BERLIN Nettag 22. Zuli 1932 B 166 49. Jahrgang Redaktion u. Expedition: Berlin SW 68. Lindenstr.S Tel. A7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abeniauogabe des„Vorwiirts�. Bezugspreis filrbeideAusgaben7SPI. pro Woche. 3,25 M. pro Monat(daoon 87 Pf. monatlich silr Zustellung Ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 30 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebühren. Anzeigenpreis: Di« lsplt. MI». meterzeil« 3V Pf. Die Retlamezeile lostet 2 Marl. Rabatte n. Tarif. mioi' EncKe und Reichsiianneriohrer caribergh festgenommen Abgeordneter niedergeschlagen Aazihorden übersatten in Gegenwart der Landjäger den Gen. Zaecker-Ostpreußen Der Polizeikommandcur von Berlin. Lberst Hcimannsbcrg, wurde heute morgen um vier Uhr auf Veranlassung des Militärbcfehlshabcrs in Berlin und Brandenburg aus dem Bett heraus wiederum verhaftet. HcimannSberg wird beschuldigt, am Donnerstag feine Amtshandlungen wieder ausgenommen zu haben, und zwar in Vcr- bindung mit der Eisernen Front. Hcimannsbcrg bestreitet das ganz entschieden. Er hat am TonnerS- tag lediglich mit einigen Herren des 5lommandoS der Schutzpolizei zum Zwecke der Abwicklung seiner Dicnstgcschäst«>dic notwendige Rücksprache genommen. Außer Hei mannsberg wurde auch der Poli- zeimajor Encke und der Eharlottcnburger Reichs- bannerführcr Carlbergh» ein KriegSinva» Oberfi Wei mannsberg Ii Sc, See im Weltkrieg einen Arm der» l o r e n hat, in Militärhast genommen und in die Militärarrcstanstalt übergeführt. Bei der Ber- Haftung wurde der Frau deS Kameraden Earlbcrgh gesagt, es handle sich um eine..Konspiration mit HcimannSberg". -i° Die Verhaftung von Oberst Heimannsberg, Major Encke und Reichsbannerführer Carlbergh hat in Berlin große Er- regung hervorgerufen. Eine Begründung dieser Verhaftung war bisher nicht zu erhalten. Rechtsanwalt Alsberg konnte keine Sprecherlaubnis mit Heimannsberg erhalten, da die Behörde sich auf den Standpunkt stellt, daß Sprecherlaubnis mit i n S ch u tz h a f t befindlichen Personen nicht erteilt zu werden brauche. Diese Verhaftung heizt den Kessel weiter an. Wir raten den gegenwärtigen Machthabern, alle Schritte zu unterlassen, die zu einer weiteren tiefgehenden Beunruhigung der Be- völkerung führen. Oberst Heimannsberg gehört keineswegs zur Sozial- demokratie. Er steht vielmehr dem Zentrum nahe. Er ist alles andere als ein Mann, dem wilde Abenteuer oder un- gesetzliche Handlungen zuzutrauen sind. Das gilt auch für Major Encke. Allerdings ist Heimannsberg in gewissen Kreisen sehr unbeliebt, weil er aus dem Wachtmeister- stand hervorgegangen ist. Gerade das hat ihm in weiten Kreisen der Berliner Bevölkerung Ansehen verschafft. Es scheint, daß diese Verhaftung auf Grund irgend- welcher grundlosen Anzeigen oder Alarmnachrichten erfolgt ist! Der durch diese Verhaftung geschaffene Zustand muß deshalb schleunigst beendet werden! -i- Der geschäftsführende Vor st and der deutschen Z e n t r u m s p a r t e i ist zur Besprechung der politischen Lage zu Freitag nachmittag telegraphisch nach Berlin einberufen worden. Königsberg, 22. Juli.(Eigenbericht.) Am Mittwochabend hielt die Sozialdemokratische Partei eine stark besucht« Versammlung in der Turnhalle zu Neidenburg ab. Referent war Reichstagsabgeordneter Karl Jaecker, Ganleiter des Deutschen Landarbeiter- Verbandes. Kurz vor Beginn der Versammlung durchsuchte der überwachende Landjägerhauptmann Brandtslätter die Versammlungsteilnehmer nach Waffen. Er durchsuchte aber nicht die draußen vor dem Versammlungslokal in großer vlenge johlenden hakenkreuzler. obwohl der Referent ihn dazu aufforderte. Nach Schluß der Versammlung begaben sich Jaecker und 30 Mann Saalschutz, die mit ihm gekommen waren, zu dem außerhalb der Stadt wartenden Lastkraftwagen. Der Landjägerhauptmann Brandt- stätter und drei Landjäger begleiteten Jaecker, der an der Spitze des kleinen Zuges ging. Brandtstätter lehnte es ab, einen Weg zu benutzen, der nicht über den Marktplatz geht. Er führte vielmehr Jaecker und seine Begleiter über den Marktplatz, wo mehrere Hundert johlende Nazis standen. Auf einmal ertönte der Ruf: „Den Jaecker hängen wir doch noch!" und schon stürzte sich eine Rotte Hakenkreuzler auf Jaecker, der neben Brandtstätter und den Landjägern ging, und schlugen von hinten mit Totschlägern aus Jaecker ein, der sofort aus zahlreichen Kopfwunden stark blutete. Abg. Jaecker mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Er hat neben zahlreichen Verletzungen eine Gehirnerschütterung erlitten. Der Landjägerhauptmann hat nicht nur Jaecker nicht vor den Attentätern geschützt, sondern auch nichts unternommen, um diese festzustellen. Er hat im Gegentell den Referenten über einen Platz geführt, von dem er wissen muhte, daß dort die Terrorbanden warteten. Diese konnten nicht durch Jaecker provoziert sein, da sie gar nicht in der Versammlung gewesen waren. Es ist anzunehmen, daß hier ein Racheakt dafür vorliegt, daß die Sozialdemokratische Partei gegen den Landjägerhauptmann Brandstätter sehr starke Vorwürfe wegen seines Verhaltens im Königsberger Prozeß Reinholz erhoben hat. Zusammenstöße im Rheinland. Neun Verletzte. Homburg(kreis Moers), 22. Juli. Nachdem es schon am Mittwochnachmittag hier zu Zusammen» stößen gekommen war, bei denen übrigens außer den bereits ge- meldeten Beteiligten drei Polizeibeamte verletzt wurden, ereigneten sich am Donnerstagmittag neue Zwischenfälle. Im Stadt- teil Essenberg kam es zu Reibereien zwischen Mitgliedern der Eisernen Front und Nationalsozialisten, wobei Zaunlatten, Stöcke und andere Schlagwerkzeuge Verwendung fanden. Auch Schüsse wurden gewechselt. Zwei Nationalsozialisten und vier Eiserne-Front- Leute wurden verletzt. Erst nach einer halben Stunde stellte die Polizei die Ruhe wieder her. Achtung, Parteigenossen! Die Berliner Partei beschließt Aufnahmesperre! Bezirksvorstand und Kreisleiter beschlossen am 21. Zuli b i s auf weiteres, für Berlin mit Rücksicht aus die äußerst gespannte politische Situation eine A u f n a h m e s p e r r e für die Partei. Rur Mitglieder werden ausgenommen, die von parteisreunden der Partei zugeführt werden. Der Beschluß soll verhindern, daß politische Spitzel und Provokateure Eingang in die Sozialdemokratische Partei finden. Die Reihen erprobter Kämpfer der Eisernen Front, die in gewohnter Disziplin und Geschlossenheit den Feinden der Demokratie und der Arbeiterklasse trotzen, dürfen nicht durch unsaubere polltische Elemente geschwächt werden! Einig und einmütig! Die Beschlüsse der Partei. Zu den Beschlüssen der Partei, die in den letzten Tagen hier veröffentlicht wurden, ist— gegenüber irreführenden Berichten in bürgerlichen Blättern— noch festzustellen, daß die Beschlußfassung in voller Einigkeit und Einmütig- keit erfolgte. Der gestern hier wiedergegebene Partei- beschluß wurde zunächst vom Parteivorstand einmütig ge- nehmigt, dann vom Parteiausschuß nach einem Referat von Otto Wels ohne Debatte ein st immig angenom- men, worauf auch der Vorstand der sozialdemokratischen Fraktion des Preußischen Landtags ebenso einstimmig seinen Beitritt zu dem Beschluß erklärte. Hirisiefer hat sein Amt abgegeben. Geschästsübernahme durch Staatssekretär Scheidt. Slaalsminister Dr. Hirlsieser hat die laufenden Geschäste des bisher oon ihm geleiteten wohlfahrlsministerium« ob- gegeben, nachdem Herr Bracht ihm erklärt hat. daß er anderenfalls mit Gewalt vorgehen würde. Die Geschäfte des Ministeriums hat Slaatssekretär Scheidt übernommen. Damit ist die llebergabe sämtlicher preußischer Slaatsministerien an die durch den Reichskommissar Beauftragten vollzogen. Protest aus Württemberg. Hindenburg wird auf die Konsequenzen hingewiesen. Das Schreiben der würltembergischen Regierung an den Reichs- Präsidenten und Reichskanzler hat folgenden Wortlaut: „Die Rotverordnung über die Einsehung ein es Reichs- k o m m i s s a r s für das Land Preußen ist von größler Trag- weite für alle Länder, da deren Selbständigkeit die Grundlage de» deutschen versassungslebens bildet. Da der Streit darüber, ob die Rotverordnung in dem Artikel 4S der Reichsverfasjung eine ausreichende Grundlage hat, nach Artikel 19 der Reichsversassung von dem Staatsgerichtshof des Deutschen Reiches entschieden wird, so kann die württembergische Slaatsregierung davon absehen, die von anderen Ländern bereits gellend gemachten und von ihr geteilten ver- fassungsrechtlichen Bedenken zu wiederholen: sie kann sich daraus beschränken, ihre politische Besorgnis auszusprechen. Unsere Besorgnis gilt der Auswirkung der Maßregeln in der Zukunft, sie schassen einen Borgang, der auch die übrigen Länder der Gefahr ähnlicher Eingriffe in ihre versossungs- mäßigen Rechte aussetzt. Gerade in Württemberg, wo das Eigenleben des Staate» mit Zähigkeit ver- leidigl wird, würde eine solche Entwicklung besonders schwer getragen werden." Erregung auch in Sachsen. Dresden, 22. Juli.(Eigenbericht.) Der Vorstand der Landtagssraktion und der Landesarbeitsaus- schuß der Sozialdemokratie werden die Regierung heute noch ersuchen, gegen das Vorgehen der Reichsregierung in Preußen sofort Protest zu erheben und alle staatsrechtlichen Mittel im Reichsrat zu erschöpfen, damit die Verhältnisse in Preußen wieder auf den verfassungsmäßigen Boden zurück- geführt werden. Krach im Weltparlament Ttteder mit dem Faschismus! Heute Lleberwachungsausschuß. Oer Konflikt vor dem Reichstag. Die politischen Ereignisse der letzten Tage werden ihre erste parlamentarische Behandlung in der heuti- gen Sitzung des Ueberwachungsausschusses des Reichstages finden. Der Ausschuß, der infolge der Weigerung des Abg. Straßer von dem ältesten Ausschuß- Mitglied, dem Abg. H e i m a n n(Soz.) einberufen worden ist, tritt um 3 Uhr nachmittags zusammen, um zunächst einen stellvertretenden Ausschußvorsitzenden und damit einen rechtmäßigen Leiter der Ausschußtagungen zu wählen. Die Sozialdemokraten haben dafür den Abg. Dr. H o e g n e r vorgeschlagen. Im Anschluß an diese Wahl wird der Ausschuß über seinen weiteren Tagungsplan beschließen. Die dem Ausschuß als Material vorliegenden Anträge der Parteien gegen die erste wirtschaftliche Notverovdmmg der Regierung von Papen vom 14. Juli, über die Wiedereinführung des Uniform- Verbots, über die Sicherung der Wahlfreiheit und andere Dinge, sind zur Zeit gegenüber den jüngsten politischen Ereignissen in den Hintergrund getreten. Es ist daher zu erwarten, daß der Ausschuß sich zunächst den aktuellen politischen Problemen zuwenden und sogleich in eine politische Aussprache eintreten wird. In den Vormittagsstunden fanden im Reichstag vor- bereitende Besprechungen zwischen der Sozialdemokratie, dem Zentrum, der Bayerischen Volkspartei und der Staatspartei statt. Es sind mit Sicherheit Anträge auf Aufhebung der Notverordnungen über den Reichs- k o m m i s s a r für Preußen und den Belagerungszustand für Berlin und Brandenburg zu erwarten. In Kreisen der Ausschußmehrheit vertritt man die Auf- fassung, daß der Ueberwachungsausschuß mit allen Befug- Nissen ausgestattet ist, die das Parlament an sich besitzt, und daß er infolgedessen auch das Recht zur Aufhebung von Not- Verordnungen hat und die Reichsregierung vor den Ausschuß zitieren kann. Wie weit sich Vertreter der Regierung von selbst an der Ausschußsitzung beteiligen werden, steht noch nicht fest. Von der Reichskanzlei jedenfalls wird erklärt, daß sie nicht die Absicht habe, einen Vertreter in den Ausschuß zu entsenden. Die Nationalsozialisten werden, gemäß ihrer Ankündigung, an der Tagung des Ueberwachungsausschusses nicht teil- nehmen. Reichstagspräsident Lobe wird den Beratungen bei- wohnen. Erklärung. Gegenüber der im heutigen„vorwärts", Nr. 341. vom Freitag. dem 22. Juli, aus dem Rundschreiben der Nationalsosialistischen Arbeiterpartei in Verlin wiedergegebencn Vehauptung, wonach zwischen Gregor Slraßer und dem Sachwaller des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaflsbundes, Furtwängler, ein« Fühlungnahme slaltgcsunden hätte, stellen wir zugleich im Namen unseres Kollegen Furtwängler fest, daß an diesen Behauptungen kein Wort wahr ist. Der vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewertschastsbundes. Das Verbot des„S-Lthr-Abendblattes". Llnd eine falsche WTR.-Meldung. Verlag und Schriftleitung des„8-Uhr-Abendblattes" teilen uns zu dem gegen das„8-Uhr-Abendblatt" aus- gesprochenen Verbot folgendes mit: „In der offiziösen Erklärung des Wolsfschen Telegraphenbüros zu dem Verbot heißt es, daß die Gründe für das Verbot in einer Karikatur liegen,„die den Reichskanzler an einer besetzten Tafel darstellt, Wein trinkend und dabei Notverordnungen herausgebend". Demgegenüber wird festgestellt: Die Zeichnung, die zu dem Verbot Anlaß gab, stellt lediglich eine Familienszene im Hause von Papen dar. Herr und Frau von Papen sitzen am Abendbrottisch, wobei Frau von Papen ihren essenden Gatten mit den Worten anspricht:„Was habt ihr denn heute für'ne Notverordnung be- schlössen?" Damit war keineswegs eine Verächtlich- m a ch u n g des Herrn Reichskanzlers beabsichtigt. Es sollte lediglich ein harmloses Gespräch, wie es nach den Tagesgeschästen zwischen Eheleuten üblich ist, im Zusammenhang mit dem umgebenden Artikel illustriert werden." Es ist mit größter Deutlichkeit festzustellen, daß die V e r- botspraxis des neuen Systems in der Geschichte kein Vorbild hat. Früher erfolgten Verbote nur wegen ungeheuerlicher Beschimpfungen, massiver Verleumdungen oder wegen Aufreizung zu Gewalttaten. Die Redaktionen waren, wenn sie sich nur einer gewissen Anständigkeit der Form befleißigen wollten, durchaus in der Lage, ein Verbot zu vermeiden. Heutzutage kann, wie der Fall des 8-Uhr- Abendblatts zeigt, schon eine gemütliche, ja fast gutmütige A n u I k u n g eines Ministers zu einem Verbot führen! Das Erscheinen oder Nichterscheinen der Presse ist damit vollständig in die Hand der Leute gegeben, die augenblicklich in Deutschland die Macht haben. Oer Rundfun? und die Wahrheit. In unserer Notiz„Gefälschte Nachrichten" im gestrigen Abend- blatt war u. a. mitgeteilt worden, daß„der Rundfunk" die Meldung von dem angeblichen Verzicht Grzesinskis schleunigst oerbreitet, aber eine Berichtigung verweigert habe mit der Begründung, daß ihm eine solche oerboten worden sei. Dazu teilt uns heute Herr Dr. Josef R ä u s ch e r, der Leiter der„Drahtloser Dienst A.-G."(Dradagi, berichtigend mit, daß weder Vertreter der Dradag noch andere Stellen des Rundfunks eine solche Auskunft gegeben haben. Wir nehmen von dieser Zuschrift gern Notiz. Aber tatsächlich hat die Dradag die erste und falsche Meldung nicht richtiggestellt. Wie verträgt sich das mit der vorgeschriebenen Neutralität der Dradag-Nachrichten? Da besteht doch mehr als eine bloße Ver- mutung, daß tatsächlich ein Verbot oder doch eine so starke Beeinflussung erfolgt ist, daß sie einem Verbot gleichkäme. Oder soll auch das von Amts wegen abgeleugnet werden? -i- Ministerialrat Scholz, der Dezernent für Rundsunkangelegen- heilen im Reichsministerium des Innern, ist, wie wir erfahren, nun- mehr endgültig zu den Nazis übergegangen, nachdem er bisher schon lange mit ihnen geliebäugelt hatte. Genf, 22. Zutt.(Eigenbericht.) Die 28. Vollversammlung ber Parlamentarischen Union war heute vormittag der Schauplatz eines un- geheuer heftigen Zwischenfalles. Wie in der Abrüstungs- konserenz, so gebrauchen die italienischen Delegier- ten auch in der Konferenz der Parlamentarischen Union auf neue Weisung von Rom ständig in herausfordernder Form bei jeder Gelegenheit die Bezeichnung„f a sch i- st i s ch" für alle Meinungsäußerungen und Anträge ihrer Delegationen. Als nun S a r t i- Italien bei einer Rede .über die Notifizierung des internationalen Rechts dauernd vom faschistischen Rechtsbcgriff sprach, rief ihm R c na u de l- Frankreich zu: „Ihr führt das Recht nur im Munde. Wo keine Freiheit und keine Kontrolle durch die öffent- liche Meinung möglich sind, gibt es auch kein Recht." Tarauf heulten die faschistischen Delegierten und schrien auf Renaudel ein. Dieser antwortete laut:„Nieder mit den Faschisten, den Mördern Matte ottis!" Der Tumult wurde allgemein, die Faschisten schrien: „Nieder mit Frankreich, das die sozialistischen Mörder schützt!" Grumbach» Frankreich bestritt de» Faschisten jedes Recht, an einer Konferenz von Parla» mentariern teilzunehmen, da sie ja kein gewähltes Par- lament hätten und nur ernannte Kreaturen seien. Renaudel weigerte sich energisch, auch nur ein Wort zurückzunehmen, im Gegenteil halte er alles voll aufrecht. Der Präsident mußte die Sitzung unterbrechen. Die Er- rcgung übertrug sich auf die im Saale nebenan tagende Generalkommission der Abrüstungskonferenz, aus der die italienischen Delegierten mit Minister B a l b o herzueilten, ebenso die Franzosen. In Haufen steht augenblicklich alles in den Wandelgängen, wo sich erregte Auseinandersetzungen abspielten. Ter Internationale Parlamentarische Rat berät über die Erledigung des Zwischenfalles. Die Stimme des Freundes. Paris, 22. Juli.(Eigenbericht.) Leon Blum schreibt im„Populaire" zu dem Gewaltstreich in Berlin und dem Verhalten der Sozialdemokratie:„Ich behaupte Manöver-Llnsälle in Frankreich. Orei Menschen schwerverletzt. Paris, 22. Juli. Am Donnerstag ereigneten sich gelegentlich der kom- dinierten Truppen- und Luftmanöver iu den französischen Alpen schwere Unfälle, denen zwei Flieger und ein Bataillonsführer zum Opfer sielen. Ein Militär» f l u g z e u g stürzte in der Nähe von Modane ab und ging vollkommen in Trümmer. Tie beiden Insasse« erlitten so schwere Verletzungen, daß ntan an ihrem Aufkommen zweifelt. Ein Bataillonsführer verlor auf einem steilen Felsen die Gewalt über sein plötzlich scheuendes Pferd und stürzte in den Abgrund. Während das Pferd auf der Stelle tot war, mußte er selbst mit schweren inneren Verletzungen in ein Krankentzaus über- geführt werden. ie Der nordwestliche Teil Kongreßpolens wurde von einem heftigen Gewitter heimgesucht, das in vielen Ortschaften großen Schaden anrichtete. Lei K a l i s c z schlug«in Blitz in eine Ad- teilung vom Uebungsplatz heimkehrender Soldaten ein. Ein Infanterist wurde auf der Stelle getötet, zwei andere trugen schwere Verletzungen davon. Außerdem sind noch in anderen Ort' schaften durch Blitzschläge vier Personen tödlich ge- troffen worden. Die rätselhasten Schlüssel. Frau VierhutS Geschäste. Bei der Untersuchung des Mordfalles Vierhut stellte sich langsam heraus, daß die Ermordete finanziell an kleinen Geschäften beteiligt war. Wie bereits mitgeteilt, waren Briese aufgetaucht, die von der Hand eines gewissen S ch i r m e r stammt. Sch. ist aber im ver- gangenen Jahre verstorben. Nach der Aussage seines Sohnes hat er tatsächlich mit Frau Vierhut schon lange vvr der Ehr mit V. in Geschäftsverbindung gestanden. Sch. hatte ehemals eine Gastwirt- schaft, an der die Frau beteiligt war. Sie war auch gleichzeitig stille Teilhaberin an einem Gemüsegeschäft. Schirmer wollte die tüchtige Geschäftsfrau gern heiraten, Frau V. ging aber darauf nicht ein. Da sie sich dann mit Vierhut verheiratete, verabredeten sie, ihre Geschäftskorrespondenz post- lagernd zu führen, weil V. sehr e i s e r s ü ch t i g war. So kam es auch, daß sich Frau V. mit Schirmer häufig in einem Cafö traf, um Gcschästsdinge zu besprechen. Später bekam sie dann ihr eingelegtes Geld zurück und beteiligte sich wieder an anderen Sachen. Die kleinen Summen, die sie dafür aufbrachte, hatte sie durch die Arbeit ihrer Hände geschaffen! Wenn sie keine Stellung als Auf- wartestau hatte, fertigte sie Handarbeiten an und verkaufte sie. Ueber die Herkunft der am Tatort vorgefundenen Schlüssel liegen nur geringe Anhaltspunkte vor. Man kann annehmen, daß sie entweder der Mörder zurückließ, oder daß es Schlüssel aus einem Geschäft waren, an dem Frau Vierhut beteiligt war! Gronau zum Amenkaflug gestartet. Sylt a. Westerland, 22. Juli. Heute vormittag 11 Uhr ist nach langem Warten auf günstiges Wetter Wolfgang von Gronau mit seinem„Grönlandwal" zum Fernflug nach Nordamerika gestartet. Neben seinem Bordmonteur Franz Hack und seinem Bordfunker Fritz Albrecht, die ihn beide schon bei seinen Transatlantikflllgen 1930 und 1931 begleitet haben, befindet sich noch als zweiter Flugzeugführer Gert von Roth an Bord. nicht, daß unsere sozialdemokratischen Kameraden in dem furcht- baren Sturm, in dem sie seit 12 Jahren kämpfen, immer frei von Irrtümern gewesen sind. Wir sollten wir heute den Mut haben, ihnen einen Vorwurf zu machen, wie sollten wir heute die Kühnheit haben, ihnen von unserem ruhigen Posten eine Lehre zu er- teilen. Sie setzen ihr« Hosnungen sichtlich auf das allgemeine Wahlrecht. Ihre Taktik besteht darin, die Diktatur-Regierung zur Abhaltung der Wahlen zu zwingen, die sie wahrscheinlich gern umgehen möchte. In zehn Tagen werden wir wissen, ob ihre Berechnung richtig war, ob die Militärdiktatur die freie Ausübung des allgemeinen Wahlrechts erlaubt, welches Urteil die Wählerschaft fällt und wie man ihrem Willen Rechnung trägt. Dir werden wissen, ob die Kaltblütigkeit und die Borsicht der Sozialdemokratie die Republik wieder auferstehen lasien können. Aber inzwischen werden ernste Vorgefühle auf Europa lasten, während die Faust der Militärdiktatur über Deutschland schweben wird. Wenn doch wenigstens vor der drohenden Gefahr die deutsche Arbeiterschaft verstehen könnte, daß die Spaltung die Ursache ihrer. Not ist und daß die Einigkeit die Vorbedingung für ihr Heil!" Lniernationale Solidarität. Brudergruß der holländischen Bruderpartei. Der Parteivorstand hat aus Amsterdam folgendes Telegramm erhalten: Der Allgemeine Rat der Sozialdemokratischen Ar» beiterpartei und des Getverkschaftsbundes folgt mit Interesse den schweren Kämpfen, welche die sozialdemo» kratische Arbeiterbewegung Deutschlands gegen die Re« aktion zu führen hat. In diesem Augenblick, in dem die Aufmerksamkeit des Weltproletariats besonders auf Teutschland gerichtet ist, hoffen wir, daß es dem ATGB. und der Partei gelingen wird, die Angriffe auf die sozial demolratifche Arbeiterbewegung und die Republik abzuschlagen. Wir hoffen, daß das deutsche Proletariat am 31. Juli die Macht der Sozialdemokratie tüchtig ver- stärken wird und kräftiger als je aus dem Kampf her- vortritt. E. Kupcrs. Vorsitzender. E. Woudenbcrg. Sekretär. Die„friedliche" SA.! Wer liefert der Bürgerkriegsarmee die Waffen? Wo SA.-Lcute angetroffen werden', zeigt es sich innner wieder, daß die braune Bürgexkriegsarmee schwer bewaffnet ist. Einen neuen Beweis hierfür lieferte die Festnahme mehrerer Hakenkreuzler in der vergangenen Nacht. In den Taschen der Hitler-Burschen wurden geladene Pistolen gefunden. In der Beussclstraße in Moabit randa- lierten ein Dutzend SA.-Leute, so daß eine Polizeistreife die Krakeeler zur Räson bringen mutzte. Bei einem der braunen Banditen wurde eine mit 8 Schuß geladene Armeepislole gesunden. 7 Hakenkreuzler mußten den Weg zum Polizeipräsidium antreten.— In der Berliner Straße in Charlottenburg wurden gegen Mitternacht zwei verdächtige Gestalten, die sich später als SA.-Leute entpuppten, von einer Schupo- Patrouille angehalten. Bei der Durchsuchung ihrer Taschen fanden die Beamten einen Irommelrevolver mit 5 Schuß und bei seinem Komplicen eine Orgis-Mehrladepislole mit 7 Schuß Munition. So sieht also die friedliche, unbewaffnete SA. aus! In der letzten Nacht wurden an verschiedenen Stellen der Stadt wieder fünf Litfaßsäulen mit einer leichtbrennbaren Flüssigkeit über- gössen und dann angezündet. Leider ist es in keinem Falle gelungen, die Brandstifter zu ermitteln. Lteberschwemmungen in Berlin W. Folgen des nächtlichen Wolkenbruches. Nach dem Unwetter, von dem in den gestrigen Abendstunden Spandau heimgesucht wurde, zog sich in der Nacht auch über dem Berliner Westen eine dichte Wolkenwand zusammen. Ein Wolken- bruch setzte ein, der in knapp einer halben Stunde ganze Straßen- züge in Charlottenburg, Wilmersdorf und Steglitz überflutete. Da der Regen stundenlang mit unverminderter Stärke anhielt, war das Kanalisationsnetz nicht mehr imstande, die ungeheuren Wassermengen aufzunehmen. Große Seen bildeten sich, überfluteten die Bürgersteige und in regelrechten Sturzbächen drangen die Wassermassen in Wohn-, Lagerkeller und Luftschächte ein. Besonders bedrohlich war die Situation in einigen Laubenkolonien, wo es den Bewohnern heute früh unmöglich war, ihre Behausungen zu ver- lassen. Die Feuerwehr hatte einen Großkampf gegen die Wasser- Massen zu führen. Motor-, Dampf- und Handpumpen wurden überall in Betrieb gesetzt, um die Ueberschwemmungen zu beheben. Bis 11 Uhr vormittags wurde die Berliner Feuerwehr etwa 120 bis 130 Male zur Hilfe gerufen. Großfeuer in der palifadensiraße. Um hause Palisadenslr. 73 geriet heule millag der Oachstuhl in Brand. Auf Großfeueralorm eilten vier Löschzüge an die Brandstelle. Bei Redaktionsschluß ist das Feuer noch nicht eingedämmt. Nazi schießt auf Eiserne Front. Orei Verletzte. Bochum, 21. Juli.(Eigenbericht.) Am Mittwochabend kam es in Gelfenkirchen-Buer in der Essener Straße vor einer Wirtschaft zu schweren Auseinander- fetzungen zwischen Nationalsozialisten und Mitgliedern der Eisernen Front, in deren Verlauf der Nationaliozialift Reiners zu einer Pistole griff und mehrere Schüsse abgab. Drei Mitglieder der Eisernen Front wurden schwer verletzt. Der Täter erhielt ebenfalls blutige Kopfverletzungen. Der frühere Reichsfinanzminister von Schlieben ist in der ver- gangenen Nacht in der halleschen Klinik nach einer Operation g e st o r b e n. Er war Vorsitzender der Wirtschaftlichen Vereinst gung der mitteldeutschen Zuckerindustrie. Strafanträge im Attentatsprozeß Drei Jahre Gefängnis beaniragi— Die Guchi nach Gensation Heute morgen begannen in dem Attentatsprozeß Dr. Rössen und K e r t s ch e r die Plädoyers. Als erster erhielt Oberstaats- anmalt Dr. Sturm das Wort. Er führte aus: Die Art des Auf- tretens des Angeklagten Dr. Roosen in der Verhandlung beweise, daß es sich für ihn in der Hauptsache um Sensationssucht handelte. Wir wissen, daß die Tat seit langem vorbereitet war. Es war die Ausführung eines seit langem gefaßten Vorsatzes, die Tat ist von beiden Angeklagten gemeinschaftlich begangen, der Z 223 des Straf- gesetzbuches fetzt wegen gefährlicher Körperverletzung als Mindest- strafe 2 Monate Gefängnis, als Höchststrafe 5 Jahre Gefängnis fest. Das schwerste in diesem Prozeß war für mich die Frage, ob ich nicht Anträge aus dem Z S1(Unzurechnungsfähigkeit) stellen sollte. Die Art, wie der Angeklagte hier von der Untersuchung seines Geisteszustandes während der Militärzeit erzählt hat, fein Ausruf am letzten Verhandlungstage, er fei wohl der einzige im juristischen Sinne Normale im Gerichtssaale, hat zu schwersten Bedenken Anlaß gegeben. Wenn ich trotzdem keine Anträge aus dem Z 51 gestellt habe, so ist das dem Umstände zuzuschreiben, daß der Ange- klagte hier in unerhört schlagender Weise auf die Vorhaltung des Vorsitzenden zu erwidern wußte, sich durch scharssinnige Argumente zu verteidigen vermochte und ungemein geschickt der Anschuldigung des Verstoßes gegen die Notverordnung über das Verbot des Waffen- bcsitzes den Boden zu entziehen versucht hat. Wir haben es hier nicht mit einem Irrsinnigen, sondern mit einem Genie zu tun. Zum Strafmaß ist zu sagen: Die Tatsache, daß die Körperver- letzung, die Dr. Luther zugefügt worden ist, nur unbedeutend war, kann nicht besonders ins Gewicht fallen. Die Angeklagten haben als gebildete Menschen sich sagen müssen, daß eine Abirrung der Kugel, also auch eine sehr schwere Verletzung, stets möglich sei. Um so wichtiger ist aber bei der Beurteilung der Tat ein anderer Gesichts- punkt. Fast täglich erlebt man in den Moabiter Gerichtssälen junge Leute, die aus politischer Verhetzung die Staatsordnung gefährdet haben. Diese Angeklagten hier sind aber geistig hoch- stehende Menschen. Sie wußten ganz genau, was sie taten, sie sind deshalb auch in höherer Weise verantwortlich. Der Staatsanwalt beantragte gegen Dr. Roosen wegen gemein- schaftlicher gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen die Not- Verordnung über Waffenbesitz eine Gesamtstrafe von 3 Jahren Ge- fängnis, gegen Kertscher eine solche von 2 Jahren 3 Monaten Ge- fängnis. Gegen beide Angeklagten die Wiedervollstreckung des Haftbefehls. Ein Plädoyer von großer Sachlichkeit hielt als zweiter der Vertreter des Nebenklägers des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther, Rechtsanwalt Dr. W e strick. Er sagte u. a.: Opfer der Tat war hier ein Mensch, der wie kein anderer in Deutschland für die Währung gekämpft hat, die Kugel traf ihn in einem Augen- blick, als er im Begriff war, im deutschen Interesse nach Basel zu fahren. Den Angeklagten sei es gar nicht ernstlich um ihre Theorie zu tun. Dr. Roosen ist im Gerichtssaal in seiner Narretei zu weit gegangen, das Schauspiel, dessen Autor und Jnszenicrer er war, ist durchgefallen, das Gericht wird durch sein Urteil zum Ausdruck bringen müssen, daß Selbstgefälligkeit und verletzte Eitelkeit die Haupttriebfeder der Tat gewesen sind. Es folgen die Plädoyers der vier Verteidiger. Roland ohne Schild. Ist Kube ein„Iudenjunge hemmungslosester Art"? In der zehnten Sitzung des Preußischen Landtags vom 22. Juni 1332 trug sich folgendes zu: Der sozialdemokratische Abgeordnete Karl Gehrmann antwortete auf schmutzige Anpöbeleien des Noziabgeordncten Roland Freisler mit der Feststellung, daß Freisler im Zivilberuf Rechtsanwalt in Kassel, fünfmal von der Anwaltskammer wegen standesunwürdigen Verhaltens ehren- gerichtlich bestraft worden ist. Die Verlesung dieser Ehren- gerichtsurtcile war für den Schimpfbold Roland Freisler eine höchst peinliche Viertelstunde.— Nach dieser Stäupung erhob sich jedoch der nationalsozialistische Froktionsvorsitzende Kube, und erklärte großspurig: Die Nationalsozialistische Partei stellt ihren Schild vor ihr Mtglied Dr. Freister. Die Ehrauffassungen der Anwaltskammern können uns nicht oeranlassen, das Urteil irgendeiner Anwalts- kammer zum Maßstab unserer ehrenrechtlichen Auffassungen zu machen. Denn in diesen Anwaltskammern sitzen derartig viel Zudenjungen hemmungslosester Art, daß wie diesen Burschen nach keiner Richtung hin das Recht einräumen, über einen von uns zu Gericht zu sitzen.(Spalte 665 des Sitzungsprotokolls.)' Die Schwadronaden, vom dröhnenden Beifall der Nazis um- rauscht, haben am Donnerstag im Prozeß Weiß eine eigen- .ortige Illustration erfahren. Es wurde festgestellt, daß von den Unterzeichnern des gemeinen, ehrabschneiderischen Antrags gegen Frau Weiß vier ihre Urheberschaft bestritten und sich schriftlich bei Im Dritten Reich. „60 Pfennig pro Tag und Person" (Au« dem Nazi Programm) Weiß entschuldigt hoben. Als Urheber des Antrags bleibt daher nur der fünfte Unterzeichner übrig: Roland Freisler. Die vier Vorstandsmitglieder, deren Namen Freisler angeblich ohne ihr Wissen unter den Antrag gesetzt hat, haben Freisler durch ihre Eni- schuldigung bei Weiß einen Fußtritt gegeben. An der Spitze dieser vier aber steht--- der Fraktionsvorsitzende Kube I Uns will danach scheinen, daß Herr Kube und die übrigen Fraktionsvor- standsmitgliedern nicht mehr ihren Schild vor Herrn Roland Freisler stellen, sondern ihn in aller Form weg- gezogen haben! Mit seinem Abrücken von Freisler hat Kube aber gleichzeitig die von ihm beschimpfte Kasseler Anwalts- kammern rehabilitiert, die bei fünf Gelegenheiten Freisler bescheinigt hat, daß seine Kampfcsweise gemein, pöbelhast und eines Anwalts unwürdig ist. Oder sollte die Annäherung zwischen Kube und der Anwaltskammer daraus beruhen, daß die Vorstandsmit- glieder der nationalsozialistischen Landtagsfraktion auch schon zu „Judenjungen hemmungslose st er Art" geworden sind? '1 652-IM Wohlsahriserwerbslose. Von Ende Mai bis Ende Juni 43 443 mehr. Im Juni ist die Gesamtzahl der Arboitslosen sowie die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge zwar weiter zurückgegangen, die Zahl der von den Gemeinden betreuten Wohlfahrtserwerbslosen aber weiter ge- st i e g e n. Nach der Erhebung des Preußischen Statistischen Landes- amts vom 30. Juni 1332 sind in Preußen 1 552 131 vom Arbeitsamt anerkannte wohlfahrts- erwerbslose (einschl. der am Stichtag noch schwebenden Anerkennungsfälle) bei den Bezirkssürsorgeverbänden gezählt worden gegenüber 1 568 988 Ende Mai. Somit ergibt sich auch imJuniwiedereineZunahme um 43 143 Wohlfahrtserwerbslose oder 2,9 Proz., die annähernd ebenso stark ist wie die in den beiden vorletzten Monaten erfolgte Erhöhung(Mai: 44 636, April: 43 768), während im Juni vorigen Jahres eine Zunahme um 8875 Wohlfahrtserwerbslose zu verzeichnen war. Gegen den 30. 3uni 1931 ist die Wohlsahrlserwerbstosenzahl um 825 492 oder 113.S proz. höher. Aus 1666 Einwohner entfallen im Staatsdurchschnitt jetzt 46,1 Wohl- fahrtserwerbslose. 66 491 Wohlfahrtserwerbslose haben in Für- sorge- und Notstandsarbeit oder in freiwilligem Arbeitsdienst gestanden. Wie im April und Mai, ist auch im Juni der Zugang an Wohlfahrtserwerbslosen in den Land- kreisen(plus 2,2 Proz.) infolge des Saisoneinflusses Verhältnis- mäßig geringer gewesen als in den Stadtkreisen(plus 3,5 Proz.). In Berlin wurden— wie bereits berichtet— Ende Juni 256 171 Wohlsahrtserwerbslose gezählt, im gesamten Bezirk des Landesarbeitsamts Brandenburg 326 454. Eisenbahner! Entgegen den auf den Dienststellen verbreiteten Gerüchten wird mitgeteilt, daß die zu heute um 13 Uhr in der Neuen Welt vorbsreitete öffentliche Kundgebung stattfinden wird. Es sprechen Paul Lobe und Marie I u ch a c z. Tonfilm als nationaler Kulturfaktor? Der Generaldirektor der Ufa, Ludwig Klitzsch, sprach gestern im Rundfunk über dieses heikle Thema, das doppelt heikel ist für den Verantwortlichen der größten deutschen Filmproduktion und den Vorsitzenden der Spitzenorganisation der Filmindustrie. Herr Klitzsch ging von der kühnen These aus, daß heute nicht nur die Schaubühne, sondern auch der Tonfilm die'm o r a l i s ch e A n st a l t sei, die Schiller im Auge hatte. Der Spiegel unserer Zeit mit ihren Nöten, ihren Freuden und unserer geistigen Sehnsucht ist heute nicht mehr, wie zur Zeit der klassischen Dichter, das Theater— sondern auch der Film. In der Tat: gegenüber den 256 Bühnen zählt man in Deutsch- land nicht weniger als rund 3566 zweimal und dreimal täglich spielende Filmtheater. Die deutsche Filmproduktion ist nicht nur für das Inland, sondern auch für die Auslandsdeutschen und die deutsch verstehenden Nationen bestimmt. Rühmend wies der Generaldirektor auf die wachsenden Devisen, die der deutsche Film einbringt, und Hugenberg als dem Erhalter des deutschen Films wird der Lorbeerkranz gewunden. Gewiß, der Film hat keine Tradition wie das Jahrtausende alte Theater, und der Tonfilm besonders mußte und muß sich erst seine künstlerische Form schaffen. Herr Klitzsch ist klug genug, die Mängel einzugestehen, die dem Tonsilm noch reichlich anhaften(wir haben hier vor ein paar Tagen die Frage ausführlich behandelt). Immer noch ist der Film weit davon entfernt, höheren Ansprüchen zu ge- nügcn. In seinem Durchschnitt ist er noch viel zu sehr Nachahmung der Posse und der Operette. Aber vor allem ist es eine maßlose Ueberschotzung des Tonflims, wenn ihn Herr Klitzsch dem Theater, das doch nicht nur Operette und Posse ist, sondern die ganze Tradition der Weltliteratur und das kämpfende Drama von heute umfaßt, an die Seite stellt. Der P o r ck- Film gar, das große Pathos der klassischen Literatur zuzusprechen, ist doch wohl nur eine Reklame für die Ufa. Es wäre gut, wenn der Tonfilm eine moralische An st alt im Sinne Schillers werden sollte, aber er ist noch meilenweit davon entfernt, und es ist nicht zu erwarten, daß er je im kapitalistischen Regime diese Rolle spielen wird. Die schönen Hoffnungen, die uns Herr Klitzsch erweckt, auf die große Tonfilmoper und die hohen kulturellen und zugleich nationalen Ziele, sind Wechsel, die nie eingelöst werden. Der Film in seiner heutigen Form und insbesondere der Ufa-Film, sind nicht in der Lage, die seelische und nationale Not unserer Zeit zu spiegeln, noch das Glück deutscher Vergangenheit heraufzuführen oder an den Ausbauwillen unseres Voltes zu appellieren, wie Herr Klitzsch es vorgibt. Wir haben genug von solchen Filmen gesehen, wir kennen die Tendenzen der Ufa-Produktion aus langer Erfahrung, um zu wissen, was sich hinter diesem hochtönenden Programm versteckt: Geschäft in jeder Art und patriotische Filme, die die Massen den angeblich nationalen Parteien zutreib en sollen. Lniernationales Tanzmuseum in Paris. Ein Mittelpunkt der Tanzforschung. Einer der Bahnbrecher des modernen Tanzes, der in Paris lebend« Rolf de M a r e, ist mit dem Plan an die Oeffentlichkeit getreten, in Paris ein großzügiges und großartiges„Museum des Tanzes" zu errichten. Die Finanzierung will er, ein sehr ver- mögender Mann, ganz allein tragen, wenngleich für diesen Zweck ihm auch von anderer Seite erhebliche Summen zur Verfügung gestellt worden sind. Das Museum wird offiziell„I n t e r n a t i o- nales Archiv für Tanzkunst" heißen und seinen Sitz in Paris, Rue Vital 6, haben. Dieses Museum soll, so wird betont, ganz internationalen Charakter haben und auch international be- schickt werden. Mit dem Museum in organisatorischer und räumlicher Ver- bindung werden einige Forschungsinstitute stehen, so ein choreographisches, ein Institut für Tanztheori«, ein historisches u. a. Diese Institute werden rein wissenschaftlichen Charakter haben. Sachkundige Forscher werden sie betreuen. Außer dem«igentlichen Museuyr wird das umfangreiche Gebäude natürlich auch Lesesäle, eine groß« Bibliothek, Vorführungssäle und anderes enthalten. Es soll der Mittelpunkt für Tanzforschung der ganzen Welt werden. Das Museum, seine Einrichtungen und Aufgaben stehen natür- l'ch noch nicht in allen Einzelheiten fest. Eine ganze Gruppe von Fachleuten wird seinen sachgemäßen Aufbau überwachen und leiten. Es ist ja im Grunde eine ungeheuerliche Aufgabe, die man sich hier gesetzt hat. Man bedenke nur zum Beispiel, welch« entscheidende Bedeutung der Tanz bei den alten Kultur- und Naturvölkern gehabt hat! Das soll hier alles veranschaulicht werden, denn, wenn wir recht unterrichtet sind, soll es nicht nur ein Museum für Fachleute, sondern ein öffentlich zugängliches Museum werden. In diesem„Palast des Tanzes" wird jedes Jahr auch das große Preisgericht zusammentreten, das unter ariderem über den „Wettbewerb sür Tanzgruppen" entscheidet. Zwei Preis«, einer von zehntausend und einer von fünfundzwanzigtausend Franken kommen dabei zur Verteilung. Daneben noch zahlreiche andere Preise, so einer für Tanzkostüme, einer für Bühnenentwürfe usw. Der Palast des Taizzes soll dann auch in Zukunft die Hoch- schule des Tanzes aufnehmen.• Aus der ganzen Welt sollen Tänzer und Tänzerinnen nach Paris strömen, um die hohe Kunst des Tanzes zu erlernen. In Deutschland wird diese Nachricht einige Wehmut auslösen. All das, was nun in Paris verwirklicht werden soll, ist vor Jahr und Tag schon in Deutschland erstrebt und bis in die Einzelheiten geplant worden. Die Verwirklichung scheiterte in erster Linie an der sinan- ziellen Schwäche der führenden deutschen Verbände. Zlllerdings spielten auch störende Rivalitäten verschiedener Schulen eine äußerst hemmende Rolle. Entscheidend war, daß die öffentliche Hand nichts beizusteuern vermochte. F. B. 11. Deutsches Gangerbundfest. In Frankfurt a. M.- Vorspiele. Das 16. Deutsche Sängcrbundesfest in Wien soll 126 666 Be- suchen, das jetzige 11. in Frankfurt a. M. 46 666 gefunden haben. 26 Proz. Uebertreibung abgezogen, kommen wir für Wien auf eine Teilnehmerziffer von 96 666, für Frankfurt von 32 666, und das dürfte feine Richtigkeit haben. Die deutschen Sänger sind also ziffernmäßig heute dort angelangt, wo wir Arbeitcrsänger auf unserem ersten Bundcssängcrfest in Hannover ansingen, d. h. die 76 Proz. Arbeiter im Deutschen Sängerbund, die den gewaltigen Auftrieb in Wien brachten, können wirtschaftlich nicht mehr Schritt halten. Wir überlassen den bürgerlichen„Sangesbrüdcrn", rechts- eingestellten Schirllehrer», unterem Beamtentum, das noch nicht seine eigene Zugehörigkeit zum Proletariat erkannt hat, das Feld. Soviel Schworzrotgold wie in Frankfurt a. M. werden diese bürgerlichen Sänger lange nicht zu sehen bekommen haben. Frank- furt, die Stadt der Paulskirche, bleibt die alte. Die Abzeichen über- säte doppelte Mönnerbrust der Festteilnehmer erweckt lebhafte Er- innerungen an Schützen- und Feuerwehrsommerfeste. Der Himmel hat ein Einsehen und schickt als Auftakt einen versöhnenden milden Regen auf marineblaue Sängercinheitsröcke und obligate Sänger- bundesmützsn aus gleichem Tuch. Die Gäste sind dem Masseneinsatz Tausender, leer die Straßen durchziehender Trambahnwagen nicht gewachsen. Die Frankfurter„Volksstimme" fordert unscre Genossinnen und Genossen auf:„Fahnen heraus, aber die Fahnen der Republik, die Fahnen der Eisernen Front, die Fahnen der Partei!" Auch den Festzug am Sonntag wird, sollte er bis dahin als unpolitischer Um- zug gestattet werden, ein donnerndes„Freiheit" unserer Genossen umbranden. Ueber die konzertlichen Veranstaltungen werden wir nach dem viertägigen Fest zufaminenfossend berichten. w, H. Deutsche Teilnehmer am internationalen Polarjahr 1932. Auf Einladung der russischen Regierung werden zwei deutsche Forscher am internationalen Polorjahr 1332 teilnehmen: Dr. Kurt W ö l ck e n- Göttingen, der mit einer russischen Erpeditionsgruppe auf Nowaja Semlja arbeiten wird, und Dr. Joachim Scholz vom meteorologisch- magnetischen Observatorium Potsdam, der trotz seiner Jugend schon große Leistungen auf dem Gebiete luftelektrischer Studien aufzu- weisen hat. Er gehört der russische» Expedition an, die auf der zum Franz-Jvsephs-Land gehörenden Hookerinfel ihre Forschungen be- treiben wird. Die Expedition wird frühestens Herbst 1333 zu Ende sein, kann aber auch, je nach den Verhältnissen, ein Jahr länger dauern. Die beiden deutschen Forscher sind schon nach ihren Ar- beitsorten unterwegs. Für Dr. Scholz läßt Rußland ein eigenes Beobachtungshaus in Archangelsk bauen, das der Eisbrecher „Malygin" zu seinem Bestimmungsort bringen wird. Auch Flug- zeuge stehen Scholz zur Verfügung, um in Höhenflügen luft- elektrische Messungen und Erforschung der kosmischen Höhen- strahlung in der Arktis durchführen zu können. Die wissenschaftliche Ausrüstung wurde mit Unterstützung der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschast beschafft. Im ganzen wird diese Expeditions- gruppc 23 bis 26 Teilnehmer umfassen. Krebssterblichkeit und soziale Lage. Privatdozent Dr. Georg Wolfs, Abteilungsleiter am Hauptgejundheitsamt der Stadt Berlin, hat nachgewiesen, daß die Krebssterblichkeit in Berlin seit der letzten Volkszählung 1916 so gut wie konstant geblieben ist. Er hat die ,.rohe" Sterblichkeitsziffer, die die zunehmende Ueberalterung der Berliner Bevölkerung nicht berücksichtigt, durch eine standardisierte Sterbezifter ersetzt: 1316 betrug dann die Krebssterblichkeit 11,83 auf 16 666 Einwohner Groß-Verlins, bei der nächsten Volkszählung 1325 aber 11,43. Damit erweist sich die Krebssterblichkeit, wie Wolff in der heutigen Deutschen Medizinischen Wochenschrift gegenüber anderen Aeußerungen betont, von sozialen Faktoren nicht in irgendwie kennt- licher Weise abhängig. Wenn es den Anschein hat, als ob der Bezirk Prenzlauer Berg in diesem Punkte schlechter gestellt sei als der Bezirk Mitte oder gar Charlollenburg und Wilmersdorf, so liegt das nur daran, daß sich in diesem Bezirk das Monopol-Hojpital Groß-Berlins für alle krebskrankcn Siechen, die nicht mehr zu operieren sind, be- findet. Dorthin werden diese Kranke» nach Verfügung der Gesund- heitsverwaltung aus allen Bezirken Berlins überwiesen und haben dann dort ihren Dauerwohnsitz, was die Sterbeziffer erhöht. Vor der Wahl. Weitere Verärgerung der Arbeitslosen verhütet. Die Arbeitslosen und die Sozialrentner sind durch die Notver- ordnung der Papen-Regierung derart schwer betrosfen und verärgert, daß jeder Versuch überflüssig wäre, ihre Verärgerung noch zu steigern Die Art und Weise aber wie der Uebergang von der früheren zur jetzigen Unterstützung nach dem Buchstaben der Ver- ordnung erfolgen sollte, mußte noch vor der Wahl dem Tropfen gleichkommen, der das Faß des Unmuts zum Ueberlaufen ge- bracht hätte. Verschiedene Umstände treffen nun mit der Wahl zusammen, um dies zu verhüten. Im Reichsarbeitsministerium hat man ein- gesehen, daß die Arbeitsämter und vor allem die Gemeinden die Umstellung aus die neuen Unterstühungssöhe für die laufenden Unterstlltzungsfälle nicht rechtzeitig schaffen können. Der Reichsarbeitsminister hat sich deshalb damit einverstanden er- klärt, daß alle Unlerstühungssälle, die bis zum 23. lluli nicht ordnungsgemäß umgerechnet und auf die hilssbedürsligkeit hin geprüft werden können, mit den neuen Tabellenfälzen der Arbeitslosenversicherung weiter laufen sollen. Das bedeutet, daß jeder Arbeitslose aller Voraussicht nach am 25. Juli und den folgenden Tagen Geld bekommen wird. Man hat solange an Personal für die Umstellung gespart, daß den Arbeitslosen zunächst mehr gezahlt werden muß, als sie nach dem Buchstaben der neuen Verordnung bekommen sollten. Natürlich nur solange, bis die Umstellung auf die neuen Sätze erfolgt ist. Die Sparsamkeit an Personal kostet auf diese Weise zusammengenommen Unsummen, die den Arbeitslosen zugute kommen, soweit ihre Unterstützungen aus technischen Gründen noch nicht gekürzt werden können. Seit dem Inkrafttreten der neuen Notverordnung sind die Sätze der Krisenfürsorge gleich denen der Arbeitslosenversicherung. In der Praxis dürfen aber diese Sätze nicht mehr berechnet werden. Erst nach Bejahung der H i l f s b e d ü r f t i g k e i t werden die Sätze der Wohlfahrt gezahlt, die erheblich geringer sind. Die Tabellensätze der Reichs- anstatt sind nur sogenannte ch ö ch st s ä tz e, über die hinaus auch bei noch so großer Befürwortung und Feststellung der Bedürftigkeit auf keinen Fall gezahlt werden darf. Wird nun generell der Tabellensatz für die unbe- arbeiteten Fälle angeordnet, so werden tatsächlich alle diese Arbeits- losen mehr bekommen als ihnen zugedacht war. Ja, es wird sogar vielfach vorkommen, daß manche Arbeitslose vorübergehend mehr bekommen werden als sie bis jetzt bekanien. Allein alle diese Arbeitslosen werden nach erfolgter Bearbeitung ihrer Anträge um so inehr erstaunt sein, über die Kürzung ihrer Unterstützung. Eine Rückforderung der jetzt zuviel gezahlten Unterstützungen darf nach einem Erlaß nicht erfolgen. Im Jntersse der Arbeitslosen freuen wir uns über diese augenblickliche Sachlage. Es zeigt sich dabei, wie wenig die maßgeblichen Stellen vor ihrer Verordnung mit der Praxis des Arbeitslosenunterstützungswesens gerechnet haben. Kein Arbeitsloser darf sich jedoch dem Glauben hingeben, daß, weil er jetzt zufällig vor der Wahl noch ein paar Pfennige mehr bekommt als ihm nach dem Buchstaben der Verordnung zu- stehen, er auch noch nach der Wahl von den Wohlsahrtssätzen verschont bleiben würde. Rur wenn die Liste 1 der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands mit einem Riesenerfolg aus der Wahl hervorgeht, besteht die Möglichkeit, die größten Härten der Notverordnung gegen die Ar- beitslosen und Sozialrentner zu beseitigen. Internationale Solidarität. Der IGV. an die deutsche Arbeiterschaft. Im Augenblick, wo die deutsche Arbeiterklasse mitten im ent- scheidenden Abwehrkampf gegen die vereinten Mächt« der Reaktion steht und die deutsche Demokratt« um ihr Dasein ringt, hält es der Internationale Gewerkschaftsbund für seine drin- gende Pflicht, der deutschen Arbeiterschaft und allen deutschen Volks- genossen, die für den Bestand der deutschen Republik und damit auch des Friedens in einem demokratischen Europa kämpfen, seine Solidarität mit aller Kraft zu bekunden. Jetzt wie früher steht für den Internationalen Gewerkfchafts- bund fest, daß der Faschismus moralischer und materieller Verelendung gleichkommt: daß Faschismus national und international eine direkte Be- drohung des Friedens bedeutet; daß die Arbeiterklasse ihre höchsten Güter verteidigt, indem sie den Faschismus niederzwingt. Die deutsche Arbeiterschaft kann sicher sein, daß der Jnter- nationale Gewerkschaftsbund mit seinen 14 Millionen angeschlossenen Mitgliedern aus allen Ländern diesen ihren Kampf mit den höchsten Gefühlen der Sympathie und Solidarität verfolgt und bereit ist, den deutschen Arbeitern mit allen verfügbaren Mitteln zum Siege zu verhelfen. Deutsche Genossen! Ihr steht nicht allein in diesem Kampf! Wisset, daß das organisierte Weltproletariot hinter euch steht, denn ihr kämpft nicht nur für die deutsche Demokratie, euer Kampf ist auch ein Kampf für die Befreiung der Menschheit! Ln die Landwirtschast geflüchtet. Durch Hunger wieder vertrieben. Wir erhalten die folgende Schilderung: „Durch Stillegung einer großen Maschinenfabrik in Westfalen wurde ich arbeitslos. Da ich als 24jähriger Mensch meinen Eltern nicht zur Last fallen wollte, ließ ich mich in die Landwirtschaft um- schulen. Durch dos Arbeitsamt in meinem Ort wurde ich nach Fliegerhorst bei Frankfurt a. d. O. vermittelt. Dort werden alle arbeitsfreudigen jungen Leute im Alter von 16 bis 36 Iahren ausgenommen und der Landwirtschast in einem siebenwöchigen Kursus zugeführt. Die Schule besteht seit drei Iahren. Die Leitung sowie Lehr- gangsleiter sind bestrebt, den jungen Städtern, die freiwillig aufs Land gehen wollen, die nötigen Vorkenntnisse für die Landwirtschaft zu erteilen. Trotz militärischem Charakter und manchmal übler Kost läßt es sich auf der Schule noch aushalten. Kommt man dagegen nach vierwöchigem Kursus von der Schule zum Dauern, welcher einem eine dreiwöchige Ausbildung auf seiner Wirtschaft gestattet, so hat man schon in den ersten drei Tagen die Nase von der ganzen Landwirtschaft voll. Sympathisiert man nicht gleich mit dem Herrn Bauern in vollen Akkorden über das„Dritte Reich", so wird man getriezt und geschunden. Fast überall ist das so! Das Schlafgemach ist der P f e r d e st a l l, ein Bett mit Sttoh- einlage und viel zu klein, eine große Haserkiste, das ist die ganze Ausstattung. Dies ließe sich samt der schweren anstrengenden Arbeit von früh 4 Uhr bis abends 9 Uhr, ohne Pausen, noch ertragen, wenn es einigermaßen kräftiges Essen geben würde. Das gibt es nicht! An einem Morgen bat ich die Bäuerin, mir doch eine Scheibe Brot mehr zu geben, da ich noch hungrig wäre. Die Antwort war: „Schlagen Sie sich doch abends den Bauch mit Pellkartoffeln voll, dann sind sie des Morgens noch satt!" Ich bin groß und kräftig und will gern arbeiten, doch muhte ich die Arbeit ausgeben, um nicht vollständig körperlich und feelisch herunterzukommen. Wohl an hundert junge Leute habe ich durch die Schule in den acht Wochen kennengelernt, wovon aber nur ein geringer Teil dieses Leben aushält. Auf die Schule zurückgekehrt, erhält man einen Tippelschein, und sroh, wieder Mensch unter Menschen zu sein, versucht man loszuwandern in die Heimat, nach Haus. Doch o weh, wie sieht es heute auf den Landstraßen aus! Acht Tage bin ich jetzt unterwegs; was ich in dieser Zeit erlebt, gesehen und gehört habe, darüber ließe sich vieles sagen. Ich habe mich bisher nie politisch betätigt, doch jetzt halte ich es für meine Pflicht, mitzutun und mitzuhelfen an dem sozialen Aufbau Deutschlands: für Friede und Freiheit gebe ich meine Stimme am 31. Juli." weller für Berlin: Weiterhin mäßig warm und wolkig mit Neigung zu örtlichen Gewittern. Schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Allgemein Fortdauer des herrschenden Witterung?- charakters. Parteigenossen am Peeher Vordersee. Solifohrer und Partei- genossen, die am Sonnabend am Peetzer Vordersee sind, kommen zur Wahlkundgebung der Partei um 149 Uhr bei Lieste. Armbinden mitbringen. „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Rundfunk am Abend Freitag, den 11. Juli Berlin: 16.00 Aus Frankfurt a. M.: Volksdeutsche Weihestunde(Ansprache des Innenministers von Gayl). 16.30 Durchs Oranienburger Tor in den märkischen Norden (F. F. Schwarzenstein). 17.00 Von der Arbeit der„Christlichen Kampfschar". 17.30 Max Barthel: Eigene Prosa. 17.30 Das neue Buch. 18.00 Die neuen Männer in Preußen(Chefredakteur Dr. F. Klein). 18.23 Unterhaltungsmusik. 18.53 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Ansprache des kommissarischen preußischen Innenministers Dr. Bracht). 19.10 Unterhaltungsmusik. 19.53 Wegweiser ins Wochenende. 20.00 Aus Washington: Worüber man in Amerika spricht (K. G. Seil)." 20.20 Musik auf dem Neo-Bechstein-Flügel. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Orchesterkonzert. 22.10 W etter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Kön ig s Wusterhausen: 16.00 Aus Frankfurt: Volks- deutsche Weihestunde. 17.30 Rauchen oder Nichtrauchen? (Dr. L. Frank). 18.00 Serenadenmusik. 18.30 Störungen im Welthandel als Ursache und Folge der Wirtschaftskrise (Professor Eulenburg). 18.53 Wetterbericht. 19.00 Aktuelle Stunde. 19.13 Vortrag für Tierärzte. 19.35 Weltmächte der Erde: Petroleum(J. Bunzl). 20.13 Funktechnik(Oberingenieur Nairz). 20.30 Aus Frankfurt a. M.; Deutsches Sängerbundesfest. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Aus Stuttgart: Bei uns zu Lande(Heimatabend). 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.15 Aus Köln: Vom Reichstreffen der Deutschen Jugend-Kraft(Wachsplatten). 22.45 Aus Köln: Nachtmusik. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. duroi alle„\orwärts"-Boten oder die Postanstalten. äictontmoctl. füt die Ziedaltion: Rich. Beruftem. Berlin; Anzeigen: TH. Slocke, Berlin. Verlern: Vorwärts Verlag©. IN. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& To.. Berlin 633 68, Lindenstr. S. Hierzu 1 Beilage. PROGRAMM für die Zeit vom 22. bü 25. Juli K I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 22. bis 25. Juli ©OÖ Potsdamer Straße 38 An der Lützowstraße. Ein«uües Geheimnis mit Hansi Else Elster.— Die Koffer de« Herrn O. F. mit Alfred Abel W. ab 5 Uhr. S. ab 3 Uhr. Odeon, Potsdamer Str. 75 An der Pallasstraße. Es war einmal ein Walzer mit Hartha Eggerth. Rolf t. Goth.— Slims Pariser Abenteuer.— Jugendl. heben Zutritt W. ab 5 Uhr. S. ab 3 Uhr. Turmstraße 12 Wilsnacker Str. 63. Straßen der Weltstadt(Ein spannender KriminaltonfilmX— Lachendes Leben W. ab 5 Uhr. S. ab 3 Uhr. Alexanderstraße 39-40 (Passage) Tom rechnet ab mrt Tom 3Iix. — Das blaue Licht mit Leni Riefenstahl.— Jugendliche Zutritt Den ganzen Tag geöffnet. S. ab 3 Uhr Eunterj'en linden � Die Kamera undendi4 W. 5. 7, 9 Uhr. S. 3. 5, 7, 9 Uhr Iwan der Schreckliche(Sklaven haben keine Flügel).— Gutes Beiprogramm.— Tonwoche c Friedrichstadt Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße) 9. 12, 3. 6, 9 Uhr Der Glöckner von Notre Dame mit Patsy Ruth Miller, Norman Kerry u. a-— Regie: Wallace Worsley 10.30. 1.30, 4.30, 7.30, 10.30 Uhr Vater �eht auf Reisen mit Hans Waßmann Neueste Tonbild-Reportage Westen Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr Frau Lehmanns Töchter mit Hansi Niese, Hertha Thiele, Else Elster, Fritz Kampers W. 5.15. 7.15, 9.15 Uhr. S. ab 3.15 Uhr G Südwesten"fc Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. ab 6.30 S. ab 5 U. 2 Großtonfilme: Der keusche Josef mit Breesart, Liedtke.— Der Glöckner von Notrc Dame mit Lon Cheney fCnrfnrot w- 7' 9' Sl8 5' 7' 9 Uhr AUriUTSl stg. 3 Uhr: Jgd.-Vorst. Dorfslraße 22. Ecke Berliner Straße Die Flucht von der Teufels- insel mit Ronald Colman.— Tonbeiprogramm Tilinli W. 6%, 9, S. 5, 6%,€ llVOll Stgs. 3 Uhr: JugendvorstclJ Berliner Straße 97. Der Sänger von Sevilla mit Ramon Novarro.— Da» Hau» bleibt rein.— Jugendliche Zutritt Marlendorf Ms* 1 Z Marlendorfer Wo. 7, 9. Tonlichtspicle So. 5. 7, 9 Chausseestr. 305. Der brave Sünder mit Max Pullenberg.— Bühne: Die große Schönheitsrevue„Lucio Relieh" Alhambra Tonlum Hauptstraße 30 2 Schlager; Ein Walzcrtraum mit Haurice Chevalier.— Ha- nuela(Liebesgeschichte). Titania Schöneberg Hauplstr. 49. W. 5. 7. 9 Uhr S. 3, 5, 7. 9 Uhr Die grausame Freundin mit Anny Ondra. Fritz Rasp.— Tonbeiprogr.— Tonwoche Jugendliche haben Zutritt Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinslraße 65. Bcg. 7. 9 Uhr. Sbd., Stg. 5. 7. 9 Uhr Die Lindenwirtin mit Käthe Dorsch, Bollmann, Schulz..— Tonbeiprogramm Wilmersdorf Ä Wochent. 7. 9�4 U AtriUm stg. 5. 7. 9�4 U. Kaiserallee. Ecke Berliner Straße Uraufführung: Der Hexer(Tonfilm nach Edgar Wallace) mit Fritz Rasp, Maria Solveg. Regie Carl Lamac.— Gutes Tonbeiprograram ■ St e g 1 1 1»» Titania-Palast Steglitz, Schloßsir. 5. EckeGutsmuthsstr. 2. Woche: Jonny stiehlt Europa mit Harry Fiel, Dary Holm, Alfred Abel. Regie: Harry Fiel Tonbeiprogramm— Tonwoche Jugendliche haben Zutritt c Zehlendorf-Mltte Beginn tägl. 5, 7. 9 Uhr Are II stg, 3 Uhr Jugendvorstell. Potsdamer Str. 56. Der Frechdachs mit Willy Fritsch, Camilla Horn.— Tonbeiprogramm G Oiarlottenburg W German ia-Pa last Charloltenburg. Wilmersdorf er Str 53/54 Wochent. ab 5 Uhr, Sonnt, ab 3 Uhr Die Flacht von der Teufelsinsel. Kant-Lichtspiele Kantstr 54(an der Wilmersdorfer Str.) Di© Koffer des Herrn O. F. mit Alfred Abel.— Gassenhauer mit Ina Albrecht, Willi Schaeffers W. ab 5 Uhr, S. ab 3 Uhr. Schlüter- Theater f"'™. 9 u. Schlülcrslr. 17. Stg. 3 Uhr: Jugd.-V. Die lustigen Weiber von Wien mit Lee Parry, Willy Forst.— Leutnant warst du einst... mit Hady Christians ■ Moabit» A/ Wochent. ab 6 Uhr ATluSROT Sonntags ab 5 Uhr Perlcberger Str. 29 2 Tonfilme: Einer Frau muß man alles verzeih n mit JI. Paudler. Schulz.— Bockbierfest mit Ida Wüst.— Tonwoche Luisen-Theater 1:!b t'u. Reichenberg er Str- 34. Ein Lied, ein Kuß, ein Hödel mit Fröhlich. Eggerth Die große Liebe mit Hansi Niese Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast ��5�. Köpenicker Straße 12—14 Liane Haid. W illy Forst in der Tonfilm-Operette Der Prinz von Arkadien Bühnengastspiel: Dücker der beste Musical-Clown Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beg. 5. 7. 9 Uhr Die 3 von der Tankstelle mit Willy Fritsch, Lilien Harvey Beiprogramm Ab Montag: Der blaue Engel mit Marlene Dietrich.— Beipr. W Mercedes-Palast IKt'tl Herraannstr. 213. Die grausam© Freundin mit Anny Ondra.— Der Wilddieb (Im Banne der Berge) mit Elga Brink.— Jugendliche Zutritt Primus-Palast Am Herraannplalz, Urbjinstr 72/76. Die grausame Freundin mit Anny Ondra.— Der Wilddieb (Im Banne der Berge) mit Elga Brink.— Jugendliche Zutritt Treptow Treptow-Sternwarte Sonnabend 8. Sonnlag 4. 6, 8 Uhr Die blaue Adria (Reisefilm nach Venedig) ■ 0'tcn■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochent. ab 6.30, Sonnt, ah 5 Uh? Großlonfilm: Tony v. Eyck in dem großen Tonlustspiel Kitty schwindelt sich ins Glück Der sensationelle Afrikatonfilm Entfesseltes Afrika Mit Lasso und Fangnetz durch Urwald und Steppe Luna-Palast sSSi�suhr Gr Frankfurter Str. 121. Liebeslied mit G. Fröhlich. R. Jlüller.— Bs war einmal ein Walzer mit Martha Eggerth, R. v. Goth.— Tonwoche Schwarzer Adler aIÄ W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr 2 Großlonfil ne: Hasenklein kann nichts dafür mit Jacob Tiedtke. — Fat u. Patachon: Schritt und Tritt.— Jugendliche Zutritt Viktoria-Theater s�tlu5 Frankfurter Allee 48 2 Tonfilme: Au» einer kleinen Fesidenz mit Lucie EngiUeh. — Das Scbicksal einer schönen Frau mit I/il Daxover ■ Heu-licli«enb«r|g_p Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70. W.%7. 9 Uhr. Stg 5. 7. 9 Uhr Kreuzer Emden(ein Heldenepos der Marine) mit W. Fütterer.— Tonbeiprogramm.— Jugdl. Zutr. Vinn Rntrh Wochentags 6 Uhr IxluO DUSCn Sonntags ab 5 Uhi Alt-Friedrichsfelde 3 Ein süßes Geheimnis mit Hansi Niese, Heidemann.— Galgenhumor.— Tonwoche Prenzlauer „Llysium AUee 56 Wochent. ab 6� Uhr. Sonnt, ab 4 LTir Die grausame Freundin mit Anny Ondra.— Flucht von der Teufelsinsel mit R Colman Flo ra-Lichtspiele Wochl. 5.45. ca. 7. 8.45. Stg. ab 3 Uhr Flucht von der Teufelsinsel — Die grausame Freundin mit Anny Ondra ■ w<"den■ Alhambra ÄÄl38- Wochent. ab 5 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr Straßen der Weltstadt(Ein spannender Kriminaltonfilm) mit Silvia Sidney.— Lachendes Leben Palast-Theater Breite Straße 21a. Eine Nacht im Paradies mit Anny Ondra, Herrn. Tbimlg.— Vampyr W. 7, 8.30 Uhr. Sonnt, ab 4.30 übr. (Beilage Freitag, 22. Juli 1932 ZkrÄbniö SfuUauigaße da YuvräfL Von Botha zu Hertzog Die Geschichte Südafrikas Von Dr.j.Aiony-Kapstadt 1. Die Regierung— imperialistisch/ General Tmuts. Als Botha 1919 starb, folgte ihm General S m u t s in der Leitung der Regierung, nachdem er schon früher dessen verschiedenen Ministerien als Mitglied angehört hatte. Von Hause aus Jurist, bekleidete er in jungen Jahren bereiis das Amt eines Staatsanwalts in der Transoaal-Republik. Im Burenkrieg zeichnete er sich be- sonders durch Organisierung des Guerillakrieges in der Kapkolonie aus, wobei er den Engländern fast zwei Jahre lang viel zu schassen machte. Während des Weltkriegs war er zunächst Armee- führer in Deutsch-Südwestafrika, gehörte dann dem britischen Kriegsrat an und nahm zuletzt an den Versailler Friedens- Verhandlungen teil. Vor einigen Jahren versuchte er sich auch durch Veröffentlichung eines umfangreichen Werkes als philo- sophischer Schriftsteller. Ohne Zweifel eine starke Persönlichkeit von umfassendem Wissen, scharfem Verstand und großem Weitblick. Enge Freundschaft, die durch gemeinsames Zusammenwirken und gegenseitiges Aufeinanderwirken zum Ausdruck kam, hatte Botha und Smuts lebenslang miteinander verbunden. Es dürfte deswegen kaum möglich sein, den beiderseitigen Anteil an ihrem Gemeinschaftswerk näher abzugrenzen. Hier hörte ich oft die Mei- nung, daß i« ihrem Verhältnis geistiger Wechselbeziehungen Smuts eher der Gebende denn der Empfangende war. Es war, sagte mir mal einer, wie es in der Bibel von Moses und Aron heißt, daß ersterer die Anregungen gab, letzterer sie zur Ausführung brachte. Allein Aron hat auch das goldene Kalb geschaffen. Und in diesem Falle wäre es selbst mit Mosis Zustimmung geschehen... Smuts wurde so der Prophet des Kapitalismus, wurde der Apostel imperialistischer Politik, wurde Künder und Bahner weltwirtschaftlicher Beziehungen für die süd- afrikanische Union. Das war der Grundgedanke, der die Politik des Landes bestimmte und der Regierung für ihre Maßnahmen als Richtschnur diente. Auch Arbeiterpolitik und soziale Gesetzgebung hatten der Idee ihren Tribut zu zahlen. Nicht wesentlich anderer Tendenz war aber auch die Wirt- schaftspolitik Englands in Südafrika. Wir sehen daher, wie das britische Element in der Union die Verfolgung eines eigenen poltki- schen Programms allmählich ganz aufgibt. Die einzelnen Gruppen und Organisationen schwinden dahin oder scharen sich um die „Südafrikanische Partei", in der sie schließlich völlig aus- gehen. Gewiß hatte die Partei auch noch ihre zweite, die sog. „nationale" Aufgabe— Schutz des Burenelements—, die sie sorgfältig im Auge behielt. Allein durch den Einfluß des immer mehr erstarkenden britischen Flügels einerseits und durch das Aufkommen einer sich immer mehr geltend machenden nationalen Opposition andererseits ist die Partei— eher erzwungen denn freiwillig, wie mir scheint— nach un�) nach vollständig ins imperialistische Fahr- wasser hineingeraten. Jetzt darf die Südafrikanische Partei ganz als Vertreterin großkapitalistischer Inter- essen gelten. 2. Die jetzige Regierung— rein nationalistisch I General Hertzog. Die Opposition, deren wir eben Erwähnung taten, begann sozusagen als eine Art„P a l a st r e v o l u t i o n". General Hertzog, damals selbst Justizminister, war in vielen Punkten mit der Haltung der Regierung nicht einverstanden und gab dieser seiner Meinung in einer Rede, die er gegen Ende des Jahres 1912 hielt, unzweideutigen Ausdruck. Als er der Aufforderung Bothas, zu demissionieren, sich nachzukommen weigerte, löste dieser sein Ministerium auf, bei dessen Neubildung er dann Hertzog von der Regierung ausschaltete. Dies aber gerade gab letzterem Nimbus und verlieh ihm Ellenbogenfreiheit im Handeln: und er ging und schuf— die Nationalistische Partei. Wie Smuts als Jurist ausgebildet, nahm Hertzog schon in jungen Jahren eine der angesehensten Richterstellen im Orange- steistaat ein. Während des Burenkrieges legte er vor allem in der Führung des Guerillakrieges große taktische Geschicklichkeit an den Tag. Von gleich großer Geschicklichkeit erwies er sich auch bei den Friedensverhandlungen, wodurch er nicht wenig zur Beilegung der Feindseligkeiten beitrug. Wegen seiner politischen Einstellung ist es im Weltkriege freilich weder durch die eng- lische noch durch die Landesregierung zu einer angemessenen Ver- wendung seiner Person gekommen. Desto mehr widmete er sich der neuen Partei, die fortan die Führung der Opposition im Parlament innehatte. Wie Smuts eine intellektuelle, so ist Hertzog eine vorwiegend ethische Natur: und wie jener in seinem Handeln wesentlich opportunistisch erscheint, so zeigte sich dieser in allem, was er tut, vorzüglich von prinzipiellen Erwägungen geleitet. Bei Hertzog geht alles mehr ins Tiefe, fast ins Grüblerische mit einem leisen Anstrich des Mystischen.(Aus seiner deutschen Abstammung läßt sich vieles in seinem Wesen erklären.) Die Erlebnisse des Krieges hat er nie vergessen, nie verwinden können. Er weiß sich ganz als B u r: ist daher auch in Fragen des Imperialismus stets auf dem äußersten liiken Flügel zu finden. Und es war auf sein Betreiben, daß dem britischen Imperium der neue Name„Lommon�eoltd ok Kations" (Nationenstaat) beigelegt wurde, um dadurch die Unabhängig- keit der Dominions vom britischen Mutterlande stärker und drastischer als bisher zum Ausdruck zu bringen. Bei den Wahlen'1924 endlich errangen die Nationalisten einen Sieg, der sie an die Regie- rung, die Südafrikanische Partei in die Oppo- sition brachte. Numerisch bildete die Südafrikanische Partei auch jetzt noch die stärkste Gruppe im Parlament. Aber die Natio- nalisten verbanden sich mit den A r b e i t e r v e r t r e t e r n, denen sie drei Ministerposten(für Landesverteidigung, Arbeit, Post und Telegraphie) überließen. Dies alles geschah, nachdem speziell in Fragen des Arbeitslohnes und der Arbeitszeit von nationalistischer Seite großes Entgegenkommen an den Tag gelegt wurde. Die letzten Wahlen, 1929, sicherten den Nationalisten sogar die absolute Mehrheit in der Kammer. Der„Pakt" ist dabei zwar nicht ausgehoben, lediglich die Zahl der Arbeiterminister von drei aus zwei reduziert worden. Aber ideell vor allem hat sich das Verhältnis insofern verschoben, als die Arbciterminister jetzt nur noch einen geduldeten Bestandteil innerhalb einer nationalistischen Regierung bilden. Die Wunschäußerung, die Arbeitervertreter aus der Regierung am liebsten ausgeschieden zu sehen, kann man hier also häufig zu hören bekommen. Mit zäher Energie ist General Hertzog an die Durchführung seines Programms gegangen. Was er kulturell für die Pflege der Burenart getan hat, soll hier, wo wir vornehmlich von poli- tischen und wirtschaftlichen Dingen zu handeln haben, nicht weiter dargelegt werden. Politisch hat er die Union auf dem Wege staatlicher Selbständigkeit einen wichtigen Schritt weiter gebracht. Er gab ihr eine eigene Flagge, das Symbol der Unabhängigkeit, ernannte eigene Wirtschaftsvertreter und diplo- matische Agenten in verschiedenen Ländern und schloß mit mehreren Staaten eigene Handelsverträge ab. Im gesamten Imperium hält, wenn ich nicht irre, die Union allein noch am Goldstandard fest, und letzthin ist dem Parlament eine Gesetzesvorlage zugegangen, die auf die Einführung einer vom Pfundsystem ganz abweichenden neuen Münzordnung abzielt. Oekonomisch wiederum ist vieles zur Hebung der Land- Wirtschaft und zur Besserung der Lage der Farmer unternommen worden. Durch Einführung von Schutzzöllen ist serner die Be- gründung von Industrien begünstigt worden. Schutzzölle schaffen freilich keine Exportindustrien. Aber nicht der Weltmarkt, sondern der Inlandsmarkt interessiert vor allem unsere Regierung. Seine Häute und Wolle soll der Farmer, statt sie ins Ausland zu schaffen, den Fabrikanten am Platze verkaufen, die ihm bessere Preise zahlen, außerdem selber wie ihre gut entlohnten Arbeiter wertvolle Ab- nehmer seiner weiteren Produkte, wie Milch, Butter, Fleisch, sein werden. Der gut bezahlte Arbeiter— und nirgends vielleicht wird der Arbeiter so gut bezahlt wie hier— entspricht also ganz der wirtschaftspolitischen Richtung der Regierung. Deswegen konnte es auch zu dem früher geschilderten„Pakt" mit den Arbeiter- Vertretern kommen. So ist der Kampf zwischen dem Imperialismus und Nationalis- mus in Südafrika seinem innersten Wesen nach weniger ein Kampf zweier verschiedener Rassen als vielmehr ein Kampf zweier ver- fchiedcncr Wirtschaftssysteme, deren Träger allerdings zwei verschiedene Völkerschaften sind: es ist der Kamps zwischen Stadt und Land, der Kampf zwischen internatio- nalem Warenaustausch und selb st erzeugendem Bauerntunm, der Kampf zwischen Welt- und Staatswirtschaft. Im Maestral vor Molunat Zweiter Bericht einer Faltbootfahrt � Von Erwin Fr ehe Jlooi Bar(Montenegro), Mitte Juli. Wer im Faltboot die Adria abwärtes fährt, muß den Mas- stral, den Rückenwind, lieben und dem hemmenden Scirokko gram sein. Oft, wenn der haltgebietende Südwind seine wilden Wogen über mein kleines Boot stürzte, habe ich sehnsüchtig den Kopf gewandt und nach der vorwärtsschiebenden Kraft des Mae- strals Ausschau gehalten. Aber er kam selten in diesen Wochen— ein begehrter, doch zumeist ferner Freund. Als mir deshalb bei meiner Ausfahrt von R a g u s a. an einem Morgen voll tiefer Bläue, ein kroatischer Bekannter sagte:„Heute werden Sie Maestral haben", da schätzte ich mich glücklich, die Fahrt in Richtung Albanien unter so guten Vorzeichen zu beginnen. Fällt es doch sowieso schwer, nach einigen Ruhetagen, in denen man sich wie ein Seeräuber in Zivil vorkommt, die ungestüme Gewalt des Scirokko ohne Aufregung hinzunehmen. Herrlicher Maestral! Ich konnte es kaum erwarten, auf See hinauszukommen. Traumhast begann der Tag. Sacht glitten die Wogen' an das Boot, hoben es hoch und trieben es wiegend weiter, Welle folgte auf Welle, sv daß keine Erschütterung zu bemerken war. Das Paddel hatte nur noch die Aufgabe, den Schwung der fallenden, treibenden Woge zu verstärken. Horizonttief dehnte sich die blaue Ebene des Meeres, inanchmal taumelten fern Segler wie sommer- liche, helle Falter vorbei. Still« lagerte über dem leuchtenden Wasser. Nur die aufprallenden Strandwogen gaben einen leisen Ton, der unwirklich durch das Schweigen klang. Wer fast jeden Tag mit dem Meer Krieg führen muß, weiß um die Seligkeit solcher Stunden. Ich verzichtete auf die Mit- arbeit des Paddels, streckte mich halb im Boot aus und überließ mich meinen Gedanken. Die Flut arbeitete ruhelos weiter, sanft trug sie das Schiff. Schließlich schloß ich schlaftrunken die Augen, ermüdet von Sonnenwärme und der steten Sicht auf das sunkelnds Meer. Plötzlich liehen mich die Spritzer einer Well« auf meinem Ge- ficht ausschrecken. Wieviel Zeit war vergangen? Weithin hatte sich dag Weer verändert. Zwar wehte noch immer Maestral, ober seine Wogen glichen denen des Scirokko. Blendende Schaumkronen beschien die Sonne. lieber das Hinterschlss prasselte fallender Gischt. Nun, diese Veränderung bekümmerte mich nicht weiter, denn je stärker der Maestral stürmte, desto schneller kam meine Barke weiter. Wenn«s auch«igenartig für mich war, ihn, der sich bis jetzt immer nur lind und bescheiden gezeigt hatt«, so entfesselt zu sehen— es schien mir eine ungewohnte Freude, so durch die flinken Wellen hinzujagen. Bald aber faßte mich ein ungläubiges Erstaunen. War dies das wahre Antlitz des Maestrals? Märchenhaft hatte ich ihn im Gedächtnis—, nun schien er in männlichem Feuer aufzuleben. Höher und höher wurden die Wogen, sie sausten nicht nur über das Hinterschiff, sondern auch über die Seitenborde, dicht unter meinen Armen, dahin. Mit leichtem Gruseln entsann ich mich solcher Wellen im Scirokko, die prallend über das Boot hergefallen waren. Im Vergleich zu solcher Situation erschien meine Lage beneidenswert. Ja, aber der Tanz begann erst! Noch immer wuchsen die Wogen, das kleine Schiff schoß mit der Geschwindigkeit eines Motorboots durch Schaum und sinkendes Wasser. Einige Kilometer ins Meer hinaus standen zwei Segler im An- stürm des Maestrals, ich sah, wie sie in den Wogen untertauchten und sich wieder hoben, die Schifssflanken von weißem Gicht über- flogen. Sie bäumten sich wie Tiere gegen den Sturm und kamen doch nicht von der Stell«, indessen mein Boot mühelos seinem Ziel zueilte. Jäh verwandelte sich die Situation. Die Wogen erreichten in kurzer Zeit eine Höhe, wie ich sie an der Adria noch nicht erlebt hatte. Nun ist es zwar sehr angenehm, von der reißenden Woge im Augenblick zehn Weier weit geschleudert zu werden, aber bei diesen Galoppaden fiel der Kamm der mich tragenden Welle nicht nur regelmäßig brausend über das hintere Schiff, sondern überschüttete auch mich. Ich war längst durchnäßt — das wird man auf der Adria gewohnt—, als mir der Gedanke kam, daß der ersehnte Maestral eine Gefahr bedeute. Zuerst wehrte ich mich gegen solche Einsicht. Was, etwa eine Notlandung vor dem Maestral? Das kam mir dumm vor. Man kann nicht so schnell vor jemand fliehen, den man geliebt hat. Aber als ich mich etwa eine Viertelstunde znzischen diesen riesenhaften Wogen gehalten hatte, da war die Umstellung vollzogen. Zischend zog mich die Welle hoch, hielt die Barke eine winzige Zeitspanne aus dem Grat und warf mich daraus sausend hinunter. Das war schon lange kein Vergnügen mehr... Jede Welle hinter mir wollte das Boot querdrehen: das will jede Woge. Um das zu verhindern, mußte ich wild paddeln, eine Vorwärts- bewegung durch das Ruder selbst schien in diesem Treiben lächerlich. Mit unheimlichem Rauschen wuchteten die Schaumkronen hinter und über mir heran. Eine Sekunde drehte ich den Kopf herum, spähte nach oben, nach dem voraussichtliche» Fall des weißen Wogenhauptes, und suchte das Boot entsprechend zu drehen. Stand es in gerader Richtung zur anwandernden Welle, so riß sie mich auch sofort nach oben, dann erblickte ich kurz den von Schaum um- flossenen Saum des Landes, die stampfenden Segler— und fuhr in rasendem Zug in die Tiefe. Mich faßte ein Grauen vor dieser Sekunde zwischen den dunklen Wogenwänden, es benahm mir den Atem, ich wünschte toll im Licht zu sein! Aber wie lange kann eine Sekunde dauern...! Fuhr ich dann von dem Wogenkamm hinunter, so schien mich das tobende Wasser in eine Gruft zu ziehen, in das beängstigende, sichtlose Grab zwischen zwei Wellen. Wie von einer Schaukel geschleudert kam ich hoch und verschwand wieder. Kein besserer, die ganze Wirklichkeit wiedergebender Vergleich ist denkbar. Aber während man in der Luftschaukel das Gefühl der Sicherheit hat, blieb hier alles dem Glück und meiner Entschluß- kraft überlassen. Immer wieder wandte ich den Kopf, dem hellen Knistern der brechenden Woge zu—, wütete immer wieder mit dem Paddel in das strömende Wasser.... Ruhig und unbeirrt arbeitet der Instinkt: sein Tun kann der Verstand nur nachträglich sanktionieren. Gedanken hemmen seine präzise Arbeit. Während ich nach schnellem Rückblick sofort handeln mußte, huschten mir überflüssige Gedankensplitter durch den Sinn, etwa:„Jetzt werden sie zu Hause Kaffee trinken", oder„Wenn mir doch mal alle Freunde schreiben möchten, damit ich einen großen Stoß Post bekäme". In solchem Augenblick geschah die„halbe" Katastrophe. Ich hatte das Boot nicht mehr herumbekommen, es stand schräg zur Welle, die außerdem nicht gerade, sondern halb- rechts heranbrauste. Sie warf mich quer bis zu ihrer halben Höhe nach oben, dann brach sie, wie ich sagen möchte, in der Mitte aus- einander: die halbe Woge stürzte über mich und das Boot. Es wurde jäh Nacht. Aber der Instinkt war auf seinem Posten. Noch ehe die ganze nasse Ladung die Barke unter sich begrub, lag meine Hand an der Spritzdecke, bereit, sie in einem Zug auf- zu reißen, hinauszuspringen und zum Ufer zu schwimmen: doch in einer kleinsten Zeitspanne wurde die Situation aus instinktivem Wissen heraus anders beurteilt. Kaum tauchte das Schiff wieder auf, da griff ich v o r n zur Spritzdecke, hob sie, daß das Wasser ab- strömt«, und schüttelte mich selbst wie ein Pudel. Es blieben bis zur nächsten großen Welle drei bis vier Sekunden Zeit. Und ich kam wieder hin! Zwar lagen meine Füße und Schenkel in dem eingedrungenen Wasser, aber das war nicht zu ändern. Wäre der„geordnete Rückzug" vor meinem Freund, dem Maestral, möglich gewesen, wie gern hätte ich ihn ausgesührt! Mein Auge suchte die weißbekränzte Felsküste ab— nur eine enge Oesfnung, drei Meter... Da öffnete sich «ine kleine, aber nicht übersehbare Bucht. Dort hinein?! Es schien ein gewagter Ausweg, denn jetzt mußte ich dort irgendwo landen: keinen Meter hätten mich die Maestralwogen zurück- gelassen. Und wenn die Bucht von Steilfelsen eingefaßt war! Ich brüllte jauchzend, erlöst— dort in der letzten Ecke glänzte ein Haus— was schreibe ich: eine elende und doch herrliche Hütte, vor der Fischer Netze flickten. Die ganze Mann- schaft eilte herbei, harte Fäuste halsen bei der Landung. Ich taumelte, mein Rücken wollte sich nach dem langen Sitzen nicht straffen, zwei Fischer faßten unter meine Arme. Benommen stützte ich mich. Land, wunderbar, fester Grund war unter mir! „Kinder", sagte ich, fester um ihre Schultern greifend,„ein ehr- licher Scirokko ist mir doch lieber als ein falscher Maestral." Sie lächelten gutmütig. „Molunat", sagte einer und wies den Berg hinauf. „Ach ja, ihr versteht ja nicht", rekapitulierte ich yind sank, mich langsam streckend, auf einen grünen Grasslecken. Wie durch wallende, webende Schleier nahm ich wahr, daß sie mein Boot weiter auf den Strand zogen, Arbeiter-Rasenspiele Fußball und Handball Nur noch wenige Serienspiele und die Frühjahrsrunde der Fußballer ist unter Dach und Fach. Das Hauptinteresse finden am kommenden Sonntag die Spiele im zweiten Bezirk. In Pankow. auf dem Sportplatz in der Kissingenstraße, erwartet Adler 08 die Leute von Saxonia. Wenn auch mit einem sicheren Siege Adlers gerechnet werden kann, so wird Saxonia den Pankowern doch eine harte Nuß zu knacken geben.— In Reinickendorf, Sportplatz Scharnweberstraße, erhält Eintracht chansa 31 zum Gegner. Die Hanseaten müssen mit stärkster Mannschaft antreten, wollen sie gewinnen. Gerade auf eigenem Platz ist Eintracht immer schwer zu schlagen. Um die Führung im vierten Bezirk geht es in Teltow. Hier stehen sich die Teltower Freie Sportvereinigung und Luckenwalde I gegenüber. Beide Mannschaften haben erst einen Verlustpunkt zu verzeichnen; der Sieger in diesem Tressen ist der Bezirksmeister- schaft sehr nahe gerückt. Die Teltower, die den Vorteil des eigenen Platzes für sich haben, werden auch im allgemeinen an der Spitze erwartet. Die Luckenwalder werden sich aber die Gelegenheit, wieder an den Meisterschaftsspielen beteiligt zu sein, nicht entgehen lassen.— Auf dem Sportplatz in der Normannenstraße erwartet Lichtenberg II den Besuch von Schöneberg mit zwei Männermannschaften. Die Lichtenberger haben bei ihrem Turnier gezeigt, daß sie über gutes technisches Können verfügen. Weitere Spiele: Friedersdorf gegen Storkow; Lichtenberg I gegen Hoppegarten; Kagel gegen Werlfee; Kaulsdorf gegen Mahls- dorf; Herzfelde gegen Frohe Stunde; Zehdenick gegen Pankow; Spandau 25 gegen Potsdam; Staaken gegen Butab; Werder gegen Eintracht-Spandau; Elstal gegen Nowawes; Brandenburg gegen Kirchmöser; Süd gegen Fohrde; Altbensdorf gegen Schollene; Fichte gegen Luckenwalde V; Rot-Weih gegen Luckenwalde II; Treuen- brietzen gegen Luckenwalde III. Zugendmannschaflen: Minerva gegen Eintrocht-Reinickendorf; Lichtenberg I gegen Borsigwalde; Fortuna gegen Wilmersdorf: Teltow gegen Hansa 31; Adler gegen Nowawes; Staaken gegen �nplenoerg i gegen Durpgwuwc; tfouuiiu gegen xuuiii»9uui|. Teltow gegen Hansa 31; Adler gegen Nowawes; Staaken gegen Normannia.— Schülermannschaften: Werlfcc gegen Adler; Fortuna gegen Hansa 31; Minerva gegen Nowawes; Spandau gegen Nor- mannia; Zossen gegen Cladow: Lichtenberg I gegen Lichtenberg II: Saxonia gegen Köllnische Heide; Schöneberg gegen Wilmersdorf. Leginn der Spiele: Erste Männermannschaften 17 Uhr. Vorher untere Mannschaften. Jugend- und Schülermannschasten 10 bzw. 11 Uhr. Zpielßeiucke ASV. Borsigwalde 3 2 sucht.für Sonntag, 24. Juli, Spiele für zwei Mannschaften auf Gegners Platz. Angebote Freitag ab 20 Uhr unter Tegel 2061.— Hansa 31 sucht zum Sonnabend Gegner für zwei Männermannschaften auf eigenem Platz. Anrufe heute ab 10 Uhr unter O 6, Wedding 2465.— Der Berliner Fußballklub Nord sucht ebenfalls zum Sonnabend spielstarken Gegner auf eigenem Platz. Telephon Vineta 1201 täglich ab 10 Uhr. — Für seine zweite und dritte Männermannschaften sucht A d l e r 08 laufend'Spiele. Angebote an H. Totzeck, Pankow, Spiekermann- straße 3, oder telephonisch Pankow 4986. Oer Besuch aus England Genossin Wilkinson bei den Freien Seglern Die Abae sandte der British Lobour Party, Genossin Ellen Wilkinson, besuchte wahrend ihrer Anwesenheit in Berlin den Sportplatz des Wafsersport-Verein 1021 in Carolinenhof. In der Begrüßungsansprache an die zahlreich versammelten Sportler hob die englische Genossin hervor, daß sie das Bedürfnis habe, bei ihrer Anwesenheit in Deutschland auch«inen Einblick in das Leben und Treiben der Woffersportoereine zu bekommen, die dem F r e ie n Segler-Verband angeschlossen sind. Es freue sie ganz besonders, bei den Wassersportlern Einrich- tungen kennen gelernt zu haben, die davon zeugen, daß es die organisierte Arbeiterschaft trotz Rot und Arbeitslosigkeit verstanden hat, sich in ihren Sportvereinen Einrichtungen zu schaffen, die nach jeder Richtung hin als Förderstätten der Aoiksgesundheit und der Kultur anzusprechen wären. Deshalb fei es auch verständlich, daß die Arbeiter-Wassersportler geschlossen in der Eisernen Front dagegen ankämpfen, daß ihre im Zeichen der Freiheit geschaffenen Organisationen von der Reaktion nicht niedergeknüppelt werden. Die englischen Arbeiter hätten volles Berstöndnis für die Schwere des Kampfes, den die deutschen Männer und Frauen jetzt zu führen haben. Hin den Kampfgeist der deutschen Männer und Frauen zu stützen, überbringe sie die Grüße der englischen Arbeiterpartei und als sichtbares Zeichen für die Verbundenheit eine„lirrle llsxx" in den Farben der englischen Arbeiterpartei init der Inschrift:„Für euch deutsche Kameraden! Britische Arbeiterpartei." Nach herzlichen Dankeswortcn des Vorstandes wurde der Ge- nossin Wilkinson der Freundschaftsstander des WSV. 1021 überreicht. Auf einem schnell flottgemachten Motorboot wurde eine Rundfahrt zu den übrigen Sportplätzen des Freien Segier-Verbandes angc- treten, die mit der Besichtigung der Dauerzeltstadt der freien Kanu- fahrer ende"? Lcducq vor Siöpel bitte Etappe der Tour de France Nach einem Ruhetag in Nizza, dem letzten während der ganzen Fahrt, wurde die Tour de France am Donnerstag mit der 11. Etappe von Nizza nach Gap über 233 Kilometer sortgesetzt. Gleich nach dem Start ging es steil hinauf in die wild zerklüfteten Berge der Seealpen, und schon nach 100 Kilometer wurde auf dem Calle Saint Michael eine Höhe von 1505 Meter über dem Meeres- spiegel erreicht. Hinter der Kontrolle Colmars begann dann der gefürchtete Anstieg zum 2250 Meter hohen Col d'Allos. Bei der gefährlichen Steilabfahrt von dieser Höhe tat der Italiener Di Piaco einen bösen Sturz. Er blieb besinnungslos liegen, wurde aber von den Insassen eines Begleitautos wieder zum Bewußtsein gebracht und ins Krankenhaus von Barcelonnette übergeführt, wo er mit erheblichen Verletzungen daniederliegt. Eine ausgezeichnete Rolle spielte aus dieser ausgesprochenen Bergetappe der Italiener Camusso, der sich schon am Dienstag in den Bergen bei Nizza als großer Bergfahrer entpuppt hatte. An dritter Stelle der Gesamtwertung liegend, war Camusso gegen Leducq mit 5:21, gegen Stöpel sogar nur mit 2:18 im Rückstand, und so versuchte er es am Donnerstag, sich in den Besitz des gelben Führertrikots zu setzen. Zusammen mit zwei Einzelfahrern machte er sich aus dem Staube und noch 60 Kilometer vor dem Ziel, in der Kontrolle Barcelonnette, betrug der Vorsprung der Ausreißer mehr als 2 Minuten. Die drohende Gefahr erkennend, ging Stöpel. von seinen Kameraden vorbildlich unterstützt, energisch an die Ver- fosgung, Leducq und andere schlössen sich an. Zwanzig Kilometer vor dem Ziel waren die Flüchtlinge endlich eingeholt und schließlich rüsteten 27 Fahrer in Gap zum Endspurt, bei dem es für Stöpel leider wieder nur zum zweiten Platz langte. Er wurde von seinem großen Rivalen Leducq mit zwei Längen geschlagen, und durch die Zeitgutschriften von 4, 2 und 1 Minute für die drei Erstplacierten jeder Etappe hat sich der Abstand zwischen Leducq und Stöpel um zwei Minuten wieder auf 5:13 vergrößert. Andererseits ist aber auch der Absland zwischen Stöpel und Camusso wieder aus 4:08 angewachsen. Von den übrigen Deutschen endeten Thierbach, Geyer, Ilmbenhauer und Max Bulla mit in der Spitzengruppe, während die anderen keine allzu großen Zeitverluste erlitten. Nach der Beendigung der Fahrtetappe gab es am Ziel noch ein kleines Nachspiel, da es beim Endspurt offenbar in der deutschen Mannschaft nicht ganz reell zugegangen war. Auf eine Be- schwerde des Belgiers Bonduel wurde der an zweiter Stelle hinter Leducq eingekommene Deutsche Kurt Stöpel auf den 6. Platz, den die große Gruppe gemeinsam einnimmt, distanziert und Bonduel .Sturmvogel" unter dem Dreipfeil Drei Pfeile sind das Einheikszeichen, vor dem die Hazihorden weichen! Nicht abseits stehn! Parole: Ran! Legt alle die drei Pfeile an! selbst auf den zweiten Platz gesetzt. Der ebenfalls dem deutschen Team angehörende Max Bulla, der durch einen guten Stoß zur rechten Zeit seinem Kameraden Stöpel zum zweiten Platz im Spurt verholfen hatte, erhielt von der Rennleitung eine Strafe von drei Minuten, die seiner Gesamtzeit zugezählt werden, und außerdem eine Geldbuße von 100 Franken. Stunden-�Weltrekord abermals verbessert Der am Mittwoch auf der Pariser Prinzenparkbahn von dem Engländer Harry G r a n t mit 83,066 Kilometer ausgestellte neue Stundenweltrekord hinter Motorführung mit 60-Zenti- meter-Rolle war nur von kurzer Dauer, denn knapp 24 Stunden später gelang es dem französischen Dauerfahrer C o n st a n t, den Weltrekord auf 85,650 Kilometer hinaufzuschrauben. Aus dem Ring Eine neue Weltrangliste Eine neue W e l t r a n g l i st e im Boxen, abgeschlossen am 30. Juni, ist von der National Boxing Slssociation von Amerika veröffentlicht worden Den ersten Platz unter den Schwergewichtlern nimmt jetzt Weltmeister Jack S h a r k e y ein, als zweiter folgt Mar S ch m e l i n g vor Ernie Schaaf, King Levinfki, Stanley Poreda, Mickey Walker, Primo Carnera, Max Baer, Poung Stribling und Steve Hamas. Die Liste der Halbschwergewichtler führt Weltmeister George Nicholls an vor Maxie Rosenbloom und dem Europameister Adolf Heuser. In der Mittelgewichtsklasse stellt die amerikanische Behörde noch immer den Neger Gorilla Jones an die Spitze vor Dave Shadc, während Weltmeister Marcel Thil erst an dritter Stelle folgh In den übrigen Gewichtsklassen haben sich die Spitzengruppen gegen die letzte Liste kaum oerändert, sie lauten: Weltergewicht: Jockie Field?(Weltmeister), Lou Brouillard, Poung Corbctt; Leicht- gewicht: Tony Canzoneri(Weltmeister), Al. Foreman-England, Tony Hercra: Federgewicht: Freddy Miller, Ariemendi, Lou Feld- man; Bantamgewicht: Al. Brown(Weltmeister), Pete Sanstöl-Nor- wegen, Dick Corbett: Fliegenwicht: Poung Perez(Weltmeister), Jackic Brown-England, M. Wolgast. Der italienische Boxriese Prima Carnera scheint erheblich nachgelassen zu haben. Bei seinem Kampf mit Jack Groß in New- Parker Ebbetssield Stadion benötigte er sieben Runden, um seinen nicht mehr jungen Gegner für die Zeit auf die Bretter zu legen. Für die Stadt Marseille hat der große Skandal, der sich unlängst beim Weltmeisterschaftskampf zwischen den Bantamgewicht- lern Al. Brown und Kid Francis abspielte, recht unangenehme Folgen gehobt. Der französische Verband hat nämlich beschlossen, bis auf weiteres die Austragung von Meisterfchaftskämpfen in der südfranzösischen Hasenstadt zu verbieten. Die Richter entschieden bekanntlich in Marseille„No contest",„kein Kamps", aber trotzdem wird sich der Boxweltverband noch mit der Angelegenheit beschästigen und eine endgültige Entscheidung treffen, ob Al. Brown seinen Weltmeistertitel behält oder nicht. Norwegische Veranstalter planen für den 18. August in Oslo einen Kampf zwischen Schwergewichtseuropameister Pierre Charles und dem Norweger Otto von Porat. Sollte der Belgier nicht ein- willigen, so ist der Bochumer Schwergewichtler Walter Neusel als Ersatzmann vorgemerkt. Für das Lläserchor der Freien Turnerschasl Groß-Lerlin sind Genossen, die aus Liebe für Kunst Blasmusik ausüben wollen, will- kommen. Einige Instrumente, wie Baß, Piston stehen noch zur Ver- fügung. Die Uebungsabende finden jeden Donnerstag, 20 Uhr, im Restaurant„Gambrinus", Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. 36, Ecke Treptower Straße, statt. Schriftliche Auskunft erteilt Hans Haß, Neukölln, Flughafenstr. 19. Buudest&uc\/eceiuc iäict* uäi: Altcrsricgc» 1. fttci«. Bundeefahrt am 4. September nach Wildpark- Caputh. Teilnehmerkarten jeht schon abholen von den bekannten Stellen. Preis für Eisenbahn, Tampser und Mittagessen 3.20 M. Touristenverci»„Die Retursrcunde". Freitag, 22. Juli. Photo,»Arbeits- gcmeinschaft Franke: Iohannisstr. IS, Dunkelkammer.— Photo-Arbeitsgemein- schaft Neukölln: Bergstr. 29.— Photo-Arbeitsgemeinschaft Osten: Franksurter Alice 307.— Faltbootabteilung: Johannis str. 15: Lustiger Abend tSchall. plattcn>.— Abt. Südost: Manteuffelstr. 7: Abendwanbcrnng.� Treffpunkt Sonne".— Treptow: Elscnstr. 3, am Bahnhof.— Montag, 23. 3uli. Mal- gcmeinschast: Manteufselstr. 7.— Photo-ötammabteiluna: Zohannisstr. 15: Technische Aussprache.— Gesundbrunnen, Spielaemeinlchast: Gotenburger Straße, rote Schule.— Fahrten Sonnabend, 23. Juli. Abt. Mitte: 23./24. Juli Droßbesten, Heidesee, Prreros. Abfahrt 17.32 Uhr Görlitzcr Bahnhos. Tressen in Kroßbesten. Führer: Budde. ? freier Sportverein„vorwärts" 31(früher Aöllnifche Seidel. Eitzungslokal: olln, Hertzbergstr. 22, bei Damm, Telephon:? 2 1630, sucht zur Bervoll- ständigung seiner Männer-, Jugend-, Schülermannschaften für Fußball noch Mitglieder. Sitzung jeden Freitag, 20 Uhr. Meldungen stehe oben. «rbeiter-Sportkeaeltlnb„BorwärtS". Trainingsabend jeden Freitag, 20 Uhr, Sporthalle Alexandrinenstr. 107. Gäste herzlich willkommen. Radfahrer„Solidarität", Ortsgruppe Berlin. Geschäftsstelle: Planufer 00. Touren für Sonntag, 24. Juli. Abt. streuzberg: Bötzfee über Alt-Landsberg, Start Zz� Uhr Rhode, DIeffenbachftr. 30.— Tiergarten: Wahlarbeit.— fahrer: Start 0 Uhr: Zugend: 23. Juli, 17 Uhr: beide atarts Petersburger Platz.— Neukölln: Badetour nach stuhle Wampe, Start St-, Uhr Hohenzollern- platz.— Wcißensee: Wahlarbeit.— Wilmersdorf: Wahlarbeit.— Schönebcrg: Große» Fenster. Start 0 Uhr Schmidt, Ebersstr. 10.— Charlottenburg: Teufel«. see bei Rehbrücke, Start 6 Uhr Reimer, Wilmersdorfer Str. 21.— Treptow- Baumschulenweg: Ziel am Start 0 Uhr?hf. Boumschulenweg.— Die zur 20 Uhr, Sitzung bei Ianetzkn, Seidelstr. 21. Freie Turnerschast Grotz-Berli». Alle Teilnehmer am Sportfest in Groß- ..... besten treffen sich Sonnabend, 23. Juli, 18 Uhr, Haupteingang Görlitzer Bahnho eBucfi Oskar ttlaria Qraf Oskar Maria Graf legt wieder drei neue Bücher vor: sein„Bayrisches Dekameron" in erweiterter Form, sein „Notizbuch eines Provinzschrift st ellers" und die „D o r f b a n d i t e n"(die ersten beiden im Zinnen-Verlag, Basel, das letzte im Drei-Masken-Verlag erschienen). Mit solcher literarischen Fruchtbarkeit vermag nicht einmal der Kritiker Schritt zu halten: er faßt darum alle drei Bände in einer Besprechung zusammen. Sie weisen ja auch olle die gleichen Vorzüge auf: die ungemeine Echt- heit der psychologischen Vorgänge, die Plastik der Figuren, die Geradheit der schriftstellerischen Mittel. Um dieser Vorzüge willen, die Gras zum Erzählen bayrischer Dorsschnurren und eigenen Jugenderlebens befähigen wie keinen zweiten unter den Lebenden, hat man ihn mit Ludwig Thoma verglichen. Auch dieser Vergleich hinkt wie jeder andere; Thoma hatte wirklich die viel gerühmte „Kenntnis der bayrischen Volksseele", Graf aber ist geradezu diese Volksseele selbst; er kennt sie so weit, als einer sich selbst kennen kann, und kann sich darum nicht betrachtend über sie stellen, wie Thoma das vermochte; so gibt er in seiner fast tapsigen Art der Darstellung zugleich mehr und weniger als Thoma in seinen anekdotisch scharf pointierten Novellchen. Wo er Stellung nehmen will zum Geschehen der Zeit, oder wo er über den Bauern zu schreiben unternimmt, bleibt er, trotz einer sympathischen Abwehr- slellung gegen alles Ueberkomplizierte, Snobistische und Verzerrte weit hinter dem Kulturkritiker Thoma zurück, wo er aber ohne jede Eitelkeit Dorsgeschehnisse berichtet oder heiteres und ernstes Erleben seiner Jugend im Hinschreiben nochmals zu durchleben scheint, da erreicht er eine Wirklichkeit des Dargestellten, die selbst Thoma hinter sich läßt. Deshalb find die„Dorsbanditen" das bei weitem Stärkste. Das„Tagebuch des Provinzschriftstellers" hingegen scheint mir eine Gefahr in Grafs Entwicklung aufzudecken: er beginnt, be- rühmt geworden, mit seiner Einfachheit zu kokettieren, er trägt sie an die problematischen Erscheinungen des Heute heran, nicht immer mit Glück— er überbetont feine Einfalt, er redet über sie, statt sie zu haben. Gewiß ist es eine Notwendigkeit für einen Schriftsteller, dessen Meinungen Geltung haben, den Fragen der Zeit nicht aus- zuweichen, und es zeugt für seine Fortentwicklung, wenn er es nicht tut; aber der im Roman vom Ehemännchen„Bolwieser" be- schrittene Weg ernsthafter, gefühlsmäßiger Gestaltung scheint mir fruchtbarer als das(welch furchtbarer Vorwurf für einen Bayern!) beinahe berlinerifch-fchnoddrige Drüberhinreden... Trotzdem bleibt auch im„Provinztagebuch" genug Belustigendes und Besinnliches. und gegen das„Bayerische Dekameron" können nur rettungslose Philister etwas haben; und da die„Dorfbanditen" wohl die zeitlich letzte Schöpfung darstellen, ist anzunehmen, daß Grafs Weg nach einigem Wackeln wieder gerade wird, was in dieser wackligen Zeit eine helle Freude ist: denn es ist der Weg eines ganz auhergewöhn- lich und sehr zeitnotwendigen Talentes. Herrmann �lostar. PLAZA Nähe Oebles, bhf. I 5u. 3u\Stgs. 2,5,81ÄÜ. I E 7 Weichsel 4031 1 Dertideie sauer S Rose- TRealer GroBe frankfurter StraSe 13/ Tel. Weiduil t 7 342. «.30 Uhr p. Der uiilKen Gartenbtlhne 5.30 Uhr Konzen n.VariBfl; Drei arme kleine Mideis 0 Uhr IS. Flora 0434. Baumen en. Henry Bender, Kurt Lilien Else Ward, William Berner 8 Blackstreaks, 5 Pallos-Ladies Favorit-Trio, Souzette&Caisser sonnabeno n. tonnWB'eSVorsielln "Mltir c Uhr ll»l»Preis» original- BGiemä Patentmatpaüßa/ Ru&eäoner coueüs nm Paten'- Dre�bct*(D. R. P. cm- c n öe\ sowie das re-ic Ho�.-i.*" m öe-rma-FcderuE-i sind vo K-j tfo anjchlc*; Kein uiv cs'cn. i lisch wertie Sc'aeioiv. Ueberal. erhäl 20 fahre Garantie- Bepi.Fcflerma:pa;2.-PaDnM«p:i«i»ir.3i mlW3m feipugun� Restaurant Oerlins Ouiffungs Unbaa u. UeKlomemürKrn frrfiöf vi/<»5 Ja/kren ab Spezidhfift fonnd Müller nserate im vorwärts sichern Lrfolg! . uß.'rst preiswert �«a'Sicsieir fonlanenficatsr&B« FUcher£ Co., Wailitraftc 15 Filialen in allen Stadtteilen