Morgenausgabe Nr. 365 A 180 49. Jahrgang WöchenlUch 75 Ps.. monmltd) 3,25 M- (davon 87 Pf, monatlich für gufted lung ins Haus) im voraus zahlbar, Postbezug 3,S7 M. einschließlich so Pf, Postzeiwngs- und 72 Pf. Poftbestellge- bühren. Auslandsabonnement S,SS iM. pro Monats kur Länder mit ermäßig- «em Druckfachenvorlo 4,65 M. Bet Ausfall der Lieferung wegen böherer Gewalt besteht fein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Erscheinungsweise und Anzeigenpreise sieh« am Schluß des redaktionellen Teil, Vevttnev Vvttsblatt Freitag 5. August 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Jentvalorgan der GoziatdemotvatifOen Vavtei Deutsch»«! Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Kernspr.: Dönboii(A 7) 292— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin Z7 KZS.— Bankkomo: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. S. Dt.B.u.DiSc.-lAes., Depositenk., Jerusalemer Str. KS1 auf 168, in Haffkrug von 119 auf 190, in Südel von 166 auf 203, in Siblin von 119 auf 223, im ganzen Landesteil von 8048 auf 9699 Stimmen! Das bedeutet eine Stimmenzunahme von 20 Proz. I Ein Bravo unseren tapferen Genossen im Herzen Ostholsteins! Dank dem Reichsbanner! Erklärung der Bundesführung. Der Bundesvorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold erläßt folgende Kundgebung an die Mitgliedschaft: „Wieder ist eine Schlacht in dem großen Kampf um die G«- staltung der Zukunft der Deutschen Republik beendet. Unermüdlich haben die Kameraden des Reichsbanners, des Stoßtrupps der Eisernen Front, auch in diesem Kampf ihre Pflicht unter Einsatz von Leben und Arbeitskraft getan. Erschüttert stehen wir an den frischen Gräbern von 15 Kameraden. Wir tragen mit das Leid und die Schmerzen der Hunderte von Kameraden, der schuldlosen Opfer nationalsozia- listischen Mordes und Terrors. Kameraden! Eure Entschlossenheit, euer Mut, eure Tatkraft, euer Wille, auch der Gewalt nicht zu weichen, eure hemmungslose Hingabe an den Kampf um die Freiheit, hat zum Erfolg geführt: der Einbruch des Gegners in die Front der Republik ist gescheitert. Der Bundesvorstand des Reichsbanners fühlt sich nun als Mittler des Dankes, den euch mehr als 14 Millionen Republikaner bereits am Wahltag durch ihre Stimmabgabe für Volk und Freiheit sür euren Einsatz erstattet haben. Kameraden! Der Kampf geht weiter, mit Dffziplin und Einigkeit führt unser Weg zur Freiheit!" Nazischlappe in Mecklenburg. Die„Mehrheit" wieder verschwunden. Wir meldeten bereits, daß die Nazis in Mecklenburg- Schwerin die bei den Landtagswahlen am 15. Juni gewonnene Mehrheit bei der Reichstagswahl wieder verloren hatten. Nach unserem Roswcker Parteiblatt würde der Landtag unter Zugrundelegung der Rcichstagsziffern statt 58 Mandate jetzt 63 Mandate haben. Davon würden auf die Hitlerei wie bisher 30 entfallen, auf die Sozialdemokratie jetzt 19 statt 18, auf die Deutsch- nationalen jetzt 7 statt 5, auf die KPD. jetzt 6 statt 4 und auf die Volkspartei wie bisher ein Mandat. Die einstig« Mehrheit(30 von 58) ist den Nazis also sehr schnell wieder verlorengegangen. Wenn sie noch einige Zeit„re- gieren", wird ihnen das Volt von Mecklenburg bald ganz den Ab- schied geben. Die Neuordnung des Rundfunks, die von der Re- gieruiig Pape» mit verdächtiger Eile betrieben worden ist, soll nun chre letzte Krönung offenbar dadurch sinken, daß der satlsam be- kannte Rundfuntzensor Scholz vom Reichsinnenministerium zum politischen Reichsrundfunkkommissar ernannt wird. Sollte stch dieses Gerücht bewahrheiten, so würde der g e- samte deutsche Rundfunk damit sehr weitgehend den Na- tionalsozialistcn ausgeliefert werden. Denn bekanntlich ist Scholz, auf dessen Betreiben in der Hauptsache die Neuordnung des Rundfunkwesens und die Schaffung des politischen Rundfunk- kommisfars durchgeführt worden ist, kürzlich zu den Nationalsozia- listen übergetreten. Das Amt des polltischen Reichsrundfunkkommissars ist so wichtig und erfordert so viel persönlichen und politischen Takt, daß ein Mit- glied einer so extremen Partei wie der Nationalsozialisten dazu am wenigsten geeignet ist. Es kommt aber noch eins hinzu. Dem po- litischen Rundsunkkommissar untersteht nicht nur das politische Nach- richten- und Vortragswesen, sondern das gesamte Programm überhaupt! Wenn auch nach den neuen Richtlinien die Länder sich einen starken Einfluß auf das Programm gesichert haben, so ist doch der Reichsrundfunkkommissar für die Programmfragen die letzte und damit für alle, alle die kulturellen Fragen entscheidende Stelle. Zu diesem wichtigen Amt gehört aber eine Persönlichkeit von besonderem Format, die nicht nur über das nötige politische Augenmaß verfügt, sondern auch hervorragendes kulturelles Verständnis hat. Besonders muß sie dieses Verständnis allen geistigen Strömungen der Gegenwart und den großen die Volksmassen bewegenden Fragen unserer Zeit ent- gegenbringen. Nicht zuletzt gilt das auch für die sozialen Probleme und für die geistigen Interessen der s o z i a l i st i s ch e n Hörerkreise, auf die Rücksicht genommen werden muß. La, das ist eiwas anderes l Die personalpolittt des„neuen Systems". Obwohl die Politische Polizei Preußen» gerade im Augenblick besonders tüchtige Kräfte, die Erfahrung in der Bekämpfung der rechtsradikalen Bewegung haben, nötig hätte, um die ruchlosen Attentate schnell und gründlich aufzuklären, ist man dabei, die f ä h i g st« n Beamten aus der Politischen Polizei zu« n t- fernen. So hat man im Berliner Polizeipräsidium den bisherigen Dezernenten Regierungsassessor Dr. Oesterle seines Postens enthoben, um ihn an einer anderen unpolitischen Stell« unterzubringen. Dies geschah lediglich deshalb, weil Oesterle der Sozialdemokratischen Partei angehört. Auch K r i m i n a l r a t Dr. Stumm, der in den letzten Jahren an der Aufklärung zahl- reicher Verbrechen von rechts erfolgreich tätig war, ist von seinem Posten entfernt worden und an ein Polizeiamt abgeschoben worden. Im Innenmini st erium wurde Regierungsrat Dr. D e i st, der gleichfalls rechtsradikal« Sachen bearbeitete, nach Düsseldorf oersetzt, offenbar deshalb, weil er Sozialdemokrat ist. Die Nationalsozialisten fordern auch die Abberufung des dem Zen- trum angehörenden M i n i st e r i a l r a t s I a n i ch, der in den letzten Jahren mit besonderer Energie den Kampf gegen die illegalen Bestrebungen der Nationalsozialisten geführt hat. Die gesamte Ab- teilung für die Politische Polizei im Innenministerium wird be- reits in den nächsten Tagen aus der Polizsiabteilung herausge- nommen und der Verfafsungsabteilung des Ministerialrats Dr. Schütze unterstellt werden, der politisch zur Rechten zählt. Linksstehende Beamten, die die linksradikale Bewegung in Händen hatten, sind von ihren Aemtern vor zwei Wochen mit der Begründung entfernt worden, sie hätten nicht den ausreichenden geistigen Abstand von den Gruppen, die sie zu überwachen hätten. Auf der Rechten ist das natürlich anders, hier sollen zur Bearbeitung der rechtsradikalen Bewegung in Zukunft nur Beamte tätig sein, die sich wegen ihrer eigenen Rechtseinstellung auch psychologisch aus das„erwachende Deutschland" einstellen können! Sozialdemokraten im Arbeitsministerium nicht geduldet. Der neue Arbeitsminister von Hitlers Gnaden, S ch ä f f e r, der den christlichen Gewerkschafter Stegerwald verdrängt hat, fühlt die Pflicht, zu zeigen, daß auch in seinem Ressort eine„grundsätzlich neue Staatsführung" Platz gegriffen habe. Die Kündigung des Schlichters für Groß-Berlin, Ge- nassen Wissel!, haben wir bereits mitgeteilt. Jetzt wird bekannt, daß auch noch weitere Sozialdemokraten aus ihrer Tätigkeit im Ar- beitsministerium entfernt werden. So wurde der sozialdemokratische Ministerialrat Joachim, der ständige Referent sür Schlichtungs- recht und Arbeitsgerichte, plötzlich an das Reichsversorgungsgericht versetzt. Gleichzeitig wurden auch den auf Privatdienstvertrag an- gestellten Genossen Krätzig und Viktor N o a ck ihre Dienstver- träge mit kurzer Frist gekündigt. Sozialdemokratische Sachkenntnis und Volksverbundenheit ist in der„neuen Staatsführung" nicht mehr erwünscht, um so weniger, als die nationalsozialistischen Anwärter auf die vermeintliche „Futterkrippe" bereits förmlich Schlange stehen, um„Parteibuch- beamte" werden zu können. Klagges lernt es nicht! Er will dem„Vorwärts" Auflagen machen. Wir haben die braunschweigische Regierung schon einmal, als sie an uns ein unzulässiges Ansinnen stellte, darauf hingewiesen, daß Berlin nicht in Braunschweig liegt Jetzt kommt Herr K l a g g e s schon wieder und will uns wegen eines Artikels, der vor zwei Monaten im„Vorwärts" gestanden hat. eine sogenannte Auflage machen! Er beruft sich dabei auf Z 5 der Notverordnung vom 14. Juni d. I., den er offenbar nicht geleien hat. Wir stellen der braunschweigischen Regierung anheim, sich i n angemessener A r t und Weise an uns zu wenden. Dann werden wir von ihren Zuschriften Notiz nehmen. Braunschweigische „Auslagen" landen im Papierkorb. Herr Scholz besitzt aber dieses Format für den obersten Pro- grommleiter des Rundfunks in keiner Weiss, ganz abgesehen auch davon, daß er als nationalsozialistischer Parteiangehöriger sich auch kaum die Mühe geben wird, ein besonderes Verständnis sür die ih mgesinnungsmäßig fernstehenden Volkskrelse auszubringen. Der Rundiunk ist eine der wenigen kulturellen Einrichtungen des Staates, an denen alle Volksschichten, ganz gleich welcher Rich- tung, interessiert sind. Wenn er seine große volkserzieherische Mission erfüllen soll, so bedarf er einer Leitung, die ein H ö ch st m a ß von Objektivität und Verständnis für alle ernsthaften geistigen Strömungen aufbringt. Die Ernennung eines nationalsozialistischen Parteiangehörigen zum Rundfunkkommissar wird ober das schon jetzt bestehende Mißtrauen gegen den Rundfunk nur noch weiter steigern. Die Flut von nationalsozialistischen Darbietungen. von Militärkonzerten und hurrapatriotischen Veranstaltugen, die in den letzten Wochen sich wie auf ein Kommando über den Rundfunk ergoß, hat wahrlich schon genügend Erbitterung in den breiten Volksmassen hervorgerufen. Es sollte für die Reichsregierung eine ernste Warnung sein, daß die Zahl der Rundfunkteilnehmer im zweiten Quartal 1932 zum erstenmal beträchtlich gesunken ist. Mehr als 50 000 Hörer haben sich abgemeldet— ein ungewöhnlicher Vorgang. Da die Zahl der Rundfunkteilnehmer sich bisher trog aller Not der Zeit fast durchweg in aufsteigender Linie bewegte, kann der starke Rückgang nicht durch die wirtschaftlichen Verhältnisse erklärt werden. Zweifellos haben viele Hörer in ihrem Unmut über das in letzter Zeit nationalsozi-olistisch verseuchte und leider auch immer mehr verkiffchte Programm den Rundfund abbestellt. Mit der Ernennung eines nationalsozialistischen Reichsrundfunkkommissors wächst die Gefahr, daß die absteigende Entwicklung des Rundfunks sowohl im Niveau des Programms wie in der Teilnehmerzahl sich noch weit mehr als bisher fortsetzen wird. papen und die Türken. Nur den allerältesten Paschas gefällt er. Wie überall in der Welt, so hat auch in der Türkei die Regie- rung P a p e n einen schlechten Empfang gehabt Der Mißmut dar- über kommt in einem Konstantinopeler Brief der„Hamburger Nach- richten" in possierlicher Weise zum Ausdruck. Nachdem der Korre- spondent über den„Mangel an Wertung", den die neuen Männer Deutschlands in der Türkei gefunden haben, bittere Tränen ver- gössen, fährt er fort: Nur in den alten konservativen Kreisen der tür- tischen Intelligenz wußte man Bescheid. Dort findet die ent- schlossene Haltung des Reichskanzlers von Papen ihre W ü r d i- gung. Wenn in der Türkei nur die ältesten Alttürken, die sich nach der Zeit Abdul Hamids zurücksehnen, an der Regierung von Popen Ge- fallen finden, so kann das keineswegs Verwunderung erregen. Das ist eben genau wie bei uns! . Lahmer Protest. Oeutschnationale gegen Vervaltungsreform. Die deutschnational« Landtagsfraktion hat sich nun doch zu einem bescheidenen Protest gegen die Aushebung von 59 Landkreisen durch den Kominissarius Bracht aufgerafft. Sie bedauert die Zusammenlegung und gibt der Besorgnis Ausdruck, daß die erwartete Ersparnis in vielen Fällen durch die der Bevölkerung erwachsenden Mehrtosten wieder aufgehoben wird. Im gleichen Sinne bewegt sich ein Protest des auch überwiegend rechts eingestellten Verbandes der preußischen Landgemein- den. Dieser Protest ist besonders dadurch interessant, daß er dem Kommissarius Bracht grundsätzlich die Legitimation zu Regierungs- Handlungen abspricht: in keinem Falle hätte eine Maßnahme wie die jetzige ohne Fühlungnahme mit der davon betroffenen Bevölke- rung schematisch oerordnet werden können,„noch dazu von einer Regierung, deren Grundlage um st ritten i st". Der Protest der Deutfchnationalen aber rückt das Verhalten jener Rechtspresse in das rechte Licht, die jetzt den Komissarius Bracht als den Mann der Sparsamkeit in der Verwaltungsreform feiern möchte, weil er einige der Reformmaßnahmen durchführt, die von der Linken erdacht und gewünscht, von der Rechten aber bisher stets ver- hindert worden sind und auch jetztnoch bekämpft werden! Verieidigungsmethoden. Wenn man im Besih einer Schußwaffe angetroffen wird. Es ist der Oeffentlichkeit nicht uninteressant, zu erfahren, auf welche Weise derjenige, der bei einem Verstoß gegen die Waffen- Notverordnung angetroffen wird, mitunter sich erfolgreich vor Gericht verteidigen kann. Wir bringen hier einige Fälle aus der jüngsten Vergangenheit. Der nationalsoziali st ische Landtagsabgeordnete Gör- l i tz e r wurde unlängst festgenommen, weil er sich im Besitz einer geladenen Pistole befand. Vor dem Schnellgericht verteidigte er sich damit, daß er die Pistole kurz vorher einem k o m m u- nistischen Zettelverteiler weggenommen habe und sie nur der Polizei habe abliefern wollen. Das Gericht glaubte ihm dies und sprach ihn f r e i. Ein anderer Fall betraf bewaffnete Angehörige eines nationalsoziali st ischen Sturmtrupps. Sie verteidigten sich vor Gericht damit, daß ihnen die Waffen von Kameraden kurz zuvor zugesteckt worden seien. Auch dies wurde ihnen vom Gericht geglaubt, das damit die Möglichkeit erhielt, statt der Mindeststrafe von 3 Monaten Gefängnis, die das Entwaffnungs- gefetz vorsieht, nur auf eine Geldstrafe wegen Begünstigung zu erkennen. In den genannten Fällen erklärten die Gerichte, daß die Ein- lassung der Angeklagten„nicht habe widerlegt werden können". Uns scheint, daß diese Einlassung niemals wider- legt werden kann, vorausgesetzt, daß die Gerichte den Tätern mit derselben blinden Leichtgläubigkeit gegenüberstehen wie hier. Wir halten es daher für einigermaßen unvorsichtig, daß die Gerichte künftigen Tätern die Methode, sich erfolgreich herauszu- schwindeln, gewissermaßen auf dem Tablett servieren. Die Ver- suchung, davon Gebrauch zu machen, liegt allzu nah«. Oer Panzerwagen von Hofgeismar. „Der Wagen hatte eine doppelte Panzerung aus je S Millimeter dickem Schmiede« b l e ch, der Zwischenraum war mit H ö g e m e h> ausgefüllt." Poliz-itmtcht. „Panzerwagen aus Sägemehl." u-b-rjchrtft de»„«»aHff". »Warum haben Sie den Wagen mit doppelter Panzerung versehen?' »Auf Ehrenwort: damit--- das Sägemehl nicht herausfallen kann?* Oer Terror wütet weiter. polizeibeamie von<3A. niedergeschossen.— Waffenlager im Naziheim. „Ich Setzer!" Kube charakterisiert sich selber. Der Vorsitzende der Nation a�s ozialtstischen L o n d» togsfraktion, Kube, hat eine Große Anfrage(Nr. 33)«in» gebrocht. In dieser beschwert Kube sich, weil im Gerichtsgebäud« Frankfurt a. d. O.„chetzbroschüren" oerteilt worden seien. Kube er- blickt darin einen schweren Verstoß, obwohl er als Verteiler der „Hetzbroschüre" einen Rechtsanwalt benennt, also eine Person ohne amtliche Eigenschaft. Die Aufgeregtheit Kubes wird aber bs- greiflich, wenn man den Inhalt der„Hegbrosckiüre" kennt. Diese enthält nichts weiter als eine Zusammenstellung von Aussprüchen und Reden des Land- lagsabgeordneken Kube zur Zuskiz, wörtlich entnommen den stenographischen Sitzungsberichten des preußischen Landtags. Die Reden Kubes sind ohne Kommentar, ohne Kritik. ohne Zusatz in dieser„Hetzbroschüre" wiedergegeben. Die hetze» rische Wirkung der Schrift kann daher lediglich— von Kube selber ausgehen! Wir glauben allerdings, daß kein objektiver Richter, Staats- anwalt oder Rechtsanwalt diese Kubeschen Reden ohne tief st e Erschütterung lesen kann. Erfährt er deich aus den steno- graphischen Berichten, daß der Vorsitzende der nationalsozialistischen Landtagsfraktion von preußischen Richtern und Staatsanwälten fort- gesetzt als von„Giftkröten" und„Lumpe n", im mildesten Falle als von„Burschen" spricht. Erfährt er doch, daß in Herrn Kubes Augen der große Preußische Richterverein„ein l ä ch e r- l i ch e r Verein, der sich Preußischer Richterverein nennt", ist. daß ferner Kube den Präsidenten des Deutschen Anwaltsoereine als„völlig s ch n up p e" bezeichnet, daß für Kube die Anwalts- kammern und ihre Ehrengerichte„Judenjungenhemmungs- losester Art" sind, daß Kube M Proz. der preußischen Staatsanwälte wegen Rechtsbeugung auf die Anklage- b a n k setzen möchte. Weiter erfahren die Leser aus der steno- graphischen Wiedergabe der Kubeschen Berichte, daß ein Mann dieser Tonart und Ausdrucksweise die preußischen Richter„zum Gegenstand seiner Erziehung machen will".— Weiter kann man au, Kubes Reden noch erfahren, daß vor dem Voltszorn der National- sozialisten die deutschen Richter bald „mit wehenden Talaren aus dem Tempel fliegen werden", und daß die Nationalsozialisten mit den preußischen Richtern ver- fahren würden wie die Cherusker mit den römischen Rich- t e r n nach der Schlacht im Teutoburger Walde, denen sie die Zungen ausrissen und zuriefen: ..Run zische, Roller, wenn du kannst!" All das hat der nationalsozialistische Fraktionsoorsitzende Kube in berstendem Größenwahn unter dem brüllenden und johlenden Beifall seiner Fraktionskollegen herauegeschmettert. Der Applaus seiner Schlägergarde hat in Kube wohl die Usberlegung erstickt, daß feine Worte auch einmal den Männern bekannt werden könnten, gegen die sie sich richteten Nun ist, wie wir erfahren, von einigen Juristen dafür gesorgt worden, daß Kubes Vörie allen Richtern und Rechlsanwällen zu Geflchl kommen. Kube mühte für diese freiwillige Verbreitung seiner Reden eigentlich dankbar sein. Mehr Reklame ist noch nie sür einen Abgeord- neten gemacht worden!— Aber jetzt beschwert sich Kube und be- zeichnet eine Zusammenstellung seiner eigenen Worte gegen die » Justiz und ihre Organe als— Hetzbroschüre!— Welch famose Selbstcharakteristik! Welch blamabler Hereinfall! Wie man das Volt verhetzt. Aericht über eine deutschnationale Versammlung. Durch die freundliche Aufmerksamkeit eines Lesers des in Eberswalde erscheinenden„Märkischen Stadt- und Landboten" werden wir auf eine neue ungeheuerliche Berleum- dung ausmerksam gemacht, mit der von rechtsradikaler Seite während des Wahlkampfes gegen die Sozialdemokratie operiert worden ist. Dieses Blatt bringt einen durchaus„nationalsympa- thischen" Bericht über eine deutschnationale Wahlversamm- lung in W r i e z e n zwei Tage vor der Wahl. Wir bringen den wesentlichen Teil dieses Berichts zur Kenntnis der breiten Oeffent- lichkeit, aus dem man ersehen kann, mit welchen Mitteln die Bolksverhetzung betrieben wird: „Der Referent des Abends, Dr. Dühmert, schilderte das S y st e m, in dem sich Sozialdemokratie und Zentrum ver- einigten, als den Film des Gewesenen, der sich im Bolke abrollte. Durch den Verrat am deutschen Volke, der durch den Vertrag von Versailles besiegelt wurde, sei Deutschland an den Rand eines Abgrundes gebracht worden. Die Revolutionsmänner hätten ihre Skrupellosigkeit zwölf Jahre hindurchgeführt. Zn Lausanne Halle der Reichskanzler von Popen bereits erreicht, daß die Tribule gestrichen und Deutschlands Vshrhoheil wiederhergcslellk wurde, als Herriol nach einem Telephon- gespräch mit einem deulschen Sozialdemokraten plötzlich seinen Siandpunki änderte. Ein Führer der SPD. hätte sich gebrüstet, 40 000 Porteibuchleute in pensionsfähige Stellungen gebracht zu haben. Im kaiserlichen Deutschland wurden nur drei Milliarden Steuern erhoben, unter der heutigen Regierung, die ein nur kleineres Land zu betreuen hätte, 32 Milliarden Mark. Bezeichnend sei auch, daß Deulschland nur 100 000 Soldaten, aber 112 000 Gerichts- Vollzieher hätte. Im sozialdemokratischen Staate sei Sitte und Religion das undament entzogen worden. Da schalle nun der 80Z-R»f der NVP. in die Seele des deutschen Volkes, den November- s a t a n zu vernichten und den Nooembergeist, den Geist eines Luthers und der Freiwilligen von Langemark, aufzubauen. In politischer Ehe mit der NSDAP, werde es gelingen, wieder Ordnung und gesittet e Zu- stände zu schaffen. Das Deutschlandlied beschloß die ein- drucksoolle Kundgebung." Wir stellen fest: nicht in einem verlorenen Dorf Hinter- pommerns oder Ostpreußens sind diese Ungeheuerlichkeiten verzapft worden, sondern beinahe vor den Toren Berlins. Der Berichterstatter der Zeitung hat die ebenso blöde wie gemeine Lüge von dem„Telephongespräch Herriots mit einem deutschen Sozialdemokraten", durch das die bereits zugestandene Tribut- strcichunq aus Wehrhoheit wieder rückgängig gemacht worden sei. sogar offenbar geglaubt, sonst hätte er stch ja geschämt, so etwas zu Papier zu bringen. Der in Lausanne schon hundertprozentig siegreiche Reichskanzler von Popen, den ein telephonierender deutscher Sazialdemo- krat von hinten erdolcht hat— das ist ja etwas ganz Neues! Das kann ober unmöglich auf deni Mist des Herrn Dr. Dühmert �wachsen sein. Dos muß schon an höheren Stellen erfunden worden sein, anscheinend in der Propagandazentrale des Herrn H u g e n b e r g. Nur daß man sich anscheinend noch schämt, diese Gemeinheit dem Großstadtpublikum vorzusetzen und die Referenten aus dem Lande damit krebsen gehen läßt. Gleiwih. 4. August. Auf zwei polizeibeomte in Gleiwih- Sosniha wurde ein Altentat verübt. Sie wurden von einem Motorrad herab an- geschossen, einer von ihnen schwer verletzt. 3ehi wird von der presse- stelle de» Polizeipräsidiums milgeteill, daß zwei Personen unter dem dringenden Tatverdacht festgenommen worden sind. Einer der per- hafteien hat bereits ein Geständnis abgelegt. Beide g e- hören der RSDAP. an. Das Lesinden des durch einen Bauchschuß verlehlen Beamten ist noch wie vor ernst. Vie vom Polizeipräsidium weiter milgeteill wird, wurden am Donnerstag die SA.- Unterkunslsräume nach Waffen durchsucht. Die Polizei beschlagnahmte süns Pistolen und Revolver mit Munition, serner 25Z Schuh S-Munition. 87 Schuß Munition sür Armeepistolen 08. weiter lose Revolver- muniliou. Ersah- und Zubehörteile zu Maschinenpistolen und Re- volvern, einen Schlagring und einen Gummiknüppel. Von Po- l i z e i w a s fe n befanden sich zwei im Besitz von SA.- Leuten. Diese SA.-Leule wurden verhaslel. Sie werden dem Schnellrichler vorgeführt. Das Kreuzburger Ueberfallkommando nahm in P i t s ch e n eine Haussuchung bei einem Kommunisten vor. Es wurden 113 Schuß scharfe Jnfanteriemunition. einige Platzpatronen,«ine Gas- maske und«in Karabiner gefunden. Bei Haussuchungen in Kreuzburg wurden in SA.- Heimen und in einzelnen Privatwohnungen«in Trommel- r e v o l v e r, zwei Dolch Messer, ein Gummiknüppel und einige Gaspatronen gefunden. Schüsse aus dem Auto. Tilsit, 4. August. In der Nacht zum Donnerstag wurden aus das Haus Hinden- burgstraße 33, in dem ein bekannter Kommunist wohnt, 8 Pistolenschüsse abgegeben, die zum Teil die Fenster durchschlugen. Die Täter find mit einem Kraftwagen unerkannt entkommen. Handgranate ins Schlafzimmer. München. 4. August. Am Donnerstagfrüh zwischen 3 und 4 Uhr wurde in das Schlaf- zimmer des Ortsobmannes der Bayerischen Volts- partei für Ebenhausen-Hohenschäftlarn, Jbler,«ine Hand- Nebenbei bemerkt: der andere Schwindel mit den 112 0 00 Gerichtsvollziehern, den man bereits bei der Reichs- Präsidentenwahl als Propogandaargument für Regierungsrat Hitler erlebt hatte, zieht jetzt wieder auf, obwohl schon Ende Januar fest» gestellt wurde, daß es in ganz Preußen insgesamt nur 2141 planmäßige und außerplanmäßige Gerichtsvoll- zieher gibt. So wird also in deutschnationalen Versammlungen ge- hetzt— wie mag erst in n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch« n Kund- gedungen gelogen werden! Das sind die„a usb a u w i l l i ge n Kräfte", auf die die Herren von Papen und von Schleicher ihre Politik stützen wollen. Und das Deutschlandlied wird als Krönung solcher Sudeleien mißbraucht und entehrt. Das sind moralische Zerfallserscheinungen eines in seinem Haß gegen die sozialistisch« Arbeiterschaft und den demokratischen Katholizismus vor keiner Gemeinheit zurückschreckenden protestantisch-reaktionären Kleinbürgertums. Oer Warschauer Zwischenfall. Zweiter Protest ebenfalls zurückgewiesen. Offiziös wird mitgeteilt: Der polnische Gesandte begab fich am Donnerstagnachmittag, 18 Uhr, zum Reichsauhenminister, um mit ihm„laufend« Angelegen- heiten" zu besprechen. Im Verlauf der Besprechungen hat der polnische Gesandte auch den Flaggenzwischenfall in Warschau gestreift, nachdem die polnische Regierung bereits eine Note an die Reichsregierung gesandt hatte. Darin hat die polnische Regierung, ohne auf Einzelheiten einzugehen, noch einmal ihren Protest zum Ausdruck gebracht. Die Note wird von der Reichs- regierung unverzüglich beantwortet werden und zwar in dem Sinne, daß der Sachoerhalt bereits geprüft sei und das Verhalten des deut- schcn Geschäftsträgers von Rintelen durchaus der internationalen Uebung entsprochen habe. Aus diesem Grunde müsse der Protest zurückgewiesen werden. g r a n a t e geworfen, die explodierte und im Zimmer Zerstörungen anrichtete. Jbler blieb unverletzt. Ein hoffnungsvoller Sprößling. Breslau, 4. August.(Eigenbericht.) Dos Bercitsschoftsgericht im Breslauer Polizeipräsidium ver» urteilt« am Donneretag einen 18jährigen Schüler namens Kemp« zu drei Monatenund einer Woche Gefängnis. Kempe, der zu den Nationalsozialisten gehört, hatte am Mittwoch aus der Straßenbahn zwei Reichsbannerleute wegen ihrer Abzeichen angepöbelt. Als man den Jugendlichen auf der Polizeiwache nach Waffen durchsuchte, wurden vier Rahmen Jnfanteriemunition, einige große Patronen' und Schrotpatronen für Desching gefunden. Kempe ist der Sohn eine» bekannten Breslauer LandgerichtsratsI An die Llnrechten gekommen. Nationalsozialisten im Kornfeld befckiehen Soldaten. Aus Konstanz wird uns geschrieben: Nach der Reichstagswahl versammelte sich ein« Standarte(oder so was ähnliches) im„Sternen" zur Wahlfeier in Uniform. Kommu- nisten sammelten sich an. es gab Reibereien, das Ueberfallkommando säuberte mit dem Gummiknüppel. Während der Nacht wollten die Nationalsozialisten die Sache nach ihrer Art„glätten" und lauerten etwa dreißig Mann stark vor der Stadt den Kommu» n i st e n auf. In einem Kornfeld lagerten sie. Als drei Zivilisten und ein Soldat des Weges kamen, meinten sie Kommunisten vor sich zu haben und griffen sie. dreißig Mann stark, an. Es waren aber keine Kommunisten, sondern vier Soldaten, die ihrer- seits die Angreifer in Schach hielten bis da« Ueberfall- kommando eintraf. ZehnMannkonntenoerhastet werden; auf dem Lagerplatz im Kornfeld fanden sich Revolver, Munition, Stahlruten u. a. m. Jetzt hatten sich die zehn Verhafteten, die noch in Uniform waren, vor dem Schnellrichter zu verantworten. Ein Rädelsführer wurde zu sechs Monaten, andere zu Gefängnisstrafen zu drei Monaten zwei Wochen verurteilt und gleich verhaftet; die Waffen wurden eingezogen. Glückwunsch aus Prag. Zuversicht in die Zukunft. Dem Parteivorstand ist unter vielen anderen Glück» wünschen dieses Telegramm zugegangen: Der Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiter- Partei in der Tschechoslowakischen Republik über- mittelt euch die herzlichsten Glückwünsche zum Wahl» e r g e b n i s, das vor den Augen der ganzen Well die Unbesiegbar- keit der sozialdemokratischen Bewegung Deutschlands dokumentiert. Mit fieberhafter Spannung haben die sozialdemokratischen Arbeiter in der Tschechoslowakischen Republik euren gigantischen Kampf ver- folgt. Wir sind uns dessen bewußt, daß es ausschließlich der in der Geschichte der Arbeiterbewegung beispiellos dastehenden Aufopferung der relchsdeutschen Genossen zu danken ist, wenn der Faschismus sein Ziel, aus legalem Wege zur Macht zu ge- langen, nicht erreicht hat. Wir wissen, daß euch noch schwere Kämpfe bevorstehen. Wir sind aber davon überzeugt, daß ihr auch diese Kämpfe, gestützt auf die herrlichen kampferprobten Truppen des deutschen Proletariats, sieg- reich bestehen werdet. Freiheit! Blockade gegen Bolivien und Paraguay hoben andere südameri- konische Staaten für den Kriegsfall zwischen diesen beiden angekündigt.— Nicht a n Chile, wie irrtümlich überschrieben wurde, sondern in Chile, wie aus der Meldung selbst hervorgeht, ist Bo- liviern eine Oelleitungskonzession erteilt worden.— Der Krieg i in U r w a l d. Die Zeitung„La Nacion" veröffentlicht einen amt- liehen bolwianischen Bericht, wonach im Pilcomayo-Abschnitt in der Gegend des Gran Chako starkes Artillerieseuer eingesetzt Hab«. Landgemeinden für Arbeitsplan. Arbeiislose müssen in die Produktion eingereiht werden. Ter Vorstand deS Verbandes der Preußi- schen Landgemeinden hat in einer gemeinsamen Zitmng mit einem zur Erörterung des Arbeitslosen- Problems gewählten Ausschuß der Landgemeinden zu der Frage der Arbeitsbeschaffung Ztellung genom- men. Ter Präsident des Teutschcn Landgemeindetages und des Verbandes der preußischen Landgemeinden, Land- rat a. T. Dr. G e r e k e- Presset, wies in seinein Referat u. a. darauf hin, daß es den Gemeinden für längere Zeit völlig unmöglich fei, ihren Verpflichtungen den Wohlfahrtserwerbslosen gegenüber weiter nachzukommen. WaS die Beschaffung von Arbeit und Brot für sechs Millionen Arbeits- lose anlange, so müsse festgestellt werden, daß Privat- initiative dazu heute nicht ausreiche. ES fei vordringliche Aufgabe der öffentlichen Hand, auf diesem Gebiete bahnbrechend voranzugehen. Tie Finan- zierung habe nach wie vor auf der Grundlage der Kredit schöpfnng durch die öffentliche Hand zu erfolgen. Diese Kreditschöpfung könne sich nur auf die Zteuerkraft der Bevölkerung stützen. Außer einem ganz geringen Verwaltungskosten- beitrug müsse sie völlig zinsfrei fein. Dadurch würde die als notwendig anerkannte ZinSherab- s e tz u n g stark gefördert werden, denn die öffentlichen Körperschaften würden ja nicht mehr alS Kreditnehmer auf dem Anleihemarkt auftreten. In dem Augenblick, wo eS gelänge, die Arbeitslosen wieder in den Arbeits- Prozeß einzuschalten, würde das weitgehend geschwundene Vertrauen in die öffentliche Hand wiederhergestellt sein. Für die Weiterverfolgung der Arbeiten schlug Dr. Gerekc Richtlinien vor, von denen außer den vorstehend erwähnten Finanzierungsfragen die folgen- den Richtlinien hervorzuheben find: Tie Arbeiten sind Planmäßig zu betreiben. Ter Plan ist nach volkswirtschaftlichen, verkehrS- und bevölkerungspolitischen Gesichtspunkten auf Fahre hinaus einheitlich unter Mitwirkung der Zclbstverwaltungskörperschaften aufzustellen und durch- zuführen. Grundsätzlich sollen die Arbeiten zu vollem Lohn der Arbeiter und unter Heranziehung der freien Wirtschaft erfolgen, damit dadurch die Wirtschaft eine weitere Belebung erfährt und die«teurrkraft der öffentlichen Hand gestärkt wird. -i- Was hier gesagt wird von der Unmöglichkeit der Land- gemeinden, ihren Verpflichtungen gegenüber den Wohl- fahrtserwerbslosen nachzukommen, gilt in vielleicht noch höherem Maße von den Industriestädten. Der Ausweg, den der Ver- band der preußischen Landgemeinden beschreiten will, ist gangbar, wenn Hand in Hand mit ihm auch alle anderen Mittel angewandt werden, die zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit führen können! Dazu gehört nicht der Arbeitsdienst— freiwillig oder n.cht—, der nichts anderes ist als eine kostspielige unwirtschastliche Beschäf- tigung jugendlicher Arbeitsloser, aber nicht eine Eindämmung der Arbettslosigkeit. Dazu gehört in erster Linie, neben der plan- mäßigen Arbeitsbeschaffung, die gesetzliche allgemeine Einführung der Fünftagewoche, Was die Unternehmer dagegen vorbringen, haben sie noch gegen jede Verkürzung der Arbeitszeit vorgebracht, gegen den-Zwölf- wie gegen den Zehnstundentag ebenso gut wie jetzt gegen die Fünftagewoche, Wo sie aus technischen Gründen nicht durchführbar ist oder wo, wegen der Kleinheit der Betrieb«, eine Neueinstellung von Arbeitskräften nicht erfolgen kann, muß auf das Krümpersystem zurück gegrisien werden.' Warnung des DGB. Die gefährlichen Folgen der Notverordnung. Der Vorstand des Deutschen Gewerk schaftsbundes, der die christlichen Gewerkschaften umfaßt, veröffentlicht folgende Erklärung: „Die inzwischen erfolgte Durchführung der letzten sozialpoliti- schen Notverordnung hat die von'den Verschlechterungen be- troffene sowie die gesamte Arbeitnehmerschast in einen E r r e- gungszustand versetzt, der für ein geordnetes staatliches und soziales Leben als gefahrdrohend bezeichnet werden muß, Wir halten es deshalb für unsere Pflicht, die Reichsregierung darauf aufmerksam zu machen, daß«ine Beseitigung der schlimm- sten Härten dieser Notverordnung in kürzester Frist erfolgen muß. Wir warnen auf das eindringlichste davor, die Erregung der breiten Massen der Bevölkerung als unbeachtlich anzusehen und etwa gar auf dem beschrittenen Wege der sozialen Verschlechte- rungen weiter fortzuschreiten. Wir sehen mit größter Besorgnis, daß von sozialreaktionären Kräften der Versuch gemacht wird, die Reichsregierung zu Maßnahmen zu veranlassen, die praktisch eine Preisgabe der Rechtsstellung der Arbeitnehmer zur Folge hätten, Maßnahmen solcher Art würden den gekenn- zeichneten sozialen Erregungszustand verschlimmern und des- halb auch staatspolitisch verwerflich sein. Sie würden auch dem Sinn des Wahlergebnisses widersprechen, linser« Mitglieder fordern wir in diesen Stunden, da die sozialen Schutz- rechte aufs äußerste gefährdet sind, auf, trotz aller Empörung sich nach bestem Vermögen für Ruhe und Ordnung einzusetzen, denn unser Kamps gegen die soziale Reaktion ist um so mehr erfolg- versprechend, wenn die Arbeitnehmer och in dieser Zeit ihre bewährte Disziplin beweisen." Lohndruck stait Arbeit. In der überrationalistischen Flaschenindustrie. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß sich das Unternehmer- tum zu einem neuen Generalangriff aus die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Angestellten und Arbeiter an- schickt. Aus allen Teilen des Reiches lausen bereits Meldungen über Kündigungen van Lohn-, Gehalts- und Manteltarifen zu Ultimo August oder September ein. Wie der„Keramische Bund" mitteilt, sind von der B e r- einig ung deutscher Flaschenfabriken zum 31. August sämtliche Lohnverträge der Flaschenindustrie, die erst am 2. Mai auf Grund eines Schiedsspruches neu abgeschlossen wurden, gekündigt worden. Die Unternehmer haben bereits zu er- kennen gegeben, daß sie eine neue Herabsetzung der ohnehin schon auf ein unerträgliches Niveau gedrückten Löhne der Flaschen- Arbeitslose gehen nicht mehr stempeln. Die traurige Lage in der Buchbinderei. In der Generalversanunlung der Berliner Ortsverwaltung des Verbandes der Buchbinder am Donnerstag im Gewerk- jchaftshaus war es für den Bevollmächtigten, Genossen I m h o f, keine angenehme Aufgabe, über das zurückliegende zweite Viertel- jähr Bericht zu erstatten. Im Berichtsquartal ist zwar die Zahl der auf dem Berliner Arbeitsnachweis eingetrogenen erwerbslosen Berufsangehörigen von 7166 auf 6131 zurückgegangen, doch kommt in diesem Rückgang keine Besserung der Beschäftigungs- läge zum Ausdruck. Das Ausscheiden dieser 710 Arbeitslosen als Arbeitsuchende ist in der Hauptsache darauf zurück, zuführen, daß nicht mehr Unterstützte oder inzwischen invalide geworden« Arbeits- lose wegen der völligen Aussichtslosigkeit, in abseh- barer Zeit wieder Arbeit zu bekoinmen, es aufgegeben haben, noch stempeln zu gehen. Die Geschäftslage im gesamten Berliner Buchbinderei- und Papieroerarbeitungsgewerbe ist zur Zeit ungesähr so, daß 50 Proz, der Berufsangehörigen völlig arbeitslos sind, 30 bis 35 Proz. in Kurzarbeit stehen und nur der geringe Rest voll arbeitet. In das Berichtsquartal fiel der berüchtigte 30, April, der durch die Dezember-Notverordnung zwangsmäßig festgesetzte Ablaustermin für fast alle Tarifverträge in Deutschland. Im Bereich der Berliner Ortsverwaltung des Buchbinder-Verbandes wurden im zweiten Quartal alle Tarisverträge gekündigt. In allen Branchen gelang es aber den Bemühungen der Organisationsver- treter, die oftmals geradezu erpresserischen Abbauforderungen der glasarbeirer verlangen wollen. Sie begründen diese Forderung mit den„Schwierigkeiten der wirtschaftlichen Verhältnisse". Den Flaschenfabrikanten ist offenbar noch nicht zum Bewußtsein ge- kommen, daß die größte Schuld an dem weiteren Absinken der Konjunktur die Unternehmer selbst trifft. Die Tarifkünoigungen in der deutschen Flaschenindustrie werden aller Voraussicht nach zu ernsten Auseinandersetzungen zwischen den Flaschen- glasarbeitern und den Flaschenfabrikanten führen, da ja bekanntlich an Stelle des Schlichtungswesens wieder das„freie Spiel oer Kräfte" treten soll. Wenn irgendwo eine Herabsetzung der Löhne unbegründet ist, so in der Glasindustrie im allgemeinen, besonders aber in der Flchchenindustrie, Hier hat die Mechanisierung des Proouktions- Prozesses einen phantastischen Grad erreicht, so daß die Löhne bei den Produktionskosten eine verschwindende Bedeutung haben. Im Fertigprodukt läßt sich der Lohn nur in Bruchteilen eines Pfennigs ausdrücken. Mit einer noch so großen Lohnsenkung eine Ver- billigung des Produkts erzielen wollen, ist eine Behauptung, die an ihrer Lächerlichkeit zugrunde geht. Unternehmer auf ein Maß zurückzuführen, das die Abschlüsse neue? Tarifverträge ermöglichte. Die schwierige finanzielle Lage der Organisation beleuchtsie der Kassenbericht des Genossen Becher, aus dem hervorging, daß die Lokal lasse zur Hnhaltung ihrer statutarischen Ver- pflichlungen gegenüber den Mitglieder im zweiten Quartal wiederuin einen Zuschuß vom Verbandsvorstand benötigte, und zwar dies- mal in Höhe von 33 000 Mark. Durch die Beschlüsse des Ver- bandstages dürfte auch dieser auf die Dauer unerträgliche Zustand noch im Laufe des dritten Quartals behoben werden. In der Diskussion versuchten einige„oppositionelle" Delegierte, die sich infolge des Fehlens von Angriffspunkten gegen die Orts- � Verwaltung nicht mit dem Geschäftsbericht, sondern mit der„Ein- hcitsfront" befaßten, für die KPD. Propaganda zu machen. Die „Opposition" bestand aus ganzen 14 Mann von insgesamt rund 400 anwesenden Delegierten. Die Generalversammlungsdele- gierten lehnten den Einheitsfrontgedanken nicht ab, verwahrten sich aber entschieden dagegen, ihn zu einem Parteigeschäft für die KPD. herabwürdigen zu lassen. Lubiläumstagung der Lederarbeiter. Auf der Tagung des Lederarbeiterverbandes in Frankfurt sprach der Vorsitzende des ADGB., Graßmann, über die gegenwärtige Situation und die Weltwirtschaftskrise. Die Gewerk- schaften mühten mit einer Steigerungder Angriffe auf ihre Organisationen rechnen. Dringend nötig wäre deshalb jetzt wirklich die E i n h e i t s f r o n t. Die deutsche Industrie sei in erschreckendem Maße zusammengeschrumpft. Ihre Produktion stehe heute etwa auf dem Stande am Ausgang des vorigen Jahrhunderts. Die Lage Amerikas zeige am besten, daß der Marxismus an der Krise nicht schuld sein kann, denn nirgendwo sei der Marxismus so schwach wie in USA. und auch eine Sozialversicherung in unserem«inm gebe es in Amerika nicht. Autarkie bedeute für Deutschland Selbst- m o r d. Jetzt heiße es, die Regierung zur Arbeitsbeschaffung zu zwingen, denn ohne Arbeitsbeschaffung könne es in Deutschland und in der Welt nicht besser werden. Aus Anlaß des 60jährigen Bestehens des Landarbeiterverbandes fand eine kleine Feier statt. Der Grundstein zum Verband wurde am 2 August 1871 in Berlin von den Weißgerbern gelegt. Seit mehr als 30 Iahren leitet Genosse M a h l e r erfolgreich als Vorsitzender den Verband. Oer belgische Streik dauert an. Brüssel, 4. August.(Eigenbericht.) Die Hofsnung auf baldige Beendigung des Bergarbeitcrstreiks in den drei Kohlenrevieren des Hennegaues bleibt nach wie vor gering. Die Zechenbesitzer haben die von den Arbeiterorganisationen ge- forderte Lohnerhöhung von 5 Proz. zurückgewiesen. Sie wollen über- Haupt erst nach Wiederaufnahme der Arbeit diskutieren. Der Arbeits- minister hat nun eine Zwischenlösung vorgeschlagen. Danach soll zunächst die Frage der niedrig st en Löhne von Fall zu Fall geprüft und die Frage einer allgemeinen Lohnerhöhung einer besonderen Kömmission unterbreitet werden. Außerdem will die Regierung von sich aus Mahnahmen zur Besserung der Lage auf dem Kohlenmarkt treffen, und zwar durch weitere Einschränkung der Einfuhr. Ueber diese Vorschläge ist am Donnerstag in den Streikrevieren abgestimmt worden. Nach den vorliegenden Berichten hat sich die große Mehrheit der Streikenden gegen ihre Annahme ausgesprochen. Shffm'e Gewerkschafts-Iugend Verlin f Heute, 19 u» Uhr, tagen die Gruppen: tharlottenburg: Jugendheim Spreestr. Ä>. Heimbesprechung.— Rordring: Jugendheim, schule Lonnenburger Str. 29. Die Arbeit der Politischen Polizei.— Äeulölln: Sugendheim Treptower Str. 9«. Wir besuchen die Gruppe Hermannplah.— Hermannplatz: Jugendheim Sanderstr. 11, Ecke Hobrechtstraßc. Heimbesprechung. — Zeppelinplatz: Sugendheim Turiner Ecke Eeeslraße. Heimbesprechung. Zehn Minuten Tagespolitik. Verbandsbuch mitbringen.— Reinickcndors-Ost: Iu- aindheim Lindaucr Straße. Heimbesprechung. Ausspracheabend.— Adlershos: Jugendheim Adlershof, Bismarckstr. l. Heimbesprechung.— Prenz- lauer Berg: Jugendheim Gleimstr. zz. Heimbesprechung.— Wedding: Jugend» heim Willdenowstr. ö, 2 Treppen. Zimmer 11. Heimbesprechung. Siegreich wollen wir...— Freiheit: Jugendheim, Berufsschule Wafsertorstr. 4. Heimbesprechung. Anti.Äriegsseier.— Wir spielen ab 1« Uhr: Nordostkreis: Stadion, Buschallee.— Schöneberg: Badeabend im Hallenbad Hauptstraße. LuqenSgruppe des Zentralverdandes 0er Anqestellten Heute sind folgende Beranstaltungen: Südwest: Jugendheim Porck- straße 11(2. Hof, Quergebäude, 1 Treppe. Zimmer 50). Vortrag: Seife» eindrücke aus Amerika. Referent: Weigelt.— Spiele im Freie«: Ab IS Uhr Sportplatz Rehberge, Sportplatz Schönhauser Allee(Einsame Pappel), Platz Zb, Volkspark Reukölln(Rodelbahn), Treptower Park, Wiese 7, sowie Stadion Spandau-Hakentelde.— Photogruppc: Zusammenkunft im Verbandshau», Hede» mannstr. 12, Zimmer 24, von 1912 bi» 22 Uhr. Der„Vorwärts" erscheint wochenläglich zweimal, Sonntag» und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Anzeigenpreise: Die einspalt. MillimeterzeUe 30 Pf., Reklamezeil« 9.— M. „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort Z0 Pf.(zulässig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte Uber IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 20 Pf. Familienanzeigen Millimeter» zeile IS Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße Z, wochentäglich van S»/, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft:<9. Klingelhöfer: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: Herbert Lcp'r«; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt, Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u. Eo.. Berlin EW. 68, Lindenstraß« X Hierzu 2 Beilagen. WERTHEIM Zusendung von 6M an. Obst, Gemüse u. leichf verderbliche Artikel werden nicht zugesandt. Frlsdies Fleisdi Mastochsen-Schmorfl. 0.63 Mastochsen-Roulade.0.98 Kalbsbrust u.-Rücken 0.58 Kalbskeule o. Beilage, Pfd. 0.68 Hammelvorderfleisch..0.68 Hammelspitzbrust Pfd. 0.88 Hammelkeule... Pfd. 0.98 Schweineleber... Pfd. 0.78 KaSlerkamm u. Schuft 0.88 Schweinebauch.. Pfd. 0.62 Bratt. Rückenfett.. Pfd. 0.38 la Berl. Bratwurst. Pfd. 0.58 Rinderzunge.... Pfd. 0.68 Gehacktes..... Pfd. 0.48 Schweinekopf... Pfd. 0.18 Ochsenfleisch pfd 42 p,. Kalbskamm.. Pfd. 42 pf. Wurst Hausmacher-Sülze Pfd. 0.38 Dampf- u.Sülzwurst Pfd. 0.68 Landleber-, Speckwurst 0.78 Feine Leberwurst 1.18 0.95 Jagd- u. Mettwurst Pfd. 0.82 Zervelat u. Salami Pfd. 1.08 Filet- u. Teewurst. Pfd. 1.13 Speck fett Pfd. 0.72 mager 0.98 Schinkenspeck LStücken 1.13 Nuöschink. ca. 2 Pfd.. Pfd. 1.35 Obst Johannisbeeren.. Pfd. 0.15 Blaue Pflaumen.Pfd.O.U 0 20 Peiselbeeren.... Pfd. 0.17 Tomaten..... 2 Pfd. 0.35 Pfirsiche....... Pfd. 0.22 Musäpfel...... Pfd. 0.15 Schatten-Morellen Pfd. 0.22 Weintrauben.... Pfd. 0.38 Gemüse Einlege- u. Schmor- Gurken.... 4 Pfd. 0.18 Grüne Gurken Stck. ton an 0.05 Rotkohl....... Pfd. 0.05 Weiß-,Wirsingkohl3Pfd. 0.10 Möhren,«ewaacken 4 Pfd. 0.18 Schnabelschoten 2 Pfd. 0.25 Kartoffeln.... 10 Pfd. 0.32 Geflügel, Wild Wolgahühner.gefror.Pfd. 0.55 Tauben....... Stück 0.58 Hühner........ Pfd. 0.72 Brathühner..... Pfd. 0.88 Enten, gefroren.•,• Pfd, 0.60 Enten, frisch,.••« Pfd. 0.98 Backhähnchen... Pfd. 0.98 Blatt Rücken Keule Reh Pfd. 0.78 1.18 1,18 Hirsch Pfd. 0.68 0.78 0.98 Billige Lebensmittel Soweit Vorrats Käse u. Fett Blockkäse Til». Art balbf. 0.38 Camembert ToIIf.. Schacht. 0.18 Harzerkäse ca.l-Pfd.-Pak. 0.26 Briekäse ToUfett..... 0.58 Edamer, Holländer Tollf. 0.66 Tilsiter, Stelnbusch.Tollf. 0.66 Schweizer bayr.. Tollt an 0.95 Limburgerbalbf.O 48Tollf. 0.78 Margarine... Pfd. t. an 0.25 Kokosfett..... 3 Pfd. 0.88 Molkereibutter Pfd. 1.08 1.28 Markenbutter.... Pfd. 1.34 Fisdie Merlan u. Seelachs Pfd. 0.12 Kabeljau e.K..gi. F.. Pfd. 0.16 Rotbars ohne Kopf. Pfd. 0.16 Fischfilet...... Pfd. 0.18 Ausfernfisch.... Pfd. 0.24 Bratschollen... 2 Pfd. 0.35 Fettheringe, van«. 10Stück 0.38 Kolonialwaren Konserven>/, o°.. Pudding-Pulver, Vanille- u. Mandel-Geachmack Pfd. 0.38 Rote Grütze Götterspeise Haferflocken Bruchreis.. Tafelreis... ReisgrieB.. HartgrieB ... Pfd. 0.60 ... Pfd. 0.95 ... Pfd. 0 23 ... Pfd. 0.11 Pfd. 0.1 4 0.20 ... Pfd. 0.17 Pfd. 0.24 0.26 Makkaroni Bruch Pfd. 0.34 0.45 Olgmpia-Mehl i Pfd.-Bcutd 1.35 bi»1.55 Kaffee Pfd. 1.80 2.20 2.60 3.00 Gebr. Roggen u. Gerste 0.20 Malzkaffee..... Pfd. 0.25 aa t MM Vi Flasche ohne Glaa Edelapfelwein...... 0.40 1931 Obermoseler....0.58 1930 Liebfrauenmilch..0.80 1930 Berncastel. Riesig. 1.20 Maikamm.. Ltr. 77 sLtr. 3.60 JohannisbeerLtr.68 i Ltr. 3.25 Himbeer- u. Kirschsatt ohne Flasche 0.98 1.10 Würstchen. S-Paar-Do-a 0.65 Stangenspargel mittclct. 1.35 Bruchspargel mittelaurk 1.05 Kaiserschoten...... 1.25 Gemüse-Erbsen..... 0.58 Leipziger Allerlei....0 76 Apfelm US axtraf. 0.56, tafclf. 0.46 Erdbeeren........ 0.90 Konfitüre: 2-Pfd.-E;mer Pflaumen 0.95, Erdaeer. 0.98 Aprikosen, Orange...1.10 Räucherwaren Bückl.u.SchellfischePfd. 0.26 Seelachs...... Pfd. 0.32 Flundern...... Pfd. 0.28 Spickaal Bd.an0.20 Pfd-an 1.40 M. Matjesheringe 3 Stück 0.25 M. Saure Gurken 3 Stück 0.10 Senfgurken..... Pfd. 0.24 Hortensien 45 75 bldhend.Topf Rosentöpfe blühend PI. Stück 85 PL Nr. 365* 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Kreitag> 5. August 1932 Berlin will Sozialismus Relchstagsuiahi und siadtgariament.- 28 Prozent gegen 55 Prozent. Unmittelbar im Anschluß an die Reichslagswahi hat in der Ber- liner Presse das Rätselraten darüber eingejegt, wie sich dieses Wahler- gebms auf die Zusammensezung der Berliner Stadtverord- n»tenversommlung auswirken würde. Insbesondere die Rechtspresse ist hierbei eifrig an der Arbeit gewesen, zumal sie ja gleich nach dem Reichseingriff in Preußen die Frage der N e u w a h l der Gemeindevertretungen in die Debatte geworfen hatte. Wir haben uns absichtlich an dem Spiel, die Reichstagswahl- zahlen auf etwaige Stadtparlamentswahlen umzurechnen, bisher nicht beteiligt. Denn einmal wird die Gemeindepolitik nicht aus- schließlich von den örtlichen Vertretungskörperschaften beeinflußt, sondern ebensosehr und unter Umständen noch stärker von der Politik des Reiches und des Staates. Wir Sozialdemokraten wissen, daß es bei jeder Reichs- und Landtagswahl zugleich auch um das Schicksal der Gemeinde geht. Auf diese Verbundenheit haben führende Berliner Kommunalpolitiker vor der Wahl im„Vorwärts" mit allem Nachdruck hingewiesen. In der Rechtspresse wird der Anschein zu erwecken versucht, als ob die Wahl in Berlin irgendwelche sensationelle Ueberraschungen gebracht hätte. Das nationalsozialistische Blatt der Berliner Gosse hatte die Darstellung des Wahlresultats großspurig mit„Berlin ist nationalsozialistisch!" überschrieben. Soweit sind wir glücklicherweise denn doch noch nicht! Wenn man die abgegebenen Stimmen schema- tisch umrechnet auf Stadtoerordnetenmandate(wie diese Blätter es ja tun), so ergibt sich zunächst eine Vergrößerung der bisher schon vorhandenen sozialdemokratisch-kommunisti» schen Mehrheit: 62 SPD.-s- 62 KPD. bei 225 Mandaten gegenüber zur Zeit 65-1-54(st- 1 SAP.). Der berühmte Einbruch in die marxistische Front ist also in keiner Weise gelungen. Berlin ist so wenig nationalsozialistisch wie seiuals zuvor. 28 Proz. Nationalsozialisten stehen 55 Proz. Marxisten gegenüber. Das Bild hat sich für die Nattonalsozialisten sogar verschlechtert, da bei der Landtagswahl denselben 28 Proz. nur 52 Proz. gegenüberstanden. Die Wahlbeteiligung der Berliner war faktisch diesmal stärker als bei der Landtagswahl, es wurden zwar etwas über l 00 000 Stimmen in Berlin selbst weniger abgegeben, dafür ober über 300000 Stimmscheine ausgestellt. Jedenfalls erklärt sich mindestens ein Teil des Stimmen rückganges aus dieser Tatsache. Man kann nur eins feststellen— und das ist allerdings unumstößlich sicher: Ein neugcwähltes Stadtparlament würde genau wie Landtag und Reichstag zur Arbeitsunfähigkeit verurteilt fein, solange die Kommunisten jede verantwortungsbewußte kom- munalpolitische Arbeit ablehnen. Denn solange ist eine praktische Auswertung der sozialdemokratisch-kommunistischen Mehrheit nicht möglich, und an ihre Stelle tritt eine Oppositionsmehrheit, zu der mindestens 65 Nationalsozialisten, 19 Deutschnationale und 62 Kommunisten gehören würden. Aus der anderen Seite ist keine Mehrheitsbildung mehr rechts oder in der Mitte möglich, denn alle bürgerlichen Parteien von den Nationalsozialisten bis zur Staats- parte! würden nur noch 102 Stimmen von 225 haben, die bisherigen Etatsparteien sogar nur 79. Der„Sieg" der Nationalsozialisten, ihre Aufsaugung der bürgerlichen Mittelparteien und ihre Ab- saugung der Deutschnationalen, bei gleichzeitiger Verstärkung der marxistischen Front, hat kein anderes Ergebnis, als die parlamen- tarische Arbeit immer mehr zur Unfruchtbarkeit zu verdammen. Man kann e» bei dieser Sachlage verstehen, wenn die Fansaren- rufe noch Auflösung der Gemeindeparlamente zum mindesten in Berlin in gedämpften Trommelklang übergegangen sind. Es bleibt nun noch die gerade jetzt wieder unverholen aus- gesprochene Absicht, durch eine Neuwahl wenigstens die in nächster Zeit fälligen Stadtratswahlen in der Zentrale wie in den Bezirken zugunsten der Reaktion zu beeinflussen. Man setzt dabei die bisherige törichte Abstimmungspolitik der Kommunisten ohne weiteres als sicheren Faktor in die Rechnung ein. Gleichwohl könnte man sich selbst dann bös« in die Finger schneiden, denn schon eine ganz geringe Stimmenverschieb'ing bei Kommunalwohlen, die doch mindestens höchstwahrscheinlich ist, wirft die ganze spitzfindige Rech- nung über den Hausen, und zwar sowohl in der Zentrale wie in den Bezirken. Es fei nur der Vollständigkeit halber angeführt, daß in nicht weniger als 12 Bezirken eine sozialdemokratisch-kommu- nistische Mehrheit, in 7 Bezirken eine Mehrheit der bisherigen Etatsporteien schon jetzt bestehen würde. Die Sozialdemo- k r a t i e würde also jedenfalls Neuwahlen in keiner Weise zu fürchten haben, und sie kann ruhig abwarten, ob sich die„Anregun- gen" der Rechtspresse und der Nationalsozialisten etwa zu einer der in letzter Zeit üblichen ultimativen„Forderungen" an die Regie- rung verdichten sollten. Sie weiß: Beim voreiligen Griff nach der Macht hat schon manch einer in Dornen gegriffen— oder in Eiserne Pfeile! Die Schule geht wieder an. Gestern Ferlen$dilii8/„llrlsa!9er"-Ztt$e zarthk /Absditedsiest am Wannsee Gestern war Schluß der großen Sommerserien für die Berliner Buben und Mädel, heute heiß» es wieder steißig zur Schule gehen! Auf allen Bahnhöfen kamen in diesen Togen die kleinen Ur> lauber von den verschiedensten Erholungsstationen zurück. Auf dem Schlesischen Bahnhof kommen die Ostpreuhenreisenden, aus dem Stettiner Bahnhof die Besucher der Ostsee, auf dem Anhalter Bahn- Hof die Urlauber aus Sachsen, Boyern und Oesterreich an. Braun- gebrannt und rotbäckig marschieren die Riesenkolonnen von 800 bis 1100 kleinen Ferienreisenden in Berlin«in, von Voter, Mutter und Geschwistern freudigst in Empfang genommen. Für die Dielen, Allzuvielen. denen nicht da» große Glück einer Erholungsreise lachte, bot sich auf den großen Berliner Außen- s p i e l p l ä tz e n Gelegenheit zur Erholung und Kräftigung. Gestern herrschte Abschiedsstimmung in der Wuhlhcide und im Plänterwald, im Grunewald, im Bücher Forst und am Mannseegestade. Man schmückte den Platz mit Fähnlein und bunten Papiergirlonden und lud die Eltern zur Abschiedsvorstellung ein. Kinder-Zirkus gibt Abschiedsvorstellung. Die 300 jugendlichen Wannsee-Kolonisten de» Bezirke» Tier- garten hotten auf ihrem Spielplatz einen prächtigen F r e i l u s t- z i r k u? aufgebaut, mit allem, wo» dazugehört. Da war da» Zirkusorchester— gebildet aus den Rettungsengeln der Wannsee- fluten, den Bade- und Schwimmeistern— da war der Herr Zirkus- direktor in weißen Handschuhen, Zylinder und Bodehose, der Elown und da» Fräulein, die tänzelnd und hold lächelnd die Nummern- tofel über die Bühne trägt. Dann rollte ein Programm ab, dos an Größe und Buntheit schon wirklich einer richtigen ,,G a l a< E l i t e- Vorstellung" glich. Zuerst sangen und tanzten die ollerjüngsten Künstler ein niedliches Ringclreihenlied, dann gab es einen launigen Dialog k la Zille zwischen„ihm und ihr", dann präsentierte sich die männliche Sportmannschaft. Ganz wie die Alten aus der Manege zeigten sie die kompliziertesten Kabolzsprünge, Luftrollen, Handstände und andere turnerische Spezialitäten. Im nachfolgenden Trocken- schwimmakt führte der Wannsee-Schwimmeister seine jüngste Schülerschaft vor, die wahrend der Ferien unentgeltlich Schwimm- Unterricht erhielt und dicht vor dem Freischwimmen steht. Die Klicks-Klocks-Girls, braungebrannt und höchstdekolletiert, erwiesen sich als hoffnungsvoller Nachwuchs der Iosefine Baker. Dann gab es noch allerlei Ulk, und zum Schluß stieg ein Märchen- spiel„Rübezahl am Wannsee 1932", in dem es von Feenkindern, bösen Iungens und prächtig kostümierter Statisterie nur so wim- melte. Als Lohn für die hübschen Darbietungen gab es eine be- sonders wohlschmeckend ausgebaute Kaffeetafel für die Künstlerschar, zu deren Gelingen alle Wannseeonkels etwas beige- steuert hotten. Vater C l a j u» stiftete aus seinem Fonds für Kinder. Ipeisung jedem eine Riesentüte, gefüllt mit Schokolade, einem hüb- schen Buch, Photographien vom Ferienleben am Wannsee und noch anderen netten Ueberraschungen,- der Pächter de» Restaurants lieferte Kübel voll Gratisspeiseeis, eine prima Schokolade samt dem erforderlichen Kuchen, dann gabs noch ein Paar Exttowürstchen für jeden. Die jugendlichen Urlauber am Wannseegelände sind in ideeller wie auch in materieller Beziehung besonders gut dran: sie haben auf der einen Seite den prachtvollen Badestrand, den ja leider keiner der anderen Außenspielplätze aufzuweisen hat, und auf der anderen Seite wird ihr Essen an Ort und Stelle, im Wirtschaftsbetrieb de. Wannseebades gekocht, und es entsteigt den Kochtöpfen da eine be- sonders kräftige Hausmannskost. Der Erfolg bleibt denn auch nie aus, durchschnittlich ist die Gewichtszunahme etwa 4 Pfund pro Kind, es gibt aber auch Gewichtszunahmen von 8 bis 10 Pfund zu verzeichnen. Verbrecherjagd in Eietiin. Feuergefecht von Auto zu Auto. Stettin, 4. August. Zm Sasscnraum der hiesigen Beichsbanksillale machte sich heute ein Mann dadurch verdächtig, daß er wiederholt Kassenboten, die den Vankraum verließen, nachging und sie beobachtete. Vor der Reichsbankfiliale wurde die Polizei auf das ver- dächtige Treiben aufmerksam gemacht. Als ein Polizeibeamter zur Festnahme schreiten wollte, gab der Verbrecher einen Schuß ab, durch den ein Strahenpasfant schwer verletzt wurde. Dann zwang er einen Taxichausseur mit vorgehaltenem Revolver, ihn zum Bahnhof zu fahren. Ein llebersallkommando nahm die Verfolgung der Taxe aus und versuchte, sie durch Revolverschüsse zum halten zu bringen. Zwischen dem Ueberfallkommando und dem Flüchtling entspann sich ein regelrechtes Feuergefecht.bei dem der Flüchtling so schwere Schußverlchungen erlitt, daß der Taxichausseur seinen Magen onhallen und den Znsassen verhaften lassen konnte. Durch eine abirrende Kugel des Verbrechers war ein B«- amter der Mafferpolizei schwer verletzt worden. Die Personalien des Verhafteten konnten noch nicht fesigestellt werden Blitz steckt Wohnhaus in Brand. Gewitter und Vlitjemfchtä'ge. Ein« schmale Gewitterfront zog gestern am frühen Nachmittag über Berlin hinweg. Kurz nach 14 Uhr kom dickes Gewölk von Süden herauf, und bald prasselte ein regelrechter Wolkenbruch nieder. Am schlimmsten wütet« das kurze Unwetter an der südlichen und südwestlichen Peripherie der Stadt. Besonders zwischen Pichelsdorf und W a n ns e e kam es zu häufigen elektrischen Entladungen. Mehrmals schlug der Blitz ein, doch handelte es sich meist um k a l t e S ch l ä g e. die keinen nennenswerten Schaden anrichteten. Nur in einem Falle zündete der Blitz und setzte in Kladow an der Hovel das Dach eines massiven Wohnhauses in Flammen. Das Feuer griff schnell um sich und die alarmierte Feuer- wehr war längere Zeit mit den Löschinaßnahmen beschäftigt. Dos Haus ist nicht nur durch den Brand, sondern auch durch den sehr starken Lustdruck im Augenblick des Einschlages erheb- lich beschädigt worden. Oer„Beauftragte" der Sparkasse. Alte Leute als Opfer eines Betrügers. Ein Betrüger treibt gegenwärtig in Groß-Berlin sein Un> wesen. Der Schwindler hat es hauptsächlich aus alleinstehende alte Leute abgesehen. Er gibt sich fälschlich als Beauftragter der Sparkasse der Stadt Berlin aus und teilt den Sparkunden mit, daß sie auf ihre Auswertungsguthoben namhafte Beträge nach- gezahlt erhalten sollen. Er stellt eine baldige Auszahlung dieses Geldes in Aussicht, wenn ihm eine„Kündlgungsgebühr" in SHöHe von etwa 20 M. sofort ausgehändigt wird. In zahlreichen Fällen haben die gutgläubigen Sparer dem Schwindler die geforderte Summe gezahlt. Die Sparkasse der Stadt Berlin sendet ihren Sparkunden nur in Ausnahmefällen Beauftragte ins Haus, die sich ohne weiteres durch amtlichen Ausweis ausreichend legitimieren. Die Sporer werden in ihrem eigenen Interesse ge- beten, sich Personen gegenüber, die sich als Beauftragte der Spar- kasse ausgeben, ohne sich einwandfrei zu legitimieren, unbedingt ab- lehnend zu verhalten und, wenn irgendmöglich, für die sofortige Fe st nahm« dieser Personen Sorge zu tragen. Explosionsunglück in italienischer Fabrik. Turin. 4. August. In einer hiesigen Metallfabrik ereignete sich ein schweres Unglück. Aus noch nicht festgestellter Ursache explodierte ein Kompressor für flüssige Lust: dadurch wurden vier Ar- beiter getötet und drei schwer verletzt. 'a. OtMMcr in(länsjt Xand beweist, daß Sie Qua/ifäts sind! Wer also auf besfe Tabake und volles Format Wert legi und immer sicher sein will, frische, köstliche Cig aveiten zu erhalten, greife zu Iäö. Gerade weil Jos etti wohlbedacht auf Zugaben in Form von Weltmarken, Gutscheinen und Stickereien verzichtet, bleibt Juno immer ein Beispiel deutscher(Uertarbeit. Naziheize gegen Sdwpo gehl weher. Sie lügen, um unterwühlen zu können.— Anmaßung ohne Grenzen. 800 neue Giedierfietten. Ausgabe der Fragebogen ab 8. August. Nachdem der Magistrat der Fortführung der Stadtrand- sieölungsaktion zugestimmt hat, werden jetzt in einem Rundschreiben des Oberbürgermeisters an die Vorsitzenden der Bezirksämter nähere Einzelheiten über diese Aktion veröffentlicht. Von den 25 Millionen, die das Reich für den weiteren Aus- bau der Stadtrandsiedlungen zur Verfügung gestellt hat, werden Berlin 2 Millionen Mark für die Errichtung von weiteren 800 Klein- fiedlerskellen zugeteilt. Das Höchstdorlehn beträgt für jede Siedler- stelle wie bei der ersten Aktion 2300 Mark einschließlich lebenden und toten Inventars. Dabei soll in Abweichung von den Maß- nahmen bei der ersten Aktion für Familien mit vier und mehr Kindern ein verlorener Baukostenzuschuß von 120 Mark sowie für Familien mit fünf und mehr Kindern ein erhöhtes Reichsdarlehn von 500 Mark für jede Siedlerstelle zusätzlich gewährt werden, mit der Bedingung, daß im erfteren Falle je eine und im letzteren Falle je zwei Dachkammern sofort ausgebaut werden müssen. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen bei der ersten Sied- lungsaktion weichen für die zweite Aktion neu« Fragebogen ausgegeben. Diese Fragebogen liegen ob Montag, den 8. A u g u st, bis einschließlich 2 0. August bei sämtlichen Zahlstellen der Wohlfahrtsämter und Arbeitsämter aus, und zwar bei den Zahl- stellen der Wohlfahrtsämter für die Wohlfahrtserwerbslosen und bei den Zahlstellen der Arbeitsämter für die Empsänger der Ar- beitslosenunterstützung und Krisenfürsorge.. Ferner wenden Frage- bogen bei den Pförtnern des Berliner Stadthauses in der Kloster- straße, Stralauer Straße, Jüdenstraße und Parochialstraße aus- gegeben. Sämtliche Ausgabestellen sind verpflichtet, Fragebogen auch an sonstige Erwerbslose(Rentner, Kriegsbeschädigte usw.) ab- zugeben. Die von den Erwerbslosen ausgefüllten Fragebogen müssen von ihnen bis spätestens 22. August an die Ausgabestellen zurück- gegeben werden. Erwerbslose, die sich bereits bei der ersten Aktion um eine Stadtrandsiedlung beworben hatten, müssen ebenfalls einen neuen Fragebogen für die zweite Aktion ausfüllen und erneut einreichen. Das Massengrab im Meer. Wie die„Niobe" gehoben werden soll. klel. 4. August. Da infolge der starken Strömung an der Unfallstelle der „N i v b e* der Hebung an Ort und Stelle erhebliche Schwierigkeiten entgegenstehen, ist jetzt geplant, das Wrack vor seiner Hebung von dem jetzigen Liegeplatz in ruhigeres Fahrwasser abzu- schleppen. Zu diesem Zweck wird der Hebeleichter„Hiev" über der „Niobe" verankert und dann voll Wasser gepumpt, damit er so tief wie möglich sinkt. Dann werden Leichter und Wrack von Tauchern durch starke Stahltrossen miteinander verbunden und der Leichter wieder leer gepumpt. Durch den Austrieb, den er auf diese Weise erhält, hofft man, die„Niobe" anzuheben und so den Transport unter Wasser durchzuführen. Erst wenn das Schiff dann in ruhi- gerem Fahrwasser liegt, werden die eigentlichen Aufrichtungs- und Bergungsarbeiten beginnen. Zluf Anregung des Kommandos der Ostseestation ist die Cr- richtung eines G e da ch t n i s m a le s für die Toten der„Niobe" auf dem Garnisonsriedhof geplant. Totengrust für die Gefallenen von Verdun. Paris. 4. August. Für die Gefallenen von Verdun, die zum großen Teil— soweit es sich um französische Soldaten handelt— noch keine letzte Ruhe- stätte gefunden haben, ist jetzt in Douaumont ein« Toten- g r u f t errichtet worden, die am nächsten Sonntag vom Präsidenten der Republik feierlich eingeweiht werden soll. Das Ende des Einbrechers. Aus der Spree wurde Donnerstagvormittag die Leiche des Gelegenheitsarbeiters Leo D o m a n j k i geborgen. D. war ein be- kannier Schaufenstereinbrecher und erst kürzlich aus dem Gefängnis, wo er bereits einmal versucht hatte, sich zu erhängen, entlassen worden. Verschiedene Verletzungen an der Leiche ließen den Ver- dacht aufkommen, daß Domanski gewaltsam getötet und dann ins Wasser geworfen worden sei. Die Obduktion hat ergeben, daß der Tod durch Ertrinken eingetreten ist. Es besteh: danach kaum noch ein Zmeisel, daß der Einbrecher in einem Anfall von Lebensllber- druß Selbstmord verübte, nachdem er zuvor noch einige Kneipen am Engeluser ausgesucht hatte. Um ober völlige Klarheit zu schaffen, geht die Ermittlungsorbeit der Mordkommission weiter. Schon seit langem hoben wir immer wieder auf die Wühlarbeit der Nationalsozialisten und namentlich ihres Berliner Organs, des „Angrisf", hingewiesen, die das Ziel verfolgt, der Berliner Schutz- polizei den Charakter einer über den Parteien stehenden, gegen jeden Rechtsbrecher einschreitenden Truppe zu nehmen und sie zu einer bewaffneten Organisation herab zuwürd ig en, die ihre Aufgabe in einer Duldung und Förderung nationalsozialistischer Exzesse sieht. Die Methode der nationalsozialistischen Wühlarbeit bleibt sich immer gleich. Sie geht dahin, ein Revier zu loben und das andere zu beschimpfen und zu bedrohen, weil das eine dem braunen Schreiber nationalsozialistisch verseucht erscheint, das ander« aber pflichtgemäß handelt, indem es auch nationalsozialistische Strolche so behandelt, wie sie es verdienen. Des weiteren ist zu beobachten, daß. je mehr die Schaudtaten der bewaffneten Nationalsozialisten zu- nehmen, um so lauter in dem Lügenblatt von angeblichen Misse- taten der antifaschistischen Gruppen berichtet wird. Die Angaben des Naziblattes sind, wie man nicht anders erwarten kann, zum großen Teil s r e ch erlogen und aus den Fingern gesogen. Die niederträchtige Taktik, die bei dem Uebersoll der Nazis auf von einer Demonstration heimkehrende Kommunisten am Nonnendamm in der Siemens st adt besonders kraß in Erschei- nung trat, wird weiter verfolgt: damals schrieb der„Angrisf" zu einem Zeitpunkt, an dem die Täterschaft der Nationalsozialisten bereits einwandfrei feststand, daß wahrscheinlich Kommunisten oder Reichsbannerleute die Täter gewesen wären. Beim Uebersoll auf unseren Reichsbannerkameraden W o e l s e l, der auf dem Wege zur Arbeit von einer Horde aus dem Hinterhalt überfallen worden war, 30000 Sprengkapseln gesunden. Sprengstoffund in Wilhelmshorst. Zn dem Vorort Wilhelmshorst bei Potsdam ist dieser Tage ein großer Spreng st oss-Aund gemacht worden, der jedoch erst gestern bekanntgeworden ist. 3n der Wohnung eines kürzlich verstorbenen Sprengmeisters sind mehrere Kisten gesunden worden, die etwa 30 000 Sprengkapseln enthielten. Welchem Zweck die Sprengstoffmenge dienen sollte, wird wohl ewig ungeklärt bleiben, denn der Besitzer ist tot und die Ange- hörigen hatten von dem Vorhandensein der 30 000 Sprengkapseln und mehrerer Pfund Pikrinsäure noch ihren Angaben keine Kennt- nis. Der Ausbewahrungsort des Sprengstosfes war ein aus- getrockneter Brunnenschacht und durch einen Zufall wurden die Kisten mit ihrem gefährlichen Inhalt entdeckt. Die Sprengkapseln sind zunächst von der Polizei beschlagnahmt worden. „Montgolfiere"- Aufstieg am Funkturm. In allen illustrierten Geschichtsbüchern der Technik sieht man aus den ersten Ansängen der Lustschiffahrt das erste nach ihren Er- sindern, den sränzösischen Ingenieuren Brüder Montgolsier, benannte Lustschiff„M o n t g o l f i e r e", das war ein Ballon, der nicht mit Gas oder Wasserstoff gefüllt wurde, sondern mit heißer Luft. Das war vor genau 150 Iahren, und inzwischen hat die Luft- schiffahrt die ungeheuren Fortschritte gemocht, die wir olle kennen und bewundern, und die„Montgolfiere" ist ganz in Vergessenheit geraten. Aber der deutsche Luftschifferartist Conrad aus Guben hat sich diese Art Luftschiffahrt zu einer Spezialität erkoren, und so konnte man in dem Terrassengarten der Ausstellung„Sonne, Luft und Haus für Alle" einem Montgolfiere-Aufflug tatsächlich beiwohnen. Unter der Ballonhülle wurden nach und nach drei Zent-\ ner Stroh verseuert, bis die Hülle rund und prall war. Dann ließ die Haltemannschaft los und der Ballon sauste mit dem Artisten, der an einem Reck Kunststücke vollführte, in die Luft. In etwa 150 Meter Höhe sprang Conrad ab. Sofort entfaltete sich der Fallschirm und der Artist kam in glattem Flug gut zu Boden. Aber auch unmittelbar nach seinem Absprung ließ die Antriebskraft des Ballons noch, und er sank gleichfalls zu Boden, merkwürdiger- weife gar nicht weit von der Aufstiegstelle, und zwar in der Mo- surenallee. Das Schauspiel hatte eine große Menge Leute herbei- gelockt, die den Vorbereitungen und dem Ausstieg mit großem Inter- esse folgten und dem kühnen Artisten zujubelten. hieß es im„Angriff", daß der einzelne Mann die Wegelagerer bedroht habe. Man lügt eben, wie nur Nazis lügen können. In dem gestrigen Raziblatt ist unter der Balkenüberschrist„Rote Mordstossel im Virchow-Viertel" ein Fall geschildert, bei dem ganz kurze Erkundigungen genügen, um die nalionalsozialistischen Lügner zu entlarven. Da liest man:„Gerade das Revier 44 in der Genter Straße, aus dem eifrig die Zeitung des Reichsbanners ge- lesen wird, besitzt noch mehrere Beamte, die nicht mehr das Vertrauen der ihnen zum Schutz empfohlenen Oefientlichkeii haben." Dem überheblichen Schrcibling sei gesogt, daß nur 28 proz. der Berliner Wähler nationalsozialistisch. 55 proz. dagegen marxistisch gewählt haben. Wo leitet also das Blatt leine Berufung her, für die„zum Schutz empfohlene Oefientlichkeit" zu sprechen? Die Berliner Bevölkerung erwartet vielmehr von den Beamten der Berliner Polizei, daß sie getreu der von ibnen beschworenen Verfassung ihre Pflicht erfüllt! In dem Naziblatt wird weiter gegen einen Polizei wacht- meister der Vorwurf erhoben, daß er nicht gegen einen Reichs- bannermonn eingeschritten sei, dem„der Revolver buchstäblich aus der Tasche sah". Richtig ist, wie unsere Nachsorschungen ergaben, daß der Reichsbannermann bei einem Zwischenfall in der Müller- straße sistiert und zweimal ans das genaueste untersucht wurde, daß aber kein» Waiie bei ihm gefunden werden konnte, weil er keine besaß. Er konnte auch nicht„seine Masse ungehindert seiner Braut übergeben," weil er nämlich weder oerlobt ist, noch eine Waffe besitzt. Der Beamte hat vollkommen pMichtgemäß gehandelt. Nur deshalb greifen ihn die Nazi? an, weil sie wissen, daß er auch gegen sie, wenn es darauf ankommt, sein« Pflicht erfüllen wird. VerfassunqSfeier in der Neuen Welt. Die Ortsvereine Kreuzberg und Neukölln des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold veranstalten eine große Verfassungsseier als Volksfest im Garten und in den Gesamträumen der Neuen Welt in der Hasenheide. Das Fest findet am Sonnabend, dem 13. August, von 15 Uhr an statt. Außer der Festansprache wird ein glänzendes Unterhaltungsprogramm geboten. Eintrittskarten zum Preise von 40 Pf. sind bei allen Funktionären, in den Verkehrslokalen sowie in den Geschäftsstellen der republikanischen Parteien erhältlich. Er- werbslose zahlen nur 20 Pf. Nur noch drei Tage Sommerschau? Am kommenden Sonntag wird die diesjährige Berliner Sommerschau„Sonne, Luft und Hai.s für Alle!" geschlossen. Die letzten drei Tage bringen für den Ausstellungsbcsucher besondere Veranstaltungen. Am Freitag werden im neugeschaffenen Terrassen- garten, der mit seinen 4 bunten Blumenterrassen der schönste und größte Garten Berlins ist, auf dem Wicsenoval Windhund- rennen hinter dem mechanischen Hasen veranstaltet. Am Sonn- abend und Sonntag findet, ebenfalls im Terrossengarten, das II. Reichstreffkn der deutschen Reiterjugend statt. Genosse Alfred wilk, Stadtrat in Charlottenburg, begeht am 6. August seinen 60. Geburtstag. Genosse Wilk ist seit 34 Jahren Mitglied der Partei und viele Jahre Leiter des Charlottenburger Kreises. Seit nahezu 25 Jahren gehört er den Stadt- und Bezirks- körperfchasten an und ist seit über ein Jahrzehnt unbesoldeter Stadtrat. Dem Berliner Bischof Dr. Schreiber hat Oberbürgermeister Dr. Sahm telegraphisch die Glückwünsche der Reichshauptstadt zur Vollendung seines 60. Lebensjahres ausgesprochen. Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner„Schwarz-Roi-Gold". Geschäftsstelle: Berlin E. 14. E-dastionstr. 37—38. Ho« 2 Zr. Hermedorf(Kameradschaft). Freitag, 3. August, 20 Ahr, Mitglieder» Versammlung beim Kameraden Ockrent, Berliner Ecke Bahnhosstraße. — Wassersportabteilung. Zug Köpenick. Sonnabend, 6. August, 21 Ahr „Italienische Nacht" im Bootshaus. Eintritt auch für Gäste frei. Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegcrhinter» bliebeuen. Ortsgruppe Charlottenburg. Mitgliederversammlung am Freitag, dem 6. August, in Eckmanns Festsölen. Beginn 20 Uhr. Tagesordnung: Für- sorgebeftimmungen. Zeutralverband der Arbeitsinvaliden und Witwe» Deutschlands, Gau Groß- Berltn. Geschäftsstelle: Berlin-Schöneberg, Kaifer-Friedrich.Str. 9. III. Freitag, 5. August. Kreutberg II: Lokal Wollschläger. Adalbertstr. 2!(15 Uhr).— Kreuz- berg III: Lokal Reichenberger Hof, Reichenberger Str. 147(17 Ahr).— Rei- nickendorf-West: Lokal Volkshaus, Ccharnweberstr. 113(19 Uhr).— Tegel: Lokal Lehnhardt, Berliner Str. 84(18 Uhr).— Alt-Glienicke: Lokal Habrecht, Friedrichstr. 2(19 Uhr). OskAv Äus. 74 / /\A Ganz Konstanz schläft-, der Andres Axt und sein Rott- mann, Sträubele, der Schwab, schlafen mit. Nicht den ge- schreiig unterbrochenen Schlaf der Kriegsknechte schlafen sie diese Nacht, ewig auf dem Kies nach Alarm und Herausruf, nein, die beiden ruhen sich aus als von jeder Pflichtsatzung frei, sie haben den Konstanzer Solddienst von sich getan. Morgen, in der Frühe, wird sie kein Taghorn mehr wecken und schrecken. Nein, wenn der Wächter bläst:„Der Tag wird neu, hoch von der Streu!", da werden sie sich erst noch mal vergnüglich auf ihren Pritschen drehen und weiterschlafen. Keine Waffe drückt sie mehr; denn sie haben das Zeichen ihres Dienstes, das Partisaneisen, gleich nach der Rückkehr vom Brühl, noch vor der Vergatterung, ißrem Waibel behandet.— „Was kommt euch verchaibte Unruhgeister denn an?!" hat halb im Spaß, halb im Zorn der Humpert gesagt und sich dabei brummig den roten Schnauzer gestrichen.„Ja, was kommt euch an, daß ihr mitten im währenden Frieden eure Absprache mit Konstanz so jäh ins Eck schmeißt? Hat euch die Stadt die Speckerbsen nicht immer dick genug gekocht? Hat sie euch nicht immer das volle Gewicht an Brot gegeben? Oder ist etwa der Bogt mit euch ungnädig und rauhbauzig gewesen?"—„Das Brot war vollgewichtig, daran liegt's nicht, und auch der Bogt hat uns nie an das Halsblech ge- klopft!" war des Sträubeles Antwort, und der Axt hat dabei bestätigend mit seinem Struppkopf genickt.„Aber heute, Waibel, kochte uns die Stadt in der Tat die Erbsen zu feurig!"—„Fahrt hin, wo ihr wollt, ihr jähen Potzdunder, überall werden.die Ketzer so glutig bedient! Das ist mal nicht anders bei ihrem teuflischen Handwerk!"—„Mag sein, Waibel, aber wir sind Landsknechte und haben uns als Landsknechte verdingt, aber nicht als Helfershelfer des Schinders. Ueberdies, Humpert, vergiß das nicht, uns will scheinen, man habe heute den Hund auf eine falsche Fährte gehetzt. Jedenfalls halten wir es für besser, aus dieser Station des Friedens wegzuziehen an einen Ort, wo draufgehauen wird! An einen Ort. wo es Tiere gibt mit Klauen und Zähnen, um die es sich lohnt, feine Haut zu Markt zu tragen. Blur können wir sehen schüsselweis', aber kein Kaninchen- gewürge!"—„So fahrt denn in Gottes Namen zu eurem Teufel!"—„Waibel, desgleichen!"— Mit dieser Wünschung haben der Axt und der Sträubele den Rest ihres Soldes ge- nommen und sind damit über dem Umweg über drei, vier Schenken zunächst in einen tiefen Schlaf gefahren, jenen Schlaf, der im Augenblick ganz Konstanz behängt, das noch immer dahintreibt in den weißen Dünsten der Nacht, wie eine Insel im Meer, rauhstimmig überschrien von Gänsen, die mit ihrem Silberkeil den Himmel pflügen. 34. Ganz Konstanz schläft, nur Luzia schläft nicht. Sie sitzt auf den Staffeln des giftgelb gestrichenen Siechenhauses, das, gegen die Landzunge des Horns zu, eine Viertelstunde vor der Stadt liegt. Unbeweglich, wie ein Steinbild, sitzt Luzia da und starrt auf die Oberfläche des Sees, aus dem ohne Aufhören, wie Dampf aus dem Topf, wallend und quallend der Nebel steigt. Der Nebel näßt ihr das wirre Haar. Luzia merkt es nicht. Der Nebel hüllt sie ichleierig ein, verhängt ihr nach und nach den Blick auf die Sträucher am Ufer. Luzia merkt es nicht: sie ist ganz ihrem innern Gesichte gegeben. Wie lange sitzt sie schon da? Sie weiß es nicht. Das Gewesene, das Seiende, das Kammende sind in ihr verflossen zu einem einzigen Einen. Sie wird, solange sie lebt, den Begriff der Zeit nicht mehr kennen. Die Maße der Menschen sind in ihr zerbrochen und ungültig geworden. Sie hat Herrn Zizka auf vielerlei Umwegen auf die sichere Straße geleitet, und als er sie zum letzten Male grüßte und dann sich wandte und hinausritt in die Nacht, die ihn schon nach hundert Schritten mit ihren dunkelsten Tüchern deckte, da hat sie ihm nachgeschaut, bis ihr vor Schmerz die Augen brannten. Den Schlag ihres eigenen Herzens hat sie für das Tappen der Hufe seines Pferdes gehalten, um ihm so noch eine kleine Spanne näher zu sein. Erst als sich die Täuschung nicht länger aufrechterhalten ließ, hat sie sich bis hierher zurückgeschleppt. Ohne eigenen Willen ist sie auf dieser Treppe sitzen geblieben. Sie hat gar keine Ahnung davon, daß es das Haus der Aussätzigen ist, die Stätte der Ver- worfenen und Unheilbaren, die Zuflucht der von Gott Ge- zeichneten, sonst würde sie vielleicht vor diesem Ort Grauen hegen. Ist es eine Stunde her, daß Zizka von ihr schied? Ist es ein Jahr? Sind es tausendmal tausend Ewigkeiten? Luzia vermag keine Antwort zu geben. Sie weiß nur, daß Zizka fort ist, auf immer fort, und daß er nie mehr zurückkommen wird. Die Sonne geht unter, sie versinkt verglühend im dunkeln Meer. Des Menschen Herz aber weiß, die Versunkene wird sich am Morgen um so strahlender er- heben. Dies Wissen ist es, das die Nacht und ihre Schrecken erträglich macht. Luzias Herz jedoch weiß, daß ihre Sonne auf ewig hinabgesunken ist. Diese Sonne kennt keine Wieder- kehr. Luzia zittert und friert, sie schaudert, denn sie muß jetzt für immer im Nacht- und im Schattenreich leben. Unaufhörlich flattern Luzias Gedanken um den böhmi- schen Ritter. Jede Sekunde, jeder Zeitschlag seiner Gegen- wart belebt sich neu. Jede Phase der vergangenen Nacht und des heutigen Tages wird in ihr quick und lebendig. Sie wird nie die Tränen vergessen, die sie nach dem Ab- zug der Stadtknecht an seinem Herzen weinte. Nie seine Hand, die ihr wie eine Feuerhand über den Scheitel strich und die ihr lohendes Innere noch heller in Brand setzte. Ewig klingt der Klang seiner Stimme ihr im Ohr: „Du liebst mich. Mädchen? Aber ich bin Soldat! Ich habe nicht Zeit, an Liebe zu denken!"(Forts, folgt.) vorzeMge Auszahlung der Uulerflühungsbelröge auf dem Dedding. Dos Bezirkswohlfahrtsamt Berlin-Weddinq zahlt die am II. August 1932 lVerfassungstag) falligen laufenden Unterftützungs- betrage für Wohlfohrtserwerbslose schon am Vortage, am Mittwoch, dem 10. August 1932, aus, einlenOungm Mr viele Ziuvrl» sind K e r l i v SW SS, Lindenitrotze Z parteinachrichien/�Mfür Groß-Berlin stets aa das Bez»rtsjetretartat l. Hot. 2 Trevve« recbt». zu richte» Beginn aller Veranstaltungen Uhr» sofern keine besondere Zeitangabe! 32. Abt. Heute, 2l> Uhr, Funktionärkonferenz bei Baventin,.�rautstr. 36. 54. Abt. Sonnabend, 6. August, 20 Uhr, Borstandssitzung mit Gruppenführern im Jugendheim Rosinenstr. 4. 77. Abt. Heute Funktionärsitzung. 95. Abt. Heute. 20 Uhr, erweiterte Borftandssitzung an bekannter Stelle. 992. Abt. Sonnabend, 17 Uhr, holen die Bezirksführer Einladungen von Kaufmann ab. 1G8. Abt. Die Genossen werden ersucht, das entliehene Dabimaterial(Fahnen, Transparente usw.) Sonnabend, zwischen 17 und 19 Uhr, im Partetheim abzuliefern. 129. Abt. Heute, 20 Uhr, Funktionärkonferenz im Türkischen Zelt. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-Berlin. Stets Reukölln, Die(StupDcnabcnbe werden ab heute an be. kanntet Stelle wieder aufgenommen. Für alle Zeltlagetleilnehmer Dienstag, g. August, 17 Uhr. auf dem Shottplatz Sonnenallee legte Dolluersammlung, Für unsere weitere Arbeit ist es wichtig, das alle i' M Iungfalken und Rote Falken(einschließlich Brißer) erscheinen. Alle " � anderen Falken sind eingeladen. Die Rachuntersuchungen sinden ■JIM am Montag in der Tellstr, g, ab 15 Uhr, statt. Die restlichen Zelt. lagerbeträge müssen bis Montag bei Genossen Hans Schlaak abgerechnet werden, — Gruppe Iungpoli, Alle Falken lind heute, 17 Uhr, auf dem Sportplatz Sonnenallee,— Gruppe Lichtkämpfer, Iungfalken und Restsalken heute, IVA Uhr, Heim Jergstr, R. Rote Falken Baracke Ganghoserstraße, Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 94. Abt. 97. Bezirk. Am 3. August verstarb unser Genosse Werner Patschank, Neukölln. Okerstr. 36. Ehre seinem Andenken. Einäscherung am Sonnabend, dem 6. August, 15 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteili. gung wird gebeten. WSozialistisKeArbeiterjugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Nubrik nur an das Iugendsekretariat Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Die Plaketten„Jugend gegen Krieg" sind augenblicklich vergriffen. Wenn weitere Lieferung erfolgt ist, geben wir an dieser Stelle Mitteilung. Ableilungsmitgliederverfammlungen heute. Areitag, 20 Uhr: Rosenthaler Vorstadt: Tieckftr, 18.— Hansa! Bochumer Str. 8b.— Moabit I: Daldenserstr. 20.— Moabit H: Bremer Str. 70.— Schillerpark: Turiner Ecke Seestraße.— Falkplatz II: Sonnenburger Str. 20.— Hohenschön- Hausen: Freienwalder Str. 6.— Nordosten I: Danziger Str. 62.— Andreas« platz I: Brommystr. 1.— Baltenplatz: Tilsiter Str. 5.— Friedrichshaiv: Hause«: Freienwalder Str. platz I: Brommyftr. 1.— Tiestelmenerftr. 5—6.— Warschauer Viertel: Litauer Str. 18.— Warschauer Viertel(R..F.): Litauer Str. 18.— Luiseustodt: Dassertorstr. 4.— Schöneberg (R-F.): Hauptstr. 15.— Cherlottenburg: Rosinenstr. 4.— Charlottenburg'Süd: Vesta lozzistr. 40.— Treptow: Elsenstr. 3.— Adlershof: Bismarckstr. 1.— Köpenick I: Grünauer Str. 5.— Friedrichsfelde: Gunterstr. 44.— Kaulsdorf: Adolfstr. 23.— NeU'Lichtenberg: Gunterstr. 44.— Lichteuberg-Nordwest: Dosse» straße 22.— Hermsdorf: Roonstraße.— Schöneweide U: Berliner Str. 31.— Lichtenberg-Rord: Gunterstr. 44. 18� Uhr Funktionärsitzung(pünktlich). An. schließend Mitgliederversammlung.— Strolauer Viertel:' Goßlerstraße.— Eichkamp: Schule Lärchenweg. * Köllnischer Park: Köpenicker Str. 92. Humoristischer Abend.— Gesund. braunen II: Koloniestr. 8. Tagespolitik.— Arniwplatz: Sonnenburger Str. 20. Tagespolitik.— Arnswalder Platz I: Schönlonker Str. 11, B. 3. Ursachen des Weltkrieges.— Balkan: Mandelstr. 2. Reparationen und Abrüstung.— Weihensee: Caseler Str. 2. Arbeitsdienstpflicht.— Frankfurter Viertel: Frank. furter Allee 307. Der Urmensch in uns.— Friedenau: Offenbacher Str. 5a. Die Wahlen.— Britz: 19 Uhr Buschkrug(Königsheide).— Neukölln II: 18 Uhr Sportplatz 6.— Neukölln M: Sportplatz 6.— Neukölln IV: Kanner Straße. Traven-Äbend.— Neukölln IX: Steinrnetzstr. 94. Heiterer Abend.— Reu. kölln XI: Svortabend.— Baumschnlcnweg: Ernststr. 16. Tagespolitik.— — Mahlsdorf: Badeobend.— �orow: Frundsbergstr. 9. Wablergebnisse.— Wittenau: Hauptstr. 13» Auswirkung der Wahl.—'Reinickendorf'Ost: Lindauer Straße 1. Tagespolitik.— Neukölln vii: KMS. Sexuelle Fragen. 4. Teil. Werbebezirke Tiergarten und Wedding: Morgen, Sonnabend, 18 Uhr, Sprechchor in den Arminiussälen, Bremer Str. 72. Sport. Rennen zu karlshorsk. Potsdamer Flachrennen: I, Damtm(St. v, Mellen thin): 2. Wissenschaft: 3. Ciioluf. Toto: 100:10. Platz: 23, 11:10. Ferner liefen: Jn- ftruclnr, Remus, Cfarda, Tchüler-Hürden renneu: l, Cnurtifane sMüfchent: 2, Cnblenz: 3, Mauve, Toto: 22:10. Platz: 12, 12, 14:10. Ferner liefen: Milo, Rotbal(ges.i, Luckhum,.Öalzig igef,>, Winterfreudc, Vlras-Aech-Jagdrcnnen: l, Lohlond Auch Bewerberinnen, die an der gestrigen Veranstaltung nicht teil-! genommen boben, können sich on der heutigen Schlußwahl be- 1 teiligen. Also heute um 29 Uhr: Konzerthaus Clou, Mouerstroße.[ Slma«(fit seden Geschmack. Das Prinzip:„Niemanb soll sich langweilen! Jedem sollen ein paar nette Stunden ber Unterhaltung geboten werben! Und dazu soll das alles nichts oder wenig kosten!� hat dem„Traumland" in S ch ö n h o I z viele Freunde perschasft. Demjenigen, der das„Traumland" noch nicht kennt, ist ein Besuch zu empfehlen. Stunden pergnüglichster Unter- Haltung sind ihm sicher. Frucht-Täste perlangt dein Kör. per, gib sie ihm, aber nur die guten Dinklersäste aus frischen Himbeeren, Aepseln, Kirschen, Erdbeeren, Dran» gen, Ananas, Fi» tronen. DinIIersätte sind unpersälscht, enthalten Ausbau» stosse, sind Wusle!» Nahrung, Freude aller Sportler und Kinder, Tagesfläsch» chen nur 13 bis 18 Pfennige in Lebens» mittetgefchäften, auch Konsumgenos. senschast für Berlin und Umgegend. Dinklersast.Fabrik, Berlin, Hansa 1611, Leihhau» Lowick! oerkaust zu um glaublich billigen Preisen wenig ge» tragene sowie neue Herrengarderobe, Herren» u. Damen» pelze. Weitester Weg lohnt. Keine Lombardware. 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Die» muß überraschen, da in der Erdatmosphäre nur Spuren diese» Stoises und ausschließlich ol» Produkt biologischer Prozesse vorkommen. Der gigantische Jupiter kann heute zwar schwerlich organifcke? Leben besitzen, da seine Temperatur 100 bi» 200 Grad unter Rull liegt, daß e» ober einst anders war. scheint durch die Anwesenheit der Ammöniakgase wahrscheinlich. Aehnliche Feststellungen über unsere benachbarte Benus meldet das Mount Wilson Observatorium. Eine Wolkendecke von über IdOO Meter macht die Oberfläche diese» Planeten völlig unsichtbar. Aber es zeigt sich, daß das Spektrum der Venus gewiss« Absorptionslinien enthält, die deutlich auf das Vorhandensein von Kohlendioryd(Kohlensäure) hinweisen. Bekanntlich atmen Tiere dieses Gas aus und die Pflanzen atmen es ein, um Stärke und Zucker damit aufzubauen. Zwar mag es auf der Venus ungemüt- lich warm sein(etwa 60 Grad), aber gegen ein sich dieser Tem- peratur angepaßtes organisches Leben spricht das natürlich nicht. Freilich haben diese ernsthasten Untersuchungen nichts mit der müßigen Spekulation zu tun, ob unsere Geschwisterplaneten auch intelligente Wesen beherbergen. Hier ist nur der Wunsch der Vater des Gedankens oder Gefühls, was höchstens zeigt, daß sich der Erb- bewohnsr auf seinem Planeten schrecklich einsam in der kosmischen Wüste vorkommt. Darum ist unendlich viel Tinte um die sagen- haften Marskanäle verschrieben worden. Jahrzehntelang gingen sie als unverwüstliche„Seeschlange" durch die Presse. Von den zahl- reichen Erklärungen sei eine erwähnt, die kürzlich vom„Schlüssel zum Weltgeschehen" veröffentlicht wurde. Danach entstehen die Kanäle durch periodisch« Vereisungen aus der Marsobersläche. Die Spalten sind das dunklere Wasser, das sich gegen die helleren Eisplatten abhebt. Ratürlich nur eine von vielen Hypochesen! ♦ Das aktuellste Rätsel der Physik ist die Raumstrahlung. 18 Beobachtungsstationen arbeiten in diesem Sommer, um da» Ge- heimni» dieser Strahlen, die aus dem Weltraum die Erde bom- bordieren, zu lüften. Niemand weiß bis heute, woher sie kommen und wohin sie gehen, aber für die Wissenschast haben sie die Be- deutung wie etwa für dos Mittelalter der„Stein der Weisen". K o h l h ö r st« r, ihr deutscher Entdecker, glaubt, daß sie au« dem Nebel der Andromeda stammen: Lemaltr« hält sie für das Re- sultat kosmischer Atomzertrümmerung: Millican für das Pro- bukt neuer Sternschöpsungen. Soviel Köpfe, soviel Meinungen. Kürzlich wurden Versuche mit einem 40 Meter langen Eisenrohr unternommen, das im Inneren eine Ritrogenröhre enthielt, die durch das Auftreffen der Strahlen jedesmal leitend wurde— nach einem ähnlichen Prinzip wie die Photozelle bei Lichteinmirkung. Die Strahlen kamen in Schüben ungefähr viermal in der Stunde, also nicht gleichmäßig. Jedenfalls sind diese Strahlen äußerst intensiv. Sie dringen durch meterdicke Bleiwände und bi» tief unter den Wasserspiegel. Ja, die Behauptung tauchte kürzlich auf, daß diese Strahlen im Räume, ungedämpft von der Atmosphäre, so stark sein müssen, day sie alles Leben unzweifelhaft zerstören würden. Ein« bedeuiungs- volle Frage, denn mit ihr steht und fällt der Traum von der Weltraumfahrt. Selbst aus der Reise nach dem Mond wird dann nichts. Andererseits wird auf die ultraviolette Sonnen st rah» l u n g hingewiesen, die in höheren und höchsten Regionen ungleich tiefer und schneller in die Haut dringt als etwa im Freibad Wannsee Aber vielleicht werden diese Fragen sehr bald beantwortet. P i c c a r d rüstet sich zum zweiten Aueslug in die Stratospbäre, und Junkers„I u 4 9" steht startbereit, um als erstes Fluazeug in die sauerstoffarme Lufthülle zu steigen. Wir werden dann näheres über die Lebensmöglichteilen iA>rt oben erfahren. Trotz der Weltdeprefsion geht es in den Gehirnen der Erfinder äußerst lebhaft zu. Da wird aus Kohle Benzin, aus Sägespänen Rohzucker gewonnen, neuerdings macht man auch aus Erdöl richtigen Alkohol. Die moderne Alchemie kennt keine Grenzen. Interessant sind die Fortschritte auf dem Gebiet der Holzver» gasung für Beförderungsmittel. Ein neuer vier- ochsiger Omnibus für 75 Personen braucht zum Antrieb seines lOO-P8-Maybach-Motors nicht mehr an Holzgas, als ein kleiner Hanomag an richtigem Benzin beansprucht. Rur die Bedienung ist noch umständlicher. Wie Wandlungen in der Technik vor sich gehen, zeigt ein ein- kacher, aber typischer Fall. Ein Bericht aus Amerika meldet die Trauerbotschaft, daß die gute alt« Stahlniete im Aussterben ist. Der Laie kennt sie non dem Geräusch, wenn die Preßlufthämmer sein Trommelfell erschüttern. Damit ist es nun bald aus. Die Niete wird von der Lichtbogenschweißung langsam aber sicher verdrängt, und man hat berechnet, baß in Amerika jährlich ein« B'llion Dollar gespart werden würde, wenn man alles anstatt zu nieten schweißen könnt«. Man ist aus dem besten Wege dazu und hat etwa 50 000 Mark an Preisen für Neuerungen aus diesem Gebiet gestiftet. Den glücklichen Gewinnern wurden sechs Schechs zugesagt, die— echt amerikanisch— aus Stahl gefertigt und deren Zahlen und Unterschrift eingeschweißt sind. „Die Umschau" berichtet über«in besonderes technische» Kuriosmn. Für die Materialprüfling der stark beanspruchten Dampsturbinenschauseln wird m Pittsburg eine originell« Methode angewandt. Auf das zu prüfende Material, das mit ge- waltiger Geschwindigkeit rotiert, wird ein Hochdruckwasserstrahl ge- richtet. Wie eine Stichflamme frißt dieser den gewöhnlichen Stahl in wenigen Minuten fort. Man kann also auch mit einem Wasser- strahl Stahl schneiden! Auch das Baugewerbe hat eine neue Entdeckung aufzuweisen. Wenn man Mörtel etwas Rohzucker beimficht, so erzielt man, wie Versuche ergeben haben,«ine um 60 Prozent größere Festigkeit und Härte. Erstaunlich erweise ge- nügen schon sechs Prozent des billigsten Rohzuckers, um dieses Re- sultat zu erreichen. Doch so neu scheint diese Methode nicht zu sein. denn im Mörtel einiger römischen Ruinen fand man bereits ein« zuckerartige Beimischung. Freilich werden diese oerzuckerten Häuser dem Zahn der Zeit größeren Widerstand entgegensetzen— kaum aber den winzigen Zähnen der Mäuse, die mit großem Appetit an den oersüßten Mauern knabbern werden. Zum Abschluß sei noch etwas Neues über Goethe mit- geteilt— trotz des Goethe-Jahrs. Dem Genealogen Carl Knetsch gelang es, die Ahnen des Dichters mütterlicherseits bis ins 15. Jahr- hundert zu verfolgen. Dabei stieß er neben anderen Persönlichkeiten auf den Maler L u c a s C r a n o ch. Ja, wahrscheinlich hotten Goethe und sein Freund Karl August einen gemeinsamen Stammvater, nämlich den Landgrafen Hermann I. von Hessen. In der Genealogie geht es überhaupt bunt zu. Alle« ist verwandt und verschwägert. So hören wir unter anderem, daß der Markgraf Friedrich von Baden 97 487 mal mit Karl dem Großen verwandt war. Man sollte es Nicht für möglich halten. Die Genealogie gehört eben zu den heiteren Dissenschaften! Gog. ZDeutfche Sosialiften Anonym. Aus dem Jahre 1847. Statt in Gemeinschaft und für die Gesamtheit zu arbeiten, er- füllt man die Launen, die Lüste, den Willen einzelner und macht sein Dasein zu einem unnützen, verfehlten. Was für die Gesamtheit, da»„Volk" geschieht, das trögt für alle seinen Nutzen, das fördert den„Fortschritt": daher kommt e» auch, daß unsere bisherige Ent- wicklung so langsam vorwärts ging. Alles, was nicht zum Nutzen aller geschieht, ist verlorene Arbeit; was für alle geschieht, wird von dauernder Wirkung sein. So lang« nur der Privaterwerb, das Mittel zur Ansammlung von Reichtümern besteht, kann von freiem Handel und Genuß oller nicht die Rede sein; so lange wir für einzelne arbeiten, können wir nicht für die Gesamtheit arbeiten, und tun wir letzteres, so arbeilen wir zugleich für uns und sind nicht Sklaven der einzelnen. Was der Reiche oder Wohchabend« zuviel hat, sei es nun durch eigenes oder durch fremde» Verdienst er- worden, dos hat der Arme zu wenig. Daraus folgt, daß der Reiche auf Kosten der Armen lebt; indem dieser zu gleichen Genüssen durch dieselbe Arbeit, zu gleichen Mitteln, wie der Reiche, um zu arbeiten und zu genießen, berechtigt ist. Um dieses Unrecht aus- zugleicken und es für künftige Zeiten unmöglich zu machen, müssen die Mittel für olle gleichmaßig eingeteilt, muh der Piivatbetrieb zum Gesamterwerb erhoben werden. Der erste Weg dazu wäre, die Produkt! ön nach dem Bedarf einzurichten. Nr. 365• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts $reitag> 5. August 1932 Bresche in der Zottaustüstung. Das Zollabkommen zwischen Holland und Belgien veröffentlicht. In den Tagen von Lausanne wurde zwischen Holland, Belgien und Luxemburg(letzteres befindet sich mit Belgien in einer Zoll- union) der Zollsenkungsvertrag von Ouchy abgeschlossen, dessen Wortlaut jetzt veröffentlicht worden ist. Angesichts der geradezu oer- zweiselten Art, wie zwischen den Völkern in den letzten Mo- naten handelspolitische Zölle und Absperrungen aufgerüstet worden sind, nimmt man den Inhalt dieses Ver- träges mit einem Gefühl der Befreiung zur Kenntnis. Nur zu sehr wäre zu wünschen, daß dieser zwischen den beiden kleinen, aber zollpolitisch wichtigen Ländern abgeschlossene Vertrag recht bald Schule machen möge. Die Präambel des Vertrages hebt ausdrücklich die Absicht der Bertragschließenden hervor, einer gefährlichen Politik der Länder entgegenzuwirken. Die vertragschließenden Länder, so heißt es, seien der festen Ueberzeugung, daß die Staaten sowohl in ihrem eigenen Jnteresie wie im Interesse der Allgemein- heit ihre bisherige schädliche Wirtschaftspolitik aufgeben müßten. Deshalb hätten die unterzeichneten Länder beschlossen, ein Ab- kommen zur Einschränkung der Handelshemmnis se zu treffen, dem alle übrigen Staaten beitreten könnten. Der Text des Vertrages läßt erkennen, daß im Gegensatz zu den bei Völkerbundsverhandlungen oft beobachteten Methoden Holland und Belgien ganze Arbeit machen wollen: Holland und Belgien verpflichten sich gegenseitig, nicht nur keine Erhöhung der Zölle mehr vorzunehmen, vielmehr eine sofortige Senkung um etwa 10 P r o z. mit der Absicht, nach vier Jahren eine Zollsenkung von öl) Proz. zu erreichen. Holland und Bel- gien verpflichten sich weiter, gegenseitig keine neuen Ein- und Aus- fuhroerbote oder-beschränkungen durchzuführen, wobei nur der Handel mit Waffen und Kriegsmaterial, mit Gold, Silber, Papier- geld und Wertpapieren ausgenommen ist. Maßnahmen auf dem Gebiet der Devisenkontrolle werden ausgeschlossen. Die beiden Staaten verpflichten sich weiter zur Abschaffung bestehen- der Verbote oder Einschränkungen. Der Vertrag sieht endlich vor, daß Holland, Belgien und Luxemburg sich gegenseitig Meistbegünstigung gewähren. Der Vertrag ist auf fünf Jahre abgeschlossen, läuft aber auto- matisch jeweils um ein Jahr weiter, wenn nicht sechs Monate vorher gekündigt wird. Jeder dritte Staat hat die Möglichkeit, dem hollän- disch-belgischen Vertrag auf der Grundlage der Gleichberechtigung beizutreten. Noch immer schlechte Aussichten. Der Stand der Wirffchastskonjunktur in Deutschland. „Es mehren sich die Stimmen, die den Eintritt in die solange erhoffte Periode eines neuen Anstiegs der Weltwirtschaft als be- gönnen oder doch als unmittelbai� bevorstehend bezeichnen." Mit diesem Satz leitet das Konjunkturforfchungsinstitut «ine Untersuchung ein,„inwieweit solche Wirtschaftshoffnungen für Deutschland berechtigt sind". Wir wollen das Ergebnis vorweg nehmen: Für Deutschland ist fürs erste noch nicht mit einem Um- schwung zu rechnen. Nach der Untersuchung des Konjunkturforschungsinstituts lag die Indexziffer der Industrieproduktion im Mai um 12,5 Prozent, im Juni nur noch um 5,3 Prozent über ihrem Tiefftand vom Januar dieses Jahres. Ein Teil der Besserung ist dabei noch zweifellos f a i s o n m ä h i g bedingt. Di« Ausnutzung der Arbeits- kapazität war in den letzten Monaten, wenn auch neuerdings in verlangsamtem Tempo, weiterhin rückläufig. Im großen und ganzen sind folgende haupllinien in der Wirtschaflsentwicklung zu erkennen: Saisonmäßige und andere außerkonjunkturelle Kräfte haben das Produktionsvolumen etwas über den Tiefstand vom Januar 1332 zu heben vermocht. Eine konjunkturelle Besserung liegt aber nicht vor. Die Tatsache, daß die säisonbereinigten Ziffern großenteils nicht mehr stärker zurückgegangen sind, könnte vielleicht eine konjunkturelle Stagnation, also eine Unter- brechung des Konjunkturabschwungs vermuten lassen. Dagegen spricht, daß ein großer Teil der relativ günstigen Produk- tionsgestaltung der vergangenen Monate auf Sondermomente zweifellos außerkonjunktureller Natur(Russenaufträge) zurückgeht, und ferner, daß in allerjüngster Zeit die depressiven Tendenzen wieder stärker hervortreten. In diesem Zusammenhang verweist das Konjunkturforschungs- mstihit auf die Wichtigkeit der Absatzlage und der Ab- sa tz ge st altu n g. Sie hängt von vier Faktoren ab, dem Ex- port, dem Verbrauch, der Anlageinvestition und der Vorrats- investition. Export: Die Exportaussichten Deutschlands müssen als schlecht bezeichnet werden. Selbst eine zunehmend« Konsolidie- rung der Weltwirtschast würde dem deutschen Export noch nicht sogleich eine Entlastung schassen können-, denn nach allen bisherigen Erfahrungen erhöht sich bei den einer Wirtschaftsbelebung entgegen- gehenden Volkswirtschaften die Aufnahmebereitschast für ausländi- sche Jndustrieprodukte erst verhältnismäßig spät. Absatz und Pro- duktion von Exportgütern dürften daher ndch in konjunktureller Abwärtsbewegung verharren. Verbrauch und Kaufkraft: Der Absatz an Ver- brouchsgütern in Deutschland nimmt ab. Die K a u f k r a f t steckt in einem neuen Drosselungsprozeß. Und zwar hängt dieser Prozeß damit zusammen, daß die Einzelhandelspreise nun- mehr langsamer sinken als früher, während das Verbraucher- einkommen unverändert und anhaltend zusammenschrumpft. Der mengenmäßige Verbrauch der Bevölkerung wird so gewissermaßen zusammengepreßt. Hausbesitzer stürzen Ladendorff Ein unbescheidenes Sofortprogramm. Auf der Verbandstagung der preußischen Haus- und Grund- besitzervereine in Altona wurde Herr Ladendorff, einer der Haupt- verantwortlichen bei dem Zusammenbruch der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz in der Mitgliederversamm- lung abgesetzt. Es kam zu stürmischen Auseinandersetzungen. In den Landesausschüssen war nämlich Ladendorff als l. Vorsitzender wiedergewählt worden. Als diese Wiederwahl aber in der g e- schlossenen Verbandstagung bestätigt werden sollte, wurde entgegen den Erwartungen der Verbandsleitung Ladendorffs Wiederwahl als erster Vorsitzender mit 343 gegen 275 Stimmen bei 83 Enthaltungen abgelehnt. Die Tagung wurde daraufhin ab- gebrochen, damit die Landesausschüsse zu der neuen Lage Stellung nehmen können. Di« Vcrbandstagung hat auch ein der bekonnten Bescheidenheit der Hausbesitzer entsprechendes Sofortprogramm beschlossen, diesmal selbstverständlich einstimmig. Die jetzige Hauszinssteuer soll danach zur Hälfte bis 1334 zugunsten der Hausbesitzer beseitigt, zur anderen Hälft« für Jnstandsetzungsarbeiten verwandt werden. Das heißt die völlige Beseitigung allein zugunsten der Hausbesitzer die die ganze Miete einstecken sollen Ferner sei in Preußen der Zuschlag zur Grundoennögenssteuer aufzuheben und eine Senkung der Kam- nmnalzuschläge zur staatlichen Grundvermögenssteuer auf höchstens 100 Prog. durchzuführen. Anlageinvestition: Die Investitionstätigkeit, die Er- richtung neuer und die Ausbesserung alter Anlagen ist auf einen Tiefstand geschrumpft, der nicht einmal zum Ersatz des laufenden Verschleißes ausreicht. Hier liegt wohl eine starke Absatzrescrve. Ein plötzliches Einsetzen umfangreicher Ersatzinvestitionen ist aller- dings unwahrscheinlich. Vorratsinvestition: Hier kommt das Konjunktur- forfchungsinstitut zu dem Schluß, daß eine Erhöhung der Nachfrage zum Zweck des Lageranbaues nicht ausgeschlossen erscheint und zwar deshalb, weil im Verlauf des nun drei Jahre dauernden Preissturzes die Preise aus einen Tiesstand gesunken sind, der bei einer Reihe von Produkten wahrscheinlich kaum mehr wesentlich unterschritten werden dürste. Auf manchen Gebieten läßt sich des- halb auch eine größere Bereitschaft von Fabrikation und Handel beobachten, die Warenbestände, die vordem stark abgebaut worden waren, wieder um einiges zu erhöhen. Größeren Umfang könnte eine solche„Eindeckungswelle" in Deutschland allerdings wohl kaum annehmen. Daraus ergibt sich nach den Folgerungen des Konjunktur- forschungsinstitutes, daß die Absatznot während der kom- wenden Monate nicht abnehmen, sondern sich wahrscheinlich sogar in gewissem Um st and ver- stärken wird. Bevor auch nicht die Kreditmärkte der Unternehmertätigkeit einen größeren Spielraum geben als sie dies bisher tun, kann auch keine entscheidende Wendung des Konjunktur- Verlaufs erwartet werden. An den internationalen Kre- d i t m ä r k t e n hat sich der Kreditüberfluß bisher auch im wesent- lichen auf die Geldmärkte beschränkt. Seit einiger Zeit greifen die Verflllssigungstendenzen aber, wie aus der Bewegung der Renten- kurfe hervorgeht, auf die Kapitalmärkte über. NSLs. verliert halbes Kapital. Das Zieich als Großaktionär verliert mit. Die NSU. Vereinigte Fahrzeugwerke A.-G. in N e ck a r s u l m weist für das Geschäftsjahr 1931 einen V e r l u st von 5,94 Millionen Mark bei 10 Millionen Mark Kapital aus. Dieses Unternehmen ist nicht zu verwechseln mit der NSU. Automobil A.- G., H e i l b r o n n, die vollständig von dem größten italienischen Automobilunternehmen, den Turiner Fiat- werken, beherrscht werden. Fiat besaß auch 25 Proz. des Kapitals des Unternehmens in Neckarsulm; dieses Aktienpaket ist jetzt auf die Dresdner Bank(mittelbar also aufs Reich) übergegangen, so daß diese jetzt insgesamt 8,5 Millionen Mark des Iv-Millionen- Kapitals besitzt. Demnach ist klar, daß die Dresdner Bank(also das Reich) auch die Kosten für die unbedingt notwendige Sanierung tragen muß, über die vorläufig keine Beschlüsse gefaßt sind. Die handelsgesetzlich notwendige Erklärung, daß mehr als die Hälfte des Kapitals ver- loren ist, hat man dadurch hinausgeschoben, daß ein Teil des Ver- lustes(1,5 Millionen Mark) auf Grund der Notverordnung als Entwertungskonto aktiviert und der Rest von 4,4 Mil- lionen Mark einstweilen vorgetragen wurde. Ein Teil des Ver- lustes von 0,95 Millionen Mark stammt aus dem Vorjahre. Dieser miserable Abschluß ist eine Folge des katastrophalen Absatzrückganges: der Motorradabsatz ging von 16 Millionen Mark im Jahre 1329 auf 7 Millionen Mark im Jahre 1331, der Absatz der Automobilbauabteilung(Zubehör) von 6,7 auf 0,9 Mil- lionen Mark zurück. Die Produktion von Automobilteilen wurde im Frühjahr 1932 vollständig stillgelegt. Trotzdem stand NSU. im Jahre 1331 im Absatz von Motorrädern bis 200 Kubikzentimeter unter den deutschen Firmen an zweiter, im Absatz� von schweren Maschinen sogar an erster Stelle. Die Teilstillegungen erforderten naturgemäß hohe außer- ordentliche Abschreibungen: das gleiche gilt in ver- stärktem Maße von dem zu hohen, zum Teil veralteten Warenlager. Geringer waren die Rückstellungen auf Forderungen. So stehen neben den von 0,8 auf 0,6 gesenkten regulären Abschreibungen nicht weniger als 3,4 Millionen Mark Sonderabschreibungen. Gleichwohl ü b e r st e i g t der Wert des Warenlagers mit 5,4 Millionen Mark immer noch den Wert der gesamten Anlage» mit 5 Millionen Mark. Den Forderungen von 2,5 Millionen Mark stehen Bankschulden von 4,4 Millionen und Warenschulden von 0,6 Millionen Mark gegenüber. Im laufenden Jahre hat sich der Umsatzrückgang fort- gesetzt: das wird erst anders werden, wenn der Kaufkraftschwund bei den breiten Massen ein Ende hat. Die Londoner Weltwirtschasiskonferenz Die Vereinigten Staaten haben die Einladung zur Weltwirtschaftskonferenz angenommen, unter der Bedingung, daß die Fragen der Kriegsschulden und der spezifischen Zölle nicht er- örtert werden. Vertreter von Deutschland, Belgien, Italien. Japan, Norwegen, den Vereinigten Staaten und Großbritannien werden demnächst in London zusammenkommen, um die Weltwirtschaftskcnferenz in die Wege zu leiten. Der Orgonisationsausschuh, in dem je ein Vertreter der genannten Länder sitzen wird, wird die Einladungen an die anderen ergehen lassen und das endgültige Datum der Konserenz festsetzen.____ Rückgang der Spareinlagen. Ende Juni waren die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen auf 3800,2 Millionen Mark zurückgegangen gegen noch 9905,05 Mil- lionen Ende Mai. Die Abnahme beträgt 105,50 Millionen gegen- über der Zunahme im Mai um 50,79 Millionen. Billiges Mehl— teures Brot! Wir fordern eine Senkung des Brotpreifes. Seit Monaten beträgt der Preis für ein Kilo Drot in Berlin unverändert 36 Pfennig. Die Roggen- und damit auch die Mehl- preise sind in den letzten Wochen aber ständig gefallen, während ein Doppelzentner Roggenmehl im Mai noch 27 Mark kostete, wird er jetzt an der Berliner Börse mit 24 Mark gehandelt. 3n jedem Doppclzentner Roggenmehl, der verbacken wird, stecken jetzt 3 Mark Extragewinn, wie in Berlin liegen die Verhältnisse auch im Reich. Zn ganz Deutschland wird monatlich ein Mehrgewinn von S!4 Millionen Mark eingesteckt. Von einer Brotverbilligung ist aber keine Rede. Die R e i ch s r e g i« r u n g hat demgegenüber bisher nichts getan. Sie bemüht sich krampfhaft, den Roggenpreis, der immer noch auf durchaus zufriedenstellendem Niveau liegt, in die Höhe zu treiben. Sie hat sich jetzt entschlossen, obwohl sie noch gar nicht weiß, wie die Roggenernte ausfallen wird, und obwohl der Preis für einen Zentner Roggen ab märkische Station mit 8 Mark im Verhältnis zum Vorjahre mit 7 Mark durchaus nicht niedrig ist, Roggen auszukaufen und ihn als Futtergetreide zu verkaufen. Die Preise sollen vSllig unberechtigt in die Höhe getrieben werden. Würde jetzt ein Druck auf die Bäcker ausgeübt, um die Brot- preise den Roggenmehlpreisen anzupassen, so mühte natürlich, wenn durch die Aufkäufe der Regierung die Roggenmehlpreise wieder steigen, auch der Brotpreis heraufgesetzt werden. Hierdurch würden die Konsumenten sofort die preistreiberische Politik der Regierung am eigenen Portemonnaie zu spüren bekommen., Um das zu ver- hindern, läßt es die Regierung ruhig zu, daß die Bäcker den Mehr- gewinn einstecken, zumal es sich ja bei diesen Leuten, die zumeist Hitler gewählt haben, um„aufbauwillige Kräfte der Nation" handelt, während der Konsument, zumal wenn er arbeitslos ist, sich ruhig daran gewöhnen soll, daß er nicht mehr in einem Wohlfahrtsstaat lebt. Wie unterschiedlich die Regierung die Notlage der verschiedenen Beoölkerungskreise zu lindern sich bemüht, geht auch aus der Hilfsaktion für die G e b i r g s b a u e r n hervor. Den Kleinbauern in den Gebirgsgegenden, die infolge der klimatischen Voraussetzungen fast ausschließlich aus Viehwirtschast eingestellt sind, geht es infolge der niedrigen Preise für Vieh denkbar schlecht. Da sie oft selber kein Brotgetreide bauen, sind sie nicht in der Lage, Mehl einzukaufen. Auf dringende Vorstellungen hat das Reichs- ernährungsministerium vor«inigen Wochen für die Gebirgsbauern 5000 Tonnen verbilligten Roggen durch die Deutsche Getreide- Handels-Gesellschaft zur Verfügung gestellt. Wir haben gewiß nichts gegen diese Verbilligungsaktion einzuwenden. Aber sollte es nicht bis zu den Ohren der Reichs- regierung gedrungen fein, daß es auch eine nichtlandwirtschaftliche Bevölkerung gibt, für die jeder beim Brotpreis gesparte Pfennig lebenswichtig ist, daß nach den verfügten Unterstühungs- und Rentenkürzungen es einfach eine menschliche Anstandspsticht wäre. für billigeres Brot zu sorgen? u »w Ff�'lag»«d So««ob««d. Di« Zusendung von lebentmitteln erfolgt bei Bestellung von 5,00 an.— Reitdi und lekfit- vorderbilske Waren sind vom Versand ausgeschlossen. Mengenobgabe vorbehalten.— Verkauf soweit Vorrat.— Unser« LebonsmitM- Abteilungen unterstehen der ständigen Kontrolle und Aufsicht eines Nohrungsmitteldiemikers und eines Tierarztes. Wurstwaren Sülzwurst........ Pfd. 0,68 Fleischwurst..... Pfd. 0,72 Landleberwurst Pfd. 0,78 Jagdwurst....... Pfd. 0,82 MettwurstBr8ch*.Ait,Pf(l. 0,82 Wien.Würstchen Hd. 0,88 ff. Leberwurst..Pfd. 0,92 Schinlc.-Polnischefid.0,98 Cervelatwurst Pfd.*. 1,08 Salamiwurst Pfd. ron 1,08 Teewurst....... Pfd. 1,08 Schinkenspeck..Pfd. 1,18 Nußschinken....Pfd. 1,35 Mag. Speckdeutsoli.Pfd. 0,98 Käse und Fette Harzer........... Pfd. 0,26 Allgäuer 201,...Pfd. 0,46 Briekäse........ Pfd. 0,58 Schweizer diu., 805, Md. 0,58 Steinbusch. Pfd. 0,66 Edamer 401,..... Pfd. 0,66 Tilsiter 401,......Pfd 0,66 Butterkäse..Pfd. von 0,78 Schweizer Käse bayrischer..... Pfd. von 0,95 Markenbutter...Ptd. 1,34 Allerfeinste Molkereibutter........... Pfd. 1,28 Rumän. Eier 10 Stack 0,59 | Dampfwurst y ET| Konserven 1.00a- Stangenspargel 1,35 Stangenspargel dSnnl.OO Brechspargel mittel 1,05 Brechspargel dann.. 0,90 Brechspargel lange Abschnitte............. 0,85 Junge Erbsen lein... 0,98 Junge Erbsen mittellein 0,74 Gemüseerbsen..... 0,58 'l. Dose Gem. Gemüse mitteitoin 0,95 Kürbis................ 0,39 Apfelmus tafelfertig 0.46 Stachelbeeren...... 0,68 Birnen welB, 1, Fracht 0,75 Preisseibeeren...... 0,85 Erdbeeren........... 0.98 Hawai-Ananas 8 Scheiben............. 1.25 Obst u. Gemüse Johannisbeeren Pfd. 0,15 Saure Kirschen 2Pfd. 0.35 Weintrauben.... Pfd. 0.38 Mus- oder Strudeläpfel............. Pfd. 0,17 Augustäpfel..2 Pfd. 0,25 Tafeläprel....... Pfd. 0,36 Bananen...... 3 Pfd. 0,82 Melonen........ Pfd. 0,28 Tomaten......... Pfd. 0,17 Preisseibeeren..Pfd. 0,17 Radieschen....SBd. 0,10 Rotkohl.......... Pfd. 0,05 Grüne Bohnen..Pfd. 0,10 Puffbohnen... 3 Pfd. 0,20 Junge Möhren 3 Pfd. 0,1 2 Schoten.......... Pfd. 0,10 Schmorgurken 3 Pfd 0,20 Einlegegurken 4 Pfd. 0,18 Senfgurken...3Pfd. 0,20 Salatgurken Stack v. 0,08 Salat......... 3 KSpte 0,10 Geflügel u. Wild Hühneririsch, Pfd. von 0,72 Wolgahühn.gelr., Pfd.»0,55 *Rehblätter....Pfd.v. 0,78 *Wildschw.-KeulePtd.0,88 •Wildschwein-ROdc., -Kamm od.-Blatt Pfd. 0,78 * In allen Häusern ausser Kottbuser Damm.Bnjnnenstrmfl, Andreasstrasse Pfirsiche Pfd. von Fische,Räucherw. 'Rotbars........ Pfd. 0,16 'Schellfisch m.K,Ptd. 0,24 'Seelachs i.g. o.lL.gr., Pfd. 0,12 'Kabeljaufilet Pfd. v. 0,24 Fleckheringeger,Pid. 0,44 Räucherlachs in Stacken____ Pfd. von 1,10 Räucherheringe St. 0,12 Heringssalat....Pfd. 0,58 Fleischsalat..... Pfd. 0,58 Fettheringe in Tomaten............. Dose 0,28 Kolonialwaren Bruchreis........ Pfd. 0,11 Tafelreis......... Pfd. 0,14 Blue-rose-Reis. Pfd. 0,21 HartweizengriossPfd.0,24 Kartoffelmehl. Pfd. 0,1 8 Eier-Bandnudeln Pfd. 0,38 Eier-Makkaroni Pfd. 0,44 Sternchen..... Pfund 0,48 Reisspeisemehl Pfd. 0,13 Pudding, verschiedener (teschmack....3 Beutel 0,20 inten gefroren.. Pfd. von Frisches Fleisch Schweinebch. o. 3., Pfd. 0,62 Schweineschinken mit Bein........... Pfd. 0,78 Schw.-Kotelett Pfd., es 0,98 Schweinekamm und Sdiuft, o. B____ Pfd. 0,88 Schweinenieren Pfd. 0,64 Schweineköpfe mit Backe......... Pfd. 0.34 Hammelvorder- fieisch....... Pfd. von 0.68 Schmorfleisch Keule.......................— ohne Knocken...Pfd. von 0,78 Senfgurken lose, Pfd. 0,24 MandelpuddmgPfd. 0,50 Gulasch....... Pfd. 0,66 Tafelöl VrLtz.-Fiasche 0,60 Schokol.-Pudd.. P'd. 0,60 Roastbeef o.Km,Pfd.v. 0,98•Inall.Häns.auss.Andreasstr. Rote Grütze..PlnndO,60 Rinderleber..... Pfd. 0,84 Rinderherzen.. Pfd. 0,44 Rinderbacken...Pfd. 0,38 Rinderlungen...Pfd. 0.24 Euter........... Pfund 0,20 Weine und Fruchtsäfte Fl. 29er Trabener Würzgarten 1,25 29er Fröhlicher Weinberg 1,50 26orBernl!asi.lerEadsluiie 1,85 22 rCh3LLöoiiilleroylerr*2,SO 24erChäteau Margaux 4.00 Kaffee frisch geröst, Pfd. von enorm billig 31er OherhaardLMaikammerer 'I, FL 0,60 10 FL 6,50 Himheersalt mitRalf)nads,it>rzligl. 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August 1932. 13 Uhr. im Krematorium Wilmersdorf. r.L-, an au.-jfr■nrajrr-nns.rq: � BW i r«» a m sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des„Vsrwärts-* und trotzdem