Morgenausgabe Tit. 335 A 165 49. Jahrgang Wöchentlich 75 Pf., monatlich 3, SB M. (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3.S7 M. einschließlich SO Pf. Postzeitungs- und 72 Pf.Pvstbestellge- bühren.Auslandsabonn«ment 5,65 M. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto 4.65 M. De! Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. » Erscheinungsweise und Anzeigenpreise stehe am Schluß des redaktionellen Teils. berliner vottsblatt Jentralsrgan der Sozialdemokratischen Partei DeutschlWÄ Dienstag 19. Juli 1932 Groß'Äerlin 10 pf. Auswärts-15 pf. r, 1■■ Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Kernspr.: Dönhoff(� 7) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto:Berlin37 S3K.— Bankkonto; Bankder Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr. S, Di. B. u. Disc.-Gef., Deposiienk., Jernialemer Sir. 65/60 Hiller loierieri Papen! Dokumentarischer Beweis vom Zentrum erbracht. Die Ableugnungsversuche der Nazis haben jetzt ein Ende? Das Zentrum hat einen dokumentarischen Beweis erbracht, datz die Nationalsozialistische Partei das Ka- binett Papen toleriert, das; sie die Verantwortung tragen für die Taten des Kabinetts. Hier ist der Beweis, wie ihn die„German! a" veröffentlicht: ..Zum Miltwoch. dem Z. Zuni 193 Z. lud Reichskanzler von Papen verlreler der Zenlrumsfraktion des Preußischen Landtages ein, um mit ihnen über eine baldige R e- gierungsbildung in Preußen zu jprecheh. von der Zentrumsfraktion erschienen mit dem Minister Hirtsief er der stellvertretende Zraktionsvorsjhende S t e g e r und der Geschästs- sührer Dr. G r a ß. Der hier zum ersten Mate in der Oessenttichkeit bekanntgegebene Inhalt dieser Unterredung wurde sofort nach der Sihung von den Vertretern des Zentrums in einem Pro- tokoll festgehalten. Räch dieser Riederschrist legte der Reichskanzler den Herren dar, daß er über die kunstige preußische Regierung mit v e- austragten Adolf Hitlers verHandel« habe und auch zu einem getpissen Ergcbnisgekommen sei. Als vorsichtiger Mann habe er sich die Bedingungen schriftlich geben lassen, unter denen die Rationalsoziaiisten bereit seien, mit dem Zentrum und den Deutschnalionalen über eine Regierungs- bildung in Preußen zu verhandeln. Der Reichskanzler trug dann die nachstehenden Forderungen aus einem Schriftstück vor, das er während'der Unterredung in Händen hielt. Die Bedin- gungen lauteten: f. Ten Nationalsozialisten sind neben anderen Ressorts das Ministerpräsidium und daS Innen» Ministerium zuzuerkennen. 2. Tic Zentrumspartei hat ihre sinnlose Qppo- sition gegen das Kabinett von Papen cinzp- stellen. Diese Bedingungen, so teilte Herr von Papen mit, würden die Rationalsozialisten dem Zentrum und ebenso den Deutschnationalen in einem Brief unterbreiten. Zn diesem Aussah erübrigt es sich, im einzelnen darzulegen, was die Zentrumsvertreter dem Kanzler erwiderten, von größter Bedeutung ist es aber für die angestrebte Beweisführung, daß Herr von Papen herausstellte, er sei es keineswegs gewesen, der den Rabonalsozialisten nahe- gelegt habe, die Bedingung zu stellen, die Zentrumsparlei solle ihre unsinnige Opposition gegen sein Kabinett ein st eilen. Vielmehr habe er ausdrücklich gewünscht, diese Forderung möge wegsallen. � Tic Nationalsozialisten seien auf diese Bedin- gung aber geradezu„versessen" gewesen." Das ist ein durchschlagender Beweis? Gibt es einen deutlicheren Beweis, als daß die Nationalsozialisten das tlabinett Papen-Zchleicher so sehr für ihr eigenes Ka- binett halten, daß sie ihm zur Tolerierung durch die Nazis auch noch die Tolerierung des Zentrums Verschaffen wollten? Jetzt sind sie gestellt? Wir greifen an! Die Nazipariei ist in der Defensive.— Soebbels gesieht. Die volksverrälerische Partei des Herrn Hitler versuch» zu leugnen, daß das Kabinett der varone von Hitler gebilligt worden ist und daß die Rationalsozialistische Partei die volle Verant- worlung für die Hitler-Rotverordnung, für die Kürzung der Renten und Unterstllhungen. für die ungeheuerliche Be- lastung des arbeitenden Volkes trägt. Die Führer dieser Partei aber sind sich int klaren darüber, daß da« Volk sie mit Recht dafür verant- wortlich mn Sie fühlen, daß sie durch den Volkszorn in die Verteidigung gedrängt sind. Die Reichspropagandaleilung der RS DKP., gezeichnet Goebbels, und die Reichspressestelle der RSDAP., gezeichnet Dietrich, haben an alle Gaue und Gaupropagondaleiter zur vertraulichen Insormation Mitteilungen gerichtet, in denen es u. a. heißt: „Die NSDAP, läßt sich ihre Politik von niemandem und von nichts vorschreiben. Sie geht ihren eigenen als richtig erkannten Weg. Es muß unserer Presse und Propaganda in kürzester Frist gelingen, die Partei aus der Defensive heraus z-u» führen und offensiv gegen die marxistischen Parteien und gegen das Zentrum in Front zu bringen. ES ist diesen Parteien ihre vierzehnjährige Bankrottpolitik aus allen Gebieten deS öffentlichen Lebens nachzuweisen und eS darf den schwarzroten Parteien nicht gelingen, diese Tatsache tagtäglich in die Massen hineinzu- trommeln, um aus Angeklagten zu Anklägern zu werden." Das ist das Geständnis, daß unsere Anklagen gegen den Volks- verrat der Razis richtig find und daß die Rationalsozialislen in die Defensive gedrängt sind! Sie haben versucht, mit einer Flut von Lügen und mit dem juristischen Kniff der einstweiligen Verfügung die Mahrheil unserer Anklagen zu entkräften. Es ist ihnen nicht ge- lungen und es wird ihnen nicht gelingen! Tag für Tag werden wir unsere Anklage in die Massen einhämmern: Ohne Hitler kein Papen? Ohne Hitler keine Hitler-Notverordnung? Löbe nagelt Hitler fest. Die Tolerierung von höchster Stelle bestätigt. Z h e h o e. 18. Zuli.(Eigenbericht.) Zn einer hiesigen Versammlung erklärte Reichstagspräsident L ö b e, er habe aus dem Munde des höchsten Beamten der Deutschen Republik bestätigt bekommen, daß die Führung der Razis ausdrücklich versprochen habe, die Papen-Regierung z u tolerieren. Deshalb sei es Ausgabe jede« Republikaners, immer wieder von neuem die Tolerierung der Razis festzustellen und die ganze Zudaspartei aus der Klammer nicht herauszulassen, in die sie sich selbst begeben habe. Heute in die„Neue Welt"! Die Eiserne Front veranstaltet heute abend pünktlich 19 Uhr, eine Wahlkundgebung In den Räumen:„Neue Welt", Hasenheide Bei dieser Kundgebung wird die englische Genossin W i I k i n s o n das Manifest der englischen Arbeiterschaft und das von den englischen Frauen gestiftete Banner überreichen. Redner: EllenWilkinson, Robert Bredow, Dr. Rudolf Breitscheid, Peter Graßmann, Franz Künstler, Karl Litke, Arthur Neidhardt. OasOemonstrationsverbot Auf Llmwegen zur Vernunft? Amtlich wird mitgeteilt:» Am vergangenen Tonntag ist es wiederum an vielen Orten zu blutigen Zusammen st iißen gekommen. In der weitaus überwiegenden Zahl der Fälle beruhen die Zusammenstöße auf Provokationen und hinterhältigen Ucbersällcn von k o m m u n i st i- scher Seite. Um die unmittelbare Gesahr neuer Ueberfällc auf öffentliche Umzüge zu verhindern, hat der Rcichsminister des Innern mit dem heutigen Tage bis auf weiteres auf Grund der Zweiten Ber- ordnung des Reichspräsidenten über politische Aus- schrcitungcn vom 28. Juni lllZ2 ein allgemeines Verbot von Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzügen erlassen. Die Reichsregierung ist entschloffen, alle Maß- nahmen zu treffen, um Leib und Leben der Staatsbürger gegen weitere Angriffe zu schützen und die freie politische Betätigung zn sichern. Sic erwartet von allen Teilen des Voltes, die auf dem Boden des Rechts stehen. Ruhe und Besonnen- hcit. Nur dann kann den bewußten Provokationen blutiger Auseinandersetzungen wirksam das Hand- Werk gelegt werden. * Solange es keine Regierung Papen gab, waren die Fkagen der Demonstrierfreiheit den Umständen nach ver- niinftig geregelt. Hitler durfte zwar nicht mit seinen Sol- daten spielen, besaß aber, davon abgesehen, wie man weiß, sehr ausgedehnte Propagandamöglichkeiten. Was die Ver- anftaltungen unter freiem Himmel betraf, so war den er- fahrenen Polizeiministern der Länder ein weiter Spielraum gegeben, in dem sie sich mit anerkannter Unparteilichkeit ße- wegten. So hatte S e v e r i n g, wie der Reichsregierung bekannt war, ab 2. Juli eine allgemeine Lockerung des De- monstrationsverbots vorgesehen, die selbstverständlich allen Parteien gleichntäßig-zugute gekommen wäre. Herr von Gay! hatte nicht Zeit, lange zu warten. Hitler drängte. So wurde der neuuniformierten natio- nalsozialistischen Privatarmee eine ziemlich unbeschränkte Marschierfreiheit gegeben, deren verhängnisvolle Wirkungen jeder Sachkundige mit Leichtigkeit voraussagen konnte. Diese Wirkungen sind eingetreten. Die Verlustliste des Bürger- kriegs, die wir feit dem Beginn der neuen Aera führen. verzeichnet heute— ohne Gewähr der Vollständigkeit!— 99 Tote und 1125 Verwundete. Die letzten 12 Toten, die von Altona, haben die Reichsregierung nun doch veran- laßt, ihre vor wenigen Wochen erst getroffenen Maßnahmen wieder rückgängig zu machen. Sie hat jetzt ein a l l g e- meines Verbot von Versammlungen und Aufzügen unter freiem Himmel erlassen. Ergebnis: Auch die Schoßkinder der Papen-Regierung, die Nationalsozialisten, müssen auf die Demonstrationen ver- zichten, die ihnen— ebensogut wie den Kommunisten und jeder andern Partei— S eo e r i n g gestatten wollte! Weiteres Ergebnis: Die SA. darf zwar Uniform tragen, aber die Uniformierten dürfen nicht mehr in geschlossenen Zügen auftreten. Der Wert der so viel umkämpften Uni- form-Spaziergeh-Erlaubnis wird auf«in Mi- nimum reduziert! Wird damit die erhoffte Beruhigung eintreten? Wir verurteilen jede angriffsmäßige Gewalttat auf das allerfchärfste und finden uns durch die Greuel von Al- tona in unseren Anschauungen bekräftigt,„Straßen leer! Fenster zu!" das war auch für Altona die richtige Parole. Nach der kommunistischen„Welt am Abend" waren es ganze 5999 Mann von der SA., die am Sonntag durch Altona zogen, während im benachbarten Hamburg 59 999 Sozial- demokraten gegen Hitler und feine Barone demonstrierten. Hätte man sich in Altona um die braune Gesellschaft nicht gekümmert, so war ihr der kläglichste Reinfall gewiß. Die Schießerei von Altona war nicht nur eine Scheuß- lichkeit, sondern auch eine katastrophale politische Dummheit. Wir wiederholen: vom menschlichen wie vom politischen Standpunkt aus verurteilen wir jede angriffsmähige Gewalt- Handlung. Aber erstens sind solche Handlungen sehr oft von den Nazis selbst ausgegangen, und zweitens läßt sich nichts daran ändern,"daß mindestens jeder zweite Mensch in Deutschland das hordenmäßige Auftreten der berüchtigten Notvcrordnungsjacken als eine ungeheuerliche Provokation empfindet. Man kann Brände nicht verhindern, wenn man nicht den Mut hat, den Zündstoff zu beseitigen. Die Reichsregierung teilt jetzt amtlich mit, sie sei fest entschlossen,„alle Maßnahmen zu treffen, um Leib und Leben der Staatsbürger gegen weitere Angriffe zu schützen und die freie politische Tätigkeit zu sichern". Hoffentlich bedeutet das wirklich eine grundsätzliche Umkehr! Dann wird es ja in Zukunft nicht mehr möglich fein, daß zum Beispiel der„V o r w ä r t s" eines Tages von bewaff- neten Nazis überfallen wird und daß zwei Tage darauf die Reichsregierung von der preußischen Regierung ein Verbot des„Vorwärts" fordert, gegen das sich ihr politisches Urteil und ihr Rechtsgefühl heftig sträubt. Wenn jedoch die Reichs- rogicrung„die freie politische Betätigung sichern will", wird sie sofort zweierlei zu tun haben: Erstens muß die Reichsregierung den willkürlichen Drangsalierungen, denen die sozialdemokratische presse und Wahlpropaganda in nationalsoziali sii)ch regierten Ländern ausgesetzt ist, sofort ein Ende bereiten! Und zweitens muß sie den sich täglich steigernden nationalsoziali st ischen Aufreizungen zur blutigen Gewalt gegen politische Gegner mit eindeu- tiger Entschiedenheit entgegentreten. Solange die Reichsregierung duldet, daß eine Partei, die ihr doch nicht ganz fernsteht, in einigen Ländern ein ungeheuerliches Gewaltregiment ausübt und solange sie dazu schweigt, daß diese Partei durch ihre prominentesten Führer die wildesten und ekelhaftesten Gewaltdrohungen gegen ihre Gegner ausstößt, so sänge kann sie nicht be- baupten, für den Schutz von Leib und Leben und den Schutz der freien Meinung das Notwendige getan zu haben. Schutz von Leben und Freiheit kann nur gewährleistet werden durch einen überwältigenden Sieg der Sozial- demokratie am 31. Juli. Oer Wortlaut der Verordnung. Aus Grund des 8 2 der Zweiten Verordnung des Reichs- Präsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 28. Juni 1932 lReichsgesetzbl. I S. 339) wird mit Wirkung fiir da, Reichsgebiet folgende»verordnet: 8 l. lt) Versammlungen unter freiem Himmel und Auszüge sind bis auf weiteres verboten. (2) Das verbot gilt nicht für Versammlungen unter freiem Himmel, wenn sie in festumsriedeten. dauernd für Massenbesuch eingerichteten Anlagen stattfinden und ihr Besuch nur gegen Ein- Irittskarten zugelassen Ist. Aus Versammlungen dieser Art findet die Verordnung des Reichsministers des Znnern über versamm- lvngen und Aufzüge vom 28. Zuni 1932(Reichsgesehbl. I 5. 339) Anwendung. § 2. (1) Mit Gefängnis, neben dem aus Geldstrafe erkannt werden kann, wird bestraft: 1. wer unter Zuwiderhandlung gegen da« verbot des 8 1 eine Versammlung unter freiem Himmel oder einen Auszug veranstaltet oder leitet oder dabei als Redner austritt; 2. wer für eine versammlzing unter freiem Himmel, dl« nach � 1 verboten ist. den Platz zur Verfügung stellt. <2) Mit Geldstrafe bi» zu einhundertsünszig Reichsmark wird bestrast, wer an einer Versammlung unter sreiem Himmel oder einem Auszuge, die noch ji 1 verboten sind, teilnimmt. 8 3. Diese Verordnung tritt mit ihrer Verkündvng in Kraft. Die Opfer des Bürgerkrieges. Verlustliste eines Monats: 99 Tote,-1�25 Verwundete. Am ZI. Mai wurde das Kabinett Brüning gestürzt und Herr von Pape» zum Reichskanzler ernannt. Am 18. Juni hob das Kabinett der Barone das Uniform» verbot für die Hitlersche Privatarme« auf. Bier Wochen ist die EA. in ihren neuen Uniformen marschiert, vier Wochen hat sie in ihren Notverordnungsjacken die Masten der republikanischen Bevölkerung provoziert nnd terrori- siert. Bier Wochen hat die Arbeiterschaft den ihr auf. gezwungenen Abwehrkampf führen müssen. Das ist die Berlustliste von vier Wahlsonntagen: S«. Juni Z. Juli 1«. 17. 5 Tote S.. 1» IS ,/ 103 Verwundete 7S 180 S8.5 Die Gesamtverluste feit der Aufhebung deS UniformverbptS für die ZA. bis zum 18. Juni betragen 0!) Tote und 1 125 Verwundete. Tiefe Verlustliste ist einfach erschütternd. Nach den Feststellungen eines Berliner Montags- blattes betrug die Zahl der im politische« Kampf Ge- fallenen vom Lktober 1930 bis 31 Mai 1982, also innerhalb von 18 Monaten 08 Tote. Jetzt sind in vier Wochen SS Menschen als Lpfer des Strahenterrors zu Grabe getragen worden, während weit über IlOO Menschen die Krankenhäuser füllen. Das ist die Bilanz eines Wahluronats. Die Verlustliste des Sonntags. Noch vier weitere Tote. Zahlreiche Verletzte. pi« bereits im gestrigen„Abend" gemeldeten Verluste von dem deutschen Bürgerkrieg-schauplatz haben sich leider durch verspätete und ergänzende Mitteilungen noch erheblich gesteigert. In Altona sind zwei weitere Verletzte gestorben, so daß sich die Zahl der Toten in Altona auf Ii Personen erhöht. Hierzu kommen drei Tot« in Greisswald, ein Toter in Striegau und' ein Toter in Hessen: insgesamt hat der Blutsonntag also 19 Tote gefordert. Die Zahl der gemeldeten 298 Verwundeten ist durch jetzt bekannt gewordene Zusammenstöße in Striegau, Hessen, Westfalen und in Rheinland auf insgesamt 285 Personen gestiegen. Amtlicher Terror in Anhalt. Willkürliche Verbote durch die Aazi�/Kegierung". In Dessau und Roßlau, zwei anhaltischen Städten, sollten Kundgebungen der Eisernen Front stattfinden. Als Redner sollten Reichstagsabgeordneter Hermann Tempel und der Schriftsteller Helmut Klotz auftreten. Beide Kundgebungen waren vorschriftsmäßig angemeldet und genehmigt worden. Plötzlich— 19 Stunden vor dem Beginn— wurden sie auf Befehl des neu' in sein Amt berufenen Naziministers Freyberg verbote-n mit der Begründung, daß sie von dem sozialdemokratischen Abg. Seeger einberufen seien! -In Dessau und Roßlau wurden deshalb Mitglieder- Versammlungen der zur Eisernen Front gehörenden Organi- sationen einberusen und Mitgliedsausweis zur Bedingung für den Zutritt gemocht. In Dessau erschienen kurz vor Beginn drei Polizeibeamte, erklärten in„höherem Auftrag", daß die Mitglieder- Versammlung verboten sei. Es wurde deshalb nur ein«- Unterhaltungsabend gemacht, der zwar den Massen der Erschienenen vielen Spaß bereitete, aber den Haß gegen den Faschismus nicht minderte. In Roßlau hatten die örtlichen Polizeibeamten zunächst sich an der Kontrolle beteiligt, um nur„Mitglieder der Eisernen Front" in den Saal zu- lassen. Später aber, mitten im Ablauf der Versammlung, erschienen Des sauer Polizeiheomi«, wiederum im Austrag des Naziministers, um die Versammlung aufzulösen! Tie Sozialdemokratie, die noeh bei der Landtagswahl am 21. April 75 000 Stimmen, mehr als ein Drittel aller Wähler in Anhalt zählen konnte, wird durch den aus Preußen bezogenen„Rechts"anwart Freyberg in seiner Eigenschaft als Ministerpräsident völlig rechtlos gemacht. Dieser Freyberg hat unter dem Schutze der Papen-Verordnung gegen die Presse sämtliche sozial» demokratische Zeitungen des Landes für den Wahlkampf lahmgelegt. Darüber hinaus verbietet er jetzt auch sed« Versammlung der Eisernen Front, besonders jede Versammlung, in der der bisherige Abgeordnete und jetzige Kandidat Secger sprechen könnte! Genosse Seeger hat sich gleichgeittg im Rainen der anhaltischen Sozialdemokratie beschwerdeführend an den Reichsinnenminister Baron Gays gewandt und ihn darauf aufmerksam gemacht, daß durch die Freyberg-Methoden dem sozioldemotratischen Kandidaten jsd« Möglichkeit genommen sei, zu seinen Wählern zu sprechen. Baron Tayl steht vor der dürrey Frage, ob er das Wahlrecht gegen sein« nationalsozialistischen Freunde noch schützen will oder kann. Aber wie auch die Antwort der Regierung der Barone aus- fallen mag: die Eotjcheidung fällt bei de» Wahlen. 3e stärker die Riederkage der Nazis und ihrer Zsiillöufer aussällt. desto klarer werden auch die prokliken der Slagges und Freyberg gelroffen- Dorum am 31. Zuli: Schluß mit dem Faschismus im Reich wie in den Ländern! Drei Wochen Maulkorb. Kür das„Braunschweiger Bolksblatt". Braunschweig, 18. Zuli.(Eigenberichl.) Der braunschwelgische Razi- Minister klagges hat den „Braunschwrigischen volkssreund" und seine drei Kops- blätler wieder einmal aus 3 Wochen verboten, weil der ..volksfreund" in einem Artikel„Der Slahlhelm darf Stöcke kragen. Zweierlei. Maß." darauf hingewiesen Halle, daß das vraunschweiger Pollzelpräsidium dem Stahlhelm bei einer Demonstration dos Mitführen von Handstöcken erlaubt hotte, während der Eisernen Front das Mitführen von Stöcken oerboken war. Beide Demonstrationen fanden an einem Tage statt. Klagges fühlt sich durch den Artikel beschimpft. Er sagt in der Begründung des Verbots:..3n den Ausführungen, die von jedem unbefangenen Leser auf den Braunschweiger Minister des Znnern bezogen werden müssen, wird ein leitender Beamter des braun- schweigischen Staates beschlmpsl und böswillig verächl- l i ch gemacht. Außerdem enthalten die Ausführungen die unwahre Behauptung, daß Psychopathen, hemmungslose Fanaliker und halb- verrückte Einfluß aus das Parlament hätten. Die Verbreitung dieser unwahre» Behauptung gcsährdet lebenswichtige Interessen des Staates. Bei der Schwere der Beschimpsung und BSswilligkeil ist ein verbot des„volkssreund" erforderlich." Zar Hitler reist. Er wagt sich nicht in den Kaiserhof. � Streng geheim. Hitler soll am 27. Juli in Berlin sprechen. Diese Reise nach Berlin ist von seinem Adjutanten Wilhelm Brückner vorbereitet worden. Sie soll unter sehr seltsamen und bezeichnenden Bedingungen vor sich gehen. Di« Kanzlei Hitlers hat für hie Hitler- rede in Berlin die folgenden Bedingungen gestellt: 1. Die Unterkunft Hitlers ist streng geheim zu hatten. 2. Jede Ortsgruppe stellt» drei Reserveoutos zur Verfügung. 3. Lotsenfohrzeuge vom Antunstsorl bis zum Ver- sammlungsplah hoben bereitzustehen. 4. Die Lautsprecher haben sorgsältlg vorgeprüft zu sein. 5. Bei ungünstiger Wetterloge ist für gedeckte Räume oder Zelt« Vorsorge zu treffen. 8. Slcherhelts- und Ordnungsdienst ist von der SS.- Oberführuag im Einvernehmen mit der Gau» bzw. Ortsgruppenleitung durchzuführen. 7. Verantwortlich für die Versammlung ist der Gau- l e t t e r. 8. Hitler wird nur 20 Minuten reden, nachdem vorher ein guier Redoer gesprochen hat. Zor Hitl«r reist,«i» Heer vo» Privat gehelmpoüzcsten soll ch« umgeben, drei Auto, vorne, drei Auto, hinten, Lotsenfahrzeuge an der Spitze, dann nur zwanzig Minuten reden und ganz geheime sozusagen illegale Unterkunst. Nicht einmal da«- beliebt« Hotel K a i s e r h o f soll bezogen werden. Es scheint, dir Mann hat Angst. Angst vor dem Volk«, wie der Zar! Ikazi-Vundfunk. Diesmal: Goebbels macht in Nationalkultur. Die Rundfunkhörer werden mit nationalsozialistischen Propa- gandavorträgen bombardiert. Für diese Vorträge ist bei den meisten Sendern Zeit in unbegrenztem Maße vorhanden. Nach- dem die ersten Naziredner rücksichtslos die üblichen 25 Minuten um ein Beträchtliches überschritten haben, selbstverständlich unter freund- licher Billigung der Sender, räumt man ihnen jetzt von vornherein gleich 35 Minuten«in. Goebbels durfte von 7 bis 7,35 Uhr über die Sender Berlin, Königswusterhausen. Norddeutschland. Schlesien, Mitteldeutschland, Ostdeutschland und Südwestdeutschland sprechen- Das Thema„Der Rotionalcharakter als Grundlog« der Nationalknltur" war selbstverständlich nur Tarnung für einen sachlich inhaltlosen nationalsoziali st ischen Propa- g o n d a v o rt r a g, der vor dem Mikrophon sicher nicht ganz leicht Ai halten ist. Die nationalsozialistischen Verheißungen an die ver- schiedensten Bevölkerungsschichten sind allzu widersprechend, um vor einer so freigiebig zur Verfügung gestellten Hörerschaft standzu» halten. So blieb Goebbels gar nichts anderes übrig, als Denken, V e r st a n d stnd Intellekt für durchaus niinderwertige Fähigkeiten zu erklären und an das Gefühl zu appellieren und den Glauben, der Berge versetzen kann. Mit ihm wird denn auch der Nationalsozialismus ans Werk gehen, und er wird selbst- verständlich, das hob der Goebbels ausdrücklich hervor, das Privat- eigentum erhalten und fördern. Es sei für die Nationalsozialistisch« Partei unwesentlich, das parlamentarische Getriebe zu beherrschen. erklärte Lzerr Goebbels. Was das alles mit dem Thema seines Vor- träges zu tun hat? Selbstverständlich nichts; doch die Sender sind nationalsozialistischen-Rednern gegenüber bekanntlich von grenzen- loser Toleranz. Manchmal indessen zweigte Herr Goebbels auch leicht zum Thema ob.. Bom deutschen Bolk getragene Kultur fand er da be- sonders unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II., dem Einzigen, wie er ihn nannte, obwohl unter beiden preußischen Herrschern das Volk geknechtet, durch Kriege verelendet und jedem kulturellen Auf- stieg ferngehalten war, und der„einzige" Friedrich nur sranzösisch sprach, dachte und schrieb und seinen Zeitgenossen, den großen deutschen Klassikern, völlig verständnislos gegenüberstand. Immer- hin hörenswert war die Mitteilung, daß die Nationalsozialisten mit drakonischen Mitteln gegen ihre Gegner einschreiten wollen und diese vom Intellektualismus verseuchten Menschen mit Stumpf und Stiel auszurotten ge- henken. Dieses Bekenntnis einer schönen Seele erinnert« njsnigstens im Inhalt an hi, sasttge..Angriff".Sproch«. die sich im ubrig»n vor dem Mikrophon recht gezähmt produzierte. Europa sieht aus uys! Solidaritätskundgebungen von überall! Bon der Sozialistischen Partei Italiens. deren Leitung infolge der faschistischen Gewaltherrschaft sich in Paris befindet, ging beim Vorstand der Sozialdemo- kratischen Partei Deutschlands folgende Solidaritätskund- gebung eini Der Vorstand der„Portito Sociolisto Jtal'ano"(Sektion der Sozialistischen Arbeiterinternationale) sendet der Sazialdemo- kratischen Partei Deutschlands feine Marinsten GluchMÜnsche zum kommenden Wohlkampse. Die Wahlen vom AI. Juli sind eine äußerst wichtige Episode im Kampfe zwischen Sozialismus und Faschismus und werden als Maßstob für die Widerstands fähigkeit der Arbeiterklasse gelten. Ir. der gegenwärtigen Loge wäre es notwendig gewesen, daß die antifaschistischen Arbeiterparteien jede Meinungsverschiedenheit zum Schweigen gebracht, jeden Bruderstreit vermieden hätten, um in einer geschlossenen Front gegen ihren Todfeind marschieren zu können. Die unbesonnen«, verbrecherische Taktik der Kommunisten hat diese Einheitsfront un- möglich gemacht. Der Vorstand der italienischen Sozialistischer. Partei gibt der Hoffnung Ausdruck, daß alle Arbeiter und alle freien Geister Deutschlands, daß alle Kämpfer für die poliUfche Freiheit und soziale Gerechtigkeit sich um die Zahnen der Sozialdemokralischen Partei. scharen werden. Falls es der deutschen Arbeiterklasse nicht gelingen sollt«, den faschistischen Vormarsch auszichalten, wird sie— wie das italienisch« Proletariat— die grausam st e Sklaverei erleben müssen. Ein entscheidender Sieg Hitlers würde der Sache des Sozialismus, der Frecheit und des Friedens einen Todesstoß versetzen. Der Vorstand der italienischen Sozialistischen Partei vertraut aber aus die Schlagkraft und auf den Kampfwillen der deutschen Arbeiter- klaffe, und in dieser Siegeszuversicht ruft er au»: „Hoch lebe die Sozialdemokratisch« Partei Deutschlands!" »Hoch lebe das Reichsbanner!" „Hoch lebe die Eiserne Front!" Für den Vorstand der Parti to Social ist a Jtali an o. Pietro Nenni. Mario Eorsi. \. Ferner erhielt der Parteivorstand das nachstehende Tele- griynm aus Preßburg(Tschechoslowakei): „Die in Preßburg versammelten freigewerkschastlich organi- sierten Holzarbeiter der mitteleuropäischen Donau- staaten begrüßen die im Kampf gegen den �akenkreuzfaschismus stehend« Arbeiterschaft Deutschlands und versichern sie der briider- lichsten Solidortät. Freiheit!" Nazi-Lahufen. Alsberg legt unter Protest gegen Frank H die Verteidigung nieder. Die Brüder Lahusen von der V ardwolle hakten sich die beiden nationalsozialistischen Rechksanwälte Frank II und Luelgebrune ver. schrieben. Dadurch würde die verteidigerbank ein sehr seltsames Gesicht gezeigt haben: neben Hitlers Leibanmast Alsberg! Daraus hat Professor Max Alsberg die Konsequenzen gezogen und die Verteidigung niedei�jelegt! 3n einem sehr umfangreichen Absagebrief Hot Pros. Alsberg fein« Haltung eingehend begründet und darauf hingewtefen, daß durch den EInlrUt Frank II In dt« Reihe der Verteidiger vor der Oeffentttchkeil gerode da» beweisen würde, wa»'die Lahusens bisher stets bestritten haben, nämlich ihre« engen Zu- fammeohang mit den Ralionalfozialisten und mit Hitler. Cr müsse es deshalb ablehnen. In diesem Prozeß auszutreten, wenn dje Verteidgung so vollkommen in» politische Fahrwasser geraten sei. Die Lahusen», die von diesem Prolest de, ersten deutsche« Straf- verkeidigers außerordentlich betroffen waren, haben Prof. Alsberg daraufhin sofort in einem sehr langen Telegramm gebelen, ihre Ver- leldlgung doch weiter zu sühren. Prof. Alsberg ist jedoch vorläufig bei seiner Weigerung geblieben, so daß nunmehr der Antikopitolist und„Arbeiterführer" Frank II als houptoerleidiger in' dieser größten Skandalasfäre betrügerischer Wirtschoslsführer auftreten wird. �appo. Attentat aus den Wehrminister. helsingfors. 18. Suli. Aus den finnischen Verteidigungsminister I. H. L'ahdensuo wurde«in Attentatsversuch ousgejührt, der jedoch nicht gelang. Wer Männer drangen in dos 2 a n d h a u s des Minister, in 2 a p p o«in und gaben mehrere Revowerschüss« auf ihn ab, die fehlgingen. Daraus flüchteten die Täter: sie konnten aber sämtlich verhaftet werden. Türkei Miiglied des Völkerbundes. beitritt feierlich vollzogen. Genf, 18, Zull(Eigenbericht). Zn Anwesenheil von 4Z Staaten wurde am Montag von der außerordentlichen Vollversammlung einstimmig die Türkei als SS. MIkglled de» Völkerbunde, feierlich aus- genommen. Ver Beginn der diessährigen ordentlichen Volloersammlung wurde aus den 26. September seslgesehl. Mit dem Eintritt der Türkei in den Völkerbund ist ein weiterer Schritt in der Richtung der Universalität des Völkerbundes vollzogen worden. Die besondere Bedeutung dieses Beitritts liegt aber vielleicht nicht so sehr in der Tat» fache, daß damit nunmehr alle Staaten, die im Weltkriege zegen die Entente standen, Völkerbundsmitglieder geworden ind, als in dem Umstand, daß die Türkei auf Grund be- sonderer Abmachungen mit der Sowjetunion um ihre Aufnahme jahrelang nicht ersuchen wollte. Aus der Tatsache, daß die Regierung Kemal Pascha chre Stellungnahme zu.dieser Frage revidiert Hot. könnte man folgende Schlußfolgerung ziehen: entweder haben sich die bislang sehr engen diplomatischen Beziehungen zwischen Moskau und Angora. die geradezu den Eharakter eines voll- tischen und militärischen Bündnisses trugen, gelockert— ß Hitlerschwäher als Mordheher. Offene Aufforderung zum Totschlag. Nachdem die..großen Känanen" gebrüllt haben, wollen die kleinen Kläffer auch nicht stille sein. Der' nationalsozia- listische Reichstagsabgeordnete G ö r i n g hat am Freitag- abend im Berliner Sportpalast verkündet, er und die ande- ren Führer würden Herrn Adolf Hitler bitten, das Waffen- verbot für die SA. aufzuheben. Aehnliches hat kurz vorher auch der nationalsozialistische Abgeordnete Feder erklärt. Das geht jetzt durch alle Versammlungen so. Am blut- rünstigsten wird dort geredet, wo man unter sich zu sein glaubt. Am Sannabend, dem 16. Juli, hat der Gauretmer Protze'in einer Versammlung in der Bockbrauerei in der Fidicinstraße wörtlich ausgeführt: „Mit unserer Geduld wird es jetzt aber zu Ende sein. Adolf hiller wird in den nächsten Tagen das ollgemeine Rotwehrrecht für L» IW Wir toaesen«ine Reue Welt, keiner Herr un«! keiner Xneckt. Schafft Werkzeug zuen Bau: Jede Wecke eine Freikeiäsanarkel die S2L erklären. Dazu sagen wir euch: Derieidigt euch so. daß ihr die Stärkeren seid! INit welchen INitteln. ist un» dann voll- kommen egal! Tosender Beifall.) Wir werden dann zeigen, daß wir die Herren der Siraße sind.(Erneuter Beisoll.) Wir werden un» das Recht aus die Straße nicht nehmen lassen. Wir wissen, daß wir einen harten und erbitterten Kampf M«rden führen müssen und wir werden ihn durchkämpfen.(Losender Beifall.) Wenn es der Polizei nicht gelingt, die Täter, diese raten Mordbuben, zu finden, dann soll man dlc geistigen Urheber zu finden wissen. Sie sitzen in den Redaklionsstuben des„vorwäcks" und der„Raken Fahne", wir werden diese Redakteure zu sasstn wissen und sie so behandeln, wie ihre Früchte waren." Nach dieser offenen Morddrohung wandte sich Herr Protze der„großen" Politik zu. Er beschimpfte das Kabinett der Freiherren als„eine Regierung der bürgerlichen Schwäche". Er hatte in diesem Augenblick, um einen Rede» erfolg zu erzielen, offenbar vergessen, daß diese Regierung ja nur durch die Unterstützung der Nazis existiert. Auch der Parteibefehl, daß über diese Regierung nicht diskutiert wer- >den solle, ist ihm wohl aus dem Gedächtnis entschwunden. Nur so erklärt es sich, daß Herr Pratze fortfahren'konnte: „Beide Regierungen, die im Reich und die in Preußen, haben zu verschwinden. Verschwinden sie nicht, dann werden wir die Macht mit denselben Mitteln erkömpsen, wie die anderen am g. November 1918.(Stürmischer Beifall.) Unser heiliger Wille ist e«. daß im August vom Dache des Rsichspräfidentenpalais das blutrote haken- kreuzbanner weht.(Minutenlanger Beifall.)" Schließlich begab sich der Naziredner noch auf das Ge- biet der Außenpolitik. Hat Herr Protze nur seine eigene Meinung oder die offizielle Meinung der national- sozialistischen Partei vorgebracht, als er das Folgende aus- führte? „In einem Punkt müsseki wir besonders konsequent bleiben. Keine Reparationszahlungen mehr,- auch nicht einen Pfennig! (Tosender Beifall.) Uch erkläre hiermit feierlichst, daß eine national- sozialistische Regierung das neue Laujanner Abkommen auch nicht tn einem einzigen Punkte für rechtsverbindlich anerkennen wird. Unberührt davon bleiben allerdings die privaten Schulden ans Aus- land. die auf jeden Fall beglichen werden müssen. Außenpolitisch fordern wir die volle Anerkennung als gleichberechtigte Macht. Wir fordern serner die Einführung der deutschen Wehr Hoheit, ich sage absichtlich nicht Wehr Pflicht. Denn dann könnten die Waffen leicht in falsche Hände geraten. Und das muß unter ollen Um- ständen oerhindert werden. Das werden wir durchführen, ohne das Ausland überhaupt danach zu fragen.(Starker Beifall.) Die deutsche Wehrhoheit werden wir aus unserer SA.-Orgonisation aus- richten.(Minutenlanger Beifall.) Vor acht Tagen hat die national« Regierung Popen uns verboten, unsere SA. in der Siegesalle« vor ihrem Führer Hitler aufzumarschieren und ihn zu begrüßen, nach- dem sie dirrch die Straße Unter den Linden durchs Brandenburger Tor gezogen sein sollte. 3m nächsten Wonat wird die gesamte SA. ausmarschieren, nicht in der Siegesallee, sondern in der Röhe der französischen Volschosk.(Ungeheurer, nicht endenwollender Beifall.) Dazu haben wir ein Recht, die wir uns als Motto zwei Aussprüche zweier der größten Staatsmänner der Weitgeschichte genommen haben: Friedrichs des Großen:„Ich bm der erste Diener meines Staates", und Bismarcks:„Wir Deutschen fürchten i?ott> sonst nichts auf dieser Welt." Eine wettere Aufgabe für uns wird die Schaffung genügenden 2»bensraumes sein. Damit werden wir auch die deutsche Ehr» wiederherstellen, so vor allem durch die Beseitigung de» polnische« Korridors, wen« die polnische Regierung daraus nicht eingehen will, so wird sie SM 000 SA.-Männer sehen, die eintreten für die Volksgenossen, die von der Heimat gelrennt worden sind." So ging das unter dem Jubel der Versammlung, die sich fast ausschließlich au? dem„besseren" Bürgerstande zu- santmensetzte. halb Männer, halb. Frauen, immer weiter. Der„Barwärt?" wurde al?..Mistblatt" bezeichnet, dos Beamtentum als gänzlich verloddert beschimpft. die Juden mit Wanzen verglichen, die vernichtet werden müßten. Zum Schluß aber erfuhr man. daß der kommende Polizeipräsident Dr. Goebbels heißen werde., Das ganze Gerede klingt so„protzenhaft", daß man«s in normalen Zeiten mit einem Lächeln quittieren könnte. Heute aber, wo jeder Nazibursche sich berechtigt glaubt, einen Schießprügel zu führen, wirkt es wie eine direkte Auf» forderung zu. Mord und Totschlag! Hier hat die ReichFregierung das Wort, die ihre politische Existenz der Partei dieses Protze dankt. Hier hat aber auch der Staatsanwalt das Wort, wenn anders er seine Pfljcht in der Verhinderung von Morden sieht! Die Arbeiter, in Jahrzehnten des Kampfes geschult, werden sich durch die Protzereien nicht einschüchtern lassen. Sie rufen dem für die Morde„sein»," SA. ebenso wie für die Reden„seiner" Unterführer voll vcrantwort» l i ch e»n Adolf Hitler am 31. Juli unmißverständlich zu: „Bis hierher und nicht weiter! Freiheit!" ......■ 1111 1 1— fi——■ oder die Türkei hat diesen Beitritt zum Völkerbund im vollen Einverständnis mit der Sowjet- union, vielleicht sogar auf deren Wunsch, vollzogen. Es wäre nämlich nicht undenkbar, daß Rußland, ohne selbst seine bisherige ablehnende Haltung gegenüber dem Völkerbund aufzugeben, ein gewisses Interesse daran hätte, daß in Genf außer Deutschland noch andere Staaten Sitz und Stimme haben, die im Konfliktfalle nicht einseitig gegen den Sowjet- staat eingestellt wären. Die politischen Fragen auch in Genf zurückgestellt. Pari». 18. Juli. Die Agentur Haoas weist in einer Genfer Meldung noch einmal besonders darauf hin, daß der Entschließungsent- wu rf B e n e s ch s ausdrücklich hervorhebe, daß s ä m kl ich e politischen Fragen vorläufig zurückgestellt würden. Man sei sich unier den interessierten Mächten darin einig, daß zu dieser Frage auch die juristisch» Gleichstellung der Rüstungen gehöre, die der deutschen Abordnung so sehr om Herzen liege. Der Genfer Berichterstatter der halbamtlichen sran« zösischen Nachrichtanogenlur ist der Ausfossung, daß die Schluß- sitzung in Genf am Donnerstag oder Freitag stattfinden könne. Für die Arbeiislosen. Ausdehnung der Gebührenfreiheit für den Rundfunk. Aus Antrag des sozialdemokratischen Vertreter, Dr. Hertz im Aerwaltungsrat der Reichspost wurde beschlossen, mit Wirkung vom 1. August die R u n d s u n t g e b ühr« n. auch solchen Erwerbslosen zu erlassen, denen die versicherungemäßige Arbeitslosenunterstützung noch Ablauf von 36 Unterstützungstagen wegen H i l f» b e- d ü r f t i g k e i t weitergewährt wird. Diese Bestimmung soll auch aus Arbeitslose im freiwilligen Arbeitsdienst sinngemäß Anwendung finden., China und Tibet sollen«inen Waftenstillstanb geschlossen habe» GA.-(Schützen„arbeiten" weiter. Zwei Kommunisten schwer verletzt. 3n den gestrigen spälcn Abendstunden verüblen SA.-Le,ike an der Ccke Reinickendorfer- und Wiesenstraße aus dem Wcdding einen Feuerübersoll aus kommunistische Arbeiter. Die brauneu Word- gesellen feuerten von einem Motorrad au» in eine Gruppe Arbeiter hinein, die an der Straßenecke umher- standen. Zwei Kommuni st en wurden von de« Kugeln g e t r o s s e n und schwer verletzt. Einer der Verletzte« hat einen Lungensleckschuß und der andere einen Beckenschuß erlitten. Räch der Tat flüchteten die Banditen und rasten in Rich- tung Gerichlflraße davon. Die Empörung der wcddinger Aroeiter über diesen hinterhältigen Uebcrsall ist ungeheuer..'■ Die schwerverletzten Arbeiter wurden zur Rettungsstelle 16 nach der Lindower Straße und später nach Anlegung von Rotoerbänden durch da» städtische Rctlungeamt ins Virchow-Kronkenhous über- geführt. Eine weitere Schießerei veranstalteten Ratlonalsazio- listen fast um die gleiche Zeil in der Gohkowskistraßc Ecke Zwingst- strahe In Moabit. Auch dort schössen sie auf eine Gruppe Arbeiter, von denen einer einen Sireisschuh durch den Rockärmel er- hielt. Verletzt wurde, jedoch glückstcherweisc niemand. Ast das lieber- fallkommando anrückte, waren die Schießhelde« bereits wieder von der Bildfläche verschwunden. 3n der Turmstraße wurde ein ver. dächtiger festgenommen. 3n verschiedenen Stadtteile» Berlin» kam es zu Schläge- reien zwischen hakenkrenzlcrn und Kommunisten, die jedoch zum größten Teil dank des polizeilichen Patroulllendienstes unterdrückt werden konnten. 3apan beleidig« England. Der brüh che Zolllommsilar in Eharbm hat»pn der Mandschukua-Polizsi. Ist» Japan, die Aufforderung er» halten, sein« Wohnung sofort zu-raumen. Arbeitsmarkt unterm Papenkreuz. Mehr als drei Viertel der Bauarbeiter Ende Juni arbeitslos. Es war vorauszusehen, daß mit der Uebernahme der Reichs- regierung durch die Papenkreuzler der A r b e i t s m a r k t sich keineswegs verbessern wird. Wohl hatte die Regierung Brüning durch den Lohnabbau eine derartige Schrumpfung der Kauf- kraft erzeugt, daß die Weltwirtschastskrise in Deutschland be- sonders scharfe Formen annehmen mußte. Immerhin hatte das Kabinett Brüning zuletzt sich durchgerungen zu einem Arbeits- beichaffungsprogramm, das dem Arbeitsmarkt einen ge- wissen Auftrieb geben konnte. Die von hiller gestühle Regierung Papen-Schleicher hol dieses Arbeilsbeschassungsprogramm beiseite geschoben. Die Folge davon ist, daß im Baugewerbe nach der Statistik des Allgemeinen Deutschen Kewerkschaftsbundes Ende Juni nicht weniger als 7 3 Proz. der Arbeiter völlig arbeit s- l o s waren. Also in einer Zeit, wo das Baugewerbe eigentlich voll beschäftigt sein müßte, waren drei LZiertel der Bauarbeiter ohne Arbeit, hier wirkte sich die Preisgabe des Arbeitsbeschaffungs- Programms am schärfsten aus. Waren Ende Juni 1931 schon 34,1 Proz. der Bauarbeiter arbeitslos, was eine katastrophale Ziffer bedeutete, so hat sich die Arbeitslosigkeit im Baugewerbe Ende Juni' 1932 noch bis zur Hoffnungslosigkeit ver- schärft. Im Deutschen Baugewerksbund, der die Maurer, Bau- Hilfsarbeiter, Tiefbauarbeiter, Beton- und Zementarbeiter, Stukkp- teure und Dachdecker umfaßt, betrug die Arbeitslosigkeit sogar 77,3 Proz. Fast ebenso hoch war die Zlrbeitslofigkeit im Zentralverband der Zimmerer, wo sie 77,2 Proz. betrug, während im Malerverband sogar 79 Proz. der Mitglieder arbeitslos waren. Im eigentlichen Baugewerbe waren also im Durchschnitt 78 Proz. arbeitslos. Etwas günstiger, aber immer noch katastrophal, war die Lage im Steinarbeiter-Berband mit 38,4 Proz.: in der Gruppe der Grob- keramik(Ziegeleiorbeiter) betrug die Arbeitslosigkeit 37,3 Proz. In diesen als S a i s o n g r u p p e zusammengefaßten Gewerben ging die Arbeitslosigkeit insgesamt im Monat Juni nur von 77,1 auf 73 Proz. zurück.. Es muß immer wieder darauf hingewiesen wer- den, daß in diesen Gewerben die Kurzarbeit— sie beträgt nur 1 Proz.— gleich Rull ist. In den übrigen Industrien und Berufen, die als Konjunktur. gruppe zusammengefaßt sind, nahm die Arbeitslosigkeit sogar noch etwas zu: von 33,8 auf 37 Proz. Die Kurzarbeit ging minimal von 23,3 auf 23,1 Proz. zurück. Nur in ganz wenigen Jnduftriegruppen ging die Arbeiislofigkeit, und zwar vorwiegend aus saisonalen Gründen, etwas zurück. In der Glasindustrie sank die Arbeitslosigkeit von 34,6 auf 30,8 Proz., während die Kurzarbeit von 13,9 auf 14,3 Proz. zurückging. Bei den Maschinisten und Heizern ist gleichfalls ein leichter Rückgang von 30.3 auf 29,2 Proz. der Arbeitslosen und von 31,2 aus 30,3 Proz. der Kurzarbeiter zu ver- zeichnen. Außerdem sank noch die Arbeitslosigkeit im Leder- warenarbeiter-Verband von 33,3 auf 33,3 Pro;., während die Kurzarbeit von 32,7 auf 28,3 Proz. zurückging. Einen ähnlichen Rückgang weist die Zucker-, Konserven- und Pflanzenfett- Herstellung auf. In allen anderen Industrien ist eine teilweife sehr starke Verschärfung der Arbeitsmorkilag« eingetreten. Diese Verschärfung der Arbeitsmarktlage erstreckt sich sowohl auf die Konsumgüterindustrien wie auf die Industrien der Produktionsmittel. Das„neue S y st e m" hat also mitten im Sommer, in einer Zeit, wo noch immer die Arbeitslosigkeit verhältnismäßig stark zu- rllckging, statt zu einer Erleichterung, zu einer weiteren Versteifung des Zlrbeitsmarktes gefiihrt. Die Regierung der Nazibarone hat es also sehr wohl verstanden, die Arbeitslosenunterstützung zu kürzen oder ganz zu beseitigen, sie hat ober nichts getan, um die Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen. Wenn es bei dem jetzigen„System" auch nach dem 31. Juli bleiben sollte, dann werden wir im herbst eine beispiellose Katastrophe auf dem Arbeitsmarkt erleben.' Butler über Arbeitsfragen. Eine Ltnterredung mit dem neuen Direktor des Internationalen Arbeitsamtes. Fast jedesmal, wenn Albert Thomas van Genf nach Berlin kam, gab es in Deutschland eine Regierungskrise. Mit viel Humor hat manchmal der unvergeßliche Einpeitscher der internationalen Sozialpolitik darüber gescherzt. Sein Nachfolger, der neue Direktor h. B. Butler, der zur Zeit in Berlin weilt, hat das„Glück", in Deutschland in einem förmlichen Krisensturm hineinzugeraten. Ob seine Besprechungen mit den Regierungsstellen ihm Klarheit über Deutschlands Weg in der internationalen Sozialpolitik geben werden. darf man wohl bezweifeln. Deutschland ist ein Schisj, das im Sturm treibt, und auf diesem Schiff wird auch noch mit der größten Erbitterung um die Führung gekämpft, um den Kurs, der nach den Wahlen gesteuert werden soll. Trotzdem ist Butlers Reise nicht ohne Wert: denn sie gibt ihm Gelegenheit, mit der deutschen organisierten Arbeiterschaft in Fühlung zu kommen. Daß diese Fühlungnahme ihm ganz besonders am herzen liegt, ging aus einer Unterredung' hervor, die er am Montag mit einem Vertreter des„Soz. Pressedienstes" hatte. Die Unterredung beschäftigte sich im wesentlichen mit drei' Fragen: Arbeitsbeschaffung, Arbeitszeitverkürzung und Arbeitßlosen- Versicherung. Die Pläne von Albert Thomas zur Organisierung einer groß- zügitzen internationalen A r b e i t s b e s chw s f u n g sind in Genf nicht auf die lange Bank geschoben worden. Ganz im Gegenteil: es wurde an ihnen weitergearbeitet. Das Malheur ist nur, daß nicht dgs Internationale Arbeitsamt das große Porte- m o n n a i e zur Finanzierung der internationalen Arbeitsbe- fchaffung hat, sondern daß hier der Völkerbund den We�j freimachen muß. Trotzdem liegen die Dinge nicht hoffnungs- l o s. Die Luft ist heute in Gens für die Beratung der Arbeits- befchafsung besser geworden. Auch der Ausgang der Lausanner Verhandlungen hat dazu beigetragen. Sie haben gezeigt, daß a u f dem Weg der Verhandlungen doch etwas zu er- reichen ist. Wir in Genf haben schon viele Enttäuschungen durch- machen müssen, wir sind bestimmt keine voreiligen Optimisten. Trotz- dem rechnen wir heute mit einem schnelleren Tempo im Kamps um die Lösung der internatio- nalen Arbeitsbeschaffung. Wir würden vor allem begrüßen, wenn endlich einmal durch ein praktisches Beispiel den Arbeitslosen gezeigt werden könnte, daß nicht nur über die Arbeitsbeschaffung beraten, sondern daß allmählich nun auch zur T a t übergegangen wird. Man sollte endlich einmal eines der Arbeitsbeschaffungsprojekte, das am meisten unmittelbare Hilfe verspricht, resolut anpacken und durchführen. Eine solche Tat würde auch psychologisch von großem Wert sein und die Lösung des Gesamtproblems der internationalen Arbeitsbeschaffung fördern. Daß wir in Genf im Kamps um die Beschaffung von Arbeit nicht ruhen, zeigt ja auch die Initiative des Arbeitsamtes zur E i n b e- rufung einer Weltwirtschaftskonferenz. Die Arbeitszeitverkürzung, führte Butler weiter - aus, ist für uns ebenfalls kein hoffnungsloser Fall. Mit ihr wird sich der Verwaltungsrat auf seiner nächsten Tagung in Madrid beschäftigen. Die Arbeitszeitverkürzung ist ein schwieriges Problem: nicht nur soziälpolitische, sondern auch rein wirtschaftliche Gesichts- punkte spielen in ihr eine große Rolle. Daher ja auch immer wieder der Hinweis bei den Regierungen, daß die Arbeitszeitverkürzung nur international angepackt werden könnte. Vielleicht emp- stehlt es sich, ähnlich vorzugehen wie im Bergbau, d. h. die Arbeitszeitoerkürzungsfrage auch im Rahmen bestimmter Jnduftriegruppen anzupacken. Praktische rasch« Hilfe tut not. Daß wir nicht ruhen, zeigt unser Versuch, bei verschiedenen Industrien festzustellen, ob die Verhältnisse es ermöglichen, inter- nationale Vereinbarungen in der Frage der Arbeitszeitverkürzung in Aussicht zu nehmen. Die Idee, auch durch Arbeitszeitverkürzung dos Arbeilslosenproblem anzupacken, macht Fortschritte, und zwar nicht nur bei den Arbeitern der ver- schiedensten politischen Richtungen, z. B. auch bei den faschistischen Gewerkschaften Italiens, sondern auch bei den Unternehmern und bei den Regierungen, neuerdings vor allem bei der französischen Regierung. Die Arbeitszeitverkürzung marschiert. Die Arbeitslosenversicherung hat in dem neuen Direktor des Internationalen Arbeitsamtes zweifellos einen befon- ders zuverlässigen Fürsprecher. Die Beobachtung und Erfahrungen, die Butler in Amerika machte, haben ihm die Bedeutung und den Wert der Arbeitslosenversicherung ganz besonders zum Bewußtsein gebracht. Die Vorbereitungen für die erste Beratung zur Schaffung eines•. y internationalen Uebereinkommens über die Arbeitslosenversicherung sind, wie Butler mitteilte, bereits im Gange. Im nächsten Jahr werde die Arbeitskonserenz sich eingehend damit beschästigen. Sicher- lich werde schon diese vorbereitende Arbeit des Amtes in Genf in manchem Land die Gegner der Arbeitslosenversicherung zur Zurück- Haltung veranlassen. Die Tatsache, daß auch Amerika unter dem Druck der Krise den Weg zur Arbeitslosenversicherung gehe, sei von größter Bedeutung. Die Arbeitslosenversicherung stehe in den Der- einigten Staaten bereits auf dem Programm der Demokraten. e- Soweit Butler. Uns will scheinen, er ist reichlich optimistisch — so sehr wir wünschen, daß sein Optimismus recht behalten möge. Gewiß sind die Aussichten, soweit Frankreich in Betracht kommt, gegenwärtig für die Finanzierungsfrage günstig. Und wenn Butler meint, durch Verhandlungen könne man etwas erreichen, so spricht er eine Binsenwahrheit aus. Aber zum Verhandeln ge- hören zwei. In Frankreich besteht eine von den Sozialisten tole- rierte Linksregierung. In Deutschland eine von den Nazis tolerierte Rechtsregierung. Diese ist gegen Arbeitsbeschaffung, Arbeitslosen- Versicherung und Arbeitszeitverkürzung. Der 31. Juli wird ent- scheiden, ab es in Deutschland eine verhandlungsbereite Regierung geben wird.' Erfolg der Schuharbeiter. Der Lohntarif unverändert verlängert. Wie wir bereits bekanntgegeben haben, ist am Sonnabend im Reichsarbeitsministerium über den Tarifkonflikt in der Schuhindu- strie verhandelt worden. Wie erinnerlich, find die direkten VerHand- lungen zwischen den Parteien aufgeflogen, weil die Schuh- industriellen einen weiteren Abbau der Löhne und auch der sonstigen Bestimmungen des Tarifvertrages gefordert haben. Es haben sich in der Folge eiste Reihe von Lohnkämpsen entwickelt, da der Reichstarifvertrag am 1. Juli abgelaufen war und die Unternehmer den Versuch gemacht hatten, die Lohnkürzun- gen diktatorisch durchzudrücken. In den Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium haben die Schuhfabrikanten angesichts der entschlossenen Haltung des Zentral- Verbandes der Schuhmacher den Rückzug auf der ganzen Linie angetreten. In freier Vereinbarung wurde ein Ab- kommen getroffen, wonach die bisherige Lohnrege- lung rückwirkend ab 1. Juli wieder in Kraft ge- setzt wird. Damit ist der Lohnabbau auf der ganzen Linie abgeschlagen. Als einziger Trost für die Schuhindustriellen wurde verein- bart, daß für die Arbeiter, die ab 14. Juli ihre Ferien antreten, die Ferienvergütung in der Weise herabgesetzt wird, daß sie statt der tariflich vorgesehenen 48 Stunden eine Ferienoergütung für 33 Stunden erhalten. Des weiteren wurden zur wirksameren Bekämpfung der Schwarzarbeit die geltenden Bestimmungen des Reichstarifvertrages geändert und durch Zusätze ergänzt. Mit diesem Abkommen ist der tariflose Zustand be- endet. Der Versuch, auf Grund der großen Arbeitslosigkeit die Löhne noch weiter zu drücken, ist mißlungen. Der energische Wider- stand des Zentralverbandes der Schuhmacher, feine finanziell außer- ordentlich gute Fundierung hoben die Schuhindustriellen zum Rück- zug gezwungen. Eisenbahner greifen an. Alle Kräfte für den Sieg der Sozialdemokratie. Der Führer-Appell, den die Hammerschaftcn im Einheitsverband der Eisenbahner gestern abend im großen Saal des Deut- s ch e n Hof abhielten, wurde zu einer Kundgebung von außer- ordentlicher Wucht. Trotz des Schichtbetriebs bei der Reichsbahn tonnte bei Eröffnung der Kundgebung kurz nach 7 Uhr nicht ein Mann mehr in den Saal gelangen. Von den Galerien hingen die zwölf Sturmbanner der Berliner Eisenbahner und eine von den Stettiner Eisenbahnern überreichte Freiheitssahne. Ein Musikkorps des Reichsbanners leitete mit Fanfarenmusik den Appell'ein. Mit einem dreifachen„Freiheit!" begrüßt, sprach dann Verbandsvorsitzender Genosse Scheffel zu dem Vor- lrupp der Eisenbahner: Wie ein Mann sind die Eisenbahner im Reich aufgestanden: sie werden nicht dulden, daß ihre Rechte zertreten werden von den Kommißstiefeln der braunen Horden. Für die Eisenbahner steht außerordentlich viel auf dem Spiel. Man hat bereits gesagt, daß sich der Oberbau des Reichsbahnnetzes besonders'gut für die Ar- beitsdienstpflicht eignet. Gleisarbeiten auf einer Länge von 1800 Kilometern sollen den Arbeitsdienstsoldaten über- tragen werden. Die Spitzenfunktionäre des Einheitsvcrbandes find deswegen bereits im Reichsverkehrsministerium vorstellig geworden. Man erklärte hier einschränkend, daß sich der Arbeitsdienst bei der Reichsbahn auf Erdarbeiten beschränken soll. Aber, fragte Genosse Scheffel, wie lange wird man sich auf die Bahnunterhaltung be- schränken? Der Appetit kommt beim Essen, dann wird man den Arbeitsdienst auf den Güterböden einführen und schließlich bei allen Zweigen der Reichsbahn. Hier gilt es den Ansängen zu wehren! Aber die Eisenbahner werden sich nicht auf die Defensive beschränken, sie gehen zum A n- griff über und fordern: Weg mit dem Reichsbahngesetz, dos nach der veränderten Reparationslage keine Stütze mehr hat! Fort mit dem, Einfluß der Industriekapitäne auf die Reichsbahn, und her mit einer neuen, anderen Betriebsform für die Reichsbahn� Auch das. Schicksal der Eisenbahner wird am 31. Juli entschieden. Der Houptvorstand des Einheitsverbandes Hot deshalb beschlossen, alle verfügbaren Kräfte für den Sieg der Sozialdemokratie einzusetzen.(Brausender Beifall.) Noch Scheffel sprach der Berliner Bevollmächtigte Genosse Hahnebuth:„In den nächsten Tagen wird der Einheitsoerband eine Riesenkundgebung aller Berliner Eisenbahner in der„N e u e'n W e l t"" veranstalten, aus der Genosse Paul L ö b e sprechen wird. In den letzten vierzehn Tagen gilt es alles einzusetzen für den Sieg der F r e i h« i t". Dann reckten sich fast 300 Fäuste und mit einem dreifachen„Freiheit!" gelobten die Führer' der Hammer- schaften, keine Minute zu rasten. Der gemeinsame Gesang„Briider, zur Sanne, zur Freiheit" schloß den imposanten Appell, der ein glänzendes Zeugnis für die Jlampsbegeisterung der Berliner Eisenbahner war. Hausgewerbeireibende und Heimarbeiter. Sie bleiben vorläufig weiter in derArbeitslofenversicherung. Die Arbeitslosenversicherung der Hausgewerbetreibenden und Heimarbeiter war bisher durch eine Verordnung des Verwaltungsrates der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung' besonders geregelt. Diese Verordnung wurde durch die Notverordnungen vom 3. Juni 1931 bzw. 6. Oktober 1931 in ihrer Geltungsdauer jedoch bis zum 30. Juni 1932 befristet. Der Ver- waltimgsrat hat den Beschluß geiaßt, die geltend? Regelung noch bis zum 30. September 1932 zu verlängern. In der Zwischenzeit soll über die etwaig« Aenderung des jetzigen Rechtszustandes verhandelt werden. Die Hausgewerbetreibenden und Heiniarbeiter bleiben da- noch vorläuiig' un. bisherigen Umfang in der Arbeitslosenversicherung. Di« Bedeutung dieser Mahnahme ist freilich nicht mehr allzu groß. weil die Versicherungsleistungen der öffentlichen Fürsorge ohnedies weitgehend angeglichen werden. Beiträge zur Geschichte der Arbeiterbewegung im rheinisch-west. sälischen Industriegebiet von Robert U m b r e i t, bringt das 1. Heft aus der Reihe der Sonderdrucke der„Westfälischen Allgemeinen Volks- Zeitung", die vom Archiv für die Geschichte der Arbeiterbewegung im Ruhrgebiet herausgegeben werden und im Verlage Ge- risch u. Co., Dortmund, Kielstr. 5, erscheinen. Robert Umbreit er- öffnet die Reihe der Veröffentlichungen, indem„D o r t m u n d", das im Jahre 1848 erst etwa 10 000 Einwohner zählte, in der Zeit von 1848—1860 ins politische Licht rückt und dic� Anfänge der Arbeiterorganisation von 1868—1874 schildert. Der sozialdemokratische Wahlverein in Dortmund und die„Westfälische Freie Presse" werde während der Jahre 1873— 1878 behandelt. Im 2. Heft soll ihre Ge- schichte während des Ausnahmegesetzes von 1878— 1890 gebracht werden. Von Gewerkschaften wird als Geschichte des Aufbaues einer Organisation der ZdA. in DortnOtnd als Beispiel aufgeführt. Diese Sonderdrucke unseres Dortmunder Parteiblaltes werden zweifellos in den Kreisen der Partei- und Gewerkschastsgenossen eine gule Ausnahipe erfahren. »Freie Gewerkschafts-Zugend Verlin Heute, 19� Uhr, tagen die Gruppen: Gewerkschastshaus: Jugendheim Gewerkschaftshaus. Enaelufer 24—'23. Vom Zunftgesellen zum freien Arbeiter.— Steglitz: Jugendheim Flemmingstr. 1-td. Wir lassen uns nicht unterkriegen.— Spandau-Wilhelmstadt: Jugendheim Sportplatz Seeburger Straße. Warum bin ich organisiert?— Pankow: Jugendheim Kissingenstr. 48, Zimmer 5. Ausspracheabend: Erlebnisse aus Betrieb— Berufsschule und Stempelstelle.— Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3(am Bahnhof Treptow). Gr- lebnisse aus Weimar.— Frankfurter Allee: Jugendheim Litauer Str. 18. Mo» dernc Technik.— Lichtenberg: Jugendheim Doffeftr. 22. Eine Führung. Treffen um 19 Uhr vor dem Jugendheim.— Reu-Lichtenberg: Jugendheim Gunter» straße 44. Proletarische Spießer.— Ostende: Jugendheim Karlshorst, Treskow» allce 44(Kant. Schule). Der Krieg im Fernen Osten, ein neuer Weltkrieg?— Schöneweide: Jugendheim Hasselwerderstraße(Mädchenschule, im Keller). Der Lehrling einst und jetzt.— Wie spielen ab 18 Uhr: Südostkreis: Sportplatz Am Urban.— Nordostkreis: Sportplatz„Einsame Pappel", Platz Hc.— Nordkreis: Sportplatz Humboldthain. Liuoendqruppe des Zentraiverbandes der Anaestellten Heute, Dienstag, folgende Veranitaltungcn: Gesundbrunnen: Jugend. heim Schiinstedtstr. I. Ausspracheabend Uber die letzten Ereignisse.— Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. Aussprache: Jugend im Recht. Leiterin: Gertrud Ellert.— Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18—19. Äus. spräche: Rann ein Sozialist Mitglied einer Rirchengcmeinschaft sein?— Sprech. und Bewcgungschor: Arbeitspause.— Spiele im Freien: Ab 29 Uhr in Köpe- nick, Eiche. Sportplatz, Ecke Achcnbachstraße. Ab 18 Uhr Sportplatz Rehberge.— Mitglieder der Sportabteilung. Achtung! Heute Trainingsabend ad lg Uhr auf dem Sportplatz Innstraije in Neukölln lHandballer). Der„Aorwärrs" erscheint wochenräglich jweimai. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgade für Berlin und im Handel mil dem Titel„Der Abend". Zllustrierte Sonntagsbeilage»Volt und Zeit". Anzeigenpreise: Die einspal t. Millimeterzeile 30 Pf., Retlamezeile Z— M» „Kleine Anzeigen-' das fettgedruckte Wort 20 Pf. lzuiassig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über ts Buchstaben zählen für zwei Worte. Ardeitsmartt Millimelerzeiie 20 Pf. Familienanzeigen Millimeter. zeil« m Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenftratze Z. wochentäglich von S>/, bis>2 Uhr. Der Verlag behä»(ich dos Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeige» vor! Verantwortilch tür Politik: � Victor Sch'ii: Wirlschuit: G. Rliagelhöicr! "" W Lokales igt Borwärts-Berlag E. m. b. H.. Verlin. Druck: Vorwärts.Buchdruckrret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. SS. Lindenstraß« i Hierzu 2 Beilagen. Nr.ZZS• 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 49. Juli 4 932 Eiserne Front gegen Hitler-Barone! Unsere nächsten Partei- und Betriebsveranstaltungen: Mittwoch, den 20. Juli: 4. Kreis Prenzlauer Berg. Umzug mit Schlußansprachs auf dem Sportplatz Einsame Pappel, Cantianstr., 20 Uhr.„Wen wählen wir?" Referent Max Heydemann, MdL. Treffpunkt zur Demonstration Arnswalder Platz, ISK- Uhr. S. Kreit Friedrichshain. Erwerbslosenkundgebung, 14 Uhr, im Filmsternkino, Große Frankfurter Str. 28. Film:„Bilder vom Schicksal der Arbeiterklasse", Erwerbslosenorchester. Ansprache des Genossen Bernhard Göring„Im Zeichen der drei Pfeile". Zutritt gegen Teilnehmerkarten, die an Sym- pathierende abzugeben sind. Ausgabe der Karten am Dienstag im Heim von 14 bis 17 Uhr und abends Küstriner Platz durch den Genossen Tabczynski. F.Kreis Charlottenburg. Erwerbslosenkundgebung, 15 Uhr im Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Straße 58.„"Für Arbeit und Brot!" Referent'Max Brinitzer. P.Kreis Wilmersdorf. Oeffentliche Wahlkundgebung für alle freien Berufe und geistigen Arbeiter. 20 Uhr in den Spichernsälen, Spichernstr. Referenten: Major a. D. Anker, Schriftsteller Robert Breuer, Pressechef des Polizeipräsidiums Dr. Haubach. 11. Kreis Schöneberg. 16 Uhr Frauentreffen im Lokal Lindenhof in der Siedlung Lindenhof. Rezitationen Martha lohn, Mitwirkung der Kinderfreunde und der SAD. Ansprache der Genossin Käte Fröhbrodt. 20. Kreis Reinickendorf. 20 Uhr im Strandschloß Tegel, Uferstraße 1: Wählerinnenkundgebung. Politisches Kabarett unter Leitung des Genossen Hans Bauer. Ansprache der Genossin Käthe Kern. 97. Abt., Neukölln. 20 Uhr: Oeffentliche Wählerversammlung im Lokal Kelmke, Neukölln, Warthestr. 48.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Gott- li&tD Reese 108a. Abt., Cöpeniek. 20 Uhr: Oeffentliche Kundgebung bei Seidler, Uhlenhorst, Mahndorfer Straße.„Der Entscheidungskampf der Arbeiterklasse". Referent Erich Ollenhauer, 1S1. Abt., Niederschönhausen. 20 Uhr im Schloß Niederschönhausen, Lindenstr. 11. Kundgebung:„Der Freiheitskampf der Arbeiterklasse". Referent Genosse Flucht vom Gesamtverband. 7. Kreis Chariottenburg und 8. Kreis Spandau. Demonstration der„Eisernen Front" in Siemensstadt Spandau, Chariottenburg" Treffpunkt der Charlottenburger Teilnehmer 1714 Uhr Gustav-Adolf-Platz. Treffpunkt der Spandauer Teilnehmer 17K Uhr, Berliner Chaussee am Zitadelleneingang. Die Parteimitglieder der Kreise Mitte und Tiergarten werden aufgefordert, sich an dieser Demonstration nach Möglichkeit zu beteiligen. Siemens-Schaltwerk. 16J4 Uhr: Eiserne-Front-Veranstaltung bei Vogel, Nonnendammallee 100,-„Unser Kampf für Freiheit und Recht". Referent Dr. Otto Friedländer. Deutsehe Teiephonwerke. 17 Uhr in der Schulaula, Skalitzer Straße 56, allgemeine Betriebsversammlung. Sozialversicherung und Arbeitsbeschaffung". Referent Hermann Schiimme. Orenstoin& Koppe) und Kaisers Kaffeegeschäft. 1614 Uhr im Lokaf Alpenfranz, Spandau, am Bahnhof West gemeinsame Betriebsversammlung.„Einheitsfront". Referent Emil Barth. Betriebsfremde haben keinen Zutritt. Donnerstag, den 21. Zuli: S.Kreis Wedding. 1914 Uhr: Fünf Wahlkundgebungen, und zwar: Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42, Referent Kurt Anker. In beiden Sälen der Atlantiksäle, Behmstr.(am Bahnhof Gesundbrunnen), Referenten Ernst Hildebrandt und Christian Schumann. Im kleinen Saal der Pharus-Säle, Müllerslr. 142, Referent Karl Hetzschold. Im großen Saal der Pharus-Säle, Müllerstr. 142, Referent Hugo Heimann, MdR. Thema in allen Kundgebungen„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". F.Kreis Charlottenburg. 20 Uhr im Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Str. 53: Oeffentliche Versammlung. Referent Arthur Crispien, MdR.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". 11. Kreis Schöneberg. 19 Uhr; Treffpunkt zur Demonstration Friedenau, Lauterplatz. Anschließend Kundgebung im Bürgersaal des Rathauses Friedenau, Lauterplatz;„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Kurt Heinig, MdR. 12. Kreis Steglitz. 1914 Uhr: Wahlkundgebung im Gymnasium Steglitz, Heesestraße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referenten Anna Geyer und Otto Bach. 17. Kreis Lichtenberg. 1914 Uhr: Kundgebung in der Aula, Schlichtallee, Lichtenberg, an der Hauptstraße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Bernhard Göring.. 20. Kreis Reinickendorf. 1914 im Lokal„Hubertus", Schönholz: Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse", Referent Hermann Harnisch, MdL. 59. Abt., Spandau. 1914 Uhr; Oeffentliche Wählerversammlung im Lokal„Kiennadelschweiz", Spandau, Pionierstraße Z (Halleda).„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Jockel Meier. 105. Abt., Oberschöneweide. Demonstration der„Eisernen Front". Abmarsch 1814 Uhr vom Platz der NAG. Ansprache des Genossen Max Heydemann, MdL. Anstalt Wuhlgarten. 20 URr bei Tempel, Lichtenberg, Gudrunstraße 7: Fraktionsversammlung mit Sympathisierenden. „Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Henry Drunsel. Heil- und Pfiegeanstall Herzberge. 20 Uhr bei Otto, Herzbergstraße 78: Eiserne-Front-Versammlung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referentin Frida Gladosch. Gaswerk, Insta, Kassierer, Neukölln. 1514 Uhr bei Schiunke, Neukölln, Bergstr. 98, Ecke Lahnstr.: Eiserne-Front-Versamm- lung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Max Brinitzer. Bezirksamt Neukölln und Arbeitsamt Süd-Ost. 20 Uhr im Städtischen Saalbau, Neukölln, Bergstraße 147: Wahlkundgebung. Filmvorführung, Musikvorträge, politisches Kabarett. Referent Dr. Julius Moses, MdR. Bezirksamt Kreuzberg. 20 Uhr: in den Kammersälen, Teltower Straße 1— 4, Kundgebung der„Eisernen Front":„Für die Freiheit des schaffenden Volkes— gegen die faschistische Diktatur". Referent Dr. Haubach. Textilarbeiterinnen. 18 Uhr(gleich nach Arbeitsschluß) spricht Emma Ritsche über„Freiheitskampf der Frau und der Arbeiterklasse" im Sitzungssaal der Ortsverwaltung, Engelufer 24/25, Aufg. B, III Treppen. Sorgt für Massenbeteiligung! Siemensstadt unter Naziterror. Nazischiupfwlnkel In KellerrSumen.- Der Hazisender.- Ueüerfälle an der Tagesordnung. Der JeucrüberfaU der Nazis, der am lehfett Mffivach in Siemens sf ad) zwei Todesopfer tmd mehrere Schwerverlehle forderfe, ha) die Oeffenflichkeif auf die seif langem unerträglichen Zustände in diesem Berliner Stadtteil gelenkt. Siemensisadt ist in der Tat der Tummelplatz der braungelben Mordbandite n geworden: sie suhlen sich hier besonders sicher, da sie sich bei ihren Terrorakten aus auherardent- lich geschickt gewählte Schlupfwinkel stützen können, die es ihnen er- möglichen, bei einem Eingreisen der Polizei nur zu ost spurlos von der Bildfläche zu verschwinden.' NaziteUer. Da ist in der H e f n e r st r o h e 1 Z, dicht bei der Siemens- strohe, ein E i s 1 o d e n. SUußeiTich sieht dos Ganze unscheinbar und harmlos aus. Aber die Keller sind als Aufenthalts- räume für die SA. hergerichtet, die hier auch am Tage herumlungert und die Straße unsicher macht Dieser Laden ist ein nach dem Bahnhos Wernerwert zu vorgeschobener Posten. Die zweite„Stellung" liegt am W e h n e I t st e i g, der bis vor kurzem noch„Märkischer Steig" hieß, wiederum an der Ecke der Siemensstraße. Hier haben die Nazis einen„Braunen Laden" ausgemacht, dessen Kellerräume mit der Hauptstelliing, dem Lokal „Zum T u r m", in der Siemens st raße Ecke Boltastraße in Verbindung stehen. Die Kellerräume sind in der Flucht der Siemensstraße, von der Boltastraße bis zum Wehneltsteig, für die unterweltlichen Zwecke der Nazis außerordentlich geschickt ausgebaut. Sie bieten nach Ueberfällen gute Berstecke und dann vor allem die Möglichkeit des unauffälligen Verschwinden?. Wer von den Nazis in der Boltastraße das L o k a I„Z u m Turm" erreichte, kann ganz harmlos in Zivil am Wehneltsteig wieder auftauchen. Kein Wunder, daß die Nazis sich die größte Mühe geben, diese vorzügliche Stellung noch weiter auszubauen. So versuchen sie, ein am Nonneirdomm. in der Nähe des Siemens-Berwaltnngsgebäudes, gelegenes Lokal für ihre Zwecke zu gewinnen. Weder an Ver- sprechungen noch an Drohungen haben sie es gegenüber dem Wirt fehlen lassen. Diese Gastwirtschaft hak nicht weniger als sieben Ausgänge. Sie ist mit ihren umfangreichen Keller- räumen geradezu ein idealer Fuchsbau. In der Nähe dieser Gast- Wirtschaft, deren Wirt sich bisher beharrlich dem Liebeswerben der Nazis entgegensetzte, fand auch der Uebersall am letzten Mittwoch statt. Man muß das Gelände gesehen haben, um zu begreifen, warum gerade dieses Lokal für die Nazis von so großem Wert ist. Gelände am Bahnhof Giemensstadt. Das Gelände am Bahnhof Siemensstadt ist für Banditen- streiche besonders gut geeignet. Zwischen dem Siemens-Berwgl- tungsgebäude und dem Schalthochhaus läuft eine Privat- st r äße, die hinter dem Verwaltungsgebäude zum Bahnhof Siemensfwdt abbiegt. Sie stellt eine ausgezeichnete Rückzugsstraße dar. Auch weniger gewandte Turner können über die Zäune und Tore klettern und so auf die kürzeste Weise zu dem ausschließlich von Nazis bewohnten Siemens-Ledsgenheim in der Süd- st r a ß e oder in das hinter der Bahn liegende Wald- und Sied- lungsgelände finden. Wer hier einmal verschwunden ist, kann später harmlos wieder als„zufälliger" Spaziergänger auftauchen. Wenn es nun den Nazis gelänge, dieses an sich so günstige Ge> lande noch durch einen weiteren idealen Schlupfwinkel, wie das er- wähnte Lokal, auszubauen, dany zöge sich vom Ledigenheim bis zum Laden in der chefnerstraße«ine fast ununterbrochene -Kette von Naziftellungen durch Sie mens st adt, durch die die ständig anwesende SA. zu einer völligen Beherrschung des Stadtteils käme. Die Polizei sollte zum mindesten die Schließung der Tore der Privat st raße anordnen. In der Nähe des Bahnhofs � Siemensstadt liegt auch der genehmigte Kurzwellensender des bei Siemens bestehenden Funkvereins. Der„Stationsfunker", wenn man hier diesen Ausdruck wählen. darf, ist natürlich Nazi. Man kann sich vorstellen, zu welchen Zwecken die Anlage mißbraucht wird. Den Nazis find ja alle Mittel recht. Sollten die Behörden schon auf den Gedanken ge- kommen sein, die Sendungen dieser Aunkstelle nachzuprüfen? Alle Tage Lleberfälle. Jeder Tag bringt Zusammenstöße. Die meisten kommen natürlich gar nicht zur Kenntnis der Polizei. Immer sind die Nazis die Angreifer. Sie fühlen sich als Herren der Straße. Wir registrieren im folgenden kurz einige der wichtig- sten Heldentaten der gelben Wegelagerer! 21. Juni Ueborfall auf zwei Flugblattverbreiter am Wehneltsteig, Ecke Nonneitdamm. Beide wurden erheblich ver- letzt.— 2 2. Juni: Ueberfall aus unsere Betriebsratsmitglieder Walter und Schmidt in der Nähe des Bahnhofs Wernerwerk. Am gleichen Tage wurden einem Gastwirt ain Wehneltsteig die gläser- nen Firmenschilder zertrümmert.— 2 3. Juni: Schwerer Ueberfall auf einen Radfahrer in der Siemensstraß«. In diesem Falle gelang es, einemder Täter zu fassen.— 2 4. Juni: Einem Rohr- leger, der über den, Naziladen in der Siemensstraße, Ecke Wehnelt- steig, wohnt, wurden die Fensterscheiben mit Pflastersteinen ein- geworfen. Der Mann war abends nach Hause gekommen, als die Nazis hier patrouillierten. Er wurde mit den Worten empfangen: „Mach', daß du ins Haus kommst, hier hast du nichts zu suchen." Als er in seiner Wohnung Licht einschaltete, wurde er mit Pflaster- steinen bedacht. Die Nazis handelten hier nach der Parole:„Licht aus, Messer raus!" Einem alten Genossen wurden eben- falls Steine durch das Fenster geworfen, ein ander- mal wurde feine Wohnung sogar beschossen. Nur einem Zufall ist es zu danken, daß die anwesende Frau nicht verletzt oder 'getötet wurde.— 13. Juli: Feuerüberfoll auf Kommunisten. Zwei Tot«, viele Schwerverletzte.— 14. Juli: Neuer Uebersall auf Andersdenkend«. Immer treten die Nazis in Rudeln auf. Manchmal verschonen sie ihre eigenen Leute nicht. Ein gewisser Gustav Harz, der sich zu den Nazis bekennt, hatte die Unvorsichtigkeit begangen, in einer „verfehmten" Gastwirtschaft ein Glas Bier zu trinken. Dafür Einmütig stehen alle Kenner zu Juno die sich in 3? Jahren einen so großen Freundeskreis nicht nur zu erobern, sondern auch zu erhalten wußte. Gerade uteil die gute KON LINON auf Zugaben in Form von Wertm arken, Gutscheinen oder Stickereien verzichtet, dafür aber beste Qualität und volles Format bietet, bleibt sie die bevorzugte Marke! NcasdüdAcH Untts- VniiMÄ redtf Lehrreiches Beispiel und Gegenbeispiel wurd« er von einem Rollkommando von etwa ZV Mann gestellt, aus deren Mitte die Schläge hageldicht fielen. Dabei fragten ihn feine lieben Freunde, ob er gesehen habe, wer ihn geschlagen Hab«? Ueberoll wird über mangelhaften Schutz geklagt. Am Tage patroullieren zwar Schupoposten. Abends ober, wo es am nötig- sten ist, sucht man sie vergeblich. Es ist auch schon angeregt wor- den, in die gefährdeten Gastwirtschaften, die ganz besonders unter dem Terror zu leiden haben, Reichsbannerwachen zu legen. Flug- blattverbreitung ist nur noch unter dem Schutz der chammerschaften von Siemens möglich. Der Haupträdelsführer der Nazis ist der bei dem Zusammenstoß am letzten Mittwoch verhaftete national- sozialistische Betriebsratsvorsitzende des Kabel- Werkes, Kirsch, der einige Tag« im Krankenhaus zubringen mußte, da er versucht hatte, nach seiner Verhaftung in der Näh« der geschilderten Schlupfwinkel-zu entfliehen. Gerade am letzten Sonnabend wurde er wieder entlassen und von seinen„Peges" mit lautem Hallo empfangen. Zur gleichen Zest wurde wieder der Uebersall aus einen Reichsbannerkameraden gemeldet. Trotzdem die Nazis in Siemensstadt von über 180 Betriebsräten nur fünf Mann durchgebracht haben, ist Kirsch als einziger Nazi des Kabelwerkes durch das Verhalten der Kommunisten zum Vorsitzenden gewählt worden. Am letzten Mittwoch haben sie dann dafür den Dank er- halten. Die Erregung über die zunehmende Unsicherheit ist in den Kreisen der freiheitlich gesonnenen Arbeiterschaft aus das Höchste gestiegen. Niemand vermag die ständige Bedrohung auf die Dauer zu ertragen. Nur der unerhörten Disziplin der Eisernen Front ist es zu danken, wenn es in Siemensstadt noch nicht zu einer all- gemeinen blutigen Auseinandersetzung mit den Nazi» gekommen ist. Alles in allem aber ist Siemensstadt ein Musterbeispiel für die Herrlickikeit des Dritten Reiches, die der Lahusen-Rechtsanwolt Frank kennzeichnete, als' er erklärte,„daß die Nazis ein Gericht veranstalten werden, von dem man noch in tausend Jahren sprechen werde". Ensiehkicher Llnfatt in Lichtenrade. Von einem Castauto den Kopf ebgequetscht. In der Berliner Straße in Lichtenrade ereignete sich gestern am frühen Nachmittag ein entsetzlicher Verkehrsunsall Der 49jährige Bauarbeiter Paul Seidel aus der Hauptstraße 37 in Buchholz war in der Kronenbergstraße in Lichtenrade auf einem Bau beschäftigt. Nachmittags gegen l'A Uhr hatte S. aus einem Handwagen einen kleinen Transport auszuführen und wurde vor dem Grundstück Berliner Straße 98 von einem Lastauto erfaßt. Dem Führer des Autos gelang es nicht, sein Fahrzeug zum Halten zu bringen und Seidel wurde von dem Kühler gegen einen Baum gedrückt. Dem Unglücklichen wurde buchstäblich der Kopf vom Rumpf abgerissen. Das Lastauto wurde bei dem An- prall gegen den Baum schwer beschädigt. Starken Unwillen erregte unter der Bevölkerung der Umstand, daß der Tote stunden- lang auf dem Fahrdamm liegen blieb und den Vor- übergehenden ein entsetzenerregender Anblick geboten wurde. Die Kriminalpolizei hatte angeblich mit den notwendigen Feststellungen solange zu tun. BsirZgerischer Bausparkassendirekior. Aeamte um 90000 Mark geschädigt. Die Strafkam m e r des Landgerichts l verurteilte nach mehrtägiger Verhandlung als erste Instanz den'bisher unbe- straften Kaufniann Gerhard Straßberger wegen Betruges in 49Fällen zu 2 Jahren Gefängnis. Strahburger hatte«ine Gesellschaft gegründet, die den Namen„T e r r a- N u o v a A.- G. führt» und die sich angeblich mit der Beschaffung von Baugeldern und Darlehen für Beamte beschäftigte. Die Gesellschaft verfügte aber über keinerlei Mittel, und es kam ihr nur darauf an, von den Darlshenssuchern Provisionen zu erschwindeln. Insgesamt sind über 100. Beamte um rund 90000 Mark geschädigt worden. Bezeichnend für die Gesellschaft war, daß der Aussichtsrat der A.-G. sich aus einem abgebauten Bankbeamten, einem Freunde Straßbergers, und einer 21jährigen Stenotypistin zusammensetzte. Straßberger selbst war alleiniges Vorstandsmitglied der A.-G. ' 26. Während drinnen im Münster der übermenschliche Kampf eines Verlorenen weitergeht, während ein burr- wänftiger Mönch mit eintöniger Stimme sechzig Artikel aus Wiklefs Büchern verliest, danach dreißig Artikel aus den Werken von Hus, während der Angeschuldigte vergeblich ver- sucht, sich zu oerantworten, schließlich auf Befehl der Väter von den Knechten und Bütteln gedämmt und mit Gewalt am Reden verhindert wird, während man die Aussagen von Zeugen und die Beschuldigungen von Anklägern kundmacht, sie aber nur nach ihren Titeln, nicht nach ihren Namen nennet, während man ihm die Lästerung zulegt, er habe sich als die vierte Person der heiligen Dreifaltigkeit ausgegeben, während man ihm seine Berufung auf Jesus Christus als Richter zum Verbrechen macht, während man ihn anklagt, daß er den päpstlichen Bann auf das freventlichste mißachtet habe, während man dann die längst gefertigten Urteile ver- kündet, seine Bücher zum Feuer verdammt, ihn selbst zur schmachvollen Entsetzung seiner priesterlichen Würden, zur Ausstoßung aus dem Schoß der Kirche und zur Auslieferung an die weltliche Macht, wippt und wogt draußen auf dem engen Münsterplatz und in den anstoßenden Gassen noch immer das aufgeregte fleischerne Meer der vielen tausend Zuschauergesichter. Kurz nach der Mittagstunde rückt vom Obermarkt her eine Schar Stadtsoldaten an. Auf dem Münsterplatz ange- kommen, treiben diese Gewappneten, von innen aus vor» gehend und die quer über die Brustpanzer gehaltenen Helle- barden als Stößer benutzend, einen Kreis in das versammelte Volk. Die Gaffer brauchen nicht lange zu fragen, was dieses Plagmachen bedeute: denn kaum haben die Söldner den Kreis ausgewuchtet, da rennt von der Pfalz her mit lautem Rufen ein scharlachrot gekleideter Höllenfürst herbei, dem dichtauf sechs pechschwarze gehörnte Unterteufel folgen. All« lieber eine kleine Episode, die sich nach der großartigen Demon- stration der Eisernen Front in der Tennishalle in der vergangenen Woche abspielte, erhalten wir erst jetzt folgende Schilderung. Die begeisterten Massen strömten, aus der Tennishalle kom- mend, dem ll-Bahnhof Fehrbelliner Platz zu, füllten die Treppen, füllten den ganzen großen Bahnhof an. Freiheit- Rufe ertönten immer wieder. In diesem Augenblick fuhr ein Zug aus der Stadt ein und ihm entstieg ahnungslos ein Nationalsozialist in voller Unisorstr. Es war schon zu spät, als er erkannte, was los war. Sofort riß er sich die Hakenkreuzbinde vom Arm. Aber das nützte ihm nichts, erkannt war er doch. Zurufe hagelten auf ihn ein, aber niemand rührte ihn an. Es war ein ziemlich großer Mensch von etwa 30 Jahren. Weiß der Himmel, was nun in diesem Augenblick in ihm vorging. Viel- leicht sah er sich schon von seinen„Feinden" zerschmettert. Jeden- falls begann er zu schwanken und taumelte schließlich zu einer Bank. wo sich ein U-Bahnangestellter um ihn bemühte, der ihn stützend hinaus- und die Treppen emporgeleitete. Als nun aber der Nazi oben vor dem Bahnhof die gewaltige unabsehbar herauswogende Masse der Demonstranten sah, weigerte er sich, allein weiterzugehen, und dem mitleidigen U-Bahnangestellten blieb nichts übrig, als den Nazi wieder auf den Bahnsteig zu führen und ihn in einem abge- legenen Raum unterzubringen so lange, bis die Masten der Eisernen Front verschwunden waren. Kein Haar war dem Kämpfer für Hitler-Goebbels und das Dritte Reich gekrümmt worden. Wie anders aber liest sich der folgende Bericht: An der Lübbener Ecke Skalitzer St.raße stehen am vergangenen Sonntag früh gegen 6 Uhr zwei Kameraden vom Reichsbanner, die zum Reichsbannertreffen in Frankfurt an der Oder fahren wollen, als ein Trupp von etwa 300 Nationalsozialisten in Zivil aus der Richtung Lausitzer Platz ankommt. Erst als die wehrlosen Reichsbannerleute von der Menge eingeschlossen war, fielen die Nazis mit Rufen wie „Ihr Schweine" über sie her, versuchten ihnen die Abzeichen zu ent- reißen und schlugen sie und zwei andere Kameraden, die den Ueber- fallenen zu Hilfe geeilt waren, zu Boden. Die Ueberfallenen trugen sämtlich schwere Verletzung en davon, ein ö3jähriger Reichs- bannermann, der buchstäblich zu Boden getrampelt wurde, mußte sich mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus begeben. Die Nazis ließen von ihren Opfern erst ab, als eine Anzahl Schupos aus der nahegelegenen Hindenburgkaserne ankamen, die einige der nationalen Helden festnahmen. Bedarf es noch irgendeines Beweises, daß die Nazi die wahren| Gaswolke im Ruhrgebiet. Zwei Arbeiter erstickt, zwei erkrankt- Vegetation verdorrt. Gelsenkirchen-Vuer. 16. Zuli. Am Mittwoch waren aus den Stickstosswerken Schal- v e n durch Ilndichtwerdea eines Niederdruckrohres Ammoniak- gase in erheblichen Mengen ausgeströmt und halten eine in ziem- licher Entfernung arbeitende Kolonne, bestehend au» vier Mann, er- faßt. Sämtliche vier Leute trugen anscheinend leichlere Gasvergif- tungen davon, lieht sind aber im Krankenhaus Bergmannnshsil II in Buer zwei Leute infolge eingetretener Lungenentzündung g e st o r b e n. Die übrigen zwei Vergifteten find nach Aussagen des Chefarztes des Krankenhauses außer Gefahr. Bei dem zur Zeit der Explosion herrschenden nebligen feuchten Wetter hatte sich eine Gaswolke gebildet, die langsam über die be- vachbarten mit Rüben und Kartoffeln bestandenen Felder strich. Die Blätter der Rüben und die Stauden der Kartosfeln trockneten bald darauf ein. Ebenso zeigten andere Feld- und Gartenfrüchte Vergiftungserscheinungen. Das Gas � drang weiter in einige Häuser ein. Einzelne Leute klagten über heftige Kops- schmerzen und Magenbeschwerden. tragen ihre langen Zottelwedelschwänze in den Händen und vollführen damit die tollsten Kapriolen. Kreischend stiebt vor diesem unerwarteten Aufzug das Weibervolk auseinander, sammelt sich aber sofort wieder, ja, drängt sich ganz nach vorn, zu neugierig zu sehen, was es bei diesen bocksfüßigen Tagsendlingen der Unterwelt gebe. Kaum lassen sich die Teufel ein wenig Zeit zum Ver- schnaufen, da gehen sie schon ans Werk, holen Holz aus den nächsten Häusern, schichten es zu einem Haufen, bringen Herdglut auf einer eisernen Schaufel und zünden mitten im Kreis ein offenes Feuer an. Als die Scheiter recht flackern und prasseln und eine knatternde, Funken hochreißende Lohe aufsteigt, sich gewait- sam aus dem Mantel gelb und schwarz wallenden Rauches befreiend, da schreit der Scharlachrote die Pechschwarzen an: „Nun tapfer ans Werk, ihr Höllengesellen! Nicht mehr lang gesäumt! Drauf und dran! Die Büchsen geladen und losgebollert!" Auf diesen Zuruf hin stellt sich die gesamte Teufelsschaft mit dem Hintern gegen das Feuer, geht in die Kniebeuge und schmeißt in dieser Hockstellung die bei den Vätern ein- gelieferten und zur Verbrennung verdammten Hus- und Wiklef-Schriften in die Lohe, Während das verbrennende Pergament in der Glut Blasen wirft und sich in der Brandhitze verbiegt und verzieht, daß man meinen kann, es lebe und wälmele sich vor Schmerz wie ein Aal in der Pfanne und wehre sich auf diese Art gegen das Feuer, legen es die Teufel darauf an, sich gegenseitig die wergenen Schwänze zu versengen. Wenn dann einer gloset und raucht, so rennt sein Besitzer mit brüllendem„Eis!" und„Weio!" ringsum und schreit die Stadtknechte an: „Wasser! Wasser! In Siehenteufels Namen, Wasser!" Freilich ist dieses Wehe- und Flehegeschrei nur erheuchelt: denn der Kübel mit Löfchwasser steht vorsorglich schon seit Anfang bereit. Wird der Brand wirklich ernster, so platzen die Feuerkn'aben mit breitem Schwung ihren Hinterteil in die Bütte. Dann aber, wenn sie aufstehen, kommt erst der Haupt- spaß, sie spritzen mit ihren naßgewordenen Wedelschwänzen tüchtig die Umstehenden ab. Das gibt von neuem Gelach und Geschrei. Geschrei bei den Getroffenen, Gelächter bei den Verschonten. Doch diese teuflische Lustigkeit stinkt entsetzlich. Das ist auch die Meinung des Mausefallenhändlers, der in einem der zu summenden Klumpen geballten Zuschauer- Haufen steht. „Es riecht hier nach versengter Schweinsborste!" ruft er lautstimmig und hält sich wie abwehrend die Nase zu. Ruhestörer. Friedensbrecher und Bürgerkriegssoldaten sind? Wie lange soll noch die Berliner Bevölkerung und das Deutsche Volk diesem Verbrechergesindet ausgeliefert sein? Eiserne Froni- eiserne Fäuste. Großartige Kundgebung in Lichtenberg. Die erste Kundgebung der Eisernen Front in Lichtenberg war gestern überfüllt. Genosse A u s h ä u s e r sprach. Mit grau- samer Deutlichkeit zeichnete er das wahre Gesicht des Nationalsozia- lismus, dem wirklichen Träger der Regierung Popen. Diese Regie- rung ist gegen das Volk, sie ist im wahrsten Sinne des Wortes eine WohlfahrtsanstaktfürGroßgrundbesitz und Mono- p o l k a p i t a l.i s m u s. Hinter ihr steigt der Schatten eines lstngst verschollen geglaubten Feudalismus auf. Das Volk aber ist ertupcht aus dem Wahn, in den nationalsozialistische Unwahrhaftigkeit es versetzt hatte. Es hat erkannt, daß im Staat des Herrn Hitl'ar Herrenrechte vor Volksrechte gehen. Es hat aber auch seine eigene Kraft erkannt. Deshalb hat das Volk sich zusammengeschlossen in der Eisernen Front. Diese Eiserne Front wird, wenn es not tut, ebenso eiserne Fäuste zeigen. Es gilt den Kampf um den sozialistischen Aufbpu. Die drei Pfeile der EisernenFront weisen auf ein besseres Menschentum hin; sie-weisen aus den Sozialismus, den Frieden und die Freiheit der Menschen. Freiheit ist deshalb unser Kampfruf. So klang die Lichtenberger Kundgebung aus, die getragen war vo.n glühend begeisterter Kampfstimmung und überzeugter, opferwilliger Bereitschaft des Lichtenberger Proletariats. Nazis überfallen Zentrumsleute. Am Montagnachmittag gegen 5 Uhr kam es an der Ecke der Wilsnacker Straße und A l t- M o a b i t zu einem politi- schen Zwischenfall, bei dem ein Zentrumsmitglied verletzt wurde. An der genannten Ecke waren zwei etwa 20jährige Mitglieder der Zentrumspartei mit dem Verteilen von Propagandazetteln beschäf- tigt, als sie plötzlich von sieben Nationalsozialisten an- gerempelt wurden. Einem wurden die Zettel entrissen, wäh- rend sich der andere wehrte und darauf tätlich angegriffen wurde. Auf die Hilferufe der Ueberfallenen kam die Polizei, worauf die Täter flüchteten. Im Anschluß an den Vorfall wurde ein n a t i o- nalsozialistisches Verkehrslokal in der Wilsnacker Straße durchsucht, wobei eine Person zwangsgestellt wurde, die der Mittäterschaft verdächtig erscheint. Raubüberfall an der Millionenbrücke. Schwere Zuchthausstrafe für den Täter. Am 2. Juli wurde das hochbetagte Hausbesitzerehepaar Sch., das nach dem Einkassieren der Mieten aus dem Heim- weg war, in der Swinemünder Straße dicht bei der„Mil- lionenbrücke" das Opfer eines Raubüberfallcs. Als das Ehepaar ahnungslos auf dem Bürgersteig ging, sprang ein Mann hinzu und riß Frau Sch. die Händtasche mit solcher Wucht weg, daß ihr der Arm ausgekugelt wurde und sie zu Boden fiel. Auf die Hilferufe nahmen Straßenpafsanten sofort die Verfolgung des Straßen- räubers auf, der zu einem Motorrad laufen wollte, auf dem.ein Freund wartete. Der Räuber hatte sich jetzt vor dem Schnell- schösfengericht in der Person des erheblich vorbestraften 3öjährigen Roman Gaffte wegen schweren Raubes zu verantworten. Er gab die Tat zu, wollte aber seinen Freund, dem es gelungen war, auf dem Motorrad zu entkommen, nicht mit Namen nennen. Das Schnellschöfsengericht verurteilte Gaffke wegen Straßenraubes unter Dersagung meldernder Umstände zu 5 Jahren Zuchthaus und S Jahren Ehrverlust._ konsekkionseinbrecher suchten die Räume der Firma Salzwedel, Ehrlich und Danz in der Friedrichstrahe 173 auf. Die Täter stahlen Seiden- und andere Stoffe im Werte von etwa 8000 bis 10 000 M. Der scharlachrot gekleidete Höllenfürst, der eben mit einem eisernen Haken in der Glut herumstochert, kehrt sich bei diesem Zuruf um, wie von einer Wespe in den Hintern gestochen, und sieht dem Mausefallenhändler'so nah ins Ge- ficht, daß der schleunigst so weit zurückweicht, als es die Um- stände erlauben. „Was? Versengte Schweinsborsten?!" schreit der Teufel. „Ja, meinst du vielleicht, es soll nach Lindenblüten riechen, wenn wir solchen ketzerischen Unflat verbrennen? Aber wenn du ein besseres Gedüft in deinen Allerweltszinken kriegen willst, so mache die dreihundert Schritt, die's von hier sind, und geh über den Gottesacker hinüber zu den hochwürdigen Barfüßermönchen. Die halten jetzt Mittag. Wenn du unter- Wegs an keiner Schürze hängen bleibst, wirst du gerade noch zurechtkommen und kannst am Fremdentisch eine Ecke er- wischen. Ja, Mann der Mäusefallen, trage schleunigst dein dürres Klappergestell hin! Das hat ordentlichen Einschlag nötig. Bei den Barfüßern kannst du dich ranhalten. Vierzig Sauen und ungezählte Spanferkel knuspern die heut!" „Woher, du roter Teufel, willst du das wissen?" tönt's von den Münsterstaffeln her. „Sehr einfach!" schreit der Angeredete, schwingt einen Feuerhaken wie einen Metzgerstahl, nimmt seinen Schwanz zur Hand und macht dami't die Geberde des Metzerwetzens. „Heut in der Frühe, bevor ich hier der Teufel wurde, bin ich bei den Barfüßern der Metzger gewesen, gix, gix!" . Tosender Beifall folgt dieser schlagfertigen Antwort, und die Kapriolen der Höllenkopisten gehen weiter. Der Slowak hat genug vom Zusehen. Ihn kotzt der ganze krampfige Mummenschanz hier an. Zu läppisch das alles für einen Fahrenden, zu durchfichtig! Solche Spiele mögen die Ammen denjenigen Kindern vorgaukeln, die nie von ihrer nahrhaften Brust kommen! Diejenigen aber, die ihre Nasen in den Weltwind hängen, die bedanken sich für solchen abge- standenen Zimt! Hier wird bloß der Teufel markiert, damit die blöden Augen die Erde nicht merken, die hinter der Hölle steht! Pfui Teufel! Dem Mann mit den Mausefallen liegt eine bittere Schicht auf der Zunge. Wenn er's recht bedenkt, ist es tatsächlich das Gescheiteste, dem Vorschlag des Scharlach- roten zu folgen und hinüber zu den Barfüßern zu gehen. Vierzig Sauen und ungezählte Spanferkel, heiliger Bauch- lapp» das ist ein Wort! Da wird die Fettheit hoffentlich obenauf auf der Wurstsuppe schwimmen und braucht nicht erst Aug um Aug mühselig erfischt zu werden! (Fortsetzung folgt.) Achtung, s-sies BeHinl Fahnen heraus! Ah Oonnerstag, den 21. JuH, zeigt die Eiserne Front die Freiheitsfahneni Krau Mlkinson in Brandenburg. Lteberfüllte Niesenversammlung und Begeisterungsstürme. Brandenburg. 18. Juli. lEigenbericht.) Schon lange vor der Ankunft der englischen Genossin W i l- t i n s o n und des Genossen B r e i t s ch e i d setzte eine wahre Völker- Wanderung durch die Straßen Brandenburgs ein. Zwölf Züge R.etchsbanner waren angetreten und zu ihren Seiten säumte eine vieltausendköpfige Menge die Hauptstraßen bis zum Versamm- lungslokal, dem„Schweizergarten". Vieltausendstimmig war auch der Freiheit-Ruf, als Genosse Breitscheid und in seiner Begleitung die englische Frauenführerin Wilkinson gegen 19.30 Uhr eintrafen. Der Schweizergarten, der größte Saal Brandenburgs, war über- füllt und die Massen standen aus der Straße. Ein Mädel von der SAJ. überreichte dem englischen Gast einen prächtigen Strauß roter Nelken. Genossin Wilkinson trat dann vor das Mikrophon und richtete in deutscher Sprache heszliche Worte des Verbunden- seins an die Anwesenden: „Ich bringe euch Grüße von den Männern und Frauen der Arbeiterschaft Englands. Euer Kampf ist derselbe wie der unsere. Es ist der Kamps gegen den Faschismus, die Stütze der am Boden liegenden internationalen Finanzwirt- schaft. Es blieb dem Kapitalismus kein anderer Ausweg, als sich dem Faschismus zu verschreiben, nachdem der Krieg ein so großes Trümmerfeld hinterlassen hat. Aus großen Versammlungen eng- lischer Bergarbeiter und anderer Proletarier bringe ich Grüße und Wünsche von denen, die in dieser Stunde mit dem Herzen und ihren Gedanken bei euch stehen." Großer Beifall dankte der Rednerin. Dann trat Genosse Breit- scheid, vom Beifall der Tausenden begrüßt, an das Rednerpult. Er kam auf die legten politischen Vorgänge zu sprechen und gab einen Ueberblick über die wahren Absichten der Nazis und ihrer Freunde. die, einmal verwirklicht, für das arbeitende Deutschland Ohnmacht. wenn nicht gar Tod bedeuten. Deutschland ist durch das laute Ge- brüll der Nazis erwacht, aber es ist jenes bessere Deutschland, mir dem sie nicht gerechnet hatten: die Arbeiterschaft. Und nun hat man Angst vor den Wahlen und Angst vor dem Deutschland der Arbeit, das sich nicht unterdrücken läßt von einer Diktatur, die jetzt schon den Mord durch die Straßen treibt. Diesen finsteren Mächten gilt unser Kampf auch über den 31. Juli hinaus. Wieder braust Beifall empor und langsam leert sich der mit über 6000 Menschen gefüllte Raum. Es war ein großer Tag in der Freiheitsbewegung unserer Stadt und diese seit vielen Jahren größte Veranstaltung der Brandenburgischen Sozialdemokratischen Partei wird am 31. Juli auch ihre Früchte tragen. UnLsro werten Postabonnenten werden gebeten, das Bezugsgeld für den kommenden Monat zu bezahlen, sobald der Postbote die Quittung vorlegt, damit die regelmäßige Belieferung beim Monatswechsel keine unliebsame Unterbrechung erleidet Für Abonnementserneuerungen nach dem 24. erhebt die Post eine VerspätungsgebUhr von 20 Pi. VORWÄRTS-VERLAG G.M.B.H. Garrasam in schwerer Gefahr. Die Artistenloge kämpft für ihn. Di« Zukunft des durch di« Antwerpener Brandstiftung- um 750000 M. geschädigten deutschen Zirkus Sarrasani ist noch voll- kommen ungewiß. Das sich an die Belgien-Reise anschließende Gastspiel in. Holland bedeutete für das Unternehmen gleich- falls einen starken Verlust. Manchmal spielte der Zirkus in Hol- land vor weniger als 50 Besuchern. Die neue deutsch« Zollpolitik, die die holländischen Bauern Zwingt, ihren Kohl aus den Dung zu werfen, hat zu einer ablehnenden Haltung der hol- ländischen Bauern gegen alles Deutsche geführt.' Gegenwärtig verhandet Sarrasani mit der russischen R e- g i e r u n g, die nicht abgeneigt sein soll, seinen Zirkus zu kaufen. In Deutschland, setzt sich vor allem die artistische Arbeitnehmer- organisation, die freigewerkschastliche Internationale A r t i st e n l o g e, bei den Behörden für Sarrasani ein. Noch stehen 800 Menschen bei Sarrasani in Lohn und Brot! Es ist an- zuerkennen, daß sich Sarrasani selbst für den sozialen Aufstieg der Artisten eingesetzt hat. Er war in seinen Anfängen ein berühmter Tier-Clown. Als er sich ober mit einigen Gleichgesinnten an die Gründung der Artistengewerkschaft machte, als die ersten sozialen Kämpfe im Artistengewerbe ausbrachen, da konnte er keine Stel- lung mehr finden, er stand auf der schwarzen Liste, un? in Europa fand sich kein Direktor, der dem Gewerkschaftler«in Engagement gab. Bei dem geradezu phantastischen Aufstieg Sarrasanis, der so gegen seinen Willen zum Unternehmer geworden war, wurden alle seine Konkurrenten überflügelt. Nach dem Krieg erschien er als erster wieder auf dem Plan. Und als man ihm in Frank- surt a. M. 1919 keine Spielerlaulnis erteilen wollte, da waren es die Gewerkschaften, di« ihre Mitglieder auf die Straße schickten, um durch eine Protestdemonstration die Stadtverwaltung zur Erlaubniserteilung zu veranlassen. Sarrasani ging dann, in Zusammenarbeit mit Stinnes, nach Südamerika. Er war der erste, de r� dort die schwarzrotgoldene Flagge entfaltete. Als ihm dann aber die.Erben von Stinnes das Fell über die Ohren ziehen wollten, wandte er sich an den Reichs- Präsidenten Ebert, der ihm zu seinem Rechte verhalf. Jetzt steht Sarrasani wieder vor dem Zusammenbruch. Aber es ist zu wünschen, daß dieser nicht nur grüßte deutsche, sondern größte europäische Zirkus über die schlimme Krise dieser Zeit hin- wegkommt.'_ Zwischenfall auf einer Polizeiwache. In der Grenadier st raße sollte gestern ein Mieter ex- mittiert werden. E- hatten sich etwa 100 Kommunisten an- gesammelt, die eine zwangsweise Entfernung des zu Exmittieren- den verhindern wollten. Da der Gsrichtsoollzieher offenbar schon mit Zwischenfällen gerechnet hatte, ließ u sich polizeilichen Schutz kommen. Als nun der Mieter in seiner Wohnung sich der Ex- Mission widersetzte, zog der Polizeioberwachtmeister F r i t s ch e sofort seine Pistole und entsicherte die Waffe. Der widerspenstige Mieter, ein Straßenhändler, wurde daraus zur 7. Polizeiwache nach der Hanke st raße gebracht, wo sich der Oberwachtmeister Fritsche in seiner Erregung soweit vergaß, daß er auf den Festgenommenen und doch vollkommen Wehrlosen zunächst einschlug und dann einen Schuß auf ihn abgab, der glücklicherweise sein Z'el verfehlte. Der Potizeipräsident hat den Beamten sofort seines Dien st es enthoben und die Kriminalpolizei mit einer Untersuchung beauftragt. Es ist selbst- verständlich, daß für prügelnde und schießende Beamte in der Ber- liner Schutzpolizei, die das Vertrauen weitester Kreise der republi- konischen Bevölkerung Verlins genießt, kein Platz ist. Da» hohe Lied der Arbeiter. Bis Tonnerstag, LI. Juli, wird in den K o« in o r- L i ch t s p i el e n. Neu, Lichtenberg. Lückstr. 70— 71, der spannende Bergn-rkssilm..Kamerad chaft" vorgeführt. Ausgenomnien in den tiefsten Bcrgwerküschächlen, behandelt dieser künstlerisch wertvolle Film die größte Grubenkatastrophe aller Zeiten, das Bergwerksunglück von Courrieres, bei dem 1200 Bergleute verschüttet wurden. 312 Tonnen Dynamit explodiert. Acht Personen in Transvaal getötet. kimberley. 18. Juli. Lei einer schweren Dynamilexplosion wurden in der Nähe von M a q u a s s i(Transvaal) acht Personen getötet. 312 Tonnen Dynamit, die mit der Eisenbahn zum„Goldrand" be- sördert wurden, entzündeten sich aus bisher noch unbekannter Ursache. Die surchlbare Detonation wurde in meilenweitcm Umkreis gespürt. Die 34 Wagen des Güterzuges wurden aus den Gleisen geworfen. Wie durch ein Wunder blieb die Maschine unbeschädigt. Heizer und Lokomotivführer blieben unverletzt. Mit furchtbarer Gewalt riß die Explosion einen 15 Fuß tiefen und 300 Meter langen Graben in die Erde. Furchtbares Unwetter in Schwaben. Gräber aufgespult und Särge weggeschwemmt. Augsburg, 18. Juli. Mittel- und Nordschwaben sind in der Nacht zum Sonntag von einem furchtbaren Unwetter heimgesucht worden. In einer Höhe von über einem Meter stürzten nach einem vier- stündigen Wolkenbruch die Wassermassen aus den Bergen durch die Straßen her Dörfer. Alles, was den reihenden Fluten nicht Widerstand leisten konnte, wurde fortgerissen. Besonders be- troffen wurden die Ortschaften Gloett, Holzheim, Wcisingen und Altenmünster. In Holzheim schwoll der Dorfbach stromartig an, drückte die Kirchhofsmauer ein, riß Grabmäler und Kreuze um, spülte Gräber weg und trug Särge mit sich fort. Ebenso litt das Allgäu stark unter einer Hochwasser- katastrophe. In Kempten wurde ein Arbeiter vom Blitz erschlagen. Lehrreiche Statistik. Unter den vielen lehrreichen und beachtenswerten Statistiken der Ausstellung„Sonne, Luft und Haus für alle" auf dem Messegelände in Witzleben fällt einem eine auf, aus der hervorgeht, daß in Deutschland er st auf 300 000 Menschen ein Hallenbad entfällt, erst aus 20 000 eine Badeanstalt, auf 36 000 eine Tennisanlage, aber auf 7000 schon ein Schießstand. Die Sozialdemokraten haben in ganz Deutschland in dem vergangenen Jahrzehnt mit aller Kraft dafür gearbeitet, daß die Zahl der Hallenschwimmbäder vermehrt wurde: sie haben damit eine Forderung ersüllen Helsen, die vor und nach dem Krieg auch von sehr nationalen Hygienikern und Aerzten ausgestellt wurde, haben also doch eine im besten Sinne nationale Tätigkeit ausgeübt und müssen es sich jetzt gefallen lassen, von gesinnungslosen national- sozialistischen Schreibern und Schreiern wegen ihrer angeblichen kommunalen Verschwendung angepöbelt zu werden. Die nationalen und nationalistischen bürgerlichen Sportvereine gehören aber trotzdem zu den stärksten Benutzern der vielfach, von Sozialdemokraten ge- schasfenen Volksschwimmbäder und Badeanstalten.' Am Krankenbett Max Wölfels. Die Kameraden des Ortsvereins Berlin-Mitt« des Reichs- banner? statteten am Montag ihrem von den Nazis so feige über- fall-enen Führer Max Wülfel im Virchow-Krankenhaus ihren Besuch ab. Lautlos vollzieht sich der Durchmarsch durch das Krankenzimmer, hoch recken, sich di« Fäuste zum Kampsesgruß der Eisernen Front. Ied«n einzelnen kennt Kamerad Wölsel, jedem, vom ersten bis zum letzten, schüttelt er die Hand trotz der Er. Mahnungen, sich zu schonen. Da im Zustande des Verlegten eine Besserung eingetreten ist und nach Aussage des behandelnden Arstes für die Heilung günstig« Aussichten bestehen, wird der Tag nicht fern sein, wo der Führer dem Ortsverein zurückgegeben wird und der gemeinsame Kamps um die gesteckten Ziele unbeirrt weiter geht. Arci« CSarlottenburg, Schoncbcrq. Nöp-nick mit dkl Sruppe Bohnsvers >!»d Ätik Äctniiienpotf bcr Nind rsrcundc. Die Meldungen zur E l t e r»- f a d r t müssen bi» swUcstens Mittwoch bei den Kreisleitern bezahlt werden. Meldungen ohne Zahlung werden nicht berücksichtigt.— ibruppe Köpenick. Alle Falken treffen sich Mittwoch, um IZ Uhr, am Bahnhof Köpenick. Wir gehen nach Pserbebucht spielen. Zurück gegen IS Uhr. Elter» herzlich will- komme». Granaiexplosion auf Kriegsschiff. Drei Matrosen getötet,-13 verletzt. Rom, 18. Zuli. Sei der Abwehrübung eines Lufkangriffs explo- dierie auf dem ilalienischen Kreuzer„T r i e st e" eine Zchnzeati- mekergranake. Drei Matrosen wurden g e t ö k e l und dreizehn verletzt. Zu Max tiebermanns 85. Geburlstag spricht am Mittwoch, 20. Juli, als Stimme zum Tag Geheimrat Prof. Dr. Wilhelm Waetzold, Generaldirektor der staatlichen Museen.. Aus der Partei. Anna Pernerstorfer ist, 78 Jahre alt, in Wien gestorben. Sie war die Jugendfreundin und später die treue Lebensgefährtin Engelbert Perner st orfers, des Schulkameraden und Kampfgenossen Viktor Adlers. Als ihr Mann, damals noch deutschnationaler„Wilder", im Parlament die grenzenlos übermütigen Streiche des Erzherzogs Otto gegeißelt hatte, wurde er zu Hause von drei Offizieren überfallen. Er aber und Anna, die mit dem„Pracker"(Teppichklopfer) entschlossen zuschlug, trieben die Angreifer siegreich von bannen. Bis zuletzt war Anna Pernerstorfer eine treue Genossin Zum Antikriegskongreß hat das Büro der Sozialistischen Ar- beiter-Internationale einen Bericht des Sekretariats angenommen, der auf Grund der Erklärungen Henri B a r b u s s e s, der das Sekretariat besucht hat. und Romain R o l l a n d s, der auf den von uns schon gemeldeten-Brief Friedrich Adlers schriftlich geantwortet hat, sowie auf Grund der Bestellung Lsuis Gibartis zum'Sekre- tär des Kongresses und weiterer Tatsachen die ganze Veranstaltung als eine Fortsetzung kommunistischer Einheitsfrontmanöver zur Zer- splittcrung der sozialdemokratischen Parteien und zu ihrer Bekämp- fung erklärt. Die belgische, die dänische und die französische Sozial- demokratie haben bereiis vlplher die Beteiligung an diesem Kon- greh abgelehnt. SozialisiislheArbetterjugendGroß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugcndspkretariat Berlin SB 63. Lindenstraß, 2, vorn 1 Treppe rechts. heute Appell der Eisernen Front in der„Neuen Welt". Kr-uzbcra«nd Rculölln beteiligen sich hieran geschlosien. In lezirien finden die Heimabende statt.(Die ursprünglich»am sordertc» Ztcsercntca werden nach Mäglichieit wieder vermittelt.) heute, Dienstag, 19. Juli, 19� Uhr: Artanaplatz: Tieckstr. 18. Fahetsnberichte.— Ralcnthaler Varstadt: Tieck- ■-• Marx schon Sozialisten?— Eesundbrunueu Ii |" Wahlver» Ncrdc»: Lartzina Eewcrts «eddstrg.l_______________________ WWW__________ WW._ Sonnenburger Str. 20. Die Sowsetuniau.— Arvswalder Platz I: Stbönlanler Straße 11, B. 8. Wir und Gatt.— Balkan: Mandelstr. 2. Bunter Abend.— Hohenschönhausen: Dingelstädter Strastc. Leseabend.— Nordosten l! Danziger Straße 62. Die Mädel acstalten den Abend au«.— Wcißenscc: Bunter Abend auf der Rennbahn.— Friedenau: Offenbacher Str. 5a. Bolkstiinze.-- Schöne» derg:: Hauptstr. 15. Freimaurer.— Echöucbrrg II: Hauptstr. 15. Heini.abend. — Eharlottcnburg: Rosincnstr. 4. Heimabend.— Ebarlottenburg-Rord: Kaiserin- Augusla-Allee S7b. Arbeitsgemeinschaft.— Westend: Sportplatz Westend. Ans. fpracheabend.— Zehlendorf-Dahlem: Baden(Kr. Lanke) 19 Uhr.— Britz: Trefivtknkt 18 Uhr vahnstraße Ecke Rudowcr Allee.— Köpenick I: Spaziergang. — Köpenick II: Badcabend.— Treptow: Elsenstr. 8. Außerparlamentarische Kampsmittel.— Neu-Lichtenbcrg: Sportabend.— Lichtenberz-Rord: Sport (Normanncnplatz).— Kermsdari: Roonstraß«. Unser« Stellung zur KPD.— Lübars: Leseabend.— Tegel: Schöneberger Str. 8. Politisch. satirischer Abeich. — Wittenau: Hauptstr. 18. Bolkstauzabend.— Pankow II: Eörschstr. 14. Bunter Abend. Werbcdezirk Tiergarten: Alle Mitglieder treffen sich um 18 Uhr Kleiner Tiergarten. Werbebeziek Prenzlauer Berg: Alle Mitglieder finden sich um 18ZH Uhr im Altersheim Danziger Straße zu einer Probe des Kompfliedes der Eisernen Front ein. Es darf niemand fehlen. Die Gruppenabende finden statt. Derbsbezirk Krcuzberg: Alle Genossen beteiligen sich an der Kundgebung in der„Reuen Welt'-. Treiwunkt 18 Uhr Fontane.Promenade. Wcrbebezirk Rrutölln: Alle Gen. treffen sich 18si Uhr oor der„Neuen Welt". Wcrbebe-irk Osten: Morgen Zusammenkunft aller Musiker, Zeichner und Spieltruvpcnmitglieder um 20 Uhr- Litauer Str. 18. Werbebezirk Wcddina: Morgen. 1814 Uhr, sind alle Genossen im Heim Willdenowstraße. Die Heimabende finden statt. Bergmann-Kinderfest im Limapark. Die kinderfreundliche Firmo Bergmann sch«int mit dem Wetter- gott auf Kriegsfuß zu stehen. Einmal regnete es seine kleine Gäste- schar im Vergnügungspar? Schönholz gründlichst ein, diesmal gab es beim Kinderfest ini L u n a p a r k eine kräftige Husche. Zum Glück setzte das Unwetter erst am Spätnachmittag ein, und so war wenigstens die Vorfreude von 2 bis 5 Uhr ein« ungetrübte. Alle Attraktionen des Lunoparks waren dicht bevölkert, es jauchzte in Oen Kurven d«r Berg- und Talbahn; ein Mordshallo verursachten die lustigen Zusammenstöße im eisernen Pott: Karussell, Walser- fahrt überall war„was los". Bunte Ballons, Mützen und Fähn- lein wurden in Massen verteilt. Für die Großen gab es eine groß angelegte Modenschau, die die vielseitige Verwendung der Bergmann-Stickereien auf Strandanzllgen und Pyjama-, ferner zu Decken, Kissen und Läufer verarbeitet, zeigte. Di« Bezirke allen aadcrca Be Sekretariat angeforderte» Rcsercntea Jlraalsiiie-Mieiol Dr. üssMf s! Nur weEiige Tage gWw! 4 Wenn Sie an Hühneraugen, Hornhaut oder Schwielen leiden, bringt Ihnen das bewährte iaierai- Plissier schnelle Hilfe. Es ist so dünn wie ein Seiden- Strumpf. Dadurch trägt es nicht auf und drückt nicht, wie andere Pflaster mit dicken Filzringen. Fn�sdimerzesi, Ercsaca, WmisSksifea und Anschwellungen beseitigt das Kukirol-Fuf-bade-Salz. 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Kreis. Donnerstag, 21, Juli, 15 Uhr, Erwerbslosenzusammenkunft im neuen Sport, und Jugendheim auf dem Rennbahngelände, Rennbahnstraße, Mo» derne Maschinenstürmer, Referent: Dr,- Uhr, treten die Ortsverelne Reu» kölln und Kreuzberg zum Saalschutz an. Gleichzeitig müssen die Sp>elleute der beiden Ortsvereine, sowie die Musikkapelle Neukölln erscheinen. Deutscher Arbeiter- Sängerbund. Gau Verlin. GeschSslsstelle: P. Schneider. Berlin HO. 55. huselandstr. 31. Männerchor Fichte-Georginia, Die Uebungsstunde am 21, Juli fällt ---------- aus, die nächste findet am 28. Juli in gewohnter Weise statt.— Neu» töllncr Sängerchor, Sonntag, 24. Juli, 10 Uhr, Mitwirkung der der Protest. demonstration des Verbandes der Arbeitsinvalidcn usw. IN Kliems Festlalen in der Hasenheide,— Sauvorftand. Die nächste Sitzung findet am Montag. dem 1. August, im bekannten Lokal statt, Verband Shercchtsresorm, Sitz«erli», S. v. Oeffentlich« Versammluna am Donnerstag, dem 21. Juli, 20 Uhr, in den Einsiedler-Bierhallen, Berlin T, 2, Neue Promenade 9—10. Vortrag des Genossen Jung:„Stellungnahme zu den eingegangenen Antworten der politischen Parteien in der Eherechtsreformfrage. welleraussichten für Berlin: Teils wolkig, teils heiter, ohne nennenswerten Niederschlag, ziemlich kühl, mähige westliche Winde, — Zur Deutschland: An der Ostseeküste noch wiederholte Schauer bei langsam abflauenden Winden, im Übrigen Reich« Wetterbesserung. aber noch ziemlich kühl.____ „Schlaraffeuland der Kinder" nennt sich eine anstaltung des Warenhauses Karstadt.Hermannplatz, �. mus hierbei getan worden ist, um den Kindern, welche ihre Ferren nicht in der Ferne verleben dürfen, nette Ueberraschungen zu bieten. Zu erwähnen ist zunächst das große Ferien.Preisausschreiben, bei welchem Preise von IVO,—, 75,—, 50,—, 25,—, 15,— M. und 95 andere für die richtigen Losungen aus. gesetzt sind. Ein Ferien-VergnUaungspark im 2. Stock mit Karussell, Autorenn. bahn, Kasperle. Theater, Rutschbahn und vielen anderen hübschen lieber. raschungen gefällt den Kinder besonders. Unnötig zu sagen, daß bei einer solchen großzügigen Veranstaltung, wobei übrigens das ganze Haus mitmacht, überall Angebote besonderer Art zur Verfügung stehen. anz reizende, großzügige Ver. Es ist anerkennenswert, V« i'seVS't*« Gcwcrkschaftücfa.Genossensdiafllicfae Ver- siefaenrags- Aktiengesellschaft, Hambarg 5 Größte uoiHsuersicfierms- geseiis&halt Deutschlands Gegenwärtig rund 2,2 Millionen Versioherta mit 900 Millionen RM. Versicherungssumme, 120 Millionen RMark Vermögen, davon Eigentum der Versicherten: Prämienreserve: Uber 100 Millionen RMark Gewinnanteile: 32 Millionen RMark zusammen Uber 132 Millionen RMark. Versicherungsleistungen: rund 12 Mill. RMark seitNovembarl923(Enda der Inflation) Näüere flusünnf} erteilen die Redinnngsstellen: Berlin s 4?. Rinerstrase 126: Berlin-Mariendorf, Rathausstraße 93, pt.; Berlin-Köpenick, Bahnhofstraße 34; Berlin-Lichtenberg, hrankturter Allee 122: Berlin-Reinickendorf-Ost, Schönholzer Weg 39; Berlin-Pankow, Gaillardstraße 26; Berlin-Spandau. Götelstraße 5, pL. oder der Vorstand der Volksfürsorge in Hamburg 5, An der Alster 57—61 Nähe Schles. Bhf. S i. P", Slp. W.!" ü. E 7 Weichsel 4031 Der liaeie Bauer BSIBige idyll. Sommerfrische Küchden, Wald und Wasser Erdmann, Rosenbeck- Eichhorsr lioze-Itiesler Srnfle frankfurter Straße 13/ lel. Weidnii E 7 342/ 6 und 9 Uhr ßlc eiserne lundiran Oartcnbllhne 5 Uhr Konzert u. Variete Drei arme klein« Mädels Sonntag früh, 5Vi Uhr, entschlief noch langem, sehr schwerem Leiben, mein lieber Mann, der Krankenkossen» angestellte Paul Luschnat Die trauernde Gattin Hnlck» Laich»»i. Neukölln. Harzerstr, 64 Die Einälcherung findet am Mitt- woch. dem 20. Juli, 14>/, Uhr, im Krematorium Boumschulenweg statt, Meine Frau meine Weggenoistn, unsere gute Mutter und Großmutter ist oerstorden. .Alfred Markwitz and Familie. Die Beerdigung findet am Don- nerstag, dem 2l, Juli, nachmittag» l4>/, Uhr, vom gentralsriadhof Friedrichsfelde aus statt, migöllossen finden freundLilufn,, teichl. Verpflegung 5Mahlze>ien, M 3,— p Tag Garten, Liege» wiese direlt a Hause, Schwimmbad; nahe Waid und Bahn, Gllstev Zickfeld Huriehaascn(Hall) bei Seesen, Alexanderplatz Neue Kfinigstr. 43 BAD ORB I M SPESSART Das aofbliihende HelUad für Herz, BefßBe, Rheuma. in reizender Lage, mit vcOzflglich mildem Klima und drei an Kohlensäure überreichen radioaktiven Sprudeln. Pauschalkuren. Trink- und Inhaladonskuren. Direkter Vereand der Martinuaquelle.' Reiseweg: Von Wächtersbach(D-Zugstation der direkten Strecke Berlin- Frankfurt a. M.) in 15 Minuten. Verlangen Sie kostenlosen Prospekt durch die KurdirAtion. KURHAUS-HOTEL, Haus I. Ranges. BANK UND SPARKASSE ALLER ARBEITNEHMER •' �:V'M HnX IST DIE ■6:"ck"W.-R ,•' Heute großes orientalisches FEUERWERK „Ein Merdien ans 1000 nnd einer Nacht" Varleigenossen, insbesondere unserem Freund Richard Barlh, den Kollegen Ullorich und Gustav Wegener iür ihre herzlichen und wohltuenden Worte am Sarge unseres unvergeßlichen Entschlafenen Otto Ackermann sagen wir unseren herzlichen Dank. • Im Namen der Hinterbliebenen Agnes Ackermann. BerliN'Friedenau. Jeder Art Ue mmm Rgrfaumnt Berlins Deuisöier Mütailarbeiter-VerDaiiil Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Rohrleger l�udolk Kittelt geb. II, Nooember 1880. am 13. Juli geNorden ist. Die Beerdigung sindet am Dienstag. dem 19, Juli,>4 Uhr, von der Leichen» halle de» städtischen Gemeindeirted» boies in Neukölln. Solllied-Dunkei» Straße, aus statt. ßsiinsil zu Karlstiorst Heute nachm. Uhr Karishorster Hürdenausgleidi Parteigenossen Äm'Teh, Ente Küche(5 Mahlzeiten), Garten mii ieoeuiese direkt am Hause, nahe Wald und Bahnstation. Schwimmbad vorhanden. Pension 3,25 täglich, keine Nebenkosten Alberi Karges« Luft- korort Harriehausen(Harz). Am 16. Juli starb unser Kollegx, der Einrichter Aldert �Vermuth geb. 30. Ottober 1878. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 20. Juli. 15 Ühr, von der Leichen- halle des städtischen Friedhofes in Reinickendorf- Ost. Hu mbaldtstraße, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet.- Die Ortsvervaitung. MsteilallftllrtSsaS lefort preiswert Paul Golletz nnnali Robert Moya» Marlannanstr. 3 FA Ohvbawa» 1903 BANK DER ARBEITER, ANGESTELLTEN UND BEAMTEN, BERUN A G Jlusg« nädit dsziiSZlz steuerte uns berediti&te ftslglleßerl vieaslag. Den is. Fall, StilttDOd). bea zo.zall, Doaaerskag. 60a 21. Fall, finden in der Zeit ooa 10—1 Uhr zwecks Einteilung der Wahitörper im Parlerresaal des Verbandshauses, Schalter 15. die Ein tragungen statt,- SÖtttHMl? AtittORg' Eirrciiikter unfi itevisoren. Die Vertrauensmänner-Konferenz unserer Branche fällt am Donnerstag, dem 21. Juli 1932 aus. Die Orttvcrwalhmg. Ouitfung) Uabot: u. ReklnmemarKra vi! Jahren dl!> Spezialitaf fonrod Müller s*riKeuOin Am 22. September 1932, 11 Uhr, wird an Gerichtsstelle, Berlin. Lichterfelde, Ringstr. 9, Zimmer 122, das im Grund- buche von Berlin-Lichterfelde, Band 159. Blatt 4746, eingetragene Grundstück Acker am Achenseeweg Eck« Heiterwanger- weg zwangsweise versteigert werden. Bieter haben auf Verlangen des Gläubigers in der Regel eine Sicherheit von 19 Proz. des Bargebots in bar oder Wertpapieren zu leisten. Die Nachweisungen über Bezeichnung. Lage und Größe pp. können hier, Z. 29, eingesehen werden. 12 K. 199/32. Verlin- Lichterfelde, den 19. Juni 1932. Das Amtsgericht. �«ntrsle: 5 14. Närkisches Ufer 32 Wallstraße 62, 65 Depositenkasse: SW 68, Lindenstraße 3 Sommergäste finden freundliche Aufnahm0 und kräftige Verpilcgung, 5 Minuten von Wald. Freibad und Bahn gelegen 5 Mahlzeiten, keine Nebenkosien. Tag 3 Mark. Pension E. Blöts Harriehausen-Harz. im Bmen der Südisisöien sgiwett Preisabbau/ Prospekt Nr. A.8 durch Kurverwaltung und Reisebüros Harte" mit Fangschleuse, Grünheide und Alt-Buchhorst. Von Erkner mit Motorboot(Löcknitzl od. Post-i auto od. Eisenbahn bis Fangschleuse. Herrliche. Seen, schöne Wälder. I ftefffesri W-WR 800 m U. d. Meere, Idealer Erholungsaufenthalt Zentralheizung. Fließendss warmes und kaltes Wasser. Balkons. Gute Verbindung. Volle Pension 4,- RM Zimmer rmt 1. Frühstück 2,- RM Auskunft erleiif Hauswart Eberhardi, Masserberg(Thüringer Watd) KLEINE ANZEIGEN imiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiinmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Oberschriftswort 20 Pf, Textwort 1 0 Pf. 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Obgleich die Bearbeiter wohl sämtlich Anhänger der kapitalisti- schen Wirtschaftsordnung sind, stellt die Aufweisung der Krisen- Ursachen eine einzige Anklage gegen das kapita- listische Wirtschaftssystem dar und die Schlußfolgerungen sind ein Todesurteil für alle Autarkiebcstrebungen und eine scharfe Kritik an der deutschen Handelspolitik der letzten Zahre. Die Grundloge für die Untersuchung des Welthandels bildeten die amtlichen Handelsstatiftiken von 150 Ländern. Der Umsang des Welthandels hat sich von 1013 bis 1020 von 170 auf 208 Mil- liarden Mark(in Vorkriegskauskroft) erhöht und ist bis zum Jahre 1031 wieder etwa auf den Stand des Jahres 1013, also aus etwa 170 Milliarden Mark, zurückgegangen. Die Untersuchungen über die einzelnen Wirtschostszweige zeigen mit Deutlichkeit, daß der Kapitalismus in keinem Falle s ö h i g war, veränderten Produktions- und Absatzbedingungen Rechnung zu tragen und Angebot und Nachfrage zum Ausgleich zu bringen. In der Agrarwirtschaft sührten Produktionsverbeiserun- gen und Kapitalinoestierungen in den Jahren 1026 bis 1020 zu einer Ueberproduktion, der man durch eine Vorrotspolitik, durch Einsperrung überschüssiger Warenmengen Herr zu werden suchte. Gerade diese Vorratspolitik führte nach dem amerikanischen Börsen. Zusammenbruch im Herbst 1020 zum Markt Zusammenbruch. Schlimmer vielleicht noch war die Entwicklung in der Roh- st o s f w i rt s ch a s t. Die Kapitalisten waren nicht nur unfähig, sich aus die sinkende Nachfrage nach Baumwolle(Verdrängung durch Kunstseide) und nach Kohle(Ersatz durch Erdöl) umzustellen, sondern gerade bei Waren mit stark gestiegener Nachfrage, wie bei Kupfer und Kautschuk, führte die kapitalistische Produktions- und Preis- Politik zu der schlimmsten Marktkatastrophe. Als industrielle Krisenursachen werden die Ueberkopazitäten in der europäischen Industrie, die Industrialisierung überseeischer Gebiete und Störungen der kapitalistischen Wirtschaftsordnung selbst festgestellt. Hier spielen die Maßnahmen, die unter dem Schlagwort„Rationa- lisierung" zusammengefaßt werden(und in Wahrheit sehr häufig keine Rationalisierung, sondern eine Kapitalverschwendung waren), die größte Rolle. Ueber die Ausbreitung der Weltwirt- s ch o f t s k r i s e wird festgestellt, daß sie sich zunächst bei den Agrar- und Rohstoffländern in sinkenden Preisen für ihre Produkte, also im Rückgang ihrer Kaufkraft, bemerkbar machte. Die Krise in den Industrieländern, die an sich zunächst aus Gründen der kapita- listischen Wirtschaftsordnung entstand, wurde dann durch die Absätz- schwierigkeiten der Agrar- und Rohstossländer wesentlich verschärft, als der amerikanische Kapitalmarkt zusammenbrach. Mit diesem Zeitpunkt setzten die internationalen Kreditrückziehungen, die Stö- rung des internationalen Zahlungsbilanzmechanismus ein. Die daraus folgenden wirtschastspolitischen Maßnahmen, die jedes Land zum Ausgleich seiner Zahlungsbilanz zur Ausrechterhaltung seiner Währung traf, bewegten sich in einem verhängnisvollen Zirkel, der die Krise immer mehr verschärfte und ausbreitete. Für die deutsche Außenhandelspolitik wird als zwingender Schluß festgestellt, daß Deutschlands Wirtschaftsstruktur als Deredlungsland, das Rohstoffe und Halbfabrikate vom Ausland einführe und zu Fertigwaren verarbeite, olle Mittel daran zu sehen habe, daß die deutschen waren„aus möglichst vielen Märkten unter gleichen wettdewerbsbedin- gungen mit den anderen Exportländern angeboten" werden könnten. Eine Wiedereingliederung der jetzt Arbeitslosen in den Produktionsprozeß fei ohne Belebung des Außenhandels kaum wahrscheinlich. „Eine dauernde Ausfuhroerminderung müßte die Industrie wenig- stens zu einer starken Umgliederung zwingen, wichtige Zweige fast zum Erliegen bringen. Selbst bei einer günstigen Entwicklung würde der Binnenmarkt wegen der industriellen Struktur Deutsch- lands die bisher exportierten Erzeugnisse nicht aufnehmen können. Ohne oermehrte Ausfuhr ist eine Kapazitätsausnutzung der oorhan- denen Industrieanlagen nicht zu erwarten." Darin liegt also die überaus wichtige Feststellung, daß der deutsche Binnen- markt in keinem Falle in der Lage sein wird, etwa die gesamte deutsche Ausfuhr aufzunehmen. Die Behauptungen der Landwirtschaft nach dieser Richtung hin, denen Glauben zu schenken die Reichsregierung geneigt zu sein scheint, wer- den dadurch widerlegt. Nirgends in der Welt fei die Tendenz zur sogenannten „G r o ß r a u m w i r t s ch a f t" erkennbar. Selbst das britische Empire habe seine Außenhandelsumsätze mit Ländern außerhalb des Empire mehr gesteigert als die Außenhandelsumsätze innerhalb des Empire. Eine besondere handelspolitische Verbindung speziell mit Südosteuropa verbiete sich deshalb, weil die Kaufkraft gerade der Länder dieses Raumes eine sehr ungünstige Entwicklung ge- nommen habe. Für Deutschland empfehle sich weder das System des direkten Warenaustausches noch das der Präferenzverträge. Deutschland Hobe das größte Interesse an der Durchsetzung des Systems der Meiftbegünstigungsverträge. 16 proz Arbeitslose durch Exvortrückgang. Schon vor knapp drei Wochen Hot der Vorstand des I n d u- strie- und Handelstagss sich sehr scharf gegen die Handels- politische Autarkie ausgesprochen. Eine Eingabe des Industrie- und Hondelstagc? an die R e i ch s r e g i e r u n g tut das jetzt in noch schärferer Weise, wobei die Argumente aufs sorgfältigste abgewogen sind, Weil Deutschland einer starken Einfuhr besonders von indu- striellen Rohstoffen bedarf, muh Deutschland mit der Weltwirtschaft im Zusammenhang bleiben, ob es will oder nicht. Sowohl der Ge- sichtspunkt der Arbeitsbeschaffung, als auch der der Kapitolbildung machen Ausfuhr unumgänglich. Don 1027 bis I0Z1 ist die Zahl der in den Aussuhrindustrien Veschäftiglen von Z.Z auf Z,5 Willionen Menschen oder von 10 aus 13 proz. aller wirtschaftlich Tätigen in Deutschland gestiegen. Der Rückgang der Fcrtigwarenausfuhr van 1030 bis 103? hat eine zusätzliche Arbeitslosigkeit von 1 Willion Wenschen erzeugt, jeder sechste Arbeitslose war im Winter 1931'32 durch den Exportrückgong arbeitslos geworden. Die gegenwärtigen schweren Störungen des weltwirtschaftlichen Warenaustausches dürfen nicht zu dem Schluß führen, daß eine immer weitergehende wechselseitige Auflösung der Weltwirtschost gewissermaßen als ein unabwendbares Schicksal zu betrachten sei. Bei der Abwägung des bestmöglichen Ausgleiches zwischen der deutschen Ein- und Aussuhr sei entscheidend, daß bei Brotgetreide, Hafer, Kartoffeln, Fleisch und Zucker mit einem Erzeugungswert von 50 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Erzeugung die Erreichung besserer Preise über- Zum viertenmal legt die Rentenbankkreditanstalt den Bericht über die zusammen mit dem Deutschen Landwirt- schastsrat durchgeführte Erhebung der Verschuldung der Land- Wirtschaft vor. Der Stichtag, der 1. Juli 1031, liegt leider schon lange zurück. Auch muß grundsätzlich zu dem Bericht bemerkt werden, daß es sich um eine sogenannte repräsentative Statistik handelt, das heißt, daß van den Verschuldungsnerhältnissen einer Verhältnis- mäßig geringen Zahl landwirtschaftlicher Betriebe— es sind insgesamt 4137—»aus die gesamte Verschuldung der Landwirtschaft geschlossen wird. Eine solche Statistik kann aber nie Anspruch auf eine absolut zuverlässige Wiedergabe der Tatsachen erheben. Von den Kleinbetrieben von 5 bis 20 Hektar ist nur jeder 1 000, ersaßt, davon in Ostpreußen überhaupt keiner,. Bei den Großbetrieben liegt es etwas besser. Es werden 1050 von 18 000 er- faßt, aber auch hier sind es nur 6 Prozent. Gegenüber dem V o r j a h r hat die Verschuldung der Landwirt- schäft außer in Ostpreußen überäll noch' zugenommen. Im Durchschnitt aller Betriebsgrößen Hot sich also in West- d e u t s ch l a n d die Verschuldung st ä r k e r erhöht, wenn sie auch bei den ostdeutschen Kleinbetrieben prozentual am stärksten zu- genommen hat. Der Anteil der einzelnen Schuldenarten. Die rückläufige Bewegung bei den Aufwertungsschulden hat sich verlangsamt. Die Renten und Altenteile spielen, wie auch in den früheren Jahren, besonders bei den Kleinbetrieben ein« große Rolle, Sie betragen im Osten 34 Proz., im Westen sogar 41 Proz. der Rcalschulden! Die hierfür aufzubringenden Zinsen belasten wohl den Betrieb, bleiben aber in der Familie des Ve- sitzers, so daß sie nicht als eigentliche Fremdverschuldung angesehen werden können, Entsprechend der steigenden Verschuldung hat sich für das Wirtfchastsjahr 1030/31 auch die Z i n s b e la st u n g weiter erhöht. Sie betrug je Hektar landwirtschaftlicher Nutzstäche in Ostdeutschland 40 M., in Westdeutschland 45 M. Jedoch haben sich inzwischen die Verhältnisse grundlegend geändert, da durch die Not- Verordnung vom 8. Dezember 1031 die Zinsen sämtlicher Realkredite erheblich gesenkt worden sind. Die aus dies« Weise der Landwirtschaft zugute kommende Erleichterung der Zinsenlast ist auf mindestens 100 Wikionen jährlich zu veranschlagen. Da außerdem durch die wiederholte Herabsetzung des Reichsbankdiskonts eine Erleichterung der Zinsenlast ftir die kurzfristigen Kredite erfolgt ist, kann insgesamt die Senkung der Zinsenlast für die Landwirtschast aus 250 Millionen Mark geschätzt werden. Da sich noch den Feststellungen des Instituts für Konjunkturforschung im Wirtschaftsjahr 1030/31 die Zinsenlast der Landwirtschojt aus 010 Millionen Mark belies, ist nunmehr die von der Landwirtschast auszubringende Ainsen- last unter die in der Vorkriegszeit getragene Zinsfumme gesunken. Die Angaben der Veröffentlichung der Rentenbankkreditanstalt über den Zinsendienst entsprechen also nicht mehr den Tatsachen von heute. Neu aufgenommen ist in den Bericht der Rentcnbankkredit- anstalt über die VerschiLdungslage ein?lbschmtt über die Kredit- s i ch e r h e i t. Es wird dort errechnet, daß von der gesamten deutschen landwirtschafttichen Nutzfläche von 21,1 Millionen Hektar 7,5 Millionen Hektar, das sind rund 35 Proz., auf Betriebe ent- fallen, deren Verschuldung über 60 Proz. des Einheit»- wertes liegt. Der Bericht ist der Ansicht, daß Betriebe, die über 150 Proz. des Einheitswertes verschuldet sind, als stark gefährdet an- gesprochen werden müssen. Auf diese Gruppe der hochstverschutdeten ' B-triebe entfällt eine landwirtschaftliche Nutzfläche von mehr als 1 Million Hektar, von denen 600 000 Hektar in Ostdeutschland und 450 000 Hektar in Westdeutschland liegen Wir sind etwas anderer Ansicht und glauben nicht, daß Haupt nicht mehr von zollpolitischen Maßnahmen, sondern ausschließlich von der Steigerung der Kaufkraft abhängen. Jede Ausfuhrförderung, die die indu- strielle Kaufkraft steigere, komme daher unmittelbar und in vollem Umfang auch der Landwirtschaft zugute. Die Absperrung anslän- bischer Obst- und Südfrüchte. Butter und Eier würde nicht nur nie- wals die ihr folgenden Ausfuhrverluste weit machen, sondern über- flüssigerweise, ohne Nutzen für die Landwirtschaft, zu Preisstörungen und Versorgungsschwicrigkeiten führen, Wenn die Länder Dänemark, Holland, Italien, Finnland und Spanien 193l sür 687 Millionen Lehens- mittel nach Deutschland eingeführt hätten, so seien doch auf diese Länder 2,32 Milliarden, das sind 23 Proz, der deutschen Ausfuhr, oder dreimal soviel als die Lebensmiileleinfuhr. entfallen. Die Ab- schließung gegen diese Länder würde 700 000 Arbeitern neue Arbeitslosigkeit bringen. Bevor die Ergebnisse der Konferenz von Ottawa und der Weltwirtschoftskonserenz vorliegen, sei es nerhängnisvoll, eine grundsätzliche Wendung der deutschen Handelspolitik vorzunehmen Auch die Handelskammern. In der Pollnersammlung der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf sagte der Geschästsführer Dr, Wilden zur Frage der Autarkie:„Wenn der Landwirtfchaftsschutz die deutsche Außen- Handelspolitik beherrschen werde, dann seien die Folgen sür die Ausfuhrindustrie nicht abzusehen. Die Ausfuhrinteressen der deut- schen Wirtschast dürften schon mit Rücksicht aus die Erhaltung der Währung und die Entlastung de? Arbeitsmarktes keinesfalls ver- nachlässigt werden," 450 000 Hektar kleinbäuerliche Betriebe in Westdeutschland be- sonders stark gefährdet sind, weil bei ihnen ein großer Teil der Schuldenlast ou? Renten und Altenteilen, also Schulden innerhalb der Familie, besteht. Andererseits hatten wir bereits viele Betriebe in Ostdeutschland, deren Verschuldung zwischen 100 und 1,50 Pro,;, des Einheitswertes liegt, für stark gefährdet. Jedenfalls geht aus diesen Feststellungen ganz klar hervor, wie nokwendig eine wirklich grundlegende Vereinigung der ostdeutschen Verhältnisse ist und wie unoerantwarilich gehandelt wurde, als man die Regierung gerade deshalb stürzte, weil sie sich an- lchickte, ein Pro« ramm sür die Bereinigung der oftideutfchen Ver- schuldungsnerhältnisse durchzuführen, Der deutsche Staatsbürger wird der Volks- und der Land- Wirtschaft einen Dienst tun. wenn er am 31. Zuli diese Regierung stürzt, die unabweisbare Rotwendigkeilen verhindern will. Gegen die Margarineftener. Auch der Zcntraloerband Deutscher Konsumvereine hat an die zuständigen Ministerien des Reiches eine scharse Eingabe gegen die vom Landbund geforderte Margarinesteuer gerichtet. Eine Besteuerung der Margarine könne in gar keinem Fall zu einem erhöhten Butteroerbrauch führen, U n v e r a n t- wortlich sei es, den Aermsten der Armen den Brot- ausstrich zu verteuern und ihren ohnehin schon schlecht er- nährten Kindern das so dringend benötigte Fett vorzuenthalten. Diese Steuer einzuführen sei eine Unmöglichkeit, Würde sie dennoch eingeführt, müßte sie nach kürzester Zeit beseitigt werden, Goldverluße durch Anlechetilgung. Oer Neichsbankaueweis vom 15.)uli. Auch der Rcichsbankausweis der zweiten Juliwache tragt noch ungewöhnliche Züge, Allerdings sind dasür, wie schon in der Vorwoche, ungewöhnliche Anlässe maßgebend gewesen. In der Vorwoche blieb die Entlastung der Reichsbank wegen des inner- deutschen Bankenkredits an das Reich gering. In der vergangenen Woche ersolgten große Goldabgaben, weil die Reichsbank die Rück- Zahlung von 10 Proz, des 125 Millionen Dollar-Auslandskredites des Reiches währungsmähig zu finanzieren hatte. Dagegen war die kreditmähige Entlastung normal, Die Wechselbe st ände gingen um 160,7 aus 2082,3 Mil- lionen Mark zurück, die Reichsschagwechselbestände nahmen um 3,1 auf 4,6 und die Lombarddarlehen(wie gewöhnlich zur Monatsmitte) um 41.0 aus 145,7 Millionen Mark zu. Daß auf dem deutschen Geldmarkt eine leichte Anspannung herrscht bzw. noch fortdauert, zeigt die Abnahme der zinsfreien Girogelder um 63,1 auf 338,6 Millionen Mark, Der Notenumlauf ging verhältnismäßig wenig, nämlich um 80,3 auf 3796,3 Millionen Mark zurück, liegt aber um rund 400 Millionen niedriger als zur gleichen Zeit des Vorjahres, Der Uinlauf von Rentenbankscheinen hat sich um 2,3 aus 405,0 Millionen erhöht, Die Goldbestände nahmen um 52,0 auf 754,1 Millionen ab. was ziemlich genau der fälligen Anleiherate von 12'/) Millionen Dollar entspricht. Die Deckungsdevisen verringerten sich um 1,3 auf 137,5 Millionen Mark. Die Devisenbilanz war also in der vergange- nen Woche, auch unabhängig von der Finanzierung der Anleihe- rückzahlung, nicht ganz ausgeglichen. Die Deckung der umlaufenden Oioten durch Gold und Devisen verringerte sich gegenüber der Vor- wnche von 24,4 auf 23,5 Proz. Kreuger-Beirug und kein Gnde. -Vor einigen Togen wurde eine neue ungeheuerliche Fälschung Ivor Kreuzers aufgedeckt, Auf einem Depotschein über 1 200 0 00 Aktien einer italienischen Zündholzgesellschait hatte Kreuger die Unterschrift eines italienischen Ministers ge- fälscht. Die Stockholmer Kriminalpoli.-ei führt außerdem gegen- wartig Untersuchungen durch, nachdem sich herausgestellt hat, daß Kreuger sür 80 Prozent der Aktien der Boliden Goldgrubengestll- schaft, nachdem er sie erworben hatte, dl« Stempelsteuern nicht gezahlt hat. Verschuldung der Landwirtschast. Oer Giurz der Regierung Popen ist auch sür die Londwirtfchast nöiig. ausseiineiaeiil finiaewaiii'eai aussneniiisiariieni| E Norsch der ßsftrnen Front. Drei Pfeile zerspalten wie Blitze die Nacht. Wo bist du. du Lump, der den Freund umgebracht? National? National? National? So schreist du. der nur stch selbst anerkenn » Uns alle beschimpft und Verräter nennt! C National? Dich. Liige. trifft der erste Strahl: Fliege. Pfeil, triff'. Hammer. Rote Fahnen, wehet ins Land! Eiserne Front! Eiserne Front! Eiserne Frout! E. Fliege, Pfeil, triff'. Hammer uns'rer Hand! t"" Drei Pfeile zerspalten wie Blitze die Rächt. Wo bist du, du Schuft, der den Diebstahl gemacht? Sozialist? Sozialist? Sozialist? So nennst du dich, der mit den Reichen paktiert! Dem Hohenzollernsohn hast du dich alliiert! £ Sozialist? IT Dich. Lüge, trifft der zweite Strahl: Fliege. Pfeil, trifst, Hammer. « Rote Fahne«, wehet ins Land! Eiserne Front! Eiserne Front! Eiserne Frout! 1 Fliege. Pfeil, triff'. Hammer uns'rer Hand! �. Drei Pfeile zerspalten wie Blitze die Nacht, •AMifMM'W Wo bist du. du Pest, die stch ausgedacht Pg.? Pg.? Pg.? Du dienst nur als Vorspann dem Schlotbaron. Er zahlt dir dicke Gelder, Million um Million! Pg.? Dich. Lüge, trifft der dritte Strahl: Fliege. Pfeil, triff'. Hammer. Rote Fahnen, wehet ins Land! Eiserne Front! Eiserne Front! Eisern« Front! Fliege, Pfeil, triff'. Hammer uns'rer Hand! jv yxt-MtijrfrZ i müt bdt'i � fe.' Var. wom* Emfames WMeM Srmählung aus der franmölilchen£Pr®vm&/ Ton 3ean Qiono I« a n G i o n o, 1898 geboren, gehört zu den besten französi- hin Dichtern der Jetztzeit. Giono zeichnet vor allem eine starke ?iaturverbundenheit yug. Seine Romane„Die Ernte" und „Der H ü g e l" sind erst kürzlich im Deutschen erschienen und schen Dichtern der Jetztzeit. Jean zeichnet vor allem eine starke Sie saßen neben der kleinen Tür des Bahnhofsgebäudes und konnten zu keinem Entschluß kommen. Sahen bald aus die klapprige Postkutsche, bald auf die pom Regen glänzende Landstraße. Es war ein Winternachmittag, schmutzigweiß und flach wie ein von der Stange gefallenes Leinentuch. Der Dickere von beiden richtete sich auf. Cr wühlte in den beiden Seitentaschen seiner weiten alten Samthose, dann untersuchte er mit spitzen Fingern seine kleine Westentasche. Der Postillon kletterte auf seinen Sitz, schnalzte mit der Zunge und die Gäule steiften die Ohren. Da schrie her Mann:„Einen Augenblick!" Und zu seinem Gefährten sagte er:„Komm!" Und er kam. Er schlotterte erbärmlich mager in seinem abgetragenen weiten Mantel. Sein Hals ragte aus dem Wollkragen hervor, wie ein Eisenstrang. „Wohin?" fragte der Dicke. „Nach der Stadt." „Wieviel?" „Zehn Sous." „Steig' ein!" sagte der Dicke. Cr bückte sich, schob die beiden Zipfel des weiten Mantels aus- einander und hob das Bein des andern auf das Trittbrett. „Steig' ein!" sagte er noch einmal,„versuch'-, Alter!" Man mußte dem Fräulein Zeit lassen, ihre Siebensachen aus- zukramen und die notwendigen Arrangements zu treffen. Sie hatte eine große, ganz weiße Nase, und wußte, daß man diese gepuderte Nase ansah, deshalb schielte sie immer ein bißchen zur Seite mit einem ein wenig bösen Blick. Der Dicke sagte auch gleich zu ihr: „Verzeihung, Fräulein!" Gegenüber saß eine rundliche,, sanftblickende Madame. Sie hotte einen Mantel mit Pelzkragen und Pelz- Manschetten. Ein G>mmis voyageur saß dicht neben ihr. „Lehn dich an", sagte der Dicke und reckte die Schulter vor. Der andere neigte den Kopf und lehnte sich an. Er hatte schöne blaue Augen, die so unbeweglich waren wie stehendes Wasser. Es ging im Schritt, denn der Weg stieg an. Di« blauen Augen begleiteten die vorüberziehenden Bäume— unausgesetzt, als wollten sie sie zählen. Dann fuhr man durch flache Felder, und die Wagen- senster spiegelten nichts wider als den«införmig grauen chimmel. Der blaue Blick hängte sich starr an einen Punkt. Cr bohrte sich geradezu in die rundliche Madame ein, aber er schien hindurchzu- dringen, irgendwo in die Ferne hinein, traurig, wie der Blick eines verängstigten Hammels. Die Dame zog ihren Pelzkragen höher. Der Esmmis voyageur zog seine Hose strammer. Das Fräulein zupfte am Rock. Der blaue Blick hing noch immer am selben Fleck. Er riß dort etwas auf, hinterließ eine Wunde, wie ein Dorn. Die Dame wischte sich mit ihrem Handschuh über die Lippen, die feucht glänzten. Der Eommi» voyageur reckte den Arm, als ob er einen Krampf hatte. Er versuchte den leblosen blauen Blick gegenüber zu fixieren, mußte aber seine Augen senken. Er legte die Hand aufs Herz: Die Brief- tafchs befand sich in Sicherheit. Trotzdem betastete er sie der Länge und Breite nach. Ein Schatten fiel in den Wagen: die kleine Stadt schluckte die Bahnhofstraße mit ihren beiden Reihen verwitterter Häuser auf. Auf der einen Seit« präsentiert« stch das„Verkehrshotel mit Garten". auf der anderen gab es drei Kolonialwarenhandlungen, die säuerlich und neidisch dreinschauten. Der Pfarrer entleerte seine Pfeife in das Weihwasserbecken— der Aschbecher stand auf dem Rande de- Betpults— und legte die noch warme Pfeife in« Futteral. Er mußt« sich jetzt damit befassen, die Nummern der„Weiheandacht", die an die Abonnenten verteilt werden sollten, nach Straßen und Hausnummern zu ordnen. Drei Hefte fehlten Er hob den ganzen Packen hoch und noch eins Nummer des„Kreuzes" dazu, die ganz auseinandergefaltet war. Endlich hatte er alles beisammen: die drei Nummern lagen unter dem Paket Schweinefleisch, da» ihm sein Bruder soeben gebracht hatte...„Sehr sauber sieht das ja nicht mehr aus..." Ein Um- schlag hatte Flecke. Er beguckte ihn in dem grauen Tageslicht, das durchs Fenster fiel, um festzustellen, ob es sehr zu merken war, oder ob, wenn man e- schräg hielt... aber er brauchte es ja nur, so wie es war, Frau Puret zu geben, die Lampen zu verkaufen hatte: die würde es kaum merken mit ihren schmutzigen Fingern, sondern glauben, sie selber wäre es gewesen. Auf dem Fußboden war, auch eine Hinterlasienschast dieses bäuerlichen Bruders, eine Absatzspur von Stallmist geblieben. Der Pfarrer stand auf und stieß die Klumpen mit der Fußspitze bis in die Ofenecke. „Martha, es hat geläutet!" „Was?" fragte Martha, die Küchentür aufklinkend. „Es hat geläutet!" Die Haushälterin wurde durch dos schmale Bond, mit dem ihre Schürze zugebunden war, zwischen den vollen Brüsten und dem Leib in zwei Hälften geteilt. „Schon wieder! Sie könnten auch wirklich selber nachsehen, Herr Pfarrerl Immer runter und rauf! Ich mit meinen geschwollenen Beinen... Sie werden'? schon noch erleben!" Er läutete noch einmal. „Sehen Sie doch selber nach! Wenn's weiter nichts ist, werden Sie unten schon alleine damit fertig. Bei dem Wetter macht man mir doch hier nur alles schmutzig..." Ihr Gesicht glänzte über und über vor Fett. „Das kommt von den Speckscheiben", sagte sie.„Der Speise- schrank ist zu hoch. Eine ist'rausgefollen, und ich habe sie mit der Back« aufgefangen." „Wer da?" schrie der Pfarrer in den Korridor hinaus. Dann schob er die Riegel zurück und öffnete. „Guten Tag, Herr Pfarrer", sagte der Dicke. Der Dünne mit den blauen Lugen stand hinter ihm und klapperte in seinem weiten Mantel. „Hier wird nichts gegeben", sagte der Pfarrer, al« er sie sah. Der Dicke zog seinen Hut. Der Dünne hob die Hand bi? zum Hut, unternahm aber sonst nichts und blieb so mit der Hand in der Luft, den Blick auf den Pfarrer geheftet. „Haben Sie nicht eine kleine Arbeit?" fragte der Dicke. „Eine Arbeit?" Der Pfarrer schien nachzudenken und machte die Tür etwa» weiter auf. „Eine Arbeit?" Er öffnete ganz. „Kommen Sie'rein!" Der Dicke, der seinen Hut wieder ausgesetzt hotte, nahm ihn schleunigst wieder ab. Vom Marsch der Eisernen Front sind erschienen: Flugblatt im Preis von 5 Pf.. Orchestermaterial. Stim- men für Männer- und Gemischten Chor, die„Freiheits- platte", enthaltend: Marsch der Eisernen Front. Rot- gardtstenmarsch. Internationale für Gesang und Orchester im Preis von l.ZO Mk. Auslieferung durch den Deut- schen Arbeitersängerbund. Berlin S 14. Wallstr. S8.— Der Reinerlös fließt den Opfern des Abtvehrkampfes gegen die NSDAP, zu. Spenden für diesen Fonds an die Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Berlin S 14. Wallstr.— Bis zum 31. Juli muß der Marsch der Eisernen Front überall in Deutschland verbreitet sein! Singt, spielt ihn überall! Freiheit! „Schönen Dank, Herr Pfarrer, schönen Dank!" Er putzte seine Schuhe am Vorleger und trat mit gebücktem Rücken ein, obgleich die Tür reichlich hoch war. Der andere sagte nichts. Er trat auftecht ein, mit schmutzigen Füßen, und folgte den Bewegungen des Pfarrer- mit seinen traurig- kühlen blauen Äugen. Man ging durch eine breite Durchfahrt, denn da» Pfarrhaus war früher ein bäuerisches Gutshaus gewesen. Dann gelangte man in«inen quadratischen Hof. Hier mündeten die Treppen ein, die an den Ecken des Hofes aufwärts stiegen. „Warten Sie hier", sagte der Pfarrer, dessen Blick die schmutzt- gen Füße gestreift hatten. Er ging hinauf. Der Dicke lachte leise vor sich hin. „Siehst du, es macht sich", meinte er.„Nur zwanzig Sous Spesen..." „Martha...", rief der Pfarrer, oben angelangt und fügte rasch hinzu: „Was machst du da?" Auf dem weißen Holztisch stand eine Pfanne, und darin prutzelte Schweinefleisch mit Stücken bräunlichroter Leber wie«ine Dolde heller und dunkler Blüten. „Ein Schwein-ragout." Marcha träufelte einen dickflüssigen, würzigduftenden Wein darüber. Das zischende Fett beruhigte sich. „Ist das für heute Abend?" „Ja." „Weißt du, Martha, woran ich gedacht habe? Man könnte viel- leicht das Brunnenrohr machen lassen?" „Dann muh man in den Brunnen steigen", sagte Marcha, mit dem Sprengen des Weins beschäftigt. „Allerdings", antwortete der Pfarrer. Martha schwieg ein Weilchen, dann hörte sie mit einem plötz- lichen Ruck zu gießen auf:. „Haben Sie denn jemanden, der hinuntersteigt? Sie wissen ja, was der Brunnenarbeiter gesagt hat: Er hätte keine Lust, zu er. trinken. Ist ein zu alter Brunnen! Und Sie glauben, Sie könnten jemanden finden?" „Da unten sind zwei, die nach Arbeit ftagen. Sehen au« wie Leute, die es nötig haben." „Dann ist's gut", sagte Martha,„denn der Brunnenarbeiter steigt da nicht'runter, er hat e» mir gesagt. Wenn sie es nötig haben, kann man es ja machen lassen."(Schluß folgt.) Suropäifche Jlpkorifiiker Heinrich Heine. 17Ö7— 1856. Dt« Gesellschaft ist immer Republik— die einzelnen streben immer empor und die Gesellschaft drängt sie zurück. Politisch« Wetterfahnen. Sie beschwören Stimmen und verlassen sich auf ihre Beweglichkeit— sie vergessen, daß ihnen ihr« Be- weglichkeit nichts helfen wird, wenn mal der Sturmwind stürzt, worauf sie stehen. Nach fetten Kühen kommen die mageren, nach den mageren aar kein Fleisch. Für die Gute der Republik könnte man derselben Beweis anführen, den Boccaccio für die Religion anführt: st« besteht trotz ihrer Beamten. In einer vorwiegend politischen Zeit wird selten ein reines Kunst- werk entstehen. Der Dichter in solcher Zeit gleicht dem Schiffer auf stürmischem Meere, welcher fern am Strand ein Kloster auf einer Felsenklippe ragen sieht: die weißen Nonnen stehen dort singend, aber der Sturm überschrillt ihren Gesang. Auch Rothschild könnte eine Walhalla bauen— ein Pantheon aller Fürsten, die bei ihm Anleihen gemacht. Weise entdecken die neuen Gedanken und Narren verbreiten st«. Wir begreifen die Ruinen nicht eher, als wir selbst Ruinen sind. Die deutschen Frauen sind gefäbrlisb mee-n»«-rpr die der Mann finden kann Daß der Gatte Tantippes ein ja gcoger Phlloiopp geworöen, ist merkwürdig. Während allem Gezänk noch denken! Aber schreiben konnte er nicht, Sokrotes hat kein einziges«uch hinterlassen.