Morgenausgabe 3lr. 353 A 124 49. Jahrgang Wöchentlich 75 Ps., monatlich 3,25 M. (davon 87 Pf. monatlich für Zuftel» lnng ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,8? M. einschließlich so Pf. Postzeitungs. und 72 Pf.Postbestellge. bühren. Auslandsabonnement S,S5 M. pro Monat; für Länder mit ermäßig. tem Druckfachenporto 4,S5 M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Erscheinungsweise und Anzeigenpreise stehe am Schluß des redaktionellen Teils- Kreitag 29. Juli 1932 Groß'Äerlin IT ps. Auswärts 15 pf. Berliner Vvttsbßatt Jentvawvgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschla« Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Remfstt.: Dönhoff(A 7) 293—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlaa G.m.b.H. Postscheckkomo:BerllnS7ö3e.—Ban»onto:BankderArl>elter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 8, Dt.B.u.Diic.-Ge1., Destositenk., Jerusalemer Str. 65'66 Front in Neukölln I Heraus zur massenkundgebung im Stadion Neukölln zeigt der ReaMion eure zahl und eure Kamptemschinssenhem Beginn: 19 Uhr.- Redner: Robert Breuer und Siegmund Crummenerl. Im Anschluß Riesenfeuerwerk: Bomben über Berlin.- Unkostenbeitrag 50, Erwerbslose 25 Pf. Ireitscheid-Versammlung aufgelöst! Ein empfindlicher Polizeihauptmann sorgt für unsere Wahlagitation. Gestern sprach in einer überfüllten Wahltundgebung der Eisernen Front in der Fubiläums-Tonhalle in Span- bau Genosse Rudolf Breitscheid. Die.tlundgebung war von 2000 Personen besucht und von begeisterter Kampfstimmung getragen. Genosse Breitscheid rechnete mit dem Kabinett der Barone und seinem verfassungswidrigen Vorgehen in Preußen scharf ab. Dann wandte er sich den National- sozialisten zu und sprach den«atz: Die Nationalsozialisten wollten Deutschland erneuern. Daraufhin hat man die Türen des Museums vaterländischer Altertümer geöffnet und verstaubte Figuren der Ver- gangenheit herausgeholt..." Auf Grund dieses Satzes erklärte der über- wachende Polizeihauptmann die Versammlung für aufgelöst! Genosse Breitschcid fragte den Polizisten, ob er ihn nicht auch gleich verhaften wolle, der Polizist lehnte jedoch ab. Nach einem kurzen Schlußwort ging die Massen- Hilter ist schuld! Er toleriert papen.— Ehrenwort an Hindenburg? AbleugnungSversuche der Entlarvten vergeblich! Hitler windet sich wie der Fuchs im Eisen, weil sein Voltsverrat entlarvt ist. Er läßt seine Handlanger ab- leugnen, daß er für die Taten des Kabinetts der Barone Verantwortung trägt. Diese Lügen seiner Handlanger sind zwecklos? Fn einer gewaltigen Kundgebung der Eisernen Front in Hamburg führte Genosse V r e i t s ch e i d aus: „In den letzten Tagen erst sind mir Tat- fachen zu Ohren gekommen, die den Verrat der Hitler- Partei ins hellste Licht stellen. Als der istcichspräfidcnt vor der Bildung des Kabinetts die Führer der verschiedenen Par- teicn empfing, wurde er von den Führern der Staatspartei gefragt, wie denn Adolf Hitler zu der RcgicrungSncubildung stehen werde. Hindenburg erwiderte darauf: „Herr Hitler wird das Kabinett tolerieren, er hat mir sein Wort gegeben" „An diesen Worten", so fuhr Breitscheid fort,„ist nicht? zu deuteln, denn eS find bei dieser Unter- redung Zeugen zugegen gewesen?" Fetzt hilft kein Ableugnen mehr? Ihr Opfer der Hitler-Notverordnung. denkt am 3l. Fuli daran und gebt Hitler die Quittung mit dem Stimmzettel für Liste 1! Versammlung mit stürmischen Frciheitrusen auS- einander. Besten Tank für die ausgezeichnete Wahl- Propaganda, Herr Polizeihauptmann! Als in der Kasseler Stadthallc der national- sozialistische Ministerpräsident Rover die blutig- sten Putsch- und Morddrohungcn ausstieß, hinderte ihn kein Polizist. Er sprach: „Sie sollen nur nicht glauben, daß man schon am Ende sei; es geht erst los, die Burschen werden noch was erleben, wenn Hitler an der Macht i st."..... Wir sagen euch, euch wird nichts geschenkt, ihr Lumpen und Bolksoerräter."...„Ich garantiere diesen Schweinehunden, daß sie gehenkt werden, und wir werden sie so lange hängen lassen, bis die Krähen sie gefressen haben. Das mag grausam sein, aber der nächste soll sich überlegen, ob er daneben hängen will." DaS ist in Preußen unter dem ReichSkommisfar Papcn erlaubt! BreitsrhcidS Satz aber ist Verbots- würdig! Wir danken für diese glänzende Aufhellung der Situation! Schlagt Papen und Hitler! Ein Wort an die kommunistischen Wähler! Der Feind steht rechts! Bon dieser Erkenntnis aus- gehend, hat die Sozialdemokratie den ganzen Wahlkampf gegen die Regierung der Barone und ihre Nazi-Bundesgenossen geführt. Heute, in den letzten Stunden des Wahlkampfes, wenden wir uns an die bisherigen kommunistischen Wähler, sie aufzufordern, über einen ganz einfachen und nüchternen Tatbestand nachzudenken! was ist euer Ziel, kommunistische Wähler? Ihr wollt die Regierung der Razi-Barone stürzen, das wollen auch wir. Aber durch die Stimmabgabe für die Lifte Z erreicht ihr genau das Gegenteil von dem, was ihr wollt: 3hr helft Pape» und Schleicher, sich im Sattel auch als Minderheilsregierung zu halten. Warum? Die KPD.-Abgeordneten werden zwar zusammen mit den Sozialdemokraten und den übrigen Oppositionsparteien die Regierung in die Minderheit versetzen. Sie werden aber nach ihrer ganzen bisherigen Taktik die Bildung einer neuen verfassungs- mäßigen Linksregierung oerhindern. Das ist Popens und Schleichers große Hoffnung, das ist es, worauf die Reaktion spekuliert: gestützt auf Hitler und Hugenberg wollen sie auch als Minderheit weiterregieren, weil die Linke zwar über eine Mehrheit, aber dank den Kommunisten nicht über eine aktions- und regierungs- s ä h i g e Mehrheit verfügen wird. kommunistische Wähler! wir appellieren an euren politischen Verstand, könnt ihr die Richtigfeit dieser Feststellung bestreiten? Rein! Dann aber ist es eure Pslichl, die Rechnung der Reaktion zu durchkreuzen, indem ihr euch srei macht von verhängnisvollen Illusionen.- Deshalb am 31. Iuli nur Liste 1. Wählt Sozialdemokraten! Zick-Zack. Eine Rundfunkrede, zwei Interviews und ein Ariefwechsel. Das Kabinett der Barone hat am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag Erklärungen in die Oeffentlichkeit gebracht, die programmatischen Charakter haben. Am Dienstag sprach der Reichswehrmini st er im Rundfunk. Am Mittwoch gab der R e i ch s i n n e n m i n i st e r dem französischen Journalisten Sauerwein ein Interview, am Donnerstag hat der Reichskanzler eine Unterredung mit den Ver- tretern der„United P r e ß" gehabt. Rechnet man noch hinzu die Veröffentlichung des Briefwechsels Hugenberg- P a p e n, so ergibt sich eine ansehnliche Fülle von Regie- rungsoerlautbarungen, die fast mit der Fülle der Regierungs- Verlautbarungen im nationalkonzentrierten Rundfunk kon- kurrieren kann. Das gemeinsame Merkmal dieser Verlautbarungen ist, daß die eine in wesentlichen Punkten schlecht mit der anderen vereinbar ist. Daß die Regierung der Barone sich auf die Nationalsozialisten stützt und ihnen deshalb wohlwollend gegenübersteht, darüber sind sich die Herren alle einig. Aber sonst? Der Reichswehrminister hat sehr kräftige Töne gegen Frankreich angeschlagen. Der Reichskanzler dagegen ver- weist auf seine Idee der Besprechungen zwischen den General- stäben Deutschlands und Frankreichs. In der Antwort des Reichskanzlers auf den Brief Hugenbergs konnte man eine Zustimmung zu Hugenbergs Plänen einer autonomen Schuldenregelung erblicken— in seinem Interview mit den Vertretern der„United Preß" liest man; „Wenn die Frage nach einer Herabsetzung der Zins- rate für Deutschlands private Schulden an das Ausland zur Erörterung komme, so werde Deutschland gewiß nicht ein- seitig Schritte in dieser Richtung unternehmen, sondern eine Einigung mit seinen Gläubigern zu erzielen suchen." Aehnliches kennt man aus dem wilhelminischen Deutsch- land. Damals ist dafür das Wort vom Zick-Zack-Kurs geprägt worden. Deutschland hat sich seit dem Amts- antritt des Kabinetts der Barone sehr kräftig zur wilhelmini- schen Aera zurückentwickelt— siehe die Personalbesetzung der derzeitigen Reichsregierung! Alles kommt wieder— auch der Zick-Zack-Kurs. Fragt sich nur, auf wie lange! Gegenrevolutionäre Personalpolitik. Die Liste gegen die Republikaner. Die kommissarische Verwaltung Preußens, die auf der Macht beruht, fährt fort, die Verwaltung nach dem Vorbild des wilhelminischen Regimes umzugestalten. Das deutsch- nationale Parteibuch regiert die Stunde! Ministerialdirektor Dr. Brecht ist in den einstweiligen Ruhestand versetzt wor- den. Ein hervorragender Beamter mit überragenden Fähig- leiten, der sich des größten Ansehens im Reichsrat erfreut, ist entfernt worden, weil an die Stelle von Republikanern und Demokraten Männer des alten Systems von deutschnationaler Couleur gesetzt werden sollen! Brecht hat in einem sehr ernsten Schreiben auf die Verletzung wichtiger Rechte hinge- wiesen und Protest eingelegt. Die kommissarische Verwaltung will nicht auf den Spruch des Staatsgerichtshofs warten, Im Eilzugtempo fetzt sie den Reichskommissar und Länderrechte. Einsparung von Landkreisen und Amtsgerichten in Preußen.- Jene Aufgaben- Verteilung durch Notverordnung? Der mit der Wahrung der Geschäfte des preußischen Innen« Ministers beauftragte Bevollmächtigte des Reichskommissars für Preußen Dr. Bracht gibt bekannt: ,Zn Ausführung der zweiten preußischen Spar- Verordnung vom 2 3. Dezember 1931 ist durch Verordnung des preußischen Staatsministeriums vom 27. d. M. eine größere Anzahl von Landkreisen und Amts- gerichten eingespart worden. Die Einzelheiten dieser Verordnung können zur Zeit noch nicht bekanntgegeben werden, da mit Rücksicht auf den Umfang des Gesetzgebungswerkes, das über «inen Bogen umfaßt, sich eine Veröffentlichung in so kurzer Frist technisch nicht durchführen läßt, insbesondere aber auch deshalb, weil die Veröffentlichung einzelner Teile der Verordnung nicht den erforderlichen Gesamtüberblick geben würde und daher zu Miß- Verständlichkeiten und falschen Schlüssen führen könnte. Abgesehen von diesen Einsparungen in der Lokalinstanz stehen weitere Maßnahmen mit dem Ziel einer Konzentration in der Zentralin st anz hervor. Mit der Reichsregierung sind V e r- Handlungen über eine engere Zusammenarbeit und zweck- mäßigere Aufteilung der Aufgab en zwischen Reich und Preußen eingeleitet. Bei diesen VerHand- lungen wird die Frage im Vordergrund stehen, ob die unter dem Zwang der Verhältnisse durch die Notoerordnung vom 8. Juni 1932 auferlegten drückenden Lasten wieder beseitigt oder wenigstens gemildert werden können." * Von der„Flurbereinigung" in Preußen werden betroffen: Der Kreis Ilfeld, der der Provinz Sachsen zugeteill wird: Schmal- kalben kommt von Hessen-Nassou ebenfalls zur Provinz Sachsen, der Kreis Schaumburg zu Hannover. Das Reglerungspräsidium in Stralsund wird aufgehoben und Stettin zugeteilt. Aufgehoben werden ferner 69 Landkreise, die teilweise mit anderen zusammengelegt werden. Hiervon ist besonders die Pro- oinz Hannover betroffen. Die Kreiseinteilung von 1866 ist aufgehoben. Zusammengelegt werden u. a. Fallingbostel und Soltau mit dem Amtssitz Fallingbostel, Geestemünde und Lehe mit dem Amtssitz in Geestemünde, Alfeld und Gronau mit dem Amtssitz in Alfeld, Göttingen und Minden mit dem Amtssitz in Göttingen, Syke und Hoya mit dem Amtssitz Syke, Sulingen und Nienburg mit dem Amtssitz Sulingen, Harburg und Winsen mit dem Amtssitz Harburg, Osterholz und Blumenthal mit dem Amtssitz Osterholz, Landkreis Hannover mit dem Landkreis Linden mit dem Amtssitz Hannooer. In Schleswig-Holstein werden zusammengelegt die Kreise Süd- und Nord-Dithmarschen mit dem Amtssitz in Heide so- wie die Kreise Husum und Eiderstedt mit dem Amtssitz Husum. Die Insel Helgoland, die bisher selbständig oerwaltet wurde, ist dem Kreis Pinneberg eingegliedert worden. Weiter wurden eine Anzahl von Zusammenlegungen in der Provinz Schlesien verfügt und zwar Glatz und Neurode, Liegnitz und Iauer mit dem Amtssitz in Liegnitz. Auch die Kreise Wernige- rode und Halberstadt sollen oereinigt werden. Amtssitz bleibt Wer- nigerode. -i° Die Mitteilung des Kommissars beruft sich auf die Ver« ordnung der Regierung Braun vom Dezember 1931. Die Regierung Braun hatte die Absicht, diese Ver- waltungsreform gemeinsam mit großzügigen A r- beitsbeschaffungsmaßnahmen in Vollzug zu setzen, um wirtschaftliche Beeinträchtigungen ausgleichen zu können. Wird das eine vom andern gelöst, wie es jetzt ge- schieht, werden Härten und unerwartete Rückwirkungen ein- treten. Was die Pläne zur Konzentration in der Zentralin st anz anlangt, so ist es verfassungsrechtlich ein Unding, daß die nicht legalisierte kommissarische Verwaltung des Reichskommissars Pläne verfolgt, die auf weitgehende Eingriffe in die Preußische Verfassung hinauslaufen. Das Urteil des Staatsgerichtshofes steht noch aus. Gehört die Reu- regelung der Aufgabenverteilung zwischen Preußen und Reich zu den Maßnahmen, die zur„Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung" mit dem Artikel 48 gemacht werden sollen? Unbeschadet der sachlichen Stellungnahme zu einer solchen Neuregelung muß auf das schärfste dagegen Protest erhoben werden, daß die nicht legalisierte kommissarische Verwaltung diese„Verhandlungen" führt; denn das bedeutet schließlich nur, daß Papen als Reichskommissar mit Papen als Reichs- kanzler verhandelt. Solche Pläne können schließlich nicht ohne den Landtag durchgesetzt werden! Abwehr verlogener Mzihetze. Die hessische Regierung seht sich zur Wehr. Darmstadl. 28. Juli. Nach einer amtlichen IkUtkeilung, hat das hessische Ge- samtmini st erium bei der Staaisanwaltschast Straf- anzeige gestellt gegen die Nationalsozialisten Dr. Best, wassung, Hera und den Gauleiter Lenz sowie gegen ihre Parteigenassen von Davidson uav Slawinoga. Die Anzeige erfolgte wegen wissentlich falscher An- schuldig ung und fußt auf der durch die genannten beim Ober- reichsanwalt gegen Minister Leuschner erhobenen Anzeige wegen angeblicher Legünstlguvg kommunistischer hoch- und Landesverratspläne, die dem Gesamlminlsterium bekannt gewesen se�en. weiter wird Bezug genommen auf die Wiedergabe eine» Telegramms des Abgeordnelen Lenz an den Oberrelchsanwall. das unier Beschuldigung gegen den Innenminister, er habe die Angelegenheil kommunistischer Dokumente verschleiert. seine Berhaslung fordert. Der hessisch« linnenminister hat ferner mit sofortiger Wirkung folgende ualionolsoziallstischen Blätter bis einschließlich 4. August verboten:„hessische Landeszeitung".„Südroesideulsche Landvolk- zeitung",„Mainzer Tageszeitung".„Rhein- und Hessenbauer". „Niersteiner Rheinwache".„Oberhessische Tageszeitung", wormser Tageszeitung",.Dffenbacher Nachrichten" und sämtliche etwaigen Sopsblätter oder Ersahblätter dieser Zeitungen. Begründet wird das verbot mit der bei der Wiedergabe der kommunistischen Dokumente erhobenen Behauptung, die hessische Re- gierung dulde bewußt Gesetzwidrigkeiten allerschwerster Art. Das Verbot hat folgende Vorgeschichte: Bei den Akten der hessischen Landespolizei befindet sich ein Schriftstück, in dem sich die Braunschweiger Kriminalpolizei über illegale kam- munistische Organisationen vom Jahre 1939 äußert. Die nationalsozialistische.Hessische L a n d e s z e i t u n g" hat nun unter grober Fälschung und sensationeller Aufmachung„ent- hüllt", daß es sich hier um..Hochverrat" und„Geheimdokumente über kommunistische.Umsturzabsichten" handele und die Feststellung ge- troffen, daß unter den Augen der hessischen Regierung der Rot. Front-Kämpfer-Bund weiter existiere und Hochverrat betreiben dürfe. Dem Naziblatt wurde sofort eine Berichtigung zugestellt. Das Blatt besaß darauf die Frechheit, Strafantrag gegen die hessische Regierung wegen„Begünstigung der hoch- und landes- verräterischen Absichten der KPD. zu stellen". Daraufhin sind die genannten Verbote erfolgt. Deamtenschub fort, obwohl ihre Rechtmäßigkeit nicht erwiesen ist! Sie will die demokratische Verwaltung durch eine obrig- keitliche Verwaltung ersetzen. Sie hat gestern zehn Landräte abgesetzt. Davon sind neun Sozialdemokraten, der eine— Landrat G l a h n-Usingen—, ist vor kurzem aus der Partei ausgetreten. Papen und Bracht, die erklärt haben, daß sie nationalsozialistische Beamte wünschen, wollen Sozialdemokraten wie im Kaiserreich von der Verwaltung ausschließen. Der Ersatz für die Entlassenen rekrutiert sich hauptsächlich aus deutschnationalen Parteigängern, dar- unter zwei, die von der republikanischen Regierung Preußen aus politischen Gründen ihres Amtes enthoben waren. Es sind indessen nicht nur Sozialdemokraten, die durch die nicht legalisierte kommissarische Verwaltung gemaßregelt werden! Es zeigt sich eine Personalpolitik, die mit der wilhel- minischen wetteifern kann, es treten eigenartige Motive für Maßregelungen dabei hervor! Regierungspräsident Amelunxen in Münster, ein Zentrumsangehöriger, ist abgesetzt worden. Es wird offen behauptet, er habe sich persönliches Mißfallen zuge- zogen. Regierungspräsident Dr. von Bahrfeldt- Königs- berg ist abgesetzt worden. Er Volksparteiler, alter Beamter. Er hat einmal einen Konflikt mit den Deutsch- nationalen gehabt. Regierungsvizepräsident von Baffe- Oppeln ist abge- fetzt worden. Er ist entschiedener Bodenreformer. Es läßt sich denken, daß er den Großagrariern ein Dorn im Auge ist. Angesichts dieser Personalpolitik erhebt sich die Frage: welche Kräfte und welche Leute beeinflussen sie? Existiert eme Liste und wo ist sie hergestellt worden? Die Herren Papen und Bracht gehen jetzt d i k t a t o» r i s ch vor. Aber sehr bald wird ihre Personalpolitik vor dem Landtag in vollster Oeffentlichkeit und Deutlichkeit beleuch- tet werden! Dann werden sie ihre Gründe und Motive ver- antwortlich offen zu legen haben! Auch Brecht amieenchoben Protest des preußischen Bevollmächtigten zum Reicherat Der preußische Ministerialdirektor Dr. Brecht, eine in allen anständigen Kreisen hochgeschätzte Persönlichkeit, ist von Herrn von Papen in den einstweiligen Ruhestand verseht worden, warum, hat der Amtsenlheber bisher nicht mitgeteilt. Zweifellos aber wurde auch Brecht, ein Mann in den besten Jahren und mit großen Fähigkeilen zum einstweiligen Ruhestand verurteilt, weil er Republikaner ist, sich offen zur Republik bekennt und treu zu der sür abgesetzt erklärten preußischen Regierung steht. Nicht nur als Republikaner, sondern zugleich in der festen lleberzeugung. daß die Amtsenthebung dieser Regierung mit der Verfassung nicht in Einklang zu bringen ist. Brecht hat an Herrn von Papen inzwischen folgenden Brief gerichtet: „Ihr Telegramm vom 28. Juli mit der Mitteilung meiner Versetzung in den einstweiligen Ruhestand habe ich erhallen und unter Vorbehalt der Rechtsfrage von dem Inhalt Kenntnis genommen. Meine Amtsgeschäfte in meinem Nebenamt im Preußischen Finanzministerium habe ich meinem Stellvertreter übergeben. Die Amtsgeschäste meines Häiipkamtes als B e v o k l m ä ch- tigter zum Reichsrat kann nach meiner nach bestem Wissen und Gewissen vorgenommenen Prüfung der Herr Reichskanzler mir weder als solcher noch auf Grund des Artikels 48 der Reichs- Verfassung als Reichskommissar abnehmen. Während es im allge- meinen nicht Sache des Beamten ist. dem Befehl eines Vor- gesetzten zu widersprechen, ist es in diesem besonderen Falle Pflicht de» Beamten, zu prüfen, ob der, der ihm den Befehl erteilt, sein Vorgesetzter oder sonst zur Erteilung von Befehlen an ihn befugt ist. Die Prüfungspflicht gilt in den Fällen des Artikels 48 nur in ganz wenigen Fragen, dazu gehört aber gerade die Zugehörigkeit zum Reichsrat(Brauchitfch, Verwaltungsgesetze für Preußen. 22. Auflage 1932, Bd. II, Halbl. S. 387, Anmerkung 7« zu Ar- tikel 48 und S. 384 Anmerkung 4 nebst Zitaten). Ich bin daher zu meinem lebhaften Bedauern in die für einen Beamten überaus peinliche Lage versetzt worden, nach meinem besten Wissen und Gewissen zu entscheiden, ob Ihre Anweisung oder die der Staatsminister für mich gültig ist. Gerade dies ist in dieser Frage meine verfassungsmäßig beschworene Dienstpflicht... Für eine Personalunion und sür eine engere Verbindung vo» Reich und Preußen bin ich seit Jahren nach Kräften eingetreten. Ich halte dies nach wie vor für ein gesundes und erstrebenswertes Ziel. Ich glaube ober mit dem Herrn Reichepräsidenten und mit Ihnen, Herr Reichskanzler, darin einig zu sein, daß bei der Herbei- führung dieses Zieles die Grenzen der Reichsver- iafsung gewahrt werden müssen. Jedenfalls ändern diese polltischen Wünsche nichts an meinen verfassungsmäßigen Dienstpflichten. Ich bin ferner Mitglied und in Vertretung des erkrankten Präsidenten Sämisch zur Zeit stellvertretender Vorsitzender des Reichsschuldenausschusses. Auch diese Geschäfte kann ich nicht über- trotzen, da ich zum Mitglied des Rsichsschuldenausschuffes vom Reichsrat bestellt worden bin." Oer Zwischenfall im Reichsrat. Anmerkung zu der Darstellung der Regierung.- Die Reichsregierung hat zu dem Zwischenfall Hlrt- siefer-Gayl im Reichsrat eine amtliche Verlautbarung heraus- geben lassen, nach der sich Minister Hirtsiefer von Herrn Gayl habe „überzeugen" lassen, daß er seine Rechtsverwahrung gegen die Papen-Aktion statt im Reichsrot ebensogut durch einen Brief an den Reichskanzler zur Gellung bringen könne. In Wirklichkeit hat sich das Gespräch zwischen Hirtsiefer und dem Reichsinnenminister fogendermaßen abgespiell: Als Hirtsiefer von Gayl fragte, was er tun würde, wenn er entgegen seinem Protest an der Ausschußsitzung des Reichsrats teilnehmen werde, hat von Gayl erwidert, daß er dann die Sitzung nicht er- öffnen würde. Hirtsiefer hat darauf Vertagung der Beratungen vorgeschlagen, woraus von Gayl die Auffassung äußerte, daß eine Vertagung nicht möglich sei, weil zahlreiche Ländervertreter von auswärts eigens zu der Sitzung erschienen seien. Die Unter- redung Hirtsiefer-Gayl war damit zu Ende. Davon, daß Hirtsiefer sich von dem Reichsinnenminister in irgendeiner Form habe„überzeugen" lassen, kann keine Rede sein. Hirtsiefer setzte sich anschließend mit einigen seiner Partei- freunden aus dem Reichsrat in Verbindung, um mit ihnen die Situation zu beraten. Sie schlugen Hirtsiefer vor, in Anbetracht der Anwesenheit zahlreicher Länderoertreter von auswärts diesmal von einer Demonstration abzusehen. Bis dahin wurde die Ausschußsitzung des Reichsrats nicht eröffnet. Als sie dann vor sich gehen tonnte, hagelte es wieder Rechtsverwahrungen gegen die Papen-Aktion. Die Opfer des Bürgerkrieges. Ein erschütterndes Dokument Die furchtbar blutige Bilanz des Bürgerkriegs bietet sich in nackten Zahlen dar, als eine täglich anschwellende Berlustlist«. Was steht hinter den Zahlen? Vor einigen Tagen wurde in Wesseling bei Bonn ein Vater von drei Kindern von Nazis erschossen. Er war als völlig Unbe- teiligter in die Nähe einer politischen Schlägerei geraten. Die Schwester des Erschossenen hat nach der Tat einer Freundin die folgende erschütternde Karte geschrieben: „Liebe Frau... Das Maß des Pechs ist voll. Gestern abend haben setze Nazimörder meinen liebsten jüngsten Bruder erschossen. Er hatte sür seine Kaninchen etwas Futter gesucht und ging friedlich nach Hause als ein Auto hielt, ihm eine Kelle um dea Leib schwang und dann dea Revolver ihm aus die Brust setzte. Ich weih nicht mehr, was ich deuten soll. Er hinterläßt eine Frau und drei kleine Kinder. Ist das nicht zum Wahnsinnigwerdea? Die ganzen Bewohner stehen da. um ihn zu rächen— aber er ist tot." Ist es noch nicht genug? Wollen sich nicht endlich alle, die noch nicht vertiert sind, gegen die Pest erheben, die Deutschland moralisch verwüstet? Abgeordneter Kuhnt schwer verunglückt. Mit dem Auto gegen einen Baum. Chemnitz. 28. Juli.(Eigenbericht.) Aus dem Heimweg von Wahloersammlungen sind der sozial- demokratische Reichstagsabgeordnere K u h n t und der Redakteur Fiebiger von der„Chemnitzer Volksstimme" schwer verunglückt. Kuhnt und Fiebiger benutzten zur Heimfahrt nach Chemnig einen Privatwagen. Der Wagen war in voller Fahrt als in der Nähe von Glauchau ein Reifen platzte. Der Wagen geriet ins Schleudern, schlug an einen Baum und stürzte in den Straßen- graben. Während der Wagenführer mit verhältnismäßig leichten Fleisch- und Schnittwunden davon kam, erlitten Kuhnt und Fiebiger äußerst bedenkliche Verletzungen. Bei Kuhnt wurde ein Beinbruch und Schädelverletzungen festgestellt, bei Fiebiger ein Schlüsselbeinbruch und ebenfalls Schädelverletzungen. Die Verun- glückten wurden in das Krankenhaus Glauchau eiogeliesert. Oer überklebte Oingeldey. Eine sensationelle Entdeckung der Nazis. Wir lesen im„Angriss": „Der nationalsozialistische Ministerpräsident von Mecklenburg- Schwerin, Pg. Granzow, hat ein Wahlplakat der Deutschen Aolkspartei zum Teil überkleben lassen, weil es eine ver- schleierte Hetze zum Bürgerkrieg(!!) darstellt." Der Berliner kann hierzu nur sagen: Nun wird's Tag. Oie Krise der Intelligenz. Präsident Masaryk an die Lugend. Drüull. 28. Juli. Auf dem 11. internationalen Studentenkongreß wurde eine Bot- schaft des Präsidenten Masaryk oerlesen, die zunächst den Studenten gewissenhafte Ausbildung in dem erwählten Fach ans Herz legt. Weiter schreibt der Präsident, die sogenannte Krise der Intelligenz rühre auch davon her, daß zahlreiche akademische Ge- bildete auf chrem Täligkellsgebiet nicht befriedigen und so das Ver- trauen der Bürgerschaft nicht gewinnen. Es scheine, daß die Frage, wie der Intelligenz eine ordentliche Fortsetzung des Studiums resp. der Schulung zu verschaffen wäre, im Interesse nicht nur der In- telligenz, sondern der gesamten Bürgerschaft sehr dringlich ist. Dann schreibt Masaryk: Auch die politische Intelligenz genießt keine große Wertschätzung, weil sie ziemlich leicht und häusig dem allgemeinen politischen Dilettanten- und Amateurium verfällt. Aber gerade die Demokratie muß von ihren Abgeordneten, Minister» und Beamten polstische Bildung verlangen. Es ist leicht in der Politik. mit großen Schlagworten und Programmen zu operieren, aber schwer zp raten, wie die Dinge richtig zu ändern sind. Ich sage nicht, daß die Intelligenz keine politische Begeisterung und Inten- sität, kein Gefühl haben soll. Aber ich sage der Jugend, daß sie auch politisch denken möge. Die Wissenschast, die wahre Wissen- schaft erstickt nicht das wahre Gefühl und die richtige Begeisterung, doch ist nicht jedes Gefühl und jede Begeisterung richtig und berechtigt. Die Arbeiierpariei »Warum parken denn die unzähligen Autos hier?" »Llnsere gnädigen Herren sind alle versammelt, um den Herrn Arbeiterführer Hitler reden zu hören." SA. stiehlt Waffen. Großer Waffenraub aufgeklärt. Kassel. 28. Zuli. wie das Polizeipräsidium mitteilt, ist es den Bemühungen der politischen Polizei in Kassel nach umfassender Tätigkeit nunmehr gelungen, einen im Dezember 1930 in der Polizeiunterkunft ausgeführten waffendiebftahl, bei dem rund 80 Pistolen und rund 6000 Schutz Pistolenmunition entwendet wurden, aufzuklären. Haupttäler ist der frühere polizeiwachlmeister der Kasseler Po- llzei, Krlch. Als Mittäter kommen drei Angehörige der NSDAP. in Betracht. Ein Teil der gestohleneu Waffen ist bereits sichergestellt. Wo liegen die geheimen Waffenlager? Bunzlau, 28. Juli. Am Donnerstag traf in aller Frühe ein Kommando der Görlitzer Schutzpolizei in Bunzlau ein, das mit Kriminalbeamten eine Haussuchung im Bunz lauer Boltshaus und im SA.-Heim durchführt«. Während im Volkshaus nichts anderes gefunden wurde als einige Gummiknüppel, wurden aus einem Versteck im SA.-Heim vier Revolver, ein Terzerol, zwei feststehende Dolche und ein Seiten- gewehr herausgeholt. Die Waffen wurden beschlagnahmt. Es sollen auch einige Personen festgenommen worden sein. Ein amt. licher Polizeibericht liegt über die Durchsuchung noch nicht vor. Zeuerüberfall aus Genossen Bugdahn. Zahlreiche Schüsse in die Wohnung. Hamburg. 28. Zuli. fEigetibericht.) Auf die wohuung des sozialdemokratischen Abgeordneten des preuhifchen Landtag» L u g d a h n- Altona, die in der Siedlung Sleeakamp gelegen ist, wurde in der Aacht vom Mittwoch zum Donnerstag ein Zeuerüberfall verübt. Um 2% Uhr wurden auf das Siedlungshaus Bugdahns mehrere Schüsse abgegeben, von denen sechs durch die mit Holzläden ver- sehenen Fenster des Wohnzimmers und drei durch die ebenfall» gesicherten Fenster der Haustür gingen. Da die Hausbewohner in einem anderen Zimmer schliefen, wurde niemand verletzt. Durch die Schüsse, die ins Wohnzimmer gingen, wurde erheblicher Sachschaden angerichtet: Lampen, Bilder und Rundfunkanlag« wur- den beschädigt. Alle Schüsse wurden von der Straße aus in Brust- und Kopfhöhe abgegeben, und zwar offenbar unmittelbar von der Einfriedigung aus. Die Schüsse stammen aus einer Pistol« Kaliber 7,65. Beamte der Kriminalpolizei fanden am Tatort meh- rere Patronenhülsen. In der Wohnung wurden Geschosse gefunden. Nach Aussagen von Anwohnern machten sich in der Siedlung Steenkamp schon in den ersten Nachtstunden verdächtig« Gestalten bemerkbar. Gegen Mitternacht wurden in der Nähe des Tatortes Nationalsoziali st en in Uniform beobachtet. Gegen 2 Uhr fuhren wiederholt Radfahrer am Tatort vorbei. Zur Aus- Übung der Tat. selbst ist dann Nach Zeugenaussagen ein Kraftwagen. benutzt worden. Nach ihrer„Heldentat" flüchteten die feigen Schieß- Helden in dem Wagen in Richtung Osdorf. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Schwere Nazi-Bluttaten. In Aubach wurden Reichsbannerleute beim Verteilen von Flug- blättern der Eisernen Front von Nationalsozialisten überfallen und beschossen. Der Reichsbannermann Ol fr am wurde dabei schwer verletzt. Seine Verletzungen sind derart, daß er wahrscheinlich das Augenlicht verlieren wird. In Kamen(Westfalen) kam es zwischen Reichsbannerleuten und Nationalsozialisten zu einem schweren Zusammenstoß, bei dem plötzlich Schüsse fielen. Ein Reichsbannermann wurde durch «inen Lungen st eckschuß so schwer verletzt, daß er auif dem Transport zum Krankenhaus starb. Ein Nationalsozialist erlitt Schlagverletzungen. Die Polizei nahm im Lause des Abends sechs Nationalsozialisten fest. Machk und Skaaksaukonkäk Anmerkung zu meiner Schutzhast. Von Robert Breuer Es ist eine kurzsichtige, zugleich groteske Annahme, daß die Sozialdemokratie den Staat von Weimar, wie er durch die Verfassung des Reiches und der Länder feste und unoer- letzliche Gestalt bekommen hat, verwunden oder gar verraten könnte. Sie steht vor allen diesen Staatsbindungen Weimarer Geistes vielmehr als Wächter, denn sie sieht in allen diesen staatlichen Schöpfungen, die in den großen Gebärungsjahren nach dem Zusammenbruch des Obrigkeitsstaates entstanden, Ausdrucksformen, wenn auch vielfach unzulängliche, des Lolkswillens. Die Sozialdemokratie als Führerin der deutschen Staats- und Verfassungsgeschichte der letzten anderthalb Jahrzehnt« muß zwangsläufig für die Macht und die Autorität des Staates eintreten. Da sie solche Autorität und Macht am sichersten in ihren eigenen Händen aufgehoben weiß, strebt sie nach möglichst großer Verantwortung im Volksstaat-, wenn aber die politische Entwicklung, getragen von den Parteien und so abhängig von der geistigen Reife der Massen, die Sozialdemokratie in ihrem Einfluß beschränkt, wird und muß sie trotz alledem ihre volle Aufmerksamkeit und zugleich ihre Entschlossenheit darauf richten, den Staat, den sie als den ihren betrachtet, nicht verletzen, verfälschen oder gar zerstören zu lassen. Der gewaltige Apparat des Volksstaates in all seinen Rädern und vor allem in seinem geistigen und mora- tischen Inhalt soll erhalten bleiben bis auf den Tag, da aus dem politischen Gesundungsprozeß eine neue, den breiten Massen verpflichtete Mehrheit ersteht und Macht und Auto- rstät des Staates wieder und hoffentlich für immer in die Hand des Volkes gelangen. Aus solcher Auffassung heraus kommt die Sozialdemo- kratie notwendig zu einer Ablehnung der Mißgriffe und Fehler, deren sich die derzeitigen, in ihrer vollen Rechtmäßig- keit noch keineswegs ausgewiesenen Inhaber der Staatsmacht leider nicht entHallen. Zu den gröbsten dieser Fehler gehören die mehr oder weniger gewaltsamen, die Verfassung und das sonstige öffentliche Recht verletzenden Eingriffe und Ueber- griffe, wie sie während der letzten Wochen geschehen sind. In erster Linie sind hier zu nennen: die bewaffneten Vorstöße gegen die Träger der Staatsautorität und jene Verhaftungen, deren schnell geklärte Halllosigkeit eine Schwächung des Staatsgedankens erzeugen mußte. Wer die Hoheit im Staate an sich nimmt, muß etwas von den Fragen und Dingen, um die es sich handelt, verstehen und darf nicht seine Macht zwar anwenden, aber nicht sinnvoll gebrauchen! Von solchen grundsätzlichen Erwägungen und Sorgen ausgehend, scheinen mir einige Anmerkungen zu der mir widerfahrenen Verhaftung geboten zu sein. Zunächst ver- bläfft der Aberglaube von gedrucktem Papier, zugleich überrascht der Mangel an Einblick in die Psychologie der Berichterstattung, besonders wenn Objekt und Subjekt Gegner sind, schließlich erschüttert der Kleinglaube gegenüber der Widerstandskraft des Staates. ' Der gegen mich erlassene Schutzhaftbefehl stützte sich auf einen Bericht der„Berliner B ö r s e n z e i t u n g" über eine von mir gehaltene Ansprache, stützte sich ferner auf die Vernehmung des Verfassers dieses Berichts. Ohne Zweifel, der erwähnte Bericht konnte dem Vertreter der Staats- autorität, der nicht hinlänglich über die Qualitäten des Bs- richterstatters unterrichtet war, Anlaß geben zu prüfen, ob Derartiges wirklich gesagt worden ist. Dafür standen Tele- phon und schriftlicher Verkehr zur Verfügung. In kürzester Zell wäre festgestellt worden, daß der Bericht, der die hundert- prozentige Auslösung der Staatsmacht verursachte, die klägliche Erfindung eines entweder unfähigen oder unverantwortlichen Subalternen war. Auch wäre von einer sachgemäßen Verwallung der Staatsmacht zu verlangen, daß sie von sich aus prüft: was kann an diesem Bericht wahr, was muß notwendigerweise unrichtig sein, was kann ein Sozialdemokrat als Repräsentant des Volksstaates und damit der wahren Staatsautorität im vorliegenden Zusammenhang gesagt haben, und was kann er unmöglich gesagt haben. Es genügt eben nicht, den Hebel der Staatsmacht in der Hand zu haben und ihn niedersausen zu lassen; es ist vielmehr erforder» lich, daß die Lenker der Staatsmaschine hinlängliche Einsicht in alle Voraussetzungen und in alle Ergebnisse ihres Tuns haben. Daran hat es in meinem Falle wie in anderen Fällen gemangelt. Die für den Mißgriff verantwortlichen Herren mögen nicht glauben, daß ich ihnen persönlich zürne; ich habe aus dem mir aufgezwungenen Abenteuer, in meiner sauberen aber engen Zelle, zwischen Gitter und Riegel, einem undurch- sichtigen Jnquisitorium verfallen und nur getröstet durch die Menschlichkeit der Beschließer, mancherlei gelernt. Vor allem das eine: daß der Verwahrer der Staatsmacht höchsten Respekt vor dem Leben und der Freiheit jedes einzelnen Staatsbürgers als oberstesSittengesetz heilig halten muß. Zwischenfall im Rundfunk. Oer Autor liest eigene Wahlaufrufe! In einer Kundgebung der Kommunisten im Neuköllner Stadion erklärte der Berliner Bezirtsleller der KPD., Ullbricht, am Donnerstag, daß im Rundfunk der Ruf„Es lebe die Kam» munistifche Partei!' ertönte, obwohl der Rundfunk für die Kommunisten verboten fei. Di« Taisache einer kommunistlichen Störung wurde vom Rund- funk bestätigt. Die Berliner Funtstunde gab nämlich am Abend kurz oor 2Z.00 llhr im Rundfunk eine Erklärung folgenden Inhalt» bekannt: „In der heutigen Veranstaltung um ö.lö Uhr abends:„Rudolf Wittenberg liest eigene Prosa' Hot der Vortragend« in grober Verlegung seiner Verpflichtung in seinen Vortrag einen politische il Wahlaufruf hinein- geflochten. Die Funkstund- bedauert, daß durch ein technisches Versehen dieser Vorfall nicht rechtzeitig verhindert werden konnte. 1 Ein Kapitalisten-Eldorado. Aus dem Inferatenteil der„Berliner Börsenzeitung'. Die schwerindustrielle„Berliner Börsenzeitung', ausgezeichnet durch moralisch besonders gefestigte Mitarbeiter, wie den Denunzianten Korodi, ist seit«inigen Monaten offen zu den Nazis übergegangen. Dieses neue Sprachorgan der nationalsozialistischen„Arbeiter- parte!' veröffentlicht in seiner Mittwoch-Abendausgabe unter der marktschreierischen Ueberschrift: »Einzigartige Berdienstmöglichkeit im Land ohne Wirtschaftskrise" ein Inserat, in dem für Kapitalisten garantiert höchste Ge» winnmöglichkeiten unter absoluter Ausschaltung jedes Ristkos zugesichert werden. Wie der Riesenprosit in diesem Wunderland ohne Krise— gemeint ist offenbar die Türkei— zustande kommen soll, erhellt aus dem weiteren Text der Anzeige: Die Rentabilität des Projektes ist nachweisbar be- sonders dadurch verbürgt, daß... billigste Lohnoerhält- nisse und die bereits verpflichteten tüchtigsten Fachleute von internationalem Ruf die Gewähr bieten für die B e a a- spruchuag minimalster Rlltlel ohne Ovalitäls-Schädl- gung. Sine vermutete der europäischen holding�Sesellschast vor- gesehene Finanzierung de? Gesamtplanes ermöglicht dieser aus Gruud der bere'te fertig ausgearbeiteten Projekte und der auch an Ort und Stelle schon getroffenen Sicherungen nachweisbar In kürzester ZeU die Verteilung einer Dividende von 15 bis 20 Prozent. Eine auf höchster Stufe stehende Laudes-Gesetzgebung nach europäischem Bluster. die dort herrschende vorbildliche Ruhe und Ordnung, straffste Organisation, besonders aus dem Gebiet des Handels und Verkehrs, sowie die für das Unter- nehmen selbst bereit» getroffenen erschöpfenden Vorkehrungen schalten alle irgendwie anderweitig ins Gewicht fallenden lln- ficherhellssakloreu restlos aus. Klipp und klar jagt dieses saubere Inserat: Durch schärf- sten Lohndruck werden in kürzester Frist lö bis 20 Prozent Dividende aus der Belegschaft herausgeschunden. Auch für die tüchtigsten Fachleute werden nur„minimalste Mittel" beansprucht. Für„vorbildliche Ruhe und Ordnung" sorgt die Landesgeseggebung: kein Wunder, denn in'der Türkei bestehen rigorose Streikverbote und drakonische Straf» Vorschriften gegen die Arbeiterschaft, die ihr Lebensrecht zu wahren versucht. Das ist das wahre Ideal der im Hitlerlagcr stehenden Großkapitalisten. Für dieses Ideal finanzieren die kreise um die„Berliner Börsenzeitung" die Hitler- bewegung. Hungerlöhne, gefesselt« Arbeiterschaft und lö bis 2V Proz. Dividende! Sorgt dafür am 31. Juli, daß dieses Nazi-Fdeal niemals in Deutschland Wirklich- keit werden kann. Tote und Verletzte in Washington. Blutiges Ende der Kriegsieilnehmerottion. Der Kriegsleilnehmer-Rummel in lvashinglo«, den man für beendet hielt, hat einen blutigen Ausklang genommen. Von den Hunderttausenden„Deteranen" des Weltkrieges, die den Marsch nach der Hauprstadt angetreten hatten, um ihre Eni- schädigunzssorderung durchzusetzen, war der größte Teil abgezogen, ate man die Aussichtslosigkeit des Unternehmens erkannte. Der Rest versuchte am Donnerstag in da» Kapitol mit Gewalt einzudringen. Bei den Zusammenstößen mit der Polizei gab es auf beiden Seiten Tote und Verletzte. Jetzt sind Bundes- t r u p p e n aufgeboten worden, um die Demonstranten gewaltsam abzuschieben. Irische Kampszöll« gegen England. Die neuen irischen oll sä g e, die vor allem darauf abgestellt sind, den englischen anbei zu treffen, belasten die Kohleneinfuhr mit 5 Schilling pro Tonne, was einer etwa 30- bis SOprozentigen Belastung entspricht. Zement-, Eisen- und Stahlwaren, Elektroartikel werden mit einem Zoll in Höhe von 20 Proz. des Wertes belastet. Schweinefleisch, ein Aussuhrartikel Irlands, wird mit einem Zoll von 34 Schilling pro Zentner bedacht. Diese Zölle gelten zunächst allen Ländern gegenüber, wenn sie auch besonders den englischen Handel treffe», Oer Endsieg ist für uns! Bürgerkriegsbanden sind nicht Macht. Die wildgewordenen Spießbürger, die heute in der angeblich Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei als Führer auftreten, verkünden bei jeder Gelegenheit, die ihnen zum öffentlichen Reden geboten ist, daß sie mit allen, die sich nicht in ihrer Gefolgschaft be- finden, nach dem 31. Juli kurzen Prozeß machen würden. Es werde gehangt werden, und zwar werde man die politisch Mißliebigen so- lange hängen lassen, bis sie die Raben gefressen haben, wie der nationalsozialistische Ministerpräsident(!) Rover von Oldenburg wohl im Interesse der Ausrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in Kassel gesagt hat. Es würden Köpfe rollen, es werde lange Nächte mit langen Messern geben, und man werde ein Strafgericht halten, wie es in der Geschichte ohne Beispiel dasteht. Wir wollen nicht untersuchen, aus welchem psychologischen oder politischen Ursachen heraus solche blutrünstige Reden gehalten und solche Drohungen ausgestoßen werden. Vielleicht hoben die Leute Angst, daß es ihnen an den kragen gehen könnte und wollen andere einschüchtern. Vielleicht sind sie der Meinung, daß man anderen imponiert und den Eindruck der Macht vermittelt, wenn man blutrünstige Reden führt. Wir denken nicht daran, uns auf eine Polemik mit Mord- brennern und Totschlägern einzulassen. Weil sich aber in den letzten Tagen, je mehr wir uns dem 31. Juli nähern, diese Drohungen mit dem Massenmord gegen alle, die nicht so wollen, wie die Nazis befehlen, immer mehr häufen, so ist es vielleicht gut und notwendig, dazu einige Feststellungen zu machen. Es ist sicher, daß Herr Hitler über eine neu eingekleidete Bürgerkriegsarmee verfügt. Sie ist angeblich 400 000 Mann stark. Damit kann man Paraden abhalten und Andersdenkende überfallen. Man kann auch hier und da versuchen, Gewerkschaftshäuser zu stürmen und sozialdemokratische Zeitungsdruckereien zu demolieren. Eines kann man mit einer solchen Biirgerkriegsarmec gewiß nicht: die deutsche Arbeiterbewegung niederschlagen, die Gewerkschaften zerstören, die deutsche Arbeiterklasse aktionsunsähig machen. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, der nicht von den Großkapitalisten ausgehalten wird, der nichts zu ver- bergen und nichts zu beschönigen hat, konnte gerade in diesen Tagen einen Rechenschaftsbericht veröffentlichen. Nach einer furcht- baren Wirtschaftskrise, deren Ende heute noch nicht abzusehen ist, zählt er zu Beginn dieses Jahres 4 134 902 Mitglieder. Dazu kommt der Allgemeine Freie A n g e st e l l t e n b u n d, der sich aus- gezeichnet behauptet hat und rund eine halbe Million Mitglieder zählt. Hier handelt es sich nicht um bezahlte, dressierte und fanati- sierte Menschen, die auf jedes Selbstbestimmungsrecht verzichtet haben, sondern um freiwillige, überzeugte, zahlende Mitglieder, die sich bewußt und aus voller Ueber- legung in den Dienst der Freiheit und des Sozia- lismus gestellt haben. Wir lassen hier den sreigewerkschast- lichen Allgemeinen Deutschen Beamtenbund außer Betracht. Wir führen nicht die Gewerkschaften anderer Richtungen an. wie die söge- nannten Hirsch-Dunckerschen oder die Christlichen Gewerkschaften, auch nicht die sich von allen Richtungen abseits haltenden Verbände. Sicher ist jedoch, daß alle diese Organisationen im strikten Gegensatz zu den National- sozialisten stehen. Sie alle sind Gegner der Diktatur und treten ein für die freie Selbstbestimmung des deutschen Voltes. Gegenüber dieser fest- gesügten Masse von sechs bis sieben Millionen Mitgliedern, von deren Arbeitsfreudigkeit und Arbeitswilligkeit das gesamte deutsche Wirtschaftsleben, ja, das gesamte öffentliche Leben überhaupt abhängt, nehmen sich die Bllrgerkriegsbanden Hitlers wie lächerliche Zinn- soldaten aus. Man hat der deutschen Sozialdemokratie und den deutschen Gewerkschaften— mit Recht oder mit Unrecht— oft den Vorwurf gemacht, daß sie gegen die Feinde der Demokratie und der Republik nicht mit der gleichen rücksichtslosen Brutalität vor- gegangen sind, wie diese selbst stets bereit sind, gegen die organi- sierte Arbeiterschaft vorzugehen. Wer aber, wie die sozialistisch denkende, organisierte Arbeiterschaft, über die ungeheure Macht der Organisationen verfügt und sich des Endsieges bewußt ist, kann ohne weiteres dieser Kraft und diesem Endsieg vertrauen. Wir möchten aber den von Blut berauschten Demagogen sagen, daß sie die Langmut der Arbeiterklasse nicht mißbrauchen dürfen! Die Herrschaften sollen sich nicht einbilden, daß die organisierte Arbeiterschaft geduldig und ergeben die Köpfe hinhalten wird, wenn es Herrn Hitler gefallen sollte, so etwas wie eine deutsche Bartholomäusnacht zu arrangieren. Hitlers Salzsteuersoldaten mögen den Spießbürgern imponieren; die Arbeiterschaft hat für sie nur Verachtung. Nazis wollen Zwangsarbeit. Immer wieder dunkle plane bei der Reichsbahn. Der Plan, bestimmte Oberbauarbeiten bei der Deutschen Reichsbahn dem freiwilligen Arbeitsdienst zu übergeben, konnte nicht anders als alarmierend auf die Oeffentlichkeit wirken. Es war den Eisenbahnern nicht verborgen geblieben, daß in den ersten Julitagen Erhebungen darüber angestellt wurden, inwie- weit Gleis- und Weichen erneuern ngsarbeiten von Angehörigen des freiwilligen Arbeitsdienstes durchgeführt werden könen. Die Dienststellenvorsteher hatten Bericht zu erstatten über Verwendungs- und Unterbringung-- Möglichkeiten von Leuten des Arbeitsdienstes und es war weiter kein Geheimnis, daß in der Bahnunterhaltung nur noch 30 Proz. Stammarbeiter bei 70 Proz. Arbeits- dien st soldaten Verwendung finden sollten. Als diese Meldungen austauchten, wurden sofort die vertrag- schließenden Eisenbahnerorganisationen und der Hauptbetriebsrat bei der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft und im Rcichsverkehrsministerium vorstellig, um gegen diese Pläne zu pro- testieren. Dabei konnten sich die gewerkschaftlichen Unterhändler des Eindrucks nicht erwehren, daß sowohl die Männer in der Reichsbahn- Hauptverwaltung, wie der Reichsocrkehrsminister dem ganzen frei- willigen Arbeitsdienst einigermaßen skeptisch gegenüberstanden. Inzwischen sind aber die Nazis aufgestanden. Diese Leute geben ein Blättle heraus:„Der National-Sozialistische Eisenbahner". Da heißt es: „Die allgemeine Arbeitsdienstpflicht soll ein bis zwei Jahr- gänge, zunächst alle jungen Männer oerpflichten... Durch die Formahme der meist noch in Brot stehenden 19- und 20jährigen werden Hunderttausende von Stellen im Wirtschaftsleben frei für die verheirateten Erwerbslosen... Zieht man einen Jahrgang junger Männer(etwa 550 000) ein, so bringt man wiederum 550 000 Familienväter in die freigewordenen Stellen... Die Aufwendungen bei der Einberufung der Arbeitsdienstpflichtigen sür Kleidung, Berpslegung und Unterkunft tragen eine ungeheure Belebung ins Wirtschaftsleben... Die Einziehung des zweiten Jahrgangs würde somit nahezu der Arbeitslosigkeit ein Ende be- reiten. Die Kostenfrage ist an und für sich gering, da es sich zum größten Teil um Handarbeit mit Spaten und Schaufel handelt." Hier ist wieder einmal die Katze aus dem Sack gelassen. Es verlohnt nicht, sich mit diesem Unsinn auseinanderzusetzen: Einmal werden 550 000 Zwanzigjährige auf die Straße gesetzt, an deren Stelle kommen 550 000 Familienväter; das wird zweimal gemacht, dann„ist der Arbeitslosigkeit nahezu ein Ende gemacht", obwohl für jeden Eingestellten ein Mann doch entlassen wurde. Wo die sechs Millionen Arbeitslose bleiben, interessiert die Nazis nicht. Die Kostenfrage?— Lächerlich!— Mit solchem Unsinn läuft man zu den höchsten Reichsstellen, ohne Gefahr zu laufen, die Treppen hin- untergeworfen zu werden. Am Sonntag werden das die Eisen- b a h n« r besorgen. Verdrängung von Arbeiisamtsangestellien. Durch Einstellung von Versorgungsanwärtern. Die Berordnustg des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirt- schuft und Finanzen vom 1. Dezember 1930 bestimmt, entgegen den bisherigen Rechtsbestinnnungen, daß auch die Sozialbehörden (Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Arbeitsämter) zur Ein- stellung von Bersorgungsanwärtern verpflichtet sind. Durch eine Bestimmung des Z 15 des Reichshaushaltsges etzes wurde die bisherige Regelung zunächst noch für das Rechnungsjahr 1931/32 aufrechterhalten. Diese Frist ist jetzt gefallen. Die Sozialbehörden sind also ab 1. Juli 1932 verpflichtet, Bersorgungsanwärter vorzu- nierken und in offene Stellen einzuberufen. Praktisch bedeutet das, daß eine geschulte und bewährte A n- g e st e l l t e n s ch a f t auf dem Verwaltungswege kaltgestellt wird und Leute an ihre Stelle kommen, die statt der Kenntnis der Sozialversicherung ihre Ausbildung als Soldaten oder Polizisten für dir Arbeitsämter mitbringen. Der Betreuung der Sozialversicherten ist es wenig zuträglich, wenn sie Personen übertragen wird, die wohl kommandieren, aber sonst mit den durch ihre mißliche Lage und die fortwährende Kürzung ihrer Bezüge eregten Arbeitslosen nicht umzugehen verstehen. Hinzu kommt, daß sich im Laufe der Zeit für die Sozialversicherung wesentliche Lasten durch die er- wachsenden Pensionsansprüche ergeben. Unter normalen Berhältnissen mag es freilich leichter sein in einem Arbeitsamt zu sitzen, doch die Angestellten haben in den schweren Krisenjahren bewiesen, daß sie den an sie gestellten Ansprüchen voll und ganz gewachsen waren. Bersorgungsanwärter könnten in dieser Zeit diesen Beweis nicht liefern, schon aus dem einfachen Grunde, weil zur Einarbeitung die nötig« Zeit fehlt. Warum wurde Zäcker niedergeschlagen? Die Lage der ostpreußischen Landarbeiter. Aus Ostpreußen wird uns geschrieben: Der Gauleiter des Deutschen Landarbeiteroerbandes in Ost- preußen, Reichstagsabgsordneter Carl Jäcker, der vor einigen Tagen in Neidenburg von vertierten Nazihorden überfallen und schwer mißhandelt wurde hat kürzlich im O st- markenrundfunk über die Lage der oslpreußischen Arbeiter- schaft gesprochen. Es war ein erschütterndes Bild proletarischer Not, das hier an Hand eines umfangreichen Materials der Oeffentlichkeit unterbreitet wurde. Der ostpreußische Landarbeiter ist gegen De- p u t a t l o h n beschäftigt: er erhält neben Barlohn Natura- lien. Der Naturallohn wird unter Zugrundelegung der Ber- liner Börsennotierungcn berechnet, die sür Ostpreußen nie den Wert haben wie an der Berliner Börse. Der gesamte Bar- lohn des Deputanten beträgt 170 bis 200 Mk. jährlich, also etwa 14 bis 1ö Mk. im Monat. Davon eine Familie ausreichend kleiden, die einfachsten hygienischen und kulturellen Be- dürfnisse befriedigen, ist meist unmöglich. Die Arbeiterfrau, die darum mitarbeiten muß, erhält einen Stundenlohn von 13 Pfennig. Der Lohn des F r e i a r b c i t e r s, der kein De- putat erhält, beträgt pro Stunde 31 Pfennig. Aber selbst diese Elendslöhne werden von nach Osthilfe schreienden nationali- stischen Agrariern noch nicht einmal gezahlt. Der Deutsche Land- arbeiterverband hat in Ostpreußen insgesamt 183 3 9 Land- orbeiter vor den Arbeitsgerichten vertreten müssen, denen im ganzen dreiviertel Millionen Mark zu lln- recht einbehalten worden waren. Viele Landarbeiter sind da- durch arbeitslos geworden, daß nationalsozialistische Gutsbesitzer siie wegen ihrer Zugehörigkeit zu Linksparteien entließen und S A.- L c u t e einstellten, die gegen den halben Lohn arbeiteten. In zahlreichen Fällen haben ostpreußische Agrarier polnische Schwarzarbeiter beschäftigt, obwohl 20 000 deutsche Landarbeiter arbeitslos sind. In zahlreichen Fällen sind Landarbeiter und ihre Frauen von ihren Unternehmern, besonders oft von Stahlhelm ern und Nazis aufs schwer st e mißhandelt worden. Jäcker hat vor einiger Zeit dem Reichstag eine Zusammenstellung von mehr als 150 schweren Mißhandlungsfällen in einem Jahre vorgelegt. Mit dieser Prügelstatistik steht Ostpreußen an erster Stelle. Noch immer wohnen 6b>s14Personenin einem einzigen Raum. Nur etwa ein Fünftel der Arbeiterwohnungen bestehen aus zwei oder mehr Räumen. Immer noch schlafen Land- arbeiterkinder zu vieren in einem Bett, mit sremden Erwachsenen gemeinsam. Brunnen ynd Aborte fehlen, Feuchtigkeit und Haus- schwamm verseuchen die Wohnungen. Die Landarbeiter- kinder werden schon mit sieben Jahren zu schwerer Feldarbeit mißbraucht. Zahlreiche Fälle von Tuberkulose, Rachitis und Skrofulöse sind die Folge. Auch die Säuglingssterb- lichkeit der Landarbeiterkinder ist anormal hoch. Dank der Fürsorge der Regierung Braun-Severing ist es gelungen, manches zu bessern, besonders auf dem Gebiete der Wohnungsfürsorge. Nun soll wieder der alte Kurs der Vor- triegsregierung gesteuert werden. Man hat damit den sichtbaren Anfang gemacht, indem man den Vertrauensmann der Landarbeiter niederschlug. Die Landarbeiterschaft wird am 31. Juli ihr Schicksal selb st entscheiden. Gewerkschafts-�ugend Verlin '»eilte, Freilag, 29. Juli, um 19'3 Uhr, lagen die Gruppen: Süden: . Zngenddeid» Äaasserlorslr. 9. Itiierarycher Adeud,.— ahariottenburg: Zugendhriin Spreeftr. 30.„Warum KörperknlNis."—»oedring: vugendheiln Schule Sonlienburger Sit. 90.„Ganz harmlos!!?"— Sienkölin: Jugendheim Treptower Str. 9>i.„Bie berichten die Zeitungen?"—»ermann- plag: Jugendheim Sanderstr. 1t, Ecke Hobrechtstrafje. Presseabend.— Zeppelin- plag: Jugendheim Turiner Ecke Seestrane. Politisch-satirischer Abend.— Reinickendors-Ost: Jugendheim Lindauer Straße l Baracken).„Arbeiter, und Pauernbewegung im zaristischen Rußland ab>900."— Adlershos: Jugendheim Adlershof, Pismarckstr. l.„Geld-, Bank, und Vdrsettwesen/— Prenzlauer Berg: Jugendheim Sleimstr. 35.„Warum FGI.?"— Wedding: Jugendheim Billdenowstr. 5, 2 Treppen, Zimmer 1l.„99 Minuten Lachen."— Wir spielen ab 18 Uhr: Rordostkreis: Sportplatz am Faulen See, Buschallee: Rordlreis: Spielwiese im Bolkspark Rehberge.— Achtung! Heute im Stadion Neukölln „Propagandafeuerwerk" der Eisernen Front. Iugendqruppe des Zentralverbandes der Angestellten K Xfjß! Heute, Freitag, finden folgende Veranstaltungen statt: Südwest: Jugendheim. Porckstr. ll s2. Hof, Ouergebiinde I Treppe, Zimmer 50). Wir lesen aus den Werken von Upton Sinelair.— Spiele im Freien: Ab 18 Uhr Sportplatz Rehberge, Sportplatz Schönhauser Allee sEinsame Pappel), Platz 2b, Bolkspark Neukölln(Rodelbahn), Treptower Park, Wiese 7, sowie Stadion Spandau-Hakenselde.— Photogeuppe: Zusammenkunft int Verbandshaus, Hedemannstr. 12, Zimmer 24, von 1914—22 Uhr. Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeil". Anzeigenpreise: Die einspal t. Millimeterzeile 30 Pf., Reklamezeile 3.— M. „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 30 Pf. lzuläfstg zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über I» Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2S Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile)« Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße Z, wochentäglich von 8V1 bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Bieioe Schiff: Wirtschaft:®. Kliugelhöser: EewerksHiftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Herbert Lep-re; Lokales und sonstiges: Fritz Karftüdt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin EW. K8. Lindenstraße T Hierzu 2 Beilage». WERTHEIM Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Frisches Fleisch Mastochsenfleisch PM. 0.46 Mastochsen-Schmorfl. 0.78 Mastochsen-Roulada 1.08 Kalbskamm... Ptunj 0.40 Kalbsbrust... Plunck 0.56 Kalbsrücken.. Pkund 0.56 Schweinebauch. Pfund 0.62 Hammelvorderflelsch. 0.68 Hammelspitzbrust Pfd. 0.88 Hammelkeule.. Plund 0.98 Fr. Schweineleber Pfd. 0.78 Schweineschnitzel Pfd. 1.28 Rückenfett... Pfund 0.38 Bratwurst.... Pfund 0B8 Gehacktes... Pfund 0.48 Sehweinekopf. Pfund 0.18 Kalbskeule ohne Haxe, ohne dSiSS Beilage, Pfund Pf. Gemüse Puffbohnen... Pfund 0.05 Möhren gewaschen Pfund 0.05 Grüne Gurken Stückv. an 0.05 Neue Zwiebeln. Pfund 0.06 Rotkohl..... Pfund 0.06 Weiß-, Wirsingkohl 3Pfd. 0.10 Grüne Bohnen. 3 Pfund 0.20 Einlegegurken 3 Pfund an 0.20 Kartoffeln... 10 Pfund 0.32 Wurst Dampf- u.Sülzwurst Pfd. 0.68 Hausmacher-Sülze Pfd. 0.38 Landleber-.Speckwurst 0.78 Feine Leberwurst. 0.95 1.18 Zervelat u. Salami Pfund 1.06 Filet- u. feine Teewurst 1.18 Zervelatwurst in Fettdarm 1.24 Speck iett 0.68, mager Pfd. 0.90 Schinkenspeck i. St.. Pfd. 1.18 Nußschinken ca2Pfd.,Ptd.1.35 Obst Johannisbeeren.Pfund 0.14 Muskateller-Birnen Pfd. 0.20 Tomaten...2 Pfund 0.35 Saure Kirschen 2 Pfund 0.35 Blaue Pflaumen. Pfund 0.22 Schattenmorellen Pfund 0.22 Austral. Äpfel.. Pfund 0.38 Weintrauben.. Pfund 0.45 KSse u. Fett EmmentalerArt 6 Portion. 0.48 Camembert vollfett... 0.20 6 Portionen 0.50 Harzerkäse ca. I-Pfd.-Palt. 0.26 Blockkäse Tils.Art, halbf. 0.44 Briekäse vollfett. Pfund 0.58 Edamer, Holländer Plund 0.66 Margarine. Pfund von an 0.25 Kokosfett... 3 Piund 0.88 Molkereibutter Pfd 1.08 1.28 Markenbutter.. Pfund 1.34 (Rillige Rehensmittel Sotamit(Ddratt Kolonialwaren Konserven Genüget Wild Wolgahühner gefr Taubon..... Hühner.... Junge Gans«.. Junge Enten.. Brathühner..• Backhähnchen 5. Plund 0.55 Stück 0.58 Plnnd 0.72 Pfund 0.76 Pfund 0.88 Pfund 0.88 . Pfd. an 0.98 Wildschwein R5<2«n 5®°� Pfund 0.73 0.88 Reh Blatt Rücken Eeuie Pfund 0.78 1.18 1.10 Fische Merlan... Seelachs.. Kabeljau.. Kaoeljaufilet Bratschollen Grüna Heringe • Pfund 0,10 . Pfund 0.12 . Pfund 0.14 . Plund 0,20 3 P, und 0.32 3 Piund 0.35 Leb. Aale. Plund von an 0.70 Bruchreis.... Pfund 0.11 Tafelreis.. Pfund 0.1 4 0.20 Reisgrieß 0.17 Hartgrieß 0.24 Haferflocken,. Pfund 0.23 Kartoffelmehl.. Pfund 0.18 Weizenmehl.. Pfund 0.22 Auszugmehl Pfund 0.26 0.28 Eier-Schnittnudeln 0.35 0.50 Sago Pfd. 0.32 Tapioka 0.58 Makkaroni Bruck Ptd. 0.34 0.45 Rote-Grütze u. Schokoladen-Pudding. Pfund 0.60 Kaffeeeig.Röstcrci.Pfd.v.an 1.80 Kaffee-Mischung 20% Ka-«0.53 40% Kaff« 0.98 Raucherwaren Schellfisch gerauch., Pfd. 0.24 Bücklinge.... Pfund 0.26 Seelachs geräuck., Pfund 0.30 Flundern gcräuck., Pfund 0.32 Spickaal.. Pfund von an 1.40 Aal.... Bund an 0.20 Matjesheringe.3 Stück 0.25 Räucherlachs i. Stck. v. an 1.10 'st Dos« Gemüse-Erbsen...0.48 Jg. Erbsen«kr lein... 1.10 Leipziger Allerlei... 0.76 Bruchspargel mittelstark 1.05 Apfelmus extra fein.. 0.56 Erdbeeren...... 0.90 Williamsbirnen 14 Fruckt 1.05 Aprik.-, Orange-Konfit. 1.10 Erdbeer-Konfit.% Eimer 0.93 l'\ Flasche ▼ ▼ dna ohne Glas 1931 St. Joh. Steinberg 0.58 1931 Senheimer Lay.0.75 1930 Niersteiner... 0L5 19300beremml.Herrenb.1.10 Apfelwein Rakles Urquell 0.50 Fruchtsektm.St.u.Fi.0.93 1.20 Weißwein Ltr. 0.55 5 Ltr. 2.65 JaliMnisli88r«eia Ltr. 0.68 5 Ltr. 3.25 Streuselkuchen. 0.32 gefüllt 0.45 Käsetorte.... 0.32 Plunderkranz.. 0.42 ' LJ.".T. wä- i...■:-■■J.V»?•>'-f'- � Er. 353• 49 Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Zreiiag, 29. Luli 4932 SS Ks gehl auch um Berlins Freiheit! Selbstverwaltung und 31. Juli.- Erhaltet das Aufbauwerk der Sozialdemokratie. Barone pflegen selten zu wissen, wie es den Armen und Entrechteten, den mühsam Schaffenden und den ohne eigenes Verschulden zur Arbeitslosigkeit Verdammten wirklich geht. Sozialdemokraten kennen die Not des Volkes. Sozialdemokratische Arbeit hat deshalb nur das eine Ziel: allen Menschen zu einem menschenwürdigen Dasein zu ver- helfen, dem Volke Freiheit und Frieden zu bringen und zu erhalten. Sozialdemokraten haben überall da, wo das Vertrauen des Volkes ihnen die Möglichkeit dazu gegeben hat. praktisch zugepackt und wichtige Aufbauarbeit geleistet. Auch Berlins Sozialdemokratie kann auf ein im Interesse der Ge- samtheit geleistetes stolzes Aufbauwerk weisen. In allen Bezirken der Stadt künden Grünanlagen, Volksparks, Sport- vlcitze, neue Schulen und Krankenhäuser von sozialdemokrati- ichem Wirken, beweisen neue Verkehrsmittel und neue Häfen, daß sozialdemokratische Arbeit reiche Früchte für die Reichs- Hauptstadt und ihre Bewohner getragen hat. Das alles zu schaffen war nur möglich im Rahmen der S e l b st v e r w a l- tung im freien demokratisch-republikanischen Staat. Die Freiheit ist angetastet und schon setzt überall der Rückschritt ein. Völlige Zerstörung aber droht dem Erreichten durch den Faschismus. Der„Vorwärts" hat deshalb führende und verdiente sozialdemokratische Berliner Kommunalpolitiker gebeten, die Bedeutung der Reichstagswahl auch für die Zukunft des kam- munalen Lebens Berlins aufzuzeigen. I4utzo Heimann, langjähriger Stadtverordneter und Ehrenbürger von Berlin, schreibt: Seit Wochen hämmern Sozialdemokratie und Eiserne Front in die Proletarierhirne die Erkennt» «is ein: 31. Juli ist Schicksalstag des deutschen Volkes. An diesem Tage entscheidet es stch. wohin der Weg gehen wird. Qb aufwärts, einer Gescllschafts» ordnung entgegen, in der es keinen prunkenden Reichtum einzelner, keine bittere Not der vielen mehr gibt, in der jeder in die Lage versetzt ist, nach seinen Fähigkeiten dem Ganze« zu dienen und keiner, der etwas leisten will und kann, in erniedrigenden, menschenunwürdigen Verhält» nisseu zu leben gezwungen ist. Qb abwärts durch Fortdauer Papenscher Regierungskünste oder gar Ein- bruch faschistischer Gewalten zur Zerschlagung all dessen, was die Sozialdemokratie in mühsamen Kämpfen für die Hebung der Lag« der Arbeiterklasse erreicht hat. Die schicksalhafte Verbundenheit zwischen Reich und Preußen ist durch die Borgänge der letzten Tage auch dem blödesten Aug« klar geworden. Ebenso klar ist es» daß es dabei nicht bewenden wird, wenn das Volk am 31. Juli nicht mit überwältigender Mehrheit ein Macht. wort spricht. Wie die Länder sind auch die Gemein» den in Gefahr. Mit ihnen all das, was dort dank dem unermüdlichen sozialdemokratischen Wirken aufgebaut und trotz der Ungunst der letzten Jahr« erhalten wurde. Wer daher die Selb st Verwaltung schützen, wer mit der Selbstverwaltung den Wettbewerb der Gemeinde« in der Ausgestaltung all der zahlreichen, für das Leben des einzelne« so überaus wichtigen Gebiete gemeindlicher Betätigung aufrechterhalten will, der wähle am 31. Juli die Liste 1 der Sozialdemokratische» Partei. Stadtvei-oi-dnetenvorsteKer Johannes Hah, ruft zur Pflichterfüllung: Der 31. Juli 1932 ist auch für die Berliner Stadtbevölkerung ein Schicksalstag Es wird mit darüber entschieden, ob die Rechte dieser großen Voltsmassen künftig wirksam durch seine Vertreter im Stadtparlament vertreten werden können. Jeder Bürger der Stadt weiß aus der Geschichte der letzten zwölf Jahre, daß Berlin eine riesenhafte Entwicklung durchgemacht hat. Diese Ent» wicklung zu dem größten deutschen Wirtschaftszentrum konnte sich nur in der freien demokratischen Republik vollziehen. Der Faschismus bedeutet für diese arbeitenden Massen der Welt- stadt Freiheitsraub, Knechtung und Ausbeutung. Will die Stadt ihren Bürgern Arbeit und Brot geben, so braucht sie zu ihrer weiteren Entwicklung und zur Erfüllung ihrer sozialen und kulturellen Pflichten Freiheit und Selb st Verwaltung. Freiheit und Selbstverwaltung sind aber aufs äußerte bedroht, wenn es dem Faschismus gelingen würde, durch die Reichstagswahl die Regierungsmacht zu erobern. Das darf und wird nicht ge- f ch e h e n, denn die Berliner Bevölkerung will Freiheit und Selbst- Verwaltung und nicht Knechtung und Ausbeutung durch den Faschis- mus. Deshalb wählen alle aufgeklärten Beamten, Angestellten und Aicheiter am Sonntag, dem 31. Juli, List« 1, Sozialdemo- kraten! Erich Flatau, Borsitzenbee dee Berliner sozialdemokratischen Stadt- verprdnetenfraktion. Mitglied des Preußischen Staats- rotes, schreibt: Tie Reichstagswahl de» 31. Juli entscheidet auch mit mm Front■ trotz ailedeml Unioro nichlton Panel- und Betrie&sveranitaitungen; Freitag, den 29. luli: III Abt. 19H Uhr, öffentliche Kundgebung im Paradiesgarten Rahnsdorf.„Der EntscheidungsKampf der deutschon Arbeiterklasse." Referent Max Heydemann, MdL. IIS. Abt. 20 Uhr, bei Eschrieh, Kaulsdorf, Alt-Stralau 53, Eiserne- Front-Kundgebung.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Dr. Otto Friedla'nder. 1S9a. Abt Tegel, Freie Schelle, 20 Uhr, Kundgebung Im Schollenkrug, Hermsdorfer Straße.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Fritz Schröder. Sonnabend, den SO. luli: <1. Abt. Spandau. 19% Uhr, Im Hohenzollernkasino, Spandau, Württembergstr. 7. Kundgebung„Dar Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Lorenz Breunig. ttl. Abt Bohnsdorf. 20 Uhr, bei Meimann, Waltersdorfer Str. 100, öffentliche Kundgebung.„Die kommenden Wahlen." Referent Jockel Meier. 114. Abt. Mahlsderf. 20 Uhr, öffentliche Kundgebung im großen Saal von Anders, Bahnhofstr. 35/37.„Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse" Referent Paul Zippel. 132. Abt. Blankenburg. 19� Uhr, öffentliche Kundgebung bei Klug, Dorfstr. 2.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Dr. Schützinger. Sorgt für Massenbeteiligung! über die zukünftigen Grundlagen der Gemeinde» arbeit. Würde der Ginfluß faschistischen Denkens auf die Reichspolitik nach dem 31. Juli deutlich spürbar sein, so hätte dies Folgen auch für das Wirken auf kommunalem Gebiet. � von der Tätigkeit der Gemeinden ist vielgestaltig das Dasein des einzelnen abhängig. Der Einwohner einer Stadt fühlt die Ergebnisse kommunal- politischer Entscheidungen oft sofort. Er macht zu- nächst die solche Entscheidungen forme! treffenden Kör- perschaften der Gemeinde für Wirkungen verantwortlich, die er in seinem eng umgrenzten Lebensraum unange- nehm empfindet. Er weiß aber in den meisten Fällen nicht, daß diese Wirtungen maßgeblich abhängig sind von Beschlüssen der Reichsregierung und vor allem von der Steuergebarung des Reichs. Wen« man erkennen will was im besonderen Hitler und seine Trabanten unter„Kommunalpolitik" verstehen, muß man die Anweisungen kennen, die von der Zentralstelle der Nationalsozialisten für dieses Gebiet erlassen worden sind, wie auch die Ausführungen„Pro- m i n e n t e r" Nationalsozialisten. „Der Gewählte hat an dem behördlichen Krimkram... nur insoweit teilzunehmen, als ihm Zeit übrigbleibt nach Erfüllung der seiner Ortsgruppe gegenüber bestehenden Verpflichtungen. ... Er hat feine ganze gemeindepolitische Tätigkeit nur a l» Propagandist unserer Bewegung auszuüben..." („Die Kommune." Mannheim, 1. Oktober 1330.) „Es ist auf keinen Fall Aufgabe der Nationalsozialisten, in den Gemeinden und Stadtparlamenten sogenannte positive Mitarbeit zu leisten.... Die chauptausgabe besteht darin, dem Gegner bei jeder passenden Gelegenheit zu sagen: Was wallt ihr denn? Ihr seid ja pleite!"(Naziredner Franke auf einer Kommunalkonferenz am 13. Juli 1931 in Brockau.) „Unsere Aufgabe(in der Kommune) ist nur immer, kann nur immer sein, zum Kamps zu rufen! Schaut nicht auf euren Kirch- türm! Schaut auf Poris! Redet nicht von euren städtischen Bedürfnisanstalten, redet von den Plänen der Wall- st r e e t!"(Gregor Straßer in einem Artikel„Grundsätzliches zu den Gemeindewahlen".) „Wir denken nicht eine Minute daran, irgendwie in Berlin, der verschuldetsten Stadt Deutschlands(?!), etwa mitverantwortlich zu fein oder gar positive Aufbauarbeit zu leiste n." (Goebbels im„Angriff", November 1323.) Von Leuten, bie solche Anweisungen geben und be> folgen, kann ernste praktische Gemeindearbeit, die den Interessen der Notleidenden dient, nicht erwartet werden. Ein« solche ist aber dringend erforderlich in einer Zeit, in der alle deutschen Gemeinden finanziell aufs äußerste bedrängt sind. Mehr wie je kommt es darauf an, kom- munalpolitische Erfahrung und nicht radikalen Radau. Parlamentarismus über die Geschicke der Gemeinden und damit auch über das wirtschaftliche Schicksal des ein- zelnen entscheiden zu lassen. Abhängig sind aber dies« Entscheidungen von dem politischen Gesamtrahmen, innerhalb dessen gearbeitet werden kann. Dieser wird mitbestimmt durch den Ausgang der Reichstagswahl am 31. Juli. Alles, was auf dem Boden der gegen viele dl AUS. /\ /(£■ jff, l(®) KS\Aj\ SgTrTft rf.ffflT 5 Sie will genießen! Alles will sie mitnehmen, was die reichbesetzte Tafel des Lebens bietet! Kein Glas will sie un- ausgetrunken stehen lassen! Hier, der schnarchende Mann neben ihr hat für die Zeche aufzukommen, mag er sich sträuben oder nicht! Ein König! Ein seltener Vogel ist das! Aber sie wird ihn rupfen, solange noch eine brauchbare Feder in seinem Fittich steckt! Die fünfzig Rosinobel, die er heute in dem perlgestickten Täsch- lein übersandte, sind nichts weiter als eine schäbige, von ihr eben noch in Gnade angenommene Anzahlung! Leise erhebt sie sich und geht in die Stube nebenan, wo schon die Zuber mit heißem, lauem und kaltem Wasser zum Bad bereitstehen und wo ihr Frauenzimmer, eine nubische Negerin, sie mit breitem, zufriedenen Grinsen erwartet. In wundervollem brokatenem Kleid, nach Wangensalbe von Schiras und über die jungen Brüste nach morgen- ländischem Rosenöle duftend, kommt die Kurtisane wieder. Sie trägt Würzwein in der Hand, um den bitlern Ge- schmack loszuwerden, der ihr trotz Waschung und Bad noch immer die liebenswert geschwungenen Lippen beklebt. Langsam trinkt sie den Becher leer. Als der Schläfer erwacht, ist bald die Dämmerung da. Draußen, von der Gasse her, schallt scharf ein Geräusch. Es sind die Stadtknechte, die vom Brühl in langem Zug heimkehren und deren nägelbeschlagenes Schuhwert metallen die Katzenköpfe des Pflasters beklirrt. Fröstelnd, die Schultern eingezogen und hastig sein zer- wühltes Hemd über sich werfend, tritt der König ins Fenster. Ein grauer Schwärm Gänse fliegt, mißtönig schreiend, dem Rhein zu. Sie tragen die Hälse steif und vorgereckt, als seien ihre Köpfe breitschnäblige Hellebarden aus Silberstahl, mit denen sie den Himmel bestoßen wollen. Der König folgt ihnen mechanischen Blicks. „Die Gänse schreien!" sagt er.„es geht zur Nacht!" Wie ein Echo antwortet es ihm: „Die Gänse schreien! Ja! Sie wollen Atzung!" 31. hinter den Bürgern, die mit den Stadtknechten vom Brühl heimkehren, marschiert auch Hans Bältlin, der Be- sitzer des„Handtuchs". Wohl hat die Hinrichtung des böhmi- sehen Ketzers ordentlichen Eindruck auf sein frischgebeichtetes Weinstechergemüt gemacht: trotzdem sind den ganzen Nach- mittag über seine Gedanken eigentlich mehr bei seinem Haus auf der Platten gewesen als bei Hus auf dem Scheiterhaufen. Er freut sich ordentlich aufs Heimkommen, und in dieser Freude nimmt er längere Schritte, als seinen Beinen eigent» lich zustehen: denn trotz aller Schuhmacherkunst hat Hans Bältlin einen Klumpfuß. Hoffentlich ist der Maler inzwischen mit der Arbeit fertig geworden. Der Hund kann doch was, die andern mögen über ihn sagen, was sie wollen! Die Meerfrau, die er da hin- geschmissen hat, ist wirklich ein Meisterstück! Nein, wie der ganze Zug das Bild angestaunt hat! So was ist in Konstanz überhaupt noch nie dagewesen! Hans Bältlin schmunzelt. Das„Handtuch" ist auf dem besten Wege eine Sehens- Würdigkeit der Stadt zu werden. Bald wird es dem linken Schulterknochen des heiligen Konrad den Rang ablaufen! Das Schweinlingersche Meerweib wird in der Vor» stellung des Weinstechers immer gewaltiger, immer schöner. Er dichtet ihm in seiner Phantasie noch feistere Schenkel, noch strammere Brüste an. Er wandelt es zum Inbegriff aller Weiber. Daher ist er aus allen Himmeln gefallen, als er schließlich vor seinem Haus steht und inne wird, was der Brabanter in der Zeit seiner Abwesenheit aus dem Meer- weib gemacht hat. Nein, mit dieser Verwandlung ist Hans Bältlin nicht einverstanden, ganz und gar nicht. Sein farbensckillernde« Meerweib hat jedermann angelacht und war dem Aug ein« Freude. Dieser wachehaltende Cherub aber mit dem flam- Menden Schwert in der Hand, der erschreckt die ganze Well mit seiner Strenge. Das ist eine Helge für eine Zunft der Trübsalblaser, doch nicht für das Haus eines fröhlichen Wein- stechers. Nein, das läßt sich Hans Bältlin nicht gefallen! Mil lauter Stimme flucht er los und macht dem Schwein- linger einen solchen Krach, daß die Nachbarn herbeilaufen. Den redlichen Bürger nämlich freut nichts mehr als die Aus- ficht auf das Lockerwerden fremder Backenzähne. Deshalb ist er mit Eifer und anfeuerndem Wort bei jeder Ausein- ! andersetzung dabei, sofern es nicht auf ihn selber Prügel i regnet. „Daß deine verfluchten Pinsel den weißen Aussatz kriegen!" haut der Bältlin auf den Schweinlinger los.„Aber so seid ihr Malersleute, einer wie der andere, große Schnauzen und nichts dahinter! Kaum kehrt man euch den Rücken, kaum seid ihr allein und ohne Aufsicht, so laßt ihr eure kümmerlichen Einfälle pampeln wie ausgemolkene Kuh- euter! Eigentlich hätte ich's von allem Anfang an wissen müssen: denn man hat mich genug vor dir gewarnt, du Pfuscher, du hergelaufener! Verdammt meine verdammte Gutmütigkeit! Hier dies Geschmiere ist jetzt der Dank dafür!" Der angeschriene Malersmann, dem in seinem Leben schon mehr ins Ohr hineingekrochen sein mochte als nur dieser Weinstechersgruß, hat Bältlins Gekeife mit gekreuzten Armen so lange angehört, bis das giftige Wort vom herge- laufenen Pfuscher fiel. Da macht er weiteren Beleidigungen sehr rasch ein Ende, indem er von den herumstehenden Farbtübeln denjenigen nimmt, der noch zur Hälfte mit fleischfarbenem Molkenkäse gefüllt ist. Diesen hebt er auf, dreht ihn blitzschnell um und setzt ihn dem geifernden Weinstecher mit voller Stülpwucht aufs Strupphaar. Da läuft dem gänzlich überraschten Bürgersmann der Rest der Sauermilch nicht nur in den Halsausschnitt hinunter, sondern trieft ihm auch in die schmerzlich verzogenen Mund- winkel, weshalb er gezwungen ist, das Ausfallstor des dröh- nenden Schimpfs auf der Stelle zu schließen. So wird Stille im Lande, sehr zum Bedauern von Schorsch und Dorsch, die sich schon auf ein hübsches Durch- einander von Ohrfeigen und Magenstößen gefreut haben. Innerlich jedoch schwört der auf solch probate Weise zum Schweigen Gebrachte Rache, indem er bei sich selber beschließt, diesem draufgängerischen Hund von Wand- beschmierer, diesem verdammten, für die nichtbestellte Helge auch nicht einen einzigen Pfennig zu bezahlen, obwohl deren ursprünglich dreieinhalb Pfund ausgemacht worden sind Ein Entschluß übrigens und ein Bürgerschwur, der, da er mit keinerlei Leistung verbunden ist, die größte Aussicht hat, gehalten zu werden. Für Schweinlinger ist die Geschichte damit nicht fertig. Er hat wegen der Freske an Hans Bältlins Haus an diesem denkwürdigen Abend nock einen zweiten Zusammenstoß zu bestehen, und zwar mit Eusebius Zwickel, seinem Mißgunst- und giftgeschwollenen Zunftmeister.(Forts, folgt.) Widerstände mühevoll aufrechterhaltenen kommunalen ZelbstvertvaltunA zu leisten ist, kann nur durchgeführt werden, wenn das(Ergebnis der Reichstagswahl den mastgeblichen- schen den beiden ein freundschaftliches Verhältnis heraus, da» an- hielt trotz gelegentlicher Differenzen. D«r Vater ließ ihn so weit wie möglich gewähren, beriet ihn. so lang« er das noch konnte, später überließ er ihm jelber di« Entscheidung. „Du mußt selbst wissen, wa» du tust," sagte er chm, wenn der Jung« kam, um fem« Erlaubnis für bestimmte Ding««inzuholen. „Du hast e» selbst zu verantworten. Du sollst mir auch später nicht sagen, daß ich oich gehindert hätte, etwa, für dich Nützliches zu tun. Aber du darfst mir dann auch keine Vorwürfe machen" Das Einverständnis de» Daters wurd« schließlich zu einer bloßen Formsache, gewissermaßen nur, um ihn in Kenntnis zu setzen. Bei dieser Regelung fuhren beide Teile gut. Vorbei war das jetzt. Die Mutter weint«, als er Abschied nahm, und sie tat ihm leid, gewiß, aber er konnte ooch schließlich nicht zu Hause sitzen bleiben. Er mußt« bald am Ziel sein. Der Zug fuhr jetzt durch ein weites Gelände von Schrebergärten. Links und rechts der Bahn« strecke zogen sich di« Gärten hin, winzig klein, aber olle mtt einer Laube, die im Verhältnis zur Größe des Gartens riesig groß schien. Dann tauchten Häuser auf und versperrten die Aussicht. Immer enger wurd« das Blickfeld und immer seltener die unbebauten grünen Flächen. Die Stadt streckt« ihre Fühler weit hinaus, sie dehnt« sich nach außen und preßte sich innen zusammen. Da fuhren di« ersten Straßenbahnen. Der Zug raste durch kleine Vorortbahnhöfe hin- durch, rollt« über Brücken, die breite Derkehrsstraßen überquerten. Unten rasselten Autos, Straßenbahnen, Omnibusse. Menschen dräng- ten sich auf den Fußwegen. Unter der Eisenbahnüberführung ver- engt« sich die Straße, der Verkehr staute sich. Ein Schutzmann sorgt» für Ordnung. Dos alles sah Erich im Dorüberfahren. Spä- ter fuhr der Zug ganz eng zwischen den Häuserreihen hindurch. Erich konnte in di« geöffneten Fenster fast hineinsehen, so nah waren die Häuser an der Bahnlinie. Der Zug war jetzt schon mitten in der Stadt. Er fuhr langsam ein in die große Halle, die, verrußt und stillos, den Zug unfreund- lich in sich aufnahm. Alles drängte jetzt zum Ausgang. Erich nahm krampfhaft feinen Koff«r in die Hand, den großen Reisekorb hatte er aufgegeben. In der Halle wurde er vom Strom der Menschen mtt fortgerissen. Seinen Koffer ließ er an der Aufbewahrungsstelle, zog den Mantel aus. denn die Mittagssonne brannte heiß herunter. und schritt dem Ausgang zu. Zunächst blendete ihn die Sonne, dann sah«r ein Gewimmel von Autos vor dem Bahnhofsplatz, un- unterbrochen fuhren welche ab und neue kamen dazu. Er überlegte, ob er sich in«in Auto setzen und in die Friedrich- stroß« fahren sollte. Dort befand sich sein« zukünftige Arbeitsstätte. Aber er hatte noch den ganzen Nachmittag Zett. Er schlängelte sich durch die an- und abfahrenden Autos, ging auf einen Schutz- mann zu und fragte nach dem Weg. „Dort drüben der Autobus fährt hin." Erich überquerte den Danzm, schwang sich mtt einer Kühnheit, die ihn selber erstaunt«, auf den gerade abfahrenden Autobus und nannte sein Fahrtziel. Der Schaffner nickte. Sitzplätze waren nur noch oben frei. Erich kletterte die leicht gewundene Trepp« hinauf und sah jetzt auf das Gewimmel oon Menschen und allen möglichen Fahrzeugen von oben herab. Er fühlt« sich seltsam erregt und sagte zu sich selbem „Es geht los--." äbeulfche SozialiUen Stefan Born(1824 bis 1898). Was einen jungen Menschen meiner Natur für di« Marx- Engelssche Lehre zunächst einnimmt, das war der wissenschaftliche Grund und Boden, von dem sie ausgeht. Sie erkennt das historisch Gewordene al» das Notwendige an, kennzeichnet in einleuchtender Weif« die verschiedenen Produktionsformen, welche einander in der Kulturentwicklung der Menschheit ablösen und nach gewissen Zeit- abschnitten immer weiteren Kreisen die Bahn zur Freiheit und materiellen Unabhängigkeit öffnen: sie weist darauf hin, wie in unserer Zeit die herrschende Produktionsform, die der freien Kon- kurrenz, schließlich zun, Krieg aller gegen alle geworden und zweifel- los einer neuen Produktionsform Platz machen müsse, welche die ungehinderte Ausbeutung des Privateigentums, die zum Massen- elend führe, durch Begründung des ausschließlichen Kollektiv- eigentums und der kommunistischen Gesellschaft ablösen müsse, die gewissermaßen den Abschluß aller wirtschaftlichen Kämpfe aus- machen und die Aufhebung der Klassengegensätze herbeiführen werde. Ob wir nun im Jahre 1847 di« Lehre oon der unvermeid- lichen Verelendung der Massen und besonders die kommunistische Schlußsolgerung, di« uns gewissermaßen als«ine Krönung der ge- samten Kulturarbeit von Jahrtausenden erscheinen muhte, gläubig hinnahmen? Was mich betrifft, so arbeitete ich mich in das kam- munistische Glaubensbekenntnis, nicht mit dem Verstände, aber mit der ganzen Seele hinein, ich ließ keinen Widerspruch auskommen. well er mich in das Nichts zurückgeworfen hätte, mein ganzer Witz wurde der Bekämpfung der auffteiyenden Zweifel dienstbar gemacht. Es ging mir wie allen denen, welche im Glauben allein sich glücklich fühlen und denen dabei der Spott gegen die Nichtgläubigen nicht ausgeht. Don einer wirklichen Ueberzeugung aber, daß der Kom- munismu, allein den Abschluß der gewaltigen wirtschaiilichen Bi- «egung unserer Zeit, ja aller Zeiten bilden müsse, war schon des- halb nicht die Rede, weil man sich gar nicht bestrebte, fite zu gewinnen. Man glaubte. - 49. Jahrgang 2» Freitag, 29. Juli 4932 Sagt es jedem! Schlagt zu! Oer Volkssturm muß die Hitler-Barone am Sonntag hinwegfegen. Die L)itler-Barone haben erst einige Wochen regiert und das deutsche Volk hat bereits einen gründlichen Vorgeschmack vom berühmten Dritten Reich Hitlers bekommen. Man macht sich bereits im deutschen Volke den richtigen Vers, wie es im Dritten Reich aussehen wird. Freiheit und Brot, Krisenende und Wirtschaftsbesserung hat man dem Volke versprochen. Was ist bisher von den Versprechungen der„nationalen Opposition" verwirklicht worden? Nichts! Statt dessen wurden die Lasten, die die Masser. bedrücken, gesteigert. Da ist zunächst Lausanne. Einmal wurde dem Volke erzählt, die„nationale Opposition" würde keinen Pfennig an Reparationen bezahlen. Die Regierung Brüning war fest entschlossen, in Lausanne jede Repa- rationszahlung zu verweigern, und hätte ihre Absicht durchgesetzt. Die von den Nazis gestützte Papen-Regierung hat neue Repa- rationzzahlungen sesttjelegt. Die Reparationskosten werden im günstigsten Falle, wenn sämtliche von Deutschland zu gebenden Obligationen untergebracht werden tonnen, jährlich 400 Millionen Mark betragen und im ungünstigsten Falle, wenn die Obligationen nicht unterzubringen sind, immerhin 200 Millionen Mark. Für die Arbeitslosen, die Invaliden und Altersrentner, die Kriegsopfer. die Aermsten der Armen, hat sie einen Unter st ützungsabbau von unerhörter Brutalität gebrach:. Die Unterstützungskürzungen gehen stellenweise so weit, daß selbst die zwangweise um lö Proz. gesenkten Wohlfahrtssätze der Gemeinden noch unterschritten werden und die Gemeinden trotz ihrer Finanznot mit Zusatzunterstützungen ausHelsen müssen. Sämtlichen Arbeitnehmern wurde die einseitige Beschäfligtensteuer auserlegt. Das ist der Gipfelpunkt sozialer Ungerechtigkeit. Dazu kommt ein von der Regierung Popen verfügtes Einziehungsver- fahren, wodurch sich die Beschäftigtensteuer verdoppelt und oer- dreifacht. Der ganzen Bevölkerung wurde die S a l z st e u e r auferlegt, eine K o l o n i a l st e u e r', die die Engländer in Negerkolonien er- heben. Sie ist die sozial ungerechteste aller Steuern. Die Zölle für Speck und Schmalz sind erhöht worden. Der Export deutscher Waren nach dem Ausland wird weiter gehemmt, wodurch abermals Hunderttausende von Arbeitern Brot und Verdienst verlieren. Der gegenwärtige Reichsernährungsminister Baron von Braun spielt mit einer Margarine st euer, die das Pfund Margarine auf einen Preis von mindestens 1 M. steigert. Auch andere Zollerhöhungen auf lebenswichtige Waren sind in Vorbereitung. Don Gerechtigkeit keine Spur. Besitz und Grotzeinkommen sind steuerlich entlastet worden. Den Großunternehmungen in Deutschland, dem Konzern- und Trust- kapitalismus machte man ein Geschenk von 100 Millionen Mark, indem man die Jndustrieabgabe um die Hälfte senkte. Eine weitere Reihe von Großunternehmungen hat neue Subventio- n e n erhalten, so die zinkerzeugende Industrie und die Treibstoff- industrie, also der mächtige Farbentrust und die Kohlenbarone. Dem kleinen Geschäftsmann hat man die Umsähe bis zu 5000 Nl. versteuert. Und wie sieht es mit der Arbeitsbeschaffung aus? Das von den Gewerkschaften und der Sozial- demokratie vorbereitete A r b e i ts b e s ch a f fu n g s» Programm hat die Regierung der Hitler-Barone zerrissen und in den Papierkorb geworfen. Sie oersichert allerdings immer wieder, daß die Arbeitsbeschaffung ihre vordringlichste Aufgabe sei. Bis jetzt liegt aber nur das Versprechen vor, die Summe von 135 Millionen Mark im Laufe eines ganzen Jahres auf dem Kredit- wege für Notstandsarbeiten flüssig zu machen. Das ist überhaupt keine Arbeitsbeschaffung. Das ist ein Hohn auf das Versprechen, eine größere Zahl von Arbeitslosen wieder in Arbeit und Brot zu bringen. Dagegen hat man Millionen übrig für den freiwilligen Arbeitsdienst, in dem auch Nichtarbeitslose, z. B. Studenten und Landwirtssöhne untergebracht werden sollen. Das ist die Bilanz der Regierung der Hitler-Barone. So sieht die Vorstufe zum Dritten Reich aus. Auf den Straßen jagen wohl Nazis, die Papen-Regierung sei nicht ihre Regierung. Aber es steht fest, daß Hitler die Papen-Regierung stützt. Ohne Hitler kein Papen! Am Sonntag ist Generalabrechnung. Der Volks- sturm muß die Regierung der Hitler-Barone hinwegfegen. Der kommende Sonntag muh den weg freimachen für einen wirklichen wirtschaftsausbau, für die steuerliche Entlastung der breiten Blassen, für die Ueberwindung der Wirtschaftskrise und die wirkliche Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Der kommende Sonnlag muh Ehrentag der sozialen Demokratie werden. Darum gehört jede Stimme am Sonntag der Liste 1. Sozialdemokraten. Ein Weltreich am Scheideweg Zur briiischen Veichskonferenz von Ottawa. Am 21. Juli ist in Konadas Hauptstadt Ottawa die Reichs- konferenz des britischen Weltreichs, des britischen Empire, eröffnet worden. Die Bedeutung dieser Konserenz kann nicht überschätzt werden: die Entscheidung darüber, ob man das britische Empire zu einem„autarken" Wirtschostsraum— Freihandel im Innern, ober hohe Zollgrenzen gegen die übrige Welt— umbauen soll oder nicht, wird die Weltwirtschaft unmittelbar in stärkstem Maß« berühren. Denn dieses Empire»msaßt mit seinen 32 Millionen Quadratkiloinetern und seinen 480 Millionen Einwohnern ein Fünftel der Erdoberfläche und der Wellbevölkerung. Der Handelsumsatz des britischeck Empire machte im Jahre 1923 mit 78,3 Milliarden Mark sogar 27 Pro;, des Welchandels aus. Die Schwierigkeiten dieser Konferenz haben sich schon in den ersten Verhandlungen mit großer Deutlichkeit gezeigt. Denn dem Mutterland Großbritannien stehen nicht mehr, wie aus der ersten Konserenz in Ottawa im Jahre 1887, abhängige„K o- I o n i e n", sondern seit 1326 f a st unabhängige„D o n, i- n i o n s" gegenüber. Nahezu 50 zoll- und wirtschastspolitisch selb- ständige Reichslönder verhandeln hier über die Zukunft ihrer Wirtschaftsbeziehungen: gemeinsam haben sie eigentlich nur die senglische) Verwaltungssprache und die Tatsache, daß ihre Staats- oberhäupter Vertreter des englischen Königs sind. Aber ihre Wirt- jchaitsinteressen sind so entgegengesetzt, wie sie sonst aus der Welt zwischen zwei Ländern sein können. Großbritanniens Außenhandel: Der Anteil Großbritanniens am Außenhandelsunisatz der Reichs- länder ist von 1913 bis 1329 von 40 auf 30 Proz. zurückgegangen, wie die folgende Tabelle zeigt: Außenhandel �er Dominions: Eine Gegenüberstellung der Außcnhandelszistern Großbritan- liens von 1913 und 1929 zeigt, daß die Reichsländer für den Außen- andel des Mutterlandes eine stärkere B�Zeutung gewonnen �aben: ihr Einfuhrantcil ist von 20 auf 24 Pro;., ihr Ameil an der ilusfu'hr von 37 auf 41 Proz. gestiegen. Das bedeutet aber zunächst, wß die übrige Welt für Großbritanniens Wirtschaft immer wch erheblich b e d e u t e n d e r ist als die Länder des Empire, ümmt sie doch fast 60 Proz. der Aussuhr ab und liefert sie doch nehr als drei Viertel der Einfuhr. Von der Gesamteinfuhr der iritischen Reichsländer nach Großbritannien entfallen 60 Proz. auf Zebenzmittel und 35 Proz. auf Rohstoffe; von der Ausfuhr Kroß- Britanniens nach den Reichsländern kommen mchr als 80 Proz. auf Fertigwaren. Während die Märkte der Dominions für Großbritanniens llußenhondel von 1913 bis 1929 wichtiger wurden, ist es beim llußenhandel der Dominions gerade umgekehrt ge- vesen. Im Außenhandel der Dominions stieg von 1913 bis 1929 die Einsuhr aus Großbritannien um..... 39 Proz. aber die aus anderen Landern um...... 124 Pro.;. die Ausfuzr nach Großbritannien um..... 55 Proz. die nach anderen Ländern aber um.,..,. 122 Proz. Für die Dominions sind also die„anderen" Länder, und zwar fast ausschließlich solche, die nicht zum Empire gehören, von immer größerer Bedeutung geworden. Der angeführte Enqueteband kommt daher zu dem Schluß:„Von den Kolonien her gesehen kann das Empire also nach dem Kriege nach weniger als vorher als Wirt- schaftseinheit angesprochen werden." Die Autarkie des britischen Empire wird also keine Reich»- konserenz herbei zaubern können, trotz der Deklamationen englischer Rationalisten, die nicht weniger hirnverbrannt sind als ihre deutschen Gesinnungsfreunde. Was geschehen kann, das ist allein, die Ein- und Ausfuhr des einen oder anderen Gutes zu erleichtern oder zu erschweren, zum Vorteil der Reichsländer und zum Nachieil der übrigen Welt. Und darüber ist man denn auch schon in ein heftiges Feilschen geraten. Obwohl Baldwin zu Beginn der Konferenz betonte, das britische Empire könne sich gegen die Welt nicht abschließen, man müsse die Zollsätze innerhalb des Empire und damit auch in der Welt ab- bauen, so laufen die bisherigen Forderungen der Reichsländer auf neue Zölle Englands gegen die übrige Welt hinaus. Die Dominions genießen nämlich gegenüber den alten englischen Zöllen Bevor- zugungen: von den neuen sind sie bis zum 15. November überhaupt frei. Wie hohe Zölle sie nach diesem Termin.zahlen werden, dar- über wird gerade verhandelt. Am liebsten sähen die Dominions, wenn Großbritannien grundsätzlich jede Wareneinfuhr mit Zoll be- legte, damit sie selbst dann Vorzugszölle erhalten könnten. Ihre speziellen Wünsche gehen vorläufig auf englische Zölle(und ent- sprechende Vorzugszölle für die Dominions) für Weizen, Mehl und Fleisch. Damit würde ober Großbritannien sein« besten Kunden für Fertigwaren, Argentinien und Dänemark, oerärgern. Die russisch« Holzeinfuhr soll, wenn nicht völlig verboten, so doch kon- tingentiert werden, damit Großbritannien mehr Holz aus Kanada (bisher 10 Proz. der englischen Holzeinfuhr) abnimmt. Die Stellung Großbritanniens auf dieser Konserenz ist sehr schwierig, da es sich einer ziemlich geschlossenen Front gegenübersieht, da es die Märkte der Dominions für seine Fertigwaren nötiger braucht als die Dominions den englischen Markt für ihre Nahrungs- mittel und Rohstoffe. Lind eine schlimme Zukunft! Auch sie geht auf das Konto der Papen-Regierung. Das Institut für Konjunkturforschung stellt, in seinem neuesten Wochenbericht eine Entwicklung des Arbeitsmarktes fest, die die Maßnahmen und die Unterlassungen der Papen-Regierung geradezu als ein verbrechen an der deutschen Wirtschast erscheinen lassen. Gegenwärtig wächst die Arbeitslosigkeit konjunkturell jeden Monat noch um mehr als 100 000 Mann, wenn man die vorübergehende Saisonbesserung außer acht läßt. Als Grund für diese erschreckende Erscheinung wird ausdrücklich der Rückgang der Massenkauskrast angeführt, der zu einem dauernden neuen Druck auf die verbrauchsgülerindustrie, besonders aus die Textilindustrie und aus die Rahrunzsmittelindustrie geführt hat. Der bisher verhältnismäßig stabile Massenverbrauch in lebenswichtigen Gütern,„die letzte Stühe der Wirtschaft", gehl jetzt so stark zurück, daß von dem Rückgang auch die Produktion betrossen wird, während die Produktionsgüterindustrie ihre Arbeiterzahl von Februar bis Zuni ein wenig erhöhen konnte, hat sich die Veschästigung der Verbrauchegüterindustrie in der gleichen Zeit dauernd verschlechtert. Man mutz daher für das Kalenderjahr 13ZZ mil einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von etwa sechs Millionen rechnen. Diese neue, katastrophale Verschlechterung in einem wichtigen Teile der deutschen Industrie ist die Folge de» systemati- scheu Kauskraslmordes, der durch den wahnwitzigen Anter- stühungsabbau der Papen-Regierung zur unmittelbaren Gefahr für die deutsche Wirtschaft geworden ist.„Die letzte Stüh« der Wirtschast" ist bedroht! Und bei einer solchen Arbeilslosenzisser diese Tropfen von Arbeitsbeschaffung, während das fertige Arbeits- beschaffungs- und Siedlungsprogramm Brünings als zu bolschewistisch in den Papierkorb wanderte! Auch die Arbeitslosen werden am ZI. Zuli Herrn Papen die Antwort erteilen. Angemessene Gehälter? Komische Relativitätstheorien eines Generaldirektors. Wir haben vor einigen Tagen eine Tabelle über die Direk- torengehälter veröffentlicht, ftir die es eine„Anpassung an die Armut der Nation" nicht gab. Die Presse, die den durch diese Zusammenstellung Angeprangerten nahe steht, ist in ein(verständ- liches!) Wutgeheul ausgebrochen. Daß aber ein Generaldirektor wagt, diese Veröffentlichung heranzuziehen zum Beweis« dafür, daß sein Gehalt„relativ niedrig" sei, das ist schon der Gipfel der Un- verfrorenheit. Dieses Stückchen hat der G e n e r a l d i r e k t o r D r. B i e auf der Generalversammlung der Oberschlesijchen Koks- und Hüttenwerke fertiggebracht. Wir hatten festgestellt, daß 6 Direktoren dieser Ge- sellschaft 480 000 Mark, jeder also durchschnittlich 75 000 Mark, für das Jahr 1931 bezogen. Diese Beträge wurden gezahlt in einem Jahre, das für die Aktionäre mit einer Beschneidung ihres Kapitalonfpruchs um zwei Fünftel— für alle Aktionäre ein Verlust von etwa 30 Millionen Mark— endete. Herr Bie meinte, diese Bezüge seien angemessen, weil in der Tabelle noch höhere Gehälter vorkommen— tatsächlich sind alle dort verzeichneten Fälle skandalös in einer Zeit des systematischen Lohn- und Unterstühungs- abbaues. Daß Herr Bie selbst erheblich mehr als 75 000 Mark be» zogen hat, darüber ist kein Zweifel, ist er doch der Generaldirektor, und die fünf anderen sind„seine" Direktoren. Außerdem stellen wir noch einmal fest— und vielleicht begreift das jetzt auch Herr Bie—, daß eine Halbierung der Dircktorengehälter allein bei Oberkoks die Beschäftigung von mindestens 125 Arbeitern ermöglichen würde. Daß die Herren Direktoren auch mit der Hälfte ihrer Bezüge mehr als„an- ständig" leben könnten, das zu bestreiten. dürste selbst Herr Bie nicht die Stirn haben! Aus dem Juli-Programm Severing spricht in Ihrem Heim... am 30. Juli, 7 Uhr, über die bevorstehende Reichstagswahl. Sicher« Sie sich mit einem guten„Graetz Jndukwr-Krastjystem-Laut- sprecher" eine absolut klare Rundfunk- Wiedergabe, die durch jede unverbindliche Vorführung im Fachgeschäft bewiesen wird! mmm&GnxETZxM. Berlin SO 36 r Graetz Induktor- Srastsystem- Lautsprecher Rr. 3001 RM 58,50, Nr. 99 RM 42,30 Nr. 98«nbausertiges Chassis RM 19,80 Wadisbolmen 3 Pfd. Margarine g Preise nur Freltog und Sonnabend. Di« � Zusendung von Lebersmitteln erfolgt bei Bestellung von 5,00 an.— Fleisdi und leidit verderbliche Waren sind vom Versand ausgeschlossen. 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