Sonder- Aysgabe WöchenIIiq 75 üt-, monatltd) 3,25 M. Sanon 87 Pf, monatlich für Zulief- ng ins Saus) im voraus zahlbar. Postbezuq 3,37 M, einlchließlich 60 Pf. Ponzeitungs- und 72 Pf, Poftbeftelloe. bühren. Auslandsabonnemen! 5,85 M. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto<>,,85 M. Der.Vorwärts� erscheint wochentäg- lich zweimal, Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage „Polt und Zeit" Gratis! Vevttnev VvWsbiatt Jentesiomsn des GoziawemotvaMchen Vartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff L92— 297 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vonvärts-Verlag G.m.b.H. Poftscheckkont»: Berlin 87SZS.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellte» und Beamten, Wallstr, 65. Dt. B. u. Dizc.-Ges., Deposilenkafs« Lindenstr. S. 8sv8ilng m aus! ''mW. Die preußische Staatsregierung verlangte Milderung der Hitler-Notverordnung vom 16. Juni.- Die Reichsregierung antwortete mit ihrer gewaltsamen Amtsenthebung! Michspflichien. Ein Wort an Herrn v. Papen. Von Carl Scvering. Der Reichskanzler v. Papen hat die Reichsexekutive in Preußen auf die Absätze 1 und 2 des Artikels 48 der Reichs- Verfassung zu stützen versucht und damit unterstellt, daß Preußen die ihm nach den Gesetzen und der Verfassung obliegenden Pflichten nicht erfüllt habe, daß ferner in Preußen die öffentliche Sicherheit und Ordnung mehr ge- stört und gefährdet sei als in anderen Ländern. In seiner Rundfunkrede hat er diese Behauptungen vielfach variiert und dabei unter anderem bemerkt, daß es kein Zufall sei, daß n u r in Preußen die kommunistischen Kampforganisatio- nen einen größeren Umfang annehmen konnten, und daß n u r in Preußen der Wahlkampf von einer erschreckenden Vermehrung blutiger Auseinandersetzungen begleitet wor- den sei. Man muß dem Herrn Reichskanzler zugute halten, daß er noch ziemlich neu in seinem Amt ist und sich auf eigene Beobachtungen und Erfahrungen nicht stützen kann. Das- selbe gilt von dem größten Teil seiner engeren Mitarbeiter. Das sollte ihn aber dazu führen, bei seinen in der Oeffent- lichkeit aufgestellten Behauptungen, besonders wenn diese Behauptungen Beschuldigungen gegen die Regierung eines großen Landes involvieren, vorsichtig zu sein. Natürlich ist es kein Zufall, daß die Kommunisten in Preußen zahl- reich sind, so wenig wie es ein Zufall ist, daß Preußen die höchste Arbeitslosenzisfer aufweist oder daß in Preußen die meisten Großstädte liegen, deren Wohlfahrtserwerbslose schon jahrelang unter den Geißeln der Arbeitslosigkeit und den Entbehrungen aller 2lrt leiden. Natürlich ist es kein Zufall, daß dort, wo sich Hunderttausende von hungernden Menschen auf einem engen Bezirk zusammenballen, wie im westlichen, mittel- deutschen und schlesischen Industriegebiet, wie in Berlin und an der Wasserkante, die Agitation der radikalen Parteien, also auch der Kommunisten, einen fruchtbaren Nährboden findet. Wer da glaubt, diese Entwicklung und ihre Begleit- erscheinungen ausschließlich mit polizeilichen Mitteln aushalten zu können, der soll sich sein Lehrgeld zurückzahlen lassen. Immerhin: in der Bekämpfung staatsgefähr- licher Ausschreitungen der kommunistischen K a m p f e s o r g a n i s a t i o n e n hat die preußische Regierung einiges geleistet. Wenn der Wahlkampf in Preußen— aber nicht nur in Preußen!— von vermehrten blutigen Auseinander- setzungen begleitet worden ist, so ist das nicht zuletzt auf das Konto der Regierung Papen zu setzen, die u. a. durch ihre von keinerlei Sachkenntnis getrübten Verordnungen er- probte und bewährte Maßüahmen der Länderregierungen außer Kraft setzte. Man kann wohl behaupten, daß den beiden Wahlgängen zur Wahl des Reichspräsidenten von den Parteien die gleiche Bedeutung beigemessen worden ist, die man jetzt in der Reichstagswahl erblickt. Mit derselben Leidenschaftlichkeit und Beharrlichkeit, mit der j e tz t die Par- teien für ihre Ziele kämpfen, sind darum auch vor dem 13. März und dem 16. April die Kämpfe um die Präsident- schaft ausgefochten worden. Aber damals fehlte die Provokation der Uniformen und darum war der Wahlkampf damals nicht von der erschreckenden Vermehrung blutiger Auseinandersetzungen begleitet, die Herr v. Papen heute so sehr beklagt. Herr v. Papen hat es in seiner Rundfunkrede auch für richtig gehalten, einen Unterschied zwischen dem„hingebenden Einsatz der örtlichen Polizeiorgane" und der Führung— hier ist offenbar die zentrale Führung gemeint— zu machen. Die Polizei in Bausch und Bogen zu verurteilen, hat auch er augenscheinlich für ungerecht, aber auch wohl für unklug gehalten. Die Leistungen des preußischen Polizeikörpers sind jedoch so tief in die Geschichte des preußischen Staates ge- meißelt, daß sie am wenig st en der sieben Wochen amtierende Reichskanzler durch Reden oder Ver- ordnungen zu verwischen vermag. Und die Führung? Diese Frage läßt sich am leichtesten beantworten, wenn man die Zustände in der Polizei in den Iahren 1918 bis 1920 mit der Verfassung der preußischen Polizei von heute vergleicht. Es war damals nicht selten, daß sich die örtlichen Polizei- organe bei politischen Unruhen für„neutra l" erklärten und einem Einschreiten gegen die Ruhestörer aus dem Wege gingen. Das hat die Führung der preußischen Polizei geändert, nicht nur durch Verordnungen und Organisationsveränderungen, sondern auch— und zwar in der Hauptsache— durch die beste Methode der Erziehung: durch das Beispiel hingebenden Einsatzes. Auch diese Tatsache wird Herr v. Papen nicht aus der Welt reden können, und darum sollte er, wenn er nicht zu naheliegenden Vergleichen neigen will, in der rednerischen Behandlung der Dinge vorsichtiger sein, über die ihm ein sachverständiges Urteil nicht wohl ansteht. Herr v. Papen hat in seinen Kundgebungen der letzten Tage auch viel von der Wiederherstellung der Staatsautori- tät geredet. Man kann ihm darin zustimmen, daß die Staatsautorität in den letzten Monaten bedenklich gelitten hat und daß alles getan werden sollte, um sie zu stabilisieren. Seine Exekutive gegen Preußen aber hat der Staatsautorität einen Stoß versetzt, dessen Folgen heute noch gar nicht zu übersehen sind. Die Männer, die diese Maßnahme ausgeklügelt haben, haben damit Pfeile abgesandt, die über kurz oder lang auf sie zurückprallen werden. Womit man sündigt, damit wird man gestraft! Herr v. Papen hat durch die Art seines Vorgehens aber auch den Wert der Begriffe von Treu und Glauben nicht gerade er» höht. Als am Nachmittag des 18. Juli das preußische Staatsministerium vom Reichskanzlerbüro gebeten wurde, den Ministern Hirtsiefer und Severing eine Einladung zu einer Besprechung mit dem Reichskanzler zu übermitteln, da konnten, ja mußten die beiden Minister aus dieser Ein» ladung folgern, daß es sich um die Erörterung eines Briefes handeln würde, den das preußische Staatsministerium dem Reichskanzler in Sachen der Senkung der Unterstützungssätze für Arbeits- lose und Krisenunterstützte gesandt hatte. Diese Auffassung erhielt eine weitere Stütze durch die Einladung, die am nächsten Tage auch dem preußi- schen Finanzminister Klepper zuging. Um Klarheit dar- über zu bekommen, erkundigte sich in den Nachmittagsstunden des Dienstags der Ministerialdirektor N o b i s vom preußi- schen Staatsministerium auf Ersuchen des Innenministers in der Reichskanzlei nach den Verhandlungsgegenständen, die für die Besprechung zwischen dem Reichskanzler und den preußischen Ministern vorgesehen waren. Es wurde ihm bedeutet, daß über finanzielle und landwirtschaftliche Fragen verhandelt werden solle, daß allerdings auch innerpolitische Fragen zur Erörtenmg kommen würden! Man kann diese Auskunft als eine Verlegenheitsausflucht werten, die durch ein Schweigegebot bedingt war, oder man kann sie als ab- sichtliche„Tarnung" empfinden— auf jeden Fall war sie das Gegenteil von dem, was bisher im Verkehr der Reichsregie- rungen mit der preußischen Staatsregierung als Treu und Glauben galt. Daß sich der kommissarische Innenminister Dr. Bracht schon eine halbe Stunde vor der Besprechung in der Reichskanzlei beim Leiter der Polizeiabteilung des preußischen Innenministeriums melden ließ und daß die Ver- fügung der Amtsenthebung des Innenministers in d e r Zeit dem Ministerium zugestellt wurde, in der die preußischen Minister in der Reichskanzlei weilten, ist nur eine Abrundung des Bildes, das sich der Reichskanzler von Papen augenschein- lich von den Mitteln zur Festigung der Staatsautorität macht. Von erheblich höhcrem Wert ist jedoch die Fest- stcllung, dast über den Brief des preußischen Staats- Ministeriums an Herrn v. Papen nicht ein Wort ge- redet wurde. In dem Briefe hatte die preußische Krauen erwachen. Gute Vorzeichen für den Wahlkampf. Der Bogen ist überspannt! Die Geschosse, die unsere Eiserne Front zerstören sollten, schnellen, wenigstens moralisch, zurück auf die Angreifer Die Eiserne Front reißt weite Kreise mit, auch das Bürgertum. Wer noch nicht gleichgültig geworden für Bersassung, Republik. Demokratie fühlt das Bedürfnis, im Kampf gegen den Faschismus an die Seite seines stärksten Gegners zu treten. Das beweisen auch die kleinen Vorkommniste. Eine in der bürgerlichen Frauenbewegung sehr tätige und be» kannte Frau schickt mir heute aus dem Ferienaufenthalt eine Geld» spende für den Wahlkamps der SPD. mit dem ausdrücklichen Zusatz: „Ich muß meiner Empörung über die Berliner Vorkommnisse Ausdruck oerleihen." Möge die gute Saat vielfältig aufgehen! Mögen Millionen Frauen, auch wenn sie nicht unseren Organisationen angehören, gleiche Gesinnung bekunden in der Erkenntnis, daß die Eiserne Front der starke unentbehrliche Schutz ist für Freiheit, Frieden, Frau, Familie! Die Nazis erklären, sie wollen nicht mit dem kalten Intellekt begriffen werden, sondern mit dem Gefühl. Nun, das Gefühl drängt in zunehmendem Maße Frauen dazu, sich dorthin zu stellen, w o Recht und Kultur gegen Unrecht und Barbarei kämpfen. Gefühlsmäßig müssen Frauen abrücken von den Blut- taten der senfbraunen Privatarmee des Braunauer Häuptlings, von der Hetze zu Bürgerkrieg und Aufrüstung. Sie wüsten abrücken von jenem„neuen deutschen Volksstil", den eben erst Herr Goebbels so laut gepriesen hat. Die Kundgebungen des Stils sind Rache und Blut, Drohung mit Kerker und Folter. Seine neuen Volkslieder klingen aus in Endzeilen wie: oder Und wenn's Judenblut vom Messer spritzt, Dann geht's noch mal so gut Wenn die Handgranate kracht, Das Herz im Leibe lacht. Im„neuen Volksstil" werden harmlose Pastanten überfallen, Eewerkschaftshäuser planmäßig zerstört, Schutzwachen niedergemacht, politisch Andersdenkende neben ihren Frauen in ihren 5)eimen auf» gespürt, niedergeschossen, niedergestochen, selbst Jugendlager und Kinderlager sowie deren Führer nicht verschont. Zum„neuen Volksstil" gehört weiter: Beschimpfung von Kriegsteilnehmern und Kriegermllttern, Herabwürdigung der Frauenehre, neuer deutscher Volksstil sind die seltsamen Stilllbungen des Herrn Hauptmann Röhm, deren Echtheit eben in München gerichtlich festgestellt wurde. Im neuesten Stil vollziehen sich auch die Regierungstaten: Ver- Haftung und Absetzung verdienter Staatsmänner, bekannter Politiker und Schriftsteller, sich häufende Zeitungsverbote! Schluß mit diesem neuesten Stil am 31. Juli! .Adele Schreiber. Staatsregierung ihrer Sorge Ausdruck gegeben, dah die Senkung der Alu- und Kru-!lnterstützungen in dem Ausmatze» wie sie die Verordnung vom 16. Juni 1SZ2 vorsieht, sich ohne Erschütterungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nicht durch- führen lassen werde. Es war hinzugefügt, datz nach Nachrichten aus der Provinz auch die Behörden der Reichsarbeitsvcrwaltung mit der- artigen Erschütterungen rechneten. Im Interesse der Gemeindefinanzen war ferner darauf aufmerk» sam gemacht worden, datz durch die vom Reiche ver» ordneten Senkungen die Unterstützungssätze in grotzem Umfange unter die Kürsorgerich'sätze der Bezirksfürsorge-Verbande herabsinken würden und datz in diesen Fällen die Bezirksfürsorgc-Vcr- bände im grotzen Ausmatz Zusatzunterstützungen bis zur Höhe der Fürsorge-Richtsätze würden leisten müssen. Die Fürsorge-Vcrbände sind aus eigenem Vermögen jedoch nicht in der Lage, die Zusatzunter- stützungen zahlen zu können, und darum hat auch schon der preutzischc Staatsrat er- sucht, datz das Reich die erforderlichen Mittel bereit st elle. Den Ausgleich durch eine fünfzehnpro- z e n t i g e allgemeine Senkung der Richtsätze herbeizuführen, wie das in einem Schreiben deS Reichsfinanzministers als das Matz bezeichnet wurde, das dem Finanzierungsplan der Arbeitslosen- Hilfe zugrunde gelegt worden ist, hat die preutzische Staatsregierung in ihrem Brief an den Reichs- kanzler als völlig ausgeschlossen bezeichnet. Die Herabsetzung im Rahmen der Senkung, die die Lebenshaltungskosten seit Sep- tember 1931 erfahren haben, sei daS äutzerfte. waS aus politischen und so- zialen Gründen verantwortet werden könne— hat sie als ihre Auffassung dem Reichs- kanzler mitgeteilt. Man mag über diesen Brief denken, wie man will: Preußen hat Ihn aufgefaßt als ein« Hilfsstellung für die Reichsregierung. Er war diktiert von der Sorge, daß eine weitere beträchtliche Verschlechterung der Lebenshaltung der von der Arbeitslosigkeit betroffenen Volksschichten zu einer ernsten Gefahr für die Sicherheit und Ordnung im Reiche werden könne. Daß er von Herrn von Papen in der Be- sprechung mit den preußischen Ministern mit keinem Worte erwähnt wurde, ist nicht nur bemerkenswert für die Auf- fasfung des neuen Reichskanzlers über die Zusammenarbeit mit den Ländern, sondern auch für die Beurteilung der sozialen Situation des Volkes, dessen oberster Leiter er durch die Berufung des Reichspräsidenten geworden ist. Und auch diese Mahnung an den Reichskanzler v. Papen entspringt der Sorge um unseres Volkes Schicksal: Geben Sie sich nicht der Täuschung hin, daß mit Regierungs- «rklärungen und Rundfunkreden die Lösung des Arbeits- lofenproblems auch nur im geringsten gefördert werden könne. Im hungrigen Magen Eingang finden Nur Suppenlogik mit Knödelgründen! Und wer Unruhen vorbeugend bekämpfen will, der bekämpfe mit wirksamen sozialen Maßnahmen den Un- ruhestifter aller Zeiten und Völker: den Hunger. Auch das Reich hat Pflichten zu erfüllen, Pflichten, zu denen es sich immer angehalten fühlen sollte von der mit Gründen des Rechts und der Wahrheit bewaffneten Macht der Vernunft und der Erkenntnis, daß weiße und grüne Bohnen in der Bekämpfung von Unruhen wirksamer sind als blaue. Kultur-Reaktion. Nieder mit der Arbeiterbildung! Die„D e u t f ch e Zeitung", Organ der rechtsradikalen Staatsstreichler, nationalsozialistisch und reaktionär, läßt sich aus„akademischen Kreisen" einen wilden Hetzartikel unter der Ueberschrift„Brutstätten des Marxismus" schreiben. Da wird die Maske abgeworfen! Das stockreaktionäre verknöcherte Akademikertum aus dem Nazilager schreit laut wider die Volksbildung. Haßerfüllt wird dargestellt, daß alle Gewerkschaften Gewerkfchaftsbildungs- und Schulungskurse haben. Fort damit— heißt die Parole! Die Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main, die Abendgymnasien, die Hochschulturse für Arbeiter haben es den Reaktionären besonders an- getan. Das muß alles fort— so schrest die national- sozialistische„Deutsche Zeitung". Arbeiter haben dumm zu sein und zu bleiben! Sie wollen den Bildungstrieb im Volke künstlich niederhalten, sie wollen die Arbeiter vom Erwerb von Wissen ausschließen! Ihr Ideal ist ein verdummtes Volk auf niedriger Bildungs- Wählt Liste 1 stufe— denn nur Dummheit wird das Dritte Reich ertragen. Hier tritt der abgrundtiefe Haß gegen die Arbeiterschaft, die volksfeindliche' reaktionäre Gesinnung der Nazis kraß hervor, hier haben sie verraten, daß sie das deutsche Volk aus einem Kulturvolk in ein Volk barbarischer Knechte ver- wandeln wollen! Gebt diesen dreisten Reaktionären, dieser Schmach Deutschlands, am 31. Juli die richtige Antwort! Sorgt mit der Sozialdemokratie für den kulturellen Auf- stieg der deutschen Arbeiterklasse! Kannibalismus beim Hakenkreuz. Nationalsozialistische Jugenderziehung. Wie die Nazis die Kinderseele sittlich verrohen und vergiften, davon haben vor kurzem die G ö r l i tz e r Nazis ein kaum noch zu überbietendes Schauspiel gegeben. An einem Sonntag war das ge- famte Nazi-Iungvolk aus Stadt und Kreis Görlitz zusammen- getrommelt worden, um in dem ländlichen Vororte Biesnitz eine Iungvolk-Kundgebung zu veranstalten. Nach Angaben von Naziseite nahmen daran teil 3l)l) Knaben im Alter von 8 bis 14 Jahren, nebst einer Anzahl Eltern der Kinder. Von Pasian- ten wird bemerkt, daß selbst Kinder bis herab zu fünf Jahren an dieser Kundgebung beteiligt waren. Auf dem Niederdorf des„Pg." Freiherrn von Loen wurden die Kinder aus einer Gulaschkanone oerpflegt. Auf einer angrenzenden Wiese wurde Biwak bezogen. Am Nachmittag ver- gnügte sich die Kinderschar mit Iugendspielen. Später wurde unter Annahme einer Gefechtslage ein Sturmangriff auf die Anhöhe aus- geführt. Mit dieser Jugend von 8 bis 14 Iahren, der auch Kinder von 5 Iahren zusahen, wurden verschiedene„Biwakspiele" ausgeführt. Welcher Art diese waren, darüber erzählt ein erwachsener Teilnehmer ganz entrüstet folgendes: Die Kinder versammelten sich unter Vorantritt einer Kinder- kapelle. Dann sah man einen als Geistlichen angeputzten Jungen, dem ein anderer Junge mit einem Kreuz, an dem einig» rohe Knochen baumelten, folgte. Zwei weitere Jungen mar- kierten durch Achselreiter Pferd und Reiter. So erfolgte der Umzug um den Platz. An der Ausgangsstelle des Zuges war ein Loch ausgehoben. Als der Zug der Kinder dort wieder angelangt war,, hielt der als Geistlicher verkleidete Zunge eine Grabrede auf die letzten Ueberreste Buchwitz', des von den Nazis fanatisch gehaßten Spitzenkandidaten der Sozial- demokratie! Die Grabrede wurde etwa wie folgt beendet:„Es fei nun Gott sei Dank gelungen, seine Ueberreste zur letzten Ruhe zu tragen." Als der Leiter aufforderte, ein Lied zu singen, rief der PI5DAP das heltzt; NEUE$ ALZSTEUERI DENKT AN DAREN! Junge, der den Reiter markierte: Das Buchwitz. Lied! Dieses Lied, in dem di« Zeilen vorkommen:„Hienn die ersten Schüsse knallen, muß der Otto vuchwih fallen", wurde denn auch von den Kindern gesungen. Diese Kinderseelenvergiftung und Mordhetze in Verbindung mit der Verächtlichmachung kirchlicher Einrichtungen, stellt den Gipfel der Naziverrohung dar. Die Regierung Papen kämpft gegen den„Kulturbolschewismus". Don dem Kulturkannibalismus der Nazis hat sie keine Vorstellung. Nieder mit solchem Kulturkannibalismus! Nieder mit seinem Träger, der Nationalsozialistischen Partei! Gebt am 31. Juli di« rechte Antwort: Wählt Liste 1 der Sozialdemokraten! »mim Ae 0(1 Jonttt" die führende politische Tageszeitung, wenn Sie zuverlässig und wahr unterrichtet sein wollen! Neue Abonnenten erhalten die Zeitung gegen Einsendung untenstehenden Bestellzettels bis zum 31. Juli gratis! Ich abonniere die volle Ausgabe des.Vorwärts", zweimal täglich frei ins Haus zum Preise von 3,2S Mk. pro Monat(pro Woche 75 Pf.) Ich abonniere den»Sonntag-Vorwärt«" zum Preise von 55 Pf. pro Monat. (N chizutresfendes ist zu durchstreichen.) Name:- Wohnung:---- -- Straße Nr- vorn- Hof— Quergeb.— SeitenfL— Tr. links— rechts vei- Ausfüllen und einsenden an den Verlag des„Vorwärts" Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Heraus zum Appeii der Eisernen Front! Freitag, 19 Uhr, im Stadion NeuköEln, an der Leinestraße OetantnotU.(dt dl» übbaUloai Vlttoi Schist, Berlin! Aiueige»! Th.•Udt.BetUn. Verla». Vorwärts Verlag 8. m. d H.. BerUa. Druck Vorwärts Vuch-druckeret und Verlagsanstalt Paul Singer»r 8»., Berlin SB M, Lindenstr.