Morgenausgabe Nr. 355 A 175 49. Jahrgang Wöchentlich 75 Pf. monatlich 3,25 M. (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug S,S7 M. einschließlich so Pf. Pouzeitungs» und 72 Pf. Pvftbestellge- bilhren. Auslandsabonnement 5,S5 M. pro Monat! für Länder mit ermäßig- tem Druckfachenporto 4.85 M Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Erfatp Erfcheimmgsweife und Anzeigenpreise stehe am Schluß des redaktionellen Teils Veettnev Voissbßatt Eonnabend 30. 3uli 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Jentvawrgan der«Aoziatdemotratischen Kartei Deutsch,-...'.. Redaltion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 k�ernspr.: Dönhoff(A 7) 292— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdeviokrat Berlin, Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 ö3S.— Banvomo: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.Didc.-Ges., Depositenk., Jernsalemer Str. WIKS ttolt eisz IrsibdoK! Der letzte Tag gehört ganz der Partei! j?eute ist viel zu tun! Der legte Tag vor der Wahl ist der wichtigste. Torheit zu glauben, alle wüßten schon, wie sie morgen wählen werden! Bei allen Wahlen gibt es Massen, die bis zum letzten Augen- blick schwankend sind. Man nennt sie das Treibholz— die sli rkere Strömung nimmt sie zuletzt mit. Roch nie Hat e s bei einer Wahl soviel Tre bholz gegeben wie bei dieser. Bon den großen Parteiblocks lösen sich unter dem Druck der politischen Er?igmsse Massen ab, sie wissen noch nicht wohin. Bon der Starte der vorhandenen Strömungen hängt es ab, ob sie do> hin zurückkehren, woher sie gekommen sind, oder ob sie and'swo Anschluß finden. ' ie Parole des letzten Tages lautet: H o l t d a s T'r e i b- h o! Diese Leute kommen nicht in unsere Versammlungen. Un Flugblätter lesen sie nicht, oder sie tun es mit Miß- tto. Rur das überzeugende Gespräch kann sie zü un bringen. •i/as, sind keine neuen Erkenntnisse. Gewiß ist in allen Wochen des Wahlkampfes neben der sichtbaren Parteiarbeit auch viel unsichtbare geleistet worden. Aber ebenso gewiß ist auf diciem. Gebiet auch vieles versäumt worden, das heute noch nachgeholt werden kann und nochgeholt werden muß. Nationalsozialistische Wähler sind wankend geworden.(Sie sehen als Folge ihrer Stimmabgabe bei vor- angegangenen Wahlen die Regierung der Barone, die neuen Notverordnungen mit ihren drückenden Bestimmungen. Aber sie wissen nicht wohin. Zu den Splittern wollen sie nicht. Die deutschnationale Kapitalistenpartei kommt nicht in Frage— aber von der Sozialdemokratie sind sie noch durch zahlreiche Vorurteils getrennt. Mancher und manche werden noch heute diese Vorurteile überwinden, wenn einer zu ihnen spricht, der den richtigen Ton zu finden weiß. Mit den kommunistischen Wählern liegt es zum Teil ähnlich. Sie beginnen einzusehen, daß der Weg der KPD.-Führung immer tiefer in die Sackgasse führt. Die KPD.-Führung hat es nicht verstanden, den Wind der Wirt- schaftskrise in ihre Segel zu fangen. Sie hat selbst in der Zeit, in der die Sozialdemokratie im Interesse der Arbeiterklasse genötigt war, sich zu koalieren und zu tolerieren, nicht ge- wonnen, sondern verloren. Heute steht die Sozialdemokratie als Oppositionspartei in weithin sichtbarer Führerstellung gegen Sozialreaktion und Faschismus. Tausende und aber Tausende bisher kommunistischer Wähler sind schon innerlich bereit, durch ihre Stimmabgabe die proletarische Ein- h eits front im Zeichen der Sozialdemokratie zu verwirk- licken. Es bedarf nur noch eines entscheidenden Gesprächs. Wer führt es noch heute mit ihnen? Zahlreiche WählerderStaatspartei wissen nicht wohin. Ihre Partei hat törichterweise die Listenverbin- dung, zu der die Sozialdemokratie bereit war, abgelehnt. Wäre die Listenverbindung zustande gekommen, so hätte jeder biirgerlich-demokratische Wähler Staatspartei wählen können, ohne besorgen zu müssen, daß seine Stimme verloren- geht. Heute besteht die Gefahr, daß die staatsparteilichen Stimmen ins Nichts fallen, die Linke geschwächt, die Rechte gestärkt wird. Eine bürgerlich-demokratische Partei könnte nützlich sein, aber sie ist eben nicht da! Wer demokratisch denkt, muß sozialdemokratisch stimmen. Er wird es auch tun, wenn noch heute einer kommt, der es ihm sagt. Die sichtbare Arbeit der Partei in diesem Wahlkampf war glänzend. Hoffentlich war die unsichtbare ebenso gut. Aber an ihr kann heute noch vieles besser gemacht werden. Heute noch, morgen früh vielleicht noch— aber morgen abend ist es schon zu spät. Darum soll sich jeder Leser des„Vorwärts", jeder Partei- genösse heute noch fragen, ob er denn wirklich gegenüber der Partei ein ganz gutes Gewissen hat! Wer eine Gelegenheit versäumt hat, wer nicht immer die Gelegen- heit gesucht hat. auf seine Nachbarn, Kameraden, Kollegen, Verwandten und Bekannten politisch einzuwirken, der hat als Parteigenosse noch nicht seine ganze Pflicht getan. .Er tue sie heute noch! Das Gesagte gilt für Männer und Frauen! Für die Frauen aber ganz besonders. Leider sind die Frauen bisher immer noch weniger politisch interessiert als die Männer. Darum können auch letzte Eindrücke, letzte Ge- spräche vor der Wahl sie noch stärker beeinflussen. Genossinnen, überwindet die törichte Schüchternheit! Sprecht mit euren Kolleginnen, euren Nachbarinnen über die Wahl— tut es noch heute! Wenn jeder, der diese Zeilen liest, sie beherzigt und nach ihnen handelt, dann kann im Kampfe um die Freiheit, für den Sieg der Sozialdemokratie heute noch Großes ge- leistet werden! Die Partei erwartet, daß heute jeder seine Pflicht tut! Aufmarsch in letzter Stunde. Massenappell der Eisernen Front. Die Kundgebung der Eisernen Front im Neuköllner Ztadion- die den Abschluß des verheißungsvollen Ber> liner Wahlkampfes darstellte, hat Reukölln von 17 Uhr ab in Atem gehalten. Wer gegen Uhr die Anmarsch- straßen sah, mußte unter dem mächtigen Eindruck dieser Völkerwanderung stehen, die sich jum«tadion hin bewegte. Unendliche Schlangen auf den Vürgersteigen: Arbeiter aus den Verrieben» Angestellte, Veamtc, Reichs- banncrkameraden, Sportler im Dreß, Frauen, junge Mädels, junge Vurschen, und alle geschmückt mit den drei Pfeilen der Freiheit? Vor den Kassen an der Odcrstraße, der Siegfried- straße und am Grünen Weg ein Trängen und Anstehen, wie man es selten erlebt hat. Viele, allzu viele müssen ihre Stempelkarte zeigen; aber auch sie, die Erwerbs- losen, die am meisten von Not und Sorge Geschlagenen, wollen dabei sein, wenn es gilt, für die Freiheit zu zeu- gen. Das weite Oval füllt sich schnell. Es sind Zehn- tausende, es demonstriert das schaffende Volk VerlinS! * lieber dem Plahe kreisen die Flugzeuge des„Sturmvogel" und werfen Flugblätter ab. Die Sapilalsslugzeuge Adolf Hitlers. die sich heranwagen, werden mit psissen empfangen. Das Rednerpult ist geschmückt mit dem Freiheitsbanner, das der Eisernen Front durch die englischen Genossinnen gestiftet wurde. Rlit riesigen Buchstaben, die mahnend sagen„Wählt Liste l", haben sich lugend- liche ausgestellt. Alle Kapellen und Spielmannszüge unseres Ber- liner Reichsbanners spielen. Dann der Einmarsch der S ch u f o und hammerfchas» l e n! Ein unendlicher Zug, der nicht abreißen will! An der Spihe die Schuhsormationen des Reichsbanners. Kräftige Arbeitergestalten alle, alte und jüngere in einer Front, im strammen militärischen Einmarsch. Dann die Sportler, dann die hammerschasten, die RIelallarbeiter, die Luchdrucker, der vorwärls-Betrieb und alle die anderen, die man nicht auszählen kann. Als der imponierende Zug der Uniformierten von der Berliner Verkehrs- gesellschast einrückt, braus» der Beifall besonders stark auf. Es ist ein unaushörliches Freiheit-Rufen der Massen, ein einziges großes Bekenntnis der Treue zum Sozialismus, zur Freiheit. Als der Ausmarsch beendet war, eröffnete Genosse Künstler die Kundgebung. Er begrüßte die Anwesenden mit einem begeistert aufgenommenen Freiheit!-Ruf. Der erste Redner des Abends war Siesmund Krummenerl Er führte aus: Die Eiserne Front tritt zum letzten großen Appell vor dem Entscheidungskampf zusammen. Roch nie seit Heute 19 Uhr: Severins im Rundfunk der Reichsgründung hat Deutschland einen Wahlkampf erlebt, der so viel Opfer an Gut und Leben forderte. Es ist eine Schande, daß das Deutschland der großen Philosophen, das Deutsch- land der so gepriesenen Humanität Exzesse erlebte, wie man sie nicht für möglich gehalten hat. Doch> das Reich der Schande ist nicht unser Reich. Es war das System Hitlers, das von der„Nacht der langen Messer" sprach.(Stürmischer Beifall.) Die neue Reichsregierung Hot der hitlerschen Privatarmee, den Salzsteuersoldaten, wie sie der Volksmund nennt, das Tragen der Uniformen gestattet, obwohl die Länderregierungen ihre warnende Stimme erhoben. Die Regie- rung Papen wurde auf die Blutopfer aufmerksam gemacht, die mit der Wiedcrzulassung der SA.-Banden kommen mußten. Vergeblich! Aber es kommt der Tag, wo wir, die Eiserne Front, Rechenschaft von den Verantwortlichen for- dem werden. Die im Freiheitskampfe Gefallenen weilen im Geiste unter uns: wir schwören ihnen: das Freiheitsbanner wird von uns im Kampfe weiter oorangetragen: eher wird der letzte Mann verderben, als daß die Freiheit stirbt! (Stürmischer Beifall.) Wir schwören ihnen: Nie und nimmer wer- den wir dem Geßlerhut der Faschisten unsere Reverenz erweisen! Bis jetzt sind 25 sozialdemokratische Zeitungen daran gehindert, die Wahrheit sagen zu können. Doch wenn man glaubte, die Arbeiter in der Eisernen Front zu Unbesonnenheiten verleiten zu können, so täuschte man sich. Nicht umsonst ist die deutsche Arbeiterschaft als die politisch geschulteste der ganzen Welt bekannt.(Stürmische Zustimmung.) Nein, Genossinnen und Ge- nassen, wir wollen die-Wahlen und wir wollen durch sie beweisen, daß die sozialistisch gesonnene Wählerschaft am 3t. Juli zu siegen versteht! Die Nationalsozialisten, die die Regierung Papen stützen, dulden die V e r sch a n d e l u n g des A r b e i t s l o s e n v e r s i ch e- rungsgesetze s, sie dulden die R e n t e n a b z ü g e für die Kriegsopfer, sie dulden die Abzüge in der Wohlfahrts- pflege! Für die Zusage, ihre braunen Jacken wieder zeigen zu können, haben sie nichts gegen die Salz st euer gehabt! Sie verkaufen und verraten sich und ihren„Sozialismus" an die Kraut- und Schlotjunker.(Tausendfache Zurufe: Judas Hitler!) Ist es da ein Wunder, daß die Leibjuristen hillers die Verleidiger der gröhlen Wirtschaftsverbrecher. der Lahusen sind? Doch noch größer als ihr Verrat am deutschen Volk ist ihre Verlogenheit. Wenn deutsch sein heißt, getreu und wahr zu sein, so sind die Nazis die Partei, die keinen hauch von Deutschtum verspüren läßt. Sie ist die ver- logenste aller deutschen Parteien überhaupt, die Rationalsozialistische Partei ist eine einzige große Lüge! (Immer wiederholter Beifall.) Ihr schlagt den Kapitalismus, wenn ihr den Faschismus ausrottet! Schafft die Einheitsfront aller Werk- tätigen im Zeichen der Eisernen Front und ihr seid unüberwindlich. Vorwärts zum Kampf! Es lebe die Freiheit! Es lebe der Sozialismus! Begeistert stimmte die Versammlung in den dreimaligen Frei- heitsruf ein. Dann nahm Robert Breuer sas Wort: Wenn wir die Geschichte unserer Partei lesen, werden wir oft traurig darüber sein, daß wir die glorreiche Heldenzeit des Sozialistengesetzes nicht miterleben durften. Doch jetzt scheint es so, als wenn unsere Sehnsucht nach dem Kamps erjüllt werden soll. Mverstaat Oldenburg! GA. als Polizei.- Die Neichsregierung schweigt dazu. Der Ministerpräsident von Oldenburg, der National- sozialist R ö v e r, hat den ZW oldenburgischen Polizei- beamten etwa 250 SA.-Leute beigesellt. Er hat sie zu Beamten gemacht, hat sie eingekleidet und bewaffnet. 25l> Leute, die sich im Bürgerkrieg betätigt und Terror gegen die Bevölkerung geübt haben, heißen jetzt in Oldenburg Polizisten. Sie sind nicht nach objektiven Gesichtspunkten ausge- wählt worden, es sind vielmehr Parteibuchbeamte vom reinsten Wasser. Es bedarf nicht langer Erörterungen darüber, daß damit die Grenzen der Legalität verlassen worden sind, und daß das Reichsinnen- Ministerium die Verpflichtung hat, diese Maßnahme sofort mit allen Mitteln wieder aufzuheben. Das Verhalten des Reichsinnenmini sie- riums zu diesem Fall' wird von großer, ri ch tu n g g e b e n d e r B e d e u t u n g sein! Als zur Zeit des SA.-Verbots der Bürgermeister von Langewiesen in Thüringen auf Grund einer amtlichen Alarm- Nachricht zwei Reichsbannerleute vorübergehend mit polizei- lichen Funktionen beauftragte, erhob sich auf der Rechten ein Entrüstungssturm, eine amtliche Untersuchung wurde einge- leitet, der Bürgermeister wurde seines Amtes enthoben. Was geschieht gegen einen Ministerpräsidenten, der, selbst einer der schlimmsten Bürgerkriegshetzer, eine Bürgerkrieastruppe als Polizei einsetzt? Es ist selbstverständlich, daß dieser Vor- gang eine ungeheure Provokation der gesamten nichtnationalsozialistischen Bevölkerung darstellt! Die Reichsregierung schweigt seit gestern unentwegt über diesen Fall. Sie wird sich sehr bald eindeutig äußern müssen! Preußen und Oldenburg. Die preußische Regierung ist abgesetzt worden, weil sie angeblich nicht die Ruhe und Ordnung in Preußen gewähr- leiste. Der oldenburgische Ministerpräsident R ö v e r dagegen scheint bei der Reichsregierung als berufener Hüter von Ruhe und Ordnung zu gelten. Die Beschuldigungen gegen die Preußenregierung sind völlig haltlos. Die Reichsregierung hat der Oeffentlichkeit bisher noch keinerlei Beweismaterial für ihre Behauptungen unterbreiten können. Was in Oldenburg ist, sieht jeder Mensch in Deutschland. Die Proteste gegen diese Zustände kommen selbst aus dem deutschnationalen Lager. Der Fraktionsführer der deutschnationalen Fraktion im letzten Reichstag, Dr. Ober- fahren, hat an den Minister des Innern Freiherrn von Gayl ein Schreiben gerichtet, in dem er nach dem Hin- weis auf das Eingreifen der Reichsregierung in Preußen sagt: „Wir Deutschnationale lehnen nicht etwa einseitig den Begriff eines sozialdemokratisch geleiteten Parteistaates ab, sondern den Begriff des Parteistaates schlechthin. Deshalb halle ich mich iur berechtigt und verpflichtet, auch in solchen Fällen schärfste Ver- wahrung einzulegen, in denen nicht der SPD. angehörende Inhaber höchster Staatsämter aus hemmungslosem partes- politischen Agitationsbedürfnis vergessen, was sie dem Staate und ihrem Amte schuldig sind. Infolgedessen muß ich die Aufmerksamkeit der Reichsregierung aus einen Vorgang lenken, in dem der derzeitige oldenburgische Mini st erpräsident R ö v e r ohne Rücksicht aus sein hohes Amt als Parteiagitator alle gebotenen Grenzen überschritten hat. Ministerpräsident Röver hat, wie aus einem sehr ausführlichen und offenkundig im Sinne der Veranstalter gehaltenen Bericht der„Auricher Zeitung" über eine nationalsozialistische Wahlversammlung in Aurich hervorgeht, u. a. folgende Ausführungen gemacht. „Jeder, der die 25 Thesen Hitlers gelesen hat und sie nicht anerkennt, ist ein Lump, ist nicht reif sür die große Schicksalsgemeinschaft... Die Dcutschnationalcn sind auch solche Lumpen, die die roten Farben verschandeln wollen. Die Deutsch- nationalen lösen jetzt ihre Fratze. In Harzburg haben sie ein falsches Spiel getrieben und sie sind Verräter am Volke geworden. Niemals wäre ich so hark geworden, wenn das Gesindel nicht so Eemein geworden wäre. Gebt am Sonntag den Lumpen die luittung." Die Form und die Häufung dieser Beschimpfungen, so fährt Oberfohren fort, ist offenbar für die P�e r s ö n l i ch k e i t des Herrn Röver so charakteristisch, daß es sich wohl völlig erübrigt, sich dagegen irgendwie sachlich besonders zu verwahren. Ich halte es für untragbar, daß den Gegnern der Rcichsrcgicrung das Argument in die Hand gegeben wird, daß die an der preußischen Re- gierung mit Recht beanstandeten Mißstände nunmehr von einem von der nationalen Oppo- sition herkommenden Ministerpräsidenten in be- sonders krassem Maße gezeigt wird. Ich richte deshalb an Sie die Bitte, auf den derzeitigen Minister- Präsidenten von Oldenburg dahin einzuwirken, daß er in seinem künftigen Austreten den Umstand beachtet, daß er als Minister- Präsident nicht in den Formen auftreten darf, die ihm als parte!» politischen Organisationsleiter offenbar zulässig erscheinen. Die Würde des Staates und die Würde des Beamtentums machen eine solche Einwirkung von Reichs wegen erforderlich." Die Unterstellung, daß in Preußen oldenburgische Zu- stände geherrscht hätten, muß auf das entschiedenste zurück- gewiesen werden. Aber der Vergleich zwischen der Haltung der Reichsregierung zu Preußen und ihrer Haltung zu Olden- bürg ist berechtigt/ und man wird sehen, wie sich die Reichs* regierung zu Oldenburg verhält! Kube im Bunde mit Waffendieben. Skandalöser Eingriff in das polizeiliche Verfahren. Anter aussehenerregenden Umständen wurde am Donnerstag von der Kasseler Polizei ein großer wassendiebstahl aus- geklärt. Lei dem wassenraub, der bereits im Dezember 1gZ0 statt- gefunden hatte, waren SlZ P i st o l e n und 6000 Schuh IN u n i- tion gestohlen worden. Die Nationalsozialisten hallen Himmel und Hölle in Bewegung geseht, um den verdacht des Wassenraubes aus das Reichsbanner hinzulenken. Bei der Ausklärung des Wassendiebstahls stellte sich aber heraus, daß die Massen und INunilionsbestände von einem ehemaligen Polizeiwachtmeister und jetzigem Mitglied der RSDAP. Krick sowie drei SA.- Leu- t e n gestohlen worden sind. Polizeiwachtmeister krick Ist bereits ein- mal wegen wafsendiebstahls vorbestraft und wurde wegen dieses Vergehens seinerzeit sofort aus dem Dienst entlassen. Diese schwere Belastung seiner Partei hat der Abgeordnete kube, Führer der nationalsozialistischen Landtagssraklion, zu einem tollen politischen Skandal gesteigert. Die„vossische Zeitung" bringt zu den Kasseler Vorgängen folgende Meldung ihres Kasseler Korrespondenten: Der Führer der preußischen Sandtagsfraktion Kube, der in Kastel eine Versammlung abgehalten hatte, rief bei dem Stellvertretenden Kasteler Polizei- Präsidenten, Lberregierungsrat Mcrgen» thaler, an. Als Mergenthaler sich am Telephon meldete, herrschte ihn Kube im Vefehlston an und verlangte, daß er seine polizeilichen Ermittlungen gegen die NSDAP, wegen des Pistolcndicbstahls sofort ein- stelle. Er schloß mit den Worten:„R ichten Sie sich d a n ach!" Der Reichskanzler von papen hat in Preußen die demokratische Regierung abgesetzt, weil angeblich führende politische Stellen in Preußen aus parteipolitischen Gründen in ihren Entschlüssen gegen kommunistischen Terror nicht frei seien. Herr von Papen Ist bisher für diese Behauptung auch den geringsten Beweis schuldig ge- blieben. Der Fall kube aber ist ein eklatanter Beweis für gröblichsten Mißbrauch einer parteipolitischen Machtstellung gegen- über den Exekutivorganen des Staates. All denen, die jetzt den Kampf gegen uns führen wollen, die uns knebeln wollen nach den Methoden des Sozialistengesetzes, denen sagen wir ruhig, stark und besonnen: Genau so wie das Sozialistengesetz an der Kraft der Arbeiter- schaft zerschellte, genau so wird das enden, was man jetzt als neues Sozialistengesetz gegen uns aufrichtet. Die deutsche Arbeiterschaft und ihre Organisationen, im Kampf gc- hämmert und geschult, durchsetzt und geführt von den besten Köpfen des deutschen Volkes, diese deutsche Arbeiterschaft ist sich klar über die eigene Kraft und wird sich niemals das Gesetz des Handelns und der politischen Methoden von anderen aufzwingen lassen. Wer da hgfst, die deutsche Arbeiterschaft in illegale Abenteuer und törichte Aktionen Hetzen zu können, der lasse sich gesagt sein, daß sie stark genug ist, alle Fallen erkennen zu können. Drei Feinde sehe ich und mit ihnen werden wir fertig werden: mit dem Feudalismus, dem Kapitalismus und dem Feind, den wir von jeher am meisten hassen— mit dem U n v e r- stand der Massen oder was heute dasselbe ist, mit Hitler und seinem Nationalsozialismus!(Stürmische Zustimmung.) Noch nach Jahrhunderten wird man die Leistung des neuen Preußen, die Leistung Brauns und Seoerings respektieren und mit Hochachtung wird man sprechen von dem, was diese Arbeiter, unterstützt von ungezählten Kameraden, gebaut haben für das Proletariat und das ganze Volk, und wir werden das wahren, was wir schufen: den Staat des freien Volkes! Es ist eine merkwürdige Mischung der Kräfte, die ostpreußische Feudale, Großkapitalisten und eine„sozialistische Ar- beiterpartei" zusammenbringen will. Doch die deutsche Arbeiter- schaft wird mit diesem Gemisch aus Lüge und Terror fertig werden, sie wird siegen über die Kräfte des Kapitalismus und den Wahnsinn einer Hitler-Bewegung. Ungeheurer Beifall und immer wiederholte Freiheit-Rufe unterstrichen den begeisternden Appell des Redners. „Burgfrieden" verordnet. Eine neue Leistung der Reichsregierung von Hitlers Gnaden Nachdem die nationalsozialistische Regierung der Barone ganz ohne erkennbaren Grund die Auflösung des Reichstages verfügt und zur Legalisierung der von ihr verordneten Wiederzulassung der neuen SA.-Uniformen einen der heftig st en Wahlkämpfe herauf- beschworen hat, verspürt sie plötzlich das Bedürfnis nach — Frieden! Sie hat deshalb überraschend die folgende Verordnung auf Grund des Art. 48 der Verfassung erlassen: 8 1. Für die Zeit vom 31. Juli 1932 bis zum Ablauf des 10. August 1932 sind alle öffentlichen politischen Ver- samm langen verboten. Als politisch im Sinne dieser Vorschrift gelten alle Versammlungen, die zu politischen Zwecken oder von politischen Vereinigungen veran- staltet werden. § 2. Die Bestimmungen der zweiten Verordnung des Reichs- Ministers des Innern über Versammlungen und Aufzüge vom 13. Juli 1932(Reichs'gesetzbl. l S. 355) in der Fassung der dritten Verordnung des Reichsministers des Innern über Versammlungen und Aufzüge vom 22. Juli 1932(Reichsgesetzbl. I S. 385) bleiben mit der Maßgabe unberührt, daß für die Zeit vom 31. Juli 1932 bis zum Ablauf des 10. August 1932 auch alle politischen Versammlungen unter freiem Himmel, die in fest- umfriedeten, dauernd sür Massenbesuch eingerichteten Anlagen statt- finden sollen, o e r b o t e n sind. Z 3. Wer eine Versammlung, die nach den Bestimmungen dieser Verordnung verboten ist, veranstaltet, leitet, in ihr als Redner austritt oder den Raum sür sie zur Verfügung stellt, wird mit Gefängnis bestraft, neben dem auf Geldstrafe erkannt wer- den kann. Wer an einer solchen Versammlung teilnimmt, wird mit Geldstrafe bis zu 150 M. bestraft. 8 4. Diese Verordnung tritt mit dem 31. Juli 1932 in Kraft. Zur Begründung dieses ganz ungewöhnlichen Schrittes läßt Papen diese„amtliche Mitteilung" verbreiten: Nach der st arten politischen Erregung, welche die Wahlzeit mit sich gebracht hat, soll das Verbot den politischen Frieden fördern. Es ist der Wunsch des Herrn Reichs- Präsidenten und der Reichsregierung, daß nach durchfochtensm Wahlkampf die politischen Leidenschaften wenigstens einige Tage lang ruhen sollen. Die letzten Wochen haben, wie der Bevölkerung bekannt ist, außerdem an den Dienst der P o l i z e i b c a m t e n so ungewöhnlich hohe Ansprüche gestellt, daß auch ihnen eine Ruhe- und Erholungspause gegönnt werden muß. Die Ausschreitungen dieses Wahlkampfes sind im wesent- lichen zurückzuführen auf die Wiederzulassung der SA> Uniformen, für die Hitler die Tolerierung der Papen- Regierung zugesagt hatte. Eine lange Reihe von ermordeten Republikanern legt Blutzeugnis ab gegen die Tolerierung der neuen Treffen, die gegen die Tolerierung der Barone eingetauscht wurde. Die Leidenschaften sind weiter gesteigert worden durch das verfassungswidrige, gewaltsame Eingreifen des„Reichskommissars" in die Staatshoheit Preußens, durch die Verhängung des Belagerungszustandes über Berlin und die dadurch hervorgerufenen unglaublichen Zustände. Für alle diese Dinge wird am 31. Juli Rechenschaft gefordert. Und der Friede, nach dem die Regierung Papen jetzt plötzlich Sehnsucht hat, kann zwar„verordnet", aber nicht erzielt werden, solange das System der Diktatur weiter besteht. Der Friede wird am 31. Juli entscheidend vorbereitet durch einen Massensturm der Wähler der Eisernen Front für Liste 1. Freiheit! Kindermund tut Wahrheit kund. Wenn die Braunhemden marschieren.... lind wird geschrieben: Kurz vor dem neuen Verbot der Demonstrationen und Umzüge unter freiem Himmel auf öfsentlichen Straßen und Plätzen mar- schierten durch ein Dorf in Südhannover etwa 250 Salz- st e u e r s o l d a t e n. Alle waren in ihrer gelben Kluft. An der Siraße stehen die Menschen und schauen, wie Hitlers Garde daher» laust. Als die letzten Braunjacken vorbei find, sagt ein zweijähriger Knabe zu feiner Mutter: „INama, jetzt Teddybären alle?" Die Umstehenden brachen in ein tosendes Gelächter aus. Die treuherzige Bemerkung eines Kindes hat bewirkt, daß in dem Dors keine Diskussion über Nazis stattsinden kann, ohne daß die„Teddybären" in die Debatte geworfen werden. Da Lächerlich- keit bekanntlich tötet, haben die Nazis in dieisem Dors nichts zu melden. Verbieten! Verbieten! Noch vor dem verordneten„Frieden"! Karlsruhe, 29. Juli. Von der Pressestelle beim Staatsministerium wird mitgeteilt: Der Reichsinnenminister hat an den badischen Minister des Innern das Ersuchen gerichtet, den„D o n a u b o t e n" in Donau- e s ch i n g e n aus Grund der Verordnung des Reichs und des Reichs- Präsidenten gegen politische Ausschreitungen auf drei Tage zu ver- bieten. Anlaß zu dem Ersuchen gab ein Artikel in Nr. 1K3 dieses Blattes vom 2l. Juli mit der Ueberschrift:„Der Staatsstreich gegenPreußen— derFluchderbösenTat", in welchem auf den Artikel vom 25. Juni verwiesen worden war, auf Grund dessen der„Donaubote" drei Tage oerboten wurde. In dem Artikel wurde eine Beleidigung und böswillige Verächtlichmachung des Reichswehrministers erblickt. Der badische Minister des Innern hat dem Ersuchen des Reichsinnenminister- nicht entsprochen und die Entscheidung des zuständigen Senats des Reichsgerichts angerufen. Auf einen Tag? Illagdeburg, 29. Juli. Der von Bracht«ingesetzte kommissarische Oberpräsident der Provinz Sachsen hat das Erscheinen der„Volksstimme" für den Freitag verboten. Begründet wird das Verbot mit einem Aufsatz in der Nr. 168 der„Volksstimme"„Eine dreiste Lüge entlarvt", in dem der an- h a l t i s ch e n Staatsregierung eine bewußte Entstellung der Wahrheit in einer amtlichen Veröffentlichung vorgeworfen werde und wodurch die anhaltische Staatsregierung böswillig verächtlich gemacht worden sei. Mit Rücksicht darauf, daß die beanstandete Nummer bereits vor mehr als zwei Wochen er- schienen sei, und eine Beeinträchtigung der Wahlpropaganda oermieden werden solle, erscheine die ausnahmsweise kurze Verbotsfrist von nur einem Tage(l) als angemessen und ausreichend. „Kam, wo ist dein Bruder?" Die Tragödie von Friedrichskoog. Zur Bluttat von Friedrichskoog, bei der der 17jährige Besucher einer sozialdemokratischen Versammlung, Hermann Jäger, von Nationalsozialisten in bestialischer Weise abgeschlachtet wurde, schreibt die„Schleswiger-Holsteiner Volkszeitung": Das Schicksal des ermordeten Hermann Jäger ist um so tra- gischer, als der Junge nicht politisch aktiv tätig gewesen ist und überall wegen seines stillen bescheidenen Wesens beliebt war. Sein „Vergehen" bestand lediglich darin, die Versammlung zu besuchen und mit den sozialen Zielen der Eisernen Front zu sympathisieren. Der Vater des Ermordeten, der in Neuendeich wohnt, war am Dienstag in Friedrichskoog. Wir kennen nicht seine politische Ueberzeugung, unseres Wissens gehört er unserer Bewegung nicht an. Aber als er an der Leiche seines gemeuchelten Jungen stand, da liefen Ihm die heißen Tränen über die wettergesurchlen Wangen. Und der Bruder de« Toten trägt um den Arm einen Trauerflor. Dieser Bruder ist SA.- Mann! Er trauert also um«inen Toten, der von seinen SA.-Kameraden ermordet wurdet Und mehrere Fricdrichskooger Einwohner behaupten bestimmt, daß er selber in SA.-Uniform an den Ueberfällen teilgenommen hat. Gibt es einen blutigeren Hohn— und gibt es eine tiefere Tragik? ZEH. Größenwahn in Zahlen. Die Nazis verteilen unter anderem ein Flugblatt mit dem Bilde Hitlers und der Ueberschrift„Adolf Hitlers Programm". Bei einer Durchsicht stellt man fest, daß er die Worte ich, mein, mich usw. nicht weniger als rund hundertmal gebraucht. Darunter„ich" groß geschrieben 37mal. klein geschrieben bloß 24mal. Adolf Hitler hat gut von seinem Vorgänger Wilhelm-II. gelernt Nur muß er sich angewöhnen, alle diese Worte groß zu schreiben, wie es sich für IHN, den felbstbewußten Führer, gehört. Generalappell rechts „(So eine Elitetruppe wie diesmal haben wir noch nie auf die Beine gebracht." Nationalkonzentrierter Rundfunk. Die Richtlinien für die Rundfunkdiktatur des Reichs. Fürst und Sallai gehenkt! Zwei Opfer ungarischer Echnelljustiz. Das Standgericht in Budapest hat die Kommunisten Fürst und Tallai-Holländer zum Tode verurteilt. Zwei Stunden später sind die beiden Verurteilten durch den Strang hingerichtet worden. Vor kaum zwei Wochen hat die Budapester Polizei 27 Kommunisten verhaftet und in landesüblicher Weise bestia- lisch mißhandelt. Zuerst wurde diese Razzia geheimgehalten. Das Verschwinden der Verhafteten konnte aber nicht ver- heimlicht werden, und auf den Protestfturm, der vom Aus- land hinüberklang, wurden die Verhaftungen selbst zugegeben. Die beiden jetzt Hingerichteten waren heimlich aus Rußland zurückgekehrt, wohin sie nach der kurz- ledigen ungarischen Räterepublik von 1919 gelangt waren. In Ungarn ist die Kommunistische Partei verboten und jede Betätigung für sie ein Verbrechen. Zuwiderhandelnde ge- hören vor das Strafgericht. In der Verweisung von Fürst und Sallai-Holländer vor das Standgericht liegt eine b e- sondere Tücke. Nach dem Eisenbahnattentat von Bia- Torbagy hat man das Standgericht verhängt. Längst ist erwiesen, daß der Attentäter M a t u s ch k a nicht das ge- ringfte mit der kommunistischen Bewegung zu tun gehabt hat— aber die Regierung dieses Nicht-Wohlfahrts- staa te s, der keine gesetzliche Verpflichtung zur Hilfeleistung für Arbeitslose kennt,' läßt das Standrecht weiterbestehen und hat es nun auch gegen politische Verbrecher angewendet. Verbrecher? Die beiden Opfer des Standgerichts haben — selbst nach der Anklageschrift— nichts anderes getan, als den Wiederaufbau einer kommunistischen Partei ver- sucht, Nachrichten aus anderen Ländern empfangen und auch dorthin gegeben! Irgendwelche Gewalttätigkeit, An- stiftung dazu, selbst nur die Herausgabe von Flugblättern usw. ist ihnen nicht einmal zur Last gelegt worden. Trotzdem hat das Standgericht— das ihnen auch die dreizehn Jahre zurückliegende Tätigkeit in der Räterepublik als Schuld angerechnet hat!— sie des Verbrechens schuldig gesprochen, den Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung und die Aufrichtung der kommunistischen Herrschaft zum Ziele gehabt zu haben. Unser Genosse Charles Longuet, der verteidigen wollte, hat nur zuhören dürfen. Durch die Doppelhinrichtung zeigt die Regierung Karolyi nur, daß sie das Erwachen der geknechteten und ausgehun- qerten Vvlksmassen fürchtet. Die zwei Leichen an dem Budapester Galgen sollen abschreckend wirken. Ueberall dort aber, wo man auch radikalen Bewegungen das Recht zugesteht, g e w a l t l o s den Versuch zur Gewinnung der Volksmehrheit für ihre Ueberzeugung zu machen, wird man mit tiefer Empörung den Rückfall der Machthaber Ungarns in die bluttriefende Zeit und Gesinnung unmittelbar nach der Räte- republik verdammen. Standrecht auch in polen. Danzig, 29. Juli. Nach Polen verschleppt wurde jüngst an der Danziger Grenze der Reichsdeutsche Reschottowsky. Das Ausnahmegericht in Gdingen hat ihn. jetzt wegen Spionage zugunsten Deutsch- lands zu sieben Iahren schweren Kerkere verurteilt. Preußenenischeidungverschleppt Die Taktik der Papen-Regierung.— Entscheidung erst Ende August— oder gar erst im September! Die Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof in der Klage Preußens gegen das Reich werden von der Papen-Regierung mit allen formalen Mitteln der Geschäfts- ordnung hinausgezögert. Die Reichsregierung nutzt zunächst die ihr gegebene l�tägige Frist zur Beantwortung der Klage Preußens voll aus, obwohl es sich hier lediglich um die Niederlegung der Gründe handelt, die für ihr Vorgehen vor Erlaß der Verordnung wohl beweis- kräftig vorgelegen haben müssen. Erst nach Ablauf dieser Frist, also am 5. August, und nach dem Austausch von Schriftsätzen kann der Termin für die mündliche Verhandlung angesetzt werden. Zwischen der Ladung und der Verhandlung müssen, wenn eine der Par- teien darauf besteht, ebenfalls 14 Tage liegen, so daß angesichts der Verzögerungstaktik der Baronsregierung für die Verhandlung als frühest.er Termin der 2 0. August in Frage kommt. Bei der geringsten Beweiserhebung wird auch dieser Termin hinausgeschoben werden müssen. Die Verzögerungstaktik der Papen-Regierung ist der beste Beweis dafür, daß sie sich angesichts ihres dürf- tigen Beweismaterials ihrer Sache selbst nicht sicher ist! Rückmarsch! Ein Duhend Nazi«Niederlagen. Vor«inigen Tagen fanden in Königsberg die Wahlen der reaktionären nationalsozialistischen Deutschen Studentenschaft statt. Die Nazis versprachen sich von diesen Wahlen besonders viel, hatte doch unmittelbar vorher der Studententag in Königsberg getagt. Obwohl die„Deutsche Studentenschaft", die sonst aus Reinrassigkeit so großen Wert legt, allen Königsbergern Studenten das Wahlrecht einräumte, war das Ergebnis ein kläglicher Reinfall. Im vorigen Jahr beteiligten sich noch 64 P r o z. aller Studenten an den Privatwahlen, diesmal waren es nur noch S4 Proz. Die Slimmenzahl der Zlazis ging von 1598 im Vorjahr auf 1077 zurück. Ihre Mandatszahl senkte sich von 32 aus 22. Der Verlust der Hakenkreuzstudenten läßt sich nicht durch die geringere Wahlbeteiligung erklären. Im Vorjahr erhielten die Nazis noch 52 Proz. der abgegebenen Stimmen, also die absolute Mehrheit, diesmal nur noch 44, S Proz. Noch kläglicher wird für sie das Ergebnis, wenn man ihre Stimmenzahl im Verhältnis zur Gesamtzahl der Studierenden setzt: Im vorigen Jahr bekannte sich ein Drittel aller Königsberger Studenten zum Hakenkreuz, dies- mal nur noch ein Viertel! Das Königsberger Ergebnis bedeutet die zwölfte Nieder- lag« innerhalb eines halben Jahres, die die Nazi- sludenten an deutschen Hochschulen beziehen. Aus ihrem unauf- haltsamen Vormarsch auf den deutschen Hochschulen ist ein erfreu- licher Rückmarsch geworden. Auf den Hochschulen hat die nationalsozialistische Welle lange Durch amtliche Bekanntmachung und durch einen Rundsuntvor- trag von Ministerialrat Scholz. Nationalsozialist und Sachberater für Rundsuuksragen im Reichsinnenministerium, wurden die R i ch t. linien zur Neuordnung des Rundfunks bekanntge- geben. Zentralisation des gesamten Programmwesens mit dem Ziel einer Rundsunkdiktatur durch das Reich ist der Grundgedanke. �% Die Reichsrundfuntgeselljchajt soll als Dachgesellschaft die örtlichen Rundsunkgesellschaften zusammenfassen. Sie übt ihre Tätigkeit als G. m. b. H. aus: 51 Anteil« gehören dem Reich, 49 den Ländern. Ein vom Reichsinnenministerium ernannter Kam- missar ist für alle Programmfragen der Reichsrund- funkgesellschafl„übergeordnet", das heißt, er hat diktatorische Gewalt: ein zweiter, vom Reichspostministerium ernannter Kam- missar steht ihm für alle wirtschaftlichen Fragen zur Seit«. Das Reichsinnenministerium hat also die Bestimmung über alle grundsätz- lichen Programmfragen, Nachrichtendienst und Programmaustausch. Ein Programmbeirat, bestehend au» 15 Mitgliedern, die der Reichsinnenminister ernennt, und unter Vorsitz des Reichskommissars, kann durch 7 Ländervertreter ergänzt werden. Wie weit seine Ve- fugnisse reichen, geht aus den Leitsätzen nicht klar hervor: es spielt aber auch kaum eine Rolle, da er ja seiner ganzen Zusammensetzung nach nichts anderes sein kann als das Sprachrohr der Reichsregierung. Auch der Nachrichtendienst wird künstig vom Reich kontrolliert: die Dradag wird ausgelöst, den Nachrichtendienst übernimmt die Reichsrundfunkgesellschast. Die einzelnen Rundsunkgesellschaften der Länder werden unter «inen Staatskommissar gestellt, der im Einvernehmen mit dem Reichsmini st«riumdes Innern ernannt wer- den muß. Der Programmbeirat der Länder setzt sich aus Mitgliedern zusammen, die ebenfalls im Einvernehmen mit dem Rcichsinnenministerium zu berufen sind. Die Ueber- wachungsausschüsse fallen fort. An ihre Stelle treten die Staats- kommisiare. Der Deutschlandsender wird zum Reichssender, also zum u n- mittelbaren Regierungssprachrohr. Man sieht, der Rundfunk wird auf der ganzen Linie den Wünschen oder dem Diktat des Reiches untergeordnet. Es dürfte zwar im Reichsrat sich vor dem 14. September eingesetzt. Die Hochschulen waren die erste Stelle, an denen sich die Stärke der Nazis zeigte. Die aus dem Bürgertum stammenden Studenten sind der Agitation der Nazis zuerst erlegen. Sie sind aber auch die ersten, die sich wieder vom Hakenkreuz abzuwenden beginnen! An der gleichen Stelle, wo Hitler die erste begeisterte Zustimmung sand, beginnt jetzt die Ernüchterung. Die Wahlsiege der Radau- ftudenten in den Iahren 1928, 1929 und 1980 kündigten den Auf- schwung des Faschismus in Deutschland an. Möge das Dutzend Niederlagen der Hakenkreuzler auf den Hochschulen ein Vorzeichen für die Ernüchterung im Volke sein! Ordnung in Preußen? Schwerer SA.-Terror in Areslau. Breslau, Sv. Juli.(Sigenbericht.j Der Parteisekretär des Qrtsvereins Groß-Breslau der Sozialdemokratischen Partei, Max Kukielzynski, den die Hakenkreuzler schon seit Wochen mit den gemeinsten Drohungen belästigen, wurde am Freitagnachmittag gegen 17 Uhr vor seiner Wohnung in der Herdainstraße von nationalsoziali st ischem Gesindel über- fallen. Kukielczynski hatte von seiner Wohnung aus bemerkt, daß aus der Straße mehrere Reichsbannerleute von Hakenkreuzlern bedrängt wurden. Als er den Kameraden zu Hilfe eilen und den Streit schlichten wollt«, wurde ihm bereits in der Haustür zugerufen:„D a ist der Mann, der in den nächsten Tagen aufge» hängt wird!" Dann fielen die Hakenkreuzbestien in Stärk« von 15 bis 20 Mann über Kukielczynski her und schlugen ihn mit bleiernen Gasrohren und ähnlichen Werkzeugen zu Boden. Der Ueberjallene erlitt zwei stark blutende Verletzungen am Hinterkopf und mußte nach Anlegung eine« Notverbande« in« Kronkenhaus eingeliefert werden. noch einiger Widerstand dagegen bemerkbar machen, aber die Reichsregierung scheint gewillt, diesen Weg auf jeden Fall durch- zuhalten. „Das Interesse der Staatspolitik gibt in ollen Fällen den Ausschlag", sagte Herr Scholz in seiner Rundsunkrede. Die Verteilung der Gesellschaftsanteile sichert in der Berwal- tung und Bewirtschaftung der Hörcrgelder dem Reich ebenfalls die Uebermacht. Der Verwaltungsrat besteht aus den beiden Rcichskommissaren, je drei Vertretern des Reichsinnen- und des Reichspostministeriums, also acht Reichsvertretern, denen sieben Vertreter der Länder gegenüberstehen. Der Hörer weiß also, was ihm in Zukunft für seine zwei Mark Gebühr im Monat geboten werden soll: nationalkonzentrierter Rundfunk! Oie nächste Reichsratsihung. Harte Auseinandersetzungen zu erwarten. Nach längeren Verhandlungen, die sich aus den Eingrissen in Preußen ergaben, ist die nächste Vollsitzung des Reichs- r at s jetzt für D i e n s t a g nachmittag einberufen worden. Die Tagesordnung ist im wesentlichen die gleiche wie die der seinerzeit abgesagten Sitzung: neben der Verordnung über Ge- treidehandelsklassen stehen nur kleinere Vorlagen zur Beratung. Dagegen ist es nicht ausgeschlossen, daß sich politisch wich- tige Auseinandersetzungen in dieser Sitzung ergeben wer- den. Es wird angenommen, daß im Anschluß an die Mitteilung über die Ernennung der neuen preußischen Bevollmäch- tigten für den Reichsrat die Vertreter der übrigen Länder ihre P r o t« st e r k l ä r u n g e n, die sie in der Ausschußsitzung über die Rundfunkvorlage abgegeben hatten, in der ersten öffentlichen Vollsitzung des Reichsrats wiederholen werden. Es ist auch anzunehmen, daß es zu neuenZwischenfällen mit Vertretern der bisherigen preußischen Regierung kommt. Insbesondere besteht diese Möglichkeit im Zusammenhang mit der dem Reichskanzler über- miltelten Stellungnahme des preußischen Reichsratsbevollmächtigten Dr. Brecht, der nachdrücklich seinen Rechtsstandpunkt vertritt., daß er von diesem Amt durch den Rejchskommissar nicht entbunden werden könne. Der Anschlag auf Kukielczynski ist, wie einwandfrei feststeht. von dem SA.-Gesindel planmäßig vorbereitet und durchgeführt worden. Die Nazis hielten sich seit Stunden in der Nähe der Wohnung des Ueberfallenen auf und stürzten sich sofort auf ihn, als sie ihn erkannten.» Um die gleiche Zeit wurde ebenfalls in der Südoorftadt von Breslau, in der Gallestraße, ein Plakatwagen der Eisernen Front, der von wenigen Jungbannerkameraden begleitet war, von SA.-Leuten angegriffen. Die Nazis bedrängten die. Reichsbannerleute und brachten ihnen Verletzungen bei. Die Plakate wurden von dem Gesindel zerrissen.. Eine Reichsbanner- bereitschaft, die ihren Kamerade» beispringen wollte, wurde von der Polizei angehalten. SS.-Leute als Straßenräuber. Köln, 29. Juli.(Eigenbericht.) In Känigswinter sehten vier SS.- Leute aus Köln harmlosen Spaziergängern Pistolen aus die Brust und verlangten nach Strahenräubermanier Geld von ihnen. In einem Falle glückte das Verbrechen. Die Räuber erhielten Geld. Sie sind inzwischen in Mehlem, wo sie einquartiert waren, fe st genommen worden. Der Leiter der SA. in Godesberg, dem die Ortsgruppe der Nazis in Mehlem untersteht, übermittelte der presse über die Räuberei eine Erklärung, in der es wörtlich heißt:. „wie einwandfrei festgestellt wird, handelt es sich bei den angeblichen SS.-Männern aus Köln um Kommunisten, rote Mord- bandilen und Straßenräuber, die mit gefälschten Papieren ausgerüstet waren." Durch diese infame Lüge wird versucht, die Schuld von der SS. aus andere abzuschieben. Dennoch steht fest, daß die vier Räuber der SS. angehörten und ihnen von dem SA.-Leiler in Godesberg ein Ausweis mit Unterschrift ausgehändigt wurde, mit dem sie bei Mehlemer Geschäftsleuten„fechten" gingen. Geld wie Heu? Voller Lohn, freie Fahrt und Gonderentschädigung für Hitlertag. Die Nazipresse überschlägt sich vor Begeisterung über die ,.chitler-Tage", die jetzt in den verschiedensten Teilen Deutschlands stattfinden. Sie sollen das Großartigste und Imposanteste sein, das jemals aus dem Gebiete de� Versammlungslebens erreicht wurde. Den Kenner der Dinge überrascht die Zahl der Teilnehmer an den„Hitler-Tagen" nicht. Sie ist nicht zuletzt das Ergebnis des unerhörten Druckes, den die Unternehmer, in erster Linie die aus dem Lande, auf ihre Arbeiter ausüben. Wie es gemacht wird, dafür ein Beispiel. In Tschechendorf, Kreis Goldberg-Haynau in Schlesien, richtete der Besitzer des dortigen Dominium? an„feine" Landarbeiter anläßlich des chitler-Tages in Liegnitz folgendes Schreiben: „Landarbeiter, habt Ihr schon gehört, am Ireitag, dem 22. Juli, spricht Hitler in Liegnih, da sind wir bereit, jedem Landarbeiter, welcher hier unterschreibt, den Tag freizugeben. Lohn und Deputat bekommt Ihr ohne weiteres weiter. Tie U n k o st e n für die Fahrt übernehmen wir auch, so daß CFuch keinerlei U n k o st e n entstehen." Die armen Großgrundbesitzer, denen der Staat durch die Osthilse mit Hunderten von Millionen unter die Arme greifen muß, um sie vor dem Verhungern zu bewahren, haben Geld wie Heu, wenn es sich darum dreht, die„Arbeiterpartei" Hitlers zu fördern. Tarif- löhne können sie nicht zahlen, deutsche Arbeiter sind ihnen zu teuer, deshalb beschästigen sie mit Vorliebe hereingeschmuggelte polnische Landarbeiter, wie der Tloziabgeordnete und Großgrundbesitzer Freiherr von Eorswandt. Es sei denn, Hitler kommt an die Macht, es wird die Zwangsarbeit eingeführt und der Staat liefert gratis und franko Arbeitsdienst- Pflichtige. Dann natürlich, wird man sich seiner deutschen Brüder im feldbraunen Arbeitskittel gern erinnern. Unsere Scharsmacher im Unternehmerlager haben sich noch nie an Nationalgefllhl übertreffen lassen, wenn dabei etwas zu verdienen war. Deshalb ist ihnen auch die sogenannte Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei so sym- pathisch. Das ist doch wenigstens eine„Arbeiterpartei" nach dem Herzen der ostelbischen Großgrundbesitzer, schwerindustriellen Schars- machcr und großkapitalistischen Freibeuter von der Art der Ge- brüder Lahusen. Für die haben alle Bankrotteure Geld noch und noch. Tagelohn selbstverständlich garantiert. Deputat, bitte sehr. Fahrtkosten, aber selbstredend! Und eventuell noch Freibier. Sie haben ein Herz für ihre„lieben Mitarbeiter" Warum sollen sie ihnen nicht gestatten, dem großen Arbeiterführer Adolf Hitler zuzu- jubeln? So ein Sozialismus ohne Sozialversicherung, so eine Arbeiter- Partei mit Zwangsarbeil, das ist doch endlich eine Massenbewegung, der auch alle abgetakelten Generäle, alle abgewirtschafteten Wirtschaftsführer aus vollem Herzen zustimmen können. Die Frage ist nur, ob diese gar zu osfensichtliche Sympathie aller Arbeiterfeinde für die„Arbeiterpartei" Hitlers schließlich die abkommandierten Landarbeiter nicht stutzig machen muß. Gerade in Schlesien wehren sich die Agrarier mit Händen und Füßen gegen Tariflöhne, so niedrig sie auch sein mögen. In Schlesien und Oit- preußen werden in der Landwirtschast die niedrigsten Löhne gezahlt. Für einen„Hitler-Tag" aber hat man„ohne weiteres" Zeit und Geld in Hülle und Fülle. Da muß sich auch der einfachste Land- arbeiter sagen:„Hier stimmt etwas nicht. Diese Arbeiterpartei stinkt nach sozialer Reaktion." Drittes Reich an der Ruhr. Schwerindustrielle rechnen auf Hitlers Sieg. Dortmund, 29. Zuli.(Eigenbericht.) Bekanntlich hatten Ende Blai die schwerkapitalistischen Arbeit- geberverdände für den Ruhrbergbau und für die Eisen- und Stahlindustrie der Rordwestgruppe einen wütenden Generalangriff eröffnet, der die Einführung eines gleitenden, labilen Lohnfyftems und damit die Rieder- knüppelung des bisherigen Torissystems erzwingen sollte. Dieser Angriff wurde von den Gewerkschaften abgeschlagen. Der Schlichter für BZestsalen fällte endlich einen Spruch, dahingehend, daß es für die Monate Zum und Juli bei der bisherigen R e- gel un g verbleiben sollte. Wütend drohten damals die Arbeilgeberverbände, daß sie selbstverständlich Ende Zuli diesen vorläufigen Spruch kündigen würden. Run haben die Arbeilgeberverbände diese Drohung wider Erwarten nicht ausgeführt. Sie haben nicht gekündigt. Was sie hiermit bezwecken wollen, ist noch nicht klar ersichtlich. Wie man Hort, ha« der Reichsarbeitsminister kürzlich in vertrautem kreise erklärt, daß er und die Regierung Papen keinen Schicds- s p r u ch mehr für verbindlich erklären würden. Anderer- seits hat man den Kündigungstermin augenscheinlich deswegen verstreichen lassen, weil am Zl. die Reichstagswahl st a t t s i n d e t. Würden diese Wahlen den Sieg der Dapen-Hitler- hugenberg bringen, dann hätte man auch eine formale Kündigung der Verträge und Schiedssprüche nicht mehr nötig, denn dann kann die Riederknüppelung auch der letzten Rechte der Arbeiter- und Angestelltenschast beginnen. Es kann aber freilich auch anders kommen. Oie guie alte Erbsensuppe. Aus der Raziküche. Oer„freie Angestellte", Organ des ZdA., bringt verschiedene Ansichten von Naziführern zur F r a u e n s r a g e. So Gregor S t r a ß e r: „... daß die Frau aus dem Produktionsprozeß v e r- drängt werden müsse, und daß man ihr im Dritten Reich beibringen werde, mit dem Geld, was der Mann nach Hause bringt, auszukommen. W u r st und Weißbrot werden verschwinden, dafür werden die Nazis die gute alte Erbsensuppe wieder zu Ehren bringen..." Elsbeth Zander aber, die Nazisrau, ist nicht ganz seiner Meinung und sogt dagegen: „... Der Staat braucht die Mutter. Er braucht auch die berufstätige Frau. Dos Dritte Reich kann nicht im Hand- umdrehen die Lücke ausfüllen, die der Weltkrieg gerissen hat und die nun einmal da ist. Das Dritte Reich kann auch nicht sllr jedes Mädel den Mann finden, der es ernährt. Es fehlen auch vorläufig die Mjttel, das Herdseuer in Brand zu setzen, an dem die Frau stehen kann, um für Mann und Kinder Haussraulich zu sorgen. Der Arbeitslose, der Wohlfahrtsunterstützte kann natürlich nicht heiraten. So töricht sind wir nicht, daß wir die Not der Stunde nicht sehen. Das Dritte Reich wird vielleicht die Frauen noch mehr zur Arbeit heranziehen müssen, als das bisher schon geschah." Straßer will die Frau aus der Berussarbeit verdrängen, Elsbeth Zander aber meint, im Dritten Reich würden die Frauen— wie in den herrlichen Zeiten des Weltkrieges— erst recht schuften müssen. Einig sind sie sich jedoch, daß die Zeiten des„Dritten Reiches" triste Zeiten sein werden, Zeiten, wo„die gute alle Erbsensuppe" alz Sonntagsbratengrsatz wieder zu Ehren kommen wird. Die deutsche Arbeiterschast verzichtet auf dieser Nazibrühe. Arbeitsbeschaffung tut not! Eine Gchrist des Deutschen BaugewerksbundeS. Der Deutsche Baugewerksbund hat in diesen Tagen über den freiwilligen Arbeitsdienst eine sehr instruktive Schrift veröffentlicht, di� �en freiwilligen Arbeitsdienst als einen sehr gefährlichen N�i Lehels bezeichnet, der sich fast ganz zu Lasten der Bau- arbeiterschast auswirkt. In dieser Broschüre wird der Be- weis erbracht, daß der freiwillige Arbeitsdienst teurer ist als die tariflich bezahlte Arbeit. Uebrigens ist das auch schon vom Reichs- verband der Deutschen Industrie, Fachgruppe Bau, nachgewiesen worden. In der sehr beachtenswerten Schrift wird insbesondere auch darauf hingewiesen, wie wichtig es psychologisch ist, daß ältere und jüngere Arbeiter gemeinsam schassen, was im freiwilligen Arbeitsdienst zum ollergrößten Teil ausgeschlossen ist. Di« Jugend- lichen sind sich hier fast selbst überlassen. Als ein sehr verdienstvoller Abschnitt dieser Veröffentlichung darf dann jener Teil bezeichnet werden, der zeigt, wo und wie heute noch ungeheure Möglichkeiten zur Arbeitsbeschaffung vor- Händen sind, ohne daß dadurch Facharbeiter, natürlich auch hier wieder in erster Linie die des Baugewerbes, benachteiligt werden. In einer Zeit, in der wertvolle Gebäude verfallen, Straßen und Ehaufseen sich in gefährliche Schlammrinnen verwandeln, Kanäle versanden und wertvolle Baumaschinen verrosten, werden sechzig und mehr Millionen Mark Steuergelder für Arbeiten ausgegeben, zu deren Ausführung selbst bei bester Konjunktur noch genügend Arbeitslose und Holbinvaliden vorhanden wären. Der freiwillige Arbeitsdienst sei eine Sinnlosigkeit, der erzieherische Wert sehr zweifelhast. Die Schrift bringt dann einen sehr frisch geschriebenen Abschnitt über den freiwilligen Arbeitsdienst und gewerkschaftliche Erziehung, sie gipfelt in der Forderung, daß nicht Arbeitsdienst- Pflicht Deutschland retten könne, sondern Arbeitsbeschaffung. Man kann zu der Frage stehen wie man will, jeder wird das reichhaltige Material, dos hier zusammengetragen ist, nicht ohne Bereicherung seiner Kenntnisse über den freiwilligen Arbeitsdienst aus der Hand legen. Studentische Arbeitslager. Mit Hierl und Hitler als Vorbild. Die Pressestelle der der Deutschen Studentenschaft angeschlossenen Großdeutschen Studentenschaft an der Technischen Hochschul« Berlin teilt mit: „Nachdem es nunmehr durch die neuesten Verordnungen über den freiwilligen Arbeitsdienst gelungen ist, Mittel auch sllr studen- tische Arbeitslager zu bekommen, wird die Kroßdeutjche Studenten- schaft des Technischen Hochschule in die Lage versetzt, ihre seit langem vorbereiteten Arbeitslager zu verwirklichen. Diese Lager sollen keine Gelegenheit sein,„Geld zu verdienen" und ihr Inhalt soll auch nicht sein, gei st reich oder geistlos zu de- battieren, wie es von gewissen intellektuellen Kreisen angestrebt wird. Die Lager>der Kroßdeutschen Studenten- schast sollen— im Gegensatz zu ähnlichen Einrichtungen anderer Organisationen— lediglich den Zweck haben, einen allgemeinen Arbeitsdienst vorzubereiten: sie sollen eine harte Schule der Manneszucht sein, mit dem Ziel, die deutsche studentische Jugend zu erziehen und zu echtem Nationalismus, zum Dienst am Volte." Wie Hierl sich räuspert und wie er spuckt, das haben ihm diese Nazistudcnten abgeguckt. Mit welcher Geringschätzung reden diese Akademiker von„gewissen intellektuellen Kreisen". Debatten mit und ohne Geist gibt es nicht. Ileberhaupt Geist! Der Saufkom- ment genügt vollkommen. Das ist der„echte Nationalismus". Wenigstens so, wie ihn diese„großdeutsche Studentenschast" sich vorstellt. Der freiwillige Arbeitsdienst, zu dem man auch die Swdenten zugelassen hat, damit, wie der Reichskommissar Dr. Syrup meinte, Hand- und Kopfarbeiter einander näher kennen lernen, ist für diese Nazistudenten nur die Schul« zum„echten Nationalismus" und um den„allgemeinen Arbeitsdienst"(man versteht!) vorzubereiten, der wieder nur die„harte Schule der Manneszucht" sein soll, mit lang- sam Schritt, Grifseklopfen und Parademarsch. Wenn die jungen Herrchen also ein studentisches„Arbeitslager" einrichten wollen, aus Staatskosten selbstverständlich, um unter sich zu sein, so werden sie davor bewahrt bleiben, sich vor Arbeitern zu blamieren. Gegen Gewerbefreiheii. Für den Zunftzwang. Die„Handwerks-Zeitung", das Amtsblatt der Handwerks- kammer zu Berlin, brachte am 15. Juli einen Artikel: Zunft- zwang oder Gewerbefreiheit? Es wird darin als„Aufgabe des heutigen Handwerks mit seinen wohlüberlegten Forderungen" be- zeichnet,„dem Mißbrauch der Geneerbesreiheit endlich gesetzgeberisch ein Ende zu machen". Diese Folgerung wird aus einer Schrift:„Das Handwerk an Deutschlands Scheidewege" gezogen, aus der geschichtliche Remi- niszensen wiedergegeben werden. Zur Aufhebung der Sonderrechte der Innungen durch das Edikt vom 2. November 1870 und das Ge- werbepolizeigeseg vom 7. September 1871 wird Marwitz zitiert: „Die Meister und die Bauern wurden die Knechte ihrer Ge- sellen und ihres Gesindes.' Das Land wimmelte von Landstreichern und Bettlern, während überall Arbeitshände fehlten. Es herrschte Liederlichkeit und ein Drängen von unten nach oben, nach leichtem Erwerb." Hierzu wird gesagt:„Der Vergleich mit den Folgen des Um- sturzes von 1918. der ähnliche Wirtschaftsänderungen brachte, drängt sich beim Lesen dieser Schilderung Marwitzens unwillkürlich auf." Uns drängt sich dabei die Meinung auf, daß die verbohrten zllnstlerischen Auffassungen ziemlich dauerhaft sind. Die Weimarer Verfassung, die das Vorrecht der Zwangsinnungsbildung unberührt ließ, wird nicht erwähnt, wohl aber an der Reichsversassung von 1871„die verderbliche Uebernahme des Freizügigkeitsgesetzes von 1867" beklagt. Im übrigen wird bei den„wohlüberlegten Forderungen gegen die Gewerbefreiheit" übersehen, daß bei der heutigen Wirtschasts- krise dem Handwerk auch bei voller Zwangsorganisation wenig geholfen wäre. Bei guter Konjunktur aber hat das Handwerk Be- schäftigung auch unter der Gewerbesreiheit. Die Ltnfälle im preußischen Bergbau. Weiterer Rückgang. Die Unfallstatistik des preußischen Bergbaus für das Jahr 1931 ergibt folgendes Bild(die Zahlen des Vorjahres sind in Klammern beigefügt): Insgesamt ereigneten sich auf 1000 Mann der Belegschaft 184,87(196,88) Unfälle, von denen 1,90(2,59) tödlich waren, 19,47(18,16) eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als acht Wochen und öl, 58(47,08) eine solche von mehr als 4 Wochen bis einschließlich 8 Wochen zur Folge hatten. Im Steinkohlen- b ergbau entfielen aus 1000 Mann der Belegschaft 205,94(216,41) Unfälle insgesamt, davon 2,05(2,97) tödliche Unfälle, 21,71(20,15) Unfälle mit einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als 8 Wochen und 59,28(52,76) Unfälle mit einer solchen von mehr als 4 Wochen bis einschließlich 8 Wochen. Danach hat sich der Rückgang der Unsälle überhaupt und der tödlichen Unfälle fortgesetzt und zwar bei den letzteren auf Ziffern, die weit unter der Vorkriegszeit liegen. Dagegen weisen die Zissern der Unfälle mit längerer Arbeitszeitunfahigkeil eine geringe Steigerung gegenüber dem Vorjahr auf. Lohndruck bei den Adlerwerken. Unter den Tarifvertrag. Uns wivd geschrieben: Di« Adlerwerke A.-G., vorm. Heinrich Kleyer, Filiale Berlin— die Zentrale befindet sich in Frankfurt am Main— teilte am 25. November 1931 ihren Angestellten mit, daß rückwirkend ab 1. November die Gehälter bis 12 Proz. gekürzt werden, obwohl durch diese Maßnohme die für allge- meinverbindlich erklärten Mindestsätze des Angeftelltentarifvertrages der Groh-Berliner Metallindustrie, der bekanntlich auf das .Leistungsprinzip" aufgebaut ist, wesentlich unterschritten wurden. Unbeschadet der in dieser Gruppe gleichfalls ab 1. Januar 1932 eingetretenen erheblichen G e h a l t s s« n k u n g hat jetzt die Leitung der Berliner Filiale wieder dem Angestelltenrat mitgeteilt, daß sie eine nochmalige Kürzung der Gehälter bis 12 Proz. rückwirkend ab 1. Juli durchführen will. Alle Vorstellungen des Angestelltenrates, daß durch diese Maßnahme die Sätze des Tarifvertrages unterschritten werden, wurden nicht beachtet. Maubt die Firma etwa, daß das„Dritte Reich" schon angebrochen ist und die Tarifverträge beseitigt sind? Da uns bekannt ist, daß die Adlerwerke Wert darauf legen, Staatsausträge und solche der öffentlichen Hand zu erhalten, richten wir hiermit an Herrn von P a p e n die Frage, ob derartig taris- feindliche Betriebe bei der Vergebung von Staatsausträgen bevor- zugt werden sollen. Alle Angestellten geben daraus am 31. Juli die richtige Antwort und wählen L i st e 1— SPD. Kommunistische Gireikfinanzen. Wo bleiben die gesammelten Gelder? Anläßlich des vor einiger Zeit im Braunkohlengebiet in Nordwestböhmen entstandenen Bergarbeiterstreiks, bei dem die organisierten Arbeiter von ihren freien Gewerkschaften die volle Unterstützung erhielten, haben die K o m m u n i st e n S a m m- l u n g e n veranstaltet, die sie erst jetzt nach langem Drängen verrechnet haben. Bei der Abrechnung wurde ein skandalöser Miß- brauch des gesammelten Geldes ossenbar. Das kommunistische Komitee teilt mit, daß insgesamt 301 087,05 Kronen gesammelt wurden, wovon ganze 10 500 Kronen für Unterstützungen zur Aus- Zahlung gelangten, was pro Kopf der streikenden Bergarbeiter 1 Krone ausmacht. An Fahrkosten verrechnen sie 7000 Kronen und an Unterstützungen für Kinder wollen sie 27 000 Kronen aus- weisen. Für Flugblätter werden 10 000 Kronen, für P o r t o und Adressenschreiben 7500 Kronen usw. in Anrech- nung gebracht. An Verwaltungskosten verrechnen demnach die Kommunisten täglich 2 0 0 0 K r o n e n. Verschiedenen Liefe- rantcn von Lebensmitteln wurden 98 000 Kronen bezahlt, Konsum- vereinen 22 000 Kronen. Man hat auch an die Zukunft gedacht und 45000 Kronen zurückgelegt, die später bei Forde- rungen, die aus diesem Konflikt entstehen könnten, Verwendung finden sollen. Insgesamt werden von den Kommunisten 214 000 Kronen oerrechnet. Nun wird die Frage ausgeworfen, falls man der ganzen Der- rechnung Glauben schenken darf, wo die restlichen 86000 Kronen geblieben sind. Und man denkt unwillkürlich an die kommunistischen Kilometerredner, die— in der Tschechoslowakei wie anderwärts— über die„Gewerkschaftsbürokraten" schimpfen und ihnen vorwerfen, sich von Arbeitergroschen zu mästen. §Iuaendczruppe des Zentralverbanbes der Anqestellten Spiele im Zeeiea Sonnabend, 30. Juli, ab 18 Uhr, auf dem Sport- Platz Humboldthain. Der„Vorwärts' erscheint wochenläglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe jür Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage„Voll und Zeit". Anzeigenpreise: Die« i n sp a l t. Millimeterzeile so Pf., Reklamezeile 2.— M, „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. lzulässtg zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte iiber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Brbeitsmarit Millimeterzeile 25 Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile>S Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstratze Z, wochentäglich von S>/, bis 17 Uhr Der Perlag behält sich da» Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor' Verantwortlich tü, Politik: Picto, Schiff: Wirtfchutl: s.«lingelhöier! Wewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Lcperc: Lokales und Sonstiges: jjriR ilarstiol, Anzeigen: Th. Slockc; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag®. m. b. H.. Berlin Druck: Porwärts-Buchdruckerel und Berlagsanstalt Paul Einger u. Co.. Berlin EW. 88, Lindenftratze& Hierzu 2 Beilagen. Nr. 355* 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend. 30. Juli 4932 Wer zuerst Kommt, wantt zuerst! morgen irühzeliig«Ahlen l- Niehl erst Kurz uor Toresschluß! 2ln den Ansehlagsäulen weist das Berliner Wahl- anrt die Ttimmberechtigten darauf hin, rechtzeitig zur Wahl zu gehen. Nun fragen sich oft die Wähler, warum dieser Hinweis? Gilt unsere Stimme am Vor- mittag mehr als am Nachmittag? Was ist denn schon für ein Unterschied dabei, ob wir um 148 Uhr vormittags oder um Vi 5 Uhr nachmittags wählen? GS ist ein groster Unterschied! Denn stoßweiser als das Abstimmungsgeschäft geht wohl kein Geschäft. Frühmorgens um 8 Uhr, wenn der Wahloorstand vereidigt und die Wahlhanblung soeben eröffnet ist, stehen schon die ersten Wähler vor der Tür. Fast jeder mit einem Rucksack auf dem Buckel. Meist sind es Laubenkolonisten, die nur aus die Er- ösfnung der Abstimmung gewartet haben und dann so schnell wie möglich in ihre Laube wollen. Nachdem diese Frühaufsteher abge- fertigt find, ist plötzlich alles aus. Der Abstimmungsvorstand könnte getrost ein Nickerchen machen, bis der nächste Zug ankommt. Es ist das Eigentümliche bei den Abstimmungen, daß die Wähler immer ruckweise kommen. Obwohl gar kein Bahnhof in der Nähe ist, sieht es aus, als wäre tatsächlich eben ein Zug angekommen. Es ist, als hätten sich die Wähler verschworen, kolonnenweise anzurücken. Nach- dem wieder völlige Ruhe. Am ruhigsten ist es in den Mittagsstunden. Alles fitzt zu Hause um den Mittagstisch und die vereinzelten Wähler, die sich um diese Zeit in die Wahllokale verirren, haben den Bor- zug, in Sekundenschnelle wieder draußen zu sein, da sie nicht einen Augenblick zu warten brauchen. So geht es den ganzen frühen Nachmittag hindurch und die Mitglieder«des Wahlvorstandes sitzen wie die Trauerklöße da. Bis um 4 Uhr, zum Beginn der letzten Stunde, wo sich alle Schleusen öffnen. Für ganz Berlin zusammengerechnet, erinnert sich um diese Zeit wohl schlecht gerechnet noch eine Viertelmillion Wähler daran, daß sie noch nicht ihr Wahlrecht ausgeübt haben. In den letzten Minuten sind die Abstimmungsräum« gerammelt voll, die Wähler stehen Schlange, alles ist unruhig, weil die Uhrzeiger plötzlich so schnell laufen, während um 3 Uhr keine Maus im Wahllokal war. Wie leicht können bei solcher Säumnis wertvolle Stimmen verloren gehen! In dieser Beziehung hatte das sogenannte„Schleppen" in der Vorkriegszeit schon seinen Vorzug. Heute ist es aber sinnlos ge- worden, da niemand weiß, ob er nicht einen politischen Gegner zur Wahlurne schleppt. Tief bedauerlich ist aber regelmäßig, wenn nach Schluß der Wahlhandlung bei der Kontrolle der Stimmlisten m i t- unter ganze Seiten unangekreuzt geblieben sind. Ganze Familien haben ihr Wahlrecht nicht ausgeübt und somit auf die Gestaltung ihres Schicksals unverständlicherweise verzichtet. Das brauchte nicht vorzukommen, denn die paar Schritte bis zu seinem Wahllokal kann jeder gehen. Besonders bei der jetzigen Reichstags- wohl ist mehr denn je Wahlrecht auch Wahlpflicht! Noch ein Wort an die alten gebrechlichen Männer und Frauen. Viel können schlecht sehen, einigen zittern die Hände, die dritten sind unbeholfen und so bitten sie den Wahlvor- stand, ihnen in der Zelle doch behilflich zu sein. Das ist nicht an- gängig, wie es strengstens verboten ist, daß Mitglieder des Ab- stimmungsoorstandes zur Entgegennahme der Stimmen von bett- lägerig kranken Stimmberechtigten sich in deren Wohnungen be- geben. Wohl aber ist es erlaubt und sogar ratsam, wenn sich Ge- brechliche eine Vertrauensperson mitbringen, am besten einen Verwandten, um sich von diesem in der Wahlzelle helfen zu lassen. Und nun auf zur Wahl! Stein Kreuz gehört der Liste 1 Eiterne Front- trotz alledeml Partei- und Betriebsveranstallungen: Sonnabend, den 50. Juli: 6t. Abt. Spandau. 19J4 Uhr, im Hohenzollernkasino, Spandau, Württembergstr. 7. Kundgebung„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Lorenz Breunig. III. Abt. Bohnsdorf. 20 Uhr, bei Heimann, Waltersdorfer Str. 100, öffentliche Kundgebung.„Die kommenden Wahlen." Referent Jockel Meier. 124. Abt. Mahlsdorf. 20 Uhr, öffentliche Kundgebung im großen Saal von Anders, Bahnhofstr. 35/37.„Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse." Referent Paul Zippel. 1S2. Abt. Blankenburg. 1914 Uhr, öffentliche Kundgebung bei Klug, Dorfstr. 2.„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse." Referent Dr. Schützinger. Sorgt für Massenbeteiligung! Das Geheimnis der Hakenkreuzfahnen. Fünf Mark für ein Fenster, ein Brot und Hakenkreuzbonbons Schon bei der Reichspräsidentenwahl griffen die Berliner Haken- kreuzler zu einem verzweifelten Mittel, um im Flaggenkrieg mit ollen erdenklichen Mitteln an führender Stelle zu stehen. Leer- stehende Wohnungen wurden für Wochen gemietet, Arbeitslosen wurden pro Tag so und soviel gezahlt, wenn sie die Hakenkreuz- sahne hißten. Diesmal gehen die Nazis sogar noch weiter: sie suchen Rentenempfänger auf und versuchen durch Geld- Versprechungen die alten Leute dazu zu bewegen, aus den Fenstern ihrer Wohnungen die Hakenkreuzfahne herauszuhängen. Aus der Umgebung des Blllowbogens wird uns ein besonders bemerkens- werter Fall berichtet. Bei der Witwe I. erschienen mehrere SA.- Leut.'. Sie versprachen ihr 5 INark, im voraus zahlbar, wenn sie eins ihrer Fenster zum Anbringen einer großen hakenkreuzsahne zur Verfügung stellen würde. Als das noch nicht zog, holte einer der Burschen ein Brot mit einem eingebackenen Hakenkreuz und eine große Tüte Hakenkreuz- b o n b o n s hervor. Die Rentnerin ließ sich durch diese seltsamen Liebesgaben keineswegs von ihrer Meinung abbringen und wies den Burschen, als sie zu aufdringlich wurden, kurzerhand die Tür. * An der Hausfront, in dem die Büros des Zentralver- bandes der Arbeitsinvaliden in der Kaiser-Friedrich- Straße 9 in Schöneberg sind, befindet sich ein etwa 30 Meter langes, weithin leuchtendes Transparent, das den Aufruf enthält:„Wir alle wählen Sozialdemokraten— Liste 1." Dieses Transparent und mehrere Freiheitsfahnen sowie Flaggen mit den Farben der Re- publik hatte es den Nazis angetan. Nachts schlich sich eine Kolonne von 8 bis 10 Mann heran und mit einer etwa 10 bis 12 Meter langen Bambusstange versuchten die Burschen das Transparent zu vernichten. Ein Mieter des Hauses beobachtete die Täler jedoch und rief die Polizei. Gronau in Ottawa gelandet. Der deutsche Ozeanslicger von Gronau und seine Begleiter sind am Freitag um lö.ZO Uhr 2NEZ. in Ottawa skanada) glatt gelandet. Zugunglück im Korridor. Eine Tote und 29 Verletzte. Da n z i g, 2». Juli. Ein schweres Eisenbahnunglück hat sich heute vor- mittag bei T i r s ch a u zwischen den Stationen Markau und Subkau ereignet. Von einem Zuge, der mit 80 Kilo- meter Geschwindigkeit fuhr, rissen sich die letzten fünf Wagen los und sprangen auS den Schienen. Die beiden ersten Wagen wurden schwer beschädigt. Von den Passagieren wurden etwa 30 verletzt, darunter 10 schwor; eine Frau starb auf dem Transport ins Krankenhaus. Zahlreiche Reisende erlitten Hautabschürfungen und Verletzungen durch GlaSsPlitter. Von Tirschau wurde sofort ein R e t t u n g S z u g an die Unglücksstelle entsandt. Da die Strecke zweigleisig ist, konnte der Verkehr aufrecht- erhalten werden. Die Katastrophe soll durch einen Wagen hervorgerufen worden sein, dessen Fahrgestell reparaturbedürftig war. Nach einer anderen Version waren die Eisenbahnschwellen auf der Strecke schadhaft. Die Aufräumungsarbeiten an der Unfallstelle sind im Gange. Der Materialschaden ist sehr groß. Der verunglückte Zug war ein Son- derzug, der zahlreiche Festgäste für das am Sonntag in Gdingen stattfindende„Fest des Meeres" beförderte. Wieder Lleberfall auf Taxichauffeur. Tliedergeschlagen und beraubt.— Die Täter verhaftet. In der Nacht zum Freitag ereignete sich gegen 3.10 Uhr vor dem Hause Lothringer Straße 7 ein neuer Ueberfall auf einen Taxenchauffeur. Der Führer Georg L i e r s ch aus der Ritterstraße 12.5 hatte an der Ecke der Novalis- und Elsasser Straße ein» Fahrt nach der Lothringer Straße 7 angenommen. Fünf Mä n n e r, die sämtlich in den Zwanzigern stehen, bestiegen den Wagen. Als der Chauffeur am Ziel hielt und Bezahlung in Höhe von 2,40 M. verlangte, weigerten sie sich zu zahlen. Schließlich kramte doch einer Geld heraus und überreichte es dem Chauffeur. Dieser wollte es gerade einstecken, als die Fünf jetzt plötzlich auf ihn einschlugen und ihn aus dem Wagen herauszerrten. Es kam zu einer wilden Schlägerei. Georg L. setzte sich verzweifelt zur Wehr und rief laut um Hilf«. Auf die Rufe wurde eine Polizei- streife aufmerksam und kam im Sturmschritt herangeeilt. Während vier der Männer fe st genommen werden konnten, gelang es dem fünften zu entkommen. Ltnierschlagungen im Alpenverein. Kassierer nach 99009 Mk. Veruntreuungen flüchtig. Dresden, 29. Zuli.(Eigenbericht.) Langjährige große Unterschlagungen sind in der Sektion Dresden des Deutschen und Oeslerreichi- fchen Alpenvereins ausgedeckt worden. Als dieser Tage eine Revisionsgesellschaft bei einer Bank anfragte, ob ein mit 77 177 Mark bescheinigtes Sparkassenguthaben mit den Buchungen übereinstimme, ergab sich, daß auf dem Sparkassenbuch in Wahrheit nicht ein Pfennig ruhte. Die weiteren Ermittlungen ergaben, daß der langjährige Kassierer A n s o u l seit dem Jahre 1924 llber90 000 Mark veruntreut hat. Die Einlagebuchungen hatte er ge- fälscht. Bei den Prüfungen in den früheren Jahren ist stets ver- säumt worden, bei den beteiligten Banken nachzufragen, ob die Cinlagenbestände mit den Feststellungen übereinstimmten. So konnte Ansoul seine Betrügereien jahrelang fortsetzen. Der Betrüger ist geflüchtet. Ein Haftbefehl gegen ihn ist erlassen worden. Der hatte sofort nach seiner Rückkehr vom Brühl von der mißgestalteten„Zwehl" gehört und war natürlich sporn- streichs hingelaufen, um das neueste Werk des Brabanters zu sehen und es mit den entsprechend geformten Haken fachmännischen Urteils herunterzureißen. Run stellt er unten an den Brotlauben, neben den italienischen Pastetenbäckern, den sowieso aufgeregten Malers- mann, indem er ihn am Kittelärmel zupft und mit höhnisch verzogenein Unterlippe! fragt: „Hand aufs Herz, Gevatter, wieviel Schmiergeld haben dir die Böhmen für ihren frischgebackenen Erzengel auf den Tisch des Hauses geschüttet?" Eine dumme Frage, eine blöde Frage, der sich übrigens keine dieser Art mehr anschließt. Schweinlinger nämlich unterbindet etwaige dahinzielende Neigungen auf der Stelle durch eine geballte Faust. Die wird derart rasch und kräftig und nachdrücklich aus- gestreckt und landet mit solcher Ueberzeugungsmacht auf einem unverschämten Kinn, daß Zwickel, der plumpe Malter- sack, es vorzieht, unter plötzlichem Verstummen und Abtun jeden hämischen Gelachs, sich erst einmal eine Weile im Rinn- stein niederzulassen und dort in Demut abzuwarten, bis Gott in seiner unermeßlichen Güte ihm neue Kraft zum Weiter- schreiten schenkt. Schweinlinger indessen ist leichtfüßig und strahlend davon, gerechtferiigt vor sich selbst und angefüllt mit all der Zufriedenheit, die ein getanes gutes Werk dem inmendigen Menschen oerleiht. Um den Zunftmeister, der im Dreckwässerchen liegt, als ob er da die größten Bollen herausschöpfen möchte, sammelt sich allerlei Volk, begierig, das Wiederaufstehen des Klotzes zu genießen und vor allem den Ausbruch der Segenswünsche, die er seinem Bodiger nachsenden wird. Unter denen, die um den schnaufenden Haufen Unglück herumstehen, jjt auch ein kleiner rotgesichtiger Sradtknecht, ohne Koller und ohne Partisaneneisen: denn er hat Urlaub. Der sieht dem Mariele von der Mettnau, das auch im Kreis steht und seine grünen Fischaugen wandern läßt, also steif ins Gesicht, daß die Jungfer aus dem Salmen ihre ganze Kratzbürstigkeit zeigt, indem sie fragt: „Was glotzest du mich in einem fort an, bin ich dir öppen Geld schuldig?" „Das grad nicht!" erwidert der Krebs, in seinem lustigen, roten Gesicht noch röter werdend,„aber eine höfliche Antwort bist du mir schuldig noch von gestern abend her!" Auf diese Antwort hin schaut das Mariele den Rot- gesichtigen etwas genauer an und, o Schreck, laß nach, erkennt in ihm den Stadtwappner, dem es beim Einzug der Deutsch- ordensritter vom Malhaus-Fenster aus das Vorhandensein eines ordentlichen Kreuzes bestritten hatte. Jetzt ist die Reihe, Feuer in die Ohren zu kriegen, an ihr, und sie fragt, aber das bloß, um Zeit zum Ueberlegen zu haben:„Was für eine Antwort?" „Komm mit!" sagt keck der Kleine,„du wirst sie schon sehen!" Das Mariele schaut in seine hellen Augen, aber es kann den Blick nicht aushalten. Der brennt ja wie Sonne! Sie wippt mit dem Knie, fängt ihren Schurzbändel und spielt verlegen damit. Soll sie mitkommen? Soll sie nicht? Sie schwankt. Aber wenn eine Frau schwankt, ist sie schon mit beiden Füßen verloren. Nun, schließlich geht sie doch mit, trotz ihrem anfänglichen Widerstreben, und nachher, als sie in abgelegene Gassen kommen, wo der Holder über die Mauer hängt und wo es infolgedessen viel dunkler ist als anderswo, da stört es sie nicht einmal, daß der kleine Krebs sich scharf auf die Zehen stellen muß, um sie, selbst wenn sie den Kopf beugt, ordentlich abküssen zu können. Doch mit diesen Küssen hat es eine eigene Bewandtnis. Sie befausen ihr Blut ärger als Wein und geben ihr eine solche Fülle von Kraft, daß sie nachher imstand ist, den, der die Küsse austeilt, auf ihren eigenen Armen in die Kammer zu tragen. Denn die verdammte Treppe knarrt, und die Wirtin darf um Gottes willen nicht merken, daß mehr hinauf ist als nur ihr Tritt! Das Mettnauer Mariele hat seinen raschen Entschluß und seine Waghalsigkeit nie zu bereuen gebraucht: denn was hernach folgt, als die Tür geschlossen und gut abgeriegelt ist, das schließt ihr die sieben höchsten Himmel schon hienieden auf der Erde auf. Schon eine Viertelstunde später sieht das Mariele ein, daß die Gaben der Welt wirklich ungleich verteilt sind. Der Rüstigkeit nach, die der kleine Krebs zeigt, hätte er weitaus der oberste Mann im Reiche fein müssen: denn der Pfalzgraf und seine pfalzgräfliche Älunst versinkt neben ihm und der seinigen zu weniger als einem armen Schattensschatten. Und als das Mariele endlich wieder denken in der Nacht und die Sterne zählen, die durch das Fenster scheinen, da nimmt es sich vor, bei Herrn Ludwig den Augenblick abzu- passen, wo er wieder einmal daran geht, ihr seine gesamte Erztruchseßschaft hemdlings zu Füßen zu legen. Da will sie mit aller List dreinfahren, um für ihren kleinen Krebs eine Versorgung zu finden. Der gute Junge verdient aller- mindestens eine Waibel- oder eine Hauptmannsstelle. Was soll er sich ewig als Rottmann abplagen?! Ueberdies, wer weiß, es ist nicht mal lang hin bis zum April. Vielleicht gilt es zu dort, für einen noch kleineren Krebs zu sorgen. Das Mariele lächelt glücklich und spürt an seinen heißen Backen, daß es erst jetzt rot geworden ist, erst jetzt, beim Gedanken an den künftigen Jungen. 32. Die Bratwurst, die den Schinken predigt, hat es in sich. So weltlich es in dem Weingewölbe auch zuzugehen pflegt, es entläßt keinen seiner Gäste ohne geistigen Segen. In diesem Punkt hält der Pfaffenkeller auf Tradition. Der Schaffhauser schwankt, als er die Sandsteinstaffeln hinter sich hat und an die Abendluft kommt. Toll! Der Stephansplatz dreht sich vor ihm im Kreise. Drüben, von der Kirchhofmauer, löst sich ein bärtiger Heiliger und kommt mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu. „Bleib, wo du bist, maßleidiger Christ!" wehrt der Schaffhauser ab und kehrt der Spukgestalt den Rücken.„Du fehlst mir grad noch in meiner Sammlung! Ein ausge- wachsenes Maitfchi wär' mir lieber!" „Ruhig im Geist!" kommandiert der Schneizenhöfer und legt den Finger auf den Mund:„Horch, wer tappt da?" „Na, wer wird groß antappen um diese Zeit?'ne Nonne oder'ne Hur!" „Aetsch, ausgelacht! Keins von beiden. Ein Drittes: unser frommer Vater Pirmin!" „Gelobt sei Jesus Christus!" grüßt der Schaffhauser und bückt sich, Frommheit markierend, so weit vornüber, als es sein Zustand erlaubt. (Fortsetzung folgt.) Drei Pfeile auf dem E.K.-Band Ein altes Abzeichen kommt wieder zu neuen Ehren. Auz Niederschlesien erhalten wir von einenr Sesinnungs- freund eine Zuschrift, die nicht nur einen beachtlichen Sednuken zum Ausdruck bringt, sondern von einem so zulunftsstarien froh«» Glauben beseelt ist, daß wir ste hiermit ungekürzt zum Abdruck bring««!. D. Red. In einem Jndustrieort von 7 Olli) Einwohnern— ringsum Lauern und Rittergüter, letztere zum Teil vor dem Bankrott— findet an demselben Sonntag Eewerkschaftsfest und Naziparade statt. 2000 SA.-Manner find angesagt, gekommen sind aber nur 500 bis 600. Alles hat sich in Ruhe abgewickelt. Bereits am Vormittag wurden viele Hakenkreuze und Stahlhelme zur Schau getragen. Auch bei den Kirchenbesuchern konnte ich diese Friedenszeichen feststellen. Die Sache hatte nun bei mir ein Fünkchen zur Flamme entfacht, und ich tat folgendes: Ich suchte mein E. K. II heraus, nahm davon das Band, zvgs durchs Knopfloch und steckte die„drei Pfeile", das Zeichen der Eisernen Front hinein. So spazierte ich durch den Ort. Später marschierte ich im Zuge der Gewerkschaften(1400 Teilnehmer) mit derselben Dekoration. Meinen Gesinnungsgenossen erklärte ich auf Befragen:„Neueste Notverordnung: Alle Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer haben das Abzeichen so zu tragen." Den Herren vom Papenkreuz und Stahlhelm habe ich das Ding immer recht auffällig vor die Nase gehalten und wo immer möglich die Leute begrüßt und angesprochen. Wer sich nach der Bedeutung meiner Zu- sammenstellung erkundigte, bekam zur Antwort:„wir waren 4*6 Zahre eiserne Front gegen den äußeren Feind, und wir sollten zu Stahl werden."„Heute sind wir die eiserne Front gegen den inneren Feind und wir werden zu Stahl werden!" Was für Gesichter konnte ich da bewundern! Wenn Blicke töten könnten—! Ich werde die drei Pfeile weiter auf dem Band« des E.K. trägen, um den Leuten zu zeigen, in welchen Rechen die Front- kämpfer zu suchen sind und wo die deutschen Männer stehen. Gprit-Webers Bruder verhastet. Betrug durch„Darlehens-Vermittelong". Durch das rechtzeitige Eingreisen der Kriminalpolizei wurde ein großangelegtes Betrugsmanöver des Sausmanns Wilhelm Weber, eines Bruders des berüchtigten Sprit-Webers, ereitelt. Wichelm Weber operierte auf der Suche nach gutgläubigen Opfern mit gefälschten Briefen des Oberpräsidiums Brandenburg, des Reichsoerbandes Deutscher Schutzpolizeioffiziere und bediente sich auch des Namens eines bekannten Berliner Rechts- anwalts. Gestern fand in seinem Büro eine Haussuchung durch Beamte der Inspektion VI. 7 statt, die vorgefundenes Material be- schlagnahmten und Wichelm Weber verhafteten. In diese Sache verwickelt ist der kürzlich in einer Einbruchsaffäre genannte Werner von Heeringen, der in dem Büro tätig war und von Webers Geschäften gewußt hatte. Heeringen ist nicht zu vernehmen, da er sich zur Zeit in einer psychiatrischen Klinik befindet. Weber ließ bekanntmachen, daß er Gelder für Bauzwecke besorgen könne und lockte damit einen verhältnismäßig großen Interessentenkreis an. Auf die einzelnen Gesuche erhielten die Geldsuchenden Mit- teilungen, aus denen hervorging, daß die Gelder zur Zeit nicht flüssig seien. Die Interessenten geduldeten sich und zahlten inzwischen Spesen usw. Einer von ihnen erkundigte sich aber bei der Kriminal- Polizei und bracht« die Sache ins Rollen. Mieter in Verzweislung. Befreiung hilfsbedürftiger Mieter von Hauszinssteuer. Die im Landesverband Preußen e. V. im Bunde Deutscher Mietervereine e. V.(Sitz Dresden) zusammengeschlossenen preußischen Mieterorganisationen haben beschlosien, bei den zuständigen Regierungspräsidenten und für Berlin beim Ober- Präsidenten dahin vorstellig zu werden, daß auch für den Monat A u g u st die Hauszinssteuerstundungen zugunsten hilfsbedürftiger Mieter ohne neuen Antrag still- schweigend weiter gewährt werden. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß über die Antröge fürsorgeberechtigter Mieter durch die Fürsorgebehörden bisher kaum Entscheidungen ge- fällt seien, zumal ausreichende Mittel für M i« t b e i h i l f e n n ich t zur Verfügung stehen. Von den Fraktionen des Preußi- fchen Landtags und der preußischen Regierung werden Maßnahmen dahin gefordert, daß die bisherige Befreiung hilfsbedürftiger Mieter von der Hauezinssteuer entsprechend den Beschlüssen des Landtags wieder«ingeführt wird, und aus diesem Grunde auch über den FDnf Jahre Zuchthaus für Salahan. Die Frau des HOnzfälschers zu einem Jahr Sefäsignls verurtelEt. Das Gericht verurteilte Cornel Salabau wegen Vtünzverbrechcn. unter Zubilligung mildernder Umstände. zu fünf Jahre» Znchthaus, zehn Jahren Ehrverluft und Stellung unter Polizeiaufsicht; Frau S a l a b a n wegen Beihilfe zu einem Jahr Ge- fängnis. Der Haftbefehl gegen sie wurde aufgehobeu. Die Zubilligung einer Bewährungsfrist soll vom Ergeb- nis der anzustellenden Ermittelungen abhängig gemacht werden. «- Das Gericht hat somit den„Dr. für." Eornel Salaban für gesund erklärt. Die Uneinigkeit der psychiatrischen Sachverständigen untereinander macht es unmöglich, gegen dieses Urteil irgend etwa! einzuwenden. Während Dr. P a n f e, der den Angeklagten Salaban in der Heilanstalt Wittenau auf seinen Gesundheltszustand beob- achtet hat, und Dr. Stürmer ihn als schweren hysteri- scheu Psychopathen bezeichneten, blieben Prof. Straß- mann, Dr. Hommerich und Dr. Groß im großen und ganzen bei dem von chnen vor mehreren Jahren erstatteten Gut- achten: sie glaubten an der Geistesgesundheit des Angeklagten auch heute noch zweifeln zu müssen. Wie stellte sich aber Dr. Salaban den Laien dar? Im Prioalleben würde man wohl einen solchen Menschen verrückt nennen. Er poltert die Worte nur so hinaus, kommt vom Hundertsten ins Tausendste, verliert immer wieder den Faden. E» kostet große Mühe, ihm zu folgen. Im Jahre 1924 schrieb er ein Buch„Probleme des Doppelsehens", das 3000 Seiten stark war und keinen Verleger fand. Im Jahre 1926 will er von einem Beamten aus der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes auf den Gedanken gebracht worden fein, ein Nachschlagewerk über ausländisches Recht herauszugeben; so entstand fein Europabuch, durch das er in große Schulden geriet. Der Gerichtsvollzieher wurde fein ständiger Gast, sein Töchterlein muhte ohne Frühstück in die Schule, auf dem Wohlfahrtsamt erhielt er eine Absage, er trug sich mit dem Gedanken eines Doppelselbstmordes, seine Frau war damit einverstanden: im letzten Augenblick glaubte er aber in dem Berkauf seiner Bücher einen Ausweg finden zu können, dabei fiel ihm ein Artikel über M e t a l l p r e f f e n in die Hände. So kam ihm die Idee, falsche Zweimarkstücks herzustellen. Da hatte der Teufel seine Hände im Spiel, sagt er. Keine Spur von Geisteskrankest merkt man aber seiner Fälschertätigkeit an. Hier war alles bis aufs kleinste durchdacht. Di« Falschgeldfachverständigen waren voll Lobes über seine Genia- lität. Er hatte bei derHerstellung der Zweimark st ücke neue Erfindungen gemacht; den Spezialisten, die seine Pressen herstellten, gab er fachmännische Anweisungen. Trotzdem reichte seine Intelligenz nicht aus, um bei der Verbreitung des Falschgeldes die nötige Vorsicht walten zu lassen. Dem Obsthändler, dessen Wachsamkeit zu Salabans Verhaftung geführt hat, mußte es auffallen, als dieser, nachdem er eben erst zwei Zitronen mit einem Zweimarkstück bezahlt hatte, am benachbarten Derkaufsstand die gleiche Prozedur vollzog. Vielleicht war dieses läppische Verhalten mit ein Zeichen für seine Abweichung von der Norm. Die gestrige Verhandlung war kurz vor Schluß der Beweis- aufnähme nahe daran aufzufliegen. Nachdem Dr. Pause sein Gut- achten erstattet hatte, äußerte Salaban den Wunsch, an den Sachverständigen eine Frage zu richten. Sein Mund verzog sich dabei zum Weinen, er ging auf seine Frau zu, umarmte und küßte sie. dann fragte er Dr. Pause:„Habe ich nicht gesagt, daß von Ihnen das Leben dreier Menschen abhängt?" und ohne eine Antwort ab- zuwarten, steckte er sich anscheinend Luminaltabletten in d e n M u n d. Im Lazarett mußte sein Magen ausgespült werden; er hatte eine größere Dosts Luminal geschluckt. Die Verhandlung ging auf Antrag des Staatsanwalts in Salabans Abwesenheit weiter. Auch diese dramatische Szene war für Salaban kein Theater. Sie war eben Salaban, wie er leibt und lebt: ein hyste- rischer Psychopath oder vielleicht ein Geisteskranker. Achtung, Abteilungsleiter! Resultatxettei, UmKängsplakate usw. können sofort vom Sitzungssaal des Bezirksverbandes Berlin abgeholt werden. Das Bezirkssekretariat ist Jeden Tag bis 8 Uhr abends geöffnet Monat August Hinaus ohne besondere Anträge in der bisherigen Höhe eine Niederschlagung der Hauszinssteuer erfolgt. Die kurze Zeit seit Inkrafttreten der neuen Regelung habe be- reits gezeigt, daß die Wohlfahrtsämter gar nicht in der Lage feien, den An stürm der Antrag st eller zu be- wältigen. In den Kreisen der hilfsbedürftigen Mieter herrsche infolge der unklaren Lage äußerste Verzweiflung, zurmtf für viele Mieter wegen Mietzinsoerzuges die Gefahr der Exmission besteh«._ „Schwere Ltrkundenfälschung" Sagt der Staatsanwalt- das Gericht urteilt anders. Die letzte Notoerordnung der Reichsregierung hat aus„Er- sparnisgründen" in der ganzen Gerichtsoerfassung grundlegende Aenderungen vorgenommen. In dem nachstehend geschilderten Pro- zeß bemühte man sich aber um eine künstliche Auslegung von straf- rechtlichen Tatbeständen und bringt harmlose Menschen auf die An- klagebank, anstatt, wenn irgend möglich, Verfahren weden Gering- sügigkest einzustellen. Man höre und staune. Eine Sechsundsechzigjährige ist wegen schwerer Urkunden» fälschung angeklagt. Was hat sie verbrochen? Die Frau wollte «inen Mantel kaufen, ging zu einem Damenkonfektionsgefchäft, wo Mäntel ohne Zahl hingen, billigere und teuere. Einer gefiel der alten Frau ganz besonders. Das Preisschild zeigte 16,50 M- Zuviel für sie. 16 M. hat sie zwar bei sich, alles Gelo darf aber nicht auf den Mantel draufgehen. Was tut sie? Sie entnimmt ihrer Tasche eine Bleiplombe und versucht nun etwas, was zwar unter allen Umständen verwerflich ist, aber bei der Armut der Frau und bei ihrem hohen Alter doch recht entschuldbar sein dürft«. Sie versucht nämlich mit der Bleiplombe die„1" vor der 16 auszu- radieren und wird bei diesem plumpen und naiven Versuch von der Aufsichtsdame überrascht.„Nanu, was machen Sie denn da?" „Ich möchte den Mantel taufen."„Soso, Sie wollen ihn kaufen?" Name und Adresse der Frau werden festgestellt, es wird Straf- anzeige erstattet; das Ganze ist eine schwere Urkunden- fälschung. Die alte Frau sitzt auf der Anklagebank und weint herz- zerbrechend. In den Akten steht„vorbestraft". Das stimmt nicht. Sie ist unvorbestraft. Der Vorsitzende regt verständigerweise an, die Sache wegen Geringfügigkeit einzustellen. Der Staatsanwalt schüttelt den Kopf. Geht nicht, schwere Urkundenfälschung ist ein Verbrechen: Einstellung des Verfahrens gibt es nur bei Der- gehen. Das Frauchen weint bitterlich:„Ich will heute noch den Mantel kaufen— ich bin unbestraft— bei meinen 66 Iahren." Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Urteil: Wegen ver- suchten Betruges 10 M., im Richldeitreibungsialle zwei Tage Hast. Der Tatbestand einer schweren Urkunden- fälschung war nicht gegeben. Das Preisschlld stellt keine Grundlage für einen Vertrag zwischen Kunden und Firma dar; es dient nur für den internen Geschäftsverkehr, um den Verkäufe- rinnen ihre Arbeit zu erleichtern. Also, Herr Staatsanwalt, man konnte den Tatbestand auch als Vergehen auslegen; dann wäre die Einstellung des Verfahrens wohl möglich gewesen.... Naztskandai um„Bllndenmulter". Staatliche Beihilfe für Frau Ihne.— Folgen des Luxuslebens. Di« Nazitumulte am 15. Juli in der Viktoriastraße anläßlich der Versteigerung der Kunstschätze der sogenannten Blindenmutter FrauvonJhne.der Gattin des verstorbenen Baurats, die nach dem Tode ihres Mannes durch ihr luxuriöses Leben in Geld- Verlegenheiten geraten war, finden jetzt vor dem Amtsgericht Bsrlin-Mitte ihr erstes gerichtliches Nachspiel. Wie erinnerlich, drangen am 15. Juli etwa 25 Nationalsozia- listen in den Versteigerungsraum ein. verprügelten das kauflustige Publikum, nahmen den Käufern die bereits versteigerten Sachen ab und brachten die Versteigerung zum Auffliegen. Einige von diesen Nazis dürften demnächst vor dem Strasrichter erscheinen. Von der Kunstauklionsfirma Keller u. Reiner, die aus Grund ihres rechtskräftigen Urteils die Versteigerung oeranlaßt haue, ist ange- sichts dieser Stazitumult« beim Amtsgericht Berlin-Mitt« gegen Frau von Ihne ein Arrest beantragt worden. Die Antragstellertn beruft sich u. a. darauf, daß das Verhalten der Frau von Ihne hart die Grenzen der unerlaubten Handlungen streife. Sie hatte sich Vorschüsse in Höhe von 43000 Mark geben lassen, ohne die Absicht zu haben, ihre Kunstschätze überhaupt versteigern zu lassen; sie habe ungeachtet des bestehenden Vertrages versucht, bei einer anderen Firma eine noch höhere Summe zu erlangen, sie habe schließlich als Sicherung der Forderungen der Antragstellerin einen Kunftgegenstand zur Verfügung gestellt, der bereits anderweitig ver- fändet war. Die Nazitumulte hätten unter Billigung der Frau Ihn« stattgefunden, sie habe dem Gerichtsvollzieher des öfteren gedroht, auf Grund ihrer gesellschaftlichen Beziehungen ihn um Amt und Brot zu bringen. Gegenüber diesen Behauptungen der Antragstellerin erklärt Frau Ihne, daß sie nichts dafür könne, wenn ihr Sohn einige junge Leute herbeigeholt habe, um die Versteigerung zu vereiteln und daß durch Intervention des Rsichskunstwarts R e d s l o b Verhand- lungen schwebten, die keinen Zweifel darüber ließen, daß bereits in den nächsten Tagen ihr ein« Bechilfe gewährt werden würde, die es ihr ermöglichen würde, ihre sämtlichen Gläubiger zu befriedigen. Was hätte das für eine Bechilfe fein können? Natürlich nur eine staatliche. Interessant ist es, daß wenige Tage vor der Ver- ftsigsrung Reichskunftwart Redslob und ein Mitarbeiter des Reichsinnenminisrers von Gay! dringende Vorstellungen gegen die Abhaltung der Versteigerung gemacht haben. Di« Höhe der Schulden der Frau von Ihne beträgt mehrere hunderttausend Mark. Soll auch chr der Segen des neuen Wohlfahrtsstaates.zugute kommen? Da» Amtegericht Berlin-Mitt« verkündet« folgenden Beschluß: Dem Antrage der Firma Keller u. Reiner wird ent- sprachen und gegen Sicherheit Zahlung von 2000 M. gegen Frau Ihn« der Arrest angeordnet: er kann jedoch abgewendet werden durch eine Sicherheitsleistung m Höhe von 20 000 M Saassen gibi die Arbeit ab. Schläft die Kleinsiedlung ein?/ Arbeitsministerium zuständig Nach einer amtlichen Mitteilung gehen die Geschäfte der Klein- siedlung mit dem 1. August auf den R e i ch s a r b e i t s m i n i st e r über und werden dort in der Abteilung IVc bearbeitet werden. Reichskommissar Dr. S a a ß e n hat dem Reichskanzler über das bis- herige Ergebnis der Siedlungsaktion in einem längeren Vortrag Be- richt erstattet und kehrt nunmehr in sein Amt als Regierungspräsi- dent oon Trier zurück. Man muß befürchten, daß mit der Uebergabe der Arbeit, jene Aktiva der Kleinsiedlung zum Einschlafen kommt, die einst mit so starker Reklame begonnen wurde. In dem Bericht an den Reichskanzler sagt Reichskommissar Saaßen: Ueber den Erfolg läßt sich naturgemäß zur Zeit ein endgültiges Urteil noch nicht abgeben. Ganz abgesehen davon, daß sich die meisten Kleinsiedlungen gegenwärtig noch im Bau und die Mehrzahl der Kleingärten noch in der Anlage befinden, ist der Erfolg einer Siedlungsaktion auch nicht so sehr durch die Errichtung der Sied- lungen als vielmehr durch das Ergebnis ihrer Bewirtschaftung bedingt. Soll das Siedwngswerk für das Millionenheer unserer Er- werbslosen Bedeutung haben, so darf die bisherige Arbeit nur der Anfang der Ausführung eines großzügigen Siedlungswsrkes fein, das neben der ländlichen Siedlung über Jahre und Jahrzehnte fort- gesetzt werden muß, damit es zu einer durchschlagenden V e r b e s s e- rung der Lebensbedingungen, insbesondere der Woh- nungsverhältnisse der A r b e i te r s ch a f t führen kann. Das Zu» tunftsziel muß sein, den Kleinwohnungsbedars der städtischen Bevölkerung möglichst weitgehend in der Form der oorstädtischen Klein- siedlung zu decken, die die Menschen hinausführt aus der Enge der Städte in die freie Natur, sie auf eigener Scholle seelisch gesunden läßt und ihnen wenigstens einen gewissen Schutz gibt gegen Wirt- s ch a f t s k r i s e n. die auch in Zukunft nicht ausbleiben werden. Billiger Sonnabend in der Ferienwoche des Zoo. Im Rahmen der billigen Ferienwache, die der Zoo vom 25. bis zum 31. d. M bei durchweg balben Eintrittspreisen veranstaltet, gewährt außer- dem der billige Sonnabend am 30. d. M von nachmittags 2 Uhr ab eine weitere Ermäßigung des CintriUspreises auf 50 Pf. für Erwachsene. Kinder bis zu 10 Jahren zahlen 25 Pf. Manrerlchrlinxc, welche mindestens 2 Jahre gelernt haben, walle» sich j zwecks Bvrbereimnaauf die Gesellenprüfung sofort telephonisch melden beim i Arbeitsamt Berlin-Mitte, Stralauer Play 31, Fernruf: Weidendaimn 0017, i Apparat 38. Heute, Sonnabend, ab 18 Uhr von den bekannten Stellen aus. Alle Genossinnen und Genossen, alle Jugend- genossen, Arbeitersportler und Reichsbanner« Kameraden beteiligen sich daran. (Ein im Berliner Reichsbanner an«raniworMcher Stelle arbeilender Parteigenosse schreibt uns: Die Kommunisten sind von jeher die stärksten Schrittmacher des Faschismus gewesen. Daran ändert auch nichts der letzhin startgefundene Kongreß, auf dem Thälmann eine seiner sattsam bekannten Reden vorlas. Wenn sich einige wenige Reichs- bannerkameraden verleiten ließen, an diesem Kongreß teil- zunehmen, so erklären wir mit aller Deutlichkeit, daß diese Käme- raden in den Reihen des Reichsbanners nichts mehr zu suchen haben. Zu allen Zeiten hat es sich gezeigt, daß bei den extremen politischen Richtungen das S p i tz e l w e s e n eine besondere Rolle spielt. Wir sind zu genau darüber unterrichtet, daß der A n t i f a s ch i st i s ch e Kampfbund, der nach dem Willen der Kommunistischen Partei die Führung in der Einheitsfront haben soll, derart stark mit Spitzeln von nationalsozialistischer Seite durchsetzt ist, daß er einfach nicht fähig ist, einen Kampf gegen den Faschismus zu führen. Wenn hier und dort junge, unerfahrene Reichsbanner- kameraden auf diese Cinheitsfrontparole hereingefallen waren, so haben sie sehr bald feststellen müssen, daß der Verrat nirgends größer ist als in der kommunistischen Partei. Wer war es denn, der in Berlin die drei Treptower Reichs- bannerkameraden bei der Polizei denunzierte, daß sie an der von den sogenannten Antifaschisten veranlaßten Schießerei be- teiligt gewesen wären, trotzdem sie wissen mußten, daß es sich bei ihren Angaben um eine wissentliche Unwahrheit handelt? Erst vor wenigen Tagen haben die Kommunisten in Rheins- b e r g gezeigt, was sie unter Einheitsfront verstehen, indem sie auf einen Reichsbannerkameraden nach Schluß einer Kundgebung der Eisernen Front mit dem Messer losgingen. Als Verteidiger der Demokratie haben Sozialisten und Repu- blikaner am wenigsten Ursache, irgendwelche Bündnisse mit den Der» fechtern der D i k t a t ur einzugehen. Sozialisten und Republikaner haben über 8 Jahre mit den Zentrumsardeitern im Reichs- banner im Kampf um die Republik Schulter an Schulter gestanden, und wir wollen ehrlich eingestehen, daß diese Kameraden sehr, sehr viel mehr ihre Pflicht gegenüber dem demokratischen Staat erfüllt haben, als es bei den Kommunisten der Fall war. Um so weniger Ursache haben wir aber auch, einer Parole zu folgen, die nur von Unheil sein könnte. Der Allgemeine Deutschs Gewerkschaftsbund, die Hirsch-Dunckerschen und christlichen Gewerkschaften haben bei den letzten großen wirtschaftlichen Kämpfen gemeinsam Schulter an Schulter gestanden. Wo aber war die von den Kommunisten ge- führte RGO.? War sie es nicht, die den Gewerkschaften der ver- lchiedensten Richtungen nur Schwierigkeiten über Schwierigkeiten bereitete? Wir lehnen den Gedanken der Einheitsfront grundsätzlich nicht ab. Wir erblicken aber die Verwirklichung dieses Gedankens nur in der Eisernen Front. Wem es bitter e r n st mit der Bekämpfung des Faschismus ist, der soll sich unter Ablehnung von Sonderbestrebungen in die Eiserne Front einreihen. Rur die Eiserne Front ist in der Lage, den Faschismus niederzukämpfen. Die Eiserne Front führt jetzt einen schweren Kampf. Alle in der Eisernen Front vereinigten Organisationen, alle Reichsbannerkameroden sind sich der Bedeutung dieses Kampfes wohl bewußt. Wer in dieser ernsten Stunde Sonderabmachungen mit Leuten eingeht, von deren ehrlicher politischer Kampsesweise kein Anhänger der Demokratie überzeugt sein kann, fällt der Freiheitsbewegung des deutschen Volkes in den Rücken und wird zum Henkersknecht an der Demokratie. »Eiserne Front'* in Lübars. Die Aktivität der„Eisernen Front" hat auch den letzten Arbeiter wachgerüttelt. Dos bewies eine Versammlung der 14 3. Abtei- l u ng i n L ü b a r s an der Nordbahn, wo es seit 1325 keine größere Parteiveranstaltung gegeben hat. Die Wohlkundgebung, in der Genosse Hildebrandt referierte, war glänzend besucht. Der Referent brandmarkte die hemmungslose Lügenhaftigkeit der Nationalsozialisten. Mit Entrüstung wurde die Nachricht aufge- nommen, daß gegen Hildebrandt durch niederträchtige und verlogene Spitzelarbeit ein Verfahren eingeleitet worden sei. Hildebrandt kam auch auf die derzeitige Führung der Berliner Polizei zu sprechen; nach seiner Meinung ist Dr. Welcher ein kühler und korrekter Be- amter, der den Nazis nicht Vorschub leisten wird. Mit einem von den Versammelten begeistert aufgenommenen Freiheitsruf wurde die Kundgebung geschlossen. Der Kamps ficht gut. Beobachtungen eines Wahlredners in der Provinz. Kollbus, im Juli. Die Fronten in diesem Wahltampf sind klarer denn je; hier die Arbeiterschaft, zusammengeschlossen unter dem Zeichen der Eisernen Front, dort die mit Hilfe und unter dem Schutz der Nationalsozialistischen Deutschen„Arbeiterpartei" wiederauferstandene Reaktion, geführt von den Gutsbesitzern und ihren Trabanten, den Gutsinspektoren, den Söhnen und Erben der durch Fehlrationali» sierungen und bedenkenlose Pumpwirtschaft bedrohten Fabrik- besiger, unterstützt vom Mittelstand. Den vom Machtkoller besessenen Gespenstern aus der Zeit des Dreiklassenwahlrechts stehen die denken- den Arbeiter gegenüber. Dieser Kampf stehtgutfüruns, soweit der Versammlungs- besuch dafür ein Maßstab sein kann. Wie hilflos die Hakenkreuz- ritter sind, zeigt sich am besten, wenn sie ihr Glaubensbekenntnis auf Adolf Hitler heruntergeleiert haben und dann, wenn sie in der Minderheit sind, der Tapferheit besteren Teil erwählen und vor dem Schlußwort des Referenten sich mit Heil Hitler zu drücken versuchen. Ein Kapitel für sich sind in der Zeft des Belagerungszuftandes die überwachenden Landjäger geworden. Viele dieser Herren wittern Morgenlust, so löste ein Oberlandjäger in Ströbitz bei Kottbus unsere Versammlung auf, weil ein Diskussionsredner von der SAP. sagte, er hätte erwartet, daß der Generalstreik er- klärt werden würde. Andere, z. B. in Straupitz, verlangten vor Beginn vom Referenten, daß er die Regierung Papen nicht an- greifen wolle und mußten erst aufgeklärt werden, daß die Regierung nur nicht beleidigt werden dürfe. Die Genossen in der Provinz sind hoffnungsvoll. Aber auch nach dem ZI. Lull heißt es nicht aufhören zu werben und zu arbeilen. Auch in Wilmersdorf. lleberfüllie Versammlung der Eisernen Front. Der große Saal des Viktoriagartens. Wilhelmsaue, war lange vor Beginn der Kundgebung der Eisernen Front Wilmersdorf überfüllt. In den Seitengängen und im Vor- räum drängte sich die Menge. Das politische Kabarett„Der Quer- schnitt" spielte Szenen aus einer Revue, die schließlich auf Wunsch der Polizei abgebrochen werden mußten. Dann nahm, von leb- haftem Beifall begrüßt, Landtagsabgeordneter Genosse Otto Meier das Wort. Der Redner stellte in den Mittelpunkt seiner Ausführungen den Verfasfungskonflikt zwischen Preußen und dem Reich. Der neue Kurs, der demonstriert werde durch die gewalt» same Amtsenthebung Severings und das Vorgehen gegen Grzesinski, gegen Breuer, durch die Absetzung republikanischer Beamter, kenn- zeichnet den großangelegten Versuch der Reaktion, den S. November zu liquidieren und beweist aufs neue die Richtigkeit des Lapidar» satzes von Lassalle, daß Verfassungssragen Machtfragen sind. Wenn in Deutschland jemand geglaubt habe, mit dem Gewaltstreich gegen Preußen die deutsche Arbeiterschaft provozieren zu können, heißt die Antwort der Sozialdemokratie und der Eisernen Front darauf: Wir tun euch nicht den Gefallen, einen billigen Vorwand zur Wahl- Verhinderung zu geben. Es ist unser Wille, aber auch unser Ver- dienst, daß am 31. Juli die Antwort gegeben wird. Die Red« wurde von Zustiinntungskundgebungsn unterbrochen, zum Schluß wollte der Beifall kein Ende nehmen. Hakenkreuzkneipe als Wahllokal? _ Wie uns mitgeteilt wird, ist als amtliches Wahllokal für den Stimmbezirk 48 Wilmersdorf das Restaurant von Krämer, Prinz- r e g e n t e n st r. 9 0, bestimmt worden. Dieses Restaurant ist Ver- kchrslokal der NSDAP. Schon seit fünf Tagen sind am Zaun des Vorgartens große Hakenkreuztransparente angebracht, die zur Wahl von Nazis auffordern. Außerdem hat die Wirtin mehrere Nazifahnen angebracht. Wir erwarten, daß das Bezirks- wahlamt Wilmersdorf hier eingreift. Für eine reibungslose Durchführung der Wahl ist auf jeden Fall Voraussetzung, daß man die Wähler nicht zwingt, ihren Stimmzettel unter der Nazifahne abzugeben. Sommerfreuden im Laubengarten. Die Natur feiert Hochsommerreife. Das ist ein Blühen und Duften in den Gärte» und Eärtchen,. ein. Bild�in- Rot.- Gelb, Lila, Blau und Grün, ein reicher Sommersegen. Ranke, hochgestielte Astern und Dahlien in zarten Pastelltönen und leuchtenden Farben» klecksen, schlanke Gladiolen, purpurfarbene Spätsommerrosen, Nelken, Georginen und was sonst der reiche Vlütensommer noch Schönes beschert. In den Laubengärten ist denn auch Hochbetrieb, man freut sich der üppigen Pracht und sucht in der reichen, Sonntags genossenen Farbensymphonie ein wenig Ablenkung von dem öden Grau des Alltags. Wenn alles in Blüte steht und die Natur sich so richtig festlich herausgeputzt hat, dann beginnt die eigentliche Festesfreude der Kleingärtner. Hier wird ein Sommerfest, dort ein Kinderbesuchstag abgehalten, und die Laubenkolonisten von Möllersfelde, Gartenvörde und Krugpfuhl hatten ihren neu hergerichteten, mit Rasen und Blumen umfriedeten Kinderspielplatz zum Anlaß genommen, alle Nachbarkolonisten von Pankow, Heinersdorf und Buchholz samt Kindern zu Besuch zu bitten. Festlich geschmückt mit Girlanden, Fähnlein und Blumen präsentierte sich der hübsche Spielplatz; da zog mit Mufik und Gesang die Kolonistenjugend ein. Die jugendliche Sportmannschaft führte turnerische Hebungen vor, die Kleinsten spielten im Sonntagsstaat mit Blumen im Haar. Zur Kaffeestunde waren alle Spiel- platzreflektanten als Kaffeegäste bei den Kolonisten herzlichst auf- genommen. Keine Berkehrseiuschränkung nach Mahlsdorf. Von zuständiger Sefte wird zuverlässig versichert, daß die Ge- rächte, die BVG. beabsichtige, die Omnibuslinie A 39 einzuziehen, auf freier Erfindung beruhen. Die Omnibuslinie A 39 führt vom U-Bahnhof Lichtenberg nach Mahlsdorf und ist die Hauptoerkehrslinie, die in das dichtbesiedelte Gebiet führt. Es war erklärlich, daß die Gerüchte über die Einziehung dieser Linie unter den dortigen Bewohnern eine große Unruhe hervorgerufen haben. Omnibusse vom Reichskanzlerplah nach Schildhorn. Im Aus- flugsverkehr nach S ch i l d h o r n konnten bisher Fahrgäste in den Außenbezirken bisweilen keinen Platz mehr finden, da die Wagen bereits vom Zoo an voll besetzt waren. Die BVG. wird deshalb vom nächsten Sonntag an ab Reichskanzlerplatz(Haltestelle unweit oez U-Bahnhofsausgangs) nach Bedarf einen besonderen Omnibus- Pendelverkehr nach Schlldhorn einrichten. Der Fahrpreis für diese Strecke beträgt 20 Pf. UZclleraussichten für Berlin: Allmähliche Aufheiterung und Nachlassen der Niederschläge, etwas wärmer.— Zur Deutschland: Nur noch im Küstengebiet der Nordsee und westlichen Ostsee nennenswerte Niederschläge, sonst meist ttocken bei zeitweise ab- nehmender Bewölkung und ansteigende Temperaturen. parieinachnchien�WHfür Groß-Berlm ßtBlionhltnrtvn fflr Btoin Jtv. tsm ffafa txaa CRn-ir-pi; i nf�n* nvi eintenOungen für dt-fe Rubri! sind II e£ I i 1t RÄ. r<'Ttthonffe>e>&« K stets ou das Bezirtssetretariat 2 Änk. 9.»»ckrs. iis rtrh�"" 'VsgiUÄ euer �eran�a�ungen sofern keine besondere Zeitangabe! 3. Bot. Alle Wahlhelfer treffen sich Sonntag, 31. Ouli, um 7 Uhr, im Lokal Micheel, Köpenicrer Str. 55g-. 4. Abt. Alle Genossinnen und Genossen treffen sich um 16 Uhr bei Brandis �—*------------ �— wichtiger Mitteilungen.— Sonn» 5. Abt. Alle Genoss en treffen'sich am Sonntag bei Käding, Alte Schönhauser Straße 31, zur Wahlarbeit. 8. Abt. Alle Genossen, welche nicht als Wahlvorsteher fungieren, treffen sich Sonntag 7 Uhr im NaticmalHof zur Wahlarbeit. 9. Abt. Zwecks Wahleinteilung treffen sich alle Mitglieder am Sonntag 7 Uhr bei Hübner. Keiner darf fehlen. 11. Abt. Die Genossinnen und Genossen treffen sich zur Wahlarbeit bei Scholz, Levetzowste. 21, ein. 15. Abt. Sonntag treffen sich alle nicht zur Wahlarbeit eingeteilten Genossen um 8 Uhr bei Kopprasch, Vinetaylatz 8. 20. Abt. Heute treffen sich alle Genossen um 19 Uhr in den Zahlabendlokalen. — Sonntag melden sich alle Genossen bei Bontke, Schul. Ecke Ehristiania. ftraße. 28. Abt. Wahlhelfer melden sich Sonntag ab 8 Uhr bei Barteldt, Wörther Straße 19. 29. Abt. Sonntag treffen sich die Bezirksführer 7� Uhr bei Klug. 37. Abt. Alle Genossen und Genossinnen, die noch nicht zur Wahlarbeit ein- geteilt sind, melden sich am Sonntag 7% Uhr bei Zepke, Cbertystr. 7. 38. Abt. Die Genossen der Bezirke 188 und 195 treffen sich am Sonntag 7�. Uhr im Lokal Pahlow, Barnimer Str. 13. Keiner darf fehlen. Die zur Wahl. arbeit noch nicht eingeteilten Genossen der übrigen Bezirke melden sich am Sonntag von 19— 11 Uhr bei Bartusch, Friedenstraße. 39. Abt. Wahlhilfen am Sonnabend um 7 Uhr im Jugendheim Lindenstr. 4. 43. Abt. Das Zentrallokal der Abteilung befindet sich am Wahlsonntag bei Thielert, Liegnii�er Str. 19. Alle nicht eingeteilten Genossen melden sich Sonntag V& Uhr in nachstellenden Lokalen. Gruvpe Rüden: Thielert, Liegnitzer Str. 19: Grupve Hoch: Förster, Glogauer Str. 25; Gruppe Groß: Friedensbütte. Wiener Str. 57k: Gruppe Kinski: Zander, Lausitzer Str. 23. 4«. Abt. Alle Genossen treffen sich heute 19� Uhr im Verbandshaus, Schlesische Str. 42. Wichtige Zusammenkunft. 58. Abt. Das Wablbüro der Abteilung ist im Rankehaus, Rankestr. 4. Hof links. Es ist Pflicht aller Genossen, sich an. der Wahlarbeit zu beteiligen. 68. Abt. Sämtliche Parteimitaliedor treffen sich Sonntag 7� Uhr zur Wahlhilfe bei Sandmann. Westfälische Str. 42. 74k. Abt. Heute 19 Ubr Funktionäre und Wahlhelfer bei Schneider, Potsdamer Straße 25. Es wird Material ausgegeben. 77. Abt. Sonntag Treffpunkt zur Wahlarbeit 1. Bezirk bei Milde. Nollendorf. ftraße 16: 2., 3. und 4. Bezirk bei Kolchen�, Apostel-Vaulus-Strafie. 89. Abt. Heute 29 Uhr Zusammenkunft sämtlicher Mitglieder bei Gürlich zur Einteilung der Wahlarbeiten. Sonntag 7� Uhr Antreten zur Wahlhilfe ebenda. 82. Abt. Heute 22 Uhr treffen sich alle Genossen zur Einteilung der Wahl. arbeit in den Zahlabendlokalen. 84. Abt. Um 18 Ubr treffen sich sämtliche Parteimitglieder bei Lebmann, Kaiser-Wilhelm-Str. 29—31.— Sonntag um 6 Uhr treffen sich die Bezirks- führer ebenda. 85. Abt. Heute Sitzung des engeren Vorstandes mit den Bezirksführern.— 13. Bezirk: Die noch nicht für die Wahlarbeit eingeteilten Genossen treffen sich am Sonntag ly* Uhr bei Vommerening. 93. Abt. Heute 18 Uhr" alle Parteimitglieder in den Zahlabendlokalen. Be» zirksfübrer 17*4 Ubr bei Lebmann 99. Abt. Alle Varteimitalieder des 156.. 137., 158., 159. Bezirks zur Wahlhilfe Sonntag 7 Uhr bei Böttcher. Iahnftr. 19. 99s. Abt. Die zentrale Wahlleitung der Abteilung und die Wahlleitunq für alle Bezirke befindet sich im Eisernen Haus. Alle Genossen sind zur Wahl. arbeit vervflichtet. 194. Abt. Sonntag 7'--. Ubr zur Wahlbilfe bei Pamp. 198. Abt. Achtung. Stimmbezirksführer! Materialausgabe Sonntag 7% Uhr im Parteiheim. Anteilnnaswablbüro im Stadttheater. 108a. Abt. Zentralwabllokal ist Sonntaa Eisner, Kaifer-Wilbelm-Str. 3. Varteimitglieder, die noch nicht zur Wahlarbeit eingeteilt sind, melden sich dort. 114. Abt. Sonnabend 17 Uhr Flngblattverbreitunq bei Schwarzer, Gabriel» Mar-Str. 17.— Sonntag melden sich die nicht eingeteilten Genossen zur Wahlarbeit von 9 Uhr an im selben Lokal. 119. Abt. Alle Genossen treffen sich Sonntag 8 Uhr bei Bartz, Möllendorff» straße 43, zur Einteilung der Wablarbeit 124. Abt. Heute pünktlich 19 Uhr Abbörstunde de? Rundfunkrede des Genossen Senering im großen Saal bei Anders. Die arbeitslosen Parteigenossen treffen sich um 13 Ubr zur Flugblattverbreitung bei Anders. 131. Abt. Heute 29 Ubr alle Funktionäre im Lokal Wolfsschlucht, Treskowstrqße. Alle Bezirke müssen vertreten sein. 133. Abt. Sonntag 7 Uhr Treffen sämtlicher nicht eingeteilter Mitglieder bei Kaehne. Berliner Str. 39, zur Wahlarbeit. 136. Abt. Heute 19 Ubr Funktionärsitzung bei Kiehne. 143. Abt. Alle Wahlhelfer treffen sich um 7 Uhx bei Schmischke zur Wahlhilfe. Frauenveransialiungen. 98. Abt.-Alle Frauen tre'ten sich zur Fluablattverbreituno auf dem Wochen- markt um g Uhr bei Teich. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß-Berlin. Die Falken au, dem Zeltlaa» lledersee treffen gegen 18 Uhr Charlotkenburg, Taprivibrllcke(Untergrundbahn Wilhelmplatz), ein. K— Die Nestsalken kommen 20(4 Uhr Lehrter Bahnhof(Ankunft- | feile) an. •| Lichtenberg: Heute, Sonnabend, Ankunft aller Falken vom Ueder- ' see zwischen 20Va und 21 Uhr auf dem Bahnhof Lichtenberg. Friedrichsfelde.— Abt. Nord: Ab Mittwoch wieder Gruvpenabende, und zwar Mittwochs auf dem Normannenplatz und Montags im Heim Gunter- ftraße. SozialisiischeArbetterjugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugendsekretariat Berlin SW 88. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Alle Genossinnen und Genosse» stehe» ihre» zuständigen Porteiabtcilunge» zwecks Wahlarbeit zur Verfügung. Heute, Sonnabend. Sottbuller Tor: Urbanstr. 187: Antikrieasadend.— Falkplatz I: 18 Uhr bei Reetz zur Flugdlartverbreitung, 19 14 Uhr Funktionärkonferenz bei Gen. Hilde. brandt, Saudqstr. 13. Berbebezirk Prenzlauer Berg: 19 Ubr(!) Borsttzendenkonferenz, Danziger Straße 82, B. 8. Da die Konferenz nur kurz fein soll, muß alles punktlich fein. Werbebezirk Tempelhof: 20 Uhr probt d:e Spielgruppe, Götzstroße. Werbe bezirk Neukölln: Wir gehen spazieren 18 Uhr Hermannstraße(Falken- tracht). Werbebezirk Pankow: 19V4 Uhr Versammlung der Partei in Blankenburg, bei Klug, Dorsstr. 2. De» August. Spielplan de« Wintergartens beherrschen ausgesuchte Attrak- tionen. Paul Remo« ist mit seiner Wundeetruppe aus Amerika in vollständig neuer Aufmachung zurückgekehrt. Die Richp Eomp. in ihrer Zwerchfell- erschütternden Komik am vierfachen Reck, vollbringt Hiichstleistungen, wie sie bisher wohl kaum hier gezeigt würden. Tom Tim zeigen an Ketteuringen ihre akrobatisch. eguilibristifche Neuheit. Den Schluß bildet Paul Whiteman mit seinem Orchester in dem tönenden Farbenfilm„Tanz der Nationen". „Saifon-Schluß-Verkauf". Ein neues Wort für den In ledem Jahr er- warteten Saisonausverkauf. Saifon-Schluß-Verkauf bedeutet für das gut ge- leitete Spezialgeschäft billiger Verkauf aller Ware, die in eine neue Saison nicht hinüber genommen werden soll. Wenn auch dieses Motiv fllr alle Arten von Ware nicht maßgebend ist, es bat der Saifon-Schluß-Verkauf wie er all- jährlich sich w(ederholt, doch einen Wert erlangt, der fllr das kaufende Publi- kum Berlins und weit über die Grenzen Berlins hinaus von entscheidender Bedeutung geworden ist. Maßgebend für Riesen-Warenmengen, hervorragende Qualitäten und außcrgcwöhnl:-!: billige Preise ist der Satson-Schluß-Berkauf der Firma Trppich-Bursch, Berlin C. 2, Spandauer Str. 32. Der diesjährige Saifon-Schluß-Berkauf segelt unter der Devise„Wunder, nicht» als Wunder" und diese. Wart kann vom interessierten Publikum wörtlich genommen werden. Jede» der Ausverkaussangebote bedeutet ein Wunder an Schönheit, Qualität und Preiswürdigkeit. Der Saifon-Schluß-Verkauf dieses Jahres, der dem tief. gefühlten Bedürfnis des Publikums entgegenkommt und Dinge bringt, die für die Ausgestaltung des eigenen Keimes begehrteste Artikel sind, stillt e:ne Höchst» leistung dar, wie sie bisher nicht geboten wurde. Der Saifon-Schluß-Verkauf der Firma Tepvich-Burfch beginnt am Montag, 1. August, 9 Uhr. Studieren Sie bitte das Inserat in der morgigen Zeitung. Der neue Feuerzeug- Brennstoff in der Tube der /. 6. Farbenindustrie Aktiengesellschaft Bequem u. gefahrlos, da nach neuem Verfahren verfestigt, in Tuben verpackt Gelangt als wasserkiare Flüssigkeit in das Feuerzeug. Unentbehrlich für Raucher u. Haushaltungen. Mit Bonalin ist es eine Freude, ein Feuerzeug zu verwenden. Fragen Sie beühretnZigarrenhändler, In Drogerien, Apotheken, Bijouterie- und Feuerzeugläden oder in sonstigen einschlägigen 6escnäf(en nach eo.':«Ux Die Tube Kostet nur 85 Rfg. und reicht auf lange Zeit Einzelhändler wenden sich an die Firma Heinrich Christier, Berlin SW. 29, GncisenaustraBe 48. Telephon F. 6, Baerwald 7057 3)ie drei tßrüder Parabel für unfere Ttage/ Ton Muri Schmeltser (Sin Vater hatte drei Söhn«. Er wohnte mit ihnen in einem schönen stattlichen Hause, besaß Felder und Herden, und sein Wohl- stand schien so gut begründet, daß viele ihn darum beneideten. Von den drei Söhnen war der älteste schon fast erwachsen und ein tüchtiger und stattlicher Bursche zu der Zeit, von der wir er- zählen wollen, der zweite war halbwüchsig und kaum aus den Flegeljahren heraus, aber der dritte lief noch in den Kinderhöschen. Di« beiden ältesten Söhne waren aber dem Vater Dorne in den Augen: er mochte sie nicht leiden, und was sie taten, hatte er zu bemängeln: aber den jüngsten liebte er, der konnte anstellen, was er wollte, alles war ihm recht. Eines Tages bekam der Vater Streit mit seinen Nachbarn, es kam zu einem großen Prozeß, den er verlor, ehrenrührige Dinge geschahen— kurz, es kam so weit, daß der Vater bei Nacht und Nebel sein Hab und Gut im Stich ließ und floh. Man kann nicht sagen, daß er ein guter Dater war, denn nun mußten sein« Söhne versuchen, mit den erzürnten Nachbarn fertig zu werden. Da aber der älteste bei ihnen im guten Ansehen stand, tonnte er sich mit ihnen einigen, versprach auch, alle Schulden, die der Vater gemacht hatte, abzuzahlen, und machte sich rüstig ans Werk, die während des Prozesses verlotterte Wirtschaft wieder ertragfähig zu machen. Dem zweiten Sohn war das alles nicht recht. „Laß uns lieber alles verkaufen", sagte er immer wieder,„das Geld teilen und etwas Neues beginnen!" Aber der Aelteste wollte sich nicht darauf einlassen, so ging eines Tages der zweite in die Welt, sein Glück dort zu versuchen. Die Jahre gingen hin, der Aelteste war vorwärts gekommen mit seiner Wirtschaft, hatte einen guten Teil der Schulden tilgen können und hoffte in absehbarer Zeit ganz damit fertig zu werden. An den Bruder, der in die Welt gegangen war, dachte er oft. Der war ein Seemann geworden, ließ selten etwas von sich hören, und was er schrieb, machte den Bruder nicht froh. Die fremden Länder und die fremden Sitten lassen ihn«inen ganz anderen Menschen werden, dachte er oft. Viel schöner wäre es doch, er könnt« bei mir sein, wir arbeiteten zusammen— wieviel rascher kämen wir vor- wärts. Ich hätte ihn nicht sollen ziehen lassen! Aber das war ja nun nicht zu ändern. Mit dem jüngsten Bruder, dem Liebling, der noch ein Hosen- maß gewesen war, als der Vater davonlief, hatte er auch seine liebe Not. Der ließ sich, als er größer wurde, immer weniger leiten und lenken, trieb sich in schlechter Gesellschaft herum, und, als er dann größer geworden war, brachte er auch seine Freunde mit nach Haus«. Er fühlt« sich schrecklich geehrt, daß diese Burschen mit in sein Haus kamen, denn es waren vornehmer Leute Kinder, aber Tunichtguts und Taugenichtse, und sie machten sich breit darin und kommandierten und krakeelten, und der Kleine gehorchte ihnen aufs Wort. Der Aelteste schüttelt« oft den Kopf zu diesem Treiben. Im Anfang hatte er darüber gelacht und sich gedacht: Kinder sind Kinder. Aber aus Kindern werden Leute, und Dinge, über die man bei Kindern lacht, werden peinlich, wenn sie Erwachsene nicht lassen wollen. Der Aelteste redete also dem Kleinen gut zu: er solle sich doch von dieser Gesellschaft frei machen. Da hätte man den Kleinen hören sollen: Man könne sich nur freuen, daß solch feine Leute bei ihnen verkehren wollten: zu ihm, dem Aeltesten, würden sie sich freilich hüten zu kommen, er sei ja ein Bauer und«in Trottel, und er könne ruhig gehen, so weit der Himmel blau sei, wenn es ihm nicht passe, was er, der Kleine, tu«. Seinem Vater wäre es sicherlich recht gewesen. Der zweite sei ja auch gegangen, und ihm, dem Kleinen, gehöre das Haus in erster Linie, ihm hätte es der Vater sicherlich vermacht, wenn er dazu gekommen wäre, ein Testament zu machen. Aber du, Aeltester, hast chn daran gehindert! So schimpfte und skandalierte der Kleine, und es war beinahe komisch anzusehen, wie er sich blähte dabei. Dem Aeltesten waren diese ärgerlichen Auseinandersetzungen peinlich: er richte sich oben eine Dachstube ein und hauste dort, während der Jüngste in den schönen Stuben unten sein wildes Treiben mit seinen Spießge- sellen hatte. Ein solches Leben kostet natürlich Geld in Menge, und die Taugenichtse und Tunichtgute, die der jüngste Bruder ins Haus ge- bracht hatte, glaubt ihr wohl, die hätten ihr eigenes Geld durch- gebracht? Dann hätten sie ja nicht zu dem Kleinen zu kommen brauchen. Der Kleine mußte für die Ehre bezahlen, die sie ihm antaten. Und da der auch nichts verdiente, nahm er einfach von den Vorräten, die der älteste Bruder angeschafft hatte. Daß der Aelteste sich das alles gefallen ließ? Cr ärgerte sich zwar immer wieder darüber, aber dann dachte er wohl: Kinder sind Kinder! Er sah in dem Lümmel immer wieder den kleinen Bruder und— er hatte ihn lieb. So ließ er's geschehen. Jugend hat keine Tugend, tröstete er sich selber, er wird schon noch zu Ver- stände kommen, mit der Zeit werden die Dummheiten von selber vergehen. Aber darin irrte er— es wurde je länger je schlimmer. Da kam eines Tages der zweite Bruder, der ein Seemann ge- worden war, nach Hause zurück. Wettergebräunt und stämmig war er geworden, hatte immer noch sein altes trotziges Jungengesicht und gab seinen Brüdern die Hand zum Willkomm. „Da bin ich wieder" sagte er einfach.„In der Welt ist's ja schön, aber zu Hause läßt sich's wohl auch leben, wenn man sich's danach einrichtet. Ich hatte auch Sehnsucht nach euch und dem alten Haus." Der Aelteste schüttelte ihm freudig die Hand und war glück- lich, seinen Bruder wieder bei sich zu haben. „Bist du wenigstens Offizier geworden?" fragte da der Jüngste. „Wieso?" sagte der Seemann erstaunt.„Ist dir«in einfacher Seemann nicht gut genug?" Da rümpfte der Kleine die Nase und ließ ihn stehen. „Was ist denn mit dem Kleinen los?" fragte der zweite den Aeltesten. Nun erzählte ihm der, wie er sich aufführe mit seinen Freun- den, und vor denen liebedienere und katzbuckele, daß es eine Schande sei. „Was?" sagt« der Seemann.„I, ist denn der Klein« des Teufels?" Während sie noch sprachen, ging die Tür auf, der Kleine er- schien wieder, und hinter ihm drängten sich seine Freunde ins Zimmer. „Wir müssen heute abrechnen miteinander", fing er an.„Jetzt kommst du", sagte er zum Zweiten,„auch noch hier ins Haus, das eigentlich mir gehört. Geld bringst du sicherlich nicht mit, das kann man dir schon anschen. Ich begreife überhaupt nicht, wie du dich in diesem schäbigen Seemannsanzug hier blicken lassen kann. Das beste ist wohl, du verschwindest gleich wieder und nimmst deinen Bruder mit. Jedenfalls habe ich nicht Lust, mit euch zusammen zu wohnen. Meine Freund« und ich werden jetzt hier wirtschaften. Ihr werdet schon irgendwo einen Platz m der Welt finden, und wenn nicht, soll's mir auch egal sein." „Bravo! Kleiner, bravo!" riefen seine Freunde hinter ihm. „Gut gesprochen!" Die beiden älteren Brüder schnappten eine Weile Lust, als sie die Rede des Kleinen angehört hatten. „Hol up!" sagte dann der Seemann.„Pack mal mit an, Bruder!" und ehe sich's die Eindringlinge versahen, lagen sie köpf- über draußen auf dem Mist und rieben sich die Augen. Der Aelteste lachte vergnügt und auch der Seemann schmunzelt«. „So wird's gemacht!" meinte er. Den Kleinen hatten sie zwar nicht mit hinausgeworfen, aber er war empört seinen hinausgeworfenen Freunden nachgelaufen. „Laß ihn nur", meinte der Seemann,„der wird schon wieder- kommen. Du hast ihn ja ans Brot gewöhnt." Und der Kleine kam wieder; sein« Freunde wollten von ihm nichts mehr wissen, als das Schmarotzen zu Ende war. „Siehst du, da hast du deine feinen Freunde!" sagte der Aelteste zu ihm.„Nun bleib mal hier und halte zu deinen Brüdern, dann wird's uns allen dreien gut gehen!" Und wirklich sah auch allmählich der Kleine ein, wie sehr er sich geirrt hatte, und dann lebten sie glücklich und einträchttg zu- sammen in dem alten Haus. Sin SSrief Wir erhalten folgendes Schreiben: Sehr geehrte Redaktion. in Ihrer Morgenausgabe vom Mittwoch las ich die Uebersetzung eines Kapitels von Montaigne über den Krieg. Es interessiert Sie vielleicht, was ein stanzösischer Volksgenosse mir in einem Brief vom Januar dieses Jahres schrieb, denn es ist bezeichnend für die Stimmung des französischen Volkes, das wie wir eine Verständigung und Zusammenarbeit der werktätigen Bevölkerung ersehnt. Ich möchte betonen, daß es sich um die Worte eines Mannes handelt, der die Lage des Arbeiters erfaßt und seine Ausnutzung durch den Kapitalismus erkannt hat, und nicht um Schlagworte eines dieser jungen Schreihälse, wie wir sie jetzt so oft hören müssen. Er schreibt mir: ,.js suis convaincu que si tous les peuples se correspon- daient directement entre eux sans l'intermediaire des gros brasseurs d'affaires et de banquiers et d'autres encore toutes sortes de gens vivant du malheur du monde, nous n'aurions plus de guerre et les Coty, Bouilloux, Lafont d'une pari, les Hitler d'autre pari seraient impuissants malgre leurs discours enflammes a pousser une multitude d'hommes au massacre." Auf deutsch würde er gesagt haben:„Ich bin überzeugt, daß wir keinen Krieg mehr haben würden, wenn sich alle Völker unter- einander sprechen könnten, ohne Vermittlung der fetten Geschäfte- macher und der Bankiers und noch allerlei anderen Sorten von Leuten, die vom Unglück der Welt leben, und die Coty, Bouilloux, Lafont einerseits und Hitler andrerseits wären machtlos, trotz ihrer entflammenden Reden, die dazu angetan sind, eine Unzahl von Menschen wieder ins Blutbad zu führen." Sie sehen also, daß dieser Franzose sehr richtig die Ziele der Hitler-Leute erkannt hat und Sie würden durch den Abdruck dieser Worte manchem zu denken geben und könnten Genossen in ihrer pazifistischen Stellung festigen. Ich bin die Tochter eines Wohlfahrtsvorstehers und Sie dürfen mir glauben, wenn ich von mir sage, daß ich mit meinen 17 Iahren schon mehr vom Elend unseres Volkes gesehen habe als einer der betagten Herren unserer jetzigen Regierung. Dies mag viel zur Reifung meiner Meinung beigetragen haben. Mit steiheitlichem Gruß Anneliese Döring. grntt stofen: Cromweii— MUler? Herr Dr. Goebbels hat kürzlich bei einer Propagandarede in Essen einen Ausspruch Oliver Cromwells zitiert. An allen Anschlagsäulen Berlins prangt in der Woche vor den Reichstagswahlen ein ellenlanges NSDAP.-Plakat, das als Ein- leitung und Motto einige Sätze aus der Rede wiedergibt, die Cromwell bei der Auflösung des Parlaments im Jahre 16S3 ge- halten hat. Die Zeichen mehren sich, denen zu entnehmen ist, daß die Partei der„ausstrebenden Kräfte" den englischen Freiheitshelden Cromwell. den großen Rebellen, als Symbol und Vorbild ihrer Bewegung in Anspruch zu nehmen beabsichtigt. Da ist es interessant, sich einmal die historischen, politischen und ökonomischen Hintergründe der Cromwellschen Epoche zu vergegen- wärtigen und die Zustände darzustellen, die den Führern der NSDAP, offenbar erstrebenswertes Ideal, nachahmenswertes Vor- bild dünken. Die folgenden Ausführungen stützen sich, neben Leopold von Rankes„Englische Geschichte, vornehmlich im 17. Jahr- hundert", sowie Thomas Carl y les„Oliver Cromwell", in der Hauptsache auf ein erst kürzlich äm Verlage von R. Oldenbourg, Berlin und München, erschienenes Werk von H. Bauer:„Oliver Cromwell, ein Kampf um Freiheit und Diktatur". In einer ein- prägsamen, bildhaften Sprache wird in diesem tendenzlosen Werk berichtet, wie der lange Weg des Erlebens den Revolutionär langsam zum Diktator emporsteigert. Es wird erzählt, wie dieser Weg über Bürgerkrieg, Revolution, Königsmord und wieder Bürger- krieg zur Gewaltherrschaft führt. Cromwell, schon zur Zeit der früheren Bürgerkriege zwischen Puritanern und Presbyterianern ein begeisterter Kämpfer für die Sache der Puritaner, wurde kurz nach der auf sein Betreiben er- folgten Hinrichtung Karls I. zum Lordstatthalter von Irland ernannt. Er verstand es, das Heer auf seine Seite zu bringen. Seine persön- lichen Gegner warf er kurzerhand in den Tower. Im Verlauf der Geschehnisse wurde er als Führer der englischen Armee nach Irland entsandt. In dem Bericht über die siegreiche Schlacht bei Drogheda schrieb er selbst, daß„in derselben St. Peterskirche, aus der am vergangenen Sonntag Protestanten während de- Gottesdienstes ver- wiesen wurden, mehr als tausend, die dort Schutz suchten, getötet sind, darunter sämtliche Mönche". Der sanatische Katholikenhasser Cromwell ist ohne Rücksicht und ohne Erbarmen. Das Krauen flog vor ihm her, grenzenlose Panik ergriff das ganze Land. Nach vielen blutigen Schlachten wurde das Ziel erreicht, das Bündnis zwischen Katholiken und Protestanten war gesprengt.„Mehr als oierzigtausend irische Männer wanderten in den neun Monaten von Olivers Er- oberungszug aus der Heimat aus... Ein düsterer Zug über winter- liches Meer, fremden Küsten zu." Unter dem Donner der Kanonen und dem Geläut der Glocken zieht der Sieger in die Hauptstadt ein. Trotz der errungenen Erfolge wuchs aber Unruhe und Unsicherheit von Tag zu Tag. In Schott- land entstand ein neuer Aufstand, der von Cromwell nieder- geschlagen wurde. Dann folgte am 20. April 1653 der historische Tag, an dem sich Cromwell mit einer Handvoll Soldaten in da- Parlament begab(wer denkt da nicht an den Leutnant- mit den zehn Mann) und die gesetzgebende Körperschaft aus eigener Macht- Vollkommenheit für aufgelöst erklärte. Am gleichen Tage jagte er auch den Staatsrat auseinander Nach einer kurzen Uebergangszeit, während der das neugewählte„Parlament der Heiligen" offiziell regierte, wurde auch diese Körperschaft von Cromwell gewaltsam auf- gelöst. Die alleinige Macht ruhte jetzt bei ihm, der sich zum„Pro- tektor" erheben ließ. Der Mann der früher für das Parlament ge- warben und gekämpft hatte, stand jetzt an derselben Stelle, an der früher der ermordete und von ihm befehdete König gestanden hatte. Nun lastete die eiserne Hand Cromwells schwer auf dem Lande. Die rücksichtslose Diktatur, die er ausübte, oerbreitete Entsetzen, Schrecken und Haß. Seine eigenen Anhänger, die Offiziere, drangen in ihn, von seiner grausamen Tyrannei abzustehen: Gegenströmun- gen machten sich geltend, immer neue Verschwörungen, Attentats- pläne, royalifttsche Konspirationen wurden aufgedeckt. Bon der Kanzel herab wurde gegen den Gewaltherrscher gewettert.„Den Widersacher Gottes, das Tier der Apokalypse, den Feind der mensch- lichen Gesellschaft", nannten ihn die Baptisten. Während seiner Herrschaft kam das Land nicht zur Ruhe. Die Geschichte der fünf Jahre, in denen Cromwell als Protektor regierte, ist voll von Ge- fangensetzungen. Hinrichtungen, Strafexpeditionen und Verschickungen nach Barbadoes, der westindischen Insel der Verbannten. Noch kurz vor seinem Tode ist der Tower, find die Gefängnisse Londons und ganz Englands überfüllt. So steht, vom Standpunkt objektiver Geschichtsforschung be- trachtet und in ganz großen Zügen, das Bild der Zeit aus, in der unter Cromwells, des Diktators Herrschaft das englische Voll gelebt hat. Die oerwickelten Probleme der englischen Revolution und die Begebnisse der Feldzüge waren hier nicht zu behandeln. Ebenso- wenig standen zur Diskussion die historischen Verdienste Cromwells um ein einheitliches England. Den Charaktereigenschaften des Diktators, seiner hohen staatsmännischen Begabung, seinem sanati- schen Glaubenseifer, seinem Mut und seiner Tapferkeit kann man volle Gerechtigkeit widerfahren lassen. Hier kam es lediglich darauf an, in gedrängter Kürze ein Bild der Zustände aufzuzeigen, die Cromwells Mitbürger unter seinem Regime erlebt und erlitten haben. Daß diese Zustände und die Art, wie der große Rebell gegen seine eigenen Volksgenossen kämpfte, wie er feine rücksichtslose Gewaltherrschaft mit Blut und Schrecken, Tyrannei und Terror ausübte, erstrebenswert und des Nacheiferns würdig sind: darüber scheint sich die geschichtskundige Führung der NSDAP., nach ihrer Propaganda zu urteilen, durchaus im klaren zu sein._ 'Zu diefem llaiionalfossialismus! Aphorismen von J. Q. Seume(gefchr. isoe/v). Die Arbeit der philosophischen, theologischen, politisch-patholog� schen Volksführer ist fast durchaus, Rauch zu machen und darin Ge- spenfter und Schreckgestalten zu zeigen, damit man sich an ihre Heilande halten soll, von denen immer einer schlechter ist als der andere. t Es kann in feinem Ursprung nicht leicht ein schlimmeres Wort sein, als Soldat, Söldner, Käufling, feile Seele; Solidarius, glimpf- lich: Dukaten-Kerl. Die Sache macht die Ehre des Kriegers, aber ein Soldat kann als Soldat durchaus auf keine Ehre Anspruch machen. Es ist«in unbegreiflicher Wahnsinn des menschlichen Geistes, wie der Name Soldat ein Ehrentttel werden konnte. I Wenn etwas hart bestrast wird, so beweist dos gor nicht, daß es unrecht ist: es beweist bloß, daß es dem Vorteil der Machthaber nach- teilig ist. Oft ist gerade die Strafe der Stempel der schönen Tat. Ich habe mich oft angestrengt, den Gedanken der Knechtschaft zu begreifen; bis jetzt ist es mir, Gott sei Dank, nicht gelungen. Ohne Vertrag ist nichts; und ein Vertrag, der die Personalität und die ganze bessere Menschnatur zerstört, ist aus vielen Rechtsgründen ewig null. Es ist also ein heiliger Beschluß der ehemaligen französi- schen Nation: die Rechte des Menschen sind unveräußerlich und un- oerjährbar. Die Notion, welche nur durch einen einzigen Mann gerettet werden kann und soll, verdient Peitschenschläge. Wenn unser Adel nur seine Steuerfreiheit, seine Frone und seinen Dienstzwang rettet, ist er jedermanns Sklave, der ihm seinen Unsinn beizaupten hilft. Der Krieg ist furchtbar und gräßlich: aber noch gräßlicher ist oft, was man Friede nennt, wo Pleonerie und Kastenwesen das Volk in Sklaverei und zur gänzlichen Verdumpiung und Entäuße- rung alles Menschenwertes herabstößt. Und es wäre schwer zu be- stimmen, ob der Krieg oder dieser Friede mehr Greuel habe. Dem Eroberer sind die Menschen Schachfiguren und eine ver- wüstete Provinz ein Kohlenmeiler. Mit wenigen Ausnahmen sind die großen Helden die großen Schandflecke des Menschengeschlechts. Historisch kann man einen Rechlsgrundsatz vielleicht erläutern, aber nie begründen. Die Geschichte führt Tatsachen auf, und Mii- lionen einseitige Tatsachen machen nie notwendig ein Recht, und wenn sie von der Sintflut in ununterbrochener Kette herabgegangen wären. Was die Urbefugnisse des Menschen beleidigt, bleibt ewig unrecht, und wenn man die Schrift vom Himmel brächte. Eine Religion, die des Menschen vorzügliche, fast einzige Hoff- nung in ein anderes Leben weist, hat die Präfumption der Gaunerei in diesem für sich. Di« Kriege sind meistens Völkerinfamien, die erst durch die Friedensschlüsse recht liquid werden: oft auf einer Seite, oft auch auf beiden. Der Staat sollte vorzüglich nur für die Aermeren sorgen: die Reichen sorgen leider nur zu sehr für sich selbst. Di« Geschichte ist meistens die Schande des Menschengeschlecht«, 3lr.355• 49. Jahrgang 2, Beilage des Vorwärts Sonnabend. 30. Juli 1932 Oesterreich in der Zange. Die mehr als fragwürdige Völkerbundsanleihe. In letzter Stunde, am 1Z. Juli, als nach Erschöpfung der ©ott' und Devisenreserven oer Oesterreichischen Nationolbonk eine offene Zahlungseinstellung gegenüber dem Auslände in Form eines Transfermoratoriums unvermeidlich schien, wurde dem Lande Oester- reich«ine Völkerbundsanleihe von 300 Millionen Schilling zuge- sichert. England und Frankreich übernehmen davon je 100 Millionen, Italien 30 Millionen und Belgien 5 Millionen Schilling, während der Rest durch die Schweiz, Holland und die Tschechoslowakei auf- gebracht werden soll. Die Anleihe ist nach offizieller Versicherung ausschließlich eine Währungsanleihe, ste soll nur der Stützung des Schillings dienen und nicht ein Groschen für staatssinanzielle Zwecke verwendet werden. Di« Lage imStaatshaushaltistaberkatastrophal. Das Defizit für das laufende Jahr wird nach der Entwicklung des ersten Semesters heute schon auf mindestens 400 Millionen Schilling veranschlagt. Demgegenüber wären die zunächst leider auf dem Pa- Pier stehenden 300 Millionen Schilling der Völkerbundsanleihe nicht viel. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, daß in Wirklichkeit kaum ganze 100 Millionen Schilling verfügbar sein werden; denn 90 Mllionen Schilling des neuen Kredits sind nach dem Anleihe- vertrag zur Rückzahlung' alter kurzfristiger Darsehen an die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Bafel (BIZ.) und weitere 100 Millionen(der ganze englische Anteil) zur Abtragung eines im Vorjahre von der Bank von England der Oester- reichifchen Nationalbank gewährten kurzfristigen Kredits zu oer- wenden. Ueberdies ist es aber noch zweifelhaft, ob Oesterreich den Gegenwert der restlichen 100 Millionen Schilling, die im September d. I. ausgezahlt werden sollen, voll in die Hand bekommen wird. Bis heute liegt jedenfalls bei einem Teil der kleinern be- telligten Staaten der zu übernehmend« Anteil noch nicht fest und außerdem soll die Umwandlung in Schilling zu dem um etwa 20 Proz. niedriger liegenden Auslandskurs und nicht etwa zu dem für Jnnerösterreich geltenden Zwangskurs des Schillings erfolgen. Dementsprechend wird sich dann der tatsächliche Neuzufluß von Devisen, d. h. den zur Währungsverteidigung dringend benötigten hochwertigen ausländischen Zahlungsmitteln, entsprechend verringern. Die Auffüllung der österreichischen Gold- und Devisenreserven. die jetzt gerade noch die kurzfristigen Verbindlichkeiten von 1W Mil- lionen Schilling decken, wird also kaum ausreichen, um damit den gesunkenen Außenwert des Schillings wieder auf die alt« Goldparität bzw. auf den künstlich aufrecht erhaltenen Binnenwert des Schillings zu bringen. Gleichwohl mußte O e st e r r e i ch sich in dem Anleiheocrtrag verpflichten,„seine Währungspolitik in kürzester Frist und unter den nötigen Vorsichtsmaßnahmen so einzurichten, daß der bestehende Ab- stand zwischen dem offiziellen Wert oes Schillings und dem auslän- difchen Schillingskurs verschwinden soll". Dabei ist die Frage jedoch absichtlich im Dunkel belassen worden, ob nun der(um 20 Proz. niedrigere) Außenwert gehoben oder ob der innere Zwangskurs entsprechend herabgesetzt werden soll. Für«ine dauerhafte Her- stellung des Außenwertes der österreichischen Währung müßten aber wohl doch erheblich höhere Deoisenbeträge eingesetzt werden, als sie nun der Oesterreichischen Nationalbank in Aussicht gestellt sind. Tatsächlich muß man aus dieser gänzlich unzureichenden Währungsbeihilfe den Schluß ziehen, daß der österreichische Schilling— durchaus nach dem Willen der jetzigen Kreditgeber— über kurz oder lang eine offizielle Abwertung wird erfahren müssen. Es wird schon sehr große Anstrengungen erfordern, um diese Abwertung innerhalb einer Grenz« von etwa 10 bis 20 Proz. der alten, im Inlands nur durch Zwangskurs noch ermöglichten Parität zu holten. Denn diese Parität ist erstens durch die hoffnungslose Zahlungsbilanz und zweitens trotz schärfster Devisenbewirtschastunz und rücksichtsloser Zahlungsbeschränkungen durch ausländische kapikalabziehunaen und inländische Kapitalfluchk bedroht, während gleichzeitig der D e v i s e n sch w a r zh a n d e I(zu dem gegenüber dem inländischen Zwangskurs niedrigeren Außenwert) einen außerordentlichen Umfang angenommen Hot; heute schon wird mehr als die Hälfte des gesamten Zahlungsverkehrs mit dem Aus- lande zu dem niedrigeren Auslandskurs abgewickelt. Wie unter solchen Umständen in den Anleihevertrag des Völkerbunds noch die Verpflichtung aufgenommen werden konnte, daß„die Währung?- Politik auf die fortschreitende Aufhebung der Devisenkontrolle uno der Erschwerungen des internationalen Handels gerichtet fein müsie", ist schlechterdings unerfindlich. Im Gegenteil, nicht eine Erleich- terung, sondern eine Verschärfung der Zahlungsbeschränkungen wird notwendig sein, wenn oer österreichische Schilling aus einer nicht allzu niedrigen Parität ausgefangen und endgültig stabilisiert werden soll. Diese Sachlage steht in einem hohnvollen Widerspruch zu dem angeblich in dem Anleihevertrag enthaltenen Verbot für die österreichisch« Regierung, ein Transfermoratorium zu erklären. Mit Sicherheit verlautet wenigstens, daß zum mindesten die vom Völkerbund garantierte Wiederaufbauanleihe vom Jahre 1923 voll bedient werden müsse. Der Dienst für dies« Anleihe allein erfordert jedoch pro Jahr bereits mehr Devisen, als durch die neue Völker- bundsanleihe einmalig in die Kassen der Nationalbank fließen! Zwanzigjähriges Anschlufzverbvt! Da Oesterreich diese äußerst zweifelhafte Währungshilse noch mit äußerst drückenden politischen Verpflichtungen, u. a. einem 20sährigen Zlnschlutzverbot an Deutschland, erkaufen s mußte, so ist es nicht zu verwundern, daß die Freude über den neuen Auslandskredit in Oesterreich nicht groß ist und daß das tat- sächliche Zustandekommen der Anleihe noch an dem Wieder- st and des österreichischen Parlaments scheitern ka«n. Aus dem Oevaheim-Gumpf. Terraingesellschasten, die von den Brüdern Ztonck ausgeplündert wurden. Auf den Generalversammlungen der Lichtenberger Terrain A.- G. und der Frankfurter Chaussee A.-G. wurde klargelegt, auf welche phantastische Weise die Brüder Adolf und Paul Runck diese Terraingesellschaften ausgeplündert haben. Dies« sauberen Herren, die ihrer Aburteilung entgegensehen, waren einmal die großen Leute bei Devaheim und beim Zentralausschuß für Innere Mission. Sie leiteten die Evangelische Zentralbank. ein Genossenschastsunternehmen, an dem fast nur Geistliche beteiligt waren. Als der Zentralausschuh für Innere Mission zur Sanierung der Devaheim eine Hilfsaktion einleitete, da ernannte er Adolf Runck zum alleinigen Bevollmächtigten für die Verhandlungen mit den Reichsbehörden. Das war am 1. August 1931, zu einer Zeit, als die Zentralbank selbst schon zahlungsunfähig war. Auch die beiden oben genannten Terraingesellschaften wurden von Runck geleitet; sie wurden so in den Devaheim-Skandal hinein- gezogen. Die Bankguthaben dieser Terraingesellschasten wur- den bei der Evangelischen Zentralbank angelegt und sind verloren gegangen. Außerdem übernahmen beide Gesellschaften Genossen- s ch a s t s a n t e i l e an der Zentralbank, die jetzt nicht nur nichts wert sind, sondern darüber hinaus die Gesellschaften zur Zahlung der Haftsummen in doppelter Höhe der Beteiligung verpflichten. Ferner wurden Wertpapiere der Terraingesellschaften der Zentralbank übergeben, die diese rechtswidrig lombardierte: von dem G e s a m t b c s i tz von 500000 Mark hoben die Terraingesellschaften gerade 80 000 Mark zurückerhalten. Diese„Freundschastsgeschäfte", die die Gebrüder Runck auf dem Rücken der Terraingesellschasten mit ihrer Zentralbank tätigten, haben es dahin gebracht, daß be! jeder Gesellschaft die Reserven verloren gingen und darüber hinaus bei einem Kapital van je 1 Million Mark Verluste von je 0,7 Millionen Mark entstanden sind. Die Lichtenberger Terrain A.-G. ist aber noch in besonderer Weise in den Devaheim-Skandal verstrickt worden. Die Dresdner MRWW SLÄ REEMTSMA SORTE « ///////////////////////////////////////////////////////////////, % M CRNTCN 27 BIS 30 4- MU8TCRCIQARCTTCN 4 MI8CHUNOSNUMMCR R6 O/M Diese Cigaretten werden In den ne Jkn des technischen Muster. betriebes i« Altona-Bahrenfeld Lieferung ist zunächst beschränkt. Der ungewöhnlich zarte und reine Charakter dieser Mischung beruht darauf, daß sämtlicheTabake zwelmaff%rf$tf�® O�Gr/�le wird ausschließlich ohne folgenden Distrikten i CavJla, frgi,■A�sso Die Cigaretten si�f�ster MWGWMelten �uer Fabrikations- -nethoden. die He�f�lugp auf Mundstück hergestellt. Dl 1�1 fester om CIOAMETTCNPABRIKEN O.H.B.M. ALTONA-BAHRENPEtO Sank und die Baukreditbank 2I.=t2 Alwin Jugel. ftllysueine Orfskrastenkasse Blo.-Wai8ansee Bekanntmachung. Der in der Auoschußsitzung»m 28. Juni 1932 beschlossene 37. Saxungenachtrag, ent- halteno Aenderungen der KZ>9 und 4S, ist vom Oberverstcherungsantt am 19. Zttit 1932 genehmigt worden. Die Aenderungen 1 reiten vom 1, Znli 1932. Druckexempiare oeS Nadttrages sind in unserem Kassen lokal erhältlich. Verlho Wetßensee, den 28. Juli>932. Der Vorstand Brühmüller, Porstzender. Schräge. Schriftführer. Heute Sonnabend 3z Uhr GRUNEWALD HAGEN- RENNEN Ausgleich I i üNA leute„ Konzert-Gastspiel «/Wiener Edelknaben'' . Dirigent: Dr. H. Rosen, ehemals| Wiener Hoch- u. Deutschmeister - FEUERWERK— Sonntag:& o x k a m p t S1/« Uhr| S t e g e m a n n— S p un n e r W i H— R i e g e i. August. Iß1/) Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. IMei IMIiM'M'Wzüsj i VerwaltangssieUe BerlJn Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht,! daß unser Kollege, der Schlosser Lrteh Kroeh! geb. 2. Nuzust 1902, om 27. Jult ge- starben ist. Ehr« seinem Andenlen! Die Einäscherung findet om Sonn- abend, dem 30. Juli, iß't Uhr, im j Krematorium Laumschuienmeg..sswf. holjstraße, statt. Rege Beteiligung erwarte! Die OrisTerwaUang, Ferien- Angebote Kochherde> nur noch jeder ärt u. Eröße.� bis 39. Juli. Riesenouswahl,! Jeder muß zugreifen! 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