Morgenaasgabe Nr. 343 A 169 49. Jahrgang Wöchentlich 75 Pl., monatlich 3,25 M. Alle diese Gerüchte sind erlogen! Solche Gerüchte dienen der Erzeugung von Verwirrung und von Panikstimmung, sie werden zum Teil offenkundig verbreitet, um die Arbeiterschaft zu Unbesonnenheiten zu ver- leiten! Der Belagerungszustand und die Erregung, die er hervorgerufen hat, bilden einen günstigen Nährboden für solche Gerüchte. Es ist höchste Zeit, daß der Belagerungs- zustand verschwindet! vor allem aber: achtel auf Provokateure, die wilde Ge- rüchle in die well setzen! Hakenkreuz— Lügenkreuz! Die Hungerdiktatoren leugnen die Wahrheit. Die Hungerdiktatoren von der NSDAP. bestreiten wütend die Echtheit des gestern morgen von uns veröffentlichten Dokuments, das ihnen endgültig die Maske vom Gesicht reißt. Sie wollen immer noch dem Volke vor- lügen, daß sie mit dem Hungerdiktat nichts zu tun hätten, sie wollen ableugnen, daß si� das Volk bei Hungerlöhnen in ein Zuchthaus pressen wollen! Wir hatten nichts anderes erwartet als diesen Ab- leugnungsoersuch! Schamloser als die Partei der Notoerord- nungsjacken hat noch niemals eine Partei das Volk zu be- trügen gesucht— aber noch niemals auch konnte Volksbetriigern so gründlich die Maske vom Gesicht gerissen werden! Sie haben zunächst zu leugnen versucht, daß sie das Kabinett Papen tole- r i e r e n, sie haben eine Scheinopposition gegen die Hitler- Notoerordnung zu markieren gesucht, als sich der Zorn der Betrogenen gegen sie erhob. Sie haben mit einstweiligen Verfügungen die Wahrheit zu vergewaltigen gesucht— bis mit Keulenschlägen ihre Ableugnungsoersuche niederge- schmettert wurden! Die dokumentarischen Beweise, die das Zentrum für die Nazikoalition mit Papen beigebracht hat, das Zeugnis des Genossen Lobe, der sich auf die höchste Stelle im Reich berufen kann— sie sind unwiderleglich! Wie die bissigen Hunde wehren sie sich gegen die Wahr- heit— aber umsonst! Ihre Methode heißt: leugnen mit eiserner Stirn, sich die Wahrheit Stück für Stück entreißen lassen, wenn die Lüge zusammenbricht! Die Hungerdiktatoren in den Notoerordnungsjacken be- streiten jetzt die Echtheit ihrer eigenen programmatischen Ent- würfe, sie verleugnen ihre eigenen Ziele! Das haben sie schon einmal versucht— bei den Boxheim e r Dokumenten! Bei jenen Dokumenten des Mordes und des Hungers, die aus demselben Geiste geboren sind wie das Dokument, das wir gestern veröffentlicht haben. Damals haben sie erst Fälschung geschrien, dann haben sie über Spitzelarbeit gezetert, später zogen sie sich auf Privatarbeit unverantwortlicher Personen in der Partei zurück, für die die Reichsleitung nicht verantwortlich sei-— und als einige Zeit verflossen war, da priesen sie Ge- sinnung und„Verantwortungsbewußtsein" der Leute, die diese blutigen Dokumente oerfaßt hatten und gaben ihnen höchste Ehrenämter in der Partei! Sie werden diesen Weg auch gehen gegenüber dem Do- kument, das wir gestern angeprangert haben! Wenn das Volk sich nicht gegen sie wehren würde, so daß ihnen die Macht zufiele, so würden sie hohnlachend diese verruchten Pläne in die Wirklichkeit umsetzen, die sie heute noch ab- leugnen, weil ihr böses Gewissen den Urteilsspruch des Volkes fürchtet! Denn dies Dokument ist Geist vom Geiste der voxheimer Dokumente! Die Hungersuppen, mit denen Dr. Best, der Boxheimer Verschwörer, das Volk füttern wollte, und die 60 Pfennig Almosen, die das Berliner Dokument den Arbeitslosen hin- werfen will, sind gleich barbarisch. Die Unterwerfung der Bevölkerung unter die blutige Diktatur von Hitlers Bürgerkriegsbanden, die das Box- heimer Dokument androhte, und die Besetzung Berlins durch eine volksfeindliche Bürgerkriegsarmee nach dem Berliner Dokument sie zeigen den gleichen Grad von Sadismus gegen das eigene Volt! Was soll dieser Ableugnungsversuch? Sind nicht die gravierendsten Gedankengänge des Berliner Dokuments, die dreistesten Angriffe auf die Rechte der Arbeiter und ihre Lebenshaltung in den parteioffiziösen Schriften und Pro- grammen der NSDAP, zu finden? Die Beschimpfung de» deutschen Arbeitsvolks, die Verhöhnung der Erwerbslosen, die Behauptung, daß die Sozialversicherung die Arbeiterschaft korrumpiere und zur Trägheit erziehe— sind sie nicht ähn- lich kraß in der Programmschrift des Dr. P f a f f, Mitglied des„Reichswirtschaftsrats der NSDAP.", zu finden? Wir dulden nicht länger den Volksbetrug der National- fozialisten! Wir zeigen dem Volke, wer sie sind! Boxheimer Dokument: Bürgerkrieg und Terror. Beschlagnahme aller Lebensmittel, Hungersuppen, Karlen- system, Zwangsarbeit! Berliner Dokument: Löhne vom Zahre 1900. statt Sozial- Versicherung 60 Pfennig pro Tag. für Zraueu über- Haupt nichts, statt Arbeitslosenhilfe Zwangsarbeit. Gewerkfchastsverbol, SA.-Terror; Je lauter sie„Fälschung, Fälschung" schreien, um so unbarmherziger werden wir sie anprangern und die Wahr- heit verbreiten! Die Wahrheit ist: Die Notverordnungsjacken wollen den Zuchthausstaat für die Arbeiter! Die Notverordnungsjacken wollen als Hofhunde der Kapitalisten und der Scharfmacher gegen die Arbeiter dienen! Die Notverordnungsjacken wollen die Arbeiterrechte rauben, die Sozialversicherung zerschlagen, die Arbeitslosen dem Hungertode preisgeben! Denkt an die öS Pfennig! Denkt an die Löhne von 1900! Fort mit den braunen Berfastern der Boxheimer und Berliner Dokumente! Wehrt euch! Wehrt euch am 31. Juli! Wählt Listell Neue Bluttat in Schlesien. Ein Reichsbannermann von Nationalsozialisten getötet, vier verletzt.— Ist das die neue Ordnung?. B u n z l a u. 22. Juli.(Eigenbericht.) Heute abend verübten Nationalsozialisten einen Sturm auf das GewerkschaftShauS. Bei der Abwehr wurde ein Reichsbannermann getötet, vier weitere schwer verletzt. Ich darf mir ergebenst erlauben. papen schreibt an Kerrl. Reichskanzler von Papen hat, wie WTB. meldet, an den Präsidenten des Preußischen Landtags das folgende Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Präsident I Bon den Darlegungen Ihres Schreibens vom 18. Juli d. I. über die politische Situation in Preußen habe ich mit Interesse Kenntnis genommen. Die Reichsregierung hatte seit längerer Zeit mit wachsender Besorgnis die Frage geprüft, ot> in dem größten der deutschen Länder die Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicher- heit gewährleistet sei. Infolge der Ereignisse der letzten Zeit war sie zu der Ueberzeugmig gelangt, daß die Zustände in Preußen ein Eingretsen des Reiches dringend erforderten. In dieser Ueberzeugunz hatte ich namens der Reichsregierung dem Herrn Reichspräsidenten den Erlaß einer Verordnung vorgeschlagen, welche die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Gebiet des Landes Preußen wieder- herstellen soll. Ich darf mir ergebenst erlauben, auf diese inzwischen vom Herrn Reichspräsidenten erlassene und im Rdchz. gesetzblatt vom 20. Juli 1932 veröffentlichte Verordnung zu»er- weisen. Ich hoffe, daß die Maßnahmen der Reichsregierung zur baldigen völligen Wiederherstellung geordneter Zustände in Preußen sichren werden. Mit dem Ausdruck ausgezeichneter Hochachtung bin ich Ihr sehr ergebener gez. von Papen." Man darf Herrn von Papen bestätigen, daß der wieder- Holle Ausdruck der Ergebenheit in diesem Falle keines- wegs bloß eine Höflichkeitsformel ist. Beamtenschub am Alex. Zahlreiche llmbesetzungen im Polizeipräsidium. Im Berliner Polizeipräsidium sind am Freitag von den neuen Gewalchabern eine ganze Reihe von Umbesetzungen verfügt worden. In den politischen Referaten wurden die sozialdemokra- tisch verdächtigen Beamten durch bürgerliche Elemente ersetzt. Die auf diese Weise frei gewordenen Beamten wurden Haupt- sächlich unpolitischen Referaten zugeteilt. Ein Gruß nach Stuttgart. Oiktaturdrohung auch für Süddeutschtand. heute findet in Stuttgart die Besprechung der Minister- Präsidenten der Länder mit Herrn v. Papen statt. Zu dieser Besprechung richtet das Stahlhelmorgan, die„Kreuz- Zeitung', folgenden Gruß nach Stuttgart: „Die Entwicklung der letzten Jahre verlangt gebieterisch d i e Ablösung des bisherigen demokratisch-parlamen- tarischen Systems durch eine soldatische Diktatur, die dem deutschen Volke den Weg zur Gesunbung aufzwingt und zugleich für dfe liberalistischen Kräfte unangreifbar ist. Was die Reichsregierung in Preußen begonnen hat, muß sie durchführen im ganzen Reich, denn fast in allen Ländern sitzen„geschästssührende" Regierungen, die nicht dem Volkswillen entsprechen und durch die Unfähigkeit des Parlamen- rarismus nicht von neuen Regierungen abgelöst werden können. Wir stehen in einer Uebergangszeit, wenn die Uebergangszeit nicht zur Untergangszeit wenden soll, so muß ein« harte Führung sein, die die Reste des Alten beseitigt und dem Reuen zum Durch- bruch verHilst." Papen als Reichskommistar für ganz Süddeutschland— das ist eine ebenso schöne Begrüßung wie die Forderung der Militärdiktatur für ganz Deurschlcmd. Lleberwachungsausschuß tagt. Sozialdemokratie beantragt: Zurückziehung des Neichskommissars und Aushebung des Belagerungszustandes.- Papen wird am Montag erscheinen. Der Uebetwachungsausschuß des Reichslogs trat am Freilag- nachmittag Z Uhr unter dem Vorsitz de» ältesten Rlitgliedes, des Abgeordnelen Heimann(Soz.), zusammen. Von den 2S Vlitgliedern waren IS anwesend, nicht erschienen waren die Vertreter der Nationalsozialisten, der Denlschcn Volkspartei, der Deutschnationalen und des Landvolkes. Vorfitzender hei mann erllärte, daß er nach den bekannten Vorgängen dem Ersuchen des Reichstagsprästdenten, die Ausschuß- sitzung einzuberufen, gerne gefolgt sei, da er die Auffassungen des Präsidenten vollkommen teile und diese Auffassungen seiner eigenen Praxis als Ausschußvorsitzender entspreche. Der Ausschuß habe sich zunächst einen zweiten Vorsitzenden zu wählen. Als solcher wird Abgeordneter Dr. hocgner(Soz.) vorgeschlagen und vom Ausschuß gewählt. Von Lindeioer-Ivildau(Konservative Bolkspartei) wirft die Frage auf, ob die Einberufung der Sitzung gesetzmäßig erfolgt sei und ob der Ausschuß rechtsgültige Beschlüsse fassen könne. Reichstagspräsidenl Lobe nimmt Bezug auf seinen Briefwechsel mit dem Ausschußoorsitzenden Straßer und betont, es sei natürlich eine Unmöglichkeit, daß ein Ausschußvorsitzender entgegen dem Willen der Mehrheit des Ausschusses das Zusammen- treten des Ausschusses verhindere. Nach der Geschäftsordnung des Reichstages habe der Präsident die Geschäfte des Reichstages zu regeln, und so habe er sich für verpflichtet erachtet, das älteste Mit- glied des Ausschusses um die Einberufung zu ersuchen. Das sei ordnungsmäßig geschehen. Abg. Wegmann(Z.) weift daraus hin, daß der Ueberwachungs- ausschuß in der Berfassung ausdrücklich vorgesehen sei, damit er während der reichstagslosen Zeit die Politik der Regierung kontrolliere. Eine solche Kontrolle sei nie nötiger gewesen als gegenüber der gegenwärtigen Regierung, die im Parlament keinerlei Stühe hat. Es komme hinzu, daß diese Regierung Maßnahmen getroffen habe von einer unerhörten Härte, zu denen eine Stellungnahme der Dolksvertretung oder des an ihre Stelle tretenden Ausschusses unbedingt notwendig sei. Er sei dem Reichstagsprästdenten dankbar dafür, daß er diese Möglichkeit geschossen habe. Abg. Dr. Breitscheid(Soz.) erinnert daran, daß der Ausschuß- Vorsitzende Straß er auf das Verlangen nach Einberufung des Ausschusses zunächst erklärt habe, er wolle zuerst sehen, ob sich eine Mehrheit dem Verlangen anschließe. Nachdem diese Mehrheit festgestellt war, Hab« Straßer noch einem anderen Ablehnungsgrund gesucht und erklärt, der Ausschuß sei nur dazu da. zu verfassungs- widrigen Maßnahmen der Regierung Stellung zu nehmen. Diese Auffassung entspreche nicht den Bestimmungen der Reichsversassung. Der Ausschuß solle vielmehr die gesamte Tätigkeit der Regierung kontrollieren. Es stehe fest, daß Straßer die Einberufung de» Ausschusses sabotiert und so die Mitglieder des Ausschusses an der Erfüllung ihrer Pflichten gehindert habe. Abg. Torgler(Komm.) meint. Straßer wolle nur die Re- gierung Papen vor der Kritik schützen. Im übrigen richtet der Redner Angrifte gegen die Sozialdemokratie� Von Lindeiner-Wildau(Kons. Volkspartei): Vor zwei Jahreiz habe der Ausschuß beschlossen, daß er nicht befugt sei, Beschlüsse mit der gleichen Rechtsfolge zu fassen wie das Plenum Sollte jetzt eine gegenteilige Auffassung oertreten werden� so würde er an den Verhandlungen nicht teilnehmen können. Es widerspreche dem Sinn der Reichslagsauflösung, wenn man neun Tage vor den Neuwahlen eine Entscheidung vorwegnehmen wolle, die nur dem neuen Reichstag zustehe. Deshalb habe er sich persön- lich gegen die Einberufung des Ausschusses ausgesprochen. Abg. Breitscheld(Soz.): Wir beabsichtigen, die Rechte zu ver- treten, die uns dt« Verfassung zuweist. Der Vergleich mit den früheren Notverordnungen ist nicht stichhaltig. Die Regierung Brüning legte ihre Notverordnungen dem Porto- ment vor, aber die Regierung Papen hat den Reichstag heimgeschickt. um sich ihm nicht stellen zu müssen, und gerade darum ist es nötig, daß der Ausschuß tagi. Abg. wegmann(Z.): Wir haben nicht 9 Tage, sondern schon S Wochen vor der Wahl die Einberufung des Ausschusses verlangt. Es war das nötig angesichts der ungeheuren Schwere der Maßnahmen, die die neue Regierung getroffen hat. Es wird durch Abstimmung festgestellt, und zwar mit alle'n Stimmen gegen die Stimmenthaltung des Abg. Lindeiner-Wildau, daß die Einberufung rechtmäßig erfolgt sei. Aus Vorschlag des Vorsitzenden Dr. H o e g n« r(Soz.) wird vis Fausl hoch! Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold steht mit allen Gliederungen geschlossen in der Eisernen Front. Die politische Marschlinie ist vorgezeichnet. Der S1. lull muß erweisen, daß der Stimmzettel stärker ist als jede Gewalt. Kameraden! Hütet euch vor Spitzeln und politischen Agenten! Niemand anders als die Bundesleitung hat das Recht, im Namen des Reichsbanners zu sprechen! Von uns darf der Vorwand zur Verschiebung und Verhinderung der Wahl nicht geliefert werden. Aller Zorn und alle Empörung Uber das der preußischen Regierung Braun-Severing-Hlrtslefer angetane Unrecht darf unser Handeln nicht beirren! Am 31. Juli ist Zahltag! Die Faust hoch! Freiheit für Deutschland! Freiheit in Deutschland! Berlin r'-r. �z.}uli 1932. Die Bundesleitung. I. A.: gez. Höltermann. nunmehr in die Beratung des folgenden, von dem Abg. Pfleger (Bayer. Bp.) gestellten Antrages eingetreten: „Der Ausschuß wolle beschliehen, der Vorsitzende, Abgeordneter Stratzer, wird wegen grober Verletzungen seiner Pflichten als Vorsitzender abgesetzt. Die Neuwahl eines Vorsitzenden wird ausgesetzt, bis die national- sozialistische Fraktion dem Ausschuß einen Vorschlag für einen neuen Vorsitzenden unterbreitet." Der Antragsteller begründet den Antrag mit dem Hinweis auf das Verhalten Straßers, das eine schwere Pflichtverletzung darstelle. Der turnusmäßige Anspruch der natianalsozialistischen Fraktion aus den Darfitz in diesem Ausschuß bleibe unberührt, die Wiederbesetzung des Amtes könne erfolgen, wenn die Fraktion einen neuen Vorsitzen- den vorschlage. Abg. Lindeiner-Wildau(Kons. Vp.) wünscht von einem solchen Beschluß abzusehen. Seit 60 Jahren habe der Reichstag darauf ver- zichtet, einen Präsidenten oder Ausschußvorsitzenden abzusetzen. Man wisse nicht, welche Konsequenzen sich daraus ergeben könnten. Präsident Lobe: Unter dem Präsidenten Wallraf sei bereits einmal ein Mißtrauensantrag gegen den Präsidenten auf dessen Wunsch für zulässig erklärt und zur Abstimmung gebracht worden. Er persönlich habe bisher den gleichen Standpunkt ver- treten, der letzte Reichstag habe aber einmal einen Mißtrauens- antrag als unzulässig abgewiesen. Was solle jedoch werden, wenn sich ein Vorsitzender jahrelang weigere, einen Ausschuß einzuberufen. Abg. Wegmann(Z.): Wir haben auch im Rechtsausschuß be- reits einen solchen Fall gehabt und beschlossen, den Abgeord- neten Frank ll als Vorsitzenden abzuberufen. Der Antrag Pfleger wird hierauf gegen die Stimme Lindeiner- Wildaus und bei Stimmenthaltung der Abgg. Drewitz(Wirtsch.-P.) und Weber(Staatsp.) angenommen. Hierauf kommt eine Reihe von Anträgen, die sich auf die Notverordnungen beziehen, zur Beratung und zwar ein Antrag de? sozialdemokratischen Aus- fchußvertreter. „Die Notverordnungen: t. vom 20. Znli 1932 betr. Einsetzung eines Reichskommtfsars für da» Land Preußen: 2. vom 20. Zuli 1932 betr. Verhängung des Ausnahmezustandes für Groß-Berlin und die Provinz Brandenburg: 3. vom 28. Zun! 1932 gegen politische Ausschreiiuagen: 4. vom 14. Juni 1932 gegen politische Ausschreitungen: 5. vom 14. Zuni 1932 über wahnahmen zur Erhaltung der Ar- beitslosenhilse usw.: S. vom 14. 3uni 1932 über Maßnahmen auf dem Gebiete der Rechtspflege und Berwoltung sind außer Kraft zu fetzen." Ferner ähnliche Anträge der Kommunisten und Anträge des Zentrums, in denen an die Regierung das Ersuchen gerichtet wird. bestimmte Notverordnungen aufzuheben bzw. zu ändern. Lorher stellt jedoch Abg. Wegmann den Antrag, die Regierung zu ersuchen, an den Aeratungen de«- A u»s chu s se» teilzunehmen. Abg. Lwdeiner-Wlldau wünscht, daß der Ausschuß zuerst prüft, ob er Beschlüsse mit Rechtsfolgen fassen könne. Abg. Breitschetd erwidert, darauf käme es im Augenblick nicht an, der Ausschuß, der übrigens die Befugnisse eines Untersuchung»- ausschusses habe, kann nach der Verfassung jederzeit das Er- scheinen der Regierung verlangen. Präsident Lobe macht darauf aufmerksam, daß auch Antrage zur Beratung stehen, in denen Wünsche an die Regierung gerichtet werden, ebenso verweist Abg. Wegmami darauf, daß Anträge vor- liegen, in denen von der Regierung die Sicherung der wahlfreiheit verlangt werde. Abg. Torgler(Komm.) meint, der Abg. Lindeiner-Wildau scheine bereits als Regierungskommissar anwesend zu sein. Viel- leicht sei chm im Herrenklub der Au st rag erteilt worden. Abg. Lindeiner erklärt, er sei weder als Regierungsvertreter anwesend, noch sei er fest Wochen im Herrenklub gewesen, noch auch habe er mit irgendeinem Vertreter der Regierung über die zur Be> ratung stehenden Fragen sich besprochen. Ein Antrag, der unter Bezugnahme auf die Verfassung das Er- scheinen des Reichskanzlers, des Innenministers und des Reichswehrministers im Ausschuß verlangt, wird gegen die Stimme von Lindeiner-Wildau angenommen. Darauf tritt eine Pause«in, um der Regierung von diesem Beschluß Mitteilung zu machen. Bei Wiedereröffnung der Sitzung um%7 Uhr lag folgender Brief des Staatssekretärs Dr. Planck an den Reichstagsprästdenten Löbe vor: Sehr geehrter Herr Präsident! Nach einer mir soeben zu- gegangenen telephonischen Mitteilung hat der Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung gegenüber der Reichs- regierung beschlossen, die Anwesenheit des Herrn Reichskanzlecs, des Herrn Reichsinnenministers und des Herrn Reichswehr- Ministers zu verlangen. Im Auftrage des Herrn Reichskanzlers beehre ich mich, hierzu mitzuteilen, daß die Mitglieder der Reichs- regierung bereit sind, sich an den Beratungen des Ausschusses zu beteiligen, soweit der Gegenstand der Beratungen sich im Rahmen der verfassungsmäßigen Zuständigkeit des Zlusschusses hält. Ich darf demgemäß darum bitten, mir mit tunliDter Be- jchleunigung die Anträge zuzuleiten, deren Beratung der Ausschuß beabsichtigt. Da der Herr Reichskanzler im Begriff ist, zu einer schon seit einiger Zeit angesagten Konferenz der Ministerpröyidenten zu verreisen und der Herr Reichsinnenminister Berlin �ereits ver- lassen hat, wäre der Herr Reichskanzler ssehr dankbar, wenn ihm und den anderen Herren Reichsministern die Einladung zu der Sitzung so rechtzeitig zuginge, daß er mit Sicherheit an ihr teil- zunehmen in der Lage ist. Reichslagspräsident Löbe verlos im Ausschuß diesen Brief und erklärte dazu, aus diesem Schreiben gehe hervor, daß auch die Reichsregierung das Recht des Ausschusses, zu berät«» und Be- fchlüsse zu fassen und die Rechtmäßigkeit seiner Einberufung nicht anzweifle. Abg. wegmann(Z.) fiagte, welche Gründe/der Reichswehr- minister sür sein Nichterscheinen geltend mache. Abg. Breitscheid(Soz.) erklärte,/ daß sich der Ausschuß unmöglich von der Regierung Be- dingungen vorschreiben lassen könne, unter denen diese an der Sitzung teilzunehmen bereit sei. Offen- fichtlich sei nur eine Verzögerung der Ausschußberatungen bezweckt, Der Ausschuß lehnte es ginstimmig ah, der Keichsregierung da» Zugeständnis zu machen, ihr Erscheinen nrm Bedingungen abhängig zu machen. Neue Verhandlungen mit der Reichskanzlei mit dem Ergebnis, daß Herr v, Papen erklären ließ, er werde zu dem festgesetzten Termin am Montag erscheinen, ohne Bedingun» gen zu stellen, Borher hatte es noch ein Zwischenspiel gegeben. Die Z e n- trumsvertreter stellten fest, daß sie die Aufhebung der Not- Verordnungen nicht auf Grund des Artikels 48 der Verfassung for- derten, sondern nur ganz allgemein die Regierung um die Zurück- Ziehung ersuchten, Sie konnten kaum anders vorgehen, nachdem sie im Jahre 1930 die Auffasiung vertreten hatten, daß der Usber- wachungsausschuß nicht befugt sei, Aufhebungen von Not- Verordnungen auf Grund des Artikels 48 zu verlangen, Die Sozialdemokratie ließ durch den Abgenordnelen Vreilfcheid erklären, daß sie ihrerseits an der Zuständigkeit des Ausschusses. gestützt auf den Artikel 4S vorzugehen, festhalte, dos heißt also, daß nach ihrer Meinung eine Verfassungsverlehung vorliegt. wenn die Regierung einem sich aus den Artikel 4K berufenden Verlangen nicht entspreche. Aehnlich äußerte sich auch der Abgeordnete Pfleger von der Bayerischen Volkspartei. Aber wie dem auch sei, jedenfalls Hot der Reichskanzler sich zunächst dem Beschluß des Ausschusses unter- warfen, und er ist bereit, ohne Bedingungen an seinen Verhandlungen teilzunehmen. Was den Meinungswechsel des Herrn von Papen herbeigeführt hat. mag dahingestellt sein. Jedenfalls bedeutet sein Verhalten, daß er sich die verfassungswidrigen Auslegungskünst« der Nationalsozialisten nicht zu eigen macht und daß er seine Pflicht anerkennt, vor dem Ausschuß zu erscheinen. Damit ist keineswegs ein Lob für den Reichskanzler ausgesprochen: er handelt diesmal so, wie e s die Verfassung vorschreibt. Der Ausschuß selber hat sich das Verdienst erworben, den Mann an der Spitze der Reichsregierung nachdrücklich und mit Erfolg an seine Pflicht erinnert zu haben. Jetzt bleibt nur abzuwarten, welche Stellung das Kabinett zu den am Montag zu fassenden fach- lichen Beschlüssen des Ueberwachungsausschusses einnehmen wird. „Hitler, Garant für Friede und Ordnung" Ausländische Pressestim- men zu den Vorgängen in Preußen. Als d a s(!) treffendste aller englischen Kommentare zu dem Vorgehen gegen Severing mutz das der„M o r n i n g p o st* bezeichnet werden. Das Blatt hebt hervor, daß die Matznahmen der Reichsregierung sich in erster Linie gegen die kommu- nistische Gefahr richten. Die Ereignisse beleuchteten den Mangel an Autorität im heutigen Deutschland. Eine Ab- stcht, die Verfassung zu ändern, braflche man in ihnen nicht zu sehen, denn diese sei in den letzten zwei Jahren bereits tot gewesen. Viele Monate lang habe Brüning mit geringer Achtung vor dem Parlamem regiert. Die Diktatur liege in der Lust. Wenn Hitler ans Ruder komm«, so würde dies vielleicht der schnellste Weg zu Frieden und Ordnung sein. („Nationalpost" 22. 7.) Ein Aufsatz der„Morningpofi". Aus dem Englischen übersetzt: l. ins Nationalsozialistische: �-II. ins Deutsche: „.. Aber es gehört schon eine tüchtige Vergewaltigung selbst des Artikels 48 dazu, um.die gegen- wärtigen Maßnahmen mit ver- fassungsmäßigen Gründen zu rechtfertigen. Denn es ist schwierig, sich der Schlußfolgerung zu ent- ziehen, daß Herrn v. Popens Regierung in er st er Li- nie für die Notlage v e r a n t- w o r t l i ch ist, die zu heilen Herr v. Popen sich jetzt ernannt hat. Indem sie nicht nur das Verbot der Nazisturmtrupps aufgehoben hat, sondern die Länder gezwun. gen hat, diese zügellosen Banden zu dulden und den Regierungen der Länder damit die Aufgabe auserlegt hat, die daraus ent- stehenden Ausschreitungen zu bändigen, hat die Reichsregierung selber alle Vorbedingungen für die Unruhe geschaffen, Die Reichs- regierung hat zweifellos wieder einmal unter dem Zwang und der Nötigung der Hitlerbewegung gestanden und gehandelt, wie in fast allen ihren inneren Regierungshand- lungen in der kurzen Spanne ihrer Existenz. Aber das unter- streicht nur die Schwäche und das Schwinden der Autorität im heutigen Deutschland..... Der schnellste Weg zu Frieden und Ordnung würde wahrscheinlich die Ergreifung des Steuerruders durch Hitler fein, wodurch bald das un- bekaanke Ausmaß seiner politl- scheu— im Gegensatze zu seinen nur demagogischen— Fähigteilen aus die Feuerprobe gestellt wer- den würde." („Morningpost" 21. 7.) Die„Rationalpost"' ist das Ersatzblatt für den verbotenen „Angriff". Die„Morning Post" ist das konservative Blatt Englands. L�euischland in Gens isoliert. Auch England scharf gegen Deutschlands Standpunkt. Genf. 22. lhill.(Eigenbericht.) 3n der Generalkommission der Abrüstungskonferenz hat die deutsche Regierung am Freitag anläßlich der Aussprache über die verlagnngsenlschließnng eine Erklärung abgeben lassen. welche die Ablehnung der weiteren Teilnahme Deutschlands an der Konferenz androht, wenn bis zum wiederzusammentritt die An- erkennung der Gleichberechtigung nicht gesichert sei. lieber die Anwendung dieses Grundsatzes mit den beteiligten Regierungen zu verhandeln, sw die deutsche Regierung sofort bereit. Botschafter R o d o l n y ll Hute die Vertagungsresolution ob. Sir John Simon sprach mit einer aussalleaden Schärfe gegen Deutschlands Haltung, herriot lehnte Deutsch- lands Forderung ab mit dem Hinweis, daß sie erst durch die Ga- ranlie entschieden werden könne. Das Ergebnis dieser Papen- Attacke war die völlige Zsoliernng Deutschlands. Im Verlauf per langen Vormittagsfitzung hielt die gleiche X Mehrheit von 30 Staaten, vie am Donnerstag der Forderung Englands, Frankreichs und Amerikas beigetreten war. mit einer Ausnahme sämtlich� Einzelteile der Resolution aufrecht. Nur der kanadische Antrag, dst: staatliche Waffen- und Munitionsherstellung in der Kontroll« der privaten Fabrikation einzubeziehen, wurde als einzige Aenderung abgenommen. L i t w i n o w erklärte nach Ab- lehnnung der prinzipiellen Anträge Rußlands, daß er auf die Ab- stimmung der wenigbr wichtigen verzichte, da selbst deren An- nähme, der Sowjetdekegation keine Zustimmung zu einer solchen Resolution ermöglichtce. Nachdem olle fünf Teile der Resolution angenommen waren/ erklärte Berichterstatter B e n e s ch, daß der Großer Illusionsakt ,4ln5 hier seht ihr die gewaltigen Gaben, die euch im Dritten Reich erwarten!" Protesterklärung des Zentrums. Die preußenfraktion des Zentrums und der Zenirumsvorstand gegen Papen. Die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtags teilt mit: „heute tagte die Zentrumsfraktion des Preußi- scheu Landtags gemeinsam mit dem geschästssührenden Vorstand der preußischen Zentrumspartei. um zu den unerhörten Vorgängen in Preußen Stellung zu nehmen. Räch eingehender Aussprache wurde einmütig folgende Entschließung gefaßt: „Am 20. Juli wurde Reichskanzler von Papen zum Reichs- kommtssar für Preußen bestellt. In dieser seiner Eigenschaft hat Herr v. Pap-n den preußischen Ministerpräsidenten und den Minister des Innern ihres Amtes enthoben, den übrigen Kabinettsmitgliedern die Ausübung ihres Amtes gewaltsam unmöglich gemacht. Die Gründe, mit denen der Reichskanzler v. Papen diese unerhörten, in der Geschichte des deutschen Volkes beispiellosen Ein- griffe in die verfassungsmäßigen Einrichtungen des größtsn deutschen Lande? zu rechtfertigen versucht hat, können in keiner weise als stichhaltig anerkannt werden. Sollte» wirklich epizeln« höhere Funktionäre de? preußischen Staate» sich Pflichtwidrigkeiten schuldig gemocht haben, so war es unzweifelhaft die Pflicht der Reichsregierung, vor jedem unmittel- baren Eingreifen ihrerseits hiervon die preußische Staats» regierung amtlich in Kenntnis zu fetzen Ein solcher Schritt der Reich-regierung ist nicht erfolgt. tz Herr v. Papen war also nicht berechtigt, io seiner Rundfunk- rede vom 20. Zuli zu behaupten, daß„die Entwicklung der pol!- tischen Verhältnisse in Preußen einer Reihe von maßgebenden Persönlichkeiten die innere Unabhängigkeit genommen habe, alle erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der stootsseindlichen Betätigung der KPD. zu treffen". Wenn Herr v. Papen weiterhin geltend macht, daß durch die Schuld der einzelnen Parteien den Kommunisten im Preußi- scheu Landtag eine Schlüsselstellung verschafft worden sei, so haben schon die Vorgänge bei der Wahl dos preußischen Landtags- Präsidiums mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß dieser Vorwurf jeden- falls die Regierungsparteien nicht trifft. Vielmehr haben diese das Anerbieten der kommunistischen Landtagsfraktion abgelehnt; mit ihrer Hilfe das Landtagspräsidium ausschließlich mit Mitgliedern des Zentrums und der SPD. zu besetzen, Ebensowenig kann das Vorgehen der Reichsregierung damit gerechtfertigt werden, daß der Landtag die ihm verfassungsmäßig ob- liegende Neuwahl des Ministerpräsidenten bisher nicht vorgenommen hat. Es dürfte ihr nicht unbekannt fein, daß zwischen Rationalsozia- listen und Zentrum auf Vorschlag der ersteren lieber- einstimmung darüber bestand und besteht, daß diese wohl erst nach den Reichstagswahlea vorgenommen werden soll. Im übrigen muh festgestellt werden, daßinanderendeul- fchcn Ländern geschäftsführende Regierungen feit langem im Amt sind, ohne daß die Reichsregierung sich zu irgendwelchen Maß» nahmen von Reichs wegen veranlaßt gesehen hätte, Räch alledem bestreitet die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtags mit allem Rachdruck, daß die fachlichen Voraussetzungen für die Anwendung des Art. 48 RV. vorliegen. Weder hat das Land Preußen feine Pflichten aus der Reichs- Verfassung oder aus Reichsgesetzen nicht ordnungsgemäß erfüllt, noch ist durch das Verhalten der preußischen Staatsregierung die öffent- liche Sicherheit und Ordnung innerhalb des preußischen Staats- gebiete» gestört worden. Wenn feit dem Rücktritt des Kabinetts Brüning die öffentliche Ordnung und Sicherheit in bedenklichem Maße gestört worden find, so beschränkten sich diese Erscheinungen weder auf das Land Preußen, noch find sie durch das Derhallen der preußischen Staalsregierung verursacht worden. Das öffentliche Gewissen des deutschen Volkes legt viel- mehr diese betrüblichen Vorgänge in sellener Einmütig- keil den verfehlken Maßnahmen zur Last, die gerade das Kabinett von Papen getroffen und bis zum heutigev Tage ■' zurückzuziehen sich nicht veranlaßt hal. Angesichts dieser Sachlage protestiert die Zentrum»- frattwn des Preußischen Landtags auf das entschiedenste gegen d i e empörende Behandlung, die der Reichskanzler v Papen den bewährten Männern hat zuteil werden lassen, die, getragen vom Vertrauen der Zentrumsfraktion, ihr hohes Amt übernommen und eine lange Reihe von Jahren hindurch unter schwersten Ver- Hältnissen in gewissenhafter Pflichterfüllung gegenüber Volk, Staat und Reich verwaltet haben. Dem Preußischen Landtag ist keine Gelegenheit gegeben worden, sich schützend vor die verfassungsmäßigen Rechte des Landes Preußen zu stellen. Die Zentrumsfraktion wünscht indes keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen, daß sie gewillt ist, nach dem wiederzusammenlrili des Landtags olle verfassungsmäßigen INög- lichkeiteu zu erschöpfen, um ihrer vorstehend dargelegten Auffassvng Geltung zp verschaffen. Abrechnung am ZI. Juli. Der geschäftsführende Reichsparteivorstand des Zentrums trat, wie von Zentrumsseite weiter mitgeteilt wird, in feinem heute gefaßten Beschluß dem„wohlbegründeten Protest der Zentrumsfraktion des Preußischen Landtags" vollauf bei,„Die Deutsche Zentrumspartei", so heißt es in diesem Beschluß,„prote- stiert in aller Entschiedenheit gegen Maßnahmen, die von par- tciischen Einflüssen und nicht von sachlichen Notwendigkeiten diktiert sind. Die Deutsche Zentrumspartei wird nicht aufhören, Verwahrung einzulegen gegen eine Politik, die sie als verderblich bezeichnen muß, weil sie Land und Volk statt aus Unruhe und Not herauszuführen, zu dauernder Unruhe verurteilt. Der 31. 3 tili wird dem deutschen Volk Gelegenheit geben zu bekunden, daß es Politik will und nicht Abenteuer und fragwürdige Experimente ablehnt." Oeffentlichkeit der Sitzungen des Büros während der Vertagung»- pause nichts entgegenstehe. Am Nachmittag begann Radolny die Aussprache über die Resolution mit der Feststellung, auch diese Konferenz sei eine solche für die Liquidation der Vergangenheit. Sie habe die Aufgabe, einen weiteren Abschnitt der Nachkriegs- geschichte zu beendigen, der schon lange hätte abgeschlossen werden müssen. Die Ungeduld der Völker könne nicht das geringste greisbare Ergebnis wahrnehmen. Keiner der dazu ge- eigneten Vorschläge, weder der Hoooers, noch der Englands, Italiens oder Sowjetrußlands habe der zähen Gegenwirkung der Verneinungskräste Stand halten können. Das Verbot des chemischen Krieges sei bereits im Genfer Protokoll von 192S ausgesprochen, die Bestimmungen über schwere Artillerie, Tanks und Bombenabwürfe feien sehr problematisch, ebenso oerpflichten die Bestimmungen über Herabsetzung der Landarmee zu nichts. Deutschland hätte trotz dieser unbefriedigenden Maßnahmen sich der Stimm« enthalten können, wenn für die kommende Arbeit die Gleichberechtigung anerkannt worden wäre, ohne die es niemals seine llnlerschrist unter eln Abkommen werde sehen könneu. Nadolny oerlas dann die Erklärung der Reichsregierung, die ihre Bereitschaft ausspricht, auch weiter an den Arbeiten teilzunehmen, um mit aller Kraft dazu beizutragen, daß im Sinne des Artikels 8 der Dölkerbundssatzungen ein wirtlich einschneidender Schritt in Richtung auf die allgemeine Abrüstung getan werde. Ihr« Mit- arbeit sei aber nur möglich, wenn die weiteren Arbeiten der Kon- ferenz aus der Grundlage der zweifelsfreien Anerkennung der Gleichberechtigung der Nationen erfolgte. Die deutsche Re> I gierung halte es nicht für möglich, daß bei dieser Ungeklärtheit über eine Grundfrage des Abrüstungsproblems ersprießliche Arbeit geleistet werden könne:„Soweit die einzelnen Fragen, die sich aus der Anwendung des Grundsatzes der Gleichberechtigung ergeben, der Klärung bedürfen, ist die deutsche Regierung zu sofortigen Verhandlungen hierüber mit den beteiligten Staaten be- reit. Die deutsche Regierung muß aber schon heute darauf hin- weisen, daß sie ihre weiter« Mitarbeit nicht in Aussicht stellen kann, wenn eine befriedigende Klärung dieses für Deutschland entscheiden- den Punktes bis zum Wiederbeginn der Arbeiten der Konferenz nicht erreicht werden sollte," Der Schluß der Aussprache und die Endabstimmung. deren Ausgang nicht zweifelhaft sein kann, wurde nach den ablehnenden Erklärungen Simons und Herr! vis gegen die deutsche Auf- fassung auf Sonnabeckdoormittag vertagt. Arbeiler-3llllsirierle.Zeikvng wird beschlagnahmi. Der Militär- befehlshaber für Berlin und Brandenburg hat an das Polizei- Präsidium das Ersuchen gerichtet, die„Arbeiter-Illustrierte-Zeituny" vom 10. Juli 1932 zu beschlagnahmen, da sie in den Straßen Berlins mit Flugblattbeilagen, die die Aufforderung zum Ge» neral streik enthält, verteilt wurde. Siärkt die Gewerkfchasten! Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands! Wir brauchen euch nicht mehr zu sagen, wie bedeutungsvoll für eure und des deutschen Volkes Zukunft die Politische Entscheidung am 31. Juli ist. Ter Kampf um die iHechte und die Interessen der Arbeiterklasse ist aber mit der Reichstagswahl nicht beendet. Er wird in verschärfter Fvrm andauern und mit gesteigerter Kraft geführt werden müssen. Dazu sind mehr denn je starke Lrganisationen notwendig. Wollt ihr den Kampf um eure Zukunft bestehen, neue Gefahren abwehren, die unter dem schweren Druck der Wirtschaftskrise verlorenen Stellungen zurückgewinnen, dann stärkt die Gewerkschaften! Beantwortet die Angriffe gegen die verfassungsmäßige Ordnung und das demokratische Recht damit, die Kräfte der Lrganisationen für die entscheidende Stunde zu höchster Leistungsfähigkeit zu steigern. Zeder werbe von heute ab mit verstärktem Eifer neue Mitglieder für seinen Verband. Berlin, de« 21. Juli 1932. Der Bundesvorstand und Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes. Die Nazis ohne Maske. Ihre Pläne für die Machtergreifung. Das Dokument, das der„Vorwärts" gestern veröffentlicht Hot und das die Pläne enthält, mit denen man sich in der chedemann- ftraße beschäftigt, bestätigt eigentlich nur alles, was man von den Nationalsozialisten über ihre Absichten weiß. Man braucht nur ihre Literatur durchgehen, um aus jeder Seite dieselben Gedanken- gänge zu finden, die dort entwickelt werden. Gewiß gestehen sie das vor der großen Masse der Wähler und in ihren Zeitungen und Flugblättern nicht ein. Das hindert jedoch nicht die Nationolsozia- listen, ihre urreaktionären Pläne zu verfolgen. Es ist deshalb keineswegs überraschend, daß in diesem Schreiben für den Fall der Machtergreifung an nichts anderes gedacht wird, als an die Versklavung der Arbeiter, Angestellten und Beamten, an die Unterdrückung der Gewerkschaften, an die Befestigung der Sozialversicherung, an die Aushebung der Beamtenrechte und an einen allgemeinen beispiellosen Lohndruck, der noch weit hinausgeht über das, was die reaktionärsten Scharfmacher jemals öffentlich zu fördern gewagt haben. Daß die Nationalsozialisten in erster Linie gegen die G e- w e r k s citzg f t e n vorgehen würden, daß sie die Sozialversicherung. überhaupt die ganze Sozialgesetzgebung beseitigen würden, ist nur zu natürlich. Wenn die Großindustriellen, wenn die Großgrund- besitzer, die alle heute mehr oder weniger pleite sind, aus ihrer Konkursmasse immer noch und immer wieder ungezählte Millionen für die Nationalsozialisten aufbringen, dann bestimmt nicht, damit etwa an die Stelle der bisherigen Minister, Oberpräsidenten,. Re- gierungspräsidenten und Polizeipräsidenten Nationalsozialisten ge- setzt werden. Nein! Wenn die Geldquellen, aus denen die national- sozialistische Bewegung gespeist wird, immer noch fließen, so wollen die Geldgeber natürlich, daß sich das auch rentiert. Der Feind für diese Geldgeber, dos find die Gewerkschasten, das sind die Tarifverträge, das sind die Arbeiter- und Beamtenrechte, das ist das ganze„System" des Schutzes der Arbeit, das die Herrschaften gewöhnlich als„Marxismus" bezeichnen. Ueber die wirklichen Ziele der sogenannten Nationalsozialisten besteht innerhalb der organisierten Arbeiterschaft auch nicht der geringste Zweifel. Deshalb haben sich mich die Organisationen in der Eisernen Front zusammengeschlossen, um den Abwehrkamps gegen die saschistische Gefahr zu führen und um gleichzeitig die großen Massen der Nachläuser der NSDAP, über die wahren Ziele der Faschisten aufzuklären. Das Dokument, das der„Vorwärts" ver- öfsentlicht hat, ist in höchstem Maße geeignet, bei dieser Aufklä- rungsarbeit ausgezeichnete Dienste zu leisten. Die Nationalsozialisten haben mit radikal schimmernden Phrasen über„Brechung der Zinsknechtschaft" und ähnliche die Hirne der hungernden Massen, des verzweifelten Mittelstandes und der unzu- friedenen Beamtenschaft zu vernebeln gesucht. In dem Dokument, das der„Vorwärts" veröffentlicht hat, wird man aber vergebens auch nur eine Z e i le suchen, die sich mit Maßnahmen gegen die Ausbeutung und die Ausbeuter beschäftigt. Man plant wohl die Auflösung der Gewerkschaften, die Besetzung der Gewerkschaftshäuser und der Zentren der Arbeiterbewegung, man denkt aber nicht daran, etwa gegen die„Bank- und Börsenfllrsten" auch nur das geringste zu unternehmen. Herr Fritz Thyssen weiß schon, warrim er sich für Hitler begeistert. Um so notwendiger ist es, in diesen entscheidenden Tagen vor dem 31. Juli diese Tatsachen herauszustellen. Die schnöde getäuschten Nachläufer der Hitlerbewegung müssen darüber aujgeklärt werden, was ihnen blüht, wenn die Nazis zur Macht gelangen. i Freiwilliger Arbeitsdienst. Die Bezirkskommissare beim Reichskommissar. Nachdem der Reichsarbeitsminister die Präsidenten der Landes- arbeitsämter zu Bezirkskommissaren für den freiwilligen Arbeits- dienst ernannt hat, wurden diese vom Reichskommissar vöm 21. Juli zu einer ersten Dienstbesprechung nach Berlin zusammenberufen. Die Borbereitungen für die weiteren Maßnahmen sind so getroffen, daß sofort nach dem Inkrafttreten der Durchführungsbestimmungen, deren Erlaß in den nächsten Tagen zu erwarten ist, der Ausbau in Angriff genommen werden kann. Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung stellt ihre Einrichtungen unentgeltlich zur Verfügung. Die beratende Mitwirkung der Verbände soll im Dienste der Sache ehren- amtlich erfolgen. Die technische Durchführung wird wesentlich in den Händen der öffentlichen Körperschaften sowie der sonstigen Träger der Arbeit liegen, denen die Maßnahmen zugute kommen, der Reichskommissar selbst wird nicht als Bauherr in Erscheinung treten. Er hat daher zunächst auch für die bereits zahlreich einlaufenden Angebote von Persönlichkeiten, die ihre Mitwirkung in der Verwaltung oder in der technischen Durchführung zur Verfügung stellen wollen, keine Verwendungsmöglichkeit. Beamte in der Eisernen Front. Kundgebung des AOB. Der Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Be- amten-Bundes befaßte sich gestern unter Hinzuziehung der Vertreter aller ihm angeschlossenen Verbände mit den E i n g r if f e n des Reiches in Preußen. Die Haltung der Bundesvertreter in der Konferenz der gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen wurde ein st immig gebilligt. Darüber hinaus wurde erneut fest- gestellt, daß die freigewerkschaftlich organisierten Beamten fest in der Eisernen Front stehen, und Seite an Seite mit den freigewerkschaftlichen Arbeitern und Angestellten die Verfassung ver- teidigen werden. Bei der Erörterung der beamtmpolitischen Seite der Vorgänge wurde hervorgehoben, daß es sich nicht nur darum handle, ob Staatssekretäre, Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten und Polizei- Präsidenten ihres Amtes enthoben werden können, denn politische Beamte müssen sich bei anderen politischen Verhältnissen die Ver- setzung in den Wartestand gefallen lassen. Wohl aber sei es fraglich, ob ein Reichskommissar befugt ist, Landesbeamte zu entlassen oder zu ernennen, da durch derartige Anordnungen rechtliche und finanzielle Auswirkungen für das betreffende Land entstehen. Das ist aber nicht allein eine beamtenrechtliche, sondern in erster Linie eine staatsrecht- liche Frage, die jetzt dem Staatsgerichtshof zur Entscheidung vorliegt. Einmütig wurde festgestellt, daß aber auf keinen Fall der Artikel 48 der Reichsverfassung eine Handhabe dafür gibt, einen Beamten will- kürlich aus dem Amte zu entfernen. Durch den Artikel 48 kann nicht der Artikel 123 außer Kraft gesetzt werden, der festlegt, daß die Beamten nur„unter den gesetzlich bestimmten Voraussetzungen und Formen vorläufig ihres Amtes enthoben, einstweilig oder endgültig in den Ruhestand oder in ein anderes Amt mit geringerem Gehalt oersetzt" werden können. In einem ähnlich gelagerten Falle hat auch seinerzeit das Reichsgericht den vom nationalsozialistischen Minister Frick in den Wartestand oersetzten Beamten zu ihrem Recht ver- Holsen. Das Reichsgericht hat damals ausdrücklich festgestellt, daß die Beamten ein wohlerworbenes Recht darauf haben, nicht vor- zeitig und nicht unter anderen als den gesetzlichen Formen ihres Amtes enthoben zu werden. Der Bundesvorstand war sich in schärfster Verurteilung und in nachdrücklichstem Protest gegen die bisher noch nie erhörten Ein- griffe in das Beamtenrecht einig. Er erwartet von den Beamten, daß sie im Interesse ihrer eigenen Sicherheit, im Interesse der Er- Haltung des Berufsbeamtentums und im Interesse der Verhinderung schlimmster Porteiwillkür bei Einsetzung von Beamten am 31. Juli au- den Ereignissen die politische Konsequenz ziehen. Disziplin und Entschlossenheit. Zn Bereitschaft sein ist alles. „Der Deutsche", das Organ der christlichen Gewerkschaften, charakterisiert die gegenwärtige Situation u. a. folgendermaßen: „Große Teile der Arbeitnehmer sehen in der Reichsregierung die allergrößte Gefahr für ihre geistigen und ihre materiellen Güter. Der Gedanke des Widerstandes, ja des Widerstandes um jeden Preis, taucht auf. Die Kommuni st en haben versucht, eine General- streikparole herauszugeben. Sie tragen diese Parole seit Jahren in ihrer Rocktasche. Sie war bisher stets ungefährlich. In diesem Augenblick der Hochspannung ist sie aber sehr gefährlich. Die Gewerkschasten treten deshalb der kommunistischen Generalstreik- parole recht kräftig entgegen. Sie sagen: wenn schon Generalstreik, dann keinen aus Befehl der Kommunisten und nach kommunistischem Rezept. Die Arbeiterschaft könnte auch keine größere Torheit be- gehen, als sich jetzt in diesem Augenblick in einen Generalstreik zu stürzen. Der konkrete, alles mitreißende Anlaß da- zu fehlt. Und es ist noch gar nicht ausgemacht, daß er kommt. Wir wollen es auch nicht hoffen. Ein Generalstreik würde im gegen- wärtigen Augenblick gleichbedeutend mit einem Bürgerkrieg sein. Darüber muß Klarheit herrschen. Und diese Erkenntnis muß das Verantwortungsbewußtsein oller führenden Kräfte in der Ar- beitnehmerbewegung aus das höchste steigern. Nie war es not- wendiger, Disziplin zu halten. Jede Winkelparole ist abzirlehnen... Freilich dürfen die verantwortlichen Instanzen der Reichsregierung diese ruhige Disziplin der Arbeitnehmer nicht falsch deuten, wie das jetzt schon durch einen Teil der Presse geschieht. Die Vergangenheit hat noch stets bewiesen, daß im Augenblick der Gefahr die Äewerk- schaften immer, auch von den unorganisierten Arbeitern, als Führung anerkannt werden. Die Gefahr einer Fehlrech- rechnung gewisser Kreise, die gern das glauben, was sie wünschen, ist sehr groß. Die Folgen einer solchen Fehlrechnung mit einer entsprechenden reaktionären Handlung wären unübersehbar. Stürzende Lawinen sind durch nichts auszuhallen." Damit hat der„Deutsche" den Nagel auf den Kopf getrosten. KPD. und NSDAP, sind wieder einmal einig gegen die Gewerk- fchaften und die Sozialdemokratie, die, wenn man den Herrschasten glauben dürste,„kapituliert" hätten. Dieses weder neue noch tief- griindige Zusammenspiel(die„Welt am Abend" vermeidet sogar. ihren Lesern das vom„Vorwärts" oeröstentlichte Geheimschreiben der Berliner Gauleiwnq an die Reichsleitung der NSDAP, auch nur andeutungsweise mitzuteilen!)— wird weder die Disziplin noch die Entschlossenheit der Arbeiterschaft erschüttern. Ob und wann die Arbeiterschaft zum entscheidenen Schlage ausholt, darüber bestimmen ihre Organisationen und nicht deren Feinde. Buchdrucker im Kreiheiiskampf. Für die Wahl der Liste 1. Die Generalversammlung der Berliner Buchdrucker am Don- nerstag im Gewsrkschaftshaus stand im Zeichen des F r e i h e i t s- k a m p s« s der Arbeiterschaft. Genosse Kurt H e i n i g hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Bedeutung der Reichstagswahl sür die Arbeiterschaft. Er zeigte die Ursachen auf, die zum Erstarken der Nationalsozialisten geführt hoben. Was wir jetzt in Deutschland erleben, sei das Fazit der Uneinigkeit des Proletariats. Der Nationalismus sei die Fratze der Reaktion von ehedem, die wieder zur Herrschaft drängt. Die Eiserne Front kämpft für die Lebensrechie der Arbeiterschaft. Deshalb müssen alle Kräste sür den Sieg der sozialdemokratischen Liste 1 angespannt werden. Am Schluß des Vortrages stimmte die Versammlung stürmisch in den Freiheitruf ein. Der Geschäftsbericht des Gauvo-rsttzenden Braun bot sehr wenig Erfreuliches. Die Mitgliederzahl weist einen nur geringen Rückgang auf. Sie betrug am 1. April 15 48? und am l. Juli 15365. Dieselbe Folgeerscheinung der Krise zeigt sich in der Lehrlingsabteilung. Hier wurden am Ende des zweiten Quartals 161» Lehrlinge gezählt gegen 1753 am Ende des ersten Quartals. Trotzdem herrscht unter den Lehrlingen reges Leben, was sich erst bei der in diesen Tagen unternommenen Hamburg- Fahrt gezeigt hat. Das trübste Kapitel ist natürlich die Arbeitslosigkeit. Am 1. April waren rund 67M Mitglieder ohne Beschäftigung. Die Zahl beträgt nach der Feststellung am 15. Juli 5667. Mit be- sonderem Dank erkannte Genosse Braun an, daß durch frei- willige Beiträge noch in Arbeit stehender Mitglieder für den Notstandsfonds etwa 3000 Mark ausgebracht wurden, wodurch manche Not unter den Arbeitslosen gelindert werden konnte. Dos Vorgehen gegen die Druckerei der„Roten Fahne" sei ein beispiel- loses Unrecht. Braun schloß seine Ausführungen mit der Auf- forderung an die Bersammelten, am 31. Juli die L i st e 1 zu wählen, um die Erhaltung der Gewerkschasten zu sichern. Nach kurzer Debatte wurde eine Resolution, die die Schließung der kommunistischen City-Druckerei als einen Eingriff in die Pressefreiheit verurteilt, gegen wenige Stimmen a n g e- n o m m e n. Braun machte dann einige Mitteilungen über das Aus- s che i d e n der beiden Gauvorsitzenden und eines Sekretärs am Schluß des Geschäftsjahres. Es wurde eine Kommission ge- wählt, die die Neuwahl vorbereiten und Vorschläge zur Urwahi machen soll. Die Bersammlung stimmte ferner einigen Aus- s ch l ü s s e n wegen verbandsschädigenden Verhaltens zu. Unter wiederholten Freiheitrufen verließen die zahlreich erschienenen Delegierten, die zum größten Teil die drei Pfeile trugen, den Saal. Gegen Lohnabbau und Schutzzoll. Die Untersuchung einer landwirtschaftlichen Forschungsstelle. Unsere Unternehmer sind daran gewöhnt, das Einkommen ihrer Arbeiter und Angestellten als einen Unkostenfaktor zu betrachten, den sie nach Möglichkeit senken müssen. Die zahlreichen und ernsken Mahnungen der Gewerkschaften, die immer wieder auf den engen Zusammenhang zwischen Massenkauskraft und Absatzmöglichkeiten hinwiesen, sind gerade in den letzten Jahren ungehört verhallt. Der Einfluß der Interessenten in Industrie und Landwirtschast hat sich zum Unsegen sür die gesamte Volkswirtschaft immer stärker be- merkbar gemacht. In diesem Zusammenhang ist die Veröffentlichung der R e i ch s- forschungsstelle für landwirtschaftliches Markt- wesen sehr beachtlich. Es wird nämlich nachgewiesen, daß die:m Interesse der Großagrarier erhobenen Schutzzölle auf landwirt- schaftliche Produkte bei sinkendem Volkseinkommen und erhöhter Eigenerzeugung ihren Wert verlieren, daß sie aber gleich- zeitig zu einer Verminderung der industriellen Aus- fuhr in diejenigen Länder führen, die durch diese Schutzzollpolitik verärgert sind. Heute hängt jedenfalls nach diesen Untersuchungen der für landwirtschaftliche Produkte zu erzielende Preis vor allem von dem Einkomnien der großen Masse ab. Das Ein- kommen des Landwirtes wird also in dem Maße oermindert, als sich das Einkommen der schaffenden Volkskreise vermindert. Wer dem Landwirt helfen will, muß also das wn, was die Gewerk- schaften seit Jahr und Tag gefordert haben: Er muß für die Er- höhung der Löhne und Gehälter eintreten, er muß den Abbau der Schutzzölle fordern, die heute mehr denn je ein Hindernis für den Wiederaufbau des Wirtschaftslebens sind. Die Untersuchungen der Reichsforschungsstelle sür landwirt- schaftliches Marktwesen sind ein Warnruf, eine Mahnung zur Umkehr. Sie oerdienen es, überall bekannt zu wer/ien. Wir haben allen Grund, uns auf diese Erkenntnisse zu stützen�Za sie das beweisen, was die Vertreter der Schutzzollpolitik und der-Lvhn- kind Gehaltsabbaus nicht wahr haben wollen: Wer zur Verelendung der Arbeiter beiträgt, untergräbt das gesamte Wirtschaftsleben. Die Naziregierung, die Regierung einer dünnen Oberschicht, die heute im Reiche amtiert, wird nicht gewillt sein, die Folgerungen aus diesen Untersuchungen zu ziehen. Daher muß alles getan werden, um ihr am 31. Juli zu beweisen, daß sie zu verschwinden hat. �reie Gewerkschafts-�ugend Berlin •eute findet folgende Veranstaltung statt: Osten: Zeltfahrt nach rieselang. Zuciendgrupve des Zentralverbandes der Angestellten Spiele im Freien! Ab 18 Uhr aus dem Sportplatz Hizmboldthain. Der.Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem iSitel.Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage.Volt und Zeil'". Anzeigenpreise: Die einspalt. Millimeterzeil- 30 Pf., Rellamezeile 2.— M. „Nleiue Anzeigen" das fettgedruckte Wort so Ps.(zulässig zw?i fettgedruckte Wort«) jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Taris. Worte übeb IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarlt Millimeterzeile s» Pf. Famllienanzeigen Millimerer- zeile l« Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lin/penstratze 3, wochentäglich von SV, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich tllr Politit: Victor Schiff: Wirtschaft:® ülingelhöler: 3. Steiner: Feuilleton: ljhcrbcrt ücperc: Lolales Sarstadt: Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. g: Vorwarts-Verlag<5. m. b. H.. Berlin. DrulT: Vorwärts-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u. So.. Berlin S-W. 88. Lindenstraße tz Hierzu 2 Beilagen. 7!r.Z43• 49 Iahrganq 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 23. Juli 4932 Freiheitsschwur der Jugend Für den Sozialismus, für die Freiheit.— Erhebende Kundgebung im„Clou". Berlins Arbeiterjugend in Viserncr Front, geschart um das rote Banner mit den drei Pfeilen der Freiheit— das war Zinn und Inhalt der grossen er- hebenden Jugendkundgebung, die gestern im(Vlou in der Mauerstraße stattfand. Es war der Wille unserer Jungen gewesen, angesichts der Denkmäler unserer größten Geisteshcroen unter freiem Himmel ihren Kampf- willen für Demokratie und Republik, für Freiheit, Recht und Zozialismus tundzutun. Tie Maßnahmen der Re- gierung von Papen haben sie daran gehindert. Um so einmütiger, um so stärker, um so siegesgewisser prokla- mierte sie seht im geschlossenen Raum die Ziele ihres Ttrebens. Sozialistische Arbeiterjugend, das Jungbanner im Reichs- banner Schwarz-Rot-Gold, frei« Gewerkschaftsjugend, AfA-Jugend, Arbeitersportjugend,— sie alle hotten sich zusammengefunden, sie alle stehen und streiten zusammen in der Eisernen Front, Dafür »ar der Fahneneinmarsch mit den Hunderten von roten und schwarzrotgoldenen Fahnen das prächtige Symbol. Ein ergreifender Anblick war es, als sich beim Einmarsch der Fahnen Taufende von Jugendlichen erhoben, als Taufende von Fäusten sich zum Freiheitsschwur emporrecklen. Das Lied von der jungen Garde, durch unsere unermüdliche und trefflich geschulte SAJ.-Kapelle intoniert, leitete die Kundgebung ein. Als der Dorsttzende Genosse Erich Schmidt daraus hinwies, daß diese Schwursäuste niemals sinken wurden, durchbrauste minutenlanger Beifall den Saal, Stürmische Frecheit-Ruf« klangen aus, als Schmidt unserer Kämpfer S e o e r i n g und G r z e s i n s k i ge- dachte. Wir Arbeiter werden uns als viel stärker erweisen als die SA,< und die SS,-Leute Hstlers. So schloß er unter stärkster Zustimmung. Das Mitglied des österreichischen Rationalrats, Genosse Könitz- Wien, nahm sodann mit Begeisterung begrüßt, das Wort zu einer flammenden Ansprache, Er überbrachte nicht nur den Kampfgruß der Oesterreicher, sondern die Wünsche des gesamten internationalen sozialistischen Proletariats. Trefflich kennzeichnete er den„Sozialismus" der Nazis, der Generale, der Prinzen, der Großgrundbesitzer als Schwindel und Kurpfuscherei, und stürmisch« Heiterkeit erhob sich, als er fragte, ob nicht der kaiserliche Vater dem Prinzen Auwi, wenn er ihm vor 20 Jahren gesagt hätte, er sei auch Sozialist, den prinzlichen hintern vollgehauen hätte. Mit freudiger Begeisterung nahm die Versammlung den Bericht des Genossen Könitz über den erfolgreichen Kampf unserer Wiener Genossen gegen die faschistische Gefahr auf. Von besonderer Be- deutung waren sein« Ausführungen über die Lage in Oesterreich im Herbst 1930. Damals war der rechte Flügelmann der Christlich- sozialen V a u g o i n Bundeskanzler, und der Führer der reaktiv- nären Heimwehr Fürst Starhemberg war Innenminister und Inhaber der Polizeigewalt. Am 9. November 1939 waren die Wahlen angesetzt, aber die österreichische Reaktion hatte Furcht vor ihnen und suchte sie mit allen Mitteln zu verhindern. Sie reizte die Arbeiterschaft, aber die Arbeiterschaft ließ sich nicht p r o v o- zieren. In den Heimen des Proletariats suchte man nach Waffen, die Wafsenlager der Reaktion aber ließ man unge- scharen. Unsere österreichischen Genossen behielten die Nerven, die Wahlen fanden statt und brachten der Regierung eine schwere Niederlage. Sechs Tage später war das Kabinett Vaugoin- Starhemberg weggefegt. Als dann zum Schluß Genosse Kanitz auf den Tag hinwies, der uns ein freies sozialistisches Groß-Deutschland bringen wird, da brachen die Massen unserer Jugendlichen in be- geisterte Freiheitsrufe aus, die ein unerschütterliches Gelöbnis waren. Genosse G o t t f u r ch t vom Zentralverband der Angestellten wies aus die Generation hin, die l914 achtzehn Jahre alt war und Deutschland verteidigte, um es 1932 einer Bande Hitlerscher Aben- teurer zu überlassen. Mit scharfen Worten geißelte er den Plan einer A r b e i t s d i e n st p f l i ch t, die den U n g e i st der K a- serne wieder heraufbeschwöre. Stärksten Beifall fand er, als er auf die Arbeit der abgesetzten preußischen Regierung für die Schaf- fung einer republikanischen Polizei hinwies und ausrief: „Wir kämpsen um die Seele der Polizeibeamten, damit die republikanisch« Polizei republikanisch bleibe!" Auch seine Rede klang im Freiheitsschwur aus. Spontan erhoben sich unsere jungen Kämpfer, als unser« Jungbannergruppen Freiheit für die H e i m a n n s b e r g, E n ck e und Carlbergh verlangten. Die Vorführung einer Revue mußte auf polizeiliches Geheiß abgebrochen werden. Der Gesang der International« beendete die mitreißende Kundgebung. « Daß die Verordnungen der Papen-Regierung das Gegenteil von dem brachte, was sie wünschte, zeigten zwei große über- füllte Kundgebungen im 29. Kreis, Reinickendorf. Ins- besondere die Wählerinnenkundgebung unserer Frauen im Strand- schloß in Tegel zeigte dies. In den äußerst belebten Straßen Tegels, besonders in den Abendstunden, wogte es von Abzeichen der Freiheitskämpfer. Auch auf den freien Plätzen Tegels und an der Strandpromenade zeigten sich unsere Frauen in ihrer neuen Kampftracht. Bis in den Garten des Strandschlosses hinein standen die Versammelten und hörten den Ausführungen der Ge- nossin Käte Kern zu, die besonders eindrucksvoll die Stellung der Frau in dem geplanten Dritten Reich schilderte. Hans Bauer brachte wirkungsvolle politische Sketschs. Im gleichen Geiste fand eine Kundgebung im„Hubertus" in Schönholz statt. Genosse Harnisch referierte und ließ die letzten Ereignisse im Landtag lebendig Revue passieren, wobei er auf die anwesenden Kommunisten absolut keine Rücksicht nahm: sie hörten andächtig zu, als er ihr geradezu gemeines Verhalten gegen Braun und Severing geißelte. Unsere Hoffnungen für den Wahlkampf stehen in diesem Bezirk ausgezeichnet. BVG.-personal für die Republik. In den Betrieben der Berliner Verkehrs-Gesell- s ch a f t war von den Nazis das Gerücht verbreitet worden, daß die große Wahlkundgebung der Eisernen Front für das BVG.-Personal nicht stattfinden würde. Wenn die Urheber der Lügenmeldung gestern den gestopft vollen großen Versammlungs- räum der Kammersäle gesehen hätten, wären sie vor Neid erblaßt. Die Veranstalter halten sür einen würdigen Rahmen ge- sorgt: der Sängerchor der Gesellschaft sang Kampflieder und Martha John rezitierte und beide fanden sehr viel Beifall. Genosse C r i s p i e n ging mit den nationalsozialistischen Volksverderbern ins Gericht: wie Keulenschläge sausten seine dokumentarisch belegten Anklagen aus die braune Brut nieder. Noch nie habe das Volk so schnell Gelegenheit gehabt, Gewaltmaßnahmen einer reaktionären Regierung mit dem Stimmzettel zu beantworten, wie es jetzt der Fall ist. Die moralischen Wirkungen, die von einem günstigen Wahlergebnis ausgehen, seien nicht hoch genug anzuschlagen, und deshalb käme es angesichts unseres Riesenkampfes gegen die Hitlerei darauf an, Sozialdemokraten und noch einmal So- zialdemokraten ins Parlament zu schicken. Angesichts dieser Möglichkeit, mit der Papen-Regierung abrechnen zu können, sei die deutsche Arbeiterschaft, die in der Sozialdemokratie und in den freien Gewerkschaften politisch geschult sei, nicht so dumm, ge- wissenlosen Demagogen zu folgen und den Machthabern vor die Flinten zu laufen. Weil die Reichsregierung die Absicht hat, sich die Gunst ausländischer Kreditgeber nicht zu verscherzen, deshalb wird sie auch die Wahlen stattfinden lassen. Genosse Crispien zeigte dann Hitler als Kostgänger des schwerindustriellen Kirdorf-Fonds und Goebbels als den Einpeitscher seiner braunen Garden gegen die Eiserne Front, die nach seinen eigenen Angaben die Nazis in die Defensive gedrängt hat. Mit seinem begeisternden Appell an die BVG.-Leute, den Kamps in der Eisernen Front, dieser wirklichen Einheitsfront, gegen die Hakenkreuzler zu führen, fand Crispien stürmischen Beifall. „Nun erst recht!" Die von der Hammerschaft des Bezirksamts Friedrichshain nach dem Böhmischen Brauhaus, Landsberger Allee, einberufene und glänzend verlaufene Versammlung war völlig überfüllt. Sie stand vom ersten Augenblick an im Zeichen des„Nun erst recht!". Landtagsabgcordneter Genosse Otto Meier fand in seiner Rede, in der er die Gewaltpolitik der Reichsregierung gegen das preußische Kabinett Braun-Severing scharf geißelte und die völlige Abhängigkeit des Feudalkabinetts von den Nazis unter Beweis stellte, den stürmischen Beifall der Versammlung. Die Kampfbegeiste- rung der Versammlung fand durch stürmische Beifallskundgebung wiederholt ihren Ausdruck in dem einmütigen Willen, der Reaktion, die jetzt die Abrechnung am 31. Juli fürchtet, gründlich das Konzept zu oerderben und sich durch keine Provokalion von irgendwelcher Seite dazu hinreißen zu lassen, erwünschte vorwände für eine hinausschiebung der Wahl zu liefern. Die in dem Geheimdokument der Nationalsozialisten ganz offenkundig zum Ausdruck gebrachten Putfchabsichtcn ließen den Referenten die Frage auswerfen, wie denn die Reichsregierung sich eigentlich dazu stelle.— Ein Sprechchor der Frauen des Kreises Friedrichshain in der Tracht und mit den Fahnen der„Eisernen Front" mahnte zu Aktivität, Disziplin und Einigkeit. Eine Reichsbannerkapelle ton- zertierte. Stürmisch begrüßt nahm am Schluß der Versammlung noch der Bürgermeister Genosse Paul M i e l i tz das Wort zu einigen anfeuernden Sätzen. Das neue Bbzähispiel der Kinder. Ein Leser schreibt uns: Kürzlich sah ich mehrere Kinder in Alt- Stralau bei einem Abzählspiel. Die Kinder aber zählten so ab: „Deutschland erwache, 5iitler koch Kaffee, Kaffee kocht über, Hitler hat Fieber, Fieber geht weg, Hitler ist Dreck." Kinder erkennen bekanntlich die Wahrheit zuerst! Werne Front- trotz alledem! Unsere nächsten Partei- und Betriebsveranstaltungen; Sonnabend, den 2S. lull: 7. Krell Charloltenburg. Abends 11 H Uhr Nachtvorstellung im Picadilly. Charlottenburg, Bismarckstr. 95. Vorführung des Films„Niemandsland". Referent Kurt Anker. Rezitationen Martha lohn. Karten zum Preise von 59 Pf. sind bei unseren Funktionären zu haben. Gäste willkommen. 122. Abt Bteidorf. 1954 Uhr, Wählerversammlung in den Schillersälen, Biesdorf, Königstr. 129.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Franz Künstler, MdR. Gehörlose. 20 Uhr, Eiserne-Front-Kundgebung im Saal 4 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25.„Der Gehörlose und die kommende Reichstagswahl." Referent R. Bredow, MdL. AfU-Arbeiter 1854 Uhr, öffentliche Wählerversammlung im Altersheim, Danziger Str. 62.„Unser Kampf um Freiheit und Brot." Referent Eduard Bernotat. Sonntag, den 24. Juli: S.Kreli Spandau. 16 Uhr, Gewerkschaftsfest in Löbells Karlslust, Hakenfelde-Spandau.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Otto Maier. 85. Abt Tempelhof. 1554 Uhr, öffentliche Kundgebung im Birkenwäldchen, Manteuffelstraße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Kurt Heinig, MdR. Konzert. 151. Abt Bezirk Blankenfelde. 16 Uhr Kundgebung der Eisernen Front bei Tinius, Blankenfelde.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Albert Falkenberg. Zentralverband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands, Gau GroB-Berlin. Vormittags 19 Uhr, in Kliems Festsälen, Hasenheide 15/15, große Protestkundgebung. Es spricht yprbandsvorsitzender Kollege Kurt Gäbler über das Thema:„Was haben die Arbeitsinvaliden von der jetzigen Regierung der Freiherren und Barone zu erwarten?" Alle Arbeitsopfer und Rentenempfänger müssen zu dieser Kundgebung erscheinen. Montag, den 25. lull: S.Kreis Friedrichshain. Ab 14 Uhr Frauentreffen im Saalbau Friedrichshain. Unterhaltung, Spiele für Kinder, Kaffeekochen, Musik, Vorträge. Ansprache des Genossen Franz Künstler, MdR. 6. Kreis Kreuzberg. 16 Uhr öffentliche Erwerbslosenkundgebung im Großen Saal des Schultheiß-Ausschankes, Hasenheide 24/51.„Für Arbeit und Brot". Referent Hermann Harnisch, MdL. 69. bis 75. Abt. Wilmersdorf. 1954 Uhr im Kleinen Saal des Viktoria-Gartens, Wilmersdorf, Wilhelmsaue 114, Frauen- Werbeveranstaltung. Kabarett der Volksbühne, Ansprache der Genossin Minna Todenhagen:„Unser Kampf für die Freiheit", Rezitationen der Genossin Else Bredllch. 88. Abt. Lichtenrade. 1954 Uhr Wählerversammlung bei Rohr- mann, Hilbertstraße 19.„Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Robert Breuer. 108a Abt. Köpenick. 1954 Uhr, öffentliche Kundgebung bei Pirschel, Köpenick-Nord.„Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Gottlieb Reese. 140a Abt. Wittenau. 1954 Uhr öffentliche Versammlung bei Eberhardt, Wittenau, Lübarser Straße,„Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Richard Joachim. Mix& Genest 1654 Uhr Kundgebung der Eisernen Front im Birkenwäldchen, Tempelhof, Manteuffelstraße 11/12.„Wer kann euch retten? Der Nationalsozialismus oder die Arbeit der freien Gewerkschaften?". Referent Kurt Heinig MdR. Konsumgenossenschaft. 1654 Uhr in der Kantine, Lichtenberg, Rittergutstraße 24.„Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Dr. Otto Friedländer. Hamelsche Druckerei und Verlagsanstalt. 16 Uhr Betriebsversammlung bei Schulz, Levetzow- Ecke Tagowstraße.„Kampf um die Lebensrechte der Arbeiterschaft." Eintritt nur für Betriebsangehörige. Referent Georg Maderholz, MdL. Betriebsfraktion der sozialdemokratischen Arbeitnehmer bei den zentralen Verwaltungen. 19 Uhr im„Hackeschen Hof", Rosenthaler Str. 49/41. Referent Bürgermeister Dr. Ostrowski. AOK. der Stadt Berlin. 16 Uhr im Großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer 25, öffentliche Betriebsversammlung.„Hitler und die Sozialversicherung". Referent Karl Litke, MdR. Bamag. 16 Uhr, Kundgebung bei Scheunemann, Reuchlin- Ecke Kaiserin-Augusta-Allee,„Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Max Brinitzer. Gewerbliche Arbeitnehmer im Handelsgewerbe. Kundgebung der Eisernen Front. 1954 Uhr, Großer Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer. Ansprache des Bezirksleiters Otto Ortmann, Fahnenweihe der Sturmfahne. Mitwirkende: Neuköllner Sängerchor, Rezitationen: Martha lohn. Kundgebung aller Ruhegeidempfönger der Berliner Kämmereibetriebe, der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke um 15 Uhr(mittags 1 Uhr), im Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain 16/25. Tagesordnung: 1. Bericht über die Satzungsänderungen der Beiratssitzung. Referent: Kollege Zietemann. 2.„Die Notverordnung der Hitler-Papen-Re- gierung und ihre Auswirkungen auf die Rentenbezieher". Referent: Kollege Schaum. Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk«. Kundgebung aller Arbeiter, Angestellten und Beamten der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke Groß-Berlins um 17 Uhr(im Anschluß an die Arbeitszeit), in den Gesamträumen des Saalbau Friedrichshain(Saal und Garten), Am Friedrichshain 16/25. Tagesordnung: 1.„Unser Kampf gegen die Regierung Hitler- Papen". Referent Franz Künstler, MdR. 2.„Nationalsozialismus und öffentliche Wirtschaft". Referent Karl Polenske. Rezitationen: Martha lohn. Sorgt für Massenbeteiligung! SÄS Allgemeine Flugblattuerbreitung von den beHannien Stellen aus. Alle Genossinnen und Genossen, ReichsDannerhameraden, die Mitglieder der sozialistischen Arheiteriugend und die Arneitersponier beteiligen sich darani Keiner den lehiepj Gefängnis für Dr. Rooscn. Ailgemeininteresse geht vor Privatinteresse. Das Schöffengericht Berlin-Mitte verurteilte gestern die Dr. Lucher-Zlttentäter wegen gemeiafchaitlichsr gefährliclier Körperverletzung und Verstoß gegen die Notoerordnung über Waffenbesitz zu folgenden Strafen: Dr. Max Roosen zu Ig Mo- naten Gefängnis, Werner Kertfcher zu 9 Monaten zwei Wochen Gefängnis unter Anrechnung oon fe drei Monaten Unter- fuchungssiaft. Der Haftbefehl wurde gegen beide Angeklagten enb- gültig aufgehoben. Der Urteilsbegründung schickte Landgerichtsdirektor Mafur folgende Bemerkung voraus: Es hat in dieser Verhandlung be- fremdend gewirkt, daß dem Angeklagten eine Redefreiheit über das übliche Maß hinaus gewährt worden ist. Es gibt in Moabit Fälle, in denen die Motioe klar auf der Hand liegen. Anders jedoch war es hier. Dem Gsrichi war es aber in erster Linie darum zu tun, sich durch einen persönlichen Eindruck darüber ein Urteil bilden zu können, ob es sich bei den Angeklagten um Scharlatane handelt oder um Amokläufer oder um Menschen. die aus lauteren Motiven ihre Tat begangen haben. Einen perfön- lichen Eindruck konnte aber das Gericht nur erhallen, wenn es den Angeklagten Gelegenheit gab, sich auszusprechen. Die Tat. fuhr der Vorsitzende fort, deckte sich vollkommen mit dem Willen der Angeklagten. Das ergibt sich aus ihren eigenen Auslassungen, aus der Art der Ausführungen der Tat und aus dem Verhallen der Angeklagten nach derselben. Sie haben si« nicht aus politischem Ehrgeiz begangen, auch nicht um irgendwelcher persönlichen Vorteile willen, auch nicht aus einem Erfinderwahn, sondern aus der Idee heraus, daß die Geldpolüik der Reichsbank falsch sei und sie mit ihrer Währungstheorie dem deutschen Volke dienen konnten. Das Gericht hält sich in keiner Weise besagt, sich darüber zu äußern, ob die Währungspolitik der Reichsbank richtig oder falsch ist. Es genügte dem Gericht die Feststellung, daß die Angeklagten sie für falsch gehalten haben. In ihrem Kampfe gegen dies« Währungspolitik haben sie sich aber im Mitlei vergriffen. Von einem gesetzlichen Notstand kann hier keine Rede sein. Es gab für die Angeklagten auch andere Wege, und das hat Dr. Roofen selbst durch die in seilten Erklärungen angeführten Beispiele gewisser- maßen zugegeben. V.ehst den Interessen des einzelnen steht das Interesse der All- gemeinheil. Das erfordert die Ordnung, die Zucht, die Sicher- Hell des Staates, wer seine Interessen über die der Allgemein- heil stellt, macht sich strafbar. Schon ein kurzer Blick aufs politische Gebiet zeigt, was für Folgen es haben würde, wenn das Gegenteil eintreten würde, wenn etwa unreif« Köpfe aus der Glorifizierung der Tat der Angeklagten für sich die Lehre ziehen würden, daß auch sie das Recht hätten, in gleicher Weife zu handeln, weil sie sich dem Staat gegenüber im Recht glauben. Wenn auch die lauteren Motiv« der Angeklagten anguerkennen sind, so haben sie ein Beispiel gegeben, das nicht Schule machen darf. Aus diesem Grunde sah sich das Gericht veranlaßt, über die gesetzliche Mindeststrafe hinauszugehen. * Gegen das Urteil des Schöffengerichts haben die Angeklagten laui der neuen Verordnung entweder dos Recht der Berufung oder das Recht der Revision. Ob sie von dem einen oder von dem an- deren Rechte Gebrauch machen werden, steht im Augenblick noch nicht fest. Sie können aber zufrieden sein, mit einem blauen Aug« davon zu kommen. Erreicht haben sie mit ihm wahnwitzigen Tat gor nichts. Heilt den HZiler! Was ruft die Nazi-Armee? Heil Hitler? Schluß mit diesem Gebrüll! Es heißt bei den Berlinern schon lange nicht mehr so. Alle rufen: Heilt den Hitler! Ja, heilt den Hitler! Heilt ihn von seinem Größenwahn, heilt ihn von dem Irrglauben, er könnte das Volk weiter betrügen und belügen. Wo man noch„Heil Hitler" ruft, da muß man antworten: Heilt den Hitler! Was ist das? Ein Hakenkreuz soll das Symbol Hitlers sein? Ach, auch das heißt in vielen Städten Deutschlands schon lange nicht mehr Hakenkreuz! Es ist ein Papenkreuz! Natürlich, das ist der richtige Name! Papenkreuz! So müssen wir es überall nennen! So mag es den Judasien in die Ohren klingen. Ja, Papen hat das schwerste und schlimmste Kreuz über das Volk gebracht. Und wer hat dabei geholfen? Hitler! Da ist es ganz richtig, wenn wir zu Hitlers Symbol sagen: Papen- kreuz! Es ist ein K r e u z mit der N a z i- S a l z st e u e r! Es ist das Papenkreuz! Es ist ein Kreuz mit dem Bürgerkrieg, neu aufgeflammt, seitdem die SA. marschieren darf. Papen- kreuz! Es ist ein Kreuz, das den Hungernden und Aermsten, den Opfern des Krieges, dem ganzen schaffenden Volke die Wohl- fahrt genommen und neue Lasten auferlegt wurden. Papen- kreuz! Dieses Papenkreuz ist ein Schandkreuz! Es ist das Kreuz des schändlichsten Verrates. Die Arbeitslosen spüren es, die Rentner, alle, alle! Fort mit diesem Papenkreuz! Fort mit dem Judas, fort mit gem Hunger- kreuz!___ Naziüberfall aus Reichsbanner. Trotz Ausnahmezustand!— Was geschieht? Im Osten Berlins, in der B lumenslraße. uniernahmen gestern abend SA.-Lenle einen heimtückischen Uebersall auf Reichsbannerkameraden. Drei Reichsbannerl.eute wurden durch Sliche erheblich verletzt. Fünf Razislrolche wurden festgenommen: alle waren bewaffnet. Größere Trupps nationalsozialistischer Flugblattverbreiter, die durch SA.-Leute verstärkt waren, durchzogen in den gestrigen Abend- stunden die Straßen des Berliner Ostens. In der Blumenstraße fiel die nationalsozialistische Meute über einige Reichsbannerleute her, die zufällig des Weges kamen. Die Hakenkreuzler gingen mit Tot- fch lägern, Dolchen und gezückten Messern auf die Reichsbannerleute los. In dem Handgsmenge, das minutenlang dauerte, wurden van den Hakenkreuzstrolchen auch mehrere Schüsse abgefeuert. Im Verlaufe der Schlägerei erlitten drei Reichzbannerkameraden erhebliche Stichwunden. Die Verletzten wurden zur Rettungsstelle IS gebracht, wo ihnen Notverbände an- gelegt wurden. Da- alarmierte Ueberfallkommando nahm fünf SA.- Leute fest. Dabei zeigte sich wieder, daß die Hitler-Söldner schwer b e- waffnet waren. Außer mehreren Stich- und Hiebwaffen wurden in den Taschen von zwei Festgenommenen kleine geladene Mauserpistolen und eine geladene Dreysepistole ge- funden. Die Arbeiterbevölkerung des Ostens ist über diese neuerliche nationalsozialistische Bluttat aufs äußerste empört. Eiserne Front in der NaziHochburg Steglih. Die Eiserne Front hat in der Aula des Gymnasiums m Steglitz «ine Wahlkundgebung veranstaltet, wie sie in dieser Nazigegend noch nie zu sehen war. Schon lange vor Beginn war die Aula überfüllt, so daß alle Türen geöffnet werden mußten, damit«in großer Teil der Versammlungsteilnehmer auf den Korridoren Platz fand. Anna Geyer zeigte das Gesicht der herrschenden Junker- klaffe und ihre vaterlandslose Politik seit mehr als 1 Jahren. Sie wandte sich besonders an die Frauen, die der Rednerin begeistert zustimmten, als sie sagte, die Arbeiterfrauen lehnten es ab, ihre Kinder groß zu ziehen, damit sie von einer herrschsüchtigen Junkerkast« aus dem Schlachtfelde des Krieges dahingeopfert würden. Genosse Otto Bach zeigte in eindringlicher und klarer Beweis- führung die volle Verantwortlichkeit der Nationalsozialisten für alle Handlungen der Regierung Papen. Der sozialistische Gedanke, der Gedanke der Planwirtschaft, das kollektivistische Denken hat überall Terrain gewonnen, selbst die Herren der Schwerindustrie kommen zum Staat und erbitten Hilfe für ihre verkrachten Betriebe. In dieser großen Auseinandersetzung muh beklagt werden, daß die Ar- beiterschaft nicht einig und geschlossen in einer großen Abwehrfront steht. Sind doch selbst in der NSDAP, die Arbeiter diejenigen, die die Blutopser bringen. zu denen sie von einer Herrenschicht gezwungen werden. Selbst die anwesenden Nazis konnten sich den Argumenten des Redners nicht verschließen. Auch das zahlreich erschienen« kleinbürgerliche Publikum, und insbesondere die zahlreich er- schienenen Kleinrentner, waren sichtlich beeindruckt von der Beweisführung des Referenten, daß sich Hitler zwar um das Wiedererscheinen seiner Bürgerkriegsgarden, um die Auslösung des Reichstags, um die Beseitigung der Volksrechte bemüht hat, daß er aber in seinen Verhandlungen mit dem Reichskanzler kein Wort des Protestes gegen die Notoerordnung fand. Ein anwesender Vertreter der Christlichen Volksfront(Frei Volk!) erklärte unter dem Jubel der Anwesenden:„Wir stehen zu euch." Die lebhaste Zustimmung und die ungeheure Begeisterung, mit denen die Referate auch von den zahlreich anwenden Kommunisten aufgenommen wurden, zeigte, daß die„Eiserne Front" auch in die Nazihochbürg Steglitz die entscheidende Bresche geschlagen hat. Ein„überparteiliches Blatt"! Was kann man aus Steglitz anderes erwarten. Der„Steglitzer Anzeiger", ein ziemlich verbreitete» Lokalblatt, das sich fortgesetzt als„überparteiliches" Organ bezeich- net, hat sich geweigert, die Protestentschließung des G e s a m t o o r- standes der Deutschen Staatspartei gegen die Willkür der Reichsregierung in Preußen und gegen die ungeheuerliche Ver- dächtigung verdienter Beamten aufzunehmen, und zwar auch nicht als bezahltes Inserat der Ortsgruppe Steglitz der Staatspartei. Dazu schreibt uns die Ortsgruppe Steglitz der Staatspartei: Der Kadavergehorsam, dem sich der deutsche Spießbürger so gern« beugt, geht schon wieder so weit, daß sogenannte überparteiliche Blätter es" nicht einmal wogen, in ihrem Inseratenteil die Erklärung einer verfassungstreuen Partei aufzunehmen. Mehr Pastor als Kaufmann. Llnfchuldslamm Cremer soll nicht bestrast werden. In der letzten Verhandlung im Devaheim-Prozeß setzte Justiz. rat Dr. Marwitz zunächst sein Plädoyer für Pastor Cremer fort. Am Schluß seiner Ausführungen bat er für Cremer, der in erster Linie Postor und nicht Kaufmann gewesen sei, um eine milde Beurteilung. Der zweite Verteidiger, RA. Dr. Philipp Mäh- ring, behauptete, bei der starken Ueberlastung mit Aemtern könne Pastor Erenier unmöglich für alle Unregelmäßigkeiten verantwortlich gemacht werden. Sein« R e i s e s p e s e n seien als berechtigt an- erkannt worden. Der Verteidiger verlangte für Pastor Cremer und für den Angeklagten Ernst Wilhelm Cremer Freisprechung. RA. Dr. Bendix sprach für den Angeklagten Claußen und meinte, das Gericht müsse mildernd berücksichtigen, daß Claußen in einen Konzern hinein- geraten sei, in dem auch nicht die geringste Aufsicht bestanden hätte. So habe Claußen schließlich in der Ausländsanleihe nach eigenem Gutdünken schalten und walten können. Nach den bisherigen Dispositionen ist zu erwarten, daß das U r- teil im Devaheim-Prozeß noch im Laufe der kommenden Woche verkündet werden wird. Flugunglück auf der �hön. Das größte Segelflugzeug der Welt abgestürzt. Wafferkuppe, 22. Juli. Das größte Segelflugzeug der Welt, die Maschine „Austria" des Segelfliegers Kronfeld erreichte am Freitag nachmittag durch Schleppfahrt eine große Höhe und verschwand in den Wolken über der bayerischen Rhön. Plötzlich kam die Maschine im Sturzflug aus den Wolken, wobei die beiden Flug- zeugenden losrissen. Kronfeld sprang mit dem Fallschirm aus der Maschine, während das Flugzeug im Tal zerschellte. Den siebzigsten Geburlslag feiert am 24. Juli Genosie Wilhelm Hinz, Prinzenstr. 79. Seit Jahqehnten treuer Abonnent des „Vorwärts", ist der Jubilar noch heute emsig für Partei und Ge- werkschaft tätig. Csk&f Wokrtc; MtZMS. 2>cr Die Faust einer unbekannten Macht hält den sonst so unbekümmerten Malersmann gepackt und schnürt ihm mörderlich die Gurgel zu. Seine breiten brabantischen Knie knicken ein, als hätten sie eiserne Scharniere. Schweiß bricht aus ihm heraus wie aus einem Fieber- kranken. Ihm ist so elend zumut, so beklommen, als würde er selber als armer Sünder hinaus zur Richtstatt geschleift. Der ganze Jammer der Erdscheibe packt ihn an. Am liebsten hätte er lautaus geheult, wie ein kleines Kind, das sich am Marktag im Trubel fremder Menschen von der Mutter verlaufen. Aber die Stelle seiner Augen, wo die Tränen sein sollen, ist ausgetrocknet, krigliger Sommersand, und brennt wie Feuer. Mit diesen trockenen Augen betrachtet er Hussens Todes- zug wie etwas, das die herkömmliche Ordnung der Dinge sprengt, wie etwas, das er nicht mehr versteht. Die schreiende Teufelshorde mit ihrem betenden Opfer biegt um das Haus„Zum hohen Hafen" zum Oberen Markt ab, auf das Geltinger Tor zu. Der Trubel in der inneren Stadt wird weniger. Roch und nach verschwinden die letzten Nachzügler, wie aufge- schluckt, und nun liegt die Straße trog der helle», prallen Nachmittagssonne verlassener da als in der verlassensten Nacht. Allen lebendigen Lebens bar! Unwirklich das alles, grauenvoll, gespensterhaft! Der Maler würde sich nicht gewundert haben, wenn jetzt die Stadt am See mit all ihren Mauern und Türmen, Schanzen und Bastionen, mit all ihren Häusern und Ge- werken, mit all dem schreiend bunten Farbgewühl des Konzils, mit all der hier auf einen einzigen Punkt zusammen» getragenen Herrlichkeit der ganzen West, auf einmal stumm in den Erdboden hinein versunken wäre und nichts als An» denken hinter sich gelassen hätte, denn ein unendliches Feld voller silberköpfiger, auf ihren stachligen Stengeln sich schau- kelnder Disteln, ihren weißwollenen Samen streuend und durchblutet von unaufhörlich fließenden Strömen des rotesten Mohns. Schweinlinger wartet geradezu darauf, daß sich etwas Schreckliches, erwas Unerhörtes ereigne, etwas, das fernab liegt allem gewöhnlichen Landlauf. Seine Nerven fiebern dem ungeheuerlichen Zusammen- bruch entgegen, dem Erdbidem, das alles zerrütten, sprengen und in die Tiefe stürzen soll. Doch nichts dergleichen geschieht. Kein Ziegel fällt von den steilgegiebelten Dächern herab, keine Mauer kommt ins Schwanken, kein Stein löst sich, kein Balken verbiegt sich. Die gute Stadt Konstanz bleibt genau an der gleichen Stelle stehen, an die sie ihre Baumeister und Bauleute im Lauf und Wandel der Jahrhunderte gebaut haben. Da begreift der Maler aus aufgerissenem Instinkt her- aus, daß, bevor die Dinge sich ändern können, erst die Menschen sich ändern müssen, und daß die sich erst ändern, wenn sich aus der Schar einer'löst und vorausgeht und diesen Vorsprung mit seinem Blute bezahlt. Diese Erkenntnis überwältigt ihn. Er muß ihr Ausdruck geben. Immer noch des bähmischen Menschensohnes steingewor- denes Antlitz vor sich, holt der Brabanter, gezwungen yon seinem innern Gesicht, Leiter und Spachtel, steigt die zwölf Sprossen hinauf und kratzt das. buntgesprenkelte, lebens- trächtige Meerweib mit einer solchen Wut ab, daß die nassen Klumpen bis auf die Ienscite der Straße fliegen. Fertig mit der Zerstörung, grundiert er die Wand über dem Fensterbogen von neuem, legt Gold auf, soviel er kann, und auf diesen frischen leuchtenden Grund setzt er das Bildnis des böhmischen Märtyrers hin, wie er es vorhin gesehen und wie es sich ihm unvergeßlich und unverwischbar ins Auge gebrannt hat. Es geschieht jedoch etwas Seltsames: Aus dem Bildnis eines Todgeweihten wird Zug um Zug das Bildnis eines Ewiglebendigen. Das Konterfei eines schwert- umgürteten Cherubs, der in Gestalt und Gesicht die Runen der Ewigkeit trägt. Flammen gehen von diesem Engel aus, feurige Flammen umsprühen ihn. Er selber ist Flamme und fem Auge so leuchtend, so strahlend, als sei er als Gottes Auge an das Ende der Zeiten gesetzt und scheide Wert und Unwert. Kein Zweifel, dies Bild an der„Zwehl" ist das Bild eines Meisters. Es ist das beste, das Schweinlinger iemals in die Welt gesetzt hat. Denn es ist nicht dem Verstand des Malers entsprungen, sondern seinem ausgebrochenen, über» quellenden Herzen. 28. An der Geltinger Torburg mit ihren sechs Porten hat sich der Vorlauf des Volks im mittleren Durchlaß verkeilt und drängt nun, von den Nachfolgenden vorwärtsgestohen, mit solcher Wucht über den Stadtgraben, daß die alte Zug- brücke in den rostigen Ketten wankl und schwankt wie ein schweres leutbeladenes Marktboot im märzlichen Föhn. Der Tor-Waibel an seiner Lücke kriegt's mit der Angst zu tun und schreit in den wirrlenden Klumpen hinunter: „Helfio! Die Brücke wird brechen!" Hans Hagen, der Bogt, im Steigbügel seines Rappens sich hebend, erfaßt die Gefahr. Die Hand mit dem Befehls- stab hochhebend, kommandiert er schon in der Sekunde darauf lautstimmig den nächsten Trupp Stadtwappner heran. Die renrrn eiligen Schritts aus dem Glied, stoßen quer durch den tobenden Quirl, riegeln, noch keuchend vom Lauf, in vierfacher Reihe die Zugänge ab und lassen alles, was hinter- her kommt, nur noch truppweise durchs Tor und über die Brücke. Dadurch gibt es ein Stocken. Die Prozession des Todes steht für eine Weile still. Viele sind froh über die Pause. Die Teufel, die Hus umringen, schnaufen aus von ihrem lärmigen Tun und wischen sich die schwitzende» Höllengesichter. Da lie schweigen mit ihrem Gegröhl, hebt sich des Betenden Stimme wie Kamelruf über sie hin und überklingt auch das Schlirren der Wehr der dreitausend Gewappneten des Zuges. Hus spricht das Wort der Psalmisten:„Enlsündige mich mit Psop, Herr, daß ich rein werde! Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! Tröste mich mit deiner Hilfe und rüste mich aus mit einem standhaften Gemüt! Denn du hast nicht Lust zum Opfer, ich wollte dir's sonst wohl geben, und Brandopfer gefallen dir nicht! Die Opfer, die dir gefallen, sind ein ge- ängstigtes Herz! Ein geängstigtes und zerschlagenes Herz wirst du. o Gott, nicht verachten!" (Fortsetzung folgt.) Angegriffene als Angeklagie. Unmögliche Anträge des Staatsanwalls. Ende März d. I. kam es in der T u r m st r a h e in Moabit zu einem politischen Zwischenfall. Dort versuchten National- s o z i a l i st e n, die mit einem Privatwagen an der Ecke der Strom- strahe hielten, ein mit zwei Reichsbannerleuten be- setzte? Motorrad anzugreifen. Der Mitsahrer des Motor- rades wehrte den Angriff ab, indem er mit einer Gaspistole einen Schuß auf die Nationalsozialisten abgab. Daraus wurden die beiden Reichsbannerleute ermittelt und ein Strafverfahren eingeleitet, das jetzt vor dem Schöffengericht Mitte zur VerHand- lung stand. Angeklagt waren merkwürdigerweise die Reichsbannerleute I. und B., die einen gegen sie gerichteten Angriff abwehren wollten, nicht aber die Angreifer, die die Veranlassung zu diesem Zwischenfall gegeben hatten und die nun als Zeugen vernommen wurden. Diese Nazi-Zeugen verwickelten sich in ihren Aussagen in zahlreiche Wider- spräche, aber diese Widersprüche reichten osfenbar nicht aus, um dem Staatsanwalt Herrn Dr. Mittelbach von der Un- richtigkeit der Darstellung dieser Zeugen zu überzeugen. In seinem Plädoyer beantragte er gegen I. eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr und gegen B., der nichts weiter getan hatte, als das Motorrad geführt, eine solche von 8 Monaten. Bei dem Plädoyer des Rechtsanwalts Joachim kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen ihm und dem Gericht. Der Verteidiger untersuchte zunächst die merkwürdige Rolle, die der nationalsozialistische Personenwagen bei dem ganzen Zwischenfall gespielt hat. Der Vorsitzende ließ diese Untersuchung jedoch nicht zu, sondern führte einen Gerichtsbeschluß herbei, der dem Verteidiger weitere Ausführungen zu diesem Punkte untersagte, weil sie angeblich„nicht zur Sache"' gehörten. Der Verteidiger erklärte dann weiter, es sei unsinnig, den beiden Reichsbannerleuten zu unterstellen, sie wollten die an der Straßenecke haltenden Nazis „überfallen". Solche Ueberfälle würden nach den herrschenden Er- fahrungen nur vom fahrenden Fahrzeug auf ein anderes fahrendes Fahrzeug verübt. Zum Schluß verlangte Rechtsanwalt Joachim, daß den Verteidigern der Republik das gleiche Recht auf Notwehr zugebilligt würde wie ihren Feinden. Das Gericht kam jedoch noch zu keinem Urteil, sondern es be- schloß, einen neuen Termin anzuberaumen und einen Schießsachoerständigen zu laden. Alles wohlauf am Ltederfee. Auf Grund der bedauerlichen Vorkommnisse im Roten Falken- lager bei Stralsund bringen— wie die Arbeilsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß-Verlin uns mitteilt— die im Zeltlager Uedersee der Berliner Kinderfreunde untergebrachten Helfer und Kinder den Eltern zur Kenntnis, daß der Lagerbetrieb bisher ohne jede Störung durchgeführt worden ist, Die Kinder befinden sich durchweg wohl. Die Eltern, die sich zur Teilnahme an der Besuchsfahrt am Sonntag, dem 24. Juli, angemeldet haben, werden sich selbst davon überzeugen köynen. Alle übrigen Eltern werden gebeten, ihr« im Lager be- sindlichen Kinder auch die vierte Woche weiterhin dem Lager an- zuvertrauen._ Erst A-t.Zuli.- Dann wird weiter gekämpst! In den Versammlungsraum des Hufeland-Hospitals hatte die Eiserne Front die Arbeiter, Angestellten und Beamten des Bezirksamts Prenzlauer Berg gerufen, und der Versammlungsraum war überfüllt Unter dem Banner der Republik und den roten Fahnen der Freiheit saßen die Arbeiter, viele noch im Arbeitskittel, neben den Beamten, Schwestern und Pflegepersonal vom Hufeland-Hospital neben den Angestellten, und alle hörten gespannt den sachlichen und überzeugenden Ausführungen des Berliner Stadtkämmerers, Genossen Asch, zu. Der Redner sprach vor diesen sachverständigen Zuhörern, die täglich mit den Opfern der Not zu tun haben, und die wissen, wie es den Rentnern und Unterstützungsempfängern zumute ist, über das Thema:„Wohl- fahrtsstaat oder Drittes Reich?" Unter der Zustimmung der Ver- sammlung zeigte er, daß die Nazis nicht daran denken, für die Groß- agrarier und die Großindustrie den Wohlfahrtsstaat abzubauen. Mit der Beseitigung der Wohlsahrts- und Arbeitslosenunterstützung wollen sie die Arbeiterschaft zu Boden zwingen. Wir kämpfen heute um unsere Lebensrechte, um unsere Existenz, und der Kampf i st auch am 31. Juli nicht zu Ende! Brausende Freiheitsrufe zeigten den Freiheitswillen und die entschlossene Kampfbereitschaft der Versammlung. Vier Tote bei einem Verkehrsunglück. München, 22. Juli. Ein schweres Verkehrsunglück ereignet« sich ain Freitagnach- mittag im Westen der Stadt. An einer abschüssigen Stelle riß von einem mit Kies beladenen Lastkraftwagen einer Münchener Bausirnw der Anhänger ob und fuhr die abfallende Straße rück- wärts hinab. Ein Mann, der auf einem Fahrrad« ein Kind mit sich führte, wurde erfaßt und ebenso wie das Kind aus der Stelle getötet. Dann geriet das Gefährt auf den Bürgersteig und überrannte eine Frau, die tödliche Verlegungen erlitt. Zwei weitere Passanten wurden bei dem Unfall schwer verletzt, von denen der eine kurz nach seiner Einlieferung in die Chirurgisch« Klinik seinen Verletzungen erlag. Oie ersten Gänge im Tenniskampf. Vor ausgezeichnet besetzten Tribünen begann am Freitag im Pariser Roland- Garros-Stadion pünktlich der große internationale Tenniskampf: Davis- Pokalspiel Deutsch- land— Nordamerika mit dem Treffen Freiherr von C r a m m— S h i e l d s. Es gab eine Riesenüberraschung. Dem Deutschen gelang es, den Amerikaner in 4 Sätzen mit 7:5. 5: 7, 8:6, 8:6 zu schlagen. Freiherr von Cramm spielte hervorragend. während der Amerikaner ziemlich nervös war und Fehler machte. Im zweiten Spiel schlug V i n e? den Deutschen P r e n n 6:3. 6:3, 0:6, 6:4. Der Kampf stand bis auf den dritten Satz ganz im Zeichen des Amerikaners. Prenn war durchaus nicht in der bei ihm gewohnten Form. Der Kampf steht damit nach dem ersten Tag 1: 1._ llrlaubssperre bei der Schuhpolizei. Wie wir erfahren, ist für die Berliner Schutzpolizei gestern die Urlaubsfperre angeordnet worden, von der die Beamten aller Dien st grade betroffen werden. Auf Urlaub oder auf Gesellschaflsiahrten befindliche Polizcibeamte werden von ihren Dienststellen zurückgerufen. S2. Abteilung. Heute alle Genossen um 6 Uhr bei Schellhas«. � Tlieaiet, Lichtspiele usw.) INähe Schles. BM. ia.!'',St9i.!.S,8'sU. E 7 Weichsei 4031 Deriifleie Bauer Rose- 1 Realer Ortäe Franktartar Slnle u: Iii. 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N. 3f.$)fifcher: 3)ie QefchicMe des SPormellans Heute findet sich auch im ärmsten Housstalt Porzellan und verbreitet etwas von dem Glan,, und dem Schimmer, der dieser edelsten und brauchbarsten Töpferware auch in ihrer Alltagssorm eigen ist. Und doch ist es noch gar nicht lange her, daß da? Porzellan eine kostbare Seltenheit war, die für teures Geld aus China bezogen wurde. Erst feit dem Beginn de? t!?. Jahrhunderts gelang es in Europa, das Porzellan nachzuerfinden, aber noch lange blieb das edle Gut Luxuswar« und Gegenstand der Repräsentation, Die fast abenteuerliche Geschichte des Porzellans, freilich nur in Europa, und in seiner europäischen Blütezeit, d, h, im 18, Jahrhundert, er- zahlt Friedrich H, H o f m a n n in einem Ergänzungsband der �Proprstäen-Kiinstgeschichte", dieses kostspieligen und großangelegten Werkes, das damit bereits auf 23 Bände angewachsen ist(Das Por< zellan der europäisch«» Manufakturen im 18, Jahrhundert, Eine Kunst- und Kulturgeschichte von Friedrich H, H o f m a n n>. Hofmann, früherer Konservator in München, ein besonderer Kenner des Porzellans und durch seine Kataloge und Spezial- geschichten bewährt, ist zwar kurz vor Erscheinen des Buches ge- storben, aber hat den Text doch vollenden können. Er gibt in seinen mit etwa 600 Abbildungen, darunter vielen farbigen Taseln, in allen modernen Reproduktionsarten hergestellt, nicht nur eine Kunst- geschichte der üblichen äschetischen Art, sondern vielmehr eine Kultur- geschichte, die sogar die technischen und wirtschaftlichen Seiten des Porzellans zu erfassen sucht. Eine Wirtschaftsgeschichte des Por- zellans im 18. Jahrhundert wäre darüber hinaus ein äußerst inter- essantes Kapitel aus der Frühzeit des Kapitalismus, das freilich noch nicht geschrieben ist und auch schwer zu schreiben ist. Das Porzellan ist zunächst im wesentlichen nur von den fürsllichen Manufakturen hergestellt worden, besonders Deutschland ist das klassische Land seiner Produktion gewesen. Jeder Fürst von einiger Bedeutung schuf sich seine Porzellanmanufaktur, damit das Geld nach merkan- tilistifcher Auffassung im Lande bliebe. Aber dieser kostbare Artikel war doch im wesentlichen nur ein„Attribut des Glanzes und der Würde". Und so sehr auch auf Export hingearbeitet wurde, so ist es doch fraglich, ob der Porzellantaumel wirklich Er- träge gebracht hat. August der Starke von Sachsen hat jedenfalls viele Millionen für diese Leidenschaft verpulvert. Seine Manu- faktur war wirklich der„porzellanene Schropfkopf Sachsens". Friedrich II. von Preußen mußte 1763 für 200 000 Taler die von ihm privilegierte Manufaktur übernehmen. Und so sehr er darauf aus war. ihre Produkte unterzubringen— jeder Jude, der in seinem Lande der sogenannten Religionsfreiheit ein« Heiratskonsenz brauchte, mußte für 600 Taler Porzellan kaufen—, ist doch anzunehmen, daß sie keine Ueberschüsse einbrachte. Die meisten fürstlichen Porzellanmanufakturen, deren Produkte heute unsere Museen füllen, sind denn auch wieder eingegangen. Von all diesen Dingen erzählt Hofmann, wenn auch nicht in dieser zugespitzten Form. Er ist ja auch kein Nationalökonom, und die Sombartsche Theorie, daß die Luxus- wie die Kriegsindustrien die Hauptförderer des Frühkapitalismus gewesen sind, ist ihm gewiß völlig fremd geblieben. Um so mehr bietet er aoer über die europäische Vorgeschichte des Porzellans. Der ita- lienische Reisende Marco Polo, der 1271 bis 129S den Fernen Osten bereiste, erwähnt zum erstenmal das chinesische Porzellan, das nach neueren Forschungen in den ersten Jahrhunderten unserer Aera erfunden wurde. Freilich, seine Berichte erschienen in Buchform erst 200 Jahre später. Inzwischen waren längst Proben des Por- zellans zunächst als fürstliche Geschenke nach Europa gelangt. Später kamen sie als reguläre Handelsgegenstände, besonders seitdem die Portugiesen in eigener Schiffahrt den Handel mit dem Osten auf- genommen hatten 1612 wird bereits berichtet, daß ein Schiff der Ostindischen Kompagnie aus Nanking 38 641 und I61S, daß ein anderes 67 057 Stück Porzellan nach Amsterdam gebracht hat. Enorme Summe flössen für die stets steigende Einfuhr nach dem Fernen Osten, und es ist begreiflich, daß die fürstlichen Liebhaber ihre Luxussucht im eigenen Lande zu befriedigen versuchten. An verschiedenen Orten ging man daran, Porzellan herzustellen, und man hatte auch teilweise Erfolge damit, wenn es auch nickst das harte und richtige Porzellan wurde. Die wirklichen Nach er sin- der des Porzellans in Europa sind der Goldmacher B ö t t g e r und der vielgereiste sachsische Gelehrte von T s ch i r n- haus. Die Einzelheiten der Erfindung, die ganz unabhängig von China vor sich ging, werden nie mehr festzustellen lein, Immerhin scheint Hofmann im Recht zu sein, wenn er dem nielerfahrenen Tschirnhaus den größten Anteil an der Erfindung zuweist. 1710 entstand in Meißen die erste europäische Porzellan- manusaktur. Sie ist das ganze 18, Jahrhundert in Durch- sührung geblieben, obwohl sehr schnell die geheim gehaltene Kunst sich durch die A r k a n i st e n, d, h, die Kenner des Geheim- Verfahrens, über das ganze' Europa Ausbreitete und nun überall Manufakturen entstanden, Hofmann ist wohl der beste Kenner aller dieser Herstellungsstätten gewesen. Er gibt uns eine Ilebersicht über ihre Produkte, über die Verkaussmethoden. die Reklame und die Marken, er versenkt sich liebevoll in die Vorbilder, die Motive, die in der plastischen wie in der malerischen Ausschmückung vor- herrschen, Sie sind eine volle Selbstdarstellung des Hoslebens mit seinen Unterhaltungskünsten. Jagden, Maskeraden, Spielen, Tänzen, Theaterfreuden usw. im 18. Jahrhundert, Die Manufaktur hatte bereit? eine weitgehende Arbeit»- t e i l u n g eingeführt, ja man produzierte bereit? am laufenden Bande, Große Künstler haben mit ihren Entwürken da« deutsche Tanagra, wie man die Produkts der Porzellanmanusaktur mit Recht bezeichnet hat, bereichert Kandier und Melchior sind die hervorragendsten deutschen Modelleure, In Frankreich haben Faleonet und Boucher Entwür'e sür Porzellan gemacht. Wir können uns heute kaum noch einen Begriss davon machen, welch hervor- ragende Rolle das Porzellan in dieser seiner Blütezeit für da? ganze europäische Kulturleben gespielt hat, E? diente nicht mehr nur den Lurusbedürsnissen und' der Samnielleidenschait der Großen, nach und nach fand es auch Eingang in die höheren Schichten des Bürgertums mit dem Tee, dem Kaffee und der Schokolade, die nach und nach die altgewohnten heimischen Getränke und Suppen ver- drängten, Es ist unglaublich, was alles für Gegenstände au? Porzellan hergestellt wurden. Von kleinen Knöpfen, sogenannten Galanteriewaren, über die Tabaksdose, die Vasen und die köstlichen Giuppensiguren bis zum Kronleuchter,.2arg, Kamin und schließlich bis zum lebensgroßen Reiterstandbild! Geräte des täglichen Lebens, die bisher aus Silber. Zinn. Fayence hergestellt waren. wicben jetzt der Ausführung in Porzellan: Tassen, Teller. Schüsseln, Dosen usw. Die Fürsten selber haben dafür gesorgt, daß viele dieser Köstlichkeiten erhalten blieben. In jedem Schloß war ein Por-' zellankabinett eingerichtet(in Charlottenburg und Monbijou haben wir Proben davon), und die Erben der fürst- lichen Kammern, unsere öffentlichen Museen, bieten uns heute noch in reichster Fülle Beispiel« aller jener Manufakturen. 3)ie fcköne, weite Welt fflondenfiert von Tüarie �heref e „Schön ist es auch anderswo, und hier bin ich sowieso." Dieser Satz ist leider nicht van mir, sondern von Wilhelm Busch, Hätte mir Wilhelm Busch den Satz nicht weggeschnappt, ganz genau so hätte ich mich ausgedrückt. Und alle i Leuten, die mich immer fra- gen:„Sie waren doch überall, wo ist es nun am schönsten auf der Welt?", hätte ich diese Antwort gegeben, Ich wüßte keinen schönen Punkt der Welt, an den ich mich zu- rückwünschte. Ich sehne mich immer nur nach dem anderswo. Bin ich ini Süden, so will ich nach dem Norden, bin ich im Osten, dann reißt es mich nach dem Westen, In der Erinnerung ist die Welt da am schönsten, wo man die glücklichsten Erlebnisse hatte. Man steht der Welt nie objektiv gegenüber. Lachen oder Tränen liegen wie Sonne oder Regen auf dem Landschaftsbild, Und doch... wo, wo war es am schönsten???? Am duftigsten ist das Landschastsbild in Japan. Wie hinge- haucht; die„Inland Sea" im Frühling, hellblau und rosa getupft. Winzige, blaßgrüne Jnselchen, manche so klein, daß nur ein ein- ziges blaßgrünes, krummes Japanbäumlein darauf Platz hat; und an jedem Jnselchen hängt ein zartes Nebelschleierchen. Aber auch eine Landschaft in düsterer Schwermut ist schön. Auch der polnische Acker ist schön: schwere, aufgeworfene Erdschollen, schwere tiefe Regenwolken; die Welt in schwarz und grau, voll krächzender Raben, Schön ist das Jnselchen„Wauwau" in der Südsee, Die schlan- ken Kokuspalmen nicken über dem Wasser, nachts streicht der See- wind über das Jnselchen und die Palmenkronen zittern im Mond- silber, Nein, schöner, viel schöner ist der deutsche Schneewald; die schweizer Bergwiese bei schmelzendem Schnee in Millionen bunten Krokusblüten leuchtend. Schön ist es. in einem italienischen Dörfchen zwischen Mäuer- lein auf steinigem Pflaster bergauf zu steigen und nichts zu sehen als Mäuerlein und tiefes Himmelsblau, und die Spitzen der dunklen Zypressen aus versteckten Gärten. Friedrich IteigeU/ SctiulgefchiMen: 3)ie ffirille Heller Jubel schallte über den Schulhof. Knaben und Mädchen rangen um den Sieg im Ballspiel, und jeder Treffer löste einen lauten Beifall bei der Siegerpartei aus. An den Zaun gelehnt, schaute der Lehrer sinnend dem Spiel zu. Er beobachtete seit einer geraumen Weile das Verhalten der kleinen Margot. Was war das vor einem Jahre noch für ein ausgelassenes Mädel gewesen. Mit jedem Jungen hatte sie es aufgenommen. Kein Zaun, kein Baum war ihr zu hoch gewesen, selbst vor Raufereien hatte sie sich nicht gescheut. Damals war sie die maßgebende Führerin des weiblichen Teils der Klasse gewesen, eine Führerin, die auch den Jungen Re- spekt abnötigte. Und nun? Kopfschüttelnd sah der Lehrer, wie sie ängstlich dem Ball auswich, wie sie den Fang scheute, sich möglichst abseits hielt, weil sie kaum beachtet wurde, wie das ganze Spiel ohne ihr« frühere Aktivität ausgefochten wurde. Was konnte doch ein Jahr an einem Kindesgemüt ändern! Er hatte es alles kommen sehen und doch nicht zu ändern vermocht. Die Umwandlung begann, als Margot im vorigen Jahre an Ma- fern erkrankte. Leider hatten ihre Augen dabei gelitten, und als sie wieder ausstand vom Krankenbette, da mußte sie eine Brille tragen. Nach kurzer Zeit hatte sich das Mädel daran gewöhnt und ihre alte Behendheit, Lustigkeit und ihr frohes Lachen wiedergewonnen, Da wurden ihr eines Tages beim Spiel die Augengläser zer- schlagen. Verantwortlich konnte niemand gemacht werden, da Mar- got selbst die Schuld an dem Unfall trug. Schüchtern wagte sie sich nach Hause. Wenngleich sie sich der Tragweite des Unglücks nicht bewußt war, so ahnte sie doch, daß ihr Vater sehr böse sein würde, Er war ein armer Mann und hatte sich redlich zu quälen, um das Brot für Frau und fünf Kinder zu verdienen, Margot hätte den Schaden am liebsten nur der Mutter gezeigt. Aber die konnte allein auch nicht helfen. So war es schon besser, der Bater erfuhr es gleich. Was geschehen war, konnte jedem passieren. Und allzu teuer stellte sie sich die Gläser auch nicht vor. Als sie aber vor dem Vater stand und ihm den hohlen Rahmen der Brille zeigte, wurde es ihr unter feinem erstaunt zürnenden Blick so schwer, daß sie kein Wort hervorbrachte, „So— o!" hatte er gerufen und seine Hand zuckte, aber er be- herrschte sich noch.„Dafür arbeite ich alio die halbe Woche, damit dein Mutwille das Geld in Scherben zerschlägt Dafür können die andern dann hungern," Margot hatte ihn groß angeschaut und ein tiefes Erschrecken durchfuhr sie. Sie hatte nichts dagegen gesagt, als aber die Mutter beim Mittagessen fragte, ob sie noch einen Teller Suppe wünsche, da hatte sie dankend den Kopf geschüttelt und hungrig entsagt, Ihretwegen sollte niemand, sollten vor allem nicht ihre kleinen Geschwister hungern müssen. Bis in den Schlaf hinein verfolgte sie das Bild, wie sie den andern das Brot vom Munde riß und alle sie vorwurfsvoll anschauten. Wenn sie doch nur arbeiten könnte, um den Schaden, den sie angerichtet hatte, selber wieder gut zu machen. Aber wer brauchte denn solch ein kleines Mädel? Niemals, das ge- lobte sie sich hoch und heilig und legte dabei die drei Schwursinger bekräftigend aus ihr Herz, niemals sollte sie ein ähnliches Unglück wieder heimsuchen. Lieber entbehrte sie das Spiel, denn Hunger ist ja viel schrecklicher als alle Strafe, Das merkte sie jetzt, da ihr der Magen knurrte und sie so gern noch etwas gegessen hätte. Aber sollte sie zur Mutter gehen und von ihr dasselbe wie vom Vater hören? Sollte sie sich selbst heimlich etwas holen und die Schuld noch oermehren? Wenn man sie dabei ertappte? Nein— unerschütterlich grub sie dieses„nein" in ihren Willen hinein, Zähne zusammenbeißen und Tränen herunterschlucken! Schon am nächsten Tage hatten die Schulkameradinnen diesen Stimmungsumschwung bei Margot bemerkt, Sie sprach kein Wort darüber. Nur dem Lehrer gegenüber, der sie einmal ermunterte, fröhlich wie früher zu sein, entgegnete sie:„Dann geht mir meine Brille wieder entzwei, Vater hat nicht soviel Geld, sie immer machen zu lassen, sonst müssen wir hungern" Der Lehrer hatte wehmütig mit dem Kopf gelchüttelt und Mar- gor stillschweigend so gelassen, wie sie sich jetzt zeigte. Nur manch- mal fing er einen Sehnsuchtsblick ihrer immer noch lebhaften Augen auf, wenn sie dem Spiel der andern zuschaute. Da griffen unwill- kürlich oft noch-hre Hände vor. den Ball zu fassen, um aber rasch zurückzuzucken und an die Brillengläser zu fahren Wenn aber die Klasse beim Zliisflug in Wald und Feld herumstreifte dann braebte Margot oft ihre Brille dem Lehrer, damit er sie aufbewahre Ihre alte Lustigkeit erwachte wieder, bis die anderen ihre unsicheren Be- wegungen belachten. Da zog sie sich traurig zurück, Eines Tages erschien der Vater Margots beim Lehrer und fragte ihn, ob er ihm nicht sagen könne, was mit seiner Tochter los sei Sie hätte sich derart verändert, daß es jedem Menschen auffiele und er befürchte, sie sei krank, Der Lehrer versuchte dem Vater Margots Zustand zu erklären, „Ach so," meinte der Vater,„na, dann ist ja das Mädel ganz verständig."... Schön ist es, oben auf einem New-Porker Wolkenkratzer zu stehen, die Stadt zu Füßen und weites Meer und weites Land... ganz, ganz dahinten fäilängelt sich der Hudson River in den Himmel hinein. Aber nein, viel, viel schöner ist es im Garten des Mena Houfe zu Füßen der Pyramiden. In ägyptischer Nacht, Da muß man einmal ganz stille stehen und lauschen, dann hört man das Schweigen. Die Stille der Wüste. Nein, am schönsten, am allerschönsten ist es In Meran, wenn die Obstbäume blühen und der Schnee noch auf den Bergen glitzert. Oder nein: wenn man bei Glendora in Californien um die Berg- ecke geht und plötzlich durch die Reihen der goldgekugelten Orangen- bäume das tiefblaue Meer leuchten sieht, Aber was ist das alles gegen den Sternenhimmel von Tanda! Er regnet Silber, strahlt aus Millionen Silbersternen hernieder auf endlos flache Prärie. O, wie schön ist es am Morgen an der portugiesischen Küste! Vor der Einfahrt bleibt der Dampfer liegen. Der Leuchtturm blin- kert noch schwach gegen das erste Sonnenlicht. Portugal im mar- gentlichen Hellblau, Blaßviolett und Grün. Und die Segel der aus Sardinenfang ausziehenden Fischerflotte fliegen gegen die Sonne Und schön sind die blauen Berge von Australien. Berge, aus die man nicht hinaufsteigt, sondern von denen man hinuntersteigt in Schluchten, Und zurück, hinauf auf die Patzhöhe, der Verbin- dung mit der Welt. Hinunter zu den Farrenwäldern, zu den Schleierwassersällen, zu phosphorleuchtendem Urwaldmoos und rie- figen rotglühenden Tulpenkelchen Und schön ist es unter einem roten Blütenbaum auf einer in- bischen Dorfstraße, aber es ist auch schön, wenn der Wüstensand über ein marokkanisches Doerffchen fliegt. Und es ist schön... einzig, einzig schön!!, wenn der Mai in den Tiergarten kommt, und wenn auf den Champs Elysees das Herbstlaub fällt. Oder wenn in Vancouoer die riesigen Norsolktannen im Regen tropfen, Oder wenn in den hundertjährigen Gärten bei Casablanca die lila Trau- benblüten über die Mauern hängen und rings herum die Störche ganz stille auf einem Bein stehen. Wo ist es am schönsten, wo? Vielleicht doch draußen auf dem weiten Meer. Wenn der Dampfer gleitet und gleitet und silberne Funken in die tiefblauen Wogen sprüht. Oder ist es nicht doch schöner, wenn im Hasen von Sydney jubelnd der Tag aufgeht, die Sonne auf die vielen roten Dächer unter Eukalyptusbäumen scheint, die weißen Ferryboot« aus den plätschernden Buchten schlüpfen, hinüber in die große Stadt, in die Arbeit? Schön, ttaumhast schön sind die italienischen Seen im Sommerdunst, wenn oben über dem Comosee die Well voller Maiglöckchen ist. Manchmal denke ich, nein, am allerschönsten ist doch der Lake Louise in den kanadischen Rockey Mountains, der Bergsee, in den die Wolkenfetzen hinunterhängen, umstanden von den höchsten, Herr- lichen, himmelstürmenden Tannen, Und dann denke ich, nein, viel- leicht ist doch der Karersee noch schöner. Der winzige Bergsee in den Dolomiten, buntschillernd wie ein Pfauenauge, ein Farben- wunder. Die schwarzen Tannen werfen schwarze Schatten und die Alpenrosen glühen und die roten Dolomitenspitzen glühen. Und sitzt man in Madeira im Zuckerrohr, so ist das einzig schön. Besonders, wenn eine Riesenspinne ein silbernes Netz ge- spönnen hat zwischen den Rohren, ein Netz, so groß wie ein auf- gespannter Regenschirm, aus feinstem Filigran... man schaut hin- durch und die Lichtchen der Küste, ganz, ganz da unten, hängen wie Diamanten im mondübergossenen Gewebe, Nein, jetzt weiß ich es, was am schönsten ist, am allerschönsten auf der schönen weiten Welt, Die englische Wiesenlandschast, die blühenden Hecken, die blanken Wasserläufchen, die Rotkehlchen, tirilili, das einzige, einzige, satte Grün Englands... oder ist viel- leicht Irland nicht doch noch grüner? und, ach ja, da war ja die Kuhblumenwiele in Südaustralien,' die mir so gut gefiel, rund, bis zum Horizont, die Welt eine einzige gelbgetupste Kuhblumenwiese. O, und der Eibsee in den Bayrischen Alpen, klar bis auf den Grund ,., im Winter, wenn er zugefroren und man darüber hinweg- gehen kann,,, das Eis liegt wie ein Hauch über dem See, aus den man tritt ohne zu sinken, sieht Kiesel und Algen und Baum- wurzeln und schwimmende Fische, man sieht das Märchenwunder, Oh, wenn in Wien im Protei die Kastanien blühen wie Millio- nen Wcihnochtskerzen, und wenn es Sommer wird. hoch, ganz hoch oben in Alaska, die Bergflüßcben auftauen und über die Stein« springen und riesige Bachiorellen, hopps, hinüber über Stein und Wellen, und rings herum die stille Einsamkeit Wenn der Wind über die Nordsee pfeift und wenn das Ge- witter dreinlchlägt in den Tropenwald und eine hohe Palme zer» splittert, dann ist die Welt herrlich in ihrer Kraft,.. wo, wo ist es am schönsten�, Anderswo? Rein, hier, wo ich gerade bin, im Jubel des Heute, am Tinimendorsecstrond, am milden, zarten, reinen Ostseestrand, Und hier bin ich sowieso, Glücklich, für wen die Welt nur diese vier Wände hat: Nord, Süd, Ost, West. Und oben und unten der Himmel darüber. 3Ir.343• 49 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 23. Juli 4932 Die steiherrliche Teuerungspolitik. Verbraucher- und Bauemruin durch Lunkerpolitik. Im Kabinett Brüning wurden den Bemühungen Schieles, ohne Rücksicht auf die(Besamtwirtschaft alles für die Landwirtschaft her- auszuholen, durch seine Ministerkollegen noch einige, wenn auch ungenügende Hemmschuhe angelegt. Im Kabinett der Barone gibt es für den neuen Reichsernährungsminister Freiherrn von Braun derlei Hemmungen nicht mehr. Jeder Unfug wird von seinen Standesgenossen im Kabinett gebilligt, weil sie allesamt der Ansicht sind, daß das, was dem Junker frommt, auch dem Kleinbauern recht sein muß, von dem Verbraucher gar nicht zu sprechen. Das paßt zu der„gottgewollten Regelung der Dinge", wie der Reichskanzler auf der Tagung des Deutschen Landwirtschaftsrates die Herrschaft der Großgrundbesitzer und des Großkapitals auf Kosten der Massen bezeichnete, in deren Namen die Brüning-Regierung gestürzt wurde, als sie die nicht mehr sanierungsfähigen ostdeutschen Großbettiebe zur Besiedlung bringen wollte. Die Gesundung des deutschen Ostens als nebensächlich, die Macht- und Besigerhaltung weniger tausend meist adliger Familien zum Hauptangriffspunkt der Agrarpolitik ansehen, kann aber nur eine Regierung, die jede Rücksicht auf Wah- rung der Interessen der Bauern und der städtischen Verbraucher vermissen läßt. Die Ankündigung des Reichsernährungsministers auf dem Genossenschaftstag in Dresden,„die Reichsregierung wolle alles daransetzen, durch geeignete Maßnahmen auf dem Gebiete der Siedlung und der bäuerlichen Veredelungswirtschaft und durch Pflege des Güteraustausch? der Länder untereinander die deutsche Wirtschaft ihrer Gesundung entgegenführen", kann daher nur als politische Schaumschlägerei betrachtet werden. Durch alle bisher erfolgten Maßnahmen ist gerade das Gegenteil erreicht worden, nämlich die Benachteiligung der bäuerlichen Wirtschaft und Gefährdung unserer Außenhandelsbeziehungen. Denn was hat die neue Reichsregierung bisher getan? Die geplante Verteuerung vou Speck und Schmalz durch die Aufhebung der bisher verhältnismäßig niedrigen Zwischen- zolle— bis zum Ablauf des schwedischen Handelsvertrags Speckzoll statt 14 Mark 20 Mark und Schmalzzoll statt 6 Mark 10 Mark, später Schmalzzoll von S0, Speckzoll von 75 Mark— will mit der Einfuhrdrosselung eine Preissteigerung, die einen Rückgang des Konsums zur Folge hat und damit für die Landwirtschaft keinen echten Preisvorteil bringt. Sie bringt auch sonst keinen Vorteil. Die besten Preise werden nämlich beim Verkauf von magerem Fleisch erzielt, weil dieses gegenüber fettem Fleisch von den Ver- brauchern bevorzugt wird. Deshalb hat die Landwirtschaft in den letzten Jahren die Schweine nicht mehr auf drei oder mehr Zentner Gewicht gemästet, sondern nur auf zwei Zenwer. Wird künftig zur Vermehrung der Speck- und Schmalzerzeugung wieder auf höheres Gewicht gemästet, so erzielt das Fleisch dieser Tiere einen geringeren Preis. Denn man kann nicht gleichzeitig von einem Tier fetten Speck und mageres Bratenfleisch gewinnen. Alan hat den deulsch-fchwedischen Handelsvertrag gekündigt, um diese„Förderung" der Veredelungswirtschaft zu erreichen. Man will dadurch auch die Einfuhr von Rindern völlig unterbinden, die sowieso schon nur einen geringen Bruchteil des gesamten, auf den deutschen Markt gelangenden Rinderangebots bettägt. Nur um den agrarischen Wünschen, die in diesem Falle rein agitatorischer Natur sind, wird unsere Aussuhr nach Schweden preisgegeben, wodurch natürlich die Ar b e i t s l o s i g k e i t weiter st e i g t.! Auch die Erhöhung des Arühkarloffelzolls von zwei auf vier Mark und die Kontingentierung der Einfuhr auf 70 Proz. des Vorjahrimports ist für die Landwirtschast nutzlos. Es werden nur die bisherigen Einfuhrländer, hauptsächlich Italien, Holland und Belgien, verärgert, und es wird in Deutschland neue Arbeitslosigkeit erzeugt. Die Preise aber können nicht erhöht wer- den, da die diesjährige Ausdehnung der Frühkartoffelanbaufläche um 9000 Hektar schon eine Mehrproduktion von 110 000 Tonnen bringt, so daß, wie der deutsche Landwirtschaftsrat selber mitteilt, das Ausland keinen Anreiz zur Belieferung des deutschen Marktes mehr findet und versucht, seine Kartoffeln anderweitig unter- zubringen. Geradezu lächerlich ist es aber, wenn der Reichsernährungs- minister andauernd von seinem„entschlossenen Willen, die kata- strophale Lage der bäuerlichen Veredelungswirtschaft erträglich zu gestalten", redet, ober nichts Eiligeres zu tun Hot, als das wichtigste Schweine- und Hühnerfutter zu verteuern. Der Monopolpreis für Mais wurde von 140 Mark auf 180 Mark erhöht, das einzige, in jeder Menge verfügbare Hllhnerfutter, die Hirse(Dari) wurde in die Monopolbewirtschaftung miteinbezogen, um es zu verteuern. In den Kreisen der Geflügelhalter herrscht berechtigte Empörung, denn der Vorteil der auf Betreiben der So- zialdemokratie unter dem Kabinett Brüning durchgeführten Hühnerweizenverbilligung wird hierdurch wieder zu- Nichte gemacht. Das gleiche unwahre Geschwätz von der Förderung der bäuer- lichen Wirtschaft findet sich in der Regierungserklärung, in der die Verkoppelung von Znlandsgersie und Russenroggen der Deutschen Getreide-Handelsgesellschaft verkündet wird. Der Abgabepreis beträgt für zwei Tonnen dieses Futtergemisches 320 M. je Tonne, wovon auf Gerste 170 M. und auf Roggen 150 M- je Tone entfällt. Die Jnlandsgerste wird gleich geliefert, der Roggen aber erst im Winter. Das ganze ist nichts anderes als ein« Stützung des Gerftemarktes und eine Verteuerung der Gerste für die Schweinemäster, da die Gerstepreise sofort nach Be- kanntwerden der Aktion in beträchtlichem Ausmaß gestiegen sind. Der jetzt statt zollverbilligter Gerste gelieferte Auslandsroggen hat einen Preis, der noch um 90 W. je Tonne über dem Weltmarkt- preis liegt, so daß das Reich ein gutes Geschäft dabei macht, die Veredelungswirtschaft aber bi» über die Ohren eingeseift wird. Sin ganzes Schock von Mahnahmen dient ausdrücklich zur preishochhaltung bei Getreide, gerade weil die Ernte besser ausfällt! Auch sie dienen in erster Linie den Junkern, nützen dem Bauern wenig und schädigen den Verbraucher. Zur Verringerung des Angebots sollen die Kreditinstitute die Fälligkeiten der Wechsel möglichst hinausschieben. Die Reichsbank soll die Verlängerung landwirtschaftlicher Wechsel möglichst wohl- wollend behandeln, wenn der landwirtschaftliche Schuldner an der Einlösung oerhindert ist. Um den Getreideproduzenten die Zurück- Haltung der Ernte zu ermöglichen, werden den Genossenschaften 50 Millionen, den Getreidekreditbanken 10 Millionen für die Bevor- schussung von Getreidelieferungen, den Mühlen 40 Millionen zur Finanzierung des Getteidegeschäfts von der Reichsbank an Krediten zur Verfügung gestellt. Außerdem werden die Lagerkosten und die Zinssätze durch Reichszuschüsse verbilligt. Auch werden ebenso wie im Vorjahr Aus- fuhrscheine für Weizen und Roggen erteilt. Um den Mühlen einen Anreiz zu bieten, möglichst viel Weizen einzulagern, wird der im allgemeinen auf 97 Proz. festgesetzte Vermahlungszwang für In- landsweizen, für die Mühlen, die eine bestimmte zusätzliche Ein- lagerung vornehmen, ermäßigt, und zwar können sie bis zu 30 Proz. ausländischen Austauschweizen vermählen. Der Zoll für Hartweizen zur Grießherstellung ist zum Schutze des deutschen Weizens auch schon von 11,25 M. auf 16 M. erhöht worden. Zur Verstärkung des Roggenkonsums ist die im letzten Frühjahr zur Streckung der Roggenvorräte eingeführte hohe Ausmahlungsvorschrift wieder auf- gehoben worden, von der man eine Erhöhung des Roggenver- brauch? um 240 000 Tonnen erhofft. � Von der Frage der Besiedlung der überschuldeten Rittergüter in Ostelbien angefangen bis zu den Mahnahmen zur Hochhaltung der Getreidepreise— die agrarpolitische Haltung der Adelsregierung ist die gleiche. Aus jeder Maßnahme geht hervor, daß die Reichs- regierung gewillt ist, zum Schaden der Bauern und der gesamten Volkswirtschaft die Interessen der Junker zu wahren. Ob der Konsum weiter schrumpft und das Einkommen der gesamten Landwirtschaft zurückgeht, ist gleichgültig, wenn nur dem ostelbischen Junkertum sein Besitz und eine Rente gesichert werden. Die Torheit der Maß- nahmen wird sich an der Landwirtschaft selber rächen. Bauern und Arbeiter müssen aber schon am 31. Juli das Gericht an den Ver- ontwortlichen vollziehen. Zemeniabsatz bleib! niedrig. Die vom Zementbund bereits für Mai gemeldete neue Stockung des Zementabsatzes hielt im Juni an. Es wurden im Juni 323 000 Tonnen abgesetzt gegen 324 000 Tonnen im Mai und noch 449 000 Tonnen im Juni vorigen Jahres. i ALLE TABAKE SIND AUSNAHMSLOS vvpßaßf- Durch die doppelte Fermentation sämtlicher Tabake dieser Mischung gewinnen unsere Mustercigaretten Reemtsma Sorte>R 6> o/M das AuOersta an Reinheit, Milde und BeKömmlichkeit ERNTEN 21 BIS 30 ♦ MUSTERCIGARETTEN ♦ MISCHUNG SNUMMEH R6 o/M Diese Ogaretten werden in den neu»n des technischen Musterbetriebes in Aitona-ßahrenteld Lieferung ist lunflchst beschränkt. Der ungewöhnlich wrte und reine CharaMer dieser Mischung beruht darauf, daß sämtliche Tabake zweimalQnfS'P IVt T CS(|�r#ie wird ausschließlich ohne Mundstück hergestellt. Oi%n��tSAnfcn|erokftnil��u$ folgenden Olslrlkten: Ofo Ogaretten siru metboden* die zugl ief Fabrikations« HertfeUuryi auf REEMTSMA SORTE REEMTSMA OGARETTEN FABRIKEN G.M.B.H. ALTONA-BAHRENFELD Wahrheit über»-« Wohlfahrtsstaat. Deutsche Arbeiter zahlen viel höhere Steuern als die französischen und englischen. Das Statistische Reichsamt hat in„Wirtschast und Statistik" Nr. 12 kürzlich eine Untersuchung über die Steuerbelastung in Deutschland, Frankreich und Großbritannien veröffentlicht, die eben- falls zeigt, was von Popens bösem Schlagwort vom deutschen „Wohlfahrtsstaat" zu halten ist. Die Untersuchung zeigt nicht nur, daß die durchschnittliche Steuerbelastung in Deutschland sehr viel höher als in den beiden Vergleichsländern ist; sie zeigt vor allem, daß die niedrigen Einkommen in Deutschland ganz unverhältnismäßig stärker belastet sind als die hohen Einkommen. Der Vergleich der drei Länder zeigt, daß die Freigrenzen bei der Einkommensbesteuerung in Frankreich und England mehr als dreimal, in England bei einem Verheirateten mit zwei Kindern fast fünfmal so hoch sind wie in Deutschland. Sleuerfreigrenzen nach Abzug der werbungskosten (in Mark) Das bedeutet, daß«in französischer oder englischer Arbeiter dreimal so viel wie sein deutscher Genosse verdienen darf, eh« er einen Pfennig Steuern zahlt. Das Verhältnis wird dadurch noch viel schlimmer, daß es in Deutschland für die Bürger st euer überhaupt keine Freigrenze gibt! Um nun einen einigermaßen vollständigen Vergleich zu bieten, hat das Statistische Reichsamt den Einkommensteuern nicht nur die Sozialbeiträge(die ja als Zwecksteuer angesehen werden können) hinzugerechnet, sondern auch die Steuerbelastung von Verbrauch und Aufwand(etwa durch Bier-, Zucker-, Vergnügungssteuern und durch die Zölle) zu ermitteln gesucht. Die Gesamtbelastung der Einkommen in den drei Ländern.zeigt sich in folgender Uebersicht: Belastung der Löhne uud Gehälter durch Steuern und Beiträge (in Proz. des Einkommens) Bei einem Einkommen I. einer Einzelperson von ISO« M... . 4 000„ . 10 000„.. . 50 000„.. 2 eines verheirateten mit 2 Kinoern von 1 500 M... . 4 000... . 10 000... „ 50 000,.. Deutschland Arbeiter Angestellte 23,67 21,12 21,34 17,50 23,40 18.62 17,54 35,00 21,07 15,00 13,67 31,25 Frankreich 8.02 5,44 9.91 21,02 9,90 6.06 6.05 16.77 Groß- britannien 10,06 9,26 13,71 23,74 12,48 5,86 7,36 22,47 In Deutschland muß ein Verheirateter mit zwei Kindern bei einem Einkommen von 1500 Mark 21 Prozent an Steuern und Bei- trägen zahlen, in Frankreich noch nicht 10, in England noch nicht 13 Prozent. Bei 4000 Mark Einkommen hat der deutsche Arbeiter 17,5 Prozent, der französische 6 und der englische weniger als 6 Prozent zu zahlen. Denn der französische und der englische Ar- beiter zahlen dann noch gar keine Einkommensteuer, da ihr Ein- kommen die Steuerfreigrenze noch nicht erreicht(siehe Tabelle I), sondern sie werden nur durch Zölle, Verbrauchssteuern und Sozial- beitrage belastet. Während die kleinen Einkommen in Deutschland u n- erhört viel schärfer besteuert werden, etwa dreimal so stark wie in England und Frankreich, wird der Unterschied in der Besteuerung mit zunehmendem Einkommen wesentlich kleiner. Bei einem Einkommen von 50 000 Mark zahlt die Einzelperson in Deutschland 35 Prozent, in Frankreich 21 Prozent und in England 24 Prozent ihres Einkommens als Steuern: das deutsche Einkommen in dieser Höhe ist also nur um die Hälfte mehr belastet als das französische und englische. Wir ergänzen diese Feststellungen noch durch ein« frühere Veröffentlichung(„Wirtschaft und Statistik", Jahrgang 1930, Nr. 14). Darin wird untersucht, wieviel vom'Gesamtaufkommen an Ein- kommensteuern auf die einzelnen Einkommensklassen in diesen drei Ländern entfällt, wieviel von der Gesamtsumme die kleinen, die mittleren und die großen Einkommen ausbringen. Anteil der Einkommensklassen am Gesamtsteuerauskommen (in Prozent) Aus dieser Tabelle, die im wesentlichen auch für heutige Ver- Hältnisse zutrifft, geht hervor, daß die wenigverdiener mit einem Einkommen bis zu 1800 IN. in Deutschland fast genau ein viertel oder 75 Prozent der Gesamtsumme an Einkommensteuer aufbringen, in Frankreich aber noch nicht 2 Prozent, ip England gerode ein halbes Prozent! Dabei ist noch zu bemerken, daß diese Beträge in Deutschland dem Arbeitseinkommen entnommen werden, in England und Frankreich aber dem Einkommen aus Zinsen und Dividenden. Andererseits bringen die V i e l v e rd i e n e r mit einem Einkommen von mehr als 50 000 Mark in England mehr als die Hälfte(46,7 Prozent) des gesamten Einkommensteuerbetrages auf, in Deutschland aber noch nicht 17 Prozent! Wir wissen sehr wohl, daß Frankreich und England eine größere Zahl von Vielverdienern haben als Deutschland. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß die breiten Schichten der kleinen Einkommen in Deutschland in sehr viel stärkerem Maße zur Deckung der Staatsausgaben herangezogen werden als in Frank- reich und England. Das ändert auch nichts daran, daß wir S o- zialdemokraten nach wie vor eine stärkere Entlastung der kleinen Einkommen anstreben werden. Das ändert auch nichts an der Unwahrheit und Ungerechtigkeit des Schlagwortes der Freiherrn- regierung vom deutschen Wohlfahrtsstaat zugunsten der Arbeiter und sonstigen Versicherungspflichtigen, das zum jetzigen Elend der Massen auch noch den Hohn gefügt hat. Einen Hohn, für den das arbeitende Volk die Regierung der Barone und ihre na- tionalsozialistischen Helfershelfer am 31. Juli gründlich zur Rechenschaft ziehen wird. Em 10- Milliarden- Dolmr- Trust. Zusammenschluß der vier größten amerikanischen Bahnen. Bisher mar die Deutsche Reichsbahn A.-G. mit einem kapilol von 25 Milliarden Mark dos größte Uniernchmen der Welt. Damit ist es jetzt vorbei. Die vier größten amerikanischen Eisenbahnlinien werden zu einem Trust verschmolzen, der nicht weniger als 10 Mit- liorden Dollar oder 42 Milliarden Mark Kapital haben wird. Es handelt sich um folgende Bahnen: die Pennsylvania Bahn, New Pork Central Bahn, Baltimore& Ohio Bahn und die Chesapeake 6.- Ohio-Nickel Plate-Bahn. Damit wird mehr als z w e i Fünftel des ganzen amerikanischen Eisenbahnkapitals mit einem Schienennetz von 53 000 Meilen Länge— das ist fast das Dop- p e l t e des Schienennetzes der Reichsbahn— und eine einheitliche Leitung gebracht und die bisher scharfe Konkurrenz unter diesen Bahngeselllchaiten ausgeschaltet. Die staatliche A u f s i ch t s b e- h ö r d e�, die Interstate Commerce Commission, bat den Zusammen- schluß genehmigt Die Konsumvereine im Zum. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine meldet für den Monat Juni eine leichteSteigerungdesllm- s a tz e s. Bei den berichtenden 153 größeren Konsumvereinen hat sich vom Mai zum Juni der Gesamtumsatz von 49,65 auf 51,29 Mil- livnen Mark und der Umsatz je Mitglied von 22,88 auf 24,04 Mark erhöht. Popens Arbeitsbeschaffung. 50 Millionen für Wasserstraßen und 60 Millionen für Landstraßen. In Durchführung der Notverordnung vom 15. Juni wird die Deutsche Gesellschaft sür öffentliche Arbeiten A.- G. den Bau von Walserstraßen mit 50 Millionen uud den Bau von Landstraßen mit 60 Millionen finanzieren. Die Arbeiten sollen in der Hauptsache als Notstandsarbeiten, in geeigneten Fällen auch im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes durchgeführt werden. EsmM aiirt BssirScsverfeand Berlin der S�8>. Abfahrt 13 J4 Uhr(�2 Uhr) fUrdie Nummern 1—1000 ab Waisenbrücke, für die Nummern 1001—3000 Abfahrt ab Oberbaumbrücke Karten für Kinder und Erwerbslose gelten sowohl ab Waisenbrücke wie auch ab Oberbaumbrücke. Abfahrt auch von Schöneweide, Treskow-Brücke und von Köpenick, Luisenhain. Karen für Dampfer sind noch an den Abfahrtstellen zuhaben Die Frauenleiterinnen, die noch nicht abgerechnet haben, werden gebeten, unbedingt heute vormittag noch mit dem Frauensekretariat abzurechnen Das Frauensekretariat Die Lage der amerikanischen Eisenindustrie. In Heft 29 der Zeitschrift„Stahl und Eisen" werden die Pro- duktionsergebnisse der amerikanischen Eisenindustrie sür das erste Halbjahr 1932 mitgeteilt. Danach ist die Schwerindustrie der Vereinigten Staaten zur Zeit noch schlechter beschäftigt als die deutsche, die ja in den Russenaufträgen vorläufig einen gewissen Rückhalt hat. Die Leistungsfähigkeit der amerikanischen Eisen- und Stahl- werke ist zeitweilig nur zu 12 Prozent ausgenutzt gewesen. Die Le> schäftigung hat sich im Juli zwar etwas gebessert, ist aber nicht über 20 Prozent der Leistungsfähigkeit hinausgegangen. Diese katastrophale Lage hat ihren Grund darin, daß die H a u p t a b- nehmer der Schwerindustrie— die Bauwirtschaft, die Eisen- bahnen, die Kraftfahrzeugindustrie— jetzt so gut wie nichts ab- nehmen. parSeinachrichten�Wfür Groß-Berlin Kinsenvungen für viele Rubrik ftnd' 6 c c i i o SS 68. Liudemtrahe 3. stets au das Geztrtssekretariat Z. Hot. 2 Trevven recht», zu richte» Beginn aller Veranstaltungen 19�2 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 7. Kreis. Heute müssen die Abteilungskassierer die Karten zur Nachtvorstellung um 17 Uhr beim Genossen Arndt. Charlottenburg. Uferstr. 49, abrechnen. 11.«hkeis. Die SAI. unseres Bezirks geht auf Landagitation noch Erkner. Sie erwartet die Unterstützung seitens unserer Genossen. Treffpunkt heute. 18 und 20 Uhr, Bahnhof Schöneberg. Kosten 1 M. Für die Agitation auf dem Südgelande treffen sich alle Genossinnen und Genossen Sonntag, 24. Juli. 14 Uhr, Sachsendamm Ecke Priefterweg. 20. Kreis. Die heutige Kundgebung auf dem Brockengelände in Reinickendorf« West findet nicht statt, da die polizeiliche Genehmigung nicht erteilt wurde. 10. Abt. Achtung, neues Lokal! Nur heute von 18 bis 20 Uhr Flugblattver« breitung bei Pflug. Lessingstr. 41. Alle Genossen und Genossinnen müssen sich daran beteiligen. 48. Abt. Heute, 18 Uhr, bei Keller, Fürstenstr. 1, Flugblattverbreitung. 20 Uhr Funktionärsitzung. 58. Abt. Sämtliche Genossen treffen sich heute, 13 Uhr, bei Liersch. 80. Abt. Die Genossinnen und Genossen treffen sich heute, 17� Uhr, in den bekannten Lokalen. 84. Abt. 171� Uhr Funktionärsitzung bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm-Str. 23— 31. 89. Abt. Heute, ab 18 Uhr,'Flugblattverbreitung von den bekannten Lo« kalen aus. 32. Abt. Bezirksführer, Einladungen bei Wolff abholen. 108. Abt. Heute Materialausgabe(Fahnen etc.) zwischen 18 und 13� Uhr im Parteiheim, Schloßstr. 27. 124. Abt. Sonntag, 24. Juli, 8 Uhr, Flugblattverbreitung von Lokal Anders aus. 125. Abt. Heute, l8 Uhr. treffen sich alle Parteimitglieder in ihren Zahlabend« lokalen. Radfahrer 1814 Uhr bei Gallas. Frauenveranstalkungen. »1. Abt. Treklvunkt zur heutigen Dampferfahrt nur Uhr Berliner Eck« Hermennftraße. Abt. Wir treffen uns 13>h Uhr an der Treskowbriicke zur Dampferfahrt. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Verlin. Die morae», Sonntag, 24. Juli, heinrkehrcnben Falle» fahren gegen IS Uhr hier vom Zeltlager ab und treffen gegen 20 Uhr am Dahnhof Prenzlauer Allee ein. IMUWIß Hallo, Kinder Repsblik Blankensee! Sonntag, 24. Zuli, zwischen M; 14 und 1-T--j Uhr Rundiunkilbertragung aus unserer Kinderrepublik A•SL.- Blankensee bei Lübeck. Unsere Falken erzählen und singen von ihrem _ Leben und Treiben aus ihrem Staate. Kreis Friedrichshain. Sonntag, 7 Uhr, Treffpunkt Schlesifcher Bahnhof Eck« Fruchtstrasie zur Kreisfahrt. Nestfalken 15 Pf. Alle anderen 25 Pf, Kreis Krenzberg. Die bei Frieda Sckmidt gemeldeten Eltern treffen sich am Sonntag, dem 24.?uli, um 7 Uhr am Lausiher Platz f.. Vorwärts". Filiale) und um 71*. Uhr Fontanepromenade Ecke Urbanstraßc. 12.' Kreis Steglitz. Autoabfahrt Uedersce für Eltern und Kinder Sonntag, 714 Uhr. Händelplatz. Kreis Pankow. Treffpunkte zur Autofahrt: NiederfchSnhaufen 7 Uhr Friedensplatz, Pankow: 7 Uhr Marktplatz, Buchholz: 7)4 Uhr Rote Ecke. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 41. Abt. Unser lieber Genosse Otto Schmidt, Belle-Alliance-Str. 84, ist nach schwerem Leiden im Alter von 49 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenken, Die Einäscherung findet Montag, 25. Juli, 12>. Uhr, im Krematorium Baum. schuleuweg statt. Um rege Beteiligung bittet die Abtcilungsleitung. SoziallsiischeArbeiterjugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugends-kretariat Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn I Treppe rechts. heule, Sonnabend. 23. Juli: Kottbusier Tor: Urbanstr. 167. Reichstagssitzung,— Scrmsdorf: Treffpunkt 19% Uhr„Fiele Ecke", Wcrbeberirk Westen: Rosinenstr. 4. Igsh Uhr Heben des Kampfliedes„Eiserne Front". Keiner fehlt! Werbebczirk S-böneberg: Treffpunkt zur Landagitation nach Erkner: Bahn- und Radfahrer 18 Uhr Bahnhof Schoneberg, Bahnfahrer 20 Uhr ebendort. Un. kosten 1 M, Wir rechnen auf Unterstützung der benachbarten Bezirke. »erbebe, irk Tempelhos: Probe der Spieltruppe 20 Uhr Götzstratze, 18 Uhr Treffvunkt Berliner Straße zum Spaziergang. Morgen Kundgebung der Partei im„Birkenwäldchen", Mantcuffelstr, 11—12. Beginn 15 Uhr. Werbebczirk Pankow: Morgen Treffpunkt 15 Uhr mit Fahrrädern am Markt. platz. Besuch der Kundgebung in Blankenfelde. Vorträge, Vereine und Versammlungen STjk Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". «- i ch S» t, st e l I e: Berlin S. 14 Eebastianftr 37-58, Hof» Tr. Prenzlauer Berg. Kameradschaft Humannplatz. Unser Iungbanner« kamerad Hans Leschcck ist verstorben. Beerdigung Sonnabend, 23. Juli, 14 Uhr, auf dem Städtischen Friedhof Reinickendorf. Oft, Humboldt« straße. Teilnahme�Pflicht.— Pankow fOrtsverein). Ab Montag, 27. Juli, falle» die Turnhallenabende bis zum Anfang August aus. Nächster Abend also am Montag, dem 8. August, in gewohnter Turnhalle.— Wasserfportabteiluaa. ?.ug Tegel. Sonntag, 24. Juli, Laacrtreffen in Vapenberge. Gemeinsame Rück« fahrt 17 Uhr von Bürgerablage. Pflichtveranstaltung. Arbeiter-Samariter-Vund e. v.. Kolonne Verlin. Selchäftsstelle: RO, 43, Zostqstr. 4. Telephon: E 3»önigftabt 544«. Achtung, Jugendliche! Besichtigung der Feuerwache Stockholmer ■5� Straße 3 am Sonntag, dem 24. Juli, 9li Uhr. Gäste kSnnen an der Besichtigung teilnehmen._ Wetter für Berlin: Weiterhin mäßig warm und wechselnd wolkig mit Neigung zu örtlichem Gewitterregen, schwache Luft» bewegung.— Für Deutschland: Allgemein Fortdauer des herrschen» den Witterungscharakters, B&tS Lsge und Kiitna: Pyrmont liegt 1 Aj m noch in der Nordwest- deutschen Miftelgebirgslar.dschalt,«wischen dem Teutoburger- wald und dem WeserbergSand, in einer reinen Südlage am Ab- hcnge des 360 m hohen Bömberg«, Wälder bedecken die 7ücken und Hänge der umliegend ehnung, Diese Gestaltung der Lan isjesprochenes Schonungsklima Reiäcweg; Pyrmont liegt an den S aunschweig— Elberfeld— Köln und tenbeken— Kassel—(F rankfurt), unc ädten durchgehende Kurswagen. jver(75 km). Kurmittei und Heilamelgen: Die B Heilbad liegt nicht allein in der H td Moorlager, sondern in der eige •handiung bedeutungsvollen Komt ine starken kohlensauren Bäder sl rs?e Reihe der Herzheilbäder, sowc ehlbäder wie die altberühmten CC eutsames Mittet zur Heilung und«citiuiuiig Jrkulationsapparates. Durch eine Trinkkur an den Stahlquellen egeneriert sich das erkrankte oder verdünnte Blut; Chlorosen, •benso wie Anämien, auch die schweren Formen, gehören lach Pyrmont. Die Solquellen liefern heilsame Bäder für die ■•oeene Schwäch*?«titutionelle und Stoft- Oalienlelden u»-, oci..... uesuuuere noenwertigkeit des Pyrmonler Eisenmoors, sein Reichtum an gelösten Stoffen sind w-ssenschaftlich erwiesen und anerkannt Ein Blick auf diese segensreiche P�ihe laSt nun_aucti_dje_ 65 Hsiitod, See Qe&uqe. verlangen Sie vor und während jeder Reise da« / Rüdrf-Bädez-ddmßhick-! In allen Reisebüros, größeren Hotels, Kur-oder Badeverwaltungen kostenlose Einsicht. 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