BERLIN Mittwoch 22. Zuli 1932 Redaktion u. Expedition: Berlin SW 68, Linden ftr.8 Sei. A7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Borwärts". Bezugspreis s ü r b e i d e A u s g a b e n 7S Pf. pro Woche, Z,2S M. pro Monat(davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 8,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. PostbestellgebLhren. 10 Pf. Nr. 350 B 170 49. Jahrgang „Ibwasfa Anzeigenpreis: Die Ifp». Millt- meterzeile 80 Pf. Die Reilamezeil« lostet Z Marl. Rabatte n. Tarif. w Betehsrai gegen Panen! Rechtsverwahrung der Lander gegen das vorgehen in Preuhen Heute morgen fand im Reichsrat eine Ausschuß- sitfung statt» bei der die Mehrzahl der vertretenen Länder eine Rcchtsverwahrung gegen das Vorgehen der Reichsrcgicrung gegen Preußen abgegeben hat. Da eine Abstimmung nicht in s�ragc kam. wird die Erörterung voraussichtlich in der heute nach- mittag stattfindenden Ausschußsitzung des Reichs- rates fortgesetzt werden. Breuer endlich frei! Denunziation schmählich zusammengebrochen. Genosse Robert Breuer ist heute mittag endlich in Freiheit gesetzt worden! Als Opfer einer niederträchtig verlogenen Denunziation wurde er am Sonnabcndmorgcn in Tchutzhaft genommen. Ob- gleich die Haltlosigkeit der Anschuldigungen gegen ihn sofort erwiesen werden konnte» wurde er nicht in Freiheit gesetzt! Noch gestern, nach dem Gnde des Belagerungs- zustandcs, wurde er durch bürokratische Nadelstich- Politik weiter in Polizeihaft gehalten. Heute gegen mittag hat der Vcrnchmungsrichter beim Polizeipräsidium den Frcilassungsbcfehl unter- zeichnet. Beim Obcrrcichsanwalt schwebt noch ein Grmittlungsvcrfahrcn wegen angeblichen Hochvcr- rats» eine Boruntersuchung ist jedoch nicht eingeleitet! Gs wird alles getan werden, um den schmutzigen Denunzianten verdienter«träfe zuzuführen. Auf zur Abrechnung! Her zur«ozialdemokratie! Nach der Befreiung. Bei seiner Haftentlassung wurde Genosse Robert Breuer mit stürmischen Freiheitsrufen empfangen. Genosse Breuer fuhr vom Polizeipräsidium nach dem„Vorwärts'-Haus. In seiner ersten Unterredung mit uns nach der Haftentlassung sagte er uns: Wenn ich die Rede gehalten hätte, wie sie dieser Spitzel und Fälscher in der„Berliner Börsenzeitung" veröffentlicht hat, dann hätte mich der Versammlungsleiter, Genosse Steinhofel, sofort unter- brachen und in eine Gummizelle abführen lassen. Denn nur wenn ich irrsinnig geworden wäre, hätte ich so reden können, wie man es mir unterstellt. Beim Blorgengrauen ha» man mich wie einen Schwerverbrecher durch vier Blonn aus dem Bett geholt. Als ich den Grund des Kommens erfuhr, war mir sofort klar, daß das Verfahren gegen mich in Nichts zerfließen müsse. Ich habe während der Tage trotz der vielen inquisitori- schen Verhöre die Nerven nicht verloren. Das Ergebnis der Aktion gegen mich ist eine Blamage für die Menschen, die sie in die Wege geleitet haben und wird eine Blamage bleiben. Das Verhalten der Beamten des Polizei- Präsidiums war sehr korrekt und, soweit es ihre Dienstpflichten zu- liehen, außerordentlich entgegenkommend." Breuer, der im„Vorwärt-"-Gebäude mit stürmischen Freiheitsrufen empfangen wurde, ist voller Kampfesmut und wird die letzten Tage mit doppelter Kraft im Wahlkampf für die Freiheit seinen Mann stehen. Nun erst recht: Freiheit!!! Die Katastrophe der„Mobe" 69 Todesopfer ruhen auf dem Ostseegrunde bei Fehmarn Kiel, 27. Juli. Nach einem Bericht des.Kapitäns des Hamburger Dampfers„Therese L. M. R u ß" lag die„N i o b e" in 18 voll Meter Entfernung unter«cgel bei Fehmarn- Belt-Feuerschiff, als eine dunkle Wolke auftauchte. Der Kapitän erzählt: DaS«chiff segelte über Backbord- bug, wie eS auch über Backbordbug kenterte. Ich fah, wie an Bord der„Niobe" das Signal hochging ;• vrw»»-;-:-.. W:- 'Das llnglücksSchiii„Wobe" „Wo kommen Sie her, wo gehen«ic hin?" Das Signal war mir nur für Sekunden sichtbar, dann war eS nicht mehr zu sehen. In demselben Augenblick setzte eine schwere Gewitterbö ein bis zu Windstärke t>. Ich sah, wie die Bö in die Segel der„Niobe" einfiel und w i e das Schiff kenterte. Ich fuhr sosort mit äußerster Kraft nach der Unfallstelle hin. Während dieser Fahrt machte ich meine Rettungsboote klar. Alle Leute, die mir zur Verfügung standen, gingen in die Rettungsboote, so daß ich als Kapitän und der Koch allein auf der Kom- mandobrücke standen. Die Rettungsboote eilten nach der Unfallstelle hin und begannen dort mit der Bergung der im Wasser schwimmenden Menschen. Von Bord des Feuerschiffes Fehmarn-Belt war auch ein Rettungsboot gekommen, das sich an den Rettungsarbeiten be- teiligte. Bom kentern bis zum Sinken des Schisses vergingen nur zwei bis drei Minuten. Alle Offiziere, bis auf den Kommandanten und den Ersten Offizier sind ertrunken. Die im Wasser treibenden Menschen waren gute Schwimmer. Sie haben sich teilweise über eine Stunde schwimmend an Riemen usw. gehalten. Einer der Geretteten stand in Lee vor der Kombüse, und beim Kentern des Schisses wurde er von kochendem Wasser überbrüht und vollständig verbrannt. Aber auch dieser konnte gerettet werden. Einem der Geretteten war der rechte Arm ausgekugelt. Von den Leuten sind eigentlich nur die an Deck befindlichen gerettet worden. Sechs Mann kamen noch aus dem Zwischendeck heraus und konnten gerettet werden. Die Leute befanden sich beim theoretischen Unterricht im Zwischendeck. Zu diesem Zweck waren die Backen und Banken heruntergeschlagen worden. Inzwischen war ein Schnellboot herbeigeeilt. Der Kommandant konnte seinen eigenen Bruder, Oberleutnant Lott retten. Wir kreuzten nach vier Stunden an der Unfallstelle, konnten aber nichts mehr feststellen als aufsteigende Blasen und einen Oelflcck. Das untergegangene Schiff liegt auf 20 Meter unter Wasser. Bojen sind ausgeworfen worden, und es besteht die Möglichkeit, das Schiff in kurzer Zeit zu heben. Die Bergungsarbeiten sind schon in die Wege geleitet worden. Die Namen der 69 Toten. Die Liste der Vermißten des Schulschiffs„Niobe" enthält sol- gende Namen: Kapitänleutnant Engel: die Oberleutnants zur See Reinhard und Schiffer: Marinestabarzt Dr. Sander: Marineober- Zahlmeister Schirmann: Oberbootsmann Tamm: Oberbootsmanns- maat Eul: Matrosengefreiter krogmann: die Obermatrosen Ge- sreiter Lammers und koefler: Signalstabsgcsreiter Bebernih: Ober- funkgefreiter Kocher: Zimmermeistergefreiter Ruschkowski: Obermaat Krelschmcr: Oberoerwaltungsgast Engels: Maschinist kirchslcin: Oberheizergefreiter Sprick: Obersanitätsgast Stock: die Oberboots- mannsmaaten habermann, Löfs und Morih: Bootsmannsmaat Will: Obersignalgefreiter Müller: Signalgefreiter Kresse, krauh, von Eemmern, Gueck und Rothe: Obersignalgast Säckel: Ober- matrosengefreiter Schulz: Signalgefreiter Zenlsch: Mnrrosengesrciter Sänger: die Matrosen: Andersen, Buh. Freigang, Steiger, Gerlach, Gruner, hofmann, hoyer, krellenberg, Leisewih, Luelge, Manseck, Misenbach. Ölten, Psefser. Plohky, Pietsch, Rudlosf, Schlangcnseldl, Schmidt(Hans Günther), Schmidt(Dimitri), Schrewe, Schulz, Spehler, von Türke, Vogler. Weißmüller, Göing, Rinau: die Frei- willigen der Sanitätslaufbahn der Marine: von Albedyhll, Brunk, Dr. med. Gelhaar. Gutjahr, Kruse, Renner, Heitmann und der Zivilangestellte hamel. Ein beispielloser Llntergang. Kiel. 27. Juli.(Eigenbericht.) Der beispiellose Untergang des Schulschiffes„Niobe" hat auch in den fachmännischen Kreisen das größte Aufsehen hervor- gerusen. Die„Niobe" hatte schon viel schwerere Unwetter erlebt, als das bei Fehmarn, ohne überhaupt nur in die Gefahr des Kenterns zu kommen. Sie galt fast als unkenterbar. Es ist daher auch kein Wunder, daß die Schuldfrage schon jetzt lebhaft erörtert wird: es sind immerhin 69 Tote, die auf dem Meeresgrund liegen. Daß Slsilion Freitag, 19 Uhr: ROBERT BREUER spricht. Brüderliche Solidarität Kundgebungen aus der Internationale die Belastung des Schiffes einwandfrei war, wird allgemein fest- gestellr An einem Belastungsmangel lag die Ursache zur Katastrophe also nicht. Ebensowenig ist sie auf eine örtliche Unkenntnis des ge- retteten Kommandanten zurückzuführen, so daß einzig die Möglichkeit bleibt, daß entweder das Unwetter zu überraschend kam oder das Kommando zum Bergen der Segel zu spät ersolgte. Hier allein kann eine Klärung der evtl. Schuldfrage versucht werden, und hier dürfte auch der Angelpunkt der beschleunigt stattfindenden Verhandlung vor dem Kriegsgericht liegen. Zum äußeren Ausdruck der Trauer haben auch die R e p u- blikaner in der Stadt ihre schwarzrotgoldenen und Freiheitsfahnen auf Halbmast gehißt. Äie Gefetteten im Kieler Hafen. Kiel, 27. Juli. Am Mittwoch morgen gegen 72� Uhr ist der Kreuzer „Königsberg" mit den 40 Geretteten der„Niobe", die er vom Kreuzer„Köln" übernommen hatte, in den Kieler Hafen einge- laufen und ankert vor der Wik. Die Geretteten werden in der Ka- ferne in der Wik untergebracht. Der Inspekteur des Bildungswesens ist mit dem Kreuzer hereingekommen und wird der Marineleitung Bericht geben. Der Steuermann Garte und der Oberschreiber, Ge- freiter Rexhäuser, befanden sich nicht an Bord und gehören demnach zu den Ueberlebenden. Untersuchung: Niemand hat Schuld. Kiel. 27. Juli. Die Admirale Albrecht und Kolbe haben gestern am Ort des Unterganges der„Niobe" im Fehmarn-Belt die Untersuchung über die Katastrophe geleitet und dabei festgestellt, daß nie- inanden, weder den Kommandanten noch irgend- ein Besatzungsmitglied, eine Schuld an dem Untergang der„Niobe" trifft. Die Gewitterbö, die dem Schiff zum Verhängnis wurde, trat mit so plötzlicher Stärke ein, daß das auf der Seite liegende Schiff durch kein Manöver wieder ausgerichtet'oder an den Wind gebracht werden konnte. Die Er- eignisse haben sich in Bruchteilen von Sekunden abgespielt, wofür auch zeuge, daß der Befehl des Kommandanten, Schwimm- meften anzulegen und die Boote klar zu machen, nicht mehr befolgt werden konnte. Die Darstellung einer Kieler Zeitung, daß die „Niobe" zuviel Segel gesetzt habe, wodurch der Unfall hervorge- rufen worden sei, trifft nach den Ermittlungen der Reichsmarine nicht zu. Wie bekannt wird, sind bereits Verhandlungen wegen einer Hebung der„Niobe", die in etwa 20 Meter Tiefe liegt, im Gange. Beileidstelegramme. Der Reichspräsident und die Regierungen der Länder haben der Reichsmorineleitung und dem Reichswehrministerium aus Anlaß des Unterganges des Schulschiffes„Niobe" Beileidstelegramme gesandt. Das Reichsbanner„Schwarz- Rot- Gold" sandte folgendes Telegramm:„Zu dem schweren Un< glück, das die deutsche Reichsmarine durch Untergang des Schulschiffs „Niobe" betroffen hat, spricht das Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold" in dessen Reihen sich Zehntausende alter Marineangehörige befinden, aufrichtigstes Beileid aus. Bundesvorstand. I. A.: Karl Hölter- mann." Geverings Anklage. Negierung Popen muß schweigend bestätigen. Zu dem aufsehenerregenden Artikel Carl Seve- rings weih die Reichsregierung vorläufig über- Haupt nichts zu sagen. Sie gibt sogar zu. dah zur Zeit der berühmten„Besprechung" in der Reichskanzlei bereits Dr. Bracht durch fein Büro anfragen lieh, ob er den Leiter der preuhischen Polizeiabteilung, Rlinisterial- direktor Dr. k l a u s e n e r, kurz nach 10 Uhr antreffen würde. Damit wollte Dr. Bracht, so wird erklärt, nur den „reibungslosen Uebergang der obersten Leitung der preuhi- schen Polizei an das neue Regime sichern", nämlich u n- mittelbar nach Uebergabe der Geschäfte durch den preuhischen Innenminister, die von der Besprechung in der Reichskanzlei erwartet wurde. Zu der Preuhenaktion zugunsten der Arbeitslosen und Sozialrentner weih die Regierung nichts zu sagen! Oer Aazi droht... Am Montag soll der Kanzler abgesetzt werden. In einer nationalsozialistischen Versammlung am gestrigen Dienstag(26. Juli), erklärte der Redner Rotfchke wörtlich: „Wenn ihr angegriffen und beleidigt werdet von dem Mord- gcsindel, verteidgt euch so, daß ihr die stärkeren seid. TNit welchen Mitteln ist uns egal. Mir verlangen, dah die Straße den Rational- sozialisten gehört. Bis Sonntag soll Papen die Ge- s ch ä f t e führen, am Montag aber die politische Macht an Adolf Hitler abgeben, will man uns die Macht nicht geben, sind wir bereit, uns diese Macht zu nehmen.(Tosender Beifall.) Es ist unser heiliger Wille, die Macht mit denselben legalen Mitteln zu erkämpfen, wie die Männer am 9. November 1918. Nicht der Landesverrat, sondern der nationalistische Wille wird Taufpate der Machtübernahme sein. In den nächsten Tagen kann kommen, was will, wir werden mit aller Abgeklärtheit die Schlacht schlagen, ob mit Wahl oder ohne Wahl.(Tosender Beifall.) Ende August soll dieses Hakenkreuzbanner als Staatsflagge vom Rcichspräsidentenpalais wehen. Wir lehnen die Farben Schwarz- Rot-Gelb ab als die Farben der Korruption. Wir werden mit eisernem Besen, mit Brutalität ausräumen." Sabotage der Brüning-Kundgebung. Razis streuen falsche Gerüchte aus. Die Deutsche Zentrumspartei teilt mit:„Von nationalsozia- listischer Seite wird die Nachricht verbreitet, die Zentrumspartei habe den Reichskanzler a. D. Dr. Brüning zurückgezogen und Dr. Brüning werde in der Kundgebung im Sportpalast am Freitagabend nicht sprechen. Weiter wird das Gerücht verbreitet, die Sportpalastkundgebung würde überhaupt nicht st a t t s i n d e n. Diese Gerüchte sind unzutreffend: die Sportpalast-Kundgebung wird selbstverständlich stattfinden und Dr. Brüning wird dabei sprechen." Aus der Fülle von Kundgebungen der Bruderparteien jenseits der Reichsgrenze haben wir bereits die der spanischen, britischen, holländischen und deutschösterreichischen Sozial- demokratie wiedergegeben. Hier folgen die Adressen der Sozialdemokratischen Arbeiterpa r t e i e n Belgiens und Ungarns sowie eine Kundgebung aus der Tschechoslowakischen Republik. Oie belgische Adresse. An die deutsche Sozialdemokratie! Im Namen der Belgischen Arbeiterpartei und angeregt durch das Betspiel der Britischen Labour Party richten wir an euch diese Botschaft: Seitdem die Sozialistische Arbeitcrinternationale 1924 in Ham- bürg wieder aufgerichtet wurde, haben die deutsche und die belgische Partei so enge und so häufige Beziehungen unterhalten, daß es überflüssig wäre, ihre Solidarität im Kampfe für die Demokratie und den Sozialismus zu bekunden. Dagegen gibt es etwas, was unter den gegenwärtigen Um- ständen vielleicht recht nützlich ist auszusprechen: 3n Belgien hegt die ungeheure Mehrheil der Bevölkerung ohne llnlerschied der politischen Porlei die Hoffnung, dah die Wahlen am 31. lluli die demokratischen und republikanischen Errungen- schaslen in Deutschland befestigen wird. Das belgische Volt ist von t i e f st e m F r i e de n s w i l l e n erfüllt. Sein leidenschaftlicher Wunsch geht dabin, in Frieden und Freundschaft mit allen seinen Nachbarn zu leben. Aber es erkennt klar die gefährliche Drohung, die für ganz Europa darin liegen würde. wenn in Deutschland die Parteien der reaktionären Gewalt triumphierten, die sich bereits durch Bürgerkriegshandlungen auf das Masseaverbrechen eines neuen Kriege« vorbereiten. Deshalb stehen alle, die in Belgien nicht nur korrekte, sondern auch vertrauensvolle Beziehungen zu Deutschland wünschen, mit ihrem Herzen auf der Seite jener Parteien, die die W e i m a r e r Verfassung schützen, und sie sind gegen jene Parteien, die diese Verfassung bedrohen. Wir Sozialsten haben das klare Bewußtsein, daß unsere Sache mit eurer Sache identisch ist, daß euer Kampf für die Freiheit in- mitten der schwersten Gefahren ein Kampf für die Freiheit aller ist. Wir grüßen die Werktätigen Deutschlands, deren tag- tägliche Handlungen und Opfer prachtvoll beweisen, daß sie sich das wunderbare Wort zu eigen machen: „Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sie erobern muß." Für die Belgische Arbeiterpartei: Die Delegierten zur Exekutive der Sozialistischen Internationale: Emile Vandervelde, Louis de Brouckere, Camille Huysmans. Der Generalsekretär: van Roosbroeck. Die Vorsitzenden der Fraktionen in der Deputiertenkammer und im Senat: Max Hallet, Henry La Fontaine. Oie ungarische Kundgebung. Die Sozialdemokratische Partei Ungarns schreibt der deutschen Sozialdemokratie: Mit wärmster Liebe und tiefster Solidarität betrachtet das in der ungarländischen Sozialdemokratischen Partei organisierte Pro- letariat den heroischen und großzügigen Kampf, den die deutsche Schwesterpactei für Freiheit, Demokratie und Ver- fassung führt. Uns sind diese Kämpfe nicht unbekannt. Dreizehn Jahre sind es, Hitler ausgepfiffen. Der Empfang durch die Geraer Arbsiterfchast. Gera, 27. Juli.(Eigenbericht.) Als am Dienstagnachmittag das Flugzeug mit Hitler in Gera gelandet und Hitlers Auto die Straßen entlangfuhr, wurde er von der Geraer Arbeiterschaft gebührend begrüßt. Schon von weitem zeigten sich ihm auf dem Flugplatz diedreiPseileder E i s e r n e n F r o n t. An der Straße standen dicht gedrängt die Arbeiter Geras, die„den Führer" mit einem Pfeifkonzert begrüßten, das ihm noch lange in den Ohren gellen wird. Die Heilrufe der Nazis gingen in den stürmischen Niederrufen der Arbeiter unter, die trotz ihrer Erbitterung musterhafte Disziplin bewahrten. Die SS. provozierte einen blutigen Zusammenstoß. Hitler selbst gab den Befehl zum Dreinschlagen. Die SS. sprang vom Auto und schlug auf die Menge mit Hundepeitschen ein. Auch in der Stadt Gera selbst kam es zu Zusammenstößen: die Polizei schlug mit Karabinern auf die Menge ein. Ein Jugendlicher wurde niedergeschlagen. Der Menge hatte sich eine ungeheure Er- regung bemächtigt. Herr Hitler zog es vor, seinen geplanten Flug nach Hildburghausen aufzugeben. Er gab der Flugleitung tele- phonisch die Anweisung, die Flugzeuge nach Erfurt zurückzubeordern. Er selbst trat die Weiterreise im Kraftwagen an. Geplatzter Wahlschlager. „Entdeckungen" bei Hugenbergs. Die Hugenberg-Presse versucht jetzt mit einem„zugkräftigen" Wahlschlager aufzuwarten. Sic berichtet über einen„W a h l> ge l d e r- S k a n d a l der abgesetzten preußischen Rc- g i e r u n g". Danach will die Hugenberg-Presse„von einer sehr zuverlässigen Stelle"— wahrscheinlich Herrn Bracht— erfahren haben, daß-das preußische Staafsministerium den Regierungsparteien für die Preußenwahlen einen Betrag von zwei Millionen Mark zur Ver- fügung gestellt hat. Dieser Betrag wurde angeblich durchs die Erhöhung des „Fonds zur Bekämpfung- des Verbrechertums", der mit 260 000 Mark festgesetzt ist, bereitgestellt. An den Behauptungen der Hugenberg-Presse ist lediglich so viel wahr, daß die preußische Regierung angesichts der Erstarkung des Verbrecherunwesens im April b e f ch l o f f e n hat den„Foods zur Bekäntpfung des Verbrechertums" zu erhöhen. Es handelt sich hier um einen Eventualbefchluß, der unseres Wissens nie- daß unsere Partei mit der Reaktion ununterbrochen zu ringen hat. und wir wissen demzufolge nur allzu gut, welchen Maßes der Opferwilligkeit und der heldenhaften Ausdauer jener Kampf bedarf, den Sie jetzt gegen die faschistische Welle zu fuhren haben. Doch: nicht allein dieser Umstand ist es, der uns zu einer besonderen Teilnahme an Ihrem Kampfe mahnt. Die ungar- ländische Partei rühmt sich, in ihren Anfängen.�in ihren Kamps- Methoden, in der Theorie und in der Praxis Schülerin der großen deutschen Sozialdemokratie zu sein. Jene Partei, die dem Weltproletariat Männer wie Marx. Engels. Lassalle. Liebknecht und Bebel schenkte, kann im Kampfe nicht untergehen und wir sind der felsenfesten sozialdemokratischen Ueberzeugung, daf� endlich die innere Kraft der demo» kr a tischen Verfafsung sich siegreich aus dem Kampfe mit der Diktatur emporheben wird. Empfanget, werte Genossen, unsere sozialistischen Grüße: Stefan Farkas, Generalsekretär. Kundgebung aus der Tschechosiowakei. Die Vorstände der deutschen und tschechischen sozialdemokratischen Partei in der Tschechoflo- wakischen Republik haben folgende Kundgebung an den Vor- stand der Sozialdemokratischen Partei in Deutschland ge- sendet: „Werte Genossen und Genossinnen! Mit der größten Leidenschaft und Teilnahme verfolgen wir Euren gewaltigen Wahlkampf, der an Größe und Bedeutung alle bisherigen Wahlkämpfe der deutschen Republik bei weitem über- trifft. Unter Ausnützung der kapitalistischen Wirrnisse der Nach- kriegszeit haben sich alle dunklen Mächte des allen Deutschland ver- einigt, um die republikanische Verfassung gewaltsam aufzuheben, die parlamentarische Demokratie zu vernichten und die Freiheit eines großen Kulturvolkes mit Füßen zu treten. Damit wären alle Errungenschaften der Arbeiterklasse und alle ihre Hoffnungen auf ein besseres Dasein ausgetilgt, der Frieden in Europa auf das schwerste bedroht. Genossen und Genossinnen, wir bewundern Euren heroischen Kampf. Es ist der Kampf für die Republik, für die De- m o k r a t i e und für die F r e i h e i t! Es ist aber nicht nur Euer Kampf, sondern auch gleichzeitig der unsrige. Es ist der Kampf der Arbeiterklasse der ganzen Welt. Es ist ein Kampf der gesamten Kulturmenschheit um neue demokratische Grundlagen und um«ine neue Wirtschaftsordnung. Wir übersenden Euch die herzlichsten Grüße aller deut- schen und tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiter unseres Landes. In dieser Stunde siud unsere Blicke ebenso wie die der gesamten Sozialistischen Internationale aus Euch gerichtet. Wir er- warten mit brennender Ungeduld die Ergebnisse Eures gigantischen Wahlkampfes. Wir sind uns der internationalen Bedeu- tung dieses Wahlkampfe» voll bewußt. Der nächst« Sonn- tag wird nicht nur«in historischer Tag in der Geschichte Deutsch- lands, sondern auch in der Geschichte der ganzen Welt sein. Wir wissen, daß Ihr— mag kommen was will— jeder- zeit gerüstet seid. Euch aber rufen wir zu, daß die Sozia- listische Internationale geschlossen an Eurer Seit« steht. Die Fahnen, die Ihr stolz erhoben habt, sind die Fahnen der Frecheit der Völker und der Menschheit, sind die Fahnen der De- mokratie und der Republik. Unsere Herzen schlagen Euch entgegen. Die Vorstände der tschechoslowakischen und deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschecho- slowakischen Republik. mals ausgeführt wurde. Die Behauptungen der Hugenberg- Presse sind glatt aus den Fingern gesogen. Mit dem schönen Wahl- schlager ist es wieder einmal nichts. Oer schwarzweißroie Pferdefuß. Was steht hinter der Hakenkreuzfahnc? In ihrem Zorn über die Fahnen der Eisernen Front lügen die Nazis im„Angrift": „Im Norden, Osten und Westen der Stadt überwiegen gegen- über den roten Fetzen bereits die Hakenkreuzsahnen." Da haben die guten Leute zum ersten nicht genau hingesehen. Zum zweiten aber: wir hatten immer geglaubt, die Hakenkreuz- sahnen seien ebenfalls rot. wieso dann„rote Fetzen"? Weil das Rot der Hakenkreuzsahnen nur die Tarnung für die fchwarzweitzrote Gesinnung der Schlotbarone»nd Krautjunker ist! polnisch-rufsischer Vertragsabschluß. Jubel in Warschau- Wut in Bukarest. Der polnisch-russische Nichtangriffspakt ist nach langem Schwebezustand von den Bevollmächtigten beider Staaten unterzeichnet worden. Die Ratifizierung ist danach felbstverständ- lieh, denn das Moskauer Außenkommissariat tut natürlich nichts ohne die Zustimmung Stalins und auch in Warschau wird ja diktatorisch regiert. In den nächsten Tagen werden im Moskauer Rundfunk der Zlußenoizekoinmisfar K r e st i n s k i und— als erster ausländischer Diplomat— der polnische Gesandte Patek die bei solchem Vertragsschluß üblichen rühmenden Worte sprechen. Die polnische Regierungepresse feiert den Vertragsabschluß als einen Schlag gegen die deutsche Auhenpolilik, deren Zusammenarbeit mit der Sowjetunion dadurch auss neue erschwert werde. Die Ueberwindung der bisherigen Schwierigkeften für die polnisch- russische Verständigung ist vor allem der Hallung der Papen- Schleicher-Regierung und Hitlers zu danken. Diesen falle die. Zerschlagung von Rapallo leichter als die von Versailles. Zugleich wird angekündigt, bah bereits in nächster Zeit Handelsoertragsverhandlungen mit Rußland beginnen. Ganz anders nehmen gewisse rumäniscbe Zeitungen den potnisch-russijchen Vertrag auf. Da wird Pilsudski, der„Ehren- Marschall" der rumänischen Armee, massiv beschimpft, weil dieser Vertrag immerhin die Aussichten aus einen Krieg gegen Sowjet- rußland einschränkt. Zum Thema Militärdiktatur. „Es ist zwar nicht richtig, daß man sich auf die Bajonette nur st ü g e n, nicht aber auf ihnen sitzen kann. Man kann auch auf den Bajonetten sitzen, das pflegt aber früher oder später sehr schmerzliche Folgen zu haben. Mit physischer Gewalt allein kann gegenwärtig keine Diktatur aus- Schleicher zitiert„Die Gesellschaft".- Das Bündnis mit Hitler wird bestätigt. „Wenn man unter Militär- diktalur eine Regierung versteht, die sich nur auf die Bajo- nette der Reichswehr stützt, lo kann ich dazu nur sagen, daß eine solche Regierung im luit- leeren Raum sich schnell abnutzen und letzten Endes zum Mißerfolg führen muß In Deutschland vielleicht mehr noch als in manchen anderen! kommen. Jede Diktatur braucht Ländern muh die Regierung von � nicht nur die Waffen, sondern einer breiten Volksströmung ge- auch eine sie tragende Schicht, die tragen sein,"- je nach den sozialen und kulturel- (Schleicher in seiner Rundfunk- len Verhältnissen jedes Landes rede.) mehr oder weniger breit sein muß. Und in Deutschland mühte diese Sch'cht verhältnismäßig viel breiter sein als in Rußland oder in Ztalien." („Die Gesellschaft", Zuli lgZZ. > Seite S.) Es ist nicht uninteressant, das Zitat aus der„Gesell- schaft", das Herr v. Schleicher sich zum Teil zu eigen gemacht hat, fortzusetzen: Dieser Umstand ist auch den Inspiratoren der„Präsidialregie- rung" nicht entgangen, und sie versuchen, als tragende Masse Für 60 Pfennige... So hoch soll die Arbeitelo'enunterstützung im Dritten Reich sein, PRINZ AU Ml Bukt kräftig.Heil Hitler!"- dann reicht es schon! für ihre Diktatur die nationalsozialistische Sewe- g u n g zu gewinnen. Sie verfolgen damit ein doppelle» Ziel, indem sie einer direkten Machteroberung durch die Razis vorbeugen und zugleich die Razibewegung zur Fundierung einer von oben eingesetzten Diktatur gebrauchen wollen. Diese Bestrebungen werden— wenigstens vorläufig— von der nationalsozialistischen Parteiführung unterstützt. Und wir dürfen wohl annehmen, daß Hitler sein Abkommen mit dem neuen Kabinelt nicht ungern abgeschlossen hat. Richt nur deshalb, weil er vorläufig keine Chance für die Macht- eroberung aus eigener Kraft sieht, sondern auch weil er selbst, nach unten„revolutionär" und nach oben sehr kapilalisten- und agrar- freundlich, im Grunde die gleiche Politik der Fundierung einer agrarisch-grohkapitalistischen Diktatur durch seine Bewegung anstrebt. Die Massen der nationalsozialistischen Lewe- gung sollen aber für diese Ziele gebraucht werden, ohne zu'merken, daß sie nicht für den Ausbau eines nebel- hasten„Dritten Reiches", sondern für die Wiederherstellung der altpreußischen herrschaftsverhältnisse ver- wandt werden. Sie sollen mindestens bis zum Wahltag davon überzeugt bleiben, daß ihre Partei mit dem Kabinett der Barone nichts zu tun hatte und mit ihrer ganzen Kraft den unversöhnlichen Kampf für die zwar völlig unklaren, aber leidenschaftlich empfundenen Ziele der Bewegung führe. Der wahlkampf erhält damit den Charakter eines eigenartigen Rennens: gelingt es den Führern, an das Ziel zu kommen, bevor ihre Massen bemerkt haben, was gespielt wird, oder nicht?" 13 Verletzte in Leipzig. Zusammenstöße auf dem Karl-Marx-Platz. Leipzig. 27. Juli.(Eigenbericht.) On einem Leipziger Vorort kam es am Dienstagnach- mittag zu schweren Schlägereien zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Nationalsozialistische Zettelverteiler, die von Kommu- nisten angegriffen wurden, gaben auf der Mucht mehrere Schüsse gegen ihre Verfolger ab. Am Karl-Marx-Platz kam es dann zu blutigen Auseinandersetzungen. Die Gegner gingen mit Zaunlatten und anderen harten Gegenständen aufeinander los. Insgesamt waren an dem Kampf etwa 17l> Personen beteiligt. 13 Mann wurden verletzt, davon drei schwer. Schießerei in Essen. Essen, 27. Juli.(Eigenbericht) In Essen gab es am Dienstognachmittag zwischen National- sozialisten und Kommunisten eine Schießerei. Etwa 20 bis 30 scharfe Schüsse wurden gewechselt. Zwei Nationalsozialisten wurden verletzt. Achimig, Abteilungsleiier! Die Handzettel, Umhängeplakate usw. müssen vom Sitzungssaal des Vezirksverbandes abgeholt werden. Das Pezirkssekretariat ist täglich bis 26 Uhr geöffnet. Lleberfall auf Wolffel vor Gericht Naziaussagen widerlegt— Prozeß vertagt Der hinkerhältigc nationalsoziallflifche lleberfall auf den 55jährigen Reichsbannersührer Max w ö l s s e l am Morgen des lZ. Zuli stand bereits heule morgen zur Verhandlung vor dem Schnellschössengerichl. Die Anberaumung eines früheren Termins war wegen der schweren Verletzungen des llebersallenen nicht möglich, wölfsel mußte auch heute noch von zwei Reichs- bannerleulen aus dem Krankenhaus auf einer Tragbahre in den Gerichtssaal getragen werden. Sein rechtes Bein, dessen Knöchel zersplittert ist, befindet sich In einem Gipsverband. Wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung, begangen aus politischen Beweggründen, haben sich auf Grund des Strafgesetz- buches und der Notoerordnung des Reichspräsidenten vom 14. Juni d I. zu verantworten der bereits zweimal wegen Körperverletzung vorbestrafte SA.-Mann K r i n g, der 19jährige Arbeiter B e st- mann, der 23jährige Fleischer L a e h n und der gleichfalls 23jährige kaufmännische Angestellte Horst H o f f m a n n. Die ersten drei befinden sich in Haft. Zur Tat selbst erklären sämtliche vier Angeklagten einheitlich, daß sie in der Nacht vom 11. zum 12. Juli in dem Lokal der Mutter des Angeklagten B e st m a n n gekneipt, eine Anzahl„Stiefel" und Mollen getrunken hätten. Um 3 Uhr nachts brach man auf und begab sich zu der S A.- M u t t c r L o ch m a n n, um hier einen Kaffee zu trinken. Gegen 145 Uhr wurde man von der Tochter der Lochmann hinunterbegleitet Die weiteren Angaben der Ange- klagten über den Borfall selbst gehen auseinander. Die Angeklagten K r i n g und B e st m a n n wollen sich sofort verabschiedet haben, um den Heimweg anzutreten; sie hätten sich umgedreht und gesehen, wie der Angeklagte Laehn von einem Mann mit einer Pistole be- droht worden wäre, seien hinzugesprungen und hätten dem An- greiser die Pistole entwunden. Keiner von den beiden will auf Wölffel einschlagen haben. Der Angeklagte Laehn tischt folgendes Märchen auf: Ein Mann fei vorbeigekommen. Er habe ihn mit dem Hitlergruß begrüßt. Der Mann hätte ausgespuckt und Är- beitermörder und Nazistrolchs gesagt. Es fei ein Wortwechsel ent- standen, der Mann hätte seine Pistole gezogen, darauf hätte er, Laehn, in Notwehr zugefaßt. Seine Kameraden seien ihm zu Hilfe gekommen. Wohl hätte er dem Mann ein paar Schläge versetzt, es kann aber keine Rede davon fein, daß er ihn mit Füßen getreten oder gar die Knöchel gebrochen hätte. Die Darstellung des verletzten Wölffel ergibt ein ganz anderes Bild: sie wind von den Darstellungen unbeteiligter Zeugen bestätigt. Wölffel, der Brauer ist, befand sich gegen 414 Uhr auf dem Wege zur Arbeit. Er war von der Boyenstraße in die Chausseestraße ein» gebogen und an einem Aquariumladen stehengeblieben, um sich die Auslagen anzusehen. In der Nähe stand ein junger Mensch in weißem Hemd, ohne Abzeichen: einige Meter entfernt noch drei junge Leute. Der junge Mensch im weißem Hemd trat an ihn plötzlich heran und sagte, auf sein Reichsbanner- und Eisernes- Front-Abzeichen hinweisend:„Mach' das Ding ab", und faßte auch gleich zu. Wölffel stieß ihn zurück. Im selben Augenblick wurde er von hinten von mehreren Leuten angefaßt, zu Boden ge- warfen und mit Fäusten und Füßen bearbeitet. In der Notwehr hatte er die Pistole gezogen, in deren Lauf sich keine Kugel befand. Einen Hitlergruß hat er weder gehört noch hat er ihn mit den ihm von Laehn in den Mund gelegten Mußerungen beantwortet. Als Schläger erkennt er Laehn, der ihn als er st er ange- sprachen hat, und Best mann wieder. Aus die Frage des Vorsitzenden erklärt Wölffel, daß die Heilung seines Beines noch sechs bis sieben Wochen brauchen würde. Die Vernehmungen eines Wächters des Warenhauses Tietz und eines Monteurs Lindbera bestätigten in vollem Umfang die Dar- ftellungen des schwerverletzten Wölsiel und widerlegten vollkommen die Darstellungen des Naziangeklagten. Da der Tatbestand einer Bedrohung des Zeugen Lindberg mit der Waffe durch den Nazi K r i n g nicht genügend geklärt ist, wird von den Parteien beantragt, die Verhandlung zwecks neuer Ermittlung zu vertagen. Das Gericht beschließt diesem Antrage gemäß, hält aber die Haftbefehle gegen drei Angeklagte aufrecht. Es ist sehr bedauerlich, daß durch die Hineinziehung der Episode Lindberg die Verhandlung nicht zu Ende geführt werden konnte. Film und Volksbühne. Die Organisation der Besucher. In dem Geschäftsbericht des Verbandes der deut- schen Volksbühnenvereine, der in dem Verbandsorgan„Die Volks- bühne" für 1931/32 erstattet wird(Heft Iult/August), wird auch die Filmtätigkeit des Berbandes behandelt. Die Unsicherheit der äußeren Umstände verbot die Einleitung schwieriger Experimente auf dem Gebiete der Filmarbeit von selbst. Vielmehr wurde mit dan schon im Vorjahr erprobten organisatorischen und ähnlichen Mitteln auch in der Berichtszeit gearbeitet, wobei wiederum die Feststellung wichtig ist, daß sich irgendeine allgemein- gültige Norm oder auch nur eine klar erkennbare Grundlinie hin- sichtlich der Organisation der Filmarbeit nicht ergeben hat, weil alle Vorgänge ausschließlich den speziellen örtlichen Ge- gebenheiten sich anpaßten. Lediglich in Breslau und in Grünberg, vorübergehend auch in Magdeburg, war die Arbeit am Film ganz systematisch ausgebaut: in Breslau mit einer besonderen Film- gemeinde mit fester Mitgliedschaft, die ihren Mitgliedern in einem der ersten Uraufführungstheater der Stadt im Verlaufe der Spiel- zeit zu äußerst mähigen Bedingungen fünf Spitzenfilme der inter- nationalen Produktion vermittelte: in Grünberg mit der Füh- rung des eigenen Filmtheaters im dortigen Stadttheater. Im ganzen haben sich nur etwa noch zwei Drittel derjenigen Vereine, die im Vorjahr auf dem Gebiet des Films tätig waren, mit dieser Sparte befaßt, nämlich 41 Vereine. Besondere Film- gemeinden wiesen in der Berichtszeit nur 3 Vereine(darunter Breslau) auf. Weitere 11 Vereine führten eigene Aufführungen durch. In der Hälfte aller Fälle beschränkte man sich darauf, für die Mitglieder der Volksbühne Preisermäßigungen in regu- lären Kinotheatern zu erwirken, wobei aber in der Regel diese Er- Mäßigung nur in Anspruch genommen wurde, wenn einwandfreie Filme das Programm bildeten. Erschwert wurde die Filmarbeit durch die allgemeine wirffchaftliche Lage, sodann wohl auch durch die inzwischen stark herabgefetzten Filmtheaterpreise. In einem Einzelfalle allerdings hat die Bewegung Ausgezeich- netes zu leisten vermocht: das war im Sommer 1931, als der Film „Im Westen nichts Neues" freigegeben wurde. Damals konnten sich zahlreiche Volksbühnen im Reich mit größtem zahlen- mäßigen Erfolg für dieses Filmwerk einsetzen. In vielen Städten haben die Mitgliedschaften der örtlichen Volksbühnen fast restlos den Remarque-Film besucht. In anderen Fällen traten, um einer Vor- schrift der Freigabebestimmungen gerecht zu werden, örtliche Volks- bühnsn allein oder gemeinsam mit anderen Kulturorganisationen als Träger der Remarque-Filmvorftellungen in den einzelnen Städten auf. Auf diese Weise war es z. B. im Rheinland und in Westfalen möglich, den Film teilweise wochenlang in zahlreichen Lichtspiel- theatern.vor Zehntausenden von Besuchern laufen zu lassen. Die beratende Tätigkeit der Verbandszentrale auf diesem Gebiet ist fortgesetzt worden. Insgesamt gelangten 13 Listen begutachteter Filme von der Verbandsgeschäftsstelle an die inter- essierten Vereine zum Versand. Diese Listen führten zusammen ins- gesamt 19 9 F i l m e, die in der Berichtszeit in Verlin zum ersten- mal gezeigt worden waren, aus. Die bewährte Einteilung dieser Filme in drei Güteklassen ist beibehalten worden. Von 199 begut- achteten Filmen wurden nur 24 uneingeschränkt positiv gewertet: weitere 42 Filme waren als beachtenswerte Mittelfilme bezeichnet worden und 133 Filme verfielen von vornherein der Ablehnung. Der angelegte Maßstab für diese Bewertung wurde nicht mehr ganz so streng gchandhabt wie in den vorhergehenden Jahren. Das Nachbarschastsproblem. 4. Internat onale Settlementskonferenz. * Den Höhepunkt der Tagung der 4. Internationalen Settlementskonferenz bildete die große öffentliche Ver- sammlung in dem Plenarsaale der Reichswirtschastskonserenz. In dieser Versammlung kam die große Sehnsucht nach einem neuen Gemeinschaftsgeist recht zum Ausdruck, die die Pioniere der Settlementsbewegung tief innerlich bewegt. Der Nach- barschaftsgeist soll sich schließlich zur völkerverbindenden Idee ausreisen. Starke religiöse Stimmungen schlugen in den Re- feraten durch. Prof. E l a s s e n wandte sich wuchtig gegen die ganze heutige Form des Aroßftadtlebens. Die Lösung des Grotzstadtproblems als eines Gemeinschaftsproblems sei mißglückt. Die Groß- stadt sei völlig durch Gegensätze zerklüftet. Ueberall walte der Geist der Uneinigkeit, des Unfriedens. Ueberall trete die Tendenz in Deutschland hervor, Abgründe zwischen den sozialen Gruppen auf- zuweisen. Im Rahmen der staatlichen Gemeinschaft habe die Sozial- demokratie vor dem Kriege große gewerkschaftliche Organisationen aufgebaut. Der Kommunismus spitze den Klassengegensatz in ganz extremer, die Gemeinschaft zersetzender Weise zu. Der heutige Rassen-Rationalismus treibe die Gemeinschaft direkt auseinander. Außerhalb der Großstadt sei vielfach in ländlichen Siedlungen ein Nachbarschaftsgeist, ein neuer Gemeinschaftsgeist aufgeblüht. Die nachfolgenden Redner stellten den Nachbarschafts- geist direkt als eine die Gesellschaft umgestaltende geistige Macht dar. Als eine ernste Mahnung prägten sich die Worte des Vorsitzen- den Prof. Siegmund-Schultze ein: Geht in die Arbeiter- quartiere, dort im Osten werdet ihr eine andere Solidarität als im Westen finden. Die Nachbarsiedlung solle sich zu einer neuen Aufbauquelle entwickeln. Die Völker sollen zu guten Nachbarn werden! Gegenüber der demagogischen Mordhetze warf Siegmund-Schultze die ernste Frage auf: Soll der Bruderkrieg etwa an die Stelle des Weltkrieges treten?___ P.K. Erwerbslosigkeit und Ernährung. Prof. Carl von Tyszka. der Nationalökonom und Sta- tistiker an der Universität Hamburg, hat über den Einfluß der Wirt- ichastskrise auf Lebenshaltung und Ernährungslage des deutschen Volkes umfassende statistische Untersuchungen angestellt. Mit seinem Ergebnis, das er in der„Klinischen Wochenschrift" veröffentlicht, tritt Tiezka der Ansicht entgegen, die aus dem amtlichen" Lebens- haltungsindsx mit seiner Senkung der Lebenshaltungskosten von 1917 bis 1932 um etwa 20 bis 25 Proz. und aus einem Abbau der Löhne um 6 Proz. entstehen tönnt�: als habe sich die Lebenshaltung der noch in Beschäftigung stehenden Arbeiter keinesfalls ver- schlechtert. Die Wirkung der Lohnkürzung war, so betont er, nicht nur eine Einschränkung im Bedarf an Bekleidung, Wäsche, Hausrat, Erholung usw., sondern ganz sicher auch eine Ver- schlechterung der Ernährung, und zwar der Uebergang von einer hochanimalischen zu einer mehr vegetabilischen Kost. Der Forscher erörterte dann die Frage, wie eine durch Arbeitslosigkeit oder verstärkte Kurzarbeit erzwungene größere Einkommens- Verkürzung auf die Lebenshaltung und Ernährungslage der Arbeit- nehmer wirkt. Auf den ersten Blick erstaunlich erscheint eine etwas stärkere Einschränkung der Zlusgaben für pflanzliche als für tierische Nahrungsmittel— ein deutlicher Beweis, wie notwendig für städtische Familien die Aufnahme animalischer Nahrungsmittel ist. Denn selbst bei einer Verminderung des Einkommens um etwa ein Drittel wird der Verbrauch animalischer Produtte so wenig wie möglich gekürzt. Das mögen alle diejenigen, die für eine über- wiegend vegetabilische Kost eintreten und für die Industriebevölke- rung Kartoffeln und Roggenbrot für zuträglicher halten als Fleisch und Butter, recht beherzigen. Es gibt bestimmte Grenzen für die Einschränkung: ein gewisser Fettbedarf muß eben befriedigt werden. Tyszkas Untersuchung ergibt bei Schmälerung des Einkommens um rund ein Drittel eine wesentliche Verschlechterung der Er- nährung, die in einer Verringerung der verbrauchten Mengen, Verminderung der Qualitäten und Rück- gang der Eiwcißzufuhr wie der Kalorienzohl zum Ausdruck kommt. Bei den in Beschäftigung stehenden Arbeiterfamilien muß die Vitaminzufuhr als kaum genügend bezeichnet werden, bei den während der Erwerbslosigkeit untersuchten Haushalten aber herrscht geradezu Vitaminmangel. Das gilt schon von denen, die noch die Arbeitslosenunterstützung bezogen. Bei den Empfängern der Krisen- und Wohlfahrtsunterstützung spricht Dr. Hellmut Lehmann in einer Arbeit in der„Zeitschrift für Ernährung" von einer ver- schleierten Hungersnot, und Prof. von Tyszka gibt ihm darin recht. Nach den ermittelten Zahlen ist die Ernährung der Menge nach und besonders der Qualität nach mit ihrem viel zu geringen Verbrauch an Eiweißträgern völlig unzureichend. Die lleberhunderkjährigen in Preußen. Von 123 Personen, die bei einer Zählung am 4. März 1932 in Preußen ihr 100. Lebens- jähr vollendet hatten, find nach der soeben veröffentlichten letzten Statistik des Preußischen Statistischen Reichsamts noch 17 am Leven. 106 Personen im Alter von 100 bis 100 Iahren verstarben in der Zwischenzeit..Die Mehrzahl der Ueberhundertjährigen rekrutiert sich aus Bauern. 7 der noch Lebenden sind jetzt 101 Jahre, 5 102, 1 Frau ist 103, 3 Frauen sind 104 und 1 Mann ist sogar 106 Jahre alt. Im allgemeinen schlagen die Frauen die Männer beim Alters» rekord ganz erheblich. Hitler als„Gewerkschafier". Anwalt der Llnternehmerintereisen und Feind der freien Gewerkschaften. Hitler hat den zweifelhaften Ruhm, an der Spitze einer Partei zu stehen, die jedem das verspricht, was er gern hören möchte. Auch in der G e w e r k f ch a f t s f r a g e ist diese Vielziingigkeit kenn- zeichnend für das Wesen einer Bewegung, deren innerster Kern abgrundtiefe Verlogenheit ist. Lassen wir Hitler selbst reden.(Die folgenden Zitate sind der Schrift Hitlers„Mein Kampf", 10. Auslage, entnommen. Sie sind dort aus den Seiten 9 bis S3 zu finden.) Wir geben ihm zunächst als Verfechter der Gcwerkschaftsidee das Wort: „Solange es unter den Arbeitgebern Menschen mit geringem sozialen Verständnis oder gar mangelndem Rechts- uno Billig- keitsgesühl gibt, ist es nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht der von ihnen Angestellten, die doch einen Teil unseres Volkstums bilden, die Interessen der Allgemeinheit gegenüber Ber Habsucht oder der Unvernunft eines einzelnen zu schützen: denn die Erhal tnng von Treu und Glauben in einein Volkskörper ist ein Jnter esse der Nation genau so wie die Erhaltung der Gesundheit Bes Volkes. Beides wird durch unwürdige Unternehmer schwer be droht... Nachdem sich Hitler in dieser scheinbar rücksichtslosen Weise für die Gewerkschaften eingesetzt hat, ohne sich aber irgendwie fest- zulegen, muß er seinen Unternehmersreunden auch etwas Nettes sagen. Das geschieht, indem er mit einem listigen Augenzwinkern die„Entdeckung" ausspricht, die ihm ganz allein gelungen ist, daß die bösen freien Gewerkschaften ausgerechnet um die Jahrhundert wende„längst" aufgehört hätten, ihrer früheren Aufgabe zu dienen. Damit ist der Boden vorbereitet, aus dem Hitler als Gewerkschaft� seind und Anwalt des Unternehmertums sich enthüllen kann. Jetzt hat der wahre Hitler das Wort: „Von Jahr zu Jahr war sie(die Gewerkschaftsbewegung) mehr und mehr in den Bannkreis der sozialdemokratischen Politik geraten, um nur noch als Ramme des Klassenkampfes Anwen- dung zu finBen.... Die Vertretung aller wirklichen Bedürfnisse der Arbeiterschaft kam damit immer weniger in Frage, bis die politische Klugheit es endlich überhaupt nicht mehr als wünschens- wert erscheinen ließ, die sozialen und kulturellen Nöte der breiten Masse zu beheben.... Gleich einer drohenden Ge- witterwalke hing schon damals die„freie Gewerkschaft" über dem politischen Horizont und über dem Dasein des einzelnen" Nach diesen den gänzlichen Stellungswechsel Hitlers in der Ge- werkschaftsfrage vorbereitenden Worten holt er, sicherlich unter dem lauten Beifall Ber Unternehmer, zum entscheidenden Satz aus: „Die Gewerkschaft war eines der fürchterlichsten Terrorinstrumente gegen die Sicherheit und Unabhän- gigkeit der nationalen Wirtschaft, die Festigkeit des Staates und die Freiheit der Person." So sind Papenkreuzler„gewerkschaftsfreundlich", um grund- sätzlich gewerkschaftsseindlich zu fein. Ausgerechnet Hitler, dessen Mordbanditen Tag um Tag die Freiheit der Person bedrohen, dessen„System" auf die Unterdrückung jeder Freizeit auf- gebaut ist, wirft den Gewerkschaften Terror und Bedrohung vor. Der Schwindel ist zu ossensichtlich. Die freien Gewerkschaften haben zu allen Zeiten mit Nachdruck die Forderungen der Arbeiterschaft vertreten. Sie sind dafür vom Unternehmertum befehdet, verleumdet und denunziert worden. Heute besorgt das Hitler und seine Partei der Hungerkreuzler. Unter dem Hungerkreuz feiern die Methoden des selig entschlafenen Reichslügen- Verbandes eine vervielfachte Auferstehung mit dem eindeutigen Ziel, die Gewerkschaften endgültig zu zerschlagen. Der 31. Juli muß den Sieg der freiheitlich gesonnenen Arbeiterschaft, muß den Sieg des alten Gewerkschaftsgedankcns bringen. Gegen das Kündigungsschuhgeseh. Die Llnternehmer wollen es beseitigt wissen. Die Unternehmer betrachten die gegenwärtige Wirtschaftskrise als den günstigsten Zeitpunkt, um auch mit den besonderen Schutz- rechten der �Angestellten aufzuräumen. Ihr Kampf richtet sich mit besonderer Schärfe gegen das Kündigungsschuhgesetz sür Angestellte. Seitdem der Berliner Arbeitgeberoerband des Großhandels im September 1931 von der Reichsregierung die Aushebung des Kündigungsschuhes durch Notverordnung sorderte, ist fast kein Monat vergangen, der nicht einen neuen Vorstoß der Unternehmer brachte. Wir begreisen die reaktionäre Sehnsucht der Unternehmer. Die wich- tigste sozialpolitische Funktion des Kündigungsschutzgesetzes besteht darin, zu verhindern, daß die Unternehmer ihre Angestellten, die teilweise Jahrzehnte in ihrem Betrieb tätig gewesen sind, kurz- fristig auf die Straße setzen können. Indem die Unternehmer diese Funktion außer Kraft setzen wollen, streben sie an, das Unternehmer- risiko in noch größerem Umfange als bisher einseitig auf die Schultern der Angestellten abzuwälzen. Der Zentralverband der Angestellten hat sich bei den zuständigen Stellen des Reiches mit größtem Nach- druck gegen die Forderungen der Unternehmer ausgesprochen. Nicht die Beseitigung des Kündigungsschutzgesetzes, sondern ein weiterer Ausbau des Kündigungsschuhes im Sinne unserer wiederholten For- derungen, insbesondere durch Einführung eines Abkehrgeldes, tut not. Bisher ist es gelungen, den Angriff der Unternehmer abzu- wehren. Wie lange aber das gegenwärtige Kabinett der Barone und Junker den Unternehmerwünschen widerstehen wird, läßt sich schwer voraussagen. Die Angestellten müssen selber dafür sorgen, daß der Kün- digungsschutz erhalten bleibt: am 31. Juli müssen sie Liste I wählen! SA. als Lohndrücker. Beim„nationalen" Tannenberg-Film. Bei den in Gr. Machnow jetzt beendeten Aufnahmen für diesen Film, wurden etwa 3S0 SA.-Leute drei Wochen lang beschäftigt für ein Tageshonorar von fünf Mark und Essen aus der Gulaschkanone. Während die braunen Soldaten und„rauhen Kämpfer" aus Hitlers Privatarmee Filmkrieg spielten, saßen auf dem Ar- b e i t s n a ch w e i s für Filmdarsteller in der Besselstraße gegen 1000 hungernde Filmdarsteller, Schauspieler und Artisten und warteten vergebens— wie sie heute noch warten— aus einen vorübergehenden Verdienst, aus ein Tagcsengagement. Die SA.-Leute waren billiger und machten sich nichts daraus, den hungernden Filmkomparsen in den Rücken zu fallen. Nun, sie werden dieser„Arbeiterpartei" am Sonn- tag die Quittung ausstellen! Die Einsührung der Fünstage-Ivoche während der Krisenzett, und zwar zunächst einmal bis Mitte des Jahres 1933, ist vom Ar» deitsministerinm der Vereinigten Staaten Nordamerikas beschlossen worden. Oer Handwerkskammervertreter. Lllid sein Aazi-parteifreund. In Guben sind die Friseurmeister verwundert. Ein National- sozialist Nipkow betreibt die Auflösung ihrer Zwangsinnung. Der Obermeister, der sich die Ausrechterhaltung der Innung angelegen sein läßt, erbat für die entscheidende Versammlung die Unterstützung eines Vertreters der Handwerkskammer und der Aussichtsbehörde. Nachdem der Nazimann Nipkow seinen Auflösungsantrag auf Grund der nationalsozialistischen Forderungen begründet hatte, meldete sich der Vertreter der Handwerkskammer und sprach von seinem„Parteifreund Nipko w". Da die Meister sahen, daß ihnen die Handwerkskammer den Nazibock als Gärtner geschickt hatte, entstand großer Tumult, so daß die Versammlung geschlossen werden mußte. Einem Nazimann könne man die Interessen des Handwerks nicht anvertrauen, auch wenn er von der Handwerkskammer abgesandt ist. Oie englischen Textilarbeiter im Kampfe gegen Lohnverschlechterung. V u r n l e y(Lancashire), 27. Zuli. Ungefähr 20 000 Webereiarbeiter sind aus Protest gegen die Aufhebung der Arbeilsverlräge in den Aussland getreten. Drei- oder viertausend von ihnen veranstalteten vor einer der seltenen Webreien, die noch arbeiten, eine Kundgebung. Die Poliezi hat zum„Schuh der Arbeitswilligen" die Demonstranten zerstreut. Unterdessen werden in INanchester Verhandlungen zwischen den Vertretern der Par- leien über den Vorschlag der Unternehmer gesührt, die Löhne bis zu 12!� Proz. herabz»setzen. Diese Lohnkürzung würde 200 000 Arbeiter der Baumwollindustrie tressen. Nazis mit Lahusen! Die Bundespressestelle des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold teilt mit: Heute morgen kleben an den Anschlagsäulen Plakate der Nationalsozialisten, die den Eindruck erwecken sollen, daß die allei- nige Lieferantin für die vorschriftsmäßige Bundeskleidung des Reichsbanners die Firma S t l a r e k gewesen sei. Wie der Gau Berlin-Brandenburg des Reichsbanners hierzu mitteilt, ist überhaupt nur ein einziges Mal ein Inserat der Firma Sklarek in der Gau- beilage der Reichsbanner-Zeitung erschienen, und zwar im Juli 1928, als von den Vorgängen bei der Firma Sklarek die Oeffent- lichkeit noch keine Ahnung hatte. Trotz entschiedener schriftlicher Ab- sage des Gauvorstandes des Reichsbanners an die Firma Sklarek hatte die Firma es verstanden, das Inserat unterzubringen. Bundes- vorstand und Ortsvereine des Gaues wurden sofort in Kenntnis gesetzt, daß die in dem Inserat aufgestellten Behauptungen nicht den Tatsachen entsprechen, während also der Gau Berlin-Brandenburg des Reichsbanners niemals irgendwelche geschäftlichen Beziehungen mit den Sklareks gehabt hat, während die republikanische Presse und Oefsentlichkeit die Sklareks-Schiebungen aufdeckten und alles taten, ihre schleunige gerichtliche Aburteilung zu erreichen, beeilen sich heute die nationalsozialistischen Erneuerer Deutschlands dem ihnen nahestehenden Wirtschaftsoerbrecher Lahusen Schutz angedeihen zu lassen. Hitlers Leibanwalt Dr. Frank II und der Fememörder- anwalt Dr. Luetgebrune haben die Verteidigung Lahufens übernommen. Warum plakatieren die Nazis die ollen Kamellen, die noch dazu Schwindel sind, warum nicht das griffbereite neue Ntaterial? Enrico Malatesta gestorben. Ein Schüler Michael Bakunins. Die anarchistische Bewegung Hot schon in der Vorkriegszeit außerhalb einiger romanischer Länder den Charakter einer kleinen Sekte, die ihre Ideen sortspann und stark mit Spitzeln durchsetzt war. Ab und zu wurde einer dieser Schwärmer wegen einer Rede ver- urteilt, eines ihrer Blättchen unterdrückt. Von den Bombenwürfen in Frankreich, Italien und Spanien distanzierten sich die„wissen- schastlichen" Anarchisten fast immer: einer der bekanntesten von diesen war Enrico Malaie st a. Er war ein Schüler Bakunins: es ist wahrscheinlich, daß er auch Marx, Engels und ihre Freunde anfangs der siebziger Jahre kennengelernt hat. Schon 1877 floh er aus Italien, wo man ihn wegen angeblicher Putschversuche interniert hatte. Nach langen Jahren gehetzten Wanderlebens ließ er sich in England als„Elektro- techniker" nieder. Nach der italienischen Amnestie von 1919 kehrte Malatesta in sein Geburtsland zurück: zwar wurde er vor Gericht gestellt, aber nach einem Dauerprozeß freigesprochen: er hatte Menschlichkeit gepredigt—. und Italien war noch demokratisch. Nun ist Enrico Malatesta, 76 Jahre alt. in Roin gestorben. Zum Prozeß Gorgulow hat der Sowjetbotschaster Dow- galewski auf Antrag eine Zuhörerkarte erhalten. Zw Volkspark Rehberge findet heute, Mittwoch, 19 Uhr, ein öffentliches Freikonzert des Sängerchors Berlin 1 900(Mitglied des DAS.), statt. Es handelt sich um eine Wiederholung des Konzerts vom 1. Juli, bei dem Hunderte wegen Platzmangel keinen Zutritt mehr fanden. Zunggenossen und Zunggenossinnen von Tegel, ZNilglieder des Arbeitersängerbundes, Sangessreunde! In offener Sing- stunde, an der ihr alle teilnehmen sollt, wird am Mittwoch dem 27. Juli, von 19— 20 Uhr im Reichsbanner-Bootshaus, Tegel, User- straße 1, das„Kampflied der Eisernen Front" als ein- stimmiger Massengesang gelernt. Ausweise mitbringen. Welter für Verlin: Teils wolkig, teil heiter, aber vereinzelt noch Schauer: nur mäßig warm mit südwestlichen Winden. Für Deutschland: Im Süden und Südwesten trocken, vielfach heiter und etwas wärmer. Im übrigen Reiche nur mäßig warmes, wechselnd wolkiges Wetter und namentlich im Nordwesten noch einzelne Schauer. e Buch JIrktisfahrt des„Zeppelin" Man sogt, daß große Ereignisse ihre Schatten vorauswerfen. Mehr aber noch ziehen große Ereignisse eine Fülle von Büchern nach sich, die alle bemüht sind, die Geschehnisse der Mitwelt im rechten Licht zu zeigen und der Nachwelt zu erhalten. Jedoch selten hat ein Buch die Größe und Großartigkeit eines besonderen Ereia- nisses so unmittelbar und erlebmsstark in Wort und Bild ein» gefangen, wie Dr. L. Kohl- Larsens Schilderung der„A r k- tisfahrt des Graf Zeppelin".(Im Austrage der Jnter- nationalen Gesellschaft zur Erforschung der Arktis mit Luitsahr- zeugen— Aeroarctic—> mit 55 Abbildungen und einer Karte, Union-Deutsche Berlagsgesellschast, Berlin). Dank der geradezu dichterischen Gestaltungskrast des Berichterstatters, der selber Polar- forscher ist und als Kenner urteilt, wird der Leser von der ersten bis zur letzten Zeile in den Bann dieser einzigartigen Fahrt ge- zogen. Das Buch ist mehr als Lektüre, es wird selber Erlebnis. Die Fahrt von Friedrichshafen bis Leningrad, die Ausrüstung an Bord und die besondere Einrichtung für die Polarforschung, die ungeheuren Weiten der russischen Tundren, die Einsamkeit der letzten menschlichen Siedlung— alles wird zum unmittelbaren starken Eindruck. Und dann kommt der Flug hinaus in die Eiswüste, die Vermessung wenig bekannten Landes, der Kampf mit dem Nebel, die Wasserlandung neben dem Eisbrecher„Malygin", die Ballon- erforschung der Stratosphäre— soviel Etappen, soviel sieghafte Errungenschaften der Technik. Zurück geht es über die Nordküste Asiens. Der rasche Wechsel der Landschaften, die im Bild festgehalten sind, läßt die erd- ausbauenden Kräfte des Eises erkennen und macht uns das Eis- zeitschicksal unseres norddeutschen Flachlandes verständlich. Fast möchte man die Geschwindigkeit des Luftschiffes hemmen, denn schon grüßen wieder die roten Dächer der deutschen Städte und Dörfer. Bald enden Fahrt und Buch im Jubel über das glllckhafte Gelingen der Arktisfahrt, die wir als Zeitgenossen zwar miterlebten, deren Bedeutung uns aber nach dieser Lektüre stärker und eindrucksvoller zum Bewußtsein kommt als vor einem Jahr! Das Buch Kohl- Larsens gehört zu den wenigen, die man ohne Einschränkung jedem an kühnen Taten Begeisterten, vor allem jedem Jugendlichen als Besitz wünschen möchte. Wilhelm Tietgens. Rundfunk am Abend Mittwoch, den 17. Juli Berlin: 16.03 Elli Beinhorn über ihre Erlebnisse auf ihrem Weltflug. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Der grie- drisdie Stadt-Staat(Dr. W. Zucker). 17.50 Hörberidit aus Thale. 18.30 Unterhaltungs- und Tanzmusik. 18.53 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Reden zur Reichstagswahl: Wirtsdiaftspartei (Drewitz). Volkspartei(Dingeldey). 20.00 Grenzberidite; Danzig als Brennpunkt des Ostproblems(C. Lange). 20.20 Violinmusik. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Von allerlei Reisen. 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Verwendung der Tanzmusik. Zellulose(Prof. Dr. Grollmanu). 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Warum lehnt Japan bis heute das Christentum ab?(Prof. Dr. Aufhauser). 17.53 Schallplatte und Musik-Kultur(F. Slössingcr). 18.13 Von Eingeborenen und Fischern in Ostsibirien(Dr. Hernlich). 18.35 Die Rechtsprechung zur beamtenrechtlichen Notverordnungspraxis(Dr. Richardt). 18.35 Wetterire rieht. 20.00 Aus Hamburg: Dörch- läucfatings Volk und Land(Hörbild). 20.33 Aus Stuttgart: „Die Gondoliere"(Operelte). 21.43 und 22.40 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Aus Stuttgart; Blasmusik. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. % Pf. durch alle orwärts"-Boten oder die Postanstalten. jitcnntmortl. filt die Redaktion: Rich. Bernstein� Berlin: Anz> Berlin. Verlan: Borwärts 33'.- druckerei und Berlagsanltalt �_ S>er»» I Beilaae. knon: Rlch. Bernstein, Berlin: Än�eigen: TH. Slocke. Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts Buch» It Paul Singer&£o„ Berlin S9B 68. Lindenftr. 3. Theater, Lichtfpiele ufw. pi» Aza Nähe Schles.»hl. 5u.81Mt9!.t.5,8'6U. E 7 Weichsel 4031 Der lideie Bauer Rose- Thealer Me Frankfartir Stra8i 13! Iii. Wiiduei E 7 342! 8.30 Uhr P. Der Uulkan OartenbUhne 5.30 Uhr Konzert n. Variete Drei arme kleine Mädels Äf. h Uhr 13. Flora 3434. Haumeneri. Wieder 12 neue Attraktio nen j haMSand föp/png* Restaurant Berlins BETRIEB A\ KEMPINSKI�j J • Willst du reisen?- Ja! Kannst du reisen?- Nein! Denn Reisen Ist teuer, und dein Geldbeutel ist leer. Aber eines kannst du gewiß tun: das neue Reisebuch des Bücherkreises lesen; Erich Grisar; Mit Kamera und Schreibmaschine durch Europa Bilder und Berichte. MitvIelenFotos. Großformat. Halbleinen. Kein Buch Jur romanfische Träumer und Schönheitssucher, sondern für Gegenwartsmenschen. die wissen wollen, wie die Völker jenseits unserer Grenzen arbeiten und leben. Preis nur 4.30 RM(für Mitglieder Sonderpreis) Verlag Oer Bücherkreis GmbH, Berlin SW 61 Zu beziehen durch: Der Bücherkreis G. m. b. H. 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Ich berufe mich nicht darauf, daß in der Regel der General, der Hofmarfchall, der Kammerherr klüger ist als fein Schneider und Bedienter, sondern darauf, daß alle adligen Kinder verständiger sind als die Bauernkinder gleichen Alters, weil daraus eben die natürliche Vorzüglichkeit ihrer Kopf- und Gehirnorganisation hervorgeht. Wie sieht es nun in dem Kopf eines Bauernjungen und eines Junkers aus? Würde man diesen nicht allein für einen Menschen, jenen aber für eine Abart passieren lassen müssen?" Wenn die Junker vom Schlag« des Barons von Stillfried in dem Bauern nur eine Abart des Menschen erblickten, so trauten sie dieser Abart jedenfalls eine sehr wertvolle Eigenschaft zu: die des Steuerzahlens bis zur Erschöpstrng. Sie selbst waren in Erinnerung an die längst verflossenen Rstterdienste— der Ritter mit seinem Blut, der Bauer mit seinem Gut!— völlig steuerfrei. Dafür mußten die S t a a t s l a st e n von Bauern und Bürgern aufgebracht werden. Arbeiter im heutigen Sinne gab es ja damals nicht. Die von der großen französischen Revolution ausgehende „Gleichmacherei" rüttelte natürlich auch an dem Steuerprwileg des Adels. Mit Klauen und Zähnen und nicht ohne Erfolg hat er es trotzdem bis in unser« Tage hinein zu verteidigen gewußt, seit Jahr- zehnten freilich nicht mehr in der plumpen Form der Befreiung des Adels als solchen von den Steuern, dafür aber durch steuerliche Bevorzugung des Großgrundbesitzes. Vis zum Jahre 1890 hatte in Preußen die Einkommen- st e u e r eine geradezu ungeheuerliche Gestalt. Sie begann bei 900 M. Einkommen und wies steigende Prozentsätze bis zum Ein- kommen von 3000 M. auf. Dort erreichte sie 3 Pro,;. Damit aber war Schluß. Gerade wo die steuerliche Leistungsfähigkeit größer zu werden begann, hörte die Progression auf. Selbst wer über Millionen an lkinkommen verfügte, brauchte nur 3 Proz. zu zahlen. Finanzminister war damals Miguel, der immerhin in seiner Jugend nicht ganz ohne Nutzen für seine spätere ministerielle Be- tätigung Marxist gewesen war. Er wollte für die Einkommen über 100 000 M. 4 Proz. Steuer einführen. Dos Abgeordnetenhaus beschloß demgemäß. Da aber ging das Herrenhaus hoch. Dort saßen fast nur Herren vom Baron aufwärts, die Hohenzollernprinzen von ihrem 18. Lebensjahr an vollzählig, die ehemals reichsunmittekbaren Fürsten, die Vertreter der Graienverbände- wie die des sogenannten allen und befestigten Grundbesitzes. All« Magnaten mit Tausenden und Zehntausenden von Hektaren Land hatten im Herrenhaus Sitz und Stimme. Sie benützten ihre Stimme, um die 4 Proz. ab- zulehnen und so sich selbst ein erhebliches Steuergeschenk zu- zuschanzen. Ich war damals Regierungsreferendar in Schleswig, fühlte mich durchaus als zur Rechten gehörig, hatte jedoch als Ehriftkich-Sozialer schon einen gewissen Sinn für Gerechtigkeit. Der antisoziale Be- schluß des Herrenhauses empörte mich. 5n ehrlicher Entrüstung schrieb ich einen Artikel für die Stöckersche Zeitung„Das Volk" mit der Ueberschnft„Noblesse oblige". In meiner Eigenschaft als Mitglied der Deutschen Adelsgenossenschaft versuchte ich meinen Standesgenossen klarzumachen, daß es den Adel heillos kompromit- tieren müsse, wenn gerade seine reichsten Mitglieder sich weigerten, einen chrem Einkommen entsprechenden Anteil zu den ollgemeinen Lasten beizutragen. Noch sprach ich durchaus nicht etwa als Gegner des Adels, sondern als besorgter Freund, als Glied der Kaste. Schön fuhr ich ab. Im Herrenhaus gab es einen Sturm über meinen Artikel. Der Herzog von Trachenberg, der Graf von der Schulenburg und andere Feudale sielen über mich her, indem sie mich abwechselnd als Sozialdemokraten und als Anarchisten kennzeichneten. (?in Ukas der Preußischen Regierung erging nach Schleswig, der mir unter Androhung schärfster Maßregeln jede weitere öffentliche Schreibtätigkeit untersagte. Als abhängiger Regierungsbeamter mußte ich mich natürlich fügen. Mit innerer Genugtuung aber vermerkte ich, daß bei einer späteren Abstimmung das Herrenhaus die 4 Proz. doch schluckte. Freunde aus dem Finanzministerium versicherten mir, ein Teil der Herren sei umgefallen, weil ihnen meine Kritik zu sehr auf die Nerven gegangen sei. Trotz des Fortschritts der Miquelfchen Steuergesetzgebung blieb die Steuerzahlung noch immer von höchster Ungerechtigkeit. Die Art der Steuereinschätzung korrigierte nämlich die Steuer- gesetze zugunsten der Großgrundbesitzer. Vorsitzender der Steuereinschätzungskommifsion war der L a n d r a t. Er war in ganz Ostelbien ausnahmslos konservativ, also Parteigenosse der Großgrundbesitzer, fast ausnahmslos adlig(von je 28 Landräten waren in Brandenburg 22 adlig, in Pommern 2S), fast ausnahmslos auch der Freund oder Vetter und Jagdgast der Rittergutsbesitzer seines Kreises. Da sollte er deren Steuererklärungen beanstanden. Not hätte es diesen Steuererklärungen ja meist getan. Die Großgrundbesitzer hatten nämlich eine eigenartige Mechode der Berechnung der abzugssähigen Ausgaben: Kosten des Parkes, der Reit- und Kutschpferde, der Jagd, der Hauslehrer und Gouvernanten — alles schienen ihnen notwendige Betriebsausgaben. Wurden die sehr stark nach oben abgerundeten abzugsfähigen Aus- gaben und die stark nach unten abgerundeten Einnahmen gegen- einander abgewogen, so ergab die Schlußrechnung ost 0,0, wenn nicht gar ein Minus. Wobei die armen Teufel aber gar nicht schlecht, sondern durchaus„standesgemäß" weiterlebten. Graf Tfchirschky-Renard hatte in meiner Heimat- prooinz Schlesien ein« herrliche Besitzung mit einer Jagd, die so gut war, daß sogar der Kaiser eine Einladung dahin annahm. Natürlich muhte das Schloß für den hohen Besuch gebührend her- gerichtet und besonders eine des Allerhöchsten Herrn würdig« Bode- stube eingerichtet werden. Ter Scherz kostete 20 OOv M. Aber Einkommensteuer zahkte der Herr Graf nicht. Der Einschätzungskomniission wies er nach, daß er nicht einmal 900 M. Einkommen hatte. Seine Diener, Kutscher, Gärt- ner, Förster mußten sämtlich Einkommen st euer zahlen. Die hatten ja auch Einkommen. Die Junker hatten bei ihrer von den Behörden geduldeten Steuerdrückebergerei ein erlauchtes Vorbild. Ihr weitaus größter Standesgenosse, Für st Bismarck, war das Muster eines steuer- unwilligen Mitbürgers. Als ich im Kreise Herzogtum Lauenburg den Vorsitz in der Steuereinschätzungskommission übernahm, lautete die erste Instruktion, die mir mein Landrat von Dolega-Kozierowski gab:„Bismarcks Steuererklärung darf nicht be- anstandet werden! Sie ist sehr niedrig und sehr dürftig, aber..." Bismarck sah nicht nur durch ein riesenstarkes Verkleinerungs- glas, wenn er sein Einkommen angab, er benutzte auch seine amtliche Allmacht, um all« ihm unbequemen Steuern sich vom Leibe zu halten. Da ich als Regierungsassessor in Ratzeburg ihn sozusagen zu„regieren" hatte, konnte ich mich aktenmäßig davon überzeugen, mit welcher Eleganz er Kreissteuern, Grundsteuer, Schulabgaben und Soziallasten von sich abzuschütteln wußte. Noch 1890, unmittel- bar vor seinem Sturz, verhinderte er, daß Miquel ein fix und fertiges Steuergesetz dem Landtag vorlegte, well er sich hatte be- rechnen lassen, daß er dadurch mehr Steuern zu zahlen haben würde als vorher. Das wollte er um keinen Preis, obwohl er bei seinem Rieseneinkommen(neben gewaltigem Barvermögen und hohem Gehalt verfügte er über die drei Herrschaften Friedrichsruh, Varzin und Schönhoussn) einen höheren Prozentsatz der Einkommensteuer hätte zahlen können, ohne sich Entbehrungen auszusetzen. Wenn es so am grünen Holze Bismarcks aussah, so kann man sich vorstellen, was an den dürren Aesten der Durchschnittsjunker wuchs. Und heute? Ein einziges Beispiel will ich herausgreisen. Im Kreise Köslin sitzt ein Namensvetter von mir, Herr A u g u st v. G e r l a ch. Er ist das Haupt der sogenannten älteren Linie, die einmal in der„Kreuz- Zeitung" feierlich feststellte, daß sie erheblich älteren Adels als meine Familie fei und mit mir nichts zu tun habe. Dieser August v. Gerlach besitzt folgende Güter: Parsow.............. 730 ha Schwemmin............ 800, Drosedow............. 1310, Trienke.............. 1680„ Stadtgut Körlin.......... 130„ Zusammen sind das 4ZS0 Hektar oder 18 200 Morgen, also ein stattlicher Besitz. Trotzdem mußte ich 1927 feststellen, daß dieser offenbar schr notleidende Agrarier nicht in der Lage war, auch nur einen Pfennig Ein- kommensteuer zu zahlen — ein Schicksal, das er übrigens mit seinen Nachbarn von Kameke- Karzig, von Sprenger- Nassow und Graf Hertzberg- Biziker teilte. War der Boden in Parsow so miserabel, daß nichts heraus- gewirtschaftet werden konnte? Offenbar nicht, denn die sechs Bauern, die in demselben Lrtc ihren Besitz hatten, zahlten jeder von seinen 34 Morgen je 1(18 M. Einkommensteuer. Ich hatte keinen Grund, die Ehrlichkeit der Steuererklärung des Herrn August v. Gerlach anzuzweifeln, wenn ich mich auch wunderte, daß er trog seiner negativen Einnahmen in der Lag« war, jedem seiner Tagelöhner eine deutschnationale Zeitung gratis zu halten. Allen Grund aber habe ich, an der Wirstchaft- lichkeit eines Betriebes zu zweifeln, der trotz seiner gewaltigen Größe dem Staat nicht die kleinste Einkommensteuer einträgt. Stellt man sich auch nur die Hälfte des Gerlachfchen Besitzes als parzelliert unter Bauern a 50 Morgen vor, so hätte das dem Reich im Fahre 1927. nicht weniger als 17 000 M. Einkommensteuer erbracht. Die Großgrundbesitzer waren immer(nur vom Durch- schnitt ist natürlich die Rede) die schlechtesten Steuerobjekte für den Staat und sind es bis heute geblieben. Für ihn sind sie nicht produktives, sondern fressendes Kapital. Früher subventionierte er sie durch Zuckerprämien und Branntweinliebes- gaben, heute„saniert" er sie mit der O st h i l s e und anderen Bar- geschenken. Hunderte von Millionen Steuergelder sind schon in die Rettungsaktion für den Osten hineingesteckt worden. Statt damit lebensfähige Bauernsiedlungen zu schaffen, hält man fast nur lebens- unfähigen, weil überlebten Großgrundbesitz künstlich am Leben. Heute regieren wieder die Barone, genau wie zu den Hohen- zollsrnzeiten. Wer sie mit ihrer Steuerpolstik zugunsten der Großen und zum Schaden der Kleinen an der Herrschaft erhallen will, der braucht nur am 31. Juli einen Stimmzettel für H u g e n b e r g oder Hitler abzugeben. Gespräch am Breitenb Belauscht von Georg Schwarz Der Breitenbachplatz, dos Einfallstor zu Berlins wohl- habendstem Villenviertel, hat in den letzten zwei Iahren«in sehr großstädtisches Gesicht bekommen. Vornehme oder wenigstens vor- nehmtuende Läden sammelten sich um sein Rund, ein klargeglieder- ter, schmuckloser, nur durch breite Glassronten und seine kupfrig schimmernde Klinkerhaut gezierter Zweckbau, das von Max Taut errichtete Verwaltungsgebäude der Reichsknappschaft, schließt den Platz gegen die Stadt hin ab. Der Bau soll eine Million Mark gekostet haben; das entsprach, auf das einzelne Mitglied der Knapp- schaft umgelegt, während eines Jahres einem monatlichen Beitrag von zehn Pfennig: also gewiß kein tollkühner Luxus für das Büro- Haus sämtlicher öffentlich-rechtlicher, von Arbeitern und Unterneh- mern gemeinsam verwalteter Versicherungseinrichtungen sämtlicher im deutschen Bergbau beschäftigten Arbeiter und Angestellten. Als Schlagsahneschopf auf dem tortenbunten Kreis des Breiten- bachplatzes hat sich neuerdings auch eine elegante Cafekon- d i t o r e i mit einem Dachgarten aufgetan. Unter bunten Sonnen- schirmen sitzen, Kaffee trinken, den bekannt guten Kuchen des renom- mierten Konditors essen, über die Straßen und Alleen hinwegsehen, in denen viel Prominenz wohnt— Brigitte Helm etwa und Reichsaußenminister a. D. Rosen—, das ist das richtige Pläsier für die zahlungsfähigen Umwohner. Hier stoßen drei Berliner Verwaltungsbezirke zusammen: Wilmersdorf, Dahlem und Steglitz. Die vierstöckigen Mietshäuser des Steglitzer Penfionopolis sind in Wahlzeiten über und über mit Hakenkreuzfahnen tapeziert, in Dahlem slaggt man — wenn überhaupt— schlicht Hugenbergsch schwarzweißrot. Daß von der eleganten Kasfeehausplattform auch der„Stempelblock" der Künster-Kolonie zu sehen ist, stört gerade zur Wahlzeit. Die Schauspieler und Schriftsteller, die er beherbergt, sind heutzutage bestenfalls Gelegenheitsarbeiter und flaggen in unverschämt knalligem Rot. Kein anderes Haus hier, soweit das Auge reicht, wird sonst noch von dieser provokant eindeutigen Farbe geschändet. Unter einem der bunten schicken Schirme, bei Erdbeereis den eben geschilderten Fern- und Ausblick genießend, saß da auch einmal ein älterer Herr mit gepflegtem weißen Spitzbart. Er sah ganz nach einem der gelehrten Pensionsgäste des Harnack-Hauses aus, und wäre mir nicht weiter aufgefallen, wenn er sich nicht mit seinem Begleiter, anscheinend ein Student und sein Cicerone, mit lauter und gehässig scharfer Stimme unterhalten hätte. Beiden hatte wohl das vergoldete Embleme auf der hochragenden Fahnenstange des Reichs- knappschaftshaufes in die Augen gestochen(ein bergmännisches Wahr- zeichen, zwei gekreuzte, kurzstielig«, breitköpsige Grubenhämmer, so- genannte Fäustel), denn sie schnurrten schon eine ganze Weile im Wechselgesang:„Unglaublich! Lächerlich! Haus des Berg- arbeiterverbandes, ausgerechnet hier! Als ob es am Breitenbachplatz Bergleute gäbe! Schweinewirtschaft! Bonzen- fett! Bald ausgeräuchert werden!" Und dergleichen mehr. So ungebildet können eben nur Gebildete sein, wäre man mit dem Zitat aus dem Kollektivstück„Die Mausefalle" den bei- den am liebsten ins Gesicht gesallen. Den Bergarbeiterverband, die freie Gewerkschaft der Bergarbeiter, mit der Reichsknappschaft zu ver- wechseln! Der Bergckrbeiterverhand wohnt völlig schmucklos in einem Hinterhaus im Bochumer Arbeiterviertel. Die Reichsknappschaft, als die zentrale Körperschaft für ganz Deutschland, gehört nach Berlin. Aber in Deutschland braucht eben weder ein Gelehrter noch ein Student von den einfachsten Totsachen der Arbeiterbewegung und des Arbeiterschutzes etwas zu wissen. *** Vom schönen Reichsknappschaftsgebäuide«in paar Blicke in das Kumpeldasein, wie es sich fern vom Breitenbachplatz abspielt, zu tun, wäre für solche Intellektuellen sehr von Nutzen. Wenn die studierten Blicke zum Beispiel nur auf«in paar Zahlen aus den Verösfentlichungen über das Grubcnsicherheitswesen in Preußen ruhen wollten. Danach verunglückten im Jahre 1923 von 847 577 Bergleuten 55 082, von tausend fast 65 Mann. Mit fortschreitender Rationalisierung und dem Abbau der Be- legschaft(der begann schon lange vor der Krise!) hatte sich das trübe Bild im Jahre 1929 noch mehr zu seinen Ungunsten verschoben. Da entfielen auf eine Belegschaft von 600 588 Bergleuten 128 644 Un- fälle, das sind über 214 Verunglückte unter 1000 Grubenarbeitern. Der eiserne Bergmann, der die Unfallziffer so in die Höhe treibt, nimmt aber auch von je drei Bergleuten einem das Brot weg. Mit den Preßluft-, Abbau- und Bohrhämmern fördern heute zwei Bergleute soviel Kohle wie drei im Jahre 1913. Die Arbeitszeit ist ihnen natürlich nicht verkürzt worden, obgleich die Maschinenarbeit ungleich anstrengender ist als die alte Handarbeit. Und im Ruhrgebiet allein arbeiteten 1927 schon 65 447 dieser Ab- bauhämmer!(1913 waren es erst 230.) Rationalisierung und lebensgefährliche An- t r e i b e r e i sind unzertrennliche Zwillinge. Für die Sicherung von Leben und Gesundheit hat niemand Zeit. Dafür aber wird auf strammen Kadavergehorsam gehalten. Das Gericht verurteilte einen Grubenlokomotivführer, der sich gegen eine tätliche Beleidigung seines Fahrsteigers zur Wehr setzte, zu einem Monat Gefängnis und 20 M. Geldstrafe, mit der Begründung, daß man bei dem gc- jährlichen Leben unter Tag auf straffe Disziplin nicht verzichten könne, selbst wenn von Borgesetzten keine Uebergriffe vorkämen. Oder ein anderer Fall, von dem die Ruhrpresse berichtete: Ein Mitglied des Betriebsrats vom der Zeche de Wendel kontrolliert die Reviere. Er entdeckt einige Mißstände, die er pflichtgemäß in das Fahrbuch des Betriebsausschusses eintrögt, mit der Bemerkung, die Vernachlässigung des Reviers erwecke den Eindruck, man wolle den Pütt bald ganz zumachen und frage wenig danach, ob noch ein paar Kumpel dort begraben würden oder nicht. Was bewirkt diese Mahnung? Der unbequeme Mann fliegt fristlos auf die Straße, Arbeitsgericht und Landesarbeits- gericht weisen seine Klage auf Wiedereinstellung kostenpflichtig ob. Die ganze Sache aber hat, so alltäglich wie sie ist, doch noch ein interessantes Nachspiel. Es ist jetzt bekannt geworden, daß wirk- lich die Zeche de Wendel stillgelegt werden soll. *** Gebildete Herren ober kennen den Unterschied zwischen Gewerk- schast und Sozialversicherung nicht und hatten wohl auch alle diese anderen Kleinigkeiten nicht für wissenswert! Arbeitersportler wählen Liste 1 Die Abrechnung mit den Nationalsozialisten werden die Ar- beitersportler bei der Reichstagswahl am 31. Juli vornehmen: ihre Einreihung in die Eiserne Front beoingt, daß sie nur der L i st e 1 der Sozialdemokratischen Partei ihre Stimme geben. Daß die Nazis nicht nur ihre politischen Gegner mit Mitteln rohester Gewalt bekämpfen, sondern daß sie auch nicht davor zurückschrecken, die Arbeitersportler in ihren zumeist selbstgeschaffenen ch e i m e n und auf ihren Sportplätzen zu überfallen, daß sie dort das Leben ihrer Mitmenschen ebensowenig achten als das sächliche Eigentum, beweisen Die Meldungen, die in den letzten Wochen beim Bundesvorstand in Leipzig eingegangen sind. In Naunhof bei Leipzig haben SA.-chorden, die von aus- wärts auf Lastwagen herangeholt wurden, das Turnerhemi und den Sportplatz während einer Vereinsveranstaltung planmäßig überfallen. Ganz auf militärische Art kamen sie in Sturmlinie angerückt, schlugen mit allerlei Mordwerkzeugen auf Zrauen, Kinder, Greise und Sportler ein, und zerstörten die Einrichtung des Heimes bis auf den letzten Stuhl. Wie die Banditen verschwanden sie nach getaner Arbeit wieder auf ihren Lastwagen. An dem gleichen Tage versuchten andere Hitler- gardisten den Kinderturnwart des Naunhofer Vereins von der Straße weg im Auto des Naunhofer SA.-Leiters gewaltsam zu entführen. Das Beispiel der Faschisten in Italien, die auf die gleiche Weise unseren Matteotti meuchelten, schien ihnen bei ihrem Vorhaben Vorbild zu sein. Nur die vereinte Abwehr der Verein-mitglieder verhinderte den Mordanschlag. Am 24. Juli, nachts zwischen 1 und 2 Uhr, ist das Heim des Arbeitersportvereins Böbbingen von Stuttgarter und Ehlinger SA.-Leuten im Sturmschritt angegriffen worden. Als sie auf Widerstand stießen, wurde das heim regelrecht unter Zeuer genommen. Als Opfer blieben vier schwer- und eine größere Zahl leichler verletzte Arbeitersporller zurück. die Einrichtung des Heims wurde zum erheblichen Teil zerstört. Am 1K. Juli wurde der Genosse Lindenau von der Gruppe Lichten- berg der Freien Turnerschaft Groß-Berlin von einem Salzsteuer- soldaten hinterrücks niedergestochen. In Dortmund haben acht SA.-Leute den nachts ahnungslos aus einer Bedürfnisanstalt her- austretenden Kassierer des Dortmunder Bezirks des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, den Genossen Dellbrügge, niedergeschlagen und seiner Abzeichen beraubt. In Essen wurde der Vezirkstechniker des ATSB. und sein Begleiter in einem AugenbUck, in dem die Polizei den Rücken gekehrt hatte, bei einem Naziaufmarsch von un- gefähr 30 braunen Strolchen mit Stahlruten und Koppelschlössern niedergeschlagen und durch Messerstiche schwer verletzt. Eine Horde Bminzacken hat in H i r s ch b e r g den Arbeiter-Sportfunttionär K i n d l e r des Nachts vom Rad gestoßen, ihn schwer mißhandelt und nach echter Wegelagerermanier ihm noch das Rad gestohlen. Beim Bundesradfahrertag von„Solidarität" am 16. und 17. Juli in Halle sind in wiederholten Fällen Teilnehmer, die friedlich ihres Weges fuhren, von Nazis von ihren Rädern gerissen und mißhandelt worden, wobei nicht nur die Räder, sondern auch Wertsachen, darunter eine Uhr und eine Brieftasche, gestohlen wurden! Das ist nur ein kleiner Auszug aus dem gewalttätigen Bor- gehen der Nationalsozialisten gegen friedliche Arbeitersportler. Ueberall erfolgten die Ucberfälle, ohne daß vorher auch nur ein Wort mit den Arbeitersportlern gewechselt worden wäre. Wie echte Buschräuber stürmten sie aus dem Hinterhalt gegen friedliche Men- schen vor und vernichteten Leben, Gesundheit und Eigentum. Das sind die Zlnhänger einer Partei, die das Volk zur Freiheit empor- führen will. Am 31. Juli wird mit ihnen abgerechnet! Kulturbringer des Dritten Reiches! Die Nationalsozialisten bezeichnen ihre Volksgenossen, die nicht dem Hitlerwahn verfallen sind, als„Untermenschen", die nicht wert sind, Deutsche zu heißen. Die so reden und schreiben, nehmen für sich und ihre Bewegung das alleinige Recht in Anspruch, Ver- treter der deutschen Kultur zu sein. Wie die im Dritten Reich aus- sehen wird, dafür einige Beispiele: Der nationalsozialistische Jngolstädter„Donaubote" schreibt zum Reichsarbeitersporttag:„Es war ihnen(den Arbeitersportlern— Red.) nicht vergönnt, wie noch vor einigen Jahren, ihren wüsten Sauhausen, der ihnen Sicherheit oerbürgte, die Straßen beherrschen zu sehen. Vielleicht nimmt das marxistische Gesindel Anlaß, der an- ordnenden Behörde, ähnlich wie der gegenwärtigen Regierung Papen „Hitlcrhörigkeit" vorzuwerfen." Lest weiter, was der Führer der Nazipartei, der Reichstagsabgeordnete Goering am 15. Juli im Ber- liner Sportpalast öffentlich erklärte:„Gebt uns die Straße frei und in zweimal 24 Stunden wird das Gesindel verschwunden sein!" In der deutschen Kulturgeschichte gibt es folgenden überzeugen- den Vergleich über die Anerkennung und Ehrung deutscher Kultur durch die Nazis und durch Arbeitersportler. Ende Juli 1929 hielt der Arbeiter-Turn- und Sportbund in Nürnberg sein 2. Bundes- fest ab. Zwei Wochen später ließen die Nazis in derselben Stadt ihr Reichsparteitreffen stattfinden. Sie hatten Nürnberg gewählt, weil es„die deutscheste Stadt" ist,— so hieß es in ihrem Pro- gramm. Gerade in Nürnberg, der Stätte deutscher Meister, sollte der deutsche Geist geehrt werden. Und wie ehrten sie dort den deut- schen Meister Dürer? Nicht einmal 199 Hakenkreuzler besuchten am Samstag des Parteitreffens das Dürerhaus, dagegen hatte das Dllrerhaus am Samstag des Bundesfestes 13 399 Besucher aus Arbeitersportkreisen! Der Naziabgeordnete S t e g m a n n, Führer der SA. in Franken, hat in einer Wahlversammlung in Rothenburg o. d. T. er- klärt, daß im kommenden Staat der Mann vom 16. Lebensjahre an zu dienen hat. Mit 16 Jahren wird er der SA. zugeführt, hat dann Heeresdienst zu verrichten und wird später wieder der SA. eingereiht, der er bis zu seinem 59. Lebensjahre angehören muß. In der Nazi- stadt Koburg ist es nach den Ausführungen dos nationalfozialisti- fchen Bürgermeisters Schwede bereits so weit, daß alle vier Wochen von den unter Nazileitung im„freiwilligen" Arbeitsdienst stehenden Erwerbslosen eine Parade stattfindet, gemeinsamer Kirch- gang wie früher beim Militär durchgeführt wird und militärische Zucht eingeführt worden ist. Das ist die Kultur des Dritten Reiches, wie sie euch Hitler bringen will. �rdeitersportler, wehrt euch! Wählt Liste I, Sozialdemokraten! Seit der Aufhebung des Uniformverbotes haben sich die Ueber- fälle auf Arbeitersportler, Arbeitersportheime und-plätze außer- ordentlich vermehrt. Kein Tag vergeht, ohne daß Arbeitersporller Opfer der braunen Garden Hitlers werden. Der Bundesvorstand des Arbeiter-Turn- und Sportbundes sieht sich daher oeranlaßt, an alle Buirdesmitglieder die dringende Mahnung zu richten, sich von den Nazis nicht provozieren zu lassen. Wo es dennoch i zu Ueberfällen und Sachbeschädigungen komint, ist durch die Vereins- leitung außer der Anrufung der zuständigen Polizeistelle sofort Meldung an den Bundesvorstand zu machen. Diese Meldung muß eine genaue Schilderung des Herganges uird des Tat- bestandes enthalten. R.ot Sport„kämpft"? Das Organ der kommunistischen Sportler,„Rot Sport" gibt in einem längeren Artikel die„Antwort auf den Ausnahmezustand". Ernst Grube, erst mit seiner Einsetzung als Reichsleiter der kam- munistifchen Sportvereine als Sportler bekannt, verdreht in dem Artikel die historisch« Wahrheit ein bißchen stark, so daß sich eine Korrektur nötig macht. Die Einsetzung des Reichskommissars in Preußen sei die Folge der Politik der Eisernen Front, denn sie unternehme jetzt nichts anderes, als die Arbeiterschaft zur Ruhe und Ordnung zu ermahnen. Wonach die Politik der Eisernen Front strebt, weiß jedes Kind besser als es Herr Grube in seinem Blatt darstellt-, daß wir die Arbeiter- schaft durch die Verpflichtung zur Jnnehaltung der Beschlüsse von Partei, Gewerkschaften und anderen freien Organisationen vor dem Zugreifen des Militärs bewahrten, rechnen wir uns allerdings als Verdienst an. Wer nun aber erwartet, daß Grub« den wirklich revolutionären Weg des Kampfes zeigen werde, der sieht sich bitter enttäuscht. „Die Arbeitersportler selbst geben eine andere Antwort. Gemein- sam mit den übrigen klassenbewußten Arbeitern schließen sie sich im Kampfe gegen den Faschismus in der roten Einheitsfront zu- saminen!" Punkt, aus: das ist alles was Herr Grube an Vorschlägen zu machen hat. Ein bißchen„Anwendung der breitesten Einheitsfront von unten, ein bißchen Organisation des roten Massenschutzes", das sind die Aufgaben, die der Herr Reichslciter zu lösen aufgibt. Ob man sich bei den Kommunisten immer noch liebevoll an den vorjährigen Volksentscheid mit den Stahlhelmern, Deutschnationalen und Nazis erinnert, daß man den Kampf gegen den Faschismus nur nach Grubeschen Rezepten zu führen gedenkt? Einen solchen Scheinkampf führen die Arbeitersportler nicht. Sie stehen nicht in hundert Grüppchen verstreut, sondern kämpfen ge- meinsam mit der Partei, den Gewerkschaften und allen wirklichen Anti-Faschisten in der Lisernen Front für die Liste 1! Zum Tode Santos Dumont dem Pionier der Fliegerei Mit Santos Dumont ist wieder einer der ältesten Pioniere der Luftfahrt dahingegangen. Am 29. Juli 1873 in Sao Paulo als Sohn eines reichen Kaffeeplantagenbefitzers geboren, begann er sich schon frühzeitig mit den Problemen zur Eroberung der Luft zu befassen. Als 2-1jähriger machte er feine ersten Ballonaufstiege: die Technik zog ihn unwiderstehlich in iyren Bann, und so kam er vom Freiballon wieder ab und machte erfolgreiche Versuche mit den ersten Explosionsmotoren im Luftschiff. Am 15. September 1898 gelangen ihm die ersten Flüge mit einem lenkbaren Luftschiff eigener Konstruktion. Mit seinem Luftschiff Nr. 6 gelang es ihm, den 199 99Ü-Franken-Preis zu gewinnen. Er umflog zehnmal den Eiffelturm und landete nach jedem Flug an einem vorher fest- gelegten Punkt. Was das damals besagte, kann man heute kaum noch ermessen, es liegt zuviel Zeit dazwischen. In rascher Folge baute er noch mehrere Luftschiffe, die viel Geld verschlangen, ihm aber seinem Ziel nicht so recht näherbringen wollten. Die brasilianischen Kammern bewilligten ihm in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen eine Ehrengabe von 125 999 Franken. Da Santos Dumont sah, daß er mit Luftschiffen seinem Ziel nicht näherkommen würde, so wie er es verstand, so wandte er sich kurz entschlossen dem Bau von Fahrzeugen„schwerer als die Luft", also unseren heutigen Flugzeugen, zu. Und hierin erst hat er sich als der richtige Könner erwiesen. Auf Anhieb glückten dem genialen, allesbeherrschenden Menschen die ersten Flüge mit durch Motorenkraft angetriebenen Flugzeugen in Europa Seine erste Konstruktion war ein Doppel- decker mit Schubschraube. Das war am 23. Oktober 1996! Das Flugzeug hatte einen Antoinettemotor von 59 und ähnelte dem zwei Jahrs später erscheinenden Doppeldecker Farmans frappant, nur daß er in umgekehrter Richtung flog wie dieser. Das gebe- freudige Frankreich hatte viele Preise ausgesetzt, um seine Mitbürger anzuspornen, viele von ihnen gewann der Brasilianer. Seine größten Leistungen waren aber die in den Jahren 1998 und später gebauten Eindecker Libellule und Demoiselle. Es waren die ersten brauchbaren Vorbilder für unsere heutigen Leichtslugzeuge. Nachgenau denselben Prinzipien gebaut, boten sie für damalige Verhältnisse gute Flugleistungen, nur die Motorensrage war naturgemäß bei dem damaligen Stand der Technik nicht zu lösen. Es gab nicht mal betriebssichere schwere Flugmotoren, wie sollte es da zu Leicht- motoren langen. Das aber muß festgehalten werden: Santos Dumont war der größte Pionier des Sportflugzeuges. Beim Bau unserer heutigen Leicht- und Sportflugzeuge sind noch dieselben Gesichtspunkte maßgebend, allerdings den veränderten technischen Verhältnissen angepaßt, wie sie seinerzeit Santos Dumont verfocht. Er gab den Franzosen den größten Impuls zum Aufbau ihres Flug- wefens, ihm eiferten sie in erster Linie nach und dann erst den Gebrüdern Wright. Ihm verdanken sie nicht zuletzt den fast über Nacht erfolgten Aufschwung ihrer Lustfahrt in der Vorkriegszeit! Das wußte man auch in Paris zu schätzen, denn als Erster aus Luftfahrkreisen wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Nach Lilienthal und den Gebrüdern Wright war er der tat- kräftigste Pionier des großen Gedankens der Eroberung der Luft. Von allen aber war er der fruchtbarste,'denn von seinen Plänen und Konstruktionen stammen die größte Anzahl aller späteren Flug- zeuge ab. Seit Jahren leidend, verfocht er den Gedanken des Ozeanflugverkchrs mit Flugzeugen aus seinem Heimatlande her, wo er eine geachtete Stellung einnahm. Die glücklichen Zeppelin- slüge ließen ihn hoffen, daß auch Flugzeuge bald auf dieser Spur folgen würden. Wieder daheim Elli Beinhorn, die im vorigen Jahre zu einem Weltslug mit einem kleinen Sportflugzeug gestartet war, kam gestern nach- mittag wohlbehaltm in Tempelhof wieder an. Sie erklärte, den sie empfangenden Herren vom Deutschen Aeroklub und den vielen Fliegerkameraden und Pressevertretern, daß ihr Flug über die Anden eigentlich das Unangenehmste gewesen sei, was sie auf ihrer großen Reise berührte. Ueber 5999 Meter mußte sie hoch gehen, um das riesige Gebirge überfliegen zu können. Herrlich sei der Flug über das Himalaya-Gebirge gewesen. In Nepal sei sie vom Maharadscha und von Rabindranath Tagore empfangen worden. In Bali und Siam hätte sie viel Interessantes gesehen, in Südamerika reichte die Zeit nicht mehr aus, den vielen deutschen Kolonien Be- suche abzustatten. Fast anstrengender als die Fliegerei seien die vielen Empsänge gewesen und sie wäre eigentlich recht froh, wieder in der Heimat zu sein. �m Sonntag ist Spielvcrbot! Wie der Pressedienst des Arbeiter-Turn- und Sport- b u n d e s mitteilt, hat die Bundesleitung für den Tag der Reichs- tags wähl ein allgemeines Spielverbot ausgesprochen. Die Arbeitersporkler haben sich restlos an der Wahlarbeit zu beteiligen. herlha-BSE. und das Finanzami. Wie seinerzeit berichtet, hatte ein Berliner Finanzamt ein Erhebungsoerfahren gegen den bürger- lichen Fußballklub Hertha-BSC. eingeleitet mit dem Ziel, die Zah- lungen an die Spieler der ersten Mannschaft steuerlich zu erfassen. Der Verein hat sich dagegen gewehrt und nunmehr erreicht, daß das Reichsfinanzministerium die Einstellung des Verfahrens versügte. Der Schritt des Ministeriums bedeutet, daß die vom DFB. zuge- standenen Höchstspesen von 7,59 Mark nicht steuerpslichtig sind. Freie Faltbooisahrer Berlin. Donnerstag, Z8. Juli, 20 Uhr. Grupxe Norden: Jugendheim Brunnenplatz.„Kampf dem Faschismus."— Gruppe Nordosten: Jugendheim Christburger Str. 7.„Kameraleute."— Gruppe Eildosten: Zu- gendheim Grotze Franlfurter Str 1s.„Das Wasser." Rätsel- Ecke des„Abend" UlMHIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIimillllMIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIimilllllllllMlllllllllllmilllllllllllllllllllllllllllUnillllM Kreuzworträtsel 29. Schwung: 21. regelmäßige Zahlung: 29. Stadt in Westfalen: 39. oertonte Poesie; 31 büro; 33. Verneinung. Waagerecht: 5. geweihtes Brot; 9. Grenzfluß von Jugoslawien: 11. persönl. Beteiligung: 12. Berg im Himalaja: 13. Sonnengott; 15. Eu- ropäer; 17. Gemein- schaft: 18. Nebenfluß der Donau: 19. Teii des Kopfes: 29. Arbeitsein- heil: 22. Nebenfluß des Rheins; 23. Dichter der Mark: 24 Glücksspiel (i= i) 26. Ausruf; 27. franz. und; 28. franz. Sommer; 29. jllddeutsche Stadt: 32.Waffei J1.be- drückender Zustand: 35. Nebenfluß der Warta: 36. norwegischer Schrift- steller; 37. lat. Jahres- abkürzung. Senkrecht: 1. Tabak: 2. Ort im Marokko: 3. Ritter der Artus- runde: 4. persönliches Fürwort: 6. Fluß in Rußland: 7. Hunde- name: 8. Einheitsfront; 9. Geliebte des Zeus; 19. bekanntes Putz- mittel: 11. straffe Zucht: 16. Zujamwenhalten: 25. Muse: 27. gleich: bekanntes Reise- F. S. Feder— Markt Schweine— Wurm Wald— Staat Laub— Weg Gas— Welle Zigarren— Wolke Küchen— Kasten Streu— Bank Worträtsel An Stelle der Striche ist je ein Haupt- wort zu setzen, welches dem ersten Wort als Ende und dem zweiten als Ansang dient. Sind die Wörter richtig gefunden, so ergeben die Anfangsbuchstaben der neu gebildeten Wörter von oben nach unten gelesen ein Parteiorgan, welches jeder Arbeiter lesen sollte. hs. 0. Silbenrätsel Aus den Silben am an an ber bor chri da dar dech der dom ei ei ei eu sin ger go in la len lie lin mann ne ne n« nel nil nung pa ra ran re rho ro sas se se sel so sti te ti ti ti tus u wald weiß find 18 Wörter zu bilden, Deren Anfangsbuchstaben und die dritten Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort er- geben(ch � 1 Buchstabe). Di« Wörter bedeuten: 1. Vogel; 2. Päpst- licher Palast; 3. Deutscher Maler: 4. Erdteil: 5. Natürliche Bor- säur«: 6. Stadt in Schlesien: 7. Griechische Göttin; 8. Männlicher Vorname: 9. Römischer Kaiser; 19. Tochter des Oedipus; 11. Ostsee- insel: 12. Teil der Hand: 13. Teil des Eies: 14. Fluß in Frank- reich: 15. Meeresenge: 16. Reptil; 17. Bergrücken am Rhein: 18. Handwerkeroereinigung.'— Kr.— Verwandlungsrätsel Kurt, Ober, Woge, Ilm, Habe, Onkel, Kuß, Kammer, Angel, Egel, Wurm, Niete, Oder, Kelle, Last, Rat. Wurst, Else, Adel, Hand, Adam.— Di« Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sind durch neue zu ersetzen. Die neugesundenen Buchstaben aneinander- gereiht, ergeben ein Sprichwort. clc. Silbenkreuz 14-2 runde Platte: 3-h 4 Möbelstück: 5 4-6 Genosse M. d. L.; 7 4-8 Landwirtschastsgerät: 14-4 Säbelbehälter: 3 4-2 Erquickung: 14-44-6 sehr bekannter Genosse: 2 4-7 Hausgerät: 7 4- 8 4-6 Ausdruck für den Tod. H. O. Auslösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 3. Lento: 4. Tau; 7. Met; 9. Lar: 19. Abo: 11. Wels; 15 Fe«: 16. Rae; 17. Amati: 19. An: 29. Ate; 21. Seele: 22. Ute: 23. Türen.— Senkrecht: 1. Tornado: 2. Jberien: 4. T. L.; 5. Aa; 6. Ur: 8. Ebert,- 12. Era; 13. Lat.; 14. See; 17. Ast: 18. Aer. Silbenrätsel: 1. Goldverlusk; 2. euphonisch: 3- Gegen- pole; 4. Engrosverkäufer: 5. Rachbefuno: 6 Düngerhaufen; 7. Innen- ausbau: 8. Episkopat: 9. Kastanienlaub: 19. Ausrede; 11. Duem- melei; 12. Trompetensignal: 13. Endeffekt: 14 Rechthaberei; 15. Edel- metall; 16. vorbildlich: 17. Oberlribunalkanzlei: 18. Dinddrache; 19. Uhrzeiger: 29. Türgriff: 21. Industrieller; 22. Obstpresse: 23. Nord dreht nach W(est).—„Gegen die kalte Revolution von oben kämpft mit der SPD, wer Freiheit liebt und Recht". Aufzeichnungen: Kreis— Preis.