6ERLIN Freitag 29. Zuli 1932 Ar. 354 B 122 49. Jahrgang Redaktion u. Expedition: Lerlin SW KS. Lmdenstr.S Tel. X7 Dönhoff 292-297 Erscheint täglich außer Sonntage (Jugleich Abend->uszab° de»„Lorwiirt»'. Bezugzprei» fitrbeidiAusgoben7ZPf. pro Woche. Z.2Z M. pro Monat(davon 87?f. monatlich fi!r Zustellung in- Haus) im voran« zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich �«f. Postzeitungo. und TS Pf. Postbestellgebllhren. Anzeigenpreis: Di« lsplt. MM. meterzeil« SV Pf. Die Rellomezeil« tostet 2 Marl. Rabatt« n. Tarif. PoiizeimiBbraucii in Oldenburg Die naziregierung bestem SA zur Hiiisuoiizei Oldenburg. 29. Juli.(Eigenbericht.) Die oldenburgische Regierung gibt folgendes Korn- munique herauS: „Um allen Unruhen wirksam entgegentreten zu können, hat das Staatsministerium beschlossen, die staat- liche Polizei vorübergehend erheblich zu verstärken. Pressestelle des Staatsministeriums." Diese Mitteilung der oldenburgischen Regierung beleuchtet grell den Kurs, der heute in den nationalsozialistisch regierten Ländern gesteuert wird. Die oldenburgische Landespolizei war bisher 300 Mann stark. Diese Truppe hat in den stürmischen Wahlwochen vollauf genügt, um im allgemeinen Ruhe und Ordnung im Lande aufrechtzuerhalten. Jetzt erklärt die Naziregierung plötzlich, daß ihre Polizeitruppe zu schwach sei, um den zu erwartenden konrmunistischen Unruhen zu begegnen. Die Regierung hat sich also entschlossen, die oldenburgische Polizeitruppe zu verstärken. Diese Verstärkung sieht so aus, dah 250 SA.-Leute in die Polizei eingestellt werden. Wie wir hierzu erfahren, sind die SA..RIannschasten bereits in die Oldenburger Polizeikasernen eingerückt und zum Teil bereits eingekleidet und bewaffnet worden. Diese Maßnahm« der oldenburgischen Naziregierung stellt eine ungeheuerliche Provokation der republikanischen Bevölkerung dar. Allein schon die Persönlichkeit des amtierenden Nazi-Ministerpräsi- deuten Röver, der sich durch seine blutrünstigen Wahl- reden„Ich garantiere diesen Schweinehunden, daß sie gehängt werden und wir werden sie solange hängen lassen, bis die Krähen sie gefressen haben", den Namen 5)änge-Röver verschafft hat, genügt, um die republikanische Bevölkerung in stärkstem Mißtrauen zu halten. Die neueste Provokation der oldenburgischen Naziregie- rung. die Landespolizei durch Einstellung von SA.-Bürgerkriegs- gardsn zu v e r d o p p e l n, so daß jetzt jederzweitePolizist in Oldenburg ein S A.- M a n n ist, muß das Mißtrauen und die Unruhe der republikanischen Bevölkerung bis zur äußersten Grenze steigern. Wir fordern, daß die Reichsregierung gegen diesen ungeheuer- lichen Gewaltnüßbrauch des Oldenburger Nazikabinetts sofort ein- schreitet. Wo sihen die Waffendiebe? Ein erkannter EA-Munitionstransport. Braunschweig. 29. Juli.(Eigenbericht.) Nach der Taktik„galtet den Dieb" oersuchte vor einigen Tagen die bürgerliche Presse im Lande Braunschweig einen M u n i t i o n s- transport in Wolfenbüttel dem Reichsbanner anzu- hängen. Dadurch, daß von einem in sausender Fahrt durch Wolfenbüttel rasenden Auto Pakete Jnfanteriemunition verloren gegangen waren, die die Polizei beschlagnahmte, war die Oeffentlich- keit auf den Transport aufmerksam geworden. Die Nazipresse hatte sogar die Stirn, eine Belohnung für die Ergreifung der Transportführer auszuschreiben. wie nunmehr der„volkssreund" mitteilen kann, ist das er- konnte Auto von einem ebenfalls erkannten nationalsozialistischen Führer begleitet, wenn nicht gar geleitel worden, von weiteren Vachforschungen der Polizei wird man nun wohl nichts mehr hören. Ein Terrorakt jagt den andern. In Braunschweig wurde ein Mitglied der sozialdemokratischen Arbeiterjugend und ein Reichsbannerkamerod von Nazi-Ban- diten angeschossen. Ungeheuerlich sind die Zustände auch aus dem Lande So um- stellte in Bommasdors bei Heimsten eine SA.-Formation das Lokal, in dem eine Kundgebung der Eisernen Front stattfand. Nachdem die Fenster eingeworfen worden waren, eröfsneten die Nazibanditen ein Schnellfeuer. Bier Personen wälzten sich in ihrem Blute, auch die Frau des Wirts wurde angeschossen. Das Braun- schweizer Uebersallkoinmando hatte nach seinem Eintreffen nichts anderes zu wn, als die Anhänger der Eisernen Front n a ch W a f f e n z u d u r ch s u ch e n, ohne natürlich welche zu finden. Die bewafsneten Nazischützen hatten sich unterdessen aus dem Staube gemacht. » In B r es l a u schössen mehrere Nazis zwei Arbeiter nieder, die mit mehreren Verwundungen schwer verlegt ins Krankenhaus ge- bracht wurden. In Rostock und Flensburg wurden vier National- Sozialisten schwer verletzt,.. Severins häli Abrechnung. Lteberwäliigende Wahlkundgebung in München. München, 29. Juli.(Eigenbericht.) In drei Massenversammlungen der Eisernen Front München sprach am Donnerstag abend Genosse Severing, dem 20 000 Männer und Frauen des werktägigen Volkes einen überwältigenden Empfang der Begeisterung bereiteten. Alle drei Versammlungen mußten lange vor Beginn polizei- I i ch gesperrt werden. Nachdem im Zirkus Krone, der von vielen Tausenden umlagert war, die keinen Einlaß mehr finden konnten, ig Uhr Stadion Neukölln Fahnen- und Banner-Treffpunkt: Haupteingang Oderstraße Pünktlich 19 Uhr der Jubel der Begrüßung sich gelegt hatte, umriß Severing in meisterhaster Kürze die Bedeutung der Wahl am 31. Juli. Sie lasse sich nur vergleichen mit der Wahl zur valional- versammlung im Januar 1919. Damals handelte es sich darum, die Grundlagen für eine d e m o- kratische Verfassung zu legen und am nächsten Sonntag komme es daraus an, die Grundlagen des demokratischen Staates zu erhalten. Deshalb müsse der 31. Juli zu einem Tag der Abrechnung mit der Reichsregierung werden, aber auch mit den Kräften, die ihre Tragbalken darstellen. Diese Regierung Papen sei keine Zusammenfassung der nationalen Kräfte, denn es fehlten ihr die Männer der Arbeiterschaft, die sich an wahrer Vaterlandsliebe von keiner rechtsgerichteten Oberschicht übertreffen lasse.(Stürmischer Beifall.) Mit besonderer Schärfe wandte sich Severing gegen die Ver- Meinung des Wohlfahrtsstaates durch die jetzige Regierung, einem Programmpunkt in ihrer Regierungserklärung, der dem Wortschatz der Hakenkreuzler entnommen sei. Wenn diese Forderung der Regierung erfüllt werden sollte, dann, so erklärte Severing, höre Deutschland auf, ein Staat der Ruhe und Konsolidierung, der Kultur und der Zivilisation zu sein. Das deutsche Volk will in seiner übergroßen Mehrheit eine prak- tische Solidarität mit den ö Millionen Arbeitslosen und das kann ohne Wohlfahrtsstaat nicht geschehen. Wer ein wahrer Patriot ist, hat dafür zu sorgen, daß diese Wohl- fahrt in Deutschland geübt wird. Wir Sozialdemokraten lassen am Wohlfahrtscharakter des heutigen Staates nicht rütteln, aber nicht deshalb, weil wir unseren Klassengenossen Liebesgaben schenken wollen, sondern weil wir die Grundlage der deutschen Republik nicht zerstören lassen dürfen. Demgegenüber predigen die Valionalsozialisten den gemein- schastsschädlichen Massenkamps, denn sie haben die Worte vom Köpferollen und von der„Rächt der langen Messer" erfunden. Sie tolerieren nicht nur die Existenz dieser Regierung, sondern auch ihre Taten gegen die Wohlfahrt des Volkes. Ich, so fuhr Severing mit erhobener Stimme fort, habe niemals Haß gegen die National- sozialisten und ihre Parteigänger gekannt. Während meiner ganzen Amtstätigkeit habe ich niemanden, der zu mir kam, nach seiner parteipolitischen Herkunft gefragt, wogegen ich mich aber von An- fang an gewandt habe, war die Untergrabung der Staatsautorität durch die militärischen Verbände aller Art. Mit der Duldung dieser verbände war es aber nicht nur vorbei mit der Staalsautorität, sondern sie war der eigentliche Beginn des Bürgerkriege». Nach dieser Erkenntnis habe ich schon 1920 ge- handelt. Diese Verbände sind aber auch eine außenpolitische Gefahr, denn das Ausland hat kein Vertrauen, wenn es täglich damit rechnen muß,, daß die Flammen des offenen Bürgerkrieges aus dem Dach des deutschen Hauses emporschlagen. Wer das deutsche Ansehen in der Welt wieder herstellen und das Vertrauen zurückgewinnen will, der muß sich heute in aller- exster zM> mit Zrotztec Entichiedenheit g e � e n diese Ver- bände und ihren Terror wenden. In diesem Zusammen- hang übte Severing scharfe Kritikon der Rundfunkrede des Herrn von Schleicher. Es nützt gar nichts, so sagte er, wenn der Reichswehrministcr im Hause der Funkstunde mit der Faust auf den Tisch schlägt, daß es das Ausland höre, wir Deutschen können von den anderen nur dann volle Gleichberechtigung verlangen, wenn wir den Beweis erbringen, daß wir friedfertig sind, und insbesondere dem französischen Volk müssen wir die Ueberzeu- gung beibringen, daß seine beste Sicherheit ein friedfertiges deutsches Volk ist. Man muß das Säbelrasseln unterlassen, um so mehr, da diese Säbel nur Papp(en-)schwerter sind und die Kanonen nur Maul- kanonen sind. Zum Schluß erörterte Severing mit viel Humor seine Amtsenthebung durch den Reichskommissar von Papen und erläuterte die Gründe, warum im gegenwärtigen Augenblick die Chance einer Abrechnung mit der Regierung nicht günstig ist. Den Versuch dieser Abrechnung hätte die Regierung, insbesondere ihre Tragbalken, die Nationalsozialisten, lebhaft begrüßt. Aber die deutsche Arbeiterklasse lasse sich nicht provozieren. Sie werde ganz allein bestimmen, den Zeitpunkt und die Art der Abrechnung. Aber ein wichtiges Vorpostengefecht um die Freiheit sei die Wahl am nächsten Sonntag. Severing schloß mit den Worten:„Wir verachten die Wethod« der Barbarei, ober wenn man uns angreist, werden wir nicht still- halten, sondern uns verteidigen, nicht mit Papierkugeln, sondern wir werden zeigen, daß wir Deutsche sind, die auch ihren Bizeps haben. Nicht endenwollender Beifall begleitete Severing auf dem Wege zu den anderen Wafsenversammlungen. Noch am Abend fuhr er weiter ins Rheinland. „Vom(Stamme der Germanen." Die amtliche Liste der nationalsozialistischen Reichs- tagskandidaten weist u. a. folgende Namen auf: Lctiulcat, Wocicatz, Pottag, Pridat. Nawroth. Roschatt, Ma�unia, Skoda, Robra, Sossna, Swatzina, Czeromin, Russek, Adamek, Gregorczek, Czerny, Czirniok, Domnick, Sagroll. Jqbski, Turowski, Zelewski, Satzki, Czarnowski, Szymanovski, Wysocki. Sochatzki, Krawielidd. Großer Wotan, verhülle dein Haupt! Hugenberg-presse weist. Sie druckt die Berichtigung Heinigck nicht ab. Genosse Kurt H e i n i g schreibt uns: „Die Redaktion des„Berliner Lokal-Anzeiger" hat eingesehen, daß sie nach den eindeutigen Erklärungen des Landrats Sehlem- minger und meiner ebenso eindeutigen Festellung mit ihrer Fäl- schung hereingefallen ist. Sie versucht jetzt mit einem langen Artikel den juristischen Rückzug auf die Art, daß sie nur noch be- hauptet, die Unterschrift des Schreibens fei echt! Damit will der„Lokal-Anzeiger" beim S t r a f r i ch t e r die Annahme erzeugen, daß sie den gefälschten Brief gutgläubig veröffentlicht habe. Das wird ihr aber nichts nützen. Wir werden unter Beweis st e l l e n. daß die Redaktion des„Berliner Lokal-Anzeiger" wissen mußte, daß der Brief mitsamt der Unterschrift gefälscht ist. Die Einzelheiten des Beweises werden vor' Gericht unterbreitet werden. Fest steht heute, daß die„Wahlbombe" des„Berliner Lokal- Anzeiger" nicht gezündet hat. Der einzige„Erfolg" ist, daß wieder einmal unter öffentlichen Beweis gestellt wurde, mit wie unan- ständigen Mitteln die Presse der Reaktion zu kämpfen pflegt. Im übrigen habe ich weiteren Strafantrag gegen die Redaktion des„Berliner Lokal-Anzeiger" gestellt, weil sie meine ordnungs- gemäße und juristisch einwandfreie Berichtigung nicht in ihrem ganzen Wortlaut abgedruckt hat." Neuer Gesandter in Revol. Der Reichspräsident hat den vor- tragenden Legationsrat von Reine deck zum Gesandten in Reval ernannt.-, Die neue Linie. "Technische Störung" verhindert unfreundliche Wahrheiten Im Programm ter Deutschen Welle war ein Zwie- ge sprach über„Schulgesundheitspflege auf dem Lande" zwischen Rektor Otto Winter und Kreisarzt Medizinalrat Dr. Kühn» lein angezeigt. Die Unterhaltung begann mit Erörterungen über das zweckmäßige Verhalten des Landschullehrers bei bestimmten Krankheitsfällen in seiner Schulgemeinde. Dann kam das Gespräch auf die gesundheitlichen und hygienischen Verhältnisse in den Land- schulen, die häusig jeder Beschreibung spotten. Unsere Leser wissen aus den immer wiederkehrenden Klagen aus den Großagrarier- Paradiesen, wie die Gutsherren häufig ihrer Unterhaltungspflicht von Schulgebäude und Lehrerwohnung nachkommen: gar nicht. In verkommenen Lochern muß sich der Unterricht abspielen. Auch das Zwiegespräch der beiden Fachleute vor dem Mitro- Phon wollte sich anscheinend mit diesen, eines Kulturstaates un> würdigen Zuständen befassen. Es wies auf die gegen die Boden- feuchtigkeit nicht gesicherten Fußböden vieler Landschulhäuser hin, auf nasse Wände, Regenrinnen die ihren Inhalt dem Schulraum mitteilen, Dunggruben und Abwässergräben, die vor den Fenstern des Schulraumes liegen und diesem ihre Düfte mitteilen. Und dann war das Gespräch aus einmal abgerissen. Wer die Geduld hatte, am Apparat zu bleiben, konnte nach zehn Minuten weiterhören. Da waren die beiden Redner allerdings längst bei einem ganz anderen Kapitel ihrer Unterhaltung angelangt. Man hatte sie also während der„technischen Störung"— als diese wurde die Unterbrechung nachher erklärt— ruhig weiterreden lassen. .Leider", sagte der Ansager zum Schluß,„konnten Sie nur einen Teil der Unterhaltung hären." Aber warum fiel der wichtigste Teil aus? Da hinterher Unterhaltungsmusik folgte, hätte ohne Schwie» rigkeit das fehlende nachgeholt werden können. Man soll doch im Funkhaus mit der Aufnahm« auf Wachsplatten einige Usbung haben. Oder paßte die unfreundliche Wirklichkeit, die in diesem Ge» sprach gezeigt werden sollte, gar zu wenig in das amtlich vom Rundfunk erwünschte Weltbild? Störte sie den heldischen Geist, der mit den täglichen Militärmärschen über die chörer ergossen wird? Am Mittwoch Schallplattenkonzert:„Deutsche Märsche— deutsch« Lieder"; von siebzehn Nummern zwölf Militärmärsche und Sol- datenlieder. Am Donnerstag: eine Erinnerung an Fritz Reuter „Dörchläuchtings Volk und Land", während der, ganz sinnlos, mit einem chinweis auf chohenzieritz und die Königin Luise, ein Marsch losschmetterte,„der Lieblingsmarsch der Königin Luise". In der Wahlrede, die ch u g e n b e r g an diesem Tage vor dem Mikrophon halten durfte, erklärte er, die Führerherrschaft, die im deutschen Kaisergedanken ausgedrückt sei, müsse die P a r» lamentsherrschaft ablösen Der Rundiunk sei freundlich daran erinnert, daß w'r ganz so weit noch nicht sind. Zum Gierbeu verurteilt! Laßt euch nicht von Aitle? zum Narren halten! Tin« Bewegung, wie die chitler-Vewegung, die aus Rassenhaß entstanden, auf Mord, Totschlag und Terror aufgebaut, mft Lügen und Verleumdung unterstützt, mft bewußt unerfüllbaren Ver» sprechungen gespeist ist und die Notlage des Volkes zu selbstsüchtigen Zwecken ausnützt, ist zum Sterben vorverurteilt. Don dem großen englischen Staatsmann, Lord B« a c o n s» field, stammt das Wort. „Man kann olle-Menschen eine Zeitlang zum Narren halten, man kann einige Menschen die ganze Zeft zum Narren hallen, ober man kann nicht alle Menschen die ganze Zeit zum Narren halten." So ist es mft der chitler-Bewegung! Lsßt euch nicht zum Narren halten! Sorgt ti.-r ihr Sterben, gebt eure Stimmen der Sozial- demokrotie! Lausaune- Krise in Wien. Keine Mehrheit.— NevVohl im Herbst. Oiea, 28. Juli(Eigenberichts. Oesterreich steht wieder einmal unmittelbar vor einer Regie- r u n g z k r i s e. Die Regierung ist nicht imstande, im Parlament eine Mehrheft für das Lausanner Protokoll, in dem Oesterreich der Anschluß an Deutschland für weitere 20 Jahre verboten wird, zu finden. Am Donnerstagnachmittag stellte Bundeskanzler Dollfuß im Parlament die K a b i n e t t s s r a g e. Die Redner der Großdeutschen wurden von den Chnstlich-Sozialen inj Chor als Schufte und Vaterlandsverräter beschimpft. Die Heimwehr-Abgeord- neten weigern sich, für die Regierung zu stimmen: Starhemberg droht ihnen deshalb, sie abzuberusen und durch andere zu er- setzen. Die cheimwehr-Ab geordneten weigerten sich dieser Auffords- rung chres Führers nachzukommen, so daß die Regierung in«wem vollkommenen Auflö sungszustand begriffen ist. Spätestens zu Beginn des Herbstes wird der Nationalrat neu gewählt werden, was er ja grundsätzlich schon beschlossen hat. Standgericht in Budapest. Hinnchtungsdrohung gegen Kommunisten. Wien, 29. Juli.(Eigenbericht.) Heut« vormittag soll in Budapest die Staudrechts- Verhandlung gegen zwei der jüngst verhafteten Korn- mnniftc«, Fürst und Sallai, beginne». Das Standgericht kann nur auf Freisprechung oder Hinrichtung erkennen. Der französische sozialistische Abg. Longuet ist nach Budapest abgereist. Er will die des Komplotts gegen die Staatssicherheit angeklagten ungarischen Kommunisten vor dem Standgericht verteidigen. In Ungarn hat man das Sta:idr«cht nach dem Eisenbahnattentat von Lia-Torbagy verhängt, well ein aufgefundener Zettel des Der- brechers die Polizei auf Kommunisten tippen ließ. Seicher hat der Faschist M a t u s k a seine Schuld eingestanden und ist zunächst für sein Attemak in Deutschosterreich verurteilt. Dieser Tag« erst ist m Budapest der Rechtsputschist Ladislaus V a n n a y im ordentlichen Derfchren zu mir sechs Monaten Gefängnis oerurtsftt worden— den Kommunisten aber droht Todesstrasel Aus der Polizei hat man sie fürchterlich mißhandell. Die ungarisch« Sozialdemokratie protestiert öffentlich gegen den geplanten Standrechtsprozeß Im Namen der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale hat Emile Vanderoelde, im Namen der französischen Sozialistenpartei hat Paul F a u r« telegraphisch von dem ungarischen Ministerpräsidenten Karolyi die Nichtanwendung des Standrechts gefordert. Straßenkrieg in Washington Verjagung der Kriegsveteranen kvashingtoo. 29. Juli.(Eigenbericht.) Seft Monaten lagern in Zellen hier Tausende arbeitsloser Kriegsteilnehmer, die nach der Bundeshauptstadt gekommen sind. um die Auszahlung des„Bonus" zu erzwingen. Auf dem Weg noch Washington haben solche Trupps mftumer Lebensmittel, ja sogar Eisenbahnzüge requiriert. In Washington waren sie einmal ins Parlament eingedrungen. Ein wahlpolftischer Kongreßbeschluß auf Auszahlung von Milliarden Dollars an die Veteranen ist am Einspruch Hoovers gescheitert. Am Donnerstagabend gab die Regierung Befehl, das wsfte Ge- biet in der Nähe des Kapllols, wo die Veteranen verschiedene un- bewohnte Regierungshäuser als Unterkunft benützten, zu„säu- b er n". Die Veteranen versammelten sich, um das Vordringen der Truppen zu hindern. Aber mft blanker Wafte räumten berittene Truppen die Pennsywania-Aoenue, die das Kapital mft dem Weißen Haus verbindet. Sie machten vor dem Regierungsgebäuds hall, in dem noch eine Anzahl Veteranen Widerstand leistete. Der Kavallerie folgten Tanks und zum Schluß eine Maschinengewehr- a b t e i l u n g. Einige der widerspenstigen Veteranen packten darauf ihre Bündel und machten sich aus dem Staube: andere blieben. Infanterie vertrieb mit gefälltem Seftengewehr einen Trupp Dete- ranen. Eins Gruppe, die die Infanterie in dichten Haufen vor sich hertrieb, weigerte sich, wefter zu gehen. Daraufhin schleuderten die Truppen, nachdem sie sich mit Gas- maskeu ausgerüstet hatten, in die schreiende und johlende Menge Tränengasbomben und trieb sie mit Gewalt weiter. Nicht nur die Veteranen, sondern auch die Polizei verließen sluchtartig bei dem raschen Vorgehen der ünsanterie die vergaste Gegend. Bielen Zuschauern und Polizisten tränten infolge der Wirkung der Gasbomben heftig die Augen. Zwei Veteranen wurden erschossen, eine An- zahl verwundet. Ein Polizist ist durch einen Steinwurs verletzt, ein Unteroffizier hat eine Brandwunde. Das geräumte Zelllager wurde nämlich angezündet. Der Polizeikommandeur leidet an Gasvergiftung. Zuletzt waren noch etwa MO Veteranen in Washington. Die Regierung hofft, daß sie nun verschwinden. Präsident H o o v e r betont in einer Erklärung, das scharfe Vor- gehen der Bundesregierung sei notwendig gewesen, um die Staats- autorftät aufrechtzuerhalten. Außerdem seien viele Teilnehmer an dem„Veteranenmarsch nach Washington" gar keine Kriegsteil- nehmer, sondern Kommunisten und vorbe st raste Elemente. Salaban vor Gericht Oer erfolgreichste Münzfälscher des Lahrhunderts Der Münzfälscher Sornel Salaban und seine Ehefrau Martha Salaban stehen jetzt vor der Strafkammer des Laadgerichts III. Ein ganzes Gremium voll Sachversländigea, psychiatrischen vnd Falschmünzersachoerställdigen wohnt der Ver- Handlung bei, die wegen Nichterscheinen eines Schossen mit großer Verspätung beginnt. Die Entdeckung der Salabanschen Falschmünzerei in der Lichterfelder Villa ist noch in aller Erinnerung. In einem Kellerraum, dessen Tür durch Bücherregale kunstvoll verdeckt war, befand sich eine mit allen Schikanen eingerichtete Werkstatt. Salaban hatte seft 1929 für etwa 80000 M. Zweimarkstücke unter die Leute gebracht. Seine Frau verausgabte sie auf den Wochenmärkten, Salaban begleftete sie dahin, steckte ihr Zweimarkstücke zu und nahm das Wechselgeld entgegen. Den Vorsitz in der heutigen Ver- Handlung führt Landgerichtsdirektor P e i l t a s s o h n. Die Anklage vertritt d«r Erste Staatsanwall Stein deck. Der Angeklagte Salaban betritt den Gerichtssaal in großer Erregung. Cr spricht heftig gesti, tulierend auf seine Verteidiger ein. Salaban ist ein etwas unter- setzter, mittelgroßer Mensch, sein glattrasiertes Gesicht hat ein« un- gesunde Farbe, sein linkes Auge ist verbunden. Die Frau Salaban ist eins nicht unsympathische Erscheinung. Beim Zeugenaufrus bricht sie in Schluchzen aus und wird von ihrem Manne beruhigt. Nach Verlesen des Eröffnungsbeschlusses kommt es zu einer Auseinander- setzung zwischen psychiatrischen Sachverständigen. Sie sind in zwei Part«i«n geteilt. Professor Sttaßmann und Dr. Hommerich haben bereits vor Jahren bei Salaban Jugendirresein fest- gestellt, ihm ist auch mehrmals der§ 51 zugesprochen worden. Dr. P a a n s e, der den Angeklagten jetzt in der Irrenanstalt Wittenau bei einem sechswöchigen Aufenthalt beobachtet hat. und Dr. Stör- m e r sind jedoch zu dem Ergebnis gelangt, daß es sich bei Salaban um eine psychopathische Persönlichkeit bandest. Die Verteidigung beantragt, Dr. Stürmer wegen Besorgnis der Be- fangenheit abzulehnen. Der Antrag wird durch die Vorgänge aus- führlich begründet. Dr. Stürmer erklärt sich für nicht befangen und ruft bei Salaban dadurch einen stürmischen Wortschwall hervor. Sala- ban nennt Dr. Stürmer einen Lumpen und wirft ihm gemeine Lüge vor. Der Vorsitzende hat Mühe, ihn zu beruhigen. Dr. Stör- mer ruft gleichfalls in der Erregung aus:„Ich werde Ihnen noch ganz anders kommen." Der Staatsanwall beantragt, den Antrag der Verteidigung abzulehnen. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück, die eine sehr lange Zeft beansprucht. Der Antrag der Verteidigung wird abgelehnt. Der Angeklagte Salaban, geboren in Tschernowitz im Jahre 1886, soll seinen Lebenslauf erzählen. Seine Schilderung ist ein wirres Durcheinander. Die Worte sprudeln ihm nur so aus dem Mund. Bald spricht er leise, daß man ihn überhaupt nicht verstehen kann, bald stößt er die Sätze in höchster Erregung laut hervor. Immer wieder verliert er den Faden seiner Erzählung und fragt die Verteidiger: wo bin ich stehen geblieben. Dann kann er wieder vor Schlucbzen nicht in der Rede fortfahren. Seine Frau kommt aus den Tränen überhaupt nicht heraus.. Er bittet sie: „Kindchen, weine doch'nicht, ich kann doch nicht sprechen, du regst mich auf." Als er sie bfttet, sein Gedächtnis zu unterstützen und sie ihm an einige Tatsachen erinnert, der Vorsitzende diese Zwie- gespräch« aber verbietet, schreit er diesen an: Sie dürfen mich nicht aufregen, Sie machen mich wahnsinnig. Vors.: Sie behaupten, 17 Semester studiert zu haben. Wo haben Sie ihren Doktor gemacht? Salaban: Im Jahre 1931 habe ich mein 2Sjähriges Doktorjubiläum gefeiert. In meinem Paß, in meiner Optionsurtunde steht„Doktor". Ich sage nicht, wo ich meinen Doktor bekommen habe. Soll doch der Staatsanwalt beweisen, daß ich kein Doktor bin. «WM.,, ifCakenkreust verschwinde! Das Hakenkreuz, von Nazis an die Mauer gepinsell, ist über Nacht von den Freiheitspfeilen getroffen worden und steht nun ganz manierlich aus. So sollen die Pfeile der Freiheit auch am Sonntag die Reaktion treffen! RZchMchs Echiägereien. 83 Feiwahmen.- Schmienolounen gefaßt. In der vergangenen Nacht stießen an verschiedenen Stellen der Stadt wieder oatloaalsozialtstischc und k o m m u u l si t- sche Schmier- und klebekoloanea zusammen. Znsgesamt wurden van der Polizei, dle bei anders die bekannten llnruhegegenden noter fcharser Beobachtung hielt, 53 Personen festgenommen: ZI von ihnen befinden sich noch>.m Polizeigewahrsam. In mehreren Fällen wurden links- und rechtsradikale Gegner dabei überrascht, wie sie Fahnen zu stehlen versuchten und sich dabei gezenseuiz die Fensterscheiben einwarfen. Im Verlaufe mehrerer Schlägereien, die sich in der Handjerystraß« in Neukölln, in der Wiener Straße, in der Richardstraß» in Neukölln und in der Eichendorsfstraße am Stettiner Bahnhos abspielten, wurden einige Beteiligte leicht verletzt. * Der Wahlkampf, der naturgemäß in den letzten 18 Stunden besonders heftige Formen annehmen dürste, stellt die Berliner Schupo abermal» vor eine ernste Aufgabe. Besonder« in den letzten Nächten vor der Wahl wird der Patrouillendienst der Polizei in allen Stadtteilen erheblich verstärkt und Auto- und Rodfahrerstreifen sollen dafür sorgen, daß Zusammenstöße und un- nötiges Blutvergießen verhindert werden. Am Wahltage selbst wird die Polizei wieder erhöhten Alarmzustand haben, die Wahllokale selbst werden durch Polizeiposten gesichert. Furchtbare Benzinexplofion. Sechs Tote, 24 Verletzte in einer slowakischen Gemeinde. In der slowakische» Gemeinde Heiligenkrenz er- eignete sich am Donnerstag eine schwere Benziaexplosion. bei der 6 Personen getötet, 9 Personen schwer und IL» leicht verletzt wurden. Der Kaufmann Knöifel war im Keller seines Hauses mit dem Einfüllen von Benzin beschäftigt, wobei ihm eine Angestellte, die eine brennende Kerze in der Hand hielt, behilflich war. Die Benzingase fingen Feuer und es erfolgte eine gewaltige Explosion, durch die Fensterrahmen, Mauerwerk und Türen Hunderte von Metern weit fort- geschleudert wurden. Unter den Opfern befinden sich nicht nur die im Haus anwesenden Personen, sondern auch solche, die sich in der Umgebung des Hauses auf- hielten. KwgzeugZusammsnsioß in der Lust. Das gerammte Flugzeug landet glücklich. Das dreimotorige Iunkers-Flugzeug..Iu 52" der | Deutschen Lusthanla, das in dem Schweizer Alpenrundflug-Wettbe- . werb für Verkehrsflugzeuge unter Führung des Flugkapitäns Polt« j den ersten Preis errungen hat, wurde auf dem R ü ck f l u g von > Zürich nach Berlin Donnerstag nachmtttag um 3.10 Uhr kurz nach dein Start in Münchsn-Oberwicsenfetb von einem durch ein an- deres Flugzeug verursachten Unfall betroffen. Ein über den Flughasen Schleißheim fliegendes Flamingo-Sportflugzeug der Deut- sehen Verkehrsfliegerschule flog in den linken Propeller und die link« Kabinenseite der..Iu 52" hinein. Hierbei wurde das linke Fahrgestell der ,Lu 52" abgerissen und das Flug- zeug zu einer Landung in einem Kornfeld in der Röhe des Flug- Hafens Schleißheim gezwungen. Besatzung und Insassen der„Iu 52". insgesamt 6 Personen, blieben glücklicherweise unversehrt, während der Flugzeugführer der Deutschen Verkehrsfliegerschul« schwer« Verletzungen erlitt. Adelsparteien unter fi Nazis nennen die Oeutschnationalen„Halunken und Lumpen� Der Kleinkrieg zwischen Deutschnationalen und Nationalsozialisten, der besonders in Pommern mit ungewöhnlicher Heftigkeit ausgefochten wird, zeitigt zuweilen recht merkwürdige Blüten, die wert sind, der politisch bewegten Zeit der Nachwelt erhalten zu bleiben, obgleich oder gerade weil die großstädtischen Hugenbergblätter diese Dinge unterschlagen. Aus Anlaß der Hitlerkundgebung in Stralsund am 19. Juli sprach unter anderem auch der schwedische Nationalsozialist Dr. Birger. Furugard, der über die deutschnationale Partei folgende Worte gebrauchte: „Auch in Schweden gibt es einen ausgepreßten Bauernstand. gibt es Marxisten, hat man ähnliche Halunken wie die Deutsch- nationalen in Deutschland und hat man Kapitalisten. Ja. das Volk ist ausgesaugt bis auf die Knochen durch die Kapitaldsmo- traten und das nationale Gesindel." Die deutschnationale„Kösliner Zeitung", die darüber mit Empörung in großer Aufmachung auf der ersten Seite ihres Blattes berichtet, erhebt gegen diese„schweren B e l e i d i- g u n g e n des deutschen nationalen Bürgertums durch den Aus- l ä n d e r" schärfsten Protest und fragt, wo die vielgerühmte„deutsche Volksgemeinschaft" bleibe, für die die Nazis angeblich kämpften. In einer Nazi-Versammlung, die dieser Tage in V a h n(Hinter. pommern) stattfand, sagte der Nazi-Redner über die Deutschnatio. nalen folgende„Liebenswürdigkeiten": „Die Deutschnationalen sind Lumpen— Eharakterlosigkeit bestimmt die Deutschnationale Volkspartei.. Besonders interessant sind auch die Aeußerungen der„Kösliner Zettung", die sich an eine Nazioersammlung in Käslin anschlössen. Dort hatte der General Litzmann gemeint, die Deutsch- nationalen machten den Nazis das Leben recht sauer. Die Deutsch. nationalen seien egoistisch und nur auf sich selbst bedacht. Zeder SZl.-Mann, der seine Pflicht tue. sei vornehmer als viele pommersche Grafen und Barone. Der heulige Adel und mit ihm die Deutsch- nationalen hätten nichts gelernt uud nichts vergessen. Ihm persönlich sei ein bürgerlicher Wappenschild lieber als ein v e r j u d e t e r pommerscher Adliger. Von Adolf Hitler, der das Werkzeug Gottes(!) sei, werde die Geschichte einst sagen, er sei größer gewesen als Bismarck! Diese Litzmann-Offenbarungen waren aber selbst den Deutsch- nationalen so starker Tobak, daß sie sich in mehreren Artikeln der„Kösliner Zeitung" dagegen zur Wehr setzten. Es heißt da, daß die maßlosen Angriffe, die Exzellenz Litzmann gegen die Deutschnationale Volkspartei richtete, sachlich nach keiner Richtung hin sttchhaltig begründet wurden. Den Nationalsozialisten wird dann folgendes bescheinigt: „Im übrigen kann ohne wetteres unterstellt werden, daß der Adel in der zahlenmäßig stark angeschwollenen Zkationalsozialisti- schen Deutschen Arbeiterpartei heute über ein zahlenmäßig größeres Kontingent von Mitgliedern verfügt als in der Deutsch- nationalen Volkspartei. Wenn Exzellenz L i g m a n n meint, den- jenigen Adligen, die Ratio nalsoziali st en geworden sind, besondere Ruhmeskränze flechten zu müssen, und auch das antisemitische Moment anklingen läßt, dann erinnern wir in diesem Zusammenhang doch an die merkwürdige Freund- schaft, die Herr von Alvensleben, der Hitler als Vertrauensmann auf seinen Unterredungen mit General von Schleicher begleitet hat. zu dem getaufken Luden von Kleefeld unkerhält, dem, wie sich das aus einer Polemik des Nationalsozialisten Fabricius gegen die Linkspresse ergibt, erhebliche Finonzschiebungen vorgeworfen werden." Aber auch andere polttische Ungezogenheiten werfen die Deutschnationalen den„lieben" Nazis vor. Es heißt in dem gleichen Artikel: „Schließlich hat die L a n d t a g s f r a k t i o n der National- sozialisten bisher nur den Beweis erbracht, daß 169 Rational- sozialisteu in der Rauferei stärker sind als 60 Kommunisten, eine Tatsache, die bisher von keiner Seite in Zweifel gezogen worden ist, ebensowenig wie jene andere Tatsache, daß 169 Nationalsozio- listen auch lauter singen können als 60 Kommunisten. Gibt es aber wohl eine größere Blamage als die, welche Herrn K u b e, dem Führer der nationalsozialistischen Landtags- fraktion, widerfahren ist, der sich de- und wehmütig bei dem Juden Bernhard Weiß und feiner Gattin und zwar schriftlich entschuldigen mußte, weil die nationalsozialistische Landtagssraktion in einem Antrage der Frau Weiß Beziehungen zu einem anderen Mann vorwarfen, sich also durchaus unzuverlässige und— wie inzwischen durch Ge- richtsentscheid festgestellt worden ist— mit sachlich unhaltbaren Vorwürfen in das Privatleben einer Frau ein- gemischt hatte?" Während das deutschnationale Blatt dem General Litzmann noch so viel Ehre erweist, daß es sich überhaupt mit ihm beschäftigt, nennt es den nationalsozialistischen Bäckergesellen a. D. C z i r n i o k in dem gleichen Artikel kurzerhand einen„n a t i o- n a l so zi a l i st i s ch e n Demagogen", der als politischer Geg- ner einer ernsthaften Auseinandersetzung nicht wert sei, und mit dem es sich also des weiteren nicht mehr zu beschäftigen brauche. In den Berliner Gazetten des Herrn Hugenberg finden sich zwar allerlei schnoddrige und verlogene Berichte über Marxisten und was man dafür hält, aber von den Kämpfen ihrer deutsch- nationalen Gesinnungsbrüder gegen den nationalsozialistischen Ge- sinnungsterror wissen sie kein Wort zu melden. In diesem Schwei- gen liegt ein Mangel an Wahrheitsliebe, der geradezu frappierend wirkt. Dr. Weiß über den Gewaltakt. Lleberfüllte Versammlung des Zentralvereins. Der Centraiverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete gestern im Logenhaus in der Kleiststraße eine Kundgebung. die so stark besucht war, daß zwei Parallelversommlungen stattfinden mußten. Die Kundgebung zeugte für den starken Abwehr- willen gegenüber dem kulturfeindlichen Antisemitismus. Nachdem Rabbiner Dr. Leo B a e ck gesprochen hatte, nahm, mit langanhaltendem stürmischen Beifall begrüßt, Pölizeioizepräsi- dsnt Dr. Bernhard Weiß das Wort, um u. a. zu der Frage der Amtsenthebungen in Preußen zu sprechen. Die Amtsenthebung preußischer Minister und hoher Staatsbeamter durch die Reichs- regierung sei lediglich eine Konzession an die Nationalsozialisten gewsssn. Die Begründung, daß ein Teil der führenden Beamten den Kommunisten nicht objektiv und unbefangen gegenüberstände, sei lächerlich. Ihm sei 1924 das politische Reierat im Präsidium abge- nommen worden, well er angeblich zu scharf gegen die Kommuni- sten vorgegangen sei. Schon einmal habe er einen Umschwung mit- erlebt, nämlich im November 1918. Dieser habe sich aber in sehr viel vornehmeren Formen abgespielt. Damals habe der Halbtom- munistische Präsident Eichhorn dem letzten königlichen Polizeipräsi- deuten von Oppen gestattet, sich von seiner gesamten Beamtenschaft zu verabschieden, 1982 wurden der Präsident und seine Mitarbeiter mtt Militärgewalt entfernt, und man verbot ihnen das Wiederbetreten ihrer Diensträume. Warum, so fragte Weiß, war ich verhaßt? und er antwortete: Weil ich Jude bin. Ich bin aus dem Feld« vom letzten Innenminister der Monarchie Dr. D r e w s Attraktionen. hinter der zweiten werden die Fälscherkünste getätigt." ins Präsidium berufen worden und dann bis zum Dicepräsidenten gestiegen. Auch in jüdischen Kreisen hat man gefragt: War es richtig vom Juden Weiß, einen solchen hohen Posten anzunehmen? Ich sage ja. Ein anderes Verhatten würde allen Traditionen der jüdi- schen Emanzipation widersprechen-und eine Rückkehr ins politische Ghetto bedeuten. Wir müssen stolz und ausrecht unseren Weg gehen. Dr. Bruno Weil sagte, daß die deutschen Juden in den nicht- antisemttischen deutschen Parteien ihre Pflicht zu tun hätten. Die Gründung einer jüdischen Partei sei unüiskutierbar. Als letzter Redner sprach Syndikus Dr. Alfred Wiener. Dann wurde eine Cntschießung angenommen, in der es u. a. heißte Die deutschen Juden erheben flammenden Protest gegen die Schmähungen, Drohungen und Gewalttätigkeiten, die von judenfeindlicher Seit« Tag für Tag gegen sie verübt werden. An alle Volksgenossen, die noch hören wollten, ergeht der Ruf, die judenseindliche hemmungslose Agitation, als deren Zeugen 125 Friedhofsschändungen, 49 Syaagogenbefude- hingen, Terrorakte und Blutlaken gegen deutsche Zuden festzustellen seien, gefährde das Ansehen unseres Vaterlandes. Der Name Deutsch- lands, mit dem die Begriffe Recht und Humanität bisher untrennbar verbunden waren, werde durch jenes schändliche Treiben befleckt. Die Todesfahri um Miternacht. Was geschah mit Chauffeur Gtadie? Die Mordkommission ist bei den Ermitklungeu um da» ge- heimuisvolle verschwinden des Z2 Zahre allen Ehaufseurs Kurt Skadie, der bei seineu Eltern in der Rügeoer Straße gemeldet war. aber in der Ackerstraße 137 wohnte, vor ein großes Rätsel gestellt. Kurt St. hatte insgesamt 1S7 Kilometer gefahren. Davon enlsallen aus die Touren 106 Leerkilomeker. Diese Kilomelerzahl hat er höchstwahrscheinlich mit den Leuten abgesahren. denen er später zum Opfer fiel. Gestern noch wurde die Braut des Chauffeurs, Frida A. aus der Grellstraße, vernommen. Nach chren Angaben hat er sie am Mittwochabend zwischen 11 und 12 Uhr nach Hause gebrocht. Bis dahin— so erzählte Stadie— hatte er eine Einnahme von 18 M. Die T o d e s f a h r t ist danach wabrfcheinich nach 12 Uhr nachts, angetreten worden. Als man den Wager» fand, brannten die Lampen. Das Auto ist also noch in der Dunkelheit der Morgen- stunden nach der Bärwaldstrahe gebracht worden. Es ergab sich, daß die Jnnensige des Autos sauber waren. Nur der Chauffeur- sitz zeigte ein« Blutlache. Merkwürdigerweise wurden unterhalb des Sitzes zwei Dietriche, ein Hausschlüssel, eine Berliner Abendzeit ung und ein paar an St. adressierte Briefe gesunden. Das Auw weift selbst keine Beschädigungen auf. Es zeigt sich auch keine Kampsspur. Stadie war früher bei der Aboag tätig und ging dann als Ehauffeur zur Kraftag. Er wird als lebenslustiger Mensch geschildert, 1,6ö Meter groß, untersetzt, mtt dunkelblonden nach hinten gekämmten Haaren, dunkelblauem Anzug, gelbem Oberhemd ohne Kragen und schwarzen Halbschuhen. Hinrichtungen in Kanton. Das Militärgericht verurteilte fünf chinesische Kommuni st en wegen Hochoerrats und Versuchs, die 19. chinesische Division zu Meutereien anzustiften, zum Tode durch Erschießen. Diese Urteil« wurden am Sonntag vollstreckt. Oer Affenmensch- ein geschorener Affe. Auf der Suche nach dem„aüssinx link", dem Verbindungsglied zwischen Mensch und Affen, ist die Oeffentlichkeit durch«inen Scherz getäuscht worden, von dem die Redaktion der„Umschau" ihren Lesern Mitteilung macht. Diese Zeitschrift hatte kürzlich in einem Aufsatz über den Affenmenschen von Sumatra auf die De» batte in- der holländischen Kammer hingewiesen, wo die Tötung eines jungen Affenmenschen(Ornig penckek) durch«inen holländi- schen Beamten gerügt worden war. Die Vorgänge des Fangs und der Tötung waren eingehend geschildert, die Photographien der Beute stammten von dem Leiter einer staatlichen Naturaliensamm- lung. Ein RajaH sollte ein Orans-peväek-Kind getötet hoben: das Skelett nebst Haut war dem Zoologischen Institut in Buitenzorg auf Java zur Untersuchung übergeben worden. Diese Untersuchung hat ein überraschendes Ergebnis gehabt. Die wissenschaftliche Welt ist einer Mystifikation zum Opfer ge- fallen! Maliische Eingeborene haben einen Schlankaffen durch Scheren des Felles und Abschneiden des Schwanzes zu einem Orans penckek gemacht und damit die Oeffentlichkeit für kurze Zeit hinters Licht geführt. Bei der geistigen Einstellung der Eingebore- nen ist allerdings zu berücksichtigen, daß sie auch den Orang-Utan als Waldmenschen bezeichnen, als Abkömmling von Leuten, die in den Wold flüchteten, um sich vor der Arbeit zu drücken. Die«nt- fernt menschenähnlichen Züge mancher höherer Affenarten haben von jeher primitive Völker zu Vergleichen angeregt. Dieser Fall reiht sich würdig an die berühmten Schriftentdeckungen von Glozel und an die nicht weniger berüchtigte Entdeckung eines mäuseartigen Tieres mit einem Horn auf der Nase. Dieses merkwürdig« Tier war von den Franzosen vor jetzt hundert Iahren, kurz nach der Besetzung Algeriens, entdeckt worden. Die wissenschaftliche Welt beschäftigt« sich lange Zett mit ihm. groß« Diskussionen fanden dar- über in der Akademie der Wissenschaften zu Paris statt. Es wur- den immer mehr Exemplare des merkwürdigen Tieres angeboren und teuer verkauft, bis man entdeckte, fraß das Horn auf der Nase — ein Mäuseschwänzchen war, das findige Araber den Mäusen auf die Nase gepslanzt hatten. Oie Großstädte der Erde. Die Zahl der Städte von 100 000 Einwohnern hat sich in den letzten 60 Jahren mehr als verdreifacht. Diese erstaunliche Fest- stellung geht in erster Linie auf die immer stärker einsetzende Eni- völkerung des flachen Landes zurück. Im Jahre 1872 gab es 164 Städte mtt über 100 000 Einwohnern, bei einer 21 Jahre später vorgenommenen Zählung waren es bereits 270, neun Jahre darauf — im Jahre 1902— gab es schon 326 solcher Städte. Die letzte Zählung 1930 ergab schließlich 522 Städte mit über 100000 Ein- wohnern. Diese Städte wiesen 198 300 000 Einwohner, also 10,6 Proz. der Bevölkerung der ganzen Erde auf. Aus Europa entfielen im Jahr« 1930 241 Städte mtt über 100 000 Einwohnern. Die Entwicklung ging hier folgendermaßen vor sich: Im Jahre 1500 gab es 7, im Jahre 1800 21, im Jahre 1850 42 und 1930 endlich 241 Städte dieser Kategorie. Eine stati- stische Erfassung ergibt folgende Rechenfolge: Nordamerika.... 94 Großstädte Deutschland..... 54„ England...... 45„ Japan........ 30„ Europ. Rußland... 25„ Italien...... 22 Frankreich..... 20„ Australien..... 5„ Bei den australischen Großstädten ist noch hervorzuheben, daß darin 50 Proz. der gesamten Bevölkerung des Landes wohnen. Wie groß ist ein Giäubchen? Ein Feind, dem wir allzu wenig Beachtung schenken, obwohl wir fast immer von ihm umgeben sind, ist der Staub. Er ist all- gegenwärtig, setzt sich in unfern Kleidern fest, mögen sie auch noch so gut geklopft werden, dringt in die Poren unserer Haut und läßt sich nie ganz ausrotten. Da er sich schwebend in der Luft erhält, ge- langt er beim Atemholen in unsere Luftwege und Lungen, wo er als graue oder braune Masse sich ablagert, und mag sich der Körper noch so sehr dagegen wehren— wir werden ihn nie völlig los. Ilm diesen Feind genau kennen zu lernen, bedarf es eines guten Mikroskopes. Betrachten wir ihn mit diesem Hilfsmittel, so finden wir, wie G. Villwock in der„Leipziger Illuftrirten Zeitung" ausführt, an den Haaren eines Teppichs winzige Teilchen in unübersehbarer Menge. Der größere Staub, der sich hier ansammelt, besteht aus feinen Sandkörnern, aus Schmutzpartikeln, die wir mit unfern Schuhen in die Wohnung bringen, aus Lederteilchen, Kohle- und Aschestäubchen usw. Der feinste Staub aber erhebt sich in die Luft und ist so winzig, daß wir uns kaum eine Vorstellung von ihm machen können. Die bei mittlerer Vergrößerung sichtbaren kleinsten Teile des Flug- staubs, die sich auf unfern Möbeln niederlassen, messen d i n e i n- halb Tausend st el Millimeter: die„größeren" bringen es auf etwa ein Zehntel Millimeter. In der Bekämpfung dieses Allerwettsfeindes hat man in letzter Zeit große Fortschritte gemacht. Die Masse, die in diesem Krieg am wirksamsten ist, ist der Staub- sauger. In den meisten Haushaltungen, die einen solchen Apparat besitzen, wird er nur zum Reinigen der Teppiche und des Bodens, vielleicht auch der Vorhänge, benutzt. Aber man sollte ihn auch für die Staubeittfernung an Kleidern, Betten, Stoffen aller Art oer- wenden. Das Bürsten und Klopfen, das noch allgemein üblich ist, wirkt höchst unhygienisch, da es nur der Staubaufwirbelung dient.' Das Deutsche Bildarchiv. Das in der Staatlichen Kunstbibliothek in Berlin untergebrachte Deutsche Bildarchiv, das zum ersten Male den Besitz an deutscher Kunst in guten Abbildungen an einer Stelle vereinigen will, plant für den Winter eine Ausstellung der Tätigkeit des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft, der dem Archiv kürzlich sein gesamtes photographisches Material überwiesen hat, ferner eine Ausstellung von Photos nach Werken des deutschen Spätbarock und der neuesten deutschen Baukunst. Im letzten Jahr ist besonders mittelalterliches Kunstgewerbe, mittelalterliche Architektur und Plastik in Mitteldeutschland und Unterfranken, süddeutscher Spätbarock und Nürnberger Malerei vor 1450 in Photos erworben worden. Ins- gesamt kamen 5600 Photos neu hinzu, u. a. der Nachlaß von Ge- heimrat Marc Rosenberg und Geheimrat Waetzoldts große Photo- sammlung italienischer Porträts der Denaissance, beides als Ge- schenke. Ein Institut zum Studium der Frauzösischen Revolution. Den Mittelpunkt der in- und ausländischen Studien, die sich mtt der Französischen Revolution beschäftigen, soll ein Institut bilden, dos in der philosophischen Fakultät der Universität Paris gegründet worden ist. Alle Untersuchungen über die politische Geschichte, das Recht, die religiösen und wirtschafllichen Verhältnisse, die Diplomatie und Kriegsgeschichte, die Wissenschaft, das Unterrichtswesen und die Kunst zur Zeit der Revolution und namentlich auch die Erforschung des Einflusses der großen Umwälzung auf Europa und die Menschheit sollen hier ihre Stätte finden und in ihren Ergebnissen heute, wo man die Zeit dazu für gekommen hält, zu einer großen Synthese zusammengefaßt werden. Letter des Institute ist Philippe Sognac, der einen Lehrstuhl für Geschichte der Französischen Revolution an der Sorbonne bekeleidet. Der Erbauer des Assuaner Rilstaudammes gestorben. Der In- oenieur William Willcocks, der den Plan für den Nilstaudamm bei Assuan entwarf und ausführte, ist in Kairo gestorben. Das Rose-Theater bringt Montag als Uraufführung das Lusttviel „H»r z d a m e" von Rudolf Presber mit Hermine Stcrler in der Titel- rolle heraus. Hermann Krehan tritt im Augustprogramm auf. »Volk Ulid Zeil", unsere illustrierte Wochenschrist, liegt der heutigen Postauflage bei. Letzter Freiheit-Appell Post-, Telegraphie-, Reichs- und Gtaatsarbeiter-Kunktionäre Der Gesamtverbynd hatte zum Donnerstagabend die Funktio- näre der Reichspost, der Reichs-, Staats- und Theaterbetriebe nach dem„Hackeschen Hof" zu einem letzten Freiheitsappell gerufen Diese Arbeiter- und Beamtengruppen haben im Dritten Reich den Raub aller Rechte zu gewärtigen, die die Republik ihnen in den vorangegangenen 14 Jahren eingeräumt hat. Aber die Post-, Tele- graphen-, Reichs- und Staatsarbeiter erinnern sich noch sehr gut daran, daß sie bis zum Rovember 1918 kein Soalitionsrecht, kein Recht der Retriebsvertrelung, überhaupt keinerlei Einfluß auf ihre Geschicke hatten. Auch die leiseste freiheitliche Regung wurde sofort von den kaiserlichen Ministern unterbunden. Genosse Carl P o l e n s k e vom Hauptoorstanü des Gesamtver- bände? hielt den Funktionären ein instruktives Referat über den Kampf gegen den Faschismus. Er verwies dabei auf «in« interessante Episode, die sich auf der vorjährigen internatio- nalen Beamten-Konserenz in Genf zugetragen hatte. Die deutsche Delegation brachte damals eine Entschließung gegen den Gehalts- abbau in allen Ländern ein. Sofort stand der Vertreter der i t a- lienischen Beamten auf und erklärte, daß er sich an der Debatte nicht beteiligen wird, denn die italienischen Beamten seien mit dem zufrieden, was ihnen ihre Regierung gebe! Polenske erinnerte weiter an Mecklenburg-Strelitz, wo die dortige Hakenkreuzregierung die Beamtengehälter um 5 Prozent über den Abbau im Reich hinaus gekürzt hat, und er verwies auf den zähen Kampf, den der Gesamtverband in N a z i- C o- bürg um seine Existenz führen muß. So war es fast eine Selbst- Verständlichkeit, daß die Arbeiter- und Beamtenfunktionäre begeistert in den Freiheitsruf der Eisernen Front einstimmten. Dann nahm jeder einen großen Packen Flugblätter unter den Arm, um noch in den letzten verbleibenden Stunden auf allen Dienststellen un- ermüdlich zu werben für den Sieg der Liste 1! Für Liste-t? Verdienter?iGO-Reinfall bei den Gaswerken Am 28. Juli hatte der„Rote Betriebsräteausschuß" der Gas- werk« für die Abteilungen Kreuzberg und Reglereinbau eine Per- sammlung einberufen mit dem Thema:„Antifaschistische Aktion gegen Lohnraub und Faschismus oder Eiserne Front". Das Referat hielt der RGO.-Bertreter des Betriebsrates W e i n e r t. In demagogischer Art riß er die Politik der SPD. und der Gewerkschaften herunter und pries den Kollegen die KPD. als einzige Rettung aus der drohenden faschistischen Gefahr. Genosse Stiehm vom Gesamtbetriebsrat zeigte dann den Kollegen die Gefahr auf, in die die Arbeiterklasse grade durch die falsche Politik der RGO. gekommen ist. Der Wille zur Einheitsfront, der in allen proletarischen Kreisen lebendig ist, kann nicht durch solche Mätzchen und Unterstellungen erzielt werden, sondern nur durch das ehrliche Wollen zur gleichberechtigten Zusammenarbeit. Die Führung in diesem Kampf müsse natürlich nach der Stärke die freien Gewerkschaften und ihre politische Vertretung, die Sozialdemokratie bekommen und deshalb erfordere die Situation nicht vieles Reden, sondern entschlossenes Eintreten für die wirkliche Einheitsfront. Er schloß seine Ausführungen mit der Aus- forderung, deshalb am Sonntag der Liste I die Stimme zu geben. Die Versammlung nahm zum Schluß eine Resolution an, in der einleitend das Zusammengehen aller Arbeiterparteien gefordert wird, ferner, daß sich unter keinen Umständen Vorfälle wiederholen dürsen. wie bei der Reichstagswahl lS3l>, bei der die KPD. die Losung aus- gab:„der Hauptfeind ist die Sozialdemokratie". Weiter werden die Arbeiter aufgefordert, das Sondervorgchen der RGO. abzulehnen und alles zu tun, um die freien Gewerkschaften zu stärken. Dann wurde diese von der RGO. einberufene Versamm- lung mit einem kräftigen „Freiheit" für den Sieg der Liste I geschlossen. Vergebliche Mühe. KpO will die Eiserne Front brechen.. Die KPD. setzt ihr Treiben gegen„den Ha u p t f e i n d" munter fort. Die Papen-Regierung scheint ihr weniger Kopfzerbrechen zu machen als die Brüning,Regierung und die Braun-Severing-Regierung, deren Verdrängung sie mit einem Generalstreik beantwortet wissen wollte. Insbesondere haben die drei Pfeile es ihr angetan. Sie appelliert„an den fozialdemokrati- ichen Klassengenosfe n", die Einigkeit im Bunde mit ihr gegen den„Hauptfeind", gegen die Sozialdemokratie zu er- blicken und Ak t i o i t ä t zu entfalten gegen Gewerkschaften und Sozialdemokratie. Die eiserne Disziplin, die sie von ihren eigenen Parteigängern fordert, bezeichnet die KPD. als„d a s letzte Hemmnis", das die Anhänger der Eisernen Front noch davon abhalte, mit fliegenden Fahnen ins Moskauer Lager zu ziehen. Deshalb zeigt die KPD. sich so menschenfreundlich, durch ernste kameradschaftliche Diskussionen den sozialdemokratischen Arbeitern zu helfen, dieses Hemmnis zu überwinden, sie zu über- zeugen,„daß sie restlos brechen müssen mit der Politik der Eisernen Front". Die sozialdemokratischen Arbeiter sollen die drei Pfeile ab- legen, um die Siegesfahnen der Antifaschistischen Aktion— für die kommunistische List«— zu tragen. Die schmutzige Ausforderung zum Disziplinbruch bedarf keiner Zurückweisung. Auch ehrlich denkende kommunistische Arbeiter widert dieses Treiben ihrer verzweifelten Zentrale an.— Mögen sie sich einreihen in die Eiserne Front und am Sonntag mit uns für Liste 1 stimmen! politische Erpressung. Nazis gegen Beamte. Der Naziabgeordnete Sprenger hatte, wie der„Beamten- bund", das Organ des Deutschen Beamtenbundes, in feiner Nr. S3 mitteilte, in einer Beamtenversammlung in Stettin, nachdem er über die Bonzen im DBB. geschimpft hatte, wörtlich gesagt: „Sobald wir die Macht haben, und wir haben sie in einigen Wochen, dann werde ich die Parteikarleien, die ich mir rechtzeitig zu sichern wissen werde, einer sehr genauen Durchsicht unter- ziehen. Jeden Beamten, den ich in der Marxistenkortei finde, schicke ich in den Arbeitsdienst, in die Stein- bräche, in die Moorkulturen, damit er dort erst einmal arbeiten lerne im Dienste der Allgemeinheit!" Der Schluß war stets: der L a t e r n e n p fo h l! Worauf der Pg. Sprenger berichtigt. Er habe sich nur„so ähnlich" ausgedrückt, nicht von Parteikarteien gesprochen, sondern von Parteibuchbeamten und von der Kartei des ADB. Der„Be- amtenbund" zitiert nach dem amtlichen Stenogramm folgende Aeußerung des Führers der preußischen Nazifraktion Kube: „Wenn in diesen Kämpfen die drei Träger der Justiz— Anwaltschaft, Richterschaft und Staalsar, waltschast— in schärfster Form angegriffen worden sind, so will ich Ihnen, meine Herren, eins sagen, und das sage ich für das ganze Haus: Danken Sie Gott, daß ich die nationalsozialistische Fraklion führe, daß ich die Disziplin in meiner Fraktion leite. Angesichts der Art und Weife, die Sie sich jetzt herausnehmen..., oder wie dieser lächerliche Verein, der sich Preußischer Richterverein nennt, Generalversamm- lungen abhält, um sich mit mir zu beschäftigen, will ich Ihnen mit aller Deutlichkeit sagen: Sie können sich darauf verlassen, daß all diese Herren mit wehenden Talaren aus dem Tempel fliegen würden, wenn ich nicht zwischen Ihnen und dem berechtigten Empfinden des Hasses und der Wut der breiten Massen unseres Volkes stünde." Ein Beamter, der am 31. Juli den Nazis noch seine Stimme gäbe, würde sich schutzlos politischen Erpressern ausliefern. Rundfunk am Abend Freitag, den 19. Juli 1931 Berlin: 16.03 Wettstreit der Nationen in Los Angeles (R. Hoke). 16.30 Lieder. 17.00„Die Stadt und ihre Bewohner" (Dr. W. Zucker). 17.20 Das neue Buch(Prof. Dr. J. Hirsch). 17.30 An den Ufern des Grolischiffahrtsweges(W.Trojan). 18.00 Unterhaltungsmusik. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Reden zur Reichstagswahl: NSDAP.(G. Strafier). 19.33 Die Neuregelung des Rundfunks(Min.-Rat E. Scholz). 20.00 Kammerordiesterkonzert. 20.53\Vegweiser ins Wochenende. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10..Ton allerlei Reisen' (Fernanz). 22.20 Politische Zeitungsschau(Dr. J. Räuscher). Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Abendunterhaltung. Königswusterhausen: 16.00 F rauentum der germanischen Frühzeit(Gerda v. Bremen). 16.30 Aus Leipzig; Nachmittagskonzert. 17.30 Archäologische Entdeckungen im 20. Jahrhundert(Dr. v. Oppeln-Bronikowski. 18.00 Unterhaltungsmusik. 18.30 Abwanderung deutscher Industrien ins Ausland(Min.-Rat Reinshagen). 18.55 Wetterbericht. 20.00 Aus Breslau: Flötenmusik. 20.20 Aus Breslau: Minnelieder. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monafl. 96 Pf. durdr alle„T orwärts"-Boten oder die Postanstalten. üecantmoctl. für die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Td. klocke. Berlin. Lerlag: Lorwärts Lerlag E. m. d. H.. Berlin. Druck: Borwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer a Co., Berlin S® 68, Lindenftr. 3. Hierzu 1 Beilage. ii- zuanBeromentiich Kleider- und Seidenstoffe aller Art Methanisdio FeinweUem Aölersliof A.-G. billigen Preisen!! Verkanlszeit 8-5 Uhr, SonnaDenüs 8-2lltir Beriin-MientioUdisrgesteiuBs. n-lM.siM. Femspr.: mMoizn PROGRAMM für die Zeit vom 29. Juli bis 1. August KINO-TAFEL PROGRAMM für die Zeit vom 29. Juli bis 1. August ©OÖ Potsdamer Straße 38 An der Lützowslraßc. Die grausame Freundin mit Anny Ondra— Mlcky» Haus, Hof und Garten Für Jugendliche freigegeben! \V. 5. 7. 9 Uhr, S. 3. 5. 7. 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 An der Pallasstraße. Aus einer kleinen Residenz mit Lucie Englisch, A. Paulis: — Der Nacktkulturfilm: Lachendes Leben W. ab 5 Uhr, S. ab 3 Uhr Tarmstraße 12 Wilsnacker Str. 63. Ans einer kleinen Residenz mit Lucie Englisch. A. Paulig: — Tom rechnet ab mit Tom Hix W. ab 5 Uhr, S. ab 3 Uhr ■ Westen■ Primas-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. 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Pabst.— Tonwoche c Friedrlchstadt Franziskaner GaergenstxaBe(Ecke FricdrlctastraBe) 9, 1J. 3, 8. 9 Uhr Au« einer kleinen Reoidenz 10.30. 1.30, 4.30. 7.30. 10 30 Uhr Zwei Herzen im Drei- vierteitakt Keueete Tonbild-Keportage Tivoli W. 6�, 9, S. 5, 6H. C Stgs. 3 Uhr: J ugcndvorstell Berliner Straße 97. Die grausame Freundin mit Anny Ondra— Der König der Steppe > Hariendorf � Mrt Fi Mariendorfer Wo. 7, 9, Tonlichtspiele So. 5, 7, 9 Chausseesir. 305 Der Frechdachs mit Willy Frftsch, Cam. Horn, Roberts — U-Boot 13 Alhambra xonnim Hauptstraße 30 2 Tonfilme: Ein süßes Geheimnis mit Hansi STiese— Der Kö- nig der Schuhputzer Titania Schöneberg Hauptstr. 49. W. 5, letzte 9 Uhr S. ab 3 Uhr Doppelprogramm: Aus einer kleinen Residenz mit Lucie Englisch— Marco, der Clown Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinstraße 65. Beg. 7. 9 Uhr Slg. 5. 7. 9 Uhr Berge in Flammen mit Luis Trenker, Lissi Arna— Beipr. Jugendliche haben Zutritt Wilmersdorf Atrium Wochent. 7, 9*4 ü. Stg. 5. 7. 9�4 U. Kaiseraliee, Ecke Berliner Straße Uraufführung: Der Hexer mit Fr. Rasp. Haria.Solveg— Gutes Tonnciprogramm ■ st.Bim e Titania-Palast Steglitz. Schloßstr. 5. EckeGutsmuthsstr. Jonny stiehlt Europa m. Harry Piek Dary Holm. Alfred Abel Regie: Harry Piel— Tonbcipr. — Tonwocne Jugendliche haben Zutritt ��eniendork-FRN��� T�Fi Beginn tägl. 5, 7. 9 Uhr Arccl stg. 3 Uhr J ugcndvorstell. Potsdamer Str. 56. Ein toller Einfall mit Fritsch, Dor. Wieck. Rosy Barsony— Beiprogramm Charlottenburg German ia-Palast Charlottcnburg, Wilmersdorfer Str 53/54 Wochent. ab 5 Uhr, Sonnt, ab 3 Uhr Kavaliere vom Kurfürstendamm mit Friedl Haerlin. Paul Otto— Ehe mit beschränkter Haftung mit Charlotte 8nsa, Hans Moser W. ab 5 Uhr, S. ab 3 Uhr Kant-Lichtspiele Knatsti 54(aa dtr WUmersdorfer Str.) Knnitr der Schuhputzer W. ab 3 Uhr, S. ab 3 Uhr Schlüter-Theater Schlüterstr. 17. Stg. 3 Uhr: Jugd.-V. Reserve hat Ruh'!— Die große Liebe mit Hansi Niese Jugendliche haben Zutritt ■ MO.blt» Artnohnf Wochent. ab 6 Uhr FlTluSflOf Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 2 Tonfilme: Es war einmal ein Walzer mit Jlartha Eggerth— In 80 Minuten um die Welt mit Douglas Fairbanks— Tonwoche Südosten Luisen-Theater 1: � Vu Reichcnberger Str. 34. Tom nix in seinem ersten Tonfilm: Tom rechnet ab Hans Adalbert v. Schlettow in dem lustigen Tonfilm: Der tolle Bömberg Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast Köpenicker Straße 12—14 Nur noch bis einschließl. Donnerstag Ramon Novarro singt deutsch in dem Tonfilm» Der.Sänger von Sevilla Lucie Englisch in dem Tonfilm-Schwank: Aus einer kleinen Residenz Jugendliche haben Zutritt Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beginn 5, 6.30, 7.30, 9 Uhr Tom rechnet ab mit Tom 5Ilx — Der Prinz von Arkadien mit Forst, Liane Haid Noukölln Mercedes-Palast Herraannslr 212. Flucht von der Tenfelsinsel mit Colman— Hinter Schloß und Riegel mit Dick und Dof Primus-Palast sSVs'u. Am Hermannplalz, Urbanstr. 72/76. Bübnengastspief der Tanz- und Ausslatlungsrevue; So toll war es noch nie!— Im Filmteil: Harco, der Clown Treptow Treptow-Sternwarte Sonnabend g, Sonntag 4, 6, 8 Uhr: Tabu der letrte grolle Südseelilm Murnaus Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Kavaliere vom Kurfürstendamm Sittenbild der heutigen Zeit mit Olaf Fjord. Harry Frank. Friedl Haerlin. Hilde Boenisch Ferner: Erlebnisse einer acht (Abenteuer der schönen Marga) NeU'Llchtcnberg> Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70. j W.%7, 9 Uhr. Stg 5. 7.0. Uhr Ein toller Einfall mit Willy Fritsch— Herz in Sansse« mit Jakob Tiedtke— Em« D Ton woche Friedrichsfelde Kinn Rnsrh Wochentags 6 Uhr lilno DUSCn Sonntags ab 5 Uhi Alt-Friedrichsfelde 3 Ein Lied, ein Kuß. ein Tlädel mit G. Fröhlich, 31. Eggerth, Ose. 8ima. P. Morgan— Tonwoche— Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt. ** Prenzlauer „Hyswm Allee 56 Wochent. ab 6� Uhr. Sonnt, ab 4 Uhr Der Rächer des Tong— Lic- bcslied mit Renate Müller, G. Fröhlich I nnn.Pnln*F Woch. 5 Uhr LiUnu-raiaSl Sonnt ab 3 Uhr Gr Frankfurter Str. 121. Die Flucht von der Teufels Insel mit Ronald Colman— Der Wilddieb mit Brink— Tonw. Schwarzer Adler au«1» W 5. 7. 9 Übt S 3 4. 7. 9 Uhr Buffalo Bill mit Tom Tyier Beide Teile in einer Vorstellung Jugendliche haben Zutritt Viktoria- Theater& Frankfurter Allee 48 Großtoni.: Die Vier vom Bob 13 m. Greti Theimer, W. Fütterer Großes Beiprogramm Flora-Lichtspiele Wucht. 5.45. ca 7. 8.45 Stg ab 3 Uhr Der Rächer des Tong Aus einer kleinen Residenz ■ Norden» Mflllerstraße 136. Alnamora Ecke Seeslraße Ein süßes Geheimnis tu Hansi \iese— Vater gehl auf Reisen mit Hans Baßmann W. ab 5 Uhr. S. ab 3 Uhr Palast-Theater Breite Str. 21a. W. 7. 8.30 Uhr Sonntags ab 4.30 Uhr Die grausame Freundin mit Anny Ondra, W. Fütterer— Irrwege des Bebens mit Joan Crawlvrd (Beilage Freitag, 29. Juli 1932 9i*r Atari) %alan±gaße Jet[oraärü 3>ie&rau im»3>riUen3leich B«8 3€akenkreus,programm der„StaffenmucM" Sie heulen auf... weil ihre„Slulen Politik" ans£icht gesogen wurde Von Käthe Kern Der„Angriff" regt sich am Mittwoch auf über die kleine Broschüre„Frauen aufgepaßt!" die der sozialdemokratische Bezirks- verband Berlin zur Aufklärung der Frauen über die ZielederNazis herausgebracht hat. Weil da einmal aufgezeigt wurde, wie die von den Nazis angestrebte„Raffen- und Familien- Politik" aussehen würde, versteigt sich das Goebbels-Blatt zu der Behauptung, die— Sozialdemokratie habe„das Edelste, die Mutterschaft, zur verlogenen W a h l p r o p a g a n d a mißbraucht". In seiner Wut über die Entlarvung bezeichnet er die Broschüre als„gedruckten M i st h a u f e n" der„ungeheuerliche Beschimpfungen der deutschen Frauenehre" enthalte. Der junge Mann, der das geschrieben hat, verleugnet dreist die von maßgeb- lichen Führern der Nazis vertretenen Rassentheorien. In der kleinen Frauenbroschllre sind lediglich die Vorschläge des Herrn Darre, des Leiters der landwirtschaftlichen Abteilung der Reichsleitung der Nazis, wiedergegeben. Bei dem geringen Raum mußte die Broschüre sich auf eine ganz knappe Darlegung be- schränken. Die dreisten Ableugnungsversuche aber geben Veran- lassung, zur Beweisführung aus die„Z u ch t v o r s ch l ä g e", die Darre in seinem bei I. F. Lehmanns Verlag, München, er- schienenen Buch„Neuadel aus Blut und Boden" gemocht hat, noch einmal zurückzukommen. Dort teilt er auf Seite 170 die Mädchen in vier Klassen ein: es heißt dort: „Klasse 1: Ihr werden diejenigen Mädchen zugerechnet, deren Verehelichung in jeder Beziehung wünschenswert erscheint. Um in dieser Klasse auch tatsächlich nur immer das Beste zu s a m m e l n. sei als H ö ch st g r e n z e für jeden Jahrgang bestimmt. daß nur ein begrenzter Hundertsaß, etwa 10 Proz., aus der Schar der zur vollen<�he Tauglichen, in ihr Ausnahme finden. Klasse 2: Ihr wird der Rest aller derjenigen Mädchen zugeteilt, deren Verehelichung im Hinblick auf die Nachkommenschaft keinerlei grundsätzliche Bedenken entgegenstehen. Klasse 3: Ihr werden diejenigen Mädchen zugeteilt, gegen deren Derehelichung au- sittlichen oder staatsrechtlichen Gründen keine Be- denken vorliegen, deren erbwertiger Zu st and aber in jedem Falle eine Unterbindung von Nachkommenschaft ver- langt. Diesen Mädchen wird man die Ehe— gestatten, wenn die Kinderlosigkeit ihrer Ehe gewährleistet ist.(Sterili- sation!) Klasse 4: Sie nimmt alle diejenigen Mädchen auf, gegen deren Verehelichung grundsätzlich schwere Bedenken vorliegen, ja daß man von ihnen nicht nur keine Nachkommenschast wünscht, sondern sich gegen ihre Verheiratung als solche wenden muß weil dadurch der Begriff einer deutschen Ehe entwürdigt würde. Hie t gehören einmal alle Geisteskranken, dann öffentliche Dirnen, dene x ihre Ahnentafel das Gewerbe schon vorzeichnet, weiterhin rückfällige Verbrecherinnen usw.— Dieses nur als besonders Hand- greiüiche Beispiele erwähnt.— Aus Gründen der Folgerichtigkeit gehören hierher zunächst auch alle unehelichen Kinder un- bekannter Herkunft. Diese sind in jedem Falle für den Volks- körper im höchsten Grade gefährlich." Darre schlägt weiter vor, neben den alten Adelsgeschlechtern einen Neuadel auf„H e g e h ö f e n" zu züchten. „lierzüchterische Tatsachen" sind für ihn„Erkenntnisquelle und Anleitung" für die Aufnordung des de llschen Volkes. Aber nur wenige deutsche Frauen würden Gnade, oor den Augen der nach seinem Vorschlag einzusetzenden und mit sta itlichen Befugnissen auszustattenden„Z u ch t w a r t e" finden. Bei ber Klasseneinteilung der deutschen Mädchen geht Darre von der F.'llung in W i n ck e l s Frauenkunde aus, daß von IVO deutschen Fl K' i nur noch 14 im Besitz ärztlich als einwandfrei begutachteter Fl s j.anzungskörperteile seien, 86 dagegen unnatürlich gebaut oder kra? wären. Doch selbst diese 14 läßt Darre noch nicht gelten. Aus Seite 165 trifft er mit folgenden Worten eine weitere Ein- schränkung:„Diese 14 von 100 gebärfähigen Frauen sind ja zwar gebärtllchtig, nicht aber notwendigerweise auch sonst die Besten Jlufruf ?n diesen Tagen, da ein übermächtiges Geschehen durch alle Länder, alle 5tädte, alle Dörfer braust. erhebe deinen Blick, du Krbeitsvolk, um klar zu sehen, daß dich die Willkür packen will mit roher Taust. Sie will dich zwingen in ein unbarmherzig Doch, aus dem du dich in Jahren, in Jahrzehnten nicht befreist. Sie will die Lasten, die du trägst, endlos oermehren noch. dich gänzlich unterdrücken, knebeln deinen Geist. Blick um dich.— steh, schon lächeln hämisch deine Schergen, aus ihren Bugen grinst des Henkers frecher Hohn. Sie können ihre lüsterne Erwartung nicht verbergen, ste wähnen dich bezwungen und geknebelt schon. Du Biese Brbeitsvolk, nun rege machtvoll deine Glieder, du bist noch immer, wenn du willst, ein strafender Titan. verjage die Bedränger deiner Treiheit, zwing sie nieder, du Haft die Kraft dazu, pack ste mit Gifenhänden an! Laß nicht von dem Geschrei der Gegner dich beirren, sie machen mit Gelärm sich selber Mut,— laß deines Zornes Pfeile auf ste niederschwirren, schwing deinen Hammer mit entjchlotznem Mut! Sie mögen sich mit allen dunklen Kräften rings oerbllnden und skrupellos sich zeigen in der Mittel Wahl—, ste werden dir das Banner nicht entwinden, das rote Treiheitsbanner, deines Herzbluts flammendes Tanal. Beck dich empor, laß olle falsche Bücksicht fallen, wirf deine Gegner in den Sand in rascher, kühner Tat! Laß trotzig deinen Jreiheitsruf erschallen.— du bist, wenn du nur willst, unüberwindlich. Proletariat. ZV alter DehmeL unseres Volkes. Mit Sicherheit kann angenommen werden, daß ein großer Teil dieser 14 Proz. nichtdeutsches, ins- besondere das für uns völlig wertlose polnisch- slavische Blut in sich führt..." Diese ganze Rassentheorie läuft auf weiter nichts hinaus, als eine neue Herrenschicht so zu züchten, wie man vielleicht Pferde oder Hunde züchtet. Einer bestimmten Schicht im Volke sollen alle Vorteile und Vergünstigungen zwecks„Verbesserung der Rasse" ge- währleistet sejn. Die Arbeiter aber dürfen sich nach wie vor in ihren Kräften erschöpfen. Die Sozialdemokratie hat gegen eine vernünftige Geburten- regelung zum Zwecke der Hebung der Volksgesundheit nichts einzuwenden. Aber sie wendet sich dagegen, daß nur für eine dünne Schicht des Volkes günstige Daseins- und Entwicklung?- bedingungen da sind. Aus diesem Grunde hat die Sozialdemokratie seit Jahrzehnten den Kampf um die Hebung der Lebenshaltung der Arbeiterschaft geführt und sich für«ine umfassende Mutter- und Säug- lingsfürsorge und Bekämpfung der Volkskrankheiten ein- gesetzt. Diesen Bemühungen der Sozialdemokratie ist es zu verdanken, wenn in der Republik die Säuglingssterblichkeit und die Todesfälle an Tuberkulose zurückgegangen sind. Im übrigen aber sind wir der Auffassung, daß eine Partei, die den Mord am politischen Gegner zum Prinzip erhoben hat, nicht berechtigt ist, breite Volksschichten als„Unter- menschen" abzutun. Daß Millionen Arbeiter und ihre Nachkommen ihrer körperlichen Beschaffenheit nach nicht als«rstrafsig bezeichnet werden können, ist nicht ihre Schuld, sondern Folge des kapi- talistischen Ausbeutungssystems, das den Unter- nehmern wohl Erholung und kostspielige Badereisen gewährleistet, die Arbeiter aber durch lange Arbeitszeit oder durch Arbeitslosigkeit zermürbte. Erst in der Republik sind auch den Kindern der Prole- tarier Spiel- und Sportplätze und Grünflächen geschaffen worden, um sie vor der Verkümmerung in den engen Höfen der Mietkasernen zu bewahren. Und gerade diese posilivm Leistungen der Republik für die Hebung der Volksgesundheit werden von Rationalsozialisten und Deutschnationalen als„marxistische Mißwirtschaft bezeichnet! Jede Frau, jedes Mädchen gehört in die Reihen der Sozial- demokratie. Alle müssen mit uns gegen Knechtschaft für Freiheit kämpfen. Am 31. Juli wählen Mütter, Frauen und Mädchen Liste 1: Sozialdemokraten. �llerhl es euch, grauen! generallügen der fflakenkreu&ler/ Ton malhilde'Wurm Die nationalsozialistische Presse veröffentlicht in ihrer Wahl- kampagne in großer Aufmachung„Sechs Generallügen der System- Parteien" über die Stellung der Nazis zur Frauenfrage und ihre sogenannten„Widerlegungen". Diese Antworten sind«ine einzige Schlammflut an Lügen. Alles, was sie an unzähligen Stellen gesagt und geschrieben, ist plötzlich vergessen, die Nazis werden als die einzig wahren Frauenfreunde hingestellt, die den Frauen im Dritten Reich das Himmelreich auf Erden bringen werden. Aber w i r haben nicht vergessen, wie die braunen Helden über die Frauen urteilen, welche Rolle sie ihnen zuerteilen. Aber auch die Wähler und oor allem die Wählerinnen dürfen es am 31. Juli nicht vergessen. Sie müssen den Lügnern die richtige Ant- wort geben! Sehen wir uns It�shalb die angeblichen Generallllgen der Systemparteien noch einmal an: 1. Es ist angeblich nicht wahr, daß die Nazis Frauen und Schwache verelenden lassen:„Die Systemparteien haben Deutschland so ins Elend geführt, daß nicht nur Alte, sondern auch Kraftvoll« und Junge ihrem Leben verzweifelnd ein Ende machen. 15 000 Selbstmorde jährlich, Hunderttausende von Kindern, die nicht geboren werden können, 40 000 Frauen, die jährlich an der Abtreibungs- seuche sterben: die beste Quittung für das Beglückungsprogramm der Systemparteien." Das wagt diejenige Partei zu schreiben, die den Selbstmord verherrlicht und als höchste Tugend preist! Der nationalsozialistische Schriftsteller Ernst Mann äußert in seinem Buch„Die Moral der Kraft": „Selbstmord ist die einzige Heldentat, die Kränklingen und Schwächlingen übrigbleibt. Jeder, dem es zum Bewußtsein kommt, daß er nie vollste Kraft, Gesundheit, den vollen Gebrauch seiner Gliedmaßen erreichen kann, soll seine Willenskraft zusam- mennehmen, um sich von der Last seines Lebens durch den frei- willigen Tod zu befreien, und wäre es durch konstante Nahrungsverweigerung, wenn er sonst aller anderen Mittel zum Selbstmord beraubt ist. Für jeden Schwächling, für jeden mit chronischer Krankheit oder mit Berkrüppelung Behasteten ist Selbstmord heilig st e Pflicht sich selbst und seinen Mitmenschen gegenüber." Die Regierung der Nazibarone kürzte mit einem Federstrich die Unterstützungen der Erwerbslosen um 200 Millionen Mark, die Renten der Kriegsopfer um 100 Millionen Mark. Diese Regierung wird von Hitler toleriert. Trotzdem lügen die Nazis in ihrem Generallügen-Artikel dreist: Die Nationalsozialisten planen einen großzügigen Ausbau der Altersversorgung, sie haben die Kinder zum kostbarsten Gut eines Volkes erklärt, sie setzen sich ein für eine ausreichende Versorgung der Kriegsinvaliden, der Kriegerwitwen und-waisen." So führen sie die Massen in die Irre, weil sie glauben, es wäre nicht bekannt geworden, daß ste an die Stelle der Arbeitslosen- Versicherung die Nothilfe treten lassen wollen mit 60 Pf. pro Tag und Person, über deren Gewährung die zuständige Sektion der NSDAP, entscheiden soll. 2.„Wir denken nicht daran, die Frauen aus unserer gemein- samen Arbeit herauszunehmen", ist die zweite Widerlegung der „Generallllgen". Daß der nationalsozialistische Abgeordnete Esser in einer Ver- sammlung in Stuttgart für den Fall der Machtübernahme Not- Verordnungen ankündigte, durch die„Frauen und Mädchen aus den öffentlichen Betrieben geworfen werden sollen", haben sie offenbar vergessen. Und sie wollen auch nichts wissen von der Rede Gregor Straßers auf dem Kongreß der Nazi-Aerzte im Dezember 1931 in Leipzig, in der er sagte, daß die Frau aus dem Produktionsprozeß verjagt werden müsse und daß man ihr im Dritten Reich beibringen werde, mit dem Gelde. das der Mann nach hause bring», auszukommen. Wurst und Weißbrot werden verschwinden, dafür wird die gute alte Erbsensuppe wieder zu Ehren kommen!" Das ist die„gemeinsame Arbeit", von der der Abg. Buch im„Völkischen Beobachter"(Nr. 281) schreibt: „Ihr Frauen habt in er st erLinie Bluthüterinnen zu sein, und nur ganz wenige Berufe kommen für euch in Betracht!" 3. Es ist nicht wahr, daß die Nazis die Frauen«ntrech- ten wollen, heißt es weiter in dem erwähnten Artikel:„Wer arbeitet. Mann oder Frau, im eigenen Heim oder im Beruf, ist vollberechtigter Staatsbürger des Dritten Reiches". Aber Alfred Rosenberg schreibt in seinem Buch„Der Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts": „Ein deutsches Reich der Zukunft wird die kinderlose Frau— gleich ob verheiratet oder nicht— als ein nicht vollwertiges Glied der Volksgemeinschaft betrachten" Und Adolf Hitler in seinem Buch„Mein Kampf": „Nur die verheiratete Mutter soll als Staatsbürgerin nicht weniger entrechtet sein als die Männer". 4. Es sei nicht wahr, lügen sie weiter, daß der Nationalsozia- lismus als reine Männerbewegung die Frau zur Be- deutungslosigkeit herabdrllcken und sie nur noch als Gebärmaschine werten wolle. Aber im„Angriff" vom 28. Januar 1931 schreibt eine Frau(!): „Trotz aller modernen Lehren von der Gleichberechtigung der beiden Geschlechter... freut es uns Frauen, daß der Nationalsozialismus eine rein männliche Bewegung ist." Goebbels erteilt der Frau bekanntlich die Ausgabe zu, schön zu sein und Kinder zur Welt zu bringen. In der Zeitschrift„Der Hammer" will der Nationalsozialist Dr. Willibald H e n t s ch e l die Frau nicht nur zur Gebärmaschine, sondern zur Zuchtstute er- nidrigen. Er schlägt vor,„Herdenbllcher für nordische Edelbullen" zu führen.„Hundert erstrassige deutsche Männer" sollen zu tausend «rstrassigen deutschen Mädchen getan werden, auf diese Weise könne man„hunderttausend Kinder mit hervorragenden Erbwerten auf einen Hieb" erzeugen." Aber vielleicht haben die Nazis gar nicht so unrecht: nur eine Frau, die sich als Stube fühlt und benutzen lassen will, kann nationalsozialistisch wählen! 5. Es sei nicht wahr, wird weiter behauptet, daß die National- sozialisten die Frau aus dem staatlichen Leben ausschalten wollen. „Es ist klar, daß ein grundsätzlich zugestandener, dauernder staatlicher Einfluß der Frau den Beginn des offen- kündigen Verfalls darstellen muß", schreibt Rosenberg in seinem Buch, und in den„Nationalsozialisti- schen Monatsheften" heißt es: „Die nationalsozialistische Bewegung ist der Anschauung, daß die Frau im Parlament und als politische Führerin eine unerquickliche Erscheinung darstellt." Aber nicht besser sind die Naziftauen selbst. Sie schätzen zwar sich selbst, aber nicht die Mehrheit der Frauen richtig ein, wenn sie in ihrer Frauenzeitschrift„Der Opferdienst der deutschen Frau" schreiben: „Der politische Wille äußert sich immer nur mit verstand, und hier allerdings ist die Zrau nicht am Platze." 6. Und schließlich erklären die Geüerallügner: „Wir kennen keine Männerrechte und keine Frauenrechte, wir kennen für beide Geschlechter nur e i n Recht." Wie sieht dieses eine Recht aus? Gottfried Feder sagt es deutlich: Die Frau muß wieder Wagd und Dienerin werden, und in dem Frankfurter Naziblatt heißt es: „Unseren Wännern ist der Typus der dienenden Zrau des schafsenden deutschen Wenschen oder Soldaten der tausendmal liebste und wertvollste." Das Ganze nennen sie dann„Würde und Reinheit", die sie der deutschen Frau, das„neue, freie, frohe Vaterland", das sie den deutschen Kindern schenken wollen. So sollen„Glaube, Lieb« und Ehre zu Grundpfeilern des deutschen Volkstums" gemacht werden! Erniedrigung der Frau zur Zuchtstute und Dirne, Mord an Kindern, Selbstmord als Ausweg aus der Not, Verbannung der Frau aus politischer und beruflicher Arbeit—— das ist der ZukunftStraum deS Dritten Reichs, den sie mit Phrasen und hochtönenden RedenS- arten verbergen wollen. Keine Frau darf ihren Lügen Glauben schenken, ihr frevelhafter, barbarischer Wille muß zujchanden werden, er muß zerschellen an dem Einsatz aller Kräfte für die 1 der Sozialdemokratischen Parteil Die Macht der Stimmzettel Der 31. Juli ist Entscheidun�sta� Als das Kabinett der Barone in Preußen seinen Kommissar ein- gesetzt hatte, da hat wohl mancher aktive Genosse einen Augenblick lang den Gedanken gehabt, ob man denn nicht dieser Gewalt mit dem gleichen Mittel begegnen müsse. Bei ruhiger Ueberlegung wird aber gewiß jeder sich bald überzeugt haben, daß die einzig mögliche Abwehr im Gebrauch des Stimmzettels liegt, und daß das Verhalten der Arbeiterschaft geleitet sein mußte von der Ueber- legung, die Reichstagswahl nicht zu gefährden. Der Gebrauch des Stimmzettels ist freilich äußerlich weniger heroisch als die An- Wendung von Gewalt, aber es ist doch so, daß am nächsten Sonntag durch den Stimmzettel über Deutschlands Zukunft entschieden wird. Wer an der Macht des Stimmzettels zweifelt, der denke einmal darüber noch, auf was sich die Macht der chitlerbewegung gründet. Es ist nicht schwer zu erkennen, daß diese Macht in der Tat auf dem Stimmzettel beruht. Ohne seine Wahlerfolge wäre Hitler noch heute ein kleiner Münchener Putschling ohne politischen Einfluß. Erst der Stimmzettel hat aus dem Schwätzer einen Bolkstribunen gemacht. Die Nazis wissen das selbst und betreiben deshalb den Wahl- kämpf mit dem bekannten Eifer. Die Hitlerbewegung steht und fällt mit dem Wahlerfolg des nächsten Sonntags. Und es gibt nur ein Mittel, Hitler einen entscheidenden Schlag zu versetzen, das ist ein sozialdemokratischer Wahlerfolg. Darum war es nötig, daß jeder Gedanke daran, der Gewalt mit Gewalt zu be- gegnen, abgewiesen wurde; denn wäre auch nur der Versuch unter- nommen worden, dan hätte das den Vorwand dafür abgeben müssen. die Wahlen nicht stattfinden zu lassen. Warum ich diese Feststellung gerade an dieser Stelle treffe? Weil einem Teil der kommunistischen Führung, die bisher immer laut nach der Beseitigung der sozialdemokratischen Minister und Beamten geschrien hat, plötzlich die Erleuchtung gekommen ist, die Eiserne Front hätte jetzt gegen die Amtsenthebung Gewalt an- wenden sollen. Natürlich befindet sich bei diesem Teil der Kommu- nisten auch die sogenannte Sportführung, die jeden kommunistischen Unfug getreulich mitmacht. Ich habe vollstes Verständnis für die Empörung unserer Genossen über das beschämende Vorgehen der Reaktion in Preußen. Aber jene Leute, die durch ihre Hetze es erst zu dieser Herausforderung gebracht haben, sollen nicht davon schwätzen, daß wir vor der Reaktion kapituliert hätten. Es ist möglich, daß die nationale Reaktion dank der Hitlerfchen Tolerierung sich eine Zeitlang am Ruder hält. Vergessen wir aber nicht, daß sie sich ausschließlich auf das Wahlergebnis stützen muß. Der Stimmzettel hat sie e m p o r g e t r a g e n, der Stimmzettel wird sie wieder von ihrer Höhe herabstürzen. Darum muß der letzte Mann an die Urne ge- bracht werden, es geht nicht nkkb um Deutschlands, es geht um Europas Zukunft.„Diese Tage schreiben Weltgeschichte", sagte Carl Seoering dem Herrn v. Papen. So ist es! Und wir Arbeits- sportler in der Eisernen Front wollen dabei mitgewirkt haben. k'ritr Wildung. Ae&eäec-fuß&ail 1. gegen 3. Bezirk Zu einer ständigen Einrichtung ist jetzt das Spiel zweier Aus» wahlmannschaften des ersten gegen den dritten Bezirk im 1.(Berlin- Brandenburger) Kreise geworden. Morgen, Sonnabend, findet in Neukölln auf dem Tasmania-Sportplatz in der Grenz-Allee die dies- jährige Begegnung statt. Im vergangenen Jahr mutzte der erste Bezirk mit 7:2 eine unverdient hohe Niederlage einstecken, und es erhebt sich die Frage, ob es in diesem Jahr wieder so kommen wird? Die Mannschaft des dritten Bezirks hat bereits des öfteren zu- fammen gespielt, so daß sie dadurch einen großen Vorteil hat. Aber der erste Bezirk oerfügt über eine Läuferreihe und Hintermann- schaft, die wohl zu den stärksten des Kreises zählt. Die Mannschaften werden in folgender Aufstellung antreten: 1. Bezirk: Alinger Lichtenberg I Ziems Sani Vorher spielen zwei Jugend- L. Bezirk: Leginn des Spiels 18,30 Uhr. Mannschaften. In der Christianiastraße erhält Hansa 31 den Besuch des Baumfchulenweger Sportvereins. Die Hanseaten werden sich sehr anstrengen müssen, wenn sie den Kampf, der um 18 Uhr beginnt, gegen die aufstrebenden Baumfchulenweger gewinnen wollen. Um 16,30 Uhr spielen die zweiten Mannschaften. Eintracht-Reinickendorf sucht zum Donnerstag, 4. August, spielstarken Gegner auf eigenem Platz. Angebote an K. Barczewski, Berlin-Reinickendorf, Eichbornstr. 34, oder Tel. V9, Reinickendorf 1043. der Rhön 16 Siunden-Scgelflug Trotz der tätlich verlaufenen Unglücksfälle sind die Segel- fliege r in der Rhön unermüdlich weiter dabei, ihren Sport zu huldigen. Sie haben es bisher auf 430 Flüge gebracht, die in den letzten Tagen besonders dem Gedächtnis des kürzlich ab- gestürzten Günther Grönhoff galten. Bei den Streckenflügen der Leistungsklassen I und II über 40 bzw. 25 Mindestkilometer legte der am Donnerstag um 19 Uhr in Eisenberg(Thür.) mit seinem„Musteller" gelandete Wolf Hirth 160 Kilometer zurück, während der Wiener Kronfeld auf„Wien" 63 Kilometer und Peter Rieder auf„Rhönadler" sowie Roehm auf „Württemberg" je 45 Kilometer schaften. Den mit 1500 M. aus- gestatteten Höhenpreis mit einer Mindesthöhe von 2000 Meter sicherte sich der Stettiner Mayer, der mit seinem Apparat „Pommernland" eine Höhe von 2200 Meter erreichte. Oberleutnant H e n t s ch e l von der Flugpolizei in Kassel unternahm am Donners- tag mit seinem Apparat„Max Kegel" vom Dörnberg bei Kassel einen Rundflug, bei dem er sich 16 Stunden und 9 Minuten in der Lust befand. Damit hat Hentschel den im Mai 1927 von Ferdinand Schulz in Rojsitten mit 14 Stunden 7 Minuten auf- gestellten Weltrekord im Dauer-Segelfliegen um über zwei Stunden verbessert. Allerdings wurde im Dezember vorigen Jahres aus Amerika eine Dauerleistung von 21 Stunden 34 Mi- nuten des amerikanischen Fliegcrleutnants A. Cooke gemeldet, die aber bis heute noch keine Bestätigung gefunden hat. Die lonr de France Von Metz nach Charleville Auf der 18. Etappe der T o u r de France, die am Donners- rag von Metz über nur 159 Kilometer nach Charleville führte, machten die Fahrer die Bekanntschaft des berüchtigten Kopsstein- Pflasters der Straßen in der Nähe der belgischen Grenz«. Die an das Pflaster gewöhnten Belgier oersuchten zwar eine Offensiv«, die jedoch ergebnislos verlief, denn die Spitzenreiter ließen sich nicht abschütteln. Nach einer Fahrzeit von 5: 09: 48 erreichte eine 32 Mann starke Spitzengruppe geschlossen das Etappenziel. Den Endspurt gewann L e d u c q gegen Di Paco, Loncke, Stöpel, Speicher, Morelli, Ronss«, Wauters und Borthelemy, die übrigen 23 Fahrer, darunter auch die Deutschen Thierbach, Bulla, Sieronski und Geyer wurden auf den 10. Platz gesetzt. Umbenhauer und Altenburger besetzten in je 5: 11: 16 den 35. bzw. 43. Platz: Risch traf in 5: 20: 46 als 59.«in. Durch den Etappensieg in Charleville hat Andrö Leducq seinen Vorsprung im Einzelklassement gegen- über Stöpel auf 22: 03 vergrößern können, ihm ist ohne Zwischen- fälle der Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen. Länderwertung: 1. Frankreich 398: 32: 06; 2. Italien 398: 41: 28: 3. Belgien 398: 57: 10: 4. Deutschland 399: 14: 35: S. Schweiz 402; 23: 15. Auf Grund eines Protestes ist der Franzose Andre Leducq seines Sieges in der 18. Etappe der Tour de France von Metz »ach Charleville oerlustig gegangen: er wurde vom 1. aus den 9. Platz distanziert. Etappensieger wurde somit Di Paco, neben dem noch Loncke und Stöpel von den Zeitgutschriften profitieren: Stöpel bekam eine Minute gutgeschrieben, so daß sich der Abstand zwischen ihm und den führenden Leducq auf 17: 03 verringert hat. Krach in Dos �n�eles Nurmi-Meldung zurückgewiesen Den Auftakt zu den Olympischen Spielen in Los Angeles bil- beten die Kongresse der verschiedenen Verbände. Einen geradezu sensationellen Verlauf nahm der Kongreß des internatio- nalen Leichtathletit-Verbandes, der die Meldung des finnischen Meisterläufers Paavo Nurmi zurückweisen wird. Die finnischen Delegierten verließen darauf unter Protest die Sitzung, jedoch glaubt man in Los Angeles nicht daran, daß die Finnen ihre Drohung wahr machen werden, nämlich im Falle einer Nichtzu- lassung Nurmis auch sämtliche anderen Aktiven zurückzuziehen. Das internationale Olympische Komite beschäftigte sich auf seiner von dem Präsidenten Graf Baillot Latour-Belgien geleiteten Eröffnungssitzung im Rahmen der Amateurfrage ebenfalls mit dem Fall Nurmi. Man faßte vorerst noch keine Entscheidung, sondern will erst noch prüfen, ob der internationale Verband oder die Landesverbände die Jurisdiktion über die Athleten haben. Am Mittwoch nach der Wahl! Im Friedrichshain findet am 3. August ein Abendsport- fest de» Vereins für Leibesübungen Ostring statt. Nach langer Pause findet damit wieder eine leichtathletische Veranstaltung der Arbeitersportler statt. Di« großen zentralen Veranstaltungen und die Wahlarbeiten ließen eine Pause eintreten. Das Abendsportfest soll mit dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit der Aktiven unter Beweis zu stellen. Nur wenige Wochen sind es noch bis zu den Bundesmeisterschaften, die diesmal am 13. und 14. August in Dres- den ausgetragen werden. Nur wenige Berliner können die Fahrt dorthin antreten, denn die Not des einzelnen ist groß und auch in den Vereinskassen herrscht Ebbe. Im Friedrichshain wollen sich die Berliner Leichtathleten vorher noch ein Stelldichein geben, um ihre Leistungen festzustellen. In den früheren Iahren hatte der 1. Kreis bei den Bundessportfesten immer ein ernstes Wort mitzureden. In den Stafetten werden die besten Mannschaften ihre Kräfte messen. Ferner finden noch einige Einladungswettkämpfe und Einzelwett- kämpfe statt. Die Alterssponler haben sich neben der Leichtathletik noch Faustballspiele reserviert. Das Fest beginnt um 18 Uhr. Er- wachsene zahlen 20 Pf., Erwerbslose und Jugendliche 10 Pf. Ein- trittsgeld._ Hiemez Sp&d i/m* ü&maii Der Tennisclub„ Schwarz-Rol-Gold" wird in diesem Jahre sein traditionelles Verfassungsturnier auf den klubeigenen Plätzen am Aous-Eingang durchführen. In der Zeit vom 6. bis 13. August werden insgesamt neun verschiedene Konkurrenzen ausgespielt. Nach den bisher vorliegenden Meldungen verspricht auch das dies- jährige Turnier einen vollen Erfolg. Die Ausschreibungen sind für Interessenten kostenlos erhältlich durch die Geschäftsstelle des Tennis- und Wintersportclubs„Schwarz-Rot-Gold", Berlin-Charlotten» bürg 9, Königsweg 1/3, Telephon Westend 7751. Viktoria— V'enna schon am Sonnabend. Der Vorstand de- Verbandes Brandenburgischer Ballspiel-Vereine Hot Viktoria 89 die Genehmigung erteilt, das Spiel gegen Vienna-Wien bereits am Sonnabend auszutragen. Der Kampf wird um 18 Uhr auf dem Preußen-Platz beginnen. Interessant ist dabei, daß der Deutschs Fußball-Bund das Spiel nur für Sonntag genehmigt hat� und auf Nachfrage die Antwort erteilte, daß eine Genehmigung für Sonn- abend keinesfalls in Frage käme. Der VBB. wird sich in dieser Sache also mit dem Bund noch auseinanderzusetzen haben. Iviedererössnung von Ruhleben. Nach Beendigung der mit großem Erfolg durchgeführten Moriendorfer Abendrennen wird das Hauptquartier des Berliner Trabrennsports wieder auf einige Zeit nach Ruhleben verlegt, wo heute Freitag di« erste Bei- anstaltung steigt. Grönhoff» Begräbnis. Am Donnerstag wurde in F r a n k f u r am M a i n der abgestürzte Segelflieger Günther Grönhoff bestatte Tausende gaben ihm das Geleit. Ein Geschwader der Lufthanj kreiste über dem Friedhof und warf Blumen ab. ÜmdtsbMAt VueiM iciieu wi: ________________ I Zur Kundgebung der Eiserne» Front, heut« im Stadion Neukölln, Leinestr.. treten die Hundertschaft-mitzlieder am Ärbeiierfvoritartell Wedding. Freitag, im Stadion Neukölln,.......... V»-----------———■ Stellplatz 2, links vom Haupteingang Oderstr., um 19 Uhr, an. Alle Sportler des Bezirks schließen sich an. �~. Junten aus. Dafilr Juli: Photoarbeits- ocmeinschaft Franke," M schaft Neukölln, Berc Allee 307. Faltbootat.. Südost, Manteusfelstr. 7: Liederabend. Charlottenbura. Spreestr. 30: Sing- Linetaplatz- gust. Malgemeinschaft Manteufselstr. 7, Die Herstellung des Diapositia. - a?' 1 Photostammabt. Johannisstr. 15: Wetter für Berlin: Schwüles, meist wolkiges Wetter mit Neigung zu einzelnen Regenfällen und örtlichen Gewittern, mäßige füdwest- liche Winde.— Für Deulschlavd: Im Süden vielfach heiter und ziem- lich warm, im übrigen Reiche wolkig und schwül, einzelne Regenfälle und namentlich in der westlichen Reichshälfte örtliche Gewitter. Butteiwoß' Handlung Achtung! Friedrlshshagen und Umgegend Am Sonnabend/ dem 30. 7. wird in Priedrichshagen, Friedrichstraße 97, eine MM W KTH ALLE eröffnet. Leser des„Vorwärts" unterstützt dies Unternehmen, Sämtliche Lebensmittel werden zu den allerbilligsfen Tagespreisen verkauft. verhautszelt täglich 8- i und 4- 7 Uhr. sonnabends durchgehend von s- 7 unr.