BERLIN Mittwoch Z. August 1932 Jir. 362 B 176 49. Jahrgang Redaktion U.Expedition: Berlin SW 68, Lmdenstr.3 Sei. A7 Dönhoss 292—297 Erscheint täglich außer Sonntage Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugsprer» fitrbeideAusgaben7SPf. pro Woche, Z,2ö M. pro MonatA. s a s s e l. Z. August.(MTB.) Bon der Polizei wurden gestern abend in Hosgeismar bei Angehörigen rechtsradikaler Gruppen(die richtige Bezeichnung Nationalsozialisten scheint jetzt aus den amtlichen Meldungen zu verschwinden— Red.) Durchsuchungen nach Massen vorgenommen. Es sollten dort ein kompletter Panzer- wagen sowie Maschinengewehre versteckt worden sein. Bei der Durchführung der Aktion wurde der Panzerwagen wirklich gefunden. Es Handell sich dabei um einen mit 5 Millimeter dickem Stahlblech beschlagenen und mit Schieß- löchern und gefechtsmäßiger Ausrüstung versehenen wagen. Der wagen wurde von der Kasseler Schuhpolizei in der Polizeiunterkunst sichergestellt. Maschinengewehre oder andere Massen konnten bei der Durchsuchung nicht gesunden werden. Neben den Beamten der Landjägerei sind auch Beamte der Kriminalpolizei aus Kassel in Hosgeismar tätig, um die Noch- sorschungen nach Massen fortzusetzen. Personen wurden bisher nicht festgenommen. ZuderPolizeiaktioninhofgeismar teilt die Presse- Oeutsch-französischerGozialverirag Gegenseitigkeit für alle Arbeiter und Angestellten stelle der Regierung mit: Am Dienstag, dem 2. August, mittags fand in dem Gehöft des Landwirts Holt in Hofgeismar auf Anordnung des Landrats ein« polizeiliche Durchsuchung statt. Hier- bei wurde ein alter Lastkraftwagen beschlagnahmt, der nach Angabe der Beteiligten auf Anordnung der Kreisleitung der NSDAP, in den letzten Nächten mit 5 Millimeter starkem Schmiedeblech gepanzert worden ist. Die Panzerung ist nach allen Seiten durchgeführt und nur durch Sehlöchsr und auf beiden Flanken durch einen Schlitz unterbrochen. Der hierzu vernommene Führer der örtlichen SA.- Formation erklärte, daß der Wagen zum ungefährdeten Transport von SA.-Angehörigen bestimmt fei. Die Durchsuchung nach angeb- lich vorhandenen weiteren Waffen sind erfolglos geblieben. Nur wurde bei einem zu der Durchsuchung herbeigeeilten Angehörigen der SA. ein Pistole mit 7 5 Schuß Munition beschlagnahmt. Di« Vernehmung der Beteiligten dauert noch an. Die end- gültige Entscheidung über die Durchführung eines etwaigen Straf- Verfahrens und über den Verbleib des Wagens auf Grund des Kriegsgerätegesetzes vom 27. Juni 1927 ist Sache der ordentlichen Gerichte. Der Wagen ist einstweilen bei der Polizeiunterkunft sicher- gestellt.'__ Massenverhastungen in der Pfalz. Ilazischwindel über Terrorabsichten der Eisernen Front. Frankfurt a. M., Z. August. Die Ludwigshasener Bcreitschastspolizei hat, wie die„Frank- surler Zeitung" au« Mannheim meldet, aus Veranlassung der Regierung der Pfalz in Freinsheim bei Bad Dürkheim ungefähr 200 SA.- und SS.- Leute festgenommen. Bei einer großen Anzahl von ihnen fand man Waffen. Die Ermittlungen der politischen Polizei haben ferner Veranlassung gegeben. 1Z führende Rationalsozialisten aus Ludwigshasen, darunter die Führer der SA., SS. und des Motorsturms am Dienstagnachmiltag zu verhaften. Die Verhaftelen haben zum Teil angegeben, sie wollten bei einer etwaigen Bedrohung ihrer Parteigenossen diese schützen. Die„Frankfurter Zeitung" schreibt dazu, daß bereits in der vergangenen Woche Ludwigshafener nationalsozialistische Führer der Polizei mitteilten, sie hätten ihre Frauen und Kinder aus Ludwigshasen sorlgeschafst, weil— die Eiserne Front am Wahllag Terrorakte ausüben wolle s l st r a h e aus dem Wedding kam es ln der vergangenen Nacht zu einer folgenschweren Straßenschlacht Zwischen SA.- Leuten und Kommunisten. Ein haken- kreuzler wurde erschossen und zwei weitere SA.-Leute erlitten leichte Schußverlehungen. Aus kommunistischer Seite zog sich ein 52 Jahre alter Arbeiter Karl Blumenreuter aus der Schulstraße schwere Kopsverlehungen zu: er fand im Slaatskrankenhaus Ausnahme. Nach den polizeilichen Ermittelungen hatte kurz nach 1 Uhr ein Trupp von etwa 13 SA.- Leuten seine„Kaserne" in der Genter Straße oerlassen, um sich nach Hause zu begeben. Sie niar- schierten durch die Triststraße, wo sich im Hause Nr. 67«in kom- munistisches Verkehrslokal befindet. Es wird nun behauptet, daß aus dem kommunistischen Lokal angeblich ohne jeden Anlaß auf die vorbeimarschierenden SA.-Leute geschossen worden ist. Dabei wurde der 37 Jahre alte Friseur Fritz Schulz aus der Nooalisstraße durch einen Kopfschuß getötet. Zwei andere Nationalsozia- listen wurden in den Unterarm getroffen. Im Anschluß an die Schießerei spielte sich vor dem Lokal ein erbitterte» Handgemenge ab. Die Nationalsozialisten mußten flüchten und die Kommunisten zogen sich in ihr Lokal zurück. Als einige Zeit später das Ueberfall- kommando anrückte, wurden noch 17 Kommuni st en in den Räumen der Gastwirtschaft angetrofsen und festgenommen. Unter ihnen sollen sich zwei mutmaßliche Täter befinden. Die Festgenom- menen wurden der Politischen Polizei des Polizeipräsidiums über- geben. Die. polizeilichen Ermittelungen werden weitergeführt. Aazirowdies am Aollendorfplah. Auch am Nollendorsplag wurden in der letzten Nacht wieder drei Republikaner, die das Abzeichen der Eisernen Front trugen, von einer Nazihorde überfallen. Das Wesser wurde gezückt und einer der drei erhielt einen schweren kopsstich. Der andere bekam mit einem harten Gegenstand Schläge ins Gesicht. Seine Tasche, die viel Parteiakten enthielt und ein Schlüsselbund, wurde von den Nazistrolchen gestohlen. Ein Arbeitersamariter ver» band die Uebersallenen. Der dritten Person, eine junge Frau, ge- lang es noch im legten Augenblick, aus dem Büro der Radikaldemo- kralischen Partei durch Psisfe und Ruf« Hilse zu holen. Nach einigem Zögern rief ein Polizeibeamter das Ueberfallkommando herbei. Die Bülowstraß« wurde nun schnell gesäubert. Bier Beteiligte konnten festgenommen werden. Anerkennung für einen Lebensretter. Der Bauarbeiter Fritz Clbrecht, Bahnhofplatz 4 in Berlin-Tegel wohnhaft, hat im Mai d. I. ein Mädchen aus der Tegeler Straße vom Tode des Ertrinkens S Bretter. Der Polizeipräsident hat dem mutigen Retter für sein em- hlossenes Verhalten seine besondere Anerkennung ausgesprochen und ihm ein« Geldbelohnung zugehen lassen. Warum noch keir Oer Propellerwagen Die Versuche mit den Kruckenbergschen Propeller- triebwagen, die seit nahezu zwei Iahren auf den verschieden- sten Strecken der Reichsbahn ausgeführt werden, erwecken den An- schein, als ob die hundertjährige Eisenbahn, die in den verflossenen Jahrzehnten kaum noch eine grundsätzliche neue Entwicklungstendenz aufzuweisen hat, im Begriff steht, sich ein neues, hoffnungsvolles Gebiet zu erschließen: eine Art Schnellverkehr, mit dem in bezug auf Geschwindigkeit, Sicherheit, Bequemlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Pünktlichkeit kaum ein anderes Verkehrsmittel konkurrieren Äer Schienenseppelin, vor dessen Verwendung im normalen Verkehr noch viele Schmie- rigkeiten zu überwinden sind, kann. Der Grundgedanke dieser neuen Verkehrsart ist die häusige Bedienung des Verkehrs durch sehr schnelle, leichte Einzelsahrzeuge. Dieser Gedanke negiert die eigentliche Stärke der Eisenbahn, nämlich das Fahren in großen Einheiten mit verhältnismäßig gc- ringer Zugkraft, mit anderen Worten: die Bildung von Zügen. Er setzt an die Stelle der großen Transporteinheiten das Cinzelfahr- zeug! denn ein solches ist der Propellerwagen und wird es seinem ureigensten Wesen nach immer bleiben. Sein Erfolg zeigt uns, daß die Möglichkeit der Zugbildung nicht die einzige Stärke der Eisen- bahn ist, daß diese vielmehr in der größeren Sicherheit der Schienen- führung gegenüber der ungeführten Bewegung des Fahrzeugs bei höheren Geschwindigkeiten einen zweiten entscheidenden Vorzug vor allen anderen Verkehrswegen hat. Diesen Vorzug sucht der Krücken- bergsche Propellerwagen auszunutzen. Er bedient sich dabei der vorhandenen Eisenbahnstrecken. Wäh- rend fast alle früheren Schnellbahnprojekte besondere Bahnkörper vorsehen, in erster Linie Hängebahnen, ist es eines der wesentlichsten Verdienste Kruckenbergs, feine Schnellbahn für die vorhandenen Bahnlinien entwickelt zu haben. Es steht nämlich außer Zweifel, daß ein ausgedehntes Netz von Hängebahnen mit Rücksicht auf die Schnellverkehr? im Eisenbahnbeirieb. ungeheuren Kosten in absehbarer Zeit kaum Zustandekommen kann. Der Propellerwagen oder„Flugwagen*, wie man ihn auch genannt hat, muß vorläufig mit dem Vorhandenen rechnen. Das tut Kruckenberg. Dabei ergeben sich, wenn man die praktische Einführung näher ins Auge faßt, nicht unerhebliche Schwierigkeiten betrieb- l i ch e r N a t u r. Es wird nicht ganz einfach sein, einen derartigen Schnellverkehr in den vorhandenen Fahrplan einzugliedern. Die Hauptstrecken der Eisenbahn, für die die neue Verkehrsart aus- schließlich in Frage kommt, sind nämlich schon sehr stark mit Zügen verschiedenster Art belegt. Auf ihnen fahren Nah- und Fernzüge, Stückguteiltriebwagen, Personenzüge, Eilzüge, Schnellzüge und Fernschnellzüge, und alle Zugläufe müssen so gelegt sein, daß sie nicht nur dem zeitlich wechselnden Verkehrsbedarf entsprechen, son- dern sich auch gegenseitig nicht stören. Jeder schnellere Zug be- einslußt den Lauf aller langsameren Züge entscheidend: sie müssen an passenden Stellen liegen bleiben, um überholt werden zu können. das ist fahrplantechnisch mit allerlei Schwierigkeiten verknüpft, die schon heute stark in Erscheinung treten, wenn zum Beispiel Fern- schnellzüge auf einer Strecke eingelegt werden sollen. Der Propeller- wagen, als ein noch wesentlich schnelleres Fahrzeug, bringt eine Häufung dieser Schwierigkeiten mit sich, die einen etwa halbstllnd- lichen oder auch nur stündlichen Verkehr aus den großen Durch- gangslinien vorläufig als praktisch ausgeschlossen erscheinen lassen. Man wird daher genötigt sein, die Flugwagen gebün- d e l t, d, h, in größerer Zahl hintereinander über die Strecke laufen zu lassen. Dadurch ergäbe sich nicht nur eine Entlastung des Fahr- plans, es wäre auch möglich, den heutigen Kurswagen eine neue Form und Bedeutung zu geben. Wir verstehen ja darunter Wagen zwischen einer Ausgangs- und einer Endstation, zwischen denen keine durchgehenden Züge befördert werden. Bei dieser Betriebsart wird der Vorteil des billigen Laufs im großen Zug stark aufgewogen durch die Kosten, Umständlichkeiten und Zeitverluste des Rangierens. Hier geht der Flugwagen ganz anders vor: jeder Wagen läuft ein- zeln und bis zum Ziel durch. Der Kurswagenzug wird dadurch in eine Anzahl einzelner Wagen aufgeteilt, die gebündelt über die Hauptstrecke laufen, um sich nach den verschiedenen Seitenlinien zu verzweigen, wo sie gemeinsam mit den von anderen Seiten her ein- getroffenen Wagen wiederum gebündelt dem Ziele zufahren. Wenn so die eine große Schwierigkeit des Schnellfahrzeugs auf der Schiene durch geeignete organisatorische und fahrplantechnische Maßnahmen beseitigt oder wenigstens wesentlich gemildert werden kann, so bleibt doch noch eine nicht minder wichtige zweite bestehen: das Verhalten des Wagens in der Kurve, Es wird eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben sein, die Konstruktion des Flugwagens so durchzubilden, daß er Kurven mit wesentlich höherer Geschwin- digkeit durchfahren kann, ohne der Gefahr des Entgleisens ausgesetzt zu sein. Nach Ausführungen von Reichsbahnrat Dr, B ä s e l e r- München, einem ersten Sachverständigen auf diesem Gebiet, der das Kurvenproblem seit Iahren studiert, ist die Möglichkeit hierfür durchaus gegeben, So geben sich bei näherer Betrachtung eine ganze Anzahl von Problemen zu erkennen, die mit dem Propellerwagen und seinem Einsatz in den Verkehr aufs engste verbunden sind und deren Lösung wohl noch ein reiches Maß von Entwicklungsarbeit voraussetzt, ehe wir fahrplanmäßig mit 180 oder 200 Kilometer-Stundengeschwindig- keit vom Propeller über den eisernen Pfad dahinbewegt werden, Der Krieg im Gran Chaco. Friedensbemühungen und Kriegspatriotismus. Bereits im Dezember 1928 hat es kriegerische Handlungen Boliviens und Paraguays gegeneinander um das strittige Gebiet des Gran Chaco gegeben. Dem Völkerbund gegenüber oerpflichteten sich damals beide Staaten, ihre Konslikte nur friedlich auszutragen. Daran hat man sie jetzt von Genf aus erinnert, aber nur mit dem Erfolg, daß jeder den anderen beschuldigt, zu den Waffen gegriffen zu haben. Nun haben die Regierungen der Vereinigten Staaten, von Mexiko, Kuba, Kolumbien und Uruguay die vierzehn anderen amerikanischen Regierungen aufgefordert, sich den Bemühungen um die Erhaltung des Friedens anzuschließen. Indessen haben bolivianische Truppen einen Angriff aus Puerto Casado. einen wichtigen strategischen Punkt am Paraguayfluß begonnen. Von Asuncion sind weitere Truppen nach der Grenze abmarschiert. Die K r i e g s b e g e i st e r u n g ist überall sehr groß. Redner fordern das Volk auf, die heilige Sache Paraguays zu verteidigen, und sprechen von einem „gerechten K r i e g*. In Conception haben die Frauen sich bereit erklärt, ein Amazonenbataillon zu bilden.— Das pora> guayanische Oberkommando bestätigt die Räumung von Fort Bouqueron durch Truppen, gibt jedoch die Verluste der Bolivianer auf 69 Mann an. In Paraguay hofft man, daß die Bolivianer als Hochländer die gewaltige Hitze des Gran-Chaco-Tieflands nicht ertragen wer- den: es wird behauptet, daß 699 Bolivianer zu Paraguay über- gelaufen feien._ Polens„Verteidigungswille". lleberspihtes Pathos. Das Aufflammen des Nationalismus in Deutschland hat in Polen große Sorge um den„ewigen" Besitz des jetzt polnischen Oft- seeküstenstrichs und des Großhafens Edingen hervorgerufen. Auf dem„Fest des Meeres" in Edingen— das mittelbar den deutsch-polnischen Flaggenkonflikt hervorgerufen hat— haben sich diese Gefühle drastisch in der demonstrativsten Bekundung unbedingten Verteidigungswillens geäußert. Der Leiter des Kriegsteilnehmeroerbandes in Pommerellen, Reserveoberst S i u d o w s k i, meldete dem Staatspräsidenten Mosciski, daß„die große Pommereller Reservearmee in disziplinier- ter Ordnung, ihrer inneren Kraft bewußt, sich in ihrer geschlossenen Front zum Meere gewandt, ihre Bereitschaft zum entschiedenen Schutz der Grenzen des Vaterlandes erklärt". Ist das schon reichlich pathetisch, so hat man nachher die Grenze der Lächerlichkeit noch viel entschiedener überschritten. Nach polnischen Berichten war der Höhepunkt der militärischen Feierlichkeiten die „Verbrüderung der Kavallerie mit dem polni- j ch e n Meer e". Die in Edingen zusammengezogenen vier Kavallerieregimenter aus Dhorn haben durch Eintauchen der Re- gimenlzsahnen und der Säbelspihen ins INeer„den Schwur ab- gelegt, daß sie bis zum letzten Wutstropfen das polnische Seeufer verteidigen werden". Kommunisten und Offiziere. Warschau, 3. August. Anläßlich des kommunistischen„Antitriegstages" kam es auf der Eisenbahnstation I o s e f o w bei Warschau zwischen einigen Kommunisten und einer Gruppe Offiziere zu einem blutigen Zusammenstoß, Nach Schilderungen der polnischen Presse geriet man zunächst in einen heftigen Wortwechsel, in dessen Verfolg die Offiziere tätlich angegriffen wurden. Die Offiziere machten s o- fort von ihrer Schußwaffe Gebrauch, wobei e i n Kommunist getötet wurde. Ein Offizier trug eine Kopfver- letzung davon, Deutsche Schüler in Paris. Frankreich grüßt Deutschland.— Das Dolk will Frieden. Eine Anzahl Berliner Schüler traf unter Führung des Studien- rats Schräder am Dienstag nach einmonatigem Aufenthalt auf der Insel Oleron in Paris ein, wo sie vor Antritt der Heimreise noch einige Tage bleiben. Sie wurden hier von dem Verband der republikanischen Kriegsteilnehmer empfangen. Der Vorsitzende des Verbandes hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der er die jungen Deutschen aufforderte, ihre Landsleut? über die wahren Gefühle des französischen Volkes zu unterrichten, das in seiner großen Mehrheit im Frieden mit allen Ländern und besonders mit Deutschland leben wolle. Studienrat Schräder erklärte in seiner Antwort, daß seine Schüler nicht versehlen würden, in Deutschland die höfliche und liebenswürdige Art und Weise zu schildern, mit der sie überall in Frankreich ausgenommen worden seien._ Mordkommission am Spreeufer. Ein ungeklärter Leichenfund. Die Referoemordkommission wurde heute ftüh nach der Köpenicker Straße 48-49 alarmiert. Die hinter der Straße liegenden Häuser grenzen dort an die Spree, Arbeiter einer Baufirma entdeckten heute morgen eine Leiche im Wasser, von der nur der Kopf aus den Fluten ragte. Der Tote wurde geborgen. Die Leiche des Mannes wies zahlreiche schwere Hieb-, Stich- und Schlagwunden auf. so daß sich die Revier- polizei veranlaßt sah, die Mordinspektion zu benachrichtigen. Un- zweifelhaft liegt hier ein Verbrechen vor. Der Tote hatte eine Berliner Montagszeitung in der losch«. Die Polizei vermutet. daß der Mann in einem der Lokale in der Nähe der Schillingsbrücke verkehrte, wo fast allnächtlich Schlägereien usw. vorkommen. „Oer Tugendkönig." Mozartsaal. Man muß es den Franzosen lassen, sie verstehen sich auf die Satire, freilich eine Satire, die mehr Ulk ist als Bitterkeit und bei aller Karikatur doch den leichten Ton nicht vermissen läßt. Kein Geringerer als Maupasiant hat den Rohstoff geliefert in einer seiner köstlichen Novellen, in denen er das Spießertum und ihre Moral- Heuchelei in ihrer wahren Gestalt zeigt. Der bei uns wenig be- konnte Regisseur Bernard Deschamps hat durchaus die filmische Form dafür gefunden, wenn er sich auch nicht in die phantastischen Höhen wie Rene Clair erhebt. In dem Provinznest wird wieder einmal der guten alten Sitte gehuldigt, eine Tugendkönigin zu wählen. Aber da die jungen Damen nicht den Anforderungen eMsprechen, einigt man sich auf einen jungen Trottel, der fern von Schuld und Fehle sein« Tage hinbringt. Ganz famos ist das Fest geschildert, auf dem seine Krönung erfolgt mit all den komischen Zwischenfällen, den parodistisch behandelten Festreden, dem Trara der freiwilligen Feuerwehr usw. Eine wirklich sehenswerte Galerie von Spießbürgern ist aufgemacht, die alle ihren lächerlichen Zug haben. Der Bürgermeister redet wie ein Schauspieler, die Feuerwehr kann sich nicht genug tun im militärischen Elan, und die Patronin des Festes, die reiche Bürgerin, vergeht vor lauter Tugendseligkeit. Aber den holden Mädchen und auch der bejahrten Weiblichkeit merkt man es an, wie sie alle auf den Tugendkönig gieprig sind. Aber er entzieht sich mit dem Tugendkranz und der Geldprämie den weiteren Ovationen und landet in einem Vergnügungslokal, wo er unter der Beihilfe von barmherzigen Schwestern der Liebe alles verliert: die Tugend, den Kranz und auch das Geld. Zu Anfang läßt sich der Film Zeit, hier könnten Striche für ein lebhafteres Tempo sorgen, aber auf den Höhepunkten und zum Schluß hat er den richtigen Schmiß. Ganz hervorragend ist der Darsteller des Tugendkönigs, Fernandel. So ein Blödian und Trottel, so ein Freßsack, der schnell auch den Appetit auf andere Dinge bekommt, ist wohl im Film noch nicht gesehen worden. Auch all die anderen Typen finden ein« höchst charakteristische Ausprägung. Im Begleitprogramm sah man Hans Moser in der Rolle: „Ein angenehmer Patien t", worin er seine eigenartigen Humore voll entwickelte. Ganz entzückend war„M i ck y im See- b a d" mit neuen Tieren(ein wahrhaft gespenstischer Tintenfisch!) und anderen technischen Wundern. O. „Das Millioneniestament." Atrium Nicht xbeliebiges Strandgut, sondern wahre Perlen haben Manuskriptschreiber und Regisseur aus ihrem Erinnerungsvermögen gefischt, um diesen Film zu schassen. Sie erinnerten sich stark an „Die Million" und den„Hellseher" und ließen so einen Querkopf eme höchst sonderbare Verfügung an sein Millionentestament knüpfen. Um ihr gerecht zu werden, müssen beide Erben sich als Amateurdetektive betätigen, Sie, Cousin und Cousine, werden ein Paar: zur Erfüllung der Bedingung aber kommen sie, trotz aller An- strengungen, nur durch Zufall. Johannes R i e m a n n und Charlotte Ander spielen die Hauptrollen. Beide sind elegant gekleidete, spart- kundige, elastische Gegenwartsmenschen, die es verstehen, sich stets gut zu bewegen. Riemann ist vor allen Dingen dann ganz vorzüg- lich, wenn bei ihm die Stimmung umschlägt. Da wird er uns, deren Leben jetzt andauernd unter Aprilwetterstimmung steht, sehr ver- ständlich. Gerhard D a m m a n n ist das wunderbar klobig durch alle Situationen stapfende Urbild des Wotangläubigen. Der Regisseur Erich Engels hat sehr lichte Augenblicke, die gut wären, wenn sie Momente bleiben: doch wälzt er sie zu Szenenfolgen aus. Heinz Lettons Schlager haben eine einfache, niedliche, einprägsame Melodie. An der Kamera stand Bruno Mondi. In seinen Auf- nahmen ist er, betreffs der Landschaften empfindungsreich, der Per- fönen geschickt und der Bewegung eigenartig. e. d. Kriegsbilder als Hörspiel. „Der abenteuerliche EimplizissimuS." „Der abenteuerlich« Simplizissimus* von Christof von G r i m- mel Ihausen ist«in„Zeitroman" des 17. Jahrhunderts: Grimmelshausen hat seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in ihm aufgezeichnet. Emil Burri formte aus einzelnen Bildern des Romans ein Hörspiel, das von der Berliner Funkstunde aufgeführt wurde. Gerd Fricke, der die Regie hatte, beging den Fehler, das Spiel in zu gedehnter Form auf die Sendebühne zu bringen. Die Hörer wur- den durch eine anderthalbstündige Aufführung ermüdet, die— dem Roman entsprechend— keine fortschreitende Entwicklung der Hand- lung, sondern nur ein wiederholtes Auf und Ab bringen konnte. Das war schade: denn sicher ist der ersten Hälft« des Spiels jeder mit gespannter Aufmerksamkeit gefolgt. Burri hat sich an den naiven Dialog des Urtexte! angelehnt. Er schuf im Hörspiel Bilder von stärkster Plastik. Die Entwicklung des einfältigen Knaben Simplizius, der den Menschen für gut und darum die Soldaten für Wölfe hält, zum Soldaten und Strauchdieb, zeigt die Entwicklung einer kriegsvergifteten Menschheit, in der Haß immer neuen Haß, Blutgier neue Blutgier, Mißhandlung und Unrecht Grausamkeit gebietet. Die Szenen, die Burri aus den Kriegs- berichten des Romans zusammengestellt hat, waren ungewollt eine flammende Anklag« gegen jeden Kriegsgeist. Sie allein hätten ein Hörspiel ergeben von so eindringlicher Gewalt, wie es selten über eine deutsche Sendebühne ging. Die Darstellung war wenig gestrafft. Es wurde mehr geredet und deklamiert als gestaltet. Nur Veit Harlan als Simplizius stellte einen Menschen hin, den der Hörer aus jedem Satz körperlich vor sich sehen konnte.__— 1z. Die Ausrollung des Ivalfifches. Der norwegische Walfangrat veröffentlicht in seinem soeben erschienenen dritten Bericht, der sich auf die Saison 1931/32 und dem Sommer 1932 bezieht, daß in diesen beiden Fangperioden insgesamt 42 784 Wale von den Schiffen aller beteiligten Nationen gefangen wurden. Hierunter befanden sich 29 696 Blauwale, 11361 Finnwale und 1997 andere Walarten. Die Gesamtproduktion an Walölen belief sich auf 3 686 976 Faß von je 169� Kilogramm Gewicht. An dem Fang beteilig» waren neun Küstenstationen, 43 schwimmende Kochereien und 276 Walfang- dampfer. Der Schuß der Arbeitslosen Ln Krankreich und in Deutschland Im krassen Gegensatz zur deutschen Regierung der Barone, die durch die letzten Notoerordnungen das Elend der Arbeitslosen in un- erhörtem Maße oerschärst hat, wird in Frankreich von der Regie- rung Herriot ein umfangreiches Programm vorbereitet, das die Not der französischen Arbeitslosen nach Möglichkeit e r- leichtern soll. Die Grundzüge dieses Programms hat der Ar- beitsminister D a l i m i e r kürzlich einer Abordnung der sozialisti- schen Kammerfraktion auseinandergesetzt. Sie geben im wesentlichen falgendes Bild: Durch eine Verordnung soll in Kürze die S e ch s m o n o t s- Grenze für die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung a b g e- schafft werden. Der Arbeitsminister hat den Justizminister gebeten, die Gerichtsbehörden auf die Nutzlosigkeit von Prozessen gegen Arbeitslose, die keine Miete bezahlen können, aufmerksam zu machen. Auch zugunsten selbständiger Kun st Handwerker und gei st iger Arbeiter, die unter der Krise leiden, will man besondere Hilfsmaßnahmen treffen. So hat der Arbeitsminister erklärt, er sei im Begriff, in Verbindung mit den Gewerkschaften und anderen einschlägigen Organisationen ein besonderes Unterstützungsregime auszuarbeiten, wonach arbeits- lose Handwerker und geistige Arbeiter von den genannten Organi- sationen, selbst wenn sie ihnen nicht angehören, in besondere Listen eingetragen werden, damit sie gleichfalls die übliche Unterstützung erhalten können. Auf eine Anregung der sozialdemokratischen Ab- ordnung hat der Minister zugesagt, die Möglichkeit eines ähnliche!, Systems auch für Heimarbeiter, Aufwartesraucn, Stuhlflechter� Stroßenhändler und ähnliche Arbeiter- gruppen zu prüfen. Der Minister hat aber noch weitere Hilfsmaßnahmen ver- sprachen. Den Kurzarbeitern, die höchstens 24 Stunden in der Woche arbeiten, soll allgemein eine Unterstützung gewährt wer- den. Wenn in einer Familie nur einer der beiden Eheleute arbeitet, aber kaum mehr als die Arbeitslosenunterstützung monatlich ver- dient, dann soll der andere Anrecht aus die Unterstützung haben. Der Arbeitsminister hat versichert, daß er streng auf die Durch- führung des Achtstundentages achten und in Zukunft alle Antröge auf verlängerte Arbeitszeit ablehnen werde. Der Mi- nister hat noch eine Reihe anderer Verbesserungen des Schutzes der Arbeitslosen in Aussicht gestellt. Ergänzend bemerken wir hierzu: in Frankreich regiert— mit Unterstützung der Sozialisten— eine ausgesprochene Links- Mehrheit. Dabei sind die Kommunisten eine völlig bedeutungslose Gruppe. Wie es in Deutschland seit den September-Wahlen 1330 aussieht, braucht nicht näher geschildert zu werden. Es ist daher nur zu natürlich, daß in den letzten zwei Jahren in Deutschland ein radikaler Abbau des Arbeitslosenschutzes vorgenommen worden ist, während in Frankreich sich die umgekehrte Entwicklung vollzog. Die Gastwirtsgehilfen im 2. Quartal. Errichtung von Bezirkshammerschasten der Eisernen Front. Durch die rege Beteiligung an der Generalversammlung, die der Zweigverein Berlin im Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Eafe-Anzestellten für Dicnstagvormittag nach dem Gewerkschafts- haus einberufen hatte, bewiesen die Delegierten am besten, daß sie den Ernst der Situation begrisfen haben und gewillt sind, mit der Verwaltung zusammen am Wiederaufstieg zu arbeiten. Das Bild, welches der Berliner Bevollmächtigte, Genosse Schneider, von der Entwicklung im 2. Quartal zeichnete, trug denn auch das Motto:„Steigende Arbeit bei sinkenden Einnahmen!" Die Unternehmer sorgen schon dafür, daß den Angestellten immer wieder die Notwendigkeit der Organisation eingehämmert wird, und wenn es auch immer nur ein fortwährender Kleinkrieg zur Abwehr von Verstößen gegen den bestehenden Tarifvertrag sein kann, so mar doch die unermüdliche Tätigkeit der Funktionäre nicht minder wichtig. Aus der großen Anzahl von Betrieben, die auch im 2. Quartal dafür sorgten, daß die Organisation nicht„arbeitslos" wird, seien nur zwei Firmen erwähnt, die jedem Berliner geläufig sind: Aschinger und Traube, außerdem wurden vor dem Arbeitsgericht, annähernd 10 000 Mark in barem Gelds für die Berbandsmitglieder erkämpft, während sich zahlreiche andere Erfolge des gewerkschastlichen Kleinkrieges nicht zahlenmäßig ausdrücken lassen. Die eingangs erwähnte Verminderung der Einnahmen ist weniger eine Folge des absoluten Mitgliederverlustes, als vielmehr eine Folge der Abwanderung in niedrigere Beitrags- klaffen, die sich wiederum aus der verminderten Verdienstmög- lichkeit erklärt. Und gerade in dieser Zeit mußten die Beiträge zu einer gc- sondert geführten Sterbeunter st ützungskasse erhöht werden, worüber sich eine ebenso lebhafte, als aufklärende Aus- spräche entwickelte, in der u. o. auch darauf hingewiesen wurde, daß bei einer Kasse auf Gegenseitigkeit die Tatsache in Kauf genommen werden muh, daß die Sterbequote auch einmal höher ist, als sie von der Verwaltung vorausgesehen werden konnte. Nach Erledigung einiger Wahlen, die u. a. die Bestätigung von Richard Junker als Kassierer brachte, wurde die Nachricht mit Begeisterung ausgenommen, daß der Verband dazu übergeht, B e- zirkshammerschaften zu errichten, um auch den zahlreichen Mittel- und Kleinbetrieben Gelegenheit zu geben, in der E i s e r n e n Front gebührend vertreten zu sein. Auch dies wird dazu bei- tragen, daß die Verbandsmitglieder wieder— etwas mehr B e- kcnnermut zeigen. Im Wattenmeer ertrunken. Von der Flut überrascht. Norderney, 2. August. Drei Wandervögel, darunter ein junges Mädchen, die von Hilgenriedersiel durchs Wattenmeer zur Insel Norder- uey wanderten, wurden von der Flut überrascht. Das Mädchen ertrank, während die beiden Jünglinge sich retten konnten. Die Leiche des Mädchens, deren Name noch nicht festgestellt werden konnte, ist geborgen. Badeunglück auf Hiddenfee. Lebensretter ertrunken/ Ehefrau einem Herzschlag erlegen. Die Badegäste und die eingesessene Bevölkerung der der Insel Rügen im Westen vorgelagerten Insel Hiddensee sind durch wahrhast tragisches Doppelunglück erschüttert worden. Die Frau des Pastors Dietrich aus Anleben bei Nordhausen, die mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern im Alter von 1% und 9 Jahren auf Hiddensee weilte, hatte sich wohl zu weit ins Meer gewagt und wurde plötzlich auf einer der Küste vorgelagerten Sandbank von den hochgehenden Wellen überrascht. Die Frau bekam Herzbeklemmungen und rief um Hilfe. Ein Badegast, der herbeieilte, geriet gleichfalls in Lebensgefahr. Einem zweiten Badegast gelang es, die ohnmächtig gewordene Frau über Wasser zu halten. Als die Retter vom Strand mit einem Boot herbeikamen, war die Frau bereits tod: sie war einem Herzschlag erlegen. Während noch Wiederbelebungsversuche angestellt wurden, geriet eine andere Frau in Lebensgefahr. Der 32jährige Diplomingenieur S ch e l l m u ß aus Berlin-Charlottenburg eilte mit anderen Badegästen zur Hilfe. Es gelang zwar, die Frau zu retten, dagegen fand der mutige Lebensretter Schell muß den Tod in den Wellen. Die Leiche konnte geborgen werden. Am gleichen Tage ertrank in dem Ostseebad P r i e l o w eine 22 Jahre alte Kellnersfrau beim Baden. Auch sie hinterläßt zwei kleine Kinder. Die Ausführungsbestimmungen zum Freiwilligen Arbeitsdienst werden in de> nächsten Tagen, vielleicht schon am Mittwoch heraus- kommen. Einige Blätter bringen bereits Angaben über den In- halt der Ausführungsbestimmungen. In diesen Angaben wird je- doch Richtiges mit Falschem vermengt. Eine Stellungnahme ist erst möglich, wenn der genaue Wortlaut vorliegt. Ein Riefenversicherungsbetrug. 40 Personen lassen sich die Finger abhacken. Reichenberg in Böhmen, Z. August. In Rowensko bei Turnau in Böhmen sind geradezu ungeheuerliche und teilweise grotesk anmutende Versicherungsbetrügereien aufgedeckt worden, an denen etwa 40 Personen beteiligt sein sollen. 19 Personen sind bisher verhastet worden. Zur Durchführung ihrer gefährlichen Pläne hatten sich die Dorf- bewohner organisiert und zündeten nach bestimmtem Plane die Häuser an. Dann wurden Autos angezündet. Schließlich ließen sich etwa 40 Personen einen oder meh- rer« Finger abhacken, um hohe Versicherungsprämien zu erhalten. Anfangs wurden 12 Personen verhaftet. Inzwischen hat die Untersuchung noch weitere Schuldige ergeben und nunmehr wurde schon der 19. Schuldige dem Kreisgericht eingeliefert, da auch neue Brandlegungen aufgedeckt wurden. Allem Anscheine nach ist die Zahl der Schuldigen damit aber noch lange nicht voll, nur sind die Ermittelungen durch das Zusammenhalten sehr erschwert. 5% Millionen Mark verschoben. Anklageerhebung in der Devisenaffäre Sedlmaier. In der Devisenschiebungsasfäre des Devisenhändlers Emmeren Sedlmaier ist jetzt von der Staatsanwaltschaft gegen Sedlmaier und seinen Helfer, den Straßenhändler Adam Neuhäuser, Anklage erhoben worden. Sedlmaier wird fortgesetztes Vergehen gegen die Devisennotverordnung zur Last gelegt, und zwar wird ihm vorgeworfen, daß er deutsche Wertpapiere in Höhe von 5 Ms Millionen Mark für ausländische Rechnung ver- kaust hat, ohne den Erlös auf Sperrkonto zu legen, wie es die Devisennotoerordnung vorschreibt. Ein weiteres Deoijenvergshen wird darin erblickt, daß er ohne Genehmigung der Devifenbewirt- schaftungsstelle ausländische Zahlungsmittel, und zwar 10 000 öfter- reichische Schilling, erworben hat. Endlich wird Sedlmaier noch der schweren Urkundenfälschung angeklagt. S. hat nämlich zunächst behauptet, daß er die deutschen Wertpapiere für seinen in München wohnenden Better Hans Sedlmaier verkaust habe und zum Beweise dafür eine Vollmacht von diesem vorgelegt, die sich aber dann als gefälscht erwies. Dem Straßenlzändler Neuhäuser wird Beihilfe zu den Devisenvergehen beim Wertpapierverkauf vorgeworfen. Todesgruß vom Krieg. Granatexpkosion im Schornstein.- Zwei Personen getötet. Paris, 3. August. Ein polnischer Grubenarbeiter hatte in dem Schornstein seiner Wohnung in L e n s eine deutsche 7,5-Zentimettr Granate versteckt, die«r gelegentlich eines Spazierganges über die ehemaligen Schlachtfelder gesunden hatte. Als am Dienstagabend in dem alten Ofen Feuer angemacht wurde, der seinen Abzug durch den Schornstein hat, ereignete sich eine furchtbare Explosion, die das ganze Haus in die Luft fliegen ließ. Das polnische Ehepaar konnte nur noch als Leichen aus dem Trümmerhaufen geborgen werden. kommunistische Demonstranten warfen aus Protest gegen die Hinrichtung der beiden Kommunisten in Ungarn«steine gegen d as ungarische Konsulat in Frankfurt, die in Drohbriefe eingewickelt waren. Beim Auftauchen einer Schupostreife ver- schwanden die Täter. Irmgard Jieun: S)as kllllflfsidCiiC �HSdch�ll Irmgard K e u n hat uns in einem früheren Roman bereits jene G i l g i vorgeführt, die„eine von uns" sein sollte, Typ eines modernen jungen Mädchens, Töchterchen aus einer kleinbürgerlichen Familie und noch dazu sehr romantischer Herkunft, und die doch am Ende weiter nichts darstellte, als ein kleines individuelles«chicksal, ein Objekt, um daran wieder einmal die Problematik erotischer Be- Ziehungen in den Vordergrund zu rücken, die eben nur Gilgis Problematik bleibt und mit der Gilgi allein fertig werden muß. weil ihre schnoddrige kleine Persönlichkeit in der heutigen Gesellschaft verdinglicht, Ware wird, weil sie isoliert steht wie auf einer Ver- kehrsinsel, sich ihrer Lage nicht nur nicht bewußt, sondern auch noch von einem kleinbürgerlichen Ehrgeiz besessen ist und trotz ihrer Ver- Hältnisse mit besseren Herren eine schlechtbezahlte Angestellte bleibt, und eben dadurch„eine von uns", anonymes Atom der Masse, durch deren Kräfteeinsatz auch ihre Liebesproblematik nur zu lösen ist. Aber das weiß die Gilgi nicht, wie es viele nicht wissen, schlimmer ist schon, daß es auch die Verfasserin nicht weiß, die zwischen den Klassen steht und von diesem Standpunkt aus auch die Krise der Liebe sieht. In ihrem neuen Buch(„Das kun st seidene Mädchen", Verlag Universitas, Berlin) beschränkt sie sich noch mehr auf das Individuelle; sie läßt ihr kunstseidenes Mädchen, das Doris heißt und wieder aus einer proletarisierten Kleinbürgerfamilie stammt, ihre Erlebnisse und Gedanken über Kolleginnen, über Chefs und Männer im besonderen und im allgemeinen in ein Tagebuch auf- zeichnen, und wir bekommen dieses Tagebuch dann als Roman serviert. Nun könnten die Aufzeichnungen eines solchen Mädchens, die zuerst in einer Provinzstadt bei ihren Eltern wohnt und dann wegen eines Pelzmantels, den sie gestohlen hat, nach Berlin flieht und dort die abenteuerlichsten Dinge erlebt, überzeugend wirken, wenn dieses Mädchen und die Verfasserin identisch wären, aber so spürt der Leser dauernd, daß dieses im Mittelpunkt stehende Ich ein fremdes ist und mit dem Ich eines kleinbürgerlichen Mädchens, das durchaus nicht auf den Kopf gefallen ist, nicht viel zu tun hat, obgleich es sehr bemüht ist, seine Sprache zu sprechen(oft auch mit Erfolg) und die Dinge mit seinen Augen zu sehen. Dabei gibt es aber viele rissige Stellen, und man merkt oft, hier ist das Mädchen mal wieder die Puppe der Bauchrednerin Irmgard Keun, sie selbst würde anders handeln, andere Worte gebrauchen, die Dinge würden nicht so literarisch auf sie wirken. Das wäre noch zu ertragen, wenn die Heldin(denn sie ist ja wirklich eine Heldin im Sinne des alten Jungmädchen-Tagebuches, in dem sich nur die Sprache und der Ton geändert hat, sich nicht dauernd in den extremsten Situationen be- fände. Dadurch wird alles kulissenhaft, erhält einen schlechten Bei- geschmack von Film, der„Arme Eva" oder so ähnlich heißen könnte und der aus einer guten Absicht einen Dreck macht. Und das ist schade, denn die Irmgard Keun kann sicher mehr, als ein unglaub- würdiges Mädchentagebuch zu schreiben, in welchem trotzdem löst- liche und humoristische Stellen sind. Die Berfasserin hätte sich selbst in den Mittelpunkt des Buches stellen und nicht ein fremdes Ich vorschieben sollen, zu dem sie nur literarische Beziehungen hat, dann wäre das Buch vielleicht gut geworden. L. Popper. Rundfunk am Abend Mittwoch, den 3. August 1931 Berlin: 16.03 Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Vom Sinn der Jugendbewegung(H. Berggrün). 17.50 Werkunterricht(F. Krotki, Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Werklehrer). 18.10 Werner Bergengruen: Eigene Prosa. 18.30 Aus Königsberg: Motette. 19.15 Die Funkstunde teilt mit. 19.20 Stimme zum Tag. 19.30 Sdiallplattenriickblidc auf den Monat Juli. 20.00 Bunter Tanz- und Operettenabend. 21.00 und 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Mandolinenorchesterkonzert. Königswusterhausen: 16.00 Ans der Werkstatt. des Tonfilmamateurs(Ober-Ing. F. Zipfel). 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Unser Kind als Sonntagskind in der Natur(Prof. Dr. Günther). 18.00 Religiöse Musik aus vier Erdteilen(Dr. S. Nadel). 18.30 Das heimliche England (Dr. W. v. Kries). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Englisch für Fortgeschrittene(Marga v. Kuhlwein, Lektor W. Mann). 19.30 Schutz der Arbeitsstätte des Beamten(Min.-Rat Dr. Flatow). 20.90 Aus Hamburg: Sinfonie Nr. 3 Eroica. Ludwig v. Beethoven. 20.50 Aus Hamburg: Helden— Dulder— Ueberwinder(ein Monument). 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. % Pf. durch alle„Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. Wetter für Berlin: Meist bewölkt mit Regenfällen und sinken- den Temperaturen, schwachen Winden aus nördlichen Richtungen.— Für Deutschland: In der östlichen Reichshälfte teilweis« erhebliche Regenfälle, im Süden Nachlassen der Regenfäll«. Im Westen und Nordwesten zeitweise heiter, nur vereinzelte Schauer. Allgemein im Reiche ziemlich kühl. «eranlwortl. füt die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th.(Slod», Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag©. in. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW KS. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. SCAM Tggi.su.sViUiir LUCiLlE PAGE m. Dinosaurus usw. plAza Nähe Silin. Bhf. S». 8ls.Stgs.2,S,815ü. E7 Weichsel 403! DieCzantasförstin Rose- Theater Cnli Fmiforter Strali 13; Tel. Weiiissl E 7 3427 8.30 Uhr Herzdame Garienbühne 5.30 Uhr Konzert u.Variete Framtogslutt im stow- Sei u.HoIz-lv�i Stahl mal Kind erb., Polster, CbaiseL, an Jeden, T« Katalog CraL Elaenmdbatiabrik Sohl Zehlendorfer Strohe 5 Naturgarlen TierpavK Hindcrbelustigiingeii fäeilage Mittwoch, 3. August 1932 WitteCdeuisefte £in UeßexßCicß/ To« ch»banner-SaIl«rlPi>»tobteilung, guq«öpeaick. Sonnabsnd, S. August, 10 Uhr, Bootshaus, Sommerfest. Eintritt frei. Für Bootsunterkunft ist gesorgt. Freie NanU'Unio» Sr»h>B«rli«. Donnerstag, 4. August, Ui Uhr, Training zur.greisregatta. Sonnabend, K. August, Vereinsfahrt Kleine MUggel. volksfPort Reuiiwn-Britz. Der Hallenberrieb beginnt für die dritte Frauenableitung Donnerstag, 4. August, 20 Uhr, Kaifer-Friedrick.Str. t, ebenso»weit«?uaend, Lhauffeestr. 187. Altersturner, erste Manner, und erste pungmadchenabtenung üben Freitag, d. August. Erst« Jugend-, erst» unS zweite Frauenabteilung! Tag und Halle werden dekanntgeglven. Freie Faltbootfahrer Berlin. Donnerstag, 4. August, 20 Uhr: Alle Erupoen Unions.Festfale, Sreifswalder Str. S21. Dr. Mehner fnricht über Sowjet. rnstland.— Kruppe Südosten: Spieladend jeden Mittwoch, 18 Uhr, Treptow, Wiese 1.— Kruppen Norden und Nordosten: Spieladend jeden Mittwoch, 18 Uhr, Humboldthain. Handballer-Uebungsabend jeden 3. und 4. Dienstag, Rehbcrge. WS. GchSneberg. Frauen: Donnerstag, 4. August, 20 Uhr, Hallen- trainingsbcginn, Turnhalle Ebcrsstraß«. Arbeiter-Sportkegelklub„Lorwirts'. Trainingsabend jeden Freitag, 30 Uhr, Sporthalle Alexandrinenstr. 107. Kiste herzlich willkommen. Rätsel-Ecke des„Abend" uiiiiiiiiiniiiiiniiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiniiiiiiiniininiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiNn Silben-Kreuzworiräisel a a de de drei fa frei ga ge gir heit is kaf kant kett kop lan lo lun mann nau ne ner nü o pal par pel Pfeil ra ra rel rie schei schlos ser stern the ve wahr zo.— Waagerecht: 1. Wiedsraufbauminister(1922); 3. unser Freiheitszeichen; 4. Heimat des Kaffees; 7. Klimagebiet; 9. getäfelter Fußboden; 11. Wiener Tondichter(1801 bis 1843); 12. Liliengewächs; 13. Ankerplatz: 14. umzäunte Viehweide; 15. Nasenlöcher des Pferdes; 19. Woll- gewebe; 20. unser Gruß, unser Ziel; 21. männlicher Vorname.— Senkrecht: 2. Wissenschaftliche Betrachtung; 3. Werkzeug: 5. schwedische Stadt: 6. Blumengewinde; 8. italienische Stadt; 9. Emporkömmling; 10. Sozialdemokrat(Gegenwart): 16. Hand- werker; 17. italienische Stadt(1922 Vertrag Deutschland-Rußland); 18. was unsere Gegner nicht hören wollen. sK. Zahlenräisel. 1 2 3. 2 3 4 5 2. 6 7 2 21 8. 9 2 21 4 4 5.; 10 11 5 21 12 21 5 10 2 5.! 4 21 13 9. 3 14 2 9 3 2 15. 14 15 1. 16 2 3 17 2 15. 12 18 15. 7 3 14 2 9. 17 21 4. 4 6 10 2 5! 1 2 3. 19 16 2 21 5 2. 6 7 2 21 8. 9 2 21 4 4 5.; 1 21 4 19 21 6 8 21 15! 19 14. 19 14 13 9 5. 14 15 1. 4 5 3 10 7 7 9 2 21 5. 4 21 13 9. 2 3 19 21 2 9 15! 1 2 3. 1 3 21 5 5 2. 6 7 2 21 8. 9 2 21 4 4 5.: 2 21 15 21 20 11 2 21 5! 2 21 4 2 3 15. 1 21 2. 7 3 18 15 5. 21 15. 4 13 9 16 23452 3. 19 2 21 51 Vorstellende Ziffern sind durch Buchstaben zu ersetzen und er- geben, richüg eingesetzt, einen z«itaemüßcn Sinnspruch.— Schlusiel- Wörter: 13 9 10 22 6 21 20 15 18 15 Edelpilz.— 21 15 7 8 14 2 15 19 10 Krankheit.— 17 2 3 11 10 Bad in Thüringen.— 12 2 3 4 5 10 15 1 Sinn.— 16 10 20 2 9 10 8 4 tollkühner Mensch. F. S. Kapselrätsel. Aus den Wörtern Richter. Steinsetzer, D«zember, Vereinigung, beneiden, Ehrgeiz, Geizhals, Mandarine, Beinkleid, Anzeiger, Gentleman, Lebensmut, Rohseide, Anlegen, Lehrling, Ringer, an- zubringen, Kleister, Lebenslauf sind je drei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die, aneinandergefügt, ein Zitat von Dehme! ergeben.— Kr.— Gilbenrätsel. Aus den Silben ar beu bürg ca car da dä den der diz e«i er er gan ge ha hi Horn ig ka ka ko l« Iis lo man mark mau me men nas ne ne ne nei nie no ob rant ri sa sen sie ta te vogt wald win sind 19 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben und die dritten Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, ein Zitat aus Schillers„Wallensteins Tod" ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Europäisches Königreich: 2. Männlicher Vorname; 3. Stadt in Ostpreußen: 4. Südfrucht; 5. Laubbaum: 6. Westdeutsches Gebirge; 7. Stadt in Schlesien; 8. Oper von Bizet; 9. Prophet; 10. Metall; 11. Erotisches Tier; 12. Französisch« Festung: 13. Heilmittel; 14. Stadt in Spanien; 15. Stadt in Japan; 16 Glückbringender Gegenstand: 17. Deutscher Graphiker; 18. Blume; 19. Unwissender. _— Kr.— Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 5. Hostie; 9. Drau; 11. Aktivität: 12. Gaurisankar; 13. Ra; 15. Serbe; 17. Ehe; 18. Inn; 19. Ohr; 20. erg; 22. Lek; 23. Fontane; 24. Jeu; 26. nu; 27. et; 28. ete; 29. Ulm; 32. Ger; 34 alp; 35. Ner; 36 Sie; 37. a. d.— Senkrecht: 1. Shag; 2. Astur; 3. Erek; 4. du; 6. Oka; 7. Tiras; 8. Eiserne Front; 9. Danae; 10. Ata; 14. Disziplin: 16. Einigkeit: 20. Elan; 21. Rente; 25. Euterpe; 27. Egal; 29. Unna: 30. Lied; 31. Mer; 33. nie.—„Eiserne Front"— Aktivität, Disziplin, Einigkeit. Worträtsel: Feder-vieh-Markt, Schweine-Ohr-Wurm, Wald-Rand-Staat, Laub-Wald-Weg, Gas-Äther-Welle, Zigarren- Rauch-Wolke, Küchen-Tisch-Kasten, Streu-Sand-Bank.—„Vorwärts". Silbenrätsel: 1. Amsel; 2. taleran; 3. Liebermann; 4. Europa; 5. Sassolin; 6. Ratibor; 7. Eirene; 8. Ehr'stian; 9. Tikus; 10. Ankigone; 11. Usedom; 12. Ainger; 13. Eiweiß; 14. Rhone; 15. D'rdanellen; 16. Eidechse; 17. Riederwald; 18 3n- nung.—„Alles Recht aus Erden ist erstritten worden." Verwandlungsrätsel: Gurt, Eber, Loge, Elm, Gabe, Enkel Ruß. Hammer, Enge!, Zgel, Turm, Miete Ader. Celle, hast. Tat, Du:st, Zlse, Edel, Vand. Edam.—„Gelegenheit macht Diebe." Silbenkreuz: l-s-2 Scheibe, 3-tz4 Lade, 5-i-6 Heilmann, 7-s-8 Sense, 14-4 Scheide, 3+2 Labe, 1+4+6 Scheidemann, 2+7 Besen, 7+8+6 Sensemann.