Abendausgabe Nr. 332 161 49. Jahrgang Wöchentlich 75 Pf., monatlich g.2« M. ldavon 87 Pf. monatlich für Zustel» lung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgs- bllhren. Auslandsabonnement 8,65 Sil. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto 4,68 M. * Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht lein Anspruch der Abonnenten aus Ersatz. Sonnabend 16. 3uti 1932 10 Pfennig Berliner Voltsvlatt ÄentLatorgan der Sszialdemosvatifchen Oartei Deutscht«» Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 �entspr.: Dönhoff fA 7) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin -_:-———————— Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 K3K.—Bankkonto:BanIderLrl>eiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.Diic..G«s.. Deposttenk.. Jerusalemer Str. KSiKK. Ilm Bluionfer im Reich Frank und Gnenng heizen nffen zum Bargerkrieg 21m 15. Juli erklärte der NSDAP.-Führer G o e r i n g im Berliner Sportpalast: „Kein SA.-Mann darf eine Waffe führen, sonst fliegt er aus der Partei." Ich sage euch:„Jetzt ist « ch l n ß damit! fToscnder Beifall.) Wenn unser Jührer Hitler in einigen Tagen auS Dstpreuften nach Berlin kommt, dann werde ich ihn mit anderen Führern bitten— und ich weiß, er wird diese Bitte er- füllen— daß dieser Befehl aufgehoben wird. Diese Bitte wird erfüllt werden. sMinutenlanger Beifall.) Gebt unS die«traße frei und in zweimal 24 Stunden wird das vlesindel verschwunden sein!" Offener kann die Aufforderung zu Mord und Totschlag nicht ausgesprochen werden. Für jeden von Nazibanditen ermordeten Arbeiter übernimmt in der Folge ch i t l e r p e r- jönlich die Verantwortung! Selbstverständlich, daß sich die Republikaner nicht wehrlos abschlachten lassen. Baron Gayl hört die Redeil Goerings und Franks nicht. Er wird aber vermutlich bald von weiteren Blutopfern hören, die auf das Konto der Hitler, Frank und Goering kommen! Auch Lahusen-Frank hehi. Braunschweig. 16. Zuli.(Eigenbericht.) Am Freitagabend hat der Verteidiger des Großschiebcrs Lahusen. Rechtsanwalt Frank II aus München, in Braunschweig eine blutrünstige Hetzrede gehalten.„W i r schreien es auch zum Himmel"— sagte er wörtlich. — daß wir mit dem Mordterror gegen unsere Parteigenossen ein Ende machen werden, daß wir nicht gewillt sind, auch nur noch einen einzigen Tag zuzusehen. Menn die Reichsregierung nicht imstande ist, binnen 24 Stunden in Deutschland die Ordnung zu garantieren, dann werden wir zur S e l b st h i l f e gegenüber dem Mordgesindel schreiten."— Zentrum und Sozialdemokratie müßten sich daran gewöhnen, daß aus deutschem Boden nur eine deutsche Bewegung marschieren könne, und daß kein Platz da sei für marxistische Untermenschen. Der Zentrumsführer Haas und der Minister Dr. Held seien besonders verantwortlich für die Mordtaten. Die kommende Regierung werde nationalsozialistisch sein oder es werde gar keine da sein. Zum Schluß sprach Frank wieder davon, daß„ein Gericht veranstaltet" werde, von dem man noch in tausend Jahren sprechen werde. Gtraßenschlacht in Halle. SA.-Vandilen zurückgeschlagen. Halle, 16. Juli.(Vigenbericht. Außer auf das Gewcrkschaftshaus wurde in der Nacht zum Sonnabend auch auf den kommunistischen„Klassen- kämpf" ein U eberfall versucht. Tie Nazis wurden auch hier abgewehrt. Sie erneuerten dann gegen 1�4 Uhr morgens nochmals den Ueberfall mit Radfahrern und Fußtruppen, wobei es abermals zu schweren «traßenkämpfen kam. Unbegreiflicherweise ließ die Polizei die Lastwage« der Nazis und ihre Besatzung unbehelligt. Auch an anderen Stellen der Stadt fanden die Nacht hindurch schwere Straßenkämpfe statt, wobei das Straßenpflaster aufgerissen und die Steine alS Wurfgeschosse benutzt wurden. In Wittenberg fand am Freitagabend eine vom Gewerkschaftskartell veranstaltete Kundgebung mit an- schließender Demonstration statt. Veranlaßt durch eine unverschämte Provokation der NaziS, die die Anweisung ihreS Führers Ritterbusch, die„Marxisten zu schlagen, wo sie sie treffe n", befolgten, kam eS gegen Schluß zu einem Zusammenstoß. Die Polizei schritt mit dem Gummiknüppel ein und machte schließlich auch von der Schußwaffe Gebrauch. Ein junger Ar» Sidisil euer Wahlrecht! Seht die Wählerlisten ein! Solange die Wählerlisten noch in den an Plakatsäulen bekanntgegebenen lokalen ausliegen, sollte niemand versäumen, seine Eintragung nachzuprüfen, da er sonst seine Wahlberechtigung verlieren kann. Zwar ist in den letzten Tagen die Zahl der Einsehenden stark angewachsen, aber es ist eine alte Erfahrung, daß immer noch viele die selbstverständliche Pflicht versäumen. In diesem Wahlkampf darf es aber keine Bequemlichkeit geben und deshalb nochmals: Prüft eure Eintragung gewissenhaft nach, zumal teilweise neue Listen angelegt wurden und deshalb leicht ein Irrtum möglich ist. heilet wurde durch einen Kopfschuß lebens- gefährlich und ein zweiter Arbeiter schwer verletzt. Eine Frau erlitt infolge der Aufregung einen Herz- schlag und fiel tot um. Wegelagerer. Die Kulturschande der Gegenwart. Koblenz, 16. Juli.(Eigenbericht.) Der Redakteur unseres Parteiblattes„Rheinische Warte", Ge- nasse Gundelsinger, wurde am Freitagnachmittag auf offener Straße von Nationalsozialisten überfallen. Der Anführer war der bekannte Stoßtruppführer Krämer aus Kob- lenz, der erst vor 14 Tagen mit seiner Meute auf den Verleger unseres Parteiblattes einen Ueberfall ausgeführt hatte. Gundel- finger erhielt von hinten einen Fußtritt und man versuchte ihn durch Beinstellen zu Fall zu bringen. Da dies mißlang, schlug Krämer ihm mit der Faust über den Kopf. Darauf setzte sich Gundelsinger zur Wehr und hielt die 36 Nazis mit einer Pistole in Schach. Auf dem Wege zum Polizeipräsidium wurde Gundelsinger von etwa 166 Nazis begleitet, die in Morddrohungen sich austobten. * Das Schnellgericht verurteilte oen Schriftleiter Hildebrand vom nationalsozialistischen„Koblenzer Nationalblatt" wegen übler Nachred« zu drei Monaten Gefängnis und zu den Kosten der Veröffentlichung des Urteils in zwei Koblenzer Zeitungen. Dem Prozeß lag folgender Vorgang zugrunde: Aus Anlaß der Anwesenheit des früheren Reichskanzlers Dr. Brüning am 3. Juli in Koblenz sollte den auswärtigen Gästen, insbesondere Dr. Brüning, Gelegenheit zur Besichtigung einer Rheinillumination auf dem staatlichen Regierungsdampfer„Preußen" gegeben werden. Etwa 25 eingeladene Gäste, die alle der Zentrumspartei angehörten, waren zu der Dampferfahrt erschienen, jedoch befand Dr. Brüning sich nicht unter ihnen. Unterwegs wurden den Gästen einfache Er- frischungen gereicht. Gleichwohl brachte das„Koblenzer National- blatt" über diese Veranstaltung einen längeren Aussatz mit der Ueberschrift:„Wüste Sauferei auf dem Regierungsdampfer Preußen", in dem die Rede von„schwankenden, ange- trunkenen Gestalten, torkelnden Zentrums- Konzen, Freifressen auf Staatskosten" usw. war. Wegen dieser Schilderung hatten von den Teilnehmern der Vorsitzende der Koblenzer Zentrumspartei, Oberregierungsrat Hillenbrand, Reichs- verkehrsminister a. D. von Guerard, Oberbürgermeister Dr. Rosen- thal und Polizeipräsident Dr. Biesten Strafanzeige wegen übler Nachrede und Verleumdung gestellt, worauf gestern das Urteil gefällt wurde. Zuchthäusler als SA-Führer. Unter den„Erneuerern" Deutschlands in der Hitler-Bewegung finden sich nicht nur„rauhe Kämpfer", sondern sogar r e g e l- rechte Räuberhauptleute. Im Januar dieses Jahres wurde in Neuwalde im Kreis Infterburg(Ostpreußen) das Ehepaar Saß von zwei Banditen überfallen und durch Bedrohung mit dem Re- volver gezwungen, seine Ersparnisse herauszugeben. Die Räuber blieben zunächst unentdeckt. Später wurden die„Arbeiter" Stroh- mann und Zimmermann aus Berschkallen wegen gemeinsamer schwerer Einbruchsdiebstähle im Rückfall zu lang- jährigen Zuchthausstrafen verurteilt. Die beiden haben auch den Ueberfall in Neuwalde ausgeführt. Das Gericht bejahte Verbrechen aus Neigung. Die beiden Verurteilten haben feit ihrer Jugend nur in Gefängnissen gearbeitet. Obwohl das allgemein bekannt war, wurden sie dennoch für würdig befunden, Ableilungssührer der SA. zu werdm! Hugenbergs Klage. Wehgeschrei über die nationalsozialistischen Vundesbrüder. hugenberg will gemeinsam mit den Nationalsozialisten„Ord- nung" in Deutschland schaffen. Inzwischen rufen seine Partei- genossen nach der Polizei, damit sie Ordnung gegen die Nazis schaffe, die hugenbergs Anhänger terrorisieren! Nicht nur die Polizei, auch die Kirche soll helfen! Die „Pommersche Tagespo st" erregt sich über nationalsozialisti- sche Todesanzeigen, in denen es heißt:„Sie sterben im festen Glauben an ihren Führer Adolf Hitler." Sie nennt dies„Feme vom christlichen Geist" und fordert das Einschreiten der— Ausgerechnet die hakenkreuzpa stören, die hugenberg hat heran, züchten helfen, sollen nun«inschreiten! Zum andern beklagt sich die„Pommersche Tagespost" über die Demagogie der Nazis: „Die NSDAP, hat im Kreise Dramburg mehrfach auch bei eingesessenen Bauernfamilien Erfolge erzielt. Wenn man z. B. einem I u n g b a u e r n, der in der heutigen Krisenzeit viele Ge- schwister auszahlen muß, durch einen Hausagitator weismachen läßt,„wenn Hitler zur Regierung kommt, wer- den alle Grundschulden gestrichen, kein Bauernland darf mit raffendem Kapital belastet werden", so klingt dies ganz schön. Wenn im gleichen Atemzuge den nachgeborenen Ge- schwistern erklärt wird,„Hitler wird dafür sorgen,' daß auch ihr genau so aus freier Scholle sitzen sollt wie euer ältester Bruder", so mag auch dies(unter gefährlicher Anreizung von persön- lichen N e i d i n st i n k te n) schön klingen. Beide Leimruten sind im Kreise Dramburg ausgelegt worden: diese Beispiele ließen sich vermehren, sie alle aber haben Gläubige gesunden. Wie sich solche, einander direkt gegenüberstehenden Versprechungen verwirklichen lassen, wissen ihre Urheber sicherlich selbst nicht— ob sie sich in unserem heimatkreise ohne Schaden für das Volks- ganze überhaupt durchführen lassen, möchten wir sehr in Zweifel ziehen. Das Urteil über den Wert solcher und ähnlicher Ver- fprechungen aber wollen wir dem ungetrübten Menschenverstände der Dramburger Kreisbevölkerung überlassen." Wenn es an die Verwirklichung der Versprechungen geht, dann wird nach dem Oldenburger Beispiel gearbeitet, wo der Steuer- streikhetzer zum Steuereintreiber geworden ist! Aber haben die Nazis diese Agrardemagogie nicht von den Deutschnationalen gelernt? Jetzt wird hugenberg mit der Peitsche gezüchtigt, die er selber geflochten hat! proteststurm bei Hindenburg. Das Zentrum gegen die Entartung des politischen Kampfes. Die deutsche Zentrumspartei hat an den Reichspräsidenten von hindenburg nach Neudeck ein Telegramm gerichtet, in dem unter Hinweis auf einen Artikel des„Angriff" vom 14. Juli unter der Ueberschrift„Zentrumsschurkerei, verrohter Zentrumspfarrer will einem toten SA.-Mann noch im Sarg das Braunhemd ausziehen", auf das schärfste gegen diese Entartung des politi- schen Kampfes protestiert wird. Dos Telegramm an den Reichspräsidenten hat folgenden Wortlaut: „hochverehrter Herr Reichspräsident! Wir fühlen uns verpflichtet, Ihre Aufmerksamkeit auf einen Artikel des„Angriff" Nr. 144 vom 14. Juli, der die Ueberschrift trägt„Zentrumsschurkerei! Verrohter Zentrumspfarrer will einem toten SA.-Mann noch im Sarg das Braunhemd ausziehen", zu lenken. Der„Angriff" berichtet in diesem Artikel, daß ein katholischer Kaplan in Bernau sich geweigert habe, einem katholischen SA.-Mann die kirchliche Beerdigung zu gewähren, und gefordert habe, daß man dem toten SA.-Mann noch im Sarge das Braunhemd ausziehen soll. Diese Darstellung des Sachverhalts widerspricht der Ivahrheit. Die Umkleidung des verstorbenen ist nicht gefordert worden. Der Kaplan hat im übrigen bei der Verweigerung des kirchlichen Autarkie ist Verelendung. praktisches Christentum gegen Nazi-Autarkie. Der von der W e l t k i r ch e n k o n f e r e n z für praktisches Christentum 1926 eingesetzte ökumenische Rat hat auf einer Studien- konferenz über Arbeitslosigkeit, an der Delegierte der Kirchen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Holland, Schweden, der Schweiz und der Vereinigten Staaten von Nordamerika teilnahmen, sich mit der Stellung der Kirchen zur Weltwirtschaftskrise beschäftigt. In dem Schluhbericht dieser Studienkonferenz ist beson- ders interessant der folgende Abschnitt über„Weltwirtschast oder Autarkie": „Weltwirtschaftliche Zusammenarbeit bedeutet Erhaltung der gegenwärtigen Produktionsgrundlagen und damit die Möglichkeit einer Lebenshaltung, wie sie diese Grundlagen gestatten. Abschließung und Selbstgenügsamkeit bedeuten die Nöti» gung zur Umstellung dieser Produktionsgrundlagen, für die indu- striellen Länder im Sinne einer Rückkehr zu bäuerlich-handwerklicher Produktionsweise, und damit zum Aufgeben einer Lebenshaltung, wie sie an die von der modernen Wirtschaft geschaffenen Grundlagen gebunden ist. Die Entscheidung zwischen den beiden so gekennzeichneten Mög- lichkeitcn der Wirtschaftsgestaltung ist deshalb mit einer u n ü b e r» sehbaren Verantwortung für die Gestalt des Lebens von vielen Millionen, von ganzen Völkern, ja der Menschheit belastet. Wir sind von dem hohen Wert einfacher Lebensformen und den großen Gefahren einer materiell verfeinerten und technisierten Lebenshaltung für die geistig-seelische Entwicklung der Menschheit tief durchdrungen, glauben aber aussprechen zu sollen, daß eine herabdrückung der materiellen Lebensmöglichkeiten unter den in der gegenwärtigen Krise schon weithin erreichten Tief- stand und auf die Dauer, daß nicht zuletzt die Ausdehnung dieser Eni- Wicklung auf nach weitere Schichten der Bevölkerung, ja aus ganze Völker, die schwersten sozialen und geistigen Erschütterungen zur Folge haben muß. Die Kirchen können nicht wünschen, daß das geschieht: sie müssen vielmehr wünschen, daß die Menschheit von den Möglichkeiten der Naturbeherrschung in umfassender Zu- sammenarbeit den Gebrauch macht, der die materielle Grund- läge für die vollkommenste Entfaltung brüderlichen Gemeinschafts- lebens legt. Wir halten es nach alledem im Rahmen der bestehenden Wirt- schaftsordnung, ohne hier auf die Frage einer grundsätzlichen Um- gestaltung eingehen zu können, für die gegenwärtig entscheidende Aufgabe im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit und die aus ihr erwachsende Not, alles zu tun, um die Hemmungen zu beseitigen, die sich dem freien Austausch der wirt» schaftlichen Kräfte über die Welt hin und ihrem Zusammen- wirken entgegenstellen. Das ist zur Zeit in erster Linie S a ch e d e r Politik, die endlich dem Willen aller Völker zu vertrauensvoller Zusammenarbeit und der Verpflichtung zu verantwortungsbewußter Sachlichkeit Rechnung tragen muß, und die hierfür zur Zeit über ein größeres Maß von Bewegungsfreiheit verfügt als die Führung der Wirtschaft." Don einer Seite, die auch den zahlreichen Nazianhängern unter den Vertretern der protestantischen Kirche in Deutschland unver- dächtig sein muß, wird hier mit erfreulicher Deutlichkeit ausge- sprachen, daß die Forderung nach Autarkie ein Programm der Verelendung für die breiten Massen der Bevölkerung bedeutet.„Praktisches" Christentum und Nationalsozialismus müssen notwendigerweise auf allen Gebieten in schärfsten Widerspruch zueinander geraten. Begräbnisses des SA.-Mannes in Uebereinstimmung mit den Wei- sungen seiner bischöflichen Behörde vollkommen korrekt g e- handelt. Der„Angriff" richtet aus diesem Anlaß die ungeheuerlichsten Vorwürfe gegen die katholische Kirche, den katholischen Priester und die Zentrumspartei. Dieser Vorfall wird in völlig ungerechtfertigter Weise mit parteipolitischen Beweggründen in Verbindung gebracht. Das durch die bischöflichen. Weisungen vorgeschriebene Verhalten des katholischen Priesters wird als„eine derartige Verrohung der Ge- sinnung. die man auf der ganzen Welt eben nur bei Verbrechern, Mordbrennern, bolschewistischen Mördern und Zenlrumsleulen findet", hingestellt. Der„Angriff" fordert die sofortige Verhaftung des katho- tischen Kaplans und seine Bestrafung wegen eines Verbrechens gegen das deutsche Volk. Gegen diese ungeheuerlichen Beschimpfungen der katholischen Kirche und ihrer Priester durch die Nationalsozialisten erheben wir allerschärf st en Protest. Sie bedeuten eine ernsthafte Bedrohung der durch die Verfassung garantierten Rechte und Freiheiten der katholischen Kirche. Die Zentrumspartei stellt sich schützend vor Kirche und Priester. Sie erwartet von Ihnen, Herr Reichspräsident, derartigen unerhörten Schmähungen, die eine ernste Gefährdung des konfessionellen Friedens darstellen. ein Ziel zu setzen und die der Kirche verfassungsmäßig verbürgten Rechte zu sichern. Die Zcntrumspartei protestiert auch gegen die niedrigen An- würfe, die vom„Angriff" gegen sie selbst erhoben werden. Der „Angriff" behauptet: „Die Zenlrumsparlei kann sich würdig neben die bolschewisti- schen Henkersknechte und Massenmörder stellen." Diese niedrige und rohe Verleumdung weisen wir aus das schärfste zurück. Die Zentrumspartei hat in jahrzehntelanger treuer Ausbau- arbeit Staat und Volk in aufopfernder Weise gedient. In der Be- leidigung der Zentrumspartei erblicken wir eine Beleidigung auch Ihrer Person, da Sie, hochverehrter Herr Reichspräsident, mit den Stimmen der Zentrumspartei gewählt sind. Sie fordert, daß diesen ehrlosen und verrohenden Auswüchsen und Methoden des Wahlkampses ein Ende gesetzt wird. Deutsche Zentrumspartei. Ivos." Schwefelsäure gegenWahrheit. Naziattentat auf ein Wahlplakat. Einen unerhört nichtswürdigen Streich haben sich die Nationalsozialisten i n N e u k ö l l n geleistet als Beweis dafür. daß sie gewillt sind, es mit aller Gewalt zum Bürgerkrieg zu treiben. Auf dem Dach de» Eckhauses Kaiser-Friedrich- Straße Ecke hermannplah in Neukölln halte die Sozialdemokral i sch e Partei ein riesiges etwa 20 Meter langes Trans- parent angebracht mit der Ausschrift: Für Freiheit und V r o t. Diese» Transparent ist in der vergangenen Rächt durch Uebergießen von Schwefelsäure vollkommen vernichtet worden. Die Rationalsozialisten müssen ihr nieder- trächtiges Schandwerk vom Rebenhaus aus vollführt haben. Z�eichsbannerlokal beschossen! 12 SA.-Banditen festgenommen.- Schießerei in Johannisthal. Trotz der verschärften polizeilichen Bestimmungen gegen den Waffenmißbrauch treiben die SA.-Banditen ihren nächtlichen Terror weiter. In der letzten Nacht unternahmen die national- sozialistischen Mörderkolonnen einen Ueberfall auf das Lokal von St. in der Oderstraße 16 in Lichtenberg, in dem vornehmlich Reichs- bannerleute verkehren. Die SA.-Burschen feuerten mehrere Schüsse auf das Lokal ab, ohne glücklicherweise einen von den anwesenden Reichsbannerkameraden zu verletzen. Der schändliche Ueberfall war von einer Polizeistreife beobachtet worden. Die Beamten griffen tatkräftig durch, und es gelang ihnen, 12 Mann der Hakenkreuzlermordkolonne festzunehmen. In der Tasche des einen Banditen wurde ein Pistolenrahmen mit 6 Schuß und auf der Erde eine geladene Dreyse-Pistole gefunden. Die ganze Bande sitzt im Polizeigewahrsam. Am Sterndanim in Johannisthal verübten Hakenkreuzler einen Feuerübersall auf Kommunisten. Dabei wurde ein 26jähriger Arbeiter aus Neukölln durch einen Bcckenschuß niedergestreckt. Der Schwerverletzte wurde ins Oberschöneweider Elisabeth-Hospital ein- geliefert. Das alarmierte Ueberfallkommando nahm sechs SA.-Leute und vier angeblich Parteilose fest. Todesopfer bei Hanau. Polizeibeamte schwer mißhandelt.- Oreiperfonen erschossen Frankfurt a. M., 1«. Juli. In Langenselbold bei Hanau kam es gestern abend nach der Auflösung einer Eewerbslosenver» sammln ng zu schweren Ausschreitungen. Vei der Auflösung kam es zu tätlichen An- griffen gegen die vier im«aal anwesenden Polizei» b e a m t e n, die mit Stuhlbeinen und Biergläsern miß» handelt wurden. Ein Polizeibeamtcr mußte in schwer- verletztem Zustande fortgetragen werden. Ein anderer' erhielt drei Stiche in den Hinterkopf und in die Nase, während die anderen Polizeibcamten schwere Augenvcrlctzungen davontrugen. Darauf machten die zu Hilfe herbeigerufenen Polizei- kräfte von der Schußwaffe Gebrauch. Dabei wurde die Tochter des kommunistischen Abgeord- neten Dreßler sowie eine verheiratete Frau Halb- schmidt getötet. Der 3l jährige Arbeiter Leißner wurde mit einem schweren Bauchschuß nach dem Landes- trankenhauS Hanau geschafft. Hitzewelle in Amerika. Am Freitag allein 42 Todesopfer. New Bork, 16. Juli. Tie seit mehreren Tagen in den Vereinigten Staaten anhaltende große Hitze forderte am Freitag 2 1 Todes» opfer, fast ebnsoviel Menschen ertranken. Ferner wird eine Ricsenzahl von Hitzschlägen gemeldet. Laut Boraussagungen der Wetterdienststellen ist für die nächste Zeit mit einer Abkühlung noch nicht zu rechnen. Empörung in Oesterreich. Gegen die Bedingungen der Völkerbundsanleihe. Die Bedingungen, unter denen die Völkerbundanleihe Oesterreich gewährt worden sind, werden in der Wiener Presse äußerst scharf kritisiert. Nur die christlich-soziale und regierungs- offiziöse„Reichspost" weist daraus hin, daß das neu ausgesprochene Anschlußverbot in den Verträgen von Versailles und St. Germain bereits enthalten fei. Fast alle anderen Blätter lehnen das Ergebnis der Genfer Ver- Handlungen ab, zum Teil in äußerst schroffer Form. Auch die„Zl r- Zunggenossen, Zunggenossinnen! Mitglieder des Arbeiterfängerbundes, Sangesfreunde? In offener Singstunde, an der ihr alle teil- nehmen sollt, wird am Sonntagvormittag von 9 bis ll llhr in den Prachtsälen am Märchenbrunnen(Am Friedrichshain 29/32) das lt a m p f l i c d der Eisernen F r o n t � als e i n st i m m i g e r M a s s e n g e s a n g ge- lernt. Ausweise mitbringen? b e i t e r z e i t u ii g" übt schärfste Kritik:„Wir haben es herrlich weit gebracht. Wir können unsere Schulden an das Ausland nicht mehr bezahlen. Um die Schuldenzahlung wieder aufzunehmen, brauchen wir einen Kredit. Und nur um den Kredit zu bekommen, unter- werfen wir uns für viele Jahre der drückenden Kontrolle ausländischer Regierungen und geben für zwei Jahrzehnte jede Möglichkeit des politischen und wirtschastlichen Anschlusses an Deutschland auf. Wir verschachern für lumpige paar Millionen, welche uns gerade einige Monate weiterhelfen, unsere Freiheit." Warum sich Deutschland enthielt. Noch während der Lausanner Konferenz hat die deutsche Ab- ordnung auf dem Standpunkt gestanden, im Välkerbundsrat gegen die Anleihe für Oesterreich wegen der damit verbundenen politischen Bedingungen(Anschlußverbot) zu stimmen. Wenn Deutschland bei der gestrigen Zlbstimmung im Rat sich der Stimme enthalten hat, so ist das nach osfizieller Erklärung geschehen, um oie Anleihe nicht unmöglich zu machen. Zugleich aber hat Deutschland ange- kündigt, daß es von sich aus Deutschösterreich Hilse leisten werde. Der Betrag dieses Reichskredites für Deutschösterreich steht noch nicht fest, er wird aber jedenfalls viel früher ausgezahlt wer- den als die Völkerbundsanleihe, die in verschiedenen Ländern noch der parlamentarischen Genehmigung bedarf. Außerdem bleibt von dieser Anleihe sehr wenig übrig, da aus ihr zunächst die früheren kurzfristigen Kredite gedeckt oder in langfristige umge» wandelt werden. Ob unter diesen geringen Aussichten im Nationalrat zu Wien eine Mehrheit für diese, mit neuem zwanzigjährigem Anschlußoerbot und mit neuer Auslandskontrolle verbundene Anleihe zustande kommt, ist zweifelhast. Nach der scharfen Oppositionsrede unseres Genossen Dr. Otto Bauer in der gestrigen Beratung des Finanzausschusses des Nationalrates wird die stärkste Partei, nämlich die Sozialdemokratie, für dieses üble Geschäft nicht zu haben sein. Llnbeständiges Sonntagswetter Wechselnd bewölkt- Sonnenschein und leichte Regenschauer Für den morgigen Sonntag sind die Wetteraussichten nicht allzu rosig. Zm allgemeinen ist gegenüber heute mit einer leichten Besserung zu rechnen. Eine starte Regenzone hat Berlin in der vergangenen Rächt gestreift und die Riederjchläge waren recht ergiebig. Der Himmel wird sich noch nicht ganz ausklären, da ein Tiefdruckgebiet unser Wetter weiter beeinflußt. Für Sonntag lautet die Prognose: wechselnd bewölkt— zeitweise heiter— vereinzelt Regenschauer. Zwei Toie bei Moiorradunglück. In Pankow gegen einen Rollwagen gefahren. In Pankow, an der Ecke kissingenstraße und Prenzlauer Pro- mcnade, ereignete sich gestern abend gegen 22.30 Uhr ein entsetzliches Motorradunglück. Zwei junge Leute, Angehörige der„Eiser- neu Front", fuhren mit ihrem ZNotorrad gegen einen Rollwagen und erlitten so schwere Derlehungen, daß sie aus dem Transport ias Pankower Krankenhaus starben. Der 17 Jahre alte Franz H ü b n e r aus der Ruppiner Straße 13 und sein Freund, ein 21jähriger Gerhard Seitz, der im gleichen Hause wohnt, befanden sich auf einer Fahrt in Richtung Buch. An der Kreuzung Kissingenstraße und Prenzlauer Prome- nade kam den beiden Motorradfahrern ein Rollwagen entgegen, der in die Kissingenstraße einbog. Aus noch nicht geklärter Ursache fuhr Hübner mit seinem Rad gegen den hinteren Teil des Rollwagens. Die Folgen waren entsetzlich. Hübner und sein Begleiter wurden vom Rad geschleudert und sie stürzten so unglücklich, daß die Hinter- röder des schweren Wagens über ihre Körper hinweggingen. Hübner war auf der Stelle tot, fein jugendlicher Begleiter wurde durch das Rettungsamt ins Pankower Krankenhaus überführt, wo bei seiner Einlieferung nur noch der Tod festgestellt werden konnte. Die Leichen der auf so tragische Weise ums Leben gekommenen jungen Republikaner sind beschlagnahmt worden. Wie wir von Pankower Reichsbaiinerkaineraden ersahren, sind die beiden tödlich Verunglückten Reichsbannerleute. Sie befanden sich auf der Fahrt nach B u ch h o l z, wo abends eine Reichs- bannerveranstaltung stattfand. Sie wollten zum Schutz der Käme- raden den Heimweg mitmachen, als sie das Furchtbare ereilte. In der Fricdenstrnße fuhr heute vormittag ein Lieferauto auf den Bürgersteig und riß eine Straßenlaterne um. Zwei Männer, die in diesem Augenblick die llnsallstelle passierten, wurden von dem umstürzenden Mast getroffen. Sie mußten mit erheblichen Ver- letzungen ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. ?ieichsbannermann Sieöow lebi. In der Donnerstognacht wurde der Rsichskammerkomerod Erich Siedow aus der Grunewaldstraße 33 von 12 SA.-Leuten über- fallen und durch einen Dolchstich in die Lunge lebensgefährlich ver- letzt. S. wurde ins Schöneberger St. Norbert-Krankcnhaus gebracht. Heute vormittag war das Gerücht verbreitet, daß Siedow seinen Verletzungen erlegen ist. Auch eine Berliner Mittagszeitung teilte mit, daß Siedow in der vergangenen Nacht gestorben sei. Wir haben uns sofort mit dem St. Norbcrt-Krankenhaus in Verbindung gesetzt und die überaus erfreuliche Nachricht erhalten, daß Siedow am Leben ist. Der Reichsbannerkamerad liegt zwar noch wie vor sehr bedenklich danieder, aber, wie das Krankenhaus mitteilt, geht es ihm den Umständen nach verhältnismäßig befriedigend. Wir wollen auf eine baldige Genesung des fälschlicherweise Totgesagten hoffen. Ein zweites Ohlau. Nazijustiz in Hannover. Alfeldt, 16. Juli.(Eigenbericht.) Alfeldt, einem kleinen Jndustrieort, etwa 25 Kilometer von Hildesheim gelegen, herrscht in der Arbeiterschaft«ine beispiellme Empörung über die braune Moröpest und über das Verhalten der Justiz. Vor einigen Tagen kam es. wi« schon kurz berichtet, auch hier zu Zusammenstößen. Die Radfahrergenosscn des Kreises hatten eine Sternfahrt veranstaltet, an der sich über 2500 Arbeitersportler beteiligten. Eine Nachzüglergruppe, aus älteren Leuten be- stehend, wurde dabei in einem benachbarten, nationalsozialistisch verseuchten Dorfe von Hitlers Notverordmingsjünglingen überfallen. Mehrere Teilnehmer, �darunter«in KSjähriger Genosse, wur- den erheblich verletzt. Die Notverordnungsstrolche bedienten sich dabei barbarischer Waffen, einige hatten z. B. mit Nägeln gespickte Knüppel. Auf telephonischen Hilferuf machten sich einige Hundert noch in Alfeldt befindliche Genossen aus. In diesem Augenblick erschien, von Ellen Wilkinson, Hungert das deutsche Volk? Ergebnisse einer medizinischen Llmfrage die ah Beauftragte der britischen Arbeiterpartei heute in Berlin eintrifft, um der Eisemen Front als Zeichen internationaler Solidarität eine von den englischen Genossen gestiftete Fahne zu überbringen, einem„Deutschen Tage" kommend, ein uniformierter, in Gruppen- kolonne marschierender Nazitrupp, dessen Führer, zunächst in dem Glauben, nur einen vereinzelten Arbcitertrupp vor sich zu haben (das Gros war noch durch eine Straßenbiegung verdeckt), mit dem Rufe:„Straße frei für SA.!" das Kommando zum Angriff gab. Als nunmehr aber der Haupttrupp der Arbeiter erschien, ergriffen die Hitlerjünglinge das Hasenpanier, nachdem einige von ihnen die Arbeiterfäuste empfindlich zu spüren bekommen hotten. Nunmehr hat auch die Justiz eingegriffen und sieben oder acht Personen verhaftet,— ausschließlich Arbeiter, keinen ein- zigen von den Nazis. Diese stolzieren vielmehr als Zeugen auf dem Gericht herum, darunter ein paar ortsbekannte v e r- kommene Subjekte, und tischen die haarsträubendsten Lügen auf. Arbeiterzeugen, die sich aus der Polizei meldeten, wurden zu- rückgewiesen mit der Bemerkung: „Wir wissen schon alles!" Denen, die vom Richter vernommen werden, geht es kaum anders. Wenn sie die Entstehung der Schlägerei schildern wollen, so unter- bricht sie der Richter mit den Worten:„Darüber sind Sie nicht ge- laden, Sie haben nur darüber auszusagen, ob der ange- schuldigte Sowieso sich an der Schlägerei beteiligt hat." Die Erbitterung der Arbeiter ist grenzenlos, aber ihr Kampf- mut wird dadurch nur gestärkt. Eine am Freitag im Eewerkschaftshaus abgehaltene öffentliche Kundgebung, in der Ge- nosse Kuttner aus Berlin sprach, war so besucht, daß die Rede des Referenten durch Lautsprecher aus dem überfüllten oberen Saal noch in sämtliche unteren Räume des Gewerkschaftshauses, die eben- falls gestopft voll Menschen waren, übertragen werden mußte. Die Alseldter Genossen haben eine Solidaritätsaktion für die Verhafteten eingeleitet und werden die Justiz zwingen, ihre tauben Ohren der Wahrheit zu öffnen. politischer Anschlag in Rumänien. Pfarrerfamilie durch Höllenmaschine in Stücke geriffen. Bukarest, 16. Juli.(Eigenbericht.) In der rumänischen Ortschaft B r a t i l a wurde ein p o l i t i- scher Anschlag verübt, dem mehrere unbeteiligte Personen zum Opfer fielen. In der Wohnung des O r t s p f a r r e r s, der Por- lamentskandidat der Nazionalzaranistischen Bauernpartei ist. wurde von einem Bauernburschen ein Paket abgegeben mit der Weisung. es dem Pfarrer sofort auszuhändigen. Als die Frau des Pfarrers das Paket öffnen wollte, erfolgte eine furchtbare Explosion. Im Paket war eine Höllenmaschine verpackt gewesen. Die Wirkung der Explosion war verheerend. Die Frau sowie ihre beiden Kinder und die Hausangestellte wurden schrecklich zugerichtet. Ein Kind starb sofort, während die anderen Verletzten mit dem Tode ringen. Der Pfarrer, dem der Anschlag gegolten hatte, kam un- versehrt davon, da er sich im Moment der Explosion in einem Nebenzimmer befand. Als Urheber des Attentats wurden zwei An- Hänger einer rechtsradikalen Partei verhaftet, darunter ein ehemaliger Gendarm, der die Höllenmaschine konstruiert hat. Unter dem iurcbiboren Druck der Wirtlckiaitskriie baben sich die Leben-rerbältniss- des deutschen Voltes immer mebr der- schlechter!— unendlich viele müssen mit derart geringem� Ein- kämmen existieren, daß sie kaum mehr als das Leben fristen können, ja vielleicht nicht einmal das. Ist es schon so weit, daß Menschen in Teutschland hnnsiern müssen? Eine medizinische. Fach- Zeitschrift hat kürzlich in einer llmsrage an die Direktoren emer ganzen Reihe großer Krankenhäuser diese ernste Frage gerichtet: die Antworten, die sie erhielt, verdienen in mehr als emer Hin- ficht größte Beachtung. Was Hunger bedeutet, hat das deutsche Volk— in seiner Gesamtheit— bis zum Kriege kaum gewußt. Dann wurde das anders, denn in den letzten Kriegsjahren war der Hun- ger kein Sonderfall mehr, sondern fast schon eine„normale" Erscheinung. Damals gab es für kein Geld die ersehnten Lebens- mittel zu kaufen— heute produziert die Welt einen solchen Ueber- sluß daran, daß z. B. der Weizen in manchen Produktionsgebieten tonnenweise verbrannt oder daß in Brasilien der Kaffee gleich in ganzen Schiffsladungen ins Meer geschüttet wird! Die Lebensmittel sind da. aber Millionen von Menschen können sie nicht kaufen, weil ihnen die Krise ihr Einkommen nahm. Nimmt man für Deutschland als Grundlage der folgenden Rechnung eine Arbeitslosenzahl von bVi Millionen und rechnet man für einen Hauptunterstützungsempfänger nur mit dem niedrigen Satz von zwei Angehörigen, so ergibt sich, daß gegen- wärtig in unserem Vaterlande rund 17 Millionen Men- s ch e n leben, die mit ihrer Existenz aus die verschiedenen Formen der Arbeitslosenhilfe angewiesen sind. Unter Be- rücksichtigung der Kürzungen, die durch die letzte Notverordnung ausgesprochen worden sind, ergibt sich das Resultat, daß das durch- schnittliche Monatseinkommen dieser 17 Millionen Menschen zwi- schen 16.50 und 15,15 M. pro Kopf schwankt, je nach Lohnklasse und Wohnort. Würden diese Durchschnittszahlen keinerlei Korrekturen erfahren, so hätten wir in Deutschland bereits offene Hungersnot! In der Praxis ergeben sich glücklicherweise durch die private und öffentliche Wohlfahrt usw. gewisse Korrekturen nach oben. Aber diese Korrekturen sind noch immer so niedrig, daß heute wieder, genau wie im Kriege, eine ernste Frage auftaucht; nämlich: hungert Deutschland? Schon vor einigen Monaten sind verschiedentlich in den Zei- hingen Meldungen erschienen, nach denen die Krankenhäuser bereits über Fälle von Hungerödem(das ist eine aus der Kriegszeit den Aerzten nur allzu bekannte Erscheinung, bei der sich al» Folge schwerer Unterernährung u. a. Wasseransammlungen unter der Haut zeigen) und ähnlicher Symptome des Hungers berichtet hätten. Die eingangs erwähnte Umfrage einer medizinischen Fachzeitschrift („D ie medizinische Welt" vom 25. Juni 1932) hat nun, um das Erfreulichere zuerst zu sagen, die Tatsache ergeben, daß bisher wenigstens Patienten mit den Anzeichen direkter Hungererkrankun- gen entweder gar nicht oder nur sehr selten in die Krankenhäuser eingeliefert wurden. Noch sind wir also nicht so weit, wie in der Hungerzeit der letzten Kriegsjahre____ Aber die Antworten der Krankenhäuser zeigen auch mit erschreckender Deutlichkeit, wie nahe große Teile unserer Bevölkerung bereits an die Hungergrenze her- angekommen sind. So erwähnt der ärztl. Direktor der städtischen Krankenanstalten ih Essen, Prof. Dr. Pfeiffer, in seiner Antwort die Tatsache, daß die in das Krankenhaus eingelieferten älteren Frauen und Kinder sich feit einiger Zeit in einem schlechteren Er- nährungszustand als bisher befinden. Fast noch schlimmer ist die Feststellung, daß die Erkrankungen an Rachitis bei den Kindern zu- nehmen— diese Krankheit ist auf Vitaminmangel in der Nahrung zurückzuführen und ist an sich relativ leicht zu bekämpfen— aber, so schreibt Pros. Pfeiffer:„die Eltern der Kinder erklären, sie könnten die zur Behandlung der Rachitis erforder- lichen Nahrungsmittel nicht kaufen". Prof. Böhme vom Augusta-Krankenhaus in Bochum— also ebenfalls Jndustriegegend, die naturgemäß besonders ungünstige Bedingungen für den Arbeitslosen aufweist— teilt mit, daß der allgemeine E r n ä h r un g s z u st a n d der neu eingelieferten Pa- tienten schlechter als früher geworden ist. Im Krankenhaus nimmt ihr Gewicht infolge der besseren Ernährung rasch zu— aber was hilft das nach der Entlassung? Ein Bericht aus einem großen Hamburger Krankenhaus läßt darauf schließen, daß dort die Ver- Hältnisse etwas günstiger sind, da die Zahl der mit erheblicher Unterernährung eingelieferten Personen sich vorläufig im Vergleich mit früheren Jahren nicht wesentlich erhöht hat. Prof. Umber, der Direktor eines Berliner Krankenhauses, hat feststellen müssen, daß in der letzten Zeit die eingelieferten Kranken häufig Zeichen allgemeiner Unterernährung und dadurch bedingter Erschöpfung aufwiesen; seine Erfahrungen decken sich also durchaus mit den im Industriegebiet gewonnenen Ergebnissen. Der Oberarzt einer anderen Berliner Klinik, Dr. F. Heimann, hat sich besonders eingehend mit dem Gesundheitszustand der Minderbemittelten beschäftigt. Durch Befragung zahlreicher Pa- tienten hat sich ergeben, daß im Haushalt der Arbeitslosen, Klein- rentner usw. die Hauptnahrung aus Brot, Kartoffeln. Margarine und Schmalz besteht; nur an einzelnen Tagen werden billige Wurst- und Fleischsorten gekaust, daneben spielen die billigsten Gemüse- sorten(Kohl und Hülsenfrüchte) eine Rolle. Nach den Feststellungen Dr. Heimanns ist heute bereits der Zustand erreicht, daß in B e r- l i n— und in vielen Gegenden Deutschlands liegen die Verhältnisse ähnlich— bei einem großen Teil der unbemittelten Bevölkerung die Ernährung nicht mehr die not- wendige Kalorienzahl enthält. Dr. Heimann hat die Wirtschaftsbücher verschiedener Patienten untersucht und nach den darin ausgezeichneten Angaben die Kalorienzahl der für die Familie zur Verfügung stehenden Nahrung ausgerechnet. Hierbei ergab sich das erschreckende Resultat, daß in vielen Fällen diese Zahl pro Kopf und Tag nur 1400 bis 1500 Kalorien betrug, während man die Zahl für die Ernährung eines gesunden erwachsenen Menschen, der keine körperliche Arbeit leistet, mindestens 2300 bis 2600 Kalorien pro Tag rechnet!. Noch schlimmer sind diejenigen Personen daran, die(etwa bei Magenerkrankungen usw.) eine bestimmte Diät einhalten müssen. Diese Diät kann zwar im.Krankenhause durchgeführt werden, nach der Entlassung fehlen aber häufig dem Patienten einfach die Mittel zum Kauf der vorgeschriebenen Nahrungsmittel und infolgedessen verschlimmert sich natürlich sein Leiden. Die Bilanz aus diesen und ähnlichen Untersuchungen läßt sich in zwei Sätzen zusammenfassen: noch hungert Deutschland nicht so wie in der Notzeit des Krieges, noch kann das Schlimmste durch die Tätigkeit der privaten und öffentlichen Wohlfahrt verhindert wer- den und niemand braucht in Deutschland zu verhungern. Aber ein großer Teil der Bevölkerung(man muß ihn auf rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung schätzen!) steht hart an der Grenze des Hun- gers und hat diese Grenze zu einem gewissen Prozentsatz bereits überschritten, als in den Großstädten, Jndustnegebieteivusw. zweifellos schon Taufende von Menschen unzureichned ernährt werden! Das sind horte Tatsachen. Die Wissenschaft muß notwendigerweise ihre Aufgabe darin erschöpft sehen, diese Tatsachen so klar und genau als möglich festzustellen,— die Folgerungen, die sich prak- tisch daraus ergeben, zu ziehen und danach zu handeln, das gehört in das Bereich staatlicher Maßnahmen. Dr. W. Bergner. „Der Kamps" erneut verboten. Das nationalsozialistische Gau- organ„Der Kampf", das bereits vom 11. bis 15. des Monats verboten war, ist vom Oberpräsidenten der Provinz Sachsen, Dr. Falck, erneut für fünf Tage wegen Beschimpfung der oerbo.t«.n worden, „Lonny stiehli Europa." Titania-palast. Weiß man, wieviel Stars seit Anbeginn der Filmindustrie über die Leinwand flimmerten? Nein, man weiß es nicht. Man weiß nur, daß mancher Komet— noch so reklomesüchtig ange- kündigt— sich nachher nicht einmal als Sternschnuppe erwies. Aber ein Stern ist solideste Dauerware, und das ist Harry Piel. Er übersteht die verschiedensten Geschmacksrichtungen und spielt da- bei unentwegt immer seinen eigenen Stil. Das heißt: stich- und hiebfesten Humbug. Er erhebt keinen Anspruch darauf, in hoch- trabender Weise irgendein schwieriges Problem zu meistern. Er will und fabriziert: mehrere solenne Keilereien, allerlei Verwicklungen, die unbedingt Hochspannung erzeugen, 9914 Proz. Wahrscheinlichkeit für«in« Riesenkatastrophe, die im allerletzten Augenblick durch Harry abgewandt wird, worauf dann zum Schluß prompt die Belohnung jedweder Guttat folgt. Diesmal entspinnt sich viel Krach um Europa. Das ist ein Rennpferd, das dem Harry gepfändet wird, weil ein Wettkonzern gern Riesenschwindeleien betreiben möchte. Doch Harry vertauscht dos Pferd. Das falsch« wird getötet, und Europa und Harry siegen. Er bekommt ein nettes, steinreiches Mädel, nämlich die ansprechende Dorry Holm, zur Frau. Es drängen sich neben Harry ein Pferd und ein Schäferhund vorteilhaft in den Vordergrund. Greif ist ein außerordentlich in- telligenter, vorzüglich ausgebildeter Schäferhund. Er wird besser herausgestellt, als es Rin-Tin-Tin je wurde, denn er darf Tier sein. Ebenso ist das Pferd geschickt vor die Kamera gestellt, ganz gleich, ob es seinen Herrn liebkost oder seinem Ruf folgt. Das ist nicht nur schön, das ist auch durch und durch wahr. Dann gibt's noch Landschoftsbilder von erlesener Schönheit und ein Pferde- rennen voller Leben. Der Kameramann Ewald D a u b legt mit seiner Arbeit Ehre ein. Harry Piel hat begriffen, was Film ist, und man möchte allen seinen Regisseurkollegen zurufen: Macht inhaltlich bessere Filme als Harry Piel, aber macht sie rein optisch und in der Bewegung so gut wi« er. e. b. Spinnweb-Vrücken der Zukunft. Die erstaunliche Aussicht, das Brücken und Ingenieurbauten der Zukunft aus einem Stoff von der Dünne der Spinnweben errichtet werden könnten, wurde durch einen Vortrag eröffnet, den der Professor für angewandt« Mechanik an der Universität Cambridge, C. E. Jnglis, geholten hat.„Ich habe durch Versuche festgestellt", erklärte er,„daß das Gewebe einer Spinne eine Zugfestigkeit von 560 Tonnen auf den Ouadratzoll besitzt; das ist achtmal so viel als die Zugfestigkeit von Stahl. Wenn auch Eisen und Stahl für elektrische Maschinen wegen ihrer magnetischen Eigen- schaften stets benutzt werden dürften, so bin ich doch der Meinung, daß sie für andere Zweck« durch einen künstlich hergestellten Stoff er- setzt werden können. Wäre es möglich, Brückenbauer mit einem Material zü versorgen, das die Zugfestigkeit des Spinnengewebes besitzt, so könnte man Hängebrücken von fast durchsichtiger Dünne erbauen". Professor Jnglis sagt voraus, daß Chemiker durch Zu- sammenarbeit mit Röntgenologen«inen solchen synthetischen Stoff herstellen können, der das Zeitalter des Eisen und Stahls zu einer t-Exoche d«-BergaWych�� Gold aus Quecksilber? Dos Madrider Blatt„La Libertad" veröffentlicht ein Interview mit dem spanischen Chemiker Botella, dem es gelungen fein soll, auf experimentellem Wege aus Quecksilber reines Gold herzustellen. Botella behauptet, daß er aus einer bestimmten Gewichtsmenge Quecksilber das halbe Gewicht an Gold gewinnen könne. Die Her» ftellungskosten stellten sich für ein Kilogramm Gold nach seinem Verfahren auf 1500 Pesetas, während der gegenwärtige Kurs 7000 Pesetas beträgt. Das Blatt erwartet von dieser Entdeckung unter Umständen eine vollständige wirtschastliche Umwälzung, da Spanien 60 Proz. der Quecksilbervorkommen der Welt besitzt.— Es find schon viele Versuche unternommen worden, aus Quecksilber Gold herzustellen, bisher hoben sie sich aber immer wieder als Irr» tümer erwiesen. Man erinnert sich an die Experimente Professor Miches, die freilich nur ganz geringe Mengen Gold aus dem Queck» silber gewannen. Eine solche Massengewinnung könnte nur durch Atomumwandlung erfolgen. Der Rund freier Rundsunkautoren sieht in der geplanten Neu» ordnung des Rundfunks einen bedrohlichen Machtzuwachs der Büto- kratie auf Kosten der geistigen Arbeiter. Er protestiert gegen die Politisierung des kulturellen Programms und gegen die behördliche Bevormundung der freien schaffenden Kräfte, deren Arbeitsmarkt durch die geplanten Mahnahmen«inseitig eingeengt wird. Die Frankfurter Opernhilse und SchauspielHilse hat für die an- lätzlich des 100. Todestages Goethes stattfindenden Freilichtauf- führungen auf dem althistorischen Römerberg im Sommer 1932«ine offizielle Festschrift mit Programm herausgegeben mit Beiträgen von Thomas Mann. Ricarda Huch, aktuell ausgewählten Stücken aus Goethes„Dichtung und Wahrheit" u. a. Verse und Aufzeichnungen Goethes zum Lobe Frankfurts werden besonders wertvoll durch die Beigabe wenig bekannter vorzüglich wiedergegebener Bilder.(Preis 30 Pf. Geschäftsstelle Gärtner- weg 62.) Ein Zreilustmuseum für Paris. Auch Paris erschließt sich jetzt dem neuen Geist, und so besteht die Absicht, ein Freilichtmuseum zu errichten, das sich dos berühmte„Skanfen" von Stockholm zum Vorbild nimmt. Das Ethnographische Museum, das im Trocadero eingerichtet ist, leidet seit langem unter Uebersüllung, und man will daher aus dieser Riesensammlung alles herausnehmen, was sich auf Frankreich bezieht. Dadurch wird die Grundlage für ein französisches Volkskundemuseum geschaffen. Es soll in der Nähe von Paris ein historisches Dorf erbaut werden, in dem jedes Gebäude die bezeich- nenden Eigentümlichkeiten einer bestimmten Provinz ausweist und von den charakteristischen Bäumen umgeben ist. Man will auch für Vorführungen von Volkstänzen und Volksliedern sowie Volkstrachten sorgen. Unsichtbare Strahlen als Gefängniswächler. Das neue Kefäng- nis des Delawarebezirks in Pennsylvanien wird auch Einrichtungen für die neueste Form der Gefangenenbewachung besitzen. An allen wichtigen Punkten rings um das Gefängnisgebäude sind photo- elektrische Zellen angebracht, und jeder Gefangene, der zu entweichen versucht, muß durch die unsichtbaren Strahlen schreiten, die von den photoelektrischen Zellen ausgehen. In dem Augenblick, wo ein fester Körper diese Strahlen unterbricht, wird ein Kontakt hergestellt, der ein Alarmsystem in Bewegung setzt, und das ganze Gefängnis» »u Licht-ÄMM Die Katze aus dem Gack Schwerindustrie fordert Arbeitsdienstpflicht Der Zweckverband der Industrie- und Handels» Kammern Bochum, Dortmund, Essen und Munster behandelte in seiner Sitzung am 11. Juli in der Recklinghäuser Engelzburg„Die Arbeitsdienstpflicht". „Ein Redner von besonderer Sachkunde, der um den Gedanken der Arbeitsschulung verdiente Leiter des Deutschen Instituts für tech- nische Arbeitsschulung, Herr Dr.-Jng. e. h. C. A r n h o l d, trug den anwesenden Vertretern der Industrie und des Handels aus dem Ruhrgebiet und dem Münsterland seine aus langjähriger praktischer Erfahrung geborenen Gedankengänge vor." Die Forderung nach Einführung eines Arbeitsdienstes gründe sich auf Ueberlegungen aus den verschiedensten Ideenkreisen, die keineswegs ollein aus der heutigen Notzeit entstanden sind. Nach allen bisher gemachten Erfahrungen sei ein Zahr praktischen Arbeitens und Dienens für jeden jungen Deutschen notwendig. Der Umstand, daß wir in Zukunft immer mit einer großen Zahl Arbeitsloser in Deutschland zu rechnen haben werden, macht einfach zur Pflicht, den Arbeitswillen und das Arbeitskönnen der unfrei- willig Feiernden durch sinnvolle Arbeit sür die Allgemeinheit zu erhallen. Die erwerbslose Zugend müsse in der Zeit der Arbeitsmuße sinn- und planvoll arbeiten, wenn nicht unermeßliche handwerkliche und kämpferische Werte dem deutschen Menschen verloren gehen sollten. Und wie wir uns hinzu- zufügen erlauben— vor allen Dingen billig und ohne Rechte. In der letzten Zeit fei das Problem „Arbeitsdienst" auch staatspolitische Notwendigteil geworden. Das der ganzen deutschen Jugend gemeinsame Streben: heraus aus der Hoffnungslosigkeit, aus der Erstarrung, aus der Tatenlosigkeit müßte auf den Generalnenner gebracht werden: sinn- volle, lebensgestaltende Arbeit, gepaart mft freudigem Dienen an der Gesamtheit unseres Volkes— also Arbeitsdienst. Der Arbeitsdienst müsse jedoch solange unvollkommenes und namentlich für diese großen staotspolitischen Zwecke unzulängliches Teilwerk bleiben, solange er nur freiwillig sei und der Gemeinschaft bildenden sittlichen Idee der Pflicht ermangele. Also Arbeitsdienstpflichtt Bei der politischen Machttonstellation sei die Einführung der all- gemeinen Arbeitsdienstpflicht, die ja insbesondere von der NSDAP. gefordert werde, sehr wahrscheinlich. Es fei daher dringend notwendig, daß die Wirtschaft sich mit diesem Problem und mit der Art und Weise seiner Durchführung ernsthaft befasse. Gerade wenn man an die st a a t s p o l i t i s ch e n Zwecke der Arbeitsdienstpflicht dächte, müsse man es für falsch erachten, wenn die Arbeitsdienstpslicht durch Dekret von einer Partei her geschaffen würde. Arbeitsdienst würde dann leicht zu Zwangsarbeit. Denn militärischer Gehorsam läßt sich erzwingen, Arbeiten und Schaffen gehören aber zu den Dingen, die sich nicht befehlen lasten, bei denen ein innerer Antrieb vorhanden sein muß. Es müsse daher die Einführung der Arbeitsdienstpslicht aus einer olle Teile des Volkes zwingenden Situation heraus erwachsen. Diese schöpferische Situation sei ober heute gegeben— in Wochen vielleicht nicht mehr. Die zu schaffende Organisation müsse außerhalb der parteipolitischen und bürokratischen Atmosphäre liegen. Bei der Schulung allein dürste es jedoch nicht verbleiben, es müsse aus arbeitspödagogifchen Gründen auch— etwa im letzten Drittel des Arbeitsdienstjahres— Ernstorbeit geleistet werden. Die Unternehmer darf es nichts kosten. Etwaigen Bedenken der Unternehmer gegen die Arbeitsdienst- Pflicht suchte der Reder dadurch zu begegnen, daß es durchaus mög- lich sei, eine Form zu finden, bei der Unternehmungen nicht nur ausgeschaltet, sondern sogar aus der gegenwärtigen Stagnation her- ausgerissen würden. Es gäbe genügend zusätzliche Arbeiten, die augenblicklich wegen Mangel an Mitteln nicht in Angriff genommen werden könnten. Vornehmlich müßte es sich hierbei um Arbeiten handeln, die möglichst wenig Materialkosten verursachen. Aber auch da? benötigte Material könne zum Teil durch den Arbeitsdienst selber erheblich verbilligt werden. So könne«in nicht unerheblicher Impuls für die Wiederbelebung unserer Wirtschaft gegeben und die Einführung zahlreicher älterer Arbeitsloser in den Arbeitsprozeß ermöglicht werden. Finanzierung aus den Seiträgen zur Arbeitslosenversicherung. „Die Finanzierung darf unter keinen Umständen durch die Bereitstellung neuer großer Summen in die Wege geleitet wer- den. Es kann nicht etwa daran gedacht werden, der Wirtschaft diese Summen zu entziehen. Im ersten Abschnitt der Durchführung müßte daher die Finanzierung lediglich aus den Beträgen erfolgen, die auch jetzt schon für die Crwerbslosenunter- st ü tz u n g verfügbar sind. Inzwischen gesammelte Erfahrungen be- weisen, daß sich daran noch erhebliche Einsparungen machen losten, die zur Beschaftung von Werkzeugen und Material Verwendung finden sollen und auf diese Weise der Wirtschaft zugeführt werden können. Eine Entlastung des regulären Ar- beitsmarktes würde hier Hand in Hand gehen mit einer Belebung der Produktion. Nach einem solchen Anfang könne man späterhin sicherlich eine Arbeilsdienstanleihe unterbringen, die von den Unter- nehmüngen teilweise in Form von Geräten oder Materiallieferungen gezeichnet werden könnte. Soldatisch! Für den Arbeitsdienst müsse ferner«ine besondere Lebensform entwickelt werden, die Gemeinschaft der jungen Menschen solle s o l- datisch, im Gegensatz zu militärisch f?), gestaltet wer- den, da diese Form der jugendlichen Seele entspräche. Demgemäß müßten die Führer Fachleute, Pädagogen und tüchtige Kerle in einer Person sein. In dreierlei Abschnitten müßte der Arbeitsdienst durchgeführt werden. Zunächst wäre die Jugend an einfachen Werkzeugen und Geräten zu schulen. Dabei komme es dann weniger auf das„Was" der Arbeit an, als vielmehr auf das„Wie". Einer allgemeinen Grundschulung müsse dann eine Schulung in besonderen Arbeiten folgen. Die tägliche Arbeit soll ferner geistig durchdrungen werden. Die Schulung des Geistes, der sich eine allgememe Körper- fchulung zugesellen muß. sei eine sehr wesentliche Forderung der Arbeitsdienstgemeinschoft. Arnhold fordert zunächst ein Rahmengesetz, das„die staots- erhaltende Notwendigkeit" de» Arbeitsdienste» festlegt. Zur Durch- pihrung fordert er einen Staatskommissar mit weiten vollmachten, der seine unmittelbaren Mitarbeiter beruft. Vom Reich und den Ländern ernannte Verbindungskom- missar« sollen die oberste Kontrolle über die verwendeten Gelder haben, die Unterstützung der Behörden sicherstellen und sür den überparteilichen Geist des Arbeitsdienstes verantwort- lich sein. Herr Eugen B ö g l« r- Essen als Vertreter des gesamten Bau- gewerbe» von Rheinland-Westsalen erklärte seine volle Z u- st i m M u n g zu der Idee der Arbeitsdienstpslicht. Einstimmige Annahme fand eine Entschließung, die u. a. als Voraussetzung zum Gelingen des Planes bezeichnet,„daß das Ganze schrittweise aus dem freiwilligen Arbeitsdienst entwickelt wird. Es bestehe die Gefahr, daß die verschiedenen Richtungen sich gegenseitig den Rang abzulaufen suchen, weshalb an alle diese Stellen appelliert wird, sich zu gemeinsamer Arbeit zusammenzufinden." » Di« deutsche Arbeiterjugend, die um Arbeit betrogen wurde, darf nicht obendrein dafür bestraft werden durch eine soldatische Arbeitsdienstpslicht, al» recht- und willenloses Objekt von Kasernenhofgewaltigen. Es wäre«in Unglück für die deutsche Jugend, wenn sie den nationalsozialistischen„rauhen Kämpfern" ausgeliefert werden würde. Selbst für den Ausbau des freiwilligen Arbeitsdienstes fehlt es an den nötigen Geldmitteln. Die Beiträge zur Arbeitslosen- Versicherung sür die Arbeitsdienstpslicht zu oerwenden, zur körperlichen und geistigen Knebelung der Jugendlichen, anstatt zur Unterstützung der hungernden Arbeitslosen— derartig« Pläne müssen abgewehrt werden. Vor allem gilt es am ZI. Zuli die Nazis zu schlagen._______ Ein sonderbares Lohnverhalims. Wie Hausangestellte ausgenutzt werden. Bor vier Iahren trat«in damals Istjährige; Mädchen als HauSange st eilte bei einem Gastwirt in Stellung. Mrzlich wunde sie entlassen und klagt nun beim Arbeitsgericht ihren Lohn für die Zeit vom 1. Dezember 1S29 bis 1. April 1932 ein. Bare» Geld hat das Mädchen während dieses ganzen Zeitabschnitts nicht erhalten. Was sie an Kleidung, Wäsche und Schuhreparaturen braucht«, das hat die Arbeitgeberin gekauft und gezahlt, aber nie- mals ist mit dem Mädchen abgerechnet worden. Wenn sie hin und wieder um Geld anhielt, hat man sie damit vertröstet, daß ihr Lohn für sie„gespart" werde und sie den Betrag„später"«rhalten solle. D«r Klägerin steht noch ihrer Angabe für die angegebene Zeit ein Lohn von 849 M.(monatlich 39 M.) zu. Die sür sie ge- machten Ausgaben für Kleidung usw. berechnet sie mit 229 M., so daß sie noch ein« Restzahlung von 629 M. fordert. Der Beklagte macht dagegen«in« Rechnung auf, wonach er 1979 M. für den Bedarf der Klägerin ausgegeben haben will, so daß sie«rheblich mehr«rhalten hätte, als ihr zusteht. Auf Zuver- läfstgteit kann diese Rechnung aber keinen Anspruch machen, denn si« ist erst jetzt au» dem Gedächtnis ohne den geringsten Nachweis im einzelnen zusammengestellt. Unter anderem erscheint in der Rechnung de» Beklagten«in Posten von 149 M. für den Friseur, den da» Modchen jede Woche in Anspruch genommen habe. Während der Beklagte behauptet,«r habe für die Klägerin 11 Kleider gekauft, behauptet sie. nur 6 Kleider«rhalten zu haben. Daß di« Frau des Beklagten dos Bewußtsein gehabt haben muß, der Klägerin noch eine Barzahlung zu schulden, geht daraus her- vor, daß sie dem Mädchen versprochen hat, ihr 199 M. zu zahlen, wenn dos Geschäft des Beklagten oerkauft werd«. Da keine der beiden Parteien Beweise für die Richtigkeit ihrer Aufstellung über die gemachten Ausgaben beibringen tonnte, kam das Gericht auf Grund einer Wahrscheinlichkeitsrech- nu n g zu dem Vergleichsvorschlage, der Beklagte solle der Klägerin 239 M. zahlen. Davon wollte der Beklagte aber nichts wissen. Den Parteien wurde deshalb ausgegeben, zum nächsten Termin ein« Auf- stellung mit Belegen beizubringen. Offenbar hat der Beklagte die Vertrauensseligkeit eine» un- erfahren«« jungen Mädchens ausgenutzt, um sich durch gelegentliche Anschaffungen vor der Zahlung des vollen ausbsdungenen Lohnes zu drücken. Hoffentlich wind«s der Klägerin gelingen, ihren An- spruch vor Gericht durchzusetzen. Auslandische Arbeiter in Berlin. Insgesamt 6392. Nach der Zählung der deutschen Arbeiterzentrale waren vor dem Kriege in Preußen im Jahresdurchschnitt 87S 999 aus- ländische Arbeitskräfte beschäftigt, während im letzten Jahre noch insgesamt 1333S2 Arbeitskräste ausländischer Nation, und zwar 68 187 in landwirtschaftlichen und 73 16S in industriellen Be- trieben tätig waren. Es handle sich hier entweder um Arbeiter, denen für ein« bestimmte Zeit der Aufenthalt genehmigt wurde oder um Arbeiter, die seit längerer Zeit in Deutschland ansässig oder gar hier geboren sind. Endlich sind unter den ausländischen Arbeits- kräften eine Reih« von Ausländsdeutschen sowie Angehörige solcher Nationen oertreten, die deutschen Staatsongehörigen gegenwärtig noch Arbeits- und Verdi enftmöqlichkeiten gewähren. Nicht einbegriffen sind dagegen die Angestellten ausländischer Nationalität. In Berlin sind in gewerblichen und industriellen Betrieben nach derselben Quelle im Jähre 1931 6392 ausländische Arbeiter beschäftigt gewesen, etwa 209 9 mehr als im Durchschnitt der Jahr« 1923/28. In landwirtschaftlichen Betrieben wurden 117 aus- löndische Arbeitskräfte beschäftigt. Buch egon ertrin wfch: Jltfen gründlich verändert Egon Erwin K i s ch flog von Moskau nach Taschkent. Ueber den Fünfjahresplan. Fuhr im Zug nach Samarkand, sah Stalinbad, Terme-, Wachsch-Stroj. Ist entzückt, begeistert, voll Eifer: Seht her, ihr Sozialdemokraten aller Länder, die ihr glaubt, dem Sozialismus zu dienen, seht her, ihr Arbeiterführer in Deutschland, die ihr vor lauter Reformismus nicht vorwärts kommt, seht her, ihr Ar- beitermassen der Welt, die ihr immer noch hofft und duldet und be- trogen werdet: hier lebt der Sozialismus, hier ist der Sozialismus! Was Kisch sah und berichtet, entspricht der Ueberschrist seines Buches:„Asien gründlich verändert."(Erich Reiß-Verlag, Berlin). Eisenbahnlinien, wenn auch eingleisig, überwinden die Entfernungen, wo noch vor wenigen Jahren das Kamel als Trans- portmittel olleinherrfchend war. Flugzeuge donnern über die Steppe. Aus einem Dorf ist Stalinobad, die Hauptstadt des Staates Tadschikistan geworden, mit jetzt schon 49 999 Einwohnern. Kraft- werke werden ausgerichtet, Baumwollfelder angelegt, Seidenraupen gezüchtet, Seid« gewonnen und versponnen. Der Schleier der Frau fällt, der Mensch wird freier, das Mittelalter versinkt. Asien hat sich gründlich oerändert und verändert sich fortlaufend. Doch Kisch überschlägt sich. So berichtet er z. B., daß im Staat« Tadschikistan 1926 die ersten 6 weltlichen Schulen errichtet wurden. 1927 waren von den 1,2 Millionen Einwohnern noch 99 ss Proz. Analphabeten. Jetzt sollen schon 999 Schulen mit 58 999 eingeschulten Kindern bestehen, die restlichen 61999 schulpflichtigen Kinder sollen im nächsten Jahr eingeschult sein. Aehnliche Zahlen meldet Kisch von den anderen Gliedstaaten der Sowjetunion. Unter diesen Schul- kindern sollen schon 16 999 höhere Schüler sein, dazu sollen bereits 75 999 Erwachsene lesen und schreiben gelernt haben, und von 1933 an sollen alle Erwachsenen von 16 bis 39 Iahren für Abendkurf« schulverpslichtet fein! Wo hat man Schulen, Lehrbücher, Lehrer in diesen Mengen so schnell hergeholt? Geschwindigkeit ist keine Hexerei, sehr oft aber Kleckserei. Ist ein Analphabet schon kein Analphabet mehr, wenn er seinen Nomen schreiben kann? Kisch aber berichtet: die Stalinabader Tageszeitung hat eine Auflage von 11999, di« Bouernzeitung von 12 999, die Iugendzeitung von 8999, dazu er- scheinen drei weitere Zeitungen in der Provinz. Es müßten also doch zehntausende Abonnenten und Leser vorhanden sein, in wenigen Iahren aus Analphabeten„gemacht". Wir hören die Zahlen, allein uns fehlt der Glaube! Auch ohne diese Unwahrscheinlichkeit— das Buch enthält viele— bleibt Asien gründlich verändert. Aber Sozialismus? Kisch erzählt nichts von den persönlichen Berhältnissen der Arbeiten. Alle bisher in Europa bekanntgewordenen Berichte aber zeigen das gleiche Bild angespanntester Industrialisierung und übermäßig langer Arbeit»- zeit, wie in der Zeit des westeuropäischen Frühkapitalismus. Damals ober war es eine wichtige Aufgabe der sozialistischen Gesellschaft»- kritiker, gerade die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage der Ar- beiter, ihre Wohnverhältnisse, ihren Rechtszustand, ihre politisch« Stellung zu untersuchen. WarumschweigiKischüberdies« sehr wichtigen Fragen? Gewiß ist Asien gründlich oerändert. Es macht den Sprung vom mittelalterlichen Feudalsystem in die neuzeitliche Industriewirffchast: wie dos kaiserliche Japan von 59 Jahren, wie da» bürger- liche China gegenwärtig, wie die faschistische Türkei, wie Indien und viele andere ehemalige Kolonialvölker. Da- mit wird ober er st die Boraussetzung für den Sozialismus geschaffen. Wie sich dieser Prozeß in Indien abspielt, zeigt Karl Hinket m seiner Schrift„Indien in der Zange, die wirtschaftlich« Not eines großen Volke?"(eine Karte und neun Bilder, brofch 3 M.. Leinen 4 M., Verlag Oeffentliches Leben, Göttingen). Hier ist auf Grund sorgfältigsten Buchstudium? und in Zusammenarbeit mit Führern der indischen Freiheitsbewegung ein Bild entstanden, das die Not und den Vsrzweiflungskampf der indischen Bevölkerung genau so deutlich erkennen läßt wie die Industrialisierung und den Fortschritt der Wirtschaft Indiens. Wilhelm Tietgene. Theater der Woche Vom 17. Juli bis 25. Juli Thealer mit festem Spielplan: Zleixiig»»». Theater! Fräulein Frau.— yursärltendamm. Theater: Eänovea. Ehre.— Rase-Theater: Bis l». Die eiserne Jungfrau. Ab 20. Der Vulkan.— DartenbUhn«: Drei arm- klein- Mädel».— Theater i» b«r Beh-»nftr-»e: Der Tresst-pl-r.— Plaza: Der fidele Bauer.— Skala: Geschlossen.— ffiintctapxtn: Internationale» Bari et«. Nachmittagsvorstellungen: R-Ic.Zheat«: 2<. IS Uhr. Die eiserne Iunasrau.— Eortenbithn«: Staiotti und Bariet«.— Wintergarten: 17., 23., 24. Internationale» Dariet«. Erstaufführungen der Woche: Wittwach. Rose. Theater: Der Bulkan.— D»»»«r«t»g. Zentral» Theater: Der Mustergatte. Zl. Abt. Heute, Sonnabend, 16. Juli, 191� Uhr. öffentliche Kundgebung auf dem Arnimplatz. Schönfließer Straße. Ref..: Georq Moderholz. M. d. R. 6Z. Abt. Staaken. Heute, Sonnabend, 16. Juni, 29 Uhr: Politisch-satirischer Abend im Lokal Richter in Staaken, Spandauer Straße. Anschließend Tanz. Einftitt 39 Pf. einschließlich Steuer. Arbeitslose zahlen gegen Vorzeigung der Stempelkarte 19 Pf. Berantwortl. für die Redaktion: Rich. Beruftem. Berlin; Anzeigen: Th.»lock«, Berlin. Berlaa: Borwärt, Berlaa G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin SW SS. Lindenstr. R. Hierzu 1 Beilage. ...idmiibnin? dann aber kauen, es ist gesund und billiger Doms Kautabak ist der„Best e" Versuch macht klug I PLAZA Site Sehl«,«dl. 5i.8".Stjs.2.5,S,,U. E 7 Welch sei 4031 Mrfldua«aucr Sri Rose- 1 beater (trolt FmUirtr Strali IZ! Tel. Wikhil E 1 1421 6 und 9 Uhr Die eifern« longlrau OartenbUhne 5 Uhr KeBzertD. Variete M. i-i-i— saw-i-i. vm ii« in■99f ivj Resfanmn} Berlins) BETRIEB kempinskiM & stadna« bisse. Edelmelallbruch. Quecksilber, 8inn. Blei. Silberschmelze. Ehristionat, TSpe. nickerstra' Speileziwmee 275,— dl« 950,—, Schreibschränke 55,— di» 275,— Äanwt. lins, Aastonienale» 56(Ecke Fehrbell� ,)■siwrftto&e), Jeit mit einer Abkühlung«och nicht zu rechnen. 1 kündigt, daß es von jlg) aus �euillyo�elrezu,.VU|C«1,4VU VIP" Vellage Sonnabend, 16. Juli 1932 üptPbmi SfuUtuugajß» Ju UifUafL Gerhart Herrmann Mostar— Die Geschichte der Woche: Das Gericht der Glocken In Königsberg erzwang eine Glocke bat Geständnis eines Defraudanten. „Also, lieber Herr Mendt— hier stelle ich Ihnen unseren neuen Bücherrevisor vor, Herrn Gerling. Unser langjähriger Kusto», Herr Mendt..." Der Superintendent rieb sich die Hände, wie er immer zu tun pflegte, wenn«ine vorzunehmende Arbeit keine Schwierig- leiten erwarten lieh.„In einer Stunde sind wir fertig, denke ich. Wir sind ja kein Bankkonzernl" Er lachte behäbig. Der Kusto» legte die Bucher vor, während der Revisor um- ständlich sein« Brille putzte.„Was den Möller betrifft, der fast die Hälfte des Kirchenackers gepachtet hat— ich konnte noch keine Pacht von ihm bekommen", sagte Mendt sehr ruhig. Der Superintendent schüttelte den Kopf:„Tjatja, traurig, die Zeit, die Zeit..." Aber er rieb die Hände weiter, verschränkte sie nicht hinter dem Rücken, was nach Mendt, Erfahrung da» Vorzeichen unangenehmer Stim- mung war. Mendt freute sich darüber: aber als nun der Revisor seine Brille gegen da, Licht de» Fensters hielt und zugekniffenen Auges hindurchsah, ob das Glas auch wirtlich durchaus sauber war und kein Pünktchen Geschriebene» ihm entgehen konnte— trat dem Küster doch der Schweiß auf die Stirn. „3ch habe noch drüben in der Kirche zu tun", sagte er hastig. „3ch bin bald zurück." Er ging schnell. Als er auf dem Kirchplatz stand, wischte er sich die Stirn. Er hatte sich zusammengenommen drinnen, seine Stimme hatte nicht gezittert, als er die Sache mit Möller er- zählte— aber dabeibleiben konnte er nicht. Das ging über seine Kraft. Er hatte ollerding« nicht» zu tun in der Kirch«. Di« Turmuhr zeigte zehn Minuten vor sechs. Um sechs erst begann da» Abend- läuten. Bis dahin muhte er sich in der Kirche zu schaffen machen. auf irgendein« Art. Zehn Minuten würden sich ja wohl totschlagen lassen. Er ging durch da» houptportal, nachdem er sehr gemächlich aufgeschlossen hotte. Dabei entdeckte er, daß er den Schlüssel zum Tresor noch bei sich hatte. Er brachte ihn nicht hinüber. Das hatte ja wohl noch Zeit. Doch sah er sich sinnloserweise scheu um, als er ihn In die Tasche steckte. Drinnen im hohen, langen Schiff störte ihn da» Hallen seiner einsamen Schritte. Auch knackte«» in den Bankreihen merkwürdig häufig. Er fuhr jedesmal zusammen. Lächerlich, diese Nerven! Sollten sie in dieser einen Stunde versagen, zu guter Letzt noch? Er verlieh das Schiff und trat in die Sakristei, setzte sich auf einen der hochlehnigen Sessel. Aber die Kanten und Bögen der Schnitzereien an der Lehne taten seinem Rücken weh, und plötzlich beunruhigte es ihn wieder, daß er.. i ch t drüben war. Trotzdem wußte er, dah er nicht imstande sein würde, dabeizustehen, wenn der Revisor die Zahlenkolonien mit festem Zeigefinger entlangfuhr. Aber er hatte den seltsame!» Wunsch, doch wenigstens fein Haus zu sehen während dieser qualvollen Minuten. Deshalb stand er aus und schlurfte die Treppe zum Turm hinauf. Bis zum ersten Lukenfenster wollte er gehen und von dort au» hinüberblicken. Er zählte mechanisch die Stufen. Al» er bei fünfzehn war, fiel ihm ein, dah die ganze Ge- schichte mit dieser lächerlichen Zahl fünfzehn angefangen hatte. Das war nun«in paar Jahr« her. Da fehlten ihm fünfzehn Mark für da» Los, da» er zu spielen pflegte. Der Junge war damals auf der Universität, daher kam das. Er nahm sie au» dem Tresor, um sie morgen zurückzulegen. Da» Zurücklegen vergaß er— wirklich, er oergoß es nur. Es fiel ihm erst wieder ew, als da» Fehlen der fünfzehn Mark bei der nächsten Revision nicht bemerkt wurde. Der Teufel hatte wohl seine Hand im Spiel, dah es ihm nicht eher «infiel... Währenddem stieg er mechanisch weiter, war längst an der ersten Luke vorbei, zählte laut vor sich hin. Hundert... Dann heiratete die Lina. Sie heiratete den Fabrikanten, eigentlich über ihrem Stand, wenigstens finanziell. Er nahm erst hundert und dann— und dann zweitausend... und e» wurde wieder nicht be- merkt. Aber freilich hatte er ein wenig dafür gesorgt, daß es nicht bemerkt wurde... Hundertachtundsechzig, neunundsechzig— siebzig. Er war oben, bei den Glocken. Schade, er wäre eigentlich gern so weiter gestiegen, immerfort weiter, recht weit weg von dem Kantorat, in dem ihm jetzt«in neuer Revisor nachrechnete, so weit weg, so hoch drüber, daß da» Hau» ganz klein und wie eine Nichtigkeit schien, da» Haus, das da unten lag, und die Zwanzigtausend, die da unten fehlten... Aber es ging nicht höher. Er war bei den Glocken. Cr besann sich daraus, daß er eigentlich hatte hinuntersehen wollen. Die Turmfenster logen hier unglücklich: man muhte schon auf den zweiten Balken de» Glockengestühls steigen, um hinabsehen zu können. Mühelos klomm er hinauf, wie im Traum, obwohl er mit seinen sünszig Jahren solche Klettereien eigentlich nicht mehr gewöhnt war. Dann legte er eine». Arm um den Strebebalken, schob sich zwischen die beiden Glocken, die große und die kleine, die so eng nebeneinander hingen, daß die eine mit ihrem kalten Rand seinen Rücken, die andere seine Stirn berührte— und sah unten sein Hau» liegen, wirklich schon sehr klein,«in Puppenhau», nur ernster, aber friedlich und ehrsam. Wie«in Kind kam er sich vor, da» etwa« ausgefressen hat, und da» sich versteckt vor dem strafenden Voter, aber so, daß es die Folgen seines kleinen Verbrechen« ungesehen überblicken kann. Die Sehnsucht, daß alles eine Kinderei sein möchte, abzutun mit einer Verwöhnung oder bestenfall» einer Ohrfeige, wurde so stark in ihm, daß ihm sein Herz weh tat. Warum mußte er fünfzig Jahre alt sein und nicht fünf, warum mußte e» sich um Zwanzigtausend in Scheinen handeln und nicht um ein paar Spielmarken, warum mußte die Zahlung des Pächters Möller oerschwiegen werden und nicht der Sparbüchsengroschen eines Onkels... warum war nicht der Groschen vernascht, sondern ein Kapital von Zwanzigtausend oerspielt, ver- schenkt, verlebt, vertan, ohne Glück, ohne Segen, selbst ohne die Freude am Verbrechen...? Die Ketten und Gewichte der Uhr begannen zu rasseln. Er fuhr zusammen, ober er dachte nicht daran, daß es ja jetzt sechs Uhr schlug, daß er ja unten in der Sakristei den Schalter drehen mußte, um die Glocken in Bewegung zu setzen zum Abendläuten. Er träumte sich weiter In die Vorstellung des ängstlichen Kindes hinein, dos Strafe erwartet und doch weiß, daß sie vorübergehen wird... Als unten seine Frau au? dem Hause trat und erstaunt zum Turm hin- aussah, fiel es chm auch noch nicht ein: er fuhr nur zurück wie er» tappt, obwohl sie ihn von unten gor nicht sehen konnte. Jetzt ging sie aus die Kirche zu. Wollte, sollte sie ihn holen...? Hatte der neue Revisor...? Sollte er gehen, hinuntergehen, sich stellen— oder sich verstecken, noch weiter Kind sein, noch ein paar Minuten long, bis das Ende kam, das Furchtbare, das Unausdenkbare...? Jetzt aber, als er unten die Kirchentür ausschlurren hörte— jetzt endlich fiel ihm das Abendläuten«in. Mein Gott, er mußte ja noch unten, den Kontakt einschalten, es war schon mindestens drei Minuten zu spät. Ehe er sich anschickte, hinabzuklimmen, war ein Aergcr in ihm, daß man nicht vorsichtshalber auch hier oben eine Schaltmöglichkeit geschaffen hatte— ein alberner Aerger, al» hätte man diesen Fall, seinen Fall voraussehen können! Oder: Konnte er nicht mit der Hand läuten, wie früher? Die Stricke waren ja noch da. Aber nein: es waren ja zwei Glocken zu bewegen, zwei Hände also fehlten... Plötzlich begann die kleine Glocke schnell, die große langsamer zu schwanken Ah, gottlob, seine Frau hatte eingeschaltet! Er atmete tief auf. Zugleich aber schnitt ihm jähe Angst ins Bewußt- sein: er stand ja noch immer hier oben zwischen den beiden Glocken, mit Kopf und Oberleib zwischen zwei Glocken, die schon heftiger schwangen— instinktiv duckte er sich, ließ sich fast fallen auf den haltenden Balken— und im nächsten Augenblick erklirrte der erste, hell wimmernde Ton, im übernächsten der erste dunkle, mächtige... Er lag platt zwischen Balken und Balken unter den Glocken, die Schienbeine auf den einen, die Brust auf den anderen gestützt. Cr hatte begriffen, daß es jetzt keine Möglichkeit für ihn gab, hinunter- zukommen... Die kleine Glocke war nicht so gefährlich, ihr Klöppel schwang hoch über seinen Waden. Aber die große, die große... immer dröhnender schwang sie, immer geschwinder, und je zwischen Ton und Ton ging ein scharfes Sausen über seinen Hals, ein Luftzug, hart wie ein Schwert—: da saufte der Klöppel, der furcht- bare, gewaltige Klöppel her und hin, gerade hindurch zwischen Schulter und Schädel, nahe um Millimeterbreite seinem zitternden Hals... Der ganze Glockenstuhl bebte flackerte in allen Atomen von Holz und Stahl, ließ seine Schienbeine schwingen wie Saiten, sie waren schon wund, ließ seine Brust erzittern, es nahm ihm den Atem... Aber unter ihm war Tiefe, viele Meter, er durfte sich nicht fallen lassen, und er durfte seine Lage nicht um Millimeter verändern, sonst zerstieß ihm der Klöppel die Schädeldecke... Er sucht« die vibrierenden Zähne zusammenzupressen, einen Ge- danken zu fassen, irgendeinen. Wenn er versuchte, zwischen Klöppel- schwung und Klöppelschwung sich aufzurichten, blitzschnell, und hin- unterzugleiten am nahen, senkrechten Stützbalken? Aber dann zer- trümmerte ihm der Rand der großen Glocke die Stirn, ein furcht- bares Schwert, gehoben, geschwungen vom elektrischen, erbarmungs- losen Strom... Er blieb liegen, hängen. Einmal hob er den Kops, ein wenig, ein winzig kleines Wenig— da riß ihm der Klöppel den Kragen weg und eine Wunde ins Schulterfleisch, daß er fast gestürzt wäre. Er sank in seine alte Lage zurück. Die Glocken sangen, dröhnten, heulten, der Luftriß des vorübersausenden Klöppels wurde zum rasenden, stechenden Schmerz. Der Küster begann zu schreien, wirr, irr, gellend, bellend— schrie, wimmerte, heulte: „Ich gestehe! Ich gestehe! Ich gestehe...!" Bei jedem Schlag der großen Glocke, bei jedem Pfeifen des Klöppels schrie er sein „Ich gestehe". Ach, was ist dos Geständnis des Menschen gegen die Verkündigung der Glocke? Sie hörten das Läuten aus Märkten und Gassen, in Stuben und Kellern, in der Stadt und weit in den Dörfern ringsum, aber den Menschen härten sie nicht... Auch nicht, als Todesangst zum Wahnsinn wurde, als die innere Abrechnung des Wahns die äußere der Nüchternheit ablöste, als der verzerrte, schäumende Mund andere Worte schrie, immer diese zwei Worte unterm Vorübersausen des Klöppels: „Gottes Schwert! Gottes Schwert! Ich gestehe! Ich gestehe! Gottes Schwert...! * Noch zehn Minuten sdhaltete die Frau des Küsters die Glocken ab. Sie schwangen langsam, langsam aus. Noch ein tiefer, leiserer Ton der großen— noch ein zartes Aufwimmern der kleinen...■ Nach einer halben Stunde erschien der Küster im Amtszimmer. Revisor und Superintendent sahen nicht zu ihm hin, waren in die Bücher vertieft.„Na", sagte der Revisor in die Zahlenkolonnen hinein,„bis jetzt wäre ja alles in Ordnung..." Da schwenkte Mendt eine zitternde, stotternde Hand vor einem zerwühlten Gesicht, vor ousquellenden Augen, vor hämmernder Stirn— hin und her, her und hin schwenkte diese Hand ihr Nein, wie ein Klöppel, und ein irrer Mund schrie, mit dem Klang einer zerspringenden Glocke: „Ich gestehe...!" Sei den Seidenspinn Di« Industrialisierung der«hemaligen Kolonialvölker erfährt in Rußlands asiatischen Gliedstaaten bewußte Förderung. Wo noch vor wenigen Jahren orientalische Romantik herrschte, regier« heute der Großbetrieb. Darüber berichtet Egon Erwin Kisch in seinem— oft zu begeisterten, weil nicht mehr objektiven— Such „Asien gründlich verändert".(Erich Reiß-Berlag, Berlin.) Liehe„Da? Reue Buch". wt. In Bucharax, wo die Romantik rauh und despotisch war, hat man Teppiche gewebt von altersher, und Waffenschmiede standen am Blasebalg: in Samarkand, wo die Türmchen und Fassaden glitzern wie Spiegel, spann man Seid«. In Europa ist solch eine geographisch-ästhetische Einteilung, sofern sie je bestand, längst verlorengegangen, man liest in den Zeitungen von„Schlacht- Hausbrand in Saragossa" oder„Die Weimarer Polizistengreuel". ohne das als deplaciert zu empfinden Vielleicht wird auch in Sowjet-Asien die sentimentale Geographie bald verschwunden sein, denn die moderne Industrie sucht sich ihre Wirkungsgebiete nach praktischeren Gesichtspunkten aus. Andererseits aber kann im Reich der Planwirtschaft ein traditionelles Gewerbe nicht durch willkür- liche Konkurrenz brachgelegt werden, im Gegenteil, ein traditionelles Gewerbe kann neue Impulse durch den sozialistischen Staat er- fahren. Leider ist das mit der Buchareser Teppichweberei nicht geschehen. Dies Handwerk hatte in den Hungerjahren zu existieren aufgehört. Während d«s Bürgerkrieges wanderten die Meister mit ihren Webrahmen und Mustern nach Afghanistan aus, und später blieben die Versuche der Sowjets, die Teppichweberei wieder hochzubringen, vergeblich. Buchareser Teppiche sind in Buchara schwerer zu kaufen als in Berlin. Anders steht es mit 0er Seidenspinnerei. Es ist ge- glückt, si« zu beleben, sie zu industrialisieren und sie gleichzeitig ein- zuordnen in den Prozeß der Befreiung der Frau.„Chudschum— der Sturm" heißt die größte Spinnerei von Samarkand, sie hat 1100 Arbeiter und Arbeiterinnen, ebensoviel wie die Spinnerei „Zehnter Jahrestag der Oktoberrevolution" in Fergana, mit der sie in sozialistischem Wettbewerb steht. Wie bei den Fern- Partien der Schachspieler werden die Züge herüber und hinüber telegraphiert, und groß angeschlagen ist in den Betriebsräumen des „Jahrestags" und des„Sturms" der bisherige Verlauf des Wtt- kampfes der beiden Städte. So sehr wir uns auch angesichts der Somarkander Sakral» bauten an den Anblick von Gold und Weiß gewöhnt haben, blendet uns doch im Lager der Spinnerei das viele Gold und das viele Weiß der aufgestapelten Kokons, das viele Gold und das viel« Weiß der Seide, die ein Wurm gesponnen hat und von Menschen entsponnen werden muß, um wieder gesponnen zu werden. Da» ist die Ausgabe in der Fabrik. Sobald der Kokonbestand nach Farbe, Art. Größe und Qualität sortiert worden ist, rutscht er auf einer Schütte hinab zu den Spinnereien in der Werkhalle. Gründlich getrocknet waren die Kokons, bevor man sie hier her- brachte, und nun ist der erste Arbeitsgang der, sie wieder zu be- feuchten. Ein Dampfbad löst den Mörtelverputz de» seidenen Häuschens, den Leim, und rotierende zarte Bürstchen fahren die Fassade entlang. Das eirunde Stück glatten Goldes oder karra- rischen Marmors hört auf, ein eirundes Stück zu sein und ist nun da», was es ist: ein Gespinst. Di« Struktur liegt bloß und bleibt bloßgelegt, auch wenn man die Stücke nach dem heißen Bad einem kalten aussetzt. Aus dem fischt sie die Arbeiterin?lbgelöst wird die äußere Schicht des Kokons, ein bastartiges Zeug, nur gut für Schappe- srinnen Samarkands garn. Jetzt macht man den letzten Hauch der Naupe ausfindig, den Endpunkt des von ihr gesponnenen Fadens, erfaßt ihn und leitet ihn durch die Oese eines Achatsteins, der außerdem noch die Fäden fünf anderer Kokons aufnimmt. Viel« Samarkanderinnen tragen noch das roßhaarne Visier, den Gesichtsschleier der mohammedanischen Frauen, manche nehwen es nicht einmal ab, wenn sie den Faden durch den Achatstein stechen und von dort über die Haspel führen, das Rad, das, mathematisch genommen, ein Achteck ist, aber sich so schnell dreht, daß man seine Ecken übersieht. Es rollt die sechs Kokons ab und zwirnt die sechs Fäden zu einem einzigen Faden von 250 bis 500 Meter Läng«. Ueber die Köpfe der Arbeitenden hinweg lausen die sich um- einander windenden Fäden und schlingen sich um sausende Spulen. Netze zerschneiden den Raum, in dem man die Kokon» weicht und bürstet und abwickelt, die Enden der Zwirne knüpft, die Spulen wechselt, die mattglänzenden Strähnen abhebt und zu Docken dreht. Tausenden und aber Tausenden van verpuppten Würmern wird dos Obdach geraubt. Schutzlos liegt der Wurm da, der dos teure Material liefert, kunstvoll das erste Halbprodukt verfertigt hat, hüllenlos und leblos liegt er da. Er heißt„Chrysolith a", alles hier hat italienische Bezeichnungen, denn vor drei Jahren wurde die Fabrik von Turiner Spezialisten eingerichtet. Jetzt arbeitet sie schon ohne fremde Hilse und erfüllt den Fünfjahres- plan: aus der Chrysoliths macht man Seife, aus dem Seidenleim Brennöl, und in die Seidenweberei nach C h o d s ch e n t gehen die Rohgarne, die wir hier abrollen und aufrollen sehen. In Chodschent Hausen auch die letzten Handweber. Ihre langgestreckten Werkstätten aus Lehm durchläust ein Draht. Unter dem Scherbaum und an der gegenüberliegenden Wand hängt je«in steinernes Gewicht an diesem Draht und spannt da» gewebte Seiden- stück. Mit den Füßen hebt der Weber den Scherbaum, mit den Händen wirft er«in Weberschiffchen unter den Faden: dergestalt erzeugt er die Kette mit dem Fuß, den Schuß mit der Hand, Tritt und Wurf, Tritt und Wurf ein Menschenleben lang, ein Greisen- leben lang. Tritt und Wurf, das gleiche Gewebe aus grünem und blauem und violettem Garn, ein Greisenleben, zehn Greisenleben lang.— Nach bizarrer als der Webstuhl, diese Kombinotion von Kamm und Bürste, wirkt eine kleine Apparatur: in den Scherbaum ist eine Latte senkrecht eingerammt, und von ihr baumelt ein Fell, das bei jeder Bewegung des Pedals dem Weber sanft ins Gesicht schlägt. Das ist, endlich begreisen wir es, eine Vorrichtung zum Ver- scheuchen der Fliegen, auf daß si« den Meister nicht stören, wenn er da» Weberschiffchen schnellt. Fliegen sind genug da: der Dampf, der den Raum erfüllt, verjagt sie nicht. Der Dampf kommt au» zwei Töpfen, in denen ununterbrochen zwei Flüssigkeiten kochen. Stärke und grüner Tee. Sechs Meter macht der Weber am Tage und verdient kaum die Hälfte von dem Lohn eines Fabrikarbeiters. Obwohl die hond- gewebte Ware teurer ist al» die industriell erzeugte, läßt si« sich leicht an den Mann bringen, weil die Produktion den gesteigerten Bedarf noch nicht deckt. Nicht lang« mehr werden Weber unter fellnem Fliegenmedel hocken. Schon weben die Fabriken den Haus- webern das Leichentuch. Drüben rattern bereits die Webstühle im Vielklang, drüben arbeiten die jüngeren Kollsgen der weißbärtigen Heimarbeiter— Ueberlouser vom Handwebstuhl zum halbmechanischen, vom Hond» werk zur Fabrik, „Solidaritäf-Meisierschaflen Sonnabend und Sonntag in Halle Heule uni morgen slehl Holle im Zeichen des Arbeiter- Rod- und krostsohrerbundes„Solidarität". Die größte Sportorganisation der Welt bringt hier ihre Meisterschaften zum Austrag und die vielen Wertungskommissionen werden mehr al» genug zu tun haben bei der Feststellung einwandfreier Resultate. 5K Meistertitel sind zu oergeben, Sö Meistertitel werden hart um- kämpft. Seit Wochen wird für dieses einzigartige Treffen gerüstet. Zu- erst waren es die 1300 Meisterschaftsteilnehmer oller Altersklassen, die immer wieder ihr Können überprüften, um sich so für Halle vor- zubereiten. Daneben trafen die vielen Ortsgruppen alle Vorberei- tung, um mit dabei zu sein, wenn die Besten der„Roten Kavallerie" zum Meisterschaftskompf antreten. Kurzum: für hunderttausend Mann ist das Ziel Halle! Das Hauptinteresse konzentriert sich wie immer auf die Soalsportwettbewerbe. Man kann sich einen rechten Begriff von der Größe dieser Wettbewerbe machen, erforderlich sind! SOO Fahrer und Fahrerinnen beteiligen sich hieran. wenn man erfährt, daß hierfür rund 22 Stunden zur Abwicklung Daneben gelangen 18 Bahnrennen zum Austrog, hier haben sich etwa 100 Akteure in die Starterliste eingetragen. Di« Straßen- rennen weisen 8 Wettbewerbe auf, di« mit 1S0 Mann besetzt sind. Bahn- und Straßenrennen werden trotz ihrer kurzen Pflege m der„Solidarität" heiße Kämpfe bringen, zumal diese beiden Sportarten immer mehr Anhänger finden. 6 Motorradfahrer-Wett» bewerbe, in deren Teilnehmerlisten über 60 Fahrer verzeichnet sind, 14 Kunstfahrer-Vorführungen, für die 30 Aktive ihre Meldung ab- gegeben haben und 31 Radball- und Radpolospiele, die 122 Spiele- rinnen und Spieler auf dos Feld bringen, oervollständigen das Pro- grairan, dos ein natürliches Spiegelbild aufbauender Sportarbeit sein wird. Und wenn in den Sonntagnachmittagsswnden sich der gewaltige Festzug durch Halles Straßen bewegt, dann wird neben dem Radler- grüß„Frifch-Auf" auch der Gruß„Freiheit" ertönen und die an- deren aufmerken lassen, daß auch das Riesenheer der 330 MO Arbeiter- radler sich eingereiht hat in die„Eiserne Fron t" der deutschen Freiheitsbewegung. 'IVO Kilometer bmter Motoren Sonntag auf der Olympiabahn Noch steht der sesselnde Berlauf des„Kleinen Goldenen Rades" bei den Radsportfreunden in frischer Erinnerung und gern wird man an die Kämpfe denken, die sich die aussichtsreichsten Siege-anwärter Metze, Horn und P a w l a ck lieferten, bis diese durch den Sturz des tapferen Horn jäh unterbrochen wurden. Die Leitung der Olympiabahn wird diesen drei Nochwuchsstehern am Sonntag erneut Gelegenheit geben, sich in einem 100- Kilometer- Rennen zu messen. Aber nicht nur diese drei Gegner aus dem„Kleinen Goldenen Rade" werden sich in dem 100- Kilometer- Rennen gegenüberstehen, sondern es kommen noch drei weitere Fahrer an den Ablauf, die in Berlin seit langer Zeit nicht mehr am Start erschienen sind. Da ist zunächst Rudolf Wolke, der hinter seinem Schrittmacher Bajorath an die guten Erfolge des Borjahres sowohl im Auslande als auch auf deutschen Bahnen anknüpfen konnte, und dem sehr daran ge- legen ist, bei seinem Wiedererscheinen aus einer Berliner Radrenn- bahn so vorteilhaft wie möglich abzuschneiden. Ein alter Bekannter kommt mit Fritz Bauer an den Ablauf, der hinter dem Schritt- macher hörtrich noch einmal den Kamps mit der jüngeren Dauer- fahrergeneration ausnehmen will. Der Stettiner Corpus wird das Steherfeld vervollständigen und hinter seinem Schrittmacher Wittig alles daransetzen, im Kampfe mit seinen gleichaltrigen Ri- valen mit Ehren zu bestehen. Beginn 16 Uhr. AeUiUc~TenhU Fortführung der Kreisserie Am kommenden Sonntag wird die Kreisserie im Arbeiter- Tennis weitergeführt. Frauen A. TR. Friedrichshain I fährt zu 14 Uhr nach Fürstenwald«, um dort gegen die Frauenmannschaft von Tennis-Rot zu spielen. Fürstenwalde wird voraussichtlich alle sechs Punkte an Friedrichshain abtreten mülsen. TR. Lichtenberg I hat um 9 Uhr TR. Prenzlauer Berg im Lichtenberger Stadion zu Gaste. Die Lichtenberger dürsten sich überleg«« durchsetzen. Frauen B. TR. Friedrichshoin II spielt um 14 Uhr im Fri«d- richshain gegen FTGB. II. Friedrichshain dürfte den Sieger stellen. Männer A. TR. Lichtenberg I spielt um 9 Uhr im Lichtenberger Stadion gegen T'R. Wedding I. Wedding ist den Lichten- bergern nicht gewachsen und dürfte durch dieses Spiel endgültig auf den Tabellenschluß verwies«n werden. M ä n n e r B. Um 14 Uhr trifft im Friedrichshain TR. Friedrichshain II auf TR. Prenzlauer Berg I. Mit etwas- Energie könnt« Friedrichshain einen guten Punktsieg landen und damit seinen Tabellenstand verbessern. Um 9 Uhr wird in der Junosernheide TR. Ebarlottenburg I gegen TR. Neukölln I kämpfen. Mit der jetzigen Mannschaft wird Neu- kölln überlegen-bleiben. Männer C. TR. Prenzlauer Berg II gegen TR. Lichtenberg II, 9 Uhr. Exer. Lichtenberg wird sich auch in diesem Treffen durchsetzen. TR. Fürstenwalde I gegen TR. Neu- kölln II, 14 Uhr, Fürstenwalde. Tritt Neukölln mit vollzähliger Mannschaft an, dann könnt« es den Sieger stellen. Männer D. FTGB. III gegen TR. Prenzlauer Berg III, 9 Uhr, Rehberge. Die überlegene Mannschaft stellt zweifellos die FTGB. AcUHec-WasseebaU Weihensee— Neukölln 6: 1 In einem verhältnismäßig schwach geführten Spiel behielt W e i ß e n s e e gestern über Neukölln die Oberhand. Neukölln erwies sich nur in der ersten Halbzeit als ein gleichwertiger Gegner und vermochte durch eifriges Nochsetzen lange Zeit hindurch dos Treffen offen zu holten. Allein der Mangel an Stellungsspiel und Schußvermögen brachte diese schwimmschnelle Mannschaft um Er- folzsoussichten. Weihensee kam an seine sonstigen Leistungen nicht heran, es mangelte oft an planvollen Aktionen. Die technische Ueber- legenheit der Weißenseer war jedoch unverkennbar, ober erst gegen Spielschluß fand sich die bis dahin ohne Schwung spielende Mann- schaft und sicherte sich vor allem durch gut« Leistungen seiner Stürmer einen auch zahlenmäßig verdienten Sieg. Oesterreicks �tti!etilc~Meistersckaften An den Meisterschaftsoorkämpf«n des Verbandes der Ar» beiterkraftsportvereine O« st erreich? im Stemmen, Ringen, Jiu-Jitsu, Bombenjonglieren und Tauziehen beteiligten sich in diesem Jahre über 3300 Athleten. Durch die in drei Abschnitten durchgeführten Bezirks- und Kreismeisterschasten hatten sich für die Schlußkämpfe 36 Hebermannschaften, 8 Ringerstaffeln, 4 Jiu-Jitsu-, 4 Tauzieh- und 4 Bombenjongliermannschaften qualifiziert. Diese rund SOO Athletiksportler trugen an einem Tage im Wiener Prater von den ersten Vormittagsstunden bis in den spät«» Abend hinein ohne Zwisch«nsälle ihre Schlußkämpse aus. Der zum dritten Male gestartet« Mannschaftswettbewerb hat eine höhere Bedeutung als der der Vorjcchre: alle Titel gelten für zwei Jahre, da die vierte Verbandsmeisterschaft erst im Jahre 1934 durchgeführt wird. In diesem Jahre wurden fast all« Meister aus dem Sattel gehoben, die nachdrängende Jugend holt« sich hier die meisten der heiß um- kämpften Meisterschaftstitel. Bei den Stemmern waren die besten Eliteheber an den Start. Mit zwei neuen internationalen Best- leistungen bewiesen die Wiener Heber erneut ihre Vormachtstellung in der Sozialistischen Arbeitersport-Jnternationale. Auer-Wien stieß rechts im Federgewicht 90,7 Kilogramm und der Federgewichtler Bergmaier brachte einarmig links 6S Kilogramm zur Hochstrecke. te- juxim rar Kieme rrauen Pushballspiel bei Arbeitersportlern. In Sem Mannschaftswettbewerb im Leichtgewicht schnitt der Verein Höllriegel am besten ab; mit zwei Mannschaften kam der Verein mit in die Entscheidung und belegte hier den Siegerplatz und hinter Gaswerk dazu noch einen achtbaren dritten Platz. Der Sieg im Schwergewicht fiel an das Gaswerk 8. Im Ringen blieb Vorwärts- Linz ohne Schlechtpunkte vor Gaswerk 8 Sieger. Die„Wiener Zeitungen" vermochten ihren Olympiade-Erfolg durch einen Sieg über das Gaswerk zu wiederholen. Meister im Jiu-Jitsu wurde die Fünshauser Staffel. Das Bombenjonglieren fiel an die Straßen. bahn I. Davis-Coup: Deutschland-Italien 2:0 Auf den Plätzen des Tennisklub Mailand nahm am Freitag der Endkampf der Europozone um den Davis-Pokal zwischen den Tennisländermannschaften von Deutschland und Italien seinen An- sang. Gottfried v. Tramm siegte ohne Satzverlust gegen den ehe- maligen Berufsspieler Palmieri mit 6:3, 6:4, 6:0, während P r e n n in einem wegen Regen auf kurze Zeit unterbrochenen Spiele gegen de Stefani kaum weniger leicht mit 6:1, 6:4, 1:6, 6:2 die Oberhand behielt. Das bayrische Fest der.Arbeit in München vom 23. bis 24. Juli ist im Hauptteil seiner Veranstaltung gleich- zeitig ein Fest des Bayerischen Arbeitersportes und der ihm angeschlossenen Kulturbestrebungen. Großangelegte Wettkämpfe aller Sportarten, Festzüge, Massenvorführungen im Münchener Stadion und Festspiel„Der erste Tag" bilden besondere Anziehung?- punkte, d« ist ein Fest der Arbeitersportler Bayerns mit voller Unterstützung und Beteiligung seitens de- Reichsbanners sowie der Partei und der Gewerkschaften. Für diejenigen, die noch nicht über ihren Sommerurlaub verfügt haben oder sonst eine Beteiligung mög- sich machen können, bietet sich Gelegenheit zu verbilligter gemein- samer Fahrt und genußreichem Erleben in Bayerns Hauptstadt. Die Freie Turnerschaft Groß-Berlin weist nochmals alle Interessenten an einer Gesellschaftssahrt nach München darauf hin, daß bis Dienstag, den 19. Juli, 18 Uhr. noch M e l- düngen angenommen werden. Alles Nähere, besonders über Fahrpreis, Abfahrt, Beteiligung an Wonder- und Bergtouren usw. in der Geschäftsstelle der FTGB., Bln. N0 18, Lichtenberger Str. 3, Tel. Königstadt E 3 3656.__ 8 Pferde im Groden Preis von Berlin Die Starterliste für den am Sonntag aus der Grüne- Waldbahn zur Entscheidung gelangenden Großen Preis von Berlin über 2600 Meter hat sich etwas vergrößert. Nicht nur fünf, wie ursprünglich disponiert, sondern acht Pferde bewerben sich um die ausgesetzten 35 000 M., und zwar: Grenadier, 6jähr. H., 62 Kilo(E. Pretzner), Wolkenflug, 4jähr. H., 61 Kilo(A. Sajdik), Aventin 3jähr. H., 53 Kilo4 Uhr Humboldthaien, Invaliden. straß«. Kleidung: offenes, weiße» Hemd, Hofe mit Gurt, ohne Kopfbedeckung und ohne Jacke. Wetter für Berlin: Wechselnd bewölkt und relativ kühl, noch Neigung zu einzelnen leichten westlichen bis nördlichen Winden.— Für Deutschland: Allgemein noch meist bewölkt und ziemlich kühl. Besonders im Küstengebiet und in Süddeutschland Regenfälle. Rundfunk am Abend Sonnabend, den 16. Juli 1932 Berlin. 16.05 Orchesterkonzert. 18.00 Die Erzählung der Woche(H. Lange). 18.30 Zehn Minuten Sport(G. Göhler). 18.40 Heiteres(U. r. Krolop). 18.35 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Zu der neuen Verordnung über die A rbeitsdienstp flicht (Reddisarbeitsminister H. Schaeffer). 19.20 Klaviermusik. 19.35 Leben und Sterben des deutschen Volkes im Lidite der Statistik(Geh. Regierungsrat Prof. Dr. J. Wolf). 20.00 Aus Leipzig: Das Dorf ohne Glocke(Singspiel). 22.00 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Tanzmusik. Koni gs Wusterhausen. 16.00 Geographisches Schauen im Gebirge(Dr. L. Kögel). 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Wie kann man dem Hitzschlag vorbeugen?(Ministerialrat Dr. W. Mallwitz). 17.50 Ostpreußens interessante Seiten(Dr. S. Brase). 18.05 Musikalische Wochenschau(Dr. H. Curiel). 18.30 Forschung und Heldentum(Prof. O. E. Meyer). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Wahrscheinlichkeit und Kausalität(Prof. Dr. H. Reichenbach). 19.30 Kirche und Fortschritt(Dr. Wrede). 20.00 Aus Stuttgart; Volksmusik und Wanderlieder. 21.00 Aus Stuttgart: Bunter Abend. 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Sonntag, den 17. Juli 1931 Berlin. 6.00 Gymnastik. 6.20 Aus Hamburg; Haienkonzert. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.20 Tagesfragen der Schweinehaltung(Direktor Dr. W. Stahl). 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Große Dirigenten (Schallplatten). 11.30 Vom Nürburgring: Großer Preis von Deutschland. 12.00 Aus Hamburg: Mittägskonzert. 14.00 Märchen(Ellen Buel). 14.30 Aus Frankfurt a. M.: Fernprobe zu dem Hauptkonzert des Deutschen Sängerbundesfestes. 13.15 Vom Nürburgring; Großer Preis von Deutschland. 15.33 Der Werkstudent als internationaler Reiseführer(K. Schoenbach). 16.00 Unterhaltungs- und Tanzmusik. 16.35 Von der Rennbahn Grunewald: Großer Preis von Berlin. 16.50 Unterhaltungs- und Tanzmusik. 17,00 Aus Mailand: Hörbericht vom deutsch-italienischen Tennisspiel. 17.30 Vom Nationalen Rhönradturnier. 17.45 Unterhaltungs- u. Tanzmusik. 18.30 Theater im Grünen(E. Pirchan). 18.35 Klaviermusik. 19.20 M. Kretzer: Eigene Prosa. 19.30 Sportnachrichten. 20.00 Orchesterkonzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 11.00 Musiker-Studien(Dr. N. Feinberg). 11.30 Weibliche Jugend in unserer Zeit(Dr. Hertha Siemering). 14.00 Der Dichter an die Freundin(Dr. A. Simon). 15.33 Aus Werken von E. Krutina(K. Graef). 18.30 E. Keienberg: Eigene Prosa. 19.00 Der deutsche Landmensch(Dr. Göllner). 19.25 Ein andalusisches Volksfest(Dr. D. J. Mölfel). 20.00 Aus München: Funkvariationen über das Thema„Mann und Weib— und Weib und Mann". 22.28 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im., Volksfunk", monati. 96 Pf. duroi alle„A orwärts"-Boten oder die Postanstalten. Alle Arbeiter und Angeslellle haben das Recht auf Befreiung von der Mitgliedschaft bei einer Pfllchtkrankenkasse(|S17RVO.) durch Ubertritt zur Kranken- u. Sterbekasse für das Deutsche Reich (Lichterfelder Ersatzkasse>ür samt ich: Berufszweise V. a. Q.) Auskunft und Prospekte kostenlos und unverbindlich duren du: Hauptverwa�ung: Berlin N 24, Oranienburger Straße 67