Morgenausgabe Nr. 349 A 122 49. Jahrgang Wöchentlich 78 Pf., monatlich 3,25 M. ldavon 87 Pf. monatlich für Zustel- Inng ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug Z,S7 M. einschließlich so Pf. Poitzeitungs» und 72 Pf.Poftbeftellge- bühren. Auslandsabonnement 8, es M. pro Monat; Kr Länder mit ermäßig- tem Drucksachennorto 4,65 M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten aus Ersaß. ErscheinungsweiseundAnzeigenpreife stehe am Schluß des redaktionellen Teils. Berliner SoWSblatt Miiiwoch 21. 3uli 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 Pf. Jentrawrgan der Soziawemotvatistben Oartei NeutsOisK Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Kernlpr.! Dönhoff(A D 292— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G.m.b.H. PostfchkittoMo:BerltN37öZS.— BanNotttotBaniderArbeiter.Ängestelltenund Beamten, Lindenstr. S. Dt. B. u.Didc.-Ges., Deposttenk., Jerusalemer Str. 65'66 ■ f.- ¥•>?■-■-''■ Die preußische Staatsregierung verlangte Milderung der Hitler-Notverordnung vom 16. Juni.- Die Reichsregierung antwortete mit ihrer Amtsenthebung! Reichspflichten. Em Wort an Herrn v. Papen. Von(arl Zevering. Der Reichskanzler v. Papen hat die Reichsexekutive in Preußen auf die Absäge 1 und 2 des Artikels 48 der Reichs- Verfassung zu stützen oersucht und damit unterstellt, daß Preußen die ihm nach den Gesetzen und der Verfassung obliegenden Pflichten nicht erfüllt habe, daß ferner in Preußen die öffentliche Sicherheit und Ordnung mehr ge- stört und gefährdet sei als in anderen Ländern. In seiner Rundfunkrede hat er diese Behauptungen vielfach variiert und dabei unter anderem bemerkt, daß es kein Zufall sei, daß n u r in Preußen die kommunistischen Kampforganisatio- neu einen größeren Umfang annehmen konnten, und daß nur in Preußen der Wahlkampf von einer erschreckenden Vermehrung blutiger Auseinandersetzungen begleitet war- den sei. Man muß dem Herrn Reichskanzler zugute halten, daß er noch ziemlich neu in seinem Amt ist und sich auf eigene Beobachtungen und Erfahrungen nicht stützen kann. Das- selbe gilt von dem größten Teil seiner engeren Mitarbeiter. Das sollte ihn aber dazu führen, bei seinen in der Oeffent- lichkeit aufgestellten Behauptungen, besonders wenn diese Behauptungen Beschuldigungen gegen die Regierung eines großen Landes involvieren, vorsichtig zu sein. R a t ü�r l i ch ist es kein Zufall, daß die Kommunisten in Preußen zahl- reich sind, so wenig wie es ein Zufall ist, daß Preußen die höchste Arbeitslosenziffcr aufweist oder daß in Preußen die meisten Großstädte liegen, deren Wohlfahrtserwerbslose schon jahrelang unter den Geißeln der Arbeitslosigkeit und den Entbehrungen aller Art leiden. Natürlich ist es kein Zufall, daß dort, wo sich Hunderttausende von hungernden Menschen auf einem engen Bezirk zusammenballen, wie im westlichen, mittel- deutschen und schlesischen Industriegebiet, wie in Berlin und an der Wasserkante, die Agitation der radikalen Parteien, also auch der Kommunisten, einen fruchtbaren Nährboden findet. Wer da glaubt, diese Entwicklung und ihre Begleit- erscheinungen ausschließlich mit polizeilichen Mitteln aufhalten zu können, der soll sich sein Lehrgeld zurückzahlen lassen. Immerhin: in der Bekämpfung staatsgefähr- licher Ausschreitungen der kommunistischen K a m p f e s o r g a n i s a t i o n e n hat die preußische Regierung einiges geleistet. Wenn der Wahlkampf in Preußen— aber nicht nur in Preußen!— von vermehrten blutigen Auseinander- fetzungen begleitet worden ist, so ist das nicht zuletzt auf das Konto der Regierung Papen zu setzen, die u. a. durch ihre von keinerlei Sachkenntnis getrübten Verordnungen er- probte nnd bewährte Maßnahmen der Länderregierungen außer Kraft setzte. Man kann wohl behaupten, daß den beiden Wahlgängen zur Wahl des Reichspräsidenten von den Parteien die gleiche Bedeutung beigemessen worden ist, die man jetzt in der Reichstagswahl erblickt. Mit derselben Leidenschaftlichkeit und Beharrlichkeit, mit der j e tz t die Par- teien für ihre Ziele kämpfen, sind darum auch vor dem 13. März und dem 10. April die Kämpfe um die Präsident- schaft ausgefochten worden. Aber damals fehlte die Provokation der Uniformen und darum Schulschiff gesunken! 69 Mann der Besatzung wahrscheinlich ertrunken? K i e l, 2«. Juli. Dienstag um 14.30 Uhr ist das Segelschul- schiff„R i o b c" in einer Gewitterbö bei Fehmarn- Feuerschiff gekentert. Tic Boote des Feucrschif- fes haben sich sofort an die Unfallstelle begeben. Auch der Dampfer„Therese Rust" meldet seine Ankunft an der Unglücksstellc. Gr hat 40 Gerettete an Bord. Rettungsaktionen der Marine sind eingeleitet. „Riobc" ist am Montagvormittag mit genau 103 Mann(Kadetten und Schiffsjungen) an Bord aus- gelaufen. Nach einer weiteren Meldung hat der Kreuzer „Köln" die von dem Dampfer„Therese Ruft" gcrette- tcn Ucbcrlcbcnden des untergegangenen Schulschiffes „Niobe" an Bord genommen. Außer dem Komman- danten ist ein weiterer Lffizier, Oberleutnant zur See Lott, gerettet. 00 Schiffsangehörigc werde«! vermißt. Mit ihrem Tode muß gerechnet werden. (Siehe auch 1. Beilage.) war der Wahlkamps damals nicht von der erschreckenden Vermehrung blutiger Auseinandersetzungen begleitet, die Herr v. Papen heute so sehr beklagt. Herr v. Papen hat es in seiner Rundfunkrede auch für richtig gehalten, einen Unterschied zwischen dem„hingebenden Einsatz der örtlichen Polizeiorgane" und der Führung— hier ist offenbar die zentrale Führung gemeint— zu machen. Die Polizei in Bausch und Bogen zu verurteilen, hat auch er augenscheinlich für ungerecht, aber auch wohl für unklug gehalten. Die Leistungen des preußischen Polizeikörpers sind jedoch so tief in die Geschichte des preußischen Staates ge- meißelt, daß sie am wenig st en der sieben Wochen amtierende Reichskanzler durch Reden oder Ver- ordnungen zu verwischen vermag. Und die Führung? Diese Frage läßt sich am leichtesten beantworten, wenn man die Zustände in der Polizei in den Iahren 1918 bis 1920 mit der Verfassung der preußischen Polizei von heute vergleicht. Es war damals nicht selten, daß sich die örtlichen Polizei- organe bei politischen Unruhen für„neutra l" erklärten und einem Einschreiten gegen die Ruhestörer aus dem Wege gingen. Das hat die Führung der preußischen Polizei geändert, nicht nur durch Verordnungen und Organisationsveränderungen, sondern auch— und zwar in der Hauptsache— durch die beste Methode der Erziehung: durch das Beispiel hingebenden Einsatzes. Auch diese Tatsache wird Herr v. Papen nicht aus der Welt reden können, und darum sollte er, wenn er nicht zu naheliegenden Vergleichen neigen will, in der rednerischen Behandlung der Dinge vorsichtiger sein, über die ihm ein sachverständiges Urteil nicht wohl ansteht. Herr v. Papen hat in seinen Kundgebungen der letzten Tage auch viel von der Wiederherstellung der Staatsautori- tät geredet. Man kann ihm darin zustimmen, daß die Staatsautorität in den letzten Monaten bedenklich gelitten hat und daß alles getan werden sollte, um sie zu stabilisieren. Seine Exekutive gegen Preußen aber hat der Staatsautorität einen Stoß versetzt, dessen Folgen heute noch gar nicht zu übersehen sind. Die Männer, die diese Maßnahme ausge- klügelt haben, haben damit Pfeile abgesandt, die über kurz oder lang auf sie zurückprallen werden. Womit man sündigt, damit wird man gestraft! Herr v. Papen hat durch die Art seines Vorgehens aber auch den Wert der Begriffe von Treu und Glauben nicht gerade er- höht. Als am Nachmittag des 18. Juli das preußische Staatsministerium vom Reichskanzlerbüro gebeten wurde, den Ministern Hirtsiefer und Severing eine Einladung zu einer Besprechung mit dem Reichskanzler zu übermitteln, da konnten, ja mußten die beiden Minister aus dieser Ein- ladung folgern, daß es sich um die Erörterung eines Briefes handeln würde, den das preußische Staatsministerium dem Reichskanzler in Sachen der Senkung der Unterstützungssätze für Arbeits- lose und Krisenunterstützte gesandt hatte. Diese Auffassung erhielt eine weitere Stütze durch die Einladung, die am nächsten Tage auch dem preußi- schen Finanzminister Klepper zuging. Um Klarheit dar- über zu bekommen, erkundigte sich in den Nachmittagsstunden des Dienstags der Ministerialdirektor Nobis vom preußi- scheu Staatsministerium auf Ersuchen des Innenministers in der Reichskanzlei nach den Verhandlungsgegenständen. die für die Besprechung zwischen dem Reichskanzler und den preußischen Ministern vorgesehen waren. Es wurde ihm bedeutet, daß über finanzielle und landwirtschaftliche Fragen verhandelt werden solle, daß allerdings auch innerpolitische Fragen zur Erörterung kommen würden! Man kann diese Auskunft als eine Verlegenheitsausflucht werten, die. durch ein Schweigegebot bedingt war, oder man kann sie als ab- sichtliche„Tarnung" empfinden— auf jeden Fall war sie das Gegenteil von dem, was bisher im Verkehr der Reichsregie- rungen mit der preußischen Staatsregierung als Treu und Glauben galt. Daß sich der kommissarische Innenminister Dr. Bracht schon eine halbe Stunde v o r der Besprechung in der Reichskanzlei beim Leiter der Polizeiabteilung des preußischen Innenministeriums melden ließ und daß die Ver- fügung der Amtsenthebung des Innenministers in d e r Zeit dem Ministerium zugestellt wurde, in der die preußischen Minister in der Reichskanzlei weilten, ist nur eine Abrundung des Bildes, das sich der Reichskanzler von Papen augenschein- lich von den Mitteln zur Festigung der Staatsautorität macht. Bon erheblich höherem Wert ist jedoch die Fest- stellung, daß über den Brief des preußischen Staats- Ministeriums an Herrn v. Papen nicht ein Wort ge- redet wurde. In dem Briefe hatte die preußische Staatsregicrung ihrer Sorge Ausdruck gegeben, daß die Senkung der Alu- und Kru-Llnierstützungen in dem Ausmaße, wie sie die Verordnung vom 10. Juni 1032 vorsieht, sich ohne Grschütterungcn der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nicht durch- führen lassen werde. Es war hinzugefügt, daß nach Nachrichten aus der Provinz auch dieBc Hörden der Rcichsarbcitsvcrwaltung mit der- artigen Erschütterungen rechneten. Im Jntcrcjs« Breuer noch immer in Hast! Cr soll erst heute dem Vernehmungsrichter vorgeführt werden. der GcMeindefinanze« war ferner darauf aufmert» tarn gemacht worden, daß durch die vom Reiche per- ordnete« Senkungen die Unterstützungssätze in großem Umfange «• unter die Kürsorgerichtsätze der BczirkSfürsorge-Verbände Herabfinken würden und daß in diesen Fällen die Bezirksfürsorge-Ver» bände im großen Ausmaß Zufatzuntcrstützungen bis �ur Höhe der Fürsorge-Richtsätze würden feisten müssen. Die Fürsorge-Verbäudc sind auS eigenem Vermögen jedoch nicht in der Lage, die Zusatzunter- stützungcn zahlen zu können, und darum hat auch schon der Preußische Staatsrat er- sucht, daß das Reich die erforderlichen Mittelbereitstelle. Ten Ausgleich durch eine fünfzehn Pro- zcntigc allgemeine Senkung der Richtsätze herbeizuführen, wie das in einem Schreiben des Reichsfinanzministers als das Maß bezeichnet wurde, das dem Finanzierungsplan der Arbeitslosen» Hilfe zugrunde gelegt worden ist, hat die preußische Staatsregicrung in ihrem Brief an den Reichs- kanzler als völlig ausgeschlossen bezeichnet. D i e Herabsetzung in» Rahmen der Senkung, die die Lebenshaltungskosten seit Sep- tcmbcr 19Z1 erfahren haben, fei das äußer st e. was aus Politischen und so- zialcn Gründen verantwortet werden könne— hat sie als ihre Auffassung dem Reichs- kanzler mitgeteilt. Man mag über diesen Brief denken, wie man will: Preußen hat ihn aufgefaßt als eine Hilfsstellung für die Reichsregierung. Er war diktiert von der Sorge, daß eine weitere beträchtliche Verschlechterung der Lebenshaltung der von der Arbeitslosigkeit betroffenen Volksschichten zu einer ernsten Gefahr für die Sicherheit und Ordnung im Reiche werden könne. Daß er von Herrn von Papen in der Be- sprechung mit den preußischen Ministern mit keinem Worte , erwähnt wurde, ist nicht nur bemerkenswert für die Auf- fassung des neuen Reichskanzlers über die Zusammenarbeit mit den Ländern, sondern auch für die Beurteilung der sozialen Situation des Volkes, dessen oberster Leiter er durch die Berufung des Reichspräsidenten geworden ist. Und auch diese Mahnung an den Reichskanzler v. Papen entspringt der Sorge um unseres Volkes Schicksal: Geben Sie sich nicht der Täuschung hin, daß mit Regierungs- crklärungen und Rundfunkreden die Lösung des Arbeits» losenproblems auch nur im geringsten gefördert werden könne. Im hungrigen Magen Eingang finden Nur Suppenlogik mit Knödelgründen! Und wer Unruhen vorbeugend bekämpfen will, der.bekämpf« mit wirksamen sozialen Maßnahmen den Un- ruhestister aller Zeiten und Völler: den Hunger. Auch das Reich hat Pflichten zu erfüllen. Pflichten, zu denen es sich immer angehalten fühlen sollte von der mit Gründen des Rechts und der Wahrheit bewaffneten Macht der Vernunft und der Erkenntnis, daß weiße und grüne Bohnen in der Bekämpfung von Unruhen wirksamer sind als blaue. Alarmgerüchte in Breslau. Konzentration brauner Bürgerkriegstruppen. Breslau, 26. Zuli.(Eigenbericht.) 3n Breslau ist dos Gerücht verbreitet, daß in der schlesischen Hauptstadt bis Sonntag rund l5t>00 SA.- Leute z u s a in- mengezogen werden sollen. Nach zuverlässigen Mitteilungen sind seit Montag und Dienstag dieser Mache bereits ungefähr 2 0 0 0 Angehörige nationalsozialistischer Formationen in Breslau konzentriert. Die SA.-Leute liegen in den verschiedensten Stadtteilen in Bürgerguartle- c e n und sind oorläusig noch nicht uniformiert. Kultur-Reaktion. Nieder mit der Arbeiterbildung? Die„D e u t s ch e Z e i t u n g", Organ der rechtsradikalen Staatsstreichler, nationalsozialistisch und reaktionär, läßt sich aus„akademischen Kreisen" einen wilden Hetzartikel unter der Ueberschrift„B r u t st ä t t en des Marxismus" schreiben. Da wird die Maske abgeworfen! Das stockreaktionäre verknöcherte Akademikertum aus dem Nazilager schreit laut wider die Volksbildung. Haßerfüllt wird dargestellt, daß alle Gewerkschaften Gewerkschaftsbildungs- und Schulungskurse haben. Fort damit— heißt die Parole! Die Akademie der Arbeit in Frankfurt am Main, die Abendgymnasien, die Hochschulkurse für Arbeiter haben es den Reaktionären besonders an- getan. Das mußallesfort— so schreit die national- sozialistische„Deutsche Zeitung". Zlrbeiter haben dumm zu sein und zu bleiben! Sie wollen den Bildungstrieb im Bolte künstlich niederhalten, sie wollen die Arbeiter vom Erwerb von Wissen ausschließen! Ihr Ideal ist ein verdummtes Volk auf niedriger Bildungs- stufe— denn nur Dummheit wird das Dritte Reich ertragen. Hier tritt der abgrundtiefe Haß gegen die Arbeiterschaft, di? volksfeindliche"reaktionäre Gesinnung der Nazis kraß hervor, hier haben sie oerraten, daß sie das deutsche Volk aus einem Kulturvolk in ein Volk barbarischer Knecht« ver- wandeln wollen! Gebt diesen dreisten Reaktionären, dieser Schmach Deutschlands, am 31. Juli die richtige Antwort! Sorgt mit derSozialdemokratie für den kulturellen Auf» itieg der deutschen Arbeiterklasse! Genosse Robert Breuer beslndet sich noch immer in Hast. Die Behörden nehmen sich Zeit. Um 1 2 U h r war mit der Aushebung des militärischen Ausnahmezustandes die Schutzhast Breuers zu Ende. Gegen 1 Uhr erreichte die Ulilteilung davon das Polizei- Präsidium. Kurz nach l Uhr wurde Breuer von der Aushebung seiner Schuhhaft benachrichtigt. Aber erst kurz nach drei Uhr waren die Akten über ihn beim Bernehmungsrichter Dr. Pieper. Als Rechtsanwalt Dr. Klee den Vernehmungsrichter aussuchen wollte, war er bereits nicht mehr im Hause! Allerdings hätte er ohnehin in diesem komplizierten Falle die Vernehmung des Häftlings nicht unmittelbar vornehmen können: er hätte sich vorher die Angelegenheit genau ansehen müssen. Um so seltsamer ist das Verhalten der Polizei. Sie hat volle zwei Stunden ge- braucht, um in einer politisch so bedeutsamen Sache die Akten von einem Büro des Polizeipräsidiums in das andere hinüber zu schaffen. Es wäre ihre Pflicht gewesen, nach Empfang der Mitteilung über Aufhebung der Schuhhast sofort den Vernehmungsrichter Dr. Pieper telephonisch davon zu benachrichtigen, daß er in kürzester Zeit die Akten erhalten würde, damit er über die etwaige hast- entlassung Roberl Breuers noch im Laufe des Tages verfüge, viel- leicht hätte der Vernehmungsrichter dann in diesem außergewöhn- lichen Falle seine Dienstzeit verlängert, sofort in die Akten Einsicht genommen und noch gestern die Haftentlassung Robert Breuers verfügt. Zeht aber kann die Vorführung erst heule früh erfolgen: Breuer mußte also ganz überslüssigerweise noch eine ftacht in der Haft verbringen. Rechtsanwalt Dr. Klee hat übrigens' gestern in Moabit beide Untersuchungsrichter beim Reichsgericht aufgesucht: er hat festgestellt, daß weder beim einen noch beim andern, weder Akten noch sonst irgendwelche Rachrichten vom Oberreichsanwalt eingetroffen sind. Jedenfalls haben sie von letzterem noch gar keine Weisungen erhallen. Sollte sich der Oberreichsonwalt schon mit Breuers„Hochverrat" befassen, so kann es sich höchstens um Ermittlungen handeln. Die Verteidiger Dr. Klee und Dr. Reumann haben dem Oberreichsanwalt einen Schriftsatz eingereicht, in dem sie u. a. um die Vernehmung des Reichswehrminlsters a. D. Groener. des Staatssekretärs im Innenministerium Dr. Z weigert« und des Ministerialdirigenten im Innenministerium h ä n h s ch e l ersuchen, zum Beweise dasür. daß nach Ihren Ersahrungen Korodis Angaben über Aeußerungen linksgerichteter Persönlichkeiten groß- tes Mißtrauen entgegengebracht werden muß: ferner zum in Neuköiin Freitag, den 29. Jud, um 19. Uhr, im Stadion Neukölln(Nahe Untergrundbahnhof Leinestraße) GroBa UfalUHundgeftung der Eisernen Front Ab20,30Uhr Rieaen-Feuerwerk. Einläßkarten für Erwachsene jum Preise von 60 Pf., für(ärwerbs- lose 35 Pf. sind zu haben in der Kasse des Bezirks- Verbandes Berlin, Lindenstr 3, Zimmer 8. im Gaubüro des Reichsbanners, Sebastianstr. 37/38 und an der Abendkasse. Vorverkauf an den Kassen das Stadions ab 1> Uhr. Sorgt für Massenbesuch! Der Gorgulotv-prozeß. Tfchekistenphantasien— ein sonderbarer Gerichtsarzt. Port». 26. Juli.(Eigenbericht.) In dem Prozeß gegen den Präsidentenmördcr Gorgulow wurde dem ehemaligen Kosaken L a z a r e w. der als Landarbeitst in Tüd- frankreich lebt und in der Boruntersuchung ausgesagt hatte, er er» kenne in Gorgulow einen ehemaligen I s ch e k i st e n wieder, ein« Photographie de- Gorgulow vorgelegt. Er erklärte, das Bild gleiche nicht dem Mann, den er als Gorgulow gekannt habe. Bor Gericht hielt Lazarew jedoch seine alten Aussagen ausrecht. Er bekundet«, daß er als Mitglied der Wrangel-Armee verwundet und in ein Krankenhaus zu Rostow eingeliefert worden sei. Dort wären zahlreiche Studenten gewesen, unter ihnen auch Gorgulow. Man habe ihm. dem Zeugen, nicht verschwiegen, daß Gorgulow verdächtig erscheine. Er habe sich daher in der medizinischen Hochschule, die Gorgulow besuchte, erkundigt. Dort seien zwei Professoren tätig ge» wesen,«in Georgier und ein Deutscher namens Fuchs. Er habe den Eindruck gewonnen, dgß es sich um eine Spionage» schul« handele. Er, Lazarew. sei später der Tscheka auch verdächtig geworden und habe vor ihr erscheinen müssen. Eines Tages sei der Führer der dortigen Tscheka abberufen und durch Gorgulow er- setzt worden. Gorgulow habe ihn im Gefängnis besucht und ihn, weil er eine Aussage über die Herkunst seiner falschen Papiere ver- weigerte, mit einem Gewehrkolben niedergeschlagen. Neun» zehn andere Gefangene seien in Gegenwart Gorgulow» ebenfalls mißhandelt worden. Auf die Frage des Barsitzenden, ob er den Angeklagten damals unter dem Namen Gorgulow gekannt habe. erwiderte der Zeuge, man habe ihn Kamerad M o n g o l ge» nannt. Er erkenne aber Gorgulow an seine Stimme und an seinem Aussehen wieder. Der Zeuge behauptete kategorisch, daß Gorgulow Tschekist gewesen sei.. Auf die Aufforderung, hierzu Stellung zu nehmen, erklärte Gorgulow, alles fei Luge und ein verbrecherisches Berhalten. Der Zeuge habe wahrscheinlich Geld von Monarchisten er- Hollen, um ihn vor seinem Tode zu entehren. Er habe nie der Tscheka angehört, er habe in Rostow studiert. Er sage die volle Wahrheit, während Lazarew lüge. Mit den Worten: „Es ist traurig" sank Gorgulow aus der Anklagebank zu- sammen und begann zu weinen. Der Hauptverteidiger G e r a u d machte das Gericht darauf auf- merksam, daß dem Zeugen eine Photographie Gorgulows aus dem Jahre 1920 vorgelegt worden sei, und daß dieser den Angeklagten darauf nicht erkannt habe. Als nächster Zeuge wurde Dr. Genil-Perrin. einer der drei Aerzte vernommen, die Gorgulow auf seine» M?iste?zustand untersucht haben. Der Zeuge sagte aus. er und seine Kollegen hätten ihren Bericht in voller Freiheit ohne irgendeinen Druck Beweise dafür, daß das Material, das Lorodi dem Reichswehr- Ministerium und dem Reichsinnenminiflerium über linksgerichtete Persönlichkeiten und Verbände geliefert hat, nach eingehender Unter- suchung sich als völlig falsch herausgestellt habe. Dieser Achristsatz ist bereits gestern abend in den Händen des Oberreichsanwalls gewesen. * Gegen die Verhaftung Robert Breuers und für feine Wahrheitsliebe haben sich in einem Brief an den Oberreichsonwalt folgende bedeutende Männer und Künstler eingesetzt: Max Liebermann, Präsident der Akademie der Künste, Thomas Mann, Hans B a l u s ch e k, Fedor v. Z o b e l t i tz, Carl H a e n s e l und Werner Bergengruen. Major Encke entlassen. Strafverfahren gegen den Denunzianten Schumacher. Polizeimajor Encke vom Kommando der Schutzpolizei Verlin. der in der vorigen Woche zusammen mit Kommandeur Heimo nn s- b e r g und dem Reichebannermitglied Earlbergh festgenommen und als einziger von den dreien in hast beHallen worden war, ist gestern Mittag unmittelbar nach Aushebung des Ausnahme- zustande? aus der Militärarrestanstalt in der Lehrter Straße entlassen worden. lleber den Stand des Verfahrens, gegen ihn ist bisher weiter nichts bekannt, zumal die Staatsanwaltschaft auf Grund des am Montag bei ihr eingetroffenen Strafantrags des Militärbesehls- Habers gegen Encke jetzt erst die Ermittlungen in dieser Sache ausnehmen und ihrerseits den Sachverhalt prüfen muß. Major Encke betont hierzu, daß er selbst das größte Interesse an der Durchführung seines Verfahrens habe, um in seinem Kamps ums Recht seine völlige Schuldlosigkeit zu beweisen. Gegen den Denunzianten, Wachtmeister Schumacher, der Oberst Heimannsberg und Major Encke angezeigt hatte, ist ein Siros- verfahren wegen falscher Anschuldigungen eingeleitet worden. Der Fall Encke endet ebenso mit einer schweren Blamage des Militörregimes und der neuen Machthaber in Preußen, wie der Fall Heimannsberg und Earlbergh. Es wird ewig ein Schandfleck dieser Epoche bleiben, daß angesehene und unbescholtene Persönlichkeiten aus hundsgemeine Denunziationen irgendwelcher schmutzigen Elemente verhaftet und hinler Schloß und Riegel geseht werden konnten. ausgearbeitet. Der Angeklagte besitze«ine Kultur, die er nicht ganz verdaut zu haben scheine. Er sei Literat und besitze also eine Tendenz zum Ueberschwang und zur Erfindung. Russe und Literat, überall oerjagt, das müsse man beachten, um seinen Geisteszustand zu würdigen. Anzeichen dafür, daß er ein Kan- didat für die Paralyse sei, wären nicht vorhanden. Der Gut- achter suchte dann die Schlußfolgerungen dreier Privatärzte,- die Gorgulow ak» getsteskrank erklärt haben, zu«> d s r l e g«TrwDo einer dieser Aerzte Rulle ist, oerstieg er sich sogar zu der Erklä» rung, in den Schlußfolgerungen und in der Haltung seines Kol« legen L w o w finde man große A e h n l i ch k e i t« n mit der Haltung Gorgulow» Darauf erklärte der Hauptverteidiger:„Dr. Lwow ist kgin Verrückter."„Nein." erwiderte der Zeug«,„aber er fei ein Russe." Der Zeuge führte weiter aus, daß Gorgulow geistige Besonderheiten aufweise, aber keine geistige Störung und als verantwortlich angesehen werden müsie. Dazu erklärte Gorgulow, die Aerzte hätten ihn Überhaupt nicht untersucht. Sie hätten Ihn wie Gendarmen ausgefragt. Als der Zeug« dann erklärte, er habe immer sagen hören, daß der Kaukasus ein Land der Legende sei, erklärte der Hauptverteidiger. Gorgulow sei gor kein Kaukasier. Diese Enthüllung versetzte den Zeugen derart in Erstaunen, daß das Publikum darüber In ein schallendes Gelächter ausbrach und gegen die wissenschaftliche Unzulänglichkeit des Zeugen protestierte. Die beiden anderen Gsrichtsärzte schloffen sich den Erklärungen ihres Kollegen an, gaben aber rein wissenschaftliche Erklärungen. Dann wurden mehrere Privatärzte vernommen(unter ihnen jedoch nicht der vorher genannte Dr. Lwow). die zu anderen Schtußsolge- rangen gekommen sind. Sie sagten au», daß die Bergangenheit de» Angeklagten, seine konfusen Schriften und sein Größenwahn dafür sprächen, daß er geistig krank und daher für sein« Tot nicht verantwortlich sei. Keine Verfassungsänderung in Hessen. Rationalsaziaiistischer Antrag abgelehnt. varmstadt. 26. Juli. Der Gesetzgebungsausschuß de» 5?esstfchen Landtags lehnt« heut« den nationalsozialistischen Antrag auf Berfassungsände- rung, wonach das Gssamtministerium aus dem Staatspräsidenten bestehen soll, nach kurzer Aussprache mit 6 gegen 6 Stimmen ab.— Für den Antrag stimmten lediglich die National- s o z i a l i st e n. » Ohne Hitler kein papen! Die Schwerindustrie entlarvt sich rechtzeitig. In der„Deutschen Allgemeinen Zeitung", die von der Schwerindustrie beherrscht wird und dem Kabinett von Papen äußerst nahe steht, beschäftigt sich jemand in einem Leitartikel mit der Frage:„Wie wählt man Papen?" In der Schwer- industrie muß also dringendes Bedürfnis bestehen, am Sonntag von Popen zu wählen. Aus die Frag« gibt nun die„Deutsche Allgemeine Zeitung" die Antwort, daß der von Papen wählt, der seine Stimine am Sonntag der Rechten gibt,„wobei zu bedenken ist, daß der Nationalsozialismus der Mitwirkung erprobter Fachleute und ausgeglichener Persönlich. leiten—(natürlich aus der Schwerindustrie— Red.)— bedarf. Nach dem 31. Juli muß eine Umbildung der Regierung unter Führung des jetzigen Reichskanzlers statt- finden, bei der die N a t i o n a l s o z i a i I st i s ch e Partei im Reich und in Preußen herangezogen wird." Es bleib! also dabei: Wer Hitler wählt, wählt Papen lind wer Papen wählt, wählt Hitler!!! Gebt beiden die richttge Antwort: Wählt Liste 1! Fort Wit bm Reichskommissar. Hitler verlangt eS. Im..Völkischen Beobachier". dem van Adolf Eitler höchstselbst herausgegebenen Organ der Nazibewegung, ist zu lesen: „Die Reichsleitung der Nationalsozialistischen Deut. scheu Arbeiterpartei möchte hierzu in aller Leffeutlichkeit mit betonter Entschiedenheit erkläre«, daß sie jedem Aersuch. die Gliedstaate» des Deutschen Reiches im Wege des Reichskommissariats um ihre eigenen staatlichen Rechte zu bringen, als offene Kriegserklärung an die Nation be» trachten würde." Der das so großartig schrieb, ist kein geringerer als Hitlers Leibjuri st, der Lahusen-Anwalt Frank II! Wer aber nun nach solcher eindeutigen Kund- gebung der Reichsleitung der NSDAP, der Meinung wäre, Hitler würde sich gegen den Reichskommissar von P a p e n wenden, befände sich auf dem Holzwege, auf dem Hitler selber stolpert. Denn die pompöse Aeußerung von der„offenen Kriegserklärungan dieNation" stand im„Välki- sen Beobachter" vom— 28. April 1932! Zwischen dem April und dem Juli liegen bekanntlich knappe drei Monate. Und in diesen drei Monaten kann ein echter Nazi seine Gesinnung zehnmal ändern! So haben auch Hitler und sein Lahusen- Anwalt sich nicht nur zum Reichskommissariat bekehrt, sondern es direkt g e f o r de r t. Da der Reichskommissar von Papen der Lahusen-Partei in fast allen Dingen nachgibt, so entspricht er auch nur ihren Wünschen, wenn er die„offene Kriegserklärung an die Nation" durch sein weiteres Amtieren„mit betonter Entschiedenheit" ausspricht. Deshalb kann Herr von Papen ruhig weiter bleiben, ohne vor Hitler oder Frank erzittern zu müssen. Obschon Frank in der gleichen Nummer des„V. P." erklärte:„Ein Reichs- kommissar für Preußen... wäre ein derartiger Schlag ins Gesicht... Deutschlands, daß vermutlich ein Sturm der E n t r ü st u n g ausbräche, der für die Aufrechterhaltung von Ruheund Ordnung denkbarunüberwind- liche Schwierigkeiten bringen könnte..." Schließlich ist die Nazientrüstung ausgebrochen, weil der Reichskommissar noch nicht früh genug kam. Und wie sehr die Ruhe und Ordnung ankündigungsgemäß gestört wurde, das beweist die endlose Reihe von Blutzeugen, die nationalsozialistischen Meuchelmördern zum Opfer fieien!___ Sie sind da! Hurra! Die Denunzianten sind wieder da. In Flfisterbaritonen Geben sie prima Informationen Von behorchten Telephonen! Sie hetzen, Sie petzen, Sie flüstern lüstern Die falsche Melo-Melodie. Jetzt ist Hodisaison- Drnff! Alloag— Mit Horrido und Korodi! Hurra! Die Denunzianten sind wieder d�. Jonathan- Die Oenunzianien-pest. Aus den Tagen des Aelazerungszustands. Die..Vossische Zeitung" berichtet über eine Sumpfblüte im„neuen Preußen": „„Die Wiederkehr der versassungswäßigen Zustände wird hoffentlich dem Denunzianten wesen ein End« machen, dos bereits einzureißen begann. Bei dem Reichskommissar und dein Militärbesehlshaber sind ebenso wie bei der Polizei zahlreiche anonyme Schreiben eingegangen, in denen der Zpunsch ausgesprochen wurde, man möge bestimmte Personen verbat- ten, ihres Amtes entheben oder überwachen. Selbst. verständlich ist man aus solche anonymen Deminziationen nicht ein» gegongen." Außer den anonymen Denunziationen sind auch andere, moralisch nicht einwandfreiere Denunziationen eingelaufen, und Häven gewirkt. Im Falle Heimannsberg-Encke-Carl- bergh war es der Polizeiwachtmeister Schuhmacher, im Fall Breuer der Materialfälscher Korodi, die die Denun- ziationen geliefert haben. Die Namen dieser Denunzianten werden für immer mit diesen sechs Tagen verknüpft bleiben. Die Arbeiterschaft wird sie nicht vergessen! Richtige Antwort an Klagges. Braunschweig jubelt Paul Löbe zu. Dos verbot der Löbe-Sundgebung durch den Zlazimiuister stlagge» Hai bewirkt, daß die In der größte» k)alle Braunschweigs stattfindende Mitgliederversammlung der Eisernen Front über- füllt war. Vor etwa 8000 Zuhörern sprach Genosse LSbe. den die Massen jubelnd begrüßten. Er führte u. a. aus, daß er seit über 35 Jahren in taufenden Versammlungen im In- und Ausland ge» sprachen habe, ohne jemals die Ordnung und Sicherheit gefährdet zu haben. Eine solche„Begründung" sür das Redeverbot auszu- tüfteln sei Herrn Klagges vorbehalten geblieben. Tausende An» Hänger der Eisernen Front wurden die Worte weitertragen. Am 31. Juli, auf den das arbeitende Volk zunächst sein« ganze Kraft zu konzentrieren habe werde der Welt der Nachweis erbracht, daß Hitler nicht über die Mehrheit der deutschen Be- völker ung verfuge. Unter nicht endenwallendem Beisoll erklärte Genosse Lobe mit erhobener Stimme-„Unsere Arbeitskrast steht dem ..Dritten Reich" nicht zur Verfugung." Auch die weitere Ankündigung des Redners, daß die Arbeiterführer treu an der Seite der Arbeiterschaft ausharren wurden, wurde mit immer neuen Freiheitsruten ausgenommen. Die Kampfbegeisterung der Massen war beispiellos und ist während des jetzigen Wahlkompfes von keiner anderen Kundgebung gegnerischer Parteien erreicht worden. Auch eine Lösung »Am 20. Juli ist Hochverrat begangen!" »-- ich meine natürlich durch Robert Breuer." Schleicher funkt rund. Verbeugung vor Hitler.- Angriffe auf die Sozialdemokratie. In einer Rundfunkrede führte Reichswehrminister General von Schleicher am Dienstagabend u. a. aus: „Ich bin kein Freund des militärischen Aus- nahmezustandes und ich bin erst recht kein Freund von Militärdiktatur und das nicht etwa trotzdem, sondern weil ich Minister für die Wehrmacht bin. Zwei Dinge sind dem Soldaten besonders unsympathisch: als vatlzist verwendet und in die Politik hereingezogen zu werden. Beides aber läßt sich beim militärischen Ausnahme- zustand nicht vermeiden. Deshalb habe ich mich auch dafür einge- fetzt, daß der zu einem bestimmten Zweck über Berlin und Branden» bürg verhängte Ausnahmezustand fobald als möglich wieder aufgehoben wurde, Das ist mit dem heutigen Tage geschehen. Der Soldat will sem Vaterland verteidigen und im übrigen Freund und Helfer aller nationalen Bevölkerungskreis« sein. Kein anderes europäisches Land besitzt in so geringem Maß« die Sicherheit, noch der, so paradox es klingt, gerade die stärkste Militärmacht der SEßell unaufhörlich ruft. Diese Haltung unseres westlichen Nachbarn hat der Minister Stresemann, dem man doch wirklich keine Voreingenommenheit gegen das Land seines Verhandlungspartners Briand nachsagen kann, seinerzeit im Reichs- tag mit„Heuchele i" bezeichnet, und ich glaube, daß«s in Deutschland nur wenige Menschen geben wird, die dem nicht zu- stimmen. Wie könnte Deutschland aus dem jetzigen Zustand der eigenen Unsicherheit herauskommen? Theoretisch auf zwei Wegen.: Erstens, indem die anderen Mächt« bis auf unseren Rüstungsstand abrüsten, wozu sie rechtlich und moralisch verpflichtet sind. Nach dem bisherigen Verlauf der Abrüstungskonferenz wird es in der Welt nicht mehr viel Menschen geben, die an«in solches Wunder glauben. Zweitens, indem wir unsere Wehrmacht so organisieren, d. h. umbauen. nicht ausbauen, daß sie uns wenigstens«in gewisses Naß von Sicherheit gibt, und ich möchte Im Anschluß an die deutsche Schluß- erklärung in Gens keinen Zweifel darüber auskommen lassen, daß wir diesen zweiten weg gehen inerden, wenn man uns auch in Zu- kunft volle Sicherheit und Gleichberechtigung weiter vorenthält. Ich bin der Ansicht, und mit mir, so hoffe ich. jeder vernünftig« Mensch in Deutschland, dqß gerade in unserer gespannten Finanzlage jeder für die Wehrmacht ausgegeben« Psennig den h ö ch st e n N u tz- w e r t für die Landesperteidigung haben muß. Die Wehrmacht stellt auch die Ultima ratio dte Staate, dar und ihr Einsatz muß in kürzester Frist Ruhe und Ordnung wiederherstellen und die Staats- autvrität voll zur Geltung bringen. Daß die Wehrmacht dazu in der Lage ist, wird nach den Ereignissen der letzten Tage wohl nie- wand mehr ernstlich bestreiten. Richtig ist allerdings auch, daß sich beim Einsatz der Wehrmacht schars« Maßnahmen nicht vermeiden lasten. Aber derartig horte Maßnahmen sind meist die mildesten, weil sie am schnellsten zum Erfolgs fuhren. Allerdings bin ich der Meinung, daß das Vorhandensein einer geschlossenen und uberparieilichen wehr- macht allein schon genügen muß, um die Autorität de» Reichs vor jeder Erschütterung zu bewahren. Ich habe am Ansang meiner Ausführungen betont, daß es dem Soldaten aufs höchste zuwider ist, wenn er in die Politik hineinge- zogen wird. Ich möchte noch hinzufügen, daß mich in den letzten Wochen nichts so sehr geärgert hat und ich ärgere mich nicht leicht— wie die Behauptung, ich hätte die Reichswehr in den politischen Meinung» st reit«ingespannt. Das ist der ungerechteste Vorwurf, der einen Mann treffen kann. der seit der Revolution, die die Reichswehr politisch vollständig ver, feucht hatte, auf allen Wegen und mit allen Mitteln einen zähen und verbissenen Kampf um die E n t p o l i t i s i e r u n g der Wehr- macht gekämpft hat und der in diesem Kampf oft gerade die Kresse zum Gegner hatte, die heute mit großem Geschrei vor der Politi- sierung der Wehrmacht warnen, nachdem es ihnen zum Segen uns«- res Vaterlandes nicht gelungen ist, aus der Reichswehr eine Partei- grupps zu machen. Das Schlagwort..Jirnter und Generäle" hätten die Re- gierung Brüning gestürzt, ist eine glatte Lüge. Solange ich an dieser Stelle stehe, dessen können alle Parteien gewiß sein, werde ich es niemals zulassen, daß die Wehrmacht ihre überparteiliche, nur dem volksganzen dienende Haltung ändern oder gar ausgeben wird. Und ein zweites kann ich den her- ren versichern, die heute mit Kassandrarufen ihre Wahlagitation be- treiben: Zch werde nicht dulden, daß die Wehrmacht die ihm im Staate zugewiesene Stellung mlt tr- gend jemand teilt und daß sich privat« Organisationen ihre gesehlichen Funktionen anmaßen. Zch begrüße daher besonder« die Ausführungen de« Führer» der Nationalsozialisten in Berch- tesgaden vor seinen SLü-Fuhrern, die sich durchaus mit meinen obi- gen Ausführungen über die Stellung der Wehrmacht im Staate decken. Zn diesem Zusamenhang einige Worte über die verbände: Räch emem überschwänglichen Lobgesang auf die Wehr- verbände, deren Unbrauchbarkeii für Kriegszwecke et unter Berufung auf Lloyd George unterstrich, setzte er hinzu: Be- trübend und beschämend ist es nur, daß Frankreich fein« Arguimsnts gegen diese Verbände zum größten Teil aus Deutschland selbst von den Kreisen bezieht, denen zur Bekämpsung ihrer psftti- schen Gegner jedes Mittel, selbst das des Landesverrats. recht ist. Der Gedanke der Kameradschaft umschließt die nationale und die soziale Ausgabe der Wehrmacht. Die natio- n a l e Aufgabe: das ist die oll« Volkskreise umfassende und einigende Pflicht der Landesverteidigung. Di« sozial« Aufgab«: das ist die Verbundenheit der Wehrmacht mit den Schicksolen aller Volks- schichten. So wenig die Reichswehr eine Porteitruppe ist, so wenig ist sie die Schutzmachr irgendwelcher Klassen oder Jnter. essenten, so wenig will sie überlebte Wirtschaftsformen oder unhaltbare Besitzoerhältmsse decken. Zum Schluß lasten Sie mich noch einmal auf die sogenannte Militärdiktatur zurückkommen, von der ihre Anhänger das große Wunder erhoffen, die für ihre Gegner aber der Inbegriff aste» Scheußlichen bedeutet. Zunächst glaube ich, daß sich unter Militär- diktotur jeder etwas anderes vorstellt. Wenn man darunter das ver- steht, was das Wort besagt, nämlich die diktatorische Regie- rung der Wehrmacht, so halte ich eine solche Regierungsform in Deutschland für völligausgesch lassen, weil die Wehrmacht nie etwas andere» tun wird, als den Befehlen ihres Oberbefehls- Habers, des durch eine überwältigende Mehrheit des deutschen Volkes gewählten Reichspräsidenten von Hindenburg, zu folgen. Wenn man unter Militärdiktatur eine Regierung versteht, die sich nur auf die Bajonette der Reichswehr stutzt, so kann ich dazu nur sagen, daß eine solche Regierung im lustleeren Raum sich schnell abnutzen und letzten Endes zum Mißerfolg führen muß. In Deuffchlond vielleicht mehr noch, als in manchen anderen Ländern muß die Regierung von einer breiten Volks- st r o m u n g getragen sein. Ich glaube sagen ,zu dürfen, daß ich in dieser Hinsicht gerade in den letzten Wochen klarer gesehen habe und weniger militaristisch gewesen bin wie mancher Politiker, der sich oft und gern zur Demokratie bekennt, aber sofort zur Diktatur der Bajonette bereit ist, wenn seine Machtposition oder die seiner Pariei es notwendig macht.(Wer ist damit gemeint? Red.) Deshalb bin ich kein Freund der Militärdiktatur. -i- Bisher genoß der„starke Mann" der Reichsregierung den Ruf eines„großen Schweigers". Jetzt läuft er Gefahr, in den gegen- t e i l i g« n Ruf zu komme». Namentlich fein Herumfuhrwerken in den Gefilden der Außenpolitik dürfte der deutschen Diplomatie nach starkes Kopfzerbrechen bereiten. Die Verbotsmaschine arbeitet. Zwei weitere sozialdemokratische Blätter verboten. Der Militärbesehlshaber für Groß-Berlin und Provinz Bron- denburg hat Dienstag vormittag das sozialdemokratisäze„Volksblatt" in Finsterwalde wegen des Artikels„Severing und von Papen oder Mann und Memme" aufdie Dauervon fünf Tagen verboten. 'Das oldenburgische Naziministerium des Innern hat die sozial- demokratische„D e l m e n h o r st e r B o l k s w a ch t*] ein Kvpfblatt der„Bremer Volkszeitung", ab Dienstag auf die Dauer von zwei Wochen verboten. Das„System" Hitlers. Die Rückkehr in den Absolutismus. Wer Hitler wählt, wählt zum letztenmal; Im Tritten Reich gibt eA keine Wahl. Die Nationalsozialisten tun so, als ob sie ein ganz neues „S y st e m" erfunden hätten und als ob dieses„System" den Ar- beitern, Angestellten, Beamten und den Mittelschichten die„deutsche Freiheit" bringen würde. Das können sie freilich nur denen er- zählen, die weder ihre Schriften kennen, wo sie ihre wahren Ziele enthüllen, noch die Geschichte des Kapitalismus. In Wirklichkeit ist das System Hitlers nichts anderes als der oerzweifelte Versuch der Großkapitalisten, die Hitler aushalten, aus der wirtschaftlichen Sack- gasse, in der sie sich befinden und die sich politisch nunmehr zugunsten der Sozialisierung auszuwirken droht, sich durch den tollen Kopfsprung in die Zeit des Zriih- kapitalismus zu retten. Denn alles das, was Hitler als sein„neues System" anpreist, ist, wenn man es näher betrachtet, nichts anderes als die Zustände des Frühkapitalismus„neu" auflackiert. Hitler will mit dem angeblich bankrotten demokratischen System aufräumen. Anders ausgedrückt, die Nationalsozialisten wollen die große Masse des Volkes ein für allemal ausschließen von jedem Mit- bestimmungsrecht im Staat, wie in der Wirtschaft. Die Nationalsozialisten wollen, wie Goebbels in einer seiner Schriften auseinandersetzt, das vom Volke gewählte Parlament durch Sena- toren ersetzen, die aus Lebenszeit ernannt werden. Man kann ohne weiteres begreifen, daß diese Art„Parlamen- tarismus" den Großkapitalisten, den Junkern und Schwer- industriellen durchaus willkommen ist. Sie sind ja in ihren Betrieben „Herr im Hause" und haben zu bestimmen. Heute wird ihre Allein- Herrschaft eingeengt durch die Sozialgesetze, durch Betriebsräte. Ge- werbeaufsicht und ist immer mehr von der Gesetzgebung bedroht. Dos ist es, was die Herrschasten als„Maxismus" bezeichnen. Diese durch das parlamentarische System bewirkte Einengung der absoluten Herrschast des Kapitalisten will der Rational- sozialismus beseitigen. „Es muß anders werden!" Mit diesem leeren und dummen Gerede, hinter dem sich nichts verbirgt als die Scheu, die wahren Ziele des Nationalsozialismus einzugestehen, versuchen die Nazis alle die ein- zusangen, die heute durch den Bankerott des kapitalistischen Systems in Not und Elend sich befinden. In Wirklichkeit aber soll es nach den Absichten der Nationalsozialisten insofern anders werden, als diesen vom Kapitalismus ausgebeuteten Schichten für immer das Recht genommen werden soll, als freie Staatsbürger die Geschicke des Volkes mitzubestimmen. Dieses„System" bestand, bevor der Parlamentarismus und die Demokratie, d. h. die Volksherrschast, an die Stelle der absoluten Herrschaft der Kapitalisten gesetzt wurde. Wie sah es unter jenem„System" aus, wo es keine Sozialversiche- rung gab, keine Betriebsräte, keine Beamtenrechte, keine Arbeiter- schutzgesetze, wo der„Marxismus" allerhöchstens in den Träumen einiger kühner Vorkämpfer existierte. Dos war die Zeit, wo die Hungerepidemien in den Industrie- bezirken an der Tagesordnung waren, wo die Kindersterblichkeit einen phantastischen Grad erreichte, wo nicht nur Erwachsene. Frauen und Männer, sondern auch Kinder vom vierten Lebensjahre an in die Fabrikarbei» eingespannt wurden. Einen Achtstundentag gab es damals selbstverständlich noch nicht. Die durchschnittliche Arbeitszeit belief sich aus 14 bis 16 Stunden. Es war gar keine Seltenheit, daß Kinder 16 und 18 Stunden beschäftigt wurden. Der physische Verfall der In dustriebevölkerung war ein derart ungeheurer, daß vielfach das damals noch sehr bescheidene R e k r u t e n s o l l bei der Aushebung zum Militärdienst nicht erreicht wurde. Dieser Umstand hat schließlich dazu geführt, daß man in P r e u ß c n den ersten, wenn auch sehr bescheidenen Arbciterschutz einführte. Denn der König mußte doch seine Soldaten haben! Man braucht nur die Wirtschaftsgeschichte sowohl in Deutsch' land, wie in England und Frankreich etwa von der Mitte des 18 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu studieren, um einen klaren Begriff von den Zuständen zu bekommen, die im sogenannten „Dritten Reich" existieren würden. Immerhin würde ein Unterschied bestehen. Damals gab es Maschinenstürmer, Hungerrevolten der Handarbeiter, die sich ausi lehnten gegen den eisernen Konkurrenten, der ihnen, wie sie meinten das Brat wegnahm. Im Zeitalter der Rationalisierung und des Fließbandes erscheinen uns die Arbeitsmethoden von damals und die Mechanisierung wie Zustände eines goldenen Zeitalters. Unter dem nervenzerreibenden rasenden Tempo der rational!- sicrlen Produktion der Gegenwart müßte die Arbeiterklasse, die ohne Schuh durch das Parlament, ohne demokratische Rechte und Freiheiten, ohne kranken- und Altersversicherung hemmungslos seinen Ausbeutern ausgeliefert werden würde, in weniger als einer Generation ausgerieben werden. Wir wollen hier gar nicht untersuchen, ob ein derartiges „System"— rein wirtschaftlich gesehen— durchführbar wäre. Wir wollen nur feststellen, daß das„System" der gewerkschaftslosen Zeit, wo es keine Tarifverträge, keine Demokratie, keine Betriebs- röte, kein Mit- und Sclbstbestimmungsrecht der großen Massen gibt, nichts anderes ist als die R ü ck f ü h r u n g in den A b s o l u- t i s m u s. Um dieses möglich zu machen, dazu braucht der Ratio nalsozialismus ein Heer von Bütteln, die zwar selbst rechtlos sind, die aber das Recht haben würden, die große Masse des Volkes nieder zuknüppeln und jede Regung im Keime zu ersticken. Genossinnen und Genossen' Sagt es allen immer wieder, daß der Nationalsozialismus nichts anderes ist als die absolute Recht losmachung des Volkes, die ergänzt wird durch die absolute Herr' schaft der Reichen. Gewerkschasten unerschüstert. AOGB. stärker als Ende �924 und Ende 1926. Die Kraft der Gewerkschasten ist ungebrochen. Das Jahrbuch des Allgemeinen Deutschen Gcwerkschaftsbundes, das in Kürze erscheinen wird, liefert dafür den Beweis. Die„Gewerk- schastszeitung", das Organ des ADGB., veröffentlicht in ihrer nächsten Nummer aus diesem Beweis einige besonders markante Tatsachen. Auch dos furchtbare Krisenjahr 19 31 konnte die Front der freien Gewerkschasten nicht erschüttern. Sie stehen, wenn auch mit verminderter Kämpferschar, so doch mit ungeschmälerter innerer Kraft bereit, um auch unter den schwierigsten Umständen ihre Auf- gäbe zu erfüllen. Die dem ADGB. angeschlosiencn Zentralverbände umfaßten Ende 1931 4134 902 Mitglieder: darunter S70 836 weibliche und 170 854 jugendliche. Der Rückgang der Kesamtmitgliederzahl gegenüber 1930(4 716 669) mit 581 667 beträgt 12,3 Proz. Gemessen an dem Mitgliederverlust von 1922 auf 1924, in der Zeit des Zusammenbruchs der Währung und in der dadurch erzeugten Wirtschaftskrise, als die Gesomtmitglicderzahl von 7,8 Mil- lionen aus rund 4 Millionen zurückging, ist der während der gegen- wärtigen viel längeren und härteren Krise eingetretene Verlust gering. Die seit dem Jahre 1924 in den freien Gewerkschasten ver- bliebenen Mitglieder können als die Kerntruppe der Bewegung bezeichnet werden. Diese Mitglieder sind nicht zu vergleichen mit jenen Massen. dieNn dei, Jahren 1919 und 1920 durch die Revo- lution begeistert zu den Verbänden stießen, die Fahnen jedoch schnell verließen, als sie erkannten, daß die wirtschaftliche Macht in zähem Kampf erobert werden muß. Jener Kern der Mitgliedschaft ist den Gewerkschaften, aller maßlosen Not zum Trotz, erhalten ge- blieben! denn Ende 1931 lag die Mitgliederzahl im ADGB. mit 4 134 902 noch höher als Ende 1924 mit 4 023 867, und sogar beträchtlich höher als Ende 1926 mit 3 932 935, d. h.: das alte Kräftezentrum der Gewerkschasten blieb im Sturm der gegenwärtigen großen Krise unerschüttert. Die Finanz gebarung der Verbände gestaltete sich ent- sprechend dem Mitgliederrückgang naturgemäß ebenfalls rückläufig. Die Gesamteinnahmen sind mit 184 306 221 M. um 47 349 093 M. und die Gesamtausgaben mit 216 621 078 M. um 25 561 313 M. niedriger als im Vorjahr. Der Rückgang beträgt bei den Verbands- Beiträgen 41 886 420 M. und bei den örtlichen 9 096 368 M., zu- sammen 50 981 778 M. und zeigt so recht die Auswirkung der Arbeitslosigkeit auf die Haushaltspläne der Gewerkschaften. Höchste Anerkennung verdient das Opfer der noch in Arbeit stehenden Mit- glieder durch Leistung von Extrabeiträgen zur Unterstützung ihrer durch die lange Arbeitszeit in Not geratenen Kollegen und Kolleginnen. Trotz Kurzarbeit und Lohnabbau beträgt die hierfür ausgebrachte Summe 4 458 732 M. und ist um 2 358 684 M. höher als 1930. Der von der Hitler-Meute so sehr verlästerte Marxismus scheint also der opferbereiten Solidarität nicht geschadet zu haben. Mehr als die Hälfte der Gesamtausgaben entfielen auf Unter- stüßungen. „Obwohl einige Verbände", betonb die„Gewerkschaftszeitung",„ge- zwungen waren, die Unterstützungsdauer erheblich zu kürzen, um ihren Etat zu balancieren, waren die freien Gewerkschaften doch noch in der Lage, sür ihre durch die unsinnige kapitalistische Wirtschafts- lührung in Not geratenen Mitglieder die achtunggebietende Summe von 109 888 848 M. an Unterstützungen auszuzahlen. Abgesehen von alle» anderen Vorteilen, die die freien Gewerkschaften ihren Mitgliedern in allen Lebenslagen bieten, beweist schon allein diese praktische Hilse, wie unsinnig das Gekläff der Nazi- und Kozi- Phraseure und ihrer gedankenlosen Nachbeter von der Ohnmacht der freien Gewerkschaften ist." Das Schicksal des Berufsbeamientums. (Sa entscheidet sich am ZT. Juli. Am Dienstag traten der Vorstand und die Beiratsmitglieder des Bezirksausschusses des Allgemeinen Deutschen Bc- amtenbundes zu einer außerordentlichen Tagung zusammen und nahmen zur politischen Lage und den sich ergebenden beamten- politischen Folgerungen Stellung. Der Kampf des„neuen Systems" Hot auf der ganzen Linie eingesetzt. Der Wahlausgang wird auch das Schicksal des Berufsbeamtentums entscheiden. Diese Erkenntnis hat bei den Mitgliedschaften der angeschlossenen Organisationen die st ä r k st e Aktivität ausgelöst. Durch Unterbindung der Demokratie sollen die notleidenden Massen in ihrem Abwehrkampf entwaffnet werden. Das Ende der Vereinigungsfreiheit soll den Abwshrwillen brechen. Die Aufhebung der freien Meinungsäußerung soll den Freiheitswillen knebeln. In geschlosiener Front mit Arbeitern und Angestellten werden die Beamten am Tage der Reichstagswahl die Antwort auf den Generalangriff des„neuen Systems" nicht schuldig bleiben. In dem Ringen um Freiheit und Recht und im Kampfe um Erhaltung des Berufsbeamtentums sind die freigewerkschastlichen Beamten entschlossen, jedem Rufe ihrer Gewerkschaften Folge zu leisten. Der Sieg der Eisernen Front wird der Grundstein für den Wiederaufstieg der Beamten, Angestellten und Arbeiter sein. Der 31. Zuli muh zum Abrechnungstage werden! Allgemeiner Deutscher Beamtenbund. Bezirksausschuß Berlin. Eiserne Front gegen Faschismus. Wahlkundgebungen des Gesamtverbandes. Daß die freien Gewerkschaften in diesem Reichstagswahlkampf die Massen aktivisieren, beweist der überaus gute Besuch der zahl- losen Versammlungen, die von den Gewerkschasten aller Berufs- gruppen veranstaltet wurden. " Der Gcsomtverband hatte drei Kundgebungen an einem Tage einberufen. Die erste fand mittags 13 Uhr im Saalbau Friedrichshain statt. Geladen waren alle Ruhegeldempfän- g e r der Berliner Kämmereibetriebe, der Gas-, Wasser- und Elek- trizitätswerke und Berliner Verkehrs A.-G. Dem Rufe waren mehr als 6000 Mitglieder gefolgt, Saal und Garten waren überfüllt. Dw zweite Kundgebung stand im Zeichen der Warnung!„D i e öffentliche Wirtschaft in Gefahr." Versammelt waren die Arbeiter, Angestellten und Beamten der Gas-, Wässer- und Elektrizitätswerke. Im Mittelpunkt dieser Kundgebung ftynd das Referat Polcnskes vom Verbandsvorstand unter dem Thema: „Nationalsozialismus und öffentliche W.i r t- s ch a f t." Er verwies besonders auf die Anträge der nationpl- sozialistischen Landtagsfraktion, die im.Interesse des Privatkapitals und der Profitwirtschast eine Beseitigung der öffentlichen Wirt- schaft und ihrer Betriebe verlangen. In mitreißender Weise unterstrich Martha John die Aus- führungen des Referenten. Begeistert stimmte die Versammlung dem Kampfgelöbnis des Referenten zu: Jedermann ein Kämpfer für den Sieg der Sozialdemokratie! Die Sektion Handel hatte ihre Hammerschaften nach dem großen Saal des Gewerkschaftshauses einberufen. Hieb hatte es O r t m a n n übernommen, in einem umfassenden, anfeuernden Referat die Hondelsarbeiter auf die Gefahren des braunen Faschistenterrors hinzuweisen. Der Neuköllner Sängerchor um- rahmte die Kundgebung durch seine Kampfgesänge. P o l l m e i e r weihte eine Sturmfahne des Kampfes für die Sektion. Die Rezitationen, der Weihespruch Martha Johns, oeranloßten die Versammelten immer wieder zu neuen Beifallsstürmen. Der Geist, der die Tausende dieser Wahlkundgebungen beseelte, ist der Geist der Aktivität, Disziplin und Einigkeit, getragen vom Siegcswillen der Millionen klassenbewußter proletarischer Kämpfer, die nicht von der Einheitsfront reden, sondern sie erleben und erkämpfen als Eiserne Front gegen den Faschismus. Das Lohnproblem der Arbeiterin. Für viele Arbeiten an den Maschinen ist die Frau singer- fertiger, geschickter als der Mann. Aber da die Arbeit der Frauen wesentlich billiger ist als die der Männer, werden im heutigen Arbeitsbetrieb der Frau auch Leistungen ausgezwungcn, die eine dauernde lleberspannung der weiblichen Körperkrast sordern. Auf Kosten ihrer Gesundheit, auf Kosten der Volksgesundheit wird die Frau hier zur Konkurrentin des Mannes gemacht. De» gewerkschaftlichen Bemühungen ist es in der Nachkriegszeir gelungen, den Lohnabstand zwischen Männer- und Frauen- arbeit im Verhältnis zur Vorkriegszeit zu verringern; leider hat der Lohnobbau in der letzten Zeit die Frouenlöhne noch stärker getroffen als die der Männer, so daß die Spannung zwischen beiden Lohngnippen wieder sehr beträchtlich ist. Im ollgemeinen erhält die Frau heute nur zwischen 50 und 60 Proz. der Löhne sür männliche Arbeiter; selbst die weibliche Facharbeiterin wird so entlohnt, auch wenn sie dieselben oder sogar bessere Leistungen vollbringt als die männlichen Kollegen. Die Frau hat als Verbraucherin dieselben Preise zu zahlen, wie der Mann. Sie muß unter den gegenwärtigen Arbeitsverhältnissen in der Berussarbeit die letzte Kraft aus sich herauspumpen, um bei den niedrigen Akkordlöhnen nicht mit allzu geringem Verdienst heimgehen zu müssen. Sie ist gezwungen, in ihrer knappen Freizeit sür ihren eigenen Bedarf— sehr häufig auch noch für den von Angehörigen— Schneide».!», Wäscherin, Haushälterin usw. zu sein. Die Folge ist ein unerhört rascher Verbrauch ihrer Arbeitskrast. Der Versuch der internationalen Industrie, die Konkurrenz- fähigkeit aus dem Weltmarkt durch Unterbezahlung der Arbeitskräfte zu erreichen, ist völlig verfehlt. Wenn eine große Anzahl von Menschen kaum soviel verdient, um sich notdürftig satt- essen zu können, so bedeutet das Stauung der Produktion, Ver- fchärsung der Absatzkrise. Dr. Judith Grünseld wies in einem Vortrag über„Das Lohn- Problem der Arbeiterin" im Programm der Berliner Funkstunde darauf hin, daß der Internationale Gewerkschafts- b u n d auf der demnächst stattfindenden Arbciterinnenkonserenz sich mit diesen Fragen eingehend beschäftigen wird. Sorckstr. 11(Fabrikgebäude). Kreisbadeabend Klingenberg. — Schöneberg: Jugendheim Hanptstr. 15(Gartenhaus). Wir gehen nach G Straße 2. Literarischer Abend mit Friede! Hall.— Arnswalder Platz: Jugend- beim Schönlanker S�r. 11, Baracke 6, rechter Eingang.„Bub und Mädel in der Zugendbewegung."— Neukölln: Jugendheim Bergslr. 29(Hof). Anti-Kriegs. abend.— Flughafen: Jugendheim Flughafenstr. 68(U-Bahn Boddinstraße). „Das Wesen des Iugendhcrbergswerks/'— Humboldt: Jugendheim Graun» Ecke Lortzingftraße. Theo Maret liest aus„Abenteuer im Eismeer".— Tegel: Jugendheim Tegel, Schöneberger Str. 4..Kommunistisches Manifest."— Baum. schiklenwecj, Ernststr. 16.„Die Gewerkschaften und die politische Lage."— Südostkrels: Krcisbadeabend im Flußbad Klingenberg.— Wir spielen ab 18 Uhr: Nordkreis: Spielwiese Echillerpark; Ostkreis: Sportvlätze Treptower Park, Wiese 1, und Friedrichshain, Platz 4; Südostkreis: Treptower Wiese, Fläche 6.— Erneuert die Volksbühuen-Mitgliedschaft!— Freitagabend„Propa- gandafeuerwerk" der„Eisernen Front" im Stadion Neukölln. Iuaendqsuppe dies Lentralverbanstes eer Angestellten wjf Hculc, Mittwoch, finden folgende Beronstaltungen statt: Lchändauscr � Aorsladt: Jugendheim der Schule KastanienaUee 8>. Schollplatlcnabend: „Arbeitermusii".— Rardast l: Jugendheim Danziger Str, 62 lBaracke 3>.„Nie wieder Krieg."— Reinickendorf: Jugendheim Lindauer Str. 2< Baracke>.„Die Tugend im ZdA."— Stralau: Jugendheim der Schule Eoßlerstr. 61. Brettlpicl- abend.— itöpcnick: Jugendheim Dahlwiger Str. 15 lGasanstalt am Bahnhos Köpenick). Jeder erzählt von seinen bisherigen Reiseeindrilcken.— Neukölln: Inaendheim Bömilche Str. l— 4. Ecke yanner Straße. Stunde mit Büchern.— Südoil: Jugendheim Manteuffelstr. 7..Das geiftige Riiflzeug des jungen Ge. werkschafters."— Schöueberq: Jugendheim Hauprstr. 15 lHofgebäude. Sachsen- zimmer). Hermanns-Läns-Avend.— Eharlotienburg: Jugendheim Spielhagcn- ftraße t. Liederabend.— Spandau: Jugendheim Lindenufcr I. Wir gehen baden ibei schlechtem Wetter Heimabend).— Potsdam-Nowamcs: Jugendherberge Nowawcs. Bunter Abend.— Die Versichcrnnqsgcselllchast„Sorgenfrei" B.-G. tagt heute von 16— 18 Uhr im Verbandshaus, Zimmer 24.— Spiele im Freien: Ab 18 llbr Spartplatz Humdoldthain, Sportplatz Beißenfee, Feld ä, und Sport» platz Friedrichshain. Der»Vorwärts" erscheint wochenläglich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel»Der Abend", Illustrierte Eanniagsbeilage»Volk und Zeit". Anzeigenpreise: Di- e i n s p a l i. Millimelerzeiie Zo Pf., Rekiamezetle ll.— M. „Bl-iue Anzeigen" das settgedruale Wort 20 Pf. zulässig zwei fetlgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf, NabaN laut Tarif. Warle Uber IS Buchstaden zählen für zwei Borte, Arbeitsmarkl Millimelerzeiie 2S Pf. Fanulienanzeigen Millimeter. z-ile is Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochentäglich »an S-/. bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen aar! Verantwortlich für Politik: Victor Schiti: Wirtichoit:®.«liugelhöfer! Gewerkschaftsbeweguntz: Z. Stciaeri Feuilleton: Herbert Lepdre; Lakole» und oonstiges: Sri» iiarstädt, Anzeigen: Th. Glocke: lämilich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m b. H. Berlin Druck: Vormarls.Buchdrucker-i und Verlagsanftalt Paul S:nger u Ca. Berlin SD 68 Lindenllraße li Hierzu Z BeUagen. Nr.Z4y» 49 Jahrgang Ii* Mittwoch, 27. Juli 1YZ2 Der l�nter�sn� wittcrböe die„Niobe" erfaßt und niedergedrückt hat, ehe es gelungen war, die vollaufgebrachtc Leinwand zu bergen. Nur so ist daS Unglück des Schulschiffes denkbar. * Der Chef der Marineleitung. Admiral Dr. h. c. R a e d e r, hat anläßlich des Unterganges des Segelfchulfchiffes folgendes Tele- g r a m m an den Inspektor des Bildungswesens der Marine Sonntag von 8 bis 17 Uhr. Das Kreuz Ins erste Feldl/Stimmsclieinenoch bis Freitag! gerichtet:„In kameradschaftlichem Gedenken bin ich in diesen traurigen Stunden bei Ihnen und der braven„Niobe"-Besatzung. Ich trauere mit Ihnen und den Angehörigen der Verunglückten um die vielen jungen Kameraden, die die unerbittliche See uns entrissen hat. Ich bin aber auch gewiß, das dieser schwere Schlag die Reichs- marine zu weiterer treuer Pflichterfüllung anspornen und uns allen erneut unser Gelöbnis ins cherz einmeißeln wird, das da heißt: Fürs Vaterland vorwärts und aufwärts." Keine E>pur von den Vermißten. Kiel. ZK. Zuli. Die von der Seeslugstation Holtenau an die llnsallstelle der „Iliobe" entsandten Flugzeuge, die von den Fliegern Osterkamp und h u b r i ch gesührt wurden, sind nach Kiel zurückgekehrt. Sie haben die llnsallstelle und ihre Umgebung bis zur dänischen Küste mehrere Stunden lang abgesucht, ohne eine Spur der vermißten zu finden, von der„Niobe" selbst ist nichts mehr zu sehen. Da auch die von der Reichsmarme vorgenommene genaue Nachsuche ergebnislos geblieben ist. besteht keine Hoffnung mehr auf Rettung der 60 Vermißten. Bisher sind auch keine Leichen geborgen worden. Die Geretteten. Das Reichswehrmini st eri um teilt mit: Die Geretteten von dem gestrandeten Schulschiff„Niobe" sind von dem Kreuzer„Königsberg" ausgenommen worden. Bisher sind die Namen solgender Geretteter gemeldet: Kapitänleutnant R u h s u s, Oberleutnant L o t t: ferner solaende Kadetten: Mittel st edt, Glümpcr, Lohse, Frahm, Iürs, Hofsmann/ Girladone, Jürgens, von Reyher, Korth, Pannenberg, Wieting, Raseneck, Eichel, Vogel, Matz, Steinbrück und Schrott. Neues Fliegerunglück. Hellmuth Hirth vom Propeller der Llnterarm abgeschlagen. Die Wehrmacht der Deutschen Republik ist von einem schweren Unglück betroffen worden. Gin Schul- schiff der Reichsmarine ist in der Nähe von Fehmarn auf der Ostsee durch eine Gewitterbö gekentert, wenige Minuten nachdem das Ricscnslugzcug Do X das Segelschiff überflogen hatte. Neunundscchzig Menschen haben den Tod gefunden und das ganze deutsche Volk steht erschüttert und trauernd an- gesichts dieser Katastrophe. Der Untergang der„Niobe" läßt die Gedanken zurückschweifen, und man erinnert sich, daß am Eingang des Jahrhunderts ein Schiffsunglück stand, von dem gleichsalls ein deutsches Schulschiff betrofsen wurde. Das Schulschiff„G n e i s e n a u" lag am 16. De- zember 1900 vor dem Hafen von Malaga und wurde durch Sturm gegen die Ostmole des Hafens geschmettert und zerstört. 3 8 junge Menschen wurden getötet. Sieben Jahre später, am 7. November 1907, forderte eine Kesselerplosion auf dem„B l ü ch e r", der später im Weltkrieg an der englischen Küste sank, IS Tote. Besonders groß war vor dem Kriege die Zahl der Katastrophen bei Torpedo- booten, und die Erinnerung der Aelteren haftet bei dem furcht- baren Unglück von Helgoland, bei dem am S. März 1913 das Torpedoboot S. 178 vom Kreuzer Park gerammt wurde und ver- sank. Der Verlust betrug nicht weniger als 70 Menschen. Die schweren Opfer, die von der Kriegsmarine im Weltkrieg gebracht wurden, sind bekannt. Die junge republikanische Reichsmarine ist erfreulicherweise von schwereren Unglücken verschont geblieben. Am 23. November 1926 wurden bei einer Versuchsfahrt des neuen Torpedobootes ,,M ö v e" vor Pillau durch ausströmenden Dampf neun Menschen verbrüht, von denen einer verstarb. Am 8. Juni 1928 waren bei der Erplosion eines Sprengkörpers auf einem Minenlegboot auf offener See bei Kiel sechs Tote und sieben Verletzte zu beklagen. Das Unglück aber, das uns heute bewegt, ist ohne Zweiiel das schmerzlichste, das über die Reichsmarine der Republik seit ihrem Bestehen hereinge- brachen ist. vi» amtlich» Bekanntmachung Uber die Reichttagswahl wird jetzt durch SBulenanschlag veröffentlicht. Di» Wahl findet am Sonntag in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis S Uhr nachmittags statt. Nur die amtlichen Stimmzettel dürfen bei der Wahl verwandet werden. Der Stimmberechtigte muß auf dorn amtlichen Stimmzettel den Kreiswahlvorschlag, dem er seine Stimme geben will, in einwandfreier Weise kennzeichnen. Die geschieht am besten dadurch, daß in dem leeren Kreis O, der sich neben jedem Wahlvorschlag befindet, ein— � oder ein öhnliches Zeichen gesetzt wird. Unser Kreuz gehört der Liste 1, der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Stimmscheine besorgen! Wer in Berlin eingetragen, aber aus zwingenden Grilnden am S1. Juli während der Abstimmungszeit von Berlin abwesend ist oder wer nach Ablauf der Einspruchsfrist seine Wohnung in einen anderen Stimmbezirk verleot, oder infolge eines körperlichen Leidens oder Gebrechens in seiner Bewegungsfreiheit behindert ist und durch einen Stimmschein die Möglichkeil hat, einen für ihn günstiger gelegenen Abstimmungsraum aufzusuchen, erhält auf Antrag einen Stimmschein. Die Ausstellung dieses Stimmscheins muß sofort bei dem für den Wohnbezirk zuständigen Bezirkswahlamt beantragt werden. Am besten sind die Anträge während der allgemeinen Dienststunden mündlich zu stellen, wobei der Grund zur Ausstellung des Stimmscheins auf Erfordern glaubhaft nachzuweisen ist Auch muß sich jeder Antragsteller über seine Berechtigung, den Antrag zu stellen und den Stimmschein in Empfang zu nehmen, gehörig ausweisen; daher ist die Mitnahme von Ausweispapieren erforderlich. Bei schriftlichen Anträgen ist die Berliner Wohnung genau anzugeben, auch sonst sind alle eben gekennzeichneten Angaben zu machen. Nach dem 29. Juli 1952, nachmittags Uhr, werden Antrage auf Ausstellung von Stimm- scheinen nicht mehr angenommen. Adressen der für Berlin zuständigen Bezirkswahlämter: 1. Bezirkswahlamt Mitte, Berlin O 27, Blumenstraße 88, Aufgang IV, II. 2. Bezirkswahlamt Tiergarten, Berlin NW 87, Turmstraße 70, Portal 1, 4 Tr. Z. Bezirkswahlamt Wedding, Müllerstr. 146/147, Eingang Limburger Straße, Zimmer 5. 4. Bezirkswahlamt Prenzlauer Berg, Berlin NO 55, Danziger Straße 64, Zimmer 326. 5. Bezirkswahlamt Friedrichshain, Berlin NO 18, Markusstr. 4?, II. 6. Bezirkswahlamt Kreuzberg, Berlin SW 47, Yorckstraße 10, Zimmer 72— 73. 7. Bezirkswahlamt Charfottenburg, Charlottenburg, Berliner Str. 72, Rathaus, 3. Obergesch., Zimm. 325. 8. Bezirkswahlamt Spandau, Bln.-Spandau, Potsdamer Tor 2/4, Zimmer 412. 9. Bezirkswahlamt Wilmersdorf, Berlin-Wilmersdorf, Stadthaus, Kaiserallee 1/12, Zimmer 159/160. 10. Bezirkswahiamt Zshlendorf, Berlin-Zehlendorf, Rathaus, Kirchstraße 3. 11. Bezirkswahlamt Schöneberg, Berlin-Schöneberg, Rathaus, Am Rudolf-Wilde-Platz, Eingang Straße „Am Rathaus" Nr. 5. 12. Bezirkswahlamt Steglitz, Bln.-Lichterfelde, Rathaus, Schillerstraße 32, Zimmer 4. 13. Bezirkswahlamt Tempelhof, Berlin-Tempelhof, Dorfstr. 42. 14. Bezirkswahlamt Neukölln, Berlin-Neukölln, Rathaus, Berliner Straße 64, Zimmer 132. 15. Bezirkswahlamt Treptow, Bln.-Treptow, Neue Krugallee 2/6, Rathaus. 16. Bezirkswahlamt Köpenick, Bln.-Köpenick, Rathaus, 2. Stock, Zimmer 86. 17. Bezirkswahlamt Lichtenberg, Berlin-Lichtenberg, Magda- lenenstraße 4, Zimmer 6— 9. 18. Bezirkswahlamt Weißensee, Berlin-Weißensee, Rathaus, Albertinenstraße 6, pt., Zimmer 5. 19. Bezirkswahlamt Pankow, Berlin-Pankow, Rathaus, Breitestraße 25/26, 1. Obergeschoß. 20. Bezirkswahlamt Reinickendorf, Berlin-Tegel, Veitstraße 5, Zimmer 13. S f u( f g a t f, 26. Juli. Der bekannte Flieger und Flugmoforenkonstrukleur Hellmuth hirth erlitt im Flughasen Böblingen einen schweren Unfall. Seim Ausprobieren eines neuen Flugzeugmolor», der beim Luropaslug verwendet und in ein Großflugzeug eingebaut werden sollte, kam hirth plöhlich dem anlausenden Propeller zu nahe. Dabei wurde hirth ein Unterarm abgeschlagen. Der Flieger wurde in das Böblinger Krankenhaus gebracht. Rur dem Umstand, daß er mit dem Kops außer der Reichweile des Propeller» war, hat hirth es zu verdanken, daß er am Leben blieb. Mörder aus verschmähter Liebe. Aufklärung der Tragödie von Marzahn Die Ermittlungen der Kriminalpolizei über das Sittlichkeitsaltentat. das am Montag früh an der 33 Jahre alten Frau Kokott in ZN a r z a h n begangen wurde, haben seht zur Ausklärung der bisher noch dunklenZusammenhönge zwischen Tal und Täter gesührt. Gestern mittag traf aus Gräsenhainichen Nachricht über den Attentäter ein, einen 23 Jahre alten Maurer Franz Weiner. der am 24. Zuli die elterliche Wohnung verlassen hatte. Franz Weiner war mit einer jungen Leipzigerin verlobt. Das junge Mädchen hatte ihm kürzlich einen Brief geschrieben, in dem es mitteilte, daß es die V e r l o b u n g mit ihm als gelöst be- trachte. Warum das Mädchen zu diesem Entschluß gekommen war, steht noch nicht fest. Franz W. hatte sich das so zu herzen ge- nommen, daß er beschloh, die Eltern zu veranlassen, um auswärts ein neues Leben zu beginnen. Die Eltern erhielten am Dienstag eine Karte aus hoppegarten von ihrem Sohn, aus der er mitteilt, daß er Selbstmord begehen werde. Bevor Franz W. Mörder on sich selbst wurde, beging er das furchtbare Attentat. W., der erst ganz kurze Zeit in Berlin weilte, hatte sich hier anscheinend obdachlos umhergetrieben und war schließlich nach Marzahn gekommen. Wahr- scheinlich aber wollte er sich an einer anderen ganz unschuldigen Frau dafür rächen, daß ihn seine Braut verschmäht hatte. Seine Leiche wurde in die Halle von Bornim gebracht. �reiheitsschallplaite. „Freiheitsmarsch der Eisernen Front", gesungen von Mit- gliedern des Berliner Schubert-Chors mit Blasorchester.—„Die Internationale". Degeyter, bearbeitet von Hermann Scherschen, Blasorchester.—„Rotgardistenmarjch"(Brüder, zur Sonn«), ge- jungen von Mitgliedern des Berliner Schubert-Chors.— Preis der Schallplatte: 1,50 M.— Zum„Marsch der Freiheit" ist ein Text- blatt zum Preise von 5 Pf. erschienen. Schallplatte und Textblatt sind im Büro des Bezirksausschusses für sozialistische Bildungsarbeit, Lindenstraß« 3, zu heben. um aM*1 Der neue Feuerzeug- Brennstoff in der Tube der /. 6. Farbenindustrie Aktiengesellschaft Bequem u. gefahrlos, da nach neuem Verfahren verfestigt, in Tuben verpackt. Belangt als wasserklare Flüssigkeit in das Feuerzeug. Unentbehrlich für Raucher u. Haushaltungen. Mit Bonalin wird ein Feuerzeug endlich zu einem zufriedenstellenden Gebrauchsartikel. Fragen Sie beilhremZigarrenhändler, in Drogerien, Apotheken, Bijouterie- und Feuerzeugläden oder in sonstigen einschlägigen Geschäften nach Bonoiln. Die Tube Kostet nur 85 Pfg. und reicht auf lange Zeit. Einzelhändler wenden sich an die Firma Heinrich Christier, Berlin SW. 29, GnelsenaustraBe 48. Telephon F. 6, Baerwald 7057 Eiserne Front- trotz alledem! Unsere nächsten Partei- und Betriebsveranstaltungen: Mittwoch, den 27. luli:. 18. Kreis Weißensee. 19� Uhr öffentliche Kundgebung im Schloßpavillon, Weißensee, Berliner Allee.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Siegfried Aufhäuser, MdR. S.Abt. Im Nationalhof, Bülowstr. 37, 195� Uhr öffentliche Kundgebung.„Kampf um den neuen Reichstag". Referent Max Heydemann, MdL, S2., 33. und 34. Abt. 20 Uhr öffentliche Kundgebung in der „Alten Taverne", Alt-Stralau 22.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Karl Hetzschold. 32. Abt. Siemensstadt-Haselhorst. 20 Uhr öffentliche Kundgebung In Weidners Fastsälen, Sternfeld.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Karl Litke, MdR. 35. Abt. Staaken. 20 Uhr öffentliche Kundgebung im Sportpalast Staaken.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referenten: Stadtverordneter Rohde und Dr. Kurt Löwenstein, MdR. 85. Abt, lichterfeide. 19� Uhr Wählerkundgebung in den Lichterfelder Festsälen, Lichterfeide, Zehlendorfer Str. 5. „Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Bernhard Göring und Luise Kähler, MdL. 84. Abt. Lankwitz. 19'A Uhr Wählerkundgebung bei Lehmann, Lankwitz, Kalser-Wilhelm-Str. 29/31.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Dr. Haubach. 101. Abt. Treptow. 19>- Uhr im Viktoriagarten, Inh. Gloger, Am Treptower Park 25/26, öffentliche Wählerkundgebung. „Gegen faschistische Diktatur— für die Freiheit der Arbeiterklasse". Referent Dr. Richard Mischler. 108. und 108 a Abt. Cöpenick. 20 Uhr öffentliche Kundgebung im Restaurant Stadttheater Köpenick, Friedrichstr. 6.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referenten: Kurt Heinig, MdR. und Käthe Kern. 120. Abt. Friedrichsfelde. 20 Uhr öffentliche Versammlung bei Tempel, Prinzenallee 45.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Otto Bach. 121. Abt. Karlshorst. 20 Uhr öffentliche Versammlung Im großen Saal des„Deutschen Hauses", Karlshorst, am Bahnhof. „Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Richard Joachim. 129. Abt. Pankow. 19'A Uhr öffentliche Kundgebung bei Lindner, Pankow, Breite Str.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Hermann Harnisch, MdL. 139. Abt. Tegel. 19H Uhr Kundgebung im Strandschloß, Uferstraße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referenten; Arthur Crispien, MdR., und Anna Geyer. 141. Abt. Rosenthal. 19� Uhr bei Manthey, Rosenthal, Hauptstraße, Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Erich Kuttner, MdL, Siemens-Bahnhalle,-Bleekwerk,-Autohallc. 16 Uhr Im Lokal Lange, Siemensstadt, Nonnendammallee 88, Betriebsversammlung.„Kampf um Freiheit und Recht". Referent Robert Breuer. Betriebsauswels legitimiert. Siemens-Sehaltwerk, 16H Uhr bei Vogel, Siemensstadl, Nonnendammallee 100.„Der Kampf um Freiheit und Recht". Referent Dr. Otto Friedländer. Nahrungsmittel- und Getiänkearbciler-Verband. 15>5. Uhr im Hackeschen Hof, Rosenthal.er Str. 40/41, Invalidenversammlung mit Frauen. Referent Max Gillmeister. Bamag. 16 Uhr Kundgebung bei Oehlschläger, Berlichlngen- Straße 5.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Gottlieb Reese. Arbeitsamt Ost. 16K- Uhr Kundgebung bei Seipke, Lichtenberg, Kronprinzenstr. 47, Ecke Scharnweberstr.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Max Brlnlfrer. Ludwig Löwe, Gesfürel. 16/6 Uhr im Lokal Sturz, Huttenstr. 9, Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Max Urich. Kundgebung der Eisernen Front für die Belegschaft der Firma Karstadt. 1916 Uhr Im oberen Saal von Kllems Festsäle, Hasenheide.„Unser Kampf gegen die nationalsozialistische Kapilalistenpartei". Referent Genosse Oltersdorf vom Gesamtverband. Bezirksamt Treptow. Betriebsfraktion. 1916 Uhr Im Viktoria- garlen, Treptow, Am Treptower Park 25/26, Versammlung der Eisernen Front(gemeinsam mit der 101. Abt. Treptow). Vortrag des Genossen Dr. Richard Mischler:„Gegen faschistische Diktatur— für die Freiheit der Arbeiterklasse." Donnerstag, den 28. luli: 2. Kreis Tiergarten. 1916 Uhr öffentliche Kundgebung im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclafstr. 24.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referenten: Siegfried Aufhäuser, MdR. und Mathilde Wurm, MdR. I.Kreis Wedding. 5 öffentliche Wählerkundgebungen 1916 Uhr im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42, Referent Kurt Heinig, MdR.; in beiden Sälen der Atlantiksäle, Behmstr. am Bahnhof Gesundbrunnen, Referenten; Fritz Schröder und Richard Joachim; im großen Saal der Pharussälle, Müllerstr. 142, Referent Hermann Schlimme; im kleinen Saal der Pharussäie, Müllerstr. 142, Referentin Anna Geyer. Thema in allen Kundgebungen„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". 7. Kreit Charlottenburg. 19'A Uhr zwei Wahlkundgebungen Im kleinen und großen Saal des„Edenpaiast", Charlottenburg, Kaiser-Friedrich-Straße 24.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referenten: Otto Bach und Hermann Harnisch, MdL. S.Krals Spandau. 20 Uhr öffentliche Kundgebung in der Jubiläumsturnhalle, Spandau, Askanierring.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Dr. Rud. Breitscheid, MdR. 9. Kreis Wilmersdorf. 20 Uhr im Viktoriagarten, Wilhelmsaue 114, öffentliche Kundgebung. Musik, pol. Kabarett, Ansprache Otto Meier, MdL.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". 11. Kreis Schöneberg. 20 Uhr Im Saal des Ledigenheims In der Siedlung Lindenhof, Eythstr., Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Bernhard Göring. 78. Abt. Wannsea. 20 Uhr öffentliche Kundgebung im Lindenhof am Wilhelmplatz.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Gottlieb Reese. 85. Abt. Tempelhof. 1916 Uhr öffentliche Kundgebung im Birken- Wäldchen, Tempelhof, Mantauffeistraße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referenten: Karl Dreisel, Robert Breuer. Filmvorführung. 83. Abt. Mariendorf. 19)6 Uhr öffentliche Kundgebung in der Aula der Ecksner-Oberrealschule Kaiser- Ecke Rathausstr. „Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Genosse Schliestedt. 100. Abt. Rudow. 1916 Uhr öffentliche Versammlung im„Julius- park" Rudow. SAJ.-Spleltruppe. Ansprache Karl Lltke, MdR. „Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". 109. Abt. Friadrlchshagen. 20 Uhr öffentliche Kundgebung im großen Saal des Gesellschaftshauses, Friedrichshagen, Friedrichstr. 137.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Dr. Kurt Löwenstein, MdR. 118. Abt. Lichtattbcrg. 1916 Uhr in der Schulaula Lichtenberg, Slegfriodslraße,.„Der. Freiheitskampf der Arbeiterschaft". Referent Stadtrat Otto Ortmann. 124a Abt. Mshlsdorf-Siid. 1916 Uhr öffentliche Wählerkundgebung bei Hubertus/ Köoenicker Allee.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Georg Maderholz, MdL. 133, Abt. Buchholz. 20 Uhr bei Kähne, Buchholz, Berliner Str. 39, öffentliche Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Dr. Richard Mischler. 134. Abt. Buch. 20 Uhr bei Göpfert, am Bahnhof Buch, öffentliche Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Dr. Julius Moses, MdR. 153. Abt. Reinickendorf-Ost. 1916 Uhr Im Schützenhaws, Res!- denzstr. 1,„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Dr. Haubach. 143. Abt Waidmannslust. 20 Uhr bei Zimmer, Lübars, Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Ernst Hildebrandt. Ehrich& Graetz. 1616 Uhr öffentliche Betriebsversammlung der Angestellten, Arbeiterinnen und Arbeiter im Lokal George(früheres Rennbahnlokal) am Bahnhof Treptow. „Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Franz Künstler, MdR. National Registrierkassen. 13 Uhr im Lokal Gambrinus, Neukölln, Kaiser-Friedrich- Ecke Treptower Str., Betriebsversammlung.„Die kommenden Wahlen". Referent Erich Kuttner, MdL. Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter. Verband. 2 Kundgebungen in der Löwenbracierel, Hochstr, 2 und im Ratzen- hofer, Landsberger Allee 24.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referenten: Max Heydemann, MdL., Lorenz Breunig. leiser Schuhfabrik. 16 Uhr im Gesellschaftshaus Ewest, Große Frankfurter Str. 30.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Karl Hetzschold. Efha-Werke Britz. 1616 Uhr bei Trlstam, Britz, Bürgerstr. 38/70, Kundgebung.„Sozialismus oder nationalsozialistische Phrasen?" Referent Max Urich. Werner, LUtzowstraBe. 16 Uhr Eiserne-Front-Versammlung Im Lokal Bärensprung, Lützowstr. 7.„Der Freiheitskampf der Arbeiterklasse". Referent Karl Dreisel. Bezirksamt Wedding. 16 Uhr im großen Saal Pharussäie, Müllerstr. 142. Kundgebung„Der Befreiungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Erich Raddatz. AEG. Turbinenfabrik. 15 Uhr im Nordwestkasino, Alt Moabit 56, Betriebsversammlung.„Die kommenden Wahlen". Referent Max Brinitzer. Westhafen. 17 Uhr, im Lokal„Sturmeck", Föhrer- Ecke Fehmarnstraße. Kundgebung„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Dr. Hans Cohn. Freitag, den 29.)uli: 4. Kreis Prenzlauer Berg. 1916 Uhr, Kundgebung auf dem Sportplatz an der Cantlanstraße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Ernst-Hildebrandt. 112. Abt. 19)6 Uhr, öffentliche Kundgebung Im Paradiesgarten Rahnsdorf.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Max Heydemann, MdL. 125. Abt. 20 Uhr, bei Eschrich, Kaulsdorf, Alf-Stralau 53, Eiserne- Front-Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Dr. Otto Friedländer. 139a. Abt. Tegel, Freie Scholle. 20 Uhr, öffentliche Versammlung im Schollenkrug, Hermsdorfer Straße.„Der Ent- scheidungskampt der deutschen Arbeiterklasse." Referent Fritz Schröder- Sonnabend, den 50. lull: 31. Abf.- Spandau. 19>6 Uhr, im Hohenzollernkasino, Spandau, .Wüütembezgstr. 7. Kundgebung„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Lorenz Breuhig. III. Abt Bohnsdorf. 20 Uhr, bei Heimann, Waltersdorfer Str. 100, öffentliche Kundgebung.„Die kommenden Wehlen." Referent Jockel Meier. 124. Abt. Mahltdorf. 20 Uhr, öffentliche Kundgebung im großen Saal von Anders, Bahnhofstr. 35/37.„Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse." Referent Paul Zippel. 132. Abt. Blankenburg. 1916 Uhr, öffentliche Kundgebung bei Klug, Dorfstr. 2.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Dr. Schützinger. Sorgt für Massenbeteiligung I Oskar WoKrle . SM WVS. � Dsx ie&tp Er weiß keine andere Antwort als diesen Notruf. Seine Lippen fangen in ihrer Todesangst an zu flattern wie die Flügel eines Zaunkönigs, der einem Vogler ins Garn ging. Großtropfig steht ihm der Schweiß aus der Stirne. Vitter rinnt's ihm durch die Brauen ins Auge. Und mit dem fließenden Schweiß bricht aufs neu hervor der Stoßschrei: „Jesu Christe, du Sohn des lebendigen Gottes, der du für uns gelitten, erbarme dich meiner!" Da zwängt der Vikarius des Reichs, Pfalzgraf Ludwig seinen Apfelschimmel vor und reitet dicht an den Scheiter- Hausen heran; „Magister, ein letztes Wort! Willst du nicht wider- rufen?!" Diese Frage zieht Hus hervor unter dem seelenzermal- Menden Felsblock der Todesangst und gibt ihn sich selber wieder. Er sieht am Pfalzgrafen vorbei, der im Prunk der ritter- lichen Rüstung schimmert, er sieht den schwitzenden Henker am Feuer hantieren und die Pechfackeln einschieben, er sieht den breiten Nußbaum mit dem satten, dunkelgrünen Laub, der sich kühlend hinter dem Reiter über dreihundert wartende Fußknechte breitet, er sieht in der verdämmernden Ferne das blanke Band des Rheins, er sieht dahinter wie aus durch- scheinendes Glas gemalt die Ä�ögelberge des Hegaus, er sieht hinein ins wolkenlose Blau. Abglanz der Sonne sieht er und die Macht und Pracht der Welt; in seinen Ohren rauscht und brauscbt es, Rauschen des Blutes oder viellausendflügliges Bienensummen, durch den Ruch des knisternden Pechs hin- durch schmeckt er den herben Odem der Brache und des gra» sigen Felds, die heiße Luft haucht ihn wie Weibesatem"an: o, es ist schön zu leben, o, es ist schön! Hoppe von Pappenheim, der Reichsmarschall, sieht dieses Schwanken. Cr reitet dem Pfalzgrasen zur Seite, der un- Seduldig die Lippen benagt, und, Hus einen Zettel vor die lugen haltend, sagt er: „Sei gescheit, widerrufe!" Wie zwei hungrige Sonnen brechen die Augen des an den Brandpfahl Gefesselten auf ihn ein. Der Marichall deutet den Blick falsch. „Ja!" drängt er.„Widerrufe! Schwöre ab, zeige Reue, so bist du des Todes verschont. Hier Hab ich das Gegenurteu zur Hand. Die heiligen Väter erkennen in diesem Fall nur auf Klostergefängnis." Hus begreifr. Man versucht zum letztenmal, ihn zu kaufen. Wucherpreis die Welt. Sein Leben soll er zahlen mit seiner Ueberzeugung. Wieder spürt er die gegen ihn anflutende Sommerluft. Aber es ist nicht mehr eines reinen Weibes Atem, es ist der Mundhauch einer Dirne. Wieder schmeckt er den Brodem der Brache und des grasigen Felds, aber es ist der Ruch der Ver» wefung. Wieder rauscht und brauscht es in seinem Ohr. aber es ist kein Bienensummen, es ist das ntilliardenflüglige Summen Satans, der als lauernde Bestie über der Welt sitzt, sie mit der Lockung des Bluts zu betören. Wieder sieht er den Abglanz der Sonne, die Macht und Pracht der Welt. aufgeschlossen allen Zuspruch der Landschaft, aber jetzt ist das alles nur Fangwert der Hölle. Selbst der gewaltige Nußbaum hinter den Reitern ist kein kühles, schirmendes Dach mehr, sondern eine grüngeballte Drohung, die dunkel aufsteigt aus dem dunklen Schoß der Erde. Wie unter einem Uebermaß des Lichts schließt Hus die Augen. Sollte nicht Christus in der Wüste ähnlich versucht werden vom Fürsten der Welt? Doch der Herr hat die Prü- fung bestanden, und wenn er jetzt herniederschaut aus den Himmeln, wo er sitzt zur Rechten des Vaters, zu richten am Ende der Zeiten über die Toten und die Lebendigen, so soll er ihn, seinen Jünger, nicht schwächer finden als sich selber. In diesem Augenblick stirbt in Hus die Kreatur und in aller Herbheit wird der Bekenner und Scholastiker wieder- geboren. Und herb und scholastisch ist auch seine Antwort, die er lautstimmig gibt:„Gott sei mein Zeuge, daß ich niemals das gelehrt oder aeschrieben habe, wessen mich falsche Zeugen bezichtigen. Die Wahrheit habe ich bekannigemacht, Gottes ewige Satzung. Ist das todeswürdig, so will' ich's gerne mit meinem Blute besiegeln!" Bei diesen Worten ist sein Antlitz brettflächig zur Sonne gewendet. Wie ein verklärter Märtyrer, schon hinausgehoben über Peinigung und Schmerzen, steht er da. Der Marschall ballt die Zügelfaust und zerknüllt wütend den pergamentenen Zettel. „So brenne denn, halsstarriger Schurke!" Er wendet brüsk und reitet in den freien Platz im Kreis zurück, dichtauf gefolgt vom Pfalzgrafen Ludwig, der sich noch immer die Lippen zerbeißt und vor sich hinknurrl: „Sigmund hat doch recht gehabt. Wahrhaftigen Gotts, an dieser Ketzertöle ist Hopfen und Malz verloren! Schad um das schöne Kienholz! Run zögert Ammon Weikli nicht länger. Er nimmt die schwelenden Fackeln aus dem Feuer, vsr- teilt sie an feine drei Gesellen, wartet ein paar Augenblicke, bis jeder an seinem Platz ist und schreit dann:„Feuer herfür!" In diesem Augenblick wird von allen vier Seiten der Holzstoß entzündet. Rauch wallt, eine Flamme stellt auf. gleichzeitig mit ihr ein befreites„Ah!" von zehntausend Stimmen. Mag der Haufen hoch flammen! Er verbrennt eine Un- zahl von Sünden mit; denn jedem der Zuschauer am grausi- gen Ketzerbrand ist von der Kirche ein vollkommener Ablaß verkündet. 30. Genau zur gleichen Zeit, da Hus im Brande des Scheiter- Haufens seinen letzten Schrei ausstieß, der bis ins Geltinger Tor hinein zu hören war. und der allen, die ihn oernahmen, sogar den dreitausend Gewappneten, das Herz zusammen- fahren ließ in der Brustkammer und ihnen schier das Blut in den Adern gerinnen machte ob seiner Oual und ob seiner Heftigkeit, ob des ungeheuerlichen Schmerzes, der sich darin ausdrückte, genau zur gleichen Zeit schrie auch Sigmund auf, der römische König deutscher Nation, der sich nach den Vor- mittagsstrapazen seines herrscherlichen Amts in die Arme und Betten der schönen Imperia geflüchtet hatte, jener be- gehrtesten und vornehmsten Buhlerin des Konzils, die durch den gestrigen Tod des hochwürdigsten Fürstbischofs von Tanten so plötzlich verwaist war. Zwar Halle die schwarze, quecksilbrig bewegliche junge Französin dem so jäh erloschenen niederländischen Kirchenlicht keine Träne nachgeweint, nein, nicht einmal den Schimmer einer solchen. Nur eine steile Sorgenfalte hatte sich senkrecht in ihre elfenbeinern glänzende Stirne gestellt und diese in zwei zuckende Vierecke geteilt, als sie einen flüchtigen Ueberfchlag machte und darüber nachsann, woher sie nun in der Elle, so von einer Stunde auf die andere, die Gelder zur Weiter- führung ihres kostspieligen und luxuriösen Haushalts b->- kommen sollte. (Fortsetzung folgt.) Ein Bild des Jammers. Klagen und Anklagen bei den Arbeitslosen. Im Zimmer eines Vorstehers der Arbeitslosen- Versicherung konnte man in diesen Tagen folgende er- schütternden Klagen und Anklagen oernehmen: „Ich bin Waise, soll ich mich von meinem 8l)jährigen Großvater denn miternähren lassen, der selbst nur eine kärgliche und eben erst gekürzte Rente hat? Oder warum gibt man mir nur noch 3,90 M. die Woche?"„Was??? 1 M. wagt man mir als Schwerkriegs- beschädigten anzubieten, wo ich doch schon diese selbe Mark wöchentlich als Fahrgeld zur Stempelstelle und zum Geldholen brauche. Schämt ihr euch denn gar nicht?"—„Mit fünf Kindern bekomme ich noch 12 M,, weil meine Frau einige wenige Pfennige als Reinmachfrau bekommt. Das kann doch nicht stimmen?"—„Verfluchtes voll- gefressenes Pack! Ne Bescheinigung will ick, denn det globt mir meene Olle nich, daß ick nur noch 6 M. de janze Woche kriege. Na, euch Hunde werd ick es schon besorjen. denn sehe ick zur Wohle!"—„Nich hilfsbedürftig?? Wer sagt det?? Ick habe jezahlt und verlange mein Jeld!"—„Bei euch piept's wohl?? Zwee Mark fufzig for mir und die Olle, weil ick ne kleene Rente habe. Wo sinn meine Beiträje??"—„Das kann nicht stimmen, ich habe doch 15 Jahre Beiträge gezahlt, wo bleibt mein wohl- erworbenes Recht? Die Feuerversicherung kann doch auch nicht sagen, ivenn es brennt, nun zahlt sie auch nichts mehr. So geht das nicht. Ich lege Einspruch ein." So geht es stundenlang, und stundenlang muß man immer und immer wieder sagen:„Ja, es stimmt, aus Grund der letzten Not- Verordnung können Sie nicht mehr bekommen. Sie haben das Recht des Einspruchs, aber herauskommen wird dabei auch nichts." Innerlich kocht es. Arbeitslose Kollegen, so schreibt uns ein Angestellter der Ar- beitslosenversicherung, laßt es euch gesagt sein: Alles Schimpfen und Murren hilft da gar nichts. Wir, wir kleinen Angestellten auf den Arbeitsämtern können euch nicht sagen: Das ist Hitler mit seinen Nowerordnungssoldaten. der euch diese Kürzung beschert hat. Aber auf diesem Wege sollt ihr arbeitslosen Kollegen wissen, daß wir mit euch empfinden und wissen, daß ihr mit den jetzigen Sätzen der Arbeitslosenversicherung nicht auskommen könnt. Als Amtspersonen dürfen wir nicht sagen, warum ihr weniger be- kommt. Wir dürfen nicht agitieren! Agitiert i h r. Sagt es einer dem anderen: Das ist Hitlers Notver- o r d n u n g. Dafür die Uniformen. Dafür der Rundfunk. Dafür Preußen. Und so könnte man stundenlang fortfahren. Agitiert, damit Hitler am 31. Juli die richtige Antwort bekommt!!! Oer Ltebersall auf Kamerad Wölfel. Heute Prozeß vor dem Echnellschöffengericht. Vor dem Schnellschöffengericht findet heute morgen die Ver- Handlung gegen die Nazis Ring und Genossen statt, gegen jene vier braunen„Helden", die am Dienstag. 12. Juli, in der Chaussee- straße den harmlos zu seiner Arbeitsstätte eilenden Reichsbanner- führer Wölfel überfallen und niedergeschlagen haben. Sie sind an» geklagt wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperoer- l e tz u n g. Zwei von diesen hinterhältigen Burschen standen erst vor kurzem wegen einer politischen Sache vor dem Schnellschöffen- gericht. Trotz Strafantrag des Staatsanwalts sind sie damals frei- sprachen worden. Einer von diesen beiden, der Nazi L ä h n, wird sich übrigens gleichfalls heute vor demselben Schnellschöffengericht wegen«iner Schießerei zu verantworten haben, die er-zusammen mit anderen Spießgesellen in einem kommunistischen Lokal veran- staltet hat. Die Schnellschöffengerichte sind neuerding» mit politischen Sachen derart überhäuft, daß parallele Sitzungen anberaumt werden müssen. Sechs Nazis überfallen einen Mann. Heldentaten der SA.-Aanditen in Wilhelmshagen. Nach echter Wegelagererart„arbeitete" gestern nachmittag ein Trupp SA.-Leute in Wilhelmshagen bei Berlin. Sechs uniformierte SA.-Leute lagen an einem Waldpfad im Hinterhalt und lauerten dem 19 Jahre alten Reichsbannermann Helmut W. aus Erkner auf. Als der Reichsbannermann auf feinem Fahrrade ahnungslos daherkam, stürmten die Naziwege- lagerer aus chrem Versteck hervor und fielen über den Reichsbanner- mann her, rissen ihn vom Rade und schlugen brutal auf ihn ein. Dem am Boden Liegenden entrissen die Banditen die Abzeichen und flüchteten. Der Reichsbannermann nahm trog seiner Verletzungen die Verfolgung der feigen Banditen auf und es gelang ihm, einen Polizeibeamten auf die SA.-Strolche aufmerksam zu machen, so daß einer der Banditen noch längerer Jagd gestellt werden konnte. Die Mordkumpane des Festgenommenen dürften bald ermittelt werden. „Freiheit!" auf der Spree. Mit vier großen Dampfern der Reederei Langwald u. Schmolle, die bis auf den letzten Platz besetzt waren, unternahmen die Berliner Parteigenossinnen eine Propaganda- fahrt über die Spree, die Oberspree, die Dahme bis nach Ziegenhals. Wenn auch das trübe und zum Teil recht regnerische Wetter Stimmung und Laune nicht wesentlich beeinträchtigen konnte, so wirkte es anfänglich doch verstimmend, daß die Schisse ohne Fahnenschmuck fahren mußten, eine Folge der Ausnahme- zustandsbestimmungen, deren rigorose Anwendung von allen Unter- nehmen als höchst überflüssig gefunden wurde. Aber Musik war auf den Schissen und gesungen wurde aus voller Kehle, und so konnten nicht nur Freunde und Sympathisierende auf dem Lande, sondern alle Nazis und Nazispießer die sozialistischen Kampslieder hören. Wo eine Brücke mit Menschen war, wo man Schiffen be- gegnete, wo Arbeiter und Arbeiterinnen aus den Fenstern der Fabriken sahen, da klangen wie helle Fanfaren lousendsach die Rufe Freiheit. Und immer wieder Freiheit! Die ganze Spree von Berlin bis dicht vor Königswusterhausen, am Mittag, am Nach- mittag, am Abend, hallt« wieder von diesem großen deutschen Kampf- ruf— Freiheit! Was die Mächt« der Reaktion mit ihrem Flaggen- verbot zu erreichen hofften, das wurde genau in das Gegenteil verkehrt: Die Frauen der Sozialdemokratischen Partei Berlin», die Frauen der Eisernen Front sorgten nach Kräften dafür! Die Stimmung war ausgezeichnet. Viele Frauen waren auch in der neuen, äußerst kleidsamen und flotten Tracht: blaue Bluse, roter Schlips und Baskenmütze, erschienen und so wurde auch auf diese Weise die Einhei. ichkeit, Einheit und Geschlossenheit wirksam demonstriert. wetleraussichien für Berlin: Wechselnd wolkig und ziemlich kühl, einzelne Regenfälle, westliche Winde.— Für Deutschland: Allgemein leicht veränderlich und ziemlich kühl, einzelne Regensälle. Berlin schüh Auch darum geht es am 31. Juli. Faschismus bedeutet Tod der Selb st vermal. t u n g! Schlagt Hitler am 31. Zull und erhaltet so auch den Gemeinden die Freiheit. Ueber ein Teilgebiet kom- mur.aler Fürsorge, die„hilfrslellung in der Rechtspflege", sprach kürzlich der sozialdemokratische Bezirksverordnete Carl P e r l s. Seinen wichligen Aussührungen entnehmen wir solgendes: Das neue Berlin greift weit mehr noch als das Berlin der Vorkriegszeit ein, um seinen Einwohnern in der Rechtspflege und Rechtsprechung„Hilfestellung" zu leisten. Wep immer Sorgen hat, ob ihm Ansprüche zustehen und wie er zu seinem Rechte kommen kann, der mag sich vertrauensvoll an die Rechts- auskunftsstellen wenden, von denen es 26. über das ganze Stadtgebiet oerteilt, gibt. Sie sind zum größeren Teil rein städtische Einrichtungen, während die vom„Gemeinnützigen Verein" betrie- denen von der Stadt bezahlt werden. An 90 Sprechtagen in der Woche wird hier über Arbeitsrecht, Kriegsopferversorgung, Polizei-, Schul, und Steuersachen, Zivilansprüche, Prozeßrecht usw. Aus- kunft erteilt. Im letzten Jahre wurden 146 909 Besuche gezählt, und trotz grundsätzlich mündlicher Erledigung wurden 38 999 Schrift- stücke angefertigt. Wer als Mieter Streitigkeiten mit seinem Hauswirt über den Betrag der wirklichen Miet« hat oder wem der Hauswirt die Taufchgenehmigung verweigert, wird sich an eins der 29 Miet- einigungsämter wenden, falls die Jahresmiete nicht mehr qls 1899 M. beträgt und gewerbliche Räume nicht in Frage kommen. Angegliedert sind die Klein garten-Schieds- geeichte, die die Streitigkeiten zwischen Pächtern und Verpächtern schlichten. Wenn ein Mieter auf Räumung verklagt worden ist, so greift nach Prüfung der Sache das Bezirkswohlfahrtsamt ein, um eventuell durch llebernahme eines Teiles der geschuldeten Miete größeren Schaden abzuwenden. Berlin an Vaterstelle. Die S o z i o l e K e r i ch t s h i l f e der Stadt Berlin greift in die Strafrechtspflege ein, indem jährlich in etwa 19 999 Fällen bei Straftaten Jugendlicher besondere geschulte Kräfte vor t dein Recht. — Wohin man sich wenden muh. Gericht zu deren Schutz mit auftreten, und auch sonst eine weit- gehende fürsorgerische Betreuung Hand in Hand mit den Bezirks- fugendämtern durchgeführt wird, wobei es sich insbesondere um Strafaussetzung und Schutzaufsicht handelt. Daß die Stadt sich der vielen Tausend von Waisen aller Jahrgänge bis zur Volljährigkeit in jeder Hinsicht liebevoll annimM und ins- besondere die Vormünder stellt, ist allen bekannt. Hierbei ist das System der Amtevormundjchaften durchgedrungen, indem be- londers ausgebildete beamtete Perjonen je eine größere Anzahl von Waisen zu betreuen haben und daneben Pflegschaften ausüben. Mehr als 59 999 Vormundschaften und mehr als 12 999 Pflegschaften führt die Stadt zur Zeit, und mehr als 5999 Prozesse mußten im letzten Jahre im Interesse der Mündel neu angestrengt werden. Daneben betreibt Berlin eine richtiggehende Adoptionsoer- m i t t l u n g, indem man Kindern aus dem Waifenhaufe nach sorgfältiger Prüfung zu neuen Eltern verhilft. Wenn es sich um Beleidigungen, leichte Körperverletzungen oder auch um z i v i l r e ch t l i ch e Streitigkeiten handelt, muß man bzw. kann man zum Schiedsmann gehen: erst das Schiedsmanns- aticst bildet die Grundlag« für Privatstrafklaxen. Die 519 Schieds- männer in Groß-Berlin und ihre Stellvertreter bestellt die Stadt, während das Gericht ihre Ernennung vollzieht. Für die Straf- rechtspfleg« beschafft Berlin dann weiterhin die nötigen Schöffen und Geschworenen, auch für d'e Jugendgerichte, indem sie durch Vertreter bei der Auswahl dieser Laienrichter aus den Ein- wohnerlisten mitwirkt. Ein städtischer Funktionär, der sehr stark im Rechtswesen tätig ist. ist der Bezirksvorsteher. Er führt Rechts- hilfeersuch«« von Behörden au? und hat, mit einem Dienststempcl versehen, die Befugnis, Unterschriften auf Urkunden zu beglaubigen. Diese seine sozusagen notariellen Dienste haben noch den Vorzug der Unentgeltlichkeit. Er stellt insbesondere auch die� letzt not- gedrungen viel begehrten Armutsatteste aus. ohne deren Ertellung das Gericht einer Partei das Armenrecht nicht be- willigen darf. Neben der Sorge für alle möglichen anderen Lebens- und Kulturbedürfnisfe der Bevölkerung stellt die Tätigkeit der Stadt für die Rechtspflege und zur Unterstützung ihrer Bürger hierbei eine recht beachtliche Seite des kommunalen Aufgabenkreises dar. Auch da» gilt es am 31. Juli zu erhalten! Oer Schlichter als Todesopfer. Menschenleben gilt nicht viel. Aus welch nichtigen Anlässen in dieser mit politischen Spannungen überhitzten Zeit Menschen schnlksios ums Leben kommen, dafür lieferte ein« Gerichtsverhandlung vor dem Schöffen- gericht Berlin-Mitte den schlagenden Beweis. Drei junge Menschen, von denen einer früher der Kom» munistischen Partei angehörte, hatten sich wegen Landsriedensbruches zu verantworten. Es war am 4. Juli. Ein Zug der Demonstranten der Eisernen Front näherte sich d«m Kottbusser Tor. Die Zuschauer- menge, in der Hauptsache wohl Kommunisten, richtete ihre Aufmerk- samkeit einem Nazi in gelber Uniform zu. Als er floh, verfolgte ihn die Menge. Der zufällig anwesend« Kriminalassistent L e p s k i stellr« sich schützend zwischen den Nazi und seine Verfolger. Er iegitimiert« sich als Kriminalbeamter, der Nazi tonnte in da» SA.-Lokal Skalitzer Straße flüchten. Die hinzuströmende Menge nahm eine drohende Haltung gegen den Kriminalbeamten ein: es wurden Ruf« laut: Das Ist auch solch einer. Besonders ein junger Mensch, es war der heutige Angeklagte Reuter, nahm wiederholt gegen den Kriminalassiflenten Boxerstellung ein. Die Lage des Be- amten wurde immer bedrohlicher. Er zog die Pistole. Ein etwa Fünfzigjähriger versuchte zu schlichten, sagte zum Beamten: Stecken Sie doch die Pistole ein. Die Menge bedrängte aber weiter den Beamten. Er sah sich gezwungen, einen Schuß abzugeben, un- glücklicherweise traf die Kugel den fünfzigjährigen Mann, der hatte schlichten wollen. Der Mann starb später an der Verletzung. Der Beamte hatte sich durch den Schuß ein wenig Raum geschassen, er flüchtet«, die Menge hinter ihm her. Der Angeklagte Reuter ver- folgte ihn in einer Taxe, die Menge holte den Beamten vor dem Lokal Elitesänger ein. schlug ihn zu Boden, bearbeitete ihn mit Füßen, Reuter entwand ihm die Pistole und lies mit ihr davon. Er wurde am Kottbusser Ufer verhaftet. Der Kriminalasfistent wurde ins Krankenhaus gebracht. In der Verhandlung war ein Nachweis, daß die beiden anderen Angeklagten an dem Landfriedensbruch beteiligt waren, nicht zu führen, Reuter erhiell wegen Landfriedensbruches acht Monate Gefängnis. » Am kommenden Mittwoch, dem 27. Juli, findet vor dem Schnellschöffengericht die Verhandlung gegen die Nazibestien statt, die auf der Chausseestraße über den Reichsbannerführer Max Wölfel hergefallen sind, al« er sich auf dem Wege zu seiner Arbeitsstätte befand. Angeklagt sind vier Nazis wegen gefährlicher Körperverletzung aus politischen Beweggründen. vsrNn«' Am 31. Juli gilt«s auch das Werk dar Sexial- deraokralle im neuen Berlin zu schützen. Sozialdemokratischer Aufbauwille hat Volksparks,Qrünaniagen,Sporlpiatsef Bade- anstaiten, Hallenbäder, moderne Schulen, moderne Krankenhäuser u. seitsparende Verkehrs- mittel geschaffen. Sozialdemokraten brachten Licht, Luft u-Soniie auch den Acrmsten näher. Soll das alles umsonst gewesen sein? Nein und abermsls neinl Das Werk der Arbelt bleibt erhallen, wenn Jeder seine p lieht tut. Jeden Tag, Jede Stunde gilt es zu nutzen zur Werbung für den Sieg der Listel Die Stunde ist ernstl Jeder tue seine Pflicht I Salzsäure, das neue Nazi-Kampfmittel. Einen nichtswürdigen Bubenstreich leisteten sich die Nazi» in der Nacht zum Dienstag im Nordosten Berlins in der Lichtenberger Straße. Vom Dach des Hauses herunter gössen sie Salzsäure auf die im dritten und vierten Stock aushängenden drei Frei- heitsfahnen, die durch die Flüssigkeit stark beschädigt wurden und nun in Fetzen herunterhängen. Auch der Blumenschmuck der darunter liegenden Balkons ist von diesen Kulturerneuerern durch die Flüssigkeit so gut wie vernichtet worden. Schnell gesaßt haben unsere Genossen und Kameraden neben den zersetzten Fahnen, die man hängen läßt als Instrument der Schande, ein Transparent mit der Inschrift angebracht: Salzsäure, da» neu« Kampf- mittel der Nazis. Außerdem sind natürlich neue Fahnen an- gebracht worden. Der Vorfall hat großes Aufsehen erregt, daß von allen Seiten Pressephotographen herbeieilten, um diese neueste im Namen Hitlers verübte Schandtat tm Bild festzuhalten. Wieder überfüllte Versammlungen. wo auch die Eiserne Front Berlins in der weiten ViermiMonen- fladt Versammlungen abhalten mag, zeigt sich das gleiche B>ld: ein gewaltiger Andrang der Massen und eine begeisterte Kampfstimmung. Die Versammlung beispielsweise, die gestern an der Ecke hohenzollern- und Eisenacher Straße abgehalten wurde, mußte polizeilich gesperrt«erden, und allzuviele mußten unverrichleler Dinge wieder helmkehren. Da» temperamentvolle Referat des Genossen Dr. M l s ch l e r wurde immer wieder von Beifallsstürmen unter- brachen. Die Eiserne Froni ist ln siegreichem Vormarsch! Dafür legte auch diese Versammlung ein schönes und erhebendes Zeugnis ab. Die polizeiliche Haus wurde gestern um 14 der Ettydruckeres lm Karl-ciebknechl- hr ausgehoben. -/in« dem Juli-Programm Severing spricht in Ihrem Heim... am 80. Juli, 7 Uhr, über die bevorstehende ReichstagSwahl. sichern Sie sich mit einem guten„Gractz Induktor-Äraftsyslem- Laut» sprecher" eine absolut klare Rundfunk- Wiedergabe, die durch jede uovcrbiodliche Vorführung im Fachgeschäft bewiese» wird! Graes Induktor. Krastsystem- Lautsprecher Nr. 8001 RR 58,80, Nr.»8 NM 42,80 Nr.»8 Ewbausertiges Chassis RR 18.80 Kimendungen für dtele Nudrit stnd| V e r l i v SW 68, Liudenstraße 3. Parteinachrichten /MA für Grsß-Derlin stet» an das Beztrtssetretarra» Z. Hof, 2 Trevven rechts, zu richte» Beginn aller Veranstaltungen l9Vz Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 5.««I«. Heute. 18� Uhr, FunltionSrinnensitzung in der Alten Taverne. All« Dampserlarten sind abzurechnen. 28. Srcis. Donnerstag. 28. Imli, 15 Uhr, Zusammenlllnfte kirverbsloler Partei» 2». Kreis. Donnerstag, 28. Juli, 15 Uhr, Zusammentiinfte erwerbsloser Partei» Reichsbanner. Bootshaus Tegel.„Unser Kamps sür die Freiheit", Rescrent Artur Borner. Reinickendorf. Ost in der Baracke Lindauer Straße.„Unser Kampf für die Freiheit", Referent Paul Bernstein. 3. Abt. Heute Zahlabcnde in den bekannten Lokalen 32. Abt. Heute Zahlabend des Zlll./Z05. Bezirks bei Schröder, Friedrichsfelder Straße 25.„Befreiungskampf der Arbeiterklasse", Reserent Marcel Komend» zinski. Die Gruppen 1, 2, 1, 5, 8 tagen Donnerstag. 28. Juli, bei Ewest. Große Frankfurter Str. ZV.„Befreiungskampf der Arbeiterklasse", Referent Dr. Otto Manchen. 38. Abt. Freitag, 2S. Juli, 2V Uhr, wichtige Funitionärsißung bei Bartusch Materialausgabe. M. Abt. Morgen. Donnerstag, 28. Juli, feiern unsere braven alten Partei. Mitglieder Genossin und Genosse A. Michaelis, Gharlottenburg, Franklin. ftraße IS, ihre goldene Hochzeit. Die besten Glückwünsche des Abtsilungs. Vorstandes. 8S. Abt. Heute Zahlabende in den bekannten Lokalen. S2. Abt. Heute Zahlabende: 2Sa., 5t., 55. Bezirk bei Rittert, Harzer Str. 88: 51.. 58., KV. Bezirk im Lägerheim, Wildenbruchstr. 81: 5S. Bezirk bei Fischer. Heidelberger Str. 31. »3. Abt. Heute Zahlabende: 112., 113., 115. Bezirk bei Just, Riemetzstr. IS. 124. Abt. Heute Funktionarsißung an bekannter Stelle. 1ZS. Abt. Sämtliche Parteimitglieder beteiligen sich beute an der Kundgebung in Rosenthal. Näheres siehe Kalender der öffentlichen Veranstaltungen. IWs. Abt. Donnerstasi, 28. Juli, treffen sich alle Genossen zur Teilnahme an der Kundgebung ,n Lübars bei Zimmer, IS Uhr, Nordbahnhof Wittenau. 143. Abt. Donnerstag, 28. Juli, öffentliche Kundgebung in Lübars. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 13. Abt. Unser Genosse Hermann Bühles, Wilhelmshavener Str. 14. ist im 85. Lebensjahre verstorben. Ehre feinem Andenken! Die Einäscherungs. seier findet am Donnerstasi. 38. Juli, 171, Uhr, im Krematorium Gerichtstraß- statt. Um recht rege Beteiligung bittet der Abteilungsvorstand. 34. Abt. Am 21. Juli verschied durch Freitod der Genosse A u g u st Denke, Warschauer Str. 78. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Donners- tag, 28. Juli, 14 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. SS. Abt. Am 22. Juli schied Genossin Charlotte Zesche freiwillig au» dem Leben. Ehre ihrem Andenken! Beerdigung Mittwach, 27. Kuli, 18 Ubr. auf dem Gemeindefriedhof in Britz, Chausseestraße. Um rege Beteiligung wird gebeten. SozialistischeArbetterjugendGroß-Verlm Einsendungen sür diese Rubrik nur an das Zugends-kretariat Berlin SÄ 68, Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe rechts. Achtung, WB.. Leiter! Die„Funktionär-Information" Nr. 3 kann heute ab 13 Uhr vom Sekretariat abgeholt werden. Die Abgabe erfolgt an Genossen, die nicht WB.-Leiter sind, nur gegen Ausweis. Für interessierte Genossen findet heute, 20 Ubr, im Vortragssaal in Neu. kölln, Kanner Straße(U-Bahn Südring) eine Veranstaltung der Neuköllner Spieltruppe statt. Appell der Eisernen Front am Freitag, 29. Juli. 19 Uhr. im Stadion Reukölln, au der Leinestraße(U-Bahn- hol Leinestraße). Eintritt 30 Pf. Karten sind im Sekretariat erhältlich. Alle Abteiluugsveranstaltungen fallen aus. heule, Mittwoch, 20 Uhr: Gesundbrunnen RF.: Koloniestr. 8: Buntes Monatsende.— Humannplaß: 18 Uhr ,.Erer".— Baltenplatz: Sportplatz Friedrichshain.— Warschauer Viertel: Eoorrplatz Friedrichshain.— Spandau: Lindenufer 1: Heimabend.— Tempelhof: Götzstraße: Kampfliederabend.— Bauwschulenweg: Königsheide.— Adlcrsbof: Bismarckftr. 1:„SA5i. und Sozialismus".— Falkenberg: Gutshof: Heimabend. — Friedrichshaqen: Friedrichstr. 87:..Rußland".— Köpenick l und II: Verfamm- lung im Stadttheater Köpenick.— Lichteuberg-Mitte: Sckarnweberftr. 22: Heim- abend.— Reu-Lichtenberg: Gunterftr. 44:„Politische Zeitungssckau".— Lichten- berq-Nord: Gunterstr. 44:„Nacktkultur".— Mahlsdorf: Melanchthonstr. 63: Mitgliederversammlung. Werbebe»i''k Tiergarten: 18 Uhr Hinsnplotz. 19 Uhr„Nationalhof", Bülow- stroße. Beteiligung an der öffentlichen Versammlung der Partei. Morgen, 18 Ubr, Kleiner Tiergarten. Werbebe�irk Mitte: Mitaliederr>e�f'''mmlung„Nosenthaler Hof", Rosenthaler Straße 11—12, 19�? Ubr.„Die politische Lage." Werbebezirt Pankow: Kundgebung der Partei im Konzerthaus(Lindner), Marktplatz.__ Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwor;-Ro<-Go!d" Geschäfts st eile: Berlin S. 14. Sebastionstr 37—38 Hot 2 Tr Pankow(Ortsverein): Donnerstag, 28. Juli, 18-� Uhr, Antreten Heinersdorfer Brücke. Kameraden, die Besitze eines Fahrrades sind, treten mit Fahrrad an. Tambourkorps mit Instrumenten. Arbeiter- Samariter- Bund e. v.. Kolonne Verlin. � Geschäftsstelle: Rv. 43, Iostystr. 4. Telephon: E 3 Königstadt 5440. ff/ Abteilung Wedding: Die Mitgliederversammlung am 28. Juli fällt aus. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhintcr- blieben, Gau Berlin. Mittworb, 27. Juli. 20 Uhr, finden Kundgebungen statt mit der Eisernen Front in den Sophien-Sälen, Sophienstraße; Schultheiß. Patzenhofer Brauerei, Ebausseestraße und in der Schloßbrauerei SchönebeVg, Hauvtstraße. Erscheinen ist Pflicht. Brboiter-S�nograp.hcuvercin G?oß-Berlin. Mitglied des Arbeiter-Stenv» wachfene, 1 M. Jugendliche, 50 Pf. Erwerbslose. 10 Pf. Krisen- und Wohl- fohrtsunterstützunasempfänger. Weitere Auskunft erteilt Otto Wenghoefer, Vor- sitzender, Velten x. d. Mark, Wilhelmstr. Iva. Anmeldungen für unsere rm September beginnenden Anfängerkurse werden schon entgegengenommen. Kport. Rennen zu hoppegarten. Preis von Hesdemiihle. 1. Pommernländer(Harrp Sckimidt): 2. Rögau: 3. Lü?ow, Toto: vS; 10. Platz: 28, 22. 21; 10. Ferncr liefen: Bcnusta i4,), Feldpost, Urfehde, Miß Angiae., Mack's vor, Preis vom Fließ. 1. Marscholl(Haynes)! 2. Rigoleito: 3. Maienblüte: 4. Laus, Tvlo: 45:10. Platz: 13, 12, 22, 19:10. Ferner liefen: Toso. schwarzer Adler, Maekubee, Gambrinus, Lampenputzer, Liickclländer, Scävola, Goldene Aue, Tcmui Preis von Fichtenau, l. Alemonni:? IM. Zchmidti: 2. Faienza: 3. Bittsteller. Toto: 47: 10. Platz: 16, 16, IT": 10. Ferner liefen: Tenor<4.), Ncbukndnezor, Chikago, Ledina. Siorn-Rcnnen. 1. Trojaner iGrabsch«: 2. Heimwebr: 3. Bersepolis. Toto. 27: 10. Platz: 16, 43, 19; 10. Ferner liefen: Binfe<4,), Maiflieder. Melodie, Wanderlied, Preis von Exocrsdors. 1, Lberslolz iJajdik: 2 Kameradschaft: 3. Anita: 4, Kruzitürken. Toio: 50: 10, Platz: 18, 32. 16. 29: 10, Ferner liefen: Taubnessel, Wunderkind, Perasperum, Fredschar, Fidclia, Meutra, Arlecchino, Aron, Piano, Belprano, Manitoba, Preis von Birkenstcin. 1, Palfren(L, Schmidts; 2, Adebar: 3. CrM- knabe, Toto: 59:10. Platz: 18, 42, 32: 10. Ferner liefen: Tantris s4,), Tionvs, Avanti. Hcrobias, Preis von Hessenwinkel. 1. Gardeinsier sBinzenzs; 2. Heuchler: 3. Ro- drigo, Toio: 81: 10. Platz: 20, 15, 21; 10. Ferner liefen: Marion 14,1, Nomos, Haarflocke. Silberfuchs, Pilot, Maientag, Wratislavia, Gilgamesch. 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Juli 1832 Da» Amton-vichk. - 12 K. 89 32.— Nordseebad Ihren Urlaub im schönen Thüringer Walde im herrlichen Erzgebirge in siimmungsroller Heide- landschafl im märkischen Seengebiet In den Heimen Strandbad— Kurbad ftDUffU Wellenbad{Allosraeine DeuisdieGeseiisAaft für sdB8BSffWM,e Hu/is, vermittelt die Uf uoiKsoohn Jedes Mitglied erhält jährlich 10 bis 11 Vorstellungen im ib. am Büiouipiatz 1 bis 2 Verstellungen inderstaaisouer Nachmittagsabteilungen mit 6 Vorst, im Th. am Bülowplatz(Sonntag nachm.) und 1 Oper Auf Wunsch stet» auch 2 Vorsiellungen im SchiUcr-Theater Charlottenburg Vorsiellungsbesuch auf allen Plätzen 1.50 JZZdrfz Nachmittags-Vorstellungen 1.10 M.:: Opern-Vorstellungen 2�0 M. Keine Vorauszahlungen. Auslosung der Plätze vor jeder Vorstellung Zahlreiche Sonder Veranstaltungen(Musik, Tanz, Kabarett) Ohne Mitgliedschalt in der Volksbühne E. V. ferner Abonnements iür 10 Vorstellungen des Theaters am Bülowplatz. Feste Plätze nach eigener Wahl. 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Horney/ Käte Haack/ Lotte Stein/ Genia Kurz usw STAATSOPER Wagner: Der fliegende Holländer/ Mozart: Cosi tan tutte/ Verdi: Rigol etto/ Der Maskenball/ Falstaff/ Die Sizilianische Vesper/ Schillings: Mona Lisa/ Mas- cagni: Cavallena rusticana/ Leoncavallo: Bajazzi/ Joh. Strauß: Eine Nacht in Venedig/ Wiener Blut usw. SCHILLER-THEATER Hauptmann: Die versunkene Glocke/ Wellenkamp: Theres geht vorüber/ Wal- lace u. Roth: Platz oder Sieg/ Stolz; Wenn die kleinen Veilchen blühn/Shakel speare: Der Widerspenstigen Zähmung/ Corrinth: Hallo! nur Mut/ Ein Berliner Volksstück mit Musik u.a.m. Prospekte und Anmeldungen in 200 Zahlstellen, u.». bei sämtlichen Theaterkassen der Firma Tietr, im K. d.W„ in der Volksbühnen- Buchhandlung. Köpenicker Straße 68, sowie in der Haupigeschäfisstelle. C 25, Linienstraße 227(Th a Bülowplau), D 1, Norden 2944.— Abonnementsbestellungen ausschließlich im Abonnementsbüro, C 25. Linienstraße 227, D I, Norden 2944 Parzellen taufen Sie billig, bei günsiig. 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Die Einäscherung hat in aller| Stille bereits staltgefunden. taufen alle UilDIIJpi� ore! larttn, tofeln, Senkel. Sei. d, sonder,-- r fen, Messer. Kra. Aus?i!8w,no™ K®t-'»'d. Sißle. wetten, Hofenträ. L Smbaten®is Ich bin iu allen Kranken- offen zugelassen. ger, Rasierklingen bei Haberfeld, Roch, stroße. Ecke Münz, ftraße. »isüiilngzzillcüs. uiijzens ll!w. Leihhan» Lowicki oerkauft zu un> glaublich billigen Preisen wenig ge- tragen« sowie neue Herrengaiderobe. Herren, u. Damen- pelze. Weitester Weg lohnt Keine Lombardware. Prinzenstraße 105. eine Treppe. Hosen für Zimmerer und Maurer. Wilhelm Pahr, Brunnen» strafte 78. Werna getragene Kavallergarderobe oon Millionären. Aerzten. Anwälten. FobelhasI billige Preise, Empfehle Taillenmäntel, Pa Preis. Möbel, und Lombardspeicher Landau. Monbijou, platz 10. Dreißig Ankleideschränke pottbillig, Monbi. jouplatz 10.' Küchen. spottbillig, Monbi. jouplatz 10. Speisezimmer, 200 breit, modern, alle« rund, 390,—. Monbijoupietz 10. Cond), Bettcouch. 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Der Verstorbene hat mit warmem und aufrichtigem Herzen seiner Sache gedient und hat stets erkennen lassen, daß er auch Tür die Arbeiterinteres.>en einzutreten und zu wirken verstand, wofür wir ihm hier an dieser Stelle noch besonders danken Seine wertvollen Dienste, seine treue Kameradschaft und sein Wirken im Vorstande der Kasse werren wir nie vergessen und sein Andenken stets in Ehren halten. Be rl i n, den 25 Juli 1952. Der Vorstand der Ortskrankcnk&sie für da. Maarergewcrbe ra Berlin. Die Beerdigung hat bereits stattgefunden Monetsmiete. Pi. onofabeif Link, Brunnensireße 35. 6v*tt billigt Merkenpienes. Gr- legenheiten. Leb.. W_ letets Arecks Sme. htenn. Klemer- Waldung Bade. fine*' Gehrocken.7>auer. Alexander, fttonb, Rudern. «•ige.'Hofen. Sport. Straße«7. Angeln, GuteJPer. Gehpelze. Damen- Mäntel. Gelegen. I heitskäufe in neuer ß ItuUiü Garderobe. Weite- st er Weg lohnend. l. Wahlresultate Lothrti'gerstrane 56. hliren Sie am� Dakifl. 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Wenn die ökonomischen Verhältnisse und Notwendigkeiten mit uns sind und nicht mit Hitler, werden wir die Nationalsozialisten am 31. Juli schlagen, um sie in der weiteren Zukunft endgültig zu vernichten. Wie kam es zu dem preußischen Zwischen- spiel? Man tut der jetzigen Reichsregierung nicht unrecht, wenn man die Motwe ihres Handelns gegenüber Preußen in den Umständen sucht, die sie zur Macht brachten. Grandseigneure des Ostens und des Westens, die das Ohr des Staatshauptes hatten, wollten ihren wirtschaftlichen Bankrott nicht wahr haben. als die Vrüning-Regierung, um den Gesamtbantrott Deutschlands zu verhindern, offiziell diesen Staatsbankratt feststellen wollte. Deshalb griffen sie, nachdem das Parlament gelähmt und das ihnen geneigte Staatsoberhaupt der entscheidende politische Machtfaktar war. zur Macht. Da jede parlamentarisch-legale Vertrauensgrundloge fehlte und auch nicht zu schaffen war, stützten sich die neuen Macht- haber im Einverständnis mit dieser auf die Nationalsozia- listische Partei und wurden politisch deren Gefangene. Als die Notverordnungen mit den einseitigen Opfern der beherrschten und den einseitigen Privilegien der herrschenden Schicht und als der Lausanner Pertrag mit dem eindeutigen Bankrott der politischen Berhandlungsziele die Wahlaussichten der Nationalsozialisten ver- fchlechterte— denn dos Volk ließ sich über die eigentliche Verant- wortung der Nationalsozialisten nicht täuschen—, da präsentierten Hitler, Straßer und Frick ihre Wechsel: die Folge waren die Ereignisse in Preußen. Sozialdemokratie und Gewerk- schaften haben das Vorgehen gegenüber Preußen als gewalffam und verfasiungswidrig gebrandmarkt: die Eiserne Front führt den Kampf mit aller Kraft zunächst als Wahlkampf weiter. Diese Be- schlüss« sind in dem Bewußtsein gefaßt, daß die Entscheidung der Volksmehrheit gegen die jetzige Reichsregierung und gegen die Na- tionalsozialistifche Partei fallen wird. Diese Auffassung ist nach der historischen und ökonomischen Situation in Deutschland gerechtfertigt. Wer steht denn hinter der Regierung Papen und welche ökonomischen Wachtquellen hat sie? Wir leben in einem hochindustrialisierten Lande in hochkapita- lfftischen Verhältnisien. Zwei Drittel der Gesamtbevölkerung wer- den von der Sozialversicherung erfaßt, leben olfo in proletarischen Verhältnissen, gehören der Arbeiterklasse an. Zur Bauernschaft und zum gewerblichen Mittelstand gehören, nachdem die Rentnerschicht größtenteils verschwunden ist, fast ausschließlich Existenzen, die als proletarisch anzusprechen sind. lieber llg Prozent des Volkes müssen der n i cht b e s i tz« n d e n Klasse Zuge- rechnet werden. Nach der Klassenlage müßten alle diese Schich- ten Gegner der Papen-Regicrung und auch— nach deren Ent- larvung— der Nationalsozialisten sein. Hinter der Papen-Regierung stehen— abgesehen von den Nationolsozialfften— nicht einmal die restlichen zehn Prozent. Nicht alle von diesen zehn Prozent sind nämlich Bankrotteure oder hohe Pensionär« des alten Systems oder fona- tische Privatleute ehemals privilegierter Kreise. Nicht alle von diesen zehn Prozent sind der Meinung, daß in einem hochkapita- listischen und hochindustrialisierten Lande der Hunger und die Aus- beutung der Arbeitskraft keine Grenze hat und daß ein« hoch- kapitalistische Wirtschaft ahne politisch freie Arbeiter, Angestellte und Beamte möglich ist. Es ist in der Tat nur eine„hauch- dünne ökonomische Schicht*, die hinter der Regienzrg Pape» steht, und diese Schicht besteht fast nur aus wirtschaftlichen und politischen Bankrotteuren und ihrem zahlenmäßig kleinen Anhang. Natürlich ist diese dünn« Schicht durch ihre Verbindungen, durch die von ihnen repräsentierte Traditionsmacht und durch ihren nominell noch bestehenden Reichtum mächtiger als ihrer Zahl entspricht: sie finanziert ja auch die nationalsozialistische Be- wegung. Aber wir leben am Ende der schwersten Wirtschaftskrise, die die kapitalistische Welt j« gesehen hat, und der Verlauf dieser Krise hat die Verantwortlichkeit dieser Kreis« für das heutige Elend den ollerweitesten Volkskreisen klar wer- den lassen. Die ökonomischen und psychologischen Machiquellen dieser Schicht müsien aber in demselben Maße versickern, in dem sie zu ihrer Erhaltung das soziale Unrecht vertieft und die polltische Gewalt mißbraucht. Nun ist aber gewiß die Nationalsoziali st ische Par- t ei, aus die die Papen-Regierung sich stützt, noch eine gewaltige Macht. Sie wird am 31. Juli die stärkste Partei wohl auch im Reiche sein, nachdem sie es in Preußen schon am 24. April gewor- den ist. Die Spekulation mancher Wirtschasts- und Feudalkreise, die hinter der Papen-Regierung stehen und durch Hitler den Faschismus und damit wenigstens die zeitliche Aufschiebung des Sieges der Arbeiterklasse und einer neuen Wirtschafts- und Gesellschastsord- nung wollen, geht natürlich auf einen Sieg der Nationalsozialisten. Aber es steht schon heute fest, daß Hitler am 31. Juli nicht entfernt in dem Maße siegen wird, wie er es hoffte, so daß man von einer Niederlage wird sprechen können. Wird aber der Vormarsch Hitlers gestoppt, verbessern sich gleichzeitig die Voraus- fetzungen zur Ileberwindung der Weltwirtschaftskrise— und sie haben sich jetzt schon gebessert— dann beginnt auch der Absturz der Nationalsozialistischen Partei als Volksbewegung. Hitler ist der Einbruch in die sogenannte„marxistische Front*, die heute die Eiserne Front unserer Partei, der Gewerkschaften und der übrigen proletarischen Verbände ist, nicht gelungen. Hitlers Bewegung ist nicht der Repräsentant einer aufsteigenden Klasse wie der Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenschaft, sondern einer absteigenden Klasse. Er wird finanziert von Bankrotteuren des politischen und Wirtschaft- lichen alten Systems, das schon mit dem Hochkapitalismus als Wirtschaftsform in Widerspruch stand. Das Beispiel Italiens braucht nicht zu schrecken. Italien ist überwiegend agrarisch, war größtenteils analphabctisch, als Mussolini siegte, hat im übrigen den italienischen Kapitalisten viele Enttäuschungen gebracht und sieht sich gerade jetzt zu Zugeständnissen an die Arbeiterschaft gezwungen. Deutschlands Wirtschaft kann nur mit den gcwal- tigsten Opfern an Rente verlangendem Kapital und auf die Dauer nur mit der sorgsamsten Pflege seiner Arbeitskräfte wieder hoch- kommen. Dazu gehört außerdem noch bessere(nicht teuere) Sozial- Politik als bisher. Deutschland muß ein Wohlfahrtsstaat im guten Sinne eher nach mehr werden als es schon war. Bei 90 Prozent allein von der Arbeit abhängiger Menschen siegen auf Dauer diese 9l>, nicht ober die restlichen 10 Prozent. Ein Sieg Hitlers aber ist unmöglich, nachdem er diesen 90 Prozent nicht inehr Brot bieten kann als andere, und Freiheit nicht bieten darf, weil sie ihn weg- fegen würde. Davon abgesehen, muß jede auf den Sieg hoffende Bewegung Ideen und Pläne hoben, die den ideellen und materiellen Bedürfnissen einer Zeit und besonder- der a u f st e i g e n d e n Klasse Rechnung tragen. Aber wie hikler der Zührer einer absteigenden Klasse ist. so hat auch seine Bewegung nur eine Vergangenheit — und das eine schlechte— und keine Zukunft. Sein Rasscnideal paßt für Inzucht treibende Negerstämme, nicht ins 20. Jahrhundert. Seine Brechung der Zinsknechtschaft, die Aut- arkie, die Arbeitsdienstpflicht sind Hintertreppenwitze der Vernunft. Sein Ständestaat hat Sinn, wo man auf politisch fteie Arbeiter, Angestellte und Beamte verzichten kann, d. h. nicht einmal im früh- kapitalistischen, geschweige im nachkapitalistischen System! Der ganze„geistige* Hitler-Spuk ist nur möglich gewesen, weil die deklassierte Rentner-, die plötzlich sehr darbende Mittelstands- und die au» der Altväterweise plötzlich herausgerissene Bauernschichi großenteils jede geistige Orientierung verloren haben und die ihnen gemäße klassenmäßige Orientierung noch nicht haben finden können. Hitler- ganze Macht ist auf den Flugsand der Orientierungslosigkeit dieser Schichten aufgebaut, die auf den Ausbau des Soziolftaates angewiesen sind und mit dessen Abbau nur die vergebliche Hoff- nung noch oerknüpfen, die alten bequemeren und auskömmlicheren Wirtschaftsverhältnisse könnten sofort wiederkommen. Da- bedeutet für sie das Dritte Reich. Sozialdemokratie und Gewerkfchaflen dürfen für sich in Anspruch nehmen, daß sie diese Zusammenhänge gerode in den letzte« Jahren mit allergrößter Sorgsalt beobachtet und ihre Gesamtpolitik daraus eingestellt haben. Krisen wie die jetzige müssen für die Arbeiterschaft ungeheure Opfer bringen, auch in der Abwehr einer so historisch und ökonomisch fast unvermeidlichen Bewegung, wie sie die Hitler-Bewegung darstellt. Gerade die schweren Entscheidungen der letzten Tage aber konnten und mußten von der Erkenntnis aus crsolgen, daß die Hitler-Bewegung historisch und ökonomisch keine Zukunft haben, eine dauernde Macht nicht ausrichten und damit auch eine Verewigung einer Feudalregierung mit ihren faschistischen Konsequenzen nicht gewährleisten kann, und daß allein die Politik der organisierten Arbeiterschaft den sozialen und ökonomischen Notwendigkeiten der heutigen Situation in Deutschland entspricht. Es ist wahrlich nur die Eiserne Front, die den Notwendig. keilen unserer Tage entspricht, und ihrer historischen Sendung ent- spricht es auch, daß sie mehr Nerven haben muß als Hitler und Popen, die sich vergeblich bemühen, die Schatten der Vergangenheit wieder herauszuführen. Unsere einzige Ausgabe ist es. am Zl. Zuli Popens reaktionärer Regierung ein IPeiterre gieren wie bisher unmöglich zu machen und Kitler hinter die Stellung vom 24. April zurückzuwerfen. Das ober können wir: Denn wir find so stark, wie wir uns suhlen, weil die Zeil mit uns ist! Englisch-Irischer Wirtschastskrieg. Englische Kampfzölle.— Irische Kampfzölle.— Deutsche Kohlenlieferungen. Der Wirffchoitskrieg zwischen England und Irland ist jetzt in vollem Gonge. Die englische Regierung erhebt seit dem 15. Juli auf die Einfuhr irischer Waren est.en Z u s a tz z o l l von 20 Pro;. Und seit dem 26. Juli sind die irischen Be r g e l t u n g s z ö l l e gegen England in Kraft, die vor ollem die Einfuhr englischer Fertig- waren erschweren. Daß die Wirtschaft beider Länder durch diesen Zollkrieg schwer beeinträchtigt wird, darüber sind sich die leitenden Männer in London und Dublin nicht im unklaren. Und doch hat dieser Wirt- schaftskrieg seinen Grund lediglich in einer Prestigefrage. Irland Hot vertragsgemäß an England einen Zins für das irische Land zu zahlen, der nicht so sehr wegen seiner Höhe, sondern aus politischen Gründen von Irland bekämpft wird. Obwohl sich die irischen Nationalisten mit dem Bestehen dieser Derpflichtung ab- gesunden haben, obwohl die irischen Bauern die fälligen Summen in einen Sonderfonds der irischen Regierung einzahlen und ob- wohl sich England und Irland der Entscheidung eines S ch i e d s- g e r i ch t s unterwerfen wollen, ist es doch zu diesem Zollkrieg ge- kommen. Streikpunkt ist jetzt lediglich die P e r s a n e n f r a g« der Schiedsrichter, die nach Englands Wunsch Bürger des britischen Kolonialreichs sein sollen, während Irland eine völlig freie Wahl wünscht. lieber die Notwendigkeit, diesen Wirtschaftskrieg so bald wie möglich zu beenden, icheint man sich auf beiden Seiten klar zu fern. Auch sind die irischen Vergeltungszölle nicht so rigoros gestaltet worden, wie man zunächst angenommen hotte. Die Aussicht, daß Deutschland etwa von diesem Zollkrieg in nennenswertem Maße profitieren könnte, ist sehr gering. Der Abschluß über die Lieferung von 10 000 Tonnen Ruhrkohle n an Irland will nicht viel besagen. Eine Verärgerung Englands durch verstärkte deuffche Lieserungen nach Irland könnt« später für die deutsche Wirtschast von dauerndem Nachteil sein, der meit über den augenblicklichen Borteil hinausgeht. Dos gilt um ja mehr, als Frankreich verkündet hat, sich in keiner Weise in den Wirt- schaftskrieg zwischen England und Irland einzumischen. Normale Neichsbankwoche. deichte Vermehrung der Gold- und Devisenbestände. Der Reichsbankausweis vom 23. Juli zeigt eine Ab- nähme der Handelswechsel um 60,2 aus 2922,1 und der Lombard- darlehen um 43,7 auf 102,0 Millionen Mark. Aus Girokonto ver- mehrten sich die fremden Gelder um 20,2 auf 358,8 Millionen Mark. Der Notenumlauf ging weiter um 74,4 aus 3721,9 Millionen Mark zurück. Die Gold- und Devisenbilanz war ausgeglichen. Auf beiden Konten zeigte sich sogar eine leichte Vermehrung um 0,25 Millionen Mark. Die Deckung der umlaufenden Noten durch Gold und Devisen verbesserte sich gegenüber der Vorwoche von 23,5 auf 24,0 Prozent. Gchuwnerabbau bei den Banken. Die Entwicklung bei den Kreditbonken zeigt zum Iuniende gegenüber Ende Mai im ganzen eine leichte Verringerung der gesamten, den Banken geliehenen fremden Gelder und als wichtigstes einen nicht unbeträchtlichen Abbau der laufend gewährten Kredite. Bei den Berliner Großbanken haben sich die Kreditoren um 21 auf 7541, bei sämtlichen Kreditbonken um 65 auf 9250 Millionen verringert. Die andauernde Flüssigkeit der Banken zeigt sich in einem weiteren Abbau in der Benutzung des eigenen Akzepts um 35 Millionen auf 816 Millionen bei den Großbonken und um 40 Millionen auf 910 Millionen Mark bei sämtlichen Banken. Aus der Aktivseite ist trotz des Rückgangs der fremden Gelder noch eine leichte Vermehrung der flüssig gehaltenen Mittel und Guthaben festzustellen. Auch die Wechselbestände hoben sich bei den Großbonken noch leicht um 8 auf 1660 Millionen vermehrt, während bei sämtlichen Banken ein Rückgang um 10 auf 2240 Millionen fest;ll stellen ist. Dem fortschreitenden Außen- Handelsschwund entspricht ein weiterer verstärkter Rückgang der Vorschüsse auf lagernde und schwimmende Waren: um 26 auf 1105 Millionen bei den Großbanken und um 29 auf 1197 Millionen bei sämtlichen Banken. Ein relativ starker Abbau ist bei den Debitoren erkennbar. Sie gingen bei den Großbanken um 225 auf 4737 und bei sämtlichen Banken um 252 auf 5845 Millionen Mark zurück. Die in der letzten Zeit durchgeführten Industrie- sanierungen dürften hier zum Teil schon ihren Ausdruck finden. Entsprechend den geringen Bnrsenumsätzen zeigen die Börsen- darlehen mit 56 Millionen bei den Groß- und mit 65 Millionen Mark bei sämtlichen Banken einen Rekordtiefstand. Zinszuschüffe für Hausreparaturen. Der Reichsarbeitsminister hat nähere Bestimmungen über die von der Notverordnung"om 14. Juni dieses Jahres vorgesehenen Zinszuschüsse des Reiches für Hausreparoturen und die Teilung von Altwohnungen bekanntgegeben. Erstmalig stehen 5 Millionen Mark zur Verfügung. Die Zuschüsse werden Hausbesitzern gewährt, die für größere In- standsetzungsarbeiten oder für die Teilung von Wohnungen ein Darlehen von mindestens 1000 Mark ausnehmen. Der Zuschuß wird einmalig gewährt und nach Fertigstellung der Arbeiten in einer Summe ausgezahlt. Es-soll eine Zinsver- b i l l i g u n g von 4 P r o z. jährlich erreicht werden: da ein« Laufdouer der Kredite von 2H Jahren angenommen ist, beträgt der Zinszuschuß 10 Proz. des Darlehens. Gegen Verhetzung von Stadt und Land. Da- Absatzproblem der deutschen Landwirtschaft ist in hohem Maße ein Arbeitslosenproblem. Durch die Ber- armung der Masse ist nach einer Feststellung des Landwirtschasts- Ministers Freiherrn von Braun der Absatz der wichtigsten einhei- mischen landwirtschaftlichen Produkte um 5 bis>5 Proz. zurück- gegangen. Unmittelbare Verbindung zwischen Konsum- und Er- Zeugergenossenschaften wahrt das Interesse von Stadt und Land am besten. Die deutschen„sozialistischen" Kansumgenossen- schaften haben im Jahre 1926 für 28,3 Millionen Mark inlän- dische Landwirtschaftsprodukte direkt bezogen, 1930 für 47,4 Mil- lionen, 1931 für rund 125 Millionen Mark. Die parteipolitische Hetze im Lager der Landwirte gegen die Konsumvereine ist mibe- gründet. Gegenüber der Großeinkoussgesellschast der Konsum- vereine hoben die landwirtschaftlichen Genossenschaften sich nicht zur regelmäßigen Einhaltung großer Lieferungen und bestimmter Qualitäten verpflichten können! Der Vorsitzende des Deutschen Landarbeiter-Verbandes Georg Schmidt zeigte in einem Vortrag„Sind Stadt und Land aufein- ander angewiesen?" im Programm der Berliner Funkstunde die Zusammenhänge auf. Gerade die Sozialdemokratische Partei habe diese Zusammenhänge seit langem erkannt und ihrer Politik zugrunde gelegt. Prolest gegen die Kündigung des Schwedenverlrags erheb: der sonst scharf rechts stehende Verband sächsischer Industrieller. Die mit Schweden vereinbarten Zollermäßigungen für Papiererzeugnisfe und Wirkwaren, Hüte, Musikinstrumente, chemische Erzeugnisse, Vhotoopparote usw. seien für die sächsische Industrie, die die größte Arbeitslosigkeit Hab«, von entscheidender Bedeutung. Schiffer£aurenls Qefchickle trmählung von Sugene 3>abU lSchlu�) Von Paris bis Neuen, von Conflans bis Tourcoing nannte man ihn den Schifser-Laurent wie in der Schule. Ein Leben der Arbeit hatte ihm einen breiten Brustkasten gegeben, kräftige Arme, unermüdliche Beine und eine Stimme, die man hören konnte. Sein Gesicht mit dem hängenden Schnurrbart und den grünen Augen, aus denen der Glanz des Wassers widerstrahlte, hatten Sonne und Frost gebeizt. Er war arbeitsam, tüchtig, lustig, ein guter Kamerad. Er kannte Schleusenmeister und Befrachter und fand überall sein Fortkommen, ohne jemandem wehzutun. Auch von ihm ließen sich die Jahre nicht festhalten. Sie rannten davon wie das Wasser. Seine Frau hatte er in einer rauchigen Stadt des Nordens getroffen. Mit ihrem fahlen Haar erinnerte sie an seine Mutter. Sie war einfach und tapfer. Sie hatten ein Kind, das sie bei den Alten ließen. So wiederholt sich das Leben, dachte Laurent, die Ruderstange in der Hand, am Heck sitzend, wäh- rend die„Adrienne" wieder einmal die Seine hinabfuhr. Er kannte die grünenden Inseln, an denen man anlegte, die Stellen, wo es die meisten Fische gab, die Schleusen alle, an denen man eine Pause machte, und die Schänken, in denen man ein Glas trank. Gestern, heute, morgen: ein Tag glich dem anderen wie eine Welle der anderen. Es kam ein Jahr, in dem Laurent nur noch mit Mühe Ladung fand. Die Gesellschaften mochten den Bootseignern Konkurrenz, in- dem sie Motorkähne fahren ließen. Neben diesen geschmeidigen Stahlbooten schlich die schwere„Adrienne", rissig und verwittert, mühselig dahin. Laurent fühlte, daß es mit ihr zu Ende ging. Es half nichts, daß er sie pflegte, ihre Wunden immer wieder zu heilen suchte. Auch er begann zu altern. Nicht mehr mit Freude sah er das Kommen und Gehen der Jahreszeiten. Cr fürchtete den rauhen Winter, die grelle Sommersonne, die den Fluß dampfen ließ, den Herbst mit seinen Nebelschwaden. Auch der Frühling beglückte ihn nicht mehr. Die Augen seiner Frau waren nicht mehr so blau, und ihr Junge ging in die Fabrik. Zuweilen mußte er, in Rouen oder Eonflans-Sainte-Honorine, wochenlang feiern. Es half nichts, daß er die„Adrienne" putzte und schön machte. Die guten Tage kamen sobald nicht wieder, und an Laurents Herzen nagte die Sorge. Cr begann, sich an den Kais umherzutreiben. Gelegentlich ging er auch in eine Kneipe und ließ sich einen Schoppen geben, den er langsam austrank. Manchmal kamen auch Freunde hinzu, die ihn lärmend begrüßten. Doch Laurent schüttelte stumm den Kopf. Er sah in sich einen Gescheiterten, ein nutzloses Wesen, wie es die „Adrienne" setzt auch war. Wie lange noch, und er würde nicht mehr aufs Wasser gehen, nicht mehr das leise Murmeln der Wellen hören, ehe er einschlief! Er schlug mit der Faust auf den Tisch und oerlangte einen neuen Schoppen. Einmal war er mit einem Schiffer von einem dieser verdammten Motorkähne in Streit geraten. Cr hatte den kürzeren gezogen und war, schäumend vor Wut und Ver- zweiflung, sinnlos betrunken an Bord gegangen. Die Arbeit fehlte jetzt ganz und gar. Und er verlor die Lust, danach zu suchen. Irgendwo, an einer einsamen Uferstelle, an der ein paar Kähne faulten, lag auch die„Adrienne" und zerfiel. Lau- rent hatte kaum mehr einen Blick für sie. Er teerte sie nicht mehr. Sie zog Wasser. Man mußte täglich an die Pumpe, daß sie nicht sank. In kleinen, schmutzigen Schenken belehrte Laurent die jungen Leute, daß die gute Zeit der Schiffahrt vorüber sei. Seine Er- innerungen schmerzten ihn und trübten seinen Verstand wie der Wein. Die Eltern waren tot. Ihr Haus hatte er verkauft, und da er nicht mehr arbeitete, lebte er von dem Gelde. Eines Tages kam der Krieg, Schweinerei verdammte! Sein Jungs mußte hinaus, und fiel. Ein paar Monate später starb seine Frau. Das war fast ein Glück für sie. Denn sie war verbraucht, abgenutzt wie die„Adrienne". Er blieb allein auf dem Kahn. Stundenlang starrte er prie- mend ins Wasser, oder er sah den Schleppern nach, deren Wimpel an die Stange klatschten. Die„Adrienne" war ein trauriger, stinkender Kasten gevzorden. Im Raum lebten und krepierten die Ratten. Nur die Kajüte mit ihren zwei Betten, ihren wackligen Stühlen, leeren Schränken und der Photographie war noch halbwegs in Ordnung. Sonst war es ein Wrack. Als er das letzte Geld ausgegeben hatte, verkaufte Laurent die „Adrienne" an einen Abbruchsunternehmer. Für ein Butterbrot. Eines Abends zog er in Paris, am Kanal Soint-Martin, in ein Armeleutehotel. Es war nicht schön, aber vor den Fenstern hatte er das schmutzige Wasser, aus dem die Kähne vorüberglitten. Da man ihn kannte, gab man ihm Arbeit. In La Billette treidelte er die Kähne. He— up! Das Seil schnitt ihm in die Schulter. Was tat es? Ihm war, als zöge er alle Bilder, die die Kähne auf ihrer Fahrt gesehen, alle Erinnerungen, die sie bewahrt hatten, zu sich hin. Er hielt inne. Man rief ihm zu:„Bist wohl noch besoffen?" Und er zog weiter, mit gekrümmtem Rücken und gesenktem Kopf, den er zuweilen umwandte. Dann war es ihm, als sähe er die„Adrienne" vorüberfahren. Cr mußte schnell in eine Kneipe und sich einen antrinken. Seine Kleidung war zerfetzt. Zum Friseur kam er nicht oft. Kopf- und Barthaar wucherte. Man nannte ihn jetzt Laurent- Utan. Cr wusch sich kaum. Das Wasser lockte ihn nicht mehr. Sauberkeit, Ordnung, Ruhe waren für ihn tote Begriffe geworden. An Sommerabenden lag er auf der Böschung, unweit der Place Jean-Jaurös. Er sah das Waschboot, auf dem die Frauen die Wäsche mit dem Bleuel schlugen, und die Kähne, deren Namen ihn an die Orte erinnerten, die er von früher kannte. Stunden- lang lag er so im verdorrten Grase neben Pennbrüdern, die ihn Süßwasserkäppn nannten, weil er doch nie von den Flüssen her- untergekommen war. Cr sagte ihnen Bescheid und trollte sich. Schritt vor Schritt ging er den Oai de Jemmapes entlang. In jedem der kleinen Logierhäuser, die dort gelegen sind, hatte er gewohnt. Aus jedem hatte ihn, früher oder später, das Elend wieder vertrieben. Neue Gebäude erhoben sich. Auch dort brachte die Zeit Veränderungen mit sich. Vor dem Hause Poltet et Chausson blieb er stehen. Dort lagen kleine Boote, weiß vom Kalk, mit dem sie beladen waren, vor Anker? sie erinnerten ihn an den Kanal von Berry, den er einmal auf der Zille eines Kameraden befahren hatte. Er setzte seinen Weg fort, ließ das Asyl Benoit Mellon hinter sich, denn er schlief im Stall eines Fuhrmanns. Hie und da erlag er der Versuchung eines Weinschanks, dessen Licht ihn lockte. Wenn er seinen Fuß über die Schwelle setzte, hörte er den Ausruf: „Ah, Laurent-Utan!" Er trank seine Karaffe Roten und nahm von niemandem Notiz. So gingen die Wochen dahin. Familie besaß er nicht mehr, aber von La Billette bis zur Vastille kannte man ihn. Einmal hatte er, in der Schleuse am Arsenal, bei einer Film- aufnähme mitgewirkt. Er hatte die Schleuse geöffnet, durch die die beiden Au-reiher, um die es sich handelte, entkommen konnten. Das Ereignis war am Kanal erörtert worden: man hatte sogar wieder von ihm als vom Schiffsr-Laurent gesprochen. Alles ist aus. Laurent fühlt, daß er verbraucht ist. Sein Leben ist eigentlich sehr schnell vergangen. Es gab eine Zeit, wo er ein Kerl war, ein Kerl, der selbst im Winter schwamm, den keine Ar- beit schreckte und für den ein unbekannter Kanal ein spannendes Abenteuer bedeutete. Heute kann ihn nichts mehr reizen. Er hat den Abend in einer Destille verbracht, in der er noch Kredit hat. Er hat in seinen Erinnerungen gekramt, wie es die alten Leute tun. Der Wirt sängt an aufzuräumen. Gut, man muß weiter. Er steht auf. Es ist ein Novemberabend. Laurent friert. Er knöpft-seine dünne Jacke zu, zieht die Schultern zusammen, vergräbt die Hände in den leeren Taschen. Am Kanal ist es einsam, die Lampen sind verlöscht, das Wasser ist schwarz. Aber er ging mit geschlossenen Augen. Hier ist er zu Hause! An einem Schild liest er: Tonkiner Zinnbergwerksgesellschaft. Der Name läßt ihn von fernen Ländern träumen. Kahnschiffer.... Ein wenig weiter stehen die Speicher- Häuser. Sie bergen eine Menge herrliche Dinge, nützlicher und not- wendiger. Er, Laurent, besitzt nichts als seine Haut und die Schütte Stroh, auf der er bald liegen wird. Dann hört er die Pferde gegen die Raumwand scharren, wie er in guten Zeiten, auf der„Adrienne", die Wellen rumoren hörte. Ein Pennbruder ist er nicht! Er hat auch sein Teil gehabt, aber die Reichen haben's ihm genommen, die Reichen und der Krieg. Weib, Sohn, Freunde: alle dahingegangen im Lauf der Tage, weggespült wie Kehricht. Noch ein wenig weiter ist ein Kohlenplatz, auf dem er ein paar Wochen gearbeitet hat. Jetzt haben die Kähne Motorkraft, und die Schleusen sind mit elektrischen Bratspillen«us gerüstet, lind Zentnersäcke zu schleppen ist er auch nicht mehr jung genug Wozu ouch� Plötzlich bleibt er stehen. Der Gedanke durchfährt ihn: weshalb eigentlich dieses Leben fortsetzen? Er brauchte ja nur in den Kanal zu fallen und sich treiben zu lassen, um Frau und Eltern wiederzu- finden. Einfach so: einen kleinen Schritt vorwärts, Laurent, und alles ist zu Ende. Es gehört gar nicht viel Mut dazu. Ein Windstoß kräuselt das Wasser. Laurent hört ein leises Murmeln. Das ist das Lied des Flusses, eine Stimme, die er kennt. Wie hat er es geliebt, dies graue, blaue, grüne, immer wechselnde Wasser! Mehr als seine Frau. Und wie hat es ihm seine Liebe erwidert! Jetzt fällt ihm ein, daß er vielleicht im Schoß dieser schweren, trächtigen Erde wird ruhen müssen, und ihn schaudert. Er tritt noch näher ans Ufer und sieht seinen Schatten im Wasser.... Er schrickt zurück. Er hat oft gesehen, wie sie Wasserleichen herausfischten, mit grünlichem Gesicht, aufgeschwollenen Gliedern und schlammbedeckten Kleidern. Die Schleusenmeister bekommen eine Belohnung für jede, die sie bergen. Wenn er hier, an der Rue de la Grangs-aur-Belles. hineinsiele, so würde ihn wahrscheinlich der große Charlot mit seinem Bootshaken angeln. Er würde schreien:„Ein Makkabäer!" Und dann:„Ach, Laurent-Utan, der arme Kerl!" Und die Kameraden würden ins Cafe de la Marine gehen und einen heben. So machte er, Laurent, es ja auch immer. Er rührt sich nicht vom Fleck. Das Wasser fließt unaufhörlich weiter. Schäumend fällt es in die Schleuse. Man hört das Brausen. Er hebt die Augen und sieht schwarze Häuser und Fabriken, die ihre Schornsteine wie Arme zum Himmel recken. Plötzlich sieht er sich umringt von Männern, die ihn aushöhnen und bedrohen, wie sie ihn immer bedroht haben seit dem Tage, da sie ihre Motor- kähne auf die Seine gesetzt haben. Er möchte ihnen entwischen, aber seine Beine sind steif. Er möchte hinaus aus dieser Stadt und einmal noch den weiten Himmel sehen und blühende Ufer und den Hafen, in dem die Kähne, Seite an Seite, ausruhen. Er nimmt seine Kraft zusammen, wirft seinen Fuß vorwärts, stößt an ein Haltetau, taumelt und stürzt, ein Ah auf den Lippen, das wie ein Stöhnen und zugleich wie ein Glücksseufzer klingt, ins Leere. Bsrecdtixte Uebertragring von Bernhard Jolle s. Was hal er gefagi? QuerfchniU durch ein Vli eishaus/ Won 9L K. Weuberl Ein Querschnitt durch das Mietshaus, in dem ich mich— auf einer Reise— für einige Zeit einlogiert habe, ist gleichsam wie ein Querschnitt durch die von der Wahlleidenschaft aufgewühlte Volks- seele. Dieses Mietshaus steht nicht in Berlin, wo wir konkrete Maßstäbe haben, spndern in einer kleinen schlesischcn Stadt, weitab vom großen Ringen der Parteien. Hier erleben wir keine gewal- tigen Massenaufmärsche der Organisationen wie im Lustgarten, es ist hier schon ein Ereignis, wenn ein Zug von tausend Mann durch die stillen, engen Straßen demonstriert. Aber ist der Kamps darum weniger heftig? Ein Querschnitt durch das Mietshaus beantwortet diese Frage. Am ersten Morgen erwachte ich von den Klängen eines SA.» Marsches. Ich sah auf die Uhr: halb sechs. Ich muß gestehen, daß ich im ersten Augenblick dachte, im Dritten Reich erwacht zu sein! Ich hatte noch am Abend vorher von der geplanten Um- gestaltung des Rundfunks gelesen. Daß der Rundfunk mich schon am nächsten Morgen um halb sechs mit einer nationalsozialistischen Hymne wecken würde, hafte ich jedoch nicht annehmen können. Nun lag ich schweißgebadet da. rieb mir die Augen und entdeckte schließ- lich aufatmend, daß es sich hier nur um ein Grammophon handelte. Da ich nun einmal erwacht war, stand ich auf und begann mit dem Ankleiden. Die Toilette befindet sich hier eine Treppe ftefer und wird von zwei Mietspacteien benutzt. Ich übersah ganz, daß der Schlüssel im Loch steckte, öffnete eiligst und prallte verdutzt zurück. Dort saß jemand.„Guten Morgen!" konnte ich noch stammeln. Ehe ich die Tür wieder zuschlug, traf mich ein durchdringender Blick und eine etwas vorwurfsvolle Sttmme:„Heil Hitler!" So begannen meine Beobachtungen im Mietshaus. Im weiteren Verlauf waren meine Beobachtungen und Erleb- nisse leide? nicht immer so erheiternd komisch. Ich tonnte in die Tiefen eines Kleinkrieges blicken, der ehemals einander freundlich gesinnte Familien als erbitterte, verhaßte, oerachtete Gegner ge- trennt hatte. Der Eisenbahnschaffner F. und der Ziegeleivorarbeiter B., die früher manchen Korn getrunken und zusammen manche Partie „Lochbuhl" gespielt hatten, kennen sich nicht mehr. Ihre Blicke, wenn sie sich begegnen, sind voll eiskalter Verachtung. Neulich lag eins von den Karnickeln, die F. hinten im Garten in Kisten untergebracht hat, tot im Stall. „Das war der B., der Schuft!" sagt F. Denn auf die Kiste ist mit Kreide Hammer und Sichel gemalt worden. Wer ober steckt hier im Hause die rote Fahne mit Hammer und Sichel zum Fenster hinaus? Also war der Ziegeleivorarbeiter B. der Täter. Meint F. Schäumt vor Wut und droht, sich im Dritten Reich zu rächen. Frau F. beginnt ihre Rache schon vorher, indem sie die Tochter des B. auf der Straße ein„öffentliches Schandmal" nennt.„Ich werde Sie verklagen!" ruft das Mädchen, dem Weinen nahe. Ein schrilles Lachen antwortet ihr. „Bitte! Ich habe genug gesehen, schönes Fräulein! Aber das entspricht ja ihrer Weltanschauung." Beifall aus den Fenstery, aus denen an manchen Tagen Haken- kreuzfohnen hängen, Protestrufe aus den anderen. Wenn Frau F. schwören müßte, könnte sie nur schwören, daß sie Fräulein B. ein paarmal mit einer„Mannsperson" nachts im Hausflur gesehen. Aber zum Schwören kommt es nicht.„Wer wird sich mit dem Pack abgeben?" meint die Familie B., und die Tochter weint nicht mehr, fondern steht nachts nur noch länger unter den Fenstern der Frau F. Beim letzten„Deutschen Tag" hat G. eine lange Hakenkreuz- fahne zum Fenster hinausgehängt, die K.» Fenster verdeckt. G. blickt hinunter und schmunzelt.„Der wird sich grün und blau ärgern!" denkt er. Und K.— Zentrumsmann— ist so töricht, sich zu ärgern. Er schickt seinen Sohn zu G. hinauf und läßt sagen, daß die Fahne etwas eingezogen werden müsse, er könnte unmöglich am hellen Tags Licht brennen. Oder ob G. am nächsten Zahltag die Licht- rechnung bezahlen wolle? G. läßt sagen:„Wer long hat, läßt lang hängen." „Was hat er gesagt?" fragt K. und drückt die Hände in die Hüften. „Wer lang hat, läßt lang hängen!" wiederholt der achtjährig« Sohn pflichtgemäß. Von diesem Tage an sind G. und K. unversöhnliche Feinds. Die letzten Koalitionsmöglichkeiten sind zerstört. Ich habe mich bisher noch niemals an den Diskussionen auf der Treppe beteiligt. Ich habe wohl mit diesem und jenem ge- sprachen, aber noch weiß niemand, welcher Partei ich eigentlich an- gehöre. Man macht freundliche Anstrengungen, mich zu sich herüber- zuziehen. G. hält mir Vorträge, K. und F. und B. halten mir Vorttäge. Frau X. und P. sind um das Heil meiner Seele bemüht. Sie streiten sich schon um mich. „Herrn N. ist auch Nationalsozialist!" sagte neulich Frau F. triumphierend zu einer feindlichen Nachbarin, der sie etwas be- weisen wollte. „Sind Sie wirklich...?" ftagte mich etwa» später die Nach- barin besorgt. Es wird Zeit, daß ich mich zu erkennen gebe. Eine günstige Gelegenheit. Herr D., der mich morgens manch- mal mit seiner Grammophonplatte„SA. marschiert" weckt, hielt im Flur einen lehrreichen Vortrag.„Und glauben Sie das Zeug doch nicht," spricht er zu einer zweifelnden Frau und einem Arbeiter, „was man uns über Arbeiterfeindlichkeit nachsagt. Wir sind im Gegenteil ganz gegen die bevorzugte Behandlung der pensious- berechtigten Beamten. Im Dritten Reich wird auch für die Ar- beiter ein Pensionsanspruch geschaffen werden." In diesem Augenblick erfaßte mich ein unbezähmbarer Lach- anfall. Ich beugte mich über das Geländer zu den Diskutierenden hinunter und lachte aus vollem Halse. Sie sahen ganz erschrocken herauf. „Was ist denn eigentlich?" ftagte Herr D. nervös. Ich lachte nur lauter, bis auch die Frau und der zweifelnd« Arbeiter zu lachen begann. Vielleicht über mich. Vielleicht auch über Herrn D. Er verschwand und zog sein Grammophon auf... Ein trübes Kapitel: die Kinder. Hans spielt nicht mehr mtt Franz, weil der Vater von Franz zur„Eisernen Front" gehört. Man macht immer den sozialistischen Verbänden den Vorwurf, daß sie die Kinder politisieren, ich habe aber immer und überall ge- sunden, daß es gerade die nationalsozialistischen Eltern sind, die chr« Kinder nicht ftüh genug mit politischen Schlagworten bekannt machen können. Sie kommen sich wie„wahrhaft nationale" Deutsche vor, wenn sie ihre fünfjährigen Knirpse fragen:„Wie grüßt Pappi?" und der Kleine prompt den Arm hebt und„Hell Hitler!" ruft. Sie sind stolz auf solche Kinder. Und wenn sie im Hof ein bißchen SA. spielen und das Horst-Wessel-Lied singen, wirft ihnen Mutter ein Stück Schokolade zu. Sie singen es manchmal»och um zehn Uhr abends, unschuldige Kinder. Und Vater sitzt auf dem Balkon, liest den„Beobachter" und schlägt mit der Faust auf den Tisch:„Wieder ein SS.-Mann nieder- geknallt!" Aber unten im Hos sind die Kinder eben über den kleinen Franz hergefallen, weil er nicht mitsingen will. Der Mann auf dem Balkon sieht diesem erhebenden Schauspiel zuversichtlich zu. Auch ich bin zuversichtlich. Noch vor Wochen, bei meiner An- kunft in dieser kleinen Stadt, waren die drei Freiheitspfeile hier unbekannt— und jetzt? Freiheitspfeile überall auf den Straßen. Und wo zwei sich„Heil Hitler!" grüßen, rufen oder denken drei „Freiheit!"_ Ulontafgne(SranaOflfctier!Pro!a{rhrlHfMler, 153S—1892)* Dom ZHr Die Seelen der Kasser und der Schuster werden in derselben Form gegossen. Ziehen wir die Bedeutung der Handhmgen der Fürsten und ihre Tragweite in Betracht, so sind wir leicht geneigt anzunehmen, ihre Beweggründe seien ebenso bedeutsam und schwer- wiegend. Wir täuschen uns: sie werden in ihren Aktionen und Reaktionen von denselben Kräften getrieben wie wir alle. Dieselben Gründe, die un» ,zu einem Streit mit unserem Nachbarn treiben, enssachen zwischen den Mächtigen der Erde einen Krieg Dieselben Gründe, die un« verführen, einen Lakaien zu verprügeln, können einen König auf den Gedanken bringen,«ine Provinz zu zerstören. Ihr Wollen ist wie unser Wollen, aber chr Können sst größer: Appetit ist Appetit— bei der Milbe und beim Elefanten... Was den Krieg anbetrifft, der die größte und die pomphafteste aller Aktionen der Menschen ist, so möchte ich wohl wissen, ob wir uns seiner auf Grund eines Vorrechts zu bedienen vermeinen, oder um im Gegenteil von unserer Dummheit und Unvoll- k o m m e n h e i t Zeugnis abzulegen. Es scheint wirklich, daß die Kenntnis, einander zu vernichten und einander zu töten, unsere eigene Art zu schädigen und zugrunde zu richten, den Tieren, die diese Kenntnis nicht besitzen, nicht besonders wünschenswert sei. (.Aus dem Französischen übersetzt von LinaFrendet�