. In der Grunewalostrahe wurde in der Nacht, wie bereits kurz mitgeteilt, der 33 Jahre alte Reichsbannermann Erich S. aus der Grunewaldstraße vor seinem Hause von IS SA.-Leuten überfallen und niedergestochen. Mit einem Lungen st ich wurde S. ins Schöneberger Krankenhaus gebracht, wo er bedenklich daniederliegt. Die hitlerstrolche entkamen, wie es heißt, durch das ungeschickte Verhalten einiger Polizeibeamten. Vom Polizeipräsidium ist be- reits eine Untersuchung eingeleimt worden. Insgesamt wurden in der letzten Nacht S8 Personen. meist Nationalsozialisten, zum kleineren Teil Kommu- nisten, von der Polizei j est g« n o m m e n. 35 Festgenommene bleiben im Polizeigewahrsam. Nazis für papen-Verordnung. Alles Ableugnen Hilst nichts! Schwerin, IS. Juli.(Eigenbericht.) Jni Mecklenburger Landtag kam es nach der Aussprache über die Regieruiigsertlörung zur Abstimmung über einen Antrag, der dem Nazi-Etaatsministeriuin ausgibt, sich für die sofortige Aufhebung der Notverordnung der Papen-Re- g i e r u n g zu verwenden. Die Nazis stimmten für die Beibehaltung der Notverordnung. Hitler gegen Naziplakat. Sie entlarven sich selbst! Das Naziplakat lugt: „Im herbst 1918 hat die Sozialdemokratie„ein großes. geordnetes Reich" übernommen. Hitler berichtet in„Mein Kampf" seitenlang über „Perfallszeichen im Borkriegsdeutschland": „Not und häufige Arbsitslosigteit begann ihr Spiel mit den Menschen... Das Geld wurde zum Gott, dem alles zu dienen und sich jeder zu beugen hatte."„Eine wahr- Haft schlimme Entartung setzte ein."(Seite 255— 256.) Hitler gibt zu,„wenn«in Volk den Weg nimmt, den wir ge- nommen haben— praktisch schon seit 30 oder 35 Jahren..."— also seit 1895—1900—„dann kann es nirgends anders hingelangen als dorthin, wo sich zur Zeit Deutschland befindet"(Hitlers Rede im Jndustricklub zu Düsseldorf vom 27. Januar 1932, Broschürenausgabe des Eher-Verlages, Seite 12.) Der Porteipapst Gotlsried Feder erklärt ausdrücklich, daß unser« heutige Lage zum erheblichen Teil aus mit der „Unfähigkeit, Trägheit, Eigensucht» Verschwendung«- sucht, Phantasterei, Bolksfremdheit und anderen gefährlichen Eigenheiten, die mit dem Namen... Wilhelm II. zusammenhängen". zu verdecken ist.(„Der deutsch« Staat", Seite 32.) Das Naziplokat:„Berstnlles ist hauptschuldig an unserer Not." Hitler aber:„Ich kann nicht sagen: Nach allgemeiner Aus- sassung ist der Friedensvertrag von Versailles die Ursache unseres Unglück s."(Hitlers Rede, Seite 5.) „Ter Friedensvertrag von Versailles ist selbst nur die Folgeerscheinung unserer langsamen geistigen Verwirrung und Verirrung." (Hitlers Rede, Seite 19.) Die Folge der geistigen Verwirrung unter Auwis unsähigem Bater! Klarer Beweis: Die Nazis glauben selbst nicht was sie schreiben? Niesenbrand in Antwerpen. Antwerpen. 15. Juli. In einem Holzlager im Hafen von Antwerpen ist an« Donnerstagabend ein riesiges Schadenfeuer ausgebrochen, das sich mit rasender Gcschwindigteil ausbreitete. Die Hasenfeuerwehr und sämtliche Feuerwehren der Antwerpener Bannmeile wurden alar- miert. Der Brand war bis vor Mitternacht noch nicht gelöscht. Die Arbeit der Feuerwehr mußte sich aus die Eindämmung des Brand- Herdes beschränken. Der durch das Feuer angerichtete Schaden ist unübersehbar. Nach den polizeilichen Feststellungen ist Brandstiftung anzunehmen. Für die Propagandadampserfahrl des Lezirksverband» Berlin der Sozialdemokratischen Partei am Sonnabend, dem 2Z.. um 13% llhr. nach Ziegenhals oder Müggelsee sind Karlen für Er- wachsen- zum Preise von SO Pf., für Erwerbslose und Kinder zum Preise von 40 Pf. im Zraoensekrelorlal. Lindenstr. 2. 2. Hof. 2 Tr.. zu haben. (Zhrenmänner! Verlogenes Gesindel— Wie wir unsere Fahne wiederholten Von„Vorwärts"-Lesern wird uns geschrieben: Als am Donnerstag abend die vielen, vielen Tausende von An- gehörigen der Eisernen Front nicht mehr in den Tennissälen Einlaß fanden, weil hier bereits vor Beginn der Veranstalwng alles über- füllt war, löste sich der Demonstrationszug am Fehrbelliner Plag auf und einige Genossen der 17. Abteilung gingen mit ihrem Parteibanner die Brandenburgische Straße entlang. Plög- lich stürzten aus der dortigen Nazikneipe zirka 50 bis 60 der braunen Pestleutc, schlugen unsere Genossen nieder, nahmen die Fahne fort und liefen in ihr Lokal zurück. Inzwischen Karten sich einige hundert Republikaner, die von dem Vorgang erfahren hatten, vor dem Lokal eingefunden. Es hätte unübersehbare Folgen gehabt, wenn die sich in begreiflicher Erregung befindliche Menge, die ihre Fahne wiederhaben wollte, nicht durch das Eingreisen der inzwischen vom Genossen Ernst Hildebrand herbeigerufenen Polizei, die in höchst anerkennenswerter Weise und mit größter Mühe und großem Takt vorging, beruhigt worden wäre. Es gelang dem Führer der Be- amten, Polizeimajor Becker, mit Hilfe von Hauptmann Müller und dem Genossen Hildebrand, erst mal die Massen vom Sturm auf die Nazihöhle abzubringen und dann, nach län- gerer Durchsuchung, die Fahne zu finden und sie unter dem Jubel der Hunderte, die draußen in bester Ordnung gewartet hatten, der Abteilung wiederzugeben. Der Führer der Naztstrolche hatte vorher dem Polizeioffizier sein Ehrenwort als Reserve- offizier gegeben und erklärt, die Fahne sei nicht im Hause, das sei«ine Lüge und Provokation der Reichsbannerleute. So find die Helden der Notverordnungsjacken. Erst in vielfacher Uebermacht unsere Genossen überfallen, dann alle» ableugnen und das Ehren- wort geben, daß sie wederden Ueberfall begangen noch die Fahne gestohlen hätten. Es muß in diesem Falle gesagt werden, daß sie dank dem korrekten Eingreifen der Polizeibeamten sehr bald der Lüge überführt und daß die Helden mal wieder entlarvt werden konnten. Etwas unverständlich ist uns, weshalb die vor der Nazikneipe stehenden Schupoposten nicht gleich verhindert haben, daß diese Dinge passierten, die— wenn nicht die Beamten� des Ueberfallkommandos so schnell zur Stelle ge- wesen wären, sehr schwere Folgen nach sich ziehen konnten. Es empfiehlt sich, daß die Polizei auf dieses Nazinest ein wachsames Auge hat, denn von dort werden immer wieder Ueberfälle auf Re- publikaner inszeniert. Die Fahne wurde danach unter dem Jubel der in der Straße stehenden Massen noch in die Tennishallen ge- bracht, wo sie während der Rede des Genossen Severing stürmisch begrüßt wurde. Das Telegramm an Hmdenburg. Sie Fafchistenpresse überschlägt sich vor Wut. München, IS. Juli. Zu dem Telegramm der sozialdemokratischen Führer Wels und Breitscheid an den Reichspräsidenten schreibt der„Völkische Beobachter", das Telegramm spreche so ungeheuerliche Beleidi- gungen der Reichsregierung aus, daß es einfach als die Selbst- ausgab« der Herren Papen und Gayl zu' betrachten wäre, wenn das Reichskabinett schweige und eine derart beispiellose Verdrehung der Tatsachen in einem Telegramm an den Reichspräsidenten ruhig hinnehmen würde. Das Toben der Faschistenpresse und ihres Börsen- anhanges beweist uns nur, daß jedes Wort in diesem Telegramm so getroffen hat, wie es treffen sollte. Darum inszenieren die Schuldigen, die in dem Telegramm an den Reichspräsidenten am Pranger stehen, eine neue Verbots- Hetze oder rufen, wie dies gestern die„Berliner Börsen- zeitung" tat, sogar nach dem Strafrichter. Maulkorb und Gitterfenster— das ist die politische Freiheit des Faschismus. Metter für verlin: Noch meist bewölkt, vereinzelt Regen, mäßige Wärme, westliche bis nördliche Winde. Martin Zickel. Der Berliner Theaterdirektor Dr. Martin Zickel ist gestern im Urban-Krankenhaus einem Leiden erlegen, das ihn schon lange vom Theater entfernt hatte. Er ist nur 56 Jahre alt geworden. Sein Nams ist mit der Geschichte der Berliner Theater in den letzten 30 Jahren eng verknüpft. Martin Zickel hatte unter Erich Schmidt in Berlin Germanistik studiert, aber es zog ihn von der Literatur zum Theater(ein Bruder von ihm war Schauspieler). Er stürzt sich um 1900 mit größter Reg- famkeit in alles, was ihn mir dem Theater In praktische Fühlung bringen kann. Als Mitglied des akademisch-literarischen Vereins tritt er in Holbergs„Politischem Kannegießer" auf. Er leitet Matineen und Sonderoeranstaltungen. Die große Woge des Natura- lismus ist vorllbergerauscht, die fixen jungen Leute wittern Morgen- luft und entdecken neue Namen und Richtungen. Zickel hat Glück, er darf im„Residenz-Theater" wie im„Neuen Theater" Wedekind, Maeterlinck, DÄnnunzio u. a. in Mittagsaufführungen spielen. Matkowsky, die Eyjoldt, Reinhardt sind seine Helfer. Schon kann er eine eigene„S e z e s s i o n s b ü h n e" ausmachen, in der Ibsen und Hamsun vorgeführt werden. Als die Epoche dieser neuen Ver- suche vorbei ist, rettet sich Zickel in das reguläre Theater. Im„L u st s p i e l h a u s" in der südlichen Friedrichstraße hat er mit„Hujarensieber" und„Familientag" die größlen Erfolge. Dann muß er insolge eines Skandalprozesses, der ihm das Recht entzieht, ein Theater zu führen, für Jahre aus dem Theaterleben verschwinden. Aber er setzt sich von neuem durch, bekommt neue Theater und die Gelder für neue Gründungen. Muh er das eine Theater schließen, so kann er doch bald ein anderes neu eröffnen. Immer mit der gleichen leichten Kost, dem Schwank und der Operette. Zickel ist der Typus des kunstverständigen, gebildeten Theater- Unternehmers, der mit literarischen Aspirationen beginnt und mit der Besriedigung de» ordinären Tageegeschmacks aufhört. Er ver- steht sein Geschäft durchaus und er würde auch anders können, wenn das andere ebensoviel Geld einbrächte. Mit dem Ausinken der Theaterkonjunktur und erst recht in der Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs wurde es für alle diese Leute immer schwerer, den ge- schäsllichen Erfolg zu erzwingen. Zickel, der eine Zeitlang drei Theater in seinen Händen vereinigt halle, ist schließlich froh, nur noch eine einzig« Pacht durchhalten zu können und rettet sich zum Schluß von dem lecken Theaterschiff auf die Filmplanke: er wird Produktionsches des deutschen Lichtspielsyndikats. Die Krankheit hat seiner weiteren Laufbahn ein vorzeitiges Ende bereitet. Llnsicherheit des Berliner Tsieaterlebens. Für eine große Reihe von Berliner Bühnen herrscht zur�Zeit noch eine vollkommene Unsicherheit für die kommende Winter-Spiel- zeit. Außer bei den beiden staatlichen Theatern und der Städtischen Oper in Charlottenburg ist nur für eine geringe Zahl der Bertiner Bühnen der neue Wint«r-Spielplan gesichert. Von oen Reinhardt- Bühnen steht bisher das Programm für das unter Leitung der Direktion Dr. Beer-Martin geführte Deutsche Theater und der Kammerspiele fest, während die Pläne sür das Große Schauspiel- haus und das Berliner Theater noch nicht bekannt sind. Sichere Faktoren des Berliner Theaterlebens sind die Volksbühne am Bülowplatz und das Schillertheater in Charlottenburg, während sich um die llebernahme der Krolloper als Pachl Hermann Haller be- müht. Auch das Metropoltheater und eine Anzahl kleinerer Ber- liner Bühnen werden in der kommenden Spielzeit ihre Tore öffnen. Dagegen liegen die Verhältnisse des Theaters am Kurfürstendamm und der Komödie, ebenso des Renaissancetheaters und des Deutschen Künslle?th«aters noch keineswegs klar. Ebenso ist das Schicksal des Theaters am Nollendorfplatz und des Theaters in der Stresemann- straße noch in der Schwebe.__ Eine internationale Spinoza-Woche im Haag. Zur Feier des drei- hundertsten Geburtstages Spinozas wird die Spinoza-Gesellschaft vom 5. bis 10. September im Haag eine Spinoza-Woche in der Form eines Philosophen-Kongresses veranstalten. Die Eröffnung wird am Abend des 5. September in dem historischen Rolzaal statthaben, In dem im 17. Jahrhundert das Verbot der Schriften Spinozas aus- gesprochen worden ist. Die Verhandlungen der Spinoza-Woche, die im Spinoza-Haus im Haag stallfinden werden, sollen nicht historisch orientiert sein: es sollen in ihr außer dem Problem der Interpretation des Spinozismus die Frage des Verhältnisses von Physik und Meto- phnstk und von Religion und Philosophie behandelt werden. Als Redner sind u. a. gemeldet Frederick Pollock-London, Leon Brun» schvicg-Paris, Josö Orteaa y Gasset-Madrid, George Santayana, Stephan S. Wife-New Pork, Pater v. Dunin-Borkowski S. I.- Koblenz, Ferdinand Tönnies-Kiel, Carl Gelchardt-Frankfurt u. a. Anmeldungen sind an den deutschen Kurator der Gesllschaft, Dr. Carl Gebhardt, Frankfurt a. M., Aus dem Mühlberg 14, zu richten. Der Reichepräsident beglückwünscht Ludwig Fulda. Reichs- Präsident von Hindenburg hat dem Dichter Ludwig Fulda anläßlich seines 70. Geburtstages seine Glückwünsch« übermittelt und ihm die Goethe-Medaille für Wissenschaft und Kunst verliehen. Villigere Konzertkarten. Bei der 11. Jahresversammlung des Verbandes der deutschen Konzeri-Direktionen. die in Berlin statt- fand, wurde einstimmig«ine Resolution angenommen, daß der Verband mit allen Mitteln einen Abbau der Stargagen wünscht. Dadurch würden sich wiederum billigere Preise für die Konzerte ergeben. Es wird angenommen, daß auch die prominenten aus- länoischsn Künstler einem Abbau ihr«r Gagen zustimmen werden. Preissturz auf den südafrikanischen Frauenmärkten. Die Wirt- schajtstrise hat auch die Eingeborenen der südafrikanischen Union nicht verschont. Der allgemeine Preissturz hat sich dort in der un- gewöhnlichen Form ausgewirkt, daß der Handelsartikel, der die empfindlichst« Entwertung erfahren hat, die Frauen sind, die bei den dortigen Eingeborenen wie jede andere Ware gehandelt werden. Legt man der Berechnung die Tagespreise für Rindvieh zugrunde, das ja den ganzen Reichtum der Eingeborenen darstellt, so ist fest- zustellen, daß sich der Wert der Frauen durchschnittlich um mehr als 60 Proz, vermindert hat. Noch bis vor kurzem galten die Frauen als die beste Kapitalanlage und stellten im Haushalt einer Familie einen wertvollen Aktivposten dar, denn sie erbrachten dem Mann in ihrer Arbeiteleistung einen Zinsertrag, der, gemessen an dem in- vestierten Kapital, eine höhere Rente abwarf als jede andere Anlage. Heute ist es damit vorbei. Aus einem Aktivposten ist die Frau in der Bilanz ein untragbares Pafsivum geworden, da« die Männer um jeden Preis tilgen wallen, so daß sie die Frauen zu Schleuderpreisen zum Berkauf anbieten. So kann man eine Frau hervorragender Qualität, d. h. jung, gesund, schön(nach dem Geschmack der Ein- geborenen, und geschickt zu jeder Arbeit, die noch unberührt ist, heute gut und gern für rund 250 Mark im Austausch sür Rinder im gleichen Werte erstehen. Für ein« Frau aus zweiter Hand, mittleren Wertes und mit einer„Vergangenheit" wird niemand mehr als 3 Rinder hergeben, deren Wert sich nach dem gegenwärtigen Preisstand auf rund 75 Mark beläuft. 110 Millionen Schaden durch Heuschrecken in fünf Zahren. Welch ungeheure Verluste durch die Heuschreckeneinsälle d«r letzten fünf Jahre in Afrika und Westasien hervorgerufen wurden, zeigen die Zahlen, die in dem 4. Bericht der britischen Kommission sür die Heuschreckenkontroll« veröffentlicht werden. Nach oen Berechnungen beläuft sich der Schaden, der auf den Feldern durch diese gefräßigen Insekten von 1927 bis 1931 verursacht wurde, auf mehr als 6 Mil- lionen Pfund, also über 90 Millionen Mark. Die Ausgaben, die in derselben Zeit zur Bekämpfung der Plag« gemacht wurden, wer- den auf 1% Millionen Pfund, also auf über 15 Millionen Mark veranschlagt. Im ganzen beziffert sich der Schaden in den letzten fünf Jahren aus gegen 110 Millionen Mark. Edisons Haus erhält Telephon. Jetzt, nach dem Tode des großen Erfinders Edison, wird sein Haus zum erstenmal mit einer modernen Einrichtung ausgestattet, die gerade dem amerikanischen Erfinder die meisten Verbesserungen verdankt, nämlich mit einem � Fernsprecher. Solange Edison lebte, duldete er diese Teufels- eriindung, wie er sie lächelnd nannte, nicht in seinen Häusern. Ueberall, wo er wohnte, konnte er nur durch die Post oder durch Boten erreicht werden, denn er wollte durch das„ewige Gebimmel" nicht gestört werden. Er hat erklärt, daß er nach seiner Berechnung am Tage mindestens lOOOOmal angerufen werden würde. Seine Laboratorien und Fabriken waren selbstverständlich mit Fern- sprechern ausgerüstet, aber es war fast unmöglich, den alten Edison persönlich ani Telephon zu sprechen. Er sagte stets:„Ich habe Zeit, alle Wünsche brieflich zu erfahren, und die Leute, die etwas von mir wollen, werden wohl auch soviel Zeit haben." Kommend« Urausfllhruagen. Zum 60. Geburtktag Leonhard Franks wird von ihm„Hufnägel" in den Kammerspielen mit Margarete Melzer zur Urauffübrung gelangen.— Das neue Schauspiel Bruno Franks„Der General und dag Gold" wird in der Jnszenie- rung Max Reinhardts mit Albert Bassermann in der Hauptrolle im Deutschen Theater uraufgeführt werden.—„Kolonne Immer- oi ü n", Komödie von Hans B r e n n e r t, ist die Erössnungspremieie am Theater am Schifsbauerdauim. Dieselbe Bühne bringt unter der Regie von Rehsisch das Marinestück„11. L. 1 1 6" zur Erstausführung. MKMMH WWW» im S&eichen der Siiernen &ront Hillen: Die Jugend im Ulafienauimarich -- VT---» v':': 3)er berliner Welten Oben: ßlick in den überSilll- len Teriammlunga- faah in dem Wels und Setering seu den Vlafien iprachen Linien: Zrauengruppe mil den drei 3>ieilen Enilassung iroh Arbeiisüberlastung. Tohuwabohu bei der Bau- und Finanzdirektion� Angestelltenabbau aus Sparsamkeitsgründen ist die Parole auch bei der Preußischen Bau- und Finanz- direktion. Jedem mittleren Beamten soll nur ein Angestellter beigegeben werden. Deshalb wurde der im maschinentechnischen Dezernat beschäftigte Techniker B., ein 41 Zahre aller Familienvater. gekündigt und der 25jährige ledige Techniker Sp. in seiner Stellung belassen. Der A n g e st e l l t e n r a t hat den Einspruch gegen die Kündi- gung gebilligt und klagte beim Arbeitsgericht. Eine Weiterbeschäfti- gung des Gekündigten kommt nicht in Frage, erklärte kategorisch der Vertreter der Beklagten. Warum nicht der ledige junge Mann, sondern der ältere Familienvater entlassen werden soll, das be- gründete der als Zeuge vernommene Regierungsdirektor D. mit mangelhafter Zuverlässigkeit und gelegentlichen Unregelmäßigkeiten im Dienst des Gekündigten. Doch, was der Re- gierungsdirektor sagte, das weiß er nicht aus eigener Kenntnis, sondern er hat es aus Meldungen erfahren, die ihm von anderer Seite zugetragen worden sind. Warum diese Meldungen unter Umgehung des näch- sten Vorgesetzten des Gekündigten, des Regierungs- und Bau- rats S., dem Regierungsdirektor gemacht worden sind, fragte der Vertreter des Klägers. Regierungsdirektor D. antwortete, Herr S. habe sich immer vor den Gekündigten gestellt, wenn gegen diesen etwas vorgelegen habe. Regierungs- und Bau rat S. bezeichnete als Zeuge den Gekündigten als einen sehr tüchtigen und zuverlässigen Ange- stellten, der an Arbeitsleistung und Kenntnissen dem nicht gekün- digten Sch. weit überlegen sei. Dem Zeugen wurde vorgehalten, daß der Gekündigte öfter Arbeiten, die ihm übertragen waren, nicht erledigt habe. Der Zeuge erklärte darauf, sein Dezernat sei so mit Arbeiten überlastet, daß der Gekündigte, obgleich er manchmal am Sonntag dienstliche Arbeiten zu hause gemacht habe, beim besten Willen nicht alles schaffen konnte. Auf die Frage des Borsitzenden, wie es denn werden wird, wenn der tüchtige Angestellte gehen muß und der minder tüchtige bleibt, antwortete der Zeuge, das werde ein Tohuwabohu werden. Auf jeden Fall könne mehr Arbeit geleistet werden, wenn der gekündigte B. bleibe und der Angestellte Sp. gehe. Trotzdem blieb der Vertreter des Beklagten dabei, daß der Gekündigte nicht weiter beschäftigt werde. Der Kläger deutete an, daß er das Opfer eines Beamten sei, der gegen ihn intrigiere, weil er, der Kläger, in einem Disziplinarprozeß gegen den betreffenden Beamten aus- gesagt habe. Das Gericht kam, gestützt auf die Aussage des Regierungs- und Baurats S. zu dem Urteil, daß der Einspruch gegen die Kündigung begründet und der Gekündigle entweder weiterzubeschäf- tigen oder mit 700 ZNark zu entschädigen ist. Die Festsetzung dieses Betrages, der die Hälfte dessen darstellt, was dem Gekündigten nach dem BRG. als Höchstsatz zustehen würde, begründete das Ge- rieht damit, daß sich der Gekündigte einige Verstöße geoen dienst- liche Vorschriften habe zuschulden kommen lassen. Ausklang bei Bergmann, Geestraße. „Revolutionäre" Hochburg gefallen. In der gut besuchten Betriebsversammlung bei Bergmann, S e e st r a ß e, in den Pharussälen berichtete der Arbeiterratsvor- sitzende zunächst über die Verhandlungen mit der Direktion bezüglich der Stillegung und der eventuellen Absindungen. Genosse B r i n i tz e r referierte über die politische Lage und kam zu dem Schluß, alles daranzusetzen, um der Liste 1 am 31. Juli t einen überwältigenden Erfolg zu sichern. Die Arbeiter bei Berg- mann werden in den nächsten Tagen arbeitslos. Trotzdem gelang es den beiden kommunistischen Rednern nicht, sie in ihrer Treue zur Eisernen Front wankelmütig zu machen. Gegen vier Stimmen wurde eine Entschließung gefaßt, die von der KPD. verlangt, ihre Angriffe aus die SPD. und deren Führung einzustellen. Alle Kräfte müßten zusammengenommen werden, um den Faschismus erfolgreich zu schlagen. Landarbeitermangel? Ein Beispiel aus dem Musterländle. Als bekannt wurde, daß bei der großen Arbeitslosigkeit unter den deutschen Landarbeitern ausländische landwirtjchastliche Arbeitskräste nach Deutschland nicht mehr hereingelassen werden dllrsen, entrüsteten sich auch die badischen landwirtschaftlichen Unter- nehmer. Es entstehe ein„unerträglicher Arbeitermangel" in der Landwirtschaft, der zu einer beträchtlichen Gesährdung der Volksernährung sühren müsse. Der Protest war erfolglos. Run aber gingen die badischen landwirtschaftlichen Unternehmer dazu über, von den Arbeitsvermitt- lungsbehörden im stärksten Maße die Besorgung eines entsprechen- den Ersatzes zu verlangen. Sie bedienten sich dabei derselben Arg»- mente, wie bei den Kämpfen für die Hereinlassung der ausländischen landwirtschaftlichen Arbeitskräste. Die Arbeitsoermittlungsbehörden kamen den badischen landwirtschaftlichen Unternehmern entgegen, in- dem sie eine erhebliche Zahl deutscher landwirtschaftlicher Arbeiter aus Obekschlesien und aus der Rhön anwarben. Wie es mit den Behauptungen der badischen landwirtschaftlichen Unternehmer steht, beweist ein Handzettel, den das Arbeitsamt Mannheim anläßlich der Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschast vom 30. Mai bis 6. Juni in Mannheim an die Landwirte verteilen ließ. Der Handzettel lautet: Beim Aachweis für Landwirtschaft und Gärtnerei warten aus ihren Abruf: 10 Gutsbeamte und Volontäre; 20 Obermelker(verheiratet): 30 Melker(ledig),(Vollhand-, Daumen- und Maschinenmelker); 10 Untermelker: 10 Viehsütterer; 20 Pferdeknechte; 70 Landwirt- schaftliche Arbeiter(davon 20, die melken können): 10 Schweine- fütterer; 500 Saisonarbeiter: 120 Hütejungen; 60 landwirtschast- liche Arbeiterinnen; 55 Gärtner für Landschaft und Baumschule; 60 Gärtner sür Topspslanzen und Gemüse; 25 Friedhofsgärtner; 10 herrjchaftsgärtner. Es bieten sich also bei einem Arbeitsamt über 1000 geschulte landwirtschaftliche Arbeitskräfte an. Den Landherren sind diese Arbeitskräste offenbar zu teuer; sie wollen billigere, noch billigere Arbeiter. Die Auhe unier den Arbeiislosen. Man soll sich nicht darauf verlassen. Auf der Tagung der„Internationalen Konferenz für soziale Arbeit" in Franksurl a. M., eine Angelegenheit mehr oder minder einsichtiger und sozial eingestellter Bürgerlichen, vertrat Dr. M e- m e l s d o r f f, Beigeordneter des Deutschen Städtetages, die Auf- fasiung, bevor öffentliche Mittel eingesetzt werden könnten, müsse die Familie Helsen. Die Familienhilfe habe vor der Kollektivhilse einzutreten. So kann nur reden, wer keine Ahnung davon hat, wie es in den Fa- mitten der Arbeitslosen aussieht. In der Aussprache nahm auch der Generalsekretär der Konse- renz, Prost Dr. P;o ltn-gk e i t- Frankfurt a. M:, das Wort. Er warnte davor, die Verhältnisse in Deutschland nach Aeuherlich- keiten zu betrachten. Man habe die Rot durch die Unterstützung ösfentlich unsichtbar gemacht. Die Durchschnittsunterstützung betrage heute für eine Partei (zum Haushalt des Arbeitslosen gehörende Personen) 42,50 M.; davon seien Miete. Nahrung und Kleidung für durchschnittlich zwei Personen zu zahlen. Lange könne man es nichk mehr verantworten, daß Millionen Volksgenossen aus diesem Existenzminimum blieben. ... Man könne sich aus die Ruhe, die heute in den Reihen der Arbeitslosen noch herrsche, nicht oerlassen, und nichts fei so gesährlich wie die Haltung verschiedener Politiker und Iinanzminister, die aus dieser Ruhe den Schluß zögen, daß die Belastung noch erträglich sei. Die Lösung müsse auf wirtschaftspolitischem Gebiet gesucht werden, und zwar national und international. Schülerbesuch aus Frankreich, heute, Freitag, den 15. Juli, 18.15 Uhr trifft auf dem Bahnhof Friedrichstraße� ein großer Transport von französischen Lehrern und Lehrerinnen sowie Schülern und Schülerinnen ein, die der französische Staat zur Teilnahme an den deutsch- französischen Auslandsferien schulen der Stadt Berlin nach hier entsandte. Vertreter' der Stadt Berlin und der französischen Botschast werden zur Begrüßung anwesend sein. Das Bezirkswahlamt Prenzlauer Berg befindet sich Danziger Straße 64, parterre, Zimmer 2. Der„Kameradschafr-Zilm läuft wieder. In der.Kamera" Unter den Linden 14, läuft ab Freitag, 14. Juli, wieder der große Film„Kameradschaft", das Heldenepos für deutsch-französische Verständigung. Beginn der Vorstellungen 17, 19, 21 Uhr. Sommerpreise ab 80 Pf. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Lcrantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin: Anzeigen: Ti). ßlode, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag E. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- drnckerei und Verlagsanstalt Paul Einger& Co.. Berlin SW 6L. Lindenstr. 2. Hierzu> Beilage. PLAZA 5 u.B16. Stgs.2,5,B16U. HEUTE letzter Tag! Eirnuaizertraum Rose- Theater jnBe Frankfurter SlrsSe lZ! Iii. Weidiul E 1 3*22 6 und 9 Uhr Die eiserne lunäfran GartenbUhne 5 Uhr Konzert u. Variete Drei arme kleine Mädels Kapelle Beres Tanz-Konzert Nachmitt. u. abendi Zimmer 1 Bett v. 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W. ab 5 Uhr, S, ab 3 Uhr Tarmstraße 12 Wilsnacker Str. 63. Es Mar einmal ein Walzer mit .Hartha Egsrerth, Rolf v. Goth Für Jugendliche freigegeben! W. 5. 7. 9 Uhr, S. 3. 5, 7, 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passage) Razzia in St. Pauli mit f»ina Falkenberg:, Wolfgang Zilzer — Fünf von der Jazzband mit Jenny Jugo Den ganzen Tag geöffnet. S. ab 3 Uhr D Unter Charlottenburg W German ia-Palast Charlottenburg, Wilmersdorfer Str 53/54 Wochent. ab 5 Uhr, Sonnt, ab 3 Uhr Der Andere mit Fritz Kortner, Heinr. George. K. v. Nagy— Er und sein Tippfräulein mit Weiss Ferdl Kant-Lichtspiele Kantstr 54(an der Wilmersdorfer Str.) Neuaufführung! Ihre Majestät die Lieb© mit Käthe von Xagy, Franz Lederer W. 5, 7. 9 Uhr, S. 3. 5, 7. 9 Uhr Schlüter-Theater fei\T<3 u. Schlüters tr. 17. Sonnt. 3 ü.: Jgd.-V. Ein toller Einfall mit Willy Forst— �lein Freund, der tfillionär mit Thimig Moabit Arfnehnf Wochent. ab 6 Uhr tliluollül Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 2 Tonfilme: Zwei himmelblaue Augen mit Charlotte Ander— Da» alte Lied mit Dagover Q Südosten> Luisen- Theater aa£"u. Reichen berger Str. 34. Schmeling— Sharkry Der Original-Tonfilm-Bericht �lax Hansen i. d. Tonfilmoperette Einmal mächt ich keine Sorgen haben Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast � 6ab 5Uu. Köpenicker Straße 12—14 Tom Mix in seinem ersten Tonfilm: Tom rechnet ab Hans Adalbert von Schlcttow in dem lustigen Tonfilm: Der tolle Bamberg (Des Rheinlands lustigster Kürassier) Jugendliche haben Zutritt Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beg 5. letzte 9 U. Boxkampf Schmeling-Sharkey — Aus einer kleinen Residenz mit L. Englisch U Neukölln"b Primus-Palast sonn�Vs u9 Am Hermannplalz, Urbanstr 72/76. Di© Flucht von der Teufelsinsel m. Ronald Colman, Louis Wolheim— Hinter Schloß und Riegel mit Dick u. Dof Treptow Treptow-Sternwarte Sonnabend 8, Sonntag 4. 6, 8 Uhr Das schöne Schwabenland Ein Heimalfilm von H. Schonger. > Osten U Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochent. ab 6.39. Sonnt, ab 5 Uhr Grußtonfilm: Ramon\ovarro spricht deutsch in seinem ersten Tonfilm: Der Sänger von Sevilla Ferner Man braucht kein Geld Lustspiel mit Heinz Rühmann, Hans Moser Jugendliche haben Zutritt Luna-Palast lonniibsuhr Gr. Frankfurter Sir. 121. Ton woche Die 5 verfluchten Gentlemen mit Horn— Bühne: P»unk-Tanz- Ausstattungs-Rcvue Schwarzer Adler au«11» W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7, 9 Uhr 2 Großtonfilme: Frankenstein— Hallo. hallo, hier spricht Berlin! Viktoria-Theater � 3 u5 Frankfurter Allee 48 Nach dreimal. Verb, jetzt freigegeb.! Hasenklein kann nichts dafür mit Tiedtke, Beyers, Söneland Ferner: Das gewallige Tonfilmschauspiel: Das Ende der Welt Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70. W. 947, 9 Uhr. Stg 5. 7. 9 Uhr Hallo, hier spricht Berlin mit Lucie Englisch. Hörbiger— Reserve hat Ruh PROGRAMM für die Zeit vom 15. bis 18. Juli Friedrichsfelde Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 Tonwoch© Es war einmal ein Walzer mit M. Eggerth. P. Hörbiger, R. v. Goth. I. Wüst— Gr. Tonbeipr. Jugendliche haben Zutritt Nordosten 3 ,Elysium ** Prenzlauer ; Allee 56 Wochent ab 614 Uhr Sonnt, ab 4 Uhr Neuaufführ.! Lubitsch: Liebesparade mit Jeanette Macdonald — Bühne: Fünf Songs Flora-Lichtspiele Wocht. 5.45. ca. 7. 8.45. Slg. ab 3 Uhr Es geht um alles— Die Frau. von der man spricht mit Mady Christians Norden y| /As»«•«£«•./« Müllerstraße 136. Alnamöra Ecke Seestraße Wochent. ab 5 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr Es geht um alles mit Claire Rommer, Ernst Vcrbes, Luc. Albertini— Ein harmloser Fall mit Szöke Szakall U Pankow M Palast-Theater Breite Straße 21a. Wo. 7. 8.39 Uhr, Sonnt, ab 4.30 Uhr Weltmeisterschaftskampf Schmeling— Sharkey— Zwei himmelblaue Augen W Rcimckendorf-Ost D Beba-Licktspiele Residenzstr. 124 W 6.45 o. 8.45 Uhi So. 5. 7. 9 Uhr Slg 3 Uhr Jugend-V. 2 Großfilrae: Die Faschingsfee m Jansen. Szöke Szakall— Insel der Gestrandeten (Beilage Freitag, 15. Juli 1932 frrlftnril Sfta/fff/Stfa/b dül ItoiWash Der Friedhof der Havelkähne Bericht über einen untergehenden Stand** Von Kaliban Von Löwenberg, an der Nordbahn Berlin-Saßnitz gelegen, fährt die heftig bimmelnde Kleinbahn nur zwanzig Minuten bis Z e h d e n i ck, dem Heimatort der Havelschiffer. Elftausend Menschen leben in dieser märkischen Kleinstadt, umgeben von Feldern und Heidewald, in kleinen, einstöckigen Häusern, in der Stille eines ein- fachen Daseins, das der Großstadtmensch um seine Romantik be- neidet. Mit Unrecht! Das Leben schleicht zwar langsam und ge- räuschloser von einem Tag in den anderen, aber es ist nicht sorgen- freier denn hier in dieser kleinen Stadt, die dem oberflächlichen Betrachter ein Idyll vorzaubert, kämpfen Hunderte von Schiffer- familien einen furchtbaren Kampf um ihre Existenz. Und es scheint, als ob nichts den Untergang eines ganzen Standes, den der kleinen Schisfseigner, aufhalten könnte. Die lange Hauptstraße, die vom Bahnhof aus durch die Stadt läuft, hat ausfallend viele Geschäfte, aber ihre Auslagen find kümmerlich und gering, sie ähneln den Auslagen in den ärmlichsten Gegenden des Berliner Ostens und Nordens. Nach der Havel zu, alte hölzerne Zugbrücken führen über sie hin, bekommt die Stadt einen ländlichen Charakter. Neben zwei- und dreistöckigen Miet- Häusern sieht man Bauerngehöste, Gärtnereien. Hühner aus den Straßen, scharfer Viehgeruch dringt aus den Ställen. Dann ver- lieren sich die letzten Häuser in dem dürren Sandboden der Mark. In der Ferne steht schwarz der Wald. An der Havel liegt das Zehdenicker Schifferviertel. Straßen mit niedrigen Häusern, die noch Spuren ehemaligen Wohl- standes verraten. Diese Häuser hatten sonst um diese Zeit ver- schlossene Türen. Die Zehdenicker Schiffer luden im Frühjahr Haus- rat und Familie auf ihre Schiffe und oerließen die Stadt. Auf allen Strömen schwammen ihre schweren, ungefügen Holzkähne. Sie brachten Erze von Stettin nach Kasel, dem großen oberschlesischcn Umschlaghasen! dort luden sie Getreide ein. für Berlin bestimmt. Sie fuhren Kohlen hinaus nach Hamburg! Zement, Ziegelsteine und Bauholz stapelten sich in ihren Laderäumen. Erst im späten Herbst kehrten die Schiffer von ihren Reisen zurück nach Zehdenick. Im Winter besserten sie ihre Kähne aus und warteten, bis die ersten lauen Frühlingswinde die letzten dünnen Schneekrusten hin- wegschmolzen Im Winter feierten sie auch ihre Feste. Dann wurden draußen vor dem Tanzsaal die hohen Masten aufgestellt, und an den Masten hingen die kleinen Schisschen, die Wimpel und Fahnen, die Wahrzeichen der Schifserinnung. Das waren die guten Zeiten, von denen die Schiffer heute reden, wenn sie arbeitslos mit ihren Kähnen im fremden Hasen liegen.� Die.Schornsteine, die rings um die Stadt aufsteigen, gehören zu den-großen D a m p f z i e g e l e i e n." Die Tongruben und die Havel- schiffahrt geben den Zehdenicker Werktätigen Arbeit und Brot. Allein ein Drittel der Bevölkerung arbeitete in den Ziegeleien, von denen es vor dem Kriege in der Umgebung von Zehdenick nicht weniger als siebzig gab. Heute sind es nur noch die Hälfte. Noch in den letzten Jahren lebte jeder dritte Zehdenicker Schiffer davon, daß er den ganzen Sommer hindurch Ziegelsteine yach Berlin transportierte. Als in den vergangenen Jahren die Bautätigkeit einen ge- waltigen Aufschwung nahm, wuchs der Schiffspark rasch am eine Menge fremder Schiffer legten in Zehdenick an, die Ziegeleien selber hatten eine Flottille von über hundert Kähnen, und viele Schiffer vertauschten angesichts des guten Geschäftsganges ihre alten hölzernen Kähne mit modernen eisernen, die viel Geld kosteten und als schwimmende Hypothek ihre erste Fahrt antraten. Dann brach die Krise herein. Die Bautätigkeit kam ins Stocken. Die Ziegeleien entließen ihre Belegschaften und die Zahl der Frachten sank von Monat zu Monat. Heute stehen die Ziegelarbeiter vor dem Ar- beitsamt und die Schiffer hocken mittags im Appellraum der Transportgenossenschast, der Schisferbörse, und lauern aus eine Fracht. Die Havel entlang liegen ihre Kähne, Hunderte von Kähnen, man kann sich kaum eine Vorstellung machen, es ist e i n e i n z i g e r schwimmender Friedhof, den die Havel in ihrer ganzen Breite trägt. Und nicht nur in Zehdenick. in Burgwall und Zerpen- schleuse, in Lychen und Fürstenberg, in Grunewald und Gabelsdorf, in allen Dörfern längs der Havel und des Finowkanals liegen Kähne, schwere plumpe Kähne. Ueber die Hälfte des gesamten Schiffsraums ist überflüssig geworden und wird auch nie wieder gebraucht werden. Allein in Zehdenick warten 420 Kähne auf Ladung. Sie warten schon monatelang, manches ein ganzes Jahr. Sie liegen nebenein- ander und schaukeln leise im Wasser, und die kleinen roten und grünen Schleppdampfer, die sie einst gezogen haben, leisten ihnen trübsinnig Gesellschaft. Die Sonne trocknet die hölzernen Kähne aus, sie werden„spack", und die Schiffer haben zu tun, um das ein- dringende Wasser wieder herauszupumpen. Soweit sie sich es noch leisten können, reparieren sie wenigstens die gröbsten Schäden, sie ziehen den Kahn auf langen, eisernen Schienen an Land, winden ihn hoch und bessern die lecken Stellen am Schiffsboden aus. Aber die meisten können auch selbst die notwendigsten Reparaturen nicht mehr ausführen. An Zeit mangelt es nicht— aber an Geld. Sie müssen zusehen, wie ihr Kahn, ihr vermögen, langsam kaputt gehl. Viele der Kähne sind bewohnt, dann stehen in einem Kasten ein paar Blumen an Deck, ein Hund bellt, Kinderstimmen lärmen und Wäsche flattert im Winde. Die Gesichter der Männer auf den Kähnen sind vom Wetter braun gebeizt. Sie reden wenig und in einem unverständlichen Schifferplatt. Langsam zerkauen sie erst jedes Wort, ehe sie es aussprechen. Ost haben sie auch nur ein Achselzucken, eine schwerfällige Bewegung der Schulter, die olles sagt. In Gruppen stehen sie regungslos an de» Brücken und starren auf das Wasser oder sie sitzen mit ihren Söhnen auf deu Kähnen und hängen stundenlang die Angel ins Wasser. Aber die Havel ist fischarm, es dauert lange, ehe mgn eine Mahlzeit Fische zusammen hat. Die meisten Schiffer leben schon lange mit ihren Familien von den Unterstützungen, die ihnen das Wohlfahrtsamt auszahlt.„Wir essen", erzählt mir einer,„langsam unseren Kahn aus." Aber nicht die Wirtschaftskrise allein hat dieses Massenelend ver- schuldet. Die Entwicklung des Verkehrswesens in den letzten fünf- zehn Iahren hat der märkischen Binnenschiffahrt den schwersten Existenzkampf aufgezwungen. Mit den schweren Lastkrast- zügen der Ferntransportgesellschaften und den neuen Großraumwagen der Reichsbahn, die Massen- güter zu billigen Frachtsätzen befördert, sind ihr Konkurrenten er- wachsen, deren sie sich kaum erwehren kann. Daneben kämpfen die kleinen Schisfseigner verzweifelt gegen die großen Reede- reien, die mit ihren wirtschaftlicheren Motorkähnen die Massen- frachten an sich reißen. Die Frachtsätze haben deshalb ein so niedriges Niveau erreicht, daß an eine Rentabilität nicht mehr zu denken ist. Dennoch unterbieten sich die Schiffer gegenseitig, nur um eine Ladung zu bekommen. Noch vor nicht allzu langer Zeit betrug der Frachtsatz für das Tausend Ziegelsteine von Zehdenick bis Char- lottenburg 9,70 Mark— heute ist er aus 4,80 Mark gesunken. Da ein 200-Tonnen-Kahn bei 130 Zentimeter Tauchtiefe ungefähr S2 000 Steine faßt, beträgt die Fracht rund 2S0 Mark. Davon gehen aber allein 44 Mark Schleusenzölle, außerdem Provisionen, Ladung?- kosten, Löhne, Dampf- und Treidelgeld. Was dann noch von den 2S0 Mark übrigbleibt, soll für den Lebens- unterhalt von sechs bis acht Wochen reichen, denn solange dauert es, bis der Schiffer wieder eine neue Ladung be- kommt. Versicherungsprämien, Steuern und Hypothekenzinsen kann er schon längst nicht mehr aufbringen. Um die jahrelangen Rück- stände hereinzubekommen, lassen die Versicherungsgesell- s ch a s t e n einfach die Frachten pfänden. Die Schiffer sitzen in den fremden Häfen fest und geraten mit ihren Familien in die bitterste Not. Wenn sich die Zustände nicht ändern, so er- zählt man mir. werden im Frühjahr 70 Proz. der Kähne zur Zwangsversteigerung kommen. Das wäre der Ruin der meisten Schisferfamilien. Ein alter Schiffer forderte mich auf, mir seinen Kahn anzusehen. Es war ein moderner Eisenkahn, stabil und in tadellosem Zustand.„Er hat mich", sagt sein Eigentümer,„26 000 Mark gekostet. Wenn ich ihn jetzt verkaufen würde, brächte er höchstens 10 000 Mark. Das langt aber noch nicht einmal, um die Hypotheken zu löschen. Früher", fährt er fort,„haben wir im Jahr bis an die zwanzig Touren gemacht und heute werden es höchstens vier. Wie soll da unser Schifferstand noch bestehen können!" Mein Führer ist ein arbeitsloser Bootsmann. Er zeigt mir auf dem Markt das kleine Rathaus. Neben den drei Hökerinnen steht ein Wald von Fahrrädern. Sie gehören den Wohl- f a h r t s e r w e r b s l o s e n, die auf die Auszahlung ihrer Unter- stlltzung warten. Er zeigt mir die Schifferbörse, wo die Schiffs- eigner jeden Mittag um elf zusammen kommen und wo die ein- gegangenen Austräge verteilt werden. Geordnet nach dem Datum ihrer Ankunft sind die Schiffer in eine Liste eingetragen. Sie enthielt, wie ich mich selber überzeugen konnte, nicht weniger als 450 Namen, und an diesem Tage wurden zwei Frachten vergeben. Wir gingen dann weiter zum Arbeits- a m t der Stadt Zehdenick, einem kleinen Haus unter Bäumen, wo wir noch mehr arbeitslose Bootsleute trafen, die mit den Ziegel- arbeitern zusammenstanden und langsam und schwerfällig diskutierten. l�inev sagte mir. daß er vor drei Fahren noch 49 Wochen auf dem Schiff gearbeitet hätte, in diesem Fahr bisher aber nur 0 ganze Tage. Mein Führer selber war schon seit einem Jahre ohne Arbeit. Die Aussichten für Bootsleute seien trostlos, denn die Schiffseigner helfen sich gegenseitig! einer fährt bei dem anderen als Bootsmann mit. Er erzählte mir auch, daß die Nazi, die den Schiffseigner mit den plumpesten Versprechungen zu fangen versuchen, den arbeits- losen Bootsleuten Anzüge und Speckseiten versprechen, wenn sie der SA. beitreten. Trotz aller Verleumdungsscldzüge hatte die SPD. bei den Preußenwahlen die höchste Stimmenzahl in Zehdenick und Agitationskolonnen der Eisernen Front fuhren jeden Sonntag hin- aus auf die schwarzen Dörfer. Mit Speck fängt man Mäuse, aber keine Arbeiter, und auch die Vernünftigen unter den Schiffern sehen ein, daß ihnen die Regierung der Barone nicht helfen wird, und daß nur eine Besserung der weltwirtschaftlichen Lage ihrem Gewerbe einen neuen Auftrieb geben kann. Tie Notlage der Schiffer hat das Geschäfts- leben der Stadt lahmgelegt. Früher brachten die Schiffer Geld in die Stadt, wenn sie von ihren Reisen zurückkamen. Heute haben die Geschäftsleute und Gast- wirte allen Grund, über die schlechten Zeiten zu klagen. Die Schiffer- kneipen bleiben tagsüber leer und am Abend sitzen die Männer stundenlang bei einem kleinen Bier. Die vielen Schneide- mühlen liefern längst nicht mehr soviel Bohlen, Planken und Hölzer als früher. Die Treidelpferde, die in vergangenen Zeiten ihren Besitzern ein schönes Stück Geld einbrachten, mußten verkauft werden. Die Schiffer staken ihre Kähne oder warten auf günstigen Wind zum Segeln. Der Himmel hat sich mit grauen Wolken überzogen. An der Schleuse liegt ein Kahn mit einer Ladung Ziegelsteine. Aus der Kajüte des Schiffers dringt Rauch. Ein kleiner Spitz springt un- ruhig bellend hin und her. Der Schiffer stemmt die lange Stange an die Schulter, langsam gleitet der Kahn flußabwärts. Vorbei an den Kähnen, die am Ufer liegen und warten, warten. Die Schiffer sehen dem Kahn nach, ihre Gedanken sind unschwer zu erraten. Die Straßen der kleinen Stadt sind fast menschenleer. Große Regentropfen klatschen aus das holprige Pflaster. Die Türen der Läden gehen selten. Das Schicksal liegt hart auf der märkischen Schisferstadt, und viele Menschen in dieser Stadt haben verzweifelte, verbitterte Gesichter... Franz Lederer: Märkische Geschickt 611 Zehntausende wandern jetzt sonntäglich hinaus in die Mark, die auwehört hat als Streusandbüchse verschrien und verkannt zu sein. Was aber den Sonntagswanderern zumeist fehlt, obgleich es sie sehr interessieren würde, ist das Wissen um die vielen kleinen Geschichten und Anekdoten, die sich an einzelne Häuser. Klöster und Schlösser knüpfen, und die Tr. Franz Ledercr in seinem Wanderbuch„Schönes märkisches Land"(Germania-Buchverlag, Berlin) wiedergibt. wt. Der Flöz st ein in Buckow. Zweier Merkwürdigkeiten kann sich Buckow rühmen: des Flöz- steins und der Spukrüster. Am Ende der Straße erblicken wir einen stattlichen Felsblock, auf dem ein Adler mit geschwungenen Flügeln sich erhebt. Dies Denkmal wurde 1897 vom Kriegeroerein Buckow unter Benutzung eines schon vorhandenen Naturdenkmals gesetzt. Bis 1897 hatte der„F l ö z st e i n" seinen Platz aus einem Wege vor dem Dorf« und war für Buckows Dorfjugend der beliebteste Treffpunkt, weil sein breiter Rücken zu angenehmer Ruhe einlud. Ein alter schmerzvoller Brauch hatte dem Flözstein seinen merk- würdigen Namen gegeben. Die Großknechte Buckows hielten auf Zucht und Ordnung in ihrem Kreis. Kam ein ortsfremder Bursche nach Buckow, der sich wie ein„Flöz"(Flegel) benahm, dann ging man mit ihm eines Abends nach dem Flözstein. Sobald er Platz genommen hatte, richtete der Großknecht folgende Worte an ihn: „Det is unser Fleezsteen, hier wollen wi jou nu deen Fleez astrecken, deen kenn wi in unse Dörf nich brücken." Nun packten vier ältere Knechte den„Neuen" und stuften ihn mehrmals mit dem Gesäß auf den Flözstein. Damit war der Betreffende, der diese kräftige Mah- nung nicht so leicht vergoß, in die Knechtsgemeinschast aufgenommen. Die„S p u k r ü st e r" steht aus dem Feldweg, auf dem wir ge- kommen sind, auf der Grenze zwischen Mariendorf und Buckow, ein Riesenbaum von 6 Meter Umfang. Alle Spukgeschichten, die man sich im Dors erzählt, spielen an der Spukrüster! denn hier ist es nicht geheuer, und wer etwa nachts hier vorbeikommt, wundere sich nicht, Hunde mit glühenden Augen oder den Wachtmeister ohne Kopf zu sehen. Die von Hak es aus Klein-Machnow. In Machnow erinnern viele Grabsteine, Gedenktafeln, zerrissene Fahnen und altersmorsche Banner an die Familie der Hake, das älteste Adelsgeschlecht im Teltow. Die Hakes waren tapfere, schwertgewandte Männer, die bei keinem Kriege Brandenburgs jehlten und Ruhm und Ehre auf den Schlachtfeldern gewannen. Vier Hakes fielen allein in den Türken- kriegen(1680— 83). Am bekanntesten wurde der Nachwelt jener Hake von Stülpe, der dem Ablaßprediger Tetzel den Gotteskasten am Hohen Golm zwischen Jüterbog und Trebbin abnahm, nachdem er sich vorher einen Ablaßbrief für eine noch zu begehende Sünde ge- kauft hatte. Der geschichtlichen Nachprüfung hält diese Sage nicht stand. Sie erscheint bereits im 15. Jahrhundert in Italien. Tetzel starb bereits 1519, die Hakes erwarben das Dorf Stülpe jedoch erst 1537, eine Hake von Stülpe kann also für die Tat nicht in Frage kommen. Daß man gerade einem Hake diesen Streich andichtete, erklärt sich ohne weiteres. Die Hakes waren als ein streitbares Geschlecht im Lande bekannt. Die Berliner Chronik berichtet solgenden Fall: „Am 9. September 1637 obiit(starb) Johann Wedigen, Bürger- meister zu Cöllen an der Spree-- Als der seelige Bürgermeister den 8. September am Nachmittage aufs Rathaus gegangen, seine Amtsgeschäfte zu verrichten, ist bald darauf Herr Georg Hake zu Machenow unangegeben und ungefordert erschienen und hat ohne einige rechtmäßige Ursach bloß um einer geringen Schuld, so er vom Rathause aus der Contribution zu sordern, mit einem kurzen Hirschfänger ihm zwey Stiche zugesügt, 1. aufs der rechten Seite in den Unterleib, 2. aufs der rechten Seite im Bein hinein und hinten bey den dicken Lenden wieder hinaus. Den solgenden Tag ist er gestorben." Die Mönche von Klo st er Lehnin. Der erste Abt der Zisterzienser im Kloster Lehnin erlitt wie der erste Abt von Kloster Zinna den Märtyrertod, er wurde von den Wenden erschlagen. Die Geschichte von der Ermordung des Abtes entbehrt bei allem Ernst nicht des Komischen. Der Abt hatte in Begleitung eines Klosterbruders in der Umgegend das Evangelium gepredigt und befand sich auf dem Heimwege. Müde und abgespannt trafen die beiden Wanderer in dem nördlich des Klostersees gelegenen Dörfchen Nahmitz ein. Heiß brannte die Mittagssonne, die Männer waren beim Fischen, nur die Frauen und Kinder zu Hause. Der Abt trat- in ein Haus, um sich zu erfrischen.(?) Aber man hatte Angst vor dem gestrengen Herrn in der langen, weißen Kutte, und die Frau des Hauses kroch unter den Backtrog, der wohl nichts weiter als ein ausgehöhlter Baumstamm war. Nichtsahnend setzte sich der Abt auf den Backtrog: die Kinder aber eilten entsetzt davon und erzählten den Männern, in welcher Lage sie die Mutter verlassen hatten. Die Männer faßten die Lage offenbar falsch auf: die sonst so ruhigen Wenden ergriffen die Waffen und eilten der„bedrohten" Frau zu Hilse. Der Abt entfloh bei ihrem Herannahen in den nahen Wald und kletterte aus einen Baum, dessen dichtes Laubwerk ihn wohl verborgen hätte, wenn nicht sein Schlüsselbund beim Hinaufklettern heruntergefallen wäre. Der jüngere Klosterbruder hatte unterdessen die Brüder aus dem Kloster herbeigeholt, aber die ausgeregten Wenden kannten kein Erbarmen... Vom Koch zum Erzbischof. Eines Tages kam Kaiser Karl IV., der Llltzelburger, mit Ge- folge von der Jagd völlig unerwartet in Lehnin an. Der Kaiser hatte großen Hunger und der Abt nicht ein Pfund Fleisch im Hause. Aber Kagelwitt, der Kellermeister, wußte Rat. Die Schweine im Koben schlachtete er zwar nicht: die sollten den Brüdern über die lange Winterszeit hinweghelfen. Soviel galt ihm auch der Kaiser nicht. Aber er ging doch in den Stall und—— schnitt den grunzenden Tieren die langen Ohren ab. Die tat er dann mit reichlich viel Pfeffer in eine Erbssuppe hinein und servierte sie den vornehmen Herren. Die Suppe schmeckte vorzüglich, aber keiner wußte zuerst, was er aß, bis einer der Herren erklärte, es schmecke nach Schwein. Da fuhr der Abt aus: „Kagelwitt, hast du mir das getan?" Kagelwitt aber erklärte ruhig, es fehle keines. Man ging in die Schweineställe, und als man dann schließlich die Wahrheit erfuhr, da war ein Lachen und eine Lustigkeit, wie man selten gesehen. Kagelwitt aber war ein großer Erfinder; denn bis dahin hatte niemand in Deutschland gewußt, daß man die Schweineohren essen könne, sondern sie weg- geworfen. Seitdem aber ist Erbssuppe mit Schweinsohren ein Lieblingsgericht der Märker geworden. Der Kaiser fand soviel Ge- fallen an dem klugen Kellermeister, daß er ihn an seinen Hof zog und zum Erzbischof von Magdeburg machte... Rund um den Arbeitersport Berlin siegt im Tennis über Oesterreich mit 9: 5 Vas gestern weilergeführle Tressen der Tennismannschast des 17. österreichischen Kreises gegen eine kombinierte Mannschaft des 1. Kreises konnten die Berliner noch harten und schönen Spielen für sich entscheiden, während der erste Tag dieses Tenniskampfes mit Gleichstand 4: 4 geendet hatte, sielen am zweiten Tag von S ausgetragenen Spielen 4 nach Berlin. während die Oesterreicher nur eines für sich entscheiden konnte. Die Begegnung der Männer hatte für Oesterreich und Berlin je drei Punkte gebracht, die letzte Entscheidung lag also bei den Spielen der Frauen und den gemischten Doppelspielen. Diese Spielarten erbrachten die Ueberlegenheit und damit den Sieg Berlins. Das zweite Männer-Doppel: Doppler Hauben- wallner gegen Büttner, Fischer(Tennis Rot) fiel in einem langen Drei-Satz-Kampf nach Berlin. Frauen-Doppel: Bringmann Miarka und Kohler Müller(Tennis Rot) gegen Pirsch, Novack und Novack-Gruber blieb ebenfalls in Berlin. Bei den gemischten Doppelspielen blieben Kohler-Kohler(Tennis Rot) gegen Pirfch-Tenze erfolgreich. Siegreich blieben weiterhin Wünsch- Günther(FTGB.) über Haubenwallner-Rovack. Das dritte Doppelspiel wurde von dem Berliner Paar Roack-Compagnini an Gruber-Doppler nach einem Dreisatz abgegeben. Das Treffen brachte in seiner Gesamtheit folgende Timktverteilniiß: Männer-Einzel: Berlm 2 Punkte, Oesterreich 2 Punkte: Männer-Doppel: Berlin 1 Punkt, Oesterreich 1 Punkt: Frauen- Einzel: Berlin 2 Punkte, Oesterreich 1 Punkt: Frauen-Doppel: Berlin 2 Punkte, Oesterreich 0 Punkt: gemischte Doppel: Berlin 2 Punkte, Oesterreich 1 Punkt. Ein gemischtes Doppelspiel, in dem Berlin bereits den ersten Satz für sich entschieden hatte, mußte der Dunkelheit wegen abgebrochen werden. Im Gesamtergebnis blieb also Berlin mit S: 5 Punkten Sieger. Wie schon betont, spielen bei den Oesterreichern ganz besonders die Männer ein gutes und wirkungsvolles Tennis; sie werden immer ernste und harte Gegner darstellen. Die Frauen unterlagen dem ausgereiften Spiel der Berlinerinnen. Es steht auf jeden Fall fest, daß der 17. österreichische Kreis im Arbeitertennis zu den ersten Kreisen im Bunde gehört. Es war ein Treffen, getragen von bundesgenössischem Geiste, das allen Teilnehmern in steter Erinne- rung bleiben wird. Wiederum wurden durch den Arbeitersport zwischen Deutschen und Oesterreichern Bande geknüpft, die unzer- trennlich sein dürften. Gespielt wurde bei diesem wertvollen Treffen nur im langen Satz, damit einwandfrei die wirkliche Stärke der beiden Mannschaften festgestellt werden konnte. Der Sieg der Ber- liner war in jeder Hinsicht einwandfrei, auch die Punktverteilung wird der Spielstärkc der beiden Mannschaften gerecht. Auf dem Sportplatz in der Kynaststrahe in Lichtenberg (Bahnhof Stralau-Rummelsburg) tritt Lichtenberg II zum erstenmal mit einem Blitzturnier vor die Oeffentlichkeit. Es wirken mit: Freie Sportoereinigung Pankow, Freier Sportverein Lichtenberg I, Baumschulweger Sportverein 31 und Lichtenberg II. Die Kämpfe beginnen um IS.ZO Uhr. Vorher stehen sich noch ein- mal die zweiten Mannschaften von Lichtenberg I und II gegenüber. Das letzte Serisnspiel beider endete bekanntlich mit einem 1: l) Sieg der Zweiten. ArbeitertuHball am 17. Juli Wenn man dem Wettergott trauen darf, so dürste am k o m m e n- den Sonntag nicht mehr die tropische Hitze der legten Tage herrschen. Auch die Fußballserienspiele werden dann hoffentlich einen regulären Verlauf nehmen. Es ist ja allgemein bekannt, daß auch der beste Spieler in einer großen Hitze oersagen muß. Außer- dem treten die Mannschaften dann meist mit sehr starkem Ersatz an, der eine reelle Durchführung eines Kampfes unmöglich macht. An Serienspielen finden am Sonntag folgend« Kämpfe statt: Kagel gegen Eiche-Bohnsdorf. Wacker 30 gegen Herzfelde. Kaulsdorf gegen Hoppegarten. Eintracht-Spandau gegen Butab, »m Stadion Haksnfelde. Rowawes gegen Staaken. Kirchmöser gegen Ketzin. Schollene gegen Rathenow--Süd. Freiheit-Rathenow gegen Altbensdorf. Havekberg gegen Perleberg. Minerva 28 trifft im Nsulöllner Stadion, Plag 6, auf Friedenau. Volkssport Neukölln spielt auf Platz 7 des Stadions gegen Luckenwalde V. Luckenwalde II gegen Rot-Weih und Luckenwalde III gegen Brück in Luckenwalde, Hetzheide. Weitere Spiele: Werlsee gegen Weißense«. Muhlsdorf gegen Frohe Stunde. Zweit« Mannschaften: Werlsee gegen Weißen- see. Wacker 30 gegen Herzfelde. Mahlsdorf gegen Frohe Stunde. Nowawes gegen Staaten. Volkssport gegen Luckenwalde V. Luckenwalde gegen Köllmsche Heide. Minerva gegen Friedenau. Klausdorf gegen Trebbin. Luckenwalde III gegen Brück.— Juzend- mannschaften: Nowawes gegen Teltow. Eintracht-Reinickendorf gegen Borsigwalde. Rormannia gegen Schöneberg. Fortuna gegen Lichtenberg I. Hansa 31 gegen Drewitz. Minerva gegen Adler 08. Wilmersdorf gegen Staaken.— Schülermannschaften: Pankow gegen Zehdemck. Nowawes gegen Spandau. Elsthal gegen Saxonia. Cladow gegen Schöneberg. Fortuna gegen Lichtenberg 1. Hansa 31 gegen Werlfee. Wilmersdorf gegen Adler 08. Der Freie Fußballvcreia Deißcnsee teilt mit, dag seine Sitzungen jetzt immer Freitags im Heim des Arbeiterspartkartells Weitzensce, Rcnnbahnstratze, neben dem Haupteingang zur Dauerkolonie, stattsinden. Alle Anschriften gehen also an diese Adresse, oder an die Privatadressen der Funktionäre. Tele- phonisch sind die Weitzenseer nicht zu erreichen. Da die Futzballer zur kommenden Serie auch mit Schlll-rmannschasten spielen wollen, werden die Eltern gebeten, ihre Kinder Freitag», ab 1l> Uhr, dort anzumelden. Der Futzballvcrein Hansa ZI sucht zum kommenden Sonntag noch einen Gegner für zwei Männermannschasten auf eigenem Platz. Anrufe heute ab lg Uhr unter 0« Wedding ZZKä. �Vilmerselorts Fußballer auf Reisen Die Fußballabteilung der Freien Turnerschaft W i l m e r s- d o r f unternimmt eine große Fußballreise nach Sachsen und Mittel- deutschland. In 9 Tagen werden nicht weniger als 6 Spiele aus- getragen. Ist diese Zumutung an die Kräfte der Spieler nicht etwas zu viel? Am 16. wird gegen die Leipziger Sport- freunde gespielt; am 17. gegen Netschkau im Vogtland; am 19. gegen Union- Tribes; am 21. gegen Gera-Untermhaus: am 22. gegen Verein für Leibesübungen- Naumburg und zum Abschluß gegen eine Mannschaft in der Magdeburger Gegend, die aber noch nicht feststeht. Zu hoffen und wünschen ist nur, daß alle Spieler diese Reise glücklich überstehen und die Wil- mersdorfer den Berliner Arbeitersport würdig vertreten werden. Aefaäec-Hahdlkdl FTGB.-Oberspree 2 und FTGB.-Baumschulenweg treffen um 16.30 Uhr auf dem Platz„An der WuHlHei.de" 254 zusammen. Dabei hat Baumschulenweg die besseren Aussichten. Rehfelde fährt mit zwei Mannschaften zu Eiche-Köpenick, Wendenschloßstrahe und stellt sich dort um 15 und 16 Uhr der zweiten und dritten Eiche-Mann- schaft. Der FSV.-Kaulsdorf 2 wird um 15 Uhr von der FTGB.- Mitte 2 besucht und wird sich Mühe geben müssen, wenn er siegen will. Di« zwei Mannschaften des Sportklub 30 erwarten um 10 bzw. 11 Uhr den A TV.-Werlfee, Platz Schönhauser Allee. Die FTGB.-Rofenthal fährt zu 11 Uhr zur FT.-Hennigsdorf und wird dort nichts zu bestellen haben. In Buch spielen um 15 Uhr die FTGB.-Buch und FS.-Falkensee. Schönwalde— Friedrichsthal 2 um 16 Uhr in Schönwalde. MTV. Sputendorf— Berlin 12 um 15 Uhr in Sputendorf. FTGB.-Lankwitz— ATV.-Schenksndorf um 13 Uhr in Lankwitz. ATV.-Ruhlsdorf— SV. Möve um 6 Uhr in Ruhlsdorf. Spiele am Sonnabend In Rosenthal treffen um 19 Uhr FTGB.-Rofenthal und FT.- Bötzow zusammen. Die Spielerfahrung Rosenthals dürfte für den Sieg ausschlaggebend sein. Spannend werden die beiden Spiele auf dem Platz an der Schönhauser Allee verlaufen. Hier stehen sich uni 18 Uhr FTGB.-Nardring 3 und FTGB.-Mitte und um 19 Uhr FIGB.-Nordring 2 und ISB.-Kaulsdorf gegenüber. In beiden Spielen ist mit einem leichten Sieg der Gäste zu rechnen.— Volkssport Neukölln 4— FSV.-Fichte 3 um 19 Uhr Stadion Neukölln, Platz 4. Wasserball'Vorschau Heute, Freitag, gelangen zwei der letzten Serienspiele der laufenden Serie zum Austrag. Im Seebad Weißensee hat Volkssport die Mannschaft von Neukölln zu Gast und wird wenig Mühe haben, seine gute Tabellenposition zu stärken. Jin vereinseigenen Bad in der Grenzallee zu Neukölln tritt Möwe gegen die aufstrebenden Spandauer an und wird sich sehr bemühen müssen, wenn ein sicherer Sieg über diese Mannschaft zustande kommen soll. Beginn beider Spiele 9 Uhr. Tour de kranee Massenankunft nach der zweiten Pyrenäenetappe Fast 36 Stunden lang konnten sich die Teilnehmer an der Tour de France in Louchon von den bisherigen Strapazen ausruhen, aber für so manchen Fahrer genügte dieser Zeitraum noch nicht, um neue Kräfte zu sammeln. Im Morgengrauen des Donnerstag wurde in L u ch o n zum Aufbruch gerüstet, und um 5 Uhr fnih erfolgte der Start zur zweiten Pyrenäenetappe von Luchon nach Perpignan über 322 km. Das Wetter hatte sich erheblich gebessert, dafür war aber wieder der Weg um fast 100 km weiter als am Dienstag, auch waren vielmehr Steigungen zu über- winden. Den Fahrern blieb keine Zeit, die malerischen Schönheiten der Landschaft mit ihren bizarren Felsenformationen zu betrachten, mit zusammengebissenen Zähnen ging es bergauf, bergab, stunden- lang ohne nennenswerte Pausen. Eine kleine Kostprobe von den zu erwartenden Schwierigkeiten waren schon bald nach dem Start der Col des Ares(839 m) und der Col du Portet d'Espet(1074 m). Gegen Mittag hatte die Spitzengruppe die schwierigste Stelle dieser Etappe erreicht. Von L'Hospitalet(1141 m) aus erfolgte der steile Anstieg zum Col de Puymaurens(1931 m) der höchsten Erhebung dieses Abschnittes. Auf einer nur 10 km langen Strecke war hier eine Höhendifferenz von fast 800 m zu bewältigen. Steil ging es dann hinab zur Kontrolle Bourg-Madame und dann wieder hinaus zum Col Rigal(1622 m) und zum Col de la Perche(1579 m). Un- geheure Anforderungen wurden also auch auf dieser Etappe an die Akteure gestellt, und so manchen Fahrer sah man vollkommen er- schöpft am Straßenrande neben seinem Rade liegen. Trotzdem schloß das Gros des Feldes aber immer wieder zusammen, und nicht weniger als 20 Fahrer rüsteten in Perpignan nach einer Fahr- Zeit von nur 11:50:31, die um 42 Minuten schneller ist als die des Vorjahres, zum Endspurt. Nach kurzem Kampf ging der Belgier B o n d u e l als Sieger über das Zielband, dicht gefolgt von Andre L e d u c q und Kurt S t ö p e l, den beiden Ersten des Gesamt- klassements, die also auch auf dieser schweren Etappe ihre führende Position behaupten konnten. Vierter wurde Schepers vor Benoit Faure, die übrigen 15, unter denen sich auch von der deutschen Nationalmannschaft noch Max Bulla und der Dresdner Thierbach befanden, wurden gemeinsam auf den 6. Platz gesetzt. Wesentlich besser als bisher schnitt Sieronski ab, der mit 6 Minuten Verspätung als 23. einkam, die anderen Deutschen mußten Haupt- sächlich durch Defekte neuerliche Zeitverluste in Kauf nehmen. Zum Groden Prci« von Berlin Mit der Entscheidung des Großen Preises von Berlin am Sonntag auf der Grunewaldbahn erreicht die Galopprennsaison in der Reichshauptstadt ihren Höhepunkt. Die fortschreitende Ver- schlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage hat den Berliner Rennverein zu weiteren Sparmaßnahmen gezwungen, und so ist der„Große Preis" in diesem Jahre nur noch mit 35 000 Mark ausgestattet, nachdem noch 1929 der doppelte Betrag, in den Jahren 1930 und 1931 je 55 000 Mark gegeben wurden. Bedauerlicherweise fällt die Besetzung des großen Rennens quantitativ recht schmal aus, am 2600-Meter-Start sollen nur folgende fünf Pferde er- scheinen: Wolkenflug, 4jähr. Hengst, 61 Kilogr.(A. Sajdik): A o« n t i n, 3jähr. Hengst, 53 Kilogr.(W. Printen): L o r d N e l- son, 3jähr. Hengst, 53 Kilogr.(Rastenberger): Palastpage, 3jähr. Hengst. 53 Kilogr.(E. Haynes); Mio d'Arezzo, 3jähr. Hengst, 53 Kilogr.(E. Grabsch). Freie Ivasserfahrer Aufwärts. Zum Appell der Eisernen Front, am Dienstag, dem 19. Juli d. I., im Lustgarten, Treffpunkt der Sportlerhundertschaft 20 Reinickendorf 18.15 Uhr, Stral- sunder-, Ecke Swinemünder Straße. Teilnahme aller männlichen Dereinsmitglieder ist Pflicht. 20. Sartellbezirk Reinickendorf, Sportlerhundertfchaft. Zum Appell der Eisernen Front im Lu st garten, am Diens- tag. dem 19. Juli d. I., Treffpunkt der Hundertschaftsmitglieder zur Formierung 18.15 Uhr Stralsunder- Ecke Swinemünder Straße. Sportgenossen ohne Einteilung schließen sich der Hundertschaft an. Restloses Antreten aller männlichen Sportler ist Pflicht. Kleidung: möglichst Schiller-Hemd, ohne Jackett und Kopsbedeckung. Motorboot- Weltrekord versuche Nach den erfolglos verlaufenen Weltrekordversuchen auf dem Gardasee ist das neue, Lord Wakefield gehörige englische Motor- rennboot„Miß England III" noch einmal gründlich überHoll wor- den. Aus der Werft von Thorneycrost wurden neue Rolls-Royce- Motoren vom Schneider-Pokal-Typ in das Boot eingebaut, und schon in den nächsten Wochen will der bekannte englische Rennfahrer Kay Don mit der„Miß England III" auf dem Loch Lomond-See neue Weltrekordversuche unternehmen. Er hofft, diesmal bestimmt den im Februar d. I. von dem Amerikaner Commodore Gar Wood in Miami mit der„Miß America IX" mit 179,741 Stundenkilo- meter aufgestellten Weltrekord verbe>sern zu können. Gar Wood wiederum bringt zum Herbst seine Neukonstruktion„Miß Ame- rica X" heraus, mit der er die Harmsworth-Trophäe gegen die von Käye Don geführte„Miß England III" gewinnen will. duucUstceut[/eemte ieäeu ml: Stcie Wass-rsahrer Köpenick 1924. Unsere nächsten gemeinsamen Lager. sahrlen finden am 16. und IT. Juli nach der Alten Läcknitz; am 23. und 24. Juli nach dem Peetzsee statt. Sich uns anschließende gleichgesinnt- Boots'reunde sind herzlichst millkomme«. Donnerstag. 21. Juli, Vorstandssitzung. Freitag, 29. Juli, Monatssitzung. Beide 20 Udr im Bootshaus Köpenick, Friedrichs- Hagener Str. T. Einige Bootsstände sind noch frei. Anschrift: Hans Boche, Köpenick, Elienicker Str. 31. Asti-Britz. Mädchsn-Zehntage.Ferienfahrt. Treffpunkt Sonnabend, 13. Juli, bis 10.23 Uhr, Hufeifenhallc. Sperenbcrg. Teilnehmer: Gleicher Treffpunkt zur gleichen Zeit. Abmarsch: 10.35 Uhr. Ärbeitcriport in der Ausstellung. Alle Groß. Berliner Bundesvercine melden sofort die Zahl ihrer Teilnehmerinnen an den Vorführungen am Mittwoch, dem 20. Juli, an den Genossen K. Kofel, Berlin NO. 18, Lichtenberger Str. 3. Desgleichen sind für den 27. Juli die Teiinchmec— männliche und weibliche— an die angegebene Adresse zu melden. Arbeitcr-Nad- und Kraftfahrerbund Solidarität. Kraftfahrer. Touren für Sonntag, 17. Juli. Abt. Friedrichshain: Werbellinsce. Start: 3 Uhr Landsberger Platz.— Abt. Charlottenburg: Werlfee. Start: 7 Uhr Wilmersdorfer Str. 21.— Abt. Tempelhof. Mariendorf: Bundesmeifterfchaften in Halle. Start: 4 Uhr Kur» fürstcn. Ecke Schützcnstratze.— Abt. Pankow: Rahmersce. Start: 7 Uhr Kaiser- Friedrich. Ecke Trellcborger Straße. � Buch Ar. Bi un« SSorchardl; Schiffsheberverk lliederfinow Nicht allzuweit von Berlin, an der zwischen Eberswalde und Bad Freienwaide in der Mitte liegenden Bahnstation Niederfinow, geht ein Wunderwerk der modernen Technik seiner Vollendung entgegen, das Schiffshebewerk Niederfinow. Der Großschiffahrtsweg Berlin-Stettin, welcher den für den gesteigerten Verkehr nicht mehr ausreichenden Finowkanal ersetzen sollte, wurde nach fast achljährigern Bau Alffang 1914 in Betrieb genommen; bei Nieder- finow ermöglicht eine Schleusentreppe für die von der Oder kom- Menden Schisse den Aufftieg, für die in der umgekehrten Richtung fahrenden den Abstieg um 36 Meter. Aber der ständig fort- schreitende Verkehr machte einen zweiten Aufstieg bzw. Abstieg notwendig, für welchen nach Prüfung aller Verhältnisse ein Schiffshebewerk gewählt wurde, also ein riesiger Fahrstuhl, in welchem Lastschiffe in einem mit Wasser gefüllten Trog gehoben oder gesenkt werden sollen. Für die Schiffe bedeutet das auch eine wesemlichc Zeitersparnis: die Ueberwindung der Schleusentrepp« erfordert 2 Stunden, die des Hebewerkes nur 20 Minuten. Im Jahre 1925 wurde dieses Werk in Angriff genommen, dos für Kähne von 1000 Tonnen Ladefähigkeit ausreichen soll. Der mit Wasser gefüllte Trog nebst Schiff wiegt nicht weniger als 4200 Ton- neu. Bei diesen riesigen Ausmaßen wird das Werk nach seiner Fertigstellung, die gegen Schluß des Jahres 1933 vorgesehen ist, das bei weitem größte Schiffshebewerk der Welt sein. Die Bauleitung kommt dem Interesse der Bevölkerung an diesem für den Wasscrverkehr Berlin— Stettin hochbedeuffamen Werk sehr entgegen, sie hat einen besonderen Besichtigungsweg angelegt, auf dem man von einem kleinen Aussichtsturm zunächst einen Ueberblick über das gesamte Baugelände gewinnt, und auf der Baustelle selbst wird deni Besucher durch sachverständig« Darstellung das Gesehene verständlich gemacht. Auch hat die Bauleitung eine Druckschrift herausgegeben(Das Schiffshebewerk Niederfinow. Bearbeitet von Regierungsbaumeister Eberhard Fischer. Verlagsgesellschaft R. Müller, Eberswalde. 1932. 68 Seiten, mit 49 Abbildungen. Preis: brosch. 50 Pf.), in der einleitend die älteren Einrichtungen zum Heben und Senken von Schiffen beschrieben sind, dann eine kurze Geschichte der Kanalverbindungen zwischen Oder und Havel und der Vorläufer des Großschiffahrtsweges gegeben wird, weiter dieser selbst mit seinen Einrichtungen, und dann das großartige, seiner Vollendung nun bald entgegensehende Werk beschrieben wird. Unsere für die Technik aller Art sich so interessierende Jugend sollte bei Wanderungen in der Mark die Besichtigung dieses Wunder- werkes nicht versäumen, wofür die Lektüre des Heftchcns ein« gute Borbereitung sein kann. Rundfunk am Abend Freitag, den 15. Juli I93Z. Berlin. 16.03 Die Aussichten der deutschen Schwimm- u.v,uiwutcii. i/.oo nuueiis(l-i.-1 II/, u.oj Das neue Buch(Dr. K. Schroeder). 18.05 Im Lande der Wenden(A. v. Rhyn). 18.30 Die Rüstung der anderen(Major E. Mareks). 18.53 Die Funkstuude teilt mit. 19.00 Zum 70. Geburtstag von Ludwig Fulda(Dr. F. Faktor). 19.10 Konzert des Arbeiter- Maudolinenorchesters„Nowawes. 20.00 Aus Breslau: Geschichte des Flugzeuges(Lehrstück). 21.00 Tagesund Sportnachrichten. 21.10 Wegweiser ins Wochenende. 21.13 Orchesterkonzert. 22.15 Politisdie Zeitungsschau(Dr. J. Räuscher). Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Aus Magdeburg: Abeudkonzert. Königs Wusterhausen. 16.00 Frauentum der ger- manisdien Fruhzeit(Gerda v. Bremen). 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Der Inkastaat(Dr. J. Lewin). 18.00 Serenadenmusik. 1830 Binnenmarkt, Kaufkraft und Krise (Oberregierungsraf Dr. J. Tiburtius). 18.33 Wetterbericht. 19.00 Aktuelle Stunde. 19.15 Wissenschaft!. Vortrasr für Aerzte• 19.35 Ein weiteres Schuljahr als soziale Hilfsmall- nahme(O. Hefller). 20.00 Aus Köln:„Die Durchgängerin" Lustspiel von Ludwig Fulda). 21.30 Aus Köln: Russische Musik. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. 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