Belagerungszustand über Berlin Rapen setzt Preußenregierung ab Militärkommandant herrscht Uber Berlin 10 Pf. Nr. 338 B 164 49. Jahrgang BERLIN Mittwoch 20. Zlltt 1932 Rebaftiott u. Expedition: Berlin SV 68, Sinti enftt. 8 XeL A7 Dönhoff 292—287 krsch eint tiiglich außer Sonntags gugl-ich«b-nt-uegabe dt«„Vorwürt«". Be«ng»pr«is fürd,id«Au«gib«n7SPf. pro Woche,»,25 M. pro Monat flmiJon 87 Pf. monatlich für Zustellung in- Haus) im--ran- zahlbar. Postbezug S.S7 M. einschließlich «0 Pf. Postzeitung», und 72 Pf. Postbestellgebiihren. SftMaaig�c Aei> Anzeigenpreis: Die Isplt. MM- meterzeile»0Ps. DieRellamezeile lostet 2 Mari. Rabatte n. Tarif. Der Reichskanzler von Papen empfing heute vor» mittag 10 Uhr die Preußischen Minister Hirtfiefer. Severing und Klepper. Im Verlaufe der Unter- eroung teilte der Reichskanzler mit. daß sich die Reichsregierung entschlossen habe, den Reichskanzler selbst als Reichskommissar für Preußen und den Oberbürgermeister von Essen Bracht zu seinem Stellvertreter— d. h. zum kommissarische« preußischen Innenminister— und Leiter der Staats» kanzlei zu ernennen und zwar aus Grund des Ar» tikels 48 Abs. 2 der Reichsversassung. In der Unterredung mit dem Reichskanzler hat sich der preußische Innenminister Severing ge- weigert, die Verordnung des Reichspräsidenten an» zuerkennen und erklärt. er weiche nur der Gewalt. Der Reichspräsident hat darauf eine zweite Ver- ordnung erlassen, wonach über Berlin und Branden» bürg der militärische Ausnahmezustand erklärt wird. Die vollziehende Gewalt ist daher für Berlin und Brandenburg auf den Befehlshaber des Wehrkreiseslll, GencralRundstedt. über- gegangen. Ihm untersteht auch die Berliner und Brandenburger Polizei. Der Wortlaut der Verordnung. Verordnung des Reichspräsidenten belrefsend die Wieder- Herstellung der öfsenllichen Sicherhell und Ordnung Im Gebiet« de» S(indes Preußen vom 20. Zuli 1932. Auf Grund des Artikels 48 Absah 1 und 2 der Reichsversassung verordne ich für Wiederherstellung der öfsenllichen Sicherheit und Ordnung im Gebiete des Lande» Preußen solgendes: ß 1. J'ir die Geltungsdauer dieser Verordnung wird der Reichskanzler zum Reichskommissar für da? Land Preußen bestellt. Er ist in dieser Eigenschaft ermächtigt, die Mitglieder des preußischen Staatsministerium» ihr?» Amte» zu ent- heben. Er ist weiter ermächtigt, selbst die p i en st g e s chä s te de» preußischen Ministerpräsidenten zu übernehmen und andere Personen al» Kommissare des Reiches mit der Aühnmg der preußischen Ministerien zu betrauen. Dem Reichskanzler stehen alle Lefugnisse de» preußischen Minislerpräsidenten, den von ihm mit der Führung der preußischen Ministerlen betrauten Personen innerhalb Ihre» Geschäftsbereiche» olle Befugnisse der preußischen Staatsminister ,u. Der Reichskanzler und die von ihm mit der Führung der preußischen Ministerien belraulen Personen üben die Befugnisse des preußischen Staat»- Ministerium» aus. ß 2. Diese Verordnung«ritt mit dem Tage ihrer verkündung in Kraft. Reu deck und Berlin, den 20. Zu» 1932. gez. von Papen gez. von hindenburg. Ein Offizier, ein Mann. Gegen 12* Uffr ei schien im Preußischen Staats- Ministerium WuHeimstr. 63 ein �etchswehroffizier in Begleitung von einem Ztachswehrmatm. Unser Carl Severing Jetzt erst recht: Freiheit! Fahnen heraus! Grzesinski abgescht Nachfolger: Polizeipräsident Melchior von Essen. Wie wir erfahren, hat der Berliner Polizei» Präsident Grzesinski seinen Posten an den Esse» ner Polizeipräsidenten Melchior ab» getrete«. Preußens Protest Giaaisgenchtshof wird angemfen Die preußische Staatsregierung nimmt einstim- miq zu den preußischen Vorgängen wie folgt Stellung: Die Einsetzung des Reichskommiffars für Preu- ßen. dem die gesamte vollziehende Gewalt übertragen wird, widerspricht nach Ansicht der preußischen Staatsregierung der Reichsverfassung: I. 1. weil kein Anlaß zu einer solchen Maßnahme vorliegt. 2. weil die Einsetzung keine..nötige Maßnahme zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherhett und Ordnung" ist. Z. weil die Einsetzung vielmehr andere Zwecke verfolgt. Die preußische Staatsregierung wird daher sofort den Staatsgerichtshof anrufen und bis zu dessen Entscheidung den Erlaß einer einstweiligen Verfügung beantragen. il. Soweit auf Grund des Art. 48 der Reichsver- fassung unmittelbar oder mittelbar durch eine« Reichskommiffar in Art. 17 der Reichsversasiung ein- gegriffen wird, so z. B. durch Absetzung von Ministern oder Ernennung neuer Minister, oder in Art. 63 der Reichsversassung, wonach die Länder im Reichsrat durch Mitglieder ihrer Regierungen vertreten wer- den, wird die preußische Staatsregierung einen solchen Eingriff als ungültig und nicht vor- Händen ansehen. Geverings Rechtsverwahrung. Schärfste Proteste Severings und Hirtsiefers bei Popen. Der Reichskanzler von Papen hat die preußischen Minister Hirtfiefer, Severing und Klepper zu einer Be- sprechung ohne Tagesordnung geladen. Die genannten Minister haben am 20. Juli 1932 dieser Einladung Folge geleistet. Au Bestinn der Besprechung hat der Reichskanzler gesagt: die Reichsregierung beachte die Lage in Preußen seit längerer Zeit auf- merksam und sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Ruhe, Sicherheit und Ordnung in Preußen nicht mehr gewährleistet sei. Der Reichspräsident habe daher der Reichs- regierung außerordentliche Vollmachten gegeben und auf Grund dieser Vollmachten aus Art. 48 Absatz 1 und 2 hat der Reichskanzler den preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun und den preußischen Minister des Innern Severing heute ihres Amtes entsetzt. Preußischer Ministerpräsident sei durch die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten der Herr Reichskanzler von Papen, der Herrn T>r. Bracht zu seinem Bevollmächtigten und preußischen Minister des Innern ernannt habe. Auf diese Mitteilung erklärte der preußische Minister des Innern, daß er diese Derord- nung nicht als verfassungS- und rechtmäßig anerkennen könne, er bestreite, daß Preußen, die ihm nach der Verfassung und nach den Gesetzen obliegenden Pflichten nicht erfüllt habe. Er b c st r e i t e ferner entschieden, daß in Preußen die öffentliche Sicherheit und Ordnung st ä r k c r g e st ö r t sei als in irgendeinem anderen deutschen Lande, Dies träfe um so mehr nicht zu, wenn man bedenke, daß in Preußen die größten Gefahrenzonen und Gefahrengebiete lägen. Er erkläre daher, daß er von seinem plaße nur der Gewalt weichen würde. Diese Tage schrieben Weltgeschichte und ein republikanischer Minister würde nicht mit dem Makel der De- sertion aus seinem Amte scheiden. Auf diese Weigerung hin habe der Reichskanzler von Papen versucht,«ine gütliche Verabredung zu konstruieren, worauf Severing erklärte, eine Verabredung könne nur zwischen gleichberech- tagten Partnern zustande kommen. Von einem solchen Verhältnis der Gleichberechtigung könne hier aber nicht die Rede sein, denn die Reichsregierung habe die preußische Regierung zum Appell be- sohlen und vgr vollendete Tatsachen gestellt. Der Herr Reichskanzler irre, wenn er glaube, daß feine, Severings Weigerung verfolge, um das Gesicht zu wahren, persönliche Momente spielten hier keine Rolle. hier handele es sich um einen Akt vaterländischer Pflichterfüllung gegenüber Preußen und Deutschland. Em Minister, der acht Jahre in der polizeilichen Praxis stünde, der sich auf die Beamten seines Ressorts verlassen könne, würde den Erfordernissen der heutigen schwierigen Zeit viel besser gerecht werden können, als ein neuer Mann, der sich er in die Verhältnisse Popen und Bracht einarbeiten müsse. Nur diese Motiv sei für ihn maß- gebend und nicht irgendwelche persönlichen Prestigegründe. Minister Hirtsiefer schloß sich diesen Erklä- rungen voll an. Die ganze Art des Bor- gehenS sei so ungewöhnlich, daß sie in der Geschichte ohne Beispiel dastände. Ohne der preußischen Staatsregierung eine Mitteilung davon zu machen, daß bei der Reichsregierung die Ansicht bestünde, daß die Voraussetzungen des Artikel 48 Abs. 1 und 2 vorlägen, sei über den Kopf der preußischen S t a a t s r e g i e r u n g ver» handelt worden, ja, es seien sogar andere Beteiligte und Unbeteiligte früher in Kenntnis gesetzt als die preußische Staatsregierung. Das sei so ungewöhnlich, daß er nicht verstehen könne, wie die Reichsregierung, besonders auch der fzerr Reichs- minister des Innern von Gayl, der acht Jahre im Reichsrat die Interessen und Rechte der Länder vertreten habe, zu einem solchen Vorgehen seine Zustimmung geben könne. Er, Hirtsiefer, protestiere energisch gegen dieses unerhörte Borgehen und behalte sich weitere Mitteilungen vor, so wie die Staatsregierung Gelegenheit gehabt habe, zu diesem Borgehen Stellung zu nehmen. Der Reichkanzler betonte noch, daß ihm daran läge, die Frage der Geschästsübernahme auf gütlichem Wege zu regeln. Zu dieser Art der Erledigung dränge ihn besonders die persönliche Hochachtung, die er vor dein preußischen Minister des Innern Severing empfände. Es seien aber Gründe der Staatsraison, die ihn zu seinem vorgehen zwingen. Minister Zcvcring wiest sofort dnraus hin, daß also nicht Gründe der Verfassung oder der Gesetze, sondern allein die«taatsraison, wie Herr von Papen sie auffasse, dieses gesetzwidrige Vorgehen der Rcirhsrcgicrung veranlassen. Auch Weiß und Heimannsberg. Wir wir weiter erfahren, sind außer dem Polizei- Präsidenten Grzcsinski auch Vizepräsident Tr. Weiß und der Kommandeur der Vcrlincr Schutz- Polizei Cberst Hcimannsbcrg zurückgetreten. An Stelle von lObcrst Hcimannsbcrg ist Oberst P o t c n zum Kommandeur ernannt worden. Zeiir den Polizcivizcpräsidcntcn ist noch kein Nachfolger bestimmt. Bayern protestiert. Heute bayerischer Ministerrat. M ü n ch e n, 20. Juli. l Vigenbcricht.) Das Vorgehen der Papen-Schleicher-Negierung gegen Preußen hat in bayerischen Regierungs- kreisen wie eine V o m b e eingeschlagen. Der bayerische Ministerrat wird noch im Lause des heutigen Tages zu der ungeheuren Verschärfung der staatspolitischcn Situation Stellung nehmen, denn man steht auf dem Standpunkt, daß durch die ftlewaltmaß- nahmen der Ncichsrcgierung die E-xistenz aller deutschen Länder und die Grundlage des Reiches auf das aller- schärfste bedroht sind. Nach Mitteilung von zuständiger Seite erbliitt die bayerische Regierung in diesem Vorgehen eine ganz un- mögliche Anwendung des Artikels-thi der Reichsver- fassung? Gegen diesen revolutionären Schritt, der voll- kommene Abhängigkeit von Hitler dokumentiere, werde sich Bayern mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln und mit den alleräußerste« Mittel» zur Wehr setze». Unsere Antwort: 31. Juli! Ann erst recht!- Jeder tut seine psticht! Die Vorgänge von heute morgen sind ungeheuer- l i ch und stehen in der Verfassungsgeschichte der deutschen Republik ohne Beispiel da. Sie sind die Konsequenz der Eni- wicklung, die mit der Einsetzung des Kabinetts Schleicher- Papen begonnen hat. Gegen diese Vorgänge und gegen das Vorgehen der Reichsregierung, das eine Protesterklärung der preußischen Staatsregierung für nicht mit der Verfassung vereinbar erklärt, werden zwei Instanzen angerufen werden. Die eine Instanz ist der Staatsgerichtshos für das Deutsche Reich. Die preußische Staatsregierung fordert von ihm eine einst- weilige Verfügung gegen das Vorgehen der Reichs- regierung. Geht es nach Recht und Gerechtigkeit, so muß sich der Staatsgerichtshof auf den Standpunkt der preußischen Regierung stellen und muß mit ihr gemeinsam zu dem Schlüsse kommen, daß das Vorgehen der Reichsregierung im Lande Preußen in der Reichsoersassung keine Stütze findet! Die höhere Instanz aber, die zum Urteil. über diese ungeheuerlichen Vorgänge berufen ist, ist das Volk! Es ist berufen, a m 3 1. I u l i s e i n U r t e i l a b z u g e b e n. Wir rufen das Volk auf, an diesem Tage, der entscheidend sein.- iro für die fernere Entwicklung.n Deutschland, ohne jede Zersplitterung, ohne jede Ablenkung unter Einsatz seiner ganzen Kraft und seines Willens zur Behauptung der Frei- heil sich einzusetzen bei der Reichstagswahl. Wir rufen das ganze Volk auf, am 31. Juli sein Urteil über diese ungeheuerlichen Vorgänge zu sprechen und dieses Urteil so überwältigend wie möglich zu gestallen. Run erst recht! Wir rufen auf, die Propaganda durch Presse und Versammlungen zu oervielfachen, so- weit unter den gegenwärtigen Ilmständen in Preußen diese Propaganda nicht mehr möglich sein wird, so muß durch unermüdliche Propaganda von Mund zu Mund das Urteil des Volkes gefestigt werden. Jeder einzelne hat die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Wahrheit ins Volk dringt. Jeder einzelne muß seine Stimme erheben für Gerechtigkeit und Freiheit, jeder einzelne muß dafür Sorge tragen, daß das Volk am 31. Juli weiß, wie es zu entscheiden hat. Jetzt gilt es, unsere Anstrengungen zu vervicl- fachen! Die Freiheit ist bedroht, nun erst recht: i Freiheit! Der Belagerungszustand Verordnung des Reichspräsidenten Auf Grund des Artikels 4s Absatz 2 der Reichsverfassung verordne ich zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in Grvh-Verlin und Provinz Brandenburg folgende?: !? 1. Die Artikel 114, 115, 117, 118, 123, 124 und 153 der Verfassung des Deutschen Reiches werden bis auf weiteres außer Kraft gesetzt. Es find daher Beschränkungen der persönlichen Zrei- hei», des Rechts der freien INeinungäußerung einschließlich der Pressefreiheit, des Vereins- und Versammlungsrechtes. Eingriffe in das Brief-, vost'. Telegraphen- und Zernsprechgeheimnis. Anordnungen von Haussuchungen und von Beschlagnahmungen sowie Je- schränkungen des Eigentums auch außerhalb der sonst hierfür be- stimmten gesetzlichen Grenzen zulässig. 8 2. Mit der Bekanntmachung dieser Verordnung geht die voll- ziehende Gewalt auf den Reichswehrminister über, der sie auf Militärbesehlshaher übertragen kann. Zur Durchführung der zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen wird dem Inhaber der voll- ziebenden Gewalt die gesamte Schutzpolizei des bezeichneten Gebiets unmittelbar unterstellt. wer den im Jnleresse der öffentlichen Sicherheit erlastencn An- ordnungen des Reichswehrministers oder des Rlilitärbcsehlshabers zuwiderhandelt oder zu solchen Zuwiderhandlungen aussorderl oder anreizt, wird, sosern nicht die bestehenden Gesetze eine höhere Strafe bestimmen, mit Gefängnis oder Geldstrafe bis zu 15 000 vlart bestraft. Wer durch Zuwiderhandlung nach Absatz 1 eine gemeine Gefahr für Menschenleben herbeiführt, wird mit Zuchthaus, bei mildernden llmständen mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten und, wenn die Zuwiderhandlungen den Tod eines Menschen verursachen, mit dem Tode, bei mildernden Umständen mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft. Daneben kann auf Vermögenseinziehung erkannt werden. Wer zu einer gemeinen Gefahr oder Zuwiderhandlung(Absatz 2) auffordert oder anreist, wird mit Zuchthaus, bei mildernden Um- ständen mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft. 8 4- Die in den§§ 81(Hochverrat), 302(Brandstiftung), 311(Explo- sion, 312(Ueberschwemmungen), 315 Absatz 2(Beschädigung von Eisenbahnanlagen) des Strafgesetzbuches mit lebenslänglichem Zuchthaus bestraste» Verbrechen sind mit dem Tode zu bestrasen, wenn sie nach der Vertündung der Verordnung begangen sind, unter der gleichen Voraussetzung kann im Falle des � 92 (Landesverrat! des Strafgesetzbuches auf Todes st rase erkannt werden: ebenso in den Fällen des§ 125 Absatz 2(Rädelsführer und Gewalttätigkeiken bei Zusammenrottungen) und§ 115 Absatz Z (Rädelsführer und Widerstand bei Aufruhr), wenn der Täter den Widerstand, die Gewalt oder Drohung mit Waffen oder ein be- wußte? oder gewolltes Zusammentreffen mit Bewaffneten be- gangen hat. 8 S- Aus Ansuchen des Inhabers der vollziehenden Gewalt sind durch den Reichsminisier der Justiz außerordentliche Gerichte zu bilden. Zur Zuständigkeit dieser Gerichte gehören außerdem im§ 3 der Verordmma des Reichspräsidenten vom 29. März 1921(Reich?- gesegblatt S. 371) ausgeführte Straftaten, auch die Vergehen und Verbrechen nach Z 3 der vorliegenden Verordnung. 8 6. Diese Verordnung tritt mit der Vertündung in Kraft. Neudeck und Berlin, den 20. Juli 1932. Der Reichspräsident: gez. v. hindenburg. Der Reichskanzler: gez. von Popen. Der Reichsminister des Innern: gez. Freiherr von Gayl. Der Reichswehrminister: gez. von Schleicher. Schleicher und Rundstedt. Auf Grund der Berordmmg des Reichspräsidenten vom Vi Juli 1932 übertrage ich die vollziehende Gewalt für den Bezirk Groß-Berlin und Provinz Brandenburg aus den Befehlshaber im Wehrkreis 3, Generalleutnant von Rundstedt. gez. Schleicher. Eine unmögliche /Begründung� Die amtliche Mitteilung. Amtlich wird mitgeteilt: „Durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 20 Juli 1932 ist der Reichskanzler zum Kommissar für Preußen bestellt worden. In dieser Eigenichast hat er aus Grund der ihm erteilten Vollmachten den Ministerpräsidenten Braun und den Minister des Innern Severing ihrer Acmler enthoben. Die Befugnisse und Aufgaben des preußische» Ministerpräsidenten sind auf den Reichs- kanster als Reichskommissar übergegangen. Di« Selbständigkeit des Landes Preußen im Rahmen der Reichsverfassung wird nicht angetastet. Die Reichsregierung KeStfung! Heute, 20 Uhr, in allen Kreisen Kreis* vorstandssitzungen mit den Abteilungsleitern in den bekannten Lokalen. erwartet vielmehr, daß alsbald eine Beendiaung des auf Grund der ?totverordnung geschaffenen Zustandes eintreten wird. Die blutigen von kommunistischer Seite hervorgerufenen Un- ruhen haben die Reichsregierung vor die schwere Ausgabe gestellt, von sich aus für Ruhe und Sicherheit im größten Teile Deutsch- lands zu sorgen. In den übrigen deutschen Ländern, in denen die Polizeibehörden straff geleitet werden, besteht keine Besürchtung. daß kommunistische Ilmtriebe Erfolg erzielen. Die Reichsregierung be- dauert lebhast, daß diese Voraussetzungen für Preußen nicht in dem notwendigen Umfange zutreffen, obgleich die o r t l i ch e n P o l i z e i- o r g a n e durch Einsatz von Person und Leben der B c- amten sich demüht haben, der offenbar von langer Hand vor- bereiteten Unruhen Herr zu werden. In P r e u ß e n hat die Reichsregierung die Beobachtung machen müssen, daß Planmäßigkeit und Zielbewußtheit der.Führung gegen die kommunistische Bewegung fehlen. Es ist kein Zweifel, daß gerade in Preußen die kommunistische Kampforganisation am straffsten und erfolgreichsten aufgetreten ist und an den verschiedenften Orten ernste und blutige Unruhen hervorgerufen hat. Es besteht der begründete Verdacht, daß hohe preußische Dienststellen in Berlin und an anderen wichtigen Punkten nicht mehr die innere Unabhängig- keit besitzen, die zur Erfüllung ihrer Ausgabe notwendig ist. Dadurch ist in weiten Kreisen der Behörden, der Exekutivbeamten sowie der Bevölkerung die st a a t l i ch c Autorität er- s ch ii t t e r t. Verstärkt ist dieser Eindruck in der Oesfentlichkeit durch die ungezügelten scharfen Angrisse des preußischen Ministers des Innern und anderer hoher Beamter gegen die Reichsregierung. Die notwendige vertrauensvvllc Zusammenarbeit zwischen Reichs- regierung und Landesregierung ist durch dieses Austreten unmöglich gemacht worden Unter diesen unerträglichen Umständen ist die vor- übergehende Zusammenfassung der Machtmittel des Reichs und Preußens in der Hand des Reichskanzlers als Reichskommissar siir Preußen der einzige Weg zur raschen Befriedung des größten deutschen Landes." Was bedeuiet Artikel 48? Aus Grund des Artikels 48 können die Verfassungsartikel 114, 115. 117, IIS, 123. 124 und 153 vorübergehend außer Kraft gefetzt werden. Artikel 114 besagt: die Freiheit der Person ist unverletzlich Artikel 115 stellt die Anneriehlichkeit der Wohnung fest. Artikel 117 enthält das Postgeheimnis. Artikel IIS enthäli preß- und Redefreiheit. Artikel 123 stellt das Versammlungsrecht fest Artikel 124 vereinsrecht. Artikel 153 gewährleiste» das Eigentum. England und die Goldwährung. Im Unterhaus erklärte Schatz» konzler Neville Chamberlain zu der Forderung des Gouverneurs der Bank von England nach Ruckkehr zur Goldwahruno. die Regie- rung beabsichtige weder jetzt noch wahrend der Parlomentsfericn noch in unmittelbarer Zukunft die Goldwährung wieder einzuführen. Ulm-Nazis- Nie Kilmproduzenten i Mcrorts knallen Pistolenschüsse, setzt es Prügel und Messer- stiche— das ist„das Erwachen des neuen Deutschlands", Sein „geistiger und kultureller" Niederschlag?— Die Filmindustrie, ein Kunstgewerbe, ein Modcnbctrieb, stets rasch und gewandt wie ein Schausensterdekorateur in der Beantwortung der Frage, was gc- wünscht sei, stets instinktsicher, was GeschnW und Bedürfnis chrer Kundschaft betrifft, beginnt il?rc Fahne nach dem Wind zu drehen in der Vorahnung einer neuen Konjunkturwelle. Ob Kriegs- und Pazifistenfilme— ob srifch-fromm-fröhlichc Militärschwünke— gleichviel— wo Hunderttausende riskiert und Millionen verdient werden wollen, spielt Gesinnung keine Rolle Die Herren in den Büros der Friedrichftraße scheinen wenig Vertrauen zum Bestand der demokratischen Republik zu haben. Noch besteht sie und wird auch weiterhin bestehen, aber die Industrieritter des Films, gewöhnt an Kulissenklamauk und rasch erliegend jedem Bluff, disponieren als vorsichtige Kapitalisten vor und— wie immer daneben, Sie reden uns ein, dem G e s ch m a ck des Publikums zu dienen, m Wahrheit aber diktieren sie den Geschmack des Publikums. Das Theater ist an diesen Methoden pleite gegongen, der Film wird bald ebenso weit sein, denn die Masse des Publikums läßt sich nicht diktieren, vor allem aber laßt sie sich von der Leinwand her keine Partcigesinnung aufdrängen, die sie ablehnt. Die Licbäugelei mit dem vor- kriegszeitlichen Militarismus hat sie noch als eine harmlose Rcnktionserscheinung teils belustigt, teils gelangweilt auf- genommen Schüchterne Versuche durch aberlehrerhaftcn Gcschichts- Unterricht dos„Gewissen der Nation zu rühren", haben die Grenze des Erträglichen erreicht. Was aber jetzt die deutsche Filmproduktion ankündigt, überschreitet bereits diese Grenze und muß den Protest aller Kreise herausfordern, die am Fortbestand des Films in seiner reinsten und unzweideutigsten Bestimmung interessiert sind, „Der T o d e s r l t t von M a r s- l a- T o u r". großer vater- ländischer Film, als der er in den Fochblättern angekündigt wird— „Deutschland d u kannst nicht untergehen!"— „T a n n e n b e r g"—„M arsch all Vorwärts"—„Die elf S ch i l l sch e n Offiziere"—„M> ch e l, wach au s".— Das droht uns für die nächste Spielzeit, Es sind dies aber bestimmt noch nicht alle„großen vaterländischen Filme", die auf uns los- gelassen werden, vielmehr läßt es sich voraussehen, daß diese den bescheidenen Anfang einer neuen großen Serie darstellen. Dabei handelt es sich aber bei diesen angekündigten Filmen keineswegs nur um Firmen wie die Ufa, deren Mittel aus dem Kaffenbestand des Hugenberg-Konzerns stammen, nein, sondern um Firmen, die allen Grund und Ursache hätten, nicht mit denjenigen Wölfen zu Keulen, von denen sie zweifelsohne aufgefressen werden, auch wenn sie sie jetzt füttern. Daß sie dieser Gefahr nicht entgehen, zeigen - Nazi-Ulme lachen in Vairwiism'- sehr eindeutig die Angriffe gegen pe in der nationalsozialistischen Filmfachzeitung„Der Deutsche Film". Die Nazis sind mit der flinken vaterländischen Tendenz der Friedrichstädter Filmproduktion ganz und gar nicht einig, sondern antworten auf die nationalistischen Bestrebungen der Herren Produzenten sehr unerwartet grob. So schreiben sie in der Nummer vom lö, Juli der obengenannten Fach- zeitung über Rudolf M e i n e r t, den Regisseur der„Elf Schill- schen Offiziere" u. a,:„Derselbe Meinert kümmert sich nun plötzlich sehr um die„deutsche Geschichte" und die„deutsche Belange"— aber nur aus dein Grunde, weil sie ein Geschäft sind und er mit„Rosen- montag" und der stummen Fassung der„Elf Schillschen Offiziere" ein Geschäft gemacht hat. An anderer Stelle äußert sich das Film- orga» der NSDAP, über die ircugegründete„Deutsche Spiel- film G, m, b, 5>", die aus der„Resco", der Firma, die voriges Jahr den pazifistischen Film„Niemandsland" herstellte, heroorge- gangen ist und fetzt unter neuer Firincnflagge den„M i ch c l, wach a u s!" ankündigt, folgendermaßen:„Deutsche Spielfilm GmbH,". ausgerechnet nennt sich eine Film-„Praduktionsfirma", deren künft- lerischer Leiter der zur Genüge allen Berlinern bekannte Dr.(Dr.!) Karl Wilczynski ist... Ja wir werden es diesen Herren vcr- niassel»! Ob der Herr Reichsinnenminister laut der neuen Film- kontigentbcstimmungcn diesen Herren Ausnahmcrcchte zubilligt?" Und wenn gar im Leitartikel derselben Nummer u, a. gesagt wird— „und jetzt eine Flut von ernsten Militärtragödien mit nationalem Einschlag, damit die bösen Nazis sehen sollen, wir können auch so— päh— und nehmen euch eure Puppenlappen weg!"— dann ist der Höhepunkt der Undankbarkeit gegen die Herren Produzenten, die den Nazis die Hand zum Bunde reichen wollten, erreicht, Diese Blütenlese aus dem nationalsozialistischen Filmfoäiorgan stellt natürlich nicht, wie auch kaum anzunehmen wäre, eine Ab- lehnung des„vaterländischen" Films dar, sondern bedeutet ledigl'ch eine scharfe Kampfansage gegen die Konkurrenz, Die Nazis wallen selb st ihre Filme her stellen,„aus eigenen Kapitalien", und selbst damit das Geschäft machen. Und das sollen sie auch. Die anderen aber seien vor ihrem übereifrigen Entgegen- kommen in Zukunft gewarnt. Wir aber, denen der Kunst- und Ge- sinnungsbetrieb in der Berliner Filmstadt längst zum Halse heraus- hängt, wir sollten uns endlich darauf besinnen, daß gerade der Film für uns ein nicht zu entbehrendes Machtmittel im Kampfe um unsere soziale und künstlerische Weltanschauung bedeuten kann. Der aus unseren Kreisen längst und immer wieder angeregte Vorschlag, eine Organisation der Filmbesucher zu schassen, die es er- möglichen würde, auch die Filmproduktion zu beeinflussen, verdient neuerlich größte Beachtung, Sie müßte zu dem notwendig starken Gegengewicht gegen Film-Nazis und Nazi-Film ausgebaut werden, Das ist eine bedeutungsvolle Forderung im Kulturkamps gegen die Reaktion,' üh L. Wer ist Bracht? Franz Bracht, Oberbürgermeister von Essen, ist am 23. November 1877 in Berlin geboren. Er wurde Jurist und war End« ISY? als Staatsanwalt in Essen tötig, wurde dann Oberstaatsanwalt und 1911 Regierungsrat im Reichsversicherungsamt. 1919 Ministe- rialdirektor im preußischen Ministerium für Volkswohlsahrt, Bei der Bildung des Kabinetts Marx Anfang Dezember 1923 wurde er zum Staatssekretär und Ehei der Reichskanzlei ernannt, obwohl er bis dahin politisch nicht hervorgetreten war. Er galt als ein Freund Adam Stegerwalds und bezeichnete sich, als er gegen Ende des Jahres 1924 mit Leitern der Stadt Essen wegen lieber- nahm« des Oberbürgermeisteramtcs an Stelle von Dr, Luther oer- handelte, als dem Zentrum nahestehend. Seit Mitte Dezember 1924 ist er Oberbürgermeister von Essen, Er ist mit dem deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Professor Martin Spahn verschwägert, Der Essener Oberbürgermeister Bracht gehört zu jenen Politi- kern, die weit rechts vom Zentrum stehen, dennoch aber politische Beziehungen zur Zentrumspartei unterhalten. Bracht bezeichnet sich selbst als dem Zentnim nahestehend, er wird jedoch in rhemischen Zentrumskreisen als ein sehr unsicherer Kantonist be- trachtet. Cm führender rheinischer Zentrumspolitiker charakterisiert« ihn mit den Worten:„Ein gefährlicher Mensch," Bracht unterhält engste Beziehungen zur Schwerindustrie, vor allem zu dem engsten Kreise Hugenbergs, der in Essen sitzt, In der letzten Zeit hat sich Bracht immer niehr nach rechts ent- wickelt. Seit Monaten halten die Nationalsozialisten ihm gegenüber Burgsrieden. Unser Essener Parteiblatt hat ihm seine Rechts- schweirfung wiederholt öffentlich vorgeworfen. Ministerfchub in Aom. Auch Grandi abgesägt. Rom, 20. Juli. Die„Agenzia Ztefani" meldet: Ter König hat den Rücktritt des Außenministers Grandi, des Finanz- Ministers M o s c o n i, des Justizministers R o c c o, des Erziehungsministers Giuliano und des Korporationsministers Bottai entgegengenommen. Er ernannte zum Minister für auswärtige Angelegenheiten und Kor- porationen den Regierungschef, zum Justizminister den Abgeordneten und Rektor der Universität Rom, Prof. de Francisci, zum Finanzminifter den Abg. Guido Jung und zum Erziehungsminister den Abgeordneten und Rektor der Universität Palermo, Prof. Ercole. Eben noch haben Grandi und Mosconi, die Vertreter Italiens, in Lausanne das große Wort geführt— kaum nach Rom zurückgekehrt, werden sie Knall und Fall davongejagt. Mussolini übernimmt das Außenministerium, Der Grund dieses putschartigen Ministerschubs ist ebenso unbekannt wie für die Ersetzung des Justiz- und des Korpo- rationsministers durch neue Leute. Da ein innerpalitischer Systemwechsel nicht anzunehmen ist, bleibt nur die Ver- mutung übrig, daß die abgesetzten Minister sich irgendwie die Gunst des Duce verscherzt haben, Japan beseht chinesisches Gebiet. Bombenabwürfe zur Rettung eines Unterhändlers. Peking. 29, Juli.(Amtlich, 1 In der Nacht auf den 18, Juli haben japanische Truppen aus der Richtung Kinschou einen Borstoß gegen chinesische Regierung?- truppen in der Provinz Jechol gemacht und nach längeren Kämpfen die Stadt Tschoujang besetzt. Japanische G e- s ch w a d e r hoben die Stadt Tschaujong mit Bomben beworfen, Marschall Tlchanghsueliong hat den chinesischen Regierung?- truppey befohlen, sich gegen den japanischen Einmarsch zu verteidigen, Mukden, 29, Juli. Dos japanische Oberkommando teilt mit, daß der Einmarsch der japanischen Truppen in die Provinz Jechol aus Befehl des japa- Nischen Oberkommondierenden General H o n j o ersolgt ist, Hanjo ist um das Leben des Agenten des japanischen Generalstabes, I s ch i m o t o, sehr besorgt, der im Austroge der mandschurischen Regierung mir der Provinzregierung über das Opiummonapol ver- handeln sollte, Jschimoto wurde von Aujstöndischen trotz Zusicherung der Provinzbehörden, daß ihm nichts geschehen würde, verhaftet und mit der Todes st rasebedrvht. Die japanische Straferpedition oerfolgt nur das Ziel, den verhafteten Agenten zu befreien, Anhalt. Freyberg.gestattet" und verbletet. Oessau,?N, Juli, sEigevbencht 1 Die anhältst che Nazi-Regierung hat es nicht gewagt, die für den heutigen Mittwoch abend in D e f j o u einberufene öffentlich« Wahl- kundgebung der Eisernen Front wieder zu verbieten, nachdem ihr wohl klar geworden ist, daß sie mit ihrem bisherigen Wahlterror die Vorausjetziingen zu einer Anfechtung der Wohl schasst, Aber sie hat die Erlaubnis des Statlfindens der Kiindgebiing— in der Genosse L a n d s b e r g- Berlin spricht— an die Auflage ge- knüpft, daß der Abg. Genosse Seger die Beriommlung nicht leiien darf, obwohl er Porleivorsitzender ist! Daß diese Schtkane die den Nazi-Absi ästen genau entgegengejetzte Wirkung hat, liegt auf der Hand. „Schuß im Morgengrauen" llT. Kurfürstendamm Die Ufa zeigl die ersten Proben ihrer neuen Produktion, Stehen sie schon.unter der» Einfluß des neuen Programm-, das der Produktiynschef Correll auf der Üfa-Tayung eben entwickelte? Herr Correll sprach davon, daß man jetzt Film« produzieren müsse, in denen nicht einfach ein ablenkender, heiterer Vorgang gezeigt wird, sondern Menschen vorgeführt würden, die positive und klare Ziele verfolgen, die national oder in rein menschlicher Forin um ein Ziel innerlich ringen. Man versieht ohne weiteres, wohin die Reise gehen soll. Die Ufa will noch mehr wie bisher die nationale Welle ihrem Geschäftsbetrieb dienstbar machen. Aber wie die ersten Proben der neuen Produktion beweisen, wird man auch mit den ablenkenden und heiteren Filmen ruhig fortfahren wie bisher. Denn Geschäft ist Geschäft, und der nationale Film allein kann die Film- bedürfnisse nicht befriedigen, Der„Schuß im Morgengrauen" ist ein Kriminalreißer ge- wohnter Art, Die Amerikaner haben das Vorbild geliefert, und die z. T. dramatisierten Romane von Wallace haben die Forin entwickelt. Freilich die Detektivftllcke von Wallace find spannender, sie verstehen es besser, den Zuschauer auf falsch« Spuren zu lenken und dadurch das überrafcheiide Moment zu steigern. Die Amerikaner aber verstehen sich besser aus den Schießruminel, Trotzdem ist der Film von Alfred Z e i s l e r, dem wir bereits den„Schuß im Ton- filmatelier" verdanken, an sich keine schlechte Arbeit, Auch die Textlieferanten habe» sich mehr zusammengenommen. Anfangs ist der Film belastet mit einer wenig übersichtlichen, verwirrend ver- zettelten Handlung, aber zum Schluß holt er auf. Nach Wahrschein- lichkeit darf man nicht allzu sehr fragen. Dieser Kampf zwischen dem mit Dieben arbeitenden Juwelenhändler und seinen meuternden Komplizen, die ihn schließlich erschießen, und der Polizei spielt wohl in Berlin und Umgegend, aber er hat gar nichts Berlinerisches, Er stammt von der omerikanifch-englifchen Walze, Nur in der Be- setzung kommt der Lokalcharakter mehr zum Ausdruck. Es wird eine ganze Serie von Gentlemanverbrechern eingesetzt mit lauter erstklassigen Darstellern: Heinz Salfner, vor allem ober Theodor Laos, Fritz O d e m a r. Die humaristiicbe Note repräsentiert Peter L o r r e. auf der Gegenseite der Polizei steht in erster Linie Karl Ludwig D i e h l, als Kriminalkommissar vortrefflich in Form und gleichzeitig als Liebhaber verwendet, Daneber» Herbert S p e e l- mans,«in richtiger Berliner Typ, als Privatdetektiv bemüht sich Kurt Fe st ermann, eine sehr ulkige Nudel. Die weibliche Hauptrolle wird von einem Filmneuling Ery B o s gut ausgefüllt, ohne daß die unbedeutende Rolle größere Zlnfprüchc stellte. Voraus ging der Kurzfilm„Der falsche Tenor", eine altmodisch«, umständliche und ganz iinfilmische Angelegenheit, bei der das einzige Erireiiliche der gute Gesang von Franz Bau- mann ist, r. 75 Millionen Lahre in Glaskasten. Oer Rüdersdorfer Kalk als Mufeumsobjekt. Die Rüdersdorfer Kalkberge hoben eine reich« und seltene Tier- und Pflanzenwelt, das weih jeder aufmerk- jame Berliner Ausflügler, Die Rüdersdorfer Kalkberge find aber auch interessante Berichterstatter unserer Erdgeschichte, Die Berg- leut« von Rudersdorf, die in harten Arbeitstogen in die Schichten der Erde eindringen, stoßen zuerst auf die Eiszeit, die ungefähr eine halbe Million Jahre dauerte. Dann kommen sie aufs Teriiär, das 5 oder 19 Millionen Jahre Erdoberfläche war, darauf dringen sie in die Kreide ein, die 29 bis 30 Millionen Jahre das Antlitz der Erde formte, uw aisdann auf die Formation der Jura zu stoßen, die ebenjolls eine Dauer von 20 bis 30 Millionen Jahre hatte. Diese beachtenswerte Entdeckungsreise in die Erde zeigt im Museum für Naturkunde, Jrwolldenstratze, eine kostenfrei zu besichti- gende Sonderausstellung, die Prof. S o l g e r zusammenstellte. Sie zeigt die Schichtcnsolgc der Rüdersdorfer Gesteine, die Ent- I stchung des heutigen Lagennigsoerhältnisses und das deutsche Trias- 1 meer, wie es sich räumlich ausdehnte und welche Lebewesen in ihm i und an seinen Küsten wohnten. In den Rüdersdorser Kolkschichten tritt die Triasformation zutage, wie es in Deutschland sonst nur in Thüringen und Schwaben vorkommt. Das deutsche Triasmeer Hot uns zahlreiche Reste seines Lebens in feinen Steinen hinterlassen. Eine Muschel derselben Gattung lebt noch heute, der jetzt unter Naturschutz stehende Bärlapp kommt schon damals vor, aber als Baum. Die Triaszeit hatte Lurchfische, deren geschlossenes Schädel- dach es ihnen vorzüglich ermöglichte, sich im Schlamm einzuwühlen, Es gab Kriechtiere, Schildkrölen und die ersten Säugetiere tauchen mit dem Trias auf, Diese lehrreiche Erdgeschichte hat auch ihre wirischastiichc Seite, S ch a u m k a l k wurde van jeher für Kalkbrennereien verwendet. Seit Auskommen der Zcmentindustrie verwendet man auch Wellen- kalk.(Die Entstehung des Wellenkalks wird einem am ersten klar, wenn man sich die Wellenfurchen eines Wattenmecres vergegenwärtigt.) Der Muschelkalk wird gleichfalls zur Kalkgewinming gebraucht, Aus der ältesten Schicht, dem Röt, wurde früher Gips ge- wannen, jetzt jedoch gebraucht man sie zur Herstellung von Ofen- kacheln, Die Geologie, die ein sehr großes und schwieriges Wissens- gebiet umfaßt, wird in deutschen Volksschulen nicht gelehrt. Dennoch ist das Laicninteresse dafür sehr rege, und geologische Vorträge, die im Museum gehalten werden, sind immer überfüllt So wird auch diese neue Ausstellung weite Kreise interessieren,«, d, Arbeiter-Radio-Bund gegen Rundfunkdlktawr. Der Bunde soorstand des Arbeiter-Radiobundes erhebt schärfsten Protest gegen jeden Versuch, den Rundfunk zu einem Instrument einseitiaer Parteidikiatur herabzuwürdigen. Der Rundiunk bat den Interessen der Bolksgesamtheit, nicht einer Partei oder Partei- richtung zu dienen, Die Durchführung der durch die Presse bekamitgcwordenen Rundinnkpläne der Ncichsregierung würde nicht nur bei Millionen von Rundfunkhoreri, berechtigten Unwillen auslösen, sondern vor allem auch in weitesten Kreisen der am Rundiunk interessierten merktätigen Bevölkerung als politische Vergewaltigung empiunden werden. Als Anwalt der Interessenvertretung werktätiger Rund- sunkhörer kündigt der Vorstand des ARB, schon jetzt dem Versuch der" Bernichtung des Mitbestimmungsrechts beitragspflichtiger Rundfunkhörer Kampf mit allen Mitteln an, Die Gestaltung des Rundfunks als Kulturmittler hohen Ranges kann nicht allein Sache weniger Amtsstellen sein. Mehr denn je besteht in Deutschland die Notwendigkeit, alle Volksschichten durch aktive Mitarbeit an dem Ausbau des Volksstaates zu beteiligen, Zluch der Rundfunk hat diesem Ziel zu dienen. Wir lehnen daher die angekündigte Entpolitifierung des Rundfunks, die nur zu einseitiger Parteiherrschaft wird, ab und sordern, daß der Rundfunk zum lebendigen Ideenaustausch— unbeschadet der Parteirichtiing und der Weltanschauung— aller im Rundfunk Mitwirkenden wird. Als einzige Voraussetzung zu ihrer Betätigung Hai neben dem Nachweis sachlicher Eignung lediglich die Wahrung de? persanlichen Zlnftondes und Achtung vor der gegnerischen Wettanschauung zu gelten, Eine Freilusibibliolhek. Eine glückliche Neueinrichtung ist, in einem schattigen Winkel des Panks der Villa Borghefe zu R o m geschaffen worden. Hier hat man nämlich unter den Bäumen einen Holzpavillon errichtet, in dem sich etwa 1999 Bucher befinden. Jeder kann hier sich ein Werk entleihen und es in den Garten mitnehmen, um es behaglich auf einer der bequemen Bank« zu lesen Die Ver- waltung hat diese Freilustbücherei eröffnet, um den Einwohnern Roms Gelegenheit zu bieten, den Aufenthalt im Freien möglichst nutzbringend zu verwenden. Andere solcher Freilustbüchereien sollen folgen. Die Mordaffäre Vierhut Verschwundene Gparlaffenbücher— Ltnbekannte Schlüssel Vte Mordkommission Ouoos-Dr. Schambacher ist mit einem gioßen Beamlenstab mit der Zlusklärung des rätselhaften Geschehens in der Schönhauser Zlllee 27 beschäftigt. Da die alte Witwe Ziem noch nicht aus der Sommerfrische zurückgekehrt ist. läßt sich noch nicht sagen, was aus der Wohnung geraubt ist. Die Mord- kommission ist aber bereits einen wesentlichen Schrill in ihrer Untersuchung vorwärts gekommen. Es begann gestern noch die Der- nehmung des Invaliden Hermann v i e r h u t. des Ehemannes des Toten. Hermann V. behauptet, daß seine Frau ihm untreu ge» m e sen sei und daß aus diesem Grunde die Scheidungsklage einge- reicht worden war. Durch Gerichtsbeschluß war ihm aufgegeben worden, einen Teil seiner Invalidenrente an die Frau abzuführen. Am 13. August sollte Termin sein. Frau V. soll nun vor einiger Zeit erklärt haben, daß, wenn ihr Mann mit der Scheidung durch- käme und sie dadurch die finanzielle Unterstützung verlieren würde, sie sich das Leben nehmen werde. Der Mann behauptet, daß sich seine Frau zu diesem Zwecke bereits Gift besorgt habe. Da bis zum Scheidungstermin immerhin noch über drei Wochen Zeit ist, ist es kaum anzunehmen, daß Frau Vierhut bereits jetzt schon Selbstmord begangen haben sollte. Die Obduktion wird außerdem darüber Klarheit verschaffen. Es war dann die Rede von drei Spar- k a s s e n b ü ch e r n, die die Tote gehabt hatte. Alle drei sind spurlos verschwunden. Es handelt sich dabei um Bücher, die die Frau teils unter ihrem Modchennamen Margarete Bugis, teils unter dem Namen Vierhut angelegt hatte. Der Ehemann kann sich noch er- innern, daß seine Frau noch von dem dritten Buch gesprochen hat. Die Nachforschungen haben demzufolge auch bei der Sporkasse ein- gesetzt. Es war für die Kriminalbeamten wichtig, die Wohnungs- s ch l ü s s e l zu finden. Sie wurden aber nicht entdeckt, vielmehr fand man einen Bund, an dem sich drei Sicherheitsschlüssel befanden, die nicht in die Ziemsche Wohnung gehören. Die cherkunft dieser Schlüssel liegt noch völlig im Dunkeln. Aus verschiedenen Umständen läßt sich schließen, daß der Tod der Frau V. nach Freitag, dem 15. Juli eingetreten sein muß. Man versuchte gestern noch im Schouhaus Klarheit über die Todesursache zu bekommen. Die Tote ist aber schon so stark verwest, daß erst die offizielle Obduktion ergeben kann, ob die Frau erwürgt, niedergeschlagen oder erschossen wurde oder ob sie eventuell Selbstmord begangen Hot. Die Bewegung in Belgien. Teilweise Aortsehung des Nergarbeiterstreits. M a n s. 20. Juli. Der Aktionsausschuß der Bergarbeiter in Lorinage hat aus Solidarität mit den Bergarbeitern Im Zentrum des Lergbaugebietes beschlassen, den Streik sarkzusehen. Die Eiserne Front. Gie ist die Einheitsfront der Arbeiterschafi. Vom Beginn des Jahres ab sind die Untern chmerorganrsationen in der Berliner N ahr u ngs. und Genuß mittel- industrie vorgestoßen, um Verschlechterungen der mit den Ge- wevkschaften abgeschlossenen Tarifverträge durchzusetzen. Unter dem ungeheuren Druck der Wirtschaftskrise glaubten Fabrikanten wie Innungen ein leichtes Spiel zu haben. Sie machten ihre Rechnung aber ohne die ungebrochene Schlagkraft des Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter-Bevbandes. Der Organisation gelang es, wie Genosse Richard Schulz am DieiUagabend auf der Generalver- sammlung für das erste Quartal berichtete, die Vorstöße der Unter- nehmer erfolgreich abzuwehren. Der schwerste Kampf mußte, wie erinnerlich, mit den Berliner Wurst- und Konservenfabrikanten ausgetragen werden. Erst noch mehrwöchigem Streik war es in dieser Verbandssektion möglich, die abbauwütigen Fabritanten zurückzuschlagen. In ähnlicher Weise rannten der B e r e i n der Brauereien Berlins, die Vereinigung der Brotfabrikanten Berlins, die Ber- stner Fleischerinnung, herunter bis zur Böttcherinnung gegen die geltenden Tarifverträge an. So gut wie überall konnten auch hier die Unternehmer in die Schranken verwiesen werden. Sehr im Gegensatz zu dieser erfolgreichen Haltimg des Nah- rungsmittel- und Getränkeavbeiter-Berbandes stimmten die Hirsch- Dunckerschen bei den Berliner Konditoreien und die Christ- lichen beim Beamtenwirtschastsverein empftndlichen Verschlechterungen der bisherigen Lohnsätze zu. Infolge schwerer Krankheit ist der verdiente Genosse Ludwig Hodapp von der Leitung der Berliner Organisation zurück- getreten. Im Jahre 1895, also vor 37 Jahren, übertrugen die Berliner Brauergefellen ihrem damals 2Sjährigen Kollegen Hodapp die Leitung ihrer Berliner Organisation, und von da ab hat Ltidwig Hodapp ein ganzes Msnschenalter hindurch die Geschicke der Berliner Brouereiarbeiter zum Besten gelenkt. Nachdem er jetzt zurückgetreten ist, hat der Berbandsvorstand den Genossen Richard Schulz als ersten Vorsitzenden bestellt, der dem Genossen Hodapp, nnter dem Beifall der Delegierten, den Dank für sein« Tätigkeit aussprach und ihm einen sonnigen Lebens- abend wünschte. Als zweiter Vorsitzende wurde Genosse August Schmitz von der Generalversammlung neu gewählt. Die Generalversammlung nahm schließlich noch cind-utig Stellung zu dem Einheitsfrontwillen der deutschen Ar- befterschast. Nach Verlesung des bekannten Schriftwechsels zwischen der KPD. und der Kampfleiumg Berlin der Eisernen Front billigten die Funktionäre unter lebhaftem Bestall die Haltung ihrer Spitzen- organstationen, nach der die Eiserne Front die Einheitsfront der deutschen Arbeiterschaft ist. polnischer Protest in Berlin. Angebliche Hoheiisverlehung durch deutsche Marinefahrzeuge Warschau. 29. Juli. Wie das Regierungsblatt„Gazeta Polska" berichtet, hat der polnische Gesandte in Berlin bei der Reichsregierung Protest gegen die Verletzung der polnischen Hoheitsrechte auf der Ostsee durch die deutsche Kriegsflotte eingereicht. Zln- geblich haben, wie es heißt, sieben mit Maschinengewehren bestückte Motorboote unter deutscher Flagge in polnischen Gewässern im Putziger Wiek und zweieinhalb Meilen von Hela entfernt Hebungen veranstaltet. Die Nachtarbeit der Polizei. Klebetolonnen und brennende Litfaßsäulen. 3n der letzten Nacht hat sich der erheblich verschärfte polizeiliche Datrouillendienst in Berlin im besonderen Maaße ausgewirkt. Nirgends ist es. wie in den vorangegangenen Nächten zu blutigen Zwischenfällen gekommen und dort, wo politische Gegner aufeinanderstießen. war die Polizei jedesmal so schnell zur Stelle, daß ernstere Ausschreilungen verhindert werden konnten. Perschiedentlich hatten es N a t i on a l s o z i a l i st e n und Kommuni st en auf die Plakate ihrer politischen Gegner an den Berliner Litfaßsäulen abgesehen. An vier Stellen gingen die Säulen in Flammen auf. Leider ist es in keinem Fall« gelungen, die Brandstister festzunehmen. SA.-Leute waren die Täter' Zu unseren Mitteilungen im gestrigen„Abend" über den hinter- haltigen licbersall aus den Reichsbannerkameraden Dr. Berg- mann in der Parochialftrahe erfahren wir, daß nicht K o m m u- nisten, sondern uniformierte SA,- Leute die Wege- I a g e r e r waren, die Dr. B. niederschlugen. Zwei der Täter wurden verhaftet und der Abt. I des Polizeipräsidiums übergeben. Flugkatastrophe in den Eordilleren. Zehn Znfaffen getötet. Valparaiso, 20. Juli. Das Flugzeug„Tan Jos€" der Panamerikanischen Luftverkehrsgesellschaft, das am Sonnabend auf dem Wege von Santiago de Chile nach Buenos Aires verschollen war, ist in der Nähe der einsam gelegenen chilenischen Farm Santa Rosa km Las Condas Tal völlig zerstörtim Schneebegraben aufgefunden worden. Alle zehn Insassen sind tot. Man nimmt an, daß die Maschine gegen einen Schneesturm in den Cor- vi« Damprenahrt des Bezirksverbandes Berlin der SPD. findet am Sonnabend, dem 23. Juli wie vorgesehen statt. Abfahrt 13� Uhr(H2 Uhr) fUr die Nummern 1—1000 (nicht wie in der heutigen Morgenausgabe irrtümlich angegeben wurde 1—1700) ab WaisenbrUcke, fUr die Nummern 1001—3000 Abfahrt ab Oberbaumbrücke. Karten für Kinder und Erwerbslose gelten sowohl ab WaisenbrUcke wie OberbaumbrUcke. Genossinnen und Genossen sorgt für den restlosen Absatz der Karten, die auch noch Im Frauensekretariat zu haben sind. Ißas Frauensekreiariat. dilleren anzukämpfen hatte, und daß sie von der Last der Eis- und Schneemassen niedergedrückt wurde. Die Maschine dürfte, als der Pilot nach einem geeigneten Landvngspfab suNbte. auf den Roden geprall« und zer- schellt sein. Dr. Rössens Geldweisheit. Sein Memorandum vor dem Anschlag auf Dr. Luther. S Die heutige Sitzung in dem Prozeß der beiden Luther-Attentäler nahm den gestern von Dr. Roosen und seinem Verteidiger ongefün- digten Verlauf. Der Gerichtssaal wurde zu einer Art Wissenschaft- lichem Kolleg über Geldpolitif. Die van Rechtsanwalt Dr. Klee vorgetragenen Bewsisanträge. denen ein von dem Angeklagten Kertscher zur Sanierung de? deutschen Geldwesens ausgearbeiteter Gesetzentwurs bei- gefügt ist, zielten darauf hinaus, einen Beweis dafür zu erbringen, daß nicht nur die Angeklagten, sondern auch eine Reihe führender Persönlichkeiten des deutschen Wirtschaftslebens die Geldpolitik Dr. Luthers und der Reichsbank für den entscheidenden Grund der deutschen Wirtschostsnot halten. Dieser Umstand soll als Milde- rungsgrund für die Angeklagten dienen. Die Angeklagten, hieß es in der Begründung der beiden Slnträge, hätten einen Weg vor- geschlagen, die Währungsmisere in Deutschland aus der Welt zu schaffen. Sie hätten nicht zu dem angewandten Mittel gegriffen, wenn sie vom Reichsbankprästdenten nicht kurzerhand abgewiesen worden wären. Der Reichsbankpräsident Dr. Luther hake als Finanzminister die deutschen öffentlichen Körperschaften zwar schuldenfrei gemacht, ober die Expropriation der deutschen Rentner bewirkt. Oberstaatsanwalt Sturm wendet sich entschieden gegen die Bcweisonträge der Verteidigung. Sie zielten darauf hinaus, im Gerichtsfoal eine Entscheidung darüber herbei- zuführen, ob die heutige deutsche Geldpolitik richtig sei oder nicht. Das könne aber nur Aufgabe eines volkswirtschaftlichen Ausschusses fein. Die Entscheidung der Frage sei ober auch für die Beurteilung der Tat der Angeklagten belanglos. Zur Würdigung ihrer Tot genüge allein die Anerkennung, daß sie eben der Meinung gewesen seien, die Geldpolitik des Reichsbon kpräfidenten wäre verderblich, Der Nebenkläger schließt sich dem ablehnenden Standpunkt des Oberstaatsanwalts on. Bevor das Gericht sich zur Beratung zurückzieht, kommt noch ein psychologisch äußerst interefsontes Dokument zur Verlesung. Dr. Roosen hat in den setzten vier Wochen vor der Tot fast Tag für Tag Niederschriften gemacht, aus denen hervor- geht, wie er sich allmählich in den Zwang hineingejagt hat, dos Attentat auf Luther begehen zu müssen. Er setzt sich selbst auseinander mit seinen moralischen Bedenken gegen die Tat und gelangt schließlich zu dem Ergebnis, daß auf andere Weise eine Alarmierung der Oeffentlichkeit und die Rettung Deutschlands nicht möglich sei.„Morgen geschieht die Tat." so schließt er seine Niederschrift. Man hat es hier unzweifelhaft mit einem schwer psychopathischen Fanatiker zu tun. Furchibarer Tod eines IZeunjahrigen. In der Stralauer Allee, unmittelbar am Osthasen. ereignete sich heute vormittag ein entsetzlicher Unglücksfall. Beim Ueberqueren des Fahrdammes wurde der 9 Jahre alte Rudolf I ä ck e l aus der Stralauer Allee 17 von einem Traktor ersaht und überfahren. Die Räder des viele Zentner schweren Fohrzeuges gingen so unglücklich über das Kind hinweg, daß ihm der Kops vom Rumpf getrennt wurde. Großfeuer in der Schwartzkopfstraße. Durch ein Großfeuer wurde heute vormittag fast der gesamte Dachstuhl des Hauses Schwartzkopffstroßs 5!m Norden Berlins eingeäschert. Drei Löschzllge der Feuerwehr waren stundenlang mit den Lösch- und Auftäumungsarbeiten an der Brandstelle beschäftigt. Zur Bekämpfung des Grohfeuers wurden vier Schlauchleitunzen, mehrere Rauchschutzgeräte und eine mechanische Leiter eingesetzt. Die Ursache des Brandes ist noch ungeklärt. Die Toten von Langenselbod. Kommunistische Hetze gegen Sozialdemokratie. Hanau. 19. Juli.(Eigenbericht.) Die fünf Todesopfer der kommunistischen Unruhen in dem kleinen Arbeilerstädkchen Langenselbold werden von der kom- mnnistischen Preise zu einer neuen hetze gegen die Sozialdemokratie benutzt, vor allem wird der sozialdemokratische Landrat von Hanau vollkommen zu Unrecht mit den Vorgängen in Langenselbold in ver- bindung gebracht. Der Polizeiwachimeister, der als„Hauptschuldiger" des Blutvergießens in der Erwerbslosenversammlnng von den kom- munisten angegrissen wird, ist kommnnaibeamler der kommnnisti- schen Gemeinde Langenseibod. Oberster Polizeiherr ist der äugen- blicklich beurlaubte Bürgermeister, dessen Stellvertreter der kom- m u n i st i s ch e Beigeordnete Dreßler ist. lleberdies sind die Zusammenstöße mit der Polizei von den Kommunisten m u t- willig provoziert worden. Die Potizeibeawlen haben erst geschossen, nachdem sie selbst schwer verletzt waren und in höchster Lebensgesahr schwebten. Rtmdfaisk am Abend Mittwoch, den 20. Juli Berlin: 16.03 Marga v. Etzdorf beriditet über ihren Asienflug. 16.30 Nationaltänze(Schallpl.). 17.30 Das Segel- fliegerdorf Hirzenhain(W. Kleffei). 17,50 Berliner Geschiditen fS, Kracauer, M. Bing).<8.20 Viertelstunde Technik(Ing J. Boehmer). 18.35 Das Pseudonym(Dr. M. Jacobs). 18.35 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Zu Max Liebermanns 85 Geburtstag(Geheimrat Prof. Dr. W. Wätzoldt). 19.10 Klaviermusik. 19.33 Sind Stadt und Land aufeinander angewiesen? IG. Schmidt, M. d. F.."Vors. des Deutschen Landarbeiterverbandes). 20.00 Tanzabend. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Abendnnterhaltung. Königswusterhausen 16.00 Querschnitt durch Zeitschriften(Dr. H. Traub). 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert, 17.30 Streifzüge durch das Bürgerlich© Gesetzbuch (Lands-erichtsdir. Dr. Lehmann). 18.00 Das Orchester und seine Instrumente(F. Hernried und Mitwirk.). 18.30 Radioaktivität. ihre Bedeutung für die Forschung(Dr. L. Lorenz). t 8.55 Wetterbericht. 18.35 Kann uns eine Autarkie ans der Krise führen?(Prof. Dr. W. Röpke).<9-33 Aus Leipzig:„An der Saale hellem Strande"(Hörfolge). 20.35 Aus Leipzig: Militärkonzert. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..Volksfunk", monatl. % Pf. dural alle orw8rts"-Boten oder die Postanstalten. Wetter für Berlin: Weiterhin fühl mit mäßigen westlichen Winden, wolkig, ohne nennenswerte Niederschläge.— Für Deutschland: Nirgends wesentliche Zlendernng des herrschenden Witterungs- charakters. Verantwortl. für die R-daltion: Ziich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Th. Slocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts BuÄ- druckerei und V-rlagsanstalt Paul Singer& So., Berlin S® 5S, Lindenstr. iL S>er«u 1 Beilage. Schwerhörige hören sofort wieder mildem ärztlich empfohlenen ORIimiL. AKUSTIK. APPARAT mu neuestem Hletnüörer! — Noch Besseres gibt es nicht!— Deutsche Akustik Geseilsdiaft in. b. H. Aelteste u. führende Spezialfabrik Verkauf u. 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