Morgenausgabe Nr. 339 A 167 49. Jahrgang Wöchenllich 7S P>., monatlich z.z» M. (davon S7 Pf. monatlich für Zustel- lung ins Hansl im voraus zahlbar. Postbezug 3,il M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72Ps.Postbestellge. bühren. Auslandsabonnement s.ss M. pro Monat; fiir Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto 4.SS M. Set Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Erscheinungsweiseund Anzeigenpreise stehe am Schluß des redaktionellen Teils $ m urf Vevttnev Vvttsblatt Donnerstag 21. 3uli 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 Pf. Jentralorgan der GoziatdemokvaMche« kartet NeutkOtöK Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 2 sternspr.! Dönhoff(A T) 292—297. Telegrannn-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 97636.— Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. g, Dt.B.u.Dlßc.-Ges., Depositenk., Jerusalemer Str. Sö/SS. 5oiisIcismoKrstie im Ksmpk um?rsikslt! Oer Kampf um«Iis Wiederherstellung geordneter Rechtszustände in der deutschen Republik ist zunächst mit aller Kraft als Wahlkampf zu führen. Es liegt beim deutschen Volke, durch seinen Machtspruch am 31. Juli dem gegenwärtigen Zustand ein Ende zu bereiten, der durch das Zusammenwirken der Reichsregierung mit der Nationalsozialistischen Partei entstanden ist. Die Organisationen sind in höchste Kampfbereitschaft zu bringen. Strengste Disziplin ist mehr denn je geboten. Wilden Parolen von unbefugter Seite ist Widerstand zu leisten! letzt vor allem mit konzentrierter Kraft für den Sieg der Sozialdemokratie am 31. Juli! Freiheit! Berlin, 20. Juli 1932 Der Parteivorstand Alle Minister abgesetzt! papen entfernt die gesamte preußische Gtaatsregierung. Amtlich wird mitgeteilt: Nachdem die preußischen Gtaatsminister Hirtsiefer, Steiger, Klepper, Schreiber Schmidt und Grimme dem Reichs- tanzler mit Schreiben vom Sv. Juli d. I. erklärt haben, daß sie es ablehnen, der von ihm erlassenen Ginladung zu einer Sitzung der Staatsregierung siiolge zu leisten, hat der Reichskanzler die genannten Staatsminister kraft der ihm durch die Verordnung des Reichspräsidenten vom 30. Juli 1023(Reichsgesetzblatt Teil J 2. 277) erteilten Vollmacht von der Führung der laufenden Ge- schäfte ihres Geschäftsbereichs als Staatsminister ent- hoben. Tie kommissarische Verwaltung deS Preußischen Landwirtschaftsmini st eriums wird der Staats- sekretär im Reichsernährungsministerium M u s s e h l übernehmen, das Handelsmini st erium der Vanken- kommissar Gr» st und das Finanzmini st erium Staatssekretär S ch l e u s i n g e r. Wegen Uebernahme der übrigen Ministerien wird Tonnerstag zunächst mit den betreffenden Staatssekretären verhandelt werden. Ter Staatssekretär im Preußischen Innenministerium A b e g g ist auch seines Postens enthoben worden, ebenso die Staatssekretäre Staudinger und K r u e g e r. Mit Gewalt! Tie Rcichsregierung hat gestern in Vollendung des Schlages, den sie gegen Preußen geführt hat. Innenminister Tevering sowie den Polizeipräsi- Kenten GrzesinSki, den Bizepolizeipräfidenten Tr. Weiß und den Kommandeur der Verlincr Schupo Heimannsberg mit Gewalt von ihren Acmtern entfernt. Bracht bei Severins. Nachdem Genosse Severing dem Herrn von Papen gegen- über auf das energischste seinen Rechtsstandpunkt klargelegt hatte, wurde ihm angekündigt, daß Bracht, der von Papen ernannte kommissarische Innenminister, ihn un> vier Uhr aussuchen würde. Die Unterredung zwischen Sevcring und Bracht war sehr kurz. Severing erklärte Bracht, er sehe das Vorgehen der Reichsregierung als verfassungswidrig an und lehne cS ab, die Ge- schäfte zu übergeben. Gr weiche nur der Gewalt. Bracht verließ daraufhin sofort das Gebäude des preußischen Innen- Ministeriums. Gewaltandrohung gegen Gevering. Um 8 Uhr abends erschien der Bevollmächtigte deS ReichskommisiarS für Preußen, der bisherige Gssener Oberbürgermeister B r a ch t in Begleitung des gewaltsam eingesetzten Berliner Polizeipräsidenten und eines Lffi- zierS im preußischen Ministerium deS Innern. Sie for- derten Severing auf, fein Amtszimmer zu verlassen. Severing weigerte sich. Ihm wurde daraufhin erklärt, daß dann Gewalt angewandt werden würde. Severing erwiderte, daß er nach außen kein Signal zum Blutvergießen geben wolle: im Interesse Teutschlands und Preußens, er weiche der Gewalt? Severing begab sich dann in seine Dienstwohnung. Volk, richte! Kampf gegen Unrecht und Gewalt! Der Gewalt weichend hat Carl Severing gestern abend auf die Fortführung seiner Amtsgeschäste verzichtet. Er hat es mit der Begründung getan, daß er B l u t v e r- gießen zu vermeiden wünsche. Es entspricht dem Wesen unseres Freundes, daß er dabei nicht an sein eigenes Blut, desto mehr aber an das Blut der andern dachte. Sein Verhalten ist vorbildlich. Wir haben jetzt alle— ein jeder für sich— das Recht und die Pflicht, der Gefahr zu trotzen. Wir haben aber nicht das Recht, durch vorschnelle Handlungen, die vom Gefühl bestimmt sind, die große heilige Sache der Partei und das Leben ungezählter Volksgenossen aufs Spiel zu setzen. Wir überlassen es anonymen Flug- blattschreibern und sonstigen im sicheren Dunkel sitzenden Drahtziehern, aus Kosten anderer tapfer zu sein. Der Verzicht auf Ausbrüche der Leidenschaft enthält für uns aber auch eine Verpflichtung. Er enthält für uns die Verpflichtung, den Kampf gegen den nationalsozia- listischen Kurs im Reiche mit verzehnfachter Energie fortzusetzen. Dieser Kampf kann unter den gegebenen Um- ständen noch als Wahlkampf geführt werden— also führen wir ihn als Wahlkampf! Er wird am 31. Juli bestimmt nicht zu Ende sein, und von den Verhältnissen, die sich dann ergeben, wird es abhängen, mit welchen Mitteln er weiter- geführt wird. Für den Wahlkampf haben wir jetzt den Vorteil, daß die intime Verbindung, die zwischen der Regierung v. Papen und den Nationalsoziali st en besteht, selbst von den Meisterlllgnern aus Hitlers Schule nicht mehr abgeleugnet werden kann. Die Nationalsozialisten haben be- wiesen, daß es so gut wie nichts gibt, was sie bei der Reichs- regierung nicht durchsetzen können. Warum haben sie nicht auch durchgesetzt, daß dem Volk die entsetzlichen Lasten erspart blieben, die i h r die Notoerordnung vom 14� Juni auf- erlegt? Das Volk hat diese Notverordnung die Hitler-Not» Verordnung genannt. Es hat damit recht behalten. Das Volk hat aber auch ganz richtig die klassenmäßige Be- deutung des neuen Regierungskurses erkannt, der zu einer vollständigen Ausschaltung des Arbeiterelements aus dem Reichskabinett führte. Daß neben dem Kabinett der Barone im Reiche auf die Dauer eine Regierung H i r t s i e f« r- S e v e r i n g nicht möglich war, liegt auf der Hand. Die Absetzung dieser Arbeiterminister durch die im Reich regit- rcnden Freiherren ist geradezu ein symbolischer Akt. Er«nt- spricht der Anschauung jener Kreise, für die die Arbeiter- klaffe noch immer nur ein Objekt der Regierung sein kann. Nie ist ein so schwerwiegender, so tief in das Volks- schicksal eingreifender Akt wie die gewaltsame Amtsentsetzung der preußischen Regierung mit einer haltloseren Begründung versehen worden! Alle Behauptungen, die Herr o. Papen gestern im Rundfunk aufgestellt hat über ein angebliches Zusammenwirken der Sozialdemokratie mit der Kommunisti» schen Partei sind blanke Phantasien. Jeder politisch Unterrichtete weih, daß die Unvernunft der kommunistischen Parteileitung ein solches Zusammenwirken systematisch ver» hindert hat. Aber angenommen, die Sozialdemokratie hätte wirklich mit der KPD. paktiert— was sie getan haben würde, wenn die KPD. Vernunft angenommen hätte—, mit welchem Recht kann ein Reichskanzler, der mit den Na- tionalsozialisten paktiert, ihr daraus einen Vorwurf inachen? Die Nationalsozialisten haben bisher gegenüber Verfassung und Gesetz genau dasselbe Verhalten an den Tag gelegt wie die Kommunisten. Von diesen unterscheiden sie sich nur dadurch, daß sie unmittelbar den Zwecken der alten feudal-kapitalistischen Herrenklasse dienen, während die Kommunisten dies nur mittelbar tun. Die abgesetzte preußische Regierung hat ihre Amts- geschäfte mit vorbildlicher Unparteilichkeit geführt. Ihr eine Begünstigung der Kommunisten vorzuwerfen, ist grotesk. Noch n a ch der Verhängung des Belagerungszustan- des brachte die KPD. ein Extrablatt heraus, das an Beschimp- fungen und Verleumdungen gegen die Preußenregierung geradezu strotzt. Dort wird ihr vorgeworfen, gegen die Kom- munisten parteiisch gewesen zu sein. Wir fürchten, die Kom- munisten werden in der nächsten Zeit Gelegenheit haben, den Unterschied kennenzulernen zwischen einer Regierung, die unparteiisch ist und einer, die das nicht ist. Respekt vor der Heiligkeit des Menschenlebens gehört zu den Traditionen der Sozialdemokratischen Partei. Wenn sie erklärt, daß sie nutzloses Blutvergießen vermeiden will, so kann sie zugleich auch keinen Zweifel daran lassen, daß sie dem im Reiche herrschenden System mit äußerster Feindschaft gegenübersteht. Diesem System so rasch wie möglich eine vernichtende Niederlage beizu- bringen, ist dos Ziel all ihres Denkens und Trachtens. Mit diesem System gibt es kein Kompromiß, sondern nur Kampf. Wiederherstellung geordneter Rechtszustände in der Peutschen Republik ist das Ziel. W a h l k a m p f ist bis zum 31. Juli das Mittel. I« stärker die Sozialdemokratie am 31. Juli dasteht, desto besser wird sie für den weiteren Kampf ge» rüstet sein. Der heiligen Sache der Demokratie und des Sozialismus Treue bis in den Tod! Dem Unrecht und der Lüge Kampf bis zum Sieg! Parteiausschuß einberufen. Für heute mittag i2 Uhr. Ter Vorstand der Sozialdemokratische« Partei hat den ParteiauSschnß zu DonnerStagmittag I 2 U h r nach Verlin berufen. * Der AfA-Vundcsausschuy tritt zur Ve- jprechung der politischen Lage am Sonnabend, dem 23. Juli, 14 Uhr, im Jndustriebeamtenhaus zu Berlin zusammen. Der Gtaatsgerichtshof. Frühestens Donnerstag nachmittag. Der StaatsgerichtShof, dessen Mitglieder zu einem Teile weit von Leipzig entfernt wohnen und erst zu- sammengcrufen werden müssen, kann frühestens am Donnerstag nachmittag eine(Entscheidung über die einstweilige Verfügung treffen. Der Staatsgenchtshos besteht aus dem Präsidenten des Reichsgericht» als Vorsigenden, drei Reichsgerichtträten und je einem Rat der Oberoerwaltungsgerichte von Preußen, Bayern und Sachsen. Protest der Gtaatspartei. (Schärfste Verwahrung gegen die Vergewaltigung Preußens. Die Leitung der Deutschen Slaatspartei erläßt folgend« Er- klärung: Die Deutsche Staatspartei legt in lleberewstimmung mit dem Protest der preußischen Staotsregierung schärfste Der- wahrung gegen die Vergewaltigung Preußens ein. Das vor- gehen des Reichskabinetts Papen-Schleicher bedeutet eine schwere Erschütterung der historischen Stellung Preußens wie der Reichseinheil. Es zerstört die staatsbürgerliche Freiheit im Augenblick wichtigster politischer Entscheidungen. Es untergräbt die Staats- autorltät und die Kraft des Reiches im Kamps um Deutschlands Gleichberechtigung und nationale Zmheit. Die Deutsche Slaatspartei weist gleichzeitig mit Entrüstung eine vegründung zurück. die In einer nie dagewesenen Zorm amtlicher Aeußerungen ausrechten Staatsmännern und pflichttreuen Beamten die innere Unabhängigkeit abspricht. Reichswehr im Polizeipräsidium! Grzesinski, Weiß und Heimannsberg verhastei und wieder freigelassen. An Polizsipräsident G r z« s> n» k i wurde gestern vormittag da» Ansinnen gestellt, daß er sein Amt an den Essener Polizei- Präsidenten M« l ch e r abgebe. Genosse Grzesinski weigerte sich energisch. Er legte Rechtsverwahrung gegen seine Absetzung ein in den folgenden beiden Schreiben: ..An den Oberbürgermeister Dr. Bracht, zur Zeit Reichs- kanzlei, Berlin. In einem undatierten Schreiben, da» kein Aktenzeichen, noch die Firmierung de» preußischen Minister» de» Innern trägt und von Ihnen als„Mit der Wahrnehmung der Geschäftsfithning be- austragt" gezeichnet ist. wird mir mitgeteilt, daß Sie mich bis aus weitere, von meinem Amt beurlauben und mir die Ausübung meiner Amtsgeschäfte untersogen. Ferner erklären Sie. daß Sie mit meiner Vertretung den Polizeipräsidenten von Essen, Dr. Melcher, beauftragt hätten. Nach eingehender Nachprüfung der Rechtslag« tann ich Sie nicht als befugt ansehen, mich zu beurlauben und mir die Ausübung meiner Amtsgeschäfte zu untersagen. Ich verbleibe daher auf meinem mir vom preußi- schen Staatsministerium rechtskräftig verliehenen Platz, andern- falls ich mich einer Amtspflichwerletzung schuldig machen würde." „An den Befehlshaber de» Wehrkreises III. Generalleutnant von Rundstedt. Abschrist de» von mir soeben an Herrn Oberbürgermeister Bracht gerichteten Schreiben» übersend» ich«rgedenst zur ge- fälligen Kenntnisnahme. Ihr an mich gerichtete» Schreiben vom heutigen Tage, nach welchem Sie Herrn Polizeipräsidenten Melcher in Essen mit der Uebernahmc beauftragen, geht, wo« meine Person betrifft, von irrigen Voraussetzungen aus. Wenn Sie mir in Ihrem Schreiben weiterhin mitteilen, daß Sie den Polizeioberst Poten mit der„Wahrnehmung der Geschäfte des bisherigen Polizeitommandeurs Heimannsberg" deaustragen, so muß ich hierauf erwidern, daß nach den geltenden beamtenrecht- lichen Bestimmungen Polizeikommandeur Heimannsberg nach wie vor als rechtmäßiger Kommandeur der Berliner Schutzpolizei anzusehen ist." f Verhastei! Etwa um 5 Uhr erschienen ein ReichSwehrhaupt. mann Hauff e. ein Leutnant, ein Qffizierstell» Vertreter und 12 Reichswehrsoldaten im Polizeipräfldium. Alle mit dem Stahlhelm auc-gerüftet und Handgranaten am Koppel. Hauff« fragte den Polizeipräsidenten, od er freiwillig seinen Plah verlassen werde. Grzcnn�ri lehnte daS al>, und zwar unter dem HinweiK auf die Unrcchtmäßigkeit und Ver- faifungswidrigkeit dieses Ansinnens. Der Hauptmann bat deshalb, diese mündliche Weigerung schriftlich auszustellen. Das geschah. Der Weigerung deS Polizeipräsidenten hZrzesinski schlössen sich Polizei- Vizepräsident Dr. Weiß und Kommandeur HeimannSberg an. Ter Hauptmann erklärte die drei Herren daraufhin für»erhaftet,(fr eröffnete ihnen, daß sie in die iOffiziers-Arrestanftalt nach Moabit eingeliefert würden. (?S wurden dann die von der Reichswehr mitgebrachten Wagen bestiegen. Vorher verabschiedeten sich Grzesinski und Weiß von ihren Frauen. Die Beamtenschaft ver- folgte von den Fenstern aus die Vorgänge. Als die drei Herren abfuhren, ertönten stürmische Freiheits» rufe. Polizeipräsidevt Grzesinski, Polizeivizepräsident Weiß und Polizeioberst Heimannsberg sind am Abend aus der Haft wieder entlassen worden, nachdem sie eine Erklärung unterzeichnet haben, daß sie der Gewalt weichend, augenblicklich aus die Aus- Übung ihrer Aemter Verzicht leisteten. Rechtsanwalt Alsberg wird wegen der ungesetzlichen Verhaftung des Polizeipräsidenten Grzesinski alle erforder- lichen Schritte tun. Rechtsanwalt Genosse Neumann hat sich eben- sall» de» Falles angenommen. Grzesinski protestiert. Nach seiner Festnahme durch Hauptmann Hausse hat Genosse Grzesinski an Generalleutnant von Rundstedt solgendes Schreiben gerichtet: ,�ch dezieh» mich auf mein heutiges Schreiben und. das Telephongespräch, das ich mit Ihnen, Herr Generalleutnant, aus Ihren Anrus um 16.13 Uhr gesührt habe. Ich halte die von Ihnen getroffene Maßnahme für mit der Verfassung nicht im Einklang stehend und weigere mich, Ihren Weisungen Folge zu leisten. Ich habe Ihnen bereits und auch Ihrem Beauf- tragten, Herrn Hauptmann Hausse, sernerhin Kenntnis davon ge- geben, daß ich als Mitglied des Sandtages und Abgeordneter auf Grund der Verfassung immun sei und nicht verhaftet werden könne, auch nicht In Schutzhaft genommen werden darf. Die dies- bezüglichen Ausführungen des Herrn Hauptmann Hausse halte ich siir unbeachtlich.'Mit vorzuglicher Hochachtung gez. Grzesinski." (Siehe auch vierte Seite.) Reichskanzler v. papen begründet. Wo find feine Beweise?- Wir stellen Tatsachen gegen Behauptungen! Der Reichskommissok für Preußen, von Papen. hat am Mittwochabend in»in« Rundfunkrede ein« Begründung d«» gegen die rechtmäßige preußische Staats regis- r» n g geführten Schlage» zu geben oersucht. Di»!« Rede war keine Begründung, sondern«in« Enthüllung. Ein« Enthüllung über die Motive und da« wahre Wesen des ungshetierlichen Bor» ganges. Bon Papen hat behauptet, daß die parlamentarische Basis der preußischen Regierung von der taktischen Haltung der Kommunisti- schen Partei abhängig sei. Er hat betont, daß ein klarer Trennung«- strich gegen die kommunistischen Staatsfeinde gezogen weröen müsse. Wir haben— sehr im Gegensatz zu dieser Behauptung— bisher ein sehr intensives Ausammenarbeiten der national- sozialistischen Freund« de» Herrn von Papen mit den Kommunisten im Preußischen Landtag beobachtet. Wir haben beobachtet, daß Seoering von Nationalsozialisten und Kommunisten in trauter Bundesgenossenschaft auf dos widerlichste beschimpft und bekämpft worden ist. Wir haixn niemal» gefunden, daß die nationalsozialistischen Freunde des Herrn von Papen und daß die Rechtsparteien die Bundesgenossenschast der Kommunisten ver- schmäht hätten, wenn es gegen sozialdemokratische Minisikr oder wenn«s gegen das Kabinett Brüning gegangen ist. Wir haben nichts von dem klaren Trennungsstrich gegen die staatsfeindlichen Kommunisten gesehen, als Nationalsozialisten und Stahlhelm gemeinsam mit den Kommunisten den Volksentscheid gegen Preußen gemacht haben! Aber davon abgesehen— eine solche Begründung enthüllt nur die parteipolitische Bindung und die parteipolitische Rolle des Kabinetts von Papen. Sie tritt noch stärker hervor, wenn von Papen eine Gleich- setzung von Kommunisten und Ratio nolsozsa- listen als politisch verdammenswert und als Grund für eine Reichsexekution bezeichnet! Wir machen keinen Unterschied zwischen lommunistischen Morden und nationalsozialistischen Morden, keinen Unterschied zwischen kommunistischen und nationalsozialistischen Bürgerkriegsdrohungen, für uns ist ein nationalsozialistischer Provokateur ebenso ein Verbrecher gegen den Staat wie ein kommunistischer Provokateur. Von Papen hat es gewqgt. davon zu sprechen, daß Maß- nahmen veraMwortlicher preußischer Regierungsstellen kont- munistische Provokationen begünstigt hätten. Er hat Beschuldigungen dieser Art gegen hohe Funktionäre des preußischen Staate» in die Welt geschleudert. Wir haben derartige Beschuldigung«» bereit» gehört— in jenen rechtsradikalen Hetzblättern, die aus die Herbei- sichrung des Bürgerkrieges in Deutschland und auf den Sturz der Verfassung bi» zu verbrecherischen Mitteln hinarbeiten. Der Reichs- kanzler von Popen aber wird solche Behauptungen nicht bewei»!»» in hie Welt schleudern dürfen. Er wird gezwungen sein, sie vor dem Staatsgerichtshof des Deutschen Reiches auch zu be- weisen. And dieser Beweis wird ihm nicht gelingen? Bon Papen hat ferner zu behaupten gewagt, daß e, nur in Preußen zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen sei, weil nur in Preußen die kommunistischen Terrorgruppen arixiten können. Hat von Papen rnchts gehört von den viehischen Mord- tat»n, die nationalsozialistisch« Terrorgruppen in Anhalt fnv gongen haben? Ist er nicht auch amtlich unterrichtet worden von dem infamen Ueberfall, den«in« bewassnete nationalsozialistische Bande aus da« Gewerkschastshau« in Hagenow unter dem Regime der rechtsradikalen Mecklenburger Regierung vor- genommen hat? Bon Popen hat die Behauptung aufgestellt, daß dl« weitaus überwiegende Zahl von dluitgen Ueberfällen nur auf Angritie kvmmunistiicher Terrvrgruppen zurückzuführen sei. Gegenüber dieser Behauptung stellen wir vor der ganzen Welt die solgenden Fälle fest: Am 11. Juli Ueberfall einer nationalsozialistischen Bande auf das Gewerkschaftshaus in Hagenow. Am gleichen 11. Juli orgauisterter Ueberfall von Rationalsozialisten auf das Gewerkschaftshaus in Gckernförde. in dem eine Kreistonferenz des Landarbeiter. Verbandes tagte. 2 Tote— hingeopfert durch die Nationalsozialisten! Am 15. Juli Ueberfall von IVO bewaffneten SA.- Leuten auf das Gewerkschaftshaus in Halle, nachdem einige Tage vorher anläßlich der große« Wahlkundgebung unter Anwesenheit Paul Löbeö bereits Angriffe gegen da» Voltshaus erfolgt waren. Am 18. Juli Ueberfall der Nationalsozialisten aus Vraunschlvcig und Hannover auf das Volksheim in Peine. Am 19. Juli Ueberfall von Istst Nationalsozialisten aus das Haus de» Getverkfchaftsfekretärs Kunz in Buer. Kunz und sciue Frau schwer verletzt, die ganze Wohnung zertrümmert. Am 19. Juli Ueberfall von 250 Nationalsozialiften auf das Häuschen des sozialdemokratischen Lrtsvorsitzen- den von Groß-Rottmeroleben. Der Invalide Gustav Assel durch 21 Messerstiche schwer verletzt. Frau Assel durch Messerstiche schwer verletzt, ein 0 Monate altes Kind der- letzt! Das Hau» mit schweren Bruchsteinen völlig de- moliert. Am 19. Juli gewaltsame Sprengung einer Wahlver» sammlung der Bayerischen Volkspartei und or> ganisiert« Ueberfall« auf sozialdemakratische Wahlver- sammlungen in der Umgegend von Tübingen. Tie Organisation dieser Sprengkolonnen ging so weit, daß sämtliche Tclephonzellen von SA.-Leuten besetzt waren. Dazu schweigt die Reichsregierung! Die National» sozialisten. die solche Schandtaten begehen, sind für die Reichsregie- rung lein« Staatsseinde. Di« Reichsregierung protestiert feierlich dagegen, daß die Nationalsozialisten mit den Kommunisten gleich- zusetzen wären! Von Popen aber tragt im Rundfunk vor: Di« weitaus überwiegende Zahl blutiger Uebsrfälle ist nur aus An» griffe kommunistischer Terrorgruppen zurückzuführen! Wir sggen: da� politische Bündnis der Regierung von Papen mit Hitler ist durch dies« Rundfunkrede be» siegelt worden! Diesen Verbündeten sage» wir de« schärfsten Kampf an! Protest Hirtsiefers. Schwere Vorwürfe gegen Papen und Richtigstellungen. Oer Widerhall des Streichs. Heftiger Widerspruch von allen Seiten. Für die Beurteilung der Stimmung im Lande ist der Widerhall kennzeichnend, den die Maßnahmen der Regie- rung Papen in der Presse im Lande finden. Die der b a y e- rischen Regierung sehr nahestehende„Bayerische Staat« zeitung" schreibt: Dom reichsrechtlichen Standpunkt aus sei die Regelung e n t- schieden abzulehnen. Zweisellos sei der Erisf des Reichs- kobinetts noch der Macht in Preußen ein Experiment f. ehr gefährlicher Art. Nicht nur verneinten anerkannte Staats- rechtslehrer die verfassungsmäßige Zulassigkeit eine« solchen Leginnens, sondern es drohe auch mit fast allen Ländern, In denen keine Nationalsozialisten regieren, so im besonderen mit den süddeutschen Ländern ein neuer schwerer Konflikt, da es außer Frage stehe, daß diese sich sofort mit dem widerstrebenden Preußen soli- dorisch erklären, zumal für die Tinsetzung eines Reichskommissars auch für Preußen alle rechtlichen und tatsächlichen voraussehungen fehlen. Es werde nun Aufgabe der süddeutschen Länder und somit auch Bayerns fein, all« Hebel i n Bewegung zu setzen, damit der Schritt der Reichsregierung nicht über die Schranken der staatsrechtlichen Gegebenheiten auch in andere Länder hinwegge- führt werde. Die bayerische Rechtsverwahrung zeige, daß die baye- rischs Regierung entschlossen sei, mit allen Mitteln gegen eine Diktaturgewalt anzukämpfen. Die oolksparteiliche„Kölnische Zeitung" macht sehr eindringlich darauf aufmerksam, daß auch die Macht des Militärs ein Ende hat: Die Reichsregierung, von der man nicht weiß, was ihre tieferen Absichten sind, von der man nicht weiß, ob sie aus eigenem Em- schluß handelt oder sich den Einflüssen übermächtig gewordener Ge- walten fügt— diese Regierung trägt eine furchtbare Verantwortung. ?n Berlin herrscht Ausnahmezustand und der Militär-Lefehlshaber hat das Wort. Aber hat die Reichsrcgierung an die bedauerliche und entehrende Bestimmung de» Friedensvertrages gedacht, nach der die Macht der Reichswehr an der bO-Kilometer-Zone ihre Grenze findet? Wir sprechen diese Tatsache aus, weil über sie nicht hinweggesehen werden darf, weil schon einmal im Jahre 1980 die Cnt Militarisierungsfrage«ine große Rolle gespielt hat. Kann ein reibungsloser Ablauf der b e v o r st c h« n d e n Reichs- tagswahlen gewährleistet werden? Und was werden die süddeutschen Länder tun, aus denen das Gerücht kommt, die Reichsregierung beabsichtige, einen Sonderkommissar für den Süden zu bestellen? Ganz scharf äußert sich die„Frankfurter Zeitung": „Die Begründung für die Einsetzung de« Reichskommissars für Preußen ist offensichtlich und in empörendem Maße un- stichhaltig. Sie will glauben machen, daß es in Preußen an Planmäßigkeit gegen die Kommunisten fehle und daß hohe preu- ßifch« Dienststellen nicht mehr die innere Unabhängigkeit besitzen, die für ihre Tätigkeit notwendig sei. Beidos ist so unwahr wie möglich. Diese Begründung ist nicht« als ein Vorwand. Am Montag noch haben die Organe der Reichsregierung die Oeffentllchkeit wissen lassen, daß vorläufig nicht die Einsehung eines Reichskommissars In Preußen geplant sei. Nichts hat sich inzwischen ereignet, was diese Einsetzung begründen könnte... Formell kann au? dem Artikel 48 der Berfossung freilich jede Macht- anwendung hergeleitet werden, ober aus die Richtigkeit von Be- gründungen, aus sachlich politische« Urteil und aus da» moralische Recht kommt es im Augenblick lecher wenig an. Di« Reichs- regisrung hat da« formols Recht und die Macht aus ihrer Seit«. Der Schrill, den sie getan hat, trägt trotz des formalen Recht» poliiisch-reoolutionSren Charakter. Mit dieser Exekutive gegen Preußen haben die Herren Papen und Schleicher eine Verantwortung vor dem deutschen Volk übernommen, von der wir bezweifeln. ob sie sie lange werden»ragen können.* Das„Berliner Tageblatt" überschreibt seine Be- trachtung der Lorgänge„Der Weg der Gewalt" und führt darunter aus: „Es ist in dieser Stunde nicht möglich, die Lawine aufzuhatten. die da» Kabinett Popen ins Rollen gebracht hat, es ist nur möglich, immer wieder aufs nachdrücklichste zu warnen vor weiteren Schritten auf dem Wege der Gewalt, es ist notwendig, daran zu«rinnern, daß bürgerliche Freiheiten nicht ohne Nachteil für die Gesamtheit und für das moralische Ansehen der Nation niedergebügelt werden dürfen. Bis jetzt ist nur der Schaden sichtbar, den der übereilte Entschluß des Kabinetts Papen angerichtet hat: Vorteile haben vielleicht einzelne Gruppen, nielleicht politische Parteien, die dem bisherigen preußischen Kurs aus innerster Seele abgeneigt waren, da« Reich und die B e v ö l- kerung selbst werden die Kosten dafür zu bezahlen haben." Die„B o s s i s e n Zeitung" nennt die Reichs- erekution gegen Preußen einen„Schritt von unübersehbarer Tragweite": Männer wie Hirtsiefer und Severing, dieschließlicheinige Leistungen aufzuweisen haben, und deren Verdienste um das deutsche Volk in unerhört schwerer Zeit spätere Ge- nerationen erst voll werden würdigen können, sahen sich zu einem Appell bestellt, wie Rekruten. Es wurde ihnen eröffnet, was beschlossen worden war, und selbst die Bestallung des Essener Oberbürgermeisters Bracht zum Verweser des Preußischen Innen- Ministeriums war schon vollzogen, als der nach der preußi- scheu Verfassung ernannte preußische Innenminister Severing das Zimmer betrat. Severing hat gehandelt, wie jeder, der diesen Mann kennt, er- warten muhte. Er hat sich geweigert, auch nur den An- schein zu erwecken, als sei er ein Deserteur. Die Berufung des Reichskanzlers von Papen aus eine angebliche Staatsroison hat er mit der treffenden Bemerkung zunichte gemacht, daß diese an- gebliche Staatsratson keinen Rechtsgrund für die Anwendung des Art. 48 abgeben könne. Ganz eindeutig spricht das Berliner Zentrumsblatt „Germania" aus: Die Reichsregierung hat mit ihrem Handstreich auf Preußen einen Stein ins Rollen gebracht, von dem mqn nicht weiß, welche Verheerungen er aus seinem verhängnisvollen Wege anrichten wird, und wo er zum Halten gebrocht werden kann. Der gestrige Tag wird deshalb als einer der schwärzesten in de? deusichen Geschichte fortleben: er wird als der Tag verzeichne» bleiben, au dem eine bisher noch nicht erlebte innere Verwirrung unfere» Volte» in seiner größte» Nolzeit herbeigeführt wurde. Man muh über den heroftratiichen Mut derer staunen, die der politischen Besonnenheit und dgm Rechtssinn einer geduldigen Be- völkerung diese neue, bigher größte Zumutung gestellt haben. Was ist das für ein verhängnisvoller Vorgang? Was ist das siir»ine f a d e n s ch e i n i g e V e g r ü n d u n g für die Her- aufführung des unglaublichsten Konflittes, den«s fest dem Bestehen des Reiches zwischen der Reichsgewalt und einem deutschen Lande — dem weitaus größten deutschen Land«— je gegeben hat! Die preußische Siaaisregierung— Dr. hirtsiesec— erklärt zu der Rundfunkrede des Reichskanzlers: Die Reichsregierung hal die in der Geschichte einzig dastehenden Maßnahmen gegen Preußen in der Rundfunkrede des Reichskanz- lers mit der Behauptung begründet, daß die Entwicklung der politischen Verhältnisse eine Reihe von maßgebenden Persönlich- leiten In Preußen die innere Unabhängigkeit gegen- über den Kommuni st en genommen habe. Er hat hier- für zwei Totsachen als Beweis angeführt: l. Daß ein nicht genannter, hoher preußischer Funktionär den Kommunisten Ratschläge gegeben Hobe, wie sie ihre Terrorakte ver- schieiern könnten: 2. daß ein preußischer Polizeipräsident geäußert habe, man solle die Kreise der Kommunisten nicht stören. Diese angeblichen Tatsachen sind bisher durch nichtS bewiesen. München. 20. Juli.(Eigenbericht.) In drei überfüllten Massenversammlungen der Bayerischen Bolkspartei sprach am Mittwochabend in München Brüning vor rund 20 000 Menschen. Besonders stürmischen' Beifall erntet« er, als er zur Absetzung der preußischen Regierung scharf ab» lehnend Stellung nahm. Brüning erklärte dazu: Sie wissen alle, daß auf Anregung der Nationalsozialisten die Regierungsbildung in Preußen bis nach den ReiäzStagsroaMn verschoben worden ist. Infolgepsffen mußt» die Regierung Braun im Amte bleiben und ihre Pfsicht erfüllen. Nachdem die preußische Regierung für Ruhe und Ordnung im Lande sorgte und die Finanzen des Landes in Ordnung hielt. waren die Vorbedingungen für die Einsetzung eines Reichskommissars nicht gegeben. Aber ich wußte feit langem, daß in gewissen einsluß» reichen Klubs der Reichshauptstadt mit solchen Dingen gespielt wurde. Wenn ich auch noch mit meinem endgültigen Urteil zurückhalten muß, so weiß ich doch eins: Es war gar nicht notwendig, einen Mann wie Severing derart zu brüskieren, einen Mann, der vierzehn Zahre seines Lebens wie kein anderer für den Staat und sein« Autorität gekämpft hal! Durch diese Dinge wird dos deutsche Volk noch mehr au»- einandergerisfen und die Gegensätze bis zur Unerlräglichkeit Mas ist dos für ein unerhörter politischer und tätlicher Zwongsatt. mit dem die Träger der Reichsmacht gegen die Träger einer ver- sasiungsmäßigen Landepmocht vorgegangen sind und diese au» ihren Aemtern entfernt hoben! Sind wir von Deutschland— von Deutschland!— über Nacht plötzlich nach Südamerika verschlagen, um einen gerade fälligen Machtkampf zu erleben? Ein unfaßbares Geschehen hat in unserem vaterlande seinen Lauf genommen. Diejenigen, die es zu verantworten hoben, werden sein Ende nicht mit der gleichen Gelassenheil beurteilen, mit der sie es begonnen haben. Wir fürchten sehr, daß das, was die Reichs- regierung gestern angerichtet und in Bewegung gesetzt hat. ihr selbst und leider auch dem deutschen Volke sehr schlecht bekommen wird. Wir protestieren deshalb im Namen ungezählter Mil- lionen versassungstreuer und ordnungswilliger deutscher Staats- bürger gegen das Vorgehen der Reichsregierung. Wir protestieren gegen diese„grundsätzlich neue Staatsführung", Bei der das Grundsätzliche anscheinend in der Mißachtung des Volkswillens, und das Neue in einer noch nie dygewssenen parteipolitischen Abhängigkeit besteht. Mir sprechen diesem Kabinett einer hauchdünnen Schicht, das nirgends im Volke verwurzelt ist, das schärfste Mißtrauen aus. Mir fordern es auf. zu verschwinden, um anderen Männern Platz zu machen, die zur Staalsführung in dieser schweren Zeit auch wirklich geeignet sind und mit ihren Leistungen über den Nullpunkt hinauszukommen vermögen. Jubel herrscht natürlich in Hugenbergs Hallen. Gegen die braunen Horden Hitlers können selbst die Hugenbera-Än» Hänger im Lande sich nicht mehr wehren, wie ihre Klagen aus Pommern zeigen. Aber in Berlin können Hugenbergs Schreibbeflissene um so stolzer auf die Taten hinweisen, die die Regierung der Barone vollbringt. Selbst die„Deutsche Tageszeitung. das Organ des zusammengeschmolzenen „Landvolks" fordert„Durchgreifen!", das heißt Entlastung aller republikanischen Beamten in Preußen. Wo die Ba- rone baun, haben die Kärrner zu tun! Erste pariser Stimmen. „Unter dem Oruck Hitlers und Hilgenbergs" Port». 20. Zuli.< Eigenbericht.» ver Streich der S chleicher- Regierung gegen Preußen und die Verhänguug de» Selagerungszufiande» über Die Reichsregierung hat sie auch bis zur Rundfunkrede des Reichs- kanzlere der Staatsregierung nicht mitgeteilt und sie nicht um Stellungnahme oder?lbhilse ersucht. Eine solche Mitteilung wäre wohl das mindeste gewesen, wozu die Reichsregierung verpflichtet gewesen wäre, bevor sie auch nur den mindesten Ein- griss in die preußische Staalshoheil, geschweige denn die nach der Reichsversastung überhaupt unzulässige Absetzung von Staats- ministern verfügte. Unrichtig ist serner die vehaupiung des Reichskanzlers, daß die preußischen Minister e» abgelehnt hoben, mit ihm zusammen- zuarbeiten. Sie haben lediglich abgelehnt, der Einladung einer nicht zur preußischen Slaatsregierung gehörenden Persönlichkeit zu einer Sitzung der..preußischen Staatsregierung" Folge zu leisten, weil sie nach der preußischen Verfassung dem Reichskanzler oder Reichskommisiar nicht das Recht einräumen können, eine preu- ßischc Staatsministerialsitzung anzuberaumen und zu leiten. verschärft. Ich habe die große Sorge, daß man durch diese Dinge weil über das ursprüngliche Ziel hinousgelrieben wird. Vena wenn man das militärische Denken allzu leicht auf da» Politische über- trägt, dann wird man auf Wege gezwungen, auf denen es dann auch für da» Militär kein Zurück mehr gibt. Der Meg, den die Sozialdemokratie in den letzten zwei Iahren gegangen ist, war ein Weg der demokratischen Gesin- nung fstr den Staat. Die Keute, die die Sozialdemokratie wieder in die Regatipn zursickwerssn. werden eines Tages von der Me- schichte vor den Richterstuhl gezogen werden Run verstehen Sie. worum ich es abgelehnt Hobe, in ein solches Kabinett einzutreten! Meines Erachtens haben die Verhandlungen hinten herum zu einem ganz festen Pakt mit den Hitlerleuten geführt und was in den letzten 24 Stunden in Berlin passiert ist, zeigt, daß die Nationalsozialisten am stärkeren Hebel der Regierung sitzen! Aber so geht e» doch nicht, daß man das deutsche Volk in seiner Geschichte wieder utn hundert Jahre zurückwirft! Diese Hoffnung und dieser Wille der Bendlerstraße wird nach meiner festen Ueberzeugung n i ch t in Erfüllung gehen. Wenn die Sozial- demakratie starten Mutes bleibt, den Kommunismus aufs schärfste bekämpft und sich aus die Linie der Verantwortlichen stellt, wer würde das verbrechen aus sich nehmen, diese Partei in eine radikale Opposition zum Staate zurückzuwerfen! Berlin und die Mark Brandenburg hoben in Paris wie eine Bombe eingeschlagen. Die.Liberts" bezeichnet die Vorgänge als Staatsstreich und kritisiert auf das entschiedenste die Reichsregierung und den Reichspräsidenten. Im„Temps" heißt es:„Die Aktion der Reicheregierung muß zehn Tage vor den Wahlen überraschen, zumäl man in Re- gierungskreisen wiederholt erklärt hatte, daß man keine Maßnahmen hinsichtlich der preußischen Regierung vor den Wahlen treffen würde. Der inzwischen gefaßte Beschluß kann nur durch den Druck Hitlers und Hugenbergs erklärt werden. Cr be- weist die völlige Abhängigkeit der Regierung von den beiden nationalistischen Führern," Das„Journal des Dsbats" urteilt:„Die Reichs- regierung hat soeben den äußersten Rechtsparteien eine Konzession gemacht, die noch andere nach sich ziehen kann. Da keine neue Tatsache diese so plötzliche Meinungsänderung von feiten der Re- gierung Papen rechtfertigt, drängt sich von selbst eine Schluß- folgerung aus: die Reichsregierung hat sich unfähig gefühlt, noch länger den Forderungen und Drohungen der Rechten und äußersten Rechten Widerstand zu leisten. Ohne so weit zu gehen, den allgemeinen Belagerungszustand zu verkünden. den die Nazis verlangt hatten, ergreift die Regierung eine erste diktatorische Maßnahme, die nicht von einer großen Handlungs» freiheit gegenüber denen zeugt, die von der öffentlichen Meinung als die Urheber der letzten Unruhen angesehen werden." Ein Aufruf des Militärbefehlshabers. Der Inhaber der vollziehenden Gewalt für den Bereich von Groß-B«rlin und die Provinz Brandenburg erläßt folgenden Zlufryf: „Ich bin durch den Herrn Reichswehrminister zum Inhaber der vollziehenden Geipalt für den Bereich von Groh-Berlin und die Provinz Brandenburg ernannt worden. Ich erwarte von asten Behörden und von der Bevölkerung, daß sie meinen, zur Aufrecht- erhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung erlassenen Anord- r.ungen Folge leisten. Wer diese Bekanntmachungen böswillig ob- reißt, verunstaltet oder beschädigt, wird bestraft. Berlin. 20. Juli 1932. Der Milstärbesehlshaber gez. von Rundstedt, Generalleutnant Bayerns protestschritte. München, 20. Juli. Der bayerische Ministerpräsident Dr. Held hat an den Reichspräsidenten folgendes Telegramm gesandt: „Durch die Notverordnung vom heutigen in schwerer Sorge um die verfassungsmäßigen Rechte und die Existenzgrundloge der deutschen Länder teile ich Eurer Exzellenz ergebenst mit, daß ich für die bayerische Regierung beim Herrn Reichskanzler heule Rechts- Verwahrung eingelegt und Entscheidung de« Staotsgerichtshofes über die Rechtsfrage beantragt habe. Zn treudeutscher Ergebenheit und Verehrung gez. Ministerpräsident Dr. h e l d." An den Reichskanzler hat Dr. Held folgendes Tele- gramm gesandt: „Die Entsetzung eines Reichskommissars an Stelle von Landes- regierungen und die Amtsenthebung von Londesministern ist nach Aus- sassung des bayerischen Gesamlministeriums mit der Reichsverfassung nicht vereinbar. Die Notoerordnung vom 20. lluli 1932 berührt versassüngsmäßige Rechte aller Länder und ihre verfassungsmäßige Existenz. Namens der bayerischen Stoatsreglerung lege ich sörm- lich Rechtsverwahrung ein. Antrag beim Staatsgerichlshos für das Deutsche Reich auf Entscheidung der Rechtsfrage ist non uns gestellt." An den S t a a t s g e r i ch t s h o f für das Deutsche Reick» in Leipzig hat die bayerische Staatsregierung telegraphisch folgenden Antrag eingereicht: „Namen» der bayerischen Siaaisregierung beantrage ich für das Land Bayern zu erkennen: Einsetzung eines Reichskommissars an Stelle von Landesregierungen sowie Amisenthebung von Landes- ministern. wie In der Reichsverordnung vom 20. Zuli 1932 vorge- sehen, ist mit der Reichsverfassnng nicht vereinbar. Die Verordnung berührt versassüngsmäßige Rechte aller Länder und ihre versasiungs- mähige Existenz. Zur Begründung de« Antrages nehme Ich Bezug auf die Erklärung Bayerns vom 9. Mai 1931 im Verfahren vor dem Staatsgerichlshos wegen des Steuervereinheitlichungsgesehes. Weitere Begründung bleibt vorbehalten. Erbitte Terminbekannlgabc." Brünina protestiert und enthüllt. Das Volk muß entscheiden! Weder Diktatur noch Gtraßenterror werden die Reichstagswahl verhindern Einheitsfront! An die deutsche Arbeitnehmerschaft! Die neuesten politischen Vorgänge haben die deutschen Arbeiter, Angestellten und Beamten in große Erregung versetzt. Sic müssen trotzdem ihre Besonnenheit bewahren. Noch ist die Lage in Preußen nicht endgültig entschieden. Der StaatSgerichtshof ist angerufen. Die entscheidende Antwort wird daS deutsche Boll, insbesondere die deutsche Arbeit- nehmerschaft, am 31. Juli geben. Es ist die Pflicht aller gewerkschaftlichen Organisationen und aller Volksschichten, die auf dem Boden der Verfassung und des Rechtes stehen, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür zu sorgen, daß diese Reichstagswahl stattfindet. Weder der Terror der Straße noch irgendeine verfassungswidrige Diktatur darf verhindern, daß am 31. Juli das Volk von seinem höchsten Rechte Gebrauch macht. Die vorbildliche Disziplin der deutschen Arbeiter, Angestellten und Beamten ist auch in diesen schweren Tagen unter allen Umständen aufrechtzuerhalten. Wir lassen uns die Stunde des Handelns von Gegnern der Gewerkschaften nicht vorschreiben. Berlin, den St). Juli 1S3S. Allgemeiner Deutscher Gewerkschastsbund. Allgemeiner freier Angestelltenbund. Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands. Gesamtverband deutscher Verkehrs- und Staatsbediensteter. Gewerkschastsring deutscher Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbände. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund. Deutscher Beamtenbund. Warnung vor Provokateuren. Tie Berliner gewerkschaftlichen Spitzcnkvrpcrschaftcn stimmen mit der Erklärung der gcwcrkschast- lichcn Rcichszcntralcn aller Richtungen und der Dampfleitung Berlin der Eisernen Front übcrcin. Sie betonen: Nur die von den Organisationen der Eisernen 3front gegebenen Parolen werden befolgt. Haltet Disziplin? Laßt euch nicht provozieren? Jevt muß jeder wirkliche Kämpfer die Nerven behalten. Provokateure verteilen unter Mißbrauch des Namens der Eisernen Front Flugblätter» worin sie zum Generalstreik auffordern. Stellt diese Provokateure sc st? Mit der zu Donnerstagabend von den Kommunisten einberufenen Bctricbsrätckonfercnz haben die Gewerkschaften nichts zu tun. Ortsausschuß Berlin des Altgemeinen Deutschen GewerkschastsbundeS. Ortskartell Berlin des Allgemeinen freien Angestelltenbundes. Bezirksausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes. Schlagt die Feinde der Freiheit am 31. Juli. Die Einheitsfront ist geschlossen! Es ist die Einheitsfront sämtlicher gewerkschaftlicher Spitzenorganisationen, gleichviel welcher Richtung. Sie sind die autorative Vertretung der gesamten Arbeiter, Angestellten und Beamten des Deutschen Reiches. Diese Einheitsfront ist geschlossen, um die Verfassung zu schützen, um die Entscheidung des deutschen V o l k e s am 31. Juli gegen jede verfassungswidrige Diktatur und gegen jeden Terror zu sichern. Gegen diese Einheitsftont der Gewerkschaften wird niemand und nichts aufkommen. Sie ist die Garantie dafür, daß die republikanische und demokratische Verfassung des Deutschen Reiches erhalten bleibt. Im Bewußtsein ihrer Kraft fordern deshalb die Gewerkschaften aller Richtungen zur Disziplin und Besonnenheit auf. Die deutsche Arbeiterklasse wird dieser Aufforderung in vollem Vertrauen in die Entschlußkraft der Gewerkschaften Folge leisten. Sie wird den Provokateuren kein Gehör schenken. Sie wird mit Zorn und Verachtung auf das schandvolle Flugblatt antworten, das gestern von der kommunistischen Reichstagsfraktion verbreitet worden ist. Während S e v e r i n g seinen geschichtlichen Kampf aus- focht, hat die KPD. den Versuch gemacht, ihn mit den schmutzigsten und niedrigsten Angriffen in den Rücken zu fallen. Seit Iahren hat die KPD. nichts anderes getan, als Vorarbeit für den Faschismus zu leisten. In den letzten Wochen und Monaten hat fich diese mörderische Takrik, eingegeben von blindem Haß gegen die Sozialdemokratie, bis zum Paroxismus gesteigert. Jetzt, in der Stunde der Entscheidung, wo die Feinde der Republik und der demo- kratischen Freiheit alles in Bewegung setzen, um die ver- fassungsmäßigen Wahlen zum Deutschen Reichstag zu ver- hindern, versucht die KPD. dem Faschismus in die Hönde zu arbeiten und den Vorwand zur Verhinderung der W a h l e n z u l i e fe r n, wie sie den Vorwand zum Eingreifen gegen Preußen geliefert hat. Mit diesem letzten Versuch hat die KPD. ein für allemal das Recht verwirkt, sich eine revolutionäre Arbeiterpartei zu nennen. Sie ist zu einem Hilfstrupp des Faschis- mus herabgesunken. Wie Grzesinski verhaftet wurde. Eine Ltnterredung mit dem Genoffen Grzesinski. Genosse Albert Grzesinski empfing gestern abend einen unserer Mitarbeiter, dein er zu den Vorfällen des gestrigen Tages folgende Auskunft erteilte: Auf die Frage:„Was veranlaßt« Sie, sich der Aufforderung, Ihren Posten als Polizeipräsident zu räumen, zu widersetzen? antwortete Genosse Grzesinski:„Nach Prü- fung der schriftlichen Unterlagen, die erst verhältnismäßig spät mög- lich war, ergab sich, daß die Absicht, mich zu beurlauben, ver- fassungs- und beamtenrechtlich unzulässig war. Herr Oberbürgermeister Bracht war nicht befugt, mir die Aus- Übung meiner Arntsgefchäfte zu untersogen und mich zu beurlauben. Er hatte es mir bis dahin nicht einmal notifiziert. Sein Brief traf erst nach 2 Uhr nachmittags bei mir ein. Ein Verlassen meines Platzes wäre ein« Amtspflichtverletzung gewesen, ganz abgesehen davon, daß es nach Lage der derzeitigen Verhältnisse auch eine politische Pflichtverletzung bedeutet haben würde." Wie spielten sich nun Ihre Verhaftung, Ihr Abtransport und Ihre Haftenlaffung ob? Grzesinski:„Gegen 5 Uhr wunde mir gemeldet, daß ein Reichswehrhauptmonn mit zwei Offizieren und einer An- zahl mit Handgranaten bewaffneter Soldaten im Polizei- Präsidium erschienen sei. Der Reichswehrhauptmann betrat mit zwei Soldaten mein Dienstzimmer, übergab mir einen Brief des kommandierenden Generals von Rundstedt und eine Erklärung mit der Frage, ob ich der Aufforderung, meinen Platz zu räumen, folgen würde. In meinem Zimmer waren die Herren Polizeioizepräsident Dr. Weiß, Kommandeur Hcimannsberg, Dr. Haubach und einige andere Herren des Präsidiums. Ich las den Brief laut vor und sagte, daß ich nicht daran dächte, zu gehen. Ich müßte auf einer schriftlichen Erklärung über das, was ich telephonifch dem kommandierenden General gesagt hatte, bestehen bleiben. Ich gab diese Erklärung auch schriftlich ab. Ihren be- sonderen Verhältnissen angepaßt schlössen sich die Herren Weiß und Heimannsberg meiner Erklärung an. Auf meine A b- geordnetenimmunität machte ich besonder« aufmerksam und bat, gerade von diesem erneuten Hinweis dem kommandieren- den General Kenntnis zu geben. Trotzdem erfolgte gegen 6 Uhr die JnschutzHastnaHme. Im Polizeipräsidium hatten sich die Vorgänge inzwischen herumgesprochen. Der Beamten hatte sich eine ungeheure Erregung bemächtigt, und als wir mein Dienstzimmer unter militärischer Eskorte verließen, riefen die Beamten, die an den Fenstern stopf an stopf gedrängt waren:„hoch die Bepublik!"„Freiheit!" hoch unsere Chefs!" Auch unterwegs waren wir Gegenstand von Sympachiekund- gebungen des Publikums. Zunächst sollten wir in den Offiziers- arrest in der Lehrter Straße gebrocht werden. Da offenbar nichts vorbereitet war, wurden wir ins Kameradschafts- und Soldatenheim in Moabit gebracht. Jeder hatte ein besonderes Zimmer, wir durften miteinander nicht in Ver- b i n d u n g treten Mir wurden die Zeitungen verweigert, die ich mir von Herrn Dr. Weiß erbeten hatte. Vor der Tür und unter dem Fenster stand ein Po st en mit geladenem Gewehr. Gegen 7 Uhr erschien ein Regierungsrat aus dem preußischen Innenministerium und ein vom kommandierenden General beauftragter Offizier, die mir mitteilten, daß man sich überlegt hätte, unter welchen Umständen eine E n t h a f t u n g erfolgen könne, nachdem der Zweck unserer Entfernung aus dem Amt erreicht sei. Man sei zur Formulierung einer Erklärung gekommen und frage, ob wir bereit seien, diese abzugeben. Nachdem die von mir verlangte Besprechung niit den Herren Dr. Weiß und Sjeimannsberg ermöglicht war, kamen wir nach Prüfung des Inhalts der Erklärung zur Auffassung. daß die Unterzeichnung die Bechlsverwahrung gegen die Entfernung aus dem Amt und die Inhaftierung nicht tangiere. Die Erklärung stelle im Gegenteil die gewaltsame Entfernung au» dem Amte ausdrücklich fest. Nach Lage der Dinge kommen auch dienstliche Maßnahmen durch uns schon um deswillen nicht in Frage, weil kein Anlaß besteht, die Beamten durch unsere erneute Anwesenheit im Amt in persön- liche und rechtliche Schwierigkeiten zu bringen. Um 7 Uhr wurden wir entlassen. Ueber die gegen ihn und andere höhere Beamte des Polizei- Präsidiums erhobenen Vorwürfe befragt, sagte Genosse Grzesinski:„Sie fragen mich, ob es richtig sei, daß ich und eine Anzahl der höheren Beamten des Polizeipräsidiums den K o m- munisten gegenüber Hemmungen haben. Ich weiß, daß seit Monaten von der Rechtspresse diese Behauptung immer wieder aufgestellt ist. Darüber habe ich mich nicht gewundert. Solche Unwahrheiten zu verbreiten, gehört zum Handwerk der Rechtszeitungen und der Rechtsredner. Baß er- staunt aber war ich heute morgen, als ich in den Zeitungen las, daß offenbar die R e i ch s r e g i e r u n g sich diese Argumentation zu eigen gemacht habe! Heute abend soll Herr von Papen im Rundfunk— ich habe seine Rede nicht gehört— noch sehr viel deutlicher gewesen sein. Ich komme auf diese Rede vielleicht noch zurück. Irgendwelche Unterlagen für die Behauptungen sind nicht angeführt worden, auch durch Herrn von Papen nicht. Das macht die Unterstellung so unerhört, und ich protestiere aus» allerschärsste gegen solche Unwahrheiten und ihre Verbreitung. Ich habe allerdings immer und mit Erfolg oersucht, möglichst ohne Gewaltmittel und ohne Schießen auszukommen, auch ohne Be- lagerungszustand, und habe den Verlust eines Menschenlebens immer beklagt. Hier in Berlin ist zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung gegenüber allen Ruhestörern ohne Belagerungs- zustand im Laufe der Jahre und vor allem in letzter Zeit mehr Nachdrückliches geschehen als irgendwo. Das ist der klugen und ge- schickten Einstellung und der verständnisvollen Tätigkeit aller Be- amten des Polizeipräsidiums Berlin zu danken. wenn man mich mit meinen höheren Beamten seht nachträglich beleidigt, so erkläre ich mir das nur so. daß man nachträglich einen Grund mehr für das verfassungs- und rechtswidrige sowie vermal- tungsmähig unhaltbare Vorgehen gegen mich in der Oeffentlichkeit zu verbreiten sucht, wo Rechtsgründe nicht vorhanden sind, hofft man aus die stommunistenfurcht des Bürgertums. Popens Polizeipräsident. Begierungsdirektor Moesle Nachfolger von Weiß. Der neue Polizeipräsident von Berlin, Welcher, hat den Regierungsdirektor Dr. Moesle, den bisherigen Leiter der Abteilung III des Polizeipräsidiums, zu feinem Stellvertreter bestimmt. Sowohl der Präsident Melcher als auch Dr. Moesle haben die Dienstgeschäfte bereits übernommen. Dr. Moesle ist inzwischen in das Dienstzimmer des bisherigen Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß übergesiedelt. �Kreie Gewerkschafts-Zugend Verlin tSft Achtung! An Stelle der vorgesehenen Demonstration findet morgen, Areitag. 19 Uhr. im„Clou", Mauerstr. 82. eine große Iugendkundgcbnng � statt. Programm? �ahneneinmarsch, Spielgruppe„Querschnitt". Redner: Felix Kanitz-Wien. Eintritt frei. Zugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten BKf- vcutr, Donnerstag, finden sollende Bcranstaltungcn statt: Norden: Jugendheim Lorhingslr. Iii. Poiilisch.saiirisitikr Abend.— Osten: Jugend» heim der Schule Litauer Str. IS. Scuicilschastsfragc» der Gegenwart.— Treptow! ?»gendhcim Glsenstr. X lPrivathaus). Aussprache: Warum Freikörperkultur?— Die Freie Angestclltcnbank e. G. m. b. H. tag! heute»an 2» bis 22 Uhr im Ver- bandshaus.— Spiele im Freien: Ab Iii Ühr Sportplatz Tiergarten und ab lbztz Uhr Sportplatz Friedrichshain, Platz g. Der„Ptirwörls" erscheint wochenläglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe flir Berlin und im Handel mit dem Titel»Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Anzetgenpreise: Die einspalt. Millimeterzeile so Pf, Reklmnezeile 2.— M« „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. lzuliifsig zwei fettgedruckte Wort«) jedes weitere Wort>0 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte Uber IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2» Pf. Fomilienanzeigen Millimeter. zeile is Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße z, wochentäglich von 81;, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich illr Politik: Victor Schiff: Wtrtjchuit: S. Klingelhöfer! Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Herbert Lepdre: Lokale» und Sonstiges: Friu ltarstädt, Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich IN Berlin. Verlag: Vorwärts-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdrucker«» und Verlagsonstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. K8. Lindenstraß« 1 Hierzu 2 Beilagen. 3lr.339• 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 21. Juli 1932 Berlin in Die ersten Stunden des Belagerungszustandes. Die Verhängung des militärischen Velngerungszu- standes über Berlin und die Provinz Brandenburg hat in der Reichshauptstadt wie eine Bombe eingeschlagen. Zn den Arbeitervierteln ist alles auf den Ztrahen; Männer wie Frauen diskutieren erregt die Situation. un§| der„Eisernen Front" am Freitag, 22. Juli, 19 Uhr, im Clou, Mauerstraße 82 Parole: Alles für die Arbeiterklasse Alles fUr den Sozialismus Referenten: Felix Kanitz, Wien und Hans Gottturcht. Musikkorps: Neukölln. Spieltruppe: Der Querschnitt Keiner darf fehlen! und Heimannsberg als in Schutzhaft genommen. Sofort sammelten sich an dem um dies« Stunde überaus belebten Alexanderplatz große Menschenmassen, die in brausende Freiheit-Rufe ausbrachen, als Grzesinski, Weiß und Heimannsberg den Kraftwagen der Reichs- wehr bestiegen, mit dem sie in das Offiziers-Arrestlokal in der Lehrter Straße geschafst wurden. Diese Berichte gaben in den Abendstunden mehrfach Anlaß zu Gerüchten, In der Hauptsache entsprangen sie wohl der Sorge um Severing. Ueberall wurde gefragt:„Was wird mit Severing?" In später Stunde trafen dann die Nachrichten ein, nach denen Severing der Gewalt gewichen war. Hütet euch vor Provokateuren' Gegen Einbruch der Nacht sah sich die Kampfleitung Berlin der Eisernen Front gezwungen, die dritte Flugblattverbreitung vorzu- nehmen. Unverantwortliche Elemente hatten unter Mißbrauch des Namens der Eisernen Front ein Flugblatt herausgebracht, das zum Generalstreik ausforderte. Es er- ging an die Arbeiter die Anweisung, die Provokateure fest- z u st e l l e n. Gegen 8 Uhr abends hatte übrigens die Sozialdemo- kratische Partei einen Aufruf an die Partei herausgebracht, der ebenfalls in ganz Berlin verbreitet wurde. Kaum hatten die Autos mit den Flugblattpaketen haltgemacht, da stürzten sich schon die Massen auf die Verteiler, um neue Nachrichten zu erhalten. Es blieb nichts anderes übrig, als die Autos wieder in Fahrt zu setzen und vom Wagen aus die Aufrufe abzuwerfen. Und kein einziges Blatt blieb gestern auf dem Straßenpslaster. Jeder wollte wissen, was die Sozialdemokratie dem republikanischen Berlin zu sagen hatte! Vor dem Innenministerium Unter den Linden stauten sich bereits um 16 Uhr größere Menschenmassen, hauptsäch- lich Reichsbannerleute und Mitglieder der„Eisernen Front", Kurz nach 17 Uhr tauchte plötzlich das Gerücht auf, daß in wenigen Minuten Reichswehr erscheinen werde, um Minister Severing zu verhaften. Es blieb aber bei dem Gerücht, Zu gern hätten die Journalisten der Rechtspresse aus dem Munde Hirschfelds vernom- men, daß Severing über einen Hinterausgang verschwunden sei, Diese Journalisten hatten plötzlich Interesse für die Hinterausgänge der Prioatwohnung des Ministers, ihre plumpen, aber unverkenn- baren Verdächtigungen wurden mit Bestimmtheit zurückgewiesen Dr. Hirschfeld erklärt«, daß sich vor 20 bzw. 21 Uhr nichts ereignen uns Minister Severing bis zu dieser Zeit wieder im Hause sein werde. Vor dem Gebäude des Ministeriums hatten sich inzwischen immer stärkere Menschenmassen angesammelt. Bald zeigten sich auch sensationslüsterne und radaulustige Elemente mit den Abzeichen des Stahlhelms und des Hakenkreuzes. Es war unverkennbar, daß diese Trupps nach den Linden beordert worden waren, denn sie tauchten fast zur gleichen Zeit von allen Seiten auf. Die Polizei, die in großer Stärke zur Stelle war, hielt die Ruhe ausrecht. Höchste Kampsbereitschast. Die Massen grüßen Braun, Severing und Grzesinski. Zn den Versammlungen der Eisernen Aront, die gestern abend in allen Teilen Berlins abgehalten wurden, herrschte eine Kampsstimmung von solcher Leidenschaftlichkeit und Entschlosten- heil, wie wir sie selbst in den letzten Wochen, da sich die Wähler um das Freiheitsbanner der Sozialdemokratie scharen, noch nicht erlebt haben. Alle Veranstaltungen waren überfüllt, durch Massenbesuch gaben die Arbeiter und Angestellten ihre erste Antwort aus das gewaltsame Einschreiten der Papen-Regierung gegen das republikanische Preußen. Jedem Satze der Redner folgte ein Beifallssturm, wenn ge- schildert wurde, wie Otto Braun, Carl Severing und Albert Grzesinski auf dem Posten ausharrten, auf den sie das Vertrauen des Volkes berufen hat und die sie dann unter dem Druck der Gewalt verlassen mußten, Cs zeigte sich auch, wie verbunden sich die republikanische Berliner Bevölkerung mit dem gleichfalls verhaftet gewesenen Kommandeur der Berliner Schutz- polizei Hugo Heimann-berg fühlt. In mehreren Versamm- lungen wurde dem Führer der Berliner Schutzpolizei durch Aus- fllhrungen der Redner und durch Beifallsstürme der Versammelten der Dank für sein mutiges Verhalten im Interesse der Republik ausgesprochen. Die vielfachen Zurufe zeigten, daß die entzündete, aber wohldisziplinierte republikanische Wählcrarmee fest entschlossen ist, das hohe Gut der Freiheit zu erhalten und da, wo es verloren gegangen ist, wieder zurückzuerobern. Der Verlauf der Kund- gedungen zeigte aber auch, daß die Massen die Parolen ihrer Führer verstanden haben, Die deutsche Arbeilerschast begreist die Parole des sozialdemokratischen parleworstandes, daß es jetzt vor allem gilt, die Wahlen am 31. Zuli zu sichern. Auch die S p i ch e r n s ä l e, in denen vor llberfülltem Raum Robert Breuer und Major Anker referierten, boten gestern abend ein begeisterndes Bild, Einigen gar zu temperamentvollen Vsrsammlungsbesuchern rief Robert Breuer unter dem Beifall der Männer und Frauen zu:„Wir werden uns in den nächsten Wochen und Monaten Nerven anschaffen müssen so stark wie Stahltrosse. Breuers Rede wurde immer wieder von starken Beifallstllrmen unterbrochen, wenn er die Abwehr der Preußenregierung gegen das gewaltmäßige Vorgehen der Papen-Regierung kennzeichnete. Mi- nutenlange, stürmische Erregung beherrschte die Versammlung, als er schilderte, wie man Berlins Polizeipräsident Grzesinsli, den Vize- Polizeipräsidenten Dr. Weiß und den Oberst Heimannsberg durch bewaffnete Reichswehr habe ins Lehrter Gefängnis bringen lassen. Immer wieder schallte aus der Mitte der Versammlung der Ruf: „Es lebe Severing". Als der Redner ausrief:„Schneidet euch aus dem„Vorwärts" die Sätze aus, die unser Carl Severing dem Reichskanzler Papen ent- gegenschleuderte, als er aufgefordert wurde, freiwillig den Platz zu räumen, den er solange im Interesse des gesamten Volkes im Geiste republikanischer Freiheit ausgefüllt hat. Diese Sätze wollen wir uns ins Herz schreiben und an sie denken, wenn wir die Republik mit allem, was wir haben, verteidigen werden," Nach dem gleichfalls mit starker Anteilnahme aufgenommenen Ausfühningen des Majors Anker faßte die Versammlung ihr Treuebekenntnis zu den sozialdemokratischen Führern in einer R e- s o l u t i o n zusammen, in der es heißt: „Die Republikaner und die Mitglieder der Eisernen Front sprechen ihren Führern, den tapferen Verteidigern der Demokratie fdiemi amfäauchvt: Die Veruiendung feinster aromatischen Tabake und die gewissenhafte Betreuung durch anerkannte Fachkräfte im ganzen Herstellungsgang bringt als Ergebnis für höchste Qualität! Dieses Pn'ncip können wir aufrechterhalten, weil wir keine Wertmarken, Gutscheine oder Stickereien beilegen. Die groQe Juno-Gemeinde, Millionen Raucher umfassend, aaerköimf du Richtig Reit unseres Handelns! «nid Verfassung, Ihren herzlichen Dank aus und versichern auf» neue unverbrüchliche Treue." Reichswehr im Polizeipräsidium. Da» erste Werk der neuen Machthaber war die Tatsache, daß den Journalisten von einigen besonders jungen und forschen Be. amten der Zutritt zum Gebäude des Polizeipräsidiums verwehrt iburde.„Presseausweise haben keine Gültigkeit mehr— machen Sie, daß Sie weiter kommen!" Wer nicht gleich der polizeilichen Aus- forderung folgt«, bekam einen wenig sanften Stoß. Auch aus- ländische Journalisten wurden in diesem Tone zurückgewiesen. Durch da» Gitter tonnte man aber Reichswehrsoldaten mit aufgepflanztem Bajonett erkennen. Natürlich hagelte es von allen Seiten sofort Proteste, mit dem Erfolg, dyh der Zutritt zum Polizeipräsidium wieder freigegeben wurde. Von der Presse- stelle des Polizeipräsidiums wurde die Erklärung abgegeben, daß die Beamten entgegen den ihnen gegebenen Weisungen gehandelt hätten. Es war ihnen vom Offizier der chauswache befohlen wor- den, die Ausweise genau zu prüfen, sonst aber niemand mit gültigem Dress«au»weis de« Polizeipräsidiums am Betreten des Gebäudes zu verhindern. Bor dem Polizeipräsidium, besonders nach der Seite des Alexanderplages, hatten sich große Menschenmassen angesammelt, die ihrer Empörung über die Ereignisse vernehmbar Luft machten. Schupo mit Stahlhelm. Auf dem W e d d i n g, vornehmlich in der M ü l l e r st r a ß e zwischen Bahnhof Wedding und Seestraße hatten sich in der zehnten Abendskunde ungeheure Menschenmassen gestaut. Die Bevölkerung bewahrte eiserne Disziplin, so daß die Schupo, die zum großen Teil mit Stahlhelmen und Karabinern ausgerüstet war und in großen Lastautos durch die Straßen fuhr, kein« �..Betätigung" fand. Diese kriegsmäßige Ausrüstung der Berliner Schupo wurde von den Massen als erneute Provokation empfunden. Das Regie- rung»viertel und die Linden glichen abends einem regelrechten Schupo-Heerloger. Viel bemerkt wurden auch die mit Reichswehr besetzten Mannschaftswagen und Motorradstaffeln. Bis 10 Uhr abends ist es nirgends zu Zwischenfällen gekommen. Oer Marsch der Eisernen Front. In der großen Massenkundgebung der„Eisernen Front" in der Hasenheide setzte der Verkauf des Flugblatt» ein, das den„Marsch der Eisernen Front" in Roten und Text«nt- hält. Es wurden IS Flugblätter verkauft, die einen Gesamterlös von 7S M. ergaben. Der Grundstein für den Fonds„D e n Opfern des Abwehrkampfe» gegen die RSDA P.", Konto bei der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Berlin S. 14, Wallstr. 65, Kontonummer 72 351, ist gelegt. Die nicht verkauften Flugblätter sind an den Deutschen Arbeiter-Sänger- Bund, Berlin S. 14, Wallstr. 58 II, zurückzugeben, der den Vertrieb des Flugblatts, Preis 5 Pf. und der Schallplatte(Freihetts- platte, enthaltend den Marsch der Eisernen Front; Brüder, zur Sonne, gesungen von Mitgliedern des Schubertchors, und die Jnter- nationale für Bläserorchester) übernommen hat. Di« Schallplatt« gelangt ab Sonnabend dieser Woche(9 bis 13 Uhr, die übrigen Tage 8 bis 16�3 Uhr) beim Deutschen Arbeitcr-Sängerbund, Berlin S 14. Wallstr. 58. Tel. Iannowig 5596 und 0767 zur Aus- lieferung. Bis zum 31. Juli muß der Marsch der Eisernen Front, der gestern in sämtlichen Parteiorganen Deutschlands veröffentlicht wurde, überall verbreitet fein. Helft alle mit! Oritier Vachstuhlbrand in 24 Stunden. Dritter Alarm in Schöneberg. Innerhalb von 24 Stunden brannten gestern in Berlin drei Dachkonstruttionen großer vierstöckiger Mietshäuser. Kurz vor 1-�5 Uhr brach in einer Bodenkammer des Eckhauses Schwäbische Straße 5 und Lindauer Straße in Schönederg ein Feuer aus, das sich in kürzester Zeit auf den größten Teil des Dachstuhls im Vorderhaus ausdehnte. Drei Züge der Feuerwehr unter Leitung von Oberbaurat Braun griffen mit drei starkkallbrigen Schlauchleitungen über zwei mechanische Leitern und das Treppen- haus den Brand an, wobei sie besonders unter starker Rauchentwicklung zu leiden hatten, und aus diesem Grunde mußten vier vonnskstsg, den 2t. Juli: S.Kreis Wcdding. 19H Uhr: Fünf Wahlkundgebungen, und zwar: Swinemunder Gesellschaftshaus, Swinamünder Str. 42, Referent Kurt Anker. In beiden Sälen der Atlantiksäle,, Behmstr.(am Bahnhof Gesundbrunnen), Referenten Ernst Hildebrandt und Christian Schumann. Im kleinen Saal der Pharus-Säle, Müllerstr. 142, Referent Karl Hetzschold. Im großen Saal der Pharus-Säle, Müllerstr. 142, Referent Hugo Heimann, MdR. Thema in allen Kundgebungen„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". 7. Kreis Charlottenburg. 20 Uhr im Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Sir. 53: Oeffentliche Versammlung. Referent Arthur Crispien, MdR.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". 11. Kreis Schöneberg. 20 Uhr; Kundgebung im Bürgersaal des Rathauses Friedenau, Lauterplatz:„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Kurt Heinig, MdR. 12. Kreis Steglitz. IRTj Uhr: Wahlkundgebung im Gymnasium Steglitz, Heesesfraße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referenten Anna Geyer und Otto Bach. 17. Kreis Lichtenberg. 19H Uhr: Kundgebung in der Aula, Schlichtallee, Lichtenberg, an der Hauptstraße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Bernhard Göring. 20. Kreis Reinickendorf. 19H im Lokal„Hubertus", Schönholz: Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Hermann Harnisch, MdL. S9. Abt., Spandau. 191-1 Uhr: Oeffentliche Wählerversammlung im Lokal„Kiennadelschweiz", Spandau, Pionierstraße 3 (Halleda).„Der Entscheidungsksmpf der deutschen Arbeiterklasse". Referent lockel Meier. Anstalt Wuhlgarten. 20 Uhr bei Tempel, Lichtenberg, Gudrunstraße 7; Fraktionsversammlung mit Sympathisierenden. „Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Henry Drunsel. Hell- und Pflegeanstalt Kerzberge, 20 Uhr bei Otto, Herzbergstraße 78: Eiserne-Front-Versammlung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referentin Frida Gladosch. Gaswerk, Insta, Kassierer, Neukölln. 15K Uhr bei Schiunke, Neukölln, Bergstr. 98, Ecke Lahnstr.: Eiserne-Front-Versammlung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Max Brinitzer. Bezirksamt Neukölln und Arbeitsamt Süd-Ost. 20 Uhr im Städtischen Saalbau, Neukölln, Bergstraße 147: Wahlkundgebung. Filmvorführung, Musikvorträge, politisches Kabarett. Referent Dr. Julius Moses, MdR. Bezirksamt Kreuzberg. 20 Uhr: in den Kammersälen, Teltower Straße 1—4, Kundgebung der„Eisernen Front":„Für die Freiheit des schaffenden Volkes— gegen die faschistische Diktatur". Referent Dr. Haubach. Textilarbeiterinnen. 18 Uhr(gleich nach Arbeitsschluß) Spricht Emma Ritsche über„Freiheitskampf der Frau und der Arbeiterklasse" im Sitzungssaal der Ortsverwaltung, Engelufer 24/25, Aufg. B, III Treppen. Freitag, den 22. Juli: S. Kreis Wedding. Erwerbslosenkundgebung, 15 Uhr, im großen Saal der Pharus-Säle, Müllerstr. 142,„Für Arbeit und Brot". Referent Dr. Haubach. lt., 57. und 88. Abt. 19 Uhr: Wählerkundgebung im Schultheiß- Patzenhofer,. Landsberger Allee 24/26.„Der Enlscheldungs- kampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Bürger- • meister Paul- Mielitz. 60. Abt. Spandau. 20 Uhr Im Lokal Walter Krause in Gatow: Wählerversammlung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Stadtrat Karl Hetzschold. 61. Abt. Spandau. 19)4 Uhr: Oeffentliche Wählerversammlung Rauchschutzgeräte in Anwendung gebracht werden. Nach fast ein. stündiger, angestrengter Arbeit gelang es schließlich den Löschmann- schaften, das Feuer einzukreisen und zu ersticken. Die Aufräumungearbeiten nahmen noch weitere zwei Stunden in An- spnich. Der Boden und die Dachkonstruktion brannten in einer Ausdehnung von etwa 400 Quadratmeter fast völlig aus Ein Ilebergreifen des Feuers auf das vierte Wohngeschoß konnte recht- zeitig verhindert werden, und auch der Wasserschaden ist in den im Heidsschloß, Spandau, Birkenweg 25, Waldsiedlung. „Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Kurt Anker. 62. Abt. Siemensstadt-Kaseihorst. 14H Uhr in dar Schloßklausa Inh. Vogel, Siemensstadt, Nonnendammallee: Rentnerversammlung.„Rentnerraub der Hitler-Partei". Referent Stadtverordneter Rohde. 64. Abt. Ciadow. 1956 Uhr im Cladower Hof, Inh. Roske, Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Max Heydemann, MdL. 112. Abt 20 Uhr im Hermannseck, Wilhelmshagen, öffentliche Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Bernhard Göring. 127. Abt. Hohenschönhausen. 20 Uhr, öffentliche Kundgebung in der Schulaula, Roedemstraße.„Kampf dem Faschismus." Referent Dr. Helmuth Klotz. 142. Abt Keiiigensee. 20 Uhr, öffentliche Kundgebung im Lokal Hubertus, am Bahnhof Schulzondorf.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Dr. Otto Friedländer. Blindensektion der SPD. Pünktlich 20 Uhr bei Schulz, Adalbertstraße 21, öffentliche Blinden Versammlung.„Der Blinde und die Reichstagswahl." Referent Stadtverordneter Robert Rohde. Aschinger-Konzern. 17 Uhr in den Prachtsälen des Centrums, Rosenthaler Str. 36, allgemeine Betriebsversammlung.„Der Freiheitskampf der Arbeiterklasse." Referent Max Urich. BVG. 1956 Uhr im großen Saal der Kammersäle, Teltower Straße 1-4. Kundgebung der„Eisernen Front".„Gegen die Nazi-Knechtschaftl Für die soziale Republik." Referent Artur Crispien, M. d. R. Rezitationen Martha lohn. Bezirksamt Prenzlauer Berg. 16 Uhr Eiserne-Front-Veranstaltung für alle beim Bezirksamt beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten im Versammlungsraum des Hufeland- Hospitals, Eingang Fröbelstr. 17:„Wohlfahrtsstaat oder , Drittes Reich'?" Referent Stadtkämmerer Bruno Asch. Bezirksamt Friedrichshain. 16 Uhr, im Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee 11/13; Kundgebung aller beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten„Unser Kampf um Freiheit und Recht". Referent Otto Meier, MdL. Bezirksamt Spandau. 20 Uhr in den Germaniasälen, Spandau, Stresowplatz, große Belegschaftsversammlung.„Der Schicksalskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Erich Kuttner, MdL. Bezirksamt Pankow. 20 Uhr, Kundgebung im Türkischen Zelt, Pankow, Breite Str. 14.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Robert Breuer. Bezirksamt WciBensee. 1956 Uhr, Kundgebung der„Eisernen Front" im Lokal„Zum Pferdemarkt", Weißensee, Schönstraße.„Unser Freiheitskampf." Referent Stadtrat Reimann. Städtisches Obdach FröbelstraOe. 20 Uhr bei Heibutzki, Danziger Straße 46, Kundgebung.„Der Freiheitskampf der Arbeiterklasse." Referent Otto Bach. Angestelte der Handelthilfsarbeiter der Kaufhäuser des Zentrums. 1956 Uhr in den Arminsälen, Kommandantenstraße 58/59, Kundgebung.„Die Auswirkungen der letzten Notverordnung auf sozialem Gebiet." Referent Fritz Schröder. Bekleidungsarbeiter-Verband. 1956 Uhr in den Residenzfest. sälen, Landsberger Str. 31, Kundgebung.„Der Kampf der Arbeiterschaft um ihre Lebensrechte." Referentin Anna Geyer. Eisenbahner. 19 Uhr öffentliche Kundgebung in der Neuen Welt, Hasenheide;,Durch Kampf zum Freiheitssieg".. Ra-. ferenten; Reichstagspräsident Paul Löbe, MdR. und Maxie. Tuchacz, MdR. Musik, Sprechchöre. Zutritt haben nur Inhaber des Reichsbahnpersonalauswelses und deren Frauen. Sorgt für Massenbeteiligung! Wohnungen nur verhältnismäßig gering, lieber die Ursache des Feuers herrscht bisher völlige Unklarheit. Der Auffichtsral der Serek hat in einer Sitzung am Dienstag, dem 19. Juli, die Beurlaubung von Direktor Martin mit sofor- tiger Wirkung aufgehoben. Die Staatsanwaltschaft halte das Ber- fahren gegen Direktor Martin eingestellt, da keine strafrechtliche Handlung vorlag. Direktor Marlin hat daraufhin seinen Dienst wieder aufgenommen. Unsere nächsten Partei- und Betriebsveranstaltunsen: Hus. sxT XvfcitXay „Glaubst du, daß das ewig sein wird?" „Ewig!" sagt überzeugt der Pfeifer.„Seit die Welt steht, sind Pfaffen. Ich oermute sogar, sie werden noch sein, wenn die Welt nicht mehr stehn wird. Denn siehst du, die Dummheit der Menschen ist so groß, die treibt ihren Ast- stotz sogar noch über die Ewigkeit hinaus!" „Meinst du nicht, daß die Klöster und Kirchen sich über- fressen haben? Daß sie eines Tages gezwungen werden können, die zu Unrecht verschluckten Stücke wieder auszu» speien!" „Du bist frisches Kirschwasser wert, Mann! Wer soll sie zwingen?!" „Eben der, dem sie das Gut zu Unrecht nimmt! Der Bauer!" „Pah!" Der Pfeifer schnippt wegwerfend die Finger. daß das Bratenfett spritzt.„Bis die Rammel aufwachen, ist noch viel Zeit. Da wird eher der Mond aus Langerweile sich mit dem Hundsstern gatten und das berühmte Mondkalb kriegen!" „Verlaß dich nicht auf himmlische Zeichen! Hier, auf der Erde, wird der Rummel losgehen! Schon schwankt uns der Boden unter den Füßen!" „Dir wird er schwanken, Lieber, mir nicht! Ich kann ganz gut noch ein paar weitere Schoppen vertragen! Runter damit mit der Gottesbrühe! Paß auf, uns hält da« Gebäude noch au«. Wenn wir uns nur halbwegs geschickt anstellen, fressen wir uns durch, wie der Pfaff durch den Sonntag!" Lachend schenkt der Pfeifer sich ein. Lachend schwenkt er den Krug und fragt:„Was treibst du eigentlich, wenn du nicht am Klostertisch sitzest?" „Ich mache Mausfallen!" sagt der Slowak. „Und wer kauft deine Fallen? Etwa die Mäuse?" „Das gerade nicht!" „Siehst du! Prost, Mau«fall«nmannl" 27. Als sich der Schlußakt der Tragödie des Prager Ma° gisters abspielte, war ein Maler da, der, obwohl schon längst im Alter des Bartes, dennoch glatt geschabt wie ein Kleriker ging oder wie ein Bischofsschreiber, und der darum in der Nation der Konstanzer Knasterbärte unangenehm auffiel. Dieser Handwerker der Farben war aus Brabant zuge- wandert und hatte sich erst vor kurzem gegen Erlag von jährlich sechs rheinischen Gulden als Bürger eingekauft. Zwar hatten einige der Herren vom Rat— besonders der Biersieder Bündrich— mächtig gegen seine Einbürgerung losgedonnert, bemüht, ihn nach Strich und Faden zu zer- reißen und an ihm und seinen Pinseln kein gutes Haar und keine gute Borste zu lassen, und zwar lediglich des an- rllchigen Namens wegen, den der Maler führte; denn die braven Pfahlbürger vom See nannten ihn in ihrer derben, gradausen Sprechweise nicht anders als den Schweinlinger. Der Name war durchaus nicht so bös und pflätzig ge- meint, wie er sich anhörte. Er bezog sich keineswegs auf die Lebensweise des Malers, auf etwaige Ausschweifungen in puncto puncti, sondern lediglich auf die Malart des Bra- oanters. Seine Farbgebung freilich war sehr stark für solche, die nur zarte Lasuren gewohnt waren und erinnerte in der Grobheit und Wildheit mancher Pinselzüge tatsächlich an die charakteristischen Linien und Tupfen, die ein Schweinsrüssel verursacht, wenn er im weichen, schwarzen Waldboden gierig nach Falleicheln pflügt. Daher der Name! Wirtlich, alles was recht ist: Schweinlinger trug die Farben seiner Bilder allzu protzig und unordentlich auf! Ihm war keiner der sieben Abschnitte des Regenbogens kräftig genug. In allem, was Farben anging, gefiel er sich als«in Uebertrumpfer seiner selber. Am liebsten arbeitete er mit frischem Moltentäse. den er zuvor mit Farbmehl zu einer Art Paste geknetet hatte. Dieses Material war gewiß merkwürdig, und kein Mensch, am wenigsten einer vom Fach, würde geglaubt haben, daß sich damit Bilder hervorzaubern ließen. Schweinlinger bewies, daß man es dennoch konnte. Er bewies auch, daß die neue Farbe allerlei Vorteile habe, vor allem den der unbegrenzten Haltkarbeit. Dieser.Läsfarbe" wegen, wie sie absprechend und miß- günstig von Schweinlingers Zunftbrüdern genannt wurde, mußt« der Brabanter. wenn er Wirkung haben wollte, ziem» lich pastos auftragen. So feuerte er denn, wenn er in der Hitze des Schaffenseifers war, richtiggehende Farbklumpen gegen die zu bemalende Wand, wo sie klatschend auftätschten und dann hängen blieben. Darum sahen die Schweinlingerschen Fresken von nahem aus, wie mit bunten Ostereiern gepflastert. Von weitem wurde jedoch, besonders wenn man die Augen ein wenig zukniff, ein ganz annehmbares Schauwerk daraus. Dieser Meister Schweinlinger nun mit seiner auffälligen und seltsamen Malweise hatte ein Mundwerk, das dem Durcheinander und der Wirkungskraft seiner Farben voll- kommen entsprach und das an Augenwirbligkeit nicht einmal dem ständig wippenden Schwanz einer Bachstelze nachgab, wenn die über die Rhetntiesel hüpft. Ständig waren diese glatten Unruhelippen damit be- schäftigt, Worte zu formen. Worte in beängstigender Zahl, Worte in Ueberfülle. Und da alle diese Worte sich auf nichts anderes bezogen, als auf die Vortrefflichkeit und Einzig- artigkeit seiner Bilder und seiner Art zu malen, die alles überträfe und in den Schatten stelle, was je zuvor dagewesen wäre in der Christenheit, so war es kein Wunder, daß sich der brabantische Malersmann da oben am See sehr bald eine ganz ansehnliche Kundschaft zusammenredete. Denn nichts erliegen die Kinder des Unverstands eher, als der Beharrlichkeit unablässig tröpfelnder Worte. Es heißt nicht umsonst: Im Anfang war das Wort. Irgendwie liejjt ein Zwang oder irgendeine verborgene Verzauberung darm. Da durch den gewaltigen Umtrieb des Konzils, durch das unaufhörliche Zuströmen der geistlichen und weltlichen Herren, durch den Glanz und die Pracht der einander jagen- den Feste und Vergnügungen ziemlich Geld in den Taschen der Konstanzer Bürger hängen blieb, schoß unter manchen von ihnen Uebermut und Zeigesucht auf. Einer wollte den andern überstechen, und es wurde Mode, das in den Trögen und Truhen liegende und sich häufende Gut auch nach außen hin sichtbar zu machen. Dieser plötzlich aufstiebende Prunkrausch des Burgers gründete Schweinlingers Glück. Sehr bald nachdem der Brabanter seine ersten Meisterstücke abgelegt hatte, gehörte es zum guten Ton, wenn ein Haus ausgefrischt und neu oer- vutzt war, sich von ihm die frischverkalkten Straßenseiten mit seinen knallenden Fresken verzieren zu lassen. (Fortsetzung folgt.) Achtung, rotes Berlin! Fahnen heraus! Gchühenfeuer gegen„Rote Kalken" Schwere Ausschreitungen eines Stettiner Polizeikommandos. Stralsund, 20. Juli.(Eigenbericht.) Im Zusammenhang mit der Veranstaltung des Hitler-Tages in Stralsund haben sich polizeiliche Heber- griffe gegen ein Lager der gioten Falken abgespielt, die jeder Beschreibung spotten. Die Erregung unter der republikanischen Bevölkerung von Stralsund und Um- gebung ist ungeheuer. Wir erfahren zu den Vorgängen im einzelnen folgendes: Ein Kommando der S t e t t i n e r Schutzpolizei, das zur Ver- stärkung der Stralsunder Polizeikräfte für die Tagung der Ratio- nalsozialisten nach Stralsund beordert war, überfiel ohne jeden Anlaß das Waldlager der Roten Falten in Negast bei Stralsund, in dem etwa hundert Kinder, durchweg Fa- milienangehörige von Mitgliedern der Eisernen Front, untergebracht waren. Da die Nazis wiederholt schwere Drohungen ausgestoßen und in ihren Kreisen zur Zerstörung dieses Waldlagers aufgefordert hatten, war eine Sicherheitswache von etwa 60 Angehörigen der Eisernen Front am Dienstagabend in dem Waldlager statio- niert worden. Irgendwelche dunklen provokatorischen Elemente hatten das anrückende Stettiner Polizeikommando benachrichtigt, daß in dem Walde von Negast eine schwer bewaffnete t o m m u- nistische Ueberfalltruppe im Hinterhalt läge, um in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch über heimkehrende National- sozialisten herzufallen. Diese zweifellos von nationalsozialistischen Provokateuren aus- gestreute Tatarennachricht genügte, um den Führer des Stettiner Polizeikommandos, Oberleutnant Braun, zu veranlassen, seine Truppe gegen den Wald ausschwärmen und ohne jeden Anlaß Schühenseuer eröffnen zu lassen. Der Leiter des Falkenlagers, Lehrer Krull, ein außerordentlich beliebter und zu den besten Hoffnungen berech- tigender junger Parteigenosse von 28 Jahren, der sich gerade am Lagereingang befand, brach mit einem Kopfschuß sofort zusammen. Dieses Vorgehen der Polizei ist um so ungeheuerlicher, als wenige Minuten vorher der sozialdemokratisch« R e i ch e t a g s- abgeordnete Streufert auf der Landstraße im Auto auf die Stettiner Polizei gestoßen war, von ihr angehalten und durch- sucht wurde, und bei dieser Gelegenheit, als er aus Aeußerungen der Polizisten auf ein gewaltsames Vorgehen gegen das Lager der Roten Falken schließen mußte, sich sofort an den Offizier wandt« und ihn über die tatsächlichen Verhältnisse aufklärt«. Dessenungeachtet gab der Oberleuttlant Braun, ohne aus den Protest und die Beschwörungen des Genossen Streufert zu hören. den Befehl zum Ausschwärmen und zum Feuern. Die Polizei drang sodann feuernd in das Waldlager und das Jugendheim«in, bedrohte und mißhandelte die In- fasse n, in erster Lini« das völlig überraschte Wach kam- mando der Eisernen Front. Unter den völlig verwirrten und oeräng st igten Kindern, die sich weinend in den Zelten zusammendrängten und von den Pflegern zum Schutz gegen das Karabinerfeuer mit Mühe auf dem Boden gehalten werden konnten, spielten sich unbesch.r eibliche Szenen ab. Die sechzig Kameraden der Eisernen Front von der Lagerwache wurden verhaftet. Auch einige Funktionäre der Partei und der Gewerkschaften, die sich im Einvernehmen mit d«m Landrat nach dem Lager begeben hatten, um nach dem Rechten zu sehen und der Lagerwache nochmals äußerste Zurückhaltung einzuschärfen, wur- den verhaftet. Obwohl zwei von ihnen amtliche Waffenscheine besaßen, wurden ihnen die Waffen und die Waffenscheine von den Polizisten unter groben Beschimpfungen weggenommen: dann wur- den die Verhafteten nach Stralsund in Marsch gesetzt. Schlimmer als dieser Marsch der verhaslelen nach Stralsund konnte ein Sträslingszug auch nicht sein. Wie Schwerverbrecher muhten die verhafteten Kameraden mit.Hände hoch" in Reih und Glied zum Gefängnis nach Stralsund marschieren. Wenn einem von ihnen aus dem langen Wege di« Arme er- lahmten, fuchtelten die Begleitmannschaften unter wüsten Be- schimpfungen, wie:„Wollt ihr roten Hunde wohl weitermachen", und„Das habt ihr wohl nicht gedacht, ihr Schweine", sowie„V o r- w ä r t s, rotes Gesindel", den Marschierenden mit entsicherten Revolvern vor dem Gesicht. Die in das Gerichtsgefängnis von Stralsund eingelieferten Ka- meraden der Eisernen Front mußten nach Klarstellung des Tai- beftandes sehr bald entlassen werden. Auf die energische Be- schwerde der Stralsunder Parteiorganisation ist der Polizei- Präsident von Stettin nach Stralsund geeilt, um diese Vor- gänge an Ort und Stelle zu untersuchen. Das Vorgehen der Stettiner Polizei unter Führung des Ober- leutnant Braun stellt eine Ungeheuerlichkeit dar, die in der Tat beispiellos ist. Eine sofortige strenge Untersuchung des Vor- falles und rücksichtslose Bestrafung des Kommandoführers, sowie derjenigen Beamten, die harmlose Bürger mißhandelt und be- schimpft haben, ist unbedingt erforderlich. Aber auch eine rücksichts- los« Ahndung dieser schweren polizeilichen Verstöße, denen ein blü- hendes Menschenleben zum Opfer gefallen ist, wird den Schaden nicht wieder gutmachen, den das Ansehen der Stettiner und Stral- sunder Polizei durch derartige Brutalitäten bei der Mass« der r»publikanischen Bevölkerung erlitten hat. Eine grobe Falschmeldung. Tatsachen auf den Kopf gestellt. Das Wolffsche Telegraphenbüro veröffentlicht hierzu folgenden Bericht, der ein klassisches Beispiel einer Falschmeldung darstellt. Auf Rückfrage bei dem Telegraphenbüro ließ sich noch nicht feststellen, ob die Falschmeldung der Stralsunder Agentur des WTB. zur Last fällt oder ob sie ein Auszug des Polizsiberichtes ist. Wir geben diese, di« Tatsachen völlig entstellende Meldung im Wort- laut wieder: Stralsund, 20. Juli. In der vergangenen Nacht war der Stralsunder Polizei nach einer Hltler-Kundgebung gemeldet worden, daß Angehörige der Eisernen Front im Anmarsch auf Stralsund seien. Zur Verstärkung wurde deshalb ein Stettiner Schutzpolizeikommando nach Negast entsandt. Unterwegs wurde das Kommando in einem Wald« plötzlich heftig beschossen.(!!) Die Beamten er- widerten das Feuer und umstellten das Waldstück. Ueber hundert Personen, die dort im Hinterhalt lagen,(!!) wurden fest- genommen. Man fand eine Menge Pistolen, 77 Schuß Munition. 14 feststehende Messer, zahlreiche Gummiknüppel, Stahlruten, Tot- schläger und mit Nägeln beschlagene Knüppel, sowie andere Schlag- Werkzeug«. Eine mit Verbandszeug gefüllte Aktentasche wurde be- schlagnahmt. Die Verhafteten, unter denen sich sozialdemokratische Führer aus Stralsund befanden, wurden von den Polizeibeamten mit gezogener Pistole abgeführt. Bei dem Feucrgefecht im Walde wurden«inige Personen ver- letzt. Der der Eisernen Front angehörende Lehrer Krull aus Greisswald wurde mit einem Kopfschuß ins Krankenhaus ein- geliefert, wo er inzwischen gestorben ist. Bei neuen Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und ihren politischen Gegnern wurden heute vormittag auf dem Markt- platz in Stralsund einige Nationalsozialisten durch Messerstiche und Schläge schwer oerletzt. Auf propagandafahrt. Was man als treuer Staatsbürger alles erleben kann. Vor kurzem fuhr der Ortsverein Berlin-Kreuzberg des Berliner Reichsbanners mit 250 Kameraden nach Frankfurt a. d. O. zu einem Reichsbannertreffen, das im Zeichen der Eisernen Front stand. Schon auf dem Marsch zur Sammelstelle früh morgens wurden drei Kameraden durch feigen Ueberfall der Nazis schwer verlegt, so daß sie sich in ärztliche Behandlung begeben mußten. Während der Fahrt oersuchten die Nazis verschiedene An- rempeleien. Der Umzug in Frankfurt a. d.O. und die Ansprache des Berliner Polizeimajors Heinrich im Stadion gestalteten sich zu einer glänzenden und eindrucksvollen Kundgebung zur Be- kämpfung des Faschismus und für die Eiserne Front. Das Mit- führen zweier durch Mistgabeln aufgespießter Hakenkreuze verbot der diensttuende Polizeigewaltige. Offenbar ist ihm das Knecht- schaftsabzeichen bereits ein staatliches Hoheitsabzeichen! Provozierendes Verhalten einiger Naziburschen führt« zu Kellereien, in deren Verlauf ein ISjähriger Stahlhelmer wild mit dem Messer um sich stach und dem Reichsbannermann Bonn die Schlagader am rechten Arm durchschnitt. Trog großem Blutverlust konnte der Kamerad gerettet werden, woraufhin die„tüchtige" Frank- furter Kriminalpolizei ihn sowie einen weiteren Reichsbannermann 7 Stunden lang verhören ließ, während von der Gegenseite nur der messerstechende Stahlhelmer festgenommen wurde. Auf der Heim- fahrt verübten aus Fürstenwalde, wo der Hetzapostel Straßer ge- wirkt hatte, zurückkehrende Nazis einen feigen Ueberfall auf das Reichsbanner. Das Gesindel warf mit großen Steinen und zer- brochenen Bierflaschen, schlug mit langen Gasrohren, natürlich fehlte auch das Schießen nicht. Die die Nazis begleitenden Landjäger fanden diesen Ueberfall so in der Ordnung und hielten die Werk- zeuge der Nazis für so legitim, daß sie vereint mit den Nazis dem Reichsbanner nachsetzten. Die Kameraden 2 r e ß l e r und Krüger wurden durch diesen feigen Ueberfall sehr schwer, fünf weitere Reichsbannerlcute leichter verletzt. Schließlich aber wurde der gesamte Transport noch von der Polizeiwache in Köpenick angehalten und— selbstverständlich ohne jeden Erfolg— nach Waffen durchsucht. Um 3% Uhr morgens konnte sich der Zug endlich in Berlin auflösen, nachdem die Polizei- offiziere zuvor noch in Köpenick das Einrollen der schwarzrot- goldenen Fahne„befohlen" hatten. Die Führer des Reichsbanners haben nachgerade die größte Mühe, ihre Kameraden von Akten der Notwehr und der gerechten Vergeltung abzuhalten. Die Regierung aber spielt ein ernstes Spiel, wenn sie weiterhin die blutigen Terror- akte der Hitlergarde begünstigt. Or. Loosen aus der Gerichtsbühne. Sin Sensationsprozeß von drei Tagen. Dr. Rvosen hat seinen ersehnten Sensationsprozeß. Trotz ganz einfachen Tatbestandes, der sich in wenigen Stunden samt Beweis- aufnähme, Plädoyer und Urteil hätte erledigen lassen, ist nun die Verhandlung auf drei Tage ausgedehnt worden. Erst am Freitag sollen die Plädoyers und das Urteil folgen. Rössen gefiel sich auch gestern in stundenlangen Reden, er setzte dem Gericht in aller Ausführlichkeit die Motive seiner Tat auseinander. Allerdings konnte er nicht mehr, nachdem sämtlich« Beweisanträge der Verteidigung abgelehnt worden waren, auf seine beliebte Geldpolitik zurückkommen. Das Gericht hatte in seinein Beschluß gesagt: Es wird als wahr unterstellt, daß die Angeklagten wie auch eine Reihe wissenschaftlicher Autoritäetn die Geld- und Währungspolitik der Reichsbant für unrichtig holten und sie als Haupturfache der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit Deutsch- lands betrachten. Ein Teil der Anträge war unerheblich, weil die in ihnen herangezogenen Fragen bereits geklärt sind. Roosen sprach über die Motive seiner Tat. Er verwahrte sich dagegen, etwa mit einem Landkop in einen Tops geworfen zu werden. Er habe nicht aus materiellen Gründen gehandelt, sondern bloß weil er in anderer Weis« die Oeffentlichkeit nicht zu alarmieren in der Lage war. Er verlas Briefe von verschiedenen Parteiführern, denen er seine Theorie unterbreitet hatte und behauptete nach wie vor, daß der Reichsbankpräsident ihn keines Antwortschreibens gewürdigt habe. Er verwahrte sich auch dagegen, daß man ihn als Psychopathen hinstellen wolle. Er habe sich, erklärte er. bereits einmal während des Krieges, als die Militärbehörden ihn, weil er als Lais eine Erfindung gemacht hatte, für verrückt erklären wollten, von Bonner psychiatsten Autoritäten untersuchen lasten und man habe ihn für vollkommen gesund befunden. Er habe die Untersuchung damals selbst beantragt, nicht etwa, weil eine Geisteskrankheit ihm als Militär hätte schaden können, sondern weil die Behauptung, er sei verrückt, ihm in seinem Zivilberuf nicht zukömmlich gewesen wäre. So ging es zum Gaudium des Publikums stundenlang weiter. Es gab zahlreiche Beifallskundgebungen und zum Schluß leb- hasten Applaus. Dr. Roosen fühlt« sich in seinem Element. Sportfest Hilst Erwerbslosen. Am Sportplatz Norden-Nordwest. Gesundbrunnen, standen sich die Sportmannschaften der Notgemeinschaft, Baumschulen- weg, des Fußballklubs Norden-Nordwest, der Reichswehr und der S ch u tz p o l i z e i- Berlin zu Sportkämpfen gegenüber. Alles hatte sich gern und freudig in den Dienst der guten Idee gestellt, sollte doch der Reinertrag der Notgemeinschaft, dem großangelegten Hllssw«rk der Erwerbslosen, zugute kommen. Leider hotte ein Wolkenbruch«inen argen Strich durch die Rech» nung gemacht, so daß die Besucherzahl zu wünschen übrig lieh. An di« 2000 Menschen waren«s ober immerhin, die interessiert und unentwegt die sportlichen Kämpf« oersolgten, von den wackeren Sportsleuten gar nicht zu reden, die auf schlüpfrigem Boden alle Mühe hatten, bloß ihr Gleichgewicht zu erhalt»« und jeden Moment gewärtig sein mußten,«in„Schlammbad" zu nehmen. Es dauerte auch gar nicht lang« und die ehemals weihen Hoj«n waren schwarz gefärbt. Di« Kapelle der Feuerwehr leitete die sportliche Veran- staltung ein, dann standen sich Reichswehr und Norden- N o r d w e st im Fußballkampf gegenüber, die mit einem Sieg 2: 1 für Norden-Nordwest endete: bis dahin hatte sich das Wetter noch so leidlich gehalten, dafür setzte aber, als die Notgemeinschaftler Baumschulenweg gegen die Berliner Schupo antraten, ein wahr- Haft mörderischer Guß ein: pudelnaß und morastbedeckt standen sich die Mannschaften gegenüber, der Kamps endete mit 2:0 zugunsten der Schupokämpfer. Dann folgte die Uraufführung eines in Deutsch- land bisher nicht gezeigten, vom Sportlehrer G i r u l a t i s nach amsrikanischer Art kombinierten Mehrkampsspieles, das eine Kombination des Lauf-, Spring- und Wurfsportes darstellt. Hier heißt es ein guter Läuser, ein guter Ballsänger und ein guter Springer zu sein; es standen sich die Sportmannschaften I und II der Notgemeinschast in zwei Spielen gegenüber. Das erste Spiel endete 37: 32 zugunsten der Mannschaft I, das zweite Spiel ergab bei gleichem Stand, 37: 37, ein Unentschieden. Den von einer Württembergischen Metallwarenfabrik gespendeten Pokal erhielt als I. Preis der Sportklub Norden-Nordwest, den II. Preis, eine von einer Silberwarenfabrik gestiftete Kristallkaraffe konnte die Schupo- Mannschaft mit nach Hause führen, während sich die Sportsleute der Notgemeinschaft an dem pon einem Berliner Warenhaus ge- spendeten E ß k o r b gütlich taten. Auch für das nachherige gemüt- liche Beisammensein hatten edle Spender das ihrige getan: 600 be- legte Schrippen konnten an die Mannschaften verteilt werden. Kokainhandel aufgedeckt... Die„Schöne Susi' vermittelt. Bon der R a u s ch g i s t st e l l e des Berliner poNzeiprösidiums wurde«in kokainhandcl aufgedeckt, der allem Anschein nach noch weite Kreise ziehen wird. Aus dem Olioaerplatz wurde gestern der ZS Zahre all« Russe Rod stein aus Minsk verhaftet, der der Lieferant der Lebewelt von Berlin W für Rauschgifte war. An diese Festnahme schloß sich die der Bardame Hanna S u s ch an. die unter dem Ramen„Schöne Susi" in Film- und Rennkreisen eine sehr bekannte Erscheinung ist. Rodstein ist ein Hochstapler großen Formats. Im Mai d. I. kam er aus Minsk nach Berlin und betätigte sich hier als Falsch» spiel«r, Kokshändler und Wechselfälscher. Anfang 1931 wurde er zusammen mit einigen Komplicen verhastet, als diese zusammen Riesenwechselsälschungen begangen hatten. Es waren damals für etwa V/t Millionen Wechsel von rheinischen Großindu- striellen in Umlauf, die sämtlich gefälscht waren. R. und seine Kam- plicen wurden bestraft. Im März 1932 wurde der Hochstapler wieder in einem Spielklub als Falschspieler entlarvt und aus- gewiesen. Er kam wieder zurück und organisierte jetzt den um- fangreichen Kokainhandel, bei dem er mit Geheimtelephon und mit der Vermittlung der„Schönen Susi" arbeitet«. Die Untersuchung dieser interessanten Affäre ist«och nicht abgeschlossen. Genosse Ferdinand Wieke, Adalbertstr. 15,«in treu bewährter, allzeit rühriger Kämpfer der Partei-, Gewerkschasts- und Genossen- schastebewegung, begeht beut« in voller geistiger und körperlicher Frische seinen achtzigsten Geburtstag. Der ehemalig« dritte Berliner Reichstagswahlkreis war sein engeres Wirkungsfeld. Aber auch in der Gewerkschaftsbewegung hatte sein Name immer einen guten Klang: er war lange Jahre hindurch Kassierer der Ortsoerwa'ltung Berlin im Deutschen Holzarbeiterverband. Möge der 31. Juli ihm und seiner treuen Lebenskameradin die Erfüllung aller ihrer Hoff- nungen bringen. Vtoldeodenbier... Die Attienbrauerei Klatau kTschechoflowakei) hat in diesem Jahr an ihr« Aktionär« statt der üblichen Dividende auf jede Aktie 1000 Liter Flaschenbier abgegeben. Zeugen gesucht, die am Li. Juli 1S3L zwischen 16 und 17 Ubr geschen haben, wie am Tegeler Weg lCharlottenburg) ein Radfahrer durch einen Motorradfahrer umgerissen wurde und dadurch unter die Strojj-nbabn siel und schwer verletzt wurde. Adressenangabe unter Vergütung aller Unkosten erbeten an August Dannat, Berlin N, Reinickendorfer Str. 116—117, Borderhau». Wetleraussichten für Berlin: Zeitweilig wieder stark bewölkt und Regenneiaung, vorübergehend etwas wärmer, meist westliche Wind«.— Für Deutschland: Nirgends wesentliche Aenderung de» herrschenden Witterungecharakters. Groß-Berli»©1® einjentiungct. fflt Oitlc Nubrtt find Berlin SW 68. Lindenftratze S. ttets an Da» Be)(rfste(tetartat l. BOf, 2 Treppen recht»,)u richten Beginn aller Beranstaltungen Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 7. Kreis. Donnerslog. 21. Juli, im Tiirlischen Zelt engerer Vorstund und Abteilungsleiter. 18. Kreis. Wir beteiligen uns an der Kundgebung am 22. Juli in Hobenschdn» Hausen. Näheres siehe im Kalender der öffentlichen Veranstaltungen. Z. Abt. Donnerstag, 21. Zuli, ab 16 Uhr Materialausgabe bei Micheel, Küpe- nicker Str. 55a. Sämtliche Bezirksfilhrer müssen erscheinen. 5. Abt. Freitag, 22. Juli, Funktianärsigung bei Lukaschewskr. 7. Abt. Freitag. 22. Juli, Funltionärsitzung im bekannten Lakal. 2g. Abt. Seilte, 20 Uhr, kurze Besprechung der Funktionäre an bekannter Stelle. Zg. Abt. Funktionärsitzung am Freitag um lg Uhr an bekannter Stelle. 77. Abt. Die Ausgabe des Wahlmaterials erfolgt täglich ab 18 Uhr im Lokal Kofchanz, Apostel. Paulus-Str. 27. Alle Mitglieder treffen sich dort zur Mit. Hilfe. Am Donnerstag gemeinsame Teilnahme an der Versammlung in � Friedenau. Bllrgersaal. Ebersl 83. Abt. Oberrealfchule Keefestraße. II. Abt. Freitag, 22. Juli, Funktionärversammlung bei Suthk«, Flughafen. straße 48. S7. Abt. Freitag, 22. JuN, Funktionärversammlung an bekannter Stelle. 117. Abt. Sonnabend, 28. Juli, wichtige Funktionärsitzung bei Klose. 128. Abt. Genossen, die sich am Sprechchor beteiligen, treffen sich heute um 20 Uhr bei Fulde, Berliner Str. 37. Arauenveranstaltungen. II. Abt. Karten für dl« Dampferfahrt am 28. Juli sind noch bei der Genossin Klomps«, Boddinstr. 14, zu haben. 104. Abt. Treffpunkt zur Dampferfahrt am Sonnabend, dem 28. Juli, 12 Uhr, Wartehalle Grünauer Straße. Nachzügler fahren mit der»1, 87 oder 187 bis Schlesifches Tor lFalckensteinstraß«). Arbeiksgemeinschaft der kinderfreunde Grofz-Verlin. Zentrale: Achtungl Kreisleiter oder deren Vertretung heute, Donnerstag, 21. Juli, 20 Uhr, wichtige Besprechung. Jeder Kreis muß vertreten fein. Autofahrt. Sonntag, 24. Juli, pünktlich 8 Uhr, Elternfahrt nach ; dem Uederfe» von folgenden Treffpunkten: Kreis Mitte: Alexander- l platz(vor Tietz).— Tiergarten und Charlottenburg: Am Knie, Berliner Straße fSpitze Marchstraße).— Wedding und Reinicken. darf: Bahnhof Gesundbrunnen.— Prenzlauer Berg und Friedrichahain: Prenz. lauer Allee Ecke Danziger Straße.— Wilmersdorf: Fehrbelliner Platz.— Schöneberg und Steglitz: Jnnsbruckcr Platz.— Tempelhof: Ringbahnhof Tcnipelhof.— Neukölln: Gruppe Britz und Quelle Knesebeck. Ecke Bendastraße ((% Uhr).— Alle übrigen 7 Uhr Rathaus Neukölln.— Treptow, Köpenick und ciss BsTirstsvsrdsticiss Berlin der SPD. findet am Sonnabend, dem 23. Juli wie vorgesehen statt. Abfahrt 13� Uhr(%! Uhr) für die Nummern l—IOOO ab WaisenbrUcke, fUr die Nummern 1001—3000 Abfahrt ab Oberbaumbrücke, Karten für Kinder und Erwerbslose gelten sowohl ab WaisenbrUcke wie Oberbaumbrücke. Genossinnen und Genossen sorgt für den restlosen Absatz der Karten, die auch noch Im Frauensekretariat zu haben sind Das Frauensekretarial. Lichtenberg: Sonntagstraße, am Bahnhof Stralau-Rummelsburg.—, Zentrale, Berlin. Lindenstr. 2.— Essen wird im Zeltlager nicht verabfolgt. gibt Tee oder Kaffee. Ihlendorf: Es Sterbetafel der Groß-Berliner Partei«Organisation 81. Abt. Am 17. Juli verstarb im 72. Lebensjahr« Genosse Max Bauer. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Donnerstag, 21. Juli, 11 Uhr, Krematorium Wilmersdorf. Rege Beteiligung erwartet der Vorstand. 125. Abt. Unser Genosse Paul Hölse ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Beerdigung Donnerstag, 21. Juli, 15 Uhr, auf dem Friedhof Schönftraße. Um rege Beteiligung bittet der Vorstand. H Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlm Einsendungen kür diese Rubrik nur an das Jugendsekretartat Berlin SW 68. Lindenstraß» 2. vorn 1 Trepp« rechts. Kundgebung Freitag. 22. Juli. 19 Uhr. im„Cttou"! „Alles für die Arbeiterklasse, alles für de» Sozialismus.* Referenten: Ha Gottfurcht, ZdA., Felix Kaaitz-Wic». Fahne», und Tronsparentträger muss bereit» um 18 Vi, Uhr anwesend sei». heule, Donnerstag. 21. Juli. 20 Uhr: Gewerkschaftshaus: Waisenstr. 18. Liederabend.— Rosenthaler Borstadt: Elisabetbkirchstr. 19. Aktivgruppe.— Norden: 18 Uhr Humboldthain.— Schiller- park: 18 Uhr(---- 5----~""----"-- platz I: Sonner stratze 35. Kirche Abend.— Schönhauser Vorstadt: Sonnenburger Str. 2vl Sexuelle Fragen.— ns steu Süden: IS1! Uhr Kotzbachplatz.— Schön c �ry III: Hauptstr. 15. Kurzreferate.— Westend: Sportplatz. Anschließend Heimabend.— Zehlendorf-Dahlem: Boden.— Schöveweide I: Berliner. St? 31. Heimabend.— Lübars: Heimabend. Verbebezirk Tewpelhof: Erwerbslvsenkursus Hu Uhr Götzstraße. Äerbebezirk Lichtenberg: 19 Uhr Bahnhof Lichtenberg. Friedrichsfelde. Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner„Schworz-Rot-Gold". Gelchättsftelle: Berlin S 14 Sebaftionstr 37—38 Hot 2 Tr Schöncb-rg-Friedcnau. Kamcradsch. Nollendorf. Donnerstag, 21. Juli, Trciipckükt der Kameradschaft um 18'i, Uhr Wariburgplatz zur Bei. sammlung im Rathaus Friedenau. Bürgersaal.— Weißensee lOrtsvercinl. Frei. tag, 22. Juli. Saalschutz in Hohenschönhausen. Kamerad Dr. Korella ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Beisetzung hat bereits staltgefunden.- Pankow (Ortsvercin). Die Bestattung der am Freitag, dem 15. Juli, abends ums Leben gekommenen Kameraden Gerhard Seitzt und Heinz Hübner findet am Donners» tag, dem 21. Juli, auf dem W. Geineindefriedhof von Berlin.Pankow, Bahnhos. straße sSchönhalzer Heide), 18zh Uhr, statt. Antreten sämtlicher Kameraden tBundeskleidung, lange, dunkle Hofe, schwarzer Binder, Fahnen. Tambourkorps mit Instrumenten) 18 Uhr Pankebrücke, Lindenstraße. * Zungbannc« Berlin! Ingendkundgebnnz der Eisernen Front am Freitag, dem 22. Juli.>g Uhr. im„Clou*. Maucrstr. 82. Es iprcchen: Felir Kanitz-Wien und Hans Gottfurcht. Pflichtneraustaltung sür das gesamte Berliner Jung- bauner._ Laudsm-nulchast der Schleswig-Holslcincr zu Bcrliu. Sonntag. 24. Juli. lg Uhr, im Dresdener Garten. Dresdener Str. 45, Zusammenkunft aus Anlaß des 70. Geburtstages des Borsitzende». Landsmann Wilhelm Hinz in Wands- bek, geb. 24. Juli 1802. Vorträge. Ansprachen, Unterhaltung. Landsleute willkommen. Esperanto-Sesellschast Charlottenbnrg. Montag. 25. Juli. 20 Uhr, Kon- ditorei Wolter. Eharlottenburg, Bismarckstr. 114(Knie), Klubzimmer, Uebnngs. und Konnersatiansabend. Reichsuerband der Klcingarten-Vereine Deutschland« e. B. Bezirksverband Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Am 25. Juli. 20 Uhr, im Lokal„Zum Steuerhaus", Landsberger Allee 02, Mitgliederversammlung mit dem Thema: Stellungnahme zur Pachterhöhung und Wohnlaubengebllhr. Gut rasiert.— Gut gelaunt! Die gute Laune zu erhalten ist in der heutigen krlsenreichen Zeit doppelt WWMI schon am' ..«erderben Sie sich nicht Ihre gute Laune hen Morgen durch schmerzhaftes und mangelhaftes Rasieren mit UN. geeignetem Werkzeug. Mit den neuen Langloch. Rasierklingen..Rotbart— Mond. Extra" und dem neuen dazugehörigen Rasierapparat„Rotbart— Mond-Extra" und milde und dabei sparsam im Gebrauch. Ibecitsk', l-iditzpids usw. <) pi« Aza INähe Sehl«. Bhf. Su,81&,Stgs. 2.5,8,6U. I E 7 Weichsel 403![ Der tifleie Bauer| Billige idyll. Sommerfrische Küchben. Wald und Wasser. Erdmann, Rösenbeck» Eichhorst. stv�e-Iliesler OroBi frakfurtir Sinlt 131 Iii.«eläael E 7 3427 8.30 Uhr r. Der Man Gartenbtthne 5.30 Uhr Konzert u. Varlet6 Drei arme kleine MäDels Heute und morgen von Vorwahl Sonnabend und Sonntag Hauptwahl Sommerkönigin mir 15. Flora 3434. Wieder 12 Altrakti< Bad Elster Karheim Villa Jugel für Parteigenossen und Republik aner Pauschaikuren, billig st« Preise. 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Mim Metallarbeiter-VerbaDii Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Alkred Krause geb. 23 Oktober 1800, am 18. Juli ge» storben ist. Die Einäscherung findet am Freitag. dem 22. Juli. II Uhr, im Krematorium Werichlstraße statt. Am 10. Juli starb unser Kollege, der Werkzeugmacher Otto Scholz geb. 27. September 1874. Die Einäscherung findet am Sonn» abend, dem 23. Juli, l3>/, Uhr, im Krematorium Baumichuienweg statt. BerUMtgung Die Beerdigung des Kollegen Gustav Roth wald findet am Sonnabend, dem 23. Juli. 14 Uhr, von der Leichenhalle des llädt. Friedhofes Neukölln, Goulied» Dunkel-Straße, aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 13. Juli starb unser Kollege. der Ziseleur Oskar Höhne geb. 31 Mai 1869. Die Beerdigung hat bereits statt- gefunden. Ehre ihrem Andenken! Die Ortsverwaltang. UND SPARKASSE ALLER ARBEITNEHMER Sonuneririscne im WeslharZy Gebirgsg.(Bahnst). Gäste finden frdl. Aufnahme u. beste Verpfl.(norddtsch. Küche) Pensionspr 3,25 M.. fünf Mahlz.. keine Nehenkosien. Karl Koch, Harrlehatuen 103, bei Seesen. f nserate im Vorwärts ichern iLrfolgj Wollcsfiirsorg® Gewer kscfaafilich-GenosseiudsaftlicfaeVer' sidierangs-AktiengrselUchaft, Hambarg 5 Größte VolHsuersicherungs- geselischatt Deutschlands Gegenwärtig rund 2,2 Millionen Versicherte mit 900 Millionen RM. Versicherungssumme, 150 Millionen RMark Vermögen, davon Eigentum der Versicherten: Prämianreserve; über 100 Millionen RMark Gewinnanteile: 32 Millionen RMark zusammen Uber 132 Millionen RMark. Versicherungsleistungen: rund 12 Mill. RMark seit November 1923(Ende dar Inflation) Nähere AasKanft erleilen die Redtnanässiellen: Berlin s 42. RmerstraBe ,20 öerlin-.Mariendort, Wathausstraße 93, pt Berlin-Köpenick, Bahnhotstraße 34, Berlin-Uchten- berg, frankfurter Allee 122; Berlin-Reinickendorf-Ost, Schönholrer Weg 30: Berlin-Pankow, Gaillardstraße 25: Berlin-Spandau. 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