Morgenausgabe Nr. 363 A179 49. Jahrgang Wöchentlich 7B Ps, monatlich 3,25 M. (banon 87 Pf, monatlich für gustel» lung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,87 M. einschließlich So Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellge- bsthren. Auslandsabonnement S.SS M. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Druckfachenporto 4.65 M. Set Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht lein Anspruch der Abonnenten aus Ersaß. Erscheinungsweise und Anzeigenpreise liehe am Schluß de» rebaltionellen Teils Veettnev Vowsviati Donnerstag 4. August 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Jentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Neutschs Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 gernlpr.� Dönboss(A 7) 292— 297. Telegramm. Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkomo: BerlinZ? SR.— Bankkonto: BankderArberter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. Z. Dt.B.u.DiSc.-Ges., Deposttenk., Jerulalemer Str. K5iö6. An die Partei! Der 51. Juli hat die UnUberwindlichkeit der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands glänzend bestätigt. Unter dem Kreuzfeuer von rechts und links, unter einer Flut von Beschimpfungen, unter körperlichen Bedrohungen und Angriffen, die den„Marxismus" erledigen sollten, sind Hunderttausende von neuen WähSern gegenüber den letzten LandtagswahEen gewonnen. Ihr habt dafür gesorgt, daß der Traum einer Mehrheit für die Hitler-Diktatur gründlich erledigt und auch die erhoffte Rechtsmehrheit nicht erreicht werden konnte. In Anhalt, Mecklenburg und Oldenburg ist die bei den Landtagswahlen erzielte, von den Nationalsozialisten beherrschte Regierungsmehrheit nach dem Stimmenergebnis der Reichstagswahl bereits wiede; zerschlagen. Diesen großen Erfolg verdanken wir der vorbildlichen Treue und dem unerhörten Opfermut unserer Mitkämpfer in Stadt und Land, die ungeachtet aller Verfolgungen und in steter Lebensgefahr den Kampf geführt und den Sieg errungen haben. Den tapferen Streitern gebührt der uneingeschränkte Dank der Partei! Parteigenossen, ihr wißt, mit dem Erfolg des 31. Juli ist der Kampf nicht beendet, der Feind noch nicht endgültig zurückgesehlagen. Der Gegner will seine Niederlage nicht ruhig hinnehmen, er streckt trotz alledem seine Hände nach der Macht aus. Bleibt auf der Wacht, führt den Kampf weiter, der seit dem Bestehen unserer Bewegung ein geistiger Kampf war. Aktivität, Disziplin und Einigkeit- das bleibe auch in Zukunft unsere Parole. Der kommende Reichstag wird euren Abgeordneten Gelegenheit geben, die Gegner auf die Echtheit ihrer Verlprechungen festzulegen. Die Sozialdemokratie ist gewillt, unverzüglich ihre Vorschläge für Arbeit und Brot dem neugewählten Parlament zu unterbreiten und die Wählerschaft wird in der Lage sein, den wahren Charakter der Volksvertreter zu erkennen. Aber auch in unseren Organisationen darf die Aktivität keinen Tag erlahmen, sie müssen zu jeder Stunde bereit sein, in Aktion zu treten, wenn Anschläge gegen die Volksrechte oder die Arbeiterklasse gewagt werden. Die Abwehr soll auf jedem Kampffelde vorbereitet sein, auf dem die Volksfeinde vorstoßen könnten. Der Verfassungstag gibt uns die Gelegenheit, für die Republik gegen die Diktatur zu demonstrieren und zu bekunden, daß wir die Demokratie unter allen Umständen zu verteidigen gewillt sind. Parteigenossen! Der Ernst der Stunde duldet keine Unterbrechung des Kampfes, keine Ermüdung, kein Erlahmen. Sofort müssen unsere Kaders formiert, unsere Organisationen wieder schlagkräftig gemacht werden. 150 im politischen Kampf hingestreckte Gesinnungsgenossen, Familienväter und Jungarbeiter, die ihr Leben für die Freiheit opfern mußten, niedergeschlagen zumeist aus feigem Hinterhalt, von brutaler Uebermacht, rufen euch mahnend zu:„Soll unser Opfer umsonst bleiben?" Nein, nimmermehr! Wir führen ihren Kampf fort, welche Gefahren uns auch umdrohen. Wir formieren unsere Kampfreihen zur nächsten Schlacht! Wir ruhen nicht bis zum Siege der Freiheit und des Sozialismus! Donnernd ertönt auch nach der Wahlschlacht unser Ruf durchs Land Berlin, den 5. August 1932. FREIHEIT! Der Parteivorstand. Maschinengewehr der SA. Waffensuche in Nazikasernen mii durchschlagendem Ersolg. Breslau, 3. August.(Eigenbericht.) Am TienStagabend wurde in itatscher bei Leobschütz in Cberschlesien ein TA.-Heim nach Waffen durchsucht. Das Heim befindet sich über einem Geräteschuppen, in dem landwirtschaftliche Maschinen untergebracht sind. Es wurden gefunden: eine«chrerkschustpistolc, ein Gummischlauch mit Bleieinlagc. eine Pistole, ein schweres Maschinengewehr mit Ichlitten, ein Ersahver- schlust zum Maschinengewehr, ein Ersahlauf zum Ma- schinengewehr. 23 Stielhandgranaten, 3 MG.-Gurte zu je 23« Schuf», ein MG.-Gurt mit 10V Schuß, 12 MG.-Gurte mit je 30 Schuß, ein Armecdolch und ein Motorrad ohne Nummernbezeichnung. In der Werkzeugtasche des Motorrads wurden ferner 04 Schuß 08-Munition und 8 Schuß Munition für die Armeepistole entdeckt. Weitere Waffenfunde in Oberfchlesien. Hindenburg, 3. August.(WTB.) Die Polizei durchsuchte in der vergangenen Nacht das Wachtlokal der SA. in Sosniha, wo 20 Mann untergebracht sind.- Nach dem Polizcibericht wurden ge- fundcn: 1 Mauserpistole(0 Millimeter) mit 0 Schuß Munition, 1 Trommelrevolver mit 3 Schuß Munition, 1 Tasclfentesching, 4 Gummiknüppel, 1 Seitengewehr, 1 langes Messer und 1 Ladestreifen mit 8 Patronen (0,33 Millimeter). Die Waffen wurden beschlagnahmt. Der SA.-Führer wurde im Besitz einer Pistole mit 3 Schuß und eines Schlagrings betroffen. Er wird dem Schnellrichter vorgeführt werden. „Notwehr." Das(Schuhschild vor den nationalsozialistischen Mördern. Notwehr ist diejenige Verteidigung, welche erforderlich ist, um einen gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.§ 53 Reichsstrafgesetzbuch. Vom Ableugnen ist die nationalsoziaNstische Presse sehr rasch ins Verteidigen und Entschuldigen gekommen. Am Dienstag noch beschimpfte der„Angriff" uns als„Strolche in den Redaktionsstuben der Sudelblätter", weil wir als Urheber der Königsberger Attentate die Nationalsozialisten bezeichnet hatten. Die Taten selber waren für das Naziblatt „Dummejungenstreiche". Diese Lügentaktik hat nicht lange vorgehalten. Die nationalsozialistische Presse ist allerdings in der angenehmen Lage, ihrem fanatisierten Lesepublikum heute weiß und morgen schwarz erzählen zu können, ohne daß dieses Anstoß nimmt. So wird denn kein„Angriff"-Leser, der noch am Dienstag seinem Leibblatt begeistert darin beistimmte, daß es sich in Königsberg um„Dummejungenstreiche" gehandelt habe, am Mittwoch irgendwie erstaunt gewesen sein, im „Völkischen Beobachter" zu lesest, daß es sich um„außer- ordentlich ernst zu nehmende Ausbrüche des Volks- z o r n s" gehandelt habe. An den Attentaten sei niemand anders schuld als die— M a r x i st e n, die die außerordent- lich sensiblen Nerven der Nationalsozialisten so gereizt hätten, daß es zu derartigen Ausbrüchen hätte kommen müssen. Es sei hier eingeschaltet, daß am Mittwoch im Aeltestenausschuß des Preußischen Landtages der Nazihäuptling K u b e den Wiederzusammentritt des Landtags zu verhindern suchte, in- dem er ankündigte: Bei der gereizten Stimmung seiner Fraktion könne er nicht dafür garantieren, daß diese nicht wiederum zu Gewalttätigkeiten schreiten würde. — Die Rücksicht, die die Nazis für ihre kranken Nerven er- heischen, ist nicht gering. Die Partei, deren Schimpfwörter- lexikon jeden Rekord schlägt, deren Presse ein einzige Samm- lung von Kaschemmenausdrllcken ist, gefällt sich darin, die -provozierte Unschuld zu spielen. Sie übertrifft darin den Wolf der Fabel, dem das Lamm das Wasser trübt, mag es oberhalb oder unterhalb trinken. Von dieser Taktik ausgehend, erklärt der„Völkische Beobachter" die Taten von Königsberg für begreiflich als Ausfluß des Wunsches,„durch Anwendung von S e l b st- h i l f e zu verhindern, daß noch weitere Opfer einfach nieder- gemetzelt vZerden".— Schuld ist für den„Völkischen Beob- achter" wieder einmal das„System", obwohl es nicht mehr besteht. In genau den gleichen Gedankengängen bewegt sich die Nationalsozialistische Parteikorrespon- d e n z, die die Bluttaten vom Montag als eine Reaktion der „anständigen Bevölkerungskreise" gegen das„rote Unter- Menschentum" erklärt. Dann werden die Attentate direkt glorifiziert: „So bedauerlich die letzten Königsberger Vorgänge auch sind, menschlich wird es begreiflich, wenn sich unter den obwaltenden Um- ständen eine V o l k s j u st i z— und zwar gegenüber den intellektuellen Verantwortlichen— herausbildet und wenn auch Nationalsozialisten von dem Naturrecht der Notwehr Gebrauch machen, um sich nicht weiter von dem Mordmob nutzlos abschlachten zu lasien." Es gibt ein Maß der Verlogenheit, gegen das mit geisti- gen Mitteln kaum anzukämpfen ist. Wir haben an die Spitze dieses Artikels den Wortlaut des Paragraphen gestellt, in besten Rahmen das Strafgesetzbuch— nicht etwa das republi- kanische, sondern das unter der Monarchie geschaffene Reichsstrafgesetzbuch— Notwehr gestattet. Notwehr ist da- nach Verteidigung(niemals Angriff!), und zwar mutz sich die Verteidigung richten gegen einen rechtswidrigen An- griff, der noch gegenwärt ig ist. Was aber war in Königsberg geschehen? Am Sonnabend vor der Wahl hatte eine der jetzt allzu üblichen Rempeleien zwischen jugendlichen Nationalsozia- listen und Kommunisten stattgefunden. Dabei war ein 20jähriger Nationalsozialist von ebenso jugendlichen Kommu- nisten durch einen Messerstich getötet worden. Kein Wort der Billigung für diese Tat! Aber uns will scheinen, daß das Umgekehrte in den letzten Wochen in Deutschland doppelt und dreifach so häufig vorgekommen ist. Wer im Einzelfalle Angreifer gewesen ist. läßt sich vielfach nicht mit Sicherheit feststellen. Aber eins ist mit absoluter Sicherheit festzustellen: bevor es eine Nationalsozialistische Partei, bevor es eine SA. in Deutschland gegeben hat, sind derartig regelmüßig wiederkehrende blutige Auseinander- fetzungen auf der Straße einfach unbekannt gewesen. Daraus läßt sich einwandfrei ableiten, in welcher Partei d i e intellektuellen Urheber des blu- tigen Terrors sitzen. Was aber behauptet die nationalsozialistische Presse? Wenn jugendliche Kommunisten und Nationalsozialisten mit Messern aufeinander losgehen, dann ist der intellektuelle Ur- Heber— der wenige Tage vorher des Amtes enthobene volksparteilicheRegierungspräsident v. Ba h r f e l d t! Oder warum wurde sonst das Attentat auf ihn verübt, wenn man ihn nicht als intellektuellen Ur- Heber ansah? Was hat mit dieser Rempelei der Chefredakteur der sozialdemokratischen Zeitung zu tun? In welchem Zusammenhang steht damit der Gemeindevorsteher Galowsky in Norgau, auf den man in der Nacht ein Atten- tat verübt hat? Es ist einfach eine feige und erbärmliche Ausrede, wenn man Attentate auf unschuldige und unbeteiligte Personen als„Notwehr" oder als„Volksjustiz" im Sinne einer höheren Gerechtigkeit frisieren will. Es handelt sich um Rache- und Einschüchterungsakte. Was die Reichstags- wähl auf legalem Wege nicht gegeben hat, das soll durch Mord und Terror erzwungen werden. Im„Angriff" wird diese Absicht bereits mit aller Deut- lichkeit verkündet. Dieses Straßenorgan fordert von der Re- gierung nicht mehr und nicht weniger als die B e w a f f- nung d e r S A. und SS.,„solange, bis endlich der Rot- mordterror restlos gebrochen ist". Zu diesem Zweck sollen SA. und SS. als H i l f s p o l i z e i einberufen werden, dann würde„in wenigen Tagen der ganze Moskauspuk aus Deutschland verschwunden sein". Deutlicher kann die Ab- ficht eines Terror- und W i l l k ü r r e g i m e n t s nicht angekündigt werden. Wir erinnern an das ungeheure Geschrei, das die Nazipresse erhob, als der thüringische Bürgermeister Worch infolge eines mißverstandenen Befehls zwei(!) ganze Reichsbannerleute auf anderthalb Stunden zu Hilfspolizisten ernannte. Wieder einmal läßt die Hitler- Partei die Maske fallen: Jetzt soll die gesamte braune H a u s m a ch t Hitlers in den Staatsdienst einrücken! Kein vernünftiger Mensch in Deutschland wird glauben, daß, sobald diese Forderung erfüllt wäre, noch irgend- ein politischer Gegner der Nazis sich auf der Straße zeigen könnte oder auch nur in seiner Woh- nung seines Lebens sicher wäre. Auf Konto„Notwehr" und „Volksjustiz" würde diese braune Notpolizei alles, was ihr an politischen Gegnern bekannt ist, niederschießen und niederknüppeln. Der„Angriff" geht aber noch weiter. Er vertritt jetzt ganz offen die Forderung, daß die K o m m u n i st e n vom Reichstag ausgeschlossen, ja daß„der blutrünstigen Moskauer Fremdenlegion der Zutritt zum Deutschen Reichs- tjig, in dem sie nichts zu suchen hat, verwehrt wird".— Welch plötzliche Unfreundlichkeit. Wieviel liebenswürdiger war doch der„Angriff" zu den Kommunisten, als er ihre Stimmen noch brauchte, zum Beispiel für gemein- same A m n e st i e a n t r ä g e, für Antröge gegen die Re- gierung Braun-Severing usw. Jetzt ernten die braven Kozis, die so lange Arm in Arm mit den Nazis gegen die Republik gefochten haben, den Dank vom Hause Goebbels! Jetzt, wo die Nazis allein die Situation zu beherrschen glauben, heißt es einfach: Hinaus! Die Weltgeschichte schreibt wieder eine ihrer Satiren. Aber die Sache hat ihren großen Ernst. Der Ausschluß der Kommunisten wäre der Ansang einer Entwicklung, in der sich eine Partei zur alleinigen Partei im Staate machen will. Würden in kurzsichtiger Verblendung andere Parteien den Nationalsozialisten dabei helfen, die Kommu- nisten verfassungswidrig vom Reichstag auszuschließen, so dürsten sie der Nemesis gewiß sein: denn die unersättlich macht- hungrige Gesellschaft würde erst dann ruhen, wenn in Fort- setzung dieser Methode der letzte NichtNationalsozialist, wenn auch derletzteHugenbergianer zum Tempel hinaus- geflogen ist. Die Methode, die vom Volke verweigerte Mehr- heit sich dadurch zu schaffen, daß man nach Belieben Gegner aus dem Parlament ausstößt, ist aber nun einmal in der Verfassung nicht vorgesehen, sie ist auch durch keinerlei Not- Verordnung einzuführen. Es ist und bleibt ein glatter R e ch t s b r u ch, auf der gleichen Stufe der Unmoral stehend wie die zur„Notwehr" umfrisierten Königsberger Meuchel- morde. Die Notwehr ist ein unveräußerliches Naturrecht des unschuldig Angegriffenen. Der Angreifer aber, der seine Gewaltakte auf den Namen der Notwehr tauft, er handelt nicht nur verbrecherisch, nein, auch schamlos! Mangelnde Abhängigkeit. Wer Naziverbrecher verhaftet, soll fristlos entlassen werden Die Nazifraktion des Preußischen Landtages fordert in einem llrantrag die frist- und pensionslose Entlassung des neuen Kasseler Polizeipräsidenten Mergenthaler. Mergenthaler ist der Nachfolger des von Papen und Bracht für abgesetzt erklärten sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Hohen- siein. Er ist ein den Deutschnationalen nahe- stehender Beamter, der bei seiner Einsetzung durch den Reichskommissar von der Nazipresse st ü r m i s ch begrüßt wurde. Jetzt soll er bereits wieder verschwinden? Warum? Wenige Tage nach seinem Amtsantritt mußte Mergenthaler einige Kasseler N a z i f ü h r c r verhasten lassen, weil sie des Diebstahls von Polizeiwaffen und Munition überführt sind. Der Naziführer Kube, der damals zufällig in Kassel weilte, ver- suchte daraufhin telephonisch den neuen Polizeipräsidenten durch Drohungen einzuschüchtern. Er hoffte auf diese Weise die Frei- l issung der Waffendiebe zu erreichst Der Erpressungsversuch schlug fehl,. Jetzt versucht sich Kube zu rächen. Cr hat im Landtag einen Antrag aus frist- und pensionslose Entlassung des Polizeipräsidenten Mergenthaler eingereicht. Polizeipräsident Hohen st ein gehörte zu den Beamten, von denen die Reichsregierung ohne Beweis behauptete, sie hätten nicht die zu ihrer Amtsführung nötige Unabhängigkeit. Die Anschuldigungen der Nazis gegen seinen Nachfolger gehen nach der entgegengesetzten Richtung. Er hat nicht die nötig« Abhängigkeit von ihrer Partei. Im Land des Terrors. Die Behörden schweigen.— Bahrfeldt das Opfer seiner Klasse. u. R Königsberg, 3. August.(Eigenbericht.) Ostpreußen befindet sich nach wie vor in einem Zustand äußerster Spannung. Die Attentate in Tilsit und Norgau bei Königs- berg haben die Erregung außerordentlich gesteigert. Außerdem ist die Situation in Königsberg selbst durch die bevorstehenden Lei- chenbegängnisse verschärft, wenn es auch infolg« des ver- mehrten Sicherheits- und Streifendienstes der hiesigen Polizei am Mittwoch zu keinen Zusammenstößen gekommen ist. Am Donnerstag wird um 2 Uhr nachmittag der ermordete kom- munistische Stadtrat S a u f f, der sich auch in sozialdemokratischen Kreisen wegen seiner politischen Sachlichkeit und menschlichen An- ständigkest großer Achtung erfreute, eingeäschert. Um 3 Uhr findet gleichfalls das Leichenbegängnis des am Sonnabend erstochenen SA.- Mannes Reinke statt. Bis Mittwochabend aber hat sich der Polizei- Präsident von Königsberg noch nicht geäußert, ob er in beiden Fällen ein öffentliches Begräbnis, also ein Leichenbegängnis mit Massen- beteiligung zulassen wird oder nicht. Der Zustand des verwundsten Chefredakteurs der„Königs- berger Volkszeitung", des Genossen Wyrgatsch, hat sich ein wenig gebessert. Dagegen ist das Befinden des gleichfalls schwer verwun- deten Z i r p i n s nach wie vor bedenklich. Zirpins hat zwei Schüsse inden Kopfund indie Brust erhalten und außer- dem haben die Banditen noch auf den am Boden Liegenden mit Dolchen eingestochen. Der verwundete Regierungspräsident i. R. von Bahrfeld befindet sich auf dem Weg« zur Besserung. Das Attentat auf diesen Beamten hatte in Königsberg besonderes Aufsehen erregt, weil Herr von Bahrfeld alles andere war als ein linksgerichteter Mann. Es ist aber für die politischen Derhältnisse Ostpreußens durchaus charakteristisch, daß Herr von Bahrfeld, der durchaus den Typ des aristokratischen Beamten verkörpert, seit I-chr und Tag von der mächtigen Clique des erz- reaktionären ostpreußischen Junkertums auf das gehässigste beschimpft wurde, weil er ein loyaler Beamter und kein Quertreiber war. Die Kreise, die sich um die Herren von Hippel, Grafen Eulen- bürg und anderer Männer, die sich heute in der Reichsregierung befinden, scharen, haben es diesem Beamten niemals verziehen, daß er es von vornherein abgelehnt hat, sich unter das politische und gesellschaftliche Joch des ostpreußi- fchen Junkertums zu beugen. Ganz zweifellos hat die jähre- lange widerliche Hetze der deutschnationalen Presse, die bis zum Jahre 1326 zurückgeht, den Boden dafür.vorbereitet, daß Herr von Bahrfeld automatisch auf die schwarze Liste der Nationalsozia- listen als typischer Vertreter des„Systems" gekommen ist, obwohl man ihm auch beim besten Willen nicht den Vorwurf machen kann, etwa«ine ausgesprochen„linke" Politik getrieben zu haben. Nichts kennzeichnet die staatszerstörende Wirkung der Hein- mungslofen nationalsozialistischen Hetze so sehr wie dieser Anschlag gegen den erst vor kurzem aus dem Dienste entlasienen Regierungs- Präsidenten, der ein Anschlag gegen die Autorität des Staates im wahrsten Sinne des Wortes war. Zu dem Attentat auf den foizaldemokratifchen Gemeindevorsteher Gällowski in Norgau veröfsentlicht das hiesige Büro der„Tele- graphen-Union" eine Meldung, die von A bis Z erlogen ist. Gällowski soll nach dieser Meldung„der SPD. ehemalsangehört und sich jetzt der KPD. zugewendet" haben. Diese Mel> dung, die von der reaktionären Presse Ostpreußens begierig auf- gegriffen wurde, ist eine grobe Lüge. Gällowski ist nach wie vor der Vertrauensmann der Partei für den gan- zen Kreis Fistthausen. Die Lüge dient offenbar dem Zweck, die ganz klare Schuld der Nazis zu vertuschen, wobei zu durch- sichtigsten Zwecken der infame Versuch unternommen wird, einen Krach zwischen Gällowski und der Sozialdemokratifchen Partei zu konstruieren. Im übrigen lüften sich jetzt die Schleier von den Attentaten am Montogmorgen langsam. Bisher sind etwa 30 Verhaftun- gen erfolgt. Die Vernehmung des Nationalsozialisten Walter, der in schwerem Verdacht steht, A n st i f t e r der Brandslifterkolonne gewesen zu sein, ist noch nicht abgeschlossen. Es ist ferner festgestellt, daß in verschiedenen SA.-Lokalen in der Nacht zu Montag Flaschen mit Benzin, Pistolen und Schlagwerkzeuge ausgegeben worden sind. Die Waffenverteilung unterstand dem bekannten nationalsozialisti- schen Führer Homeyer. Das hiesige Nazi-Organ, die„Preußische Zeitung", bemüht sich weiter, Oel ins Feuer zu gießen. Der Gipfel der Frechheit ist, daß das Blatt der Brandstifter und Mordkolonnen ein Verbot der „Königsberger Volkszeitung" fordert, weil das sozialdemokratische Organ sehr scharfe Worte zu den Attentaten gefunden hat. Das Naziblatt tobt, daß die„Königsberger Volkszeitung" vom Polizei- Präsidenten nur eine Verwarnung erhalten hat, weil es in seiner Montag-Ausgabe erklärte, die Königsberger Arbeiter würden die Mordbuben züchtigen, wo sie sie treffen. Wie ich hierzu noch erfahre, soll die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen die.Königsberger Volkszeitung" wegen— Aufreizung zum Klaffenhaß eingeleitet haben. Ein« Beftättgung dieser Meldung ist aber noch nicht erfolgt. Handgranatenanschläfse in Oberschlesien. Nosenberg(O.-Schl.), 3. August. In der vergangenen Nacht wurden zwei Hand» granatenan schlage verübt. Der eine galt der auf dem Ring gelegenen Geschäftsstelle der Zen» trumszeitung„Ter ober schle fische Kurie r". Hier warfen bis jetzt unbekannte Täter eine Cierhand- granate durch die Icheibe der Ladentür. Durch die Splitter der Granate wurde im Geschäftslokal erheblicher Schaden angerichtet. Um die gleiche Zeit wurde an die Klinke der Haustür eines Hotels eine Stielhand- granate angebunden und zur Explosion gebracht. Hierdurch wurde die ganze Haustür zertrümmert. Auch zahlreiche Fensterscheiben des Hotels und der umliegen- den Häuser sind zertrümmert worden. Während des An- schlagS ging ein starker Regen nieder, so daß sich niemand auf der Straße befand und die Täter ungestört ihre Tat ausführen konnten. FeueküberfaN auf ein kommuniff fches Ehepaar. Augsburg, 3. August. Wie der Po'izeibenchl meldet, wurden heut« früh gegen 2 Ahr durch das Schlafzimmerfenster der Eheleute 3oses und Franziska Goß von bixh«� unbekannten Tätern drei Schüsse abgegeben. Durch diese Schüsse wurde Frau Goß am rechten Oberarm und am halse schwer verletzt. Die„Neue Augs- burger Zeitung" meldet dazu, daß der Hilfsarbeiter Goß der kommunistischen Partei angehört. Er war durch den Ruf geweckt wor- den:„Zoscs, schau doch raus!" Als Goß sich anschickte, dem Rufe Folge zu leisten, feien einige Schüsse abgegeben �worden, welche die im Lett liegende lungenleidend« Frau schwer verletzten. Die Le- wohner der Baracke, in der das Ehepaar wohnte— vielfach Mil- glieter der kommunistischen Partei— gaben an, daß in letzter Zeit häufig SA.-Männer die Gegend durchstreift hätten und daß es gelegentlich zu Zusammenstößen gekommen sei. f andiag 16. August. Mzi-Kube droht mit Explosionen. Der Aeltestenausschuß des Preußischen Landtags tagte am Mittwochnachmittag, um zum Wiederzufammentritt des Land- tags Stellung zu nehmen. Die Sozialdemokraten stellten den Antrag auf möglichst baldig« Einberufung, wobei sie als nächsten Tagungstermin den 9. A u g u st in Dorschlag brachten. Alz Tagesordnung schlugen die Sozialdemokraten vor: Erstens Stellungnahme des Landtags gegen den Staatsstreich der Reichsregierung(Einsetzung eines Reichskommissars in Preußen), zweitens die Terrorakte in Königsberg usw. Die Kommunisten schlössen sich diesem Antrag an. Der Nazipräsident Kerrl er- klärte, daß die Einberufung des Landtags erfolgen müsse, da das verfassiingsmäßigL Fünftel der Abgeordneten, das die Einberufung jederzeit verlangen kann, durch die Antragsteller repräsentiert werde. Auf das heftigste wandte sich der Führer der National- fozialisten, Kube, gegen die Einberufung des Landtags. Durch ungeheuerliche Drohungen meinte Kube die An- tragsteller einschüchtern zu können, um sie von ihrem verfassungs- mäßigen Recht auf Einberufung des Landtags abzubringen. Kube erklärt nämlich: Wenn der Landtag im August zusammenträte, so könne er bei der Stimmung seiner Fraktion keine Garantie übernehmen, daß es nicht w'cder zu Gewalttätigkeiten käme. Di« Folgen müßten sich die Antragsteller selber zuschreiben(!). Von der Sozialdemokratie wurde erwidert, daß derlei Drohungen nicht den geringsten Eindruck machten. Für die Sozialdemokratie sei es ganz selbstverständlich, daß der Land- tag, dessen Rechte in erster Linie durch die Einsetzung eines Reichs- kommissars verletzt worden seien, so schnell wie möglich zu diesem Vorgehen der Reichsregierung Stellung nehme. Die fozialdemokra- tisKe Fraktion werde nichts tun, um ihrerseits Gewalttätig- keiten herbeizuführen oder einen Vorwand dazu zu liefern, aber sie werde sich auch durch keinerlei Drohungen von der Wahrnehmung der Volks- und Arbeiterrechte abhalten lasten. Jetzt grif der Nazipräsident Kerrl ein, indem er— scheinbar ver- mittelnd— auf Kubes Standpunkt hinüberwechselt«: Es fei doch bester, aus praktischen Gründen mit der Einberufung des Landtags bis zur Bildung einer neuen verfassungsmäßigen Regierung(Aha!) zu warten, unter der Ruhe und Ordnung garantiert feien. Ihm wurde von der Sozialdemokratie erwidert, daß nach der Verfassung die Ruhe und Ordnung im Land- tagkgebäude vom Landlagspräsidenten zu wahren see. Wenn dieser dazu außerstande sei— zumal gegenüber den Mitgliedern feiner eigenen Fraktion—, so müsse der Präsident zurücktreten. Bliebe er aber auf dem Posten, dann sei er auch für Ruhe und Ordnung verantwortlich. Ein Kommunist nagelte die Kubeschen Ausführungen noch einmal fest: Die Nationalsozialisten bekennen jetzt offen, daß sie den im Lande geübten Terror auch auf das Parlament übertragen wollen. Nunmehr trat Kube einen Rückzug an: Di« Ztationalsozialiften seien Gegner jeder Gewalttätigkeit inner- und außerhalb des Parlaments(siehe Königsberg! Die Red.). Aber die Stimmung seiner Fraktion sei infolge der dauernden Provokationen von links(!!!) so gespannt, daß beim geringsten Anlaß Explosionen unvermeidlich seien! Im übrigen, so meinte Kube, solle man doch den jetzt zur Regierungs- bildung berufenen Parteien Zeit bis September lassen. (Der Kuhhandel beginnt! Die Red.) Der Landtag könne doch viel bessere Arbeit leisten, wenn er eine verantwortliche Regierung sich gegenüber habe. Schließlich wurde der sozialdemokratische Antrag, der als Termin für den Wiederzusammentritt den 9. August fordert, abgelehnt. Auf Vorschlag des Präsidenten Kerrl wurde mit den Stimmen der Rechten und des Zentrums der Zusammentritt für den 16. August bejchlossen. » Der Verlaus der Sitzung war außerordentlich aufschluß- reich. Das Verhalten der Nazis zeigte, daß sie hinler den Ku- lissen eifrige Koalitionsverhandlungen pfle- gen. Bis diese aber zum Abschluß gediehen sind, möchte man sie der Anhängerschaft durch erneutes Radautheater vernebeln. Offenbar beabsichtigen die Nazis, durch vorzeitige Sprengung der Landtagssitzung die Opposition zu verhindern, die Schandtaten der Notoerordnungsjacken an den Pranger zu stellen._ Regierungspräsident von Baste-Oppeln, der mit anderen repu» blikanischen Beamten ein Opfer der gegenrevolutionären Beamten- Politik geworden ist. teilt uns berichtigend mit, daß er nicht„ent- fchiedener Bodcnretormer" im Sinne Damaschkes, sondern Sozial- d e m o t r a t ist. Wir hatten in einem Artikel am 29. Juli die Tat- fache, daß Basse Parteigenosse ist, als bekannt vorausgesetzt. „Ich warne zum letzten Male." Eine Drohung ohne Kon?equenz? Am 1. August hat der Reichstommissar Bracht seinen Aufruf erlassen, dessen drohende Sprache aufsiel. Es hieh in diesem Aufruf: „Gewalt und Terror müssen endlich derAchtungvordem Gesetz weichen. Die Heiligkeit des Menschenlebens darf nicht weiter angetastet werden. Zch warne zum letzten Male! Die Staatsregierung wird selbst drakonische Maßnahmen nicht scheuen, um ihre Pflichten gegenüber dem friedlichen Staatsbürger zu erfüllen und den Burgfrieden zu erzwingen, den unser Land braucht." Dieser Aufruf ist in der Oeffentlichkeit oerschieden aufgenommen worden. Bei den N a t i o n a l s o z i a l i st e n hat er gewirkt als ein Signal zu einer Kette von Attentaten, Mord- und Bombenanschlägen. Wir notieren: Attentatserie in Königsberg(2 Todesopfer, 3 Berwundete, darunter der Regierungspräsident von Bohrseldt und der sozialdemokratische Chefredakteur Wyrgatsch). Ebendort Bomben- attentate gegen zwei republikanische Zeitungsunternehmungen, Ge- walttaten gegen Geschäfte In W ü l f e l bei Hannover Ueberfall einer katholischen Kirche durch 40 SA.-Lsute, Demolierung der Einrichtung— Feuergefecht zwischen Polizei und SA. auf der Chaussee Dortmund- Lühnen. In Holstein etwa zehn Handgranatenattentate gegen Wohnungen von Sozialdemokraten, Kommunisten, Konsumvereine usw. In Marienburg neue Attentatsserie auf Republikaner, Schüsse auf die Wohnung des Polizeiinspektors Riedel, Sturm auf die Wohnung des ADGB.-Borsitzenden Rahn usw. In L i e g n i tz Handgranatenattentat auf das Volkshaus.— In G o l d b e r g i. Schlesien Pistolenschüsse aus die Wohnung des� Landrats Gauglitz.— In Mielitsch in Schlesien Terrorisierung' des Arbeiterviertels.— In Quadrath im Rheinland schwere Ausschreitungen von Nazis. Sech� geladene Pistolen gefunden.— In Kehlberg zwei Deutschn�ionale von Nazis niedergestochen. In Kreuzburg HoDrcgranatenattentat auf die Wohnung eines Juden.— In Sz �Tc n bei Tilsit Revoloerattentat auf den Reichsbannerführer Raschkowski.— In Hofgeismar bei Kassel kompletter Panzerwagen beschlagnahmt.— An verschiedenen Orten bei Nationalsozialisten insgesamt mehrere hundert Schuß- Waffen, Munition usw. beschlagnahmt. Das ist das Ergebnis von 48 Stunden! Und nun fragen wir Herrn Bracht: Was haben sein« Worte „Ich warne zum letzten Male" bedeuten sollen? Bisher haben wohl die üblichen polizeilichen und gerichtlichen Schritte auf die Attentate hin stattgefunden. Herr Bracht hat persönlich dem in Königsberg an- geschossenen Regierungspräsidenten von Bahrseid— auffälligerweise nur diesem, nicht den anderen Opfern— seine Entrüstung über die Tat ausgesprochen. Sein Abscheu vor diesem Treiben ist damit dokumentiert Aber von dem angekündigten Besondern, von der„drakonischen Strenge", die die Regierung zum Schutz« fried- licher Staatsbürger angekündigt hat, ist auch nicht das mindeste zu merken. Das ist auffällig. Aus früheren Kundgebungen des Reichskanzlers von Popen wissen wir, daß die Reichsregierung bis- her die Schuld an den Unruhen im wesentlichen den'Kommu- n i st e n zugeschoben hat. Die letzten Tage müssen aber auch ihr die Augen darüber öffnen, daß die Nazis die bei weitem schlimmsten Terroristen in Deutschland sind. Sollte das Erstaunen der Regierung über die Entdeckung so groß sein, daß es sie vorläufig am Handeln hindert? „Oeuischlands guier�uf auf dem Spiel" Eine Mahnung der„Times" aß die Neichsregierung. Die Herren der Wilhelmstraße lassen, wie gewöhnlich, durch die ihnen nahestehenden Nachrichtenagenturen alle Pressestimmen ver- breiten, die ihnen angenehm in den Ohren klingen, sorgen ober da- sür, daß alle kritischen Acußerungen der Auslandspresse nicht zur Kenntnis des deutschen Volkes kommen. Noch nie ist diese Bericht- erstattung so ausreizend tendenziös gewesen wie seit dem Regie- rungsantritt der Barone. Es ist also kein Wunder, wenn auch nach- stehende Aeußerung im Leitartikel der„Time s" vom Dienstag dgrch die führenden Telegraphenagenturen verschwiegen war- den sind, obwohl ihre Bedeutung nicht bestritten werden kann. Am Schluß eines Aufsatzes über die durch die deutschen Reichstags- wählen geschaffene Lage heißt es: „Aber viel dringlicher als irgendwelche Reformen oder als irgendwelche innen- oder außenpolitischen Pläne ist die Notwendig- keit, Ordnung zu erzwingen und ausrechtzuerhalten. Deutschland ist im Laufe einer Reihe von Wahlkämpsen innerhalb kurzer Zeit in eine parteipolitischeRasereihineingehetzt worden und der Wahlakt am Sonntag hat grausame Gewalttaten zur Folge gehabt. Unser Berliner Korrespondent hat sich immer sorgfältig davor gehütet, die Zusammenstöße und Tumulte zu über- treiben, die die deutsche Politik in letzter Zeit verschandelt haben, obwohl allein der letzte Wahlkamps hundertMenschen- leben gekostet hat. Aber unser korrespvndenl zögert nicht, das Wort„Terror" auf den Ausbruch anzuwenden, der sich in Ostpreußen in den Morgenstunden des Montag ereignet Hot. Ein wilder Ueberfall ist wenig« Stunden nach Bekanntgab« der Wahlergebnisse in Königsberg auf Kommunisten und Sozial- demokraten verübt worden. Führende Mitglieder dieser Parteien sind aus keinem anderen Grunde brutal niedergeschossen worden, als daß sie Mitglieder dieser Partei waren: nicht etwa bei zufälligen Zusammenstößen, sondern im Lauf einer Reihe nächtlicher Besuche, die von einer größeren Anzahl bewaffneter Männer unter- nommen wurden, die anscheinend der Partei des Herrn Hitler an- gehören. Der gute Auf Deutschlands fordert gebieterisch, daß diese schändlichen Gewalttaten aufhören. Die Regierung des Herrn von P a p e n hat den weisen Beschluß gefaßt, einen zehntägigen Burgfrieden zu erlassen. Einst- weilen sollte sie daraus verzichten, den Reformatoren und den Diplo- maten zu spielen und sich auf die Arbeit des Polizisten be- schränken." Neuer HanM--mI'ch!?r in ASA. Handelsminister Lamont hat sein Rückcrittsgcsuch eingcreickt. Präsident Hoooer hat das Gesuch angenommen und zum Nachfolger Lamonts den Vorsitzenden der Hudson-Motor-Car-Company. Roy Chopin aus Detroit, er- nannt. Das böfe Beispiel. 67&P* Oer Friedensiengel:„pfui, schämt euch, Bolivianer und Paraguayer, Krieg miteioander zu führen! Nehmt euch ein Beispiel an den friedUebenden aufbauwilligen �Nationen Oie Kämpfenden:„Tun wir ja! Wir haben gerade dieaufbauwilligenNazisin Deutsch- land zum Borbild genommen!" Diktierte Äerwaltungsreform. SS Landkreise und 6i) Amtsgerichte verschwinden. Die kommissarische Verwaltung Preußens hat auf dem Verardnungswege 58 Landkreise und 60 Amtsgerichte aufgelöst. Ohne die Zweckmäßigkeitsfrage zu berühren, die leb- Haft umstritten ist, muß auf das entschiedenste dagegen Ein- spruch erhoben werden, daß eine so umfassende Neuorgani- sation ohne Anhören des Landtags dekretiert wird, noch dazu von einer Verwaltung, deren Rechtsgrund- läge best ritten ist, und die sich der Gefahr aussetzt, daß alle ihre Verordnungen ungültig werden? Auf diese Weise wird die Verwirrung immer größer! Wir geben im folgenden einen kurzen Ueberblick über die Umorganisation. 5S Landkreise verschwinden. Regierungsbezirk kästln: Die bisherigen Landkreise Schivelbein, Belgard, Bnblitz und Köslin werben aufgelöst. Reue zusammen- gelegte Kreise: Belgard, Köslin. Regierungsbezirk Dreelau: Die bisherigen Landkreise Glafe, Neurode, F�ankenstein, Münsterberg, Rcichcnbach, Nimptsch, Ohlau, Brieg, Schweidnitz, Strieaau, Woblau und Steinau werden auf- gelöst. Neue Kreise: Glatz, Frankenstein, Reichenbach, Ohlau, Schweidnitz, Wohlau. Reglerunzcbezirk Liegnih: Die bisherigen Landkreis« Landes- Hut, Bolksnhain, Liegnitz, Jauer, Eoldberg-Haynau, Schönau, Sprottau, Sagan, Grimberg und Freystadt werden aufgelöst. Neue Kreise: Larndechut, Liegnitz, Goldberg. Sprottau, Grünberg. Regierungsbezirk Magdeburg: Die Kreise Wernigerode und Halberstadt werden zu einem Kreis Wernigerode zusammen- gelegt. Regierungsbezirk Merseburg: Aus den Kreisen Weißensel? und Naumburg wird Kreis W e i ß e n f e l s. Regierungsbezirk Erfurt: Aufgelöst werden die Kreise Weißen- see, Erfurt. Schleusingen. Aus Weißcnsee und Erfurt wird Kreis W e i ß e n s e e, aus Schleusingen und Herrschaft»Schmalkalden (Regierungsbezirk Kassel) wird Kreis Suhl. Provinz Schleswig-holsiein: Die Landkreise Norderdithmarschen, Siiderdithmarschen, Husukn, Eiderstedt, Bordesholm und Insel Helgoland werden airgelöst. Neue Kreis«: Dithmarschen, Husum. Helgoland kommt zum Kreis Pinneb erg. Regierungsbezirk Hannover: Die Landkreise Syke, Hoya, Diep- holz, Sulingen, Nienburg, Stolzenau, Hannover und Linden wer- den aufgelöst. Neue Kr e i s e: Syke, Sulingen, Nienburg, Han- nooer.» Regierungsbezirk hildeshcim: Die Landkreise Alfeld, Gronau, Northeim, Uslar, Göttingen, Münden und Ilfeld werden aufgelöst. Neue Kreise: Alfeld, Northeim, Göttingen. Regierungsbezirk Lüneburg: Die Landkreise'Harburg, Winsen, Lüneburg, Bleckede. Lüchow, Dannenberg, Gifhorn, Isenhagen, Fallingbostel und Soltau werden aufgelöst. Neue Kreise: Har- bürg. Lüneburg, Gifhorn, Fallingbostel. Regierungsbezirk Stade: Die Landkreise Geestemünde, Lehe, Hadeln, Neuhau- a. d Oste, Stade, Kehdingen, Jork, Bremervörde, Zeven, Blumenthal, Osterholz, Verden und Achim werden aufgelöst. Neue Kreise: Wefermünde, Ottendorf, Stade, Bremervörde, Osterholz, Verden, Regierungsbezirk Osnabrück: Die Landkreise Aschendorf, Hümm- ling, Osnabrück und Iburg werden aufgelöst. Neue Kreise: Aschendorf, Osnabrück, Regierungsbezirk Aurich: Aufgelöst: Norden, Emden. Leer, Wee- ner. Neu: Norden, Leer. Regierungsbezirk Kassel: Aufgelöst: Fulda, Gersfeld, Fritzlar, Homberg, Kassel, Wolfhagen, Marburg, Kirchhain und Herrschaft Schmalkalden. Neu: Fulda, Fritzlar, Kassel, Marburg. Regierungsbezirk Kassel: Ausgelöst: Obertaunuskreis, Ufingen, Westerburg, Oberwesterwaldkreis, Dill kreis unt» Biedenkopf. Neu: Obertaunuskreis, Westerburg, Dillenburg. Regierungsbezirk Koblenz. Aus den Kreisen Kreuznach und Meisenheim wird Kreis Kreuznach, Kreis Adenau wird aus Ahrweiler und Mayen verteilt. Regierungsbezirk Köln. Au- Mülheim und Wipperfürth wird Bergischer Kreis, aus Gummersbach und Waldbröl Agger- W i e h l k r e i s, Kreis Rheinbad wird auf Euskirchen und Bonn verteilt. Regierungsbezirk Aachen. Aus Geilenkirchen und Heinsberg wird Kreis Geilenkirchen. 60 Amtsgerichte aufgelö,?. Mit Ablauf des 36. September 1932 werden ausgehoben: im Kammergerichtsbezirk: die Amtsgerichte Fehrbellin, Lip- pehne, Pforten und Triebet: im Oberlandesgerichtsbezirk Bres- l ä u: die Amtsbezirke Carolath, Naumburg a. Qu., Parchwitz, Polk- witz, Prausnitz, Schömberg und Wansen: im Oberlandesgerichtsbezirk Celle: die Amtsgerichte Berum, Coppenbrügge, Giebolde- Hausen, Kalenberg, Malgarten, Moringen und Polle; im Oberlandes- gerichtsbezirk Düsseldorf: das Amtsgericht Wuppcrtal-Ronsdorf; im Oberlandesgerichtsbezirk Frankfurt a. M.: die Amtsgerichte Braubach, Gammertingen. Katzenelnbogen und Wald: im Ober- landesgerichtsbezirk Hamm: die Amtsgerichte Borgentreich, Für- stenberg, Hagen-Haspe, Lichtenau, Nieheim, Rheda und Rietberg: im Oberlandesgerichtsbezirk Kassel: die Amtsgerichte Abterode, Amöneburg, Bieber, Birstein, Bischhausen, Burghaun, Meerholz, Nentershausen, Netra, Niederaula, Rauschenberg, Rosenthal, Schwar- zensels, Veckerhagen, Vöhl, Wanfried und Zierenberg; im Ober- landesgerichtsbezirk K i e l i die Amtsgerichte Heiligenhafen und Lunden; im Oberlandesgerichtsbezirk Köln: das Amtsgericht Alden- Hoven; im Oberlandesgerichtsbezirk Königsberg: die Amts- gerichte Allenburg und Mühlhausen: im Oberlandesgerichtsbezirk Naumburg a, d. S.: die Amtsgerichte Belgern, Gröningen, Großbodungen, Wettin und Wippra; im Oberlandesgerichtsbezirk Stettin: die Amtsgerichte Jacobshagen, Penkun und Zanow. » Die gegenwärtigen Machthaber in Preußen haben mit einem einzigen Federstrich 60 Amtsgerichte ab l. Ok- tober für aufgelöst erklärt. Die davon betroffenen Richter sollen in änderen Stellen untergebracht werden. Auch für die Rechtsanwälte will man nach Möglichkeit Härten vermeiden. Während es bisher Vorschrift war, daß ein An- walt seinen Wohnsitz am Gerichtsort haben mußte, sollen jetzt auf Wunsch Ausnahmen zugelassen werden. Anwälte, die im Interesse ihrer Praxis ihren Wohnort nicht nach dem neu zuständigen Amtsgericht verlegen wollen, können auf Antrag am bisherigen Ort wohnen bleiben. Die Aufhebungsverfugung ist von dem'Essener Ober- bürgermeister Bracht„für' den Ministerpräsidenten" ge- zeichnet, obwohl der rechtmäßige Ministerpräsident Otto Braun an der Ausübung seiner Tätigkeit zur Zeit gehindert wird und es in Preußen einen anderen Ministerpräsidenten gegenwärtig nicht gibt. Da Bracht gegen Otto Braun und nicht mit dessen Willen eingesetzt ist, kann er unmöglich„für den Ministerpräsidenten" zeichnen. Wahrscheinlich werden sich die Männer der„neuen Staatsführung", wie wir es bereits einmal erlebt haben, wieder mit einem„Bürolapsus" herausreden._ Sozialdemokratie und Siedlung. Alte Lügen in neuer Fassung. Der„Angriff" wärmt wieder einmal die alt« Lüge auf, die Sozialdemokratie wolle die landwirtschaftlichen Großbetrieb« nicht zerschlagen, weil es dann den Landarbeitern besser gehen könne und nur Unzufriedene sozialdemokratisch wählen. In der Schrift des Genossen K u t t n e r über Otto Braun soll dieser Un- sinn zu lesen sein. In Wahrheit enthält diese Schrift auch nicht einen«in- zigen Satz dieses Inhalts. Im Gegenteil! Auf Seite 66 der Schrift schreibt der Verfasser: Ein« kräftige Siedlungs- Politik ist das Gebot der Stunde geworden. Von einem Lügner wird man künstig nur noch sogen können: Er lügt wie ein Nazi! KMMvW Verkauf soweit Vorrat Mengenabgabe vorbehalten Beginn 1. 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Juli geftorbeu ift Die Einäscherung finde! am Don» nersfag, dem 4, August, 17»/, Uhr, im Krematorium Gerichtiiraß« stall. eeillOiilülSiZnMlU-IOWS AdUnnS! ffßimnö! VerwaUanSsntHglteder! Fteitaa, den 5. August, abends 7 Uhr, Sigung der Mittleren Ortsoermaltung Dir OrlsverwaUang. Am 31. Juli starb unsere Kollegin, die Arbeiterin Asrths V8termsvll geb. S, Juni 1891. Die Einäscherung finde! am Freilag. dem S. August. 18 Uhr, im Ärema» lorium Serichlstraße statt. Am 31. Juli starb unser Kollege, der Rohrleger Karl Brozinski geb. 7. Januar 1888 Die Einäscherung findet am Freitag, dem 5. August, 18v, Uhr, im Krematorium Eerichlstraße statt. Rege Beteiligung wird erwartet. rtalkmk Am 13. Juni starb unser Kollege, der Mechaniker Willi Blühe geb. 31. Januar 1913. Die Einäscherung hat bereits statt. gesunden. Ehre ihrem Andenken! Die Ortivcrwaltanß. Ihren Urlaab im schönen Thüringer Walde im herrlichen Erzgebirge in stimmungsvoller Heidelandschaft im märkischen Seengebiet in den Heimen derADEffl Allgemeine DeuisdieSeselisitialt kör Ferien- und Erbciungsneime m.b.H. SilzJena.Marienstr. 4— Prospekte ßraiis Triedridisfelde Treskowaüee per sofort oder 1. Oktober 2«- u. S'k-Zlmmar-Wohnung von 66 bis 82 Mark Otenheizung, Bad, Garten, ohne Zuschflsse Anfragen an die Gemeinn. Roichsbund- Kriegersiedlung Berlin C 2, Rolandufer 6 Berollna 4331, KüriamnedeuienileriiiaBiiül ■bngst das beliebte Ostseebad westlich Rügen. 8tein- freier idealer Strand Warme medirinische Bäder Kurkonzerte, Sport Ausk Badeverwaihmg. Tel: 25 Weine u. Spirituosen im reinen Spezialgeschäft Liter ist B. Prima deutscher Wermut„Triestine"..... 0.63 0.70 Original ital. 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Hermann straße 27 und Bergstr. 66 ♦Schöneberg: Kolonnenstraße 9 ♦Oberschäneweide;Wilhelminenhofstr.4C ♦Spandau: Potsdamer Straße 23 ♦Weißensee; Berliner Allee 247 ♦Tempelhof: Berliner Straße 152 ♦Lankwitz: Charlottenstraße 34 ♦Lichtenberg: Wismarplatz 1 Reinickendorf: Markstraße 45 Schmargendorf: Berkaer Straße 5 Potsdam: Charlottenstraße 69 Oranienburg: Berliner Straße 1 Monbijoupl-st 10, Täglicher Sctlauf gebrauchter und fa- brikneuer Möbel in großer Auswahl Schlafzimmer, 180 streit. Schweden» birke, Hochglanz. poliert, tabrikneu, 465,—, Speisezini. met, wenig gebraucht, 180 breit, komplett 190,—, Schlaszimmer, ge. braucht, 120,—, Her. renzimmer 200,—. ZuräckgesestteSchlas. Jimmet. Speitezim. Rheinstraße 48. mer spottbiüig Ankleidescheanl 45,—, Schreibtische, Bücherschränke 40,—, Ankteidescheänle, Küchen, Eonches, Drehbetteouches. Klubsessel Piano, Vitrinen Stand- übten, Teppiche. 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Da der Melkermeister aber weder Stellung noch eine neue Wohnung erhielt und sich mit seiner Familie nicht einfach auf die Straße setzen konnte, blieb er weiter in seiner alten Dienstwohnung. Nun beschloß Proske in gewisienloser Weise, die ihm unliebsame Fannlie einfach aus» zuräuchern. Er erteilte dem Arbeiter Krause den Auftrag, beide Schorn st eine der Wohnung mit Säcken zu ver» st o p f e n. Dieser Auftrag wurde am 2. Juni 1931 ausgeführt. Die Folg« war, daß in der folgenden Nacht Rauch und Kohlenoxydgase nicht durch den Schornstein entweichen konnten, sondern restlos in die Arbeiterwohnung eindrangen, so daß diese völlig verqualmt wurde. Die ganze Familie, Mann, Frau und alle drei Kinder, wurden vergiftet besinnungslos aufgefunden. Di« Vergifteten konnten erst mit Hilfe künstlicher Atmung wieder ins Leben zurückgerufen werden. Um ein Haar hätte die„Ausräucherung" fünf Menschenleben gefordert. Als der Oberlandjöger und der zu- ständige Schorirsteinfegermeister mit der Untersuchung beauftragt wurden, verweigerte ihnen Proske die Schlüssel zum Hausboden. Die Ermittlungen ergaben einwandfrei, daß beide Schornsteine mit Säcken verstopft worden waren. Das Gericht verurteilte, dem Antrage des StaatsanVaits ent- sprechend, Krause, der nur unter den, Einfluß seines Dienstherrn gehandelt hatte, zu einem Monat Gefängnis mit Strafaus- letzung. Der Anstifter Proske aber wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Strafaussetzung wunde bei ihm ab- gelehnt. In der Urteilsbegriind-ung wurde betont, daß vielleicht in früheren Jahrhunderten eine derartige lebensgefährliche Ausräuche- rung möglich gewesen wäre. Angesichts des Bildungsgrades und des Standes des Hauptschuldigen habe die Strafe gegen ihn nicht milde bemessen werden können. Vor einer Mordaufklärung? Hastbefehl gegen den Ehemann Vierhuß. Der Raubmord an der 43 Jahre alten Wirtschafterin Mar» garete Vierhuß, die am Nachmittag des 18. Juli von einem Berliner Regierungsinspektor in der Wohnung seiner verreisten Mutter, einer Witwe Ziem, in der Schönhauser Allee 27 tot aufgefunden worden war, scheint jetzt eine Aufklärung gesunden zu haben. Nachdem sich sämtliche von der Mordkommission Quoos nachgeprüften Spuren als gegenstandslos erwiesen, richtete sich der Verdacht gegen den Ehemann der Vierhuß. Diese Ver- dachtsmomente verstärkten sich derart, daß die Kriminalpolizei schließ- lich vor etwa 14 Tagen zur Festnahme von Vierhuß schritt, den man gleich nach der Entdeckung der Tat vernommen, aber wieder auf freien Fuß gesetzt hatte. Vierhuß wurde nun dem V e r n e h- mungsrichter im Polizeipräsidium vorgeführt, dem gleichfalls die Verdachtsmomente derartig belastend erschienen, daß er gegen Vierhuß Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts des Mordes bzw. Totschlages erlieh und seine Aeberführung in das Unlerfuchungs- gefängnis Moabit veranlaßte. Der Verdacht gegen Vierhuß gründet sich hauptsächlich auf die Tatsache, daß er mit seiner Frau i n S ch e i- d u n g lebte und ein Scheidungstermin sich für ihn sehr ungünstig gestaltet hatte, da seine Frau Widerklage erhob. Hinzu kam, daß sich Vierhuß, dem man erst die Tat aus physischen Gründen nicht zu- traute, sich gegenüber verschiedenen Personen durch Drohungen gegen seine Frau verdächtig gemacht hat. Ob Vierhuß tatsächlich als Mörder seiner Frau in Frage kommt oder ob es sich möglicherweise um einen Totschlag im Affekt im Verlaus eines Streites handelt, muß durch die weiteren Ermittlungen und durch die Voruntersuchung geklärt werden. Mielsgeldräuber. 3000 Mark erbeutet.- Täter geflüchtet. (Ein verwegener Raubüberfall spielte sich in der Rühe des Schlefischen Tores im hause C u v r y sl r. 2 3 ab. Dort drangen zwei Räuber, von denen der eine eine schwarze Maske trug, mit Pistolen bewassnet in die Wohnung des Portiers Schneider ein und raubten aus einem kandkosfer 3000 Mark Miels- gelder. Der Uebersall geschah ganz plötzlich, und es dauerte kaum fünf Minuten, bis die Täter mit ihrer Beute dos haus verließen. Die Berliner Handelsgesellschaft Revai& Co. aus der Joachims« thaler Straße verwaltet in Berlin eine Anzahl Häuser und zog auch dort die Mieten ein. Gestern nachmittag wurde die 24 Jahre alte Kontoristin Hildegard Fund ausgeschickt, um die Mieten zu holen. In der Wohnung des Portiers befand sich außer der Kontoristin die Portiersfrau und eine im Haufe wohnende Untermieterin. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen, und herein traten zwei Männer, der eine hatte eine schwarze Maske vor dem Gesicht und hielt in den erhobenen Händen eine Pistole. Der zweite Mann richtete jetzt an die Anwesenden die barsche Aufforderung:„Verhallen Sie sich ganz ruhig, und treten Sie sofort in die Ecke!" Die Frauen kamen in ihrem Schrecken der Auisorderung nach. Während sie der Mann mit der Maske in Schach hielt, griif der andere nach dem auf dem Tisch liegenden Handkoffer und entnahm ihm den Inhalt von 3909 Mark. Der ganze Vorgang dauerte kaum drei bis fünf Minuten. Dar- aus traten beide Männer zurück. Als sie an der Tür standen, sagte der eine:„Ich ermahne euch zur Ruhe", dann verschwand er mit seinem Komplicen. Man benachrichtigte sofort das Berliner Raub- dezernat, das die Ermittlungen nach den Tätern unverzüglich auf- nahm. Von der Firma Revai& Co. ist eine Belohnung von 399 Mark ausgesetzt worden. Lleverschwemmnngen in Verlin O. Ueber Lichtenberg. Friedrichsfelde und Weißen- s e e ging gestern am frühen Nachmittag ein schwerer Wolken- bruch nieder, durch den größere Ueberschwemmungen verursacht wurden. An einzelnen Stellen überfluteten die Wassermassen, die in den Gullys nicht genügend Abfluß fanden, die Bllrgersteige und drangen in die Keller ein. In der kurzen Zeit von 13 bis 13,59 Uhr wurde die Feuerwehr nicht weniger als 54 mal alarmiert, um in besonders gefährliche» Situationen Hilfe zu leisten. Wegen der hohen Zahl der gleichzeitigen Hilferufe mußte bei der Feuer- wehr der Ausnahmezustand verhängt werden, der erst nach 15 Uhr wieder autgehoben werden konnte. Der weitaus größte Teil des Großberliner Stadtgebietes blieb von diesem lokal begrenzten Un- weiter völlig verschont. Ueble Manöver mit Arbeitslosen. Ein gewisser Paul S ch w e n o l e r, der sich Vorsitzender des Reichsbundes der Arbeitslosen zu Berlin nennt, wendet sich mit einem F l u g z e t t e l, der in die Briefkästen gesteckt wird, an die Berliner Arbeitslosen. Er verspricht, ihnen in einiger Zeit gegen Barzahlung von 7 M. eine Schrift zuzustellen, in der das Arbeits- losenproblem gelöst wird. Der Handzettel, mit dem er seine Schrist anpreist, k o st'e t 19 Pfennig. Wie wir erfahren, sind vor allem Frauen auf die Sache hereingefallen und haben den wertlosen tettel für 19 Pf. gekaust. Jeder Groschen für ein wertloses Stück apier ist weggeworfenes Geld. Ein Mann, der sich in ein Ge- heimnis hüllt, trügerische Hoffnungen erweckt und dadurch den Aermsten ein paar Pfennige abnimmt, ist für die Arbeitslosen be- stimmt ein schlechter Berater. Es wird davor gewarnt, ihm Ar- beitslosengroschen zuzuleiten. Schreckenstat einer Mutter. Mit ihren Zwillingskindern durch Gas vergiftet. Eine furchtbare Familienlragödie wurde In der Bürger- strahe IL in Reinickendorf- Ost entdeckt. Bewohner des Hauses bemerkten plötzlich durchdringenden Gasgeruch, der aus der Wohnung einer Familie Behlow kam. Da auf mehrfaches Klopfen nicht geöffnet wurde, alarmierte man die Feuerwehr, die gewaltsam in die Wohnung eindrang. Wan fand die 32 Zahre alte Frau Behlow mit ihren Zwillingskindern von 2 Yt Zähren, Ursula und Gertrud, tot aus. Die Tür zu dem Zimmer war von innen verschlossen. Frau B. halte die Lampe aus der Zimmerdecke herausgeschraubt und auch den Abdichtungskorken enl- fernl, so dah das Gas ausströmen konnle. Dann hatte sie mit ihren Kindern den Tod erwartet. Das muh geschehen sein, nachdem ihr Ehemann gestern früh die Wohnung verlassen hatte, um sich an seine Arbeitsstelle zu begeben. Die Frau soll oft unter seelischen De- pressionen gelitten haben. Oer Toie am Fallschirm. Oer verschollene Ozeanflieger Parker Eramer? Der schottische Fischdampser„Kodama" hat. wie er durch Radio mitteilt, im Fahrwasser zwischen Rordschollland und den hebriden die Leiche eines unbekannten Fliegers an einem Fall- schirm hängend im Wasser treibend ausgesunden. Dem Toten war der Kopf abgerissen, als ob er beim Absprung aus seinem abstürzen- den Flugzeug in den Propeller geraten wäre. Irgendwelche Papiere trug der lote Flieger nicht bei sich, so dah es bisher noch nicht mög- lich war, ihn zu identifizieren, zumal von dem Flugzeug weit und breit nicht das geringste zu sehen war. Das einzige Werkmal, das man zunächst entdecken konnle, ist, dah er feine Unterkleidung offen- bar in einem Geschäft in Pochsmouth gekaust hat. Obwohl die Fundstelle eigentlich viel zu weit im Norden liegt, rechnet man damit, daß es sich vielleicht um einen jungen englischen Flieger I. C. I e w e l l handeln könnte, der vor einem Jahre von Bristol aus nach Hampshire fliegen wollte. Iewell langte damals nicht an seinem Ziel an, und von seinem Flugzeug konnte bisher nicht die geringste Spur entdeckt werden. Etwas mehr an Wahr- scheinlichkeit hat die Vermutung, daß der unbekannte Flieger mit dem Amerikaner Parker Cramer identisch ist. Eramer war im Frühjahr auf den Shetlandsinseln zu einem Fluge nach Kopenhagen aufgestiegen, ist jedoch dort nicht angekommen und gilt seitdem als verschollen. E>A.-Banden in Neu-Tempelhos. Ungenügender polizeilicher Schuh für die Bevölkerung. Die Siedlung Neu-Tempelhof wird in letzter Zeit ständig von größeren Banden uniformierter Hakenkreuzler beunruhigt. Wiederholt werden in später Nacht st und« größer« Trupps Hitlergardisten beobachtet, die systematisch die ei» samen Straßen in dieser Gegend durchstreifen. Zur Zeit des Wahl- kampfes hatten es die Burschen auf Flaggen abgesehen, dft aus den Fenstern der Siedlungshäuser hingen. Republikaner wurden mehr- fach bedroht, aber bisher blieb es meist bei diesen Drohungen. Neuerdings gehen die SA.-Trupps jedoch zum Angriff über. Das Haus eines Berliner Stadtarztes in Neu-Tempelhof war in dieser Woche bereits zweimal das Ziel eines SA.-Trupps. Am vergangenen Montag erschienen vor dem Hause einmal gegen 23 Uhr und dann nochmals gegen 2 Uhr nachts etwa 199 uni- formierte Nazis und stießen blutrünstige Drohungen aus. An die Tür malten sie mit roter Farbe:„Rot-Mord". In der Nacht zum Mittwoch fanden sich abermals etwa 59 bis 69 SA.-Leute vor dem Grundstück ein und versuchten die Tür einzuschlagen. Die ganze Straße geriet in Ausruhr und von einem Bewohner mußte schließ- lich das Ueberfallkommanda alarmiert werden. Die Poli- zeibeamten trieben die Burschen auseinander und nahmen sechs Hauptkrakeeler fest. Mit weiteren Terrorakten der Nazis ist zu rechnen, wenn sich die Polizei nicht zu einer besieren Ueberwachung dieses Wohnviertels entschließt. Der bekannte Gerichlsarzl Sanilälsrak Dr. Leppmann wird am heutigen Donnerstag 6 9 I a h r e a l t. Dr. Leppmann genießt als Sachverständiger bei den Gerichten hohe Wertschätzung und hat in seiner amtlichen Eiglenschaft in einer großen Zahl von Sensaticms- Prozessen mitgewirkt. Für die Grohe Deutsche Funkausstellung Berlin 1932 ist soeben das Ausstellerverzsichnis erschienen. Anfragen aus allen europäischen und außereuropäischen Staaten lassen aus einen außerordentlich starken Auslandsbesuch schließen. In Deutschland sind bisher 47 Sonderzüge für Gesellischaftsfahrten angekündigt. Zigeuner suchen Arbeit. Umstellung vom Pferd zum Auto.— Rigo macht Musik. Am 31. Juli sind auch wieder die dunkelhäutigen Bewohner unserer vorstädtischen Wagenburgen an die Wahlurne getreten, nach- dem sie ihren Stimmzettel— wer mag wissen, bei welcher Liste?— angekreuzt hatten. Das haben sie bereits bei den preußischen Land- tagswahlen so gemacht, denn diese Zigeuner sind Preußen. Die nüchternen Wahlstuben werden allemal zur pittoresken Szenerie, wenn der Herr Friedrich oder der Herr Braun oder der Herr Amsel, jeder mit seiner Sippe, bunt und geschniegelt, das Zimmer süllt. Es mag eine optische Täuschung sein, aber aus der braunen Haut eines Zigeunerhalses sehen weiße Kragen doppelt weiß aus. Bevor dann alle das Wahllokal verlassen, geht die alte Frau F., die Groß- mutter aller Zigeuner, an die Theke, ersteht eine Zigarre, schneidet sie ab, steckt sie an und mit Dampf geht es zurück in die Wagen- bürg. Die Zigeuner-Preußen hoben ihrer Wahlpflicht genügt. Aber es geht ihnen schlecht. Bei den langen Schlangen, die vor den Arbeitsämtern stehen, sind die Zigeuner mit dabei. Holen sich ihre Stempel und das Geld wie jeder andere auch. Man muß auch nicht denken, daß die Berliner Zigeuner noch ihre eigene Sprache reden, längst reden sie auch untereinander deutsch, und der alte Großvater, dem drei kleine schmutzige Zigeunerrangen aus dem Kraal entwichen sind— sie sind so schmutzig wie ihre Eltern ausgedonnert—, ruft den Dreien nach:„Ich werrde eich hellfen!" Denn auch die Zigeuner haben begrifsen, daß die Landes- spräche eine brauchbare Waffe im Kamps ums Dasein sein kann. Mit dem Lesen und Schreiben hapert es allerdings ein wenig. Man merkt das an folgendem: der Pferdehandel geht nicht mehr recht. Wer auch nur in die Nähe eines Pferdemarktes kommt und ein Pferd ganz sachte von der Seite anblickt, hat sofort fünf Händler um sich herum, die einem zum Schluß das Pferd für 199 Mark verkaufen wollen. Pferde sind heute billig. Also denken die jüngeren Zigeuner: in Autos ist mehr zu machen. Nicht gerade als AutoHändler, aber als Chauffeur oder irgend etwas. Sie kommen zur Fahrschule, um einen Kursus für den Führer- schein mitzumachen, sollen den Antragsschein unterschreiben, aber so groß ihr Redeschwall, so wenig können sie schreiben, und zu guter Legt stehen drei kleine Kreuze da. Sie haben dann während des Kursus, in dem sie in die Geheimnisse der Autolenkerei einzudringen versuchen, ebensoviel damit zu tun, ihren Namen schreiben zu lernen, denn das Kraftverkehrsamt begnügt sich bei der Ausstellung des Führerscheins nicht mit drei Kreuzen. Die nicht Händler sind, sind A r t i st e n oder Musikanten. Ganze Wagenburgen beherbergen nur Artisten. Aber wenn von 48 Zirkusunternchmen in Deutschland 49 bereits pleite gemacht haben, spüren das auch die Zigeuner. Von Zeit zu Zeit rückt die Wagenburg etwas enger zusammen, weil wieder eine Familie in ihrem Wohnwagen angekommen ist. Die Musikanten schlagen sich so einigermaßen durch. Sonnabends und Sonntags spielen sie in den Vorstadtwirtschoften und die Wirte hängen dazu ein großes Plakat ins Schaufenster:„Hier spielt Rigo, der Zigeunerprimas!" Doch der Rigo heißt in Wirklichkeit Erwin. Aber spielen können die Jungcns, das muß man ihnen lassen. Und wenn Hein und Tetje, an den Landungsbrücken von St. Pauli stehend, eben beschließen, ihre Mark in einen Groschen für Brot und neun Groschen für Rum oufzu- teilen, dann teilen alle Rigas ihre Schillinge in einen Groschen für Brot und neun für Tabak. MQi fl. Sitreewald(Lüßßonan) Q_ Nadi Bad Frrisnwalde fi_ Hin- und Rückfahrt RM.«» Abfahrt 11 Uhr, H n- u Rückfahrt RM."a Nadt RlteinsBero fi«ifi NafliTl9l8Dse8(Bain8nsrunfl) J5_ ...... Hin- und Rückfahrt RM. O.ÜÜ Abfahrt 11 Uhr, Hin-u. Rückfahrt RM. U. in nie mm«»«sswuo am Sonntaq,dem7.August VoiD LBlpziosr Platz O'tMSl-ilöißi) Ab�hH?z?n?r�n! u�RückfaHrt � 4." Abfahrt 8 Uhr Von» Zoo,. Auskunft und Karten-Vorverkauf ohne Aufschlag durch die BVG.-Verkehrsabteilung, Berlin W 9, Köthener Straße 17 Zimmer 51, Fernruf B 2, Lützow 9014-19, Apparat 117, werktags von 8—16 Uhr, Sonnsbends von 8—13 Uhr und nachdem Auskunft BVG., Leipziger Platz, Fernruf A2 Flora 0038. Verlangen Sie kostenlos Prospekt und August-Programm. „Es ist alles ss schwer!" Zwei junge Menschen, Mann und Iran, haben den Gastod gewählt. Rätselhaft erscheint ihre verzweislungs- tat. Der Mann Halle Arbeil, sie lebten in geordneten Der Hältnissen und waren gesund. Am Zvahlsonniag, nachdem sie gewählt hatten, drehten sie den Gashahn auf. In der Mietkaserne im Osten Berlins, wo das Ehepaar im vierten Stock zwei Stuben und Küche innehatte, herrscht Rätsel raten unter den Hausbewohnern. Es fehlt der Kernpunkt des traurigen Geschehens, das Angriffsobsekt, dem man die Schuld auf laden könnte, dem man Rache und Vergeltung schwört. Hier aber ist nichts, nichts als die Tat... So mischt sich dem Gedenken an die Toten auch nicht jenes, wenn auch noch so oberflächliche Mitleid bei, das der vom harten Schicksal besiegten Kreatur gilt: es fehlt in den Worten der Leute jenes verängstigte Zittern, das zu sagen scheint:„Heute die, morgen du!" Sogar ein leiser Vor- wurf klingt aus den Worten der Flurnachborin, die da meint: „Gott, wenn's ihnen noch schlecht gegangen wäre; aber es war ja alles da und auf dem Tisch hatten sie das Geld für die Beerdigung zurecht gelegt,«in paar hundert Mark." Wer in letzter Stunde so ordentlich sein Haus bestellen kann, warum geht der eigentlich davon? Wer satt ist, den kann's doch nicht nach einem besseren Jenseits hungern? Das ist die Meinung der Nachbarsleute und auch all der anderen, die in kleinen, schlechten Wohnungen in dichtbevölkerten Proletarieroierteln hausen, die ihre drückende Sorgenlast ums tägliche Brot Monate, Jahre, ein Leben lang mit sich schleppen. Wenn einer aus ihren Reihen fällt, well ihn Not und Sorge nach dem Gashahn weisen, das können sie verstehen, das können sie bedauern. Aber wer, der satt zu essen hat? Bloß die alte Frau, die da eben mit ihrem kleinen Enkelkind die Treppe hoch kommt, die sieht ein wenig schärfer:„Ja, ja", meint sie,„die Jungen von heute, die haben's gar nicht mehr schön aus der Welt. Da ist bloß Verbitterung und Haß unter den Menschen, und so wenig Schönes für jetzt und später, daß ich ijiir oft denke: Bin ich froh, daß ich's bald überstanden habe. Aber was sollen die sagen, die noch«in ganzes Leben vor sich haben? In letzter Zeit habe ich die junge Frau oft be- obachtet, was sie für harte, bitter« Züg« mit ihren 22 Jahren hat. Und wenn wir zusammen sprachen und ich meinte: Na, Frau Merkel, warum denn so ernst, ist denn bei Ihnen irgendwas nicht im Lot? Da antwortete sie: E s i st a l l e s s o s ch w e r für«inen, der Gesinnung und Charakter hat. Dann schob sie schnell ab." Das, was man. nicht sagen kann, drückt oft stärker als das andere, weil's nach innen geht und wächst und bohrt!" Kopfschüttelnd sehen die anderen Frauen der Alten nach, die setzt weitergeht.„Ja, ja, wer keine Sorgen hat, macht sich eben welche" meint die Frau von gegenüber, dann sieht sie nach ihrem Mittag, und der Dampf, der aus dem brodelnden Kochtopf steigt, hüllt ihren Kopf samt allen darin wohnenden Gedanken ein. Unten spielen die Kinder mit großem Jubelgeschrei Räuber, bald wird der Namenszettel der Toten auf der Wandtafel im Hauseingang dem des neuen Mieters Platz machen, und keiner denkt dann mehr an die beiden, die sich angeekelt, angewidert, heimlich wie die Diebe aus dem Leben schlichen... Ein Frauenschickfal gsrächi. Die Gespenster ver Vergangenheit wird man nicht leicht los. Dieses Frauenschicksal ist schnell erzählt. Man lernte es in einer Sitzung des Schöffengerichts Berlin-Mitte kennen. Der Dater ist im Gefängnis gestorben, die Mutter befindet sich in einer Irrenanstalt. Schon als Schulmädchen Kestahl die Angeklagte ihre Mitschülerinnen. Strafen nutzten nichts. Sie konnte nicht anders, sie mußte stehlen. Vielleicht hatte sie das vom Vater. Die häuslichen Verhältnisse trieben sie davon. Sie schloß sich einer Artistentruppe an. Achtzehnjährig bekam sie das erste Kind. Später lebte sie von der Straße. Ihr Beruf bracht« ihr die übliche Infektion, Von der Krankheit halte sie sich niemals recht erholt. Dann folgten Strafen wegen Diebstahls, in kurzer Reihen- folge sieben hintereinander: sie zog das Gefängnis der Straße vor. Vor acht Jahren lernt« sie einen Mann kennen, der sie trotz de» Vorlebens und der Vorstrasen zu seiner Frau machte. Nun wurde sie gut bürgerlich. Die Vergangenheit schien vergessen. Die erbliche Belastung war aber unausrottbar. Noch immer ließ sie sich leicht zu Handlungen hinreißen, die sie später bereute. Vor wenigen Mo- naten kam es zwischen Mann und Frau zu einer ernsten Differenz. 176045 neue Wotirnrngen Was das neue Berlin gelcislet hat. Der katastrophale Niedergang der Berliner Bauwirtschaft im Jahre 1932 zeigt sich ganz besonders im Rückgang der Wohnungs- bauten. Schon jetzt ist die Zahl der bezugsfähig fertiggestellten und die Zahl der begonnenen Wohnungen um je etwa 66 Proz. zurück- gegangen, und in anderen Kroßstädten liegt es zum Teil noch ärger. Gleichwohl kann die Einheitsgemeinde Berlin auf elf gute Jahre der Entwicklung zurückblicken, denn von 1321 bis 1331 sind in Berlin 176 04S Wohnungen hinzugekommen, was bei einer mittleren Be- völkerungszahl von 4,111 Mill. im Durchschnitt 42,8 für das Tausend ausmacht. Zieht man zum Vergleich die Verhältnisse in 13 weiteren dent- schen Großstädten über 266 666 Einwohner heran, so ergibt sich, daß Berlin an achter Stelle steht, während Bremen, Hamburg und Köln die Spitze halten, und Magdeburg, Chemnitz und Kiel den Schluß machen. Bezeichnend für die ungeheure Leistung Berlins ist die Tatsache, daß die Zahl der neugewonnenen Wohnungen noch nicht um 2666 hinter der Gesamtwohnungszahl der großen Stadt München(736 666 Einwohner) zurückbleibt, wie sie bei der Wohnungszählung im Jahre 1327 ennittelt wurde. Ganz besonders stark war die Berliner Bauleistung in den beiden letzten Jahren, und das Jahr 1336 stellt überhaupt eine Höchstleistung dar. In diesen beiden Jahren hat Berlin zugleich mit Bremen unter allen deutschen Städten den größten Wohnungsreingewinn zu ver- zeichnen, nämlich 17,4 pro Mille der Bsoölkerung. während der Durchschnitt nur 12.4 pro Mille beträgt. In den beiden letzten Jahren gewann Berlin allein 73 266 Wohnungen: alle übrigen deutscheu Städte Über 166 666 Einwohner brachten es zusammen auf 167 347. Daß diese im Interesse der breiten Schichten der Bevölkerung höchst erfreuliche Wohnungsbautätigkeit zum großen Teil gegen den Wider- stand der rechtsgerichteten Parteien durchgesetzt werden mußte, ist wohl allgemein bekannt. Besonderen Wert Hat man in Berlin mit Recht darauf gelegt, den Bedarf an K l e i n w o h n u n g en zu decken, und der Anteil der Kleinwohnungen am Wohnungsrein- gewinn ist ununterbrochen stark gestiegen. So mancher Bewohner eines modernen Wohnhausblocks, der heute die hohe Miete nicht mehr aufzubringen vermag, wird diese unerhörte Leistung des neuen Berlin mit etwas weniger Begeiste- rung ansehen. Ihm sei in Erinnerung gerufen, daß die Sozialdemo- kratie stets für die Senkung der Mieten eingetreten ist. Die Ver- schärfung der Wirtschaftskrise ließ die Mieten noch drückender werden, als sie es schon früher waren. Welchen Grad hätte aber die Arbeitslosigkeit schon in früheren Jahren angenommen, wenn nicht sozialdemokratische Initiative die Bautätigkeit immer wieder an- gekurbelt hätte? Sie glaubte Grund zu Eifersucht zu haben und machte dem Mann Vorhaltungen. Der hielt chr ihr Strafregister vor. Das hotte sie von ihm nicht erwartet. War denn das Alle nicht ein für allemal vergessen?!„Ich bleibe keinen Augenblick mehr bei dir. Ich gehe fort!"„Geh' wohin du willst!" Und sie ging wieder auf die Straße. Die Vergangenheit, die der Mann aufgerührt hatte, wurde plötzlich wieder wach. Sie traf einen Bekannten, ging mit ihm in einen Hausflur und entwendete ihm aus dem Portemonnaie 166 Mark. Der Mann merkte den Verlust des Geldes und ließ sie festnehmen. Vom Polizeirevier wurde sie vom Mann abgeholt. Jetzt haben sie sich wieder versöhnt. Während sie auf der Anklagebank saß, wartete er im Zuhörerraum voller Spannung auf das Urteil. Es war milde. Die drei Monate Gefängnis wird die Angeklagte nicht zu verbüßen brauchen. Trotz der vielen Vorstrafen hat das Gericht gegen Zahlung einer Buße von 266 Mark in Monatsraten von 26 Mark ihr Bewährungsfrist zugebilligt. Gorgen um die Gauerkirfchenernte. Verheerende Wirkungen des Jaulpilzes. Die diesjährige Ernte von Sanerkirchen ist in der Mark Brandenburg und vor allem in der Umgebung Berlin» bedroht, es hat sich nämlich in den letzten Tagen in den meisten Sanerkirschplantagen eine verheerende Ausbreitung des kusiclaäium cerasi, des Faulpilzes der Sauerkirsche, infolge der in der letzten Zeil erfolgten Niederschläge bemerkbar gemacht. Es handelt sich dabei um eine Fruchtkrankheit, die in Fachkreisen beveits seit mehreren Iahren bekannt ist, jedoch noch nie einen derartigen Umfang angenommen hat, wie dieses Jahr. Die Krankheit, die im Übrigen die Früchte nicht vergiftet, sondern sie lediglich zur schnellen Fäulnis bringt, ist neben den häufigen Niederschlägen auf eine zu geringe Durchlüftung der Kirsch- bäume zurückzuführen. Der Faulpilz hat nämlich fast ausschließlich «ine Kirschsorte, die Schattenmorelle, befallen, die allgemein als Buschobst kultiviert wird. Die Früchte werden vor allem nahe über dem Boden und dort befallen, wo das Laub zu dicht ist und daher die Bäume nicht genügend vom Wind durchweht werden können. Die Krankheit äußert sich in einer Schrumpfung der Kirschfrucht bei Beginn der Reife. Der bisher durch den Faulpilz angerichtete Schaden beträgt nach der Schätzung der Landwirtschafts- kammer für Berlin und die Provinz Brandenburg mindestens 36 bis 73 Proz. der gesamten Sauerkirschernte, was einen ungeheuren Verlust bedeutet. Eine Bekämpfung der Krankheit ist augenblicklich ausgeschlossen, da man den Faulpilz nur durch Spritzen mit Schwefel- oder Kupferlösungen kurz vor der Blute und während der Fruchtentwicklung bekämpfen kann. Die einzige Möglichkeit besteht jetzt noch in einer gründlichen Auslichtung der Zweige, aber auch das dürfte an dem Gesamtergebnis kaum noch viel ändern. Der Genuß der vom Faulpllz befallenen Kirschen bedeutet nach Ansicht der Fachleute keine Gefahr, jedoch tritt beim Ein- machen nach kurzer Zeit die völlige Fäulnis und damit Ungenieß- barkeit ein. Der Verbraucherschaft ist der Mangel bisher noch nicht irgendwie aufgefallen oder unangenehm zum Bewußtsein gekommen. Die Übrigen Obstsorten sind vorläufig durch diese Fruchtkrankheit, die dem Baumbestand keinen Schaden zufügt, nicht betroffen oder ge- fährdet. Lteberlastung der Wohlfahrisamter. Die vielen Anträge auf Mietbeihilfe konnten in den Wohlfahrtsämtern nicht rechtzeitig im Laufe des Juli bewältigt werden. Der Oberbürgermeister Hot deshalb beantragt, den Hauseigentümern, denen bisher Stundungen zugunsten hilf»- bedürftiger Mieter gewährt wurden, auch für den Monat August noch einen entsprechenden Betrag— ohne Ziel auf Niederschlagung— zu stunden bis zur Entscheidung der Fürsorgebehörde. Die Ent» scheidung über diesen Antrag steht noch au». Die Bezirkswohlfahrt»- und Jugendämter können wegen der augenblicklichen Arbeitsüber- lastung Auskünfte über die Erledigung der Anträge auf Miet- beihilfe nicht erteilen. Die Antragsteller werden daher gebeten, abzuwarten, bis ihnen die Entscheidung mitgeteilt wird. Lepra-Märchen. Seit einiger Zeit werden in Berlin Gerüchte verbreitet, e» seien Kinder nach dem Genuß von Bananen an Lepra erkrankt: ja einige Kinder sollen sogar schon mit Flugzeug auf eine einsame Insel abtransportiert worden sein. Wenngleich diese Nachrichten den Stempel der Unrichtigkeit an sich trogen und wenngleich Sachverständige sich bereits in der Tagespresse Über die Unsinnig- keit der Mitteilungen ausgesprochen haben, hat das Haupt- gesundheitsamt gleichwohl Nachforschungen über die angeblichen Er- trankungen angestellt und nicht den gering st en Anhalts- punkt für die Gerüchte gefunden. Es ist feit vielen Jahren kein einziger Leprafall in Berlin vorgekommen Die vielfach verbreüete Beunruhigung der Bevölkerung ist völlig unberechtigt. An die schönsten Punkte der INark, an Seen und in die Wälder bringen Sie die bequemen BVG.- Ausflugswagen. Kosten- los Prospekt mit Preisen und das ausführliche August-Programm von der BVG.-Verkehrsabteilung. Fernruf Lützow B 2 9014— 19, Apparat 117.(Siehe Inseratenteil der heutigen Ausgabe.) Eenosi« Paul l seiner S i l b e r h o< Zudrlau sagt allen herzlichen Dank, die aus Anlaß »zeit seiner gedacht haben. OZksu- "WöKrls lechtsÄlV Noch vor der Reichenau haben ihn die nachsetzenden Stadtwappner gefangen. Die Jagd hatte ihnen Wut gemacht, und so ließen sie ihn denn in voller Rüstung in den See plumpsen. Da liegt er nun und hat seine Eisenhände in die schwarzgeschieferten Wurzeln des Tanges vertrallt. Nie mehr wird er mit seinen Stehlsingern die Ruhe der Stadt Konstanz stören. Ganz Konstanz schläft; es schlafen sogar die Böhmen. trotzdem bis vor einer Stunde in der steinernen Arche noch großer Lärm und Aufruhr war. Da schilderte Herr Mizta mit der gespaltenen Wange den Freigelassenen Hussens Ende mit solcher Eindringlichkeit, daß es allen das Wasser in die Augen trieb vor ohnmächtiger Wut. Doch es war nicht das Fehlschlagen ihrer Planung und des Magisters Tod allein, was sie bekümmerte. Zu den alten Sorgen traten neue hinzu. Zizka und Luzia waren verschwunden, auch von Petr Chelcicky so gut wie keine Spur. Zwar brachte einer der mährischen Herren das Gerücht mit, Petr sei in der Nacht von Stadtsoldaten weggeführt worden. Doch Genaueres läßt sich erst morgen feststellen oder gar erst Montag, wenn die Pogtei offen war. Als einzig Sicheres wußte man in der steinernen Arche, daß Herrn Kepkas Karel als Ertrunkener in der Fraischkammer lag. Und auch dies würde von den böhmischen Herren niemand erfahren haben, wenn nicht der Totenfischer Glenk gekommen wäre, um sich das Anfuudgeld zu holen. Doch wie und warum der blonde liebe Junge in den Rhein geraten war, wer vermochte das zu erklären? Das konnte nicht einmal Frau Barbara, des Königs Ge- mahlin, die schon am Vormittag das Ende des Knappen er- fahren hatte. Sie, die solches Verlangen nach dem Lebenden gehabt hatte, daß sie in der verflossenen Nacht kein Auge zu- brachte, sie zog es vor, einem Wiedersehen mit dem Toten aus Dein Wege zu gehen. Vielleicht, daß sie sich zu sehr vor dem strengen Strich seiner Augsbrauen fürchtete. Wie alle Menschen, die sich vor Eier nach dem Leben verzehren, hatte sie eine unbändige Angst vor dem Tod. Es ist gut möglich, daß die hohe Dame den Zusamenhang zwischen ihrem Aben- teuer und der Tragödie des Knaben ahnte. Wenigstens deutet der Umstand darauf hin, daß sie beim Hofkaplan gleich vier Dutzend Messen für die Seelenruhe des Ertrunkenen bestellte. Die Stiftung dieser achtundvierzig Totenmessen goß gleich- zeitig auch Ruhe in die eigene Seele. Wenigstens schläft die Königin diese Nacht wie eine müdgelaufene Wölfin. Kein Jäger ist da, sie mit zornigem Anruf zu wecken. Es schlafen die Gefangenen im Turm: kaum klirrt einer im Schlaf mit der eisernen Kette. Sogar Jeronym ist auf eine Stunde den Schmerzen entsprungen. Unten, im verlorenen Winkel, auf einem Bund Stroh, schläft Petr Chelcicky. Wohl beklebt noch geronnenes Blut seine Glieder und eingedörrter Schaum seinen Mund, wohl hat er nach bestandener Folter in der ersten Durstqual sechs Kannen Wasser gesoffen. Doch es kam der Schlaf und nahm hinweg die zersplitterten Daumen und das daranhängende Gewicht der Welt. Im Fieber treibt Petr schnalzend Herrn Zizkas Pferde an!„Fort, schwarzer Ritter: Fort, damit du entronnen bist, eh eine neue Folter vielleicht doch die ge- bundene Zunge löst!" Es schläft in seinem Stuhl am Geranienfenster der Dom- j dekan Albrecht von Düttelsbach. Wie im Gespräch bewegt er! die Lippen. Nicht in seiner Traumsänfte schwebt er heut im Nachtblau der Unendlichkeit, nein, mit beiden Füßen— die,| jetzt im Schlaf, nicht gelähmt sind— steht er fest auf der Erde und gibt der aufgeregt im Zimmer hin- und herlaufen- � den Eminenz Bescheid. Sein Traumbesucher, der Kardinal,! hat ihm eben auseinandergesetzt, die Kirche sei die einzige i sittliche Pflicht des denkenden Menschen.„Eminenz!" wider- spricht eifrig der gelähmte Dekan:„Der Schluß mag stimmen. doch die Prämisse stimmt nicht! Denkende Wesen sollen wir sein?! Ist ja alles nicht wahr, Eminenz! Undenkends Wesen sind wir. Keine Erzeuger von Ideen, nein, bestenfalls Haus- knechte oder gar Büttel von Ideen, einzig darauf gedrillt, un- bequeme Gegenideen hinauszuschmeißen. Jawohl, Eminenz, wir stehen geistig in aufgerollten Hemdärmeln da, jederzeit bereft, dem Heule da« Gestern ak Argument gegen das Morgen ins Gesicht zu schlagen, jederzeit bereit, das Vernünf« tigere mit dem Messer der Unvernunft zu meucheln und zu morden!" Es schlafen tief die zwanzig Ritter des deutschen Ordens, es schläft ihr Komtur, Herr Friedrich von Llaw. Sein scharfes Gesicht, in der Ruhe dem Kopf eines Raubvogels gleichend, ist auch im Schlaf nicht entspannt. Es trägt noch härtere Linien als unter Tags. Die hohe Stirn ist wie aus Marmor gemeißelt. Marmorn sind auch die Gedanken, die darunter sich in ordnende Reihe zwingen.„Ihr habt einen Triumph- tag gehabt!" wird er morgen zu seiner Gefolgschaft sagen. „Ihr habt einen Feind des rechten Glaubens, einen Gegner der Kirche, sterben sehen! Den Angehörigen eines Volkes, das wir für gewöhnlich nur mit Mißachtung und Gering- schätzung nennen. Aber ihr seid des Kampfs im Münster selber Zeuge gewesen: der böhmische Magister hat sich als der bessere Mann geschlagen. Und das trotz seiner unausbleib- lichen Niederlage! Nicht eine Linie ist er zurückgewichen, trotzdem alle und aber alle wider ihn standen. Nicht ein Gran des Seinen hat er aufgegeben! Gegen ihn, das Staub- korn, rannte an die ganze Welt. Er ist gestorben ritterhaft. Gewiß, er schrie im letzten Augenblick. Aber wer schreit nicht, wenn ihm der Tod den Bluiadler ritzt?! Ich wollte, von uns würden manche diesen Todesschrei ichreien. Dann wäre es besser um den Orden und um seine Arbeit gestellt. Dann könnte er, wie früher in seinen heldischen Zeiten, sich ganz auf die Macht seines scharfen Eisens verlassen, dann brauchte er nicht zum biegigen Gold und dessen Winkelzügen zu greifen. Vcrgezt nicht, eine Idee bleibt nur so lange lebendig, als sie imstande ist, Blutzeugen zu stellen, Märtyrer, die sich eher in Stücke hauen lassen oder vom brennenden Feuer fressen, als daß sie sich und ihre Meinung verhandeln und verschan- deln In faulen, jauchzenden Kompromissen. Wenn dieser Mensch kein Böhme wäre, kein Verwandter dieser verdamm» ten polnischen Hunde, verzeih mir's Gott, ich würd' ihm einen Denkstein setzen! Hätien wir Deutschordener seiner, wären unter euch solche, die es unternähmen, ihr Leben der Idee, die uns führt, gleichzusetzen, wir wären unbesiegbar, wir könnten unsere Kreuzstondarte als flatterndes Siegeszeichen in die vier Ecken der Welt stecken. Doch statt voranzugehen den steilen Weg der Entsagung, statt den Schweinehund in euch an die Kette zu legen, statt dessen, nicht, laßt eure Lanzen und euren Ritterstolz im Quartier und schleich: euch als Luderzeua in die Lusthäuser ein! Ihr solltet euch schämen!"(Forts, folgt.) Berlin hat seine Reeperbahn Was es alles rund um den Alex zu sehen gibt Meine Herrschaften! Attraktionen! Was wünschen Sie zu sehen? Eine Jndianer-Kapelle, wo kühne Sioux dämonisch Banjo spielen— in der Pause wird eine weiße Squaw mit Lassoschlingen gefesselt— oder tendieren Sie mehr für die Balalaikas, garantiert echter Russen in Lackstiefeln und Seidenhemden, während dazu das Lied vom großen Räuber Stenka Rasin erklingt.— Alles dies können Sie haben in den Gefilden rund um den brodelnden Alexander- platz— das und noch viel mehr. Besuchen wir einmal den Eisenkönig in dem„auf üeu" dekorierten Saal einer Kaschemme dieser Gegend. Im Fenster iberden die von dem Riesen zu Kullern gebogeneü Trevpengeländer gebührend bestaunt. Verschüchtert tritt man ein, setzt sich bescheiden und bestellt eine Molle, während rüstige Jünglinge und sanfte Mädchen mißgünstige oder liebevolle Blicke auf einen wirfen. Der Mann stärkt sich, in einem himbeerfarbenen Damen- Morgenrock gehüllt, ebenfalls mit einigen Mollen für sein schweres Handwerk, indes die kefsere männliche Jugend sich über ihn'mokiert. Nachdem die Kapelle vom Rirdorfer zu einem Tango gewechselt hat, wirft er unter einem ihm gebührenden Trommelwirbel den Morgen- rock ab und steigt als männliche Venus, wenn auch nicht aus dem Schaum des Meeres, doch aus dem Schaum des Vieres auf die Bretter. Er läßt alle Muskeln spielen und die tessere männliche Jugend verstummt. Er sieht nett und gut gewachsen aus und arbeitet mit der Routine der großen Kanonen. Beachtenswerte Ketten werden nur mit den Brustmuskeln gesprengt, Stabeisen zu Spiralen gebogen. Alles lacht. Nur ein blasierter Lebemann von siebzehn Iahren, dem nichts mehr imponieren kann, zuckt verächtlich die Achseln über ihn und uns. Am Nachbartisch flammt Streit auf, weil er nur ein Stück Kuchen bestellt hat, sie dagegen heimlich vom Ober zwei bringen ließ. Das eine Stück Kuchen und das Mädchen verlassen empört den Tisch. Die Kapelle in grünen Westen mit rotem Samtbesatz spielt ein paar Mal Tusch. Der starke Mann verneigt sich und sammelt bei einem geneigten Publikum einige Sechser und Groschen für den gehabten Materialschaden, die blauen ylecke am Bein nicht eingerechnet. Darauf setzt er sich wieder zu seiner Molle, wobei er träume- risch Hufnägel in der Hand zu kleinen Schraubenziehern dreht, wie andere Menschen Brotkügelchen. Spanischer Tango auf sächsisch. Nicht weit davon in einem anderen Lokal hat ehemals ein großer Indianerhäuptling zu den Klängen des Tankee-Doodle Knall- frösche in einem Kohlentopf explodieren lassen. Jetzt ist man zu sanfteren Tönen übergegangen und sächsischer Humor dominiert dort. Kaum haben die Gäste die Blume vom Vier abgetrunken, wollen sie auch gleich die Pointe des Abends haben. Aber der sächsische Humor hat gerade Ausgang. Sie kommen uns spanisch mit dem Tango:„Ich Hab' Dch eenmal kesähn, ich Hab' Dch zweeinal kegißt". Ein übelnehmender wirft dem Saxophonisten eine leere Zigaretten- schachte! an den Kopf, es ist nicht festzustellen, ob er sich als Spanier oder als Sachse gekränkt fühlt. Ein kurzberocktes Mädchen— kurz ist hier noch die große Mode— regt sich darüber gebührend auf. Ein Pärchen sitzt engumschlungen, ohne etwas anderes zu hören, als eine unsichtbare Musik, die vom Himmel kommen muß, denn sie starren unentwegt mit schwimmenden Augen zu der mit buntem Kreppapier verhüllten Decke empor, die ihnen voller Geigen hängt. Dann endlich kommt der sächsische Humor ins Rollen. Zwei der Künstler setzen sich flache Zylinderhlltchen auf den Kopf und alle beginnen mit Musikinstrumenten einen Umzug von Tisch zu Tisch, wobei sie: Bier her, Vier her oder ich fall um— spielen und singen. Aber die Angesungenen starren mit eigensinnig gesenkten Häuptern auf die gewürfelte Tischdecke, während sie ihre Molle festumklammert halten und die zarte Anspielung verfehlt ihre Wirkung. Die Kapelle spielt auf den allgemeinen Wunsch eines einzelnen Herrn„Und wenn du denkst der Mond geht unter, er geht nicht unter, das scheint bloß so." Mit Pfeifkonzert und Paukenschlag. Lotte und Lucia, in rosa Kleidchen und Babyhäubchen, klagen ihr Leid in meist bewegten, oft aber nicht wiederzugebenden Worten. Der Saal zittert unter ihrem Gewicht. Man darf den Oberschenkel von Lucia bewundern und Lotte, die die„Schlankste" ist. macht die Ansagerin und erzählt, daß sie auf ihren Reisen nur den Packwagen benutzen können, weil gewöhnliche Coupötüren für sie zu eng sind. Trotz ihre, Umfangs ist sie doch nicht abgeneigt in den poetischen Stand der Ehe zu treten und bittet edeldenkende Herren um dies- bezügliche Erklärungen. Erfinder im Dunkeln. Oer Mann mit dem?erpctuiiin mobile. Immer wieder flattern auf die Tische der Redaktionen Briefe von Leuten, die sich seit Jahren mit der geheimnisvollen Maschine beschäftigen, die seit dem Mittelalter als„Perpetuum mobile", als das immer Bewegte, aus dem Nichts geboren« Kraftbegabte, de- kannt ist. Obgleich die Verfasser dieser Briefe sich nicht kennen, schreiben sie alle fast das gleiche: Um der Allgemeinheit willen haben die Erfinder Zeit und Mühe auf die Schaffung einer mit einem unendlichen Nutzefsekt begabten Maschine verwendet. Alle diese Briefe betonen auch, daß die Wissenschaftler ihre Arbeiten ab- lehnten und daß sie nur aus Mangel an Mitteln nicht in der Lage seien, ihre Modell« einwandfrei zu bauen. Und schließlich wird die hochwohllöbliche Redaktion gebeten, die bisherigen Arbeiten der Ersinder zu besichtigen. E» gibt viel mehr solcher im Mittelalter lebender Erfinder, als wir im Zeitalter der Technik vermuten. Sie wohnen fast immer in ärmlichen Wohnungen. Alle haben sie herrliche Zeichnungen an- gefertigt. Alle sprechen sie begeistert von ihren Ideen. Manche Zeichnungen sind so raffiniert, daß man sast den Glauben an die Möglichkeit des Funktionisrens der immer sehr komplizierten Ma- schine gewinnen könnte. Bei näherem Zusehen aber zeigt sich, daß die Maschine bis zu einem kritischen Punkt läuft, der nicht zu isber- winden ist. Aber alle Erfinder wollen den Beschauer von der Durch- führbarkeit ihrer Versuch« überzeugen. Alle hoffen sie, daß der helfend« Geldstrom kommen werde, der den endgültigen Beweis von der Richtigkeit ihrer Ansichten bringen soll. Da steigt man die Treppen empor zu der Wohnung«ine» solchen Manne». Man stellt sich vor. Bald liegen die Zeichnungen auf dem Tisch. Sauber, peinlich genau ausgeführt« Arbeiten. Dann beginnt der technische Vortrag. Der Mann spricht mit einem Berge versetzenden Glauben. Er erzählt von Besuchen bei Wissenschaft- lern. Niemand konnte ihn wankend machen. Das Wert, das sich immer erneuernde, mußt« gelingen. Jahre vergingen, Jahrzehnte, ein halbes Jahrhundert. Nun glaubt er endlich nach hundert Miß- erfolgen so weit zu sein. Ein erstaunlich gebautes Modell kommt auf den Tisch. Erstaunlich, weil mit einfachsten Mitteln«in so komplizierter Mechanismus aufgebaut werden konnte. Aber die Maschin« geht nicht. Der Erfinder sagt, weil nicht genügend Mittel vorhanden seien, könnt« er sie nicht gänzlich fertigstellen. Das sagten alle. Im Zraum, in ihrer Gedankenwelt, ist das Perpetuum mobile, die ideal« Kraftmaschine, vollendet. In der Wirklichkeit aber gibt es Hemmungen, die auch die kompliziertesten Gebilde nicht überwinden können. „Sehen Sie", sagt der Mann,„die Sonne, der Mond, die Sterne, alles bewegt sich ohne Kraftaufwand. Da ist das Per- petuum mobile verwirklicht. Di« Natur selbst beweist uns, daß es geht." Jawohl, der Mann hat recht. Di« Natur ist für uns Menschen ewig, und wir wissen nicht, welche Kräfte das All. die Sonnen, die Planeten und Meteor« bewegen. Aber wir Erdgebundensn werden hier keinen Wettbewerb bestehen können. Soll man das jedoch einem Manne sagen, der von dem tiefen Glauben an seine Idee erfüllt ist? Der Glaube ist hier mehr als das Wissen. Und oft verläßt man einen ssolchen Menschen innerlich ergrifsen. Dieser Mensch hatte einen Lebensinhalt. Es ist eine eigene Tragik, daß die Ar- bsit eines halben Jahrhunderts sich nicht in einen der Allgsmeinheit dienenden Nutzen umsetzen kann, weil es Grenzen gibt, die nie- manü überschreiten kann. tobtitagcaiiiiilchatt ffii tzorstlcku« und Raturtuud« 8. D. 190, Alfs. Wandirunz: Sonnlos. 7. August. Fahrt naS> Ketzin. Besichtigung der Baum. schulen TvütH und de» Schlaffe» Paretz. Srmiitziater Eintrittevrei» Sd Pf. Fuhrung: Dr. Stachowitz. F. Schudert. Treflhunkt: Bahnhof Potsdam fUd Uhr. Abfahrt mit Postauto S.A Uhr nach Ketzin. Düste willlommcn. Groß-Berlin kinienvungen für dtcfe Radrit sind M Äf stet» aa da» Bejirtsscfretattol •»( I(• CS 88. Ltadeaitratz» 8 8. Hof. 8 Trevven recht», 8» rtch»»a Beginn aller Veranstaltung«» 19H Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 8. Kreis. Donnerstag,«. August, 80 Uhr, Sitzung de« Btlduns«au»schulfe» bei HUbner, Wilsnocker Str. 34. 8. Kreis. Sonnabend, 6. Auaust, 19 Uhr, Sitzung de» erweiterten Kreiivor. itanhe» bei Krepp. Planufer 75—78. 12. Kreis. Donnerstag, 4. August, lölh Uhr, Zusammenkunft erwerhsloser Parteimitglieder bei Schillhase, Steglitz, Ahornstr. IS». Noch der Wahl. Neserent: Alfred Flatau. 28. Krei«. Donnerstag, 4. August, IS Uhr, Erwerdslosenzusommenlllnfte: Wittenau im Zt«ich»hannerbootshau« Tegel. Bortragende: Martha John. — Reinickendorf. Ost in der Barock« Lindauer Strotze. Bortragende: De. nofsin Lutz. 78. Abt. Freitag, S. August, 28 Uhr, hei Schmidt, Ehersstr. 18, Borstandssitzung mit den BezirksfUhrern. 78. Abt. Freitag, ö. August, 20 Uhr, Funktionärsitzung bei Höhnisch, Goten» stratze 80. »8. Abt. Freitag, S. August, Funktionärsitzung. 92. Abt. Neukölln. Freilag. S. August, 20 Uhr, Funktionärversammlung bei Wolfs, Kaiscr-Friedrich-Str. 1,3. 93. Abt. Freitag, ö. August, Funktionärpersammlung bei Zimmermann, Trep» tower Ecke Stuttgarrer Strotze. Alle Fahnen sind schnellstens beim Ab- teilungskossierer abzurechnen. 99. Abt. Freitag, 5. August, Funktionärsitzung im Sitzungsraum Hannemann» stratze 40. 128. Abt. Freitag, S. August, 20 Uhr, Funktionärsitzung an bekannter Stelle. 128. Abt. Funktionärsitzung fällt aus. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrk. 8. Kreis Wodding. Am Freitag, dem 5. August, 19 it. Uhr, Sitzung der Fachgruppe Jugendwohlfahrt im Verwaltungsgebäude. Reserot: Arbeitsdienst und Hilfe der Arbeiterschast für erwerbslose Jugend. 4. Krcl» Prenzlauer Berg. Freitag. 5. August, Itzy, Uhr, Bezirksamt Dan» ziger Str. 84, Zimmer 29, wichtige Sitzung und Altenerledigung der Arbeiter. Wohlfahrt. Arbeilsgemeinschafi der kinderfreunde Groß-verlin. Kreis Weddiug. Auf dem Dampfer ist eine Regenkappe liegen» Ü665iä8l geblieben. Abzuholen vou O. Metzner, Brllfseler Str. 33. Dienstag, 9. August, Krcishelferversainmlung. Näheres folgt.— Abt. Schiller» ÄiESfiß««* park. Unsere Gruppenabende dexinnen am Montag, dem 8. August, r,W Wx in der Turnhalle Lllttichcr Str. 4. Mittwoch und Freitag im Polis. MiäfaeEB park Rehberge. Bei schlechtem Wetter Mittwoch im Heim See» Ecke i'n.bawi Turiner Stratze.— Abt. Humdaldthain. Die Gruppenabende finden ab Montag wieder rcgelmätzig in der Schule Putbusser Str. 22 statt. 12. Krei» Steglitz. Heute,«IH Uhr. Nachuntersuchung der Zeltlager, und Restfalkenlagerteilnehmer bei Frau Dr. Pincus, Lichterfelde, Hortensienylatz 1. — Abt. Lichterfelde. Freitag, 17 Uhr, Rote Falken und Jungfalken, Sitdfront. Bei schlechtem Wetter Oberrealschule. Kreis Rculöllu. Die Gruppenabende werden ab Freitag wieder aufgenommen. Zeltlagsrteilnchmer. Zu Dienstag, 9. August, rufen wir euch zu einer letzten Vollversammlung um 17 Uhr zur Sonnenallee auf. Fllr unsere weitere Arbeit ist es wichtig, das alle Sungfalicn und Rote Falken leinschlietzlich der Dritzcr) erscheinen. Alle anderen Falken sind eingeladen.— Nachuntersuchung unserer Zeltlagerteilnehmer findet am Montag, dem 8. August, Tellstr. 9, ab 15 Uhr, statt.— Abt. Jungvolk. Alle Falken sind morgen, Freitag, 17 Uhr, aus dem Sportplatz Sonnenalles.— Abt. Lichtkämpfsr. Morgen, Freitag, Nih Ubr: Rote Falken in der Baracke, Jungfalken und Nestfalken im Heim Bergstr. 29. All« sind zur Stelle. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 15. Abt. Am 1. August verstarb nach langem schwerem Leiden unsere De. nosstn Gertraud Neumann, ffeldstr. 8. Wir werden ibr Andenken stets in Ehren halten. Beerdigung Donnerstag. 12 Uhr, auf dem Städtischen Friedhof in Mar, zahn. Fahrverdindung: U-Bahnhof Friedrich-felde. 53. Abt. Am 1. August verstarb unser Genosse Otto Wolf. Ehre seinem Andenken. Beerdigung am Donnerstag, dem 4. August, 18 Uhr, aus dem Neuen Iohannts-Kirchhos, Plötzensee. Um rege Beteiligung wird gebeten. MI K Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Veriin H?» I raJ Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugends-kretariat Ast— 13— iflgF Berlin SD 68, LIndenstratze 2, vorn I Treppe recht». Vorsttzendenkonserenz heute, 19Vi Uhr, im Preußischen Landtag, Saal 5. Ohne Ausweis und Mitgliedsbuch kein gutritt. Prolotarifchea Orchester der SAJ. Heute, 20 Uhr, Probe im Heim, Neukölln, Böhmische Str. 1—5. Die Plaketten„Jugend gegen Krieg* sind augenblicklich vergriffen! Wenn weitere Lieferung ersolgt ist, geben wir an dieser Stelle Mitteilung. Heule, Donnerslaa, 20 Uhr: Sportpalast: GentHiner Str. 17. Falkenabend.— Humboldtbain: 18 Uhr Spielen im Humboldthain.— Aruswaider Platz 17: Schönlanker Str. 11. Mit. gliederversammlung.— Falkplatz I: Sonnenburger Str. 20. Lustiger Abend. — Hnmaunplatz: Gleimstr. 33—35. Mitgliederversammlung.— Schönhauser Borstadt: Sonnenburger Str. 20. Von Sport und Wanoern.— Andrcasp'az I ch e Länder. Daran ist besonders die Ausfuhr nach Großbritannien beteiligt, da die britischen Zölle für«ine Reche deutscher Waren den Zugang völlig gesperrt haben. Während die Ausfuhr nach Großbritannien im ersten Viertel- jähr noch 150,3 Millionen Mark ausmachte, betrug sie im zweiten Bierteljahr nur noch 78,3 Millionen Mark. Der Ausfuhrüber- s ch u ß in der deutschen Handelsbilanz mit Großbritannien ging von 66 Mllionen im ersten Bierteljahr auf 19 Millionen Mark im zweiten Vierteljahr zurück, während er im zweiten Vierteljahr 1931 noch 130 Millionen Mark ausgemacht hatte. Auch diese Ziffern zeigen mit Deutlichkeit, mit welcher Vor- ficht Deutschland seine handelspolitischen Beziehungen zu pflegen hat. Daß der Warenabsatz nach der Schweiz so stark zurückge- gangen ist, ist sicher eine Folge der Kündigung des deutsch-schweize» tischen Handelsvertrages. In bedenklichem Maße ist auch die Aus- fuhr nach den Riederlanden zurückgegangen. Wo bleibt die Wirtschast? j�uhe und Ordnung durch Arbeit! Es krochen die Bombeneinschläge und die Revolverschüsse, Stahl- ruten, Totschläger und Gummiknüppel sind in Tätigkeit; es gibt Tote und Verwundete. Die Mordbanden der Nazis, die Polizei und die Aerzte haben Arbeit. Und die Arbeitslosen? Die Wahlen sind vorbei, die Regierung ist. so sagt sie wenigstens den ausländischen Presseberichterstattern, aufs höchste befriedigt. Sie kann endlich in Urlaub gehen. Man kündigt an, daß die Bestim- mungen über den freiwilligen Arbeitsdienst ob 1. August in Kraft treten, und daß heute die Ausführungsbestimmungen dazu veröffent- licht werden. Wo aber bleibt die Arbeitsbeschasfung? Wo bleibt die Ankurbelung der Wirtschaft? Nicht nur die sechs Millionen Arbeitslosen warten vergeblich und verzweifelnd, daß man sich ernsthaft und energisch um die Beschaffung von Arbeit bemüht: auch die noch in Arbeit Stehenden fragen sich mit Recht, auf wie lange sie noch Arbeit haben werden. Der Derbrauch schrumpft von Monat zu Monat ein und damit unvermeidlich die Produktion. Die fixen Kosten der Unternehmungen lasten immer schwerer auf den gesamten Herstellungskosten, weil die Betriebe nur zu einem immer kleiner werdenden Teil ausgenutzt werden können. Die Steuereingänge vermindern sich, die Ausgaben der öffenllichen Hand steigen trotz aller Notverordnungen, die die Unterstützungen aus ein unerträgliches Hungerniveau reduzieren. Nicht nur die Wirtschast feiert. Auch die Regierung scheint des Glaubens zu sein, daß sie das Recht habe, die Arme zu kreuzen und die Wirtschaft weiter in den Abgrund laufen zu lassen. Wenn sie sich wirklich der Illusion hingeben sollte, daß Ruhe und Ordnung gesichert, wenn republikanische Beamte abgesetzt werden und wenn man den„aufbauwilligen Kräften der nationalen Bewegung" die Straße freigibt, so müssen wir schon aussprechen, daß sie sich in einem grundlegenden Irrtum befindet. Wenn die Terroristen der Polizei und den Gerichten Arbeit geben, so ist damit weder der Wirtschaft noch den Arbeitslosen geholfen. Es besteht nicht die geringste Aussich dafür, daß diese Methoden irgendwie zu einer Besserung der Wirtschaftslage führen können. Ohne Pessimist zu sein, kann man vielmehr annehmen, daß das Gegenteil eintreten wird. Man kann heute schon voraussehen, daß innerhalb weniger Monat« die Zahl der Arbeitslosen ganz be- trächtlich höher sein wird, als sie es heute schon ist, höher als sie im letzten Winter war. Wie glaubt die Reichsregierung dann den Haushalt des Reiches, der Lander und Gemeinden in Ordnung zu holten? Glaubt sie ernsthast, daß dann Ruhe und Ordnung gesichert werden können? Wir verstehen durchaus, wenn die Reichsregisrung. die nun einmal von den Nationalsozialisten abhängt und ihnen Konzessionen machen muß, den sogenannten freiwilligen Arbeitsdienst ausbaut und daran denkt, die Arbeitsdienstpflicht einzuführen. Zunächst hofft man ZllO 000 Freiwillige unterzubringen und dann l Million Arbeits- dienstpflichtige. Wenn man die Kostenfrage auch ganz unberücksichtigt läßt— und sie ist wahrlich nicht eine sekundäre Frage—, so kann man aber nicht die Frage außer acht lassen, was mit den übrigen fünf, sechs oder sieben Willionen Arbeits» losen und ihren Familienangehörigen geschehen soll. Soll die steie Wirtschaft, sollen die Steuerzahler außer den Kosten für den Arbeitsdienst auch noch die Kosten für diese fünf, sechs oder sieben Millionen Arbeitslosen mit ihren Familienangehörigen aus- bringen? Und wie lange glaubt man. daß die Steuerzahler dazu in der Lage sein werden? Wir möchten wissen, ob sich die Reichsregie- rung mit diesen Fragen überhaupt schon und ob sie sich mit ihnen e r n st h a f t beschäftigt hat. Daß der Lohnabbau, daß die Gehalts- kürzungen nicht zu einer Belebung der Wirtschaft, nicht zu einer Verminderung der Arbeitslosigkeit führen, sondern im Gegenteil die Arbeitslosigkeit noch vergrößert haben, das braucht wohl nicht erst bewiesen werden. Die Frage ist nun, wie sich die Regierung, die sich gern Ihrer Energie rühmk. die wiedereinreihung der Arbeitslosen in die Produktion vorstellt. Wir hörten Rundfunkreden des Reichswehrministers, des Reichs- innenministers, des Reichskanzlers, wir lasen ihre Interviews. In diesen Reden und in diesen Interviews wird eine Polizeisprache oder eine Militärsprache geredet. Von Wirtschaft ist nichts zu spüren, von Arbeitsbeschasfung hört man nichts. Dieses aber ist in Deutschland das Kernproblem, ohne dessen Lösung weder Polizei noch Reichswehr ausreichen werden, um die Ruhe und Ordnung in Deutschland aufrechtzuerhalten. Von der Lösung dieses Problems hängt es vielmehr ab, ob wir wieder zu Verhält- nisten zurückkehren werden, die nicht, wie die heutigen, eine Schande für die deutsche Nation sind. Kampskrafi trotz Krise. Verbandstag der Lederarbeiter. Im Frankfurter Volksbildungsheim tagt zur Zeit der 2 0. V e r- bandstag des Deutschen Lederarbeitervorbandes. Der Geschäftsbericht, den der zum Tagungsvorsitzenden ge- wählte Verbandsvorsitzende M a h l e r für die letzten vier Jahre er- stattete, ist eine deutliche Antwort auf die zur Zeit gegen die Ge- werkschaften betriebene Hetze. Wenn bei einem Bestand von 20 bis 30 Proz. Arbeitslosen und 30 bis 40 Proz. Kurzarbeitern— so führte Mahler aus— im Jahre 1S30 die Tariflöhne erhalten wurden, so war das eine ebenso große Leistung wie die Durchsetzung von Lohnerhöhungen in den vorhergehenden Jahren. Im Jahre 1928 konnten Lohnerhöhun- gen von 4 bis 8 Pfennig die Stunde erzielt werden, 1929 von 3 bis 4 Pfennig: im Jahre 1930 wurden die Stundenlöhne in allen Be- zirken gehalten: 1931 ließen sich Kürzungen von Tariflöhnen von 4 bis 10 Proz. nicht abwenden. Manche Lohnabbaumaßnohmen hätten allerdings einen geringeren Umfang angenommen, wenn die betreffenden Belegschaften nicht in Nervosität Abschlüsse getätigt hätten, ohne ihren Gauleiter zu befragen. Die Einnahmen sind unter dem Druck der Krise zurück- gegangen und die Ausgaben gestiegen. In den vier Berichtsjahren zusammen, betrugen die Einnahmen des Verbandes S 474 000 Mark, die Ausgaben 5 412 000 Mark. lieber 60 Proz. dieser Ausgaben fanden für llnlerstühung Verwendung und nur 22 Proz. für Propaganda, Gehälter und Konferenzen. Mit dieser Zusannnenstellung— betonte Mahler— sind alle die üblen Verleumdungen, die von den RGO.-Helden in die Welt gesetzt wurden, glatt widerlegt. 321 Lohnbewegungen wurden ohne Arbeitsein- stellung und 20 Lohnbewegungen mit Arbeitseinstellung durchgeführt. Für über S8 000 Personen wurden Lohnverbesserungen erzielt, für über 60 000 Personen Lohnoerschlechterungen abgewehrt. Zu den Bestrebungen auf Verschmelzung des Verbandes mit den Organisationen der Sattler, Tapezierer, Portefeuiller und Schuhmacher bemerkte der Verbandsvorsitzende, daß der Haupt- st r e i t p u n k t im Problem der Jnvalidenunterstützung lag. Die Systeme der Jnvalidenunterstützung seien zu verschieden, vor allem aber zahlten die Lederarbeiter schon seit 1925 für die In- validenversicherung, während die Schuhmacher erst beginnen wollten. Im übrigen habe sich auch die Meinung über die Bedeutung der Verschmelzung in letzter Zeit geändert. Statt einer Zentralisation halte man vielerorts wieder eine Dezentralisation für die günstigere Organisationsform. Auch stünden die katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnisse den Verschmelzungsbestrebungen im Wege. Die Stoß- kraft der Verbände nehme in einer schlechten wirtschaftlichen Zeit bei einer Zusammenfassung, die einen kostspieligen Umbau erfordere, nicht zu. Mit Schärf« wandte sich Mahler gegen den durch die Notoerord- nung vom Dezember des vergangenen Jahres erfolgten staatlichen Eingriff in die tariflichen Verhältnisse. Er betont«, der gewerkschast- liche Widerstand hätte trotz der ungünstigen Konjunktur sehr wohl ausgereicht, um das Ausmaß unvermeidlicher Kürzungen erheblich zu mildern. Wenn jetzt die Reaktion trotz des freigewerkschaftlichen Widerstandes das Schlichtungswesen aufhebe, dann würden eben die Lohnkämpfe von der Arbeiterschaft allein ansgefochten werden. Bedauerlicherweise würden die kommenden Kämpfe durch die Hal- tung der REO. und der Nazis von vornherein wesentlich erschwert. Solange der russische Rubel rolle und die schwerindustriellen Haler- Gelder flössen, werde die gewerkschaftsfeindliche Zellenbildung in den Betrieben nicht aufhören. Die beste Abwehr der gegen die Arbeiter- klaffe gerichteten Angriffe liege neben der eigentlichen gewerkschast- lichen Arbeit auf politischem Gebiete darin, daß der Verband und seine Mitglieder wie bisher die Sozialdemokratische Partei unterstützen. Den Kassenbericht erstattete der Hauptkassierer Bock. Dur den Verbandsausschuß gab Roll»München«ine Schilderung von den höchst verwerflichen Quertreibereien der NGO.- Leute in den Ort-vereinen. Man könne zwischen den Arbeiter- verderbern in der RGO. und denen in den Nazizellen kaum mehr einen Unterschied machen. Dem Zentraloorstand sei vorzuwerfen, daß er gegenüber den Umtrieben nicht von Anfang an scharf genug durchgegriffen habe. Als Vertreter der Redaktion der„Leder- arbeiter-Zeitung" betonte L o ß- Berlin, solange die Kom- munistische Partei durch ihre Abhängigkeit von Moskau gezwungen werde, die dort ausgegebenen Parolen zu befolgen, könnten die deutschen Gewerkschaften nicht mit der KPD. zusammenarbeiten. Nur die Sozialdemokratische Partei sei die Partei der arbeitenden Massen. In der Aussprache wurden die Umtriebe der RGO. durch zahl- reiche Redner scharf verurteilt. In seinem Schlußwort führte Mahler au?, daß die Einführung der 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich vielleicht eine heillose Akkordschufterei mit sich bringe. Die Kürzung der Arbeits- zeit von 48 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich bedeute eine er- hebliche und sehr fühlbare Lohnkürzung um 17� Proz. Die Entlastung der Verbandsinstanzen wurde mit allen gegen drei Stimmen erteilt. Internationale Aktion. Beschlüsse der Lithographen und Steindrucker. Vor kurzem hielt der Internationale Bund der Lithographen und Steindrucker unter dem Vorsitz von Haß- Deuffchland in Stockholm seinen ordentlichen Kongreß ab. Unter genauer Abgrenzung und Umschreibung der einzelnen Kategorien und Berufe ist ein einwandfreier Vergleich der Löhne in den angeschlossenen Ländern vorgenommen worden. Die Lithographen-Jnternational« wurde damit in die Lage versetzt, nach einem gründlichen und umfassenden Bericht des Referenten Haß einem Minde st Programm zuzustimmen, das auch die auf dem Kongreß vorgenommene Errichtung eines inter- nationalen Wider st andsfonds(50 Mark pro Jahr und Mitglied) und damit die baldige Beschaffung und Verwendung finanzieller Mittel zur Durchführung dieser Forderungen in den einzelnen Ländern voll rechtfertigt. Da nun für alle ange- schlossenen Länder in bezug auf die Reallöhne zahlenmäßig genaue Angaben vorliegen, steht genau fest, wo und wie die Aktion zum internationalen Ausgleich und zur internationalen Verbesserung der Arbeitsbedingungen einzusetzen hat. In der Frage der Arbeitszeit nahm der Kongreß«ine Resolution an, in der die seinerzeit vom Internationalen Gewerk- schastsbund gefaßten Beschlüste hinsichtlich einer allgemeinen Ver- kürzung der Arbeitszeit bestätigt und unterstrichen werden. Der internationale Sekretär R o e l o f s wurde einstimmig wiedergewählt. Im Exekutivkomitee trat an die Stelle des österreichischen Mitgliedes der schwedische Kollege Lindblom als Vertreter der skandinavischen Länder, so daß nun in der Exekutiv« Deuffchland, England, Holland, Belgien und Schweden verteten sind._ Erschreckende Krisenwirkungen. Zwischen 28 und 88,4 Prozent arbeitslose Maler. Das soeben veröffentlichte Jahrbuch 1931 des Verbandes bietet ein wahrhaft erschreckendes Bild von der Arbeitsmarktlage im Malergewerbe. Mit fast 78 Prozent erwerbsloser Mitglieder begann für den Verband der Maler das Jahr 1931, mit 88,4 Prozent schloß es ab! Selbst im Monat Mai, der die g ü n st i g- st e n Beschästigungszahlen aufweist, waren noch 65,4 Pro- zent, also weit mehr als die Hälft« der freigewerkschaftlich or- ganffierten Maler arbeitslos. Wie nachteilig sich diese beispiellos hohe Arbeitslosigkeit in- folge des Ausfalles von Beiträgen auf die Finanzen der Or- ganisation ausgewirkt hat, zeigt folgender Vergleich: Ohne den Invalidenbeitrag gingen für die Hauptkaste des Malerverbandes im Jahr« 1928 an Mitgliederbeiträgen insgesamt 1,97 Millionen Mark«in; 1931 dagegen nur noch 0,95 Mllionen Mark, also über 1 Million Mark weniger als 1928. Selbst im Krifenjahr 1930 kannte die Hauptkaste des Malerverbandes noch 1.58 Millionen Mark reine Beittagseinnahmen verbuchen. Fast die gesamten Beitragseinnahmen der Hauptkaste, näm. lich 948 744 Mark, sind im Berichtsjahr in Form von Unter- stützungen wieder an die Mitglieder zurückgeflossen. Für di« Unterstützung der erwerbslosen Verbandsmitglieder wurden allein 491 686 Mark ausgegeben. Diese erstaunlichen Leistungen sind ein sichtbarer Beweis dafür, daß auch der Malerverband auf starkem finanziellem Fundament beruht. Auf Grund dieser Stärke war es ihm trotz der großen Arbeits» losigkeit auch im vorigen Jahr« noch möglich, den unverschämten Lohnabbousorderungen der Unternehmer erfolgreich Widerstand leisten zu können. Man findet in dem Jahrbuch nämlich nicht nur die Mitteilung, daß für rund 87 000 Malergehilfen im vorigen Jahr eine Lohnsenkung von durchschnittlich 10,18 Mark pro Woche eingetreten ist, sondern daneben auch den Hinweis, daß für 86 322 Gehilsen ein Lohnobzug von durchschnittlich 8,39 Mark pro Woche abgewehrt werden konnte. Diese eine Gegenüberstellung zeigt wieder einmal recht deutlich, daß der Gewerkschaftsbeitrag auch in den schärfften Krisenzeiten eine zweckmäßige Kapitalanlage ist, von deren Ertrag allerdings auch die großmäuligen Unorgani- sierten profitieren. Im Laufe des Berichtsjahres trat ein Verlust von 6332 Mit- gliedern oder 11 Prozent des Gefamtmitgliederbsstandes vom Jahresschluß 1930 ein, so daß der Malerverband Ende 1931 ins- gesamt 51 562 Mitglieder zählte. Trotz der fürchterlichen Arbeits- losigkeit blieb der Mitgliederverlust also unter dem Durchschnitt der dem ADGB. angeschlossenen Gewerkschaften. Eine allgemeine Besse- rung der Beschäftigungslage, mit der ober unter dem Haken- und Papenkreuz in nächster Zeit kaum gerechnet werden kann, wird auch dem Malerverband die jetzt verlorengegangenen Kämpfer schnell wieder zuführen. Das Gefüge des Malerverbandes ist jeden- falls auch durch das Krisenjahr 1931 nicht gelockert worden, so daß er gegenüber seinen Partnern im anderen Lager ein Machtfaktor geblieben ist, der nicht mißachtet werden kann. Berufsschuh des Beamten. Gemeinsame Interessen mit der Arbeiterschaft. Der Beamte hat vor der übrigen Arbeiterschaft voraus di« Eiche- rung seiner Arbeitsstelle. Auch die Notverordnungen, die empfindlich sein Einkommen angriffen, haben hierin keine Aenderung gebracht. Die preußische Notverordnung vom 12. September 1931, die di« Möglichkeit einer Versetzung des Beamten in ein anderes, auch in ein untergeordnetes Amt vorsah, wurde vom Reichsgericht für v e r- fassungsrechtlich unzulässig erklärt. So ist dem Beamten, dem in seiner Bindung an sein Amt geringere persönliche Freiheit als den übrigen Arbeitnehmern zusteht, die Grundlage seines Arbeitsverhältnisses, die berufliche Sicherheit, voll erhalten geblieben. Allerdings besteht diese Sicherheit nur für den auf Lebenszeit angestellten Beamten. Wie in seinem Rund- funkvortrag„Schutz der Arbeitsstelle des Beamten" Ministerial- rat Dr. Flatow mitteilte, gibt es rund 300 000 auf Kündi- g u n g angestellte Beamte, die zwar die Berufsbindungen der fest angestellten Beamten, nicht aber ihre beruflichen Rechte haben. Sie sind ungünstiger gestellt als die behördlichen Angestellten, da sie außerhalb des Betriebsrätegesetzes und der Gesetz« über den Kündigungsschutz stehen. Eine zurzeit besonders aktuell« Frage ist die nach dem Recht der Beamten auf politische Meinungsfreiheit. Di« deutsche Republik hat sie im Artikel 130 der Reichsverfassung aus- drücklich gewährt: doch besteht die selbstverständliche Einschränkung, daß der Beamte, der aus die Verfassung vereidigt ist, nicht in einer Partei wirken darf, die politische Ziele auf ungesetzlichem Wege er- reichen will. Der Aufstieg in die Laufbahn eines auf Lebenszeit angestellten Beamten ist dem Anwärter heute durchaus nicht immer gesichert. Doch nicht nur die berufsrechtlichen Fragen dieser Beamtenanwärter, auch die der festangestellten Beamten greifen eng ineinander mit denen der übrigen Arbeiter und Angestellten. Deshalb betonte Mi- nisterialrat Flatow am Schluß seiner Ausführungen, es sei un- erläßlich, daß beide Berufsgruppen sich dieses Zusammenhanges voll bewußt werden und die Beamtenverbände der Gestaltung des Arbeitsrechtes, die anderen Gewerkschaften der Gestaltung des Be- amtenrechtes ihr Interesse widmen. Zm Maßschneidergewerbe sind die Lohnabkommen von den Arbeitgebern zum 31. August gekündigt worden. Gefordert wird ein neuer Lohnabbau von rund 26 Proz. Hier kann man nur sogen, daß die Schneidermeister selbst die Schwerindustriellen an reaktionärer Verbohrtheit und wirtschaftlicher Unvernunft um einige Ellen übertreffen._ T» Freie Gewertschafts-Lugend Verlln t Heute, IS't, Uhr, tagen die Kruppen: Tüdasten: Jugendheim Reichen» berger Str. KS. Hcimbesprechung, Kampfliederabend.— Tempelhof: Jugendheim, Lyzeum Germaniastr. 4— 6. Der Zugang erfolgt durch den Eingang Eötzstrahe, auf der hinteren Seite der Schule. Heimbesprechung. Ver. bandsbuchkontrolle.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. Iii— 19. Heimbe- sprechung. Verbandsbuchkontrolle.— Staaken: Jugendheim der 17. Volksschule, Gartenstadt, Kirchplab. Endhaltestelle Autobus 91. Heim ist geschlossen. Wir treffen uns um 19 Uhr auf dem Schulhof.— Schönhauser Tor: Jugendheim Tieckstr. 18. Heimbesprechung. Wir erzählen von unserem Beruf.— Landsberger Platz: Jugendheim Diestelmeyerstr. ä. Hcimbesprechung.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. 2. Vortrag: Die Stellung der Frau in der Gesellschaft.— Steu-Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr 44. Gewerkschaften und Einheitsfront. — Osten: Jugendheim Frankfurter Allee 397, Läns-gimmer. Heimbesprechung: Lehrlingsschutz. Lehrlingsrecht.— Sesnndbrunnen: Jugendheim Rote Schul«, Gotcnburger Str. 2. Heimbesprechung. Buchkontrolle.— Ztöpeniik: Jugendheim Grünauer Str. ö sNähe Bahnhof Spindlersfeld). Heimbesprechung.— Schlesische» Tor: Jugendheim Manteuffelstr. 7. Die wahre Einheitsfront.— Wir spiele» ab l8 Uhr: Iugendgruppe des Deutschen Bekleidungsarbeiter-Verbandes: Treptower Biese, Nr. 8. Iugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten sKp Heute finden folgende Veranstaltungen statt: Norden: Jugendheim Lortzingsti. 19. Der Kamps im Fernen Osten— seine wirtschaftlichen und politischen Hintergllnde.— Oft«»: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Arbeitsgemeinschaft: Kunst der Völker: Russische Kunst.— Treptow: Jugend. heim Elsenstr. 3(Vrivathaus). Arbeitsgemeinschaft: Der arbeitende Mensch in der Kunst.— Die Freie Angestelltenbank e. G. m. b. H. tagt heute von 29 bi« 22 Uhr im Berbandshaus.— Spiele im Freien: Ab 18 Uhr Sportplatz Tier. garten und ab 18ZH Uhr Sportplatz Friedrrchshain, Platz 9. Der„Vorwärts- erscheint wochentäglich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgabe sllr Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend-, Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Anzetgenpreise: Die e i n sp a l t. Millimeterzeile 30 Pf., Reklamezeil« 9.— M, „Klei»« Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf.< zulässig zwei fettgedruckte Worte) jede» weitere Wort>0 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über ,3 Buchstaben zähle» für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 23 Pf. Famililnanzeigen Millimeter- zeil« i« Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstratz« 3, wochentäglich von 8>li bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich da» Recht der Ablehnung nicht go- nehmer Anzeigen vorl Verantwortlich siir Politik: Victor Sch>sl; Wirtschutt:<9. Kltugelhöser! Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Herbert Leptr«; Lokale» und sonstiges: Fritz Karstadt, Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdruckers und Lerlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin EW. 68, Lindenstratz« L Hierzu 2 Beilage-.*