BERLIN Sonnabend ZZ.Zuli 1932 Kebaltion u. Expedition: Berlin SW 68, Sinbenftr.S Sei. A7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags gugleich Abendausgabe de«„Vorwärts". Bezugspreis I ü r b e i d e A u s g a b e n 7ö Pf. pro Woche, S,2Z M. pro Monat(davon S7 Pf. monatlich fitr Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 69 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebithren. 10 Pf. Ar. 344 B 162 49. Jahrgang ,y\joiWtid6 Anzeigenpreis: Di, lfplt. Milli- weterzeile 30 Pf. Di» Retlamezeile tostet S Mart. Rabatte n. Tarif. uor dem Slaalsgerictii Die Klage der Lander gegen die Papen Regierung Leipzig. 23. Juli.(Eigenbericht.) Vor dem Itaatsgerichtshof des Deutschen Reiches wird heute verhandelt über die Kiage der rechtmäßigen geschäftsfiihrendcn Regierung Preußens gegen die Rcichsrcgierung und den von ihr eingcsetz- ten Rcichskommissar. Diese iülage PrcußenS. der sich auch in ihren wesentlichen Teilen der Länder Bayern und Baden angeschlossen haben, fordert die Erklärung, daß die Einsehung eines Reichskommissars auf Grund des Artikels 48 der Rcichsverfassung nicht gerechtfertigt und alle daraus folgenden weiteren Handlungen v e r f a s- sungswidrig seien. Außerdem hat die verfassungsmäßige geschäfts- führende Regierung Preußens eine einstweilige V c r f ü g n ng des Staatsgerichtshofes gefordert. die der Rcichsregicrung und dem Rcichskommissar bis zur endgültigen Entscheidung des Staatsgerichts- Hofes über die Verfassungsmäßigkeit ihrer Maß- nahmen weiteres Amtshandeln unter- sagen soll. Den Vorsitz im Staatsgerichtshof führt der aus dem Urlaub zurückgekehrte Präsident des Reichs- gerichts. B u m k e. als Beisitzer fungieren die Reichs- gerichtsräte Schmitz. Triebet und Dr. Schwalb, ferner die Qbervcrwaltungsgcrichtsrätc Dr. von Müller- Berlin. Dr. G ü m b e l- München und Dr. Striegler- Dresden. Die Klage Preußens wird von dem Ministerial- dircktor B a d t vertreten, außerdem haben die Landtagsfraktion cn der Sozialdemokratie und des Zentrums, die sich der Klage ausdrücklich angeschlossen haben, besondere Vertreter entsandt. Die Rcichsregicrung hat den früheren deutsch- nationalen Landrat und jetzigen Ministerialdirektor im Rcichsinncnministerum, Gott Heiner, mit ihrer Vertretung beauftragt. Oer Beginn der Verhandlung. In der bereits gemeldeten Besetzung betrat der Staatsgerichts- Hof unter Führung des Vorsitzenden, des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Bumke, kurz vor 11 Uhr den Sitzungssaal. Der Vorsitzende machte zunächst den Staatsgerichtshof mit den Vertretern der kla- genden Parteien bekannt. Der Klage des preußischen Staats- Ministeriums haben sich die Fraktionen der Sozialdemokratie und des Zentrums angeschlossen. In der heutigen Sitzung handelt es sich, wie der Vorsitzende mit- teilte, ausschließlich um den Erlaß einer einstweiligen Verfügung. Dr. Bumke machte dann darauf aufmerksam, daß es das e r st e m a l sei, daß der Staatsgerichtshof in dem großen Saale tage. Er bitte die Zuhörer, die Sitzung nicht zu stören. Jede Störung würde auch dazu führen, den Interessenten von draußen das aus der Ver- Handlung kommende Bild zu stören. Der Vorsitzende wies auch noch auf die schlechte Akustik hin, weshalb namentlich auch auf die hier besonders erschwerte Aufgabe der Presse Rücksicht genommen werden möge. Dann erhielt der Berichterstatter Reichsgerichtsrat Schmitz das Wort zur Darstellung der Sachlage. Er machte zunächst Mitteilung von dem Inhalt der Verordnung des Reichspräsidenten vom 20. Juli und von dem Antrag der preußischen Regierung,„auf dem Wege der einstweiligen Verfügung anzuordnen, daß der auf Grund der Verordnung vom 20. 3uU eingesetzte Reichskommissar für Preußen einstweilen jeder Dienstousübung sich zu enthalten habe". Ueber den Hauptantrag, daß nämlich„die Einsetzung des Reichs- kommissars als mit den Bestimmungen der Reichsverfassung nicht in Einklang stehend zu bezeichnen sei," könne selbstverständlich heute nicht verhandelt werden. Trotzdem aber müsse der Hauptantrag in seinen wesentlichen Grundzügen vorgetragen werden. Der Streit Robert Breuer verhaftet Aus Grund der Oenunziaiion eines Spitzels Amtlich wird mitgeteilt: Der Militärbcfehlshabcr von Groß-Berlin und Provinz Brandenburg hat am 22. Juli 1332 gegen die Rcichsbanncrführcr Major a. D. Anker und Robert Breuer Schuhhaftbefehl erlassen. Die beiden Genannten sind, wie sich aus einem Artikel der„Berliner Börsen-Zcitung" vom 21. Juli 1332 und einer Vernehmung des Berichterstatters der genannten Zei- t u n g ergeben hat. dringend verdächtig, in einer Versammlung der..Eisernen Front" zur Jllega- lität aufgefordert zu haben. Dadurch haben sie die öffentliche Ruhe. Ordnung und Sicherheit gefährdet. Gegen die Genannten wird wegen Zu- widerHandlungen gegen die Verordnungen des Reichspräsidenten und des Militärbefehlshabers vom 23. Juli 1332 bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Strafanzeige erstattet. Robert Breuer wurde in den heutigen Vor- Mittagsstunden festgenommen. Der Reichsbanner- führer Major a. D. Anker, gegen den ebenfalls ein Schuhhaftbcfchl vorlag, hat sich, bevor ihn der Haftbefehl erreichen konnte, nach D a r m st a d t begeben. Da der Schuhhaftbcfchl nur für den Bereich Groß-Berlin und die Provinz Brandenburg Geltung hat. und ein richter- lichcr Haftbefehl nicht vorliegt, ist es nicht m ö g- l i ch. Anker in Darmstadt festzunehmen. Robert Breuer im Polizeipräsidium. Genosse Robert Breuer ist nach seiner Verhaf- tung zum Polizeipräsidium gebracht worden, wo er einem Tauerverhör unterworfen wird. Endlich Sprecherlaubnis. Am Mittag erhieli Rechtsanwall Reumann die Erlaubnis, mit Genossen Breuer zu sprechen. (Siehe auch 2. Seite.) zwischen Preußen und dem Reich drehe sich darum, ob die Ein- setzung eines Reichskommissars mit dem Artikel 48 der Reichs- Verfassung in Einklang stehe. Ein verfassungsrechtlicher Streit liege vor. Der Staatsgerichtshof sei an sich für die Entscheidung zuständig. Das preußische Staatsministerium mache geltend, daß auch ein im Rücktritt befindliches Staatsministerium die Geschäfte weiterzuführen habe, und daß zu diesen Geschäften hier im besonderen Falle die Vertretung Preußens vor dem Staatsgerichtshof gehöre. Damit sei die Frage der Aktivlegitimation der ehemaligen preußischen Regierung aufgerollt. In dem Klageantrag werden dann, so fährt der Berichterstatter fort, der Begriff der laufenden Geschäfte dargelegt. Dieser Teil der Sachdarstellung kommt zu dem Schluß, daß auch ein zurücktretendes Staatsministerium alles das zu tun habe, was das Wohl des Staates erfordere. Dazu gehört nach Ansicht des klagen- den Staatsministeriums auch die Abwendung alles dessen, was eine verfassungsmäßige Regierung des Landes auszuschalten geeignet sei. Zur Sache selbst ist zu sagen, daß der Reichskommissar nach Ansicht der klagenden preußischen Regierung zu Unrecht auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung eingesetzt wurde. Weder der erste, noch der zweite Absatz dieser Bestimmung der Verfassung träfen hier zu. Nach Absatz 2 des Artikels 48 müsse entweder die öffentliche Ordnung oder die öffentliche Sicherheit gestört sein. Andererseits sei erforderlich, daß die Maßnahmen, die der Reichs- Präsident auf Grund des Artikels 48 treffe, zur Wiederherstellung dieser gestörten Verhältnisse notwendig seien. Ein zurückgetretenes Staatsministermm könne dieselben Aus- gaben wahrnehmen, wie ein Ministerrum, das vom Vertrauen der Parlamentsmehrheit getragen werde. Endlich werde von der An- tragstellerin vorgetragen, daß auch die Finanzlage des Frei- st a a t e s Preußen die Bestellung eines Reichskommissars nicht rechtfertigen könne. Der Schriftsatz komme zu dem Schluß, daß die Voraussetzungen des Artikels 48 für die Einsetzung eines Reichs- kommissars nicht vorlägen und daher die Einsetzung des Reichs- kommissars der Verfassung widerspreche. Die von dem Reichs- kommissar vorgenommenen Regierung-maßnahmen hätten daher keinen Anspruch auf rechtliche Beachtung. Da es unter diesen Umständen unumgänglich sein würde, daß wider- sprechende Anordnungen ergehen, sei eine ordnungsmäßige Ver- wallung nicht mehr möglich. Die schweren Folgen könnten nur dadurch verhütet werden, daß der Staatsgerichtshof eine einst- weilige Verfügung im Sinne des Antrages treffe. fflr. Bumke torfilxender de» SlaaUgeridüshoS* S>r. Stadl der Terlreier Preußen» QoUheiner der Derlreler der Steldigregierung Die Methode der Verhastungen Denunziationen gegen Heimannsöerg und Breuer Durch den Erlaß der Verfügung werde der Entscheidung zur Hauptsache nicht vorgegrissen, sondern lediglich vorläufig angeordnet, daß es einstweilen bei dem bestehenden Zustand zu bewenden habe. Zum Schluß erklärte der Berichterstatter, daß eine schriftliche Erklärung des An- tragsgegners bisher nicht eingegangen sei und daß die Darstellung des Standpunkts des Reiches daher dessen Vertreter in der Verhandlung selbst vorbehalten bleiben müsse. Anschließend führte der Vorsitzende Dr. Sumte aus, er habe das Gefühl, daß die Verhandlung über den Antrag auf einstweilige Verfügung auch dazu ausgenutzt werden müsse, um eine gewisse Klarheit darüber zu gewinnen, was in der VerHand- lung zur Hauptsache noch zu klären und zu prüfen sein werde. Er würde es daher begrüßen, wenn in den Verhandlungen schon gewisse Grundlagen der gegenseitigen Einstellung so ausgearbeitet werden könnten, daß die einzelnen Streitteile sich darüber klar sind, woraus es im weiteren Verlauf hauptsächlich ankommen kann. Der Vorsitzende ging sodann auf die Telegramme der bayerischen und der badischen Staaksregierung an den Siaalsgerichtshof ein. Er betonte, daß diese Telegramme nicht bezweckten, der preußi- schen Klage ohne weiteres beizutreten, sondern sie enthielten den Wunsch, daß der Staat-gerichtshof gewisse prinzipielle Fragen, die durch das Vorgehen der Reichsregierung akut ge- worden seien, entscheide. Die Telegramme seien insofern für den weiteren Verlauf der Verhandlungen vielleicht nicht ohne Bedeutung, als hier nun gewisse Fragen ganz konkret zugespitzt vorgetragen würden, die für die Auswirkung der Verordnung des Reichs- Präsidenten bedeutungsvoll sein könnten. Dazu gehöre die Frage, ob die Reichsregierung, unbeschadet ihres grundsätzlichen Rechts zur Einsetzung eines Reichskommisiars in den Ländern, befugt sei, Landesmini st er ihrer Ministereigenschaft end- gültig zu entkleiden, Landesminister zu ernennen, einen Reichskommissar zum Mitglied der Landesregierung zu ernennen, das Recht zur Instruktion der Reichsratsbevollmächtigten dem Reichskommissar zu übertragen, oder Landesbeamte mit finanzieller Wirkung für das Land zu ernennen. Der Vorsitzende er- klärte, er habe auf diese Telegramme nichts tun können, als auf die Vorschriften der Geschäftsordnung des Staatsgerichtshofes zu ver- weisen und anheimzustellen, einen Antrag einzureichen, der diesen Vorschriften entspreche. Dr. Bumke erklärte weiter, daß dem Staatsgerichtshof daran liege, gleichgültig wie die Entscheidung über den Antrag auf einst- weilige Verfügung ausfalle, die Entscheidung zur Hauptsache möglichst bald fällen zu können. Das hänge aber davon ab, mit welcher Schnelligkeit die Beteiligten dem Staatsgerichtshof die nötigen Unterlagen für die Entscheidung gäben. Vielleicht könne auch darüber im Laufe der heutigen Verhandlung größere Klarheit geschaffen werden. Zur Frage der Einteilung des Prozesses empfahl der Vorsitzende das bewährte Verfahren, zunächst die Prozeßvoraussetzungen zu be- handeln und dann erst auf den Antrag über die einstweilige Ver- sügung einzugehen. Unter den Fragen der Prozeßvoraussetzungen(Parteifähigkeit, Aktivlegitimation, Zuständigkeit) bedürfe seiner Ansicht nach nur die Frage der Parteifähigkeit und der Aktivlegitimation der Antrag- steller einer näheren Erörterung. Hier dürfe er vielleicht auf die Entscheidung des Staatsgerichtshofes in dem Streit der rheinisch- westfälischen Gemeinden über die kommunale Neugliederung im rheinisch-westfälischen Industriegebiet verweisen. Bei dieser Klage habe der Staaisgerichtshof die Parteifähigkeit der klagenden Städte bejaht, obwohl diese bei Gültigkeit des Gesetzes gar nicht mehr existierten und keine Rechtspersönlichkeit gehabt hätten. Der Staats- gerichtshof habe sich damit auf den Standpunkt gestellt, daß für das Streitversahren die Existenz dieser Gemeinden noch angenommen werden müsse. Ministerialdirektor Dr. Gottheiner als Vertreter der Reichsregie- rung erklärt sich mit der Annahme der Sachbefugnis der Vertreter Preußens einverstanden. Als Dr. Bumke dann noch die Frage der Z u st ä n d i g k e i t des Gerichtshofes aufwirft, wollte von den Parteien niemand das Wort ergreifen. Er fuhr dann fort, es sei strittig, das gebe er zu, ob der Staatsgerichtshof einstweilige Verfügungen erlassen könne. Der Staatsgerichtshof selbst stehe aber aus dem Standpunkt, daß er dazu befugt sei, doch wollte er von diesen Mitteln nur mit äußerster Vorsicht Gebrauch machen. Nun habe die preußische Regierung aber selbst bisher aus dem Standpunkt gestanden, der Staatsgcrichtshof könne einstweilige Verfügungen nicht erlassen. Es liege nun an der klagenden preußischen Regierung, zu erklären, auf Grund welcher Umstände sie ihren Standpunkt geändert Hab«. Neuer Antrag. Dazu erklärt Ministerialdirektor Dr. Brecht: Wir haben in erster Linie ein Interesse daran, daß die Sache heute entschieden werden kann. Das Reich und Preußen vertreten hier eine Meinung: Sie sorgen sich um die Geschick« Deutschlands, deshalb ist es not- wendig, daß der Schwebezustand zwischen den beiden größten Regierungen Deutschlands so schnell wie möglich beseitigt wird. In der Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof überreichte Ministerialdirektor Dr. Brecht eine Neuformulierung des Antrags auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung, in die nunmehr auch die von den Regierungen Badens und Bayerns zum Ausdruck gebrachten Wünsche hingearbeitet sind. Danach soll der Staats- gerichtshof die durch Verordnung vom 20. Juli und durch ihre Durchführung entstandene rechtliche und tatsächliche Lage im Wege der einstweiligen Verfügung regeln und dabei insbesondere be- stimmen, daß der R e i ch s k o m m i s s a r bzw. die von ihm ernann- ten kommissarischen Minister sich nicht als Mitglieder der preußischen Staatsregierung bzw. als preußische Staatsminister bezeichnen dürfen, daß sie ferner nicht preußische Staatsminister ihrer Eigenschaft als solche entkleiden können, daß sie weiter nicht bevollmächtigte Vertreter der preußischen Staatsregierung in den Reichsrat entsenden noch die bisherigen bevollmächtigten Vertreter im Reichsrat ihrer Eigenschaft als solche entkleiden können, und daß sie schließlich nicht Beamte mit dauernder Wirkung ernennen oder ab- setzen können. Vor Eintritt in die sachlichen Verhandlungen hatte der vor- sitzende des Staalsgerichtshofes. Reichsgerichtspräsidenl Bumke. noch daraus hingewiesen, daß die Verhandlungen über die klage der ehemaligen preußischen Staatsregierung gegen das Reich voraussichtlich den ganzen Sonnabend in Anspruch nehmen würden, und daß die Ver kün dun g der Entscheidung über de» Antrag aus Erlaß einer einstweiligen Verfügung e r st für Montag zu erwarten sei. Die Verhandlung selbst werde allerdings aller Voraussicht nach am Sounabend zu Ende geführt werden. Die Gründe der Verhaftung des O b e r st e n Heimannsberg werden jetzt bekannt. Sie sind katastrophal für die neuen Machthaber! Die Verhaftung Heimannsbergs ist erfolgt auf eine Denunziation hin. Am Donnerstag rief ein Schupowachtmeister bei M a j o r Encke an und bat um eine Unterredung. Dieser Wacht- meiste? hat seinerzeit in dem Verfahren gegen den Nazispion Schulz-Briese in der Schutzpolizei eine Rolle gespielt. Major Encke empfing am Nachmittag den Wachtmeister, der ihm Vorschläge über die Wiedereinsetzung von Heimannsberg in seinen früheren Posten unterbreitete. Von diesem Vorgang war Heimannsberg nicht das geringste bekannt. Sofort nach dem Ende der Unterredung übergab dieser Wachtmeister einen Bericht über die Unterredung den Militärbehörden. Auf Grund dieses Berichts erfolgte die Anordnung der Verhaftung. Danach steht fest, daß ein Beamter den Versuch gemacht hat, Polizeioffiziere zu illegalen Handlungen zu ver- leiten. Dieser Beamte hat sich schwer strafbar gemacht, er hat ein schweres Beamtenverbrechen begangen! Dieser Beamte war der Schupowachtmerster Schuhmacher von der 2. Bereitschaft Schöneberg. Wir unterbreiten diesen ungeheuerlichen Vorgang der gesamten Oeffentlichkeit! Nicht minder ungeheuerlich ist die Verhaftung des Genossen Robert Breuer und der Haftbefehl gegen den Genossen Major Anker. Kaum ist Heimannsberg frei, so erfolgt eine neue Ver- Haftung, der Grund dafür ist folgender: der berüchtigte Materialfälscher, Spitzel und Denunziant K o r o d i hat sich in eine Versammlung der Eisernen Front in den Spichern- sälen gedrängt, in der Breuer und Anker sprachen. Dieser K o r o d i hat um die Erlaubnis zum Eintritt gewinselt, mit dem Versprechen, er wolle einen objektiven Bericht geben. Er hat dieses Versprechen wahrgemacht, indem er einen niederträchtig verfälschten Bericht in der„Berliner Börsenzeitung" verfertigt hat! In diesem Bericht läßt er Breuer haarsträubenden Blöd- sinn sagen. B r e u e r soll sich unter anderem gerühmt haben: „Denn wir haben es verstanden, die Tele- phongespräche der Reichskanzlei zu über- wache n", er soll im übrigen geredet haben wie ein Pro- vokateur! Diese Fälscherburschen haben nicht einmal Gefühl für den Stil eines Redners! Ein Redner, der die Sätze sprach: „Wir werden uns in den nächsten Wochen und Monaten Nerven anschaffen müssen so stark wie Stahltrosse. Schneidet euch aus dem „Vorwärts" die Sätze aus, die unser Carl Seoering dem Reichs- I kanzler Papen entgegenschleuderte, als er aufgefordert wurde, frei- willig den Platz zu räumen, den er solange im Interesse des ge- samten Voltes im Geist« republikanischer Freiheit ausgefüllt hat. Diese Sätze wollen wir uns ins Herz schreiben und an sie denken, „Ordnungspreußen." Straßen unter Terror.- Lleberfall auf Arbeiterjugend. Schlägerkolonnen hinter Nazi-Flugblattverteilern. An der Ecke Blücher- und llrbanskraße wurde gestern abend von SA.-Leuten ein heimtückischer lleberfall auf Rlitglieder der Soziaiistischen Arbeiterjugend verübt. Ohne jeden Anlaß fiel eine angetrunkene Bande von SA.-Schlägern über mehrere von einer Versammlung heimkehrende Zugendgenossen her. Sogar auf die wehrlosen Mädchen schlugen die brutalen Burschen mit knüppeln ein und verfolgten johlend die Flüchtenden, von denen mehrere verletzt wurden. Wie uns ein Augenzeuge mitteilt, stand an der Ecke Blücher- und Urbanstraße ein etwa achtzehn- bis zwanzigjähriger Haken- kreuzler in Uniform. Plötzlich gab der Salzsteuersoldat ein Pfeifen- signal. Daraufhin öffnete sich die Tür des berüchtigten Lokals in der Blücherstr. 21 und eine starke Kolonne SA.-Lcute stürzte auf die Straße. Jetzt wurde auch der Sinn dieses Alarms klar. Vom Hallefchen Tor her kamen in diesem Augenblick etwa acht bis zehn EAI.-Mitglieder— Jungen und Mädchen—, die sich nach einem Versammlungsabend auf dem Heimweg befanden. Die SA.- Strolche hatten sich vorher vergewissert, daß Polizei nicht in der Nähe war, und diese Gelegenheit benutzten sie, um unbarm- herzig auf die völlig überraschten Jungen und Mädel einzuschlagen, von denen mehrere oerletzt wurden. Die SA.- Kaserne in der Blücher st raße ist schon wiederholt als Ausgangspunkt blutiger Schlägereien und Ueberfälle vertierter SA.-Leute auf Parteigenossen und Republikaner registriert worden. Es ist höchste Zeit, daß die Polizei diese Höhle gründlich ausräuchert. Redakteur der„Vossischen Zeitung" niedergeschlagen Trotz der Verhängung des Ausnahmezustandes, trotz des Ver- sprechen? der Regierung für Ruhe und Ordnung zu sorgen, tobt der SA.- Terror in Berliner Straßen weiter. Das Opfer der Hitler- Landsknechte wurde gestern nacht der Redakteur der„Vossischen Zeitung", Dr. Richard W i n n e r s. Der Journalist, der das Freiheitssymbol der Eisernen Front, das Drei-Pfeile-Abzeichen, trug, befand sich gegen �12 Uhr in der Kantstraße in Charlottenburg auf seinem Heimweg. Vier Braunjacken traten plötzlich auf ihn zu und forderten ihn aus, das Abzeichen abzulegen. Auf feine Weigerung hin schlugen die Wegelagerer den friedlich nach Hause strebenden Journalisten mit einem Totschläger nieder. Dem bewußtlos am Boden Liegenden raubten die Helden des Dritten Reichs dann das verhaßte Zeichen der Freiheit. Wie lange soll das verbrecherische Banditentum der Hitler- Burschen Berlin noch unsicher machen? Terror am H-Rahitljof Tempelhof. Am U-Bahnhof Tempelhof herrschen morgens, wenn die werk- tätige Bevölkerung zur Arbeit geht, Zustände, die jeder Beschreibung spotten. Sämtliche Zlusgänge des Bahnhofs sind von einem Spalisr von nationalsozialistischen Flugblattverteilern besetzt. Die Burschen drängen in unverschämtester Weise den zur Arbeit Eilenden ihre wenn wir die Republik mit allem, was wir haben, verteidigen werden."~, der soll am Mittwochabend gegen die Parole der Sozrai- demokratischen Partei und der Gewerkschaften eine plumpe stillose kommunistische Hetzrede gehalten haben? Das kann man nur Lesern der„Börsen-Zeitung" vorlügen? Dieser K o r o d i ist einer der Fabrikanten des � dreist gefälschten Börsenzeitungsmaterials, mit dessen Hilfe ein Verbot des Reichsbanners bewirkt werden sollte! Er und seine Mitarbeiter sind wegen dieser Spitzel- und Fälscher- arbeit öffentlich der Fälschung bezichtigt worden, ohne daß sie es gewagt hätten, sich zur Wehr zu setzen! Das Wort eines solchen Mannes soll genügen, um einen verantwortungsvollen und verantwortungsbewußten Politiker und Schriftsteller wie Robert Breuer zu ver- haften? Soll eine Fälschung eines niederträchtigen national- sozialistischen Hetzblattes genügen, um einen Mann mit dem Namen und dem Ansehen Breuers in Haft zu bringen? Das sind Methoden, die vor Jahrhunderten in anderen Ländern Mode waren! Ist das die neue„Ordnung"? Mit diesen Methoden zerstören die neuen Machthaber sich selbst Ansehen und Autorität! Sie wüten damit gegen sich selber und rufen gerechte Erbitterung hervor! Es ist höchste Zeit, daß der Belagerungszustand ver- schwindet, damit derartige Dinge aufhören! Die wenigen Tage des Belagerungszustandes haben durchaus genügt, um seine UnHaltbarkeit zu beweisen. Unbesonnene Verhaftungen als der Weisheit letzter Schluß— das soll Wahlfreiheit sein? Wir werden darauf antworten Wir fordern das ganze Volk auf, mit uns am 31. Juli zu antworten und dafür Sorge zu tragen, daß dies„neue System" verschwindet! Wer hat denunziert? An der Versammlung der Eisernen Front am Mittwoch, dem 20. Zuli, in den Spichernsälen nahm der Schriftsteller Malter korodi, der Mitarbeiter der„Berliner B ö r s e n z e i t u n g" ist, teil. Waller korodi ist in einer ganzen Reihe von Fällen a l s Denunziant gegen linksstehende Organisationen aufgetreten. Reichsbannerkomeraden, die als Saalschutz sungierlcn und Korodi aufforderten, den Saal zu verlassen, erklärte er, als Berichterstatter teilnehmen zu müssen. Die Ausführungen der beiden Redner waren durchaus sachlich. Die Redner versuchten sogar, die Erregung der Anwesenden dadurch zu beruhigen, daß sie erklärten, daß es zunächst gelte, den Wahlakt durchzuführen. Die vollkommene Verfälschung der Rede Breuers in der„Berliner Börfenzeilung" kann durch viele hunderte von Zeugen bewiesen werden! wir sind gespannt, ob der Berichterstatter der„Börsenzeitung" seinen Bericht beeiden wird! Flugblattwische auf. Wenn die Flugblätter abgelehnt werden, ereignet sich seit Tagen regelmäßig folgendes: Unter frechen Be- schimpfungcn provozieren die Nazi- einen Zusammenstoß und im Marsch-Marsch eilen die hinter den Flugblattverteilern in Bereit- schaft stehenden SA.-Schlägertrupps herbei. Heute früh wurden zwei Arbeiter von der Belegschaft Lorenz, die sich das Aufdrängen von Flugblättern deutlich verbaten, niedergeschlagen und oerletzt. Die Erregung unter der Belegschaft ist groß.— Für die Terrorzustände in Tempelhof ist charakteristisch, daß die Belegschaft der Bahnwerkstatt nicht mehr einzeln, sondern nur noch in geschlossenen Trupps ins Werk zieht. weil die Anpöbeleien und tätlichen Angriffe unerträglich ge- worden sind. wann wird diesem frechen SA.-Terror endlich ein Ende gemacht? Osaf erwache! Auf nach Vom! Die wirklichen Gründe des großen Ministerschubs in Italien sind noch nicht bekannt. Indessen muß die Neubesetzung des Finanzministeriums in Rom doch wohl als eine u n f r e u n d- l i ch e Handlung gegen die— aufbauwilligcn Kräfte in Deutschland angesehen werden. Königlich italienischer Finanzministcr ist nämlich gegenwärtig Herr Guido Jung, von Berus Süd- fruchtexporteur in Palermo. Die Ernennung des Trägers eines deutschen Namens für diesen wichtigen Posten des Faschistenreichcs dürste zwar hierzulande an maßgebenden Stellen und von ausbau- willigen Kräften mit großer Genugtuung ausgenommen worden sein. Es tut uns daher aufrichtig leid, in diese Freude einen Mermuths- tropfen tun zu müssen: Herr Guido Jung, dessen Familie aus Ramdegg in Baden stammt, ist nämlich— die Feder sträubt sich, es niederzuschreiben Jude! Man darf wohl erwarten, daß diese Rassenschande die Reichs- leitung der ausbauwilligen Kräfte zu einer Prüfung der Frage veranlassen wird, ob der Faschistengruß noch weiter an- gewandt werden soll. Ausgabe der deutschen Wähler aber dürfte es sein, am 31. Juli so zu entscheiden, daß DER FÜHRER getrost einen längeren Urlaub antreten kann, um im faschistischen Italien nach dem Rechten zu sehen, zumal schon letzthin ein führendes Faschistenblatt einem Interview mit Goebbels hinzu- gesetzt hat, dessen Antisemitismus sei für Italiener ganz u n v e r- st ä n d l i ch. Monarch istenrummel geklappt. In der Tiroler Hauptstadt. Innsbruck, 23. Juli. Hier wurden in einer Kunsthandlung ausgestellte Ehren- bürgerdiplome zweier Tiroler Gemeinden für Otto Habs- bürg beschlagnahmt, weil der Text, in dem der Kaifersvhn auf- gefordert wird, in Oesterreich mit starker Hand Ordnung zu schassen, zu Kundgebungen Anlaß gebe und Störungen der öffentlichen Ruhe zu befürchten seien. Parieibuch-Veamte. Ein bürgerliches Llrleil. Mit der Amtsentlassung einer Reihe republikanischer höherer Beamter hat der„Reichstommissar" in Preußen seine Tätigkeit begonnen, die den Nazis und ihren Vor- und Nachkämpfern Anlaß gibt, über die„Säuberung" von „Parteibuchbeamten" zu frohlocken. Was da an wertvollen Kräften aus der Ver- waltung entfernt wurde, darüber fällt die bürgerliche „Vossische Zeitung" dieses Urteil: „Der Staatssekretär Krüger ist Sozialdemokrat. Ist er darum Parteibuchbeamter? Er Hot eine glänzende Laus- bahn hinter sich, aber von einer Regularitöt, die beneidenswert ist. Er hat beide juristischen Staatsexamina gemacht, ist im braunschweigischen Staatsdienst ausgebildet worden, wurde 1919 ins Reichsarbeitsministerium berufen, wurde 1923 Regierungspräsi- dent in Lüneburg und bewährte sich dort so ausgezeichnet und er- warb sich so allgemein anerkannte Verdienste um die Landwirtschast, daß er 1927 ins Landwirtschastsministerium berufen wurde, be- gleitet übrigens von einem Anerkennungsschreiben der Lüneburger Landwirtschastskammer. Und Staatssekretär S t a u d i n g« r? Er ist seit 1917 im Reichswirtschaftsministerium gewesen, und als er 1927 als Ministe- Achtung! Hier spricht Achtung? W i l h e l m II. „Wer sich mir entgegensielli, den zerschmektre ich!" „Also sollten meine Anker- tanen einfach tun, was ich sage! Aber sie wollen immer selber denken und daraus entstehen alle Schwierigkeiten!" „Zch habe da» Schwert ge- zogen und werde es nicht eher in die Scheide stecken, als bis die Feinde geschlagen find." „So! Die Arbeiter müssen wissen, daß ich für sie denke!" „Erst die Sozialisten abschießen— wenn nötig, per Blutbad— dann Srieg nach außen." „Für mich ist jeder Sozial- demokrat ein Reichs- und Vater- landsfeind!" Wilhelm ist 1918 verschwunden. Adolf I. „wir zerschlagen und zermalmen die Parteien und werden sie ausrotten aus unserem Volke." „Sehen Sie. die große Masse der Arbeiter will nichts anderes als Brot und Spiele, die hat kein Verständnis für irgendwelche Ideale und wir werden nie da- mit rechnen können, die Arbeiter in erheblichem Motze zu ge- Winnen." „Bevor nicht die Laternen- pfähl« vollhängen, wird keine Ruhe." „Man wirft mir vor. ich Hölle keine köpfe in der Bewegung. Die brauche ich auch nicht. Ich habe ja die Bataillone." „Richl„Nieder mit Frankreich", sondern„Rieder mit den Rovemberverbrechern"!" „So wenig eine Hyäne vom Aase läßt, so wenig ein Marxist vom Valerlandsverrat." wann verschwindet Adolf? Fort mit allen Säbelrassiern und Großmäulern? Am 31. Juli Liste 1! rialdirektor dieses Ministerium verließ, um Staatssekretär im Preu- ßischen Hondelsministerium zu werden, da ließ ihm der damalige Reichswirtschaftsminister Curtius, auch heute wohl noch keiner inneren Abhängigkeit von den Kommunisten verdächtig, ein beson- deres Anerkennungsschreiben zugehen. Er rühmte Staudingers reiches Wissen, die wertvolle Arbeit für den Reichsdienst, die Fülle der eigenen Ideen, die umfangreichen ökonomischen Kenntnisse. Da sind zum Beispiel ferner die Regierungspräsidenten Simons und von harnack. Simons ist Sohn des früheren Reichsgerichts- Präsidenten, langjähriger Leiter der Deutschen Hochschule für Politik. ein Fachmann, der allgemein anerkannt ist. Gegen ihn ebenso wie Harnack richtet sich die Abneigung hauptsächlich, weil diese Söhne berühmter Väter sich der Sozialdemo- kratie angeschlossen haben." Man soll dieses Urteil von Nichtsozialdemokraten fest- halten, obschon es uns und unseren Freunden im Lande nichts Neues sagt. Daß die Mannen des auf Grund seines Parteibuchs zum braunschweigischen Regierungsrat ernannten großen Adolf, die jetzt auf Pöstchenjagd sind, auch nur im entferntesten an Sachkunde und Urteilskraft sich mit den „Beurlaubten" messen können, glaubt in Deutschland nie- mand._ Coburg via Moskau! Gelbst der Oelegationsfchwindel wird nachgeahmt. Die K o m m u n i st e n haben durch ihre jahrelange Hetze gegen die sozialdemokratischen„Bonzen" und„Sozialverräter" in indiffe- renten Arbeiterkreisen erst den Boden bereitet für die heutige Demagogie der Nationalsozialisten gegen die Sozialdemokratie. Wie die Hugenberger, so haben auch die Thälmänner mitihrer Hetze nurVorarbeit für die Nazis geleistet, die beiden in punirto Demagogie um diverse Nasenlängen voraus sind. Jetzt haben die Nazis auch den von den Kommunisten seit Jahren mit ihren Rußlanddelegationen betriebenen Schwindel nach- geäfft. In Berlin verbreiten sie unter dem Titel„Die Wahrheit über Coburg" ein illustriertes Flugblatt, in dem zwei nament- lich genannte angeblich« Kommunisten und„Partei- lose" aus Gotha einen Bericht geben über ihre„Studienreise nach Cobur g", wo sie das Nazihimmelreich auf Erden entdeckt haben, genau wie die bekannten kommunistischen Rußlanddelegationen das proletarische Paradies in Sowjetrußland. Ob den Kommunisten nicht endlich die Erkenntnis aufdämmert, welches Verbrechen sie an der proletarischen Sache mit ihren syst«- matijchen Betrugsmanövern begangen haben, durch die erst die psychologischen Voraussetzungen für den heutigen Volksbetrug der Nazis geschaffen worden sind? kein Flugblattabwurf au» Flugzeugen. Der Militärbefehls- Haber für Groß-Berlin nnd Provinz Brandenburg Hot auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 29. Juli 1932 sämtliche für den A b w u r f von Flugblättern bereits er- teilten Genehmigungen für Groß-Berlin nnd Provinz Brandenburg zurückgezogen. SA.- Glum auf Sunzlauer Sokshaus Blutiger Kamp? im Hause.— Cm Toter und 30 Verletzte. B u n z la u, 23. Juli. lEigenbericht.) Gestern fand in L i e g n i k, wie wir bereits im Morgenblatt berichtet haben, eine Hitlerknndgebung statt, zu der aus allen Teilen Schlesiens die SA.-Leute auf Lastkraftwagen transportiert wurden. Bunzlau, das an der Hauptdurchgangsstraße Görlitz— Breslau liegt, wurde während des ganzen Bormittags durchfahren. An dieser Hauptstraße liegt das Volkshaus. Bei der Vorbeifahrt am Vormittag stießen die Rationalsozialisten schon Drohungen aus: Wir rechnen heute abend ab, und machten Gesten des Halsabschneidens. Die Kundgebung fand schon nochmiklags stall. Um K Uhr waren alle auswärtigen SA.-Leule aus Liegnih abkransporliert, lagerten aber auf der Landstraße, um Bunzlau erst zur Nachtzeit zu erreichen. Gegen 10 Uhr kamen drei Lastkraftwagen mit Anhängern, die von 490 SA.-Leuten beseht waren, in langsamer Fahrt vor unserem Volkshaus in Bunzlau an. Er ertönte ein Pfiff und ein Kommando„Sturm 14 vor- stoßen". Darauf sprangen die SA.-Leule von ihren Wagen und drangen feuernd gegen das volkshaus vor. Ein Reichsbannermann an der Torwache, der S2jährige Joses Schreiber, wurde von einem Nationalsozialisten durch Lungenschuß erschossen. Sofort entwickelte sich ein heftiger Kamps, da das Volkshaus von Reichsbannerleulen und hammerschasten beseht war. Es gelang einem Trupp anstürmender Nationalsozialisten, die durch weiteren Zuzug inzwischen auf 809 Mann verstärkt worden waren, in das hausinnere vorzudringen. Lei der Gelegenheit sielen etwa zwanzig Schüsse. Die Eindringlinge wurden durch die wache im Flur zurückgeschlagen, wobei unsere Verteidiger aus Stuhlbeine und sonstige Möbelstücke in der Abwehr angewiesen waren. Zu gleicher Zeit wurde versucht, auch au» der Flanke den Angriff aus das Haus sortzusehen. Durch einen zweiten Eingang versuchte ein anderer Trupp einzudringen, wurde aber auch dort bald zurückgeschlagen. Die Zahl der Verlehten ließ sich nicht feststellen, sie dürfte ober außer dem Toten dreißig Schwer- und Leichtverlehle betragen. Die Nationalsozialisten gingen mit Beilen, Schlagringen. Totschlägern, Stahlruten. Gummiknüppeln, schweren Zaunlatten, die mitgebracht wurden und großen Steinen, die ebenfalls aus den Landstraßen ge- sammelt und mitgebracht wurden, gegen das Volkshaus vor. Der Sachschaden ist angesichts der entschlossenen Verteidigung unserer Genossen nicht sehr erheblich. Es sind etwa 39 Fensterscheiben zerschlagen worden und zwei Duhend Stühle, die als Massen gebraucht wurden, zerstört. Der Kamps dauerte nicht länger als 29 Minuten. Die Erbitterung in der Bunzlauer Arbeiterschaft ist ungeheuer, zumal das Opfer ein alter treuer Kämpfer gewesen ist. Ohlauer Ltntersuchung abgeschloffen. Nächste Woche Verhandlung. Breslau, 22. Juli. Mit der Rückkehr der sieben nach Ohlau entsandten Beamten der Breslauer Mordkommission sind die Untersuchungen der blutigen Zusammenstöße in Ohlau beendet Die umfangreichen Akten wurden der Staatsanwaltschaft zu- gestellt. Da allerseits für eine beschleunigte Durchführung des Per- fahrens das größte Interesse besteht, ist mit einem Berhandlungs- beginn bereits Ende nach st er Woche im ordentlichen Ver- fahren zu rechnen. Der Prozeß dürfte sich eine Woche hinziehen. In Verbindung mit den blutigen Vorgängen sind 41 Personen in Haft._ Wo sitzen die Mörder? Anschauungsunterricht für Herrn von Popen. Der Reichskanzler von Papen zieht bekanntlich zwischen den Kommunisten als zerstörerischen und verbrecherischen Elementen und den Nazis als den aufbauwilligsn Kräften der Nation«inen dicken Trennungsstrich. Hierzu«ine kleine Illustration aus der Praxis der„Erneuerer Deutschlands": Vor etwa 19 Tagen wurde ein Kommunist Peter Sonnen in Düsseldorf-Oberkassel in der Nacht erschossen. Nach dem Motto„Haltet den Dieb" behaupteten die Nazis, der Kommunist sei von seinen eigenen Freunden erschossen worden. Die Düsseldorfer Polizei hat heute die Mörder des Peter Sonnen ermittelt. Es handelt sich um den Ikjährigen Metzgsrlehrling Prott und um einen gewissen Hartfeld, beide aus Oberkassel. Beide sind aktive Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei und der SA. Der Mord spielt« sich in der vergangenen Woche nach einem vorausgegangenen Wortwechsel zwischen drei Kommunisten und fünf Nazis ab, der jedoch ganz friMich beigelegt wurde. Die fünf Nazis begaben sich alsdann in eine in der Nähe ge- legene Wirtschast. Gleich danach wurden aus dem Hinterhalt zwei Schüsse abgegeben. Den tödlichen Schuß gab der Nazilehrling Prott aus einer 6-Millimeter-Pistole ab. Kriegsmäßig hatte er sich in das angrenzende Feld in Deckung gelegt und von dort aus den tödlichen Schuß abgefeuert. Der Nazi H a r t f e l d gab einen zweiten Schuß mit einer 8-Millimeter-Pistole ab, der jedoch fehlging. Beide Nazrmörder sind geständig. Sie wurden von der Polizei abgeführt. Was sagen Sie dazu, Herr von» Papen? Wahrheil tvider Itillen Der Photoapparat hat in Oberschlesten diese Litfaßsäule entdeckt, auf der der Zufall ein neckisches Spiel trieb. Es hagelt Zeitungsverbote! Oer Maulkorb für die„Schleswig-Holsteinische Volks- zeitung". kiel, 22. Juli.(Eigenbericht.) Auf Veranlassung des neuen preußischen Innenminister» hat der jetzt in Schleswig-Holstein amtierende Vizepräsident im Oberpräsi- dium die sozialdemokratische„Schleswig-Holsteinische Volkszeitung" auf die Dauer von vier Tagen ver- boten. Die Volkszeitung hatte im Anschluß an einen Prozeß, den Hitler angestrengt hatte, das Urteil des Landgerichts kritisiert und -erklärt, daß die Justiz mit zweierlei Maß messe, daß gegen- über Hitler anders Recht gesprochen werde als gegenüber Republikanern." Regensburger„VolkSwacht' verboten. Regensburg, 23. Juli. Die sozialdemokratische„Volksmacht" wurde von der Polizei- direktion m>t sofortiger Wirksamkeit bis einschließlich 26. Juli 1932 verboten. Das Verbot gründet sich auf die Verordnung des Reichs- Präsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 14. Juni. Llnbestimmtes Sonntagswetter Bewölkter Himmel und mäßig warm. Das Sonntagswetter wird sich von dem heutigen Wet- ter nicht wesentlich unterscheiden. Noch immer ist mit teilweiser Bewölkung bei schwachen Winden mit strichweisem Regen zu rechnen. Die Temperaturen dürften unverändert bleiben. Im Osten des Reiches herrscht schönes warmes Wetter, Mittel» und Westdeutschland dagegen liegen unter dem Einfluß einer De- pression, die nicht nur Regenfälle und Bewölkung, sondern auch erhebliche Abkühlung gebracht hat. Die zur Zeit herrschende Druck- Verteilung läßt erkennen, daß zum Wochenbeginn mit einer ofsenbar fortschreitenden Wetterverbesserung zu rechnen ist. Ueber dem Ozean westlich von Spanien und Frankreich hat sich ein starkes Hochdruckgebiet herangebildet und auch über Nordeuropa hat sich«in kräftiges Hoch entwickelt. Leider werden diese Schönwetter- zonen unser Gebiet morgen noch nicht allzu sehr beeinflussen. -13 Gasvergiftete. Ehlorgas in der Feldmütile OScrmünde. Odermünde. 23. Zuli. Ein schwerer Unfall ereignete sich in einem Werkraum der Feldmühle Odermünde. Durch ein undichtes Rohr entwickelten sich größere Zllengen Ehlorgas. Während sich der größie Teil der Belegschaft retten konnte, blieben 13 Per- sonen bewußtlos im Raum liegen. Nur dem tatkräftigen Eingreifen der Werkfeuerwehr gelang es, die Verunglückten noch rechtzeitig zu bergen Sie halten jedoch alle mehr oder weniger schwere Vergiftungen erlitten und mußten dem Frauendorfer Krankenhaus zugeführt werden. Sprengstoffverbrecher in Freiheii. Aber nur die Nationalsozialisten. Pirmasens, 22. Juli. Der am 15. Juli vom hiesigen Schöffengericht wegen Ver- brechens gegen das Sprengstofsgejetz zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilte Sicherheitskommissar Eicke- Ludwigshafen ist � wegen Krankheit aus sechs Wochen aus der Haft beur- l a u b t worden. Ein ärztliches Gutochtc» lautet dahin, daß Eick« einstweilen haftunfähig sei. Er hat eine Kaution von 2999 Mark(!) hinterlegt. Die Staatsanwaltschast hat weiter die Freilassung des wegen des gleichen Delikts zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilten Krastwagsnführers Verni veranlaßt, der ebenfalls auf Grund be- zirksärztlichen Attestes haftunfähig ist und ins Krankenhaus ge- bracht wurde. In beiden Fällen bleiben die Haftbefehle in Kraft. Die Ausstellung van ärztlichen Gutachten steht hier offenbar in einem Schnelligkeits Wettbewerb mit der Entlassung der bedauernswerten Sprengstofs-Hersteller aus der Haft. Handelt es sich doch bei den Häftlingen auch um SA.-Männer, die ihre Tat „aus lauteren patriotischen Motiven" verübten. Aus Südamerika wird gemeldel, daß die brasilischen Regierungstruppcn Erfolge gegen den Aufsland in Sao Paulo errungen haben und daß in Bolivien wegen Demonstrationen gegen Paraguay der Belagerungszustand verhangt worden ist. Die Entlarvung der Stimme Studien am Ztadio Der Rundfunk lehrt uns eine neue Art von Menschen- künde: die Erkenntnis des Menschen durch das Mittel des bloßen Gehörs. Freilich, dies ist keineswegs so zu verstehen, als offenbare sich jeder unsichtbare Mensch uns sofort durch Organ, Stimme, Sprechweise, Akzentuierung und vokales Temperament. Genau so wie die Gesichter der Menschen vielfach Masken tragen, Masken, die ihnen nur zuweilen, im Schlaf, in unbeobachteten Augenblicken wegrutschen, so gibt es zweifellos auch Stimmlarven und Stimmasken. Die Menschen, zumal die am Mikrophon, sprechen durchaus nicht immer so wie sie sprechen müßten, sprächen sie mit der ihnen entsprechenden Stimme. Es gibt eine Verstellung der Stimme, eine maskenhafte Verschönerung des Organs, ein künstliches Sprechen, das bei manchen bewußtes Sich-Zieren, bei vielen dagegen völlig unbewußt entsteht. Die Menschen vor dem Mikrophon wissen eben sehr gut, daß sie nur räumlich, nicht aber stimmlich unbeobachtet sind, und oft erzeugt dies Bewußtsein, daß man von ihnen nichts hört als ihre Stimme, ein Uebermaß von Gewichtlegen auf das Stimmliche, ein Uebermaß, das genau so zur Pose führt wie das Bewußtsein, photographiert zu werden. Menschenkunde als Rundfunkhörer treiben oder den Red- ner, den Sprecher durch die Stimme hindurch menschlich beurteilen kann man also nur, wenn man weiß, daß vor dem Mikrophon der Sprecher und Redner sich allerhand Masken aufzusetzen vermag, die sein Stimmantlitz verbergen. Bewaffnet mit dieser Einsicht haben wir freilich dann die Möglichkeit, in einem bisher ungeahnten Maße Ausdrucks- und Menschenkunde vor dem Lautsprecher zu treiben, wenn wir nur gewisse Fähigkeiten besitzen, aus Stimmen so wie aus Gesichtern zu„lesen". Da ist ein pathetischer Schön- sprechet wir haben das Gefühl von einem Menschen, der sich auf- bläht und aufbläst, um sich größer erscheinen zu lassen, als er ist. Da ist die Dame mit dem seltsam kehligen chintergrundston— wir ahnen, daß sie diesen Ton erst richtig zur Entfaltung bringt, wenn sie eine Gardinenpredigt zu halten für notwendig und angenehm hält. Da ist der Mann, der mit einer seltsamen Peinlichkeit die Endsilben betont— wir vermuten, daß er es im Leben nicht tut oder einmal nicht getan hat, und die Frage liegt nahe, ob der Betreffende nicht gewisse Mängel in Erziehung und Bildung ver- decken will. Da ist der Mann mit der rollenden, schwarzen Baß- stimme, dem es gar nichts ausmacht, sich zu verhaspeln— dieser Mensch ist mit sich und der Welt zufrieden, und er gehört zu den Beneidenswerten, die mehr Freuden als Aerger haben und sich den Braten des Lebens gut munden lassen. Da ist der mit ungeheurer Sorgsalt sprechende, gleichsam einen Stimmfrack mit Orden tragender Redner— wir ahnen ein starkes Geltungsbedürfnis und wissen, daß nichts unpolitischer und verkehrter wäre, als die Eitelkeit dieses Menschen zu kränken. Da spricht ein Redner unendlich langsam, verdächtig langsam— wir haben das Gefühl, er spricht im Leben schneller und sind geneigt zu glauben, daß dieser Mensch sehr viel Rücksichten kennt, entweder auf die Sendegesellschaft, die ihn für zwanzig und nicht für fünfzehn Minuten engagiert hqt oder auf die Hörer, die bei einem überhörten Wort ihn nicht bitten können, es zu wiederholen. Dann ist endlich auch noch der Mensch da, der uns mit feineni Sprechen sofort sympathisch berührt. Wir haben das Gefühl, daß er gerade zu uns— vielleicht gar für uns allein— gesprochen hat. Daß man sich in eine Stimme verlieben kann— in eine bloße Sprechstimme wohlgemerkt, nicht in eine Tenorstimme—, ist ja eine wohlbekannte Tatsache. Hier aber wirken, genau wie beim Sich-verlieben in ein Gesicht, oft mehr Ursachen als Gründe. E s verliebt sich in uns, es brauchen nicht w i r zu sein, die entflammt worden sind: die Sinne haben uns geleitet, Kopf und Herz brauchen gar nicht ihre Zustimmung gegeben zu haben. Die Tatsache also, daß man sich in eine Stimme verliebt, beweist so wenig, daß uns der Mensch bei näherem Zusehen gefällt wie das Sichverlieben in ein Gesicht auch nur eine gewisse Dauer des Gefühls verbürgt. Dagegen gibt es so etwas wie eine Freundschaft auf den ersten Laut, eine Freundschaft mit einer Stimme, die sich später sehr zwanglos auf den Träger dieser Stimme überträgt. Wir haben auf diesem Gebiet noch nicht viel Erfahrungen; die meisten Hörer scheuen sich wohl, den Mann oder die Frau, die sie soeben in ihrem Zimmer durch den Lautsprecher hörten, anzutelephonieren und per- sönlich aufzusuchen. Aber man sollte doch häufiger Vergleiche an- stellen zwischen dem Menschen, den man zunächst nur als Stimme kennen lernte und von dem man sich nach dieser Stimme ein bestimmtes Bild machte, und dem wirklichen Menschen, wie er einem nachher dreidimensional begegnet. Ich weiß von einem Fall, wo zwischen dem zunächst bloß gehörten und dem wirklichen Menschen eine solche Uebereinstimmung herrschte, daß keine Erwartung, die sich zunächst an das bloß akustische Bild anschloß, später von dem Original enttäuscht wurde, ja daß sogar Aeußerlichkeiten der Erschei- nung richtig vorgeahnt wurden. Freilich, solche Uebereinstimmungen werden sich da am meisten zeigen, wo die schwierige Aufgabe des „Entlarvens" nicht geleistet zu werden braucht, wo also der Sprechende seinem Wesen gemäß unverstellt und unposiert spricht. Enttäuschungen erlebt man, wo man entweder sich selbst betrügt oder wo der Gegenstand einen trügt. Frei von Selbstbetrug, der oft genug der eigensinnigen Verliebtheit unserer Sinne entstammt, müßten wir bei hinreichender Erkenntnisfähigkeit und bei voll- kommener Offenheit und Freiheit des Sprechenden eigentlich jeden Sprechenden schon an der„Nasenspitze" seiner Stimme im allge- meinen richtig erkennen. Dr. H. Falkenfeld. »Der Hexer." Atrium. Der Tonfilm hat wieder einmal eine Erbschaft angetreten. Der im Roman wie im Theaterstück längst erprobte Stoff des Hexers ist von Knut Borries und G. Water jetzt als Film verarbeitet worden Das Ergebnis ist lehrreich, weil man die Unterschiede zwischen Film und Theaterstück hier deutlich vergleichen kann. Der Film breitet die ganze Geschichte wie in Romanform aus, wechselt dauernd den Standort und zersplittert sich in viele kleine Szenen. Im Drama war das Ganze viel mehr zusammengefaßt und auf ein paar Hauptszenen konzentriert. Trotzdem ist auch der Film noch spannend und unterhaltend genug, denn hierauf hat sich der Sofpk erfinder Wallace wie kein zweiter verstanden. Auch die unheimliche Atmosphäre, die den Hexer, den Rächer ungesühnter Gewalttaten, umwittert, kommt im Film ein paarmal stark heraus, besonders in der Szene, da der schuftige Rechtsanwalt Meister in einem Anfall von Halluzinationen den Hexer leibhaft erlebt. Karl L a m a c hat in seiner Regieführung versucht, neben den gruseligen Elementen auch den eigenartigen Humor des Wallace zur Geltung kommen zu lassen, aber geglückt ist es ihm eigentlich nur in der Figur des Hackitt, des ulkigen Diebes, den Karl E t l i n g e r prächtig heraus- brachte. Ungebührlich trat die sentimentale Liebesgeschichte in den Vordergrund, ohne daß für Maria S o l v e g und Paul Richter ein Extraerfolg daraus erblüht wäre Fritz R a s p war ganz in seinem Element in der Verkörperung des unheimlichen Schurken. Sonst sind zu nennen: Paul Henkels als Kriminalkommissar und Leopold K r a m e r als Hexer sowie Wera Engels, die schöne und raffinierte Frau des Hexers. r. Oer„Mustergatte" im Kollektiv. Zentraltheater. Unter Christl Storms Leitung wird im Zentraltheater unge- dämpft unternehmungslustig im Kollektiv gespielt. Das technische Personal ist sichergestellt, die Darsteller jedoch arbeiten auf gut Glück. Und das ist ihnen bislang hold; denn sie kommen zurecht, was in heutiger Zeit schon viel bedeutet. Um für das Stammpublikum Abwechslung genug zu bieten, ist fast alle vierzehn Tage Programm- Wechsel. Zur Zeit versucht man«s mit dem bühnenwirksamen„M u st e r- g a t t e n", der so mustergültig brav ist, daß er seiner verwöhnten Frau aus die Nerven fällt. Sie will sich scheiden lassen. Er ist todunglücklich. Die Freundin seiner Frau tröstet ihn: und da die beiden dem Alkohol zusprechen, läßt ihr harmloses Zusammensein den allerschlimmsten Verdacht zu. Der repariert dann zwei Ehen. Christl S t o r m hat vor Jahren in Wien die Roll« der verführe- rischen Frau mit Riesenerfolg gespielt, und der bleibt ihr auch in Berlin treu. Sie wartet mit sehr viel persönlicher Anmut auf. Siegessicher wird sie unterstützt von Eduard N i c o l, Fred Brecht- hold und Gertrud A n g e r st e i n. c. b. Asien, die Llrheimat der Indianer. In diesen Tagen hat Professor Hrdlicka, der bekannte Anthro- pologe des Smithsonian Instituts in Washington, die Reise nach der Aleuteninsel Kodiak angetreten, um seine Forschungen über den Ur- sprung und das Alter der Indianer Nordamerikas weiterzusühren. Der Professor hofft, den endgültigen Beweis zu erbringen, daß der Ursprung der amerikanischen Indianer aus die Einwanderung asiatischer Völker in das heutige Alaska zurückzuführen ist, und daß diese Wanderungen ihren Weg über die Beringstraße und die Aleuten genommen haben. Die Ueberlieferungen auf den Aleuten, treu bewahrt und von Generation zu Generation weitervererbt, bezeugen, daß diese Menschen ursprünglich von der anderen Seite des Meeres gekommen sind, von Westen und van dem Ort bei der „Großen Erde", die ursprünglich die Heimat ihrer Ahnen war. gegen Westen ihre Wohnstätten gehabt, begannen sie nach Nordosten wciterzuwandern. Im Verlauf dieser Wanderung kamen sie schließ- lich zu den Aleuten. Auf der Inselgruppe machten sie Rast, um sich dann allmählich in den salzenden Epochen immer weiter nach Osten auszudehnen und endlich nach dem Lande zu kommen, das heute die Halbinsel Alaska ist. Die eingeborenen Einwohner der Aleuten zeigen überdies unverkennbare Aehnlichkeit mit den Eskimos Sibiriens. Das solkloristische Materiol, besonders das früher ge- fundene ornamentale und dekorative, zeigt ebenfalls überraschende Aehnlichkeit mit anderen gleichartigen Gegenständen, wie sie in den Gräbern und in den Trümmern der Städte der Azteken, der Jnkas und der Mayas gefunden wurden. All das spricht klar für den Weg dieser uralten von Asien kommenden Völkerwanderung, die sich über die nördlichen Gebiete verbreitete und dann nach und nach immer weiter auf den nordamerikanischen Kontinent vordrang. Florenz Ziegfeld, der bekannte New-Porker Theater- und Revueunternehmer, ist in Los Angeles im Alter von 64 Iahren an einer Lungenentzündung gestorben. Neue große Funde der Znka-Kultur. Eine Expedition, die das bolivianische Hochplateau in der Nähe des Titikakafees erforscht, hat die Ruinen von 43 Niederlassungen der Jnka-Zeit entdeckt. An einem der befestigten Platze fand man die Ueberreste von mehr als 10(X> steingedeckten Häusern. Eine der interessantesten Ruinenstätten liegt auf dem Gipfel eines Berges, etwa 30 Kilometer vom Titikaka- see entfernt, am Suchisfluß, der in Bolivien wegen seines Gold führenden Sandes berühmt ist. Hier liegen 22 G nippen von Grab- türmen, mächtige Gewölbe, die zur Aufnahme ganzer Familien dienten, in einigen von ihnen wurden neun Skelette gesunden, olle in sitzender Haltung, die Arme um die hinausgezogenen Knie ge- schlungen. Hier stieß man aus keine Spur von Wohnungen. An anderen Stellen waren die alten Inka-Behausungen noch völlig erhalten: es sind Häuser mit einem Raum, ganz aus Stein gebaut, mit sehr engem Eingang, ohne Fenster. Die Volksbühne plant auch für den kommenden Winter wieder eine Reihe von S o n d e r v e r a n st a l t u n g e n, die den Mitgliedern zu ermäßigten Preisen geboten werden. In der Reihe der Konzerte wird wieder eine Silvcstcrfeicr mit Aufsührung der IX. Sinionic von Beethoven erscheinen. Ferner wird eine szenische Aussührung von Kestners oben in dieser Zeit" vorbcreiict. Heinrich S ch l u s n u s und Maria I v o g ü n wurden sür Tolomatineen gewonnen. Die Reihe der Tanzvcranstaliungen wird durch das erste Austreten Marv W i g m a n s mit einer neu gebildeten Gruppe eröffnet werden. Tann dürfte eine Vera Skoronel- Gedenkfeier folgen, die von Berthe T r ü m p v mit ihrer Gruppe bestritten wird. Weiterhin wurden verpflichtet die P a l u c c a, Lotte Goslar und Erika L i n d n e r. Ruth A b r a m o w i t s ch und Georg G r o k e, Lisa C z o b c l usw. Auch Kabarettdarbietungen und Bor- tragszpklen sind vorgesehen. Anmeldungen jederzeit in 200 Zahlstellen und Linienstr. 227._ Naiionalkonzentrierier Rundfunk. Am laufenden Bond. Die Regierungsvorträge im Rundfunk rollen jetzt sozusagen am laufenden Band ab. In der Zeit von 5.30 bis 7.30 Uhr sprachen über alle deutschen Sender Freiherr von G a y l und der Vertreter des Reichskommissars für Preußen Dr. Bracht: zwischen diesen beiden Vorträgen wurden im Programm der Funkstunde vom Re- dakteur Dr. Fritz Klein„Die neuen Männer in Preußen" nebst Gattinnen in Filmen vorgestellt. Vor diesen Veranstaltungen brachte die Deutsche Welle einen Vortrag von Toni Sarig„Die w e i b- liche Jugend im Freiwilligen Arbeitsdienst", der sich durch gründliche Unkenntnis der wirtschaftlichen Grundlagen für den Arbeitsdienst auszeichnete, aber als Ersatz sür eine intellektuelle Behandlung des Themas es mit gefühlvollem Schwung umkleidete, der zu dem Schluß führte: Arbeitsdienst auch für Frauen sei eine Notwendigkeit und ein Ziel, das glücklicherweise nahe be- vorstehe! Aus Herrn von Gayls Vortrag, der gehalten wurde anläßlich einer„Volksdeutschen Weihestunde" in Frankfurt a. M., ist, außer der Feststellung, daß Herr von Gayl die„politische Lage in Deutsch- land für so beruhigt" hält, daß er mit Wirkung vom 24. Juli das Umzugs- und Demonstrationsverbot für Heimat- und Iu» gendfeiern, k ü n st l e r i s ch e Veranstaltungen usw. wieder aufgehoben hat,«ine kleine Wendung bemerkenswert: er sagte,„die Höh«, die wir anstreben", müsse„im gleichen Schritt I und Tritt" erreicht werden. Einige andere Redner zitierten Goethe und wiesen auf die historische Stätte Frankfurts, die Paulskirche, hin. Die Aussührungen, die Dr. Bracht als amtlichen Auslage- Vortrag brachte, waren eine etwas gedämpfte Auslage der Rede, die in der gleichen Weise am Mittwoch Freiherr von Papen über alle deutschen Sender gehen ließ. Untertanen haben bei solchen Vorträgen stramm zu stehen. Frei« Staatsbürger stellen ab.—'z. Sonntaqsprogramm am Funkturm. Am morgigen Sonntag wird am Nachmittag, in der Zeit van 16—17 Uhr im Terrassengarten der Berliner Scmmerschau„Sonne, Lust und Haus für Alle!" der Brondenburgische Rugby- Fu ß- ball-Verband ein Rugby-Werbespiel veranstalten. Der Meister Tennis-Vorussia spielt gegen SV. Siemens. Ab 18 Uhr wird ein Tanzturnier für jedermann veranstaltet. An diesem Turnier kann sich jeder Ausstellungsbssucher beteiligen. Bei ungünstiger Witterung wird dies« Veranstaltung in die Halle IV verlegt. 7. kreis Charlottenburg. Heute abend um 23 Uhr im Picadilly- kino, Bismarckstr. 93, Wählerkundgebung. Gezeigt wird der Film „Niemandsland". An Stelle des verhafteten Genossen Anker spricht der Genosse Fritz Schröder vom Zentralverband der Angestellten. Eintrittskarten sind an der Kasse noch zu haben. 20. kreis, Reinickendorf, 143. Abt., Waidmannslust. Mit der heutigen Einheitsfrontkundgebung der KPD. im Bergschloß Waid- mannslust hat die Partei nichts zu tun. Kein Genosse darf daran teilnehmen. Weller für Berlin: Meist wolkig und mäßig warm, zeitweise leichte Regenfälle. Schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Im Osten warm und zeitweise heiter, im übrigen Reiche nur mäßig warm und zeitweise Regen. fliegen und IteHer Für das Fliegen, das ständig weiter zunehmende Bedeutung für den Verkehr gewinnt, ist eine möglichst genaue Kenntnis der Witterungsverhältnisse zn weiten Gebieten von größter Bedeutung. Es bestehen denn auch eine ganze Anzahl von Wetterdienststellen, Flugfunkstellen und Flugwetterwarten, die das gesamte in Betracht kommende Material, also namentlich auch Messungen der in den verschiedensten Höhen herrschenden Temperaturen und Winde, ständig an eine Zentralstelle weitergeben, wo es kurz verarbeitet und mehr- mals täglich für die Interessenten ausgestrahlt wird. Für Deutsch. land ist diese Zentralstelle die Flugwetterwarte in Berlin. Ihr Leiter, Dr. H. Roth, hat in einem anschaulich geschriebenen Büch- lein„Wetterkunde für Flieger und Freude der Luftschifsahrt"(Verlag von Klasing u. Co., Berlin. 75 S. mit 52 Abb.) dargelegt, welche Elemente das Wetter sowohl am Tage wie bei Nacht und nament- lich auch in den oberen Lustschichten beeinflussen und welche Momente von den Fliegern besonders zu beachten sind. Auch das Meldewesen und die Flugberatung sind in den Kreis der Betrachtung gezogen. Das kleine Büchlein wird den Freunden des Flugwesens recht will- kommen sein. Dr. Bruno Lorchardt. Theater der Woche Vom 24. Juli bis I.August Theater mit festem Spielplan: Theater i» der B-hr-nstrahe: Der Ti-fsiapl-r.— Theater des Beste»-: Die Dollarprinzelsin.— Theater am Nallead-rspla«: orühling in Heidelberg.— stamödic: Liebe— unmodern.— Kursürstcadamm-Theater: Ganoven-Ehre.— Renaiiianee- Theater: Fräulein Frau.— Zeutral-Theatcr: Der Mustergatte.— Rose. Theater: Bis 31. Der Vulkan. Ab 1. Herzdame. SartenbShae: Bis 31. Drei arm- klein- Mädels. Ab 1. Fruhlingsluft.— Plaza: Bis 31. Der fidele Bauer.— Scala: Geschlossen.— Wi»tergarten: Internationales Variete. Nachmiktagsvorstellungen: Zentral. Theater: 24. Mustergatte.— Rose-Theater: 31., 18 Uhr: Der Vulkan. Sarteabühnc: Konzert und Variete.— Plaza: Bis 31. Der fidele Bauer.— Wintergarte»: 24., 30., 31. Internationales Variete. Rundfunk am Abend Sonnabend- den 23. Juli Berlin; 16.05 Ordiesterkonzert. 16.30 Aus Paris: Vom Doppelspiel um den Davis-Pokal. 17.00 Vom Schwimmen quer durch Berlin. 18.10 Die Erzählung der Woche(A. Daudistel). 18.35 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.40 Für den Siedler und Kleingärtner(Gartendirektor L. Lesser). 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Freiherr von Braun spricht. 19.10 Lieder. 19.40 Meine Arbeit am Hörspiel(H. Kyser). 20.00 Aus Wien: Funkpotpourri. 21.30 Lustiger Abend. 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen: 16.00 Wie sieht es über uns in der Atmosphäre aus?(Dr. Thieme). 16.30 Aus Königsberg: Nachmittagskonzert. 17.30 Zahnsystem— Stoffwechsel— Verdauung— eine zweckdienliche Betrachtung(Professor H. Strauß). 17.50 Knigge für Erholungsreisende(Kläre Schalscha-Krüger). 18.05 Musikalische Wochensdiau(E. Preufi- ner). 18.30 Wer war Münchhausen?(Dr. C. Haensel). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Wahrscheinlichkeit und Kausalität(Professor Dr. H. Reichenbach). 19.30 Robert Schumanns..Waldszene". 20.00 Aus Köln: Lustiger Abend. 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnadi richten. 22.40 Aus Stuttgart: Nachtkonzert. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durdi alle„Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. Sonntag, den 24. Juli Berlin: 6.00 Gymnastik. 6.20 Aus Bremen: Frühkonzert. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.20 Die Ausbildung des praktischen Landwirts(Oberlandw.-Rat Direktor Dr. G. Matschenz). 8.55 Morgenfeier. 10.00 Aus Bremen: Toten- eedenkfeier. 10.45 Wettervorhersage. 11.00 Aus Frankfurt a. M.; Deutsches Sängerbuudesfest. 12.00 Aus Frankfurt a. M.; Mittagskonzert. 13.90 Märchen(Elfriede Götze). 13.30 Unterhaltungsmusik. 14.00 Spielraum und Spielfreiheit für Kinder(Ilse Kattentidt). 14.30 Volkstümliche Gesänge. 15.00 Hörbericht aus dem Kinderlager in Ferch. 15.30 Cembalomusik. 15.55 Amüsante Zeitungsnotizen(W. M. Citron). 16.13 Unterhaltungs- und Tanzmusik. 18.00 L. v. Wahl; Eigene Erzählungen. 18.30 Vorn„Großen Preis von Berlin". 19.00 „Peter Sdileraihl"(Hörspiel). 20.00 Aus Königsberg; Militärkonzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 14.30 Max Dauthendey zum Gedächtnis(O. L. Brandt). 15.00 Der Landjäger(Landjägerhauptmann Niemann). 18.00 Vom guten und schlechten Schauspieler(J. Bab). 19.05 Römische Straßen(Dr. A. Sdiiro- kauer, K. Graef). 19.33 Das deutsche Wort im amerikanischen Rundfunk(W. L. Klein, Leiter des Deutschen Rundfunks in Chikago). Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle ,A orwärts"-Boten oder die Postanstalten. Berantroortl. für die Redaktion: Rech. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Berlaa: Vorwärts Verlag E. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlagsanftalt Paul Singer& Co., Berlin S3B 68, Lindensir. 3. Hierz» 1 Beilage. föellage Sonnabend 23. Juli 1932 Ofriftnri) SfuUauigaße[oturask Qerhart Sterrmann Wo/Iar/ 3)ie Qeichichle der Woche: Einer, der ffiofen flalil Ein gewisser Wilhelm R. war geständig, von Berliner Fried- Höfen Rosen geraubl und im Straßenhandel verkauft zu haben... Der alte Friedhofswärter schreitet mit ingrimmigem Kopf- schütteln die Gräber ab, die seiner Pflege unterstellt sind. Den Stock mit der breiten Spitze, den er sonst, wenn er nicht gerade ein Stück Papier damit durchsticht und aufhebt, lässig hinter sich her schleift, stößt er vor jedem dritten oder vierten Grab wütend auf den Boden. Seit acht Tagen ist das nun so, daß jeder Hügel, der Rosen trägt, seines Schmuckes beraubt ist. Statt dessen liegt merkwürdiger- weise immer ein Strauß von Feldblumen drauf, die an dieser Stelle und in des Wärters Augen nichts als Unkraut sind und gleichsam noch ein Hohn des Täters zu seinem infamen Unfug. Wenn er ihn doch mal erwischte, den Kerl, endlich mal...! Er blickt sich um, blickt die sorgsam geharkten Wege entlang, die vielförmig ausragenden Steine, blickt bis hin zur Mauer, über die schmutzig grau und teilnahmslos die trübfenstrigen Mauern der Mietskasernen herllberschauen. Plötzlich hört er das stählerne Klappen einer Schere. Erregt tritt er hinter den nächsten Busch— und sieht den Täter! Der alte Mann nimmt sich kaum Zeit, ihn genauer zu be- trachten. Er vergißt auch, sich heranzuschleichen. Er stürzt vielmehr auf den Mann, der da über ein Grab mit Rosen gebeugt steht, mit wütendem Ruf zu— der sieht ihn, läßt einen Korb fallen, daß ab- geschnittene Rosen in verschwenderischer Fülle den Hügel über- rieseln, und läuft weg. „Haltet ihn! Haltet den Dieb!" schreit der Wärter. Er ist alt, der Verbrecher ist jung, er läßt sich nicht einholen. Aber es sind Menschen auf dem Friedhof, an denen der Flüchtling vorbei muß, wenn er das Tor erreichen will. Sie werden aufmerksam, diese Menschen. Sie laufen zu dem Weg hin, den der Mann mit der Schere nimmt. Aber wenn er angestürzt kommt, erregt, in großen Sprüngen, mit verzweifeltem, zu allem entschlossenem Gesicht, weichen sie beiseite. Schon hat er fast das rettende Tor erreicht— da tritt ein Herr auf ihn zu, ganz ruhig. Der Mann trägt etwas in beiden Händen, das jetzt leise klirrt, zweimal, dreimal... Einen Augenblick lang bleibt der Täter stehen, blickt auf den schwarzen Kasten in den Händen des Herrn— wieder klirrt es— und rast dann davon und durchs Tor, und das rettende Gewühl der Straße nimmt ihn auf... „Weg ist er, der Lümmel!" wütet der Wärter. „Aber," sagt der Herr mit dem schwarzen Kasten,„aber sie werden ihn bald haben. Denn ich habe ihn viermal photographiert." „Womit kann ich Ihnen helfen?� fragt die Schwester, die auf dem Schlesischen Bahnhof in Berlin die Bahnhofsmission versieht. Der Mann, der in dem kleinen, nüchternen Zimmer vor ihr sitzt, blickt beunruhigt auf die Lokomotive, die gerade vor dem Fenster oorbeischnaust.„Kann ich Sie allein sprechen, Schwester?"... �„Wir sind allein." Und als sie sieht, daß der Mann noch nicht beruhigt ist:„Wir fühlen uns an unser Berufsgeheimnis gebunden." „Bitte," sagt der Mann leise,„bitte, helfen Sie mir aus Berlin heraus. Ich habe kein Fahrgeld. Aber ich muß hinaus. Heute noch. Jetzt noch. Gleich..." „Ich bin verpflichtet, nach Ihren Gründen zu fragen." Noch einmal stutzt der Mann— dann sagt er mühsam:„Man oerhaftet mich sonst." Eine Weile schweigt die Schwester. Dann fragt sie in ehrlicher Teilnahme:„Sie haben aus Not gehandelt..?" „Ja, ja, ja, nur aus Not— Sie können, Sie müssen mir glauben.. Und nun bricht es aus dem Mann heraus:„Was habe ich denn schon verbrochen? Wen habe ich denn schon geschädigt? Was haben die Toten von ihren Rosen, Schwester? Die Toten haben keinen Hunger... Ich bin Buchhalter, Schwester, ich sehe nicht mehr so aus, ich weiß. Ich bin arbeitslos seit drei Jahren, längst aus- gesteuert, jawohl... Man hat viel Zeit, wenn man arbeitslos ist, und dann geht man gern auf die Friedhöfe. Es gibt Bänke da zum Sitzen, es blühen Blumen da, Vögel gibt es, und die Toten beachten einen nicht, man stört sie nicht, auch wenn man verwahrlost aus- sieht. Gedanken kommen einem da, so viele Gedanken... Erst denkt man so: da kommen die Leute und bringen Blumen hierher. Blumen, die viel Geld gekostet haben. Es ist sehr schön von den Leuten, daß sie an ihre Toten denken, aber an mich denken sie nicht, sie kennen mich ja auch gar nicht, ich bin ja auch nicht tot, ich lebe ja, wozu brauche ich Blumen...? Dann machen aber die Ge- danken nicht halt. Das geht weiter in einem... Wenn ich den Leuten die Blumen verkyufte, dann hätten die Toten ihren Schmuck und ich mein Brot. Aber woher nehmen die Blumen...? Und wie man das denkt, Schwester, stehen sie vor einem ringsum auf den Gräbern, viele Stengel voll Rosen; jeder könnte fünf Pfennig bringen, sechs brächten ein Mittagbrot... Und die Toten, denkt man, die sind doch wohl gut, die sind doch nicht geizig. Die sehen doch bloß darauf, ob die Blumen aus ehrlichem Herzen gegeben werden, und nicht aus den Preis. Ich will sie ja nicht derauben, nein, nein. Ich will ihnen ja andere Blumen dafür hinlegen, die will ich selbst pflücken und ihnen aufs Grab legen. Gewiß, es sind keine Rosen, die ich pflücken kann; es ist schon schwer genug, in der Großstadt, wenn man nicht hinausfahren kann, Schafgarbe und Klatschmohn zu finden. Aber ich habe sie gefunden, ich habe sie hingebracht und mir die Rosen dafür genommen, die Toten sind nicht böse gewesen, sie wußten doch, daß ich nur essen wollte.! So war das, Schwester, so war das. Die Schwester sieht den Hunger hausen um den zitternden Mund des Mannes, die Verzweiflung, die Verbitterung. Sie sagt, ohne zu schelten:„Sie haben ja auch nicht so sehr die Toten ge- kränkt, sondern die Hinterbliebenen, die vielleicht ihr letztes bißchen Geld hingaben für ein paar Rosen." „Natürlich, ich weiß natürlich, aber was blieb mir denn anders übrig.. Und es ist Friedhossschändung, das weiß ich auch... Und nun haben sie mich gesehen, mich verfolgt, mich photographiert, sie werden mich kriegen, mich verhaften, mich bestrafen, dann werde ich nie wieder eine Stellung kriegen... Bitte, Schwester, Helsen Sie mir heraus aus Berlin, helfen Sie mir!" „Ich kann Ihnen natürlich keinen Vorschub leisten, wenn Sie straffällig geworden sind. Aber warten Sie mal—" sie sieht nach der Uhr.„Es ist gleich sechs. Da löst mich meine katholische Kollegin ab. Wir mußten uns zusammentun, wissen Sie, auch uns fehlt das Geld... Ich habe dann noch eine Stunde Zeit. Würden Sie einmal mit mir auf den Friedhof gehen, von dem Sie zuletzt Rosen ge- nommen haben, und mir die Gräber zeigen?" „Aber wozu denn, Schwester— man wird mich verhaften— fort muß ich, weg!" „Es wird Ihnen nichts geschehen. Tun Sie mir den Gefallen. Und vielleicht auch sich selbst." Sie stehen vor den beraubten Gräbern. Der* alte Wärter ist nicht da; der zitternde Blick des Mannes findet ihn nirgends. Die Schwester sinnt über die Gräber hin. „Ich finde eigentlich, daß die Feldblumen nicht häßlich aus- sehen. Es müßten mehr sein, dann wäre es sogar sehr hübsch." „Es finden sich aber nicht viel in Berlin!" verteidigt sich Wilhelm R. angstvoll. „Gewiß, gewiß. Aber ich denke mir, daß auch die Lebenden ihre Freude hätten an den Feldblumen, wenn man sie ihnen brächte, und wenn man dafür ihren Toten die Rosen ließe... Hören Sie mal zu." Sie lächelte ein wenig.„Auch eine Schwester kann einmal eine Idee haben, eine geradezu geschäftliche Idee sogar. Sie baten mich, Ihnen zu helfen. Gut. Ich bewillige Ihnen eine Vorortkarte, sagen wir nach Oranienburg, hin und zurück. Morgen werden Sie dahin fahren und einen ganzen Korb voll Feldblumen sammeln, verstanden? Und die werden Sie zu großen, schönen Sträußen binden; ich sehe ja, Sie haben Sinn für sowas; und die werden Sie verkaufen an Stelle der Rosen. Am Sonntagabend, wissen Sie, da kommen unendlich viele Leute vom Wochenende zurück; die freuen sich vielleicht, wenn sie ein paar frische Feldblumen mit nach Hause bringen können, wo ihnen die selbstgepflückten schon in der heißen Hand verwelkt sind, oder wo sie gar keine Hand mehr frei hatten, um welche zu tragen. Das bringt Ihnen vielleicht auch was ein und hilft Ihnen eine Weile, und Sie können vielleicht später Ihre Vor- ortkarte selbst bezahlen. Sind Sie einverstanden...?" „Ich wills ja gerne versuchen, Schwester— aber ich habe doch nun mal die Gräber beraubt, man wird mich kriegen, ich—" „Da allerdings würde ich Ihnen raten, dringend raten, sich frei- willig zu stellen. Und wenn? zu etwas kommt, können Sie mich als Zeugen angeben. Ich kann für diesen Fall natürlich gar nichts ver- sprechen, aber ich glaube doch, daß es nicht so schlimm kommen wird. Sonderlich wenn sie den Toten von nun an ihre Blumen lassen..." So kommt es, daß an mancher Straßenecke und an manchem Bahnhof Berlins jetzt zuweilen ein Mann steht und Feldblumen anbietet. Sie sind sehr schön gebunden, sehr billig und sie werden gern gekauft: Klatschmohn und Schafgarbe und Butterblume und Eisenzahn und Buschwindröschen... Zwar wird der Wrnler kommen, und es wrrd für den Mann wieder böse sein, aber er wird froher und mutiger hineingehen in die Kälte und das Dunkel Und es ist doch immerhin so, daß ein Ge- richtsversahren wegen Geringfügigkeit eingestellt wurde und einer mehr lebt, der nicht vorbestraft ist, und daß die Toten unangefochten unter ihren Rosen ruhen können und daß ein Lebendiger in dieser harten Zeit vorerst leben kann, und daß eine böse Sache zum Guten gewendet wurde durch eine kluge Frau. Und all das, meine ich, ist schon viel. er... mi-v:(/ifflar der Mahn Abgerackert, angefüllt mit einem fast krankhafte» Schlafbedürsnis, waren die drei Städter in der Sommerfrische gelandet. Am Bahnhof wurden sie von einem abgezehrten Mädchen in Empfang genommen, das mit Uebung und Umsicht die Koffer der Angekommenen auf einem Handwagen verstame. Dann trotteten die drei, die nun un- gewollt zu einer Schicksalsgemeinschast zusammengeschlossen waren, noch dem entsernt liegenden Bauernhaus. Alle drei hatten auf eine Anzeige geschrieben, die drei wanderten nun ins Ungewisse. Sie waren kaum erwartungsvoll; denn der Nachklang bitterer Enttäuschungen, die sie in der Stadt erlebt hatten, dämpft« ihre Vor- sreude. Sie hatten für sich nicht die Freude als Gepäck ausgeladen, sie kamen sich vor, als wenn sie neben einem Sarg Herliesen. Was wird jetzt in der Stadt fein? Wirst du noch Arbeit haben, wenn du in die Steinwüste zurückkehrst? Was wird die Zukunft bringen? Das war der Sorgenschwarm, der sie verfolgte wie lästige Mücken. Doch endlich umspann sie das Bauernhaus mit seinem tiefen Frieden. Vorerst ließ sie die Ruhe überhaupt nicht schlafen, waren sie doch viel zu sehr an die Geräuschkulisse der Stadt gewöhnt. Die Ruhe quälte ihre Nerven. Sie horchten angestrengt aus irgendein Geräusch. In der Stadt wurden sie immer über den Werktag und den Sonntag ihrer Nachbarn durch Weckergerassel peinlichst genau und ausschreckend unterrichtet. Nach und nach gewöhnten sie sich und wenn um drei Uhr nachts der Kuckuck in den großen Kastanien- bäum flog, der auf dem Hof stand, und— durch das Frühlicht verlockt— der Kuckuck schon seinen Ruf ertönen ließ, ahnten sie im Traum, daß es ein leibhaftiger Kuckuck war und nicht etwa Nachbars Kuckucksuhr. Und sie schliefen, bis morgens der Hahn krähte, dessen Schrei sür sie der SOL-Rus ins Leben war. Wenn man zur Entspannung komnien will, muß man mit be- wußtein Wollen eine Nichtigkeit zur Ueberbedeutung erheben. Die drei Städter taten es ohne vorherige Verabredung. Sie betrachteten in seltener Einmütigkeit Gustav, den Hahn, und sein Leben. Gustav war groß, kräftig und recht sreßlustig. Doch war er ein vollendeter Kavalier, er war ein übermenschliches Tier. Man mochte ihm einen noch so outen Happen geben, er nahm ihn wohl in den Schnabel, er fraß ihn aber nicht. Er rief mit vollem Schnabel seine Hennen herbei und warf ihnen den Brocken zu. Er tat das mit solcher Regelniößigkeit, daß man ungefährliche Wetten daraus ab- schließen konnte. Gustav fraß erst, wenn alle seine Frauen genügend zu picken hatten. Gustav sorgte jedoch nicht nur für Futter, Gustav sorgte auch für Ordnung. Sobald die beiden Glucken sich zankten, ging er zwischen sie. Glucken kriegen sich oft, genau wie Menschenmütter, um ihre Kinder in die Federn. Doch Gustav stand zwischen ihnen wie eine trennende Wand. Zuerst nahm er die Schnabelhiebe, die die rauflustigen Weiber sich gegenseitig austeilen wollten, auf sich, dann aber schlug er mit dem Schnabel und trennte die Zankenden energisch. Die Städter betrachteten dieses Hahnenleben mit Interesse und der ganzen eingefleischten Ueberlegenheit, die Städtern eigen ist. Einmal aber war die Ruhe merklich gestört und Gustav machte nicht einmal Anstalten, sie wiederherzustellen. Die beiden Glucken liefen ängstlich hin und her, Gustav stieß ganz eigentümliche Töne aus und sogar Peter, der pechschwarze Kater, kam im schnurgeraden Galopp auf das Haus zu. Gustav kam immer und immer wieder zu den Städtern und die entschieden schließlich:„Ach, die Tiere haben einen guten Instinkt für die Witterung, es ist ein Wetter im Anzug und Gustav sucht bei uns Schutz. Er läßt seine Hühner im Stich, so tapser wie er aussieht, ist er also doch nicht." Nach Stunden, die Städter hatten sich inzwischen zum Mittags- schlaf niedergelegt, hatte sich Gustavs Aufregung noch nicht vollends gelegt, aber sie hatte wenigstens ihre Ausklärung gefunden. Di« Bauernfrau jammerte über den Hof, ein kleines Küken war m einem Topf mit Wasser ertrunken. Und Gustav, nun, der hatte bei den tierunerfahrenen Städtern Hilfe holen wollen. Es kam kein Unwetter. Die Tage blieben sonnig. Gustav saß mit seinem Hühnervolk unter der Veranda, weil sie ihm Schatten bot. Darüber waren die drei Städter froh, denn, obwohl sie nicht davon sprachen, konnte keiner aus seinen F«ientagsn sie streichen, diese— Riesenblamage vor Gustav, dem Hahn. SofaUewevl 4m 3Uvt gufai§e£d, das bietet Juno? Sie ist seit 37 Jahren die bevorzugte Marke aller Schaffenden und erreichte dies ohne Wert zugaben wie Guts ch ein e, Werim arken oder Stickereien. Allein ihrer wertvollen Eigenschaften wegen leistet unserer ein ständig zunehmender Freundeskreis treue Gefolgschaft. LINO* Sport am Sonntag As&süec-fuß&iM Morgen; Kopenhagen gegen Eidie Zum erstenmal wird morgen eine ausländische Vereinsnrann- chast in der Reichshauptstadt sein:„Hermes"- Kopenhagen tritt im Köpenicker Stadion gegen„E i ch«"-Köpenick an. Die Kopenhagener, die bekanntlich«ine Reise durch Deutschland unter- nehmen, haben bereits mehrere Kämpse hinter sich, die auch alle, mit Ausnahme des legten, gewonnen wurden. So konnten sie?ie Begegnung mit Wittstock an der Dosse mit 5:1 sür sich gestalten. In Brandenburg gelang es den Dänen sogar, gegen eine Auswahl- Mannschaft des dritten Bezirks mit 8: 3 zu gewinnen. Gerade in dem legten Spiel zeigten die Kopenhagener großes Können. Gute Kombination des Sturms und genaues Zuspiel der Läuferreihe zeichnete die Mannschaft besonders aus. In Luckenwalde, wo die Mannschaft gestern gegen eine Vereinsmannschaft der Luckenwalder Turnerschaft spielte, mußten die Dänen allerdings eine zahlenmäßig sehr hohe Niederlage einstecken. Mit 8: 1 blieben die Luckenwalder siegreich. Das Ergebnis entspricht allerdings nicht ganz dem Spiel- verlauf. Wenn die Kopenhagener morgen gegen Eiche antreten, dann muß mit einer ausgeruhten Mannschaft gerechnet werden. Und die.se Mannschaft wird den Köpenickern sehr viel zu schaffen machen. Das Spiel beginnt um 17 Uhr. Vorher werden die Frauen von „Eiche"-Bohnsdorf und„Hermes"-Kopen>hagen ein Handball- spiel austragen. Die Kopenhagener Frauen sind ja nun kein« Unbekannten mehr: erst am Dienstag spielten sie gegen„Süden" unentschieden. Gegen Brandenburg gewannen sie nach überlegen durchgeführtem Spiel mit 4: 1, während sie gegen die Luckenwalder Turnerinnen mit 4: 0 verloren. Die Bohnsdorfer Frauen müssen also alles hergeben, wenn sie gewinnen wollen. tZanddalZspiel mit Dänemark Ein internationales Handballtreffen gibt es am Sonnabend in Bohnsdorf. Die Handballmannschaft des Sportklubs „H e r in e s"- K o p e n h a g e n wird gegen die Männer des Be- zirks Bohnsdorf des Turnvereins„Eiche" auf dem Platze in der Schulzendorfer Straße antreten. Die Kopenhogener, die in Deutsch- land bisher erst ein Spiel in Lübeck ausgetragen haben, werden die Vohnsdorfer zur Hergab» ihres ganzen Könnens zwingen. Das Spiel beginnt um 20 Uhr. Wegen der ungünstigen Witterung sind in der Serienrunde der Berliner Arbeitertennissportler noch sehr viele Treffen nachzuholen. Morgen, Sonntag, finden daher folgende Begegnungen statt: l�-Gruppe Frauen: TR. Lichtenberg I— TR. Friedrichshain I, 9 Uhr, Stadion Lichtenberg. Friedrichshain wird siegen und da es sich um das letzte Spiel dieser Mannschaft handelt, wird der Kreismeister der Frauen feststehen. Lichtenberg wird den dritten Platz behalten. L-Gruppe Frauen: TR. Friedrichshain II— FTGB. II, 14 Uhr, Sportplatz Friedrichshatn. Nach den bisherigen Leistungen wird sich Friedrichshain durchsetzen, sofern die volle Mannschaft antritt. �-Gruppe Männer: TR. Lichten- berg I— TN. Wedding I, 9 Uhr, Stadion Lichtenberg. Lichtenberg wird ohne große Mühe Wedding überwinden und sich auf den dritten Platz der Tabelle vorschieben. L- Gruppe Männer: TR. Friedrichshain II— TR. Prenzlauer Berg I, 14 Uhr, Sport- platz Friedrichshain. Friedrichshain hat es dringend nötig, durch einen klaren Sieg seinen Tabellenstand zu verbessern. FTGB. II— TR. Eharlottenburg I, 9 Uhr, Volkspark Rehberge. Die Char- lottenburger werden � sich überlegen erweisen. E- G r u p p« Männer: TR. Prenzlauer Berg II— TR. Lichtenberg II, 9 Uhr, Rudols-Mossc-Straße. Die gute Lichtenberger Mannschaft wird sich alle Mühe geben, um möglichst viel Punkte zu holen und den zweiten Platz in der Tabelle zu belegen, v- G r u p p e Männer: FTGB. III— TR. Prenzlauer Berg Hl, 9 Uhr, Volkspork Rehberae. Prenüauer Bei-g wird nach Kampf den Sieger stellen. Acveiterschwiiamsest in Weißensee. Sonntag, 24. Juli, 15 Uhr, veranstaltet die Schwimmabteilung des Volkssport Weißensee im Seebad Weißensee ihr diesjähriges Schwimmfest. Den Einzel- und Staffelkömpfen folgen Rettungsvorführungen, Turmspringen und Wasserballspiele. Die 8-Mannschast des Veranstalters spielt gegen Tegel, während die /c-Mannschaft gegen die sehr starke Mannschaft Hellas vertritt. Neben dem Sportlichen soll auch das Humoristische zur Geltung kommen. Auf der schwimmenden Bühne kommen drei Einakter zur Ausführung, die die Lachmuskeln der Zuschauer sehr in Anspruch nehmen werden. Das Sportfest in Erkner, anläßlich der 2ö-Jahr-Feier, der Freien Turncrschaft findet bestimmt morgen, Sonntag, aus dem Gemeindesportplatz am Dämeritzsee statt. Beginn des Dreikampfes 8.39 Uhr, der Vorkämpfe zu den Einzclwettkämpfcn 19 Uhr und der Endkämpfe 14 Uhr. Radrennen im Gruncwaldstadion. Auf der Radrennbahn im Grunewaldstadion gibt es am Sonntag ausgezeichnet besetzte Rad- rennen. Im 199-Kilometer-Dauerrennen um den„Großen Preis von Berlin" gehen Sawall, Krewcr, Schindler, Metze, Paillard, Grassin, Snoek, Thollembeek und Gilgen cm den Start. Den Flieger- kämpf bestreiten Engel, Stesses, Martinetti, Richli, Moeskops, Arlet, Jaap Meyer, Helge Härder und Piet van Kempen. Außerdem wird Manfred von Brauchitfch auf feinem Stromlinien-Mercedes-Benz einige schnelle Runden zum besten geben 14. Werbeschwimmen„Quer durch Berlin". Das traditionelle Werbeschwimmen„Quer durch Berlin" der bürgerlichen Vereine zeigt ein über alles Erwarten gutes Meldeergebnis. Im Einzel- schwimmen der Herren starten K. Bode(Hildesheim 99), Reglin (Spandau 94), Haberer(Wasserfreunde 99), Sauer(Friesen), denen der italienische Meister Renata Bacigalupo-Rapollo und Schwedens Meister der langen Strecke, Gästa Carlsson, gegenüberstehen. Bei den Damen sind besonders hervorzuheben, die jüngste Rekordlerin Stegemann-Magdeburg, die dänische Meisterin Edle Nielsen und die bekannte Leipzigerin Herta Wunder. Der Start ist um 17 Uhr an der Schloßbrücke, das Ziel an der Hansabrücke. Pferderennen. Die Geschehnisse auf der Bahn in Ka r l s h o r st gruppieren sich um das Graf-Lubbert-von-Westphalen-Iagdrennen, das auf dem schwierigen 4999-Meter-Kurs der Jubiläumsbahn ge- laufen wird. Oper(Hauser), Herakles(Müschen), Kermak(H. Lewicki), Honesta(W. Schmidt) und Rentmeister(Unterholzner) sollen den Kampf um die 5999 M. aufnehmen. Auch die übrigen Prüfungen sind durchweg stark besetzt.— Mit dem ausgezeichneten Sport ver- sprechenden Renntag am Montag, 25. Juli, erreichen die Abend- trabrennen zu M a r i e n da r f vorläufig ihr Ende. Der Berliner Trabrennsport siedelt dann wieder nach Ruhleben über, wo der Be- trieb am 29. Juli eröffnet wird. Die Veranstaltung beginnt wieder um 18 Uhr._ Ac&eäec-Massee&aU Hellas schlägt Charlottenburg 5: 4 Gestern standen sich die langjährigen Rivalen im neutralen Bad der Freien Schwimmer Berlin 12 zu Lichterfelde zum Ent- scheidungskampf um die Meisterschaft im 1. Kreise gegen- über. Obwohl Charlottenburg die reguläre Begegnung bei den Serienspielen bereits vor kurzem mit S: 4 gewonnen hatte, mußte das Spiel auf Grund eines berechtigten H e l l a s Protestes wiederholt werden. Es war«in aufregender Kampf— und der ausgeglichenste dazu, den sich diese Mannschaften je geliefert haben. Minutenlang gab es keine sichtliche überlegene Spielhandlung. Alles war auf Abwehr eingestellt und alle noch so gut nach vorn gegebenen Bälle wurden stets abgefangen. Erst ein Freiwurf, den Charlottenburg in der Nähe des Hellastores zugesprochen erhielt, führte zum ersten Erfolg. Kurz danach ein ähnliches Ereignis vor dem Tor der Charlotten- burger und der Ausgleich war erzielt. Allmählich stellte sichrem« kleine Ueberlegenheit der Hintermannschaft von Hellas heraus, die sich jedoch bei dem anpassungsfähigen Spiel der Charlottenburger nicht auswirkte. Der Spielaufbau war bei Hellas in diesen Minuten unverkennbar präziser und zweckmäßiger. Trotzdem war es wieder «in Freiwurf, der Hellas das Führungstor und damit den 2: 1-Halb- zeitstand«inbrachte. Im zweiten Spielabschnitt nahm der Kampf an Tempo zu, ob- wohl die rein schwimmerischen Leistungen in diesem Spiel durch das scharfe gegenseitige Abdecken zurllcktyaten und alles vom Stellungsspiel der Angriffsreihen abhing. Charlottenburger Stürmer zeigten in einigen Spielmomenten hervorragende taktische Leistungen und holten in kurzen Abständen drei Tore aus. Noch war aber der Kampf nicht zu Ende. Mit Nachlassen der Charlottenburger Hinter- Mannschaft wuchck Hellas. Eine hervorragende Verlängerung durch den Mittelstürmer verschafft« den Ausgleich und einen Schnitzer der Charlottenburger Verteidigung nutzte der gleiche Spieler entschlossen zum entscheidenden Treffer. Wohl versuchte Charlottenburg ver- zweifelt, den zur Spielverlängerung notwendigen Treffer zu erzielen, es war vergeblich, die Hellasoerteidigung gab sich keine Blöße und unter begreiflichem Jubel der Hellasmannschaft fand das Spiel mit diesem Resultat sein Ende. ★ Restlos erfreuen konnte dieser Kampf nicht. Entscheidungsspiele dieser Art lassen eine volle Entfaltung der technischen Fähigkeiten der Spieler selten zu, da jede Mannschaft zu sehr darauf bedacht ist, die Stärken des andern abzudichten. So auch in diesem Kampf, der sich aber trotz allem in Formen abwickelte, die denen der bürgerlichen Spieler bei weitem als Vorbild dienen können. Ein Schatten fällt auf dieses Spiel. Charlottenburg glaubt sich durch zwei zweifellos bestehende Fehlentscheidungen des Schiedsrichters benachteiligt und hat Protest eingelegt. Es ist möglich, daß die Verhandlung eine nochmalige Spielansetzung ergibt. An sich verständlich, da be- rechtigt, stellt diese wiederholte Ansetzung des entscheidenden Spieles der technischen Leitung der Berliner Schwimmer kein gutes Zeugnis aus. Es besteht kein Zweifel darüber, daß sich Hellas und Char- lattenburg zur Zeit völlig ebenbürtig sind, doch sind wir der Ansicht, daß es wohl möglich sein müßte, mit weniger Begegnungen die Meisterschaftsfrage zu klären. Chaclottenburg— Spandau 13: 4. Am Abend vorher hatte Charlottenburg noch eine Begegnung in Spandau gegen die dortigen Freien Schwimmer zu absolvieren. Wenn der Sieg auch zahlenmäßig hoch ausfiel, so gab Spandau zeitweise doch einen recht achtbaren Gegner ab. Besonders zu Beginn der zweiten Halbzeit vollbrachten die Spandauer dank guten Zusammenspiels überraschende Leistungen und rückten bis auf 4: 6 heran. Erst dann merkte Charloltenburg die Gefahr und fand sich zu überzeugender technischer Ueberlegenheit zurück.___ Die Tour de France Massenankuntt in Grenobie Die am Freitag erledigte 12. Etappe der Tour de France von Gap nach Grenoble war mit ihrer Distanz von nur 192 Kilo- meter die kürzeste der ganzen Frankreich-Rundfahrt. Gleich nach dem Start wurde das noch 63 Mann starke Feld auf der 13prozen- tigen Steigung zum 1246 Meter hohen Col Bayard weit ausein- andergerisien, später fand aber alles wieder Anschluß, da die Schtze kein scharfes Tempo vorlegte. So kam es, daß das gesamte Feld geschlossen am Etappenziel in Grenoble eintraf. Bulla und Altenburger brachten den deutschen Favoriten Stöpel gut nach vorn, zum Etappensiege langte es aber auch diesmal für den Berliner nicht. Einige seiner Gegner waren noch schneller als er, und nach einer Fahrzeit von 3:31:52 passierte der Franzose L a p e b i e als Etappensieger das Zielband vor seinem Landsmann Speicher und dem Belgier Bonduel, während Stapel sich mit dem vierten Platz begnügen mußte vor Mar Bulla, Altenburger und dem Belgier Ronsse. Die übrigen 56 Fahrer wurden gemeinsam auf den 8. Platz gesetzt. Im Einzel- und Ländcrklasiement hat sich auf dieser Etappe nichts geändert. In der Einzelwertung führte nach der 12. Etappe Leducq mit 91:33:58 vor Stöpel mit 91:46:91, Camusio mit 91:43:09, Pesenti mit 91:59:53 und dem ersten Einzel- fahrer Benoit Faure mit 91:54:91, die Länderwertung sieht Italien mit 275:49:49 an der Spitze vor Frankreich mit 276:98:14, Belgien mit 276:19:23. Deutschland mit 276:24:19 und der Schweiz mit 278:25:13._ ItieüiU Spod vm* ü&ecM Die Freie Sportvereinigung Tegel 1899 veranstaltet am Sonnabend, 6., und Sonntag. 7. August, in Tegel ein großes Sportfest. Das Fest besteht aus einem bundesoffenen Wettstreit im Ringen, Boren, Heben, Jiu-Jitsu und Leichtathletik, offen für alle Mitglieder des Arbeiter-Athleten-Bundes Deutschlands, verbunden mit dem Sportfest der Turner, das offen für den Kreis ist. Zu diesem Fest haben schon Athleten aus Breslau, Leipzig, Magdeburg, Weiswasser, Senftenberg, Stettin, Heidenau(bei Dresden) ihre Meldungen ab- gegeben, trotzdem der Meldeschluß erst am 1. August ist. Zu diesem Fest braucht der Tegeler Verein Quartiere sür die auswärtigen Sportler; er bittet alle Sportler und Parteigenossen um Meldungen. Die Frauen der Berliner Arbeiterruder- und Sanuverelne haben in einer Zusammenkunft sich sür die bevorstehende Kreisregatta ein- gesetzt und regste Teilnahme zugesichert. Der Technikersitzung ist eine umfangreiche Auffahrt aller Frauenabteilungen der Ruder- und Kanuvereine des ersten Kreises zugesichert worden, sowie auch größte Beteiligung an den Rennen der Rudermannschaften und der Kanu- fahrer. Weiter war sich die Frauenversammlung darüber im klaren, daß sich die Frauen an der Mitarbeit in den Vereinen und auch im Bundesleben, gerade in dieser schweren Zeit mehr noch als bisher beteiligen müssen. BuMdzsUeue\Jcceiuc Uileu. luit: Freie Nona. Union kr»�. Berlin. Sonntag, 24. Juli, Pflichtfalirt nach dem Krasfinsce, Wahlprapaganda für die Partei. Montag, ZZ. Juli, 17% Uhr, Besteigung den Rathausturmeo, anschließend Fuhrung durch Alt-Berltn. Treff. puntt Nathans, Konigstraße lNormaluhr). Ardeitsa-------- 1» Uhr.. Treffpunlt 17% ühr Nathauo, Ahnigstraße lNormaluhr). Vollosport Rculölln-Brig. Montag, 25. Juli, 10 Uhr, fllr Teilnehmer der ...stiiroerschule" Probe, Sonnenplag. Gleichzeitig Ausgab« der Teilnehmerlarten. Mittwach, 27. Juli, 17 Uhr, in der Ausstellung„Sonne, Luft und Hau»" am Kaiferdamm. Rathaus, Äonigstraße(Normaluhr). beitsgemeinfchaft Berlin des Arbeiter-Lichtbildes. Montag, 25. Juli, r. Fuhrung durch Alt.Berlin. Borher Besteigung de» Rathauoturmes. iFisatSi', Lichtspiele usw. i\ü/y Büjonspsnöen jeder Art Uefert preiswert Paul Golletz vermais Robert Meyef Mariannenstr. S F 8. Oberbaum 1 303 Rose- Theater irtlt Frukluttr Sinti 13) Iii. Weidml E 7 342) «.30 Uhr P. Oer lioiHaii <»artenbUhne 5.30 Uhr Konzen ti.Varlelfi Drei arme kleine Mädels a Uhr 15. Floro 3434 KaudieD en. Wieder 12 neue Attraktionen Sonnabend u. Sonntag|e2Vorstello 4u.«15Uhr. 4 Uhr kleine Preise Ouiftunq* ttabaa u DeKlomrmdrkrn •Vrfvflf vif<»5 lohren dj Sp�zioiiräf fonrod Müller lesfouföiff Berlins IS \iVu\d UNIViPßitiKT KÖLN WMTE»• SEMESTE3 1S32 33 Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche, Rechts- n-issenschaftliche, Medizinische(auch vorklinisohe Semester) und Philosophische Fakultät. Kaufmännisches u-Handelslehrerstudium. V orlesunffs- beginn; Mittwoch, den 2. Xovember. Die Einschreibefrist läuft vom 15. Oktober bis 11. November einschließlich. Das Vorlesungsverzeichnis kann vom Universitäts-Sekretariat gegen Einsendung von Sä-Rpf.) dazu 15 Rpf. Porto) bezogen werden. TELA DER UNZERSTÖRBARE NEUZEtTL. FASERSTOFF SCHAFFT GESUNDE, BEHAGLICHE WOHNRÄUME IM KLEINSIEDLUNGS- U.LAUBENBAU DURCH ISOLIEREN DER WANDFLÄCHEN�ECKEN, vgn■ A DÄCHER, FUSSBODEN MIT I ELM ANFRAGEN U. UNTERLAGEN BEREITWILLIGST DURCH EIIIL ZORN A.6.23, BERLIN-HEINERSDORF freilieitfsffcilinen FrdlceitfsiBfieil« äußerst preiswert erllner Fahnenlabrf.&x FUcher 21 Co., Wallttrage 15 Nur noch A Eiskrem in Schohoiade Nur echt in Originalpackung. Pfennig kostet Laßt euch keine Ueberprelse abnehmen. Oes. f. Eic remelabr. möH., N W 87. Siemensstr.12. Hansa C 5. 5761 alter KuB