BERLIN Dienstag 19. 3uB 1932 B 163 49. Jahrgang Redaktion U.Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.8 Tel. AI Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Lugleich Aiendausgabo des„Vorwärts". Bezuzspreis filrdeideAusgiben7öPf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat lbavon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,»? M. einschließlich 30 Pf. Postzeitungs» und 72 Pf. Postbestellgebllhren. Anzeigenpreis: Di, tfplt. MiNt. meterzeile 80 Pf. Die Reklamezeile kostet 2 Mark. Rabatte n. Tarif. Neuis is lliu' neue weit! Wahlkundgebung in sämtlichen Sälen und im umfriedeten Garten.- Eintrittskarten 10 Pfg.- Für Erwerbslose 5 Pfg. Hitler diktiert den Hunger! Neue nationalsozialistische Llnterstützungskürzungen in Gicht! Verbrechen über Verbrechen Die nationalsozialistischen Unter» stützungskürzunflcn sind zum Teil am 27. Juni in Kraft getreten. Für die laufenden Fälle der bis- hcrigcn Unterstützungen in der Arbeitslosen- Versicherung und der Krisensür sorge treten die Bestimmungen der Hitlcr-Notvcrordnungrn a m 2 3. I u l i in Kraft. Der 23. Juli ist also ein neuer Hungcrtag für Millionen. An diesem Tag tritt ein neuer Abschnitt der nationalsozialistischen Kürzungen in Kraft! Damit noch nicht genug! Wir wir hören» sind durch die rigorosen Kürzungen in der Arbeits- losenversicherung und der Krisensürsorge die Sätze teilweise unter die Wohlfahrtsunterstützung ge- funken. Eine abermalige Kürzung der Sätze der Wohlfahrtsuntcrstützung soll die Folge sein! Neue nationalsozialistische Untcrstützungskürzun- gen sind also in Sicht! Hitler kann nicht leugnen! Neichsregierung bestätigt die Enthüllungen der„Germania" Zu den Veröffentlichungen der„Germania" erklärt die Neichsregierung, das; diese Darstellung im w e s e n t- lichen richtig sei. Nur habe der Neichskanzlcr nicht gesagt, die Hitler-Partei sei auf diese Dinge„versessen". Herr von Papen habe die Forderungen» die ein Mittels- mann der Hitler-Partei ihm überbracht hatte» eben den Vertretern des Zentrums mitgeteilt. Brüning gegen Schacht. Schacht soll bescheiden verschwinden. In Freiburg im Breisgau sprach Dr. Brüning vor 2S00V Zuhörern sehr scharf gegen die Papen-Regierung. Dabei nahm er die folgende vernichtende Abrechnung mit Schacht vor: „Wenn der frühere deutsche Reichsbankprnsident Dr. Schacht es so darstelle, als ob man in Lausanne durch Handeln alles erreicht habe, während früher mit Schulden gearbeitet wurde, so müsse er, Dr. Brüning, darauf erklären, daß viel Handeln in Lausanne an sich nicht mehr notwendig war. nachdem zwei der hauptbeteiligten Mächte nach Verhandlungen mit ihm— Dr. Brüning— bereits erklärt hatten, daß sie für restlose Schuldenstreichung seien. Er, Dr. Brüning, sei darauf eingestellt gewesen, die unbequem« Reparationslast zu beseitigen, allerdings auf eine andere Art und Weise, als es dem Herrn Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht in Paris und später gelungen sei, der deutschen Regierung und dem beut- schen Volke wider seinen willen den Poung-Plan aufzuzwingen. Solche Persönlichkeiten täten besser, sie würden bescheiden aus der O ef f e ntl i ch k e it oerschwinden! Hitlerbanden hausen wie Vandalen Magdeburg, 19. Juli. tEigenbericht.) In Groß-Rottmersleben» Kreis Neuhaldenslebcn» überfielen 2 39 Nazis» die von einem SA.-Auf- marsch aus Neuhaldcnsleben gekommen waren, den Orts- Vorsitzenden unserer Partei» den 41 Jahre alten I n- validen Gustav Assel» stachen mit Dolchen und Messern auf ihn ein» so das; er mit21 Stichwunden schwerverletzt inS Krankenhaus gebracht werden mußte. Mit schweren Steinen haben die Nazis Assel außerdem noch die Schädeldecke zertrüm- merk. Seine Verletzungen sind so schwer, daß er kaum mit dem Leben davonkommen wird. Später wurde das kleine Häuschen AsielS mit schweren Bruch st einen völlig demoliert. 27 Fensterscheiben wurden eingeworfen» drei Fahr- räder zertreten» außerdem wurden die Fenster- kreuze herausgerissen und die Haus- und Hoftüren eingeschlagen. Auch in der Wohnung selbst sind schwere Verwüstungen angerichtet worden. AlS Frau Assel sich den Nazis entgegenstellte, wurde sie gleichfalls durch zwei Messerstiche kämpf- unfähig gemacht. Unmittelbar darauf wurden noch zwei weitere Häuser» deren Besitzer sozialdemokratische Ar- beiter sind» mit Steinen beworfen und demoliert. In dem Hanse deS K8 Jahre alten Invaliden Rulf wurden 7 Fensterscheiben» bei dem Genossen Kupp 8 Fensterscheiben eingeworfen. Gin K Monate alteS Kind wurde durch Glassplitter verletzt. Insgesamt sind nach dem Ueberfall allein auS der Wohnung AsielS 142 Steine, darunter einige mit einem Gewicht von 19 Pfund herausgeholt worden. Den Abschluß dieser Gewalttaten sollte die V e r- Wüstung deS sozialdenrok ratischen Partei- l o k a l S bilden. Die Nazis irrten sich aber in der Straße und zertrümmerten versehentlich das Verkehrslokal der Nationalsozialisten» dessen Besitzer mit seinen SA.-Leuten ans Neuhaldens- Arbeiter, aufgepaßt! Unser Feind ist der Fasdiisinus, nicht die Polizei! Bei Kämpfen zwischen Arbeitern und Polizei ist der Faschismus der lachende Dritte! Audi die Polizei hat in diesen Tagen eine schwere Aufgabe. Erschwert sie ihr nidit über- f lüssig! Lockspitzel wollen eudi in sinnlose Kämpfe mit der Polizei hetzen. Kriecht diesem Gesindel nicht auf den Leim! leben noch nicht zurückgekehrt war. Polizei konnte nicht eingreifen, da sämtliche Landjäger nach NeuhaldenSleben beordert waren, um die dortige Kundgebung zu über- wachen. Lockspitzel in Verkleidung. Aus Pommern wird uns geschrieben: Bor einigen Tagen ereignete sich in einer Versammlung der Nazis in B u d o w(Kreis Stolp) eine Schlägerei, von der die ge- samte deutschnationale und Nazi-Presse behauptete, sie sei von Stolper und Lauenburger Kommunisten hervorgerufen. Auf Grund eingehender Ermittlungen stellten unsere Parteigenossen jedoch fest, daß an dem Tage kein Kommunist aus den genannten Orten in Budow war. Die Ermittlungen haben vielmehr zu der inter- essanten Feststellung geführt, daß sich 16 SA.- und SS.- Männer in Rathsdamnitz in dem Lokal Framke als K o m m u- nisten verkleideten und in dieser Verkleidung nach Budow gefahren wurden. Hier hielten sich die als Kommunisten verkleideten Nazis bis kurz vor Schluß der Versammlung auf dem Bahnhos aus. Später suchten sie die vor dem Lokal stehenden Mitglieder des Deutschen Landarbeiterverbandes zu verleiten, mit den Nazis Stänke- reien anzufangen. Es wurde den Landarbeitern gesagt, daß sie, wenn die Schlägerei im Gange sei, eingreifen und die Nazis ver- prügeln würden. Glücklicherweise siel die Mehrzahl der Landarbeiter auf den Schwindel nicht herein, da noch rechtzeitig ein„Kommunist" trotz der Verkleidung als SA.-Mann erkannt wurde. Die Absicht der Nazis war, die Arbeiterschaft in eine Falle zu locken, um dann ein furchtbares Blutbad anzurichten. Nach Schluß der Versammlung fuhren die als Kommunisten verkleideten Nazis mit den anderen Nationalsozialisten gemeinsam im Auto nach Rathsdamnitz zurück, wo sie sich in dem Lokal Framke wieder umkleideten und dann nach Stolp zurückfuhren. Diese neueste Heldentat stimmt völlig überein mit dem Vorgehen der Nazis, die sich in Hamburg mit dem Antifa-Ab zeichen schmückten und als Lockspitzel auftraten, bis sie— schwer bewaffnet— verhaftet wurden! Eiserne Kroni in Essen. Erispien spricht zu den Massen. Essen» 19. Zu«. Bei einer großen Kundgebung der Eisernen Front aus dem Burgplah in Essen, die von der Bevölkerung begeistert aufgenommen wurde, sprach am ZNontag der sozialdemokratische Abgeordnete Erispien über die Aufgaben des Wahlkampses. Erispien stellte fest, daß die Hakenkreuzbewegung durch Zu- Wendungen der Schwerindustrie gespei st werde. Aus dem sogenannten Kirdorfsonds seien„industrielle Umlagen" zu derartigen„politischen Zwecken" angesammelt worden. Allem Anschein nach holte die NSDAP, nun die Stunde für die Aufrichtung einer Diktatur für gekommen, die die Ar- beiterschaft zu Boden werfen solle. Aber sie werde ihr Ziel nicht erreichen, die Arbeiterschaft werde sichbisaufsLetztewehren. Wer terrorisiert? Hugenberg- presse unterschlägt deuffchnationale Notschreie. Hugenberg schreit laut nach dem Rcichskommifsar für Preußen, der„dem marxistischen Spuk sofort ein Ende macht". In, Lande schreien feine Leute nach etwas ganz anderem, nämlich nach Schutz gegen den nationalsoziali st i- fchen Wahlterror! In der„Pommerschen Tagespost" entrüstet sich Freiherr von Bothmer über„Wahlterror gegen rechts", über „unerhörte nationalsozialistische Gewallmaßnahmen". Cr klagt:„Kein Nazi ist zu sehen in den Versammlungen der Eisernen Front. Die SA. wird nur angesetzt zur Störung deutsch- nationaler Versammlungen, zu denen sie mit Lastautos heran- transportiert wird." In der Berliner Hugcnberg-Presse werden diese Notschreie der Hugenfwrger aus dem Lande unterschlagen. Ist man da schon unter nationalsozialistischer Vorzensur? In einem Schreiben der Gauleitung Groß-Berlin der NSDAP. „Spießbürger Deutschlands, wahrt Eure heiligsten Güter!" tfXMiE.\ M Jedem seine eigene Splitterpartei an die Reichsleitung in München vom 3. Juni 1932 werden folgende Vorschläge für„Uebergangsbestimmungen nach der Machtergreifung im Reiche" gemacht: „Die Scheidelinie für Dauervcrbote von Zeitungen in, Bereich Graß-Berlin wäre links von der„DAZ." zu ziehen. Ilnler Vorzensur wird das Erscheinen widerruflich gestaltet: „DAZ.". Scherl presse,„kreuzzeilung",„Denlsche Tageszeilung", „Tägliche Rundschau". Unzensuriert:„Angriff",„Deutsche Zeitung",„Berliner Börsen-Zeitung". Die näheren Ausfühningsbcstimmungen erläßt das Gaupresseamt(Pg. Hinkel)." Die Hugenberg-Presse in Berlin scheint sich schon auf die Vor- zensur durch den Pg. Hinkel würdig vorzubereiten! Lokal-Anzeiger gegen Gchmidt-Hannover Schlechte Ztegie bei Hugenberg. Hugenbergs„L o k a l- A n z e i g e r" sllhlt sich berufen, Hitler gegen die Anklage in Schutz zu nehmen, er habe von vornherein d>c Papcn-Regierung toleriert. Das Blatt nennt die neue Beweis- sllhrung der Zentrumspartei„s ch w a ch". Indessen konnte man noch vor wenige» Tagen im eigentlichen Leibblatt Hugenbergs, im„Tag", folgenden Bericht über eine Rede des Reichstagsabgeordneten S ch m i d t- H a n n o v c r, eines der engsten Vertrauensleute Hugenbergs, lesen: „Der Redner beschäftigte sich dann ausführlich mit der NSDAP, und erklärte, sie stehe auf Grund besonderer Abmachungen der Regierung Papen erheblich näher als die DNBP., denn sie habe dieser Regierung Tole- rierung zugesagt und dafür die Aushebung des Uniform- Verbotes und die Auflösung des Reichstages erhalten. Schmidt sagte dabei wörtlich:„Ich fordere die Führung der NSDAP. hierdurch auf, den Gegenbeweis hierfür anzulretcn." Die Nationalsozialisten beschränken sich auf Ableugnungen, die mit wüsten Beschimpfungen gespickt sind Wenn aber von, Zentrum neue, schlüssige Beweise für die von Hugenbergs rechter Hand ob«»falls kategorisch behauptete Tolerierung Popens durch Hitler erbracht werben, dann ist Hugenbergs Presse krampfhast bemüht, den Wert dieser Beweisführung zu entkräften. Die Deiitschnationalen wissen offenbar selbst nicht, unter der „zielbewußten Führung" Hugenbergs, was sie wollen. Ihre Angst vor Hitlers Niederlage, die ihre eigene Niederlage wäre, ist anscheinend größer als alle anderen Erwägungen. Attentat auf Dr. Luther vor Gericht Die Angeklagten Or. Rossen und Kerffcher frühere Mitglieder der NGOAp. Vor dem erweiterten Schöfsengerichl Lerlin-Riillc stehen heule die Atlenläter Dr. R o o s e n und S e r t s ch e r. kerlscher hat am 9. April auf dem Anhalter Bahnhof auf den Reichsbank. Präsident Dr. Luther im Augenblick, als er im vegriss stand, nach Basel zu fahren, einen Schuh abgegeben, der Dr. Luther am Arm verlehte, Dr. Rosen hat seinem Komplizen den Revolver in die Hand gedrückt. Beide haben sich heute zu ver- antworten wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen die Rotoerordnung über Waffenbesitz. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Dr. Rlasur, die Angeklagten lassen sich verleidigen von den Rechtsanwälten Dr. Klee, Dr. Holenberg, Dr. Liebes und Dr. Walter Zafsee, der als Rebenkläger zugelassen ist. Rcichsbankpräsident Dr. Luther wird vom Rechtsanwalt Dr. westlick vertreten. Dr. R o o s e n, ein hagerer Mensch von 59 Jahren mit grau- meliertem Kopfhaar und Schnurrbart» gibt sich sehr temperament- voll, gefällt sich in Belehrungen des Gerichts und ist aus Beifall des Publikums erpicht. Selbst sein Mitangeklagter kann mitunter über die lächerlichen Ausfälle des Herrn von Roosen sein Lächeln nur mit Mühe unterdrücken. Roosen erklärt, daß er in Buenos- Aires geboren wurde, ein deutsches Gymnasium besucht, beim Kammergericht in Hamburg seinen Referendar, beim Ober- landesgericht seinen Assessor gemacht hat und bis 1923 der Anwaltskammer in Hamburg angehörte. Eine regelrechte Anwalts- praxis hat er aber bereits seit 1998, als er nach Berlin übersiedelte, nicht ausgeübt. Er hat sich in der Hauptsache in Finanz- g e s ch ä f t e n betätigt, bereits vor dem Kriege an einer 50-Mil- lionen-Sachc des Fürsten Schaumburg-Lippe soviel verdient, daß er hinterher vier bis fünf Jahre nichts zu tun brauchte und seinen wissenschaftlichen und literarischen Interessen nachgehen konnte. Seine Komödie„Europäisches Konzert" wurde in Berlin wie auch in anderen deutschen Großstädten mit Erfolg aufgeführt. Während des Krieges wurde er schon im Jahre 1914 durch einen Kolben- schlag kriegsuntauglich, er wurde mit Exerzieren von Rekruten be- schäftigt und nahm später als Offizier seinen Abschied aus dem Heere. Sein Vermögen hat er während des Krieges verloren, er unterhielt in Berlin eine Rechtsberatungsstelle, hatte«ine umsang- reiche Finanzierungspraxis und ging im Jahre 1939 nach London, um hier ein Honorar in einer Millionenaufwertungssache einzu- kassieren. Nach seipcr Rückkehr aus London hielt er sich in der Hauptsache in München aus, schloß sich den Ralionalsozialisten an und wurde Mitglied des Bundes Rationalsozialistischer Juristen und des Bundes Rationalsozialistischer Landwirte. In diese Zeit fällt seine Bekanntschaft mit Kertscher.„Ich habe". erklärt Dr. Roosen,„meine Zlufgabc darin gesehen, den National- sozialisten ein Finanzprogramm vorzulegen, das die Lösung der deutschen Wirtschaftsnöte ermöglichen sollte. Als wir, Kretscher und ich, uns davon überzeugt hatten, daß wir kein Verständnis zu finden vermochten, traten wir aus der Partei am 19. Oktober 1931 aus." Der Vorsitzende verliest eine Erklärung, die die beiden Angeklagten dem Braunen Hause in München wegen ihres Aus- tritts übersandt hatten. Es heißt darin, die Nationalsozialistische Partei hat den Augenblick verpaßt, um die Macht zu ergreifen, sie hat ihre geschichtliche Aufgabe nicht ersüllt, die deutsche Wirtschast zu rekonstruieren, sie hat ihren Mitgliedern die Treue nicht geholten, sie hat sich unsähig gezeigt usw. Der Angeklagte Dr. Roosen bittet den Vorsitzenden, festzustellen, daß dieses Schriftstück auf Anforderung der Polizei vom Braunen Hause übersandt worden sei, während er sich mit der bloßen Erklärung begnügt habe, daß er aus der Partei ausgeschieden sei. Ich lege besonderen Wert daraus, festzustellen, daß ich gegen die antisemitische Klausel bin, ich kann mir von keiner Partei vorschreiben lassen, mit wem ich verkehren darf. Was hat nun Dr. Roosen nach seinem Austritt aus der NSDAP, unternommen? Ich habe, erklärt er, e i n W ä h r u n g s- Programm ausgearbeitet, habe es wissenlchastlich fundiert. bin wie ein Afse in ganz Deutschland herumgeklettert, neun Monate bin ich im Auto herumgesaust, es gibt niemand, den ich nicht auf- gesucht hätte, ich habe das Programm in Thesen den zuständigen Stellen überreicht, ich habe die letzten drei Jahre nichts anderes gemacht als An- griffsastacken gegen die Reichsbank. Es folgt die Vernehmung des Angeklagten Werner Kertscher. Er ist in Thüringen geboren, hat in Altenburg die Realschul« besucht, in Dresden die Technische Hochschule, in Jena die Universität, hat kein Zlbschlußexamen gemacht und sich mit Währungsfragen beschäftigt. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses kommt es zu heftigen Austritten, als der Angeklagte Dr. Roosen einen H a f t« n t- lassungsantrag stellt. Oberstaatsanwalt Sturm widerspricht dem Haftentlassungsantrage allein schon wegen der zu erwartenden hohen Strafe, das Gericht lehnt die Haftentlassung ob. Wöhrend der Beratungspause sührt der Angeklagte Dr. Roosen laute Reden, weil der Justizwachtmeister ihn pflichtgemäß daran hindert, Per- sonen aus dem Publikum anzusprechen. Nach Wicdereiukritt in die Berbandlung, bringt er wegen des Verhaltens des Justizwacht- Meisters in überlauter Weise eine Beschwerde vor. Er wird in die Schranken zurückgewiesen. Zu einem Zusammen st oß zwischen Angeklagten und Vorsitzenden kommt es auch, als Roosen die Tat selbst schildern soll. Er besteht darauf, eine von ihm verfaßte Niederschrift zu oerlesen, es geht aus ihr hervor, daß von vorn- herein die Absicht bestand.en habe, Dr. Luther nur leicht zu verletzten. Der Angeklagte Kertscher bestätigt das. Die preußische Notverordnung über Waffenbesitz will Dr. Roosen nicht gekannt haben. Er habe sich, wie er erklärt, über die Berechtigung Waffen zu führen, bei dem heute als Zeugen geladenen Polizei- oberwachtmeister Pallas erkundigt. Angriff bleibt verboten. Das Reichsgericht hat am S. Juli be- schloßen, die Beschwerde des„Angriff" gegen das Verbot auf Kosten des Beschwerdeführers zurückzuweisen. In der Begründung zu dieser Entscheidung wird das Verbot, dos am 25. Juni vom Bcr- liner Polizeipräsidenten verfügt worden war, als gerechtfertigt bezeichnet. Vier Fragen. Das ZK. auf öem Wege zum Geständnis. Wir haben gestern hier an das ZK. der KPD. folgende vier Fragen gerichtet: 1. Zst es wahr, daß das ZK. der Spv. Verhandlungen örtlicher Organisationen der KPO. mit den entsprechenden sozial- demokratischen Organisationen verboten hat? 2. Ist es wahr, daß sich das ZK. der KPD. gegen die Der- anslaltung gemeinsamer Demonstrationen erklärt hat? 3. Zst es wahr, daß das ZK. der KPD. die kommunistischen Betriebsräte eines großen Anternehmens gerüsfelt hat, weil sie einen Ausruf unterschrieben, der sich nur gegen Papen und die Razis wendet, aber nicht gegen die Sozialdemokratie? 4. Zst es wahr, daß das ZK. der KPD. trotz allen verlogenen Einheitsfronlgeschrcis daran festhält, daß der Hauptstoß gegen die Sozialdemokratie zu richten sei? Das ZK. der KPD. stammelt heute in der„Roten Fahne" eine halbe und verlegene Antwort. Es erklärt, daß sich unsere Fragen auf ein von ihm erlassenes Rundschreiben stützen, behauptet aber, wir hätten dieses Rund- schreiben„gesälscht". warum veröffentlicht das ZK. der KPD. dieses Rundschreiben nicht? Oer F. A. Reichslommissar Syrup erläutert den Freiwilligen Arbeitsdienst Der soeben zum Reichskommissar für de» freiwilligen Arbeit«- dienst ernannte Präsideitt Dr. Syrup von der Reichsanstalt für Arbeitsnachweis und Arbeitslosenversicherung hat heute mittag vor der Presse den bereits bekannten Jnlzalt der Neuregelung erläutert. Syrup betonte dabei nachdrücklich, daß der freie Arbeits- markt und die freien Arbeiter durch den freiwilligen Arbeitsdienst in keiner Weife geschädigt werden sollen. Der freiwillige Arbeitsdienst werde unbedingt nur zusätzliche und dabei volkswirtschaftlich werlvolle Arbeiten ausführen. Für solche großen Arbeiten, wie z. B. Kunst- und Autostraßenbau komme FA. gar nicht in Frage, sondern nur für Dorswegc und Verbin- vis Freiheitsplatte enthaltend: Marsch der Eisernen Front. Rot- gardistenmarsch, Internationale(Preis 1.59 M.), erscheint Ende dieser Woche. Bestellungen nimmt jetzt schon entgegen: Deutscher Arbeitersängerbund, Berlin S. 14, wallstr. SS: Buchhandlung I. H. w. D i e tz Räch f., Berlin Sw. 68, Lindensir. 3; Buchhandlung des ADGL., Infelftr. 6z. düngen der Dörfer miteinander, wo kein Material-, sondern nur Arbeitsbedarf besteht und wo ein« Verbilligung auch durch die- Heranziehung der Bauern zu Spann dien st en erreicht werden könne. Don einseitig politischen Bestrebungen im Sinne der SA. ist dem Reichskommissar bisher nichts bekannt geworden und er will sie auch künftig nicht zulassen. Bloß im Anfang, erzählt Dr. Syrup, habe es in einzelnen Lagern politische Meinungsverschiedenheiten gegeben, die aber dadurch verschwunden seien, daß die Betresfenden abwanderten. Sonst aber schmelze in den Lagern die Jugend voll- kommen zusammen. Was die Führer anbelangt, so sollen sie aus der Masse her- auswachsen, und dann auch über die 49 Wochen der Höchstdauer des FA. in Winterlagern zusammengefaßt werden. Von der Veröffentlichung jenes eigenartigen Ausschreibens, das für die Arbeiten im Heilsbergcr Dreieck Scharmeister(Hauptleute). ferner gewesene Oberleutnants usw. suchte, ist dem Reichskommissar gleichfalls nichts bekannt. Ebenso wenig von einer Absicht, die FA.- Jugend einheitlich zu bekleiden. Bisher habe man die Bekleidung genommen, wo man sie gut und billig bekam, zum Teil sei sie auch geschenkt worden. Von einer Vorschußzahlung für Bekleidung sei keine Rede. Kube entschuldigt sich. Und Landtagsprä'sident Kerrl? Die Pressestelle des Berliner Polizeipräsidiums bestätigt die Meldung eines Berliner Abendblattes, wonach der national- sozialistische Fraktionsvorsitzende K u b e wegen des hundsgemeinen nationalsozialistischen Antrags im Preußischen Landtag ein Eni- fchuldigungsschreiben an den Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß und dessen Frau gerichtet hat. Wird sich auch der Landtagspräsidcnt Kerrl ent- schuldigen, der diesen gemeinen Antrag ohne Beanstandung zugelassen hatte? Er kann sich doch nicht darauf herausreden, daß er den Antrag vorher nicht gesehen habe! Gtrafanträge im Oevaheim-Prozeß. Drei Jahre Gefängnis für Pastor Cremer. Räch einer dreistündigen Anklagerede beantragle Staatsanwalt- schastsrat Dr. Eichholz gegen die Angeklagten im Devaheim-Prozeh solgends Strafen: Gegen Pastor E r e m e r wegen forlgefehter Un- treue zum Schoden von Devaheim und Zenlralausschuß eine Gesamt- strafe von Z Jahren Gefängnis, wegen fortgesetzter Untreue die gleiche Slrase gegen Clausen. Gegen Wilhelm I e p p c l wegen fortgesetzter Untreue, Betruges in Taleinheit mit Urkundenfälschung und Bilanzverschleierung zwei Zahre sechs Monate Gefängnis. Gegen Eremer jun. wegen fort- gesetzter Untreue und Betruges acht Monate Gefängnis. gegen Paul Zeppel vier Monate Gefängnis. Gegen Kocks wegen Betruges drei Monate G.e f ä n g n i s Für den Pastor Müller beantragte der Staalsanwalt Freifvruch wegen mangeluden Beweises. Außerdem beonlragle er sofortigen Haftbefehl wegen Fluchtverdacht und Verdunkelungsgesahr gegen den Angeklagten Clausen. Südamerikosahrten des Luflschifs,„Graf Zeppelin". Im August werden die Verkehrssahrten nach Südamerika wieder ausgenommen. Sie finden im Abstand von 14 Tagen an folgenden Tagen statt: 15. August, 29. August, 12. September und 19." Oktober. Nie Glocke der russischen Revolution Alexander Herzens Zeitschrift Im Juli dieses Jahres feiert die Akademie der Wissenschaften in Leningrad ein beachtenswertes Jubiläum: es jährt sich zum 73. Mal der Tag des Erscheinens der ersten Nummer der Zeitschrift „Die Glocke" von Alexander Herzen, den man— mit vollem Recht— als den geistigen Urheber der russischen revolutionären Bewegung bezeichnet hat, die nach jahrzehntelangen Kämpfen mit der Zarenmacht an den Ufern des Bolschewismus landen tonnte. szcrzcn hatte sich nach seiner Flucht aus Rußland in London nieder- gelassen, wo er sich entschloß, eine revolutionäre Zeitschrift heraus- zugeben. Als Devise wählte er— als ein im Geiste deutscher Kultur erzogener Intellektueller und zugleich glühender Schiller-Verehrer— die Worte„Vivo- voco", die Schiller seiner„Glocke" vorangesetzt hat. Mit kaum zu überbietendem Enthusiasmus und hervorragen- dem literarischem Talent ließ er seine Glocke ertönen, um seine schlafenden und von der zaristischen Tyrannei unterdrückten Lands- leute aus ihrer dumpfen Resignation zu erwecken. Und er verstand es wie kein anderer, den Glauben an die Heiligkeit der Zarenmacht zu erschüttern, indem er den Byzantinismus, der am Zarenhofe wahre Orgien feierte, ins Lächerliche zog.„Wer es vermag", so schrieb er,„vor dem ägyptischen Gott Apis ein Lächeln hervorzu- rufen, der degradiert den heiligen Stier zu einem gemeinen Ochsen." So sonderbar es auch klingen mag: die Zeitschrift, die zum Sturz des Zarenthrons anfeuerte, wurde mit Spannung im Zarenpalast selber gelesen! Die Zarin Maria Alexandrowa vergoß bittere Tränen über die stechenden Wahrheiten, die ihr in unverblümtester Weise in Herzens Artikeln gesagt wurden. Als„Die Glocke" einmal über einen haarsträubenden fürstlicher Willkür berichtete— Fürst Kotschubei hatte aus Laune seinen Gutsoerwalter angeschossen und ihn zum Krüppel gemacht—, befahl der Zar persönlich den Fall zu untersuchen. Alle Minister zitterten seitdem vor den Eni- hüllungen des im fernen Auslande erscheinenden illegalen Blattes. Man verfiel nun auf die Idee, Herzen zu bestechen und ihm den Posten eines Staatssekretärs— nach Erledigung gewisser Spitzel- dienste— anzubieten. Selbstverständlich verlief dieser Plan im Sande, während die Auflage der Glocke bald die Rekordzahl von Z0Y0 erreichen konnte. Beamte und Gendarmen verbreiteten in Ruß- lond die verbotene Zeitschrift und machten bei dem Verkauf des revolutionären Journals zu hohen Preisen ein nicht zu verachtendes Geschäft. Als die Reformen des Zaren Alexander II., vor allem die Auf- Hebung der Leibeigenschaft im Jahre 1861, eine Uingestaltung des absolutistischen Regimes ahnen ließen, schrieb Herzen einen von hohem Idealismus beseelten Artikel unter dem Titel„Du hast ge- siegt, Galliläer". Die Nummer mit diesem Beitrag fand der Zar eines Tages unter seinem Gedeck bei einer festlichen Hostafel. Doch die russische intellektuelle Gesellschaft war des politischen Kampfes müde geworden. Der Einfluß der revolutionären Zeitschrift ging allmählich zurück. Um mehr Fühling mit russischen Emigranten zu gewinnen, die sich jetzt die Schweiz als Hauptquartier erwählt hatten, verlegte Herzen die Redaktion nach Genf. Dort war aber dem Journal kein Erfolg beschieden, und am 1. Juli 1876, nach erst zehnjähriger ruhmreicher Tätigkeit, wurde das Erscheinen der Zeit- schrjft, wie es hieß,„vorübergehend eingestellt". So war Herzens „Glocke" für immer verstummt. Der Herausgeber war aber über- zeugt, daß seine Arbeit nicht umsonst gewesen.„Wir sind frühe Sämänner, nichts von unserer Saot ist verloren, sie wächst und bahnt sich den Weg." Herzen sollte Recht behalten. Straßenkamps geht weiter. Lungbannermann in Blankenburg vonTtaziS niedergestochen In der Gartenkolonie Blankenburg an der Borortsirecke Sleltiner Sahnhof— Buch verübten SA.-Leute auf den 17 Zahre alten Zimmererlchrling Walter Ricker einen gemeinen lieber- fall. R. ist Biitglied des Hungbanners. 3n der Dunkelheit sielen die Nazis über den jungen wann her und stachen ihn nieder. Ein Dolchstich drang tief in die rechte Brustseite ein. Schwer verletzt wurde der jfungbannermann ins Pankower Krankenhaus gebracht. An der Ecke Parochial- und Klosterstraße wurde gestern gegen 22.30 Uhr der Reichsbannermann Dr. Bergmann aus der Uhlandstraße von Kommuni st en überfallen und nieder- geschlagen. Zwei der Haupttäter wurden von der Polizei fest- genommen. Auch ein Zeichen der„roten Einheitsfront"— wie die Kommunisten sie auffassen. In der R ö n t g e n st r a ß e in Tharlottenburg entspann sich zwischen Kommuni st en und Nationalsozialisten eine wilde Schlägerei, bei der sich die Gegner mit Messern, Totschlägern und Eisenstangen„bekämpften". Ein Kommunist mußte mit schweren Kopfverletzungen bewußtlos ins Weftend-Krankenhaus eingeliefert werden. In der L e f f i n g st r a ß e in Neukölln wurden in der ver- gangenen Nacht mehrfach Polizeipatrouillen mit Steinen und anderen Wurfgeschossen bombardiert. Um die Angreifer zurückzu- schrecken, gaben die Beamten mehrere Schüsse ab, ohne jemand zu treffen. Die Schießerei auf dem W e d d i n g, über die wir im„Bor- wärts" berichteten, stellt sich jetzt wesentlich anders heraus, als kurz vor Redaktionsschluß die vorliegenden Meldungen über den Vorfall erkennen ließen. Zwei junge Polizetbeamte in Zivil von der Polizeiinspektion Nord wurden an der Ecke Wiesen- und Reinickendorfer Straße von Kommunisten für Hakenkreuzler gehalten. Etwa 15 Kommunisten schlugen die beiden Schupos zu Boden. In Notwehr zogen die Beamten ihre Pistolen und gaben mehrere Schüsse ab. Der Arbeiter Walter Formers aus der Kö-liner Straße und der Arbeiter Erich Meier aus der Kösliner Straße wurden durch die Schüsse verletzt und fanden im Virchow- Krankenhaus Aufnahme. Dienstältester Polizeibeamter. Ehrung eines Veteranen der Polizei. Dieser Tage konnte Polizeioberinspektor H i r ch« vom Polizei- amt Kreuzberg-Tempelhof auf eine-ISjährige Dienstzeit bei der preußischen Polizei zurückblicken. Mit diesem seltenen Jubiläum ist Polizeioberinspektor Hirche gleichzeitig der dienstälteste Polizeibeamte Preußens. Der Jubilar wird am 31. März 1933 mit Erreichung des KZ. Lebensjahres pensioniert werden. Das Jubiläum Hirches hat der Berliner Polizeipräsident G r z e s i n s k i zum Anlaß genommen, dem Beamten in einem längeren Schreiben für seine Dienste, die er der Polizei, zuletzt als Bürovorsteher bei den größten Polizei- ämtern. geleistet hat, zu danken. In dem Glückwunsch- schreiben heißt es:„Sie können mit Stolz auf Ihre langjährige Dienstzeit zurückblicken in dem Bewußtsein, der Behörde wertvolle Dienste geleistet zu haben und Ihren Mitarbeitern und Unter- gebenen stets ein treuer Freund und Berater gewesen zu sein." Polizeioberinspektor Hirche ist überzeugter Republikaner, der über seine Beamtentätigkeit hinaus seine ganze Kraft für die republi- konische Bewegung einsetzt. Liebesiragödie an der Wiener Brücke. Nächtliches Eifersuchtsdrama. Ein Eifersuchtsdrama spielte sich in der Rächt auf der wiener Brücke im Südosten Verlins ab. Ein bisher noch unbekannter Mann gab auf feine Begleiterin mehrere Schüsse ab. die diese so schwer verletzten, daß sie sofort leblos zu Boden sank. Gleich darauf richtete der Mann die Pistole gegen sich selbst. Passanten, die die Schüsse gehört hatten, benachrichtigten die Polizei. Der Mann gab noch schwache Lebenszeichen von sich. Der Selbstmörder und sein Opfer wurden ins Bethanicn-Krankenhaus gebracht, wo er gleich nach seiner Einlieferung starb. Die Motive zu der Tat sind noch nicht geklärt. Bei dem Mann wurde in seinen Taschen ein Zettel gefunden, der einen Namen und eine Straße aufwies: Ernst L., Reichenberger Straße. Der Träger dieses . Namens wurde aber noch lebend in seiner Wohnung angetrossen und von der Polizei aufgefordert, ins Krankenhaus zu kommen, um die beiden Leichen zu identifizieren. Ein Zollbeamter tot aufgesunden. Selbstmord oder Verbrechen? Düsseldorf. 19. Juli. Der Zollbeamte Stief von der Zollstelle Auwel wurde heute in der Nähe von Straelen(Kreis Geldern) erschossen auf» gefunden. Neben dem Toten lag sein Dienstreoolver. Ob' ein Unglücksfall oder ein Verbrechen vorliegt, konnte bisher nicht f e st g« st e l l t werden. Ein Selbstmord erscheint nach dem Urteil der Freunde des Toten ausgeschlossen. pleite einer Straßer-Kundgebung. Leeres Stadion in Eberswalde. Eberswalde. 19. Juli.(Eigenbericht.) Am gestrigen Sonntagvormittag hielten die Nationalsozialisten im neuerbauten Eberswalder Stadion eine Kundgebung ab. die sich für die Bürgerkriegsposaunisten zu einem regelrechten Fiasko gestaltete. Als Redner war der Reichstagsabgeordnete Gregor Straßer erschienen, der seinen Getreuen nur knappe zwanzig Minuten widmete. Seit Wochen haben die Nationalsozialisten in Eberswalde, Freienwaldc, sowie in den Kreisen Oberbarnim und Angermünde eine ungeheure Propaganda entfaltet. Noch vor einer Woche wurde die voraussichtliche Besucherzahl mit 25 000 Menschen angegeben. Und die wirklichkeil: nach den zuverlässigen Angaben der Polizei waren im breiten Rund des Stadions, sämtliche SA.-Formationen, die sich in der hauptjache aus Fünfzehn- und Sechzehnjährigen zu- fammensetzlen, hinzugerechnet, 2500 bis 3000 Menschen versammelt, davon mehr als 1000 auswärtige Besucher. Wer bedenkt, daß die Stadt Eberswalde bei den Preußenwahlen allein 8000 nationalsozialistische Wähler aufgebrocht hatte, wer weiter feststellt, daß die Nationalsozialisten mit ihrer Propaganda ein Gebiet von über 150 000 Einwohnern erfaßt hatten, der kann den R i e s e n m i ß e r f o l g der Straßer-Kundgebung nicht be- streiten. Die Nazis versuchen das auch gar nicht, vorläufig Hot es ihnen immer noch die Sprache verschlagen. Am meisten ent- täuscht war wohi Stroß�r selbst: denn sein Vortrag dauerte kaum zwanzig Minuten. Und das, was er zu jagen hatte, war so tramps- Zu Liebermanns 86. Geburtsiag. Ausstellung seiner Graphik bei Helbing. Erst vor kurzem hat Liebermann den Vorsitz in der Preußischen Akademie der Künste niedergelegt. Aber seine Frische und Produkt!- vität ist unvermindert: er gedenkt augenscheinlich Tizians Alter zu überholen. Am 20. Juli feiert er seinen 85. Geburtstag, und man ist von neuem gesangen von dem Ausblick über ein so reiches, nach allen Seiten ausstrahlendes Leben. Man erinnert sich, daß er noch in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Schüler von Steffeck in Berlin und von Thumann und Pauwels, lange verschölle- nen Weimarer Größen, gewesen ist, daß seine Anfänge, weit vor dem Impressionismus, in der Dunkelmalerei von der Art Munkacsis und Courbets lagen, und daß er den Spuren Millets in Barbizon nachging. Es ist nicht zu leugnen, daß die Bilder dieser frühen Periode, aus den siebziger und achtziger Jahren uns heute am besten gefallen und den echten, den rein malerischen Liebermann in einer historischen Größe zeigen, die er später nicht überboten hat. Damals lebte er meist in Paris und in München, wo es auch Corinth so gut ging, und wo ihm Leibi ein so sicherer Wegweiser war, wie Courbet in Paris. Noch in den ersten Berliner Jahren, seit 1884 wirkte sich der monumentale Realismus jener glücklichen Zeit in ihm aus, ja er hat erst damals seine reifsten und innerlich stärksten Dinge geschaffen, wie die Flachsscheucr und die Netzeflickerinnen, Bilder, mit denen er ebenbürtig neben die Großen der deutschen Malerei des neun- zehnten Jahrhunderts tritt. Die Uebernahme des französischen Im- pressionismus seit 1890 Hot ihm, wie allen Deutschen, wenig Gutes gebracht, ja man könnte von Rückentwicklung sprechen, wenn nicht dach die angeborene Sicherheit und Unbedingtheit der Beobachtung ihn auch in dieser fremden Handschrift Bilder hat gelingen lassen, die in serienweiser Wiederholung neuartige Licht- und Bewegung«- Probleme lösten. Man erinnert sich an die Amsterdamer Judengassen, die Alleenbilder, die Reiter am Meer, Strandbilder von Nordwyck, die Wanseegärten. Zweifelhaft bleibt, ob die Gestalt der Serien- motive eine eigenartige Stärke oder eine Verflachung ins Ouanti- tative der Wirkung bedeutete— wie bei Monet. Zur Feier des bedeutsamen Geburtstages hat die Galerie H e l b i n g(Lützowufer 5) eine Ausstellung seines graphischen Werkes veranstaltet, nachdem schon vor einiger Zeit der Verein Berliner Künstler eine Auswahl seiner Bildnisse gezeigt hatte. Die Radierungen und Lithographien Liebermanns begleiten fein Bilder- werk beinahe reproduzierend: es erweist sich, daß er nicht ein so eigenes graphisches Ausdrucksbedürfnis hat, wie etwa Slevogt. Der Verdienst, seine Blätter in Verbiidung mit einigen schönen unbe- kannten Oelbildern und Pastellen zu zeigen, ist hoch anzuerkennen. p. k. sck. Aukorenkundgebung gegen Rundsunkdiklokur. Gegen die Umge- staltung des Rundfunks wird jetzt von dem kürzlich ins Leben ge- rufenen„Bund der Rundsunkautoren" eine Protestkundgebung vor- bereitet. Bereits in ähnlichem Sinne hat auch bereits der Vorsitzende des„Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller", Dr. Theodor Bohner, abgegeben, in der es u. a. heißt:„Schon bisher war ja der Schrift- steiler bei den einzelnen Ueberwachungsausfchüssen der deutschen Sender überhaupt nicht vertreten mit Ausnahme von Berlin. Im Ueberwachungsausschuß der Deutschen Welle sitzt auch ein Schrift- steller. An allen anderen Sendern aber versehen höchstens Schul- Männer die Aufgaben der kulturelle» Berater. Aber bei der vom Reich geplanten Neuregelung müssen wir jetzt ein weiteres Zurück- drängen des Schriftstellers aufs äußerste befürchten, überhaupt ein Zurückdrängen aller freien geistigen Interessen." „Die Dollarprinzesfin" im Thealer des Westens. Die Dollar- Prinzessinnen, einst der Wunschtraum der deutschen Operette und des Films, sind aus der Mode gekommen. Aber Leo Falls melodien- reiche Operette ist lebendig geblieben. Seit 1907, ihrem Erscheinung-- jähr, ist vieles anders geworden, aber musikalisch wie textlich ist die 25jährigc immer noch besser als die meisten der jüngeren. Zum wievielten Male mag die„Dollarprinzessin" im Theater des Westens schon neu herausgekommen sein! Die neue Einftudierung ist wohl- gelungen. Die Melodiensülle schmeichelt sich ins Ohr, die Dialoge zeigen ihre musikalischen Reize, die«»chlager sitzen. Carla Carlse'n ist musikalisch und schauspielerisch frisch und natürlich. Kurt von Russin, Gretl T h e i m e r, Ewald Wenk und Elsa Verna(als komische Alte) sind alle gut am Platz. Bilderankauf der Stadl Berlin. Aus der Großen Berliner Kunstausstellung erwarb die Stadt Berlin folgende Werke: Oelgemälde: Georg Günther„Bafchkir", Alfred Kitzig„Malerbildnis", Georg Paul ..Westhofen Berlin", Hans Steiner„Rotes Tuch", Eduard Zimmer- mann„Begonie": Plastiken: August Rhades„Scheues Kind", Paul Gruson„Bildnis Dr. Sahm". Der Zch-Film, ein amerikanisches Experiment. Eine amerika- nische Filmgesellschaft versucht gegenwärtig das Experiment, den Zuschauer selbst zum Helden des aufgeführten Films zu machen. Sie geht dabei von der technischen Voraussetzung der fahrenden und schwenkenden Kamera aus, die das Publikum mit den Menschen des Films nntwandern läßt. Oft erliegt der Zuschauer der Illusion, selber in dem Film irgendeine Rolle zu spielen. Durch bestimmte Akzentuierung des Stoffes soll diese Empfindung so weit gesteigert werden, daß die vollkommene Illusion des Mitspielens entsteht. Die Handlung ist sehr einfach gehalten. Jemand versucht einen großen Einbruch, wird ertappt und auf der Flucht erschossen. Der Täter bleibt während des ganzen Films unsichtbar, wenn er läuft, so läuft die Kamera, und der Zuschauer glaubt zu lausen. Wer mit dem Täter spricht, spricht den Zuschauer an. Küßt ihn die Geliebte, so stürmt ihre Gestalt aus den Zuschauer los, bis nur ihre Augen riesengroß und ganz nahe plötzlich im Bild bleiben. Und auf den Zuschauer ist auch am Ende die Mündung des Revolvers gerichtet. Das Bild des Raumes saust in die Höhe, so daß der Zuschauer zu stürzen glaubt. Dann ist es dunkel und Schluß. M. d. R. Georg Schmidt, der Vorsitzende des Deutschen Land- arbeiterverbandes, spricht über den Berliner Sender und die Deutsche Welle am Mittwoch, abends 7.35 Uhr, über das Thema„Sind Stadt und Land aufeinander angewiesen?" Sinkender Rauschmiltelvcrbrauch in Deutschland. Wie Ober- regierungsrat Linz vom Reichsgesundheitsamt in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" mitteilt, ist der Verbrauch an medizi- nischen Rauschmitteln im letzten Jahr in Deutschland nach der am l. April 1931 erlassenen Verordnung über die Zlbgabe von Rausch- Mitteln wesentlich gesunken. Im Jahre 1930 wurden in Apotheken 1160 Kilogramm Morphium abgegeben, im Jahre 1931 nur 920. Opium und seine Präparate sanken van 2600 auf 1850 Kilogramm. Prozentual am stärksten ist der Rückgang bei Kokain zu verzeichnen. Statt 412 Kilo wurden nur noch 188 Kilo oerkaust, und man er- wartet ein weiteres Sinken um 80 Kilo. Ein Denkmal für den Wikinger Lcif Eriksson. In Reykjavik auf Island ist am Sonntag ein Denkmal für den Isländer Leif Eriksson eingeweiht worden, der vor Kolumbus in Amerika gelandet ist und daher als der eigentliche Entdecker Amerikas gilt. Das Denkmal ist ein Geschenk der amerikanischen Regierung an das islän- bische Volk. Der Einwcihungsfcier wohnte der amerikanische Ge- sandte und der italienische Gesandte in Kopenhagen bei. Tie Buchhandlung Karl Buchholz, Kurfürstendamm, neben Uhlandeck, zeigt im Juli! August Kopie» der von Leo Frobenius in Südafrika»r- forschten prähistorischen Felsbilder. Haft, waren nichts als Ausflüsse eines schlechten Gewissens, daß selbst die überzeugtesten Anhänger der Partei mißvergnügte Gesichter machten und unbefriedigt nach Hause gingen. Der Beifall war matt, niemand war überwältigt, auch dann nicht, als Straßer die Reklame- trompete mit der Kriegstrompete vertauschte und das„rote Unkermenschentum" innerhalb von 48 Stunden mit Stumpf und Stiel auszurotten versprach. Daß die Nazis an eine Mehrheit der Rechten selbst nicht mehr glauben, ging aus Straßerz Ausführungen hervor, als er sagte: „Wenn jeder Wähler, der am 24. April für uns gestimmt hat, nur 30 Proz. neue Wähler bringt, dann fehlt un, nicht mehr viel zur Mehrheit im Reichstag!" Auch in Fürstenwalde leere Versammlung. Fürsten walde. 18. Juli. Die Naziversammlung in Fürstenwalde, in der Gregor Straßer sprach, war eine große Pleite. Bon 5000 angekündigten SA.- Leuten kamen etwa 900, der Versammlungsplatz war nur halb gefüllt, obwohl auf einem daneben liegenden Rummelplatz schnell Freikarten verteilt wurden, die ober niemand nahm. GA.-Mann als Mörder. Sein Ortsgruppenführer wollte ihm zur Flucht verhelfen. Frankfurt a. d. O.. 19. Juli.(Eigenbericht.) In Jakobsdorf(Kreis Lebus) erschoß der SA.-Mann Karsten, der von dem dortigen Wirtschaftsinspcktor Krämer f ü r l2 Mark eine Mehrladepistole gekauft hatte, um, wie er sagte, damit„Kommunisten über den Haufen zu schießen", den Schweizer Erich M a s s o w. Der Täter sowie der Orts- gruppenfllhrer der SA., der den Versuch gemacht hatte, die Waffe des Mörders zu verbergen und diesem zur Flucht zu verhelfen, sind verhaftet worden. Der Ei»- wohnerfchaft des Dorfes hat sich eine große Erregung bemächtigt. Der Erschossene war gänzlich unpolitisch und in keiner Weise her- vorgetreten. Wetter für Berlin: Wechselnd wolkig ohne nennenswerte Niederschläge, noch ziemlich kühl, mäßige westliche Winde.— Für Deutschland: An der Ostsee noch zeitweise leichte Regenfälle, im übrigen Reiche meist trockenes, aber wolkiges Wetter, im Süden de» Reiches vielfach heiter, überall ziemlich kühl. Arbeiterpartei? Vom Unternehmertum ausgehalten und gefördert. Schon der Name der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei ist eine Lüge und aus den Betrug der Arbeiter berechnet. Eine Partei mit chohenzollernprinzen, Baronen, ehemaligen Generälen und sonstigen„Arbeitern" an der Spitze, die von dem als Scharsmacher bekannten Teil des Unternehmertums in Industrie und Landwirt- schast mit reichen Geldmitteln gespickt und auch sonst in jeder Weise begünstigt und gefördert wird, das ist keine Arbeiterpartei, sondern eine Partei gegen die Arbeiter. Wenn diese hinterkllnftige„Arbeiter"-Partei, die sür den Kamps des Unternehmertums gegen den Marxismus die uniformierte und bewaffnete Knüppelgarde stellt, sich noch obendrein als sozio- l i st i s ch,„n a t i o n a l- sozialistisch" ausgibt, dann ist auch diese Bezeichnung auf Irreführung berechnet. Die chitler-Partei ist nicht sozialistisch, sondern durch und durch unsozialistisch,„nationalsozialistisch", dos heißt ebenso sozialistenfeindlich wie arbeiterfeindlich. Einstweilen bleibt man noch bei dem falschen Firmenschild, im übrigen aber hält man es nicht einmal mehr für notwendig, den Schein zu wahren, weil man sich schon an der Macht glaubt zur Unterdrückung der deutschen Arbeitnehmerschast, zur Zerschlagung der Gewerkschaften. Der rheinische Großindustrielle Frih Thyssen. der mit Hilfe der Nationalsozialisten das„L o h n u n k o st e n- k o n t o" noch stärker herabdrücken zu können glaubt, wirbt jetzt offen sür seine„Arbeiter"-Partei. Der Vortrag, den Hitler im Januar im Jndustrie-Klub in Düsseldorf gehalten hat, wird jetzt durch das Büro des Herrn Thyssen an alle Unternehmer zur Wahlagitation sür die Hitler-Partei verschickt. Ob der Abdruck auch an die Arbeiter verschickt wird, die von den Unternehmern sonst so reichlich mit bedrucktem Papier, Werks- Zeitungen und dergleichen versorgt werden, ist stark zu bezweifeln, da sonst den Arbeitern ein Licht aufginge über den Charakter dieser „Arbeiter"-Partei, die die Arbeitnehmerschast für klingende Münze an das Unternehmertum verraten und verkaufen will. Für ihren Arbeiterverrat hat die„Arbeiterpartei" Hitlers bereits ungeheure Summen als Vorschuß bekommen. Damit diese Kapitalsanlagen sich rentieren, setzt das Scharfmachertum alles daran, seiner„Arbeiter"-Partei zum Wahlsieg zu verhelfen, damit sie„a n die Mach t" kommt. An der gesamten Arbeitnehmerschast liegt es, durch A u f k l ä- rung von Mund zu Mund über das Verhältnis zwischen der nationalsozialistichen„Arbeiterpartei" und dem arbeiterfeind- lichen Teil des Unternehmertums die Eiserne Front so zu stärken, daß das Unheil des Faschismus in Deutschland bei der Wahl am Zt. Juli und darüber hinaus verhütet wird. Landarbeiterlöhne. Männer 7 M. wöchentlich, Mädchen 25 M. monatlich. Den vom Landbund Niederbarnim herausgegebenen„Nicht- linien für die Entlohnung des ländlichen„Gesindes", besagen zu- nächst, daß die in diesen Richtlinien festgesetzten Löhne„unter Be- rücksichtigung der schwierigen Wirtschaftslage nicht zu über- schreiten" sind. „Vielfach wird auch mit geringeren Lohnsähen auszukommen sein." Für vollwertige Arbeitskräfte sind während des Sommers, auch in der Ernte, zu zahlen: Männer wöchentlich 8, Ol M. Bruttolohn, Mädchen monatlich 29,20 M. Bruttolohn. Für Versicherungsbeiträge sind den Männern 1,01 M. wöchent- lich abzuziehen, den Mädchen 4,20 M. monatlich, so daß also der Barlohn noch 7 M. die Woche sür Männer und für Mädchen 2Z M. im Monat beträgt— falls nicht„mit geringeren Lohnsätzen aus- zukommen sein" wird. Grundsätzlich muß nach den Richtlinien„daran festgehalten werden, daß die Arbeitnehmer stets ihren Anteil an den Sozial- lvsten selbst zu tragen haben. Wo bisher höhere Löhne gezahlt wurden, muß versucht werden, durch Vereinbarung mit den Arbeit- nchmern die neuen Löhne einzuführen. Kommt eine Vereinbarung nicht zustande, so ist zum nächsten Kündigungstermin zu kündigen unter gleichzeitigem Angebot eines neuen Vertrages mit den hier festgesetzten Löhnen. Bei allen Neueinstellungen empfiehlt sich die Einstellung unter ausdrücklicher Bedingung des Ausschlusses jeder Kündi- g u n g s f r i st". „Für die Beschaffung von Arbeitskräften wird auf die Stahl- Helm-Selb st Hilfe, Berlin, SW, Waterlooufer, und Frank- furt a. d. O, die ständig Arbeitskräfte vermitteln, hingewiesen. Den Stahlhelmgeist atmet jeder Satz dieser Richtlinien. Wenn Arbeitskräste in häuslicher Gemeinschaft beim Arbeitgeber, also in Kost- und Logiszwang stehen und bei Ausschluß jeder Kündigungsfrist arbeiten, dann können sie jede,, Augenblick auf die Straße gesetzt werden und sind dann ohne weiteres o b da ch- los. Das mag bei Männern weniger schlimm sein als bei Mäd- ch e n, die allein stehen und kaum wissen, wo sie hin sollen. Wird ihnen gar— wie in Streitfällen nicht selten— der restliche Monatslohn einbehalten, dann ist die Verlegenheit erst recht groß. Arbeits- losenunterstützung„sür das ländliche Gesinde" gibt es nicht. Wie sollen solche Richtlinien aber erst aussehen, wenn der Nazi-Stahlhelm zur Macht kommt? Abwälzung der Llrlaubslast. Mißglückte Ausnutzung der Soz alversicherung. Ein großer Arbeitgeberverband kam auf den Einfall, oie Kosten der Urlaubszeit der Arbeitnehmer den Sozialversicherungs- anstalten als Risiko aufzuhalsen. Nach dem Arbeitslosenversiche- rungsgesetz können Arbeitnehmer, die in einer versicherungspslich- tigen Beschäftigung stehen, aber in einer Kalenderwoche infolge Arbeitsmangels die in ihrer Zlrbeitsstätte übliche Zahl von Arbeits- stunden nicht erreichen und deswegen Lohnkürzungen unterworfen find. Kurzarbeiterunter stützung aus Mitteln der Reichs- anstalt erhalten. Aus dieser Bestimmung heraus vertrat der Arbeitgeberverband praktisch die Ausfassung, daß bei Kurzarbeit den beurlaubten Arbeitnehmern lediglich die Tage, an denen im Betriebe gearbeitet wird, als llrlaubstoge anzurechnen sind, so daß beispielsweise bei einem Arbeiter, der den tariflichen Höchsturlaub von 8 Tagen hat, der Urlaub bei einer Kurzarbeit von 3 Tagen in der Woche sich auf 3 Wochen erstreckt und für die Tage, an denen mit der Arbeit ausgesetzt wird, von den Arbeitsämtern die Kurzarbeiter- Unterstützung zu gewähren sei. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung mußte dagegen erklären: „Der Rechtsauffassung, die in dem Schreiben des Verbandes oertreten wird, vermag ich nicht zu folgen. Wenn diesen Wünschen stattgegeben würde, so würde dies darauf hinauslaufen, daß die Kurzarbeilerunlersiühung in diesen besonderen Fällen zu einer zusätzlichen Urlaubsvergütung würde.(Die der Arbeitgeber zu tragen verpflichtet ist. D. Red.) Den Zweck der Kurzarbeiterunterstlltzung sehe ich aber darin, daß' die Belegschaft bei einer Arbeitsstreckung im Betrieb gehalten, und daß ihr zu diesem Zweck der mit dem Arbeitsausfall verbundene Lohnausfall tragbar gemacht werden soll. Die Kurzarbeiterunterstützung würde über dieses Ziel hinaus- schießen, wenn sie auch dazu dienen sollte, dem Kurzarbeiter den Genuß längeren Urlaubs(auf Kosten des Sozialversicherungs- trägers. D. Red.) zu ermöglichen." es die Herren, die sich die Bekämpfung des ' zur Hauptaufgabe ihres Lebens gemacht schön— aber nur für sie. Das ist das, was erstreben und mit Hilfe der„Arbeiter- von ihnen ausgehaltenen Nationalisten am So versuchen „Wohlfah'tsstaates* haben. Wohlfahrt diese Herrschaften parte!" der 31. Juli erreichen werden! wollen. Die Antwort muß deutlich sin Abend Dienstag, den 19. Juli Berlin; 16.03 Deutsche und englische Auffassung von Politik und Zeitfragen(H. von Wedderkop, Rennel-Rodd). 16.30 Klaviermusik. 16.53 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 17.00 Schülerlehrgänge im Deutschen Stadion(Dipl. Turn- und Sportlehrer H. Mensel). 17.20 Humoristische Bücher (H. v. Lichberg). 17.50 Warum eine Badekur?(Dr. M. Hirsch). 18.15 Unterhaltungs- und Tanzmusik. 18.5.3 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Des deutschen Volkes Kampf um seine Existenz(Dr. H. Vockel. Generalsekretär der Zentrumspartei). 19.10 Unterhaltungs- und Tanzmusik. 19.30 R. Schneider- Edenkoben Eigene Prosa. 20.00 Aus München: Abendkonzert. 22.00 Politische Zeitungsschau(Dr. J. Räuscher). 22.13 W etter-, Tages- und Sportnachrichten. Königs Wusterhausen: 16.00 b rauenstunde(Elb Heufi-Knapp). 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Die Kulturgeschichte des Tanzes(Prof. Dr. C. Sachs). 18.00 Der Laie und das Klavier(Prof. K. Schubert). 18.30 Der Verkehr der Zukunft(Dr. Trautvetter). 18.35 W etterbendit. 19.00 Aktuelle Stunde. 19.15 Vereinheitlichung der öffentlichen Haushalte(Min.-Dir. Olscher). 19.33 Afrikanische Vision (v. Hoffer-Reichenau). 22.40 Aus Hamburg: Spätkonzert. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„V orwärts"-Boten oder die Postanstalten. älccanlroorll. füt bie Rebaltion: Rich. Bernstein. Berlin: Anzeigen: Th. Wsode, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag®. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» bruckerei unb Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW K8. Linbenstr. B. Hierzu 1 Beilag«. Nähe Sedier. Gbf. i u. 815. Stgs. 2,5,815 ü. E 7 Weichsel 4031 Der tideie Bauer BiuirmnoeB jeder Art liefert preiswert Paul Golleta vormals Robert Mej Mariannenstr. OberbatuNll aose- Theater SreBe Franilurtir SlraBe 13/ Iii. Wsidnil 1 7 3422 6 und 9 Uhr Die eiserne Innglran Gartenbuhne 5 Uhr Konzert u.Variete Drei arme klein« Mädels WAnt«.' Nachruf. Am Sonntag, dem 17. 6. Mts., entschlief nach langem sehr schwerem Leiben der Kassenangestellte, Herr Paul Luscnnath Während seiner mehr als 20 jährigen Tätigkeit bei der Kasse hat er sich als ein treuer Mtarbeiter und Kollege gezeigt. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren Her VorMonU. die Gesdiäfts- leitung und die Angestellten der Allg. OrtsKrankenhasse tür Deritn-Adlershol u. llmg. Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 20. Zun. l4>/i Uhr. im Kremalormm Baumschulenweg statt. für die Zeit vom 19 bis 21. Juli ooia Potsdamer Straße 38 An der Lützowstraße. Eine amerikanische Tragödie (nach dem Roman von Th. Dreiser) W. 5. 7. 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 An der Pallasstraße. Ein Eled, ein Kuß. ein Jlädel mit Gustav Fröhlich. Martha Eggerth, Fritz Grünbaum Jugendliche haben Zutritt W 5. 7. 9 Uhr Turmstraße 12 Wilsnacker Str. 63. Die Vi'a�serteufe! von Hieflau mit Dina Gralla. Hugo Fischer Köppe.— Die große Liebe mit Hans! Niese.— Jgdl, haben Zutritt W. ab 5 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passage) Hallo. Hallo! Hier spricht Berlin.— Ein besserer Herr gesucht zwecks... mit Szöke Szakall Den ganzen Tag geöffnet. Unter den Linden KINO-TAFEL i—" e s t e n Primus-Palast Die Kamera Unter den Linden 14 Täglich 5. 7. 9 Uhr Kameradschaft(G. W. Pabst).— Im Schatten der Maschinen Ton wochc Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) 9. 12. 3. 6, 9 Uhr Vater geht auf Beisee Ein Lustspiel mit viel Tempo 10.30, 1.30, 4.30, 7.30, 10-30 Uhr Eine Xacht im Grand-Hotel Neueste Tonbild-Reportage Potsdamer Str 19 Ecke Margaretenstr Frau Lehmanns Töchter mit Hansi Niese, Hertha Thiele, Else Elster, Fritz Kampers W. 5.15. 7.15, 9.15 Uhr Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. ab 6.30 S. ab 5 ü. 2 Großtonfilme: Amerikanische Tragödie mit S. Siidney.— Lachendes Leben(Nacklkullur- film) Kur füret w 7 9' Slg 5 7' 9 ühr nun UTS l Slg. 3 Uhr; Jgd.-Vorst. Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Der Sänger von Sevilla mit Ramon Novarro.— Tonbeipr. Tivoli W. 6%, 9, S. 5, 6H,£ Stgs. 3 Uhr: Jugend vorstell Berliner Straße 97. Großtonfilm: Der blaue Engel mit Emil Jannings. Marlene Dietrich.— Tonbeiprogramm W MarlendorF W Wfsw IT Mariendorfer Wo. 7, 9, lfiUmMjl Tonlichtspielo So. 5, 7, 9 Chausseestr. 305. 2 Tonfilme: Die Frau, von der man spricht mit Mady Christians.— In 80 Minuten um die Welt mit Douglas Fairbanks W Schöneberg W Alhambra Tonrfim Hauptstraße 30. 2 Tonfilme; Zweite Wochc verlängert: Der blaue Engel mit Marlene Dietrich.— Anna Christie mit Greta Garbo Titania Schöneberg Hauptstr. 49 W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. S, 1. 9 ühr Die Flucht von der TeufeU- ln«el— Der Stumme von Por- tlci mit Bzaknll.— Tonwoche Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinslraße 65. Beg. 7. 9 Uhr. Sbd.. Slg. o,?. 9 Uhr Um eine Xasenlänge mit.Siegfried Arno. Lucie Englisch.— Beiprogramm.— Jugendl. Zutritt WilmersdorF Atrium Wochent. 7, 9M ü- Slg. 5, 7. 91/i U. Kaiseraliee, Ecke Berliner Straße Uraufführung; Die grausame Freundin mit Anny Oicdrn. Fr. Rasp, Werner Fütterer, Olga Limburg. Regie: Carl Lamac.— Foxtonwoche— G. Tonbeipr. M Stegllt» B Titania-Palast sTÄao.Sü. Steglitz. Schloßstr. 5. EckeGutsmuthsstr. Urauff.I Jonny stiehlt Europa mit Harry Fiel, Dary Holm, Alfred Abel. Regie; Harry Fiel Tonbeiprogramm— Tonwoche Jugendliche haben Zutritt c Zehlendorf-Mitte 7/» Ii Beginn tägl. 5. 7. 9 Uhr £*"11 Stg. 3 Uhr Jugendvorstell Potsdamer Str. 56. Hango(Der Raubtierfilm aus den Dschungeln Sumatras),— Fernlenkschiff Zähringen. Jugendliche haben Zutritt W1 Am Müllerstraße 136. Altiamora Ecke Seestraße Wochent. ab 5 Uhr Sonnt, ab S Uhr Hallo, Hallo! Hier spricht Berlin! mit Karl Stcpanek. Joselte Day.— Slims Pariser Abenteuer P a n k o E=3 Palast-Theater Breite Straße 21a. Der bjaue Engel mit Em. Jannings. Marlene Dietrich, Rosa Valetti, Hans Albers u.a, Wochentags 7 u. 9 Uhr föeilage Dienstag, 19. Juli 1932 DrrSbmt SfiaJauigaße da[orunisk Einigkeit /Aktivität/ Disziplin Wie steht die Frau dazu?/ von Dr. Eise Möims Sie Reichstagswahlen fallen in eine Zeit größter wirtschaftlicher Not. Arbeitslosigkeit, Hunger und Verzwesflung lasten auf den breiten Massen des Volkes. Frauen fühlen dieses Elend besonders hart und schmerzlich, weil sie in den meisten Fällen keine Möglich- keit besitzen, ihre Familien davor zu bewahren. In dieser Zeit ergeht der große Ruf der Eisernen Front nach Einigkeit, Aktivität und Disziplin,«in Ruf, der jede Frau über ihr indivi- duelles Schicksal hinausweist,«in Ruf, der viel verlangt, der aber auch viel zu geben hat. D«s gemeinsame Schicksalsband. Wenn man heute mit Arbeiterfrauen, ob sie sozialdemokratisch oder kommunistisch eingestellt sind, spricht, so wird man überall bereits für die erste Forderung der Eisernen Front starke Bereit- schaft und weitgehendes Verständnis finoen. Auch die kommunistische Frau fühlt heute, daß wir nicht nur in einem heißen Kampf der politischen Parteien stehen, sondern daß es in diesem Ringen um viel mehr geht: Es handelt sich darum, den e n t- scheidenden Wegweiser für die Zukunft aufzustellen. der Millionen nach links oder nach rechts weist, in die Freiheit oder in die Knechtschaft. Auch der kommunistischen Frau aber steht trotz aller Parteiparolen gegen die Sozialdemo- kratie unser Programm näher als die Weltanschauung national- sozialistischer Unternehmerfreunde. Viel stärker als Verhetzung und Verleumdung ist das gemeinsame Schicksalsband, das in der Praxis des Lebens die arbeitenden Männer und Frauen zu einer großen Einheit zusammenschließt. Gerade die Frau aber hat ein feines Gefühl dafür, daß dieses Band nach einer entscheidenden Tat verlangt, trotz gegenteiliger Theorien. Die Berufsfrau, die Arbeiterin der Fabriken, der Betriebe und Werkstätten und die Angestellte haben feit 1918 an sich selbst erlebt, was Mathilde V a e r t i n g in ihrem Werk„Soziologie und Psychologie der Macht" wissenschaftlich nochweist und begründet, daß nämlich jeder materielle uno kulturelle Aufstieg der Arbeiterklasse auch einen Ausstieg im sozialen Leben der Frauen und der Jugend- lichen erfolgen läßt. Unzählige Frauen aber sind sich heute mehr als jemals der ausführlich begründeten Warnung eingedenk, daß umgekehrt ein Rückschlag im sozialen Leben der Arbeitnehmer unentrinnbar auch den Rückschlag im sozialen Leben der Frau und des jugendlichen Menschen mit sich bringt. Dieser Rückschlag ist mit dem Augenblick eingetreten, als die Macht der Gewerkschaften durch Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und politische Unvernunft bedroht war. Auch die politisch uninteressierteste Frau spürte am«ige- wen Leibe die Härte dieses Rückschlages, der sich in rigorosen Ärlleitsbedingungen, in Lohnabzügen und Entlassungsmaßnahmen äußerte. ' So sind sich viele heute klar darüber geworden, aus ihrem eigenen, praktischen Erleben heraus, daß ein weiterer Rück- schlag, den die nationalsozialistische Welle schon in Bereitschast hält, das gesamte soziale und kulturelle Werk der Ar- beiterschaft und damit auch der Frauen und Jugendlichen unter sich begräbt. Denn, um nur ein einziges Beispiel, das Gebiet der Ge- setzgebung, herauszugreifen: Das Jugendwohlfahrtsgesetz, das Jugendgerichtsgesetz, die Reform des§ 218 und das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten konnten, als Erfolg der Frauenarbeit, nur in einer Zeit verabschiedet werden, in der von diesem Rückschlag noch nichts zu spüren war. So ist in den Jahren nach 1918 der sozialdemokratischen wie der kommunistischen Frau, ob sie Hausfrau oder Berufssrau war, aus eigener Anschauung deutlich geworden, was das sozialistische Programm schon immer betonte, daß es nämlich keine Frauenfrage gibt, die nicht teil hätte an dem großen, allgemeinen sozialen und Wirtschaft- lichen Problem der gesamten Arbeiterschaft. Die Front der geistigen Berufe. Diese Front der Arbeiter und der Frauen ist auch gleichzeitig eine Front der geistigen Berufe, soweit ihre Trägerinnen auf freiheitlichem und sozialem Boden stehen. Viele von ihnen sind nicht, wie der Arbeiter, hineingeboren in die Welt der Fabriken und deshalb von Kindheit mit proletarischen und sozialistischen Problemen in Theorie und Praxis verbunden. Vielen fehlt deshalb bis heute ein klares Bewußtsein ihrer Lage, die sich oft durch nichts von der Lage des Handarbeiters unterscheidet und damit auch die Kenntnis wirtschastlicher und sozialer Zusammenhänge. Auch dieser Schichten des geistigen Rachkriegsprole- tariats sich anzunehmen und sie der großen Einheitsfront zuzuführen, ist eine Ausgabe der sozialistischen Frau. Hier gilt es, das Mißtrauen in den eigenen Reihen, die Furcht vor einer„Verbürgerlichung" zu überwinden und sich dessen eingedenk zu sein, daß nicht immer das Milieu der Geburt, sondern geistige und seelische Haltung des einzelnen ausschlaggebend sind.„Wir deutschen Sozialisten sind stolz darauf, abzustammen nicht nur von Saint Simon, Fourier und Owen, sondern auch von Kant, Fichte und Hege l." Dieses Wort von Engels, das er in der Vorrede zur ersten Auflage seiner„Entwicklung des Sozialismus von>der Utopie zur Wissenschaft" schrieb, kann gerade heute vielen von denen, die unschlüssig und politisch heimatlos beiseite stehen, den Weg dahin zeigen, wohin sie nicht nur ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage, sondern auch ihrer geistigen, freiheitlichen Hal- tung nach gehören und Wurzel schlagen müssen. Es ist der Weg, den kein geringerer als Zarl Marx selbst gegangen ist, bevor er zu dem Schöpser einer selbständigen, neuen großen Ideenwelt heranreifte. Von der Erkenntnis zur Aktivität? So ist die sozialistische Frau der Gegenwart berufen, Ver- Mittlerin zwischen Welten zu sein, die in der Praxis des Lebens wie dem geistigen und seelischen Inhalt nach heute bereits zu einer Einheit geworden sind, deren Vertreter aus Gründen aller Art jedoch immer noch zögern, die Einigkeit über das Trennende zu stellen. Diese vermittelnde Tätigkeit ist ein Teil der kämpferischen Aktivität, der zweiten großen Forde- rung der Eisernen Front an die Frauen, die alles Kleinliche, Trennende um des Zieles und der großen Linie in die Zukunft willen aus dem Wege räumt. Diese Aktivität braucht nicht ver- I bunden zu sein mit dem Stehen an sichtbarer Stelle oder mit der ! Propaganda der Versammlungen. Auch die Hausfrau kann aktiv tätig sein und der Freihest von Millionen zu ihrem Ziel ver- Helsen, wenn sie sich täglich in der Erziehung ihrer Kinder und im Zusammenleben mit dem Manne dieser Aufgabe bewußt ist, und wenn sie im Gespräch von Frau zu Frau für die Ideenwelt des Sozialismus wirbt. Oft genügt«ine Frag«, ein Hinweis, um Interesse zu wecken, oft bedarf es nur weniger sachlicher Erklärun- gen, um andere zum Nachdenken zu veranlassen und ihr politisches Verantwortungsgefühl zu wecken. Selbstzudit! Disziplin? Mit dieser Aufgabe der Aktivität untrennbar verbunden ist für den Sozialisten die Forderung der Disziplin. Einer Disziplin, vi« nicht von außen aufgezwungen wird, sondern in freiwilliger Selbstzucht und Besonnenheit besteht. Leider sind im heutigen Deutschlano zuin großen Teil politische Methoden üblich geworden, die eines Kulturvolkes nicht würdig sind. Es ist die Ausgabe der sozialistischen Frau, dieser Verrohung eine politische Propaganda gegenüberzustellen, oie ohne Rücksicht auf den Selbstverständlich halten es die Nationalsozialisten nach dem Worte:„Wie er sich räuspert und wie er spuckt, das wird ihm weid- lich abgeguckt". Mit einem Nachahmungstrieb ohnegleichen schielen sie nach Italien und treten auch das Geringste breit, das unter dem strahlenden Himmel Mussolinis geschieht. Da hat der D u e e neulich ein Gespräch mit der Frau des bulgarischen Gesandten in Rom über die moderne Frau und die Forderungen, die er an die Frauen stellt, gehabt. Die nationalsozialistischen Zeitungen gaben es wieder als der Weisheit letzten Schluß, und da sie es ohne Kommentar brachten, darf man wohl annehmen, daß sie es als Krönung ihrer eigenen Haltung auffaßten Es wäre reizvoll, jeden einzelnen Satz dieses Gespräches ans Licht zu halten, um zu sehen, was dann von ihm übrigbleibt und was vor den Tatsachen des wirklichen Lebens standhält Wir wollen uns mit einigen begnügen, die aus einer Dunkelmännerperspektive heraus gesagt sind, aber so scheinen, als seien es die herrlichsten Ideale, würdig, von jeder Frau gelebt zu werden. Also sprach Mussolini.... Mussolini sagte, daß die Frau vor allem die ihr gestellte Auf- gäbe erfüllen müsse, eine gute Mutter zu sein und der Gesell- schast geistig und körperlich tüchtige Kinder zu schenken, sie mit tiefer Liebe zum Vaterland zu erfüllen, sie im Geiste strenger Disziplin und hoher Moral zu erziehen. Die Mutter müsse wissen, daß sie ihre Söhne nur bis zum zehnten Lebensjahr richtig erziehen könne: später würde die mütterliche Zärtlichkeit für die Söhne schädlich sein. Sie müssen daher einer staatlichen Einrich- tung übergeben werden... Die Mädchen müssen dagegen von früh an in dem Gedanken erzogen werden, später gute Mütter und Gattinnen zu sein. Darum sei es für die weibliche Jugend un- nötig, sich mit dem Studium unanwendbarer Wissen- s ch a f t e n zu belasten, die sie im Leben weniger brauchen als Kenntnisse über Hygiene, Kindererziehung, neue Sprachen, Ge- schichte... Oberstes Gesetz für die Frau müsse aber auch sein, stets die weibliche Grazie zu pflegen, anziehend zu sein— den Gatten zu unterhalten und von seinen Sorgen abzulenken. Wenn auch nicht jede Frau schön sein könne— stets sympathisch zu wirken, müsse ihr Bemühen sein. Von der„emanzipierten Frau", von der Frau in männlichen Berufen will Mussolini nichts wissen und hält die Ausübung männlicher Berufe nur für solche Frauen erlaubt, die eine Familie erhalten müssen oder die sich nicht verheiraten können, oder Witwen geworden sind.— 1. Die„natürliche" Aufgabe. Hat nicht schon die„natürliche" Aufgabe der Frau ihre Grenzen? Gewiß hat die Natur die Frau zum Kindergebären eingerichtet— wo bleibt aber das von Mussolini geforderte Muß zur Erfüllung dieser Aufgabe, wenn schon die biologischen Voraussetzungen fehlen, die die Gesellschaft, die von der Frau Kinder fordert, selbst zerstört hat: in allen Ländern, die Krieg geführt haben, besteht ein überwältigender Frauenüberschuß: Millionen von Frauen müssen allein leben und können ihre„natürliche" Aufgabe gar nicht erfüllen, selbst wenn sie es möchten. Nur selbstbewußte Frauen bringen die seelische Kraft auf, sich uneheliche Kinder zu wünschen und die in einer Welt voller Vorurteile und größter wirt- schaftlicher Schwierigkeiten zu erziehen. Gilt doch hier noch immer als Fluch, was im anderen Falle als Segen und Glück hin- gestellt wird. 2.„Tüchtige" Mnder. Mussolini wünscht aber geistig und körperlich tüchtige Kinder! Wie widernatürlich müßte eine Frau sein, wenn sie nicht auch solche Kmder wünscht!! Hängt das aber von dem Wollen der Frau ab oder davon, daß sie nur solche Kinder gebären kann, zu denen ihr eigener Körper und Geist leistungsfähig sind? Die geistige Tüchtig- keit wollen wir einmal ganz beiseite lassen, denn es kommt oft genug vor, daß in den kultiviertesten und geistvollsten Familien überaus schwache Begabungen zur Welt kommen. Tut aber die Gesell- schast, die körperlich tüchtige Kinder fordert, alles, um für sie die Voraussetzungen zu schassen? Sorgt sie für gesunde Mütter? In ihrem Stolz aus die neuen Uniformen werden die Nazis keinen Blick mehr für die Elendsgestalten der proletarischen Mütter hoben. Die große Mehrzahl scheint Käthe Kollwitz Modell gesessen zu haben— von dem Ideal der gesunden und schönen Frauengestalten, die Mussolinis Pathos erblickt, ist unter Augenblickserfolg der sachlichen Arbeit und einer höheren ethischen Auffassung die Wege ebnet. Was für viele unserer Gegner ein Schlagwort ist, die Entgiftung der politischen Atmosphäre, das ist für die Frau eine praktische Aufgabe von unerhörter Eindringlich- keit. Sie ist schwer zu erfüllen in einer Zeit der B e s ch i m p f u n- gen, der Roheitsdelikte und M o r o e, in einer Zeit, in der Zerstörungswut über den Aufbauwillen zu triumphieren scheint. Für die s o z i a l i st i s ch« Frau aber, die im Militärstaat gegen den Wahnsinn des Krieges, im kapitalistischen Staat gegen Unter- drückung und Ausbeutung, für Freiheit und Menschlich- keit ihre Stimme erhob, ohne die Machtmittel der Faust zu fürch- ten, ist diese Aufgabe nichts weiter als ein selbstverständliches Teil- gebiet ihrer großen Gesamtarbeit, ihres Ringens um eine höhere Sittlichkeit, um bleibende kulturelle Werte der Völker. Diese im Ethischen verwurzelte, unerschütterliche geistige Basis gibt der sozialistischen Frau der Gegenwart die innere Berechtigung, neue Anhänger und Freunde zu werben. Sie gibt ihr die Krast, der schweren wirtschaftlichen Not standzuhalten und den großen, starken Optimismus, der gerade deshalb, weil er die Gegenwart klar erkannt hat, alles einsetzt für die Gestaltung der Zukunft. ihnen wenig zu finden. Die stolzen Römerinnen, die von den Kul- turdenkmälern vergangener Epochen auf ihn herabblicken, werden auch im heutigen Italien dünn gesät sein und mehr die Wunsch- träume des Duee bevölkern. Die heutigen Mütter sind zum großen Teil unterernährt, besonders dann, wenn sie schon mehrere Kinder zur Welt gebracht haben. Krieg, Inflation, Arbeitslosigkeit, Dauerkrise verschlechtern in den Müttern immer mehr das Erbe, das sie ihre» Kindern mitzugeben haben. Was die Neugeborenen aber in einem Lande von Unter st ützungsempfängern erwartet, das gibt keine Gewähr sür„geistige und körperliche Tüchtigkeit". Die„Stützen der Gesellschaft" haben aus einem wirtschaftlich blühen- den Lande einen Friedhof gemacht— einmal durch Massenmord, nun durch Massenhunger. Die ehemals sausenden Maschinen werden verschrottet, die Fabriken abgerissen und die Hände dürfen feiern, damit ihre Träger als„Wohlsahrtsstaatsangehörige" be- schimpft werden können. Aber, was kümmert das die Nazis: Her mit den geistig und körperlich tüchtigen Kindern! 3. Die„weibliche" Grazie. Man pflege die weibliche Grazie, sei anziehend, unterhalte den Gatten und lenke ihn von seinen Sorgen ab! Leben die Faschisten eigentlich auf dem Monde? Oder haben sie das Weltenrad um Jahr- hunderte zurückgedreht? Die Frauen werden leider gezwungen im H e u t e zu leben, in dieser unerbittlichen Wirklichkeit, die ihnen so viel Sorgen auflädt, daß vielen von ihnen kaum noch Zeit zum Seufzen bleibt. In jeder Frau lebt wohl der Wunsch nach weiblicher Grazie, auch in der verborgensten Gestalt, und auch in den Frauen, die einen scheinbar„männlichen" Habitus angenommen haben. Aber ist das ein Lebensinhalt? Lebt die Frau um weibliche Grazie zu pflegen, um den Männern zur Unterhaltung zu dienen? Mussolini drückt hier dasselbe mit einem Schein von Courtoisie aus, was die deutschen Faschisten von der Frau als„Magd und Dienerin" zweitrangigen Menschen. Jede Frau müßte gerade wegen ihres Frauentums sowohl der Sozialdemokratie als auch der Wirtschaft- lichen Entwicklung dankbar sein, die ihr den Weg zur Selbständig- keit, zur Gleichberechtigung und damit zur Befreiung ihres Frauentums gezeigt haben. Was die Männerwelt von„Mägden und Dienerinnen" zu erwarten hat, dafür ist unsere ganze heutige Welt ein geradezu entsetzliches Beispiel. Die Faschisten sollten selbst be- denken, daß sie auch von solchen Frauen geboren wurden, die ihre Väter zu Mägden und Dienerinnen degradierten— die Erziehung dieser Mütter hat zu nichts anderem gelangt, als daß immer wieder Chaos, Krieg, Not und Elend von ihren Söhnen über die Welt geschüttet wurde, durch die Unschuldige leiden müssen. Es wird endlich Zeit, daß der Mann auch um seiner Fortentwick- lung willen, die gleichwertige Frau anerkennt! Der Weg der Zu- kunst geht mit der Frau, nicht über sie hinweg! 4. Frau und Erwerbsleben. Daran ändern auch die Bestrebungen nichts, die die Frau wieder aus dem Erwerbsleben heraus haben und die ihnen auch die errungenen Bildungsmöglichkeiten wieder beschneiden wollen. Mussolini hält Hygiene, Kindererziehung, neue Sprachen und Geschichte für ausreichend in der Frauenbildung Männliche Berufe hält er nur für solche Frauen erlaubt, die eine Familie erhalten müssen oder die sich nicht verheiraten können, oder Witwen geworden sind. Er übersieht vollkommen seinen eigenen Widerspruch! Woher sollen denn die kleinen Mädchen, die erst in die Schule geschickt werden, wissen, wieviel sie lernen müssen, um einmal evtl. auch aus den zugestandenen Gründen einen männlichen Beruf ergreifen zu können? Vielleicht liest Mussolini jedem einzelnen italienischen Mäd- che» schon als kleines Kind aus den Handlinien die Zukunft. Dann können sie sich freilich darauf einrichten. Im anderen Falle wird das schon früh auf die Ehe dressierte Mädchen arg Schiffbruch er- leiden, wenn es„keinen abkriegt" und wieder jenes traurige Bild der hilflosen bespöttelten„alten Jungfer" heraufbeschwören. Jedes Mädchen tut gut, sich von den Notwendigkeiten der Wirk- lichkeit beraten zu lassen. Sie sollten alle Möglichkeiten, die sie auf den Weg zu einer selbständigen Frauenpersönlichkeit führen, aus- nutzen, damit sie mit innerer Festigkeit selbst das schwere Leben be- wältigen lernen. Magd und Dienerin ist das Ideal von Knechtseelen. die sich von oben beherrschen lassen, aber unten jemanden brauchen, um o u ch herrschen zu können. Hoffentlich können die kommenden Frauengeschlechter schon bald jene alte Märchw.sorrnei««wenden: Es war einmal.... Fraiieiiicleale biihI IVirklielikeit Ansemaiidersetzim� mit jflussoltiil/ Von Trnde IViechert Wenn man nach Amerika f ähri ,Mach einen hübschen Knicks, mein Kind, wenn du drüben ankommst!" Am Sonnabend sind also die deutschen Teilnehmer an der bürgerlichen Rekordoly in p i a d e in Los Angeles in New Bork eingetroffen. Fllnfundachtzig aktive Kämpfer aller Sport- arten und an die 3mmer 41:. Mcnsch und Maschine".— Humdoldthain: Willdenow. strafte 5 tZimnicr 13); Walzeilebnissc.— Sesundbrunnen: Ab 18 Uhr Spielwiese Rehbcriit.— Norden: Abendwrinderung.— Friedrichshain: Franisurter Allee 307: Heiterer Leseabend.— Osten: Ebcrtpstr. 12:„Parlamentarisches" tMadcrholz).— Friedenau: Osfenbacher Str."m.— Oberschöneweide: Lausencr Straße 2: Abendspazicraang.— Mittwoch, 20. Juli. Osten, Jugend: Frank- furter Allee 307.— Neinickendors-Wittenau: Hauptftr. 19, im Jugendheim.— Donnerstag, 21. Juli. Photo.Arbsitsgemcinschaft Rowack: Sokannisstr. 15.— Naturkundliche Abteilung: Johannisstr. 15:„Darwin und wir".— Rosenthaler Vorstadt: Weinmeistcrftr. 10—17.— Tiergarten: Lehrter Etr. 18—19, Zimmer l: Dcsangsabend.(Liederbücher mitbringend— Humboldthain: Pank. Ecke Wicscnstrafte: Singckrcis.— Prenzlauer Vera: Danziger Etr. 02, Baracke II: Abendwanderuna Saatwinkel. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Kartenfeld.— Vineta. platz: Schönhauser Vorstadt.— Südwest: Borckstr. 11: Heimabend.— Arbeit«. gemeinschaft Lindenhof: Im Jugendheim Lindenhof Liederabend.(Liedcrbllcher mitbringend— Lichtenrade: Lcntz. Zlaiser-Dilhelm-Str. 73: Mikroskopischer Abend.— Neukölln: Bergstr. 29(Raum 1): Brettspielabend.— Lichtenberg: Kunterltr. 4». Siuoerpereia Eollcgia. Fahrtenanfetzung Sonnabend und Sonntag im Bootshaus. Mittwoch� 20. Juli, 20 Uhr, Frauenversammlung in der Ecschästs. stelle, Elsaffer Str. 80-85. 17.«rci» Lichtenberg. Alle Hunbertschaftsmitalieder und Frauen der Kartell. vereine Donnerstag, 21. Juli, 19 Uhr, vor der Schulaula Schlichtallee antreten. Frauen Sportkleidung mitbringen. Frauen der Sparte Waffersahrer! Mittwoch, W. Juli, Sitzung in der gelegenheitcn des deutschen öffentlichen Lebens gewidmet hat, jetzt in einem Band gesammelt.(Heinrich Mann,„Das öffentliche Leben", Verlag Zsolnay, Wien, Berlin.) Es gibt eigentlich kaum etwas, wozu sich ein repräsentativer Romancier nicht äußern sollte. Er muß für ein Ehrenmal zum Gedenken Gustav Stresemanns eintreten, gegen Zensur wettern, er schreibt über Berliner Siedlungen, über dos Ostfeebad Heringsdorf als Vorort Berlins, er würdigt seinen Bruder Thomas Mann am Rundfunk, er steht Franzosen, die an der geistigen Lage Deutschlands interessiert sind, Rede und Antwort. Ich deute die Vielfalt dieser Inanspruchnahme hier nur an. Man wird es deshalb verstehen, daß Heinrich Mann nicht über alle Dinge gleich Belangvolles zu sagen weiß. Die kleine Rede über Lessing oder der Aussatz über Goethe enthalten kaum eine neue Note, sie beschränken sich auf Allgemeinheiten: ebenso erfaßt der Nachruf für Stresemann kaum das Charakteristisch« dieses be- deutenden Politikers. Aber darauf kommt es nicht an. Man möchte angesichts der starken und wirklich tiefen Betrachtungen, die dieser Band enthält, wünschen, daß Heinrich Mann es in Zukunft ablehnen sollt«, über Dinge zu sprechen, die ihm nicht gemäß sind. Es gibt solche Dinge. Aber es gibt andererseits Angelegenheiten des öffent- lichen Lebens, über die Heinrich Mann als Berufener spricht. Die Analyse, die den Titel führt:„Die Wege des Geschlechtslebens" wird zu einem gedrängten Abriß der neuzeitliche» Sittengeschichte, der Aussatz über„Die geistige Lage" skizziert die Soziologie des Romans der Gegenwart, in der der Roman als S i n n d e u t u n g des gesell- schaftlichen Lebens von der lediglich beschreibenden Reportage ab- gehoben wird. In dem Artikel„Wir wählen" steht eine Charakteristik des Nationalsozialismus, die man in ganz Deutschland plakatieren sollte: eine in französischer Sprache abgefaßte Abhandlung über„Die Lage Deutschlands"(La Situation de rAllemagne) schließt an: sie zeigt uns Heinrich Mann als mutigen und kritischen Republi- kaner, weshalb die Rechte ihn gern als„Asphaltliteraten" verfemen möchte. Weit» es deutsche Staatsrcchtslehrer gibt, die von der dcutschen Republik behaupten, daß sie keine Staatsidee hätte, so mochte man sie auf dieses Buch verweisen— mit all den vielen anderen, die die Zeichen der Stunde noch nicht verstanden haben—, auf ein Buch, das wahre deutsche Gesinnung mit einem aufrechten europäischen Kulturbewuhtsein organisch verbinden. I. F. Mayer.