Anzeigenpreis: Die Ifplt MiM» mctetjcile 30 Pf. Die Rellamezeile kostet 2 Mark. Rabatte n. Tarif. VLRUV Donnerstag 28. Znli 1932 Redaktion u. Expedition: Berlin SW 68, Lindenftr.Z Tel. hl Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 7S Pf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat(davon 37 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 69 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebllhren. Nr. 352 B121 49. Jahrgang BrienaiscnePteiHuncimera Gemeiner Faischerstreich gegen soziaidemoHratiscnen Landrat Plorgen Neukölln? Massenkundgebung der Eisernen Front im Stadion Neukölln um 19 Uhr. Redner: Robert Breuer und Siegmund Crummenerl. Im Anschluß Riesenfeuerwerk(„Bomben über Berlin"), Unkostenbeitrag 50 Pfg.— Erwerbslose 25 Pfg. Zeig* der Reaktion Eure Zahl? Pape« und Hitler verbündet Freiherr von Gayl erklärt: Wir ermutigen die Llebungen der SA! In dem Qrgan für Berliner Spießbürger, dem im Verlag Hngenbergs herausgegebenen„Lvkal- Anzeiger" wird heute ein angeblicher Brief wieder- gegeben, den Genosse 5lurt Heinig an den Landrat Genossen Tchlem minger gerichtet haben soll. In dem Brief wird über die vermeintliche organisatorische und finanzielle Schwäche der Arbeiterorganisationen geredet und zum Schluß dem Landrat— also einem Beamten! — unterstellt, er habe Heinig Vorschläge für„Aktionen" unterbreitet, die den Militärbefehlshaber veranlassen würden, die ganze Zentrale nach dem„Alex" abzuführen. Um dem„Brief" einen größeren Schein von Echtheit zu geben, wird er sogar im Faksimile, d. h. Photo- graphiert wiedergegeben. Trotzdem ist der Brief von A bis 3 eine niederträchtige Fälschung! Ter Verbrecher, den die Hugenberg-Redaktion be- nutzt, hat auf gestohlenem Briefpapier de» Reichstags mit der Schreibmaschine den Text gs- schrieben und HeinigS RamenSzug nachge» schrieben, wenn nicht gar durchgepaust! ES liegt also eine glatte Urkundenfälschung zum Zwecke der Politischen Geschäftemachcrei vor. Welches „H o n o r a r" mag die Hugenberg-Redaktion dem Fälscher für seine Leistung gezahlt habe»? Heinigs Erklärung. Genosse Heinig hat sofort dem„Berliner Lokal-Anzeiger" folgende Berichtigung zugehen lassen: „Die Behauptung des„Berliner Lokal-Anzeiger" in Nummer 354 vom 28. Juli 1932, ich hätte an den Landrat von Niederbarnim Herrn Schlemminger in einem Brief mitgeteilt, daß Reichs- banner und Partei sich zur Zeit in einer äußerst unsicheren Lage befänden, die keine Basis für schlagfertiges und durchgreifendes Vor- gehen abgeben könne, ist' unwahr. Unwahr ist auch, daß ich geschrieben hätte, in den Kassen des ADGB. herrsche Ebbe. Unwahr ist ferner, daß ich geschrieben hätte, unsere Wähler an die Wahlurne zu bringen sei leider zur Zeit das einzige wirksame Mittel, was wir den Nazis entgegensetzen können. Ebensalls unwahr ist, daß ich geschrieben hätte, bei Anwendung von„Vorschlägen" des Londrats Schlemminger dürften wir sicher sein, daß Herr von Rundstedt die ganze Zentrale nach dem„Alex" abführen werde. Wahr ist dagegen, daß ich mit Herrn Landrat Schlemmingcr seit Monaten weder telepho- n i s ch noch schriftlich in Verbindung gestanden habe, und daß der Brief eine Fälschung darstellt." Schlemminger erklärt. Landrat Genosse Schlemminger hat von sich aus seiner vorgesetzten Behörde, dem Regierungspräsidenten, heute folgende Erklärungen abgegeben: 1. Ich habe.Heinig wederschriftlich nochmünd- lich Vorschläge der angedeuteten Art unter- breitet. 2. Ich habe den im„Lokal-Anzeiger" abgedruckten Brief nie erhalten. 3. Ich bin bereit, die von mir abgegebene Erklärung mit meinem E i d zu bekräftigen. Selbstverständlich sind auch Schritte eingeleitet, um die freche Brieffälschung und die mit ihrer Veröffentlichung verbundene denunziatorische Ehrabschneiderei vor Gericht fest- stellen und sühnen zu lassen. Genosse Heinig hat sofort durch Rechtsanwalt Dr. Klee beim Oberstaatsanwalt des Landgerichts I Strafanzeige er- stattet gegen den„Berliner Lokal-Anzeiger", weil wisse nt- l i ch von einer falschen Urkunde zum Zwecke einer Täuschung Gebrauch gemacht worden ist. Reichsinnenminister Freiherr von Gayl hat dem Pariser Journalisten Sauerwein Auskünfte gegeben, die eindeutig die Bundesgenossenschaft Hitlers mit der Reichsregierung feststellen. Herr von Gayl erblickt in der NSDAP, eine verfassungstreue Partei. Herr von Gayl ermutigt die Uebungen von HitlerS SA. Herr von Gayl will nach den Wahlen weiterregieren. Das sind Bekenntnisse im Lapidarstil. Man kann nicht sagen, daß Herr von Gayl nach dem Vorbilde der NSDAP, zu verschleiern gesucht hätte. Er hat sich sehr eindeutig ausgesprochen. Wir wollen unS am 31. Juli ebenfalls sehr eindeutig aussprechen: Wir wollen weder ihn, noch Hitler, noch HitlerS S A.! Paris, 27. Juli. Reichsinnenminister von Gayl hat den nach Deutschland ent- sandten Sonderberichterstatter des„Paris S o i r" S a u e r w e i n Gayl und Hirtfieser. Eine amtliche Richtigstellung. Unter der Drohung, falls die betreffenden Zeitungen nicht die folgende Richtigstellung bringen, sie aus andere Weise dazu zu veranlassen, wird folgendes mitgeteilt: „Die Berichte einiger Zeitungen über einen Zwischenfall in der gestrigen Sitzung der R e i ch s r a t a u s s chü s s e sind unrichtig. Die Sache war folgendermaßen: Als Reichsinnen- minister Baron Gayl das Reichsratsgebäudc betrat, wurde ihm gemeldet, daß Minister Hirtsief er im Reichsrat anwesend sei und offenbar die Absicht habe, an der Sitzung teilzunehmen. Baron Gayl ließ Minister Hirtsiefer ins Ministerzimmer bitten. In einer nur einige Minuten dauernden Unterhaltung über die Rechtslage gelang es dem Reichsinnenminister, Herrn Hirtsiefer zu überzeugen, daß er seinen Zweck ebenso gut durch ein P r o t e st- schreiben an den Reichskanzler wie durch das Erscheinen in der Sitzung erreichen könne." Weiter wird amtlich erklärt, i>aß mit dem Aufhören der Tätig- keit als Minister auch das Amt als preußischer Bevollmächtigter zum Reichsrat ruhen müsse. Ein Stimmenverlust für Preußen trete dadurch nicht ein, da die preußischen Regierung?- stimmen einheitlich von einem Bevollmächtigten abgegeben werden. Gayl und Hirtsiefer seien überhaupt nicht gleichzeitig im Sitzungssaal gewesen. Von einer Androhung gewaltsamen Hinausweisens sei überhaupt nicht die Rede gewesen. Die Unterredung, so wird auch noch hinzugefügt, verlies in den angenehmsten äußeren Formen, worauf sich die beiden Minister mit Händedruck getrennt hätten." Ueber den Inhalt der noch nicht endgültig beschlossenen neuen Rundfunkordnung besteht nach einer Mitteilung der Reichsregierung im Reichsrat, das heißt also mit den Länderregierungen bereits volle Uebereinstimmung. empfangen und ihm mehrere Fragen beantwortet. Auf die Frage, ob die Reichsregierung, da die Wahlen voraussichtlich keine großen Veränderungen bringen werden, eine Zusammenarbeit mit dem Reichstag für möglich halte, antwortete der Reichsinnen- minister, niemand könne das Ergebnis der Wahlen vom 31. Juli voraussehen. Folglich könne er heute über die im Anschluß daran möglichen Eventualitäten sich nicht äußern. Jedenfalls wünsche die Regierung, daß der Reichstag so zusammengesetzt sein möge, daß eine wirkliche Zusammenarbeit mit ihm möglich sei. Die zweite Frage lautete: Ist die Reichsregierung geneigt, eine gewisse Anzahl von Nationalsoziali st en aufzu- nehmen und hält sie es in diesem Fall für möglich, sich mit einer revolutionären Partei über ein gemeinsames Pro- gramm zu verständigen? Die Antwort des Reichsinnenministers lautete: Die Aende- rungen, die in der Zusammensetzung des Kabinetts eintreten könnten, finden auf Beschluß des Reichspräsidenten und auf Vorschlag des Reichskanzlers statt. Wie also sollte ich mich vor den Wahlen über Möglichkeiten äußern, die meine Kompetenz überschreiten? Was die Nationalsozialisten anlangt, so betrachte ich sie nicht als eine revolutionäre Partei. Sie stehen der Verfassung nicht feindlich gegenüber, ihre Führer haben im Gegenteil erklärt, daß sie sie respektieren. Die einzige verfassungsfeindliche und revolutionäre Partei in Deutschland ist die KPD. Der Frage nach einem gemeinsamen Pro- gramm messe ich keine Bedeutung bei, es genügt, ein großes gemein- fames Ziel zu haben. Ueber die Mittel kann man sich immer ver- ständigen. Wesentlich ist, daß ein Kabinett aus Persönlichkeiten be- steht, die durch den gleichen nationalen Willen ernannt und von der gleichen Doktrin in den großen Fragen be- seelt sind. Eine weitere Frage Sauerweins lautete: wie die Reichsregie- rung zulassen könne, daß mehrere Tausend junger Leute in Hitler- schen Abteilungen Manöverübungen abhalten und in einer Art Alarmzustand lebten. Der Reichsinnenminister sagte, daß diese Manöver der Jugend reine sportliche Uebungen sind, die wir dulden und die wir sogar ermutigen. Wir sind der Ansicht, daß sie die Ausdauer und den Geist der Disziplin entwickeln und nichts mit militärischen Uebungen zu tun haben. Mit derartig trainierten jungen Leuten kann man wahr- lich keine Armee improvisieren. Irgendeine revolutionäre Bewegung, von welcher Seite sie auch kommen möge, wer- den wir nicht dulden. Notwendigenfalls fühlen wir uns stark genug, sie zu unterdrücken. Auf die Frage Sauerweins nach einem Plan zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit deutete Innenminister Gayl an, daß die Reichs- regierung es als ihre erste Pflicht ansehe, die deutsche Wirtschaft wieder anzukurbeln und daß sie binnen kurzem einen Plan zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im Rahmen der Wiederbelebung der wirtschastlichen Tätigkeit entwickeln werde. Sauerwein versuchte zum Schluß, den Reichsinnenminister zu einer Aeußerung darüber zu bewegen, ob die gesamte Reichsregierung über die von dem Reichskanzler bei der Regierungsübernahme festgelegten Richt» Trümmerstätte Gesundbrunnen Die Gchwerverletzien außer Gefahr- Das Haltesignal überfahren linien einig sei, das heißt also für eine Zusammenarbeit mit den Mächten und namentlich mit Frankreich. fyibe doch in diesem Geiste Herr von Papen mit Herriot in Lausanne wiederholt verhandelt. Sauerwein präzisierte seine Frage daher, ob die Reichsregierung, was die Außenpolitik anlange, in einem Zusammengehen mit England und Frankreich und in einer Miß- trauensein st ellung gegenüber den Sowjets einig sei. Die Antwort des Reichsinnenministers lautete: Ich stimme un- eingeschränkt der Außenpolitik des Reichskanzlers und des Reichs- außenministers zu. Diese Politik ist zweifellos auf die Wahrung der berechtigten Interessen Deutschlands und eine vertrauensvolle Zu» sammenarbeit mit allen Mächten abgestellt, die im gemeinsamen Interesse aller Staaten Europas den Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft als Ziel verfolgen. Attentatssurcht rechts. Aengstlich wie der Zar. Der„Völkische Beobachter" bringt in seiner neuesten Nummer auf der Titelseite folgende„Anordnung der Reichspresse- st e l l e: Nachfolgende Notiz ist an hervorragender Stelle von allen Parteiblättern abzudrucken, die an Qrten gelesen iverden, in denen der Führer noch sprechen wird: Es wird ersucht, keine Blumen zu werfen, wenn der Führer den Kundgebunasplotz betritt oder an den Straßen begrüßt wird. gez. Brückner, Adjutant des Führers. Herr Brückner schreibt in seiner Anordnung ein miserables Deutsch: das tun seit jeher alle deutschen Chauvinisten, die Sprach- gesühl und Sprachkenntnis durch Rekordgeschrei und Preisgeschimpfe ersetzen. Inhaltlich. Aber das Verbot des Blunicnzuwurfs an den Führer ist die wörtliche Uebersetzung gleichgerichteter Ver- böte der zarischen Gouverneure, die stets erlassen wurden, wenn der„Gossudar", der Selbstherrscher aller Reußen, eine Stadt seines Reiches besuchte. Das Dritte Reich will ein Zarenreich werden! Heute Kabinettssihung. Beratung wirtschaftlicher Fragen. Das Reichskabinett trat um 11.39 Uhr zu einer Sitzung zu- sammen. Zur Beratung stehen wirtschaftliche Fragen, vor allem die Frage einer Verstärkung des Reichseinflusies aus die wirtschaftlichen Unternehmungen, an denen das Reich beteiligt ist, insbesondere hinsichtlich der Gehälter. Der Landratsabbau in Preußen. plah für die Beaktion! Das neue Regime in Preußen hat in den Ruhestand verseht: Rlinislerialdireklor Brecht Im preußischen Innenministerium, Regierungspräsident v. B a h r s e l d t- Königsberg, Polizeipräsident Bärensprung- Magdeburg. Beurlaubt werden die Regierungsvizepräsidenten von Basse in Oppeln und G r i m p e In Schleswig. In den Ruhestand verseht wird Landrat S i e r i n g in Hauen: in den einstweiligen Ruhestand verset werden die Landräte Brandt-Peine, Christians in Blumenthat, Zrieter in Kalau, Ganglih in Goldberg, Glan In Usingen, Luft in Gerdauen. Middelhause in Ilfeld, Sommer in Perleberg. Der Auftrag für den Landrat kurhe in Clausthal- Zellerfeld zur Wahrnehmung der Geschäfte des Landrats in Goslar wird zurückgezogen. Aoch eine Fälschung bei Hugenbergs. Köln, 28. Juli. sEigenbericlst.) Ter Verlag der„Rheinischen Zeitung" veröffentlicht heute„in eigener Sache" folgende Erklärung: „Der„B erliner Lokal-Anzeiger" seht die Meldung in die Welt, daß die„Rheinische Zeitung" Löst t)0tl Mark Subventionen von der preußi- schcn Regierung erhalten habe. Wir erklären dazu, daß wir weder von der Preußischen iKegierung noch von anderer Seite irgendeine Subvention erhalten haben." Flugzeugunglück in England. Drei Tote bei einem Flugzeugabsturz. London, 28. Juli. Ein folgenschwerer Flugzeugabsturz hat sich gestern bei F e r n- Harn(Surret)) ereignet. Augenzeugen berichten, daß das Flugzeug. eine sogenannte Motte, in beträchtlicher höhe bei starkem Wind in Stücke brach und abstürzte. Die drei Znsassen sielen heraus und ihre Körper schlugen in ziemlicher Entfernung vonein- ander aus den Boden auf. Sie konnten erst nach stundenlangem Suchen ausgesunden werden. Es handelt sich um den 2ZjShrigen Grafen Otto Erbach- Für st enau, die Gattin des konservativen Unterhausmitgliedes B o s s o m und ihren Sohn. Erbach- Fürstenau weilte als Gast der Familie Bossom in England. Der Ort des Flugzeugunglücks in Surrey liegt anderthalb Kilo- meter von Lloyd Georges Haus entfernt und ist, da es sich um militärisches Uebungsgelände handelt, von Soldaten abgesperrt. Ein Soldat, der Augenzeuge der Katastrophe war, teilte mit, daß das Flugzeug aus den Wolken herabstürzte. Eine Tragfläche fehlte, die andere hing lose herunter. Vor dem Aufschlagen auf die Erde sielen die drei Insassen heraus. Eine Tragfläche wurde ungefähr zwei Kilometer von dem Rumpf entfernt gefunden, die Leichen un- gcfähr einen halben Kilometer entfernt. Die Leiche des Grafen Erbach-Fürstenau wurde mit Hilfe eines bei ihr aufgefundenen Zigarettenetuis identifiziert, in das fein Name eingraviert war. Weitere Opfer des„Niobe"-E>turme6. Sechs Personen im Segelboot verschollen. Hamburg, 28. Juli.(Eigenbericht.) Aus Kopenhagen wird gemeldet, daß der Ausseher des Leuchtturms bei Gjedfer am Dienstagnachmittag zur gleichen Zeit als die..Riobe" verunglückte, ein größeres Segelboot mit einem Istann, einer Frau und vier Kindern etwa fünf Kilometer von dem Leuchtturm entfernt beobachtet habe. Räch der Das srhtvere Eisenbahnunglück am Bahnhof Gesund- brunnen hat außer den zwei getöteten Frauen keine weiteren Todesopfer gefordert. Das Befinden der in den Berliner Krankenhäusern daniederliegenden Verletzten gibt zu Besorgnissen keinen Anlaß. Leider war es noch immer nicht möglich, die Personalien der einen tödlich verunglückten Frau festzustellen. Offenbar handelt es sich um eine Reisende aus der Provinz. Die Ausräumungsarbeiten an der Unfallstelle waren heute mittag nahezu beendet. Das aus Berlin herausführende Gleis war bereits um 12 Uhr wieder frei und das Nebengleis dürfte ab 14 Uhr gleichfalls wieder für den Verkehr freigegeben werden. Die umgestürzten Wagen sind im Laufe der Nacht mit fahrbaren Drehkränen beisei te geräumt worden. Eine starke Arbeiter- kolonne war die ganze Nacht ununterbrochen tätig. Gleichzeitig sind die beschädigten Gleisanlagen wiederhergestellt worden. Der Betrieb war schon heute vormittag nahezu wieder regelmäßig. Die Umleitungen werden jedenfalls nachmittags völlig aufgehoben. Die Verspätungen betrugen durchschnittlich nur 1 bis IX Minuten. Schuldfrage geklärt? Die Reichsbahndirektion war bemüht, die Schuldsrage so schnell als möglich zu klären. Der Lokomotivführer der Leer- l o k o m o t i v e, die aus Bernau kam, liegt mit einem schweren Nervenschock in der Charite danieder: er konnte bisher nicht verommen werden. Dagegen ist der Heizer heute vormittag ge- hört worden. Der Mann gab zu, daß das Signal auf Halt stand, daß der Lokomotivführer aber unverständlicherweise weiter- gefahren sei und in der Weiche gegen den einfahrenden Personen- zug 298, in dem sich viele Berliner befanden, die von ihrer Ferien- reise zurückkehrten, prallte. Falsche Weichenstellung oder falsche Signalgebung, wie es nach den ersten Vermutungen den Anschein hatte, kommt nach dieser bestimmten Aussage des Heizers nicht in Frage. Bei den ersten Rettungsarbeiten beteiligten sich in her- vorragender und anerkennenswerter Weise Mitglieder des Ar- beiter-Samariter-Bundcs Berlin. Dabei ist es zu einer unglaublichen Provokation durch Samariter des„Roten Kreuzes" gekommen. Der Führer der„Roten-Kreuz"-Kolonne entblödete sich Böe, der die„Riobe" zum Opser fiel, sei das Boot ebenfalls spurlos verschwunden gewesen. Es muß deshalb damit gerechnet werden, daß die sechs Insassen des Bootes, ein unbekannter Deutscher mit seiner Familie, der sich einige Tage im Hasen von Gjedfer aufgehalten habe, ertrunken sind. kiel, 28. Juli. Wie der Leiter der Bergungsarbeiten an der untergegangenen „Niobe", Kapitänleutnant Boie, mitteilt, ist noch dem Stand der Ar- beiten von heute vormittag eine Bergung der im Wrack einge- fchlofsenen Toten der„Riobe" zur Zeit unmöglich. Es werden noch einige Tage vergehen, bis es den Tauchern gelungen ist, sich Eingang in das Wrack der„Niobe" zu verschaffen. An der Unfallstelle liegt der Dampfer„Simson" mit einer starken Trosse am Großmast der„Niobe" befestigt. Die Bergungsarbeiten werden von Kapitänleutnant Boie geleitet, der sich mit vier Tauchern auf dem Kieler Schlepper„Hund" befindet. Weitere Torpedotaucher sind heute früh von Flensburg aus auf dem Dampfer„Mürwik" nach der Unfallstelle abgegangen. Der Kreuzer„Köln" und die Schnellboote, die Nach- forfchungen nach etwaigen Ueberresten der„Niobe" angestellt hatten, sind nach Kiel zurückgekehrt. Landestrauer für die„Niobe"- Opfer. Zum Zeichen der Trauer über das furchtbare Schiffsunglück der „Niobe" werden alleReichsbehörden am 2 8. und2g. d. M. halbmast flaggen: die Landesbehörden sind ersucht worden, das gleiche zu tun. Kleinstädten droht Entrechtung. Oer hohe Wert der Selbstverwaltung. Der Pressedienst des Landkreistages wendet sich gegen die Behauptung, daß die Landkreise sich die Vorschläge des bekannten Gutachtens zum Finazausgleich von Profesior Dr. P o p i tz auf ver- waltungsreformerischen Gebiete voll und ganz zu eigen gemacht hätten. Diese Nachricht sei falsch. Ueber eine„Beseitigung der Städterechte" ist auf der Juni- Tagung der Landkreise kein Wort gefallen. Im Gegenteil, der Redner der Landkreise erklärte mit besonderem Nachdruck, daß bei den Vorschlägen zur Verwaltungsresorm„an eine Verschüttung oder nicht, angesichts der Katastrophe, wo nicht genug hilfreiche Hände zur Stelle sein konnten, einen anwesenden Polizeioffizier aufzufordern, die Arbeitersamariter von den Gleisen zu weisen. Daß diesem Ver- langen nicht nachgekommen wurde, ist selbstverständlich. Beim Städtischen Rettungsamt der Stadt Berlin, bei der Reichsbahndirektion und bei den Städtischen Krankenhäusern liefen im Laufe der Nacht und am heutigen Vormittag Hunderte von telephonische Anfragen von Personen ein. die unter den Verletzten Angehörige vermuteten. Ausnahmslos konnten die An- fragenden die Antwort erhalten, daß sich niemand ihrer Angehörigen unter den Verunglückten befinde. Aufräumungs arbeiten an der Vlnglückssiätte. ftechls sieht man die um gesiürslen Itagen de* Torsugcs, links dieXokn motive des Stralsunder Zuges an dem aterslörten Stellnerkhaus. Sieben Stunden eingeschlossen. Ein furchtbares Martyrium hatte der Kaufmann L i n k h o r st aus der Schliemannstraße zu bestehen, dessen Frau bei dem Unglück gelötet wurde. Linkhorst war in dem völlig zer- trümmerten Abteil derart eingeschlossen, daß er kein Glied rühren konnte. Wunderbarerweise hatte er trotz seiner entsetzlichen Lage verhältnismäßig leichte Verletzungen erlitten. Linkhorst war mit seiner Frau aus der Sommerfrische heimgekehrt und kurz vor dem Ziel in Berlin ereilte die Eheleute das Geschick. Linkhorst befand sich mit seiner Frau in dem wagen, der direkt unter dem Eisen- bahntunnel umstürzte. Als die Rettungsmannschaften mit den Schneidebrennerarbeiten begannen, war L. bei vollem Bewußtsein. Die Feuerwehrleute konnten sich sehr bald mit dem Eingeschlossenen verständigen. Wie er den Beamten erzählte, lag auf seinem Leib «ine Frauenhand— wie sich später herausstellte, war es d i e Hand seiner eigenen Frau, die wenige Zentimeter von ihm entfernt bereits tot in dem Eisengewirr eingeklemmt lag. Link- Horst wurden unaufhörlich Erfrischungen gereicht, und als nach mehr- stündiger Arbeit der Feuerwehrbeamten noch immer keine Befreiung in Aussicht stand, versagten dem Verunglückten die Nerven. Er bat um eine Beruhigungsspritze, die ihm von einem Bahnarzt durch eine winzige Oeffnung verabfolgt wurde. Bis um 24 Uhr dauerten die Arbeiten mit dem Schneidebrenner, dann erst konnte Link- Horst, völlig erschöpft, aus seinem Gefängnis befreit wer- den. Volle sieben Stunden hat der Mann aushalten müssen. Auch das zweite Todesopfer der Eisenbahnkatastrophe ist mittags identifiziert worden. Es ist eine 49 Jahre alte Frau Käthe Harpeng, die früher in der Knesebeckstr. 76 in Charlottenburg wohnt. unangemessene Beschränkung der Selbstverwaltung der kreisange- hörigen Gemeinden, die erhalten werden müsse, natürlich nicht gedacht sei: das oerstehe sich von selbst für jeden, der wie er und alle Landkreisocrtreter von dem hohen Wert der Selb st ver- w a l t u n g der kleineren Gemeinden durchdrungen sei, die, weil sie sich auf einen für den Bürger übersehbaren Raum und auf im all- gemeinen für ihn übersehbare Dinge erstreckt, noch eine wirkliche Selbstverwaltung im Sinne ihres Schöpfers darstelle". Sprengstoffexp�osion im Vanklokal. Bankportier schwer verletzt. In den heutigen Vormittagsstunden ereignete sich im Hause Französische Straße 4S eine schwere Sprengstoff-Explosion, durch die der 6.I Jahre alte Portier Neinhold Schulz aus der Augsburger Str. Ii) schwer verletzt wurde. Ihm wurden sämtliche Finger der linken Hand abgerissen. Im Hause Französische Straße 49 befanden sich bis vor kurzem noch die Räume der Nürnberger Vereinsbank, die sich gegenwärtig in Auslösung befindet. Einige Tische und Regale standen noch in den Räumen. Der Portier der Bank, Reinhold Schulz, hatte sich heute in den Zimmern umgesehen. Es steht bisher noch nicht fest, ob er den Sprengkörper mitgebracht oder dort ge- funden hat. Jedenfalls ertönte plötzlich ein heftiger Knall, Scheiben klirrten, und als einige Personen erschreckt herbeieilten, sahen sie den Portier blutend am Boden liegen. Das ganze Zimmer war in Rauch gehüllt. Dem Portier sind durch den Sprengkörper sämtliche Finger der linken Hand abgerissen worden. Ein Arzt sorgte für sofortige Uebersührung in die Charit,-. Bei dem Exxplosionsstoff soll es sich um das Fabrikat OJT. handeln. Verlängerung der Omnibuslinie 97 nach dem ll-Bahnhos Tempel- hos. Zur besseren Bedienung des Verkehrs und um den Fahrgästen der Omnibuslinie 97 den Anschluß an das U-Bahnnetz zu ermöglichen, wird die Omnibuslinie 97 ab 1. August d. I. von Mariendorf, Kaiser- Ecke.Chausseestraße durch die Chausseestraße in Mariendors und Ber> liner Straße in Tcmpelhof nach dem U-Bahnhof Tempelhof ver- längert. SOS! Bergunasdampfer ahoi! Zur Katastrophe des Schulschiffes„Tttobe"! Das furchtbare Unglück der„N i o b e", das fo vielen jungen Seeleuten das Leben kostete, wirft die Frage auf, wie es geschehen kann, daß eine derartig große Katastrophe ohne jede Möglichkeit der Rettung bleibt Die moderne Technik hat alles getan, um solche Un- fälle zu vermeiden und, wenn ste doch geschehen, schnellste Rettung?- maßnahmen überall zur Hand zu haben, Jede Minute fahrtbereit, warten die Bergungsdampfer an vielen Stellen die ganzen Küsten entlang. Aber wenn ein Unglück so schnell geschieht, wie bei der„Niobe", die noch nicht einmal 808 funken konnte und in zwei Minuten kieloben versank, dann ist auch diese Hilfe natürlich vergebens. Moderne Dampfschiffe können sich fast immer noch mehrere Stunden wenigstens nach einem Unfall über Wasser halten. In den Segeln der„Niobe" hatte sich jedoch die Wetterboe gefangen und ihre Kraft so gesteigert, daß sie die Masten umriß und das Schiff blitzschnell ins Wasser drückte. Des- halb fanden die Flugzeuge, die an der Unglllcksslelle das Gebiet absuchten, auch keine Rettungsringe, keine Balken und andere Gegen- stände, an die sich ein Schiffbrüchiger hätte klammern können. Nur ein Segelschiff kann, wenn unglückliche Umstände so zusammentreffen, mit solcher Geschwindigkeit und so spurlos im Meere verschwinden — aber Segelschiffe sind zur Ausbildung der Marine notwendig. Wie sonst die Bergungsdampfer arbeiten, wenn auf dem Schiff das Schreckenssignal 808 ertönt, das zeigt ein Bestich auf einem dieser Dampfer in Cuxhaven. e- Die Sonne glänzt über der„Alten Liebe" in Cuxhaven, und das Meer leuchtet wie Silber. Am Horizont sieht man kleine, dunkle Punkte: die Feuerschiffe, die den Seefahrern den Weg weisen. Klänge einer Musikkapelle trägt der Wind herüber: die„Deutsch- land" oerläßt den Hafen. Man sieht die Menschen am Reeling stehen und noch einmal zum Vaterland winken, vielleicht zum letzten Mal. Langsam gleitet das stolze Schiff am letzten Leuchtturm des Fest- landes vorbei, wird kleiner und kleiner, und ist bald nur noch ein Punkt im großen Meer, eine Rauchsahne____ „Jetzt", sagt der Kapitän Funk, der Herr des„W o t a n",„jetzt ist nicht viel los bei uns. Aber wenn das Meer tobt, wenn die Wellen über die„Alte Liebe" donnern, wenn die Sturmbälle hoch- gehen und die Sirenen heulen, dann ist unsere Zeit. Und wenn die großen 10 OOO-Tonnen-Dampser auf der Elbe liegen Und nicht ausfahren und alle Schiffe den rettenden Hasen aufsuchen, dann fahren wir mit unserer kleinen Nußschale los." Denn der kleine„Wotan" und alle seine Schwesterschiffe haben den schweren und gefährlichen Beruf, Schiffe aus Seenot zu be- freien, gestrandete, untergegangene Schiffe zu bergen. Nicht nur in Cuxhaven, auch in Borkum, Hoheweg, Helgoland, Brunsbüttel, Holtenau, Warne- münde, Saßnitz und Swine münde und an vielen Orten des Auslands find diese Schiffe der„Bugster-Reederei- und Ber- gungs-A.-G." stationiert, Tag und Nacht liegen sie bereit, und binnen zwei Minuten sind sie fahrtbereit. Von der holländischen Insel Terschelling bis nach Skagen reickt das Gebiet dieser Bezirksstation und ein einziger 8O8-Rus würde unser Gespräch mitten im Satz unterbrechen. Aber jetzt ist es ruhig für uns. Vielleicht liegen wir Monate hier, bis etwas passiert. Wir sind ja selbst froh, wenn wir hier überhaupt einmal ein Schiff vorbeifahren sehen. Auch hier macht sich die Krise bemerkbar. Und die, die fahren, sind doppelt vor- sichtig." Dieses Gespräch fand vor kurzer Zeit statt. Jetzt find die Bergungsdampfer, wie der„Wotan" an die Unglllcksstätte der „Niob«"-Katastrophe geeilt, um ihre schwere Pflicht zu erfüllen. Man sieht es dem kleinen„Wotan" nicht an, welche Eenergie in seinem Bauch schlummert. Nicht nur die alten Kohlensahrer, auch die, die Oeldampfer fahren, beneiden ihn um seine Maschinen. Sie füllen fast die Hälfte des Schiffes aus, modernste elektrische Apparate. 3S00 Pferdekräfte entwickeln sie. „Wollen Sie sich das Schiff einmal ansehen? Ich glaube nicht, daß gerade im Augenblick etwas passieren wird, immerhin müsisn wir ja jeden Augenblick damit rechnen. Wenn ein Hilferuf kommt und wir losfahren, dann haben Sie keine Zeit mehr, an Land zu gehen. Und was wir machen, ist schwere Arbeit, das sind keine Vergnügungsfahrten." Wo die Maschine Platz läßt, ist das Bergungsgeschirr unter- gebracht. Elektrische Pumpen, Motorpumpen, Dampfpumpen. Rund 750 Kubikmeter Wasser können sie pro Stunde zusammen aus einem lecken Schiff pumpen. Und dann eine Unmenge von Schleppdrähten und Tauen. Taue, die dicker sind als die Schenkel eines Athleten. Bis auf 200 Meter kann der„Wotan" Leitseile schießen, mit denen dann die schweren Taue und Drähte auch bei schwerster See von dem verunglückten Schiff herübergezogen werden können. Dann die Scheinwerfer, Nebelhörner, Funkpeiler, Unter- wasserschallsignal«, Taucherausrüstungen, Unterwasferschneidegeschirre. Zwanzig Menschen sind an Bord dieses Schiffes, alles besonders ausgebildete Leute, kraftstrotzende Gestalten, Menschen, die die tollsten Fabrten hinter sich hoben und soviel erlebten, daß sie kaum etwas davon erzählen, denn was uns Sensation dünkt, ist ihnen Alltag. „Und was kostet dos, wenn ein Schiff sich aus Seenot retten läßt?" „Wir arbeiten nach dem Prinzip: Kein Erfolg— kein« Zahlung. Gelingt dem Bergungsdampfer die Rettung nicht, so erhält er auch nichts dafür. Gelingt sie, so wird die Entschädigung zumeist durch ein Gerichtsversahren bestimmt. Dann entscheidet je nach der Nationalität des geretteten Schiffes das Seeschiedsgericht in Hamburg oder in London, was zu zahlen ist." Und oft schon ist es geschehen, daß ein Bergungsdampfer aus- laufen mußte, um einen anderen Bergungsdampfer, der ein Schiff retten wollte, selbst zu bergen. Denn:„... ob Nebel, Eis oder Orkan— wir fahren bei jedem Wetter." Und in den Cuxhaocner Bllroräumcn der Bergungsgesellschaft hängt ein Bild eines Dampfers in schwerster Seenot, und darunter steht: Hier ward nich bidreiht, ward nich refft, bit wi dat Ziel . to foten hefft. Doch bei der„Niobe" ist auch die Arbeit der Bergungsdampser leider vergeblich... �lario �losir. „Oer Wahre Jacob" verboten! Eine Glanzleistung der Baronsregierung. Der neue Berliner Polizeipräsident hat durch Ver- fügung vom 26. d. M. das Arbeiter-Witzblatt„Der Wahre Jacob" bis zum 26. September d. I. verboten! Der Herr Melcher führt folgende Gründe an: „Die Nr. 17 der illustrierten Wochenschrift„Der Wahre Jacob" bringt auf ihrem Titelblatt eine Zeichnung, die innerhalb einer offenbar während des Meßopfers emporgehobenen Monstranz eine mit einem Hakenkreuz verzierte Guillotine zeigt. Diese Zeichnung ist eine Beschimpfung und böswillige Verächtlich- machung des Meßopfers als einer Einrichtung der katho- tischen Kirche, einer Religionsgesellschaft des öffentlichen Rechts. Durch die Karikatur auf der 3. Seite des Blattes mit der Unter- jchrift„Die Regierung Papen hat eine Anpassung an die Armut der Nation angekündigt. Die Anpassung an die geistige Armut der Nation ist bereits erfolgt" und durch diesen Text wird der Herr Reichskanzler dadurch beschimpft und böswillig verächtlich gemacht, daß er als ein geistig minderwertiger Mensch dargestellt wird, der in seinen Entscheidungen bei der Ausübung seines Amtes in fklavenhafter Abhängigkeit von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei steht." An diesem neuesten Akt der Baronatsherrschast ist ein Moment ganz besonders auffällig: Die beanstandete Nummer 17 des„Wahren Jacob" erschien am 16. 3uU. Damals amtierte noch die recht- m ä h i g e preußische Regierung Braun-Severing, es amtierte auch der von ihr bestellte Berliner Polizeipräsident G r z e f i n s k i. Beide Amtsstellen hatten an der Nummer 17 des„Wahren Jacob" nichts auszusetzen. Vier Tage später wurde der neue Polizei- Präsident Melcher berufen. Obwohl die Nummer 17 des„Wahren Zacob", längst erschienen und längst verbreilek, der Kompetenz seines Vorgängers unterlag, hol Herr Melcher feine Amtshandlungen auch auf eben diese rechtmäßig unbeanstandet gebliebene Nummer des „wahren Jacob" ausgedebnt! Dadurch ist die durch die neuen Machthaber geschaffen« Rechts- Unsicherheit zu einem Gipfel gesteigert worden, der für die Zukunft des gesamten deutschen Pressewesens höchst reizvolle Aus- blicke gewährt. Jede Zeitung und Zeitschrift muh heule riskieren, wegen früherer noch unter der alten preuhenregierung erschienenen Nummern verboten zu werden! Im übrigen ist zu der neuen Attacke gegen das muntere Volk der Karikaturisten folgendes zu bemerken: Die als„Verächtlichmachung des Meßopfers" angesehene Karikatur des„Wahren Jacob" stellt das glatte Gegenteil dar. Der Berliner Polizeipräsident verschweigt in seiner Begründung den Text der Karikatur, der folgendermaßen lautet: „Was mutet man dem deutschen Volke zu? Daß es stimme für das„Christentum" vom Hakenkreuz, des Evangelium da lautet: köpfe sollen rollen, die Hansindustrie soll belebt werden, eine Nacht der langen Messer soll sein!" Für jeden der den Sinn und Inhalt einer Karikatur aufzu- fassen vermag, ist hiernach klar, daß sich der„Wahre Jacob" schürend vor den Begriff des wirklichen Christentums stellte und sich leidenschaftlich gegen die Blasphemien gewisser national- sozialistischer Führer wandte, die sich Christen nennen und Masjenmorde in Absicht tragen! Die zweite der beanstandeten Karikaturen zeigt den Herrn Reichskanzler, umgeben von Büropersonal, wie er mit g e- spannter Aufmerksamkeit den„Angriff" studiert; ein Spruchband, das aus dem Munde herausführt, lautet:„Wie muß ich mich verhalten?" Groß an der Wand hängt das Parade- porträt Hitlers, ein Hindenburg-Porträt ist hinter den Schreibtisch gestellt worden. Erregt stellt der Polizeipräsident die Behauptung einer„sklaven- haften Abhängigkeit" des Herrn Reichskanzlers von der NSDAP. fest. Eine fklavenhafte Abhängigkeit des Reichskanzlers von der NSDAP, wird in der Karikatur nicht behauptet; wohl aber die politische Abhängigkeit schlechthin. Und die wird auch Herr Polizeipräsident Melcher nicht bestreiten können. Oder kennt er nicht das Zentrumsprotokoll vom 3. Juni? Waffenbeschlagnahme bei der E>A. In Hamburg- aber nicht in Preußen. Hamburg, 28. Juli. Bei der Durchsuchung eines Verkehrslokals der Nationalsozia- listen im Stadtteil Uhlenhorst wurden zahlreiche Schuß- waffen sowie Stich- und Hiebwaffen gefunden und beschlag- nahmt. 26 Mitglieder der NSDAP, wurden festgenommen. Weiter wurden in letzter Nacht sieben der NSDAP, angehörende Personen verhaftet, die, wie die Polizei meldet, auf der Wandsbeker Chaussee Passanten und Kraftwagen anhielten und durchsuchten. Bei diesen Festgenommenen wurden mehrere Hiebwaffen beschlag- nahmt. >«- Die Hamburger Polizei wendet sich bei der Waffensuch? an die richtige Adresse. Den neuen Machthabern in Preußen, die bisher ausschließlich bei den Kommunisten Haus- suchungen abhielten, würden die Augen übergehen, wenn sie ein- mal gründlich die SA.-Höhlen auf Waffen durchleuchten würden._ Militärflugzeug brennend abgestürzt. Oer Pilot getötet. London, 27. Juli. In der Nähe von Bekesbounen bei Canterbury in der Grafschaft Kent stürzte ein Militärslugzeug brennend ab, wo- durch der Insasse, ein Fliegeroffizier, getötet wurde. Achtung, Abteilungsleiterinnen! Morgen vormittag sind gegen Ausweis vom Zitzungs- saal des Bezirksvcrbandes Berlin noch neue Frauen- flugblätter zur Verteilung auf den Wochcnmärkten ab- zuholen. Wir bitten die Abteilungslciterinnen, dafür zu sorgen, daß jede Abteilung eine Funktionärin mit der Abholung der Flugblätter beauftragt. Das Frauensekretariat. * Iii Abt. Heute. 20 Uhr. bei Schwarzer, Gabriel-Max-Str. 17. Funktionärsitzung. Die Legende von Hollywood. Die Pleite der Amüsierindustrie. Hollywood, das Mekka des Films, die Stadt, wo die Künstler zu Weltruhm und märchenhaftem Reichtum gelangen, wo die ganze Welt mit Unterhaltung versorgt wind, wo phantastische Gewinne eingeheimst werden, wo die künstlerische Elite der ganzen Welt unker dem blauen Himmel Kaliforniens arbeitet, auch dies gehört nun der Vergangenheit an. Hollywood ist am Ende. Wie man sich feit dem Ende der amerikanischen Prosperity daran gewöhnt hat, das„Wirt- fchaftswunder Amerika" nüchterner zu betrachten� so zeigt auch eine kritische Auffassung der Dinge Hollywood in einem ganz anderen Licht, als man es bisher gesehen hat. Die Legende um Hollywood ist zerstört. Die Wirklichkeit sah und sieht so aus: Die amerikanische Filmindustrie ist zu keiner Zeit eine be- deutende Industrie und niemals ein« gesunde gewesen. Eine Zeit- lang wurde mit dem Film viel Geld verdient. Aber der amerika- Nische Film ist bis zur Gegenwart nichts weiter als ein Spekula- t i o n s o b j e k t gewesen, und wenn diese Spekulationen in den guten Jahren geglückt sind, so ändert der Erfolg nichts an dem fragwürdigen Charakter dieses ganzen Geschäfts. So genießt denn auch die„Amüsierindustrie", wie man in den Vereinigten Staaten sagt, in den seriösen Finanz- und Jndustriekreisen keineswegs«inen guten Ruf. Es ist bezeichnend, daß kein einziges Aktienpapier einer Filmgesellschaft, nicht einmal das der Paramount, an der New- Porker Börse zugelassen ist. Vielleicht liegt das daran, daß die Persönlichkeiten der amerikanischen Filmindustrie sast ganz ohne Ausnahme Parvenüs mit einem meist wenig vorbildlichen Lebens- wandel, ohne die geringste Kultur, einig« sogar ohne jede Bildung sind. Die Unwissenheit und schlechte Erziehung der Filmmagnaten Amerikas sind notorisch, und ihre Entgleisungen geben ständigen Gesprächsstoff für die Oeffentlichkeit. In Hollywood geht die Qualität der Produktion unaufhaltsam zurück. Nicht ohne Grund! In dieser Hauptstadt des Films leben die Manuskriptschreiber, die Regisseure und die Stars in einer Schein weit, ohne jede Berührung mit der Wirklichkeit. Sie müssen erstarren, ihre Einbildungskrast muß leiden. Die Neu- ankömmlinge unterliegen schon nach kurzer Zeit dieser lähmenden Atmosphäre. So kommt es, daß selbst das amerikanische Durch- schnittspublikum den Film aus Hollywood gründlich überbekommen hat. Die mit großem Aufwand gedrehten Filme machen sich nicht mehr bezahlt. Bis 1930 blieben die Einnahmen der Filmtheater ziemlich kon- stant. Aber seitdem sind sie von Monat zu Monat empfindlich zu- rllckgegangen, fast mit einem Schlag um 20 Prozent. Di« großen Theater, die mit verschwenderischem Luxus ausgestattet sind, wie „Paramout" und„Roxy" in New Park, die schon immer Defizit- Unternehmungen waren, aber aus Repräsentationsgründen gehalten wurden, wurden wahre Danaidenfässer.„Roxy" mußte kürzlich geschlossen werden. Die Aussuhr, die bis dahin den eigentlichen Reingewinn— 25 Prozent— erbracht hatte, während der amerika- nische Markt im allgemeinen nur die Kosten deckte, wirft keine Ueberschüsie mehr ab. Das Ausland führte Kontingente ein oder nahm infolge der allgemeinen Verarmung weniger Filme auf. So hat sich das Filmgeschäft in den Vereinigten Staaten seit dem ver- gangenen Herbst geradezu katastrophal entwickelt. Mit alleiniger Ausnahme der Paramount, die kapitalkrästige Banken hinter sich hat. dürften alle wichtigen Filmunternehmungen, soweit sie nicht bereits zusammengebrochen sind, in ernster Gefahr sein. „Malygin" im Treibeis gefangen. Die Forschungsgesetlschast eingeschlossen. Die erste Mitteilung, die von einer Expedition des Internationalen Polarjahres 1932 eintrifft, ist leider eine Hiobsnachricht. Der einzige deutsche Teilnehmer an der russi- schen Expedition, die auf Franz-Josef-Land wisienschastliche Arbeiten betreiben soll, Dr. I. Scholz, teilt soeben telegraphisch mit, daß der Eisbrecher„Malygin", der die Expedition von Archangelsk zu ihrem Bestimmungsort bringen sollte, von mächtigen Eismasscn umklammert worden ist. Das Eis ist stellenweise 566 Meter dick. Der„Malygin" kann seine Reise nicht weiter fortsetzen. Die Expedition will den Versuch machon, auf dem Wege nach Südosten die Eismassen zu umgehen. Ob ihr das gelingen wird, läßt sich jetzt noch nicht übersehen. Borderhand ist die Expedition im Treibeis gefangen. Sollte es ihr gelingen, dem Treibeis zu entweichen, so wird doch die Ankunft auf Franz-Josef-Land und der Beginn der wissenschaftlichen Arbeiten dadurch beträchtlich verzögert. Das Aus- maß dieser Verzögerung läßt sich jetzt noch nicht annähernd be- stimmen. Denn es ist auch möglich, daß der„Malygin" im Treibeis stecken bleibt und erst später, nach entsprechender Aenderung der Verhältnisse, seine Reise fortsetzen kann. Auf keinen Fall sind Gefahren in der Lebensmittelversorgung zu befürchten. Denn der „Malygin" ist mit reichlichen Vorräten für die gegen 26 Kopf starke Expedition gerüstet, die frühestens Herbst 1933 beendet sein sollte. Gerade im Rahmen des Internationalen Polarjahres ist das Hindernis, das sich dieser Expedition in den Weg gestellt hat, beson- ders unliebsam. Denn im Internationalen Polarjahr sollte durch eine Reihe von Expeditionen, unter Beteiligung verschiedener Staaten, eine planmäßige Erforschung der Arktis von vielen Seiten aus stattfinden. Die Behinderung einer Expedition kann natürlich dem Arbeitsplan des ganzen Internationalen Polarjahres schaden. Das Polarjahr— ein meteorologisches Welljahr. Das Zweite Internationale Polarjahr, das vom 1. August 1932 bis zum 31. August 1833 dauern soll, wird von besonderer Bedeutung für die Wetterkunde sein. Ueber die zahlreichen Expeditionen, die in den Polargebiete» ihre Beobachtungen ausführen werden, ist bereits berichtet worden. Aber man darf auch nicht die Mitwirkung der Wetterwarten in den einzelnen Ländern und auf den Meeren ver- gesien. Die Mitarbeit Deutschlands ist auf diesem Gebiete beschränkt, da wir während des Polarjahres keine polaren Aufgaben lösen können. Die gesamte Organisation, die durch die Internationale Polar-Kommission geschaffen worden ist, erweitert das Polarjahr ju einem„meteorologischen Weltjahr". Durch die Beteiligung von fast 50 Kulturländern und die einheitlichen Beobachtungen in allen Erdteilen zu Lande und zur See wird dieses Polarjahr zum größten Unternehmen werden, das jemals zur Erforschung der geophysikalischen Verhältnisse unternommen worden ist. Dadurch, daß die Erde als Ganzes aufgefaßt wird, hofft man, die Wetter- vorhersage, die nur durch Zusammenarbeit der ganzen Welt ge- fördert werden kann, auf eine neue Grundlage zu stellen. ErZssllnng der Landschastsausstellung. Sonnabend wird im Erdgeschoß des K a i s e r- F r i e d r i ch- M u s- u m Z die Ausstellung von rund SO Meisterwerken der Landschaftsmalerei eröffnet werden. Die Staatlichen Museen sind am Reichstagswadltagc von g bis 13 Uhr für den Besuch geöffnet. Tie Kamera zeigt ab Freitag den Film„Westfront 1918"(Biet von der Infanterie) von G. W. Padst, mit der Musik von Alexander Lasziv. „Das schuftige Spiel." Moskauer Wahlschwindel. Wie die Leser des„Trud", des Organs der sowjetrussischen Staatsgewerkschaften, aus Berlin über die deutschen Verhältnisse „informiert" werden, zeigen folgende Proben: Die Papen-Regierung sei bestrebt,„mit allen Mitteln der sozial- demokratischen Führung zu helfen, die Politik des Betrugs der Massen durchzuführen". „Zu diesem Zweck(!) wurde das Zenkrolorgan der SPD., der „Vorwärts", und andere sozialdemokratische Blätter für einige Tage „verboten"." „Die Einheitsfront des Proletariats zu zerbrechen— das ist das Hauptziel der sozialdemokratischen Führung, der Auftrag, der ihr von den Organisatoren der faschistischen Diktatur gegeben ist." Die Parole Höltermanns:„Kampf um die zweite Republik", „ist darauf berechnet, die Massen zu betrügen und die Errichtung der offenen faschistischen Diktatur zu fördern." Es wird auch darüber berichtet, daß„zwischen den Nationalsozialisten und den Sozialdemokraten Verhandlungen über eine Koalition im Gange sind". „Wie weit diese Verhandlungen gediehen sind, zeigt allein schon die Tatsache, daß die Führer des reformistischen Gewerkschaftsbundes — wenn auch in einer verschleierten Form— grundsätzlich dem Angebot Straßers zugestimmt haben, die Nationalsozialisten in der Frage der Einführung der Arbeitsdienstpflicht zu unterstützen". „Das Proletariat Deutschlands und der ganzen Welt beobachtet mit Empörung das schuftige Spiel der sozialdemokratischen Führung angesichts der in allen kapitalistischen Ländern wachsenden Welle des faschistischen Terrors. Die Reformisten reden von dem„gesitteten Verhalten der Nationalsozialisten"und spornen damit an die viehi- schen Morde von Arbeitern und Arbeiterinnen durch die Faschisten. Selbst politisch völlig unerfahrene Arbeiter müssen sich an diesem Beispiel überzeugen, daß die sozialdemokratische Gewerkschaftsbüro- kratie ein direkter Waffenträger der faschistischen Diktatur ist." Es ist in der Ta» ein schuftiges Spiel, das die KPD. treibt. Wir brauchen ja nicht erst das Echo der„Roten Fahne" aus Moskau zu hören, da wir die Rufer im Streit gegen den „H a u p t s e i n d" direkt hören können. „Die Sozialdemokratie will die proletarische Einheitsfront zer- schlagen und kapituliert vor dem Faschismus", lautet die Einleitung der heutigen Schimpfereien in der„Roten Fahne". Die Arbeiterkorrespondenten des Blattes werden aufgefordert, über Argumente der Gewerkschaftsführer und Diskussionsreden der freigewerkschaftlichen Mitglieder zu berichten, „die geeignet sind, den Betrug der Gewerkschafts- bürokratie zu enthüllen". In einer als Wahlflugblatt aufgemachten Beilage der„Roten Fahne" wird in einem Artikel:„Die Kapitulation der Gewerkschafts- führer am 20. Juli" überschrieben, erneut der unglaubliche Schmiedel aufgewärmt, der Genosse Furtwängler vom ADGB. habe mit Gregor Straßer verhandelt. Trotz der Erklärung des Vorstandes des ADGB., die wir in Nr. 342 veröffentlichten, daß an diesen Behauptungen kein Wort wahr ist. „Das Dementi des ADGB. zum Fall Furtwängler ist wenig überzeugend", wagt das Moskaublatt zu schreiben. Es möchte den nicht existierenden„Fall Furtwängler" für seine„Einheitsfront"- Manöver und zur Wahlagitation gegen die Sozialdemo- kratische Partei ausnützen, und darum paßt ihm das Dementi nicht. Unser Genosse Furtwängler kennt den Gregor Straßer persön- lich überhaupt nicht, geschweige denn daß er mit ihm„verhandelt hätte. Trotzdem dieses schuftige Spiel! Nun, am Zonntag ist Abrechnung: Liste 1! Vom belgischen Bergarbeiiersireik. Brüssel. 28. Juli. Der Ausschuß der belgischen Bergarbeiter fordert eine erneute Einberufung der Gemischten Bergbaukommission, die sich aus Ber- tretern der Arbeilgeber und Arbeitnehmer zusammensetzt. Der allgemeine Kohklenarbeiterstreik dauert im ganzen Lande unverändert fort. Wetter für Berlin: Etwas wärmer, teils heiter, teils bewölkt, keine wesentlichen Niederschläge� mäßige südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Süden und Südosten trocken und ziemlich heiter, im übrigen Reiche noch zeitweise stärker bewölkt, in den Küsten- gebieten, namentlich an der Oiordsee, noch einzelne Schauer: überall etwas wärmer. Leranlwortl. fiir die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin: Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Berlag: Vorwärts Bering ffi. in. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Einger z- To.. Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Hierzu 1 Beilage. ICarfioffel-IContor Q. m.b.H., NW 40. Heidestr. 30.— Hansa 4848. liefert Speisekartoffeln für Gron-Verbraucher, Kantinen u. 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Es ist dazu zu sagen, daß die wenig st en Berliner Erwerbslosen nach den letzten Kürzungen noch 60 Pf. täglich zum Verzehr haben. Ein lediger Wohlsahrtserwerbsloser bekommt heute durchschnittlich 40 M. im Monat Unterstützung. Davon zahlt er 20 M. Miete. Bleiben ihm: 20 M. Damit muh er Essen, Wäsche, Seife, Zahn- pasta, Schuhputz usw. bestreiten. Ab l. August wird es nur noch 30 M. geben. Was soll dann werden? Die Arbeitslosen sind heute s ch o n in der Mehrzahl halb verhungert. Ihre Kleider reißen und sie können sich keine neuen kaufen. Der Haushalt zerfällt. Der Körper verliert infolge der fortgesetzten Entbehrungen seine Wider- standskraft. Di« Nerven zerschleißen. Das Elend ist wahrhaft schon groß genug. Geld ist aber angeblich nicht da. Nur für die Groß- a g r a r i e r. Die wohnen schon:ahrelang am Rande des Abgrunds und fühlen sich dort sehr wohl. Sie bekommen Millionen Sub- v e n t i o n e n, die sinnlos verpulvert find, weil diese Herren, wie jeder weiß, der die Verhältnisse kennt, ihre Güter nicht anständig bewirtschaften können. Die jungen Leute lungern in Berlin N. vor den Haus- türen. Die Sonne scheint, und es regnet... Das ist die einzige Abwechslung. Der Krieg hat ihre Väter verzehrt. Die überblieben, denen hat die Inflation das Rückgrat gebrochen. Und jetzt müssen die Jungen hungern. Sic haben Lehrzeiten beendigt— und stehen nun vor dem Nichts. Sie, möchten in ihrem Beruf etwas leisten: überall aber werden ihnen die Türen zugeschlagen: Kein Platz! Kein Platz! Sic sind bereits in ihrer Jugend ausgeschieden. Die Zeit schreitet über sie hinweg, während sie in den Hausfluren ihr Leben verdämmern. Sie hocken bei ihren Eltern, die nichts für sich zu beißen haben, als unnütze Esser. Sie sind ihnen und sich selber«ine L a st. Sie haben keine Freude, keine Ablenkung, nichts. Sie sind immer von einer sinnlosen Wut erfüllt. Sie rotten sich zu Verzweiflungstaten zusammen. Ein Menschenleben gilt ihnen nicht viel. Wer hat auch Achtung vor ihrem Leben? Wer kümmert sich um sie? Auch die Nerven der Besonnenen unter ihnen sind bald zu Ende. Leere Bäuche werden nicht von Phrasen und Gr- Mahnungen satt. Oder bildet Herr v. Papcn sich das ein—? Gr dürfte kaum wissen, wie jemandem zu Mute ist, der hungert. Er kennt nicht dieses wie Ausgedörrtsein, den dumpfen Schmerz, der sich in Hüften und Knie einsrißt, das Bohren im Kopf, diese wahn- sinnige Lust, irgendwelchen Leuten, die einem gar nichts getan haben, ins Gesicht zu schlagen, diese brennende, wühlende Wut auf jeden und alles... Da liegen Würste, Brote, Butter— alles, in den Schaufenstern und sie stehen davor und der Magen kehrt sich um vor Hunger... Fahrende Musikanten ziehen durch Berlin N. Es kom- men jeden Tag mehrere richtige Kapellen mit Refrainsängern, die ihre Songs durch das Megaphon singen. Es kommen Künstler. Vor einigen Tagen ließ sich in unserer Straße ein Geiger hören, dessen Spiel vollendet war. Es kommen Leute, die kleine Kinder Man sollte es nicht für möglich halten: das Arbeitsamt in Wanne-Eickel hat sich selb st abgebaut. Es mußte seine Pforten und Büros schließen, weil keine unausgesteuerten Erwerbslosen mehr ba sind. Es mußte seinen Angestellten kündigen, weil es keine Beschäftigung mehr für sie hat. Alle überhaupt in Wanne-Eickel vorhandenen Er- werbslosen sind ausgesteuert und dem Wohlfahrtsamt überwiesen worden. Die Stadt Wanne-Eickel, ein Ort von nahezu 9 4'0 00 Einwohnern, steht unter einem wirtschaftlichen Ausnahme- zustand. Sie verfügt nach Herne sWestfalen) über die meisten Arbeitslosen in ganz Deutschland und stellt in ihrem äußeren und inneren Bild eine tragische Sammlung von Katastrophenzustän- den dar. Selbst die Stadtverwaltung, der Oberbürgermeister K i w i t vorsteht, weiß sich keinen Rat mehr. Der Etatentwurf für 1932, den der Oberbürgermeister soeben vorlegte, schließt mit einer Gesamtausgabensumme von 15,8 Millionen Mark ab. Zwar sind nach vielen Abstrichen schon über 500 000 M. herausgenommen wor- den— aber im Hinblick auf die fast unglaubliche Steigerung der Wohlfahrtslasten gegenüber dem Vorjahre(um fast das Doppelte!) ist dieser Betrag völlig unbvdeutend. Der Oberbllrger- meister hat es festgestellt: das Gesamtsteueraufkommen der«tadt deckt nicht einmal die knappe Hälfte der zu leistenden Wohl- fahrt sausgaben. Seit 1927 sind die Steuereinnahmen der Stadt um mehr als ein Drittel gefallen: die Wohlfahrtsausgaben hingegen um mehr als das Dreifache gestiegen. Das Arbeitsamt hat sich vor die bittere Notwendigkeit gestellt gesehen, seine Büros schließen und seine sämtlichen Angestellten entlassen zu müssen— da für sie keinerlei Beschäftigungsmöglichkeit mehr vorlag. Zum richtigen Verständnis und zur Würdigung dieser fast paradoxen Schließung eines Arbeitsamts wegen Beschästigungs- losigkeit wird es interessant sein, einmal die wirklichen Verhältnisse in Wanne-Eickel kennenzulernen. Wanne-Eickel, Mittelpunkt des Emscher-Ruhrgebiets, einst Hauptförderungsplatz des schwarzen Erzes, ist heute. und zwar nicht allein infolge der erschreckend gesunkenen Prosperity, zu völliger Bedeutungslosigkeit als Förderplatz und zu entsetzlicher Armut herabgesunken. Die Stadt kann den traurigen Rekord für sich buchen, nächst Herne(Westfalen) die meisten Arbeitslosen in ihrem Weichbild zu beherbergen. Abgesehen jedoch von dieser enormen Erwerbslosenzahl, die nun, nach Schließung des Arbeike- amts, total aus Mitteln der städtischen Wohlfahrt unterstützt werden muß, ist die Stadt gezwungen, mehr als k8 vsisi Berginvaliden aus kommunalen Mitteln zu erhalten. Auf zwei Arbeiter kommt immer je ein Rentner: der Verdienst ist danach. Zu Zeiten der Lex Brüning erhielt die Knappschaft 70 Millionen Zuschuß. Heute müssen, da sonst alle«rwerbslajen Invaliden und alle alten Leute verhungern müßten, über 95 Mil- lionen vom Reich gezahlt werden. Ein Beispiel wird die trostlose Lage noch erhellen: Gin Pensionär, der jahrzehntelang im Bergbau tätig war, verdiente ursprünglich 92,3V M. im Monat. Seit der letzten Notverordnung ist dieser gewiß nicht stolze Betrag auf sage und schreibe 7i»,30 M. zusam- mengeschmolzen--- und von diesen paar Kröten muß nun die gesamte Familie des Mannes, der jähr- zehntelang Haut und Nerven für den Bergbau ge» opfert hat, leben— d. h. vegetieren— können. Es ist gar kein Wunder, daß unter diesen Umständen die Stadt and ihre gesamte Umgebung vollkommen ruiniert ist. Oberbürgermeister Kiwit hat in seiner letzten Denkschrift die Hoffnung ausgesprochen, daß irgendein Saisongewerbe wieder neue Arbeitsmöglichkeiten schaffen werde. Daran ist in absehbarer Zeit keinesfalls zu denken: denn das Baugewerbe, sonst eigentlich das stärkste Saisongewerbe, eigentlich um diese Jahreszeit gut beschäftigt, ruht völlig. Im Bergbau herrschen tolle, um nicht zu sagen k a t a st r o- phalc Zustände: In jede Woche sind zwei Feier- schichten eingelegt worden. Von den sechs überhaupt noch in Betrieb befindlichen Gruben arbeitet auf der Zeche Shamrock noch ein einziger Schacht, auf Zeche Hannibal ebenfalls noch«in Schacht, auf Zeche Königshütte auch nur noch ein einziger Schacht, die Zech« Unser Fritz hat noch zwei Schächte in Betrieb— und die Zeche Pluto läßt ebenfalls nur noch auf einem Schacht fördern. Die Zech« Bismarck ist völlig außer Betrieb. Von einstmals hier be- s ch ä f t i g t e n 13 000 Bergleuten arbeiten heute nur noch knapp 2800 Mann— eine für die Wirtschaftslage der ganzen Gegend entmutigende Zahl. Unter den Arbeitslosen, die sich noch immer vermehren, herrscht eine dementsprechend« Stimmung. Von Arbeitsaussichten ist schon lange keine Rede mehr... Oberbürgermeister Kiwit, der bemühte Gemeindeoater, ist nach Kräften bestrebt, irgendeine Lösung zur Hebung der Volkswohlfahrt und der Gesundheit seiner Bürger zu finden. Seine Bemühungen um Balancierung des Stadthaushalts sind angesichts der Lage längst als aussichtslos zu bezeichnen— trotzdem hat der brave Stadtoater die Arbeiten noch nicht aufgegeben. In einem längeren, in einer rheinischen Zeitung erschienenen Aufsatz beschäftigt sich Kiwit mit der Lösung der ihm aufgegebenen Fragen— kommt aber zu demselben Ergebnis, wie alle, die mit ihm arbeiten. Bezeichnend für die wirkliche Lage in dem von diesem Elend betroffenen Bezirk ist das Schreiben des Arbeitsamtes Wanne-Eickel, das der Bürgermeister erhalten hat. Es sei hier im Wortlaut wiedergegeben: „Die Zahl der von den Arbeitsämtern betreuten Erwerbs- losen wird immer geringer, da die durch die Massenentlassungen erwerbslos gewordenen Arbeiter und Angestellten durch die Ar- beitslosenversicherung und Krisenfürsorge hindurch sind und vom Wohlfahrtsamt betreut werden müssen. In den nächsten Monaten wird der Abgang beim Arbeitsamt noch schneller vor sich gehen. Außerdem ist beabsichtigt, die Dauer der Arbeits- losenversicherung nochmals, und ztvar auf 13 Wochen, zu kürzen. Dadurch würden die von der Arbeitslosenversicherung betreuten Erwerbslosen in wenigen Monaten fast völlig beim Arbeitsamt ausgeschieden sei«. Das Arbeitsamt ist daher gezwungen, auch seine A n g e st e l l t e n zu entlassen. Da es sich um eingearbeitete Kräfte handelt, die größtenteils zwei Jahre und länger beim Arbeitsamt in der Arbeitslosenversicherung beschäftigt waren und mit allen Bestimmungen vertraut sind, bitten wir die Stadtoer- waltung, bei Bedarf von Arbeitskrästen die entlassenen Ange- stellten des Arbeitsamts zu berücksichtigen." Dieses Schreiben, das an die Stadtverwaltung von Wanne- Eickel gerichtet war, kennzeichnet am besten die wirkliche Lage der Dinge in dieser Stadt. Oberbürgermeister Kiwit gibt sich die denkbar größte Mühe, Herr der Verhältnisse zu werden— aber es besteht angesichts der Lage die dringende Gefahr, daß ihm diese Ver- Hältnisse über dem Kopf zusammenschlagen. Die Arbeitslosigkeit nimmt nämlich noch immer in katastrophaler Weise zu— die Schließung weiterer Zechen steht bevor... ?oter Präteriu*. Aufbau im Arbeitersport Trotz alledem Auch in der schlimmsten Krisenzcit arbeiten die Arbeitersportler in allen Ländern rüstig weiter. Die letzten Berichte der Natur- freunde erbringen dafür beste Beweise. Selbst jetzt braucht die Errichtung von prächtigen Wander- und Ferienheimen noch nicht eingestellt zu werden. Schon feiert die erste Naturfreundehütte auf dem Padasterjoch in Tirol ihre 2öjährige Existenz, da kommt die Nachricht von einem großen Ferienheimbau im Gau Kärnten. Die 1300 Meter hoch gelegene Koschuttahlltte in den Karawanken liegt in wundervoller Gebirgswelt, sie faßt über 100 Personen zur Uebernachtung. Weiter errichtete die Ortsgruppe Gösau im D a ch st e i n g« b i r g««in Wanderheim. In Nord Kähmen war die Ortsgruppe Warns- darf rührig. Sie schuf sich in Niederlichtenwald ein schönes cheim, das Unterkunft für 80 Personen bietet. Besonders werwoll wurde die Tätigkeit in Frankreich: sechs Heims gibt es schon im Bereich der Vogesen. Vier Orts- gruppen(Bischheim, Gebweiler, Markirch und Straßburg) sind jetzt am Werk. Neben dem Trehhaus der Mülhausener wurde das Kolmarer Haus„Schnepfenried" in den Hochvogesen in 10S0 Meter Höhe besonders wichtig. Auch in Deutschland schreitet die Arbeit munter fort. Neu eröffnet wurden seit Pfingsten das Osnabrücker Heim im Wiehengebirge, das Aschaffenburger Haus auf der Weikertswiese im Spessart, ein Stadtheim in Möhringen(Baden),«in Paddler- heim aus dem Kühlkopf bei Stöckstadt im Odenwald und das neue große Lahntalhaus bei Villmar an der Lahn. Weiterhin wurden im Rheinland das Solinger Haus auf dem Pfaffenberg und das Welper Heim in der Elfringhauser Schweiz der Oeffentlichkeit über- geben. Drei weitere Heime, das Essener am Flughafen Essen-Mül- heim, das Trierer bei Franzensheim im Hochwald und das Sülz- talhaus gehen jetzt der Fertigstellung entgegen. Auch der Gau Sachsen kann von einer guten Entwicklung berichten. In den dortigen Faltbootgruppen sind allein Wer 570 Boote vereinigt. Die Naturfreunde stehen heute eng verbunden mit den übrigen Arbeitersportlern in der Eisernen Front. Sie arbeiten un- verdrossen und wissen daher, was sie zu verlieren HWen. Auch ihr Kampf gilt daher am 31. Juli mit besonderer Energie der Reaktion. Sportler, merkt es euch! Kein Arbeitersport im Dritten Reich! Wie es dem Arbeitersport im Dritten Reich ergehen würde, darüber schreibt das Stuttgarter Naziblatt folgendes: „Ein Großteil unseres Volkes steht heute noch auf dem Stand- punkt: Sport hat nichts mit Politik zu tun. Das ist grundverkshrt. Es gibt überhaupt nichts, das unmittelbar oder mittelbar mit Poli- tik nichts zu tun hätte. Vor allem dürfen wir Nationalsozialisten niemals diesen Irrtum glauben. Wir müssen vielmehr auch hier unsere eigenen Wege gehen, die uns weltanschaulich zu einer ganz anderen Einstellung auch im Sportbetrieb verpflichten. Politische Neutralität kann unsertwegen noch in den Ueberbleibseln der bürgerlichen Kegelklubs gepflegt werden. 3m nationalsozialistischen Staat darf es kein rotes Arbeitersportkartell geben, in dem marxistisch-bolschewistische Klassenkämpfer er- zogen werden, keine sogenannte unpolitische „bürgerliche" Sportbewegung, in deren Leitung 3uden und marxistische Drahtzieher neben einigen bürger- lichen Puppen die Hauptrolle spielen." Hiernach soll also außer der Vernichtung der Arbeitersport- bewegung auch der bürgerliche Sport im Dritten Reich nicht ver- schont bleiben; darüber mögen die bürgerlichen Sportler nach- denken und ihre Wahlhandlungen entsprechend einstellen. Für die Arbeitersportler gibt es am 31. Juli nur eine Parole: Wir bekämpfen den Faschismus, indem wir den Kämpfern gegen alle Willkürmaßnahmen, für Demokratie, für Freiheit und Menschenrecht die Stimme geben. Wir wählen Liste 1, Sozialdemokraten! Eiserne Front auf der Spree! Die Wassersportler im Wahlkampf Der Arbeiterwassersport steht im Zeichen des Wahlkampfes. Das sieht man an den Bootshäusern der Sportler an der Spree, und in der Wuhlheide leuchten schon von weitem die vielen Transparente der Freien K a n u- U n i o n, die für L i st e 1 werben. Dieser Tage starteten die Boote der Freien Kanu-Union, aus- gerüstet mit Freiheits-Fahnen und Transparenten„Wählt Liste 1". in den Achterschiffen vollgestopft mit Flugblättern. Alle Zeltdörfer am großen Zug wurden mit Werbematerial belegt, und die Werbe- arbeit wurde kräftig unterstützt durch den prächttgen Trommler- und Pseiferchor der Neuköllner Arbeiterjugend. Am Sonntag kam ein schwachbesetzter, schwarzweißrot drapierter Dampfer mit Hugenberg- mannen vorbei. Tausende von Menschen empfingen ihn mit Freiheit- rufen, und Freiheit ist bekanntlich bei den Hugenbergern keine be- liebte Sache. Man merkte es, daß ihnen der Ruf der Eisernen Front an die Nieren ging. Vor allem den Insassen eines riesigen Motor- bootes mit„jungen Deutschnationalen" schienen wild geworden zu sein. Wie beseflen rasten sie umher und wünschten den Arbeiter- sportlern, daß sie oersaufen mögen. Doch die taten ihnen nicht den Gefallen. Ihrer Aufforderung, die drei Freiheitpseile abzulegen, antwortete ein Hohnlachen:„Euch pieken wohl die Pfeile?" Die Werbefahrt auf den östlichen Gewässern hat ihre Wirkung nicht versehlt. Zeigt die Fahnen der Eisernen Front, kämpft für die Freiheit, jetzt und immer! Alles für die Liste 1. �ird das Benzin teurer? Es soll noch mehr Spiritus beigemischt werden Um den Kartoffelabsatz zu fördern, müssen bekanntlich dem Ben- zin 6 Proz. Ka r t o f f e l s p i r i t u s zugesetzt werden. Nun soll dieser Prozentsatz erhöht werden, weil es der Monopoloerwaltung auf andere Weise nicht gelingt, ihren Spiritus abzusetzen. Begründet wird diese Maßnahme damit, daß der notleidenden Landwirtschaft geholfen werden solle. Gegen die Erhöhung des Spritabnahmezwanges, sowohl wie gegen die Begründung wendet sich der Reichsausschuß der Kraftverkehrswirtschast mit aller Schärfe. Er bestreitet, daß der Landwirtschaft durch diese Maßnahme geholfen werden könne, weil die Erhöhung des Abnahmezwanges nur 1,4 Proz. der gesamten Kartoffelerzeugung entsprechen würde, einem Teil also, der praktisch nicht ins Gewicht fällt. Weiterhin würde aber nicht die Landwirtschaft, die die Kartoffeln für Futterzwecke verwenden kann, statt ausländisches Getreide einzuführen, unterstützt, sondern eine be- schränkte Zahl von Brennereibetrieben, die gegenüber der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe keine Rolle spielen. Abgesehen davon darf aber die K r a f t v e r k e h r s w i r t s ch a s t, der es bekanntlich besonders schlecht geht, nicht dazu herangezogen werden, um einen anderen Zweig der Wirtschaft zu stützen, wenn dadurch ihre eigene Lage sich weiter verschlechtern würde. Das wäre der Fall, denn durch die Erhöhung der Spritbeimischung würde der Benzin- preis weiter st eigen müssen, weil Spiritus erheblich teurer als Benzin ist. Wenn Hilfe für die Kartoffelbrennereien geleistet werden muß, so muß dies aus allgemeinen Mitteln geschehen, nicht aber auf Kosten eines anderen Wirtschaftszweiges, zumal eines solchen, der durch die Gesetzgebung schon am stärksten belastet ist. Sind doch Hunderttausend von Kraftwagen stillgelegt worden, und liegen doch 200 000 Berufskraftfahrer auf der Straße. Neben den Bedenken, die sich aus diesen Gründen gegen eine Er- höhung des Benzinpreises erheben, befürchtet die Automobilindu- strie, daß sich durch eine Erhöhung der Spritbeimischung die Not- wendigkeit ergeben werde, ihre Motoren umkonstruieren zu müssen, was, von den damit verbundenen Kosten abgesehen, den Absatz der Fahrzeuge im Ausland erschweren und damit die Handelsbilanz un- günstig beeinflussen würde. Unter diesen Umständen muß man nach den mancherlei Fehlschlägen, welche die Wirtschaftspolitik des Reiches in den letzten Jahren erlitten hat, dringend vor übereilten Maß- nahmen warnen, die später nicht wieder gutzumachen sind. Oer Entdecker Schmelings in Berlin Nach mehr als vierjährigem Aufenthalt ist Arthur B ü l o w, der Entdecker und langjährige Betreuer von Max Schmeling, wieder in die Heimat zurückgekehrt. Ein Stück Boxgeschichte verkörpert Bülow, dessen alleiniges Verdienst es immer bleiben wird, für Deutschland den ersten Boxweltmeister entdeckt zu haben. Die Jahre find an ihm nicht spurlos vorübergegangen. Vier Jahr« in dem dortigen wilden, unerhörten Tempo mit der brutalen Rücksichtslofig- feit, die den mit den Verhällnissen wenig vertrauten Europäer dort überfällt und mit eisernen Klammern niederzuzwingen droht, be- deuten viel. Er wird nicht lange in der Heimat bleiben, mir ein kurzer Besuch soll es fein. Die„Tour de France" Die Fahrer in Metz Anscheinend haben sich die Teilnehmer an der französischen Rad- rundfahrt schon mit dem Gesamtsiegc von Andre L e d u c q abgefun- den, denn auch auf der 17. Etappe am Mittwoch von Straßburg nach Metz über 166 Kilometer wurde nichts unternommen, um dem Träger des gelben Trikots seine führende Position streitig zu machen. Der mit rund 18 Minuten Zeitrückstand an zweiter Stelle des Ge- samtklassements liegende Berliner Stöpel hat die Folgen einer Magenverstimmung noch nicht ganz überwunden, so daß von seiner Seite wohl keine allzu energische Offensive mehr zu erwarten ist. Dicht hinter Stöpel liegen die Italiener Camusso und Pesenti, zwei ausgesprochene Bergspezialisten, denen sich aus den restlichen, meist eben verlaufenden Etappen wenig Aussichten bieten, weiter nach vorn zu kommen. Sehr gefährlich bleiben aber noch die Belgier Bonduel und Ronße, die wie im letzten Jahre zweifellos auf ihren heimischen, kopfsteingepflasterten Straßen in der Gegend von Charte- oille versuchen werden, dem Rennen noch eine entscheidende Wen- dung zu geben. Immerhin betrögt ihr Rückstand gegen Leducq mehr als eine halbe Stunde, die aufzuholen ihnen schwerlich gelingen dürfte. Die 17 Etappe am Mittwoch nahm, wie schon erwähnt, einen überaus ruhigen Verlauf. Geschlossen wurden von den 60 noch im Rennen befindlichen Fahrern die 163 Kilometer von Straßburg nach Metz heruntergekurbelt und geschlossen traf das Feld nach einer Fahrzeit von 3:38:33 auch am Etappenziel auf dem Boulevard Poincare in Metz ein. Etappensieger wurde diesmal der Italiener Di Paco von Loncke, Antenen, Lapebie, Speicher, Viarengo und Nicolas Frantz, während die übrigen 33 Fahrer gemeinsam auf den 8. Platz gesetzt wurden. Abgesehen von den Zeitgutschriften für die drei Erstplacierten ergaben sich weder im Einzel- noch im Länder- klassement irgendwelche Veränderungen. Obwohl im Länderklasse- ment der Rückstand der an vierter Stelle liegenden deutschen Mann- schaft gegen die führende französische nur etwa 40 Minuten beträgt, sind die Rückstände der einzelnen deutschen Fahrer gegen den Spitzen- reiter Leducq doch zum Teil ganz außerordentlich groß, so liegen z. B. zwischen Leducq und dem als drittletzten(88.) placierten Nürn- berger Umbenhauer fast 4% Stunden Zeitdifferenz. ASV Hellas Wasserballmeister Berlins Die Entscheidung ist gefallen. Charlottenburgs Einspruch gegen das kürzlich von Hellas mit 3:4 gewonnene Eni- jcheidungsspiel um den Meisterschaftstitel im 1. Kreis wurde gestern von der Spartenleitung abgewiesen, womit der Sieg von Hellas bestätigt ist. Der neu« Meister Hellas, der gleichzeitig den Ostdeutschen Kreisverband im Arbeiter-Turn- und Sportbund vertritt, hat nunmehr das Ausscheidungsspiel für die Bundes- Meisterschaft am 7. August gegen den Titelträger des Mitteldeutschen Verbandes, die Fr. Schwimmer Breslau, zu absolvieren. Die Durch- sührung dieser Veranstaltung haben die Fr. Schwimmer Berlin 12 übernommen. Austragungsort ist das Agirbad in Lichterfelde-SW. Der Sieger aus der genannten Begnung wird am 21. August das Schlußspiel in der Westfalenstadt Herne bestreiten. Der Gegner wird gleichfalls am 7. August in Frankfurt a. M. ermittelt, wo sich die Meister des West- und Süddeutschen Verbandes, Hannover und Mannheim, gegenübertreten werden. Außer den Berichten der Präsidenten, des«ekretärs, der Unter- sekretäre und Rechnungsprüfer, des technischen Hauptausschusses, Erziehungs- und Frauenausschusses, und des internationalen Presse- dienstes wird dort der Schlußbericht vom 2. Arbeiter-Olympia in Wien gegeben werden. Besondere Tagesordnungspunkte sind der Behandlung des internationalen Sportverkehrs, der Frauensport- bewegung und den Erziehungssragen der Arbeitersportjugend ge- widmet. Unter anderem wird der Kongreß auch über Zeit und Ort des nächsten Arbeiterolizmpias beraten, den internationalen Beitrag festsetzen und eine Statutenänderung vornehmen. Sportärztlicher Lehrgang. Seit 1923 werden im Auftrage des Preußischen Ministeriums für Volkswohlfahrt Lehrgänge zur Aus- bildung von Sportärzten durchgeführt. In diesem Jahre konnte die Entscheidung darüber, ob ein derartiger Lehrgang zustande käme, wegen finanzieller Schwierigkeiten erst sehr spät getroffen werden. Mittlerweile aber ist es gelungen, mit Hilst der Zentralstelle für Leibesübungen im Preußischen Ministerium für Volkswohlsahrt den zentralen Sportärzte-Lehrgang im Rahmen der in der ehemaligen Preußischen Hochschule sür Leibesübungen in Spandau durchge- führten Lehrgänge vorzubereiten. Der sportärztliche Lehrgang be- ginnt am 1. August und dauert ganztägig bis zum 12. August. Eine Teilnehmergebühr wird nicht erhoben; die Teilnehmer werden in Spandau kostenlos untergebracht und verpflegt. Teilnahme am Lehr- gang gilt als Vorbedingung für die Erwerbung des Berechtigungs- scheine? zur Ausübung praktischer sportärztlicher Tätigkeit. Da die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten die Ausnahm� einer größeren Anzahl von Teilnehmern ermöglichen, ist auch Berliner Aerzten noch die Möglichkeit geboten, an dem Lehrgang teilzu- nehmen. Anmeldung bis spätestens Sonnabend, den 30. Juli. 12 Uhr: Geschäftsstelle des Deutschen Aerztebundes zur Förderung der L«ibesübungen, Berlin W. 8, Wichelmstrahe 92/93. ßuitdedzeue l/ees�s ieäzu mi: Arb-itcr-Schiitzenbund, Abt. Wcdding. Uebungsabend fällt beute, Donners- lag, aus. Wir beteiligen uns an der Kundgebung der Eisernen Front ,n den Pharussälen, Mllllerstraße. FTSB.,«anubezirl. Zur Reichstagswahl Fahriensverr« fitr alle Stationen. Jeder helfe in feinem Bezirk.— Ruderbczirk. Heute, Donnerstag, Sitzung ,m Bootshaus. Arbeiter-Sp-rtk-rtell Tiergarten. Zum Avnell im Neuköllner Stadion treten all« Hundertfchafilcr am Freitag, 1» Uhr, Stellplatz!. links vom Hauptein- ganz, an. Kleidung wie bekannt. »artellbczirk IS, Treptow. Montag. 1. August, 20 Uhr,»artellsttzung bei Pamp, Niederfchoneweide. Hasselwerderftr. 12. Kartell bezirk Kreuzbcrg. Freitag. 20. Mi, treten alle männlichen Sportler um 10 Uhr an im Stadion N-ukölln. Stellplatz 2, links vom Haupteingang Oderstratze. Kleidung: Meitzes, offenes Sporthemd, Hofe mit Gürtel. Für Sportlcrhundcrtfchast Pflichtveranslaltung. Radsabrcr„Solidarität". Sonntag, Ol. Juli, für alle Touren Startverbot. Alle Genossen stellen fich der Eisernen Front zur Wahlarbeit zur Verfügung. Montag, 1. August, Generalversammlung um 10 Uhr im Gewerkschaftshaus. Rudervcrein Eollcgi». Eommergeneralverfammlung Freitag, 10. August, bei Thunact. Anträge sind bis zum S. August einzureichen. Vorstandssitzung Dienstag, 0. August, bei Thunack. Freie Wasisrfahrer Köpenick 1021. Freitag, 20. Juli, Monatssitzung um 20 Uhr im Bootshaus. Am Sonntag, dem 01. Juli, Fahrtensperre. FTGB., Bezirk Buch. Die sportärztliche Untersuchung findet nicht Diens- tag. 2. August, statt. Der neue Termin wird in der Turnhalle bekanntgegeben. Freitag. 20. Juli, 20 Uhr. bei Göpiert, Sportratssitzuug. Freitag, S. August, Beginn des Hallcntrainings. Dienstag. 0. August, 20 Uhr, nicht wie früher angegeben 18 Uhr, Ueben in der Gymnastikabteilung(Kinder, Jugend, Er- wachsen«), Beichsbanner-Wassersportabteilung. Zug Köpenick. Sonnabend und Sonn- tag Fahrtenspcrrc. Alle Kameraden bleiben am 01. Juli im Bootshaus. JtUluec Sfioct i/au ü&ccaii wolsgang hirth segelte 140 Kilometer. Im Rahmen des 13. Rhön-Segelflugwettbewerbes hat der bekannte Flieger Wolsgang Hirth eine famose Leistung vollbracht. Durch geschicktes Ausnutzen der Winde gelang es Hirth, einen Streckenflug von 140 Kilometer auszuführen, denn er landete erst in Camburg bei Jena. Damit siel ihm der Tagespreis von 2000 Mark für die längste Flugstrecke zu. Wolfgang Hirth wird übrigens auch am Europa-Rundflug teil- nehmen, er vertritt seinen Bruder Hellmuth, der sich beim Anwerfen des Propellers in Böblingen bei Stuttgart beide Arme erheblich verlegte. Die Sozialistisch« Arbcitersport-Internationale hat für den 9., 10. und 11. September ihren VI. Kongreß nach Lüttich einberufen. Rundfunk am Abend Donnerstag, den 28. Juli 1932 Berlin: 16.05 Trost der Daheimgebliebenen(M. M. Gehrke). 16.30 Bratschenmusik. 17.00 Hausmusik mit Gitarre. 17.30 Georg Büchner(Dr. E. Laurenze). 17.30 Die Rüstung Frankreichs und seiner Verbündeten(Frh. v. Medem). 18.13 R. Wittenberg: Eigene Prosa. 18.30 Chorgesänge. 18.50 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Reden zur Reichstags wähl: Deutschnationale Volkspartei (Geh. Dr. Hugenberg). Zentrum(Justizrat Mönnig). 20.00 Bunte Stunde. 20.50 Tages- und Sportnachrichten. 21.00 Aus Frankfurt«. M.:„Die Komödiantin"(Singspiel) und..Gianni Schicchi" (Oper). 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk (Rektor O. Winter, Medizin.-Rat Dr. Kühnlein). 17.30 Die Haltung des Christentums zum öffentlichen Leben(Pfarrer Eckert). 17.55 Musikalischer Zeitspiegel(Ria v. Bessert, F. Siegmund). 18.20 Archäologische Entdeckungen im 20. Jahrhundert(Dr. v. Oppeln-Bronikowski). 18.40 Stunde des Landwirts(Dipl.-Landw. Steinmetz). 18.53 Wetterberidit. 20.00 Aus Hamburg: Die Weser(Hörfolge). 21.00 Aus Wien: Sinfonie- konzert. 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22,40 Grenzberichte(Wachspl.). 23.00 Aus Hamburg: Spätkonzert. Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durdi alle„Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. Nähe Schles. Bhf. Se.Blf.SIgi.2,S,8"tl. E 7 Weichsel 4031 Der iioeio Bauer Rose■ Ihealer troBe Frankfortir StreBt 137 fei. Weichsel fc 7 3427 ».30 Uhr r. Der man Ganenbülme 5.30 Uhr Konzert u.Varletf Drei arme Meine Mädels comnieririsctie im Wc.siharz, Gebirgsc.(Bahnst) Gäs'e finden frdl. Aufnahme u. beste Verpfl.(norddtsch. Küche) Pensionspr 3,25 M. fünf Mahlz. keine Ne enkosten Karfi Kcch, Harriebaa&en 103, bei Seesen. JUE Äd Alexanderplatz Neue König8tr.43 «IM» WNMIO Restaurant Berlins) BETRIEB K£MPIHSICll«5 Freitag, den 29. Juli, naebmittags 4 Uhr GaraBtltrlVoIHrtlKfi«' allen Konsum-Verhaufsslellen Käserei Schmollmg NW 21, Perleber er Straße 12 Hansa 1311 GfoSdeslillation zum weißen Hirsch XUIertlrafie 106, Sehe S'rtnmenstraße FrühstOckstube— Mltt«sitit«h 40 Pf. "ut-epfle te Biere Willy Seidlltx