Nedaktion u. Expedition: Berlin SW K8, Lindenstr.Z Tel. �7 Dönhoff 292— SS? BERLIN Donnerstag 4. Angnst 1932 10 Pf. Nr. 364 B 122 49. Jahrgang Erscheint täglich außer Sonntage Zugleich Abendausgabe des„Borwärts". Bezugspreis fürbeide Ausgaben 75 Pf. pro Woche, Z,25 M. pro Monat(davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) lm voraus zahlbar. Postbezug Z,S7 M. einschließlich �«lf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebühren. Anzeigenpreis s Die Ifplt. MiM- meterzeile 90 Pf. Die Rellamezeil« kostet 2 Mark. Rabatte n. Tarif. SchiuB mit der merdseuchel Selbst die Regierungspresse fordert das jetztl Ostpreußen im Fieber Die Erregung wächst stündlich „Unter allen Umständen und schonungslos muß Schluß mit der neuen Mordseuche gemacht werden und zwar sofort." Diese Forderung stellt die„DÄZ." an die Spitze ihrer neuesten Ausgabe. Leider, fügt sie hinzu, scheine es sich zu bestätigen, daß sich diesmal auch innerhalb der radikalen � Rechten Elemente gefunden haben, die sich an Leib und| Leben politischer Gegner vergreifen. Im übrigen kommt sie auf ihr Universalmittel zurück: Die Nazis müssen in die Regierung— dann werden sie aufhören zu morden. Die„Berliner Börsenzeitung" gibt zu verstehen, daß es zwar um abgeschossene Sozialdemokraten und Kommunisten nicht schade sei, aber im Interesse der Staatsautorität müßten die Nazis„ihre begreifliche Wut zügeln". Wenn es dem Braunen Hause nicht gelinge, die Ausschreitungen binnen kürzester Frist abzustoppen, werde„mit drakonischer Schärfe" vorgegangen werden. Klarer und eindeutiger stellt sich die„Germania", die ja augenblicklich nicht zur Regierungspresse gehört, zu den ostpreußischen Ereignissen. Sie verweist auf die peinliche Lage der Papen-Regierung, die angeblich im Interesse an Ruhe und Ordnung die preußische Regierung ver- drängte um nun Ruhe und Ordnung durch ihre eigenen Schützlinge so schwer gestört zu sehen. Wo blieben die „drakonischen Mittel" gegen dieses Treiben: Warum wirb hier nicht durchgegriffen? Hat man etwa Bedenken, mit einer entschiedenen Entwaffnungsaktion der SA. wehe zu tun? In anderen Fällen, wo die Dinge staatsrechtlich und politisch viel schwieriger lagen, hat die Regierung sehr viel schneller den Mut zum Handeln gefunden. Die Ausgabe der Re- gierung, den politischen Terror, wo immer er auftritt, mit allen staatlichen Machtmitteln zu unterbinden, liegt doch wohl restlos klar auf der Hand. Will man die Ding« weitertreiben lassen, bis aus der Saat der bisherigen Vorgänge, die den R e ch t s st a a t selbst in Gefahr bringen, eine noch verhängnisvollere und für die Staatsautorität selbst gefährliche Ernte erwächst? Die„Germania" unterscheidet sich von der derzeitigen Regierungspresse vorteilhaft dadurch, daß sie die Berank- w o r t u n g der NSDAP, für die neue Mordseuche klar feststellt. Im übrigen werden alle Versuche der Regierungs- presse, diese Verantwortung zu verdunkeln, von der national- sozialistischen Presse selbst zum Scheitern gebracht. Ein Blick auf die Ueberschriften im„Völkischen Beobachter" genügt: Selbstschuh gegen die marxistischen Blulheher. Der Volkszorn richtet sich gegen die rote hehpresse. Kommunistisches Hetzblatt beschossen. Sprengkörper gegen das Liegniher Dolkshaus. Schüsse aus das Goldberger Landratsamt. Die Beschießungen von Redaktionen, Volkshäusern und Landratsämtern werden somit als„Selbstschutz" und„Volks- zorn" rubriziert. Bekanntlich wurden auch in Marienburg die Wohnun- gen mehrerer Amtspersonen und republikanischer Führer nächtlicherweise unter Feuer genommen. Was schreibt der „Völkische Beobachter"— Herausgeber Adolf Hitler— dazu als Ueberschrift? „Verzweiflungstaten auch in Marien- b u r g." Adolf Hitler schließt die Revoloerschützen und Hand- granatenhelden in seine schützenden Arme. Ein feiner Volks- sührerl Und eine feine Regierungspartei! Das Numpfkabinett sitzt. Wegen der öffentlichen Ordnung. Heute vormittag 11 Uhr sind die in Berlin anwesenden Reichsminister zu einer Besprechung über die Wieder- Herstellung der öffentlichen Ordimng und Sicherheit im Reiche zusammengetreten. Der Reichskanzler und der Reichs- wehrminister nehmen an dieser Besprechung nicht teil, da sie außerhalb Berlins sind. Am Nachmittag hält die preußische Kommissarsregierung eine Besprechung über das gleiche Thema ab.__ Die ungarische Hängejustiz soll am 6. August in Miskolcz an dem Kommunisten Karitas die Erschießung eines Geistlichen in der Räterepublik vor dreizehn Iahren rächen. An„Schuld- beweisen" wird kein Mangel sein 25 Mitgefangene der inzwischen Gehenkten, Fürst und Szallni, haben in Budapest sechs Jahre ge° hungert und sollen nun auch noch mit Dunkelarrest in Ketten bei Wasser und Brot bestrast werdenl R. B. Königsberg, 4. August, 13 Uhr. Soeben läuft die Nachricht ein, daß auf das Amts- gericht Mehlauten im.Kreis Labia» ein Spreng- stoffattentat verübt worden ist. Personen sollen nicht verletzt worden sein. Jedoch ist erheblicher Sach- schaden an der Einrichtung und den Akten entstanden. Tie Ermittlungen wegen der Brand st iftungS- attentate am Montagmorgen— es handelt sich um die Ueberfälle auf das L t t o- B r a u n- H a u S, die demokratische„Hartungsche Zeitung" und die Jnbrand- setzung von drei Tankstellen— sind abgeschlossen. Tas Material ist an den Staatsanwalt gegangen. Tie Er- „Notwehr" Oer„Völkische Beobachter" bezeichnet die Königsberger Morde als Rotwehr und berechtigte Volksjustiz. „Drück' ab! Erstens ist es Notwehr, zweitens Volks- justiz und drittens hat nur das System schuld!" mittlungen über die M o r d a n s ch l ä g e sind dagegen noch nicht beendet. Ter Polizeipräsident von Königs- berg hat der Nationalsozialistischen Partei und der Kom- munistischen Partei erklärt, daß die heutigen Begrab- nisse nicht zu den gewöhnlichen Leichen- begängnifsen zu rechnen sind und daher nach Ncichsrecht verboten werden. Hierzu erfahre ich soeben, das» gegen 12 Uhr ein Schnellast wagen der Polizei— die Beamten mit Karabinern bewaffnet— vor das Leichenschauhaus der Universitätsklinik gesahrcn kam und die Leiche des ermordeten kommunistischen Stadtrats Sauff abgeholt hat. Es hatten sich schon jetzt, drei Stunden vor der angesetzten Ueberführung der Leiche eine nach vielen Hunderten zählende Menschenmenge angesaminelt, die de>n Ermordeten das letzte Geleit geben wollte. Tic Polizei räumte den Platz und führte die Leiche auf dem Schnellastwagen fort. Die Frau des schwerverletzten Chefredakteurs der „IlönigSbergcr Voltszeitung", Zvhrgatsch, die an dein Attentatsmorgci» von den Tätern als erste an der Wohnungstür überfallen wurde, hat bereits am Tiens- tag bei der Kriminalpolizei beantragt, den Verhafteten gegenübergestellt zu werden. Sie hat bis heute noch keine Vorladung erhalten. Da inzwischen eine Reihe Verhafteter wieder entlassen wor- den ist, hat sich Frau Wtzrgatsch direkt bei dem Polizei- Präsidenten beschwert und gefordert, das» sie sofort den Verhafteten gegenübergestellt wird. In der Parteizentrale Königsberg häuft sich das Material über nationalsozialistischen Terror in der Provinz zu Bergen und jeden Tag lausen neue Hiobsbotschaften ein. Die Berichte aus A l l e n st e i n, wo die Sozialdemokratie bei der Reichstagswahl sehr gut abgeschnitten hat, sind ein einziger Notschrei der terrori- sierten Bevölkerung. Man muß ganz klar aussprechen: So wie bis- her geht es nicht weiter! Die Lage ist zum Zerreißen gespannt! Die Führer der Partei in Ostpreußen haben bisher noch mit äußerster Energie die erregten Mitglieder von Vergeltungsmaßnahmen zurück- halten können; aber aus der Provinz vom gepeinigten flachen Lande erschallt immer lauter der Ruf nach schärfsten Abwehrmaß- nahmen. Kleine Anlässe können in dieser Situation genügen, um das Pulverfaß in Ostpreußen zur Explosion zu bringen. Die Autorität des Staates hat nicht wieder gutzu- machenden Schaden erlitten. Immer wieder hört man in den kleinen Städten und auf den Dörfern erbitterte Vorwürfe gegen eine Regierung, die die republikanische Bevölkerung schutzlos dem brutalen Terror von SA.-Banden überläßt. Nur einige Beispiele aus dem bei der Partei in Königsberg aufgestapelten Material mögen die Zustände in Ostpreußen kenn- zeichnen: Blutterror in AUenstein. In der Nacht vom 30. zun» 31. Juli stürmten SA.-Banden das Arbeiterlokal Konkordia, dabei wurden zwei Arbeiter lebensgefährlich verletzt. In der Nacht zum 1. August erfolgte ein zweiter Sturm auf das Gasthaus Konkordia. Er wurde von Arbeitern und herbei- geeilter Polizei zurückgeschlagen. In der Nacht vom 1. zum 2. August überfielen SA.-Banden in allen Teilen der Stadt Arbeiter, Reichsbannerkameraden, Per- sonen, die das Abzeichen der Eisernen Front und der KPD. trugen. Die SA.-Leute zeigten sich ganz frech nach außen hin schwer bewaffnet! Am Abend des 2. August wurde ein Trupp badender Arbeiter von SA.-Leuten mit Armeepistolen 08 be- schössen. Die wehrlosen Arbeiter konnten sich nur durch die Flucht retten. An dem gleichen Abend wurde ein Arbeiter, Karl B a g o s a t, der mit seinem Kinde am SA.-Heim vorbeiging, von sieben Nazis ergriffen, in den Vorgarten des SA.-Heims geschleift, mit Messern ge stachen und mit Füßen getreten. Er liegt in bedenklichem Zustande danieder. In der Nacht voin 2. zum 3. August stieg die Unruhe in der Bevölkerung, weil von allen Seiken SA.-Kolonnen der Stadl zustreblen. Die Führer des ADGB., der Eisernen Front, der Sozialdemokratie, der christlichen Gewerkschaften sowie der KPD. traten am Mittwoch- abend zu einer Beratung zusammen und forderten durch eine Delegation bei der Polizei sofortige Schließung der hiesigen SA.-Kaserne und den Abtransport der auswärtigen SA.-Truppen. Heute mittag um 2 Uhr wird diese Delegation mit dem Regierungs- Präsidenten verhandeln. Die Erregung der Allensteiner Bevölkerung ist derart, daß die Gefahr einer Notwehraktion ständig gegeben ist. In diesem Sinne haben die an der Konferenz Beteiligten vom Jen» trum bis zur KPD. auch die zuständigen Regierungsstellen unter- richtet. Goldap. In Goldap wurde gleichfalls in der Wahlnacht ein U e b e r- fall auf das Gewerkschaftshaus versucht. Die Nazis konnten aber zuriickgeschlagei» werden. Ein zweiter Versuch konnte dadurch von vornherein zunichte gemacht werden, daß die durch Konflikt im Ruhrgebiet Oas Mehrarbeiisabkommen gekündigt Landjäger verstärkte Polizei rechtzeitig verständigt wurde. Die Landjäger waren gezwungen, mit entsicherten Karabinern gegen die SA. vorzugehen, die auf der Flucht vier Pistolen verlor. Am anderen Morgen wurden auf dem benachbarten Kartoffelfeld noch sechs Brownings gesunden! Eine Anzahl weiterer Uebersälle werden aus ch e i l i g e n- linde, aus Altstadt im Kreise Mohrungen, aus O l s ch e w e n, aus L y k, aus Lätzen und verschiedenen anderen Orten der Pro- vinz gemeldet. Es ist nahezu unmöglich, alle einzelnen Fälle, von denen ein jeder dem anderen an Brutalität gleichkommt, zu ver- zeichnen. Ich konnte heute den ehemaligen sozialdemokratischen Landrat Lusft aus Gerdauen sprechen. Gegen diesen Landrat hat das hiesige Naziorgan seil Tagen eine neue wilde Hetze entfesselt. Was mir der Genosse Lusft über den Wahlkampf in Gerdauen und die Zustände in dem Kreise nach seiner Absetzung erzählte, spottet jeder Beschreibung. Die Nazis hatten während des Wahlkampfes die Chausseen blockiert, Rollkommandos an den Kreuz- punkten aufgestellt, ständigen Telephon- und Motormeldedicnst ein- gerichtet und andere Telephone bespitzelt. Ueberall waren Miß- Handlungen an der Tagesordnung. In der zweiten Stadt des Kreises, in Nordenburg, fand am 30. Juli eine glänzend besuchte sozialdemokratische Wahlver- sammlung statt. Außerdem war auch eine deutschnationale Ber- sammlung genehmigt. Die Nazis, die gleichfalls, aber verspätet und in unmittelbarer Nähe der sozialdemokratischen Kundgebung eine Bersammlung angemeldet hatten, erhielten hierzu keine Erlaubnis, da die Gefahr von Zusammenstößen gegeben war. Darauf zogen die be- rüchtigten Naziagitatoren, der Direktor der Landwirtschaftsschule Krüger, und der Rittergutsbesitzer Dr. Horn auf das Land- ratsamt in Gerdauen, wo sich der Kreisobersekretär als Berteter des Landrats befand. Nach groben Beschimpfungen wegen des Ber- bots der Naziversammlung in Nordenburg forderten die Naziführcr den Beamten auf, sich zu erklären, welche politische Gesinnung er habe und ob er die Maßnahmen des Landrats billige. Die srechen Provokateure wurden von dem Beamten aus dem Gebäude verwiesen. Die Verhetzung im Kreise Gerdauen geht soweit, daß die zu Ehren der„Niobe"-Besatzung auf halbmast gesetzte Reichsslagge von Nazis heruntergerissen, in den Echmuiz getreten und an ihrer Stelle das Hakenkreuz hoch- gezogen wurde. � Es gibt in Ostpreußen auch für staatliche Beamte kein Brief- und Telephongeheimnis mehr. In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag vor der Reichstagswahl traf das Telegramm mit der Absetzung des sozialdemokratischen Landrats Lufft in Königsberg ein. Bevor der Landrat aber das Telegramm in Gerdauen erhielt, war der Naziagitator Krüger bereits über die Ab- setzung informiert. Das Gerücht über die vollzogene Ab- setzung hatte sich bereits in Gerdauen herumgesprochen, bevor der Landrat das amtliche Telegramm in Händen hatte. Der Gesinnungsterror, der von den Nazis ausgeübt wird, wird am besten durch folgenden Fall gekennzeichnet: Der Vorsitzende des Kreisausschusses, Dr. S t e p u t a t, ehemaliger Landespräsident von Memel, ist der Vertreter des Landrats. Dieser wurde am Morgen nach der Absetzung des Landrats von den Nazis daraufhin gestellt, eine Erklärung abzugeben, wie er als Vertreter des Landrats die Verwaltungsgeschäftc zu führen gedenke. Selbstverständlich weigerte sich Dr. Steputat, auf diese provokatorische Anfrage eine Erklärung abzugeben. Bomben in München. Sie Seuche breitet sich aus. München, 4. August.(Eigenbericht.) 3n der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag haben die ausbau- willigen Kräfte Popens auch in München ihr neues Terror- s y st e m ausprobiert. So wurde der isoliert auf einer wiese stehende Holzbau des Zugendvereins Neuhausen in Brand g e st e ck t. Anwohner der Straße hörten kurz nach Mitternacht einen explosionsartigen Knall und sahen bald daraus dicke Rauch- schwaden aus dem unbewohnten llugendheim dringen. Die alarmierte Feuerwehr verhinderte die vollständige Zerstörung des Baues, doch ist der Sachschaden im Innern sehr groß. Nach der bisherigen Unter- st'chung ist der Brand auf eine Bombe zurückzuführen, die durch ein Fenster in das Hausinnere geworfen wurde. Die ersten Beobachter des Brandes bemerkten beim herannahen einige fliehende Radfahrer. Nach weiteren Angaben von Znfasfen des Tagesheims haben Nationalsozialisten wiederholt damit gedroht, das haus bei der nächsten Gelegenheit in Brand zu stecken. Kurz daraus kam auch aus dem benachbarten städtischen Stadion eine Jeuermeidung. Dort war ein Bierzelt vorsätzlich angezündet worden und außerdem das Wärterhäuschen der Straßenbahn. Weiter wurde um Z Uhr ein Schaufenster des Kaufhauses Uhl- felder eingeschlagen und ein mit einem Explosionsstoss gefülltes Rohr in die Geschäftsräume geschleudert, das aber nicht explodierte. Auch in dem benachbarten Kaufhaus Epa wurden zwei Schaufenster demoliert. Als Töter wurden zwei Motorradfahrer beobachtet, die unerkannt flüchten konnten. 3n dem vor München gelegenen Dachau wurden gegen die Schaufenster der Bayerischen volkspartei-Zeilung„Amper Sole" von unbekannten Tätern Steine geworfen. Die Steine zertrümmerten das siebenteilige Schaufenster und durchschlugen auch die rück- wärtige Glaswand. Keine Aotwehr für Gozialdemokraien. Gin Tendenzurteil in Görlitz. Görlitz. 4. August. Das hiesige Schöffengericht verurteilte den sozial- demokratischen R e i ch s t a g s a b g e o r d n e t e n B u ch- w i h. der in Görlitz porleifekrelär der SPD. ist, wegen Wassenmih- drauchs zu drei Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist. Der Angeklagte halte in einer Wahlversammlung in Königshain am 7. Dezember 1931 nach einem Referat, als er von zahlreichen im Saal anwesenden Nationalsozialisten bedrängt wurde, zwei Schüsse in die Lust abgegeben. Diese Schüsse will Buchwih in Notwehr abgegeben haben. Das Gericht sah aber Notwehr nicht für vorliegend an. In der Urteilsbegründung wurde u. a. betont, daß Buchwih unüberlegt gehandelt habe. * Genosse Buchwitz wird täglich mit Morddrohungen ver» folgt. Es wird förmlich Jagd auf ihn gemacht— aber die Justiz gesteht ihm kein Notwehrrecht zu! Der Tendenz- charakter des Urteils tritt klar hervor. Bochum, 4. August. fEigenbericht.) Tie Bergarbeiterverbände haben heute das Mehr- arbeitszeitabkommen im Ruhrbergbau für den nächstfälligen Termin, den 3t). September, gekündigt. Ta der Schlichter bei den Verhandlungen über den Manteltarif im Ruhrbergbau den Unternehmern das Recht zugestanden hat, bei einer Kündigung des Mehr- arbeitsabkommens im September in neue Verhandlun- gen über die Hereinnahme der Acht stunden- fchicht in den Manteltarif einzutreten, werden auch die Unternehmer das Mehrarbeitsabkommen kündigen. Damit kommt die Frage der Arbeitszeit im Ruhrbergbau ins Rollen. Es ist jetzt allerhöchste Zeit, dieses unsinnige Mehrarbeits- abkommen, dessen Voraussetzungen längst nicht mehr bestehen, zu beseitigen. Als dieses Mehrarbeitsabkommen ver- einbart wurde, war Deutschland verpflichtet, Kohlen zu Re- parationszwecken im großen Maße zu liefern. Außerdem bestand in Deutschland selbst ein großer Kohlenmangel. Es kam hinzu, daß die Kohlenförderung unter dem Raubbau während des Krieges außerordentlich gelitten hatte. Alle diese Umstände sind heute entfallen und somit auch jeder Grund zur Leistung von Ueberstunden. heute ist es vielmehr um- gekehrt so, daß die Belegschaften inzwischen um einige hundert- tausend Köpfe vermindert worden sind, und daß sie so reduzier- ten Belegschaften noch Feierschichten einlegen müssen. Es ist Organisatorische Muflerleistung Die Durchführung der Wahl.— Amtlicher Dank. Der Reichsminffter des Innern teilt mit: Die Wohl zum Reichstag hat über 4i'A Millionen deutscher Männer und Frauen zur Ausübung ihres staatsbürgerlichen Rechts aufgerufen. Vor- bereitung, Durchführung der Wahl und Ermittelung des Wahlergeb- nisses haben an das Organisationsgeschick und die Arbeitskraft der Behörden in Stadt und Land sowie an die Arbeitsfreudigkeit der Wahlvorstände hohe Anforderungen gestellt. Besondere Aufgaben kamen durch die Rücksichtnahme auf den sommerlichen Reiseverkehr und die neu eingeführte Abstimmung auf den Seefahrzeugen hinzu. Dem Schutze der Wahlsteiheit diente die Polizei in bewährter Pflichttreue. Ich spreche sämtlichen beteiligten Reichs-, Landes- und Kommunalbehörden und den zahlreichen Männern und Frauen, die in den Wahloorständen ehrenamtlich tätig gewesen sind, Dank und Anerkennung aus. In diesen Dank schließe ich besonders die Deutsche Reichsbahn-Gesellschast, die österreichischen Bundesbahnen, die deut- ichen Schiffahrtsgesellschaften wie alle übrigen Verkehrsgesellschaflen ein, die zur Erleichterung der Stimmabgabe wesentlich beigetragen haben. Bahn- und Bordwahl. Die Reichstagswahl im Reiseverkehr. Bei der Reichstagswahl 1932� hat das Reichsministerium des Innern erstmalig die B o r d w a h l und die A b st i m m u n g im Reis ev erkehr eingerichtet. Aus den großen Seeschiffen konnte abgestimmt werden, wenn mindestens Sl) Wähler mit Stimmscheinen an Bord waren. Aus den Uebergangsbaynhöfen war Gelegenheit geboten, mit Stimmschein auch außerhalb der allgemeinen Abstim- mungszeit zu wählen. Nach den bisherigen Mitteilungen haben sich die Neueinrich- tungen durchaus bewährt. So sind abgegeben worden aus dem Hauptbahnhof in Hamburg 1184 Stimmen, in Frankfurt am Main 1291, auf den Berliner Bahnhöfen 3228, in München 5159 Stimmen. Insgesamt war auf 47 Bahnhöfen Ab- stimmungsmöglichkeit geboten. An der Bordwahl waren u. a. be- teiligt von der Hamburg-Amerika-Linie die Schiffe„Deutschland", „Resolute", Taeoma", Oceana", Magdalena" und„General Arti- gas", vom Norddeutschen Lloyd die„Lützow", von der Woermann- und Deutschostafrika-Linie die„Wangoni", von der Hamburg-Süd- amerikanischen Dampfschiffahrtsgesellschaft die„Monte Rosa", von der Reederei Griebel-Stettin die„Rügen", von der Reederei Bräunlich- Stettin die„Hertha". Mittels der Bordwahl wurden bisher 2297 Stimmen erfaßt. Von den gültigen Stimmen entfielen auf die Sozialdemokraten 3 7 4, die Nationalsozialisten 979/ die Kommunisten 294, das Zen- trum 159, die Deutschnationale Volkspartei 352, die Deutsche Volks- partei 196, die Staatspartei 191 und 12 Stimmen auf die übrigen Parteien. Im bayerischen Hochgebirge waren im Schneefernerhaus auf der Zugspitze und im Watzmannhaus Wahllokale eingerichtet. Auf der Zugspitze wurden 729, auf dem Watzmann 158 Stimmen abgegeben. Kulturbolschewismus? Was die Rechte dem Reichstonimisiar gestattet. Der Kommissarius Bracht hat mit einem Federstrich nicht nur 59 preußische Kreise, sondern auch 69 kleine Amtsgerichte beseitigt. Dieser Federstrich war ihm freilich leicht gemacht, denn die Pläne zu eingehenden Verwaltungereformen waren in den Ministerien längst vorhanden, aber die Widerstände hoben plötzlich auf- gehört. Nicht etwa, weil die verfassungsmäßige Regierung beseitigt wurde. O, nein! Die Beseitigung der kleinen Amtsgerichte war bis- her stets und ständig gescheitert am erbitterten Wider st and der Rechten, zu der sich in diesem Falle auch der rechte Zentrumsflügel gesellte. Im Rechtsausschuh des Preußischen Landtags sind in den letzten Iahren verschiedentlich Anträge der Sozialdemokratie auf Beseitigung der Zwerg-Amtsgerichte beraten worden. Für die Rechte fiel dieses Bestreben unter den schönen Begriff des„Kultur- bolschewismu s". Die Redner der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei erklärten die Amtsgerichte in kleinen Land- städten für„Kultur- und G e i st e s z e n t r e n", die nicht angetastet werden dürfen. Vergebens wandten die sozialdemokratischen Redner ein, daß in Wirklichkeit die Verhältnisse ganz anders liegen: die Einzelrichter an den Zwerggerichten entbehren jeder Fortbildungsmöglichkeit und geistigen Anregung, sei es im Verkehr mit Kollegen, sei es durch eine entsprechende Bücherei, sei es durch Theaterbesuch usw. Anstatt eine Kultursphäre zu schaffen, versauern sie auf verlorenem Posten. Die Rechte hat dies nie einsehen wollen, sondern ist dabei geblieben, daß die Be- seiligung der kleinen Amtsgerichte„Kulturbalschewismus" sei. Jetzt hebt der Kommissarius Bracht die Amtsgerichte auf,— und kein Rechtsblatt übt ein Wortder Kritik. Ein Schul- also ein volkswirtschaftlicher Widerspruch und führt zu einer weiteren Verschärfung der Arbeitslosigkeit, wenn dieses Mehr- arbeitsabkommen oder gar die Arbeitszeit selbst verlängert würde. Keine Einigung im belgischen Bergbau. Wiederaufleben der Streikbewegung? Brüssel. 4. August. In der Sitzung der Gemischten Bergbaukommission unter dem Vorsitz des Arbeitsministers heyman, ist es zu keiner Eini- g u n g zwischen den Unternehmer- und Arbeitervertretern über die Beendigung des Streiks gekommen. Die Arbeiter fordern eine allgemeine fünfprozentige Lohnerhöhung. Die Unter- nehmer machen jede Erörterung von der vorherigen Beendigung des Streiks abhängig und versuchen zunächst, die Regierung zu einer verschärften Kontingentierung der Kohleneinfuhr zu veranlassen. Die Unternehmer im Kohlengebiet von C h a r l e r o i haben als Gegenaktion beschlossen, den noch im Ausstand befindlichen Arbeitern das Kohlendeputat zu entziehen. Die Gewerkschaften lehnen es andererseits ab, für die I u st o n d h a l t u n g der Gruben zu sorgen, wenn Arbeiter zu diesem Zwecke zwangsweise ausgehoben werden, statt daß die von den Gewerkschaften bestimmten Leute ver- wendet werden. Vielerorts Hot das Militär diese Aufgabe über- nommen. fuchs hat einmal behauptet: für die meisten Leute kommt es in der Politik nicht darauf an, was einer tut, sondern wer es tut... Für unsere Rechte trifft das offenbar zu! Oas Ende des Bestechungsprozesses. Lahr Gefängnis für Stadtbauamtmann Kießling in Potsdam. In dem feit einigen Wochen laufenden und soeben beendeten Potsdamer Bestechungsprozeß wurde der Angeklagte Stadtbauamtmann Rudolf Kießling vom Potsdamer Tiefbau- amt wegen einfacher Bestechung in vier Fällen zulIahr3Mo- naten Gefängnis verurteilt. Ferner wurde auf Aberkennung zur Befähigung der Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von 2 Jahren erkannt. 19999 Mark der beschlagnahmten Be- stechungsgelder wurden eingezogen. Die Bestechung bei Kieß- ling wurde darin erblickt, daß er von verschiedenen Lieferanten, die von der Stadt Potsdam Aufträge erhalten hatten, geldliche Zuwen- düngen angenommen hatte. Die übrigen Angeklagten Tiefbauunter- nehmer D ü b n e r, Techniker Gerbracht und Ingenieur K u m- lehn wurden auf Staatskosten freigesprochen. Gtadies Bestattung am Sonnabend. Die Verliner Chauffeure werden das Geleit geben. Nachdem die Staatsanwaltschaft die Leiche des ermordeten Kraftag-Ehauffeurs S t a d i e freigegeben hat, ist die Einäscherung und Trauerfeier auf Sonnabend nachmittag um 4.39 Uhr im K r e- matorium Gericht st raße festgesetzt worden. Abordnungen der Angestelltenschaft und der Taxischauffeure werden ihrem er- mordeten Kollegen das letzte Geleit geben, so daß sich die Trauer- seier für Stadie, ebenso wie es seinerzeit für den ermordeten Chauffeur Ponick der Fall war, zu einer Massenauffahrt von Kraftdroschken und zu einer eindrucksvollen Demonstra- tion gegen die Mordüberfälle aus Berliner Taxichauffeure gestalten wird. Die Verbände der Kraftdroschkenbesitzer und der Chauffeure, ebenso wie die Großunternehmen, haben sich angesichts des neuen Opfers abermals mit der Frage beschäftigt, wie man den Taxi- chauffeuren auf Fahrten in entlegenere Bezirke Schutz angedeihen lassen kann. Die Spurem, denen die Mordkommission nachgeht, haben bisher leider noch zu keinem Erfolg geführt. Ein gefährlicher Schäferhund. Kind in Spandauer Laubenkolonie schwer verlehi. In der Kolonie„S a n d w i e s e n" in Spandau spielte sich heute mittag ein ausregender Vorfall ab. Die 5 Jahre alte Ilse Gromann aus der Neuendorfer Straße 96 in Spandau wurde von einem großen Schäferhund angefallen. Das bissige Tier brachte dem Kinde schwere Verletzungen am Kopse bei. Durch die Feuerwehr wurde das Mädchen ins Städtische Krankenhaus Spandau ge- bracht. Der Schäferhund gehört einem Laubenkolonisten, der sein Grundstück in derselben Siedlung hat. Die kleine Gromann hatte in einem Laubengang gespielt, als plötzlich der Hund austauchte und über das Kind herfiel. Ein Ohr wurde der Kleinen völlig abgebissen. Auf die Schreie des Mädchens eilte der Vater herbei, der das wütende Tier verjagte. Später ist der Hund von der Span- dauer Polizei beschlagnahmt und dem Polizeitierarzt zur Unter- suchung übergeben worden. Aaziblätter werden amtlich. Wird der„Angriff" Reichsanzeiger? Ofsiziös wird gemeldet: Das preußische Staatsministerium hat in der Sitzung vom 27. Juli 1932 den Beschluß gesaßt, die ergangenen Weisungen über die Anwendung der Richtlinien vom 12. Oktober 1929 betr. die Auswahl von Zeitungen zur Bekanntgabe amtlicher Per- ösfentlichungen einer Nachprüfung zu unterziehen. Es werden deumächst neue Weisungen an die nachgeordneten Be- Hörden ergehen, die insbesondere auch die sofortige Ueberprüsung der bisher ausgesprochenen Maßregelungen anordnen werden. Die praktische Durchsühning der beabsichtigten Neuregelung wird allerdings noch eine gewisse Zeit dauern, weil damit eine Reihe schwieriger Fragen, teils grundsätzlicher, teils praktischer Natur, vornehmlich auf finanziellem Gebiet, verbunden ist. Die vor- bereitenden Arbeiten im Ministerium des Innern stehen bereits vor dem Abschluß. Das Haager Schiedsgericht hat den norwegischen Antrag um Erlaß einer ein sl welligen Verfügung im Grönland- Konflikt bekanntgegeben. Norwegen halle beantragt, der dänischen Regierung jedes gewaltsame Vorgehen gegen Norwegen in Südost-, Grönland zu untersagen. Bracht als Kohr. And Kube als zorniger Achilleus. Einigkeit! Einigkeit! Der Naziminister gibt eine„Mahnung" heraus! Eine Ueberraschung kommt aus Mecklenburg- Schwerin. Dort amtiert seit kurzem der Gutsbesitzer G r a n z o w- Severin, ein Schwager von Goebbels, als von Hitler bestellter Ministerpräsident. Dieser Nationalsozialist hat das Bedürfnis empfunden, einen Mahnaufruf an das Volk von Mecklenburg zu erlassen. Der Aufruf ist so schön, daß er hier wiedergegeben sei: „In der letzten Woche des Wahlkampfes hat der Streit der Parteien in Zeitungen wie im Flugblatt sehr unerfreu- liche Formen angenommen. Bei der Kritik dieser Methoden des„geisngen" Kampfes habe ich als Vertreter der Staatsregierung größte Zurückhaltung geübt. Nachdem die Wahl stallgesunden hat. halle ich mich für verpslichlet, die Leiter der presse und Führer der Parteien aufzufordern, diese Art der Berichterstattung einzustellen. Wer sich in so schwerer Zeit nicht zur Volks- gemeinschaft aller Deutschen bekennt und es ablehnt, der Eintracht zu dienen, gibt damit zu erkennen, daß er Gegner des Friedens und F e i n d d e s S t a a t e s ist. Er muß die Folgen eines solchen Ver- Haltens auf sich nehmen. Nicht gegeneinander, sondern m i t e i n- 3)er tfansemagen der ilasis, der in Hosgaismar von der Polizei beschlagnahmt und sicher- gestellt wurde. ander finden wir allein den Weg zur Rettung aller Stände und Berufe. Alle verantwortungsbewußten Staatsbürger rufe ich zur ernsten Mitarbeit auf." Der Aufruf klingt verdammt„moralisch". Wenn man weiß, daß Herr Granzow nur dem Kommando Hitlers seine Stellung verdankt, wie Rover und Freyberg die ihren, so mutet die Aufforderung zur„Einigkeit" geradezu wie eine Fuchspredigt vor Gänsen an. Die Parteigenossen des Herrn Granzow schießen im Lande die Re- publikaner über den Haufen, er aber erklärt jeden für einen„Staatsfeind", der sich in der Presse mit den Methoden der Hitlerei auseinandersetzt. Es könnte freilich den Nazis so passen, daß die kritische „Berichterstattung" schwiege, sobald einer der ihren von Hitlers Gnaden am Ruder ist. Aber so weit sind wir trotz Gayl und Bracht immer noch nicht in Deutschland! Macht Frieden! Ganz Amerika an Bolivien und Paraguay. Neunzehn amerikanische Regierungen unter der Führung Washingtons haben Bolivien und Paraguay gemeinsam erklärt, daß sie keine Gewaltlösung des Chacostreites an- erkennen werden. Das britische Außenamt hat die Vertreter Großbritanniens in La Paz und Asuncion angewiesen, die Friedensmahnung der amerikanischen Staaten nachdrücklich zu unterstützen. Auf den Appell des Völkerbundes hat die bolivianische Regierung geantwortet, Bolivien lehne es nicht ab, den Streit mit Paraguay durch friedliche Mittel zur Lösung zu bringen. Eine beigefügte Sachdarstellung schließt: Diese Tatsachen stellen Paraguay außerhalb der Gesetze und zwingen uns, uns selbst energisch zu verteidigen. Bolimanische Konzession an Chile. Santiago de Chile, 4. August. Der Präsident von Chile wird voraussichtlich binnen kurzem ein Dekret unterzeichnen, das einer bolivianischen Petrolenmgesellschaft die Erlaubnis erteilt, eine große O e l l e i t u n g auf chilenischem Gebiet anzulegen. Die Leitung soll zum Hafen Antosagosta oder Jguiqu« führen. Die Kosten des Baues, der Zehntausenden sBe- schäftigung bieten wird, werden auf 15 Millionen P s u n d geschätzt. Die Inhaber der Konzession werden sich verpflichten, alles von Chile benötigte Petroleum auf dem neuen Weg zu einem von der chilenischen Regierung zu bestimmenden Satz zu befördern und Petroleum für das chilenische Petroleummonopol 10 Prozent unter dem Marktpreis zu liefern. Der französische Marineminister Leygues empfing am Mittwoch zwei deutsche Marinsingenieurs Rücker von der Schjcha-uwerst in El- bing und Müller aus Hamburg, die ihm die Pläne eines Ber- gungsschiffes für untergegangene U-Boote ausein- andersetzten. Auf die Frage des Ministers, ob sie die Hebung des U-Bootes„Promethee" für möglich hieben, erklärten beide Inge- ineure jedoch, daß ihnen dies« Operation umdurchführbar erscheine. Der von Hitler bestellte Fraktionsführer der preußischen Land- tagsnazis, K u b e. hält es nach den Wahlen für nötig, einen heftigen Angriff auf die Regierung P a p e n zu ver- öffentlichen. Nachdem der Reichspräsident von Hindenburg Herrn Brüning und seine Regierung nach Hause geschickt habe, habe er den Zentrumskanzler von Papen sowie den deutsch- nationalen Freiherrn von Gayl in die Regierung berufen und, nun begann man mit einer neuen Methode, den Sieges- zug des Nationalsozialismus zu sabotieren. Herr von Papen habe dem Marxismus durch seine Not- Verordnung und durch das weite Hinausschieben des Wahltermins 2 bis 3 Millionen Stimmen gerettet. Ungehindert von der Reichs- regierung hätten die schwarz-roten Parteien in ungehemmter De- magogie gegen den Nationalsozialismus hetzen können. Das Verhalten des Reichskommissars Dr. Bracht zeige, daß dieser Zenlrumsmann den Rationalsozialisten gegenüber die Rolle des Herrn von Kohr zu spielen bereit sei. Der einzige Mann im Reich und in Preußen, der an dem Spiel der getarnten Zentrumsmänner nicht beteiligt sei, sei Reichswehrminister von Schleicher. „Wir Nationalsozialisten", sagt Kube,„haben gar keinen Anlaß, im Reich oder in Preußen auf die Herren von Papen, Dr. Bracht und Freiherrn von Gayl irgendwelche Rücksicht zu nehmen... Wir bedürfen auch keiner Belehrung durch Herrn Dr. Bracht über das, was Disziplin ist und über das, was die Staatsnotwendigkeiten verlangen... Wir Nationalsozialisten in Preußen lehnen eine Statthalterschaft getarnter Zentrumsleule in dem Staate Friedrich des Großen ab. Wir Preußen sind gewohnt, uns selbst zu regieren..Auch die getarnten Zentrumsleuie wollen davon Notiz nehmen, daß wir nicht darum ein Jahrzehnt und länger im härtesten Kampfe gestanden haben, damit als Endergebnis ein Kabinett angeblich neutraler Verwaltungs- aristokraten das Steuerruder des Reiches in die Hände nimmt." Die Rolle des Herrn von Kohr, der sich von Hitler„oerge- waltigen" ließ, um schließlich den Bürgerbräu-Putsch zu liquidieren. ist danach bei den Putschisten von heute in keiner angenehmen Dr. Franz Leppmann 60 Lahre. Sanitätsrat Dr. Franz Leppmann, vereidigter gerichtlicher Sachverständiger, Leller der Jrrenabteilung in Plötzensee, begeht heute seinen 60. Geburtstag. Dr. Leppmanns psychiatrische Gut- achten selbst in den unbedeutendsten Prozessen gehören mitunter zu den Fesselndsten, was man in Moabit erlebt. Menschliches Ein- dringen in die Motive der Tat, liebevolles Sichversenten in das noch so abartige und krankhafte Wesen des Angeklagten, vorsichtiges Beurteilen des Tatbestandes mit dem Ziele, dem Gericht freie Hand für eine dem Angeklagten günstige Auslegung zu lassen, jeder- zeitige Bereitschaft, von dem ursprünglichen Gutachten abzugehen, sofern sich in der Verhandlung neue Moment« ergeben haben— dies ist in knappen Zügen das Charakteristikum Leppmannjcher Gut- achten. Seine Versuche, die Schranken zu sprengen, die durch den unsinnigen§ 51 dem medizinischen Sachverständigen gesetzt sind, mußten aber nicht selten auch ihm mißlingen. Franz Leppmann ist als Sohn eines Arztes in Mittelschlesien geboren. Im Jahre 1900 kam er nach Berlin und wurde hier Prioatassistent seines Bruders Dr. Arthur Leppmann, der im Zellen- gefängnis in Moabit tätig war. Nach dessen Tode übernahm er die Leitung der Jrrenabteilung. Wie sehr er hier seiner Aufgabe gerecht wurde, beweist die Liebe, die ihm von den Gefangenen entgegengebracht wird. Leppmanns besondere Sorge war stets der jugendliche Verbrecher, seine stärkste Seite die psychologische Be- urteilung von Kinderaussagen. Leppmanns Name ist aus zahlreichen sensationellen Prozessen auch der breiten Oesfentlichkeit gut bekannt. Er war es, der Loischen Neumanns kompliziertes Seelenleben vor Gericht darstellte. durch seine Hände ging der unglückliche Manasse Friedländeri die Fehldiagnose, die er in bezug auf ihn gemeinsam mit anderen Aerzten stellte, veranlaßte ihn, beim Muttermörder Thielecke um so vorsichtiger zu sein. Das Gericht folgte damals nicht seinen psychiatrischen Bedenken, gab ihm aber im Falle des am Jugend- irrsinn erkrankten Vatermörders Kendziora recht. Ohne in seinen Gutachten die Freundsche Tiesenpsychologie nutzbar zu machen, verstand es Leppmann doch, die abgründigen Tiefen der Menschen- seele allgemein verständlich zu enthüllen. Miliiärkiisch im Film. Primus- Palast- Titania. Ein reichliches Dutzend Militär filme ist, in Wahrnehmung einer vermeintlichen Konjunktur, für die kommende Saison ange- kündigt.„I a, treu ist die Soldatenliebe" hieß der erste Streich: Hofsentlich setzen uns 1»ie Manuskriptverfasier aber in Zukunft neuartigere Einfälle vor. Ueber das Gesinnungsmäßige sei nicht viel geredet. Irgend« welches Kulturniveau haben Soldatenschwänke dieser Art selbstver» ständlich nicht im geringsten. Es tut uns anderes not, als mit ver- sühlichten Bildern des alten Kommis überschwemmt zu werden. Auf der anderen Seite find wir heute, in der Aera des Nationalsozialis- mus, schon fast zu abgestumpft, um immerhin harmlose und gut- artige Sachen dieses Schlages als provozierend zu empfinden. Es ist ja auch sehr die Frage, ob die Trotteleien und Poussierereien, die den Hauptinhalt der Militärsilme bilden, mehr empfehlend oder mehr diskreditierend für die„gute alte Zeit" wirken. Hier also geht es darum, daß ein Zirkusclown den Gestellungs- befehl bekommt, daß er Husar wird, daß er fälschlicherweise die Frau seines Wachtmeisters für eine frühere Geliebte von sich hält und ihren Jungen für sein Kind, und daß er schließlich die Tochter seines Zirkusdirektors heiratet, als dieser in der Garnisonstadt ein Gastspiel gibt. Aber diese dünne und an den Haaren herbeigezogene Geschichte ist nur Vorwand. Dieser Film lebt von seinem Milieu: dem Kasernenhofmilieu der Vorkriegszeit und den konventionellen Typen des rauhen, aber herzlichen Wachtmeisters, des leutseligen Generals, der etwas dämlichen aber grundbraven Kameraden. Für den Rest mußte das immer zuverlässige und allezeit seinen Mann stehende Mllieu des Schmierenzirkus herhalten. Fritz S ch u I z als Träger der Hauptfigur ist kein Felix Bressart, und wenn man ihm auch den Rekruten glaubt, so ist sein Clown ohne alle Orginalität. Hugo Fischer-Köppe trifft den Wacht- meister ausgezeichnet: allerdings braucht er nichts anderes zu tun, Erinnerung. Wer was bildet sich der kleine preußische Hitler eigentlich ein, daß er„an die Macht" käme ohne Mehrheit und ohne Koalitionsbindungen? Nur mit dem klappernden Mundwerk ists doch selbst bei einem geringen Griechenhelden vor Troja nicht gegangen. Verlorene Macht. Nazi-Bilanz in Mecklenburg, Oldenburg und Anhalt. 3n drei deutschen Ländern sind die Rationalsozia- listen in den letzten Monaten„zur Macht" gekommen: in Mecklenburg. Oldenburg und Anhalt. Aber schneller als sie es selbst vermutet haben, sind ihre Mehrheiten in diesen Ländern verloren gegangen. Weder hinler der Razi-Regierung in Mecklenburg, noch hinter der in Olden- bürg und der in Anhalt steh» nach den letzten Reichstags- wählen noch eine Mehrheit. In Mecklenburg-Schwerin sind die Nazis am 31. Juli in eine ausgesprochene Minderheit geraten, in Anhalt haben sie zwar 13 000 Stimmen auf Kosten der Deutschnationalen, der Volks- Partei und Wirtschaftspartei gewonnen, aber diesem Gewinn steht ein Nettogewinn der Sozialdemokratie und Kommunisten gegenüber. Nach den Ziffern der Reichstagswahlen würde die Mehrheit der Rechten(20: 16) in Anhalt oerschwinden und ein Gleichgewicht der Kräfte von 18: 18 eintreten. In Oldenburg sieht es nicht anders aus. Hier besitzen die Nationalsozialisten seit dem 29. Mai von 46 Mandaten 24, also mehr als die Hälfte. Allerdings stand hinter diesen Mandaten nicht die Mehrheit der abgegebenen Stim- men. Es fehlten etwa 5500 Stimmen. Die Hoffnung der Nazis, bei den Reichstagswahlen endgültig die Hälfte aller abgegebenen Stim- men aufzubringen, ist schwer enttäuscht worden. Im Mai brachten sie es auf 48 Proz. aller Stimmen, am 31. Juli auf 46 Proz. Sie haben also nicht die restlichen 2 Proz. gewonnen, sondern zwei Prozent verloren. Dagegen haben die Sozialdemokratie ihren Prozentsatz von 18,8 auf 20 Proz., die KPD. von 5,7 auf 6,3 Proz. steigern können. Auf die oldenburgischen Landtogsverhältnisse um- gerechnet, würde das Stimmengleichheit von 24 zu 24 bedeuten. Die Umrechnungen zeigen, daß die Bäume der Nazis selbst dort nicht in den Himmel wachsen, wo alle Voraus- fetzungen für einen Erfolg ihrer Lügenagitation gegeben sind. als feine früheren Leistungen zu kopieren. Am besten und mensch- lichsten die prächtige Ida Wüst als Zirkusdirektorin. Die etwas unsicher geführte Regie hatte Georg I a c o b y. H. S. Von echtem Heldentum. Der Deutschlandsender übernahm ein Abendprogramm aus Hamburg, das den Titel trug„Helden— Dulder— U e b e r w i n d e r". Die Sendung unterschied sich angenehm von der heute üblich gewordenen heroisierenden Veranstaltung. Sie baute kein theatralisch verlogenes Heldenideal hin. sondern versuchte, jenes echte Heldentum zu zeigen, das unaufdringlich, oft unsichtbar in jedem Menschen lebt, der durch sein Handeln oder durch sein Dulden, durch schöpferisches Werk oder dienende Bereitschaft für die Allgemeinheit wirkt und das als letzte, höchste Krönung den Menschen emporträgt zur Freiheit eines Ueberwinders. Eindringlicher, erschütternder als der eine Satz des Heeres- berichtes von Langemark packte Liliencrons Gedicht„W e r weiß wo?", weil die in jenem Bericht mitgeteilte Kriegstat vom Hörer erst in das menschliche Erlebnis umgedacht werden muß, hier aber der Dichter die Kriegsoision als Schatten des Einzel- schicksals zeigt, eines Schicksals, das jeder unmittelbar an sich erleben kann. So ergriff Gerrit E n g e l k e s„T o d im Schach t", in dem kein erlösender Schrei den furchtbaren Druck des geballten Grauens lockert, in dem kein heldisches Pathos die Finsternis übergoldet. Nicht alle ausgewählten Dichtungen und Berichte waren von solcher Kraft. Die Szene„Der sterbende Schiller", die vom „Dulde r" zum„U e b e r w i n d e r" die Brücke schlug, stieg von der bildhaften Anschauung zum Gedanken empor, der aber in so zielklarer, einfacher Formulierung geboten wurde, daß alle Hörer sicher noch ohne Schwierigkeiten mitgehen konnten. Gobineaus „Abschied des Michel Angela" dagegen, noch dazu in un- günstiger, altertümelnder Uebersetzung, war im Rahmen dieser Ver- anstaltung viel zu breit, viel zu sehr mit gedanklicher Analyse über- lastet. Zwischen den Rezitationen schuf gut ausgewählte Musik die Uebergänge.— Ir. Was liest der Arbeiislose? Einer Anregung des Sozialwissenschaftlichen Instituts in Frank- fürt a. M. folgend, haben einige große städtische Bibliotheken, die in der Benutzung ihres Bücherleihverkehrs den Arbeitslosen eine Vorzugsbehandlung einräumen, statistische Untersuchungen darüber angestellt, welche Gruppe von Literatur von den Arbeitslosen am meisten bevorzugt wird. Soweit vorläufige Ergebnisse dieser für eine längere Zeit beabsichtigten Untersuchungen bereits vorliegen, hat sich die vielfach geäußerte Vermutung, als versuche der Arbeitslose sich in seinem Beruf vorzubilden, nur in geringem Umfange be- stätigt. Die Benutzung technischer oder wissenschaftlicher Literatur, die in der Lage ist, den einzelnen in seinem Beruf weiterzubilden, wird in weit höherem Umfange von jugendlichen Arbeitslosen ver- langt, als von solchen Personen, die aus dem Berufsleben infolge der Arbeitslosigkeit vorläufig ausgeschieden find. Auch Belletristik steht prozentual nicht an der Spitze, sondern olle befragten Bibliotheken äußern sich übereinstimmend dahin, daß überwiegend populärwissenschaftliche Literatur, die sich mit der Pflege des Körpers, der allgemeinen Hygiene, Gymnastik, Sport befaßt, am meisten verlangt wird. Diese Feststellung findet eine Parallele in einer von einem anderen Gesichtspunkt aus gemachten Beobachtung, daß mit dem allgemeinen Ansteigen der Arbeitslosigkeit auch eine Zunahme in der Kurpfuscherei und dem Aufkommen neuer Volks- Heilmethoden zu verzeichnen ist. Verständlich ist auch eine starke Zu- nähme im Entleihen von Büchern über Gartenbau. Dagegen hat die Nachfrage nach Abenteuer- und Reiseliteratur, was wiederum ganz wider Erwarten ist, nachgelassen. Die Bayerische Landesbühn« München, die zur Zeit ihre Luisenburq- Festspiele aus der Felsenbühnc bei Wunsiedel durchführt, wird am 15. und 23. August in dem Naturtheater von Schloß Eremitage bei Bayreuth Gastspiele mit Goethes„Iphigenie" geben. Das Rose-Theater eröffnet die kommende Spielzeit mit dem„H a u p t- mann von Köpenick" von Carl Zuckmayer. Das Sommerseft der Filmwclt,„Filmzauber an der Krummen Lankc", findet Sonnabend statt. Fast alle prominenten Darsteller haben ihr Er» scheinen zugesagt. Rundfunk am Abend Donnerstag, den 4. August Berlin: 16.03 Was ist ein Lebewesen?(Dr. O. Kreuzer). 16.30 Romantische Musik. 17.30 Akademische Berufsplanung (Dr. G. M Irsing). 17.50 Wirtschaftliche Notlage und Steuerermäßigung(Dr. F. 11. Strauß). 18.15 Nachmittagskonzert. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Nachmittagskonzert. 19.30 Die Verschuldung der europäischen Länder(Prof. Dr. M. J. Wolff). 20.00 Aus Breslau: Musika lisdie Lu ropa künde. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Ernte(Querschnitt). 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Abendunterhaltung. Königs Wusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk (Dr. A. Dirksen). 17.30 Nordargentinien als Einwanderungsland für Deutsche(Dr. Schlabach). 18.00 Musikalischer Zeitspiegel(Paula Guttmann, Dr. O. Guttmann). 18.30 Spanisch für Eortgesdirittene(Gertrud van Eyseren, Dr. F. Armesto). 18.53 Wetterbericht. 19.00 Aktuelle Stunde. 19.25 Stunde des Landwirts(Dr. Derlitzki). 19.43 Aus Königsberg; Städtebild Tilsit-Memel. 20.30 Aus Zoppot:„Lohengrin"(Oper von Richard Wagner). 21.45 Wer rettet Anna?(Lehrspiel). 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45 Aus Hamburg: Tanzmusik. Sonst: Berliner Programm. 1.Ahl. Am Sonntag, 31. Juli, verstarb unser Genosse Julius Elsner. Trauerseier Heute, 16 Uhr, Charitekirche. Sein Andenken werden wir in Ehren halten.— 117. Abt. Heute, 20 Uhr, Funktionärsitzung bei Klose. Die entnommenen Fahnen müssen bis heute abend bezahlt werden. Das übrige Wahlmaterial ist bei Klose ab- zuliefern.— kinderfreunde Prenzlauer Berg. Heute, 20 Uhr, wich- tige Kreishelfersitzung Danziger Straße. Die Abteilungen Viktor Adler und Nordost ab heute wieder regelmäßige Gruppenabende an bekannter Stelle. Wetter für Berlin. Teils wolkig, teils heiter, wenig veränderte Temperaturen, westliche bis südwestliche Winde, keine Niederschlage von Bedeutung.— Für Deutschland. Allgemein noch leicht ver- änderlich, namentlich in den Gebirgen West- und Mitteldeutschlands einzelne Negenfälle, immer noch ziemlich kühl.__ äiecantrootU. fUc die Jicöatfion: Zlich. Sctnftein, Berlin! Anzeigen: Th. Slocke, Berlin. Verlag: Vdrwärls Verlag s. m. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin Sffi 68. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. � AMFM-Jln�eiger �=> (228 (KartonDaduing) für Wäsdie, Küdie und Haushalt Fenster- und Gebäude Relnigungs Gesellschaft m.b.H. Berlin S036,SchlesischeStr.42 Fernruf: F8, Oberbaum 3553-54 Billigste und zuverlässigste Ausführung aller Reinigungsarbeiten/ Bohner- und Oelmaschinen/ Staubsauger/ Vertreterbesuch jederzeit unverbindlich Gebr. Löffler Berlin Ol 7, Ostbahnhof(224 Kartoffelgroßhandlung kaufen und verkaufen alle Sorten Speisekartoffeln waggonweise Franz Schönherz XJI_ Kaiser-Friedrich-Sh-. 241 mn.-JNeUKOUn Mähe Hermannpiatz Bandagen— Gummistrümpffe Spezialist für SenkfuBeinlagen Lieferant für Krankenkassen und Behörden Haben Sie Bedarf In: Herrengarderobe(fertig nnd nadi N HerrenartiKel. Belöisbanner- AnsrUst BerolsKleldung, so empfiebU sidi Friiz Hamburg Sdeälldz. SdaloOsdraCie 102*03 Fahrverbindung: Autobus 5 und 20, StraBenbahn; 40, 43. 74, 174, 77, 177. 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August 1932 BprSöcnÖ SpnJoiiignße Jei IbtirärA Bürger des Dritten Reichs Aachwort;um Deutschen Stuöententag/ Von Al. Böttcher Mitte Juli fand in Königsberg der Studententag der Deutschen Studentenschaft statt. Die Deutsche Stu- dentenschast ist bekanntlich die unter nationalsozialistischer Fuhrung stehende Organisation aller reaktionären Kräfte aus den deutschen Hochschulen. Es war zwischen den Nazis und den Korporations- studenten im Laufe des letzten Jahres zu großen Auseinander- setzungen gekommen, da sich die Korporationen der Diktatur der Nazistudenten nicht ohne weiteres fügen wollten. Auf dem diesjährigen Studententag traten die Gegensätze offen hervor. Die Nationalsozialisten verlangten in den Verhandlungen hinter den Kulissen die Annahme eines Antrages, durch den die Deutsche Stu- dentenschast ihre Verbundenheit mit der Hitler-Vewegung bekunden sollte. Auf Drängen der Korporationsstudenten ist es dann zu diesem Antrag in der Form nicht gekommen, doch bewies der Verlauf der Tagung, daß die Deutsche Studentenschaft eindeutig im nationalsozia- listischen Fahrwasser segelt. Die Korporations st udenten, in chren eigene» Reihen durch nationalsozialistische Zellen geschwächt, resignierten und überließen den Nazis das Feld. Heute wird die Deutsche Studentenschaft von drei Nationalsoziali st en geleitet. Der diesjährige Studententag sollte ein„soldatisches Gesicht" tragen. Obwohl die Deutsche Studentenschast offiziell nicht anerkannt ist und der Oberpräsident S i e h r daher ein Erscheinen auf dem Studententag abgelehnt hat, waren Vertreter des Wehr- kreiskommandos I anwesend, und auch Herr von G a y l hat es sich nicht nehmen lassen, durch ein Begrüßungstelegramm seine Verbundenheit mit den Radaustudenten zu bekunden. Die Teilnehmer der Tagung waren in Reichswehrkasernen untergebracht. Hier hatten dann die Militärs Gelegenheit, das soldatische Gesicht der SA. kennenzulernen. Vor Beginn der zweiten Sitzung mußte der Vorsitzende vor versammeltem Plenum darüber Klage führen, daß in den Kasernen unter den studentischen Teilnehmern„eine Disziplinlosigkeit herrsche, die mit Worten gar nicht zu beschreiben sei". Das neue Gesicht der Deutschen Studenten- schaft ist„das des politischen Soldaten, den jeder deutsche Student heute darstellen muß". So jedenfalls hieß es im Vorstandsbericht. Auf gut deutsch heißt das also: von jetzt ab herrschen in der Deutschen Studentenschaft SA.- Methoden. In dieser Zeit, in der es zweifellos für die akademische Jugend eine Fülle von Problemen gibt, die der dringenden Klärung be- dürfen— man denke nur an die Fragen der Hochschulreform, der Ecbührenstaffelung, der Studentcnwirtschastshilfe—, beschäftigten sich die in Königsberg versammelten Vertreter der Mehrheit der deutschen Studenten damit, die in der Deutschen Studentenschast früher Herr- schende„liberale Demokratie" zu beseitigen. Unter liberaler Demokratie verstehen diese Studenten dos selbstverständliche Organisationsprinzip, daß Vorsitzender und Führer gewählt werden. Mit diesem Prinzip ist jetzt gebrochen worden. In Zukunft werden innerhalb der Deutschen Stu- dentenschast Wahlen ganz abgeschafft. Der Reichssllhrer ernennt die Leiter der verschiedenen Aemter und bestimmt die Kreisleiter. Die Vorsitzenden der einzelnen Studenten- schasten ernennen ihre Nachfolger, die vom Kreisleiter, der ja vom Reichsführer ernannt worden ist, bestätigt werden müssen. So ist Alleinherrscher der Deutschen Studentenschaft der n a t i o- n a l s o z i a l i st i s ch e Vorsitzende, der sich nur hüten muß. damit er nicht wie sein Vorgänger von Herrn Adolf Hitler aus parteiinternen Gründen abberufen wird. Dieser Ausbau wird hoffentlich mit dazu beitragen, daß jetzt die letzten Studenten, die immer noch glauben, aus der Deutschen Stu- dentenschast noch einmal eine arbeitsfähige Organisation machen zu können, dieser Nazisiliale den Rücken kehren. Daß man im übrigen aus die Mitarbeit von Nichtnationalsozialisten keinen Wert legt, zeigte folgender Vorfall: Ein katholischer Delegierter in Priester- klcidung, der sich darüber beschwerte, daß von der Leitung kein gemeinsamer Gottesdienst vorgesehen sei, wurde im Verlaufe der Debatte darüber von den Nationalsozialisten, die laut Programm der NSDAP. Vertreter eines positiven Christentums sind, nieder- gebrüllt. Die Mahnung, die ein Vorstandsmitglied zu Beginn der Tagung vorsorglich aussprach— er warnte vor dem billigen Ruf„mehr Sach- lichkeit"—, erwies sich als überflüssig, denn an sachlichen Fragen standen lediglich das Problem der Arbeitslager und des Ar- beitsdienstes und das S t u d e n t e n r e ch t auf der Tages- ordnung. Man machte es sich in beiden Fällen leicht. Der deutsche Studententag forderte in einem Antrag von den Regierungen, daß ab 1. April zum Studium nur noch zugc- lassen werde, wer sich mindestens ein Zahr im Ar- beitsdienst bewährt habe. Auch Stipendien sollen nur noch nach solcher Bewährung ver> teilt werden. Die Stellung der Deutschen Studentenschaft zur Frage des Studentenrechts war ja mit Zunahme des nationalsozialistischen Ein- flusses immer unsachlicher geworden. Die Nazistudenten forderten neue Studentenschaften, die das Recht der gesetzlichen Vertretung oller Studenten erhalten sollen, die jeden Studenten mit einem Zwangsbeitrag belegen dürfen, in die aber nur„V o l k s b ü r g e r" ausgenommen werden Es genügt, darauf hinzuweisen, daß der bekannte österreichische Antisemit Gras G l e i s p a ch, der Schöpfer des Wiener Studentenrechts, das bekanntlich von den ö st e r- reichischen Gerichten als gesetzwidrig außer Kurs ge- setzt worden ist, den Plan der Deutschen Studenten- schaft ausgearbeitet hat. Solange die„Führer" der aka- demischen Jugend und einige Professoren, die sich heute schon als Bürger des Dritten Reiches fühlen, solche Pläne aushecken, braucht das die Oesfentlichkeit nicht weiter zu erregen. Wenn aber eine deutsche Regierung die Zusage gibt, diese Idee in die Wirk- lichkeit umzusetzen, so muß diese Tatsache alle, die es mit der Frei- heit des Geistes ernst nehmen, aus den Plan rufen. Die Regierung von Mecklenburg-Schwerin hat in einem Telegramm an den Studcntentag erklärt, daß sie das neue Studcntenrecht bei der Universität Rostock durchführen werde. Auch die Disziplinargerichtsbarkeit für Studenten wird von der Universität auf die neue, reinrassische Studentenschaft über- tragen. Nach den Plänen der Nazistudenten und ihrer ministeriellen Gönner in Mecklenburg-Schwerin wird die studentische SA. auch das Recht erhalten. Professoren abzulehnen, an deren moralischen, sittlichen und nationalen Qualitäten sie zweifeln. Was man bisher durch Terror und Radauszenen nicht erreicht hat, glaubt man jetzt über die Länderregierungen erreichen zu können: Deutschlands Universitäten sollen SA.- Kasernen werden. An die Stelle freier Forschung und Lehre tritt die Drill- onstalt für die kommenden Führer des Dritten Reiches. Die Pläne der Nationalsozialisten in Rostock stehen im Widerspruch zur Reichsverfassung. Man darf gespannt sein, ob die Herren in Mecklenburg-Schwerin es wagen werden, sie trotzdem durchzuführen. Glücklicherweise zeigt es sich mehr und mehr, daß das selbst- bewußte Auftreten der Nazis in immer stärkeren Gegensatz zur poli- tischen Entwicklung der gesamten Studentenschast gerät. Die erste Antwort aus den Königsberger Studententag haben die Studenten der Universität Königsberg selbst erteilt. Wenige Tage nach Schluß dieser Veranstaltung fanden die Wahlen zur dortigen Deutschen Studentenschaft statt. Hierbei bezogen die Nationalsoziali st en eine glatte Niederlage, die für sie um so blamabler ist. als sie unter den Nachwirkungen des Stu- dententages auf eine sichere Mehrheit hofften. Sie verloren von ihren lSOU Stimmen des Vorjahres rund 500. Die Sozialistische Studentenschaft wird die Auf- klärungsarbeit auf den Hochschulen weitertreiben. Die National- sozialisten sind bisher nicht zu ihrem Ziel gelangt, und auch der Versuch, über die Länderministcrien den Einfluß der linken Stu- denten zu beseitigen, wird scheitern. Die deutsche Arbeiterschaft aber wird den Vorgängen aus den Hochschulen größte Beachtung schenken müssen. kulturpolitisches Aktionsprogramm Die„Sozialistische Bildung" veröffentlichte in ihrer Maiiiummer den Entwurf eines kulturpolitischen Aktions- Programms. Es entstand in einer mehrmonatigen Arbeits- gemeinschast von Genossen, die in Partei, Gewerkschaft und in der öfsentlichen Verwaltung auf kulturpolitischem Gebiet verantwortlich tätig sind. Weitere Kreise der Parteigenossenschaft seien aus den Entwurf hingewiesen. Manch einer wird einwenden, es wäre jetzt nicht die Zeit, kulturpolitische Fragen zu erörtern. Der tobende politische Kampf erfordere alle Kräfte. Ganz gewiß. Aber gerade im Kampf ist Klarheit über das Ziel, für das man kämpft, wichtiger denn je. Das Endziel ist s o z i a l i st i s ch e Kultur. Dieses Bewußtsein darf über taklischcn und politischen Bemühungen nicht verloren gehen. Die Verfasser des Entwurfs haben die Einzelsorderungen in ein grundsätzliches Bekenntnis zur sozialistischen Kultur einzubetten ver- sucht. Sozialistische Kultur ist für sie kein hochtrabendes System dogmatischer Formulierungen. Ihre Grundlagen sind einfach, wie jede Wahrheit.„Der Mensch darf nie zum Mittel ent- würdigt werden. Die Wirtschaft hat dem Menschen zu dienen, nicht dem einzelnen, sondern der Gesamtheit des Volkes. Die kapi- talistifche Wirtschast ist zu diesem Dienst ihrem Wesen nach nicht sähig. Erst die planmäßige Erzeugung und Verteilung der Güter im Sinne sozialistischer Bedarf sdeckungswirtschaft eröffnet den Weg zu einer neuen einheitlichen Kultur." Der Liberalismus hat das„Menschentum" in seiner Weise betont und hat uns glauben machen wollen, daß im freien Spiel der Kräfte die„Entfaltung wahren Menschentums" gesichert sei. Wir wissen, daß dieses freie Spiel der Kräfte einigen Wenigen— und nicht immer den Besten zur Höhe verHilst— und ihnen eine Macht verleiht, die sie, im Konkurrenzkamps geschult, zur schärfsten Unterdrückung und Ausbeutung ihrer Mit- menschen verwenden. Darauf, daß einem unter vielen sein vielleicht „überragendes Menschentum gesichert sei", kommt es nach dem Ent- wurf aber gar nicht an, sondern darauf,„daß jeder einzelne in der Gesamtheit als Mensch im wahren Sinne des Wortes zu leben vermag." Als Mensch im wahren Sinne des Wortes leben, heißt aber nicht seine Begabungen und Fähigkeiten für sich entwickeln, sondern sie in den Dien st der Gesamtheit stelle».„Das Men- schentum aller ist nur gesichert, wenn jeder sich unter Zurückstellung seiner Sonderinteressen mit seiner ganzen Existenz für die Gesamt- heit einsetzt. In diesem Sinne ist die Arbeiterbewegung Kultur- bewegung von größtem geschichtlichen Ausmaß." Der Sozialismus will das Individuum nicht unterdrücken, er will keine öde Gleichmacherei, keine Unisormierung des Geistes— im Gegenteil, er will höchste Entwicklung desselben— aber nicht um des In- dividuums, sondern um des Dienstes an der Gesamtheit willen. Ausgabe des Werktätigen„ist es daher, die scheinbare Freiheit des dem ungezügelten Existenzkampf preisgegebenen Menschen durch die kollektive Freiheit der solidarisch verbundenen Gesellschaft zu er- setzen. Sie haben das wirtschaftliche, politische und kulturelle Leben den Geboten der Menschlichkeit und der Solidarität entsprechend zu formen". Als letztes Ziel steht den Verfassern die neue, einheitliche Kultur der sozialistischen Gesellschaft vor Augen, die keinen geistig terrori- siert, die aber durch ihre überzeugende Kraft alle in einem einheit- lichen Denken und Wollen erfaßt. Sie gibt ihnen in diesem Denken und Wollen den inneren Halt, den der einzelne in einer Epoche individualistisch-liberalistischer Zersplitterung rerloren hat— und stellt jedem im Rahmen der von der einheitlichen Kultur geordneten Mannigfaltigkeit die seiner Eigenart entsprechende Aufgabe.„Alle Kräfte der Zeit, die um den Aufbau der sozialistischen Kultur und Gesellschaft kämpfen, sind der Gesamtbewegung des Sozialis- mus einzufügen." Das gilt für Menschen ebenso wie sür die Völker. Denn auch im Völkerleben ist sozialistische Kultur nicht mit inter- nationaler Uniformierung gleichzusetzen. „Die nationale Kultur des Volkes ist die Grundlage für die kulturelle Neugestaltung. Die Gesamtkultur der Menschheit verwirklicht sich in den Kulturen der einzelnen Völker. Diese haben in ihrer besonderen Eigenart der Gesamtent- wicklung der Menschheit zu dienen. Der Sozialismus lehnt daher jede kulturelle Abschließung und Einseitigkeit ab." Die Einzelsorderungen, die als Aktionsprogramm für die Arbeit der nächsten Zeit aus dieser, an dem Gesamtbild der sozialistischen Kultur orientierten Grundauffassung abzuleiten sind, erstrecken sich auf die Probleme der Schulreform— von der Grundschule bis zur Berufs- und Fachschule, von der höheren Schule bis zur Hoch- schule, auf die Probleme der Erwachsenenbildung, des Büchereiwesens, des Films und Rundfunks und der Maß- nahmen gegen die geistigen und seelischen Gefahren der Arbeits- l o s i g k e i t. Die Verfasser haben sich, wie sie versichern, absichtlich auf gegenwartsnahe Forderungen beschränkt—„und waren sich be- wüßt, daß auch hierbei eine Reihe von Fragen, die sie gar nicht oder nur sehr kurz behandelt haben, noch weiterer Klärung be- dürfen, um zu zielsetzenden Forderungen zu führen". Trotzdem ist die Fülle der vorgebrachten Einzelheiten so groß— und die Formulierung, die in jeden Satz Wesentliches hineinzwängt so konzentriert, daß es ein Unrecht gegen das Ganze wäre, wollte man willkürlich den oder jenen Gedanken herausgreisen. Der Zweck dieses Aufsatzes ist erreicht, wenn er den kulturpolitisch interessierten Leser— und jeder Sozialist müßte es sein— veranlaßt, sich den Programm- entwurf vom Reichsausschuß für sozial! st ischeBil- dungsarbeit(Berlin, Lindenstr. 3) zu besorgen und ihn zur Grundlage einer Diskussion im Freundeskreis zu machen. Die Ver- fasser werden für Stellungnahme, die an die Redaktion der sozia- listischen Bildung zu richten ist, sicherlich sehr dankbar sein, denn aus der vorangestellten redaktionellen Notiz geht hervor, daß sie eine Diskussion auf kritischer Grundlage wünschen. E. Stadtrat W. Frieölander» Verlin: Arbeitslose Zugenö Mit der ständig anwachsenden Zahl der jugendlichen Erwerbs- losen hat man sich allgemein auch stärker mit dem Problem be- schäftigt, wie die seelische Haltung dieser jungen Mepschen sich gestaltet, die gegen ihren Willen aus dem Beruf und der produk- tiven Arbeit herausgedrängt sind und jetzt kaum die Hoffnung haben können, in absehbarer Zeit wieder eine schassende Tätigkeit aus- zuiibe». Mit solchen psychologischen Betrachtungen ist im allgemeinen den jugendlichen Arbeitslosen nicht viel gedient: dennoch muß es sehr befremden, daß von karitativer Seite, und zwar von Persönlichkeiten, die sich mit dem Hilfswerk für die jugendlichen Ar- beitslosen beschäftigen, merkwürdige Ausfassungen über die seelische Lage der Jugendlichen vorgebracht werden. So hat vor kurzem Dr. H. E. H e n g st e n b e r g in Solingen in der Zeitschrift„Jugend- wohl sür katholische Kinder und Jugendfürsorge" ausgeführt, daß die jugendlichen Arbeitslosen sich als mißhandelt, entrechtet und heimatlos fühlen und immer Hilst von außen erwarten. Die Ar- beitslosigkeit sei zur Weltanschauung geworden. Dr. Hengstenberg nennt dies eine typische„proletarische" Ge- s i n n u n g. Der jugendliche Arbeitslose habe es schwer, den Sinn und die Berechtigung einer geistigen Auseinandersetzung zu ver- stehen, die ganz ohne unmittelbare äußere Zwecksetzung geschieht, weil bei ihm der Gesichtspunkt vorherrscht, praktische Lebensziele zu erreichen. Es tritt deshalb eine Jagd nach irdischen Erfolgen ein und es bestände Unfähigkeit, etwas schlicht gegenwärtig zu nennen und sich daran zu halten. Als eigentliches proletarisches Moment komme zu diesen Gedanken hinzu ein eigentümlicher F a t a l i s- mus. Die jugendlichen Erwerbslosen leben in der unerschütterlichen Voraussetzung, daß alle anderen Berufsklassen ihnen prinzipiell unrecht täten. Es könne gar nicht anders sein, die Welt bestände nur aus Unterdrückern und Knechten. Wenn man ihnen von Freiheit, Erlösung und allem Schönen im Geiste spräche, hätten sie dafür nur ein Lächeln und verständen alles sofort als Ausdruck des Unter- drückerwillens oder des Unterdrücktenschicksals. Solche Proletarier feien gegen jede„geistige Beeinflussung" taub und unfähig, Mängel in ihrem tieferen inneren Zusammenhang zu verstehen. Sie hätten eine„Gerechtigkeitsempfindlichkeit" und glaubten, irgend jemand müßte ihnen das Leid ungerechterweise zugefügt haben. Am schwersten könnten diese Proletarier begreifen, daß man nur in einer geistigen Gemeinschaft diese Uebelstände bekämpfen könne und daß es andererseits auch eine Gemeinschast mit negativen Vorzeichen gäbe, die man mit weltanschaulichen Massen bekämpfen müsse. Die Proletarier„verkennen überhaupt die geistigen, weit- anschaulichen Faktoren" in den heutigen sozialen und wirtschait- lichen Gegensätzen. Auch das Wort Kapitalismus oerstünden die Proletarier nicht und befeinden mit dem Kapitalismus den Besitz und das Eigentum überhaupt, sofern es nicht zu- fällig ihnen gehörte. Der Stand der Werktätigen sei der zer- splittertste und der gemeinschaftsloseste aller Stände, sei skeptisch gegen eine echte Gemeinschaft als Gefinnungsgemeinschast, wie z. B. die Kirche.„Der Mangel an Sinn für echte Gemeinschaft" sei der hervorstechendste Zug des Proletariers. Er wartet nicht, bis er das genügende Wissen in den grundlegenden Zusammenhängen habe, weil er nicht an die Macht des Geistigen glaubt und daher der Parteihetze und den Parteiversprechungen anheimfällt. Eine Widerlegung dieser einseitigen und von völliger Ahnungs- losigkeit gegenüber der wirklichen psychischen Lage der Arbeiter- schaft zeugenden Ausführungen erscheint kaum erforderlich. Es ist fest unbegreiflich, daß eine Persönlichkeit, die mit jugendlichen Ar- beitslosen zu tun hat, die grundlegenden Gedanken, die alle Kreise der Arbeiterschaft bewegen, so vollständig mißverstehen kann, wie dies hier geschieht. In jeder Gruppe von jugendlichen Arbeitslosen entwickelt sich gerade ein G c m e i n s ch a f t s g e s ü h l aus dem Boden der Solidarität der Arbeiterschaft, wie es selbst in einem Betriebe kaum in solcher Stärke üblich ist. Die Ge- danken des Dr. Hengstenberg lassen sich wohl nur verstehen, wenn man seine fanatische Abneigung gegen den Marxismus, d. h. gegen jede sozialistische Idee in Rechnung setzt, die ihm offen- sichtlich als eine schwere Gefahr für die Kirchengläubigkeit der arbeitslosen Jugendlichen erscheint. So dringend ein umfassendes Hilfswerk für die jugendlichen Arbeitslosen ist, über das wir kürzlich an dieser Stelle gesprochen haben, so sehr muß davor gewarnt wer- den, daß Menschen einer geistigen Haltung aus die Jugendlichen los- gelassen werden, die eine völlige Verständnislosigkeit für die Psyche des jungen Arbeiters mitbringen, wie sie die besprochene Abhand- lung beweist. Arbeiter- W asserball Was die Serienspiele ergaben Die Meisterschaftsspiele der Serie 1331/32 sind beendet. H e l- las ist Berliner Meist er geworden und es ist dabei intcr- essant, einen Rückblick zu halten. Zunächst das Tabellenergebnis: Spiele Fem. Verl. Anentlch. Tor« Punkt» Hella»..... 16 15 1— 95: 27 SO Charlottenburg.. 16 14 2— 123: 35 28 Weißens-«.... 16 10 5 1 99: 83 21 Union..... 16 8 6 2 SO: 76 18 Möwe..».. 16 8 7 1 41: 67 17 Lichtenberg.... 16 5 10 1 59: 81 11 Neukölln.... 16 4 11 1 44: 93 9 Spandau.... 16 2 13 1 50: 89 5 Freiheit..... 16 1 15— 31: 94 2 Die klare Führungsstellung von Hellas und Tharlotten- bürg bestand von Ansang an und stellt diesen Mannschaften das beste Zeugnis aus. Man war sich im Verlauf der Serie nie darüber im Zweifel, daß sich der Endkampf Mischen diesen Mannschaften abspielen würde, neigte jedoch der Ansicht zu, daß es Charlottenburg gelingen würde, seinen Titel erfolgreich zu verteidigen. Von den zwei Spielen, die jede Mannschaft mit jedem anderen Teilnehmer zu liefern hatte, gewann zwar Charlottenburg das erste Spiel, ließ sich jedoch im Verlauf der übrigen Spiele von Weißensee über- raschend mit 9: 7 schlagen und war damit wieder mit Hellas punkt- gleich. Im entscheidenden Spiel gelang Hellas dann der große Wurf und Berlin hat nunmehr in Hellas den neuen Titelträger. Als kurioses Zeugnis für die Gleichwertigkeit der Spitzenmannschaf» ten mag die Tatsache sprechen, daß Charlottenburgs Sieg im ersten Teil der Serie zahlenmäßig mit 5: 4 genau so hoch ausfiel, wie Hellas jetzt schließlich seinerseits erfolgreich war. Scharf umkämpft war gleichfalls der dritte Tabellenplatz. Während es anfangs schien, als sollten nur Union oder Möwe dafür in Frage kommen, holte Weißensee im weiteren Verlauf der Begegnungen seinen Punkte- rückstand enorm auf und kam, nicht zuletzt durch seinen Ueber- raschungssieg über Charlottenburg, ziemlich unerwartet zwar, doch verdient auf diese wichtige Position. Union hatte in der letzten Zell viel Pech, verlor bereits für sicher gehaltene Treffen ganz knapp und konnte den vierten Platz gegen Möwe gerade noch retten. Möwe spielte unbeständig und ist dabei eigentlich eine Mannschaft, der man Verbesserungen und Ueberraschungen zutraute. Lichten- berg, Neukölln, Spandau und Freiheit werden weiter- hin bestrebt sein müssen, ihr Zusammenspiel zu festigen. Besonders Freiheit hätte oft besser abschneiden können, wenn der Wille zur gegenseitigen Verständigung im Spiel besser gewesen wäre. L>b die Spiele der kommenden Serie wieder zehn Mannschaften in der �-Klasse vereinigen werden, steht noch dahin. Es liegen Antröge vor, die eine Unterteilung fordern, die den Leistungsunter- schieden besser Rechnung tragen sollen. Vorerst stehen noch die Ergebnisse von den Spielen der ö- K l a s s e aus, die in den vier Bezirken des 1. Kreises gesondert zum Austrag kommen. Die jeweiligen Ersten werden sich weiterhin um den eventuellen Aufstieg zur �-Klasse Ausscheidungsspiele liefern. Die Wasserballspielbewegung des 1. Kreises kann sich in jeder Beziehung sehen lassen. Für einen guten Nachwuchs zeugen die gleichfalls guten Leistungen in den Jugendklassen, in denen bezeichnenderweife ebenfalls Hellas und Charlottenburg mit an der Spitze zu finden find. Im Friedrichshain: Trotz Regen ein gelungenes Abendsportfest Die Durchführung der vom Arbeitcrsportverein für Leibes- Übungen O st r i n g auf dem Sportplatz im Friedrichshain veran» stalteten Abendsportfestes war durch den vorausgegangenen Gewitterregen stark in Frage gestellt. Aber das vollzählige Er- scheinen aller gemeldeten Teilnehmer gab dem Veranstalter Veran- lassung, das Fest trotz dieser Widerwärtigkeiten zum Austrag zu bringen. Immerhin waren noch etwa 890 Zuschauer erschienen. Die Bahn war stark aufgeweicht, und wenn trotzdem in vielen Diszi- plinen gute Leistungen erreicht wurden, so stellt das den Leichtathle- ten!d«s 1. Kreises das Zeugnis aus, daß sie für die am 13. und 14. August in Dresden stattfindenden Bundesmeisterschaften gut vorbereitet sind. Im Vordergrund der Laufkonkurrenzen standen die S t a f e t- ten, bei denen es zum Teil harte Kämpfe gab. Die �XlOO-Meter- Stafetteneinladung gewann der VfL.-Ostring in der Zeit von 45,2 Sek. vor SV.-Moabit und ATE., die mit 45,5 Sek. einliefen. In der 3xi099>Meter-Stafette war gleichfalls der Veranstalter er- folgreich: überraschend war hier der geringe Widerstand der ASC.er. Die Zeit des Siegers von 8:16,6 Min. ist als gut zu bezeichnen. Die Olympische Stafette sah den ASC. in Front. Wider Erwarten gut hielt sich hier Kittler gegen Huwe-ASC., er war bei der Weitergabe des Stabes nur einen Meter im Rückstand. Der dann folgende 29g-MeterLäufer Ostrings machte bei der Stabübergabe einen groben Schnitzer und so kam ASC. zum ausreichenden Dorsprung und Er- folg. In der Schwodenstafette der L-C-Klasse gab es die erwarteten Plazierungen. Voltssport-Rsukölln gewann im Anlauf vor Fichte und Rot-Weiß II den S-Lauf vor Schöneberg. Auch die Alters- sportler machten von sich reden. Zain-ASC. und Lippert-Ost- ring, bewältigten im Hochsprung 1,62 Meter und der ASC. gewann die 4xi09-Meter-Stafette. Bei den Jugendlichen erregte Her 199- Meter-Einladungslauf das größte Interesse. Hanisch- FTGB.- Südost im jüngeren und S ch! l b a ch- Ostring im älteren Jahrgang trafen zum erstenmal in diesem Jahre aufeinander. Schilbach ge- wann mit einem halben Meter Vorsprung. Die erzielten Zeiten von 11,4 bzw. 11,5 Sek. sind sehr gut. Auch der Kugelstoß des Jugendlichen Dahn vom ASC. mit 13,77 Metern ist ein« feine Leistung. Bei den Sportlerinnen trat der ASV. Rot-Weiß in den Vordergrund. Die 4X199-Meter- sowie kleine olympische Stafette wurde jedesmal überlegen gewonnen. Im Kugelstoßen mußte Köl- ling-Köpenick D u m k e-Ostring den Vortritt lassen. Männer: 4x100 Meter, Einladung: 1. VfL. Lstring 45,2 Sek.! 2. EV. Moabit 45,5 Sek.— 4x100 Meter unter« Mannschaften: 1. VfL. Ostring 2 47,6 Sek.: 2. SV. Moabit 2 47,8 Sek.— Klasse B, Lauf A: 1. Volkzsnort Neukölln 47,1 Sek.: 2. Not.Beiß I 47.4 Sek. Lauf B: 1. Schönow 48,7 Sek.: 2. FTAB.-Licht-nberg 49 Sek.— SxlOOO.Meter.St-f-tte: 1. VfL. Oftring 8:16,6 Min.; 2. ASC. 8:30 Min.— Olnmvische Stafette: 1. ASC. 3:49,8 Min.; 2. VfL. Ostring 3:50,8 Min.— Lchwedenslafette, Lauf A; 1. B. Neukölln 2:11,5 Min.: 2. Ficht- 2:11,6 Min. Lauf B: 1. Rot.Weiß II 2:15,2 Min.: l> o.iß ß cm;»» i n xx onn cvn„..- ,2-4.��4.4... 1 ft.r_ 2. Schöneberg 2:16,6 Min.— 10 x 200. Meter. Stafette: 1. Volkssport Neukölln 2:13,4 Min.; 2. VfL. Ostrina 2 2:14,2 Min.— Kugelstoßen: 1. Lemgau(ASC.) 11,80 Meter: 2. Hennig PLAZA nihi Sil«. Bhf. inj", Sign k.S.815 U. kl Weichsel 4031| OietzärdäsfOrstin Rose■ Theater iroSe rmlftriii Straäi I Zt Iii. Wilduil k 7 3421 8J0 Uhr Herzdame Garteubllhue 530 Uhr Konzert n.Variett FrüDlligslatt Treptow, sonnig« gweijim- mer-Wohnung, Bai, kon, 44.—. y>nu. pe: «Utk Stadtbahpnähe. Zweizimmer- Wch« nung, 29,— Jetzt« Hauperst, tanbochufer 4, 4. Reulolln 2759,> Neukölln 2759,