Morgenausgabe 5!r. 337 A 166 49. Jahrgang Wöchentlich 75 Pi.. monatlich 3,25 M. (davon 87 Pf, monatlich für Zustellung ins Haus> im voraus zahlbar. Postbezug 3,S7 M. einschließlich 50 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf.Poftbestellge- bühren. Auslandsabonnement 5,55 M. pro Monat; für Länder mit ermäßig» tem Druckfachenparto 4.55 M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Erscheinungsweise und Anzeigenpreise stehe am Schluß des redaktionellen Teils. Mittwoch 20. 3ull 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 Pf. Vevttnev Vvttsbßatt Jentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutscht Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 fternspr.; Dönhoss(A T) 292— 297. Telegraurm-Adr.; Sozialdeuiokral Berlm, Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postschecktomo: Berlin?? öSK.— Bankkonto; Bankder Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr. S, Dt.B.u.DiZc.-Ges., Depositenk., Jernjalenter Str. SS'Kv ttsncis v/eg von Preußen! Nazi-Kerrl fordert Reichskommissar. Der Präsident des preußischen Landtags, Herr S e r r l, hat an Herrn v. Papen einen Brief geschrieben, in dem er die Einsetzung eines Reichskommissars für preuhen fordert. Zugleich wird bekannt, dah der Reichskanzler am heutigen vormittag den Besuch der preuhischen Minister h. r t s i e f e r und S e v e r i n g erwarte», mit denen er sich über innenpolitische Ziagen unterhalten will. Herr v. Papen wird also rasch Gelegenheil haben, Farbe zu bekennen und zu sogen, wie er sich zu dem dreisten Ansinnen Scrrls stellt. * Hinter Kerrl steht selbstverständlich die Nationalsozia- listischc Partei, die mit ihrem Verlangen nach einem Reichs- kommissar der Reichsregierung ein neues Ver- trauensvotum ausstellt. Sie würde natürlich den Reichskommissar nicht verlangen, wenn sie nicht zur Reichs-� regierung das Vertrauen hätte, daß ein von ihr einge- setzter Kommissar sich den nationalsozialistischen Wünschen ge- fügig zeigen würde. Dieses Vertrauen der Nationalsozia- listischen Partei zur Regierung Papen ist vollauf berechtigt. Desto schamloser ist die Verlogenheit der Nationalsozialisti- schen Partei, die ihr enges Vertrauensverhältnis zu der Re- gierung Papen vor den Wählern zu leugnen bemüht ist. Das Schreiben des nationalsozialistischen Landtagspräsi- denten besteht aus einem langen„staatsrechtlichen" Teil und einem kürzeren politischen Teil. Der erste Teil ist so, daß er allen Studierenden des Staatsrechts als humoristisches Paradcstück einer Bierzeitung empfohlen werden kann. Er gipfelt in dem„Beweis", daß die Mehrheit des Landtags, die einen Naziministerpräsidenten nicht will, aus„ver- fassungsmäßigen" Gründen eigentlich gezwungen wäre, einen solchen Ministerpräsidenten zu dulden. Auf die Einzelheiten dieser„staatsrechtlichen" Turnkunststücke einzugeben, er- übrigt sich. Etwas' mehr wird jedoch über den politischen Teil des Schriftstücks zu sagen sein. Er hat folgenden Wortlaut: Mit tiefer Besorgnis habe ich weiter in den letzten Monaten beobachten müssen, wie sich die kommunistische und sozialdemokratische Propaganda unbehindert über- steigern durste, wie in ihrer Auswirkung die Unsicherheit im Lande anwuchs und Uebcrsäile und Morde sich van Tag zu Tag in erschreckendem Matze mehrten. Ich Hab« nicht die Ueberzcugung gewonnen, datz von jeiten der geschästs- führenden preußischen Regierung die ihr zu lSebote stehenden Machtbefugnisse in der Weise gebraucht worden sind, wie es zur Verhinderung des Schwindens der Staatsautorität notwendig gewesen wäre. In diesem Verantwortungsgefühl gegen- über der Mehrheit des Volkes, das der Landtag vertritt, und aus der Ueberzeugung heraus, daß die Mehrheit des Volkes den be- stehenden' Zustand nicht billigt, holte ich mich persönlich für ver- pflichtet, bei der Reichsregierung anzuregen, ob nicht bis zur Wiederherstellung oerjassungsmätziger Zustände in Preußen d: e Polizeigewalt besser vom Reich übernommen wird. So schreibt der Präsident, der es erlebte, daß seine eigene Fraktion wie eine Horde betrunkener Rowdys über eine andere Fraktion herfiel. So schreibt der Mann, dessen Partei sich täglich in Ausdrücken viehischer Roheit und in ekelhaften Drohungen mit Mord und Totschlag überschlägt! So schreibt ein prominenter Vertreter einer Partei, deren Anhänger täglich Ueberfälle aus politische Gegner und aus die Einrich- tungen gegnerischer Parteien verüben, ohne daß die Partei es auch nur in einem einzigen Fall für nötig gehalten hätte, von solchen Taten öffentlich abzurücken. Der Ueberfall auf Otto Wels, der Angriff auf den„V o r w ä r t s" sind ebenso wie Hunderte von Fällen ähnlicher Art von der nationalsozialistsschen Parteileitung gedeckt, von der national- sozialistischen Presse beschönigt worden. Dutzende von Ar- beitern sind getötet worden, wobei unzweifelhaft SA.- Leute die unprovozierten Angreifer waren— niemals hat die Führung es für notwendig gehalten, auch nur eine War- nung auszusprechen. Im Gegenteil hat sie durch eine ver- logene Bluthetze die Leidenschaften immer mehr gesteigert. Für das meiste Blut, das bisher geflossen ist. trägt sie die Verantwortung. Das weiß natürlich dieser Herr Kerrl genau so gut wie jeder andere. Wenn er es trotzdem fertig bringt, der Sozial- demokratie, die täglich vor angriffsmäßigen Gewalthandlungen warnt, die Schuld an Mord und Ueberfall zuzuschieben, so zeigt er damit nur, daß er an Geist und Charakter ein echter National- sozialist ist! Herr v. Papen ist aufgefordert, einen Mann von der Denkungsart der Kerrl und Röhm, der Kube und Heines als Landvogt über Preußen einzusetzen. Zwar kann man sagen, daß das preußische Volk für die tolle Land- tagswahl vom 24. April eine Lektion verdient hat, doch wäre eine solche Züchtigung zu hart. Am meisten wäre d i e brave preußische Polizei zu bedauern, die sich mit fast übermenschlichen Kräften bemüht, das Leben der Staats- bürger zu schützen und nach allen Seiten gerecht und un- parteiisch zu sein. Jeder Versuch, sie zum Instrument einer gewissenlosen Parteidiktc�ur zu machen, mühte zu einer Unzahl persönlicher Tragödien und politisch zu den allergefährlichsten Verwicklungen führen. Der Reichskommifsar in Preußen kann nicht Ordnung schaffen. Er soll nach den Wünschen derer, die ihn fordern. es auch gar nicht tun. Seine Einsetzung soll nur ein weiterer Schritt auf dem Wege zum Krieg alles gegen alle sein, der sich immer weiter ausbreitet, je mehr sich die Reichsregierung den nationalsozialistischen Wünschen ge- fügig zeigt. Reichskommissar ist Staats st reichkom- m i s s a r, in den Augen der verfassungstreuen Bevölkerung ein Gewalthaber ohne Recht. Reichskommissar bedeutet nicht Ordnung, sondern Chaos, nicht weniger Blut, sondern mehr — niemand kann sagen wieviel! Reichskommifsar ist der Name des Instruments, mit dem eine gewalttätige Minder- heit nach der politischen Macht greift. Hände weg von Preußen? Im Zeichen der Freiheit! Massenkundgebung der Eisernen Front. Der große Gedanke der Freiheit ist unbesiegbar. Orr trotzt jedem Verbot, und je mehr man ihn bekämpft und mit Verboten bedroht, um so sieghafter erhebt er sich. Tas bewies aufei neue die große Wahlkundgebung, die gestern von der Gisernen Front in der Neuen Welt in der Hasenheide veranstaltet wurde. Schon lange vor l» Uhr strömten die Menschen her- bei. Bald war der große«aal bis auf den letzten Platz gefüllt, und dann vereinten sich die. Nachkommenden in dem weiten Garten. Sie drängten sich. Alte und Junge, Arbeiter» die eben aus der Fabrik, Angestellte, die aus dem Vuro kamen, und die vielen, allzu vielen Arbeits- losen» die dennoch nicht müde werden, für die Freiheit zu kämpfen. Reichsbannerkameraden in Uniform und unsere Burschen und Mädels von der Arbeiterjugend in ihrer schmucken blauroten Tracht, gaben, in Gruppen im Garten verteilt, der großen Kundgebung ein besonderes Gesicht. Nicht endenwollender Beifall empfing die englische Genossin W i l k i n s o n, die das Manifest der englischen Arbeiter und daS von den englischen Frauen gestiftete Banner überreichte. Ein herzlicher Empfang ward auch einer Gruppe von D e s s a u e r Genossen zuteil, die der Berliner Arbeiterschaft mit einem großen Trans- parent die Grüße der vom faschistischen Minister heute „legal" geknechteten anhaltischen Sozialdemokratie über- brachten. Im großen Saal. Der„Marsch der Eisernen Front", das neue Kampflied, gesungen von Arbcitersängern aus einer Grammophonplatte und durch Lautsprecher weithin schallend übertragen, eröffnet die Kundgebung. Fanfaren des Reichsbanner-Tambourkorps schmettern, der Fahnenzug setzt sich in Bewegung. Die Genossin Ellen W i l- k i n s o n betritt den Saal, am Arm trögt sie die rote Binde mit den drei Freiheitspfeilen. Brausende Freiheitruse schallen ihr ent- gegen. Tausende erhobener Fäuste entbieten ihr den Gruß der Berliner Eisernen Front!, Kranz Künstler- eröffnet die Kundgebung: Der erfolgreiche Vormarsch und die auf ollen Fronten vorgetragene Ofsensive der Eisernen Front, so er- klärt er, haben unseren Gegnern Angst und Schrecken eingejagt. Nur die Angst vor der Wahlniederlage und vor dem Niedergang seiner Bewegung hat Adolf Hitler die Forderung nach Berhöngung das Belagerungszustand«-» erheben j lassen. Aber die Eiserne Front läßt sich nicht provozieren. Sie will die Wahl durchgeführt wissen, damit aller Welt kund wird, daß auch in Deutschland die Bäume Hitlers und seiner Trabanten nicht in den Himmel wachsen. Immer wiederholte Zustimmung findet der Redner, als er fest- stellt, daß der Weg der Eisernen Front auswärts, der der Hitler-Bewegung aber abwärts führe. Die Kantpfentschlofsen- heit, der Arbeitssiser und die ausopserungsvolle Hingabe für die große republikanische und sozialistische Sache läßt uns einen noch größeren Stimmenzuwachs in Berlin erhoffen, als wir ihn schon bei der Landtagswahl hatten. Wenn heute ein kommunistischer Parteiredner im Moskauer Rundfunk für einen Burgfrieden zwischen der KPD. und der Sozialdemo- kratie Stimmung machte, so sei dazu zu» sagen: Die Einheitssronl ist da! In der Eisernen Zront, dieser gewaltigen Massenbewegung der Sozialdemokraten, der Gewerkschafter und aller Freiorgani- sierten sind alle vereinigt, die den Kamps mit Entschlossenheit und Ernst zu führen gewillt sind! Brausender Beifall bestätigte d-eje Feststellung. Die Abgesandt« unserer englischen Bruderpartei, Ellen Wilkinson die gekommen war, um der deutschen Arbeiterschaft die Freiheit-- grüße ihrer Landsleute zu überbringen und eine von den engli- schen sozialistischen Frauen gestiftete Fahne.zu überreichen, wurde mit Beifall überschüttet, als sie an das Rednerpult trat und aüs- führte: „Deutsche Genossinnen und Genossen, Sozialdemokraten, Käme- raden der Eisernen Front! Ich bringe euch die herzlichsten Grüße der englischen Arbeiterbewegung, der Gewerkschaften, der Arbeiter- partei und der parlamentarischen Fraktion. Besonders soll ich euch von den Arbeitern meines eigenen Wahlkreises grüßen, ikl dem eine ungeheure Arbeitslosigkeit herrscht, so ungeheuer, wie sie selbst bei euch in Deutschland nicht zu finden ist. 80 Pro- zent der dortigen Bevölkerung, hauptsächlich Berg- und Werft- arbeiter, sind arbeitslos. Als man in meinem Wahlkreis erfuhr, dah ich nach Deutschland fahre, um hier den deutschen Genossen unsere Grüße und Glückwünsche zu- überbringen, bat man mich in einer großen Versammlung, das tiefempfundene Kameradfchaftsge- fühl gerade der Arbeiter der am schwersten betroffenen Kegend Englands besonders auszudrücken.(Stürmischer Beifall, tausend- �fache Freiheits-Rufe. Die Rednerin kann minutenlang nicht weiter- sprechen und erklärt schließlich in ihrer Muttersprache ihre tiefe Ergriffenheit über �>ie Ausnahme, die sie hier gefunden hat.) Die Fahne, die wir euch heute überreichen, soll beweisen, daß eure Eiserne Front und unsere British Labaur Party eins sind im Denken und Wollen. Wir wissen, daß ihr für die Freiheit kämpft und nicht nur für die Freiheit, sondern auch iür den Sozialismus. Wir wissen aber auch, daß die Eisern» Front nicht nur eine Verteidigungslinie ist. sondern daß sie mit der Wucht, die durch die drei Pfeile versinnbildlicht wird, die Offen- H.v e..e r g r i f s e n hat. Wohl gibt es Zeiten, in denen sich die Arbeiterschaft auf die Verteidigung beschränken mußi es gibt aber auch Zelten de» siegreichen Vormarsche». Wir englischen Sozialisten glauben, daß die deutschen Genossen und Genossinnen in der Zeit des Vormarsches sind, und wir wissen, daß sie diesen Vormarsch siegreich abschließen werden. Es lebe die deutsche Sozialdemokratie, es lebe die Einheit der Arbeiterschaft in allen Ländern, es lebe die Eiserne Front! Freiheit! Freiheit! Freiheit!" Wie ein Mann standen die Sechstausend auf und stimmten mit einer Begeisterung, die man schwerlich je in Berliner politi- ichen Versammlungen gesehen hat, in die Freiheii-Rris« ein. Die Fahne, die englische Genossinnen angesertigt habchi, wird im Hinter- grund der Biihne entfaltet; sie trägt die englische Inschrift:„Drei Hochs der Eisernen Front! von der Britischen Arbesterpartei 1932." Umgeben von den Sturmfahnen der Eisernen Front und des Reichs- banners, erhält die Flagge ihren Ehrenplatzaufder Bühne, während Ludolf Breitscheid das Wort nimmt, um der Genossin Wilkinson den Dank der Ber- liner Arbeiter auszusprechen und sie zu bitten, unserdn englischen Arbeitsbrüdern zu sagen, daß wir uns der Gabe und der Geber würdig zeigen werden, Die Fahne, so erklärte Breitscheid, ist das Symbol der i n t e r- nationalen Verbund enheit der Arbeiterschast, sie wird uns den Weg weisen aus Not und Elend in die Freiheit!(Sturmi- scher Beifall.) Die Genossin Wilkinson kommt aus einem siegreichen Land, dessen Soldaten im Weltkriege auf Befehl gegen uns Deutsche gekämpft haben. Aber nun stellt sich heraus, daß es gar keine Sieger und Besiegte gibt, sondern daß nur die Arbeiterschast besiegt ist. Wenn wir heute aus dem Munde der Genossin Wilkinson Friede und Freundschaft verkündet hörten, so sagen wir: Wohlan, das Wort soll Geltung haben! Wir sind gegen den Krieg, jetzt in dieser Stunde ganz besonders. Wir wissen, daß die Proletarier oller Länder keinen Krieg wollen, und wenn sie nicht wollen, wird es keinen Krieg geben!(Stürmischer Beifall.) Wenn die Eiserne Front in Deutschland den Kampf gegen den Faschismus führt, so weiß sie, daß sie damit den Kampf um die Erhaltung der Demokratie in Europa überhaupt kämpft. Die Wahr- heit des Wortes des gemeuchelten Matteotti:„Was die Freiheit »yd die Demokratie wert sind, erkennt man erst, wenn man sie verloren hat" ist der Leitstern unseres Handelns. Hitler rief solange „Deutschland erwache", bis der bessere Teil des Voltes erwachte. Aber jetzt steht die Front, geschloffen, unbeugsam, eisern! Doch der Kampf ist am 31. Juli nicht zu Ende. Vielleicht ist seine Fortsetzung dann noch opferreicher, noch schwerer, noch gewaltiger. Aber wir werden ihn bestehen, weil wir nicht den So- zialismus eines Hitler, sondern den Sozialismus haben wollen, dessen Vorkämpfer die Lehrmeister der Proletarier aller Länder waren. Unsere Einheitsfront ist die Eiserne Front; jeder ist will- kommen, der guten Willens ist, mit uns der Freiheit eine Gasse zu bahnen. Wir, die wir in eins die Hände legen, schwören:„Es lebe die Freiheit! Unser der Sieg!" Brausender Beifall dankte dem Redner. Dann nahm als Ver- irkter der Gewerkschaften der Vorsitzende der Berliner Gewerk- «4chaftskommisjion Robert Bredow das Wort, um die Verbundenheit der freien Gewerkschaften mit der Sozialdemokratie zu betonen. Die einzige Partei, die die Inter- esien der Arbeiterschaft oertritt, ist die Sozialdemokratie, nur in ihr können die Gewerkschaften ihre politische Interessenvertretung sehen. Daß am 31. Juli jeder Gewerkschaftler seine Pflicht erfüllt, dafür wird.gesorgt sein. Bis dahin aber heißt es: an die Arbeit für die Freiheit! Auch Genosse Höltermann ergriff im Saale noch einmal das Wort, um einen Appell an die Anwesenden zu richten, bei der Reichstagswahl für die Sozialdemokratie einzutreten. Zum Schluß rezitierte Genosiin Martha John ein Kampfgedicht mit ge- wohnter Meisterschaft. Immer wieder erschollen die begeisterten Freiheit-Rufe und nur langsam leerte sich der Saal. Die Kundgebung im Garten. Der weite Garten der Neuen Welt war mit den roten Bannern der Freiheit prächtig geschmückt. Neben unserer englischen Genossin Ellen Wilkinson sprachen KarlLitke und K a r l H ö l t e r- mann zu den Tausenden. Immer wieder unterbrach sie stürmischer Beifall, und es ist für die Kampfstimmung der Berliner Arbeiter- schast bezeichnend, daß zwischen Rednern und Hörern in Zwischen- rufen und Antworten ein Kontakt besteht, der von der Einigkeit und der Aktivität der Berliner Arbeiterschaft ein glänzendes Zeugnis ablegt. Als<, Karl Litte die Männer des Braunen Hauses als Volksbetrüger geißelte, da unterbrachen ihn immer wiede�, wenn er den Namen Hitler er- wähnte, ein stürmisches„Iuhas, Judas". Wenn aber Litke den Massen die Kampfentschlossenheit der deutschen Arbeiterschaft gegen die faschistische Gefahr vor Augen führte, dann erklang es unter zum schwur erhobenen Fäusten aus Tausenden von Kehlen:„Freiheit, Freiheit, FreiheitI" Mit Recht und unter stärkstem Beifall nannte Litte die Drohungen der Nationalsozialisten üble Prahle- reien, denn wenn es hart auf hart ginge, dann würden 24 Stunden genügen, um die SA. Hinwegzusegen. Unter anhalten- den Pfuirufen kennzeichnete der Redner die Sklavenrolle, die Hitler und seine Gefolgsmänner gegenüber dem Kapital übernommen haben. An den Schluß seiner Rede stellte Litke ein Bekenntnis zum wissenschaftlichen Sozialismus, dessen geistige Kraft der Jdeenlosig- keit der Braunhemden immer überlegen sein würde. Begeisterte Zurufe empfingen Karl Höltermann. Auch er stellte die in Deutschland kämpfenden Kräfte einander gegen- über. Seine Fahrten durch Deutschland hätten ihm gezeigt, wo in Wahrheit die Kraft wohne. Größte Aufmerksamkeit fand Hölter- mann, als er die bürgerlichen Reichsbannerkameraden aus der Staatspartei, und dem Zentrum mit den Kommunisten verglich. Er jagte: Man macht es uns zum Vorwurf, daß wir mit Bürgerlichen msommengehen. Mir ist aber ein Bürgerlicher, der ehrlich für die Republik und die Freiheit kämpft, lieber als zehn'Kommunisten, die beiseite stehen."(Stürmischer Beifall.) Höltermann wies dann auf die Versuche der Nationalsozialisten hin, die zuerst nach Neuwahlen geschrien und jetzt vor dem Wahlausgang Angst bekommen habe«. diese Wahlen durch Krawalle und durch eme dadurch erzwungene Oer Bürgerkrieg im Lande. Wahtterror der Faschisten.- Sind Republikaner Freiwild? Die Z a h l d e r I o t e n hat sich gegenüber der gestern von uns veröffentlichten Lifte auf 106 erhöht, die Anzahl der ver- mundeten auf 1170 Personen. Reichsbannerführer erschaffen! Sin 62 jähriger Kamerad. Gelsenkirchen, 19. Zuli.(Eigenbericht.) ' In der Nacht zum Dienstag um Z Uhr wurde in Buer der Sameradschaftsführer des Reichsbanners Johann Schlenghoff, 62 Jahre alt, von dem ZZjährigen Nationalsozialisten Werner Günther. Adjutant de» Ortigruppensührers der National- jozialisten, erschossen. Schlenghoff hatte mit mehreren Kameraden den Schuh einer Klebekolonne der Eisernen Front übernommen. Unterwegs trafen sie einen ZSjährigcn SA.-vlann Werner Günther, der Streit begann und nach einem Reichsbannermann schlug. Dann flüchtete er in eine benachbarte Toreinfahrt. Als die Reichsbannerleute ihm folgten. gvtb er einen Schuh ab, der Schlenghoff in die Brust traf. Ein zweiter Schuß blieb im Laus der Waffe stecken. Den Reichsbanner- lenten gelang es. den Täter zu entwaffnen und Ihn unschädlich zu machen. Er wurde mit schweren Sopsverlehungen in ein Kranken- Hans geschafft. Wie die Wilden. Gewerkschastssekretär mit Familie von Razis überfallen. Limburg. 19. Juli.(Eigenbericht.) Der Gewerkschastssekretär Adolf Kunz in Burg wurde von Nationalsozialisten schwer verletzt. Der Aebersoll stellt sich als ein planmäßig vorbereiieter Terrorakt nach ikalienisch- faschistischem Muster dar. Aufgehetzt durch eine Brandrede des preußischen Londtagspräsi- denien Kerrt fuhren mehrere Hunderl Braunhemden ans Lastauto» vor das Haus von Kunz. Ein Befehl:„Absteigen!" erscholl. Sofort erfolgte der Angriff. Durch die Fenster, die mii großen mitgebrachten Quadersteinen eingeworfen wurden, drangen die Nazis ein. Die Türen wurden durch Fußtritte eingetreten und dann auf Kunz, der sich mit seiner Gattin und einigen wenigen Sozialdemokralen zur wehr sehte, eingeschlagen. Die Nazi» schrien:„Jehl haben wir den verfluchten Kunz. Jetzt ist er unser!" Kunz erhielt mii einer rostigen Feile sechs Stiche in den Kopf. Darauf stürzten sich die Nazi, auf Frau Kunz, mißhandelleo sie und traten sie zu Boden. Die Wohnungseinrichtung wurde völlig demoliert. Keine Scheibe, kein Stuhl, kein Vorhang, keine Lampe, nicht» blieb ganz. Alle» wurde von den Banditen ruiniert, ver Vorfall spielte sich sehr schnell ab. Nach getaner Arbeil sahen die Nazi» aus und fuhren davon. Die Polizei konnte die Rädelsführer erfreulicherweise fesi- stellen. -16 Tote in Altona. Zwei weitere Äerlehte gestorben. O Altona, 19. Juli, Nach den Mitteilungen des Städtischen Presieamte? ist im Laufe des Tages eine mft schwerer Kieserverletzung eingelieferte verletzte Frau Erna Sommer gestorben. Außerdem ist ein Nationalsozialist feinen schweren Wunden erlegen, so daß die Zahl der Toten damit 16 erreicht, Drei weitere Verletzte befinden sich nach wie vor in Todes» g e f a h r,' Bayrische Volkspartei überfallen. Memmingen, 19. Juli. In �iner Versammlung der Bayerischen Volks pari ei kam es heute zu schweren Ausschreitungen, Schon die Ausfüh» rungen des ersten Redners, Dr. Rauch, wurden wiederholt durch nationalsozialistische Zwischenrufe gestört. Die Nationalsozialisten drangen schließlich mit Stühlen und Biergläsern gegen die Rednertribüne vor. Es kam zu einer regelrechten Soalschlacht. Der Schriftleiter des Memminger Volksblattes, Dr. Funk, der den Redner schützen wollte, wurde durch einen Schlag am Kopse schwer verletzt und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Der Täter wurde verhaftet, Sprengkolonnen auch in Württemberg. Stuttgart. 19. Juli(Eigenbericht). Der Bezirksvorsitzeude der Sozialdemokratie Tübingens, Frank, wollte in den Amme'rtalgemeinden Altingen, Poltringen und Pfäf- fingen Versammlungen halten und begab sich in Begleitung von etwa einem Mutzend jüngerer Parteimitglieder dorthin. Samt- liche Versammlungen wurden von den Nazis ge- sprengt, die einen regelrechten Kundschafterdienst eingerichtet hatten und rasch einige Lastwagen mit SA.-Leuten� heranholten Frank wurde verletzt, ebenso der Führer der Sozialistischen Arbeiterjugend Schultheiß, Daß Nazis den Ueberfall planmäßig organisiert hatten, bewies, daß sie die T e l e p h o n z e l l e n b e j e tz t e n, damit keine Hilfe gerusen werden konnte. Der nationalsozialistische Ortsgruppensührer Baumert von Tübingen war anwesend. Es ist der Landjägermann- schast gelungen, die Namen der nationalsozialistischen Schläger fest- zustellen. Verhängung des Ausnahmezustande» zu verhindern.„Sie wollen uns provozieren, aber wir werden ihnen, den Gefallen nicht tun. wir lassen uns nicht provozieren," Während Holtermann noch sprach, yzurde aus dem großen Saale das von den Frauen der englischen Arbeiterpartei gestiftete Frei Hellsbanner von Reichsbonnerkameraden zur Rednertribüne getrogen, Kaum wurden die Massen der wertvollen Gabe der englischen Genossinnen ansichtig, als sie in begeisterte Freiheit-Rufe ausbrachen, die sich verstärkten, als die Bannerträger auf der Tribüne Auf- slellung genommen hatten. Nachdem der Vorsitzende, Genosse Schräder, die Genossin W i l- k i n s o n und in ihr die englische Arbeiterpartei mit dem Freiheits- grüß der Eisernen Front bewillkommnet hatte, spielte die Kapelle, und sangen die Arbeitersänger den neuen Morsch der Eisernen Front. Genosiin Wilkinson wurde bei ihrer Ansprache, die sie zum Teil in Deutsch, zum Teil in ihrer Muttersprache vortrug, immer wieder von stärkstem Beifall unterbrochen. Wieder reckten sich Taufende von Fäusten in die Höhe: der ge- meinsame Gesang der Internationale beendete diese große Kamps- kundgebung der Berliner Arbeiterschaft. Das Kabinett der Varoue funkt. Sie Polizei soll die Kommunisten entwaffnen.- Don Razis ist nicht die Rede! Durch den Rundfunk ist am gestrigen Dienstagabend folgende Erklärung der Reichsregierung verbreitet worden: Bei dem Vollzug der Notoerordnung gegen politische Aus- schreitungen vom ll Juni 1932, der Notverordnung, die weit- gehende Milderungen gegenüber den bis dahin bestehenden Ausnahmevorschristen brachte, hatte der Herr Reichspräsident in einem seinerzeit veröffentlichten Brief an den Reichsinnenminister der Erwartung Ausdruck gegeben, daß der politische Meinung?» kämpf sich künstig in ruhigeren Formen abspielen werde und daß Gewalttätigkeiten unterbleiben wurden. Der Herr Reichspräsident hat hinzugefügt, daß er, falls sich diese Erwartung nicht erfüllen sollte,' entschlossen sei, mit al l e n ih m v e r s a s s u n g s m ä ß i g zustehenden Mitteln gegkn Ausschreitungen jeder Art vor- zugehen, Leider haben sich jedoch die politijchen Zusammenstöße und Ilebcrfälle namentlich in letzter Zeit dauernd vermehrt und die Zahl der Toten und Verletzten, die Opfer von llebersällen geworden sind, ist erschreckend gestiegen. Die Polizeigewalt hat offensichtlich nicht über» all ausgereicht, um solche Zusammenstöße und Uebersälle zu «erhindern. Das Reichsministermm des Innern hat bei dieser Sach- . läge von der ihm durch die Verordnung dss Reichspräsidenlen vom 28. Juni 1932 erteilten Besugnis, Versammlungen unter freiem »Himmel und Auszüge wieder zu verbieten, Gebrauch gemacht. Nach- dem am Sonntag vor acht Tagen in O h l a u und am letzten Sonntag in Altona sich die bekannten blutigen Vorfälle ereignet haben, müsse e« das Reichsinnemninisteriirni in Uobereinstimmung mit dem Kabinett als seine Pflicht ansehen, diese Maßnohme des Verbotes zu treffen. Es ist aber selbstverständlich, und von der Reichsregierung auch bereits gestern angekündigt worden, daß da» Demanstrationsverbot nur ein erster Schritt ist. Di« Länderregisrung«« sind ersucht worden, ine au? dem Verbot von Versammlungen unter freiem Himmel und V'ftzuKLn sich ergebende EnÄastung der'Polijei auszunutzen, um die Schlupfwinkel und wafscnlager de» Kommunisten. deren Borhandensem durch die Altona«: Vor gange erwiesen rst, nachdrücklichst auszuheben und damit die Grundlage für eine künftige ruhig« Gestaltung äffentlicher Veranstaltungen zu schaffen. Die Reichsregierung wird dem Herrn Reichspräsidenten nötigenfalls weitere Maßnahmen gegen diejenigen vorschlagen, die künftig den politischen Kampf mit Waffen in der Hand oder durch verbrecherische Anwendung von Spreng- st offen führen. Das deutsche Volk kann daraus vertrauen, daß die Reichs- regierung durchgreifen wird. Selbstverständlich muß gegen alle Gewalttäter ohne Unterschied der Partei vorgegangen werden. Es fällt auf, daß die gefunkte Erklärung der Regierung Papen nur von Kommunisten, aber kein Wort von den braunen Mördern-spricht, deren Bandalismus doch schließlich auch in den Amtsstuben des Barons Gayl bekannt geworden ist. Vielelicht könnten die pommerfchen Anhänger Hugenbergs oder die Bayerische Volkspartei die Ministerialbürokratie auch noch mit entsprechendem Ma- terial versorgen.__ „Das Llebel heißi Preußen." Oer Preuße Hugenberg hetzt gegen Preußen. '' Siegen. 19. Juli. In einer öffentlichen Kundgebung der Deutfchnationolen Volks- parte! in Siegen kam der deutschnationale Parteiführer Dr. H u g e.n> b e r g auch auf die neuen Maßnahmen der Reichsregierung zur Unterdrückung der Unruhen zu sprechen. In dieser Stunde, so erklärte er. möchte ich sagen k Alles hängt davon ab, daß die Regierung sich Autorität verschafft. Sie darf nicht weiter zögern, sie mutz das Uebel an der Wurzel packen. Das Uebel heißt Preußen. In keinem anderen Land sind Unruhen in nennenswerter Art vorgekommen, nur iy Preußen folgt ein Ueberfall, ein Mord dem anderen. Der Grund dasür ist ausschließlich darin zu suchen, daß die schwarzrote Koalition in Preußen die Polizei nicht wirklich gegen die Unruhestifter von links einsetzt. Das verhängnisvolle Abkommen der Nationalsozialisten mit dem Zentrum zur Vertagung der Mnisterpräsidentenwahl in Preußen hat ein Eingreifen des Reiches nicht erleichtert. Trotzdem müssen wir in dieser Stunde von der Regierung erwarten, daß sie dem marxistischen Spuk in Preußen sofort ein Ende macht. indem sie einen tatkräftigen und die Verhältnisse in Preußen be> herrschenden Reichskommissar einsetzt, der mit den nötigen Voll- machten ausgestattet ist.' » Dem Erzreaktionär Hugenberg ist jedes Mittel recht, um die verhaßte republikanische Regierung in Preußen, dieses starte Boll- werk gegen den Faschismus, selbst durch Aufforderung zum S t a o t S st r e i ch~ zu bekämpfen. Die Regierung der Barone hat im Reich nichts hinter sich außer wertlosen Versprechungen Hitler». Trotzdem soll gerade diese» in der.Lust schwebende Kabinett noch gerade vor dem Tag der Abrechnung einen Staats- streich versuchen! Die Abrechnung bleibt ober trotzdem nicht aus! Die Partei des Volksverrats. AündniSongebot Hitlers an- Oingeldey? Die Deutsche Volkspartei des j)errn Dingeldey, der Hort der sozialen Reaktion in Deutschland, die Partei der Schlotbarone und Scharfmacher, hat für die Wahl Listen- Verbindung mit der Deutschnationalen Volkspartei vereinbarte Reaktion verbündet sich mit Reaktion! Run wird ein Schreiben bekannt, dos Dinaeldey am 4. Juli 1932 an F r i ck gerichtet hat. Dieses Schreiben lautet: „Sehr verehrter Herr Kollege! Unter Bezugnahme auf die Unterredung, in der Sie die Freundlichkeit hatten, mir die Grund- lagen eines Vorschlages zu skizzieren, aus Grund dessen die Ualionalsoziallstische Deutsche Arbeiter- parte, bereit wäre, eine Liflenoerbindung aus ihrer Reichs liste mit der Deutschen Dolksportei zu vereinbaren, gestatte ich mir nachfolgende Mitteilung: Wie ich bei jener Unter- Haltung schon persönlich bemerkte, stand sür die Deutsche Volks- Partei eine Verhandlung über den gleichen Gegenstand mit der Deutschnationalen Volkspartei aus den verschiedensten politischen Gründen im Vordergrund der Erwägung. Diese Verhandlungen haben inzwischen zu einem Abschluß geführt, der die Garantie dafür bietet, daß keine Stimmen, die für die Herstellung einer Rechts- Mehrheit im Reichstag erforderlich sind und nutzbar gemacht werden sollen, verloren gehen. Damit erledigen sich auch diejenigen Dorschläge, die Sie im Auftrag Ihres Parteiführer» mir freundlichst unterbreitet haben." Daraus geht hervor, daß Hitler der Deutschen Volks- partei und ihrem Dingeldey Listenverbindung sür die Reichstagswahl angeboten hat. Die Nazipartei, die mit dem Gelde der Schwerindustrie finanziert wird, hat der Partei der Scharfmacher und der finstersten Reaktion im Auftrage ihrer Geldgeber ein direktes politisches Bündnis angeboten. Die Partei des Hitler wagt immer noch, sich„Arbeiterpartei" zu nennen. Das Angebot Hitlers an Dingeldey zeigt, daß dieser Name ein u n- geheuerlicher Volksbetrug ist. Es entlarvt zu- gleich den Volksverrat der Nationalsozialistischen Partei! Grimme klagt an. „Das Wort vom Wohlfahrtsstaat.. Dresden, 19. Juli.(Eigenbericht.) Auf einer Kundgebung der Eisernen Front in Dresden im Großen Saal der Dresdener Ausstellung sprach Dienstag abend der preußische Kultusminister Grimme zu einer überfüllten Ver- sammlung. Er führte u. a. aus:„Herr von Papen kommt vor der Ge- schichte und dem Richterstuhl der Sittlichkeit und der Religion nicht darum herum, daß das Wort vom Wohlfahrtsstaat ein Wort der Gottlosigkeit ist. Denn wenn etwas den Glauben an eine gerechte Weltordnung und an den Wert der christlichen Frömmigkeit unterhöhlt hat in unseren Tagen, dann ist es dies, daß das Reich dem Großgrundbesitzer, dem W i r t s ch a f t s- f ü h r e r und Unternehmer und allen, die auf einer hohen Kapitalsstufe stehen, mit seiner Notverordnung keinen Pfennig genommen hat, während die Arbeiter und kleinsten Angestellten hergeben rNüssen, die Renten ärmster Witwen zusammenschrumpfen und den Arbeitslosen der untersten Klasse wöchentlich der Hungerbetrag von 4, SO Mark verbleibt". lleberfall im Wiener Parlament Otto Bauer von einem Faschisten verleht Wien. IS. Juli.(Eigenbericht.) Genosse Dr. Ltto Bauer ist heute im Finanzausschuß beb Rationalrates durch einen Rohcitsalt des Heimwehr- abgeordneten Hainzl erheblich am Kopf verlebt worden. Im Ausschuß wurde gerade.über den steirischen Landeshauptmann Dr. R i n t e l e n gesprochen, der trotz seiner offenkundigen Förderung faschistischer Umtriebe und seiner schwer belastenden Ver- wicklung in üble Finanzskandale jetzt Unterrichtsminister ist und als solcher das Verbot für höhere Schüler, Wehroerbänden anzuge- hören, ausgehoben hat. Während eines heftigen Wortwechsels zwischen Rintelens Freunden und den Sozialdemokraten betrat Dr. Bauer den Saal und rief seinen Parteigenossen zu:„Laßt euch doch mit diesem Faschisten nicht ein!" In diesem Augenblick sprang Hainzl, der schon einmal in offener Par- lamentssitzung einen Revolver gezogen hat, von seinem Sessel auf, packte einen Streichholzständer und schleuderte ihn mit voller Wucht aus.kaum zwei Metern Entfernung gegen Dr. Bauers Kopf. Bauer erlitt eine stark blutende Rißwunde. Es entstand ein ungeheurer Tumult. Di« sozialdemokratischen Aus- schußmitglieder stürzten sich aus Hainzl, der aus der Stelle gezüchtigt worden wäre, wenn ihn nicht Christlichsoziale geschützt hatten. Dr. Bauer wurde von seinen Freunden in da? Verbands- zimmer geleitet und dort verbunden. An alle Freidenker! Auf zur Wahl? Der Sieg des Nationalsozialismus bedeutet die Haler- drückung der gesamten Areideakerbewegung. Die veutschnationalen und Nationaisozialisten hoben bereit, die cnt- sprechenden Anträge im" Reichstage und im Preußischen Landtage gestellt. wo der Faschismus zur wacht kam. hat er sich mit besonders giftigem hasse aus die'Frcidenter gestürzt. Die Freidenkerbewegung würzest in�der Freiheit der weinungsönßerung und der Dereins- und Der- fammlungssreiheit. Daran denkt, wenn Ihr am ZI. Zuli zur Wahl geht. Wer jetzt schläft, erwacht als. Sklave und jammert dann umsonst. Dir Reichsarbeilsgemeinschafl sreigeistiger verbände fordert alle freidenkenden Volksgenossen aus. durch aktives Ein- treten für die sozialistische vewegnng die Rieder- tage des Faschismus herbeizuführen. Rcichwxrbeitsgemeinschafl sreigeistiger verbände. Der geschäftsfilhrende Ausschuß: E. Peter. M-Siever». Dr. R.»iemanu. Dh. Mayee. Goebbels im Rundfunk. , i» l!• Kowp'omiSS.' Wo isV Reich Ffiedn'chs desEmzic�en ctebheb�ri mass mir(jltzuben M!!!}!!' f 1 „Endlich ein tüchtiger Staatsmann! Er hat nun schon über eine halbe Stunde geredet, ohne zu verraten, was er will." Staatsrat fordert Llniformverbot. Scharfe Kritik an der Reichsregierung. Deck Preußische Staatsrat beriet gestern den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion, der die preußische Staatsregie- rung ersucht, aus die Reichsrcgierung erneut und mit stärk- stem Nachdruck einzuwirken, damit die Aufhebung de» Uniformverbots sofort rückgangig. gemacht wird. Verbunden mit der Beratung wurde ein kommunistischer An- trag, der die preußische Regierung auffordert, die Demonftrations- freihest für die Arbeiterschaft wiederherzustellen und den faschisti- schen Verbänden das Tragen von Uniformen zu verbieten. Schließ- lich haben die Zentrumsmitglieder des Staatsrats noch folgenden Antrag neu eingebracht: „Die täglichen blutige« Ausschreitungen, denen vielfach auch unschuldige Personen zum Opfer fallen und die das Ansehen veulschlands schädigen, werde» von der vbermlegenden Wehrhett des deutschen Volkes nerabschevk. lieber allen politischen Erwägungen steht die zwingende Rai wendigkeit, die Ordnung im Land« ausrecht, uerhailen und Leben und Sicherheit der Staats- bewohner zu schützen. Der Staatsrat ersucht die Staalsregie- rung, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dafür zu sorgen, daß geordneie Zustände sofort wiederhergestellt werden. Er ersucht sie serner. in diesem Sinne mit allem Roch- druck auch aus die Reichsregierung einzuwirken. Ver Staatsrat hall es besonders für dringend notwendig, daß über die inzwischen verordnete Beschränkung der vemonstralionsfreiheit hinaus das Uniformverbot wieder eingeführt und gegen jeden ungesetzlichen wassea- und Sprengstosfbesih und-gebrauch mit unnach- sichtlicher Strenge vorgegangen wird." Dr. Meerfeld-Köln(Soz.) begründete den sozialdemokratischen Antrag: Durch die inzwischen getroffenen Maßnahmen der Reichs- regierung ist unser Antrag nicht etwa überflüssig geworden, im Gegenteil ist er durch die Vorkommnisse in Altona erst recht aktuell geworden. Er enthält die Wendung, daß wir am Rande des Bürgerkrieges ständen. Dieser Ausdruck ist zu schwach, w i r stehen schon mitten darin. Was wir erleben, find kein« spontanen Ereigniste, sondern sorgfältig organisierter und mit biehischer Roheit durchgeführter Mord am polltischen Gegner. Die Parlamente sind zu Kaschemmen niedrigster Sorte geworden. Was sich kürzlich im Landtag abgespielt hat, ist so beschämend, daß es als Schandtat in der Parlamentsgeschichte ewig fortleben wird- Die Kommunisten sind zweifellos mitschuldig, aber in dem weitaus größten Teil tragen die Notionalfazia- listen die Schuld. Zunge Menschen werden systematisch auf Mord dressiert, die politischen Gegner für vogelsrei erklärt. Bei der Rückkehr der SA.-Leute aus Altona hat man ihnen ganze Wagenladungen von Revolvern abgenommen und wenn Göring die offizielle Bewaffnung der SA. ankündigt und droht, er würde in drei Tagen die Straßen frei machen, so ist das die ganz osscne Ankündigung des Bürgerkriege». SS Tote sind seit der Aufhebung des Uniformverbots in Deutsch- land zu zahlen und 112ö Verwundet«, Kannen die Herren von der Reichsregierung, besonders der Herr Reichsminister des Innern. angesichts dieser langen Reihe von Toten überhaupt noch ruhig schlafen? Polstische und andere Organisationen fordern immer dringender die Wiederherstellung des Uniformverbots. Sozialdemo- kraten, Zentrumspartei, große Frauenverbände, christliche Gewerk- schajten, katholische Arbeiterverein«, alle haben ein schleuniges Ver- bot gefordert. Warum bleibt die Reichsregierung untätig? Liegt die Ursache nur in den bindenden Z u s a g e n. die Hstler ge- macht hat oder die Hitler selbst, Göring und Röhm gemacht wor- den sind? Oder treibt die Rcichsregierung bewußt noch ans etwa» anderes hln. etwa ans die Einsetzung eine» Relchskommissar» oder auf den Belagerungszustand? Vor allem die demokratischen Rheinländer würden diese Methoden des o st elbischen Kommißstiefels nicht ertragen. Auch da» neue Demonstrationsverbot ipird die politischen Exzesse nicht unterbinden, solange die Unisormsreiheit weiter besteht. Das Vertrauen de» Auslandes sinkt auf den Nullpunkt, die wirtschaftlich« Erholung wird immer fragwürdiger. Di« Arbeitermasten werden zur Offensive gehen und, wenn nötig, an den Schändern des deut- schen Namens das Strafgericht vollziehen.(Beifall b. d. Soz.) Reichsinnenministcr Freiherr v. Gayl, der auch Mitglied des Staatsrotes ist, hatte den Saal vor der Rede Meerfelds verlassen, Der Kommunist T h o r u m führte aus, die Arbeiterschaft habe ein Recht daraus, sich zu verteidigen, wenn in ihren Stadtvierteln demonstriert werde, wie es in Altona geschehen sei. Er trug Einzel- Herten aus den Vorgängen in Nardholm am lö. Juli vor. um zu zeigen, daß die Polizei mit den faschistischen Organisationen zu- sommengearbeitet habe, Sprenger(Natsoz.) wies in erregten Ausführungen die An- grifse des Abg. Meerfeld zurück, die eine Summe von politischem Sadismus bedeuteten, wie man es selten erlebt Hobe. Wenn man das Uniformverbot ausgehoben habe, so habe man damit nur«ine Ungerechtigkeit gegen die Notionolsoziolisten wieder gutgemacht. Der Sozialdemokrat Meertell» habe deutlich zu erkennen gegeben, daß die Sozialdemokratie bereit sei, den Bürgerkrieg zu organisieren.. Das deutsche Volk ober wolle nicht mehr Schindluder mit sich spielen lassen. Ueher die Verbrecher der Kommunisten, der Sozialdemo- kraten und des Zentrums werde Gericht gehalten werden. Präsident Dr. Adenauer(Z.) bemerkte, die Ausführungen der drei Vorredner hätten so starke Verstöße gegen die Ordnungsbe- stimmungen des Staatsrats enthalten, daß er die Redner samt- lich zur Ordnung rufe. Im übrigen habe sich gezeigt, daß die Ordnungsbestimmungen verschärft werden müßten Schilling(Z.) sprach den Nationalsozialisten das Recht ab, über Recht und Sitte ein Urteil zu fällen, solange sich in ihren Reihen Zuchthäusler und Verbrecher befänden. Die National- sozialisten trügen ein groß Teil Schuld an der politischen Ver- wilderung in Deutschland. Dr. Zarrc»(Arb.-Kem.) weiß nichts von nationalsozialistischen Schandtaten und schiebt den Kommunisten allein alle Verantwortung zu. Schließlich beschwert er sich über den Begrüßungsbrief Se- verings an den„Vorwärts". Oberbürgermeister Brauer-Altona lSoz.) erklärte, die in Altona gefallenen Opfer würden von allen Seiten tief beklagt. Dies« Erscheinungen de« grauenvollsten Kampfes Deutscher gegen Deutsche seien aus der Mißachtung des demokratischen Staates und der Weimarer Verfassung erwachsen. Es fehle die Achtung vor der Ueberzeugung des anderen und da» wirklich« Ringen um Anhänger mit geistigen Waffen. Die Schuld liege bei den Extremen von links und von rechts, die sich diesem Staat fsindlich gegenüber« stellten. Was die Kommunisten seit 1918 gesät hätten, habe ein« blutige Saat gezeitigt. Auf der anderen Seite sei die nationalsozialistische Bewegung vom Tage ihres Austreten« an gewalttätig ausgetreten. Di« Machtmittel gehörten in die Hand des Staate« und nicht in die Hand politischer Parteien, und die Uniformen gehörten nicht auf den Leib der Bürger, sondekn sie seien Sache der Polizei und der Reichswehr. Wenn«ingeschritten werden solle, dann auch nach beiden Seiten und nicht allein gegen die Kommunisten. Die Reichsregierung solle alle Mittel einsetzen, um dem Kampf der Parteiin wieder«ine geistige Basis zu geben. Der augenblickliche Wahlkampf sei der ungeistigste, den Deutschland gesehen habe. Hinter diesen Zuständen stehe die große Gefahr der Zerstörung der Reichs- einheit. Hoffentlich seien die Opfer von Altona die letzten dieser Entwicklung. In der Abstimmung wurde der nach Ansicht der Mehrheil des Sloalsrals am weitesten gehende Antrag de» Zentrums, der die Wiedereinführung des llnisormvcrbots und unnachfichtllche» Vor- gehen gegen nugesehlichen Waffen- und Sprengstosfbesih fordert. mit den Stimmen der Antragsteller und der Sozialdemokraten au- genommen, nachdem die sozialdemokratische Fraktion ihren Antrag, der sich durch den weitergehenden Zentrnmsantrag erledigte, zurück- gezogen hatte. Die kommunistischen Anträge wurde« gegen die Antragsteller --r Nieder mit Hitler? Die Schuld an der Kürzung der Ltnterstühungen. Die»'ZT hat ihre Tressen, und das Volk hat nichts zu fressen, und unter dem Volk am allerwenigsten, die Arbeitslosen, Nach dem 23. Juli wird es nochmals weniger. Die Arbeitslosenunterstülzungs- kürzung der Hitler-Regierung beginnt Wirklichkeit zu werden. Hunderttausende werden ohne oder fast ohne Unter- stügung bleiben, wenn man einen legten Hungergroschen, der vielleicht da und dort noch von der Wohlfahrt gegeben wird, noch Unterstützung nennen will. Dazu kommen dann noch die Aus- fchlüsse aus der Unterstützung in der Arisenfürsorge: denn auch hier setzt jetzt die Hilfsbedürftigkeitsprüfung ein, während bisher nur«ine Bedürftigkeitsprüfung be- stand. Der Vegriss der hilfsbedürstigkeit ist eine Erfindung der Hitler-Regierung. eine Glanzleistung der von Hitler aus politischen Gründen unter- stützten und gebuldeten Regierung Papen-Schleicher. Die Arbeitslosen müssen sich bei Hitler bedanken. Dazu kommt dann noch die Herabsetzung der Richtsätze in der Wohl- fahrtsfür sorge. Dabei ist folgendes zu beachten. Von der siebenten Woche des Unterstlltzungsbezuges— sofern es dann noch nach der Prüfung der Hilfsbedürftigkeit überhaupt eine Unter- stützung gibt— wird in der Arbeitslosenhilfe immer der niedrigste Satz gezahlt. Ist der Satz in der Arbeitslosenhilfe niedriger als der Richtsatz der Wohlsahrtssürsorge, dann wird dieser gezahlt. Ist der Richt- fatz in der Wohlsahrtssürsorge aber niedriger, bann gilt dieser. So will es eine Verordnung des Reichsarbeitsministers. Wenn da und dort ein Arbeitsloser zunächst noch zu seiner Ueberraschung den alten Unterstützungssatz erhält, dann nicht in- folge iegendeiner Härtemilderung, sondern lediglich aus dem ein- fachen Grunde, weil die Städte mit der Durchführung der Hilfs- bedürftigkeitsprüsung nicht zu Rande kommen. Sie, die vor der Neuregelung immer wieder erklärten, die Prüfung könne allein von ihnen am besten durchgesührt werden, weil sie über das erforder- liche geschulte Personal oersügten. jammern jetzt, daß sie die Arbeit, die sie sich selbst aufgeladen haben, nicht schassen. Von dem G e i st, in dem die Prüfung durchgeführt'wird, hängt sehr viel ab. Allein auch ein Prüfer, der ein Herz hat und soziales Verständnis besttzt, kann nicht, wie er vielleicht möchte. Er ist gebunden. Die Gemeinden sollen bei den Arbeitslosen sparen. So mancher Arbeitslose� der von einer Durchschnitts- kürzung in Höhe von 23 Proz. etwas gelesen hat, wird staunen, wenn er sieht, wieviel an Unterstützung ihm noch übrig bleibt. Denn zu der Kürzung in der Arbeitslosenversicherung kommt die Kürzung in der Krisenfürsorge und in der Wohlfahrtspflege. Durchschnittlich macht das, wie wir schon gezeigt haben, 48 Proz. insgesamt aus. Der Durchschnitt ist aber nicht der einzelne Fall, und in vielen, vielen solcher Einzelfälle wird die Kürzung der Unterstützung wesentlich größer sein, wird sie bis zu 83 Proz. gehen Der Brotkorb wird den Aermsten der Armen höher gehängt. Weil Hitler feine SA. uniformieren und mit der uniformierten SA. den Wahlterror organisieren wollte. Die Auswirkungen dieses Preises, für den die Arbeitslosen nun noch mehr als bisher schon hungern müssen, sind Mord und Totschlag im ganzen Lande: die Arbeitslosen müssen hungern, �'.it die SA. für den Bürgerkrieg sich einexerzieren kann. Und die Wirkung dieser Exerziererei ist, daß das Ausland noch weniger Vertrauen zu Deutschland hat, daß eine Besserung aus dem Arbeiismarkt 4mmer schwieriger wird und damit die Lage für die Arbeitslosen immer hoffnungs- und trostloser. Hitler exerziert und der Arbeitslos« krepiert. Dabei möchten wir ein« berechtigt« Klag« der Arbeitsamtsange- stellten wiedergeben. Die Arbeitslosen, denen die Angestellten pflichtgemäß mitteilen müssen, daß ihnen die Unterstützung gekürzt oder gar ganz entzogen wird, wenden sich in ihrer begreiflichen und berechtigten Empörung gegen die Arbeitsamtsangestellten.„Schuft, Lump, Betrüger, vollgefressener Sack", das stnd so die Schimpiworts, die den schlecht bezahlten, überlasteten Angestellten an den Kopf fliegen. Drohungen von„kalt machen" usw. sind keine Seltenheit. Der Angestellte, der sich weigern würde, die Hitler-Notverord- nung auszuführen, würde sofort raussliegen und überdies regreß- pslichtig gemacht werden. Sein Arbeitsloser würde deshalb auch nur einen Pfennig mehr erholten.\ Sowenig wie der Lohnbuchhalter verantwortlich ist für die Abzüge oder die Höhe des Lohnes, sowenig wie der Schaffner der Straßen- bahn veramwortlich ist, wenn die Fahrgäste wie die Herings ge- drängt stehen müssen, ebensowenig ist der Arbeitsamlsangestellte verantwortlich für die Notverordnung. Verantwortlich ist die R e i ch s r e g i e r un g. Verantwortlich ist vor allem die so- genannte Rationalsoziali st ische Arbeiterpartei. Ohne diese gäbe es keine Papen-Regierung. Ohne Papen-Regierung gäbe es nicht diese Notverordnung. Deshalb muß die Parole lauten: Nieder mit Hitler! Was kostet der Arbeitsdienst? Wie man sich seine Organisierung denki. Wie wir in unserer gestrigen„Abend"-Ausgobe bereits mit- teilten, hat der neue Reichskommissar für den Arbeitsdienst, Dr. S y r u p. vor den Vertretern der Presse über seine Ausgaben gesprochen. Er sagte u. o.: „Der sreiwillige Arbeitsdienst ist aus seinem bisherigen engeren Rahmen herausgerückt. Er ist nicht mehr ausschließlich eine Beschästiguvgsgelegenheit für die arbeitslose Jugend, er soll vielmehr künftig die jungen' Deutschen allg�nein— ohne Unterschied der Herkunft, der Berufsbildung und der Welt- anfchauung— zusammenfassen zu gemeinsamer nutzbringender Arbeit für die Volksgemeinschaft. Innerhalb dieses erweiterten Personenkreises muß die arbeitslose Jugend wie bisher eine be- sondere Verücksichtigung erfahren." Damit bestätigt der neue Reichskornmissar des—, vorläufig noch freiwilligen— Arbeitsdienstes, daß'die Regierung Papen- Schleicher die Ausdehnung des Arbeitsdienstes vorgenommen hat nicht zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit, nicht um die arbeits- lose Jugend von der Straße wegzubringen, sondern um eine Forderung der Nazis zu erfüllen und die Arbeits- dienstpslicht vorzubereiten. „Eine weitere wesentliche Aenderun g", sagte Dr. Syrup, „besteht darin, daß künstig allgemein bei volkswirtschaiilich wert- vollen Maßnahmen die Höchstdauer, für die der einzelne Arbeits- freiwillige gefördert werden kann, von bisher 23 Wochen auf f 40 Wochen ausgebe h n t worden ist. Im Mittelpunkt des Arbeitsdienstes soll und muß die ernsthafte Arbeit stehen. Doch die Arbelt als solche und ihre Ergebnisse sind nicht dos einzige Ziel des Arbeitsdienstes. Er soll auch mithelfen an der körperlichen und'g e i st i g e n Er- tüchtig u ng und Gesundung. Schon an sich ist es ein Erfolg des Arbeitsdienstes, daß die jungen Menschen aus den Steinmauern der Städte uvd Fabriken hinausgeführt werden in eine natur- verbundene Tätigkeit. Hinzukommen muß eine geeignete Aus- Nutzung der Freizeit durch sportliche Betätigung, durch geistige Weiterentwicklung und Klärung der Ideenwelt. Eni- scheidend für das Gelingen dieser hochgesteckten Ziele ist die Lösung der Führerfrage. Schematismus und Bürokratis- mus jeder Art sind gerade auf diesem Gebiete von llebel. Die Jugend selbst verlangt nach Disziplin und Unterordnimg." Also 40 Wochen Arbeitsdienst, woikiit man unter Berücksichti- gung der Wintermonate der Forderung der Nazis auf Einführung eines zunächst einjährigen Arbeitsdienstes gerecht wird. Es ist selbstverständlich, daß man in den meist abgelegenen Arbeitcrlag�rn für geistige Beschäftigung sorgen muß. Was aber die Nazis hinter „geistiger(Ertüchtigung" und„Klärung der Ideenwelt" ver- stehen, ist nationalistische Gehirnverkleisterung und ödester Kasernendrill. „Die finanziellen Mittel— zur Zeit 5 5 Millionen Mar k"— sagte Dr. Eyrup weiter,„solle» nunmehr in einer Hand zusammengefaßt werden. Diese 55 Millionen Mark, die bisher für die Zeit bis zum 31. März nächsten Jahres zur Ver- fügung stehen, ermöglichen, bei einer Förderung bis zu 2Mart je Kopf und Arbeitstag, etwa 30 Millionen Tagewerke im frei- willigen Arbeitsdienst auszuführen. Abgesehen von den Wochen des strengen Winters, in denen die Außenarbeiten erschwert sind, würden bis zum Beginn des neue» Haushaltsfahres durchschnittlich 20 0 0 0 0 A r b e i t s d i e n st w i I l i g e beschäftigt werden können. Mit den bisher im freiwilligen Arbeitsdienst tätigen Verbänden zusammen werde ich auch— entsprechend der Entschließung der Reichsregierung— auf Grund der Erfahrungen der nächsten Mönatc den weiteren Ausbau des Arbeitsdienstes prüfen, und ich werde sodann der R eich s r e gke r'ü'n'g'das ge- wünschte Gutachten darüber erstatten, ob und unter welchen Voraussetzungen die Einführung einer Arbeitsdienstpflicht in Deutschland ge- boten ist." 200 000 Arbeitsdienstwillige zu 2 M. pro Kopf und Tag während 40 Wochen würden jährlich 112 Millionen Mark kosten. Eine Million, wie die Nazis fordern, also 560 Millionen jährlich. Bei der Arbeitsdienstpslicht würden aber noch die Au?- gaben für die„Stabe", die Kommandeure, Hauptleute, Leutnants, Feldwebel und Unteroffiziere usw. kommen— nach Herrn Hierl auf je 4 Mann ein Aufpasser, die natürlich erheblich mehr als 2 M. pro Tag kosten würden. Wenn man sehr bescheider, ist und für die Herren Offiziere usw. ein Durchschnittsgehalt von 300 M. monatlich annimmt und nach der Ausstellung des Obersten Hierl 250 000 Auf- passer und Antreiber, so würde das nochmals eine Summe von 930 Millionen Mark ergeben. Da aber jüx die Kasernierung, für Arbeitsgeräte usw. auch gesorgt werden müßte, so dürste man nicht zu pessimistisch sein, wenn man die Ausgaben eines Arbeitsdienst- Heeres, auf das die Regierung imch den Forderungen der Nazis hinarbeitet, auf rund zwei Milliarden Mark jährlich veranschlagt, eine Ausgabe, die, ohne die Arbeitslosigkeit einzudämmen— wahrscheinlich wird die Arbeitsdienstpslicht die Arbeitslosigkeit noch vermehren— jeden Reichshau�halt über den Haufen rennen müßte. Aber schon für 200 000 Frei- willige würde die'Ausgabe mit allem Drum und Dran sich wahr- scheinlich auf mindestens 250 Millionen Mark belaufen. Sind dafür die Renten und Unterstützungen gekürzt oder ganz beseitigt worden? Junker hoffen auf Hitler. Tarifverträge nicht mehr notwendig. Vor einigen Tagen fanden in> einem pomincrschen Kreise Tarif Verhandlungen zwischen Vertretern des Pommer fchen Landbundes und dem Deut- scheu Landarbeiter-Verband statt. Der Sprecher der Unternehmer, der Landbunddirektor von werben, lehnte jeden Tarifabschluß„aus grundsätzlichen. Tarif, und Lehr» vertrüge.— Spandau-Siciistadt: Jugendheim Lindenufer 1. Die Gewerlfchaften in der heutigen Zeit.— Rordring: Jugendheim Sonnenburger Str. 20 Karl. Ettlinger-Abend.— Weizenfee: Jugendheim Weigenfcc. Cafeler Str. 2. Der Ruf nach Arbeitsbeschaffung.— Arnswalder Platz: Jugendheim vchönlankcr Str. Il, Baracke 6, rechter Eingang. Lustiger Abend mit Eutheit.— Rcukölln: Zu- gendheim Bergstr. 29(Hof). Wir treffen UNS zum Abendspazicrgang.— Flug- basen: Jugendheim Flughafenftr. 6d fU-Bahn Baddinstratzc). Iugendrecht und Jugendfchntz.— Humboldt: Jugendheim Graun- Ecke Lortzingstraßc. Z.Jahr. Feier in der Gruppe Humboldt.— Tegel: Jugenlcheim Tegel, Gchoneberger Straße 4. Die Gewerkschaften in der gegenwärtigen Situation.— Baumschule»- weg: Jugendheim Baumschulenweg, Ernststr. 10. Untcrhaltungsabend.— Nord- krcis: Gruppe Humboldt ladet den Kreis zur Z.Iahr-Feier ihrer Gruppe ein.-- Wie spiele» ab 19 Uhr: Ostkreis: Sportplätze Treptower Park, Wiese 1, und Frikdrichshain, Platz 4.— Nardkrcis: Spielwiese Schillerpark.— Sitdostkreis: Treptower Diese, Fläche 6.— Iugcndgriippe de« Sesamtverbaxdes: Gesamt. Veranstaltung aller Gruppen. Anti-Kriegskundgebung.— Achtung! An Stelle der vorgesehenen Demonstration findet am kommenden Freitag, dem 22. Juli, 19 Uhr, im„Clou", Mauerstr. 82, eine große Jugendiundgcbung statt. Es spricht Felix Konitz-Wien. Iugendgruppe des'Zenkralverbandes der Angestellten Seute, Mittwoch, finden folgende Beranstaltungen statt: Schönhanfer »rstadt: Jugendheim der Schule Kastanienallce 81. Dir lesen aus dem Buch„Bub und Mädel" von Max Hodann.— Nordost 1: Jugendheim Donzigcr Straße 82 IBarack« 8). Traven-Adend. Bortragendc: Friedcl Hall.— Neinicke»- darf: Jugendheim Lindauer Str. 2(Baracke). Kurzreferate.— Stralau: Jugendheim der Schul« Goßlcrstr. 8l. Bortrag: Der Stand der iutcrnationalen Gr- werkschaftsbewegung. Referent: Bunzcl.— Köpenick: Jugendheim Dahlwitzer Straße lä(Gasanstalt, am Bahnhof Köpenick). Schallplattenvortrag: Kurzopern auf der Schallplatte. Referent: Dr. Herbert.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Strafe 1— 4, Ecke Kanner Straße. Wanderung in die Iternenwelt.(Wir gehen vir� Sternwarte.)— Südost: Jugendheim Manteuffelftr. 7. Bunter Abend.— Schinederg: Jugendheim chauplflr. 1.1(Hofgebäudc, Sachscnzimmcr). Was ist Faschismus und wie bekämpfen wir ihn?(■>. Abend.)— Charlottenburg: Iu- gendheim Spielhogenstr. 4. Upton-Sinclair-Abend. Ps-tragende: Martha Jahn. — Spandau: Jugendheim Lindenuicr l. Aussprache: Wirtfchastspolitische Tages- fragen.— Die Versicherungsgesellschaft„Sorgenfrei" A.-G. tagt heute von 18 bis 18 Uhr im Verbandshaus, Zimmer 24.— Spiele im Freien: Ab 18 Uhr «portplatz Humboldthain, Sportplatz Weißenfec, Feld.1, und Sportplatz Fnedrichshai».— Freitag, 19 Uhr, Iug-ndlundgebung im„Clou", Mauerstraß«. Alle Jugendmitglieber nehmen daran teil. Der„Vorwärts" erscheint wochenläglich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Anzeigenpreis«: Die einspalt. Millimeterzeile zo Pf., Reklamezeile 9.— M, „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. lzuläfstg zwei fettgedruckt- Worte) fede» weitere Wort lv Pf. Rabatt laut Tarif. Worte Uber is Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2« Pf. Familienanzelgen Milltmeter- zeil« i» Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße z, wochentäglich von SV» bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor! Veranlworilich(üi Politik: Victor Zchsti: Wirtfch.ai:®. Kliugelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Zeuillcton: Herbert Lepre: Lokales und sonstiges: Fritz K-rstädl, Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts. Verlag G. rn. b. H., Berlin. Druck: Sorwärts-Buckdrucker-t und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlm EW. 88, Lindenstraße» Hier»» i Beilag««. Rr.AZ?• 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 20. Juli 1932 Eiserne Front gegen Hitler- Barone! Unsere nächsten Partei- und Betriebsveranstaltungen: Mittwoch, den 20. luii: (.Kreit Friedrichthain. Erwerbslosenkundgebung, 14 Uhr, im Filmsternkino, Große Frankfurter Str. 28. Film:„Bilder vom Schicksal der Arbeiterklasse", Erwerbslosenorchester. Ansprache des Genossen Bernhard Gering„Im Zeichen efer drei Pfeile". Zutritt gegen Teilnehmerkarten, die an Sympathisierende abzugeben sind. Ausgabe der Karten am Dienstag im Heim von 14 bis 17 Uhr und abends Küstriner Platz durch den Genossen Dabczynski. 7. Kreis Charlottenburg. Erwerbslosenkundgebung, 15 Uhr im Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Straße 58.„Für Arbeit und Brot!" Referent Max Brinitzer. F.Kreit Wilmersdorf. Oeffentliche Wahlkundgebung für alle freien Berufe und geistigen Arbeiter. 20 Uhr in den Spichernsälen, Spichernstr. Referenten: Major a. D. Anker, Schriftsteiler Robert Breuer, Pressechef des Polizeipräsidiums Dr. Haubach. 11. Kreit Schöneberg. 16 Uhr Frauentreffen im Lokal Lindenhof in der Siedlung Lindenhof. Rezitationen Martha Tohn, Mitwirkung der Kinderfreunde und der SAT. Ansprache der Genossin Käte Fröhbrodt. U.Kreis Reinickendorf. 20 Uhr im Strandschloß Tegel, Uferstraße 1: Wählerinnenkundgebung. Politisches Kabarett unter Leitung des Genossen Hans Bauer. Ansprache der Genossin Käthe Kern. 97. Abt., Neukölln. 20 Uhr: Oeffentliche Wählerversammlung im Lokal Kelmke, Neukölln, Warthestr. 48.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Gottlieb Reese. 108a. Abt., Cöpenick. 20 Uhr: Oeffentliche Kundgebung bei Seidler, Uhlenhorst, Mahlsdorfer Straße.„Der Entschei dungskampf der Arbeiterklasse". Referent Erich Ollenhauer. 151. Abt., Niederschönhauten. 20 Uhr im Schloß Niederschönhausen, Lindenstr. 11. Kundgebung:„Der Freiheitskampf der Arbeiterklasse". Referent Genosse Flücht vom Gesamtverband. Siemens-Schaltwerk. 16� Uhr: Eiserne-Fronf-Veranstaltung bei Vogel, Nonnendammallee 100.„Unser Kampf für Freiheit und Recht". Referent Dr. Otto Friedländer. Deutsche Telephonwerke. 17 Uhr in der Schulaula, Skalitzer Straße 56, allgemeine Betriebsversammlung. Sozialversicherung und Arbeitsbeschaffung". Referent Hermann Schlimme. Orenstein& Koppel und Kaisers Kaffeegeschöft. 16H Uhr im Lokal Alpenfranz, Spandau, am Bahnhof West gemeinsame Betriebsversammlung.„Einheitsfront". Referent Emil Barth. Betriebsfremde haben keinen Zutritt. Donnerstag, den 21. Juli: S.Kreis Wedding. 19� Uhr; Fünf Wahlkundgebungen, und zwar: Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42, Referent Kurt Anker. In beiden Sälen der Atlantiksäle, Behmstr.(am Bahnhof Gesundbrunnen), Referenten Ernst Hildebrandt und Christian Schumann. Im kleinen Saal der Pharus-Säle, Möllerstr. 142, Referent Karl Hetzschold. Im großen Saal der Pharus-Säle, Müllerstr. 142, Referent Hugo Heimann, MdR. Thema in allen Kundgebungen„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". 7. Kreis Charlottenburg. 20 Uhr im Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Str. 53: Oeffentliche Versammlung. Referent Arthur Crispien, MdR.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". 11. Kreis Schöneberg. 20 Uhr; Kundgebung im Bürgersaal des Rathauses Friedenau, Lauterplatz:„Der Entscheidungskampf« der deutschen Arbeiterklasse." Referent Kurt Heinig, MdR. 12. Kreis Steglitz. 19�6 Uhr; Wahlkundgebung im Gymnasium Steglitz, Heesestraße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referenten Anna Geyer und Otto Bach. 17. Kreis Lichtenberg. 19H Uhr: Kundgebung in der Aula, Schlichtallee, Lichtenberg,' an der Hauptstraße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Bernhard Göring. 20. Kreis Reinickendorf. 19H im Lokal„Hubertus", Schönholz: Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Hermann Harnisch, MdL. 59. Abt., Spandau. 19)4 Uhr; Oeffentliche Wählerversammlung im Lokal„Kiennadelschweiz", Spandau, Pionierstraße 3 (Halleda).„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Tockel Meier. Anstalt Wuhlgarten. 20 Uhr bei Tempel, Lichtenberg, Gudrunstraße 7: Fraktionsversammlung mit Sympathisierenden. „Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Henry Drunsel. Heil- und Pflegeanstalt Herzberge. 20 Uhr bei Otto, Herzbergstraße 78: Eiserne-Front-Versammlung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referentin Frida Gladosch., Gaswerk, Insta, Kassierer, Neukölln. 1534 Uhr bei Schiunke, Neukölln, Bergstr. 98, Ecke� Lahnstr.: Eiserne-Front-Versammlung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Max Brinitzer. Bezirksamt Neukölln und Arbeitsamt Süd-Ost. 20 Uhr im Städtischen Saalbau, Neukölln, Bergstraße 147; Wahlkundgebung. Filmvorführung, Musikvorträge, politisches Kabarett. Referent Dr. Tulius Moses, MdR. Bezirksamt Kreuzberg. 20 Uhr: in den Kammersälen, Teltower Straße 1— 4, Kundgebung der„Eisernen Front":„Für die Freiheit des schaffenden Volkes— gegen die faschistische Diktatur". Referent Dr. Haubach. Textilarbeiterinnen. 18 Uhr(gleich nach Arbeitsschluß) spricht Emma Ritsche über„Freiheitskampf der Frau und der Arbeiterklasse" im Sitzungssaal der Ortsverwaltung, Engelufer 24/25, Aufg. B, III Treppen. Freitag, den 22. Juli: S. Kreis Wedding. Erwerbslosenkundgebung, 15 Uht im großen Saal der Pharus-Säje, Müllerstr. 142,„Für Arbeit und Brot". Referent Dr. Haubach. 56., 57. und 58. Abt. 19 Uhr: Wählerkundgebung im Schultheiß- Patzenhofer, Landsberger Allee 24/26.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Bürgermeister Paul Mielitz. 60. Abt. Spandau. 20 Uhr im Lokal Walter Krause in Gatow; Wählerversammlung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Stadtrat Karl Hetzschold. 61. Abt. Spandau. 19'.? Uhr; Oeffentliche Wählerversammlung im Heideschloß, Spandau, Birkenweg 25, Waldsiedlung. „Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Kurt Anker. (4. Abt Cladow. 1934 Uhr im Cladower Hof, Inh. Roske, Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Max Heydemann, MdL. 112. Abt. 20 Uhr im Hermannseck, Wilhelmshagen, öffentliche Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Bernhard Gering. 127. Abt Hohenschönhausen. 20 Uhr, öffentliche Kundgebung in der Schulaula, Roedernstraße.„Kampf dem Faschismus." Referent Dr. Helmuth Klotz. 142. Abt. Heiligbnsee. 20 Uhr, öffentliche Kundgebung im Lokal Hubertus, am Bahnhof Schulzendorf.„Der Entscheidungs- Nun erst recht! Jugendkundgebung der„Eisernen Front" am Freitag, 22. Juli, 19 Uhr, im Clou, Mauerstraße 82 P a r*o I e-: Alles für die Arbeiterklasse Alles für den Sozialismus Referenten: Felix Kanitz, Wien und Hans Gottturcht. Musikkorps; Neukölln. Spieltruppe: Der Querschnitt Keiner darf fehlen! kämpf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Dr. Otto Friedfänder. Blindensoktion der SPD. Pünktlich 20 Uhr bei Schulz, Adalbert- straße 21, öffentliche Blindenversammlung.„Der Blinde und die Reichstagswahl." Referent Stadtverordneter Robert Rohde. Atchinger-Konzern. 17 Uhr in den Prachtsälen des Centrums, Rosenthaler Str. 36, allgemeine Betriebsversammlung.„Dert Freiheitskampf der Arbeiterklasse." Referent Max Urich. BVG. 1934 Uhr im großen Saal der Kammersäle, Teltower Straße 1-4. Kundgebung der„Eisernen Front".„Gegen die Nazi-Knechtschaft! Für die soziale Republik." Referent Artur Crispien, M. d. R. Rezitationen Martha lohn. Bezirktamt Spandau. 20 Uhr in den Germaniasälen, Spandau, Stresowplatz, große Belegschaftsversammlung.«„Der Schicksalskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Erich Kuttner, MdL. Bezirktamt Pankow. 20 Uhr, Kundgebung im Türkischen Zelt, Pankow, Breite Str. 14.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Robert Breuer. Bezirksamt Weißentee. 1934 Uhr, Kundgebung der„Eisernen Front" im Lokal„Zum Pferdemarkt", Weißensee, Schönstraße.„Unser Freiheitskampf." Referent Stadtrat Reimann. Städtisches Obdach Fröbelstrafle. 20 Uhr bei Heibutzki, Danziger Straße 46, Kundgebung.„Der Freiheitskampf der Arbeiterklasse." Referent Otto Bach. Angeslelte der Handelshilfsarbeiter der Kaufhäuser des Zentrums. 1934 Uhr in den Arminsälen, Kommandantenstraße 58 59, Kundgebung.„Die Auswirkungen der letzten Notverordnung auf sozialem Gebiet." Referent Fritz Schröder. Bekleidungsarbeiter-Verband. 19)4 Uhr in den Residenzfestsälen, Landsberger Str. 31, Kundgebung.„Der Kampf der Arbeiterschaft um ihre Lebensrechte." Referentin Anna Geyer. Sonnabend, den 25. Juil: 7. Kreis Charlottenburg. Abends 11 34 Uhr Nachtvorstellung im Picadilly. Charlottenburg, Bismarckstr. 93. Vorführung des Films„Niemandsland". Referent Kurt Anker. Rezitationen Martha lohn. Karten zum Preise von 50 Pf. sind bei unseren Funktionären zu haben. Gäste willkommen. 122. Abt. Biesdorf. 1934 Uhr, Wählerversammlung in den Schillersälen, Biesdorf, Königstr. 120.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Franz Künstler, MdR. Gehörlose. 20 Uhr, Eiserne-Front-Kundgebung im Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25.„Der Gehörlose und die kommende Reichstagswahl." Referent R. Bredow, MdL. AfU-Arbeiter. 1834 Uhr, öffentliche Wählerversammlung im Altersheim, Danziger Str. 62.„Unser Kampf um Freiheit und Brot." Referent Eduard Bernotat. Sonntag, den 24. Juii: S.Kreis Spandau. 16 Uhr, Gewerkschaftsfest in Löbells Karlslust, Hakenfelde-Spandau.„Der Entscheidungskampf der deutschtep Arbeiterklasse." Referent Otto Maier. 85. Abt. Tempelhof. 1534 Uhr, öffentliche Kundgebung im Birkenwäldchen, Manteuffelstraße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Kurt Heinig, MdR. Konzert. 151. Abt. Bezirk Blankenburg. 16 Uhr, Wahlkundgebung im Lokal Tinius, Hauptstraße.„Die bevorstehenden Wahlen und die Nazis." Referent Karl Hetzschold Zentralverband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands, Gau Groß-Berlin. Vormittags 10 Uhr, in Kliems Festsälen, Hasenheide 13/15, große Protestkundgebung. Es spricht Verbandsvorsitzender Kollege Kurt Gäbler über das Thema:„Was haben die Arbeitsinvaliden von der jetzigen Regierung der Freiherren und Barone zu erwarten?" Alle Arbeitsopfer und Rentenempfänger müssen zu dieser Kundgebung erscheinen. Sorgt für Massenbeteiligung! Frauenmonl in der SdiOnhanser Allee Wirtschafterin in einer Blutlache tot aufgefunden. Crine grausige Entdeckung wachte gestern nachmittag ein Berliner Regierungsinspcktor, der in der Wohnung seiner seit etwa vier Wochen verreisten Mutter, einer Witwe Ziem, in der Schönhauser Allee 27, nach dem Rechten sehen wollte. In einem Nevengelah der im »weiten Stock des Vorderhauses gelegenen Vierzimmer- Wohnung fand ft zu seinem Entsetzen die mit der Ver- waltung der Wohnung betraute 43 Jahre alte Wirt- schafterin Margarete Vierhut tot auf. Die Leiche lag in einer Blutlache mit dem Gesicht nach unten und war schon stark in Verwesung übergegangen, so dag nähere Feststellungen über die Ursache des minde- stens schon vor einer Woche eingetretenen Todes nicht getroffen werden konnten. Tie Schränke und sonstigen Behältnisse der Wohnung waren erbrochen, aber offen- bar nur sehr oberflächlich durchwühlt, so das, zwei grötzer« Geldbeträge in ihren Verstecken von dem Täter nicht ge- funden wurden. Ein Kapitalverbrechen. Die im zweiten Stock gelegene Wohnung wird seit etwa 25 Jahren von der alten Frau Ziem bewohnt, die nach dem Tode ihres Mannes dort eine Zeitlang allein lebte und sich dann später von Zeit zu Zeit eine Reinmachesrau hielt. Die Wohnung besteht aus vier Zimmern nfid Kammer. Die Witwe Z. stellte am 1. Juni die Frau Vierhut als Haushälterin ein und lieh sie auch bei sich wohnen. Vor Drei Pfeile über Berlin! Das Hakenkreuz, Symbol der Knechtschaft hat zu verschwinden. Ueberall wird es von den Pfeilen der Freiheit durchbohrt. Berlin gehört uns! Berlin will die Freiheit! Die Zeitung des Freiheitskampfes ist der Vorwärts"! 14 Tagen trat Frau Z. eine Erholungsreise an und lieh die Wirt- schafterin allein in der Wohnung. Als die Mordkommission bereits am Tatort weilte und ihre Ermittlungsarbeiten aufnahm, erschien plötzlich eine Nichte der Frau Vierhut, um sich naci) ihrem Befinden zu erkundigen. Das junge Mädchen, das durch die große Menschenmenge vor dem Hause bereits erschreckt war, brach in ein haltloses Schluchzen aus, als sie ersuhr, was hier geschehen war. Die Tote war völlig angezogen, so daß anzunehmen ist, daß das an ihr begangene Verbrechen am Tage oerübt wurde. Wahrscheinlich ist die Frau überfallen und ins Bett geworfen worden, wobei man sie e r st i ck t e. An den Mund- winkeln zeigten sich Blutspuren. Die Leiche ist aber schon so stark verwest, daß der Gerichtsarzt Professor Dr. F r a e n k e l die Todesursache am Tatort nicht feststellen konnte Der einwanosreie Befund muß der Sektion im Schauhaus überlassen bleiben. Die Vermutung, daß Frau Vierhut bereits seit 8 Tagen tot in der Wohnung liege. datiert aus den Angaben eines Gastwirtes, der im thause ein Lokal hat. Es hatte sich nämlich gezeigt, daß die Wirtschafterin am Tage häufig die Blumen am Fenster begoß, und zwar so stark, daß das Wasser in den Vorgarten hinunterlief und die dort sitzenden Gäste beschmutzte. Dieser Umstand war seit etwa 8 Tagen ausgeblieben. Frau Vierhut war sonst im Hause wenig zu sehen und zu hören, so daß man sich gar nicht um sie kümmerte. Die Böqel im Bauer verhungert. Die Mordkommission weilte unter Leitung von Kriminalkom- missar Q u o o s noch bis in die Nachtstunden am Tatort des Kapital- Verbrechens. Die Beamten hatten jetzt, nachdem Photographen der Polizei und der Gerichtsarzt fort waren sowie die Leiche der Frau Vierhut abgeholt worden war, die beste Gelegenheit, den Tatbestand genauestens zu fixieren. Zrau Vierhut lebte mit ihrem Manne in Scheidung und hielt sich noch bis kurz vor dem 1. Juli bei Verwandten in der Stallschreiberstraße auf. Durch die Beobachtung des Gastwirtes im Hause und dadurch, daß die Vögel der Frau Ziem verhungert sind, konnte man darauf schließen, daß Frau V. mehrere Tage tat in der Wohnung gelegen hatte. Die toten Vögel werden voraus- sichtlich bei der Aufklärung des an der Frau verübten Verbrechens eine bedeutsame Rolle spielen. Das Vogelbauer mit den toten Tieren wurde in der Küche gefunden. Es stand dort auf dem Tisch. Die Futternäpfe waren aber herausgenommen und standen im Wohn- zimmer der Witwe Ziem aus dem Tisch. Daneben lag die Tüte mit dem Vogelfutter. Allem Anschein nach wollte die Haushälterin die Tierchen füttern und machte zuvor das Bauer sauber. Durch das Dazwischentreten des oder der Mörder wurde die Frau in ihrem Vorhaben gehindert! Im Zimmer der Ermordeten Das Zimmer der Frau V. ist vollkommen verwüstet. Alles liegt auf dem Fußboden umher. Der Täter ist auch im Schlafzimmer Der Dcvahcim-Sumpf. Die zur Kirche gehörten gingen zur Bank, und die zur Bank gehörten gingen zur Kirche/ Als Begründung der Strasanträge im DevaHeim-prozeß, die wir bereits in der gestrigen Abendausgabe mitteilten, hielt Staats- anwaltschastsrat Dr. Eichholz eine grohangelegte Anklagerede. Er betonte zunächst, daß er nur in großen Zügen ein zusammen- hängendes Bild dieser ungeheuren Wirtschaftckatastrophe geben wolle, durch die die Ersparnisse und zum Teil auch die wirtschaftliche Existenz vieler Volksgenossen fast restlos vernichtet worden sei. Es sei erforderlich, den Sachverhalt zunächst einmal von einer höheren Warte aus zu betrachten. Ein Angeklagter könne sich vor Gericht auf zweierlei Weife' verteidigen, entweder indem er im Bewußtsein seiner Unschuld alles tue, um den Sachverhalt zu klären, oder indem er wegen seines schlechten Gewissens alles tue, um den Sachverhalt zu verwirren. Die Angeklagten des Dsvaheim-Prozefses hätten den zweiten Weg gewählt, sie hätten b e r a l l g e- kniffen, wenn sie zur Verantwortung gezogen worden feien, immer fei gerade ein anderer verantwortlich gewesen, oder sie hätten nichts gewußt bzw. keine Fachkenntnisse gehabt. Gemachte Fehler sollen durchaus nicht beschönigt werden, aber wenn hier überhaupt von einer Mitschuld kirchlicher Verbände gesprochen werden solle, dann sei es eine tragische Schuld. Diese Tragik liege darin, daß durch die Entwicklung der Wohlfahrtssürsorge kirchliche Organi- sationen, darunter der Zentralausschuh für Innere Mission, zur offiziellen Verteilungsstelle eines großen Teiles der staatlichen Wohl- fahrtsgelder gemacht worden seien. Durch diese Entwicklung sei der Zentralausschuß veranlaßt worden, �sich auf ein ihm wesens- fremdes Gebiet zu begeben und als Verwalter von Mil- lionenvermögen Bank- und Finanzierungsgeschäfte zu machen. So sei es gekommen, daß diejenigen, die zur Kirche ge- hörten, zur Bank gingen, um das ihnen anver- traute Pfund zu verwalten. Sie hätten nichts gemein Mit denen, die z-ur Bank gehörten und zur Kirche gingen, um Geschäfte zu machen. Das sei der Angeklagte W i l- tt Helm Jeppel, der durch eifrige Betonung seines„positiven Christentums" das Vertrauen maßgebender kirchlicher Kreise sich er- worden habe, mit dem Ziele, Kredite und Unterstützungen zu er- langen. Das sei der Angeklagte C l a u s s e n. der sich angeblich „im Interesse der evangelischen Sache" betätigte und dabei ein?n- trigennetz von gigantischen Ausmaßen gesponnen habe, das ihm rund 200 000 Mark eingebracht habe, und das sei schließlich auch trotz seiner Amtsbezeichnung„Pastor" der Angeklagte D. C r e m e r, der mit überragender Intelligenz und eiskaltem Zynismus das blinde Vertrauen seiner Vorgesetzten und Kollegen mißbraucht habe, um seine ehrgeizigen Pläne zu verwirklichen und sich und seiner Familie auf Kosten armer Leute ein Vermögen zu erwerben. Mit ihnen allen habe die Kirche nichts zu schaffen. Sie seien Ge st alten aus den Vorhöfen, und ihre Vergehen seien um so strenger zu bestrafen, weil sie mit dem ausdrücklichen Hinweis auf ein gsmein- sames Glaubenswort begangen seien. Diese drei Männer im Feuer- ofen des Devaheim-Prozesies seien aus verschiedenen Ebenen ge- kommen. Gemeinsam sei ihnen nur die Sucht gewesen, sich zu bereichern. Jeder Betrüger halte seinen Spezialknifs für die beste Methode Daß der Kniff dieser Angeklagten die Spekulation auf das Reli- g i ö s e war, mache sie besonders verwerflich, denn sie hätten mit dem Gefühl für das Höchste Schacher getrieben, und deshalb sei.Hte moralische Schuld viel größer, als sie je nach dem Maßstabe ihrer kriminellen Verantwortlichkeit gesühnt werden könne. Nach längerer Beratung beschloß das Gericht entsprechend dem Antrage des Staatsanwalts, den Angeklagten C l a u s s e n in Unter- suchungshast zu nehmen, weil er der ihm zur Last gelegten Straf- taten dringend verdächtig sei und wegen der Höhe der zu erwartenden Strafe bei ihm Fluchtgejcchr bestehe. Dann begannen die Plädoyers der Verteidigung. Ein Mensch ohne Gleichgewicht Roosen bereitet 150 Fragen an Dr. Luther vor. Die Verhandluyg gegen die beiden AngeNagten, die sich wegen des Attentats auf den Reichsbankpräsidenten Dr. Luther zu verant- warten haben, wirkte gestern zuweilen wie eine Groteske. Das „Währungsgenie" Dr. Roosen, der den frivolen Anschlag aus Dr. Luther inszeniert hatte, um Deutschlands Oeffentlichkeit gegen die Reichsbankpraxis zu alarmieren— seine eigene Währungstheorie bekakn man gestern noch nicht zu hören—, spielte auch noch im Gerichtssaal die gekränkte Leberwurst, beschwerte sich darüber, daß Dr. Luther seine Eingaben unbeantwortet gelassen und ihn durch die Pressepolizei von der Veröffentlichung seiner Thesen gewarnt habe, und benahm sich zuweilen derart läppisch, daß man berechtigte Zweifel hegen konnte, ob. man überhaupt einen geistig ganz intakten Menschen vor sich hatte. Das Attentat auf Dr. Luther bewies, daß Dr. Roosen sein seelisches Gleichgewicht verloren hatte. Im Gerichtssaal war er nicht imstande, auch körperliches Gleichgewicht zu halten. Er schwankte beim Stehen verdächtig hin und her und fiel sogar einmal, als er sich auf seinen Platz setzen wollte, nebenbei auf den Boden-, es schien ihm da so gut zu gefallen, daß es der Ermahnung seines Vertei- digers bedurste, damit er aufstand. Und dieser Mensch glaubt je- mand davon überzeugen zu können, daß er zum Retter Deutschlands aus den finanztechnischen Röten berufen sei.- Man kann wohl sagen: Er fand einen viel zu geduldigen Vorsitzenden. Dr. Roosen konnte zum Gaudium seines Publikums im Zuhörer- räum endlose Tiraden halten, er durfte während der Pause, ob- gleich in Haft, in die Kantine gehen und wurde schließlich sogar bis zur Mittwochoerhandlung zusammen mit seinem Mitangeklagten auf .freien Fuß gesetzt. Dr. Luther, als Zeug« vernommen, traf das Richtige, als er, durch die endlosen kindischen Fragen des Angeklagten außer Fassung gebracht, in einer gewissen Erregung erklärte: Es handelt sich in dieser Verhandlung um folgendes:„Ist es einem von den 65 Mil- lionen Deutschen gestattet, aus eine Persönlichkeit in verantwortlicher Stellung zu schießen oder nicht? Der Angeklagte hat geschossen, weil er in diesem Prozeß die Möglichkeit haben wollte, sich aus- zusprechen. Die aus verantwortlichen Posten stehen, wollen aber wissen, ob sie genügend Schutz genießen oder nicht." Dr. Roosen wollte es aber anders. Nachdem Dr. Luther in knappen Mörlen ge- schildert hatte, wie Dr. Roosen ihn auf dem Potsdamer Bahnhof' angesprochen hat und gleich darauf der Schuß fiel, wie er zuerst. glaubte, es Handel? sich nur um einen Schuß aus einer Schreckschuß- pistoie, und er erst im Zug bemerkt hatte, daß er am Arm verlttzt sei, wie der Arzt in Basel aus der Wunde Tuchfetzen entfernt hat und er als Folge eine Dämpfung seines Gehörs zurückbehalten hat, — da glaubte Dr. Roosen sich den unoerschÄnten Witz erlauben zu dürfen:„Das war nicht meine Absicht. Ich habe ja im Gegenteil das Ohr des Reichsbankpräsidenten össnen wollen." Und gleich darauf begann er mit einem Bombardement geradezu läppischer Fragen: Ob der Reichsbankpräsident englisch, französisch, italienisch und spanisch beherrsche, ob er je an einer Bank gearbeitet habe und Buchführung kenne, ob er je in seinem persönlichen Leben Geld gepumpt und irgendein Geschäft gemacht habe und dergleichen mehr. Im ganzen sollten es 150 Fragen werden. Als der Vorsitzende der Frau Ziem gewesen. Dort ist ein Bett halb aufgeschlagen, Schubküsten sind herausgezogen und einige Schränke sind mit einem leichten Siechbeite! aufgebrochen worden. Der INörder suchte nach Geld. Das Geld, in Höhe von einigen hundert Mark, das als Wirt- schaftsgeld diente, befand sich aber unter der Wäsche der Frau V. Dieses Versteck kannte der Sohn der Witwe Ziem, der die Kriminal- beamten auch dorthin führte. Das Geld wurde noch gefunden. Es wurde festgestellt, daß die Wohnungsschlüssel verschwun- den waren Es ist möglich, daß der Täter sie mitgenommen hat, wenn sie nicht unter das umherliegende Chaos an Gegenständen ge- raten sind. Infolge der in der Wohnung herrschenden Unordnung läßt sich noch nicht sagen, ob der Täter nicht doch etwas von Wert geraubt hat. ... und Mord in Tegel? Aus dem Tegeler See, unweit der G a s a n st a l t s b r ll ck e, wurde am Dienstag die Leiche des 28 Jahre alten Arbeiters Erich Scholz aus der- Kolonie„Steffen" in Witbenau aus dem Wasser gezogen. Der Tote wies über dem linken Auge Stich- verletz ringen und am Halse starke Wllrgemale auf. In der Tasche des Mannes wurden zwei leere Lohntüten ge- funden; eine hatte das Datum des 15. Juli. Die ganze Barschaft betrug 2 Pfennig. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Scholz beraubt und ins Wasser geworfen wurde. Besonders verdächtig ist der Um- stand, daß das Fahrrad des Mannes fehlt. Sch. war bei einer Firma am Wedding beschäftigt. Dort entfernet« er sich nach Arbeitsschluß am 15. Juli mit seinem Fahrrad und blieb von dem Augenblick an verschwunden. Kriminalkommissar Dräger von der Mordinspektion des Ber- liner Polizeipräsidiums hat die notwendigen Ermittlungen ausge- nommen. Die Leiche ist beschlagnahmt und zur genauen Fest- stellung der Todesursache ins Schauhaus gebracht worden. SA. Wird zurückgeschlagen. Lieberfall auf heimkehrende Teilnehmer der Kundgebung. Vierzig Ulänner und Frauen, die gestern abend von der glänzenden Kundgebung der Eisernen Front in der Reuen Welt in der Hasen- Heide heimkehrten, wurden in der Lohmühlenstrahe von SA.-Leulen überfallen. Es gab eine Schlägerei, bei der die nationalsozialistischen Wegelagerer in ihre Kaserne zurückgedrängt wurden. Die Parteigenossen befanden sich friedlich auf dem Heimweg und gingen durch die Lohmühlenstraße. Aus einer SA.-Kneipe stürmten plötzlich 25 mit Holzscheiten' und Spaten bewassnete Raziburschen aus die Straße und hieben aus die letzte Gruppe ein. Die Frauen wurden von den Genossen zunächst geschützt, dann aber wurden die feigen braunen Mordgesellen in ihren Schlupfwinkel zurückgetrieben. von den SA.-Leuten wurden zwei Schüsse abgescucrt,'die glücklicher- weise ihr Ziel versehllen. von Reichsbannerkameraden war in- zwischen das lleberfallkommando alarmiert worden. Mehrere SA.- Leute wurden festgenommen. Großfeuer auf dem Gesundbrunnen. Die Feuerwehr wurde gestern abend nach der Drontheimer Straße 40 auf dem Gesundbrunnen alarmiert, wo im D a ch- st u hl Feuer ausgebrochen war, das sich in kurzer Zeit zu einem Großseuer entwickelte. Znsgesamt mußten fünf Löschzüge an die Brandstelle beordert'werden, die mit sechs Schlauchleitungen in die Bekämpfung des Großseuers eingriffen, wegen.der außerordentlich starten verqualmung mußten die Löschtrupps sämtlich mit Rauchschutzgerälen versehen werden. Räch zweistündiger Löschtäligkeit war die Gewalt des Brandes, dessen Ursache noch uugeliä'-l ist. gebrochen. Der weithin sichtbare Feuerschein hatte große Scharen Reugieriger angelockt. Zeuoen gesucht' In der Nacht zum 17. Juli ereignete sich in der Kegend der Allen Jakobstraße, Ecke Hollmannsiraße ein Zusammenstoß mit Nationalsozialisien, bei dem geschossen wurde. Ein Nationalsozialist ist dabei ums Leben gekommen. Gegen einen Angehörigen der Eisernen Frönt wird der Vorwurf erhoben, an der Schießexei be- tciligt gewesen zu sein. Wir bitten unparteiische Zeugen dringend, sich bei dem Verteidiger des Verdächtigten, Rechtsanwalt Dr. Günther Joachim. Berlin C.. Königstraße 53/54, umgehend zu melden. Dieser wird die gemochten Angaben aus Wunsch ver> traulich behandeln und von Namennennungen keinen Gebrauch machen. Freundlich schaut der Bruder Pförtner den Mann mit den Mausefallen an:„Auf dich haben die Köche gerade ge- wartet!" sagt er.„Hier, stell deine Last ab, stehlen wird sie dir niemand, und dann schleich dich mal hinüber ins Refek- toriuin! Dort, am Lsatzentifch, der euch Landstrahenpilgern vorbehalten ist, wird heut mehr abfallen als nur-Brosamen! Ja, da hinunter! Du kannst nicht fehlgehen, brauchst nur dem- Geklapper der Teller zu folgen!" Drei Reihen Tische stehen in dem möchtigen Speisesaal, alle dick besetzt mit Mönchen, die den Dampf der aufgetrage- neu Suppe beschnauben. Der Abt sitzt an einem ü�ischlein für sich allein. Eben, als der Slowak eintreten will, gibt der Abt mit- der Hand ein Zeichen. Alle die hin- und hereilenden Brüder bleiben andächtig stehen, die versammelte Mönchschaft erhebt sich vom Sitz, hält die Augen gesenkt zu innerer Sammlung und der Vorbeter beginnt: „Bevor wir uns setzen zum Mahl, sei lobpriesen der Herr, der Schöpfer alles Seienden, und über uns schwebe sein Segen immerdar!" „Amen!" fällt dreihundertstimmig der Chor ein. „Gesegnet sei die Zwiebelsuppe und die Mehlsuppe und die Erbsensuppe!" „Amen!" „Der Herr segne die zweiundzwanzig Salmen und die dreihundert Forellen!"> „Amenl" „Der Herr gebe uns dazu Pfeffersoße in Fülle!" „Amen!" „Der Herr mache uns zwei Pfauen upd sechs Fasanen nebst Zuckererbsen verdaulich!" „Amen!" „Der Herr segne uns mit genügend Weißbrot und „Amen!" „Der Herr nehme von einem Dutzend Hamen das Un- reine und laß' uns den Rest in Frieden!" „Amen!" „Der Herr gebe seinen Segen dem mit Knoblauch gespick- ten Eber nebst Linsen!" „Amen!" „Gesegnet sei das Fleisch der drei Biber, die uns ge- schenkt wurden!" „Amen!" „Mögen die in Schlingen gefangenen Vöglein aus Brot keinem schaden!" „Amen!" „Und, o Herr,'oergiß nicht den dampfenden Schweine- braten und die Spanferkel als Hauptstück!" „Amen!" „Herr, schenke uns genug Endivisalat dazu!" „Amen!" „Der Herr-segne den Wisent mit Murmeltiergekräs!" „Amen!" „Der Herr lasse uns Platz für ein genügendes Quantum edlen Weines finden!" „Amen!" „Aber er verschone uns mit dem siebenmal zu kochenden Giftschwamm!" „Amen!" „Gesegnet seien der Käse und der Lebkuchen!", „Amen!" „Mögen Feigen und Datteln die Verdauung befördern. so daß wir noch Platz finden für Zitronentorte, gewürzten Honigwein, Huppen und Offleten!" „Amen! Amen!"- Abt und Mönche machen nach dem doppelten Amen des Tischgebetes das Zeichen des heiligen Kreuzes und setzen sich eiligst. Neue-dampfende Schüsseln werden aufgetragen, Weinkrüge angeschleppt, und nun beginnt ein Löffeltonzert, ein Abschmecken, ein Suppenziehen, ein Schlürfen und Schmatzen, daß das eigene Wort darin untergeht. Als der Mausefallenmann an den Pilgertisch kommt, sitzt bereits ein grauer Schopf da, ein alter, ausgemergelter Pfeifer, den Dudelsack neben sich auf der Bank.„Mensch", sagt der Pfeifer und wischt sich die braune Suppe aus dem Bart,„rasch, setz dich! Hau ein, daß die Fetzen fliegen, Stopf dich voll, bis die Schwarte kracht! Solch eine Freß- gelegenheit gibt's alle hundert Jahre nur einmal! Nicht jeden Tag ist Ketzers Himmelfahrt! Für gewöhnlich sind die Braunkutten hier genau so mildtätig wie der Pfaff Mangold. Der fraß nämlich die Eier und gab den armen Leuten die Schalen! Aber, alles was recht ist, heute läßt sich die Zunft vom heiligen Schweißfuß nicht lumpen! Schau mal, keine Wassersuppe, nein, Ritt auf dem Katzenwadel, heut bleibt der Lössel drin stecken. Schwittrich macht's vor. Die Probe gelingt, der Löffel bleibt tatsächlich in der dicken Suppe stecken. Der Mausefallenmann ist nicht imstande, jetzt eine Ant- wort zu geben. Er hat den Mund voller Suppe, und sobald die Suppe drunten ist, schiebt er die Biutgrütze ein. Dann kommt das herrliche Wellfleisch daran, mit Sauerkraut und gelbem Erbsbrei. Die Leberwürste kommen und die köstlichen dillgewürzten Blutwürste! Mit vollen Backen kaut der Mause- fallenmann, mit vollem Schlund schlingt er. Seine Hände triefen vom Fett des Schweinebratens, von dem er drei ge- hörige Stücke aus der Schüssel nimmt. Auch seine Mund- winkel glänzen wie mit Speck eingerieben. Wirklich, es ist Fettleben! „Fein, Bruderherz!" fängt der Pfeifer nach einer Weile wieder die Rede an,„greift der Abt zum Becher, greifen die Mönche zum Krug und die Herren Landstraßenfahrer nicht minder! Prost, braune Sonnenschwarte! Gesegnet sei der Mann, der das Mönchstum erfunden hat und die ewige Keuschheit! Gesegnet seien dieses Mannes Kinder und Kindes- linder: denn ohne Klöster könnten wir armen Schwarten- halse ausgehöhlt vor Hunger hinter Büschen und Hecken ver- recken!" „Du denkst nur um die nächste Ecke, Pfeifer!" sagt, noch immer mit vollen Backen kauend, der Mausesallenmann.„Tu mal den Schritt über dich hinaus. Wem sind wohl alle die schönen Stücke hier vor uns in den Schüsseln aus der Schwarte geschnitten?" „Wem? Das kann ich dir genau sagen, den dummen Bauern und all� jenen jener großen Firma, die nie alle werden!" „Also!" „Ja, ich weiß, alter Meckerer: Was vorgeht zwischen Wieg und Tod, der Pfaff hat seine Hand im Sab!" (Fortsetzung folgt.) Achtung, rotes Berlin! fen�uMeTgf�ifefne pAhnAn|l|A|«A|JS! Front die Freiheitsfahnen! W«W W m m M gegen diesen Unfug der Fragerei einschri� und dem Angeklagten das Wort entzog, beantragte dieser in langen Reden einen Gerichts. beschluß� Das Gericht forderte darauf die Verteidigung auf, bis zur heutigen Sitzung ihre Beweisanträge schriftlich zu formulieren. Von den übrigen gestern vernommenen Zeugen war nur die Aussage des Prioatfekretärs des Angeklagten Dr. Roofsn von Interesse. Er hat nämlich am Tage nach der Verhaftung seines Chess auf dessen Schreibtisch einen Brief gefunden, adressiert an den Rechtsanwalt Dr. Iolenberg. In diesem Brief, den der Vorsitzende zur Verlesung bringt, hieß es u. a.:„Das deutsche Volk ist von der Reichsbank neun Monate lang bestohlen worden, indem Banknoten gegen Kellerwechsel ausgegeben wurden. Zwei Milliarden Mark sind auf diese Weise von den Beamten und Großbanken aufgefressen worden. Ein derartiges Delikt, das über dem Gesetz steht, kann man nur durch Tätlichkeiten verhindern. Wir haben aus Dr. Luther geschossen, damit er nicht das ganze Haus wegträgt." Vom Zeugen Heim erfuhr man auch, daß Dr. Röpsen III Thesen über die Geldtechnik Deutschlands und der ganzen Welt ausgearbeitet und diese sowohl Dr. Brüning wie Dr. Luther unter- breitet hat und daß er auch zweimal bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstattet hat. Als der Haftbefehl gegen Dr. Rössen und Kretscher bis zur nächsten Sitzung ausgesetzt wurde, gefiel sich das Publikum in lautem Applaus. Auch das hätte schärfer gerügt werden sollen. Die ganze gestrige Verhandlung mutete wie schlechtes Provinztheater an. Nazi als Zechpreller. Schlimmer als die wüstesten Landsknechte. Die Landknechtsmanieren der Nazis bekam ein Cafetier zu spüren: In ein kleines Cafe in der Potsdamer Straße stürmten in den Abendstunden mit landsknechthaftem Elan eine Horde von etwa 60„Erneuerern Deutschlands". Mit großem Radau und wichtigtuerischer Gebärde nahmen die„Gäste"'Platz und bald darauf ver- ließen, angewidert von ihrem Benehmen, die anderen Gäste das Lokal. Nun fühlten die Hitler-Knechte sich erst recht als Herren der Situation, bestellten auf Deubel komm raus, die Serviererin konnte gar nicht so schnell heranschleppen, was die„Herren" an kulinarischen Wünschen kundtaten. Während das Personal also mit Aufträgen vollauf beschäftigt war, benützte ein Teil der feinen Gesellschaft die Gelegenheit, sich in dem rückwärtigen Teil des Lokales ein wenig umzusehen. Bei dieser Gelegenheit stießen sie an den gefüllten Speiseeis- Konservator, den sie heimlich auf die Toilette schleppten und dort leersraßen. Es wurde dann auf die übliche Weise Stunk mit dem Wirt gemacht, der die unangenehmen Gäste denn auch aus dem Lokal verwies, was die Herren unter Hinterlassung einer erheblichen Z e ch e s ch u l d auch nur zu gern taten. Die Sache mit dem gestohlenen Speiseeis stellte sich erst heraus, nachdem die saubere Gesellschaft das Lokal verlassen hatte. Für 20,— M. Speiseeis und etwa 45,— M. Zecheschuld waren für den Wirt die Bilanz dieses Besuches der Hitler-Garde, Liebestragödie im Grunewald. 3n der Krummen Lanke den Tod gesucht. Von einem Fischer wurden gestern aus der Krummen L a n k e im Grunewalo die Leichen eines Mannes und einer Frau geborgen. Die Toten hatten bereits etwa drei bis vier Tage im Wasser gelegen. Wie die polizeilichen Feststellungen ergeben haben, ist das Paar offenbar im gegenseitigen Einverständnis aus dem Leben geschieden. Es handelt sich um einen 2S Jahre alten Arbeiter Erich Iädtke aus der Waldemarstraße ZI und ein Fräulein Grete Bing aus der Thüringer Straße 18 in Z e h l e n d o r f. Das Motiv zu dem gemeinsamen Verzweiflungsschritt konnte noch nicht geklärt werden. Parteigenosse niedergeschlagen. In der GrolManstraße in Charlottenburg wurde gestern am hellen Tage auf den Parteigenossen Friedrich C. aus Charlottenburg ein gemeiner Ueberfall verübt. Vier SA.-Banditen fielen hinter» rücks über den Genossen her und schlugen ihn nieder. Dann hieben die Wegelagerer auf den am Boden Liegenden ein und raubten ihm seine Abzeichen. Mit der„Beute" suchten die Hakenkreuzler das Weite und entkamen. Der Uebersallene hatte erhebliche Ver- letzungen erlitten und mußte die Hilfe eines Arztes in Anspruch nehmen. Dänische Arbeitersportlerinnen in Verlin. Dänisch« Arbeiter-Handballspielerinnen besuchten gestern auf ihrer Deutschlandreise auch die R e i ch s h a u p t st a d t. Nach einem herzlichen Empfang durch den Bezirk Süden der FTAB. überbrachte die Führerin der dänischen Mannschaft der E i s e r» n«n Front die herzlichsten Grüße.„Die Arbeitersportlerinnen und-sportler Dänemarks wünschen und hoffen, daß die deutsche Arbeiterbewegung im Kampf gegen den Faschismus siegreich bleiben möge. Der deutschen Republik, ber Eisernen Front und der Ar- beitersportbewegung entbietet die dänische Arbeiterbewegung ein kräftiges„Freiheit!" Kleingärtner helfen Kindern Erwerbsloser. Kürzlich hatten die Kleingärtner vom Verein Blankenburg 500 Kinder vom Jugendamt Mitte«ingeladen, um den Jungen und Mäocls, die weder verreisen, noch sonstwie aus dem Steinmeer der Großstadt herauskamen, wenigstens einen Tag ihrer Ferien in Luft. Licht und Sonne zu verbringen und im Kreise der Kleingärtner fröhlich zu sein. Man kann nur sagen, daß die Veranstaltung allen Beteiligten �n guter Erinnerung bleiben wird. Es war ein erfreulicher Anblick, als die kleinen Gäste mit Obst und Blumen beladen, von bannen zogen. Die kommunistische Trauerseier in Spandau, Auf dem Städti- schen Friedhof Spandau„In den Kisseln" wurden gestern nach» mittag Die beiden Kommunisten Ferdinand G r o t h e und Georg B r e ch l i n, die in der vorigen Woche die Opf«r des national- sozialistischen Feuerüberfalls aus einen kommunistischen Demon- strationszug in Siems»Gstadt wurden, unter starker Beteili- aung zur letzten Rühe getragen. Die Polizei hatte mit starken Kräften den Friedhos gesichert und dafür Sorg« getragen, daß das Demonstrationsverbot beim An- und Abmarsch nicht Übertreten wurde. Die Trauerfeier verlief ohne Zwischenfall. Die goldene Hochzeit feierten Genosse Hermann Uerkwitz und Frau Lisa, Berlin, Wöhlertstr. 17. Wetteraussichlen für Berlin: Zeitweise stärker bewölkt, keine nennenswerten Niederschläge, noch ziemlich kühl, mähige westliche. Winde.— Für Deutschland: Im Nordosten noch zeitweise leichte Rcgenfälle: im übrigen Reiche meist trockenes, aber zeitweilig wolliges Wetter: im Süden des Reiches vielfach heiter, überall noch ziemlich kühl. parieinachrichten��Hfür Groß-Berlin bin, endungcMnr btele Rubrik sind Ötf.lw Nel» an da» Bez!rt»lekrztarial Bzilin 69 6S, Ltudenstroy« 3. 3. Hot, 2 Trepveu recht». iu richte» Beginn aller Veranstaltungen 19� Uhr, sofern keine besondere'�Zeitangabe! t. Brei». Heute, 19 Uhr, öihuno des engeren Kreisvorstandes mit den Ad. teilungsleitern an bekannter stelle.— Die für heute, Mittwoch, angesetzte Kundgebung auf dem Sportplatz Cantianstratzc findet erst nächst? Woche statt. I. Kreis. Heute Sitzung des Kreisvorstandes mit den Abteilungsleitern bei Krepp, Planufer 75—75. 13. Sirew. Donnerstag, 21. Juli, im Jugendheim Tcmpelhof, Giitzstratze, Zu» fammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder, Reichsbannerlameraden und Sportler. Politik im Rundfunk. Referent: Genosse Segall. 1». Krei» Berlin-Pankow. Die Bestattung der beiden»ach der Kundgebung im „Kurfürsten" am Freitag ums Leben gekommenen Kameraden Gerhard Scitz und Heinz Hubncr findet' am Donnerstag, dem 21. Juli, IZhl Uhr, von der Halle des lir. Gemeinde.Friedhofe», Berlin-Pankow, Bahnhof» ltrajje(Schimholzer Heidef, aus statt. Um rege Anteilnahme wird gebeten. 25. Kreis. Donnerstag, 21. Juli, lallen die Srwerbslolennachmittage aus. 5. Abt. Donnerstag, 21. Juli, 20 Uhr, im Heim Eenthsner Str. 17 Zusammen. kunft junger Parteimitglieder. Meine Erlebnisse unter dem Sozialisten. gesetz. Referent: Dr. Mar Schutte. 13. Abt. Heute, 19 Uhr, wichtige Besprechung oller Genossen bei Riistel, Put. litzftratze 15. 18. Abt. Die Bezirkskilhrer holen heute zwischen 17 und 19 Uhr Wahlmaterial von Sorgatz, Uferstr. 12. ab. 15. Abt. Unscrm Genossen August Knappe, Bellermannstr. 1, zu seinem 75. Ge- burtstage die herzlichsten Glückwünsche. Genosse Knappe ist über 111 Jahre Parteimitglied, dafür unseren innigsten Dank. 22. Abt. Seute, 17 Uhr, Abliolen des Wahlmaterials von der„Vorwärts"- Spedition Utrechter Strasse. 25. Abt. Donnerstag, 21. Juli, 15 Uhr, Abholung der Fahnen und Trans- varente von Adermann. Knivrodestr. 7. ZI. Abt. Donnerstag, 21. Juli, ab 19 Uhr holen die Berirksführer, soweit noch nicht geschehen, Propagandamaterial von Eoldschmidt ab. zz. Abt. Heute, 19 Uhr, kurze Funktionärversammlung bei Hoffmann, Stralauer Allee 17. 31. Abt. Dannorstaq. 21. Juli Funktionärversammlung Cadiner Str. 19. 35. Abt. Alle orMtel-fpn Parteigenossen haben fich hent« ab 11 Uhr im Lokal' Lemble, Schreinerstr. 38. einzusigden. 15. Abt. Heute, 15 Uhr. bei Keller, Fürstcnstr. 1. Ausgabe der Fahnen. 71». Abt. Seute. 20 Uhr, erweiterte Funktionärsstzung bei Schneider, Pots. damer Str. 25. 52. Abt. Zur heutigen Mitgliederversammlung müssen sämtliche noch rück- ständigen Adressenzettel ausgesüllt mitgebracht werden. 85. Abt. Heute. 1711 Uhr. Ertrazahlabende in den bekannten Lokalen. 19 Uhr erweiterte Borstandssstzung l kurze Dauert, 55. Abt. Bezirksführer cmpfänacn Fahnen und wichtige Informationen beim Genossen Grapentin am Mittwoch ab 17 Uhr. 92. Abt. Achtung, Jczirisfübrer! Heute, 18 Uhr, bei Wolf, Kaiser-Friedrich- Strasse 173, Trau-varente, und Fahnen"dhoien� 91. Abt. Heute. 19 Ubr, Helen die Bezirkssührec die bestellten Fahnen von Schröder. Steinmetzstr. 52, ob.' 195. Abt. Heute Ausgabe von Provogandamatorial lFabnen, Fahrradwimpel, Pseile) zwischen 17 bis 1911 Uhr im Parteihelm Schlossstr. 27. Die Ge- nassen werden ersucht, sich on der Bertammluno in Uhlenhorst zu beteiligen. 135. Abt- Sonntag, 21. Juli, Sommerfkst im Restaurant Hubertus, Inhaber Haoendorf, am Bahnhof Karow. Peginn 15 Uhr. Festansproche: Max Brinitzer. 133. Abt. Heute.?9 Uhr. beteiliqen üch alle Parteimitglieder an. der Krei«. m-rbeveranstaltuna der Frauen in Teqel. Näheres stehe Notiz in den Wentlich-n Beronstoltungen.""rnumsto». 21. Juli, beteiligen stch sämt- liche Parteimitglieder an der äsfentiichen Kreiskundgebung in den Hubertussälen.'Nie Bezirkstüssrer laden ein und bleiben noch ber Veranstaltung zwecks Rücktprache dort. 137. Abt. Die für heute vorgesehene Mitgliederversammlung fällt au». Irauenveranstaliunzen. 1. Kreis. Heute, früh 7 Uhr. Ausgabe der Handzettel für die Kundgebuna der Warenhäuser bei Lohann. Brüdcrstr. 15. Alle Funktsonärinnen, Helfe» rinnen und Genossinnen betciiiqcn stch an der Verbreitung. 5. Krei». Hellte. 15'1 Uhr, Funktsanärinnen�ssung bei Wertalla, Hohenlohe- strasse. Dampfcrkartenan.-aabe. Jede Abteilung mutz vertreten sein. Agi- . tationearuvpe um 1915 Ubr daselbst. 11. Kreis. Wegen des Deinmittrotionsverbotes findet das heutige Frauentreffen nur im Lokal Lindenhof in der Siedlung Lindenhof statt. Der vorgesehene Umzua ab Wildevlatz fällt weg. 55. Abt. Wegen des Verbotes der Demonstration am 23. Juli bitten wir die Parteimitglieder, sich nun recht zablreich an der Dampferfahrt des Be- zirksverbandes am 23. Juli zu beteilige». Karten sind bei der Genossin Hille zu haben. III. Abt. Die Genossinnen beteiligen stch an der heutigen Wählcrinnenkund. qebung in Tegel, Nähere» stehe im Kalender der öffentlichen Veranstal- tunaen, Treffvunkt 151« Uhr Bahnhof Rosenthal, Teltow-Boeskow. Donnersrag, 21, Juli. 20 Uhr, in Teltow aroße össentliche Frauenkundgebuna im„Weissen Schwan", Ruhlsdorker Platz, Reierentin: Käthe Kern, Berlin, Thema: Frauen im Kampfe um die Freiheit. Keine Teltower Frau darf sehlen. Arbeitsgemeinschafk der Kinderfreunde Groh-Derlin. Zentrale: Eltcrasahet»ach dem Juqenblanb Uebersee am Sonntag,» HKiAiIiHP dem 21. Juli, vorm 8 Uhr. pünktlich von folgenden Treffpunk'cn: Kreis Mitte: Alexonderplatz tvor Ti-tzl.— Tiergarten und Char- 'W lottenburg: Knie, Berliner Strasse, Spitze Marchstratze.— Wedding 1F und Reinickendorf: Bahnhof Gesundbrunnen.— Prenzlauer Berg: MUMW Prenzlauer Allee Ecke Danzigcr Straße.— Wilmersdorf: Zehr- velliuer Platz.— Schönebcrg und Steglitz: Jnnsbrucker Platz.— Tempelhof: Ringhohnhof Tcmpelhof.— Kreis Neukölln: Di- Eltern der Gruppen Britz und OUelle treffen sich 591 Uhr Knesebeck- Ecke Bendastrasse. Alle übrigen Eltern treffen sich um 7 Uhr am Rathaus.— Köpenick und kichtenbera: Lichten. berg, Eonutagstrasse(am Bahnhof Ltralau-Rummelsburgl.— Zehlondorf: Zentrale, Berlin, Lindenstr. 2. Essen wird im Zelthager nicht verabfolgt. Es gibt Tee. Kakao und Kaffee. Kreis Wedding. Die Karten fü» die Dampferfahrt müssen am Donnerstag. dem Zl. Juli, abgerechnet werden. Die Tcilnehinsrlarten für die Autofahrt zum Zeltlager Uedcrfee können am Donnerstag abgeholt werden. Wegen der Wahlveranstaltungen bitte vor 15 Uhr zu kommen. Kreis Kreuzberg. All« bei Frieda Schmidt gemeldeten Teilnehmer, treffen stch am Sonntag, dem 21. Juli, wie folgt: I. Gruppe Am Lausstzer Platz, ge. gcnüber der„Vorwärts".Filiale(7 Uhr): II. Gruppe An der Fontanepromenade, Ecke Urbanstrasse<7t� Uhr). Der Wagen fährt pünktlich ab. Anmeldungen werden nicht mehr angenommen. [ Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 23. Abt. Am Freitag, dem 15. Juli, verstarb unser Genosse Albert Wermuth, Müllerstr. 121. Ehre seinem Andenken. Di» Beerdigung findet am Mttwoch, dem 29. Juli, 15 Uhr, auf dem Städtischen Friedhof in Reinickendorf-West, Humboldtstrasse, statt. Um rege Beteiligung ersucht der Borstand. 21. Abt. Unser verehrter Genosse Alfred Lehmann, Wnsstr. 25, ist ver- sterben. Ehr« seinem Andenken. Die Beerdigung hat dereit« stattgefunden. 35. Abt. Zur Mitteilung, daß unser Genosse Gottlieb Gask am 17. Juli ver- starben ist. Die Beisetzung findet am Donnerstag, dem 21. Juli, IS Uhr, von der Halle des Zentralfriedhafes Friedrichsfelde aus statt. Der Abteilungsvor. stand bittet um rege Beteiligung. 53. Abt. Genosse Friedrich, Dvrfstr. 33, ist verstorben. Ehre seinem An, denken. Einäscherung A. Juli, 23 Uhr, Krematorium Serichtstraße. Rege Be» tetligung erbet«». Drei Pfeile fliegen iitiers Land. Die Landarbeiter kämpfen für ihre Freiheit. Seit über einer Woche wird der Wahliampf auch auf dem Lande mit größter Stärke geführt. Es ist keine günstige Zeit für Wahlvorbereitungen jetzt, denn man steht mitten in den Ernte- arbeiten, alles was Hände hat muß zugreifen, und die Arbeitszeit dauert vom frühen Morgen bis in den späten Abend. Unter diesen Umständen haben es unsere Genossen auf dem Lande, besonders in den rein agrarischen Bezirken, mit den vorbereitenden Arbeiten der Agitation außerordentlich schwer. Spät am Abend, nach einem Tage angestrengter Arbeit auf dem Felde, oft zehn bis 12 Stunden lang, geht es mit dem Rade auf die nächsten Dörfer, Bersammlungs- lokale mieten, Flugblätter verteilen, zu den Versammlungen ein- laden und was alles noch erledigt werden muß, damit die Ver- sammlungen ordnungsgemäß stattfinden können. Und alle diese Arbeit wird getan unter. Schwierigkeiten, die noch niemals so groß waren wie jetzt. Ueberall sind die stärksten Widerstände zu überwinden. Von vornherein haben die Nazis ihren Kampf gegen uns auf offenen und oersteckten Terror eingestellt. Manche Gastwirte wagen nicht, ihre Lokale für unsere Versamm- lungen herzugeben. Auf die Landarbeiter wird mit allen Mitteln eingewirkt, um sie von unseren Versammlungen fernzu- halten. Noch niemals ist der Kampf so ausgesprochen zwischen zwei Fronten geführt worden wie diesmal. Gerade auf dem Lande wird es ganz deutlich, daß der große Entfcheidungs- kämpf, in dem wir jetzt stjehen, eigentlich nur zwischen zwei Parteien ausgetragen wird: zwischen Sozialdemokraten und Nazis, zwischen den braunen Banden Hitlers und den Kämpfern der Eiser- nen Front. Auch hier Aazis in der Defensive. Die Nazis machen die verzweifeltsten Anstrengungen. Aber es hilft ihnen alles nichts Schon jetzt ist überall festzustellen, daß die Nazis vollkommen in die Defensive gedrängt sind. Ueberall, im letzten Winkel des Landes, ist das Wort von den Notoer- ordnungzjacken bekannt geworden. Ueberallhin haben unsere Wsrbetruppen. die aus den Städten zur Unterstützung unserer Ge- nassen auf dem Lande oft hundert Kilometer weit hinaus fahren, in Millionen Flugblättern die Wahrheit verbreitet. Und die kleinen Bauern und Landarbeiter, die an Hitlers Siedlungsoersprechungen wie on dos Evangelium geglaubt haben, sind wie aus einem Traum erwacht, als sie hörten, daß die Regierung Papen, die Wohlfahrts- regierung zur Unterstützung der bankerotten Großagrarier, die Zu- stimmung Hitlers und seiner braunen Horden besitzt. Die ss'�abel". Die Wut der Nazis Über das Symbol der Eisernen Front, d i e drei Pfeile, die ihren unaufhaltsamen Siegeszug durch das Land angetreten haben, ist ungeheuer. Wo man früher nur das Hakenkreuz sah, sieht man e- jetzt nur noch von den drei Pfeilen durchbohrt. In ihrer Stinkwut haben die Nazis unsere drei Pfeile„die Mistgabel" genannt, um das Zeichen damit in Mißkredit zu bringen. Aber unsere Landarbeiter, die ja gewöhnt sind, mit der Mistgabel umzugehen, haben das Wort als einen Ehrennamen auf- gegriffen.„Jawohl, mit dieser Mistgabel werden wir den Nazi- S a u st a l l ausmisten." Noch bei den Preutzenwahlkämpfen begegnete man in ländlichen Versammlungen öfters nationalsozialistischen Diskussionsrednern. Damals saßen die Nazis noch auf dem hohen Pferde und konnten sich nicht genug tun nüt Beschimpfungen des„Systems. Diesmal ist ihnen die Lust dazu vergangen. Sie sind als die Stützen der Re- gierung der Barone gebrandmarkt, die nur allzu deutlich mit dem Hakenkreuz gezeichnet ist. Sie wagen nicht mehr, sich in den Ver- sammlungen zu verantworten. Sie kommen nur noch, um Rodau zu machen. Aber sie müssen sich manche unerwartete Abfuhr gefallen lassen. „Dieser Kampf ist ein Kampf um die Freiheit." Auf dem letzten Dorfe hat man diesen Sinn der Reichstagswahl be- griffen. Gerade die Landarbeiter, und besonders die älteren, wissen ganz genau, was sie zu verlieren haben und welche herrlichen Zeiten sie von den Nazis zu erwarten haben. Sie haben die Zeit des Dreiklassenwahlrechts nicht vergessen, und sie wissen noch recht gut, wie es unter der Gesindeordnung aussah. Die Rittergutsbesitzer, die sich heute alle so national„soziali- siisch" gebärden, sind ihnen noch recht gut bekannt als die Inhaber fast unbeschränkter Herrenrechte, die ihnen die Gesindeordnung gab. In einer Versammlung trat ein alter Landarbeiter auf, der breit und umständlich von den früheren Zeiten erzählte. Seine Worte waren eine Mahnung an hie Jungen, sich nicht wieder unter dieses Joch beugen zu lassen. Und dann ballte er die Faust zu dem Gruß, der heute durch das ganze Land schallt:„Freiheit". vi« Dampferffahrt dss Bezirksverbandes Berlin der SPD. findet am Konnabend, dem 23. Juli wie vorgesehen statt. Abfahrt 13« Uhr(H2Uhr) für die Nummern 1-1700 ab Waisenbrilcke, für die Nummern 1701—3000 ab Oberbaumbrücke. Karten fllr Kinder und Erwerbslose gelten sowohl ab WaisenbrUcke wie OberbaumbrUcke Alle unverkauften Karten mllssen spätestens bis zum 25. Juli vormittags, dem Frauensekretariat zurlickgesandt sein. Genossinnen und Genossen sorgt fllr den restlosen Absatz der Karten, die auch noch Im Frauensekretariat zu haben sind. OaB.Frauansakretariat* a Sozialistische ArdeiterjugendGroß-Verlm (Einlcnöunacn tüt diese Ziudrit nur ein das Augendl-lretorioi Uerlni ED SS Lindenstraßk 2. vorn I Trespe rechts. Prapagandadampserfahrt der Partei am Sonnabend, dem 23, Juli, ISVi Uhr, nach Zieaenhals oder Müggelsee. Teilnehn>ergebllhr 30 Pf., sitr Erwerbslose 40 Pf. Abteilungsleiter! Reicht das Augustprogramm ein, sorgt dafür, daß die Umschreibungen bzw. Neuanmeldungen für die Vollsbühne umgebend vor» genommen werden. Die Umschreibegebühr beträgt 30 Pf., für Neuanmeldungen 1,2» M. Kundgebung Im„Clou". „Alles für die Arbeitcrllasse, alle- für den Sozialismus!" Freitag, 22. Juli, l» Uhr. Fahnen- und Transparcntträaer müssen bereits um Uhr anwesend sein. Es spreche» Hans Eottfurcht vom ZdA. und Felix Kanih-Wien. Heule. Millwoch. 20. Juli. 20 Uhr: lSesundbrunnc» lR.-F.): Koloniestr. 3. Materialistische Geschichtsauffassung. — Andreasplaß Ar Turnen im Frisdrichshain.— Baltcnplatz! Sportplatz Friedrichshain.— Warschauer Viertel: Sportplatz Friedrichshain.— Spandau: Lindenufer I. Aus großen Kämpfen der deutschen Arbeiterbewegung.— Steglitz I: Besuch der Parteimitgliederverlammlung.— Tempclhof: Lnzeum Gorschstraße. Die Bedeutung der Gewerkschaften. 2. Teil.— Schöneweid« II: Berliner Str. 31. Heimabend.— Adlcrshof: Bismarckstr. 1. Arbeiterführer.— Bohnsdorf: Wachtclstr. 1. Politische Tagesfragen.— Falkcnbcrg: Gutshof. Kurzreferate.— Fricdrichshagen: Friedrichftr. 33. Kurzreferate.—'Mahlsdorf: Melanchthonftr. 33. Die Entstehung der Arbeiterjugend.— Lichtenberg. Mitte? Scharnweberstr. 22. Die politische Lage.— Rcu-Lichtenberg: Guntcrstr. 44. Frage. kastcnabend.— Lichtenbcrg-Nord: Eunterstr. 44. Haben wir ein Interesse am heutigen Staat? Werbebezirk Wcddiug: Alle Genossen kommen 133s Uhr zum Heim Willdenow. straße. Werbebezirk Osten: Zusammenkunft aller Musiker, Zeichner und Spiel. truppenmitglieder um 2V Uhr Litauer Str. 18. Werbebezirk Krcuzberg: Wanderleitersitzung Urbanstr. 137. Berbebezirl Neukölln. Alle Mitglieder sind um 13 Uhr im Heim Bergftr. 2». Wir proben bis>9% Uhr das Kampflied der Eisernen Front.—„Der Ouer- schnitt" probt pünktlich 13i£ Uhr im Heim Ganghofcrstraße. Männerchor Fricdrichshain. Achtung! Die Uebungsstunde findet nicht _ Freitag sondern schon om Donnerstag, 21. Juli, in der Schule Diestelmeyerstraße statt. Am Freitag, dem 22. Juli, Mitwirkung bei der Kund Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold" Ä e, ch ä t t s st«-! l e: Berlin o 14 SebostwnsN 37—38 Ho'; Mittwoch, 20. Juli, 20 Uhr. im Gewerkschaftshaus, großer Saal. letzte Instruttionsstnnde der Propogandastoßtruppiührer für alle Ortsvereine und deren Kameradschaften. Referate: Prof. S. Tfchachotin und j Georg Stieglitz.— Neukölln-Britz(Vortrupp). Mittwoch. 20. Juli, 19t-2 Uhr, Heimabend'im Jugendheim Bergftr. 29.- Pankow(Ortsvereln). Mittwoch, s 20. Juli, Antreten aller Kameraden in Uniform im Garten des Schlosses lsmon-! hauten um 18U Uhr. Spielmannszug mit Instrumenten.— Reukölln-Britz.! 1. Kameradschaft. Am 17. Juli verstarb unser Kamerad Paul Luschnat. Ehre' seinem Andenken. Einäscherung Mittwoch, 20. Juli, 14� Uhr, im Krema- � torium Baumschulenweg. Beteiligung der arbeitsfreien Kameraden Ehrenpflicht.< Polizeisportverein Berlin e. D., Abt. Einheitskurzschrift. Regelmäßige Uebungsabende an ollen Wachentagen außer Sonnabends von 19u bis 21 Vi Uhr im Pvlizeischulgebäude. Hannoversche Str. 28— 30, 2. Stock, Zimmer 10. Anfänger.. Fortbildungs- und Redeschriftkurse. Auch für Zivile. Deutscher Arbeiter-Sängerbund, Gau Verlin. Geschäftsstelle: p. Schneider, Berlin?lO. 55. hufelandstr. Zl yebung der Eisernen Front in Hohenschönhausen. Gemeindeschule Hohenschön. Hausen, Salteftelle Werneuchener Straße. Anfang 19� Uhr. Erscheinen oller Sangesbrüder Pflicht! Sport. Rennen zu Karlshorst. Jlsc-XIIl-Jagdrennen: 1. Dragoner(Lehme); Berber; 3. Wahne. Joto; 17:10. Play: 12, 17, 25:10. Ferner liefen: Waldin ädels Schwester. Edda(gef>, Gisela, Für Dich, Waldmeister sges.). Charmant. Parsisati Jagdrennen: 1. Castor(Häuser); 2. Lsram; 3. Trumpskönig. Toto: 30:10. Play:>7, 20, 2I:l0. Ferner liefen: Ramses, Rentmclster, Loren;, Macheie. Cumä(gef.), Fiametta(angeh.), Petronia. Karlehorster Hürdenausglcich: I Wotan iWolsfi: 2. Erika: 3. Araber. Toto: 180:10. Play: 27, 20, 21:10. Ferner liefen: Liberator, Wisa Amalft (angeh.f, Tonatello, Manneitreue(angch.), Cvklop, Priester. S«e-Jogdrennen: 1. Edelstein(Lt. v. Horns; 2. Geri; 3. Kern. Toto: 26:10. Platz: 13, IS, 13:10. Ferner liefen: Franzia, Gerold, Arber, Medina. Littoral-Hürdeurennen? l. Herero(Lstermannl: 2. Eourtifane: 3. Alto- pvld' 4 Yellow and Bleck. Toto: 78:l0. Play: l8, 18. 15, 50:10. Ferner liefen: Jngemar(gef.l, Tanzgraf lgef., tot>. Sesam, Lycomedetz, Kar- funkcl, Albts, Epono. Loltchcn. Prauft-Flachrennen: 1. Fix und Fertig(Hannesst 2. Warum: 3. Tulla. Toto: 55:10. Play: 16, 13, 38:10. Ferner liefen: Paua. Rheinsahrt, Schnee- treiben, Melitta, Metulluä. Fremdling, Ekrasit. Knirps-Jagdrennen: l. Gala(Wolss); 2. Coblestz: 3 Edeltanne. Toto: 28' 10. Play: 13. 15, 15:10. Ferner liefen: Nachtigall, Intermezzo, Hebe lgef.;, Calcutia(gef.), Chiffre(auigebr.). Bärselde-Flachrennen: l. Pelagon(Zehmisch); T BittstKr; 8. Rustica. Toto: 43:10. Play: 23. 16, 26:10. Feiner liefen: Marie, Mmentag, Lach- tcufel, Snrva, Pilot, Ledon. Doppclwctte: Wotan— Herero 1523:10. TUe&ier, Ltdtisptele usw. plAza I Nähe Schles. Bhf. 1 5 u. 816. Stp. 2,5,BlßU. E 7 Weichsel 4031 Der fideie Bauer Rose-Theater Crele Fmkfgrtu Strrii 137 TU. WtidiHl E 7 3427 8.30 Uhr r. Der Man Cfartonhuhne 5.30 Uhr Konzert u. Variete Drei arme kleine Mädels Kapelle Beres Tanz-Konzert Nichmltt. u. absndi Zimmer t Bett v. RM. 5.. 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Ohne eenossensehattaanteil, Auskunft auch durch Zemrale E2 Kuptersrahen O 800 and 080ß| Berliner Bausenossenschaft i. Llqu.j O 27, DircKsenstraBe s Gerhard Seitzt Heinz Hübner im blühenden Alter von 21 Jahren. Als Reichsbannet Kameraden im Zeichen der Eisernen Front ihre Pflicht treu erfüllend starben sie im Dienst ihrer guten Sache nach einer Kundgebung durch Motorradunfall am 15. Juli 1932. Wir werden ihrer soels ehrend gedenken.. In tiefster Trauer Familie Seitzt Familie Hübner nebsf Angchörigeo nebst Angehörigen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold Oriiverein Berlin-Pankow. Die Bestattung findet aro Donnerstag, dem 21|uli 1932, 13,45 Uhr. von der Halle des i Stadt. Friedhofs, Berlin-Pankow, BahnhofstraBe(Schön- holzer Heide), aus statt Um rege Anteilnahme wird gebeten. Puinpen wirk tarn sing die KLEINEN ANZEIGEN Inder Gesamtauflage des uVarwärt*" und trotzdem . r.SelhtauhfellE- %— Röhren— Filttr, tfmtlidid EruMBiiiJllut. Pnislist« gratis! KobianK&Co. Punpenfabrik, Berita N«5 Riinidnndorfir StraBe 95. w�sireufleöurcft% Volksbühne L ü. Jedes Mitglied erhält jährlich 10 bis Ii Vorstellungen im m. am Bülowpiatz Ibis 2 Vorstellungen in der staatsoper Nachmittagsabteilungen mit 6 Vorst, im Th. am Hülowpiatz(Sonntag nachm.) und I Oper Auf Wunsch stet» auch 2 Vorstellungen im Schiller-Theater Charlottenburg Vorst ellungsbesudi auf allen Plätzen 1.50 Mark Nachmittags-Vorstellungen 1.10 M.;: Opern-Vorstellungen 2.50 M. Keine Vorauszahlungen. Auslosung der Plätze vor jeder Vorstellung Zahlreiche Sonderveranstaltungen(Musik, Tanc, Kabarett) Ohne Mitgliedschalt in der Volksbühne E. V. ferner Abonnements lür 10 Vorstellungen des Theaters am Bülowpiatz. Feste Plätze nach eigener Wahl. Vorparkett: 5,-, 4,50 u. 4,- M(Kasse: 8 7,-, u.6,- M); Parkett: 3.50, 2,70, 2,- u.l,80M (Kasse: 5.-, 4,-, 3,- u. 2,50 M); 1. Ring: 4,-, 3,50, 2,70 u. 2,- M(Kasse: 6,-, 5.-, 4,- u. 3,- M); 2 Ring: 1.80 M(Kasse: 2,50 M); Vorausbezahlung der beiden letzten Vorstellungen. Bei sofortiger Bezahlung sämtl. 10 Vorstellungen 5% Rabatt Aus dem Spielplan: THEATER AM BÜLOWPLATZ STAATSOPER Gogol: Der Revisor/ Hauptmann: Die Ratten/ Pagnol: Fanny/ Hay: Das Neue Paradies/ Zuckmayer: Schinderhannes/ Raimund: Alpemkönig und Menschenfeind/ Shakespeare: Maß für Maß/ Castonier: Die Sardinenfischer/ Joachimson und Schiffer(Musik von Spolianski): Das Haus dazwischen/ Ebermayer und Mann: Prof. Unrat/ In Hauptrollen; Hans Albers/ Curt Bois/ Eugen Klopfer/ Otto Wernicke/ Jacob Tiedtke/ Ernst Karchow/ Erhard Siedel/ J. Almas/ Paul Verhoeven/ Artur Mainzer/ Käthe Dorsch/ Camilla Spira/ Brig� Horney/ Käte Haack/ Lotte Stein/ Qenia Kurz usw Wagner: Der fliegende Holländer/ Mozart: Cosi tan tutte/ Verdi: Rigoletto/ Der Maskenball/ Falstaff/ Die Sizüianische Vesper/ Schillings: Mona Lisa/ Mas- cagni: Cavallena rusticina/ Leoncavallo: Bajazzi/ Joh. Strauß: Eine Nacht in' Venedig/ Wiener Blut usw. SCHI LLER-TH E ATER Hauptmann: Die versunkene Glocke/ Wellenkamp: Theres geht vorüber/ Wal- lace u. Roth; Platz oder Sieg/ Stolz. Wenn die kleinen Veilchen blühn/ Shakespeare: Der Widerspenstigen Zähmung/ Corrinth: Hallo! nur Mut/ Ein Berliner Volksstück mit Musik u.a.m. ■ Prospekte und Anmeldungen m 200 Zahlstellen, u a- bei sämtlichen Theaterkassen der Firma Tiere, im K d W„ in der Volksbühnen Buchhandlung, Köpenicker Stialle 68, sow e in der Hauptgeschäftsstelle. C 25, Linienstiaße 227(Th a Bülowpiatz), D I, Norden 2941.— Abonnementsbestellungen ausschlieBlich im Abonnementsbüro, C 25, Linienstraße 227, D 1, Norden 2944 31m Montdg, dem 18. Zuli, nachm. 5 Ilhr, entschlief sanft unsere liebe, gute Mutter. Frau Clara Herforth geb. Sander im 70. Lebensjahr. Dies zeigen tiefbetrübt an Vit» und Frieda Herforth. Berlin 9J 20, Butkmannstr. 19. Die Einäscherung findet am Eonn. abend, dem 23 Juli, nachm. 3 Uhr. im Kremalorinm ltzerichtstraße stall. Midm Metailarbeiter-VemaDii VerwoltongsstcUc Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern �ur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter iZnstavKofhwsId geb. ll. Rooember 1860, am 18. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonn- abend, dem 23. Juli. 14 Uhr, von der Leichenhalle des fiädiifchen Friedhores in Mariendorf, Gotllied.Dunkel.SIr, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet Die OrUvervaltang. Aditung, Funktionäre! Die Oectcaucnsmdnnec-Aonferenj der Branche der Chirurgie-Mechanit und der Brandis der Elfen, und Revolverdreher °ällt diesen Monat aus; ebenfalls die Branchen- Vertranenainüaner. Aon- ferenz der«ertzeugmachcr. dafür findet ,n demselben Saale zur üblichen Zeil eine Sitzung der vraucheu-»»mtniffian»- Mitglieder der Wertzeugmalher Natt. Wir bitten die Kommiffionsmitglieder dies zu beachten. Me Orteverwaltung. IHR VORTEIL ist es, wenn Sie noch heute für sich und ihre Familienangehörigen eine LEBENSVERSICHERUNG abschließen. Niedrige Prämiensätze. günstige Verstcherungsbedingungen und größte Sicherheit bietet Ihnen die VOLKSFURSORGE Gewerkschaftlich-Genossenschaftliche Versicherungsaktiengesellschaft Hamburg 5, An der Alster 57— 61. Auskunft erteilen die Rechnungssf eilen; Berlin S 42," Ritterstroße 126 Berlin-Reinickendf., Schön holzer Weg 39, v.l Berlin- Pankow, Gaillardstraße 26 Berlin-Spandau, Götelstraße 5 pt. 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Dieses Flugblatt beginnt mit einer wahren Tatsache. Es heißt darin: „Landarbeiter! Seit ISIS genießt du die Koalitionsfreiheit: hast eigene Lohntarife mit Deputat- und Arbcitszeitregelung, Ur> laubsbestimmungen. Du hast deine eigene Landkrankenkassenoer- waltung und noch viele, viele soziale Errungenschaften geschenkt bekommen!" Na also! Endlich mal ein wahrer Satz unter all dem nationalsozialistischen Lügengeschwafel! Dann aber heißt es weiter: „Wo bleiben aber die Zusagen, daß auch dir die Möglichkeit der Siedlung werden sollte, wo hat man dir endlich ein eigenes Heim erbaut!" Diese Frage wagen dieselben Nationalsozialisten an die Landarbeiter und Kleinbauern zu richten, deren Gesinnungsgenossen in Neudeck den Reichspräsidenten dazu überredet haben, Brüning zu verabschieden, weil er die 3000 bankerotten Rittergüter in Sicb- lungsland aufteilen wollte! Und weiter heißt es: „Verspürst du etwas vom Schutz gegen die Arbeitslosigkeit? Kannst du mit den heutigen Unterstützungsgeldern deine Fluriilie satt machen?" In den offiziellen Erläuterungen zum Programm der NSDAP.(S. 16) aber hat der Programmpapst der Nazis, der Neichstagsabgeordnete Feder, die Satze niedergeschrieben:„Es ist nicht Staatsaufgabe, arbeitsfähige Men- lchen auf Staatskosten zu ernähren" und„Wenn der Staat finanziell an der Frage der Arbeits- losenoerficherung scheitert, so haben wir dafür nur ein Achselzucken." Dann fährt das Flugblatt fort: „Nur wenn du deutsch denkst und fühlst, mitkämpfst für die Brechung der Zinsknechtschaft, für die Zerreißung der goldenen Sklavensessel, alsdann wird sich uns allen das Tor der Freiheit wieder öffnen und ein wahrer deutscher Sozialismus wieder mög- lich sein." Welch schöner Satz! Was aber die nationalsozialistischen Führer in Wirklichkeit von der Brechung Oer Zinsknechtschaft halten, das hat Dr. Goebbels dem früheren notionalsozialistl- schen Leutnant Scheringer verraten. Wie dieser vor dem Reichsgericht ausgesagt hat, hat ihm Goebbels auf einer Reif« nach München gesagt:„Ach. das mit der Brechung der Zinsknechtschaft, das ist ja so ein Federscher Unsinn, bei dem der das Brechen kriegt, der das lesen muß!" Und schließlich heißt es in dicicm Flugblatt:„Schaut nach Thüringen, Braunschweig, Anhalt, Oldenburg, fraget den Koburger Arbeiter, ob und wie die Nationalsozialisten regieren können." Warum fehlt in dieser Aufzählung M eckten- bürg, wo doch auch die Nazis zu Macht und Würden gekommen sind? Weil in Mecklenburg die Landorbeiter und Kleinbauern das wahre Gesicht der Nazis zu sehen bekommen haben. Solange in Mecklenburg die Sozialdemokraten an der Macht waren, war die Grundsteuer nach der Größe des Bc- sitzes gestaffelt. Jetzt, wo die Nazis Mecklenburg beHerr- fchen, ist diese soziale Staffelung aufgehoben worden, so daß der Kleinbauer jetzt dr»i- bis viermal mehr zahlen muß als bisher. Und wenn die Landarbeiter und Kleinbauern wirklich einen Koburger Arbeiter fragen könnten, dann würde der ihnen d i e Wahrheit über Koburg sagen: Jahrelang haben die Nazis in Koburg eine verantwortungslose Mißwirtschaft getrieben und sich damit gerühmt, daß sie keine Bürgersteuer eingeführt haben und alle anderen Steuern außerordentlich niedrig waren. Bis es dem bayerischen Staat zu bunt wurde und er Koburg die Sperrung der Staatszuschüsse androhte, wenn nicht endlich Ordnung geschaffen würde. Do haben sich plötzlich die Nazis schrecklich beeilt, die Bürgersteucr und alle anderen Gemeindesteuern mit höheren Sätzen als in den anderen bayerischen Städten einzuführen, die Wohlsahrts- Unterstützung rücksichtslos zu kürzen, so daß das ganze Lügen- gebäude vom Koburger Steuerparadies schmäh- lich zusammengestürzt ist. Was die Nazis in Wirklichkeit mit den Kleinbauern vorhaben, dos zeigt unwiderleglich die erste Notverordnung der Regierung der hitlcrbarone: Solange die Sozialdemokratie eine Regierung Brüning tolerierte, waren die Kleinbauern bis zu ZOOO w. Umsah von der Umsah st euer besreil. Seitdem Hitler die Regierung der Junker und Schlotbarone toleriert, ist diese V e- s r e i u n g aufgehoben, so daß auch die kleinsten Landwirte 21A ptoz. von ihrem Umsah zahlen müssen. Geisteswaffen zum Sozialismus. Llnser Sieg am 31. Juli bahnt den Weg zum sozialistischen Angriff. - Mit unerhörter Wucht kämpft gegenwärtig die deutsche Ar- beiterklasse gegen die soziale und wirtschaftliche Reaktion, die den letzten Versuch unternimmt, mit Hilfe des deklassierten und verwirrten Kleinbürgertums den historisch notwendig gewor- denen Umbau der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zur Gemein- Wirtschaft zu verhindern. Im Kampf gegen den Faschismus muß die deutsche Arbeiterschaft den Weg freihalten für einen Umbau der Wirtschast zu höheren Formen, um den Sozialismus verwirklichen zu können. Geistig ist der Faschismus jetzt schon geschlagen. Seine Hauptwaffen sind Nieten. Die Brechung der Zin-knecht- schaft, die Autarkie, die Arbeitsdienstpflicht sind als wirtschaftlicher Dilettantismus ohnegleichen heute bereits entlarvt. In der ganzen geistigen Welt wächst unaufhörlich das Bewußtsein, daß eine Neu- ordnung der Gesellschaft nur in Formen erfolgen kann, wie sie von der sozialistischen Arbeiterbewegung vorgezeichnet worden sind. Die Arbeiterschaft muß es deshalb begrüßen, daß der ADGB. und der AfA-Bund ihr vor wenigen Wochen der Oeffentlichkeit übergebenes Programm zum Umbau der Wirtschaft jetzt in einer Massenauflage herausgebracht und mit popu- lären Erklärungen für eine großzügige Agitation bereit gemacht hat. („Umbau der Wirtschaft, Die Forderungen der Gewerkschaften", Berlin 1932, Verlagegesellschaft des ADGB., 30 Seiten, 40 Pf.) Folgende Sätze aus dem Vorwort der kleinen, in ihrer neuen Fassung außerordentlich wirkungsvollen Schrift kennzeichnen die Tendenz derselben: „Die ungeheure Weltkrise hat das kapitalistische System in sei- nen Grundlagen erschüttert. Jahrzehnte hat die Arbeiterklasse allein gegen dieses sinnwidrige System gekämpft. Jetzt steigt unter dem Druck der Krise auch aus den„Zwischenschichten" eine Welle a n t i- kapitalistischer Sehnsucht empor. Werden sich diese er- wachenden Mittelschichten mit dem Komps der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus im Ringen um eine bessere Zukunft vereinigen? Das ist die Frage, die sich jetzt erhebt. Es kommt in der gegen- wärtigen Zeit mehr denn je darauf an, einen Weg zu weisen, der vom Elend des Heute in ein besseres Morgen führt. Es gilt, den Raum zwischen Kapitalismus und Sozialismus zu gestalten. Diese Aufgabe zu fördern, sind gerade die Ge- werkschasten berufen. Sie können daher der gefühlsmäßigen Empörung Weg und Ziel weisen. Die Neuordnung der Wirtschaft ist nunmehr zur Existenzfrage des Volkes geworden. Es gilt, der sozialistischen Wirtschaftsordnung den Weg zu be- reiten. Voraussetzung für die Verwirklichung einer planmäßigen Gemeinwirtschast ist die demokratische Staatsform. Die gewerk- schafllichen Richtlinien zum Umbau der Wirtschaft wollen in diesem Kampf eine Waffe sein." Die Schrift des ADGB. und des AfA-Bundes weist Abschnitt für Abschnitt. Forderung für Forderung dem Leser die Begrün- dung, die historische Zwangsläufigkeit und die Richtigkeit des Pro- gramms nach. Sie wird jetzt in die Hand der vielen Tausende von Funktionären gegeben und von hier aus das geistige Instru- m e n t sein, um auch in den Millionen, die heute erst zur„anti- kapitalistischen Sehnsucht" erwacht sind, die geistige Bereitschaft und den Willen zur Herbeiführung der sozialistischen Wirlschastsordnung zu wecken. In der gleichen Richtung wird eine Schrift von Dr. Otto Frieder wirken, Oeuifchlands Ernährungswirifchast. Konferenz der zuständigen Minister. Die Konferenz der Ernährung», und Landwirlschasls- minister in München befaßte sich eingehend mit der schwierigen Lage der deutschen Landwirlschasl und den da. durch bedingten ernsten Rückwirkungen auf die gesamte Wirt- schas«. Im Anschluß an ein Referat des Reichsernährungsministers Freiherrn von Braun wurden alle wichtigen aktuellen Fragen durch» gesprochen. Insbesondere wurden die Verhältnisse in der bäuerlichen Veredelungswirtschaft, d. h. in Vieh- und Milchwirtschaft, beim Wein-, Obst- und Gemüsebau sowie die Loge der Holzwirtschaft be- handelt. Mit Nachdruck wurde von allen Seiten betont, daß bei diesen Erzeugnissen sich die Verhältnisie besonders verhängnisvoll gestaltet hätten. Die Konserenz oertrat den Standpunkt, daß neu« starke Maß- nahmen zum Schutz der bäuerlichen Erzeugnisse „Der weg zur sozialistischen Planwirtschaft. Geschichte und Verwirklichung einer Idee", die im Verlag non I. H. W. Dietz, Berlin, kürzlich erschienen ist. Aus 07 Seiten, also auf sehr knappem Raum, zeigt diese Schrift den Weg, den die sozialistische Sehnsucht der Menschheit vom Altertum bis heute, van der Utopie bis zum Willen zur Verwirklichung de» Sozialismus gegangen ist. Wäre das in der Geschichte aufgehäufte sozialistische Geistesgut den Massen schon voll zum Bewußtsein gekommen, so wäre die Schrift überflüssig gewesen. Aber heute, wo große histo- rische Entscheidungen relativ schnell zur Verwirklichung gebrocht werden müssen, ist diese Schrift eine Notwendigkeit, um große Massen zur Erkenntnis der historischen Situation zu bringen, in der ihr politischer Wille die Entscheidung herbei- führen soll. Frieders Schrift führt in ihrem ersten Abschnitt„Sozialisicrung als Utopie" hin bis zu Karl Marx: Von Plotos idealen Staats- Vorstellungen und des biblischen Joses erster Getreidcplanwirtschast über Morus. Baco und Companella zu Fourier und Ballods Zu- kunftsstaat. Der zweite Abschnitt„Sozialisierung als Projekt" umreißt die sozialistischen Konzeptionen von Karl Marx im Kam- munistischen Manifest, die Forderungen der sozialistischen Partei- Programme bis hin zur Darstellung des Gildensozialismus, zu Rathenous und Wisiells planwirtschostlichen Ideen und der praktisch gewordenen Teilsozialisierung nach 1918. Die Darstellung der sowjetrussischen Wirtschaft im dritten Kapitel„Sozialisierung als Experiment" ist ein Verdienst, weil klar gezeigt wird, wie der Sozialismus in Ruhland versucht wurde und wird und warum gerade dieser Versuch auch heute noch eine Ausgabe ist und kein« sozialistische Wirklichkeit. Der vierte Abschnitt„Sozialisierung in Deutschland?" führt hin zum Gewerkschastsprogramm des ADGB. und des AfA-Bundes und gibt diesem Programm gegen- über den nationalsozialistischen Siegelfechtereien, dem Faschismus und bürgerlichen Planwirtschaftsschmieden seinen historischen Stand- ort und seine historische Bedeutung. Die Popularisierung des gewerkschaftlichen Umbouprogramm» und die Schrift von Frieder kommen zur rechten Zeit. Sie werden beide ihren Weg machen. Sie sind mehr als Munition für den Wahlkampf. Wenn die Wahlschlacht geschlagen sein wird, werden sie Bausteine sein zur Klärung der Meinungen unter geklärten politischen Machtverhältnissen. nicht entbehrt werten tonnten und deshalb mit Beschleunigung ge- schaffen werden müßten. Gelänge es nicht, in Kürze Hilfe zu schaffen, dann würde die Gefahr für Produktionseinschränkung und daraus folgend die Gefahr von Versargungsschwierigkeiten und unerträg- licher Preissteigerungen bedrohlich. Unter diesem Gesichtswinkel de- grüßte die Konferenz die Lösung des deutsch-schwedischen Handels- Vertrages, die Beseitigung der Zwijchenzölle für Speck und Schmalz und die Konlingenliening der Frühkartosfeleinsuhr als einen Ansang zur Errichtung eines wirksameren Schutzes der land- und forftwirt- schaftlichen Produktion. Reinigung bei Hirsch«Kupfer. Verluste von 46 Mill Mark.- Neugründungen Die Hirsch, Kupfer» und Messingwerke A.-G., Berlin, legt jetzt Bilanz und Geschäftsbericht für das Geschäfts- jähr 1931 vor, die Aufschluß über den Zusammenbruch dieies Unternehmens geben. Ueberraschenderweisc erfährt man, daß der katastrophal« Preissturz sür Kupfer und Zink dem Unternehmen keine Verluste gebracht haben: die Verwaltung erklärt weiter, daß das Werk in Finow unter anderen Verhältnissen mit einem Ueberschuß von etwa zwei Millionen Mark selbst in dieser.Krisenzeit arbeiten könnte Die„Verhältnisse", die trotz dieser günstigen Momente zu einem Verlust von etwa 16 Mill. Mark führten, sind zu suchen einmal in einer schlechten Geschäftsführung, die auf fremden Gebieten(Kupferhausbau, Finomfarm usw.) mit Experi- menten große Summen verpulverte, zum anderen in einer ver- hängnisvollcn Verbindung mit besreunbeten und abhängigen Gesellschaften. Der Vorstand, d«r inzwischen„in die Wüste geschickt" wurde, hatte bei Verschlechterung der Konjunktur versucht, die Geschäfts- bafis zu erweitern: danir wurden sehr hohe kurzfristige Bank» kredite, die sich von 1930 bis 1931 non 2 auf 16.8 Mill. Mark erhöhten, aufgenommen, die sin? übermäbiae Z in? b e l o st u n g verursachten— und Sie Experimente selbst schlugen auch fehl. Merkwürdig ist nur. daß der A u f s i ch t s r a t von all diesen Dingen nichts gewußt haben will: dieses Organ hat hier wie bei anderen Unternehmungen versagt. Sehr aufsällig ist, daß der Vorstand. der angeblich niedrige Gehälter bezog, im Jahre 1931 als Vorgriss aus die Tantieme nich weniger als 1,8 AM. Ntark entnahm Dieser Betrag, der wohl kaum zurückzuholen sein wird, ver- teilt sich aus vier bis fünf Leute. Bios müssen die Herren erst in guten Jahren an Tantieme bezogen haben?! Aus Forderungen müssen etwa 11 Mill. Mark ahgchchrie- ben werden, oavan entfallen etwa zwei Drittel auf zwei Firmen, aus die Metallhandelssirma Aron Hirsch u. Sohn und auf die Tochtergesellschast Baer u. Stein A-G Aus Weripopiere ustd Beteiligungen wurden 2,7 Mill. Mark abgeschrieben. Das 12-Mill.-Mark-.Kapital ist aus diese Weise fast völlig verloren- gegongen: es wird im Verhältnis 12 zu 1 auf 0.97 Mill. Mark zu- sammengelegt, woraus ein Buchgewinn von 1l Mill. Mark entsteht. Der Rest des Verlustes wird durch Auflösung von Re- serven gedeckt. Da die Werke, besonders dos in Finow, an sich rentabel arbeiten, immer noch zu V) Proz. ihrer Leistungsfähigkeit ausge- nutzt sind und etwa 2000 Arbeiter und Angestellte beschäftigen, schlägt man snlgendc Sanierung vor: Das Werk in Finow wird unter der Firma„H t r s ch Kupfer- und Messingwerke A.-G., F i n n w", selbständig gemacht. Sie erhält ein Kapital von 12,3 Mill. Mark(das der alten Gesellschaft übergeben wind) und übernimmt non der alten Gescllschast Bankschulden von 7 Mill. Mark und Lieferanten- schulden von 1,6 Mill. Mark. Sie erhält die Anlagen zum Buch» w«rt von 7,63 Mill. Mark, ferner Vorräte von 4.2 Mill.. Forde- rungen von 7,23 Mill. und fliissige Mitte! von 2 Mill. Mark. Die alte Gesellschaft, die die Werke in Ilsenburg undReinicken- darf und da? übrige Geschäft fortführt, erhält den Namen„B c r- lin-Ilsenburger Metall merke A.-G, Berlin". B«l einem Kapital von 0,97 Mill. Mark wind sie mit alten Bank- schulden von 20,7 Mill. Mark belastet sein: man hofit, diese durch den Verkauf der Aktien der Finower Gesellschait (12.3 Mill. Mark) wesentlich zu vermindern. Interessenten für diese Zlktien sollen in großer Zahl vorhanden, die Aktien zur Hälfte schon verkaust sein. Die belgische Kupserproduktions- firma Union Miniere du Haut Katanga wird sich zu 20 Pro;, an dem neuen Kapital beteiligen. Auch die Imperial Chemiral In- dustries Ltd.. London, die A3 Proz. des alten Kapitals besitzt, wird einen Teil des neuen Kapitals übernehmen. Mehr Besucher bei der Llsa. Die Verschärfung der Film-Kontingent-Verordnung vird begrüßt. Alljährlich veranstaltet die Ufa ein„Tressen" ihrer Vertreter und Mitarbeiter, auf dem Generaldirektor K l i tz s ch mehr oder weni- ger programmatische Reden zu halten pflegt. lieber das am 31. Mai zu Ende gegangene Filmjohr 1931/32 sagic Herr Ktigsch nach den üblichen Klagen über die Steuerbelastung, daß in diesem Krisenjahr die Ufa-Theater von 1.5 Millionen Besuchern mehr ausgesucht wurden als im vorhergehenden Jahr. Dabei aber die Preise niedriger waren, seien die Einnahmen um 10 Proz. zurückgegangen. Der Siegeszug des Tonfilms habe unter anderem die angenehme Folge gehabt, daß die Verwertung der Musik(Verkauf von Noten und Schallplatten) größere Ein- nahmen brachte. Wenn auch der Abschluß noch nicht fertig sei, da die Usa etwa 90 ausländische oder überseeische Tochter- gesellschaften habe, so sei doch mit einer befriedigenden Dividende(im Vorjahr 6 Proz.) zu rechnen. Was Herr Kligsch dann über die Beziehungen zuni Aueland. über die Frage der Kontingentierung der Filmeinsuhr usw. sagte. kann man dahin zusammenfassen:„Ein echter deutscher Unternehmer kann kein« ausländischen Filme leiden, aber die Devisen aus dem Ausland nimmt er gern!" Bielleicht hat auch der Herr des Hauses, Hugenberg, für diese Ausführungen einige Stichworte geliefert. Klitzsch sagte unter anderem: Der deutsche Tonfilm sei in Europa führend. Die Devisen- cingänge der Ufa hätten sich u m 4 5 P r o z. erhöht. Die.Kontingent« Verordnungen für die Filmeinsuhr dürsten„nicht nur aus wirt- sch astlichen Gründen(!). sondern sie müßten auch im Hinblick auf die kulturelle Mission des Films verstanden" werden! rorin%/'Don Jean Qiono (Schluß� „Also", sagte der Pfarrer,„wir haben«in« Pumpe. Da» Brunnenrohr hat sich losgelöst und hängt sozusagen im Leeren. Man muß e» unten wieder befestigen. Man muß hinuntersteigen.. „Ist Ihr Brunnen tief?" fragte der Dicke. „Nein", antwortete der Pfarrer,.nein, ja... das heißt, nicht besonders— er ist nur für das chaus: so fünfzehn, zwanzig Meter höchstens." „Ist es weit?" „Nein, hier ist er." Der Pfarrer ging auf eine Ecke des chofe» zu, und der Dicke folgte ihm. Der andere, im weiten Mantel, folgte. In die Mauer war ein Türchen eingelassen und unterhalb stand ein steinerner, vom Wasser zerfressener Brunnentrog. Der Pfarrer öffnete das Türchen, die Angeln kreischten, und zwei oder drei rostrote Tropfen fielen auf die Steinfliesen. „Hier, sehen Sie?" Der Brunnen strömte einen säuerlichen Geruch von Sumpf- pflanzen und unterirdischem Wasser aus. Kleine Steine schienen ab- zubröckeln und fielen mit leisem Glucksen in die Tiefe. Der Pfarrer neigte sich, möglichst weit vom Rande entfernt, hinunter, wich gleich- zeitig aber noch mehr zurück. Man hörte, wie seine Zehen sich in den Schuhen sestkrampften „Also, sehen Sie!" Es sah aus, als wollt« er sich entschuldigen. „Sie sind ja zwei", fügte er hinzu. Der Dicke sah auf seinen Gefährten. Der stand da, immer noch schlotternd in seinem weiten grauen Mantel. Er hatte überhaupt kein Gesicht, nur Augen, kühle, blaue Augen, die unausgesetzt auf die schwarze Sutane des Pfarrers gerichtet waren, aber durch sie hindurchzublicken und wieder heroorzutauchen schienen— die trauernde Seele der Welt. Er zittert« und schluckte mühsam an seinem Speichel, wobei sein Adamsapfel sich krampfhaft bewegt«. „Schön. Herr Pfarrer", sagte der Dicke,„ich werde e» schon machen, ich mache es zwar allein, ober ich werde es schon machen." Martha erschien auf dem Balkon. „Herr Pfarrer, Sie müssen jetzt Ihre Musikstund« geben." Gerode zog jemand die Klingel. Er ging öffnen: es war ein blonder, kleiner Junge in einem schönen warmen Mantel. „Geh' nur hinauf, lieber Ren�, ich komme gleich nach." Er kam noch einmal zu den Männern zurück. „Die Mauer ist vielleicht nicht mehr ganz fest." „Setz' dich dorthin, Alter", sagte der Dicke. In einer Ecke des Hofes war«ine Tür. Dahinter hört« man Kaninchen quietschen. „Setz' dich dorthin. Ist dir auch nicht zu kalt?" Dann hockte er selber nieder und begann, sein« Schuhbänder aufzuknoten. „Ich geh' lieber mit bloßen Füßen. Man kann sich mit den Nageln besser festhalten..* Nun knöpfte er seine Hose auf und zog sie aus. „Mit bloßen Beinen ist man freier, die Hose macht schwer. Leg' sie um deine Schultern, sie hält warm." Die auffteigende Feuchtigkeit des Brunnens dampfte in der kalten Luft des Hofes. „Wenn es nötig ist, werde ich schreien", sagte er, als er im Begriff war, hinunterzuklettern. Der Dicke hielt sich noch mit den Händen am Rande fest, und sein Kopf war noch zu sehen. Er blickte in die schwarze Tief«. Man merkte, daß er die Stützpunkte für seine Füße abschätzte. „Ich sehe die Löcher, Alter, es wird ganz gut gehen." Er verschwand. Man oernahm«ine Harmoniummelodie: die Tön« stiegen immer steiler in die Höh«— geradewegs zum Himmel, schien e» Der Pfarrer spielt« nicht übel. Nach einer kleinen Pause wurde die Melodie von dem ungelenken Händen de« kleinen Rene wiederholt. Der Tag oersank. Oben aus der Galerie standen«ine Reih« Kaktustöpfe und ein Veilchentopf. Der Mann starrte aus die Blumen. Die Nacht rann in den Hof nieder wie in ein Wasserbecken. Bald sah man keine Blumen mehr. Die Nacht stieg schon bis zum zweiten Stockwerk empor. Der Mann richtete sich auf, trat an den Brunnen, bewegte sich mit der Hand nach dem Rande und starrte hinunter. Es war, als wäre aus der Tiefe ein Kratzen vernehmbor. „Hollo!" schrie er „Hollah!" antwortete der andere von unten. Der Ion wand sich einen Augenblick später an die Oberfläche, gleichsam erstickt oon einer dicken Matratze aus Lust. „Holte dich gut", sagte der Mann „Ja", antwortete die Stimme. Dann stagte sie:„Und was machst du da oben?" Der Mann wollte sich gerade wieder setzen, als Martha auf der Galerie erschien, eine Lampe in der Hand. „Können Sie so sehen, Herr Rene?" Der blonde Junge verließ das Haus. Martha blickte in den Hof hinunter. „Ich glaube, sie sind weg", sagte sie. Der Di