Morgenausgabe Nr. 369 A 152 49. Jahrgang «»chentltch 78 Pf, monatlich 8,5g M. (baoon 87 Pf. monatlich fltr gustil- wog ms Hau«) im voraus zahlbar, Postbezug 3,87 M. einschließlich 60 Pf. Dosizeituug«. und 7SPf.PostI>est«llg-. bühren. Auslandsabonnement 8,68 M. pro Monat! ftir Länder mit ermäßig. tem Drucksachenporto 4,68 M. » «St Pu-fall der Lieferung wsgsn höherer Gemalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Grsaß. » Grschetnungswetse und Anzeigenpreis« stehe am Schluß de» redaktionellen Teil» r* f, VerUner Volksblatt Sonnlag J. August 1932 Groß-Äerlin 15 Pf- Auswärts 20 pf. Jentvawvgan der Sozialdemokratischen Partei Deuts Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 gernspr.c D-nboss(A 7) 292—297. Telegr-mim.Adr.: Sozialdemokrat Berlin, Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlins? ö3K,— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr. S, Dt. B. u.DiSc.> trachtung der Reichstagswahlen von 1924 bis zum?t. Juli 1932, daß der Mandatsanteil der ersten Gruppe von 49,7 Proz. auf 45>, 3 Proz., also um 4,9 Proz. gestiegen ist, wahrend die dritte Gruppe aus Kosten der Demokraten eine Steige rung des Mandats- anteils um 2,2 Proz,, nämlich von 34,3 Proz. auf 36, ö Proz, erreicht wird. Man ist danach durchaus cherechtigt zu sagen, daß die Reichs- lagswahl vom letzten Sonntag keine Ueberraschuug und eine mesentlichc Veränderung der politischen Gliederung des deutschen Volkes nicht gebracht hat. Die drei großen Aronlen stehen im wesentlichen sesl. Das ist richtig— leider nur mit der Einschränkung, daß die Front der„sozialistischen Linken" eben keine„Front", sondern durch den Kommunismus gespalten ist. Ohne den Kommunismus gäbe es keine faschistische Gefahr! Aber des- wegen bleibt die deutsche Arbeiterklasse doch bei einer geschichtlichen Entscheidung— und in einer solchen stehen wir— ein Faktor, der nicht übersehen und über den nicht hinweggeschritten werden kann, wenn man nicht die Grundlagen des Staates und der Wirtschaft zer- stören will. Das ist keine Drohung, aber eine Warnung! Wer mit dem Faschismus spielt, der spielt mit Deutschlands Untergang! Bomben im Arbeiterviertel Schweigsame Polizei— Die SA. als Täter erkannt Braunschweig, ö. August. sEigenberichk.) Der terroristische Anschlag aus die Arbeiierwohnungen in der Longe Straße hat insgesamt 30 Häuser beschädigt. Die Sprengstücke sind durch die geschlossenen Fensterläden in die Wohnungen gedrungen. Ein in der Parterrewohnung im Bett liegender Kohlenhändler wurde durch ein Sprengstück am Oberschenkel schwer v e r l e h t. Die Polizei, die über die Untat bis heute abend noch keine Zeile verössentlicht hat, war gezwungen, drei Personen unter Tatverdacht zu verhasten. Es handelt sich, wie wir erfahren, um drei schwerbewassnete pationalsazialisten. Der eine, ein gewisser Hantel aus Rendsburg, wurde als antifaschistisch verkleideter Motorradfahrer erkannt, der sei« einigen Rächten die Siraßen Sraunschweigs mit einer gefälschten Auto- nummer unsicher macht. Hantel entging mit knopper Rot der Lnnchstistiz der empörten Massen. Seine beiden Komplicen sind ebenfalls auswärtige SA.-Leute. und zwar stammt einer aus Frankfurt a. M. Alle drei haben in der Braunschweiger SA.-Kaserne am Torwall ihr Domizil. Die Spuren des Attentats, seiner Vorbereitung und der Anschläge der letzten Rächte weisen nach diesem Hause, wo Munition, Massen und Sprengstoff in hülle und Fülle vorhanden sein dürsten. Obwohl diese Talsachen stadtbekannt sind, hat Klagges' Polizei noch niemals dies Verbrecherasyl durchsuchen dürfen. Haussuchungen fanden stet« in Arbeiierwohnungen stall. Um von der Schuld der Razis, die derartige Verbrecher zu„hilsspolizisten" im Lande Braunschweig machen wollen, abzulenken, hat das Parteiblatt des Herrn Klagges die Stirn. Kommunisten der Tat zu bezichtigen. Die Eiserne Front wird die terroristischen Akte zum Anlaß eines scharfen Proteste» beim Reichsinnenministerinm nehmen. Nächilicher Feuerüberfall in Pommern. Auf Zteichsbannerführer und kommunistischem Funktionär. S t o l p, K. August. Gegen die Wohnungen de» kreisvorsihenden de» Reichsbanner» Bonnke und des kommunistischen Führers Meier wurden heute früh gegen 3 Uhr mehrere Schüsse abgegeben, verletzt wurde niemand. Räch dem Feuerübersoll wurde ein Motorradsahrer beobachtet, der in schnellem Tempo davonfuhr. Der„Systemwechsel". Wohnhaus eingeäschert. Die Terroristen in Schlesien. ? r e» l a u, S. August.(Eigenbericht.» 3n Modelache und Groh-Neudors im kreise vrieg wurden heute nacht die Wohnungen von soziatdemotratischea Zun?- tionären von einem durchfahrenden Auto aus, in dem u a i f» r- mierte SA.- Leute sagen, beschossen. Gleichzeitig ging in Alzenau das wohnhau» de» Eisenbahner» h�lz in Zlammen auf. holz hotte während der Wahl die?ahne der Eisernen Front ausgehängt, woraus er von Nationalsozialisten bedroht wurde, dasz man Ihn niederbrennen werde. Die Drohung wurde seht wahr ge- macht. Die alte Mutter de» holz konnte nur im letzten Augenblick gerettet werden. Die Feuerwehr von Alzenau, die teilweise au« Nazi» besteht, weigerte sich, Wasser zu tragen, so dah nicht gelöscht werden konnte. Die Königsberger Mordanschläge. Ermittlungen bisher völlig ergebnislos. Königsberg, S. August. Gestern wurden unter dem verdacht der Mittäterschaft de« Mordübersalles aus Ehesredatteur W y r g a t s ch und den tommu- nistischen Führer Schütz sieben Nationalsozialisten dem Ermilt- lungsrichter vorgesührt. Aus Grund der Vernehmung sind sechs von ihnen wieder s r e l- gelassen worden, da der Verdacht der Täterschaft unbegründet erscheint. Die Untersuchung gegen den in Haft behaltenen Nationalsozialisten schwebt noch. Schüsse gegen Lausiher Volkszeitung. Forst scausih), 6. August.(Eigenbericht.) In der Nacht zum 6. August gegen Z.ZÜ Uhr wurden aus die Buchhandlung der sozialdemokratischen„Lausitzer Volks» zeitung" in der Berliner Straß« drei Schüsse aus einem vorbei- fahrenden Personenkraftwagen abgegeben. Jedes Schaufenster wurde von einem Geschoß durchschlagen� ein weiteres Geschoß sitzt im Türpfosten. Es handelt sich zweifellos um ein politisches Attentat. „Ostpreußen im Fieber!" Sine Berichttgung des Königsberger Polizeipräsidenten. Der kommissarische Polizeipräsident von Königsberg, Berner, ersucht uns auf Grund des tj 11 des Pressegesetzes um Ausnahme folgender Berichtigung� Es ist folgende Mitteilung nicht richtig:„Die Frau des schwerverletzten Chefredakteurs Wyrgatsch hat bereits am Dienstag bei der Kriminalpolizei beantragt, den Verhafteten gegen- übergesteUt zu werden. Sie hat bis heute noch keine Vorladung erhalten. Richtig i st v i e l m e kpr: daß Frau Wyrgatsch nach ihrer Vernehmung zur Gegenüberstellung mzt den Tatverdächtigen zum ?. August 1932 vorgeladen, aber nicht erschienen war. Die zum 4. August 1932 angeordnete Gegenüberstellung konnte nicht mehr erfolgen, da die Tatverdächtigen bereits ins Gerichtsgesängiüs eingeliefert waren und die Genehmigung durch den Amtsrichter nicht zu erreichen war. Die Gegenüberstellung wird heute erfolgen. Weiter Ist folgende iviitteilung nicht richtig: „Da inzwischen eine Reihe Verhafteter wieder entlassen worden ist, hat sich Frau Wyrgatsch direkt bei dem Polizeipräsidenten be- schwert und gefordert, daß sie sofort den Verhafteten gegenüber- gestellt wird." Richtig i st vielmehr: daß Frau Wyrgatsch mit dem kommissarischen ssölizeipräsidenten über diese Sache überhaupt nicht gesprochen hat. hierzu wird uns aus Königsberg gemeldet: Frau Wyrgatsch b e st r e i t e t ganz entschieden, daß sie eine Vorladung zur Gegen- Überstellung mit den Tätern erhalten hat. Es fei ihr vielmehr nur gesagt worden, daß sie, falls sie wolle, zur Ergänzung ihrer An- gaben vor den im Hause erschienenen Kriminalbeamlen im Polizei- Präsidium vorsprechen könne. Von einer Gegenüber- stellung sei keine Rede gewesen. Unseres Erachtens wäre es die Pflicht der Polizei gewesen, von sich aus Frau Wyrgatsch, die als erste im Hause überfallen wurde, zur Gegenüberstellung heranzuziehen, anstatt erst ihren Antrag abzuwarten. Im übrigen sollte der kommissarische Polizeipräsident von Königsberg seine Zeit eher mit der Aus- k l ä r u n g der„impulsiven Taten", wie es so schön im ersten Polizeibcricht über die Moutagsattentate hieß, ausfüllen, anstatt sie mit Berichtigungen von umstrittenen Nebensächlichkeiten zu belasten. Zuwachs für Hitler. Die reichsten Leute gehen in die nationalsozialistische „Ardeiter Partei". Slultgart, ll. Augu-st.(Eigenbericht.) Der Direktor der württembergischen Notenbank, R o s« r, ist dieser Tage von den Deutschnationalen zur Natio- nalsoziali st i scheu Partei übergetreten. Das ist ein neuer Beweis dafür, mit welcher Sicherheit man in den führenden Kreisen des deutschen Finanzkapitals aus den Schutz der eigenen Interessen durch die Partei rechnet, die bei ihrer Agitation sich auch heute»och eine sozialistische und eine Arbeiterpartei nennt. Roser, der von jeher sehr antisozial gesinnt war, würde ihr bestimmt nicht beigetreten sein, wenn er ihr Eintreten für die Interessen der Ar- beitcr auch nur im geringsten ernst nehmen würde. Der sehr gut bezahlte Direktor der württembergischen Notenbank sieht aber an- scheinend auch die Anträge seiner neuen Parteifreunde auf herab- letzung der Höchstgehälter auf 12IXM) Mark als eitel Schaum- schlägcrei an. Denn er denkt persönlich gar nicht daran, aus den Mehrbettag zu verzichten, den er in Form von Gehalt und Tan- liemen aus der Notenbank bezieht. Von Interesse ist ein Passus aus der Begründung, die Roser für seinen Parteiwechsel in einem württembergischen Blatt ver- ösfentlicht hat. Darin beschuldigt.er hugenberg und seine Partei- anhänger— also auch seinen Vorgesetzten, den wllrttembergifchen Finanzminister Dr. Dehlinger—, daß die als„Befürworter einer Devalvation identisch sind mit denjenigen Kreisen, die hoffen, mit Hilfe eines neuen großen Volksbettuges«inen Teil chrer Schulden loszuwerden". Roser dürfte mit dieser Beschuldigung recht haben. Aber er übersieht oder will es übersehen, daß auch seine neuen Parteifreunde durch die Schaffung des Feder-Geldes und ähu» liche Maßnahmen nichts anderes als eine neu« Inflation, aljo, wiederum einen großen Betrug am deutschen Volke planen. Angeberei im Wier lesen im„Deutschen Zeitungsdienst": Der gegenwärtige Systemwechsel hat«in« Reihe von Er- scheinungen in den Reichs- und preußischen Ministerien, sowie auch in einer Anzahl von nachgeordneten Behörden gezeigt, die für die Gedanken der Staatsautorität und des Berufsbeamtentums in gleicher Weife tief bedauerlich sind. Eine Aus- w e ch s l u n g politischer Beamten hat bei früheren Regierung«- wechseln im Reiche auch schon stattgesunden. Eine solche Aus- wechflung ist damals reibungslos vor sich gegangen. Diesmal aber wird der A n s ch s i n s r w e ck t, als ob in gewissen Fällen Ver- geltungsmaßnahmen an Beamten geübt werden, die republikanischen Ministern tteue Dienste geleistet haben. Eine Anzahl von Ministerialbeamten aus dem Reiche und Preußen ist den Reichsoerwaltungen und den Landesverwaltungen in der letzten Zeit überwiesen worden. Natürlich werden die Personal- referenten auch sogenannte„sachliche" Gründe für diese Versetzungen anführen können. Gegen Beamte, die sich im letzten Wahlk am p f für die frühere Regierung ausgesprochen haben, sind Nachforschungen im Gange. Vielfach wird ein An- gebesystem beobachtet, das den gegenwärtigen Leitern der Mi- nisterien selbst überaus unangenehm ist, weil damit ausgezeich- net« Beamte verdächttgt werden, denen nichts anderes vor- geworfen werden kann, als ihre republikanische Gesinnung. Selbst von außen her sind in den Ministerien Denun- ziotionen gegen republikanische Beamte erfolgt, desgleichen ver- suchen ja die Nationalsozialisten mit Hilfe von parlamen- tarischen Anttagen, verdiente Beamte um ihre Stellung zu bringen. Abegg- OielS. Die Wochenschrist der Siaatspartei„Deutscher Ausstieg" be- schästigt sich mit dem von der Regierung Papen öffentlich erhobenen Vorwurf, daß„hohe Funktionäre" der venassungsmäßigen preußischen Regierung den Kommunisten gegenüber nicht die nötig« Unab- hängigkeit besäßen. Von dem Kabinett der Barone nahestehenden Kreisen wurde zur Erläuterung der vagen Anschuldigung auf den Staatssekretär im preußischen Innenministerium, Abegg, ver- wiesen, der angeblich mit Kommunisten Geheimkonferenzen abgehalten habe. Ueber den Hintergrund dieser Beschuldigung teilt die genannte Wochenschrist mit: Staatssekretär Dr. Abegg hatte auf Anregung seines Dezernenten für die Beobachtung der radikalen Parteien, des Oberregierungsrats D i e l s, zwei kommunistische Führer zu sich gebeten, zu dem Zweck, die Kommunisten von ihrer damals bejolgten Taktik der Feuerüberfälle und sonstigen Gewalttaten abzubringen und sie zur Achtung vor den Gesetzen und staat- lichen Einrichtungen zu ermahnen. Dieser Unterredung wohnte als einziger Zeuge der Dezernent Dr. Diels bei. Nach Beendigung der Unterredung drückte Dr. Diels dem Staats- Lumpen gesucht! Nationalsozialisiische Kampfmethoden. In der Mannheimer nationalsogialsstischen Zeitung„haken- kreuzbanner" findet sich in großer Aufmachung folgende Berössent- lichnng: Halt! Hakt! Bevor Sie, überzeugt von der Wahrheit der nationalsozialistischen Idee, aus Ihrer bis- herigen Partei austteten, überlegen Sie. ob Sie der nationalsozialistischen Bewegung nicht besser dienen können, wenn Sie dort Mitglied bleiben und uns über alle Vorgänge und Absichten Ihrer bisherigen Partei laufend iniorinieren! Aeder Leser ein Agent unseres Informationsdienste»! Ihr Name ist durch das Redaktionsgeheimnis geschützt! Ihr« Arbeit wird genau so gewertet, wie die Opfer jedes Parteigenossen und SA.- Mannes, der fem« Pflicht wt! Melden Sie laufend an die Schriftleitung II de»„Hakenkreuzbanner". Mannheim.? S, IZa * Das ist der Gipfelpunkt der moralischen Verlumpung. Eine feine Partei, die es wagen darf, ungeniert in aller Öffentlich- keit cm die Lu m p e ng efi n nu n g zu appellieren! „Gleiche Löhnung- gleiches Essen.. SA.-Vevolte in Bonn. Bonn. 6. August.(Eigenbericht.) In Bonn ist es in der SA. zwischen Führung und Mann- schaften zu starken Reibungen gekommen. � Mon berichtet sogar von Tätlichkeiten. Die Ursachen liegen in der sehr unterschiedlichen Per- pflegung der Führer und Mannschaften, vor allem aber darin, daß man den uniformierten SA.-Leuten die bisher für das Tragen der Uniform gezahlten täglichen Geldprämien nach der Wahl nicht mehr gewährt. Die Folge ist, daß viele SA.- Leute der Führung die Uniformen wieder zur Verfügung gestellt haben. Die Widerspenstigen werden durch SS-Leute vom Be- treten der Naziräumlichkeiten abgehalten. Es ist nicht dos erste Mal, daß in Bonn die SA. gegen die SA. steht. Schon ein- mal demolierten SA.-Leut« in dem SA.-Heim die Bürosinrichtung. Ferner zerrissen sie die Fahnen und verprügelten sich gegenseitig. SA. als Streikbrecher. Die Siebenmonatskinder tauchen wieder auf. Hamburg, 6. August.(Eigenbericht.) Auf dem Alwnaer Fischmarkt waren in der legten Nacht gerade die Halle narbeiter zusainnrengecreten, um mit den, Löschen der Fischdampfer zu beginnen. Plötzlich traf vor der Halle ein Trupp von etwa 70 Nationalsozialisten ein, dessen Beamtentum. sekretär Dr. Abegg seine Bewunderung aus für die aus- gezeichnet« Art. in' der«r mit den Kommunisten verhandelt Halle. Auch gegenüber Dritten äußerte sich Diels in ähnlicher Weize. Das Merkwürdige ist nun aber, dah es Oberregierungs- rat Diels war, der über diesen Vorgang jenen Bericht an die Reichsregierung geliefert hat, der dasKabi net t von Papen z» seinem Vorgehen gegen die preußüche Regierung und zur Absetzung des Staatssekretärs Dr. Abegg ver- anlaßt hat. Der Vollständigkeit halber sei mitgeteilt, daß dieser selbe Ober- regierungsrat Diels soeben vom Kommissarins Bracht als Spezialgesandier nach Königsberg beordert wurde, um dort die Untersuchung gegen die Brandstsster zu„übermachen". Parademarsch vor Gras HeZldorf. Schupo in Veih und Glied mit der SA. Die Telegraphen-Union veröffentlicht folgenden Bericht. der ihr von der Nationalsozialistischen Partei übermittelt wurde: „Am Freitagabend fand in den Vikoria-Sälen in der Wik- Helmsaue ein Kameradschaftsabend der Führer der Untergruppe Berlin-Weft der SA. statt mit etwa 300 Teilnehmern, darnnler 50 polizeibeamlen, Offizieren und llnterbsamlen in Uniform. Oberführer Schmidt begrüßte die Versammlung. Alsdann er- griff Gruppenführer Graf Helldorf das Wort. Er schilderte kurz die politische Lage und hieß vor allem die Kameraden der Polizei herzlich willkommen. Der älteste Poltzeiosfizler anlworlele und dankte für die freundliche Einladung. Er freue sich besonders, dah dieser Abend das erste sichtbare Zeichen eines gemeinsamen Kampfes sür ein nationales Deutschland sei, indem die SA.-Kameraden mit ihren Kameraden von der Polizei zusammensäßen. Am Schluß der Versammlung fand«in Vorbeimarsch der versammelten Führer vor dem Grasen Helldorf statt, an dem auch die anwesenden uniformierten Polizeibeamten als ge- fchloffene Formation teilnahmen. Der Abend wurde mit dem Deutschlandlied beendet." Schupo defiliert in geschlossener Formatton vor dem Führer der Berliner Äll. Sie zieht im Parademarsch mit„Augen rechts" vor dem Mann vorbei, der vor knapp einem Jahr dos Pogrom auf dem Kurfllrstendamm organisiert hatte. Der älteste anwesende Polizeiossizier feiert das Beisammensein mit den„Käme- raden der SA." als sichtbares Zeichen gemeinsamen Kampfes. Diese Demonstration einer geschlossenen Polizeilruppe aus der Führervecsammlung der hillerschen Bürgerkriegs- und Brandstifter- banden ist eine Herausforderung gröbster Ark. wenn auch unter den neuen ZNachthabern in Preußen das Verbot ausgehoben ist, das Beamien die Zugehörigkeil zur NSDAP, unler- sagle, so muß diese demonstrative Verbrüderung zwischen Polizei und der SA. in der gegenwärtigen mit Spannungen geladenen politischen Akmosphäre das schärfste Mißtrauen der n i ch t s a s ch l st i s ch e n Mehrheit de» Volkes gegen die preußische Polizei unter dem neuen Regime erwecken. Führer erklärte, er solle mit seinem Trupp die Arbeitsplätze besetzen, da die Belegichast streiken wolle. An dieser Be-. hauptung ist kein wahres Wort. Der Arbeiterschaft bemächtigte sich eine große Erregung. Sie besetzte sofort die Eingangstür des Schuppens. Von den National- fozialisten wurden einige Schüsse abgegeben, die aber niemanden | oerletzten. Durch das Schiehen wurde eine Polizeistrelfe aufmerk- sam, die die Nazis nach Waffen durchsuchte. Die Nazis hatten aber inzwischen ihre Waffen fortgeworfen. Es wurden vor der Polizeiwache 8 Pistolenpatronen gefunden und in nächster Nähe eine Pistole mit 6 Patronen, ein Ochsenziemer und ein Gummiknüppel! Wie sich später herausstellte, waren die Nazis von den Junioren der dort maßgebenden Auttionsfirma Köfer-Altona bestellt war- den. um die freigswerkschaftlich« Arbeiterschaft von ihren Arbeitsplätzen zu verdrängen und durch Nationalsozialisten zu einer niedrigeren Entlohnung zu ersetzen. Der 'Seniorchef der Firma hat das Vorgehen seiner Verwandten nach Rücksprache mit der Belegschaft auf das schärfste verurteilt und zu- gesagt, daß er um den Arbeitsfrieden besorgt sein werde. Die Stadt : Altona hat ebenfalls Maßnahmen gettoffen, damit tünfttg der Arbeitsfriede nicht gestört werde. Die„Hilfspolizei." Die Regierung stellt sich stark- ober wer glaubts? Zu der amtlichen Mitteilung über die Besprechung de» Barons Gayl mit den Naziministern von Oldenburg, Braunschwsig und Anhalt wird weiter offiziös hinzugefügt, es fei nun voll- kommen sichergestellt, daß keinerlei Partei- formationen In staatlichen Funktionen verwendet werden. Die Bildung von Formationen, die dann irgend- welche polizeilichen Ausgaben übernehmen sollten, werde nicht zugelassen. Das gelte auch gegenüber der Ankündigung des sozialdemokratischen stzarteiausschusses! Die Regierung scheint also den Bericht, daß unser Parteiausschuß die Möglichkeit der Organisierung eines Selbst- s ch u tz e s für den Fall des Versagens der Staatsgewalt erörtert hat, als Ankündigung der Aufstellung solcher Formationen anzusehen, die auf ihre behördliche Inanspruchnahme als Hilfspolizei rechneten. hier dürft««in völlig unverzeihlicher Irrtum obwalten. Der Kanzler ZNonlag in Verlin. Reichskanzler von Papen wird Sonntagmittog mit dem fahrplanmäßigen Zuq von Dillingen au» seine Rückreise nach Berlin antreten, wo er Montag früh«m- tteffen wird. Zuchthollsurteile gegeu Kommunisten. Bgr der Strafkammer in Bremen wurde gegen 14 Kommunisten wegen Landfriedens- bruchs verhandelt. Das Urteil lautete gegen die beiden Haupt- angeklagten wegen Landfriedensbruchs, Rädelsführerschaft und Waffemnißbrauchs auf je ein Jahr fünf Monate Zucht- hau». Fünf Angeklagte wurden mit drei bis sieben Monaten Gefängnis bestraft. Die übrigen wurden freigesprochen. Die Ver- urteilten waren an den Aus sch reitungen beteiligt, die sich am 1. Juli d. I. in der Dorstadt Gröpelingen ereignet hatten. Bei der nationalsozialistischen Versammlung war es in diesem Stadtviertel zu Ansammlungen gekommen, wobei Nationalsozialisten blutig ge> schlagen und Polizeibeamle angegrissen wurde». Sttagenbahnwaacu und ein Mannschaftswogen der Feuerwehr waren umgeworfen worden. Schutz vor dem Terror? Gewerkfchastsprotest aus Oberschlesien. G l e i w i tz. K. August. Die Bezirksausschüsse der Freien G e w e r k s ch a s- t e», der Christlichen Gewerkschaften und der Hirsch-Tunckcrschen Gewerkschaften haben heute an den kommissarischen Preußischen Innenminister ein Telegramm gerichtet, in dem u. a. gesagt wird, dast der außerhalb des Machtbereichs des Gleiwitzer Polizei- Präsidiums herrschende Politische Terror die Bevölkerung, auch die Deutschen jenseits der Grenze, aus das höchste beunruhige. Gs würden Grenzzwischenfälle befürchtet. Die genannten Gewerkschaftsorganisationen forderten sofortige Verstärkung der Polizeikräfte und Ausdehnung des Machtbereichs des Gleiwittcr Polizeipräsidenten auf das gesamte Grenzgebiet, um die Staats- autorität zu stärken, sowie ein Verbot von Unifor- men und Kasernen politischer Verbände im gefährdeten Grenzgebiet. Glückwunsch aus Ltngarn. Der Vorstands der Soziaidemokratischen Partei Ungarns hat der deutschen Sozialdemokratie ein herzliches Glückwunsch- schreiben zu ihrem Wahlersolge gesandt. In dem Schreiben heißt es: „Mit denselben Gefühlen der höchstgespannten Erwartung, der tiefen Solidarität und ab und zu auch mit Bangigkeit, wie das Hassen- bewußte Proletariat der ganzen Welt, verfolgen wir den historisch beben tscunen Wahlkampf, in dem das deutsche Proletariat gegen eine ganze Welt vo-n Feinden zu ringen hatte. Heute, da diese große politische Wahlschlacht geschlagen ist, ist es uns eine Freude und ein Stolz, feststellen zu können, wie tapfer sich unsere große deutsch« Bruderpartei behauptet hat, wieviel Entschlossenheit und Opferbereitschaft sie in diesem Schicksalskampfe bewiesen hat. Wir wissen nur allzu gut, daß die große Gefahr— der Generalsturm der finsteren und blutigen Reaktion— noch nicht gebannt ist, aber di« glänzend« Totsache, daß die SPD. von ihrer Stellung in diesem Wahlkampf« ohnegleichen nicht verdrängt werden konnte, dies ist die Gewähr dafür, daß dos deutsche klassenbewußte Proletariat auch aus den bevorstehenden Kämpfen als fchliehlicher Sieger hervorgehen wird. Wir beglückwünschen euch, wir begrüßen euch aus vollem Herzen und wünschen euch auch weiterhin guten Erfolg. Freihett! Mit bestem Parteigruß Tmanuel Buchinger, Sekretär, Abgeordneter. De Valeras Zollkrieg gegen England. Schärfste Opposition der irischen Arbeiterpartei. Dublin, Y. August. Die Kammer nahm mit 58 gegen 48 Stimmen eine Regierungs- vorläge an, wonach ein Sonderfonds von zwei Millionen Pfund Sterling für die Fortsetzung des Wirtschaftskrieges mit Groß- britauuien geschaffen werden soll. In der Debatte wurde die unti» britische Politik de Valeras von einzelnen Rednern scharf k r i t i- s i e r t. Der frühere Landwirtschaftsminister Hogan erklärte, es fei vollkommen klar, daß man zu einer Verständigung mit Großbritannien kommen könnte, wenn de Balera nur auf seine politischen Rarrenspossen verzichten wollte. Anthony iUnabh. Arbeiterpartei) bemerkt«, die Leute, die hinter de Valera ständen, seien üble Gesellen, die man sich sehr gut als Plünderer und Bankräuber vorstellen könnte. Auf die Frage nach der Verwendung des von der Regierung gewünschten Kampffonds gegen Großbritannien erwiderte de Valera, er könne noch nicht angeben, wie das Geld verwendet werden würde. Zur Zeit bestehe kaum eine Aussicht, den englischen Markt durch andere zu ersetzen, aber es sei schon der Mühe wert, die größten Anstrengungen zu machen, um Ersatzmärkte zu finden. Wenn morgen allgemeine Wahlen wären,, schloß de Valera, dci.m würde er dafür kämpfen, daß der Irische Freistaat ebenso unabhängig würde wie Dänemark und die Schweiz. Das wäre ihm lieber, als eine Verbindung einzugehen, die zwar ihre Vortcile hätte, aber auch sehr viele Nachteile. Sinnfeiner-Anschlag auf den Oominienminister. Otlawa, 6. August. Die kanadische Polizei Hai einen Sinnfelner Anschlag «ms das Leben des englischen Ministers für die Dominien, 3. h. Thomas, entdeckt und in Verbindung hiermit einen Iren namens Dan Malone in Toronto festgenommen. Der Anschlag sollie während der Feierlichkeiten zur Crössnung des welland-Kanols stattfinden. Malone ist Mitglied der englischen Sinnfeiner und war vor einigen Iahren nach Kanada gekommen, wo er sich wegen kom- munistischer Tätigkeit verdächtig gemacht hatte. Die Polizei hotte ihn überwachen lassen und dabei eine Besprechung abge- hört, in der Malone seine verbrecherische Absicht darlegte. Er hatte geschworen, daß er den Thomas„kriegen" werde, der sich bei den irischen Republikanern während des jetzigen irisch- englischen Streitfalles sehr unbeliebt gemacht hat. Die kanadische Polizei hatte rund 100 Detektive aufgeboten, um Thomas zu bewachen, da schon vor Beginn der Ottawer Konferenz hartnäckige Gerüchte über beabsichtigte Anschläge auf englische Minister im Um- lauf waren und sie hat jetzt den Schutz für Thomas und Baldwin noch verstärken lassen. Gleichzeitig wurde eine Anzahl von Kam- munisten(?) in Hamilton am Ontario-See verhaftet, wo über 100 Mitglieder der Ottowaer Konferenz zur Eröffnung des Welland- Kanals eingetroffen waren._____ Regierungskrise in China. Wangtschingwei zurückgetreten. Schaaghai, 6. August. Wangtschingwei, der Präsident des Exekutiv-Duan, dessen Stellung ungefähr derjenigen de? Ministerpräsidenten in anderen Ländern entspricht, ist zurückgetreten. Der Rücktritt erfolgte aus Unzufriedenheit über die„p o s f i v e P o l i t> k" der Militärbefehls. haber in der Frage der Mandschurei. Zur gleichen Zeit mit dieser Meldung kommt aus Tokio ein« offiziöse Warnung an Tschiangtaischek vor irgendwelchen Versuchen, die Dinge in der Mandschurei zu ändern. Der jegt zu- rückartretene Wangtschingwei war der Führer der Linken in der Kuomintangporlei und ist bei dem so schwierigen Zusammen- schluß Nankings mit dem radikaleren Kanton gewissermaßen zur Versöhnung der Kantoner an die oberste Stelle gesetzt worden. Aufbauwillige Kräfte. ,So— aufbauwillige Kräfte nennt der uns?" „7la, dann wollen wir zunächst uns mal einen Panzerwagen aufbauen." . Ii TiA''7 V*'' „Um aufzubauen, muß man vorher natürlich erfl gründlich alles niederreihen." „Und danach bauen wir uns selbst in Reih und Glied auf und lassen uns als Rotpolizei vereidigen." Ein faschistischer Held Ehrengrab für einen Raubmörder. Locarao, 6. August.(Eigenbericht.) Von Anfang an hat der Faschismus einen großen Bedarf an Märtyrern gehabt. Wo irgendein Faschist ums Leben kam — bei Liebeshändeln, bei Raufereien im eigenen Lager, durch Selbst- mord—, wurde er als Märtyrer verwendet, nach dem Prinzip, nichts umkommen zu lassen. Es ist oft bemerkt worden, daß die faschistischen Toten sich schneller vermehrten, Äs die Lebendigen: aus einem Dutzend wurden hundert, ehe man sich dessen versah. In letzter Zeit konnte aber das Angebot an Märtyrern die Nach- frage nicht mehr decken, so daß man sich begnügt«, den Märtyrer- titel schon denen zu verleihen, di« den Wunsch geäußert hatten, im Schwarzhemd begraben zu werden. Die meisten Märtyrer kamen aus dem Ausland. War da i n A m e r i t a bei der Einweihung eines Garibaldi-Denkmals ein Faschist Salvatore Arena ermor- d e t worden. Großer Enthusiasmus, Uebersührung der Leiche in die Heimat, ganz Neapel am Tag der Ankunft des Toten auf Halbmast geflaggt, Erhebung des Helden in die Unsterblichkeit usw. „Er war ein disziplinierter Soldat und ein glühender Faschist. Er ist gefallen, um unser Ideal zu verteidigen, für das zu sterben wir alle bereit find", hieß es in der Trauerrede. Es war ein Propo- gandatag erster Ordnung. Durch die amerikanische Polizei und die Pariser Ausgabe des „New Dork Herald" ist nun aber der weiteren Verwendung des „großen Toten" ein Riegel vorgeschoben. Das Denkmal war schon im Anrollen, mit der ewigen Lampe, wie am Grabe Dantes, Straßen lechzten danach, sich nach Salvatore Arena zu benennen, und da bringt die New-Jorker Polizei heraus, daß der Märtyrer gar nicht von einem Anlifafchisten. sondern von einem saschisti- schen Oberbonzen. Domenico Irombella. gelötet wurde und daß er außerdem ein von der Polizei seit langem g e- suchter Gangster(Alkoholschmuggler) war. Höchst peinlich. Ein einziges italienffches Blatt beschäftigt sich mit der Nachricht, um lakonisch mitzuteilen, daß der„Umstürzler" Trombetta wegen Er- mordung des Faschisten Arena oerhastet worden ist. Besagter Umstürzler war nun bis zum Tage seiner Verhaftung der Chefredakteur des offiziellen New-Porker Faschistenblattes „II Grido della Stirpe"(der Schrei des Blutes). Er hatte auch gar nicht die Absicht gehabt, den edlen Kameraden zu töten, sondern zielt« bei der Garidaldi-Ehnmg tn State» Island aus den Antifaschisten L i st a. Wieviel weniger ergiebig wäre seine Tat für den Faschismus gewesen, wenn er sei.» Ziel getroffen hätte! Ein Pech freilich, daß Arena ein Gangster war, aber das braucht man schließlich m Italien nie zu erfahren. Ein wackerer Faschist war er sicher, wenn auch das nidst gerade stimmt, was das„Giornale d'Jtalia" von ihm schrieb:„Unermüdlicher Arbeiter, glichender Patriot, war Salvatore Arena einer sener vielen Italiener, die müh- (am in der Fremde ihre schwere Schlacht um das Dasein schlagen." Mit der Schlacht, das könnt« schon stimmen. Arena war der Führer einer zwölfköpfigen Räuberband«, die im Jahr« 1024 ein Auto der Hochelaga-Bank in Montreal(Kanada) übersieh den Bankbeamten tötete und 150 000 Dollar erbeutete. Zehn der Räuber fielen der Polizei in die Hände: vier wurden in Montreal gehängt, einer starb an den bei dem Anschlag davon« getragenen Verletzungen, einer ging Äs Angeber frei aus. di« übrigen bekamen je dreißig Jahre Zuchthaus. In Freiheit blieben. außer dem Spitzel, ein gewisser Giuseppo C a r r o r o und der wackere Salvatore Arena, der heut« in seinem Ehrengrab in Siziken ruht. Sind übrigens die Lebenden, die der Faschismus ehrt, viel besser als dieser Gangster, dessen Leiche man als Verehrungsobjekt über den Ozean schiffte? Jetzt hat man, bei dem großen Wechsel der Re- gierungspräsidenten, einen gewissen Marquis Dino Perron« E o m p a g n i abgebaut und zum Staatsminister mit dem Titel Ex- zellenz erhoben. Wer ist der Wackre? Vor dem Krieg war er Offizier und wurd« wegen Schulden und anderer Untorrettheiten kassiert. Als der Krieg ausbrach, wurde ihm die Wiedereinstellung als Offizier ab- geschlagen, er diente als Gemeiner, wurde zwar Korporal, mußte aber wegen einer falschen Anzeige gegen einen Vorgesetzten degra- diert werden. Dann kam der Faschismus. Das war etwas für unseren Perrone Compagni! Er war es, der den Arbeiter G i g l i im Bett vor den Augen der Mutter erdolchte, er organisierte und leitet« das Blutbad von Roccastrada in Toskana(24. Juli 1921), ber neun Arbeiter ermordet und einige fünfzig verwundet wurden. Er forderte den Bürgermeister von L i o o r n o, den Sozialisten Pro- fessor Mondolfo aus, sein Amt niederzulegen: im Wcigerungs- solle würde man ihm seine Tochter rauben. Wer solch ein Indioi- duum ehrt, der kann ruhig einem Gangster ein Ehrengrab geben. Beide sind wackre Faschisten, trotz der Nörgeleien der New-Porker Polizei wegen eines lumpigen Bankraubes. Wie Ekman kaltgestetti wurde. Oer abgeleugnete Kreuger-Scheck. Slockholm. 6. August. Der Rücktritt des Ministerpräsidenten Ekman und die Nach- richten über die Geldzuwendungen, die Jvar Kreuzer noch wenige Wochen vor seinem Tode dem Ministerpräsidenten in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Freisinnigen Partei gemacht h-� haben in der schwedischen Presse größtes Aufsehen erregt. Parteipolitisch sind insofern Folgen zu erwarten, als in wenigen Wachen die schwedischen Reichstagswahlen stattfinden. Vor wenigen Wochen hatte di« Freisinnige Partei die angeboten« Listen- Verbindung mit der Rechtspartei abgelehnt.„Allehanda" zufolge gestaltete sich der Abschied des Ministerpräsidenten von seinem Amt dramatisch. Er wurde zum König befohlen, wo ihm erössnet wurde, daß seine Gegenwart bei dem gleich daraus beginnenden Kronral nicht angebracht sei. Der Ministerpräsident begab sich vollkommen niederge- b r o ch en in sein Arbeitszimmer, wo er niemand empfing. Kurz darauf verließ er Stockholm. Aus dem Bericht der Konkursverwaltung von Kreuzer und Toll werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Jvar Kreuzer ließ An- fang Februar, als er sich in New York befand, durch eine ihm nahe- stehende Person einen Scheck über 59000 Kronen ohne Begleitbrief an Ministerpräsident Ekman abschicken. Dieser Scheck ist am 13. Februar bei einer Stockholmer Bank eingelöst worden. In einem Gespräch mit dem Konkursverwalter erklärte Ekman am 4. August, daß die Angaben nicht richtig feien. Er habe den Scheck nicht erhalten und die Unterschrift sei nicht von ihm. Hier- aus erklärte die Konkursverwaltung, daß sie zwecks Zurückerlangung der 50 000 Kronen für die Konkursmasse Anfedztungsklage erheben würde. Ekman gab dann am Freitag bekannt, daß er die 50 000 Kronen zurückzahlen werde. Da die Freisinnige Partei das Geld inzwischen verbraucht habe, würde er den Betrag aus«ige- u e r Tasche zurückerstatten. Daß er vorher den Empfang des Geldes abgefirilken habe, beruhe"auf einem 3var Kreuzer gegebenen Persprechen.(!) Heut« nachmittag wurde ein« omiliche Regierungserklärung folgenden Wortlauts veröffentlicht:„Der Grund zu dem Rücktritt des bisherigen Ministerpräsidenten Ekman ist, daß er außer der Summe von 50 000 Kronen, die er im September 1931 von Kreuzer entgegennahm, Anfang Februar d. I. noch ein zweite» Mal 50 000 Kronen für die freisinnige politische Organisation von Jvar Kreuzer erhielt. Dieser Betrag ist jetzt an die Konkursvenval- tung zurückgezahlt morden. Wie die Schwedische Telegraphenagentur hierzu erfährt, hat Ekman di« letzt«» 50 000 Kronen aus eigenen Mitteln zurückgezahlt. Slnlcntumgcn ffu titelt SRubrit find B e» l t» SB 68, Lindeastrahe 3. parteinachrichten�Mfür Groß-Berlin stet» an da» Beztrtssetretariat 2. Hof, 2 Treppe« rechts, zu richte» 17. 19. 20. 14. 15. 1«. 17. IS. 19. :?0. 23.* 24a 26. 3V 12. 43. 14. 45. 47. 4». 52. S0. 86. M. 61. 64. 137. Beginn alter Veranstaltungen 19�4 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! Montag. 8. August: Kreis. 19 Uhr Sitzung der, engeren Porstandes mit den Abteilungsleitern, Kreis. X Uhr Kreisfunktionärsitzung bei Will, Martin. Luiber-Str, 69, Engerer Kreisvorstand 19 Uhr, Mitgliedsbuch und Funllionärkorte sind vorzuzeigen. Kreis. 19 Uhr Kreisfunktionärkonferenz an bekannter Stelle, Kreis. Kreisdelegiertenversammlung an bekannter Stelle, Keei«. Die Bildungsausschußsitzung findet nicht Montag, sondern Dienstag im Polkshaus, Scharnweberftr. 114, statt, Abt. Funktionarsttzung an bekannter Stelle, Abt. funktionarsttzung bei Obiglo, Stralsunder Str. 11. Abt. funktionarsttzung bei Kinzel, Usedomstr, 22. Abt. funttionärsttzung bei Dose, Nordhafen 5. Abt. funktionärkonfcrenz an bekannler Stelle, Abt.»unktionärsttzung an bekannter Stelle. Abt. 20 Uhr funktionarsttzung bei Pose, Koloniestr, Ib. Abt. funttionärsttzung bei Senkel, Abt. funktionärsttzung an bekannter Stelle, Der Vorstand trifft stch um 11 Uhr. . Abt. funktionärsttzung bei Köhler, Aiit. 19 Uhr an bekannter Stell- Porstandssttzung, 20 Uhr Funktionär- «rfammlung. /Abt. funktionärkonfercnz, -Abt. funktionärsttzung. Die Notopfermarken müssen unbedingt abgerechnet werden, Abt. funktionärsttzung bei Wiersdorf. Abt. funktionärsttzung bei Krcvp, Planufer Ist— 76. Abt, 19 Uhr funktionärsttzung bei Ewald, Skalitzer Str. 126, Abt. ffunktionärversammlung bei Thielerl, Liegnitzer Str. 10, Abt. funktionärsttzung an bekannter Stelle, Abt. 19 Uhr Vorstandsstzung. 20 Uhr funktionärsttzung bei Kiesrlbach, Ritterstr. 97, BezirksfUhrer Fahnen mitbringen, Abt. 20 Uhr funktionärsttzung bei Wolter, Kaiscrin-Augusta-Allee 62, Abt. 20 Uhr Zusammenkünit jüngerer Parteimitglieder bei tbürlich, Be- gasstr, 1. Das KommuniMsche Manifest, Referent: I, P, Mover, Abt. 21 Uhr Funktionärsttzung bei Dohnau, friedenstr. 6, Die Bezirks- führer werden ersucht, das Wahlmaterial, Transparente usw. einzu- sammeln, Abt. 20 Ubr Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Jahn, Fulda. Eck» Wcserstrabe, Der 91, Juli und seine notwendigen Folgen, Referent: Alfred Markwitz, Abt. funktionärsttzung bei Ramin. Mainzer Straße. Abt. funktionärsttzung bei Schröder Stejnmctzstr, 92, Abt. Funktionärsttzung mit sämtlichen Bezirksfilhrern im Volkshaus, Scharnweberftr, 114. Dienstag, 9. August: Breis. Vrbeiterwohlfabrt. 15 Uhr Zusammenkunft erwerbslose? Parteimit. fllieber im Heim Tilsiter Str. 4—5. Referent: Dr. Denicke. Unter- yaltungsteil. Abt. �unktionärschunq an bekannter Stelle. Abt. 20 Uhr Funktionärnsiuna. 19 Uhr Vorstandssitzung bei Hiibner. Abt. Funttionärsitzung im Lokal Nr. 2. Abt. Funktionärsitzung im Sportrestaurant Cantianstraße. Abt. Funktionärnersammlung bei Schult. Mariendorfer Straße. Abt. 20 Uhr bei Wilmersdorf. Lauenburger Str. 21, Mitglieder» Versammlung. Die Partei vor neuen Aufgaben. Referent: Dr. Otto Suhr. Abt. 20 Uhr Funktionärkonferenz bei Schellhase. Abt. 20 Uhr Zahlabend des 13. Bezirks bei Pommerening, Berliner Straße 100. Noch der Wohl. Rekerent: Haus Lehnert. Abt. Zahlabend der Bezirke 70. 93, 96 bei Schröder, Steinmetzstr. 52. Räch der Wahl. Referent: Hans Marx. Abt. 14 Uhr Aschenbeisetzung des Genoffen M. Boche auf dem Zentral- medhof. Die Genossen treffen sich 1314 Uhr am Eingang zum Friedhof. Abt. Funktionärsttzung bei Bar.tz. Bezirksführer Fahnen abrechnen. Unent- aeltllch� ausgegebene Fahnen sind zurückzuholen. Abt. Funktionärkonferenz bei Bühne. Alle Bezirke müssen vertreten sein. Abt. Funktionärsitzung an bekannter Stelle. Bezirksführer entliehene Fahnen abgeben. Mittwoch, 10. August: 5. Breis. 18 bis 19 Uhr Abrechnung der Barten für das Freidenkertreffen bei Zevke, Ebertnftr. 7. 2. Abt. Mitgliederversammlung bei Lohann, Brüderstr. 16. Nach der Wohl. Rsrerent: Hans Bauer. 3. Abt. Im Saal 1 des Gewerkschaftshauses, Eugelufer, Mitgliederverfomm- lung. Nach der Wahlschlacht. Referent: Paul Robinson. 4. Abt. Mitgliederversammlung im„Belvedere". Aler.anderstr. 21. Dr. Herbert g Ckteftm«* u;„Nach der Wahl." •- Abt. Mitgliederversammlung im..Rasenthaler Hof", Rosenthaler Str. 40/41. Dr. Richard Mischler:..Nach der Wahl." 6. Abt. Mitgliederversammlung im..Begler-Eck". Quitzowstr. 146. Bernhard Göring:„Noch der Wahl." 10. Abt. Mitgliederversammlung im„Patzenhofer", Turmstr. 26. Gen. Arons: ..Nach der Wahl." 11. Abt. Mitaliederversammlung bei Scholz. Levetzowstr. 21. Albert Falken- herg:„Nack? der Wahl." 19. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. Thema:„Nach der Wahl." 811. Bezirk Referent Günther Scheele. 805. /806. Bezirk Referentin Frida Rosenthal. 29. Abt. Mitaliederversammlung im Altersheim, Danziger Straße 62. Barl Dresse!:..Nach der� Wahl." 35. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen. Die Bezirksfnbrsr laden ein. Fahnen, Transparente unb Plakate sind restlos abzuliefern. Thema in aWn Zahlabenden:..Die volitische Lage.— Was nun?" Ol. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Wohlfahrtssaal. Bönigin-Elisabeth- Straße 6. Erich Buttner, M. d. L.:..Unsere nächsten Aufgaben."— Ab- teilunos-Funktiouärsitzung eine Stunde früher. 53. Abt. Die Zahlabende fallen aus. Sämtliche Materialien, Fahnen usw. ffnd zurückzu-liefern.— Sonabend, 13. August. 20 Uhr, Vorftandssitzung bei Lux. 54. Abt. 20 Uhr Funktionärsitzung im Jugendheim, Rosinenstraße 4. 58. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung im„Ranke-Haus". Rankeftraße 4. Walter Maschke: Nach der Wohl." 59. Abt. 20 Uhr Mitaliederversammlung im„Neuen Ratskeller", Spandau. Otto Ortmann:„Was nun?" 63. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Hoffmann. Bahnhofstraße. Alfred Markwitz:„Nach der Wahl." 68. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Sandmann, Westfälisch« Straße 42. Dr. Otto Friedländer:„Nach der Wahl." 72. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung an bekomnter Stell«. Gen. AN»r: 9. 24. 27. 41. 69. 82. 85. 94. 118. 119. 136. 139. Abteilungs- Vorstandekonferenz am Dienstag, dem 9. August, pünktlich 191: Uhr im großen Saal der Sophiensäle, Sophienstraße 17/1 8 Tagesordnung:„Nach d@m Kampfe Referent: Franz Künstler, M.d.R. Teilnahmeberechtigt sind: Der engere und erweiterte Bezirksvorstand, 1. und 2. Kreisleiter, der Kreiskassierer, 1. und 2. Abteilungsleiter, der Abteilungskassierer, die Vertreterin der Frauen im Kreisvorstand, die Vertreterin der Frauen im Abteilungsvorstand. Im Behinderungsfalle ist die 2. Kreis- bzw. 2. Abteilungsleiterin teilnahmeberechtigt. Des weiteren können sämtliche Referdhten der Partei an der Vorständekonferenz teilnehmen, Parteimitgliedsbuch mit gleichlautender Funktionärkarte muß am Saaleingang vorgezeigt werden. Für die Parteireferenten gilt das Parteimitgliedsbuch und besonderes Einladungsschreiben als Ausweis und ist ebenfalls am Saaleingang vorzuzeigen. Der Bezirksvorstand. „EigenwirtschafUichc Betriebe der Arbeitnehmer.�— 19 Uhr Vorstands. sttznng an gleicher Stelle. 74z Abt. 20 Uhr Mitoliedcrversainmtung bei Schneider, Potsdamer Straße 2s. Thema:.Die Partei vor neuen Aufgaben," 79z Abt, 20 Uhr Mitgliederversammlung in der Siedlung Lindenhof(Ledigen- heinil. Rodert Breuer:„Unsere nächsten Ardeiien," 80. Abt, 20 Uhr Abtcilungsversammlung im chelmboltz-Gymnastum, Rubens. iiraße. Ernst Hildebrandl: Nach der Wahl," 84. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Lehman». Kaiser. Wilhelm. Straße 29—91, Ken, Zivvel:„Die Lehren der Reichsiagswahl," 87. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Schuster, Kirchftraße 08, Bürger. mcister Ostrowski:„Nach den Wablen," 91. Abt, Mitgtiedervcrsammlung im Lokal„Bergschloßhöhe", Kartsgarien- stmße 0— tl, Karl Liikc, M, d, R.:„Nach der Wahl," 9». Abt, 20 Uhr Funktionärsttzung bei Pflanz, Prinz-Handierv-Straße 79, Das Mitgliedsbuch ist mitzubringen,, 90. Abt. Mitgliederversammlung im„Bereinshau» Einigkeit", Kirchhoistr, 41. Georg Klaußner, M, d, L.:„Räch der Wahl," 104. Abt, Mitgliddciversammliing bei Kubat, Brückenstraße 15, Rudolf Karsten: „Nach der Wahl," 118. Abt, Abieilungs. und Gruppenzahlabende fallen aus. Sämtliche rrahnen und Freibeilspfeile stnd umgehend beim Gen, Werk adzurechncn. 122» Abt, Mitgliederversanimluna bei Kindfcher, Köpenicker Str. 105— 107. Lisa Albrecht:„Roch der Wahl,", 129. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlnng in der„Schützenklause", Hönower Straße 5, Bernhard Krüger:„Nach der Wahl." 124, Abi, 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Drabcr, Uhlandstr. 18. Robert Robde:„Die Auswirkung der Papen-Notverordnunq auf die Woblfahrts. pflege." 120. Ab», 20 Uhr Miigliederversammlnng im„Schloßpavillon", Weißensec, Ber< liner Aller, Luise Kühler, M, d, L.:„Nach der Dahl," 130, Abt. 20 Ubr Mitgliederversammlung bei Tempel. Prinzenallre 45, Fried. rich Stampfer, M, d. N,:„Die Partei vor neue» Aufgaben." 131. Abt. 20 Uhr Mitgtiedervcrsammlung bei Pfeifer, Blan sei, selber Straße i Nordend: Dr. Paul Krischc:„Die Lehren des letzten Wahikampfes," 132. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Klug. Dorfstr, 2. August Nie. mann:„Nach der Wahl." 138. Abt, 20 Uhr Mitgliederversammluno IM„Forslharis", Aiigustc-Viltoria. Straße 34, Gen, Äbramowitsch:„Diktatur— Demokratie." 140. Abt. Mitgliederversammliiiig bei Woitschach, Ernststroße Ecke Konrodstraße, Gvttiieb Reese:„Der Ausgang der Wahlen— was nun?" 141. Abt, Mitgliederversammlung bei Hosfmonn, Edrlwrißstr. 5, Hsinrich Schlie- stedi:„Nach der Wahl." 143. Abt. 20 Ubr Mitgliederversammlung bei Iarius, FUrst-Bismarck�Stroßc. Donnerstag. 11. August: I. Keei». 20 Uhr Sitzung be» Bildungsausschusses bei Lohann, Brüderstr, 10. Um vollzähliges Erscheinen wird gebeten, 20. Kreis. 15 Uhr Zusammenkünfte erwerbsloser Parteimitglieder an sol. genden Stellen: Rcinickendorf.West, Auhenspielplatz, Refereiit: Paul Bern. stein. Reinickendorf-Ost in der Schule Hoppcstraßc, Referent: Hans Marr. Wittenau und Tegel im Reichsbannerdootshaus Tegel, Rcfcrriit: Dr. M. Schümann, Thema in allen Veranstaltungen: Debkassungsfragen, Unsere werten Leser und Freunde werden gebeten, in Gaststätten, Hotels, Pensionen, Lesehallen, bei den Zeitungs- verkaufsstelien sowohl in Groß-Berlin als auch im Reich bei jeder Gelegenheit den „Vorwärts" zu verlangen. Das Parteiinteresse fordert, überall und ständig für unsere Presse zu werben und das Auslegen des Zentralorgans der SPD. In allen Verkehrsstätten zu veranlassen. Wo der„Vorwärts" noch nicht erhältlich sein sollte oder nicht ausliegt, bitten wir um Benachrichtigung Vorwärts Verlag Q. m.b.H., Bln., SW6a, Lindenstraße 3. Fernspr.: A7, Dönhoff 292/97 JreHag. 12. August: 5. Kreis. Erwerbsloseolührunq durch den Osihalen. Trrifpunki Etralaued Aller, Tor 1. Pünfiliä, um 15 Uhr. Leitung: Genosse Rirßnick, An. Meldung am Dienstag im Heim, Voranzeige. 13. Kreis. Sonntag, 14, August. Bersassuiigskllndgebiing� der Eifernrn ksront im Lindenpark in Rarieiiscldc, Dors. Ecke Bcrlii'cr strotze, festansprach?, Konzert, Kabarcli der Aktuelle» Klcinr»>istbühne, Tanz. Eintritt 40 Pl. Erwerbslose Genossen nur gegen Ausweis des Bezirksiuhrcrs lrci. Zrauenosranstaltungen. 49. Abt, Montag, 8, August, 10 Uhr, Kafscekochen im Restaurant„Zur grünru Ecke", vor dem Pollspari....„ �„ 48. Abt. Dienstag, 9. August, Fraucnaustlug nach der Wuhtheidc. Trelt- punlt 13>i Uhr vor Aschinger tMoritzplatzl, 57. Abt, Mvntog, 8. August,, Ausspracheabend bei Dohrmann, Krumme 95. Att�Montag, 8. August, Kafseekochcn auf dem Turnplatz in der Sonnen. allee. Die Genossinnen treffen sich pünktlich 15 Uhr Bahnhof Baiser- 97. Äbt� Zusmnmcn mit der 95. und 90. Abt. Montag 8, August, Kaffee. kochen auf dem Turnplatz Sonnenallee. Treffpunkt Ij Uhr Bahnhos Baiser- 99a.�Ab7.�Mout°g' 8. August, 29 Uhr, treffen stch alle interessierten Ge. nosstnnen zum Diskusstousadeiid iir der Halle. Frauen int Wahlkampt. Er» scheinen der Zunltionärinnen ist Pflicht.,- 130, Abt. Donnerstag, 11, August, 20 Uhr, in der Baracke Lindauer Straße Helferinuensitzung, Bezirksousichuß für sozialisiiiche Bildungsarbeit. Ferienrursns der Arbeiterbildnn�sschule. In der Woche vom o. bis 9. September findet der Ferienkursus in der Bundesschule des-A�-GB. in Bernau Natt. Lehrer ist der Genosse Dr. Gregor B teil stock mit bcni �.hema:_„vluiciciic Staatskapitalismus— Planwirtschaft". Die Basten betragen für Quartler, Verpflegung, Hörgeld und Fahrgeld 30.— M. Erwerbslosen das Hörgeld von 5,— M. erlassen. Anmeldungen.rzn das Büro der Ardeiter- bildungsschule. Lindenstraße 3, 2. Hof. 2 Tr., Zimmet L, Der Burius kann nur stattfinden, wenn genügende Beteiligung vorhanden ist. Wir bitten dayer, oie Anmeldungen sofort einzusenden. �„ emu FreiheitS'Sckfallplatten. Marsch der Eisernen Front, gcuiKjcit von Mitgliedern des Berliner Schubert-Chors mir Orchester.„Die International e. Blas- orckestcr. und..Brüder, zur Sonne.. gesungen von Mitgliedern Bernner Schubert-Chors. Diese Platte kostet 1,50 M. und ist im Büro des Bildungs- ausschuffes. Lindenstraße 3, 2. Hof. 2 Tr., Zimmer 9, zu haben. Jahrbuch 1931, Organifarionspreis 3,— M., und Protokoll des Parteitages 1931, 2�- M.. sind in beschränkter Anzahl in unserem VUro für Mitglieder /»er Partei zu haben. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde Groy-Berlin. »reis Prenzlauer Beeg. Die Nachunlersuchungen� müssen schon am Dienstag, dem 9. August, von 9 bis 13 Ubr. erfolgen. Reihen» folge wie früher, Gesundheitsscheine niitbriiigcn. Ab Montag nehmen die Abteilungen ihre Arbeit wieder aus, Nordost: Schön. lanker Str. Ii,— Piktor Adler: Danziger Str. 02.— Bauvolk: MM.Kastanienallee 81.— Freiheit: Sonnciiburger Str. 20.— Hermann wm Mitllcr: Glcimstr, 35,- Abt, frciheit und Hermann Müller: Wiederbeginn der Grupvenoeranstaltungeii für beide Abteilungeu am Man» tag um 17 Uhr im Heim Gleimstr, 39—95. Das Heim Sonnciiburger Straße bleibt am Montag geschlossen.— Dienstag, 9, August, 19� Uhr, an de. kannter Stelle erweiterte Helfersttzung,— Sonnabend, 13. August, 16!« Uhr, Stolpische Str. 19, Zeitungsausschugfitzung,— Sonntag, 14, August, Treff. fahrt. Näheres in den Abteilungen, Kreis Wedding. Die Kreishelferversammlung sindet am Dienstag um 20 Uhr in der Schule Putbusser Str. 22 stall, 12. Kreis Steglitz, Die Gruppen tagen jetzt wieder wie vor den Ferien. Abt. Albrcchtstraße: Dienstag, 17 Uhr. Jugendheim Albrechtstr, 47.— Abt. Friesenstraße: Mittwochs, 17 Uhr, Schul. Frielenstraßc,— Abt. Lichtcrfcldc: Mittwoäis und Freitags um 17 Uhr Südfront, bei schlechtem Wetter in der Oberrealschulc, Ringstr, 9,— Abt. Lankwitz: Mittwochs und Freitags um 17 Uhr in der Schule Schulstraße, Donnerstags auf dem Platz am Park, Zu asten Gruppennachmittagen stnd neue Kinder herzlich willkommen, Kreis Rcnkölln. Montag, 18 Uhr, Arbeitsstunde in der Baracke Gangbofer- straße. Alle Abrechnungen müssen dort vorgenommen werden. Die Nachunter. fuchung ist morgen. Äontag, ab 15 Ubr, in der Tcllstr, 9, Die Gruppen stnd in der ihnen gesagten Reihenfolge eingeteilt. Für Zeltlagerteilnehmci Dien?. tag, l9i, uhr, Sportplatz Sonnenallee, Vollversammlung, Alle anderen Falken stnd eingeladen, Krcuzbcra: Grupve Südwest, Pvrckstr, 11, tagt Montag von 17 bi» 19 Uhr Restfalien, von 18 bi? I9i� Uhr Iungsalken und Rote Falken. An. schließend eine kurze Helferbesprechung, Gewerkschaftliches siehe 8. Beilage. Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustriert« Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Anzeigenpreise: Di« einspalt, Millimeterzeile 30 Pf„ Reklamezeile 2,— M» „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. lzutässig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf, Rabatt laut Tarif, Worte über>0 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 20 Pf. Famitienanzeigen Millimeter- zeile is Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraßc 3, wochentäglich von»>/, bis 17 Uhr. Der Verlag behält stch das Recht der Ablehnung nicht ge» nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Victor Schilf; Wirtschaft:®. Klingelhöser: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton: Herbert Lep.re; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. Vertag: Vorwärtz-Vertag G. m, b, H,. Berlin, Druck: Vorwärls-Bnäidruckeret und Verlagsanftalt Paul Singer u, Co., Berlin SW, 08. Lindenstraß« 3 Hierzu 9 Beilagen. Angenehme DitiemaUung und stets gute Laune durch den Original- Uüraphon- Konerapparat nur 26.50 RM. I iRRPflp Ciliolo- Berlin, Alte JaHo�str. 148-55(DfflU.-Haus) LinUliHn lIMdlu. Berlin, Engeiuter 30(Haus a.Sesamt-uerd.) Bedruckt Vollvoile ca. 100 cm breit,«tot» bis 3,10 Jetzt nur Bedruckter Morocoin Kunstseide, moderneMuster, ca. 100 cm breit.................. Jetzt nur Reinwoll. Afghalaine der bevorzugte Kleiderstoff in don neuen Horbstfarben, ca. 130 cm breit, regulärer Wert 4,20...Jetzt nur 1 Posten ganz hochwertige Wintermantelstoffe doppelseilig, reine Wolle, 140 cm breit, regulärer Wert bis 12.00....Jetzt nur Q45 135 Iß 2— Damen-Strumpfe künstliche Waschseide, teilweise mit Kleinen Schönheitsfehlern, hochwertige Qualitäten, moderne Farben................. 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Zu diesen muß man noch die Hälfte zuschlagen und das wird immer noch nicht reichen, um die Zahl der diesjährigen Wandersleui'' zu ermitteln, denn es war diesmal so: da kam die Frau A. zur Frau B. und sagte:„Sie fahren nach Rügen? Dann nehmen Sie doch bitte meinen Jungen mit, wir können uns keine Reise leisten, aber meine Schwester will ihn sechs Wochen aufnehmen; sie wird in Saßnitz auf dem Bahnhof stehen, nehmen Sie doch den Max bis Saßnitz mit." So war das tausende Mal und, sehr gering gerechnet, werden noch in den letzten Tagen der Hauptsaison eine halbe Million großer und kleiner Berliner oerreist gewesen sein. Dabei hat sich ein jeder nach der Decke strecken müssen. Die einen haben sich mit Matratze und Decke für die Nacht begnügt, dafür zahlten sie 50 Pfennig und die Hauptsache war ihnen der Sonnenschein. Die anderen erinnerten sich an einen fernen Onkel bei Lauenburg oder bei Schneidemühl und der wollte für die Milch und die Butter schließlich gar kein Geld haben. So behalf sich ein jeder, wie er konnte. Ein stilles Tal oder ein Stück Heide taten es diesmal auch. Aber keiner war so betrübt wie die Kinder, als es am Freitag früh um 8 Uhr wieder zur Schule klingelte; nun, es ist auch keine rechte Freude, nach sechs Wochen Feld und Wald wieder auf der Schulbank zu hoken. Seltener Besuch vetm Onkel. Gut die Hälfte aller Reisenden ging juriick in das Heimatdorf. Wer elf Tage blieb und über 200 Knlometer fuhr, kam in den Genuß der neuen Fahrgeld- Vergünstigungen, und so ließ sich in diesem Sommer für einen seit Weihnachten zusammengesparten Zwanzigmarkschein schon ein gehöriges Stück in die Welt fahren. Es langt« hin und zurück bis nach Westpreußen. Und die Ar- beitsämter hatten folgenden Anschlag angebracht: Sie brauchen in den Wochen vom 2S. bis 30. Juli und vom 1. bis 6. August keinen Kontrollstemvel in Ihrer Fachabteilung, Vermittlungsstelle oder Meldestelle holen. Die Unterstützung wird Ihnen während dieser Zeit an den bekannten Stellen und zu den bekonnten Zeiten unter Vorlegung Ihrer Meldekarte auch ohne Kontrollstempel gezahlt. In der Woche vom 2S. bis 30. Juli brauchen Sie auch keinen Zählzettel abzugeben. Das Arbeitsamt. So ließ sich auch von dieser Seite einiges einrichten. Jetzt wird erzählt. Und vom Standpunkt der darbenden Arbeitslosen aus gesehen, stimmt es schon, daß sich d'ese zurückgekehrten Männer und Frauen vorkommen, als seien sie im Schlaraffenland gewesen. Da standen wieder einmal Milch, Butter und Eier auf dem Tisch. Wenn sonst zu Weihnachten und zu Fastnacht je ein Schwein g«> schlachtet wurde, dann hat der Onkel diesmal zur Ernte ein drittes Borstenvieh geschlachtet.„Was soll ich'? verkaufen", hatte der Onkel gesagt,„da hole ich nicht einmal die Futterkosten heraus, dann wollen wir es lieber essen"; und so gab es Wellfleisch und Blutwurst, herrliche Bauernkartoffeln und frischgebackenes Brot da- zu. Die armen Arbeitslosen aus Berlin leckten sich heute noch die Finger und so nebenher können sie gar nicht recht verstehen, warum ihr bäuerlicher Verwandter trotzdem gescholten hat über die hohen Steuern und die niedrigen Preis«; denn er hatte doch satt zu essen. Aber so sehr die Städter noch schwelgen in der Erinnerung an die schönen Tage von Hinterpommern, so fügen sie doch immer hinzu, daß man keinen von ihnen würde brauchen können, denn gemäht haben sie mit der Maschine, gedroschen habe» sie mit der Maschin«, „und eine elektrische Bandsäge haben die auch schon!" Mit dem Kucksacf ottterwegs. Hunderttausend andere holten ihren Rucksack vor und sind wieder gewandert. Abends schliefen sie in den Naturfreundeheimen. Da haben zum Beispiel unsere„Naturfreunde" ein wunderschönes Heim im Harz, nicht weit von Braunlage. Da hat das Nachtlager 50 Pf. gekostet und für den Tagesaufenthalt war als«ine Art Aufräume- geld noch ein Groschen dazu zu entrichten. Mittags kochte der Mann dort meist ein Eintopfgericht, Nudeln mit Rindfleisch oder so etwas, und die kosteten dann pro tiefen Teller 25 Pf. Besondere Fleischgerichte waren natürlich nicht für 25 Pf. zu liefern. Aber morgens die Kanne Kaffee(vier Tassen) kostete 20 Pf.; abends die Kanne Tee 10 Pf.; ein gutes, frisches, gekochtes Ei auch 10 Pf.; und frühmorgens kam der Bäcker aus dem Dorf und fragte, wer Kuchen oder frische Semmeln haben wolle. S o ließ sich im Harz leben. Die Leute schnallten sich wieder den Brotbeutel und die Feldflasche um, kletterten einen Tag um den anderen auf den Brocken und vergaßen«in wenig„dieser letzten Tage Qual". Daß oben auf dem Brocken ein Teller Erbssuppe 90 Ps. plus 10 Proz. Bedie- nungsgeld kostete, eine Postkarte 25 Pf., und daß in Schierke ein Mittagsgedeck 2,50 M. kostete, dos kümmerte sie nicht weiter, sie hatten dem Heimleiter Bescheid gesagt, daß sie erst am Abend zu- rückkommen, und so hatte er das Essen beiseite gestellt. Man brauchte da kein neues Kleid für den Strand, kein« neuen Schuhe, sondern es genügte«in Wanderhemd und eine Wanderhose, und an irgendeinem verschwiegenen DergbSchlrtn wurde die Wurst und das Brot ausgepackt. Unterdessen hingen in den Kurorten die Schilder mit der vollen Pension für 7,50 M. den Tag, aber den großen Schritt nach vorn hat die Heimbewegung gemacht. Wettlauf zur Kachsaison. Irohdem konnte die Reichsbahn nicht die Ziffern vom Vorfahr und schon gar nicht die Iissern von 1930 oder 1929 halten. Auch wenn man es ollen mit der Elstage-Ferienkarte leicht gemacht hotte. Gestern abend sollte ein Sonderzug nach Helgoland fahren: Sonn- abendmittag ab Berlin, übernachten in Bremen, Sonntag früh weiter nach Helgoland, fünf Stunden Aufenthalt auf.der Insel und am Montag früh sollten olle Teilnehmer wieder in Berlin sein. 35 Reichsmark hatte die Reichsbahn für diese Wochenendfahrt ver- langt, einschließlich Schlafgeld und Frühstück in Bremen, aber be- reits am Donnerstagabend mußte die Reichsbahn absagen; aus Mangel an Beteiligung ist die Helgolandfahrt ausgefallen. Dabei waren es foer Vergünstigungen genug, wenn man bedenkt, daß die reguläre Eisenbahnsahrt nach Bremerhaven 3. Klasse allein 32,40 M. hin und zurück beträgt. 3e mehr die Menschen das Geld zusammen- halten müssen, desto geringer ist die Beteiligung auch an den wohlfeilsten Reisegesellschaften. Im vorigen Jahr noch ging Sonnabend für Sonnabend ein Sonderzug nach Stettin, von Stettin ging es auf den Dampfer nach Kopenhagen und am Sonntagabend ging es von der dänischen Hauptstadt zurück nach Berlin. Wenn jemand dann am Montag früh seinen Kollegen an der Werkbank fragte: „Wo warst du gestern?", dann antwortete der Kollege:„Ich war ein bißchen in Kopenhagen." Dann hatte man mal in einer Woche kurz getreten und 20 M. für den Trip nach Kopenhagen ausge- wendet, aber in diesem Jahr der ungeheuerlichen Krisenzuspitzung erwies es sich als unmöglich, für 20 M. einen 2000-Tonnen-Dompfcr voller Deutscher nach Kopenhagen zu bekommen. Augenblicklich hat es eine Stettiner Reederei übernommen und durch Anschlag an den Berliner Litfaßsäulen kundgetan, daß sie demnächst für 15,50 M. von Berlin nach Kopenhagen und zurück die Reiselustigen bringen wird. Für 7,75 M. jemand von Berlin nach Kopenhagen zu bringen, dos ist immerhin eine ansehnliche Leistung, zumal die 3. Klasse- Fahrkarte für'die 447 Kilometer lang« Fahrt nach Kopenhagen Immerhin 25,30 M. kostet. Aber fünf Taler sind heute sehr viel Geld. Wer noch ein paar Mark liegen und Anspruch auf acht Arbeits- tage Urlaub hat, dem steht überhaupt die Welt offen. Gestern abend veranstaltet« das Mitteleuropäische Reisebüro seine große Bayern-Expedition; acht Tage lang für 89 M. einschließlich Essen und Trinken und Schlafen und Führung, und dazu Promenaden- Konzerte, Feuerwerk, Tanz, Bauerntheater und Schuhplattln. Eine ganztägige Besichtigung Münchens war dabei, und wer lustig war, der konnte nach Wahl nach dem Salzkammergut, an den St. Wolf- gang-See, nach Berchtesgaden oder an«den Königssee fahren. Einer überbot den anderen. Eben hieß es noch für diese 89 M. acht Tage lang nach Oberbayern. Da kam schon die Konkurrenz und offerierte acht Tage lang an den Vierwaldstätter See für 115 M., einschließlich die Besteigung des Pilatus, des Rigi und aller ande- ren Bergriesen. Dabei würde eine reguläre Fahrkarte nach Luzern allein 45 M. kosten, das sind, die Rückreise eingerechnet, 90 M. Die Reisegesellschaft aber gibt Verpflegung, Unterkunft und Trinkgelder dazu. Aber was die einen für 115 M. an den Vierwaldstätter See können, das können die anderen für 112 M. ins Zillertal, für 123 M. in die Oetztaler Alpen und für 107 M. an den Garda-See ebensogut. Um den Vierwaldstätter See noch weiter zu über- trumpfen, geben diese Unternehmer noch einen Tag dazu und ver- sprechen, die reisedurstigen Berliner sogar neun Tage in der schönen Schweiz zu beherbergen. Und noch ist die Druckerschwärze nicht trocken, da locken bereits neue, blou-weiß-gestreifte Plakate, die es für ganze 75 M. übernehmen, die Reichshauptstädtcr in Bayern herumzuführen, obwohl eine Fahrkarte nach München allein schon 20,20 M. kostet. * So standen die meisten Berliner sehnsüchtig vor diesen Plakaten und vernahmen die treffliche Kunde, aber es gebrach ihnen an Geld. Seitdem es nur noch 40 M. in der Woche zu verdienen gibt, bc- gnügte man sich mit einer Fahrt ins Schlaubetal oder in den Unter- spveewald; in den letzten Tagen wurde das abgezählte Geld für die Rückfahrt ins Taschentuch geknotet und der Rest aufgewendet für ein halbes Brot und ein Stück Speck. So haben sich Tausende bescheiden müssen, in der Hoffnung, daß es im nächsten Jahr endlich wieder einmal langen möge für die Fahrt in die Lüneburger Heide. Auch der Mitfahrer ist schuldig. Wenn man im Sv-Kilometer-Tempo durch Berlin rast. Bier Freunde verbringen einen vergnügten Abend. Man geht von einem Lokal zum anderen und trinkt eine Molle nach der anderen, dazwischen auch diverse Schnäpse und Liköre. Es wird 'AB Uhr morgens, als man endlich an Aufbruch denkt. Und von da an nimmt das Unheil seinen Lauf. Zkdei von den Vieren sind im Besitz von Motorrädern. Das eine Motorrad hat einen Soziussitz, das andere«inen Beiwagen. Die Besitzer der Motorräder befinden sich in einem Zustand, der es ihnen unmöglich macht, zu fahren. Sie überlassen die Räder ihren Freunden, deren« Grad cher Trunkenheit sie zwar nicht fest- stellen können, die aber, wie sie annehmen, sich immer noch einer besseren Verfassung erfreuen als sie selbst. Die Freunde setzen sich an die Steuer, die Motorradbesitzer machen es sich so bequem wie möglich im Beiwagen und auf dem Soziussitz, und dann saust man los. Man rast durch die Straßen in einer Geschwindig- keit von 70 bis 80 Kilometer, als besände man sich aus der Avus. Solch ein Geknatter, sagte ein Zeuge vor Gericht, habe ich nur beim Motorradrennen gehört. Auf die Straßenkreuzungen wird über- Haupt nicht geachtet. Mehr als einmal ist man nahe daran, Passan- ten über den Haufen zu fahren und mit anderen Wagen zusammen- zustoßen. Und dann geschieht das Unglück: Beide Motor- räder prallen zu gleicher Zeit mit einem Auto zusammen. Der Motorradbesitzer auf dem Soziussitz fliegt in großem Bogen auf die Straße und ist tot, ein Insasse des Autos wird verletzt, der Motorradbesitzer mit Beiwagen kommt zwar mit heiler Haut davon, sein Rad aber geht zum Teufel. Die beiden Freunde der Motorradbesitzer, die an jenem Abend die Fahrer spielten, standen nun vor dem Verkehrsgericht unter Anklage der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung. Das Gericht erkannte beide für schuldig. Der, der das Rad mit dem Soziussitz fuhr erhielt 9 Monate Gefängnis, der andere 5 Monate Gefängnis. Was hatte aber der zweite verbrochen?-In der Begründung hieß es: Beide Angeklagte haben sich der Körperverletzung und der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht. Auch der zweite Fahrer, da er stundenlang mit dem ersten durch die Straßen gesaust ist und ihn dadurch zum weiteren Fahren im selben Tempo ermutigt hat. s u n s n c! ö o I< s rein kunstseidener Damast, ROcks. 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Das ist für die gegenwärtigen Preistreibereien sehr aufschlußreich: je mehr die preise steigen, desto schärfer flnkl der verbrauch! Auch in einem Schreiben aus dem Osten Berlins wird bittere Beschwerde über das ständige Steigen der Schweinefleischpreise geführt. Schweinekamm, der bisher für 80 Pf. zu haben war, muß plötzlich mit 1,05 und 1,10 M. das Pfund bezahlt werden. Koteletts, die bisher immer noch 1 M. gekostet haben, sind seit einigen Tagen auf 1,20 M. gestiegen. Und auch hier aus dem Osten wird bestätigt, daß Schweinebauch nirgends mehr unter 70 Pf. pro Pfund zu haben ist. Ein andermal weist eine chausftau auf die hohen Rind- fleischpreise hin. Sie schreibt, daß man Schmorfleisch zeitweilig — und diese Zeit liegt noch gar nicht lange zurück— für 80 Pf. das Pfund bekam, heute werden dafür 1,10 M. verlangt. Ebenso ist es mit den in Berlin beliebten Rouladen: früher 85 und 00 Pf., heute natürlich, wo alles steigt, auch 1,10 M. pro Pfund. Ebenso macht das Hammelfleisch keine Ausnahme, diese Fleischsorte ist durch- gängig um 10 Pf. pro Pfund gestiegen. Die 10 Pf. Preissteigerung beim Hammelfleisch ließen sich noch einigermaßen mit saisonmäßigen Erscheinungen erklären: bei dem gegenwärtigen G e m ü s e a n d r a n g ist der Verbrauch von Ham- melfleisch eben sehr groß. Trotzdem langsam auch die Riesenanfuhr von Frischgemüse auf die Neige geht: grüne Bohnen, die bereits einen Groschen pro Pfund gekostet haben, sind inzwischen wieder auf 15 Pf. pro Pfund geklettert. Aber für das Schweine- und Rind- fleisch reichen derartige Erklärungen keineswegs aus. Es hat vielmehr den Anschein, als wenn man es mit einer künstlichen Ver- knappung des Angebots zu tun hat. So betrug insgesamt der Auftrieb an Schweinen auf dem Berliner Markt im Monat Mai noch 147 932 Stück, im Monat Juli dagegen nur 99 030 Stück Hierzu schreibt u. a. die„Deutsche Landwirtschaftliche Presse" in chrer Ausgabe vom 6. August,„daß die 50-Mark-Grenze für den Zentner Lebendgewicht schon an mehreren Orten erreicht worden ist, und die Landwirte haben bisher die Entwicklung nicht durch übermäßige Angebote gestört.(Aha! D. Red.) Bis 53 bis 55 M. kann man auch aller Wahrscheinlichkeit nach noch mit dem Verkauf warten, dann wird es aber gut fein, die wirklich schlachtreifen Tiere ab- zustoßen, weil man bekanntlich verkaufen soll, solange die Preise steigen." Hier wird also indirekt die Zurückhaltung der Landwirte zugegeben. Wie außerordentlich sich die Verhältnisse auf dem Berliner Viehmarrt von der Preisseite her zugespitzt haben, ersieht man aus der Gegen- Überstellung der Schlachtviehpreise von Ende Mar und Ende Juli, einem Zeitraum, der immerhin nur knappe acht Wochen um- saßt. Es wurden in Berlin erzielt: Ende Mal Ende)uli (pro Zentner) für Schweine, Klasse 0,... 35,0 Mk. 47,5 Mk. , Kälber,, 0.... 33,5, 40,0„ . Schafe.. L.... 29,5. 34.0. Also Preissteigerungen auf der ganzen Linie. Ueberraschend jedoch ist die Bewegung beim Rindfleisch. Ochsen, Klasse C, erzielten Ende Mai noch 32,5 M. pro Zentner, Ende Juli aber nur noch 30 M.! Und schließlich ist der Zentnerpreis für Kühe, Klasse B, mit 23 M. im allgemeinen stabil geblieben. Trotzdem aber die außerordentlichen Preissteigerungen auch beim Rindfleisch! Diese Steigerungen um 20, mitunter sogar um 30 Pf. pro Pfund im Kleinverkauf können unmöglich durch die Schlachtsteuer erklärt werden. Hier liegt einfach Preistreiberei vor. Es wird notwendig fein, hiergegen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln energisch Front zu machen. Der Brotkorb ist den Verbraucher- Massen nachgerade schon hoch genug gehängt worden! Dachdeckers Todessturz. Llnd drei weitere tödliche Llnfälle. Bei Reparaturarbeiten auf dem Dach des Haufes Rer- nickendorfer Straße 69 in Berlin N. ist gestern nachmittag der 18 Jahre alte Klempnergeselle Werner Flügel aus der Tegeler Straße 25 in Moabit auf furchtbare Weise ums Leben ge- kommen. Der junge Mann rutschte auf dem Dach aus und stürzte kopfüber in die Tiefe, wo er mit zerschmetterten Gliedern bewußtlos liegen blieb. Schwerverletzt wurde er durch die Feuerwehr ins Krankenhaus gebracht, wo er bald nach seiner Auf- nähme starb. Der zweite tödliche Unfall trug sich auf dem Hof des Hauses Momyrsenstraße 34 in Charlottenburg zu. Dort war der 54 Jahre alte Portier Otto Lehmann mit dem Reinigen einer Wand beschäftigt. Plötzlich verlor L. den Halt und stürzte in den etwa vier Meter tiefen Kellerschacht hinab. Der Mann schlug so unglücklich mit dem Kopf auf den Zementboden auf, daß er einen doppelten Schädelbruch erlitt und wenige Minuten später starb In der Koppenstraße geriet der 36jährige Arbeiter Her- mann Graf aus der Memeler Straße unter die Räder eines Traktors mit Anhänger. Schwerverletzt wurde der Ver- unglückte ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, wo er bald danach seinen Wunden erlegen ist.— Schließlich stürzte am Gartenufer in Charlottenburg der 10 Jahre alte Günter Conrad, Savignyplatz 12 wohnhaft, beim Spielen von der Ufer- böschung in den Kanal. Sofortige Rettungsmaßnahmen blieben ohne Erfolg. Die Leiche des Kindes wurde später von der Feuer- wehr geborgen und ins Charlottenburger Schauhaus gebracht. Aus Liebe zu seinen Kindern. Eine barbarische Strafe um einer Lappalie willen. Vor etwa dreißig Jahren erregte es in Deutschland und im Ausland größtes Aussehen, als eine arme alte Frau, die von einem Kohlenplatz ohne Erlaubnis für etwa 6 Pfennig Kohlengries mit- genommen hatte, zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Diese Zeiten scheinen wiederzukommen, wie ein Prozeh lehrt, in dem wegen einer reinen Lappalie ein Arbeiter von dem Amts- gericht Köpenick zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Der 32 Jahre alte Beleuchter I., der in den I o f a- F i l m- werken in Johannisthal beschäftigt war, hatte dort eines Tages eine kleine Eisenbahn aus Holz, die für Filmaufnahmen bestimmt war, bemerkt. Der Beleuchter, der verheiratet ist und Kinder hat, an denen er sehr hängt, beschloß nun, für die Kinder eine solche Bahn zu bauen. Dazu fehlte ihm aber das passende Holz. Er suchte in den Ateliers der Filmwerke nach Material, fand aber nichts Besonderes, stvdaß er in einen benachbarten Schuppen der Albatroswerke ging und aus diesem das Holz, das er für den Bau der Eisenbahn benötigte, entwendete. Sein Diebstahl kam aber heraus. I. wurde nicht nur seine Stellung los, sondern auch von der Firma zur Anzeige gebracht. Unglücklicherweise war der Beleuchter zweimal vorbestraft. Das Amtsgericht Köpe- nick, vor dem sich I. wegen des Holzdiebstahls zu verantworten hatte, sah den Fall aber sehr streng an. Zwar war der Angeklagte vorbestraft, aber er war in diesem Fall doch aus Liebe zu seinen Kindern, denen er ein Spielzeug bauen wollte, gestrauchelt. Das schien das Gericht nicht weiter zu rühren, denn es verurteilte I. zu der hohen Strafe von 6 Monaten Gefängnis. Diese geradezu barbarische Strafe würde nicht nur den Verurteilten, sondern auch seine ganz unschuldige Familie ins Verderben reißen; sie darf einfach nicht vollstreckt werden. Warum gibt man dem Mann keine Bewährungsfrist? „Die Ezardasfürstin" in der Plaza. Für die erste Augusthälfte Hot die Plaza die große Schlager-Operette„Die Czardasfurstin" von Emerich.Kaiman, herausgebracht von Franz Richard Haas ein- studiert und hervorragend geleitet. Von den bekannten Darstellern gefielen Heidi Cisler, Erni Jolan, Jgo Guttmann, Franz Weigl und Albert Hugelmann. Das ausverkaufte Haus und der tosende Bei- soll bewiesen, daß das Stück gefiel. San. 76\ /«Ok i?/'s i mvi i IM»>«b /tS Da hebt eine Windhand die dampfende Decke und legt in der Nähe die Sicht frei. Der Mond quillt. Giftgelb, wie eine Warnung, leuchtet vor Luzias Augen die Mauers des Siechenhauses auf, eine fensterlose, aussätzig genarbte Fläche. Der einzige schwarze Fleck darin das ver- schloffene eichene Tor. � Luzia hebt einen Stein auf und pocht mit trommelnden Fäusten an:„Aufgemacht! Aufgemacht!" Der Aussatz hat nur dünnen Schlaf. Stimmen schallen, schlürfende Schritte schlurren über die steinernen Fliesen. Kreischend, die Stille der» Nacht wie mit einer Säge zerreißend, dreht sich das Tor in den Angeln. Vermummte Gestalten erscheinen. Unwirklich, wie Gespenster, füllen sie das gepffnete Tor. Sie finden eine Ohnmächtige auf den nebelfeuchten, glit- fchigen Stufen. 35. Mit den Gänsen, die rheinabwärts ziehen, trabt ein Reiter durch die Nacht, ein leeres Saumpferd hinter sich am Zügel führend. Die Hufe beider Tiere sind dick mit wollenen Tüchern umwickelt, so daß sie auf der ausgefahrenen Straße beinahe lautlos gehen. Doch es find keine Gespenflerpferde; ob und zu ist ihr aufgeregtes, heftiges Schnauben zu hören. Es scheint, als ob sich die Unruhe ihres Herrn auch ihnen mit- geteilt hätte, als ob sie wüßten, nicht auf einem gewöhnlichen Ritt, sondern auf einer Flucht zu sein. Freilich, für eine Flucht ist ihre Gaugart unbegreiflich langsam. Zizka reitet unerhört vorsichtig. Der Instinkt des Verfolgten ist in ihm wach. Aufgepaßt, schon die nächste Biegung könnte einen Hinterhalt bergen! Zum Schleichtritt Grund(jenug! Dazu diese feuchte, undurchdringliche Nebel- wand, die wie nasses Tuch über den Sträuchern und zwischen den Bäumen hängt! Zizka reitet auf gut Glück geradeaus. Er kennt den Weg nicht obwohl er ihn vor kaum sechsunddreißig Stunden in der umgekehrten Richtung zurückgelegt hat, doch da nicht so saum- 4-1 Auios verschoben! Ein wahrhast„tüchtiger" Angestellter. Eine große Berliner Autofirma, die im Marstallgebäude am Schloßplatz ein umfangreiches Altwagenlager unterhält, ist durch einen ungetreuen Angestellten schwer geschädigt worden. Der Leiter dieser Abteilung, ein 37 Jahre alter Martin A., mißbrauchte das Vertrauen seiner Firma in schwerster Weise. Als vor einigen Tagen eine Revision erfolgte, ergab sich, daß an dem Lagerbe st and 41 Wagen fehlten. Als A. in seinem Büro zur Rechenschaft gezogen werdep und über den Verbleib der Autos Aufschluß geben sollte, war er plötzlich verschwunden: er hatte sein Büro Hals über Kopf verlassen. Der ungetreue Angestellte hat die Wagen nach und nach verkauft und den Erlös, etwa 20 000 Mark, für sich verbraucht. Nachdem sich A. mehrere Tage verborgen gehalten hatte, gelang es der Kriminalpolizei gestern, ihn in Charlottenburg zu verhaften. Er behauptete bei seinem Verhör, notleidende Ver- wandte mit den veruntreuten Geldern unterstützt zu haben. Die Ermittlungen haben jedoch ergeben, daß der größte Teil der Summe auf den verschiedenen Berliner Rennbahnen verblieben ist. Arbeitersender. Vertreter amerikanischer Arbeiterorganisationen gründeten in New Jork eine sozial! st ische Radiogesell- sch a f t. Die Errichtung eines eigenen Senders wurde vorbereitet. Bulgarien im Wirbelsturm. �52 Dörfer notleidend geworden. Sofia, 6. August. Ausgedehnte Gebiete Nordbulgariens wurden von einem Wirbel stürm heimgesucht, der von einem Wolkenbruch und Hagelschlag begleitet war. Obwohl das Unwetter nur zehn Minuten dauerte, ist der Schaden außerordentlich hoch. Sieben Menschen sind beim Hereinbrechen des Hochwassers ertrunken. Zahlreiche Ein- wohner wurden verwundet. Infolge der schweren Unwetter, die in den letzten Tagen über Bulgarien hinweggegangen sind, müssen 152 Dörfer staatliche Hilfe in Anspruch nehmen, da die Ernte zerstört ist. Freidenker— Sozialisten. Sonntag, 14. August, ab 15 Uhr: Freidenkertrefsen in Berlin in den Gesamlräumen der„Neuen West", Berlin S. 59, Hasenheide 108/114. Erstklassiges Gartenkonzert, Spezialitären, Gesangsvorträge, Sprech- und Bewegungschöre, Fahnenenthüllung, Kabarell und Tanz. Die Kinder werden sich an besonderen Darbietungen erfreuen. Die Kaffeeküche ist geöffnet. Unzählige Zuschriften aus allen Schichten der Berliner Bevölkerung lassen erwarten, daß dieses Freidenkertreffen Sonntagsziel aller freiheitlich aesinnten Berliner wird. Eintrittskarten erhältlich bei sämtlichen Hauskassierern, Gruppenführern und an der Tageskasse. selig wie jetzt, sondern in voller Karriere. Aber selbst wenn er ihn kennte, er könnte trotzdem kein schnelleres Tempo an- schlagen, so sehr schmerzt ihn diese verdammte Srirnwunde! Jeder Huftritt, mag er noch so sacht und behutsam sein, trifft ihn wie ein neuer Stich. Dieser Schmerz setzt ihm unheimlich zu. Oft hat er Mühe, sich im Sattel zu halten. Aber er muß! Zum Schlappmachen ist ein andermal Zeit! Jetzt, wo das Fieber sich meldet, heißt es erst recht, die Zähne aufeinander- beißen und fort, fort von diesem Hornissennest des Konzils! Jeder Schritt, den seine braven Gäule tun, ist ein Schritt weiter in den Landstrich der Sicherheit. Mag die Wunde und das Hirn dahinter wie Feuer brennen, laß es lohen und brennen! Es wird schon die Stunde der Ruhe und der Kühlung kommen! Vorläufig gibt es nur eine Parole: Fort von Konstanz! Konstanz! Es wird Zizka bitter im Munde, wenn er an die Konzilstadt denkt. Dieser verfluchte Ort hat den Scbeiter- Haufen des Hus gesehen! Dieser oerfluchte Ort hat versucht, die Verkündigung des lebendigen Gottes, mit Feuer aus der Welt zu brennen! Es ist ihm nicht gelungen! Was die Krämer dort auf Geheiß der Pfaffen verbrannten, war nur die sterbliche Hülle des Hus. Sein Unsterbliches aber, die Seele, und das, was sie trägt, die Idee, lebt und ist durch das erlittene Feuer nur noch strahlender, feuriger und bestimmter geworden. Ein Gedanke zündet in Ziska. Er lacht. Alle Vorsicht vergessend, lacht er ingrimmig los in die Nacht. Es ist das gellende Lachen eines Besessenen. Der Weg, den er zu nehmen hat, ist ihm klar erkennbar. Hussens Scheiterhaufen erleuchtet ihn. Der geht ihm voran wie Gottes Feuerwolke dem Volk der Juden bei der vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste. Als Feuerschwert spaltet Hussens Scheiterhaufen die verhangene Nacht. Er wird auf ewig in jedes Böhmen Seele brennen! An diesem Scheiterhaufen wird das böhmische Volk eine Fackel entzünden und damit den Brand in das morsche, untergangsreife Jahrhundert werfen! Böhmisches Volk? Gibt es das überhaupt? Zizka denkt nach, so gut es fein schmerzendes Hirn erlaubt. Böhmisches Volk? Es gibt wohl einen böhmischen König, der sich Wenzel nennt; aber der ist kein Böhme, sondern ein Luxemburger. Es gibt den böhmischen Adel, all die Herren auf den Burgen. Aber die meisten von ihnen stellen ihre Freiherrn- und Ritter- schaft weit über ihr Böhmertum. Es gibt Pfaffen und Mönche, die in böhmischen Kirchen Messe lesen und die an böhmischen Tischen sitzen. Aber ihr Herz ist bei Deutschland, aus dem sie herkommen, und ihr Verstand ist bei Rom, das sie ernährt und bezahlt. Böhmen sind das nicht. Es gibt stolze Städte im Böhmerland mit emsigen Schneidern, Schustern, Schmieden, Bäckern, Metzgern, Tischlern, Maurern, Webern, Färbern, Gerbern, Tuchmachern und vielen anderen nützlichen und not- wendigen Gewerben. Stolze Städte mit stolzen Gewerken. Die Handwerker und Gewölbebesitzer darin sind wohl gute Bürger, aber schlechte Böhmen. Wer Böhmen in Böhmen finden will, muß die Burgen und Städte oerlassen und muß hinaus aufs Land zu den schwer arbeitenden Hörigen und Bauern. Ja, zu den Bauern muß er! Zizka fällt seine Heimat ein. Die Mutter hat ihn auf freiem Felde unter einer Linde geboren, als sie aus war, um nach ihren Mähern zu schauen."Das Gewitter überraschte sie und trieb sie unter den Baum. So ist er denn unter Blitzen und Donner in die Welt geboren. Aber diese Welt war böhmisches Land, nicht irgendein Zufallzipfell Später, auf sich selber gestellt, ist er der He'mat untreu geworden. Er schweifte als Reifiger in der Welt umher, trieb sich um an fremden Höfen und Burgen. Heute, auf seiner Flucht in die Heimat, begreift er, daß sein ganzes bis- heriges Leben eine Irrfahrt war, ein mühseliger Umweg zu seinen eigenen Kräften. Heute weiß er, daß allen Notständen, allen Entzweiungen, allen Beschimpfungen und Widerständen der Welt zum Trotz dennoch ein einiges Böhmen fein wird. In seinem Ohr, er kann ihn nicht bannen, dringt der furch:- bare Todesschrei auf dem Brühl nach, von dem ihm Luzia er- zählt har. Zizka weiß, daß dieser Todesschrei des Jan Hus der Geburtsschrei des böhmischen Volkes ist. Im Augenblick des Schreies wurde in der Glut des Konstanzer Scheiter- Haufens die böhmische Nation geboren. Zizka spürt er- schauernd, daß ihn das Schicksal bei diesem Zlkte als Wehvater erkoren hat, als Geburtshelfer, das Neue und Unerhörte ans Licht der Welt zu ziehen. Zizka fühlt, daß es von nun an keine Herren und Knechte mehr gaben darf, keine Städter und Bauern, keine Pfaffen und nichtstuenden Mönche, keinen mehr, der auf Würde und Gewalt feines Standes und seines Herkommens pocht, sondern nur noch Böhmen. Ein einziges, durch Hussens Märtyrertod geeintes und zufammenge- schweißtes Gottesvolk. Eine Nation von Brüdern! Ein Volk vom Herrn erwählt! Ein Volk wie eine Feuersichel, die aufc, Erden abschneiden und aufräumen wird, niedermähen alles Niedere, alles Gemeine! Ein Volk, unwiderstehlich in feinem Drang, die Welt zu säubern und sie von ihrer unaussprech- lichen Beschmutzung zu reinigeen! Alles Unkraut soll vertilgt werden durch die Fackel des Hus! Und er, Zizka, wird, allen sichtbar, diese Fackel schwingen! (Schluß folgt.) Echlagwetterkatastrophe! 52 Bergleute unter Tage erschlagen. Tokio. 6. August. Eine schwere«chlagwetterkatastrophe er» eignete sich in der«orachi-Kohlengrube bei Hattaido. der S7 Bergleute zum Lpfer gefallen sind. Nur zwei Bergleute kamen mit dem Leben davon. Bisher sind be- reits 36 Leichen zutage gebracht worden. Es besteht keine Hoffnung mehr, die übrigen 21 noch eingeschlosse- nen Bergleute zu retten. Oer Pfarrer von Heuchelheim. Böser Zieinfall eines Nazipastors. lvehlar, 6. August.(Eigenbericht.) Einen bösen Reinfall erlebte ein evangelischer Nazi- pastor in Wetzlar. Er wurde in dem städtischen Freibad be- obachtet, wie er sich an elfjährigen Mädchen in unsittlicher Weise oerging. Der Badewärter ertappte den Sittlichkeitsverbrecher auf frischer Tat und sperrte ihn, da er einen Fluchtversuch machte, in eine Badekabine, bis die Polizei kam. Auf dem Wege zur Polizei versuchte er nochmals zu entfliehen. Der Sittlichkeitsattentäter wurde festgestellt als der als Nationalsozialist bekannte evangelische Pastor Otto ch i l l e r t aus Heuchelheim in Hessen. Die Kirchenbehörde hat den Hakenkreuzapostel bereits vom Dienst suspendiert. Verfassungsminlster und Verfassungsfeler. Verfassungstag ohne Aufmärsche. Dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold war es als über- parteilicher Organisation in früheren Jahren stets gestattet worden, am Lerfassungstag durch große Aufmärsche die Treue von Weimar zu bekunden. In Berlin wurde für diesen Tag stets die Bannmeile aufgehoben. Der Gauoorftand des Berliner Reichsbanners hat sich auch in diesem Jahr um eine Freigabe des Bannkreises bemüht. Herr von Gayl, der augenblickliche Verfassungsminister der Republik, hat dem Reichsbanner jedoch in einem Brief mitgeteilt, daß in diesem Jahre dem Ersuchen nicht stattgegeben werden könne. Es heißt m dem Schreiben weiter:„...mache ich darauf aufmerksam, daß durch meine Verordnung über Bersammlungen und Aufzüge vom 18. Juli 1932 derartige Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge überhaupt verboten sind."' So werden an d i« s e m 11. A u g u st die deutschen Republikaner den Verfassungstag nur in geschlossenen Räumen feierlich begehen können. Sorgen wir dafür, daß keine Säle groß genug sind, um alle treu zum Werk von Weimar stehenden Männer und Frauen zu erfasien. Die Trauerfeler für Chauffeur Staöie. Im Krematorium Gerichtstraße fand gestern nachmittag die Trauerfeier für den vor etwa 14 Tagen bei der Ortschaft Telz von bisher noch nicht ermittelten Tätern ermordeten Kraftag-Ehauffeurs Kurt Stadie statt. Schon lange vor Beginn der Trauerfeier hatten sich große Menschenmasien vor dem Krematorium eingefunden, darunter zahlreiche Kraftag-Chauffeure, die ihrem ermordeten Kollegen das letzte Geleit gaben. Kraftag-Chauffeure in Dienstkleidung hielten am Sarge, der von unzähligen Blumen- spenden bedeckt war, die Ehrenwache. Nach einleitender Orgelmusik hielt ein Mitglied des Volksfeuerbestatwngsvereins, dem der Er- mordete angehört hatte, die Trauerrede und bemühte sich, die voll- kommen zusammengebrochene alte Mutter des Ermordeten, die Braut und den Bruder zu trösten. Er schloß mit der Mahnung an die Trauergemeinde, trotz des fürchterlichen Verbrechens nicht den Glauben an die Gerechtigkeit und an das Gute in der Welt zu verlieren. Nach Corgesang und unter den Klängen der Orgel sank dann der Sarg in die Tiefe. (Sportlersestzug in Tegel nicht genehmigt. Der für heute um 19 Uhr angesetzte Festzug der Freien Sportvereinigung Tegel 1899 e. V. ist in letzter Minute von der Polizei nicht genehmigt worden. Alle Freunde und Partei- genossen der Vereinigung werden gebeten, sich um 13.39 Uhr aus dem Sportplatz zum Sportlereinmarsch einzufinden. Die Festrede hält Genosse M. Reichert. Die Freie Sportvereinigung Tegel ist eine unpolitische Arbeitersportvereinigung, und es ist einfach unbegreiflich, warum die Polizei einen harmlosen Festzug verbietet. Ein gewisser Goethe, der auch der Tegeler Polizei nicht ganz unbekannt sein wird, hat einmal gesagt: Die Polizei störe die Freude nicht! Wintergarten im August. Am Anfang des Programms steht eine sehr wirkungsvolle lustige Nummer� die akrobatische Beschwipstenszene von Hunter und Bobette und am Ende der interessanteste überraschendste Film, der zur Zeit in Berlin läuft,«in in herrlichen Farben er- strahlender amerikanischer Tonfilm, in dem der Jazzkapell- meist er Paul Whiteman mit einer unbeschreiblich groß- artigen Aufmachung Tänze der Nationen vorführt. Dieser Film oerdient«, über alle Berliner Kinos zu gehen. Das Programm vereint im übrigen erstklassige Artistik, so die brillanten kenlen- werfenden fünf Tapes; die mit rauschendem Beifall berechtigt ausgezeichneten Tom-Tim-Gymnaftiker, drei elegant und bei allem Selbstbewußtsein doch vornehm arbeitende Athleten, die mit geradezu asiatischer Behendigkeit und Leichtigkeit arbeitende Fußjongleuje L e v a n d a, eine üppige Schönheit. Paul Remos kehrt mit seinen überaus drolligen Zwergen wieder«in und erntete stürmischen Beifall. Einer der Kleinen ist ein vorzüglicher Komiker. Die vier R i ch y- R e ck t u r n e r haben ihre Leistungen zu un- gewöhnlicher Vollendung ausgebaut. Ein Kautschukmann und ein Grotesklown vollführen die unglaublichsten Dinge. Die brillant hingestrichenen Zigeunerweiscn der Zigeunerin M a y o vereinen ein bißchen viel Elegie und Getragenheit. Etwas kürzer könnte nicht schaden. Die Londoner Elite-Tanzmädels mit Herbert l a Martine und Teddie C h e r r i e sind meisterhafte Vertreter des Steptanzes. Der schwierige Treppentanz, Stufen auf- und abwärts, gelingt glänzend. Eigenartig in ihrer optischen Wirkung sind die geheimnisvoll leuchtenden Tänzer Rolf und Myn des Ballettmeisters Trojanowski. Und schließlich Sealtiel. der lustige Meisterdieb. Die Anwesenheit von viel Humor, Lustigkeit und Scherz in diesem Programm wird besonders angenehm empfunden. Eise Pil�exturgsa veranstaltet die Deutsche Sesellschust sitr Pilzkunde um Sonntag, dem 7. Slugust, in die Spandauer Stadtiorst. Treffpuntl: Endgalte- stelle der Straßenbahn IS« um 9 Uhr am Stadtforst. Führung: Studien. rat Kennig. Vorietele 8 Woche alson- Verkauf Ilm weltbekannten Teppichhaus gflivre Berlin, seil 491alircn nurOranienstr.158 Zahlüngserleichteriing ohne Aufschlai!! Plötzlich und unerwartet verschied am 5. August mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater Franz Dylewski Im 72. Lebensjahre. In tiefe» Schmerz .Auguete Dylewekl and Kinder. Die Einäscherung findet am Mitt» woch. dem I v.August, nachm. b Uhr, im Krematorium Derichtslraße statt. Für die überaus zahlreichen Be» weise herzlicher Teilnahme beim Tode meines lieben Mannes Max Boche sag« ich allen Bekannten, Freunde» und Parteigenosten der 110. Abt. herz- lichen Dank. W|lwe Bo«Ke Die Beisetzung findet am Dienstag, dem 9. August, l« Uhr, aus dem gentral-Friedhof Friedrichsfelde statt. Mei Metallarbeiter-ifemaoii Vcrwallungsstclle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Fritz Holzkamm geb. 23. Januar 1906, am 4. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Man- tag, dem 8. August, 18-/, Uhr, im Are» matorwm Baumschulenweg statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Die Ort, Verwaltung. Danksagung Für die herzliche Teilnahme bei der Einäscherung meines lieben Mannes und guten Vaters Gustav Sokol lagen wir allen Verwandten. Be» kannten und Kollegen unseren herz- lichsten Dank. Elfrlede Sokol und Tocbtcr Hildegard. Von der Reise zurück! Dr. Emil Salomon Arzt Rosenthaler$tra$e45 Von der Reise zurück: Dr. med. S. Loewy Havelb erger Straffe 11 �««""iDr.Noshal liefert prolaworl Orthopädie Paul Golletz„ Königen vormals Robort Meyet aeltStörUflüeil Marlannenstr. C l* W 62 FOL Otarbau« 1303 1 Karfürslenstr. 124 OMeiictsMMeM Blens fug, den 9. August. atÖs.T hbr, im BerbanOshaus. Cinlenftr. 83/r Danziger Etr. 62, B. 3. Werbe bczirk Bedding: Bei schlechtem Wetter Helmabend. Werbebczirk Reulölln:„Der Querschnitt" probt 13� Uhr Eanghoserstrahe (Baracke). Morgen, Montag, 20 Uhr: Hansa: Bochumer Str. 8b. Anti. Kriegsabend.— Moabit T: Waldenfer- streße 20. Bunter Abend.— Moabit II: Bremer Str. 70. Tagespolitik.— Sportpalast: Gentbiner Str. 17. Reichstagssitzung.— Arnimplatz: 7 Uhr Bahn- Hof Schönhauser Allee. Funktionärkonferenz.— Falkplatz I: 18 Uhr Rote Ecke. — Humauuplatz:(Sleimstr. 33— 35. Die Folgen der Reichstagswahlen.— Schönhauser Vorstadt: Sonnenburger Str. 20. Mitgliederversammlung.— Andreasplatz sR..F.): Brommnstr. 1. Erlebnisse in der Lehrzeit.— Friedrichs- Hain: Dieftelmenerstr. 5— 6. Bub und Mädel.— Warschauer Viertel und Warschauer Viertes(R.-F.): Sportplatz Friedrichshain.— Luisenstadt: Wasser- torstr. 4. Wie kam die Verfassung zustande?— Cbarlottenburg-Süd: Spree- straße. Arbeitsgemeinschaft.— Baumschulenweg: Spielen in der Königsheidc. — Pankow(R.-F.): Kissingenstr. 48. Liederabend.— Buch: Alt-Berliner Humor. Treffpunkt 19»� Uhr Bahnhof Buch. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Dienstag Sprechchorprobe Danziger Str. 62. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Sebastionstr. 37—38 Hof L Tr m Sy- Kreis Süden. Dienstag, 9. August, 20 Uhr, Kreisvorstaubssitzung im Gaubllro.— Mitte. 0. Kameradschaft. Dienstag, 9. August, 29 Uhr, Kameradschaftsnersammlun� bei Feldmann, Chausseestr. 29.— Tier» garten. 1. und 2. Kameradschaft. Die Kameradschaftspersammlungen am Man. tag, dem S. August, fallen aus. Termine werden noch bekanntgegeben.— Prenzlauer Berg. Alle Sportler treffen sich Montags um 20 Uhr in der Turn. halle, Dienstags, Donnerstags um 18 Uhr und Sonnabeirds um 10 Uhr auf dem Sportplatz. Alles muß zur Stelle sein. Dienstag, 9. August. Iungba. Zusammenkunft an bekannter Stelle.— Friedrichshain. Portrupp. Mittwoch, 19. August, 19tz( Uhr, Jugendheim Ebertystr. 12.— Pankow sOrtsverein). Montag, 8. August, 191/4 Uhr, Antreten aller Kameraden in Uniform in gc. wohnter Turnhalle. Tambourkorps mit Instrumenten.— Mitte. 4. Kamerad- schaft. Montag, 8. August, 29 Uhr, Berfafsungsfeier im Seim, Alles hat in Bundeskleidung zu erscheinen.— Steglitz. Ortsverein für Steglitz, Lichterfelde und Lankwitz, Montag, 8. August, 19 Uhr, Ortsvereinsvcrsammlung bei Schulz, Birkbuschstraße. Referent: Dr. Reumann.— Wassersportabteilung. Zug Tegel. Sonntag, 7. August, Antreten aller Kameraden um 12 Uhr im Bootshaus zur Beteiligung am Umzug der Freien Sportvereinigung Tegel. Sportkleidung oder dunkler Anzug mit weißem Schillerhemd. Reichsbnad dee Kriegsbeschädigte», Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter- bliebenen. Bezirk Wedding. Mitgliederversammlung 9. August, 29 Uhr, im Lokal Patzenhofcr, Chausseestr. 04. Verein der Driesener zu Berlin. Mittwoch, 17, August, 20% Uhr, Monats» fitzung bei Landrs, Gruner. Ecke Reue Friedrichstraße. Vnefkasten ßer�edattion. R. 1999. In Ihrem Falle dürfte die Firma ihrer Pflicht in bsgug«tk bie Sicheruno der Fohrräder nicht genügt haben und daher zum Ersatz des Schaben, verpflichtet sein.— K. Ä. 31. 1. Vor 1914 bis etwa SOOO M.. jetzt bis etwa 9000 M. 2. Ihr Sohn soll der Sporkasse mitteilen, daß er Ihnen sein Guthaben abgetreten habe. Vielleicht zahlt dann die Kasse. Eine rechtliche Verpflichtung zur sofortigen Auszahlung des Guthabens besteht nicht.— A. M. 34. 1. Di« Rachweisungspflicht besteht noch, und zwar in der Zeit vom 1. bis 10. Februar und vom 1. bis 10. August. 2. Rein. Rur der Hauswirt ist berechtigt, das Wassergelb umzulegen. Die Mieter können die Umlage nicht fordern. Unserer heutigen Auslage liegt«in Prospelt der Fa. Herrn»»» Tleiz, Berlin, bei, worauf wir unsere Leser besonder» hinweisen. WERTHEIM Leipziger Str. Königstr. Rosenthaler Str. Meritzplatz KUSS5- Große Posten Kleiderstoffe Wasch-Kunstseide AO Druckmuster, früher bis 0.90, jetzt �tO Pf. Woll-Musselin bedruckt, früher bis 1.90, jetzt Gemusterter Stoff � � 85™ früher Meter bis 2.90, jetzt Mantel-Stoff ca. 140 cm, früher bis 9.50, I, jetzt 2.90 Oroße Posten Damen-Kleidung Regen-Mäntel"T-je 16.75, 11.75/./ O Elegante Mäntel lA-yc ganz gefüttert, 24.00, 19.75\\J./ O Morgenröcke Q-je Wasch- u. FlousehstofFe, 4.90 Am./ O Nachmitt.-Kleider1"7 � verschied. Stoffe, 29.00, 21.75 1/.DU Große Posten Wilsche Damenhemden 1 verschied. 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Auch sie rückt von neuem in die Front. Als Marxisten, die wir mit Stolz sind und bleiben, ziehen wir zunächst eine wirtschaftliche Bilanz, um die Stärke unserer Gegner und die Aussichten unseres Kampfes zu prüfen. Für die Nationalsozialisten war der 31. Juli kein Sieg, sondern eine Niederlage, Wenn sie siegen wollten, mußte ihnen der Einbruch in die Arbeiterschast gelingen. Aber die Herr- schast Hitlers blieb auf die absteigenden Mittelschichten beschränkt. In der auffteigenden Arbeiter- und Angestellten- klasse hat Hitler keinen Boden gewinnen können. Das ist der ent- scheidende politische Tatbestand des 31. Juli. Die Terrorakte von nationalsozialistischer Seite, die wir jetzt erleben, sind die Schläge des Raubtieres im Eisen, dem die dazu verpslichteten politischen Wärter die Fänge noch nicht gesesselt haben. Es gibt keine Re- gierung, mag sie heißen wie sie wolle, die ohne Gefährdung ihrer Existenz dieser Terrorakt« nicht Herr werden müßte. So wird dieser furchtbare von der Reichsregierung mitoerschuldete Zustand .zu Ende gehen, ohne den Nationalsozialisten eine Verstärkung ihrer Position bringen zu können. Was weiter in Deutschland werden wird, ist trotz aller Posaunenstöße beim„Ausbruch der nationalen Kräfte" nicht in erster Linie Sache des politischen Wollens, sondern der w i r t- schaftlichcn Möglichkeiten, über die Deutschland oerfügt. Mehr als jemals gilt bei diesem„Ausbruch der nationalen Kräfte" die alte Erkenntnis, daß nicht die Politik, sondern die Wirtschaft das Schicksal ist. So stehen auch Wunsch und Wirklichkeit, Wollen und Können der „grundsätzlich neuen Slddtsfuhrung", zu der sich die Papen-Regierung bekennt, in hoffnungslosem Wider- spruch. Die günstigste Eharakteristik, die man den Männern der Papen-Regierung geben kann, ist die Kennzeichnung als schein- konstitutionelle Aristokratie. Diese Regierung will mit ihrer Regierung der Persönlichkeiten, die üb«r den Parteien steht und mit der im Grunde allein maßgebenden Maxime, daß Privilegien der Junker und Schlotbarone auf Kosten der Massen ausrecht- erhalten werden sollen, hinter die monarchistische Vorkriegszeit zurück. Sie kann von ihrem Standpunkte auch nicht anders, denn Deuffchland ist heute zu arm, als daß Herrschafts- und Besitz- Privilegien nach so ungeheuerlichen Kriegs-, Jnslations- und Krisen- Verlusten anders aufrechterhalten werden können als durch die tollste soziale Bedrückung. Aber die Vertreter dieser grundsätzlichen muen Staatssührung verrechnen s i ch. Was in dem reichen Borkriegsdeutschland nicht möglich war, wird heute erst recht nicht möglich sein. Deutschland ist überwiegend Industrieland. 90 Proz. der Bevölkerung leben von ihrer Hände Arbeit. Sie sind qualifizierte Arbeiter mit hoher Schul- und organisatorischer Bildung und keine analphabetischen Hintersassen. Mit ihnen läßt sich kein« Vorherrschast privilegierter Klassen mehr ausrichten. Und auch die Mittel, die die Reaktion anwenden könnte, um künstlich mehr Arbeit und Wohlstand zu schaffen, müssen ver- sagen. Wer etwa die Schwerindustrie zu einer neuen Rästungs- industrie machen möchte, braucht Geld, Geld und wiederum Geld. Mit ein«r Inflation ist dieses Geld nicht zu schaffen, denn eine Inflation ist in Deuffchland unmöglich. Die silbernen Kugeln der deutschen Verschuldung aber ans Ausland werden ebenfalls die Bäum« einer„grundsätzlich neuen Staatsführung" nicht in den Himmel wachsen lassen. Für das Deutschland der Gegenwart gibt es nur eine einzige Möglichkeit und eine einzige Aufgabe. und dieser Aufgabe müssen alle Regierungen gewachsen sein oder sie müssen weichen: Deutschland muß aus der Wirt- schaftskrise herausgeführt werden, in Deutschland müssen die vorhandenen Verluste aus kapitalistische weise, d. h. zu Lasten des Unternehmers und des verantwortlichen Kapitals be- seitigt werden, Deutschland muh finanziell rationalisiert und wieder kreditfähig gemacht werden, Deutschland muh endlich den 6 Millionen Arbeitslosen durch vernünftige Wirtschaftspolitik wieder Ar- beit zu beschaffen beginnen, wenn es nicht finanziell endgültig zu- sommenbrechen so», hier aber helfen keine Wunderkuren, hier hilft nur Entschlossenheit zum Opfer, und keine grundsätzlich neue Staats- führung kann jene Schichten, die von dieser neuen Staatsführung profitieren wollen, vor dem Opfer bewahren. Das ist der enffcheidende Tatbestand, von dem aus die von der Arbeiterschaft verfolgte Politik auch in der Zu- kunft sich bewähren, allen Gegnern sich überlegen zeigen und schließlich auch zum Siege führen wird. Ein hochindustrielles Land wie Deuffchland kann weder dem Arbeiter noch dem Hand- werker weniger Lohn, sozialen Schutz und Einkommen gewähren, als ihnen jetzt noch gewährt wird, wenn nicht durch die Vernichtung der Arbeitskraft die Lebensfähigkeit des Landes selbst zerstört werden soll. WenndieLebenshaltungderMassenkaumnoch zur Wiederherstellung der verbrauchten Arbeits- kraft ausreicht, dann gibt es zur Ueberwindung einer Wirtschaftskrise keinen anderen Weg mehr als die Heranziehung der letzten Reserven des Kapitals und die brutalste Rationalisierung bei der Verwendung des Kapitals. Dieser einzige Ausweg sührt aber mit Notwendigkeit zur Anwendung aller jener wirt- schaftlichen Methoden, die die Sozialdemokratie als Führerin der Arbeiterklasse in den letzten Monaten für den Wiederaufbau Deutschlands gefordert hat. Dem deutschen Kapitalismus bleibt jetzt nur noch die Hilfe des Staates. Die Verstaatlichung ganzer Industrie- zweige ist unausbleiblich. Wer glaubt, daß die Akten der Verstaatlichung schon geschlossen sind, der irrt sich. Nicht mit Unrecht wurde kürzlich von einem Mit- glied der Brüning-Regierung gesagt, daß heute die ganze Industrie vom Staate lebe. Das bei den Banken ins- gesamt gesammelte Kapital wird unter Einrechnung der Sparkassen heute schon zu 89 Proz. vom Staate kontrolliert. Die Schiffahrt steht kapitalmäßig unter staatlicher Kontrolle. Finanziell ist die ganze Steinkohlen- und Eisenindustrie schon längst zahlungsunfähig. Ihre Zahlungsfähigkeit wird durch Hilfskredite zum Schein aufrechterhalten. Das Gelsentirchen-Geschäft war nur ein Symptom für den Stand der Dinge in der ganzen deutschen Montanindustrie. Die Zementindustrie ist bankrott. Die monopolistischen Industrien Deutschlands haben mit ihrer Politik ebenfalls bankrott gemacht. Sie sind die letzten, die freie Wirtschaft für sich fordern dürfen. Sie haben Milliarden verbaut und ihre Anlagen werden heute Schrott. Sie haben von der wirtschaftlichen Freiheit, die sie trotz aller Preis- kontrolle und Kartellgesetze fast schrankenlos wahrnahmen, und zwar soweit, daß sie selbst die Handelspolitik des Reiches beherrschten, b i s zur Selb st Vernichtung Gebrauch gemacht. Was alle diese Industrien heute brauchen, selbst wenn sie zur Tilgung der Verluste fast ihr gesamtes Kapital abschreiben werden, sind neues Kapital und neue Kredite. Für neues Kapital und neue Kredite steht ihnen aber, nachdem sie den AktionärzumWeiß- bluten gebracht haben, der deutsche Kapitalmarkt kaum mehr zur Verfügung und die ausländischen Kapitalisten werden zunächst aus die Stillhaltung hinweisen. Diesen Industrien kann nur der Kredit des Staates helfen. So wird die Politik der V e r st a a t- l i ch u n g, die heute noch als marxistische Anmaßung be- kämpft wird, der einzige Weg zur Neusinanzierung der deutschen Industrie sein. Es wird aber keine Wiederherstellung des Staats- k r e d i t e s in jenem Ausmaß geben, wie sie zur Neusinanzierung der deutschen Jndustri« notwendig sein wird, wenn der Staat nicht in der rücksichtslosesten Weise einmal dafür sorgt, daß er die Kon- trolle über die noch vorhandene Kapilalsbildung hat, was unausweichlich auch zur staatlichen Lenkung des Versiche- rungswesens und der Hypothekenbanken führen wird und wenn er nicht zum anderen über die rationellste Verwendung der Kapitalien wachen wird, was naturnotwendig die heutige Bankherrschoft des Reiches zur systematischen Kapital- und Investitionskontrolle werden lassen wird. Aber auch die Tagespolitik der Krisenüberwindung wird sozialistisch sein oder Deutschland wird immer weiter in der Krise versacken. Die großzügige Arbeitsbeschaffung und die Verkürzung der Arbeitszeit, von der Regierung der Barone umsonst ge- hemmt, werden durchgeführt werden müssen, weil ohne rationelle Umwandlung der Unterstützungen in volkswirtschaftlich produktiven Kapitalaufwand finanziell kein Ausweg mehr sichtbar ist. Es wird auf die Arbeitsbeschasfungsanleihe zurückgegriffen werden müssen, die Sozialdemokratie und Gewerkschaften längst ge- fordert haben. Es wird keinen Arbeitsdienst geben, der auf die Dauer zu politischen Zwecken mißbraucht werden kann, weil die, die das Geld dazu hergeben müssen, revoltieren werden, und wenn es die nationalsozialistischen Wähler selber sind. Was an Steuern noch notwendig sein wird, wird vom Besitz getragen werden müssen, weil sonst die Menschensubstanz zerstört wird, die dem Besitz später wieder einmal Rente bringen soll. In der Han- delspolitik wird es mit den Pferdekuren der Autarkie nicht mehr lange weitergehen. Diese Planwirtschaft der dümmsten Kerle wird an den finanziellen Lasten der Arbeitslosigkeit ersticken, die die Abdrosselung des Jndustrieexports mit sich bringt. Schwerindustrielle Währungs- und Hugenbergfchc Schuldenabwertungsobjekte aber, die letzte Ausflucht der heimlichen Besitzfanatiker und scheinheiligen nationalen Marxistentöter werden an dem Widerstand jener Kapitalisten selbst scheitern, die noch Hoffnung haben, nicht auch in den Strudel des wirtschaftlichen Bankerotts der Junker und schwerindustriellen Wirt- schaftsführer mit hineingezogen zu werden. Wir haben an dieser Stelle vor den Wahlen gesagt, wir sind so stark, wie wir uns fühlen, weil die Zeit mit uns und nicht mit unseren Feinden ist. Das gilt nach der gewonnenen Abwehrschlacht erst recht. Wenn Deutschland wirtschaftlich wieder ausgebaut werden soll, so helfen dazu nur noch ganz große Mittel. Diese ganz großen Mittel sind nur zu finden, wenn die Gesaintwirtschast als gesellschastliche Wirtschaft betrieben wird. So werden, auch unter vorläufiger Aufrechterhaltung des kapitalistischen Systems, nur planwirtschaftliche Methoden, mit denen ange- sichts der phantastischen Kapitalzerstörung durch falsche Wirffchasts- führung allein noch die Kosten gesenkt und die Wirtschaftlichkeit er- höht werden können, in der Zukunft auch allein noch zum Erfolge führen. Die fernere Entwicklung wird also sozialistisch sein und kann nichts anders als sozialistisch sein. Diese Erkenntnis wird unsere Kämpfe in der Zukunft leiten; wir dürfen sie mit Zuversicht zum Kurs unseres Handelns machen, mit dem wir die politische Macht erkämpfen werden! X— r. Zur Frage des Butterzolls. Wir fordern Bekanntgabe des Angebots der Neichsregierung Wie wir schon meldeten, sind die zwischen der Reichsregierung und den Vertretern Hollands und Dänemarks geführten Verhand- lungcn über die Neuregelung des Butterzolls, die mit Recht die ganze deutsche Oeffentlichkeit wegen ihrer symptomatischen Bedeutung für die Entscheidung über die Autarkieffage in Spannung hält, sind beendet worden. Offenbar mit einem Ergebnis, das die am Export interessierte deutsche Oeffentlichkeit wenig befriedigen wird: Die amtliche Veröffentlichung der Reichsregierung stellt neben der Beendigung der Verhandlungen nur die Tatsache fest, daß die holländischen und deutschen Delegierten wieder abgereist sind. Was man dazu hört, stimmt nicht o p t i m i st i s ch. Die „Deutsche Tageszeitung", die es wissen muß, spricht davon, daß die deutsche Regierung Dänemark und Holland bzw. sämtlichen Butter- einfuhrländern ein Gesamtkontingent von nur zwei Drittel der im Jahre 1931 nach Deutschland eingeführten Butter- menge angeboten habe, ein Gesamtkontingent, über dessen Unter- Verteilung auf die ausländischen Importländer sich die betreffenden Staaten selbst verständigen sollen. Es ist offenbar, daß Dänemarks und Hollands Vertreter von diesem Vorschlag wenig erbaut waren. Aus der anderen Seite wird von einem einheitlichen Buttcrzoll von 73 M. an Stelle des bisherigen fünffach zwischen 59 und 173 M. gestuften Buttcrzolls gesprochen. Die „Deutsche Tageszeitung" und die hinter ihr stehenden Junker ziehen schon jetzt gegen die Möglichkeit eines Zolles von 73 M. zu Felde, was auch wenig optimistisch stimmen muß. Wir werden also auch auf diesem Gebiet noch einige Ueber- Über Kopf- und Handarbeifer sind Tag für Tag beschäftigt Conlinenfal-Reifen und Continental-Gummi waren aller Art »im Nutzen des Verbrauchers in Höchstqualität herzustellen und zu vertreiben. Wenn Sie Continental-Gummifabrikafe kaufen, erhalfen Sie Pfennig für eine Mark! »aschunge»«rieben, vorerst fordern wir von d«r Reich»» »»gierung, daß die deutsche Oeffentlichteit über da» Holland und Dänemark gemachte Angebot autentisch informiert wird. Verhandlungskünsiler gesucht. Die Konferenz in Ottawa in Schwierigkeiten. Die DerimndKmgen der britischen Weltreichskonferenz in Ottawa sind in ein schwieriges Stadium gekommen. Die Gegensätze sind in völliger Schärfe Hervorgetreten, obwohl die Karten noch nicht allerseits aufgedeckt wurden. Zwar ist nicht wahrscheinlich, dah die Konferenz auffliegen wird: aber soviel steht fest, daß ihr Er- geh ins sehr mager ausfallen wird. Im Gegensatz zu der mehrfach geäußerten Absicht, keine Zoll- erho Hungen zuzugestehen, scheint die englische Delegation jetzt doch geneigt, das gefährliche Experiment der Einsiihnmg neuer englischer Nahrungsmittel, Zölle zu riskieren, wenn das Gegenangebot der Dominions— Ermäßigung der Zölle auf die englische Einsuhr— einigermaßen günstig ausfällt. Die Dominions verlangen eng- l i s ch e Zölle auf Fleisch, Butter, Käse, Eier und Weizen, die ober in voller Höh« nur das„Ausland" treffen fallen: den Dominions fallen Borzugszölle(Präferenzen) eingeräumt werden. Mit solchen Zöllen würde England aber seine besten Abnehmer von In- dustvteprodutten, vor allem Argentinien und Dänemark, empfindlich treffen. Eine fekbswerständliche Folge wäre auch eine Steigerung der Lebenshaltungskosten in England, die Lohnkämpfe und eine Einschränkung des Konsums an hochwertigen Nahrungsmitteln (Fleisch, Butter) nach sich ziehen müßte. Die Vorschläge Australiens und Neuseelands sind von England abgelehnt worden. Jetzt ist das entscheidende Angebot, das Kanadas, erfolgt, das bei den Engländern große Enttäuschung hervorgerufen hat. Es werden die oben angeführten englischen Zölle mit entsprechender Dorzugsbehandlung der Dominions verlangt. Die Weizenzollforderung ist einigermaßen komisch, da die kanadischen Farmer sich vor kurzem gegen das Vorzugszollsystem bei Weizen ausgesprochen haben, da es ihnen im Endeffekt nichts nützen könnte. Angeboten hat Kanada eine Bevorzugung der englischen Einfuhr, die nach kanadischer Schätzung eine englische Mehreins uhr von 20 Millionen Pfund(ein Pnind zur Zeit etwa 14,50 Mark) zur Folge haben müßte. Nachprüfungen englischer Sachverständiger aber haben ergeben, daß das kanadische Entgegenkormnen eine eng- lifche Mehreinfuhr von nur einer Million Pfund, später vielleicht zwei Millionen Pfund ermöglich«. Kein Wunder, daß die englische Presse das kanadische Angebot als„grotesk hohl" bezeichnet. Gelbstmorde und Wirifchastskrise. Heber die durch die Folgen der Weltwirtschaftskrise so stark vermehrten Selbstmorde gibt der Jahresbericht des Der- bondes öffentlicher Lebensversicherungsanstal- t e n in Deutschland interessante Ziffern. Im ganzen ist der Sterblichkeitsverlauf im Jahre 1931 nicht ungünstiger gewesen als 1930. Aber die Zahl der Selbstmorde im Rahmen dieser Sterblichkeit ist von 0,36 aus 0,53 vom Tausend aller Versicherungen. also um rund 5 0 Proz. gestiegen, während gleichzeitig die absolute Sterblichkeit im Durchschnitt von 8,9 auf 8,7 vom Tausend gesunken ist. Auf Selbstmorde und Todesunfälle zusammen ent- fielen 1931 nicht weniger al» 3 2,1 Proz. der Todes» fälle, also ein Drittel, und 27,3 Proz. der ausgezahlten Kapitalien. In dem Bericht heißt es, daß von der Selbstmordsterblichkeit vorwiegend die größeren Versicherungen betroffen wurden. Bei den durch Selbstmord erloschenen Versicherungen betrug nämlich die durchschnittliche Versicherungssumme im Jahre 1931 8001 Mark gegenüber S339 Mark bei den normalen Sterbefällen. Industrie warni die Reichsregiening. „Ruhe und Ordnung sind die wichtigsten Forderungen.." Wie sehr die jetzige innenpolitische Unsicherheit jede sich andeutende Besserung in der deutschen Wirtschaft gefährdet, wird unverhohlen im Julibericht des Eisen- und Stahlwaren- industriebundes über die Lage der Eisen- und Stahlwerk- industrie ausgesprochen. Der Bund stellt fest, daß nach dem von ihm gewonnenen Ueberblick der Tiefstand für die Gesamtheit erreicht zu sein scheint und für einzelne Zweige des großen Wirtschaftsgebietes der Eisenverarbeitung unstreitig der Ansatz zur Besserung vorhanden ist. Die Zurückhaltung des Handels ist einer merkbaren Belebung gewichen, die in allen Teilen Deutschlands zu verspüren ist. Aber es wird ausdrücklich gesagt, daß z. V. die Zurückhaltung des Handels bei Holzschrauben zuletzt auf politisch« Gründe zurückzuführen sei: denn die Sorge um öffentliche Ruhe beherrsche den Warenmarkt nun einmal ausschlaggebend. Am Schluß des Berichts wird wörtlich gesagt:„Alles wird sehr wesentlich durch das Schicksal der Politik in der nächsten Zeit bestimmt werden. Ruhe und Ordnung sind die wichtigsten Forderun- gen, die die weiterverarbeitende Industrie stellt, wenn man den Unternehmer, aber auch, wenn man den Arbeiter fragt." Selten ist von Unternehmern so eindringlich von der Wirtschaft- lichen Bedeutung der Unterbindung des jetzt herrschenden nationalsozialistischen Terrors gesprochen worden, wie in dem Bericht dieses gewiß nicht nazifeindlichen Fabrikantenbundes, dessen Mitglieder zum größten Teil im Ruhrgebiet sitzen. Vielleicht wird das„N och nicht!" des jetzigen Herrn Reichsinnenministers durch die Stimme des westdeutschen Kapitalisten etwas leichter er- schüttert als durch die Todesopfer und durch Zerstörungen, die jetzt noch aus ollen Teilen Deutschlands gemeldet werden. Konkurs der Emelka-Theaier A.-G.? Die E m e l k a- T h e a t e r A.-G., deren Kapital ganz im Besitz der Film-Produktionsgesellschaft E m« l k a A,- G. ist, hat vor kurzem die Zahlungen eingestellt und strebt einen Vergleich an. Die Lage des Unternehmens ist so trostlos, daß ein Vergleich kaum möglich ist. Den 6,6 Mill. Mark Passiven stehen Aktiven von 1,46 Mill. Mark gegenüber: man muß aber auf beiden Seiten 1,42 Mill. Mark— durch Beschlagnahme gesicherte Forde- rungen— aussondern, so daß nur 33 000 Mark freie Aktiven übrig bleiben. Diese langen aber nur soweit, daß von den bevor- rechtigten Forderungen und den Kosten des Verfahrens gerade 10 Proz. gedeckt sind. Vorläufig sieht man für mehr als S,6 Mill. Mark keinerlei Aktivposten. Sport. Rennen zu Hoppegarken. Trachenbera-Rennen: 1. Jahrhundert iBinzenz): 2. Mona Banna: 3. Explosion; 4. Rosella Toto; 66:10. Platz: 15, 11, 14, 15:10. Ferner liefen: Toso, Lampo-n Sohn. Hassan, Mussolini, Jdeolog, Leidensweg, Kain, Goldene Aue, Paua Erda._, Gulliver-lI-Renuen: 1. Bittsteller(Visek): 2. Gcnw; 3. Ma,ordomu?. Toto: 66:10. Platz: 15. 15, 12:10. Ferner liesen: Immerfort, Herodtas, Masaniello, Ostade, Horas, Ledina. Rcnard-Rennen: 1. Grollenur iPretznerst 2. Persepolts: 3. Bwse. Toto: 15:10. Platz: 10, 10:10. Ferner liefe»: Winlersvnnc. Naseweis. Hoppegartener Ehrenpreis: 1. Arabesle(Printen): 2. Terra: 3. �rextus. Toto: 23:10. Platz: 13, 26, 14:10 Ferner liefen: Palsrey, Wtsa Gloria H. 1, Kavallerist, Feuerzauder, Napoleon, Bolnmnius. � Flibustier-Rennen: 1. Heuch'er lSvcblo); 1. Firlefanz(Öatine?); 3 Marccllina: 4. Varro. Toto: 19:10 l Heuchler), 18:10< Firlefanz».Platz: 12, 12, 14, 16:10. Ferner liefen: Altai, Everone. Polaschin, NomoS, Filsen, Luxus, Marion, Steinfeld, Talfin. Totes lRennen. Zama-Ncnnen: 1. Wilderich(Böhlke): 2. Orkadier: 3. Schwede. Toto: 18:10. Drei liefen..„.... Eieger-Renaen: 1. Donna Valetta Marr): 2. Pommernwnder: 3. Loe. Tolo: 39:10. Platz: 15, 24, 27:10. Ferner liefen: Theseus, Aiwonen- warte, Vergißmeinnicht, Morgenwind. Wassernymphe. Toppelwelte: Bittsteller— Arabeske 115:10. ______ jam UM......■III................... „Filmstar-«erbe« fftr Milch!» Im Troumland Schirnhol, werben beliebte und bcfannle Filmstars, oorn Reichsmilchousschuh und der nachpresse geVelen, persimlich erscheinen, und aus künstlerische Pdotas. die den Sintrittstarlen dei. gegeben werden, ihre Unterschrist setzen. Sicher ein Grund sur mele, nom Feuerwerk und den anderen vollwertigen Darbietungen abgeseben. um Don- nerstag, II. August, nach Schlo« SchSnholz zu pilgern, um so me.ie,»I»"«'S« hundert Waisenkinder vom Ertrag des Tages mit Milch und anderen schonen Dingen bewirtet werden sollen. Die Firma Paul ZIedel-heimee, die feit ea. 30 Jahren an hiesigem Platz zu den fiihrenden Häusern in der Sinrichtungsbranche aehört, ist leider durch die Verhältnisse gezwungen, ihren Warenbestand auszulosen und das den Verhältnissen entsprechend zu uerkleinern. Es werden die gesamten Vor- räte der Firma. Budapester Str. 9z, am goo. neben dem Eapitol durch dos Auktivnshaus am Reichskanzlerplatz zur Versteigerung kommen, auch die Vor- rate Fabrik, Särliber Hier 9, schließen sich der Versteigerung an. Der In- Haber, Herr Paul Redelsheimer, wird auch weiterhin bestrebt sein, durch seine reichen Erfahrungen und Kenntnisse am Wohnungseinrrchtungsmarkt Neues zu schaffen. Schluß! Setzt zum halb«» Pres,— noch etwas skeptisch las man am Sonn- tagmorgen die Ankündigungen des Echuhhoies, der unter dieser Devise seuipn diesjäbrigen Salson-Schluß-Veriauf startete. Dach schon am ale>a;en Togo konnte man die Beweise fllr diese Behauptung in den Schuhhof.Fenstern de- wundern. Was da aber auch zu den fast unglaublichen Prellen geboten wurde, war so märchenhaft, daß wir de» Ansturm der Käufer— der am Montaafrllh in allen sechs Perkaufsstellen des Schnhhoses gleichzeitig einsetzte und zeitweise beängstigende Formen annahm— sehr gut milchen können. Gerade in der fetzigen Zeit kautt jeder gern billig ein und bekommt man dafür wie im Schuhhof nur wirkliche Qualitätsschuhe, so ist das der Grund des Erfolge» und die Bestätigung für den Ruf: Schuhhospreise helfen sparen! Freudige Ueberraschung.„Nanu??»— sagt der heimkehrende Hausherr.— „In der Diele haben doch bisher kein« Brücken gelegen und jetzt sind plötzlich zwei Prachtexemplare dal!» Strahlenden Blicks zieht ihn feine Frau ins Wohnzimmer. Auch hier etwas Neue»... Wunderschöne, gediegene Store» und eine ganz moderne Diwandeck«?„Das haben wohl die Heinzelmännchen gemacht?"—„Nein— aber der Oiag.Zaubcrcr!"— erwidert die Hausfrau. „Alles, was du bewunderst, ist beim Saison-Schlußverkauf der Otag zu Zauber- preisen erstanden!" Sie verrät ihm, wieviel— nein, wie wenig sie für dies« wertvollen Dinge ausgegeben hat. Und wenn ein Ehemann über eine Geld- ausgäbe lacht, wte er. mutz sie wiillich lächerlich sein! Saison-Schluß-Verkausl Diese« Wort bedeutet für das Riesenheer der Kauf- lustigen eine Möglichkeit, längst erwünschte Ware zu ungewöhnlich billigen Preisen zu kaufen. Waren, die im Preise billig sind, gewährleisten mit ihrem Preis nicht ollein einen amen Einkauf. Nur solche Ware, die von bester Quoll- tät, von wirklicher Schönheit und zweckentsprechend ist, kann al, ein vor- bildlicher Kauf bezeichnet werden, wenn der Preis gleichzeitig ein wirklich niedriger ist. Das größte Epezialhaus, die Firma Teppich-Bursch, Berlin E 2, Spandauer Str. 82, bringt in ihrem Saison-Schluß. Verkauf den Beweis dafür, daß alle dies« berechtigten Ansorderungen. die das Publikum an diesen hoch- wertigen Artikel stellt, erfüllt sein müssen, denn wie immer, so hat auch dies. mal der Ersolg aezeigt, wie sehr da» Berliner Publikum die Lerkaussver- anstaltungen der Firma Teppich-Bursch zu würdigen weiß. Sommer kle'de« 125 — Hereen-Anzuge aus karnrngamorrtg•• Stoffen,|£— moderne Schnitte, nur M. 19.50, I x- Herren-Anzüge- aus reinen Kammgornstoffen ln Q60 au$ guten Stoffen vier große Q gg verschied. Modefarben radikal yy-. n zum Aussuchen, letzt™ herabges. Preise M. 39.00 m. Mm f � 975. 775,................ � x- Gabardine- Mäntel L e d e r o I m ä n t e l � 90 reines Kammgarn, g. auf Kunsts.».«Q f-r Mäddien, Fabrikat Macmtos� J— ÄÄPÄJÄ 1/- Idnge 100,|eder Mantel....... 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Wie erinnerlich trat die Aufhebung der gewerbs- mäßigen Stellenvermittlung am 1. Januar 1931 in Kraft: die be- willigte Uebergangszeit erlosch mit dem 1. Juli des vorigen Jahres. Davon wurden in Berlin nicht weniger als 151 gewerbs- mäßige Hausange st ellten-Bermittlerinnen be- troffen: heute sind dafür bei den verschiedenen Arbeitsämtern 3 9 Vermittlungsstellen eingerichtet. Dabei überrascht es, welche günstigen Vermittlungsergebnisse die Arbeitsämter erzielen konnten. Eine Gegenüberstellung der Arbeitsuchenden und der Ver- mittelten ergibt folgendes Bild: IWZ Arbeitsuchende Vermittlungen Januar.............. 7359 4280 Februar............. 7336 4106 März.............. 7282 4666 April.............. 7187 4989 Mai.............. 6850 3954 Man muß hierbei berücksichtigen, daß die Berliner Arbeits- ämter im Mai 1932 z. B. bei 104 276 Arbeitsuchenden in der M e- t a l l i n d u st r i e nur 577 Vermittlungen und bei 78 691 arbeit- suchenden Angestellten im Mai nur 900 Vermittlungen vor- nehmen tonnten. Infolge der schwierigen Verhältnisse in der Reichshauptstadt ist nämlich ein erheblicher Teil von Hausangestellten in die l ä n d- lichen Heimatbezirke zurückgekehrt. Andererseits lag früher den gewerbsmäßigen Stellenvermittlerinnen daran, den Zuzug aus der Provinz so viel wie möglich zu steigern. Das Landesarbeitsamt Brandenburg jedoch sucht den Zuzug nach Berlin auf ein Mindestmaß zu beschränken: es ist bekannt, daß heute in jedem Dorf die gelben Plakate des Landesarbeitsamtes Brandenburg aushängen, die unter Hin- weis auf die riesigen Erwerbslosenziffern in Berlin vor Zuzug nach der Reichshauptstadt eindringlichst warnen. So haben sich für die in Berlin verbliebenen Hausangestellten einigermaßen erträgliche Möglichkeiten für die Stellenvermittlung herausgebildet. Allerdings find die Anforderungen, die heute an eine Hausangestellte gegenüber früheren Zeiten gestellt werden, außerordentlich g e- stiegen. Leute, die früher ein Hausmädchen, eine Köchin und dazu noch ein Kindermädchen beschäftigten, begnügen sich heute mit einer Hausangestellten. Von dieser aber wird verlangt, daß sie nicht nur die Hausarbeit machen kann, sondern darüber hinaus soll sie kochen, plätten, nähen, womöglich noch schneidern. Um diesen immer wieder gestellten Anforderungen zu genügen, hat sich das Landesarbeitsamt entschlossen, in Zusammenarbeit mit den Berufs- schulen koch-, Plätt-, Rah- und Hausarbeitskurse für die jungen Hausangestellten einzurichten. Dadurch hat es das Landesarbeitsamt erreicht daß man auf dem Arbeltsmarkt für Hausangestllte unterstützte Arbeitslose kaum findet. Wenn die Hausangestellten kündigen, wenden sie sich in der Mehrzahl an ihr zuständiges Arbeitsamt und wenn sie zum Ultimo ihre bisherige Stelle verlassen, ziehen sie meist am Ersten gleich bei der ver- mittelten Stelle ein. Die Arbeitsämter wollen damit allerdings nicht sagen, daß sie nun vom Arbeitsmarkt für Hausangestellte vollkommen die Krise verbannt hätten, denn gute Hausangestellte waren auch schon in Zeiten der Konjunktur kaum zu finden: die Vermittlungstätigkeit war in diesem Arbeitszweig immer äußerst rege. Aber immerhin mußte das Landesarbeitsamt Brandenburg beim Arbeitsamt Südwest bereits eine sogenannte Ausgleichs- stelle schaffen, wohin die 30 Vermittlungsstellen ihre freien Kräfte melden und umgekehrt die Arbeitsämter von dieser Zentral- stelle Mädchen anfordern und somit nicht erst mehrere Arbeitsämter anrufen brauchen, ob irgendwo einige Hausangestellte verfügbar sind. Arbeitgeber haben sich nun beschwert, daß die Auswahl unter den Hausange st eilten zu gering sei. Die Damen glaubten, aus einen Anruf beim Arbeitsamt könnten gleich 40 oder 50 Mädchen zum Aussuchen kommen. Das ist erfreulicher- weise nicht der Fall. Wie bei jedem Facharbeitsnachweis werden von vornherein nur Fachkräfte angenommenen(Nachweis durch Zeugnisse, Schule oder Lehre: übrigens sind die Reinemachefrauen auf ganz anderen Nach- weisen als die Hausangestellten), womit immerhin einige Gewähr für tüchtige Kräfte vorhanden ist. Allerdings ist die Vermittlung etwas schwierig. Die besten Fachkenntnisse nützen oft genug nichts, wenn die„Herrschaft" mit der Hausangestellten nicht auszukommen vermag. Dann wird eben nur zu leicht dem Arbeitsamt die Schuld gegeben, obwohl es schon von vornherein«ine möglichst individuelle Auswahl trifft Schließlich konnte man nicht verhin- dern, daß die Hausange st eilten selber mit allen mög- lichen Fragen sozialpolitischer Natur die Vermittlungsstellen, zu denen sie Vertrauen gewonnen hatten, bestürmten. Das Landes- arbeitsamt hat deshalb in den Holzhäusern auf dem Winterfeldt- platz(Pallas 2540) eine zentrale Auskunftsstell« für die Haus- angestellten geschaffen. Ländliche Nazi-Idylle. Wie ein GutSbesiher in Notwehr handelt. In Nr. 323 vom 12. Juli veröffentlichten wir eineMotiz unter der Ueberschrist:„Nazigutsbesitzer als Arbeitgeber". Darin wurde geschildert, wie der Gutsbesitzer Völker in Unterheide bei Bahn in Pommern eine siebenköpfige Landarbeiterfamilie ohne gericht- liches Räumungsurteil auf die Straße zu setzen versuchte und aus diesem Anlaß in Gemeinschaft mit seinem Schwager mit der Jagd- flinte auf einen Arbeiter schoß. Es bedurfte des nachdrücklichen Ein- greifen? des Vertreters des Deutschen Landarbeiterverbandes, um die Polizeiverwaltung von Bahn zu veranlassen, wenigstens gegen die rechtswidrige Räumung der Wohnung des Landarbeiters ein- zuschreiten. Unsere Schilderung dieser Vorgänge, die aus die Verhältnisse in Ostelbien ein bezeichnendes Licht werfen, haben den Reichsverband der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberoereinigungen veranlaßt, der Sache nachzugehen. Eine dankenswerte Initiative des Reichsverbandes. Er hat darauf von der Kreisgruppe Greifen- Hagen des Pommerschen Landbundes eine Erwiderung erhalten, die der Reichsverband als eine glaubhafte Richtigstellung betrachtet und uns anheimstellt, entsprechend zu verwerten. Wir kommen dem Wunsche des Reichsverbandes gern nach, indem wir aus dem Schreiben folgende Stelle wörtlich wiedergeben: „Um dem Wollen des L., die Werkwohnung zu räumen, etwas mehr Nachdruck zu geben, ging am Sonnabend nachmittag V. mit seinem Schwager und Knecht daran, L.'s Möbel aus der Wohnung herauszutragen. Als L. dies i»h, eilte er sofort nach Bahn. V. begnügte sich damit, nur einige Möbel herauszusetzen, das Uebrige ließ er in der Mahnung. Als V. dann nach einiger Zeit mit einer Wirtschaftsfuh're an der Wohnung des L. vorbei kam, eröffnete dieser, der sich inzwischen 5 Mann von der eisernen Front aus Bahn geholt hatte, aus dem Fenster auf V. das Feuer. V. ging in seine Wohnung zurück, und holte sich die Jagdflinte. Als er wieder zurückkam, schoß L. aus liegen- dem Anschlag zweimal mit der Armeepistole nach V., ohne zu treffen. V. gab hierauf einen Schreckschuß ab, was zur Folge hatte, daß L. ausriß und seine Mitkämpfer sich er- gaben. Inzwischen erschien auch die Polizei, die angerufen ivar. Am Dienstag, dem 19. Juli, wurden V. und fein Schwager von L. wiederum tätlich angegriffen. Sie wurden mit der Sense und mit dem Messer erheblich verletzt." Der Landarbeiter wollte also demnach die Wohnung räumen und nur um ihm dabei zu helfen, hat V. mit seinem Schwager und einen Knecht die Wohnung zu räumen begonnen. Obwohl L. also dem Gutsbesitzer für seine freundliche Hilfe eigentlich dankbar hätte sein müssen, eilte er sofort nach Bahn, um den Landarbeitervcrband gegen diesen freiwilligen Arbeitsdienst anzurufen. Es kommt aber noch besser. L. holt Verstärkung von der Eisernen Front und er- östnet„aus liegendem Anschlag" das Feuer. Natürlich schießt der Kerl daneben. Darauf erfolgt ein„Schreckschuß" aus der schnell herbeigeholten Jagdflinte, L. reißt aus, die übtigen fünf Mann von der Eisernen Front ergeben sich zitternd auf Gnade und Ungnade. Leider steht in dem Schreiben nicht, ob sie sofort gehängt wurden und ob sie die Raben inzwischen gesressen haben. Der so feige aus- gerissene Landarbeiter erholt sich von dem Schreckschuß aber wieder so weit, um nicht nur den Gutsbesitzer, sondern gleichzeitig auch noch dessen Schwager mit der Sense in der einen, mit dem Messer in der anderen Hand anzugreifen und erheblich zu verletzen. Woraus man sieht, wie sehr die Nazigutsbesitzer in Ostelbien sich in der Notwehr befinden und unter dem Terror der Land- arbeiter stehen. Wundern muß man sich aber doch, daß der Reichs- verband den saudummen Schwindel der Oeffentlichkeit zu über- geben wagt. Die Losung der Stunde. Nach der Reichstagswahl. Die„Gewerkschaftszeitung", das Organ de» Allgemeinen Deut- schen Gewertschaftsbundes, untersucht in ihrer neuesten Nummer das Ergebnis der Reichstagswahl. Sie zeigt zunächst auf, daß es den Nationalsozialisten wohl gelungen sei, olle bürgerlichen, mit Ausnahme der katholischen Parteien, bis auf wenige kümmerliche Reste aufzusaugen, nicht aber in die„marxistische Front" einzu- brechen. Damit haben die Nationalsozialisten die Grenzen ihrer Ausdehnungsfähigkeit erreicht. Die durch die Nationalsozialisten in Bewegung gebrachten bürgerlichen Wählermassen würden, wenn einmal die Enttäuschung eintreten werde, nicht einfach zu ihren früheren Parteien zurückkehren. Es sei vielmehr anzunehmen, daß die Parteien, die sich gegenüber dem Nationalsozialismus wider- standsfähig erwiesen hätten, dann eine große Chance haben werden. Dazu gehöre in erster Linie die Sozialdemokratie, die die bislang härteste Probe ehrenvoll bestanden habe: „Die Scharen der Arbeiterbewegung, geeint im Zeichen der Eisernen Front, haben mit bewundernswerter, höchsten Lobes wür- diger Hingabe in diesem Kampfe gestanden, sie können mit Genug- tuung aus ihren Erfolg blicken und mit erhöhtem Selbstvertrauen ihren Weg fortsetzen. Die Arbeiterbewegung hat einen inneren Aus- trieb erfahren, der uns vor allem darum verheißungsvoll für die Zukunft erscheint, weil er ein Milieu schaffen könnte, in welchem der Einsatz der Willenskräste der jüngeren Gene- r a t i o n zur vollen Geltung zu gelangen vermag." Die„Gewerkschaftszeitung" untersucht dann die Situation im neuen Reichstag: „Gehen die Nationalsozialisten eine engere Verbindung mit dem Zentrum ein, so lassen sie damit den Verzicht auf das Streben nach Alleinherrschaft erkennen: gehen sie der Koalition aus dem Wege, so versäumen sie vielleicht die letzte Gelegenheit, einen Zipfel der Macht zu erlangen. Und das Zentrum ubernimmt, wenn es eine Verbindung mit den Nationalsozialisten eingeht, vor dem Volke die ungeheure Verantwortung dafür, daß die Zulassung der National- sozialisten zur Macht aus einer Verfassungsgrundläge vonstatten geht, welche die Möglichkeit offen läßt, diese Partei später zur Rechenscbait zu ziehen." Das offizielle Organ des ADGB. kommt zu folgenden Schluß- folgerungen: „Eine Rechtsregierung schärfster Tonart ist mit Sicherheit zu erwarten... Ist doch die Entfernung des Genossen Rudolf Wiffell aus seinem Amt als Schlichter für Berlin- Brandenburg, für welche die Amtsführung dieses Mannes nicht die geringste Rechtfertigung bietet, bereits ein Zeichen für den Kurs, der im Umkreise der nächstliegenden Interessen der Gewerkschaften von dieser Regierung bevorzugt wird. Aber es bedurfte dieses Zeichens gar nicht mehr, um uns zu lehren, daß wir einer Zeit entgegengehen, in der die Arbeiterschaft bei ihrem täglichen Kampfe um Lohn und Brot nur noch�auf ihre eigene Kraft, nur auf die Stärke ihrer G e w'e r k s ch a f t e n bauen darf.„Wollt ihr den Kampf um eure Zukunft bestehen, neue Gefahren abwehren, die unter dem schweren Druck der Wirtschaftskrise verlorenen Stellungen zurückgewinnen, dann stärkt die Gewerkschaf» t e n!" Dieses Wort des Bundesvorstandes und Bundesausschusses des ADGB. aus ihrem Aufruf vom 21. Juli, gerichtet an die Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands— diese« Wort, vor der Wahl verkündet, gilt auch nach der Wahl als Losung der Stunde." Oer freiwillige Arbeitsdienst in Anhalt. „Auf einer gesunden nationalen Grundlage." Das anhaltische Staatsministerium erklärt heute, daß der staatliche freiwillige Arbeitsdienst in Anhalt, der erste dieser Art in Deutschland, sich ausgezeichnet bewährt habe. Es werden Angehörige aller politischen Parteirichtungen eingestellt. Der Arbeitsdienst werde jedoch auf einer gesunden natio- nalen Grundlage durchgeführt. Nicht nur aus Anhalt, sondern aus dem ganzen Reiche gingen täglich Anmeldungen ein, so daß sich das Ministerium zu einer Erweiterung des Arbeits- dienstes entschlossen habe. * Außer dem bombastischen Selbstlob der Naziregierung enthält diese Meldung nichts, weder Angaben über die Zahl der Beschäf- tigten, die Kosten, die Tagewerke, die geleistet, noch die Arbeiten, die durchgeführt wurden. Die Bemerkung, ,der Arbeitsdienst werde jedoch aus einer nationalen Grundlage durchgeführt", ist reichlich einfältig. Wo sonst als in Deutschland kann der Arbeitsdienst durch- geführt werden? Vielleicht will die Naziregierung mit dieser Be- merkung aber nur verschleiert andeuten, daß der anhaltinische„Ar- beitsdienst" nichts anderes ist, als die Unterhaltung der SÄ. und der SS. aus Steuermitteln. Das wäre allerdings eine„nationale Grund- läge", die erklären würde, warum aus dem ganzen Reich täglich Anmeldungen eingingen. Die Frage ist nur, wie lange die Steuerzahler des rund 350 000 Einwohner zählenden Nazireiches diese„nationale Grundlage" finanzieren können. Einheitsfront der Tat. Harmonischer Ausklang der Lederarbeitertagvng. Der Verbandstag der Lederarbeiter in Frankfurt a. M. hatte «inen erfreulichen Ausklang. Der Verbandsvorstand wurde e i n st i m m i g wiedergewählt. Auch die beiden Oppositionellen haben für den alten Vorstand gestimmt. Sie hatten im Verlauf der Tagung öfter scharfe Kritik geübt Aber weil sie die Praxis kennen, haben sie auch Verständnis für die Schwierigkeiten der Verbandsleitung. Die einstimmige Wiederwahl des alten Vorstandes ist ein Beweis dafür, daß die Arbeit der Verbands- leitung in Frankfurt volle Anerkennung fand. Der Verbandsausfchuß wurde von"l3 auf 11 Personen verkleinert. Das Verbandsgebiet wurde im sieben— bisher zehn— Gaue eingeteilt. Der Redakteur erhält Stimmrecht. Die Gehältc? der Angestellten wurden neu geregelt. Die neuen Bestimmung en des Statuts, die eine teilweife Aenderung der Beitrags- s ä tz«, der Ilnterstützungshöhe, des Eintrittsgeldes usw. vorsehen, treten am 1. Oktober in Kraft. Oie Gewerkschastskrast Oesterreichs. Sie bewährt sich in Ver Krise. Genau wie in Deutschland sind auch in Oesterreich die freien Gewerschaften von der Wirtschaftskrise im vorigen Jahre zwar scharf betroffen, aber zum Leidwesen der Reaktionäre aus ollen Lagern in ihren Grundfesten nicht im geringsten erschüttert worden. Die Arbeitslosigkeit, dieses ärgste Uebel der kapitalistischen Wirtschaft, hat im vorigen Jahr auch in Oesterreich immer neue Beoölkerungs- kreise erfaßt. War die Gesamtzahl der eingeschriebenen Arbeits- losen in Oestereich einschließlich der sogenannten Altersfürsorge- rentner im Jahresdurchschnitt 1930 gegenüber dem Jahr zuvor um fast 59 000 auf 292 521 gestiegen, so schnellte diese Zahl im Jahre 1931 um weitere 70 108 auf 362 629 eingetragene Arbeitslose empor. In dieser Gesamtzahl sind aber nicht die Zahlen der erwerbslosen Land- und Forstarbeiter sowie derjenigen Arbeitslosen enthalten, die auf den Arbeitsnachweisen nicht mehr zur Kontrolle erscheinen, weil sie für die nächste Zeit jede Hoffnung auf Erlangung einer Arbeits- stelle begraben haben. Angesichts dieser Entwicklung auf dem Ar- beitsmarkt kann der Mtigliederverlust von 11,06 Proz., den die freien Gewerkschaften Oesterreichs im Jahre 1931 erlitten haben und der an sich natürlich bedauerlich ist, nicht als unverhältnismäßig hoch bezeichnet werden. Der Gesamtmitgliederbestand ist von 655 204 auf 582 687, das sind 72 517 Mitglieder, zurückgegangen. Mit Recht schreibt der Bund der freien Gewerkschaften Oesterreichs in seinem Jahrbuch: „Betrachtet man das Leichenfeld der österreichischen Wirtschaft, so zeugt es eigentlich von der ungeheursn Kraft der österreichischen Arbeiterbewegung, wenn die freien Gewerkschaften Oesterreichs heute noch eine so große Zahl von Mitgliedern vereinigen. Trotz der ge- waltigen Arbeitslosigkeit ist heute noch immer jeder zehnte Bewohner Oesterreichs, Säuglinge und Greise mitgerech- net, Mitglied einer freien Gewerkschaft." Für Unter st ützungszwecke wurden rund 10,56 Millionen Schilling gegenüber rund 7,64 Millionen Schilling im Jahre 1930 aufgewandt. Bon 34 Proz. der Gesamtausgaben im Jahre 1931 stiegen sie auf mehr als 44 Proz. Allein zur Unterstützung der erwerbslosen Gewerkschaftsmitglieder wurde genau ein Viertel der Gesamtausgaben der österreichischen freien Gewerkschaften ver- wandt. Ueber die Lohn- und Tarifbewegungen, vor allem aber über deren Ausgang finden sich in dem Jahrbuch keine näheren Angaben. So viel ist aber ersichtlich, daß auch die freien Gewerk- schaften Oesterreichs im vorigen Jahr mit den Unternehmern um die Gestaltung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der österreichischen Arbeiter- und Angestelltenschaft schwer gerungen haben. Die öfter- reichischen freien Gewerkschaften sind jedenfalls auch heute noch ein Machtfaktor, den Staat und Wirtschaft respektieren müssen. Die deutsche Regierung ist mit der Vorverlegung der nächsten vitzung des Internationalen Arbeits- a m t e s, die Mitte Oktober in Madrid stattfinden sollte, einver- standen. Die Vorverlegung soll, wie wir bereits gemeldet haben, erfolgen, damit noch im Laufe des September von der Jnternatio- nalen Arbeitsorganisation ein Vorstoß für eine Verkürzung der Arbeitszeit unternommen werden kann. Als Tagungsort für die vorverlegte' Verwaltungsratssitzung wird wahrscheinlich nicht mehr Madrid, sondern Genf in Frage kommen. 0Iuaendgruppe des Zentralverbondes ver Anaestellten Morgen, Montag, sind folgend- Veranstaltungen: Weddiig: Sugend. heim Turiner Ecke S-estrasie. Was bedeutet uns die Versassung?— Rardost Ii! Jugendheim Schönlanter Str. 11. Wir und unsere Kampfgenossen. — Weibeose«! Juaendheim Pistoriusstr. 2«. Vortrag: Episoden au« meinem Leben. R«fer-nt: Dr. Schütte.— Urban: Jugendheim Habrecht. Est, Sander- strasie. Kurzreferate.— Plaletteu sür die Rnti-Srieg»ku»dg«bu»g am 20. Au. gust im Volkspark Rehberge»um Preise von 20 Ps., sowie Eintrittskarten für den„Rie-wieder-Krieg". Abend am 13. August(Film„Niemandsland")»um Preise von 35 Pf. sind im Iugendsekretariat»u haben. §omn&..eMiias .. Viele Zehntauserde •• Im Gebrauch von M und Jung, Alle Füllhalter m Alle Prelelagen QriBtee Jagen Leger Tinten- Zwerg echretet wte V- Fiiedrlch- ttraße 74, 14t, IS3, JSt. Le/pzIgerStr. 113, Ecke Mauerttr. Tauentzlenstr.4, e. WlttenbargpL Spitte/markt IS, Goldfinkecie, Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 7. August. 6: Gymnastik. 6.20; Aus Bremen: Hafenkonzert. 8: für den Landwirt. 8.55: Morgenfeier. 10.05; Wettervorhersage. 11: Aus Stettin: Schwimmen: ..Quer durch Stettin." Start. 11.30: Aus Stettin:..Quer durch Stettin." Ziel. 11.40; Für die Kinder. 12; Aus Hamburg: Mittagskonzert. 14: Elternstunde. 14.30; Max Zodykow liest eigene Dichtungen. 14.55; Blindenkonzert. 15.45; Vom lachenden Denken. 16.10: Populäres Orchesterkonzert. 17.15: Aus Passau; 21. Deutsches Meisterschaftsrudern. 18; Fortsetzung des.Orchesterkonzerts. 18.46: Heiteres von Harry Schreck. 19.10: Kammermusik. 19.50: Sportnachrichten. 20: Berlin, wie es weint und lacht. Ein Possenquerschnitt. 21.50; Vom Zoppoter Waldfestspielplatz:„Lohcngrin". Oper von Richard Wagner. III. Akt. 23,10: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Montag, 8. August. 6; Gymnastik. 6.20; Aus Breslau; Frühkonzert. 7.15; Sonderbericht über die Olympischen Spiele in Los Angeles. Anschließend: Fortsetzung des Frühkonzertes. 11.30: Aus Hannover: Schloßkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 13.25: Sonderbericht über die Olympischen Spiele In Los Angeles. 14; Schallplattenkonzert. 15.20: Frauen, achtet auf eure Gesundheit! 15.40; Der verkannte Goethe. 16.05: Die Schlichtungsverhandlungen als Erkenntnisquelle der Wirtschafts- und Arbeitsmarkt-Koniunktur. 16.30: Konzert. 16.55: Lieder. 17,05: Klaviermusik in Tänzen. 17.30: lugend und Zeitung. 17.50: Militärische Jugendausbildung im Ausland. 18.20: Mit dem Mikrophon durch die Mark: Rheinsberg. 18.30: Sozialpolitische Umschau. 18.55; Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.15: Unterhaltungsmusik. 20: Funk- Kalender(August). 21: Aus Salzburg: Orchester-Serenade. 22.20: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.40: Aus Wien: Abendkonzert. Dienstag, 9. August. 6: Gymnastik. 6.20: Aus Hamburg: Frühkonzert. 7.15: Sonderbericht über die Olympischen Spiele in Los Angeles. Anschließend: Fortsetzung des Frühkonzertes. 11.30; Aus.Königsberg: Mittagskonzert. 12.40: Eine Viertelstunde für den Landwirt. 13.25: Sonderbericht über die Olympischen Spiele in Los Angeles. 14: Schallplattenkonzen. 15.20: Der Einfluß 5er Wirtschaftskrise auf die Frauenarbeit. 15.40: Großstadt und Volksglaube. 16.05: Duette. 16.30; Jugendstunde. 16.50: Bücherstunde. 17.20; Ein vergessener Dichter: Johann Friedrich Frh. v. Cronegk. 17.45; Vom Staatsbewußtsein der Chinesen und Japaner. 18.10; Mit dem Mikrophon durch die Mark; Zechliner Hütte. 18.20: Unterhaltungs- und Tanzmusik. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19; Stimme zum Tag. 19.10: Fortsetzung der Unterhaltungs- und Tanzmusik. 19.35: Aus Frankfurt/Main; Stimme des Grenzlandes; Saarland. 20.30: Alt-Berliner Tänze. 22.10; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Mittwoch, 10. August. 6: Gymnastik. 6.20: Frühkonzert. 7.15: Sonderbericht über die Olympischen Spiele in Los Angeles. Anschließend: Fortsetzung des Frühkonzertes 11.30; Aus Leipzig: Mittagskonzert. 12.25: Wettermeldungen für den Landwirt. 12.30: Einweihung der Otto-Lilienthal-Gedächtnisstätte in Berlin- Lichterfelde-Ost. 13.25: Sonderbericht über die Olympischen Spiele in Los Angeles. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Die kinderlose Ehefrau. 15.40: Ein Tag In einem New-Yorker Warenhaus. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30: Unterhaltungsmusik. 17.30: Kinder-Kalender. 17.50: Ein Kapitel von Zeit und Verkehrstechnik. 18.15: Mit dem Mikrophon durch die Mark; Freienwalde. 18.25: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.30: Nachmittagskonzert. 18.65; Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Rechtsfragen des Tages. 19.35: Chorgesänge. 20; Grenzberichte. 20.20: Eine Stunde Meyer-Helmund(Konzert). 21.10: Von der Gartenbühne des Rose-Theaters; II. Akt aus..Frühlingsluft". Operette von Reiterer. 22; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Donnerstag, 11. August. 6: Gymnastik. 6.20: Aus Chemnitz: Frühkonzert. 7.15: Sonderbericht über die Olympischen Spiele in Los Angeles. Anschließend; Fortsetzung des Frühkonzertes. 11.30: Schallplattenkonzert. 12: Aus dem Reichstag: Verfassungsfeier dtfr Reichsregierung. Anschließend:. Vor dem Reichstag. Hörbericht. 13.25; Sonderbericht über die Olympischen Spiele in Los Angeles. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Die soziale Erziehungsarbeit der Mädchen- Berufsschule. 15.40: Städte mit doppeltem Gesicht. 16.05: Im Kampf gegen die Schmuggler. 16.30; Orgel- und Streichorchester-Konzert. 17.30: Jugendstunde. 17.50: Menschen und ihre Arbeit; Der Kraftfahrer. 18.10: Mit dem Mikrophon durch die Mark: Driesen. 18.20: Helene Kibbat liest eigene Arbeiten. 18.35: Nachmittagskonzert. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. Anschließend: Fortsetzung des Nachmittagskonzerts. 19.30: Kulturpolitische Randbemerkungen zu Auslandsreisen. 20; Orchesterkonzert. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Tanzmusik. Freitag, 12. August. 6: Gymnastik. 6.20: Frühkonzert. 7.15; Sonderbericht über die Olympischen Spiele in Los Angeles. Anschließend; Fortsetzung des Frühkonzerts. 11.30: Aus Hamburg: Mittagskonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 13.25: Sonderbericht über die Olympischen Spiele in Los Angeles. 14; Schallplattenkonzert. 15.20: Rundschau für Blumenfreunde. 15.40: Deutsche in Uebersee. 16.05: Unsere Olympia-Boxer. 16.30: Jugendstunde. 16.50: Das neue Buch. 17: Unterhaltungsmusik. 18; Zehn Minuten Funkhilfe. 18.10: Von der bildenden Kunst. 1835: Mit dem Mikrophon durch die Mark: Pieskow am Scharmützelsee. 18.45: Die Funkstunde teilt mit... 18.50; Stimme zum Tag. 19: Aus Salzburg:„Oberon" von Carl Maria von Weber. 22.30: Wegweiser ins Wochenende. 22.35: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Aus Magdeburg: Abendunterhaltung. Sonnabend, 13. August. 6: Gymnastik. 6.20: Aus Königsberg: Frühkonzert 7.15: Sonderbericht über die Olympischen Spiele in Los Angeles. Anschließend: Fotsetzung des Frühkonzerts. 11.30; Aus Königsberg: Mittagskonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 13.25: Sonderbericht über die Olympischen Spiele in Los Angeles. 14: Schallplattenkonzert. 15.20; Jugendstunde. 15.40: Filmkünstler, die man nicht sieht. 16.05: Blasorchester-Konzert. 18: Korfiz Holm über Korfiz Holm(zu seinem 60. Geburtstag), 18.20: Mit dem Mikrophon durch die Mark: Buckow. 18.30; Eine Viertelstunde Technik. 18.45; Zehn Minuten Sport. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Berliner Gedichte von Helmut Bergmann. 19.25: Gustav Mahler. Lieder eines fahrenden Gesellen. 19.40: Die Erzählung der Woche. 20: Aus München: Konzert für hundert Zithern. 20.40: Tages- und Sportnachrichten. 20.50: Bunter Dialekt-Abend. 22.15; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Königswusterhausen Sonntag, 7. Angnst 6: Aus Berlin: Gymnastik. 6.20: Aus Bremen: Hafenkonzert. Ab 8: Uebertragung aus Berlin. 11.40: Dichterstunde. 12: Aus Hamburg: Mittags- konzert. 14; Elternstunde. 14.30: Straßen der Welt. 15: Menschen im Beruf. 15.25: Aus Breslau; Kinderfunk. 16.10: Aus Berlin; Populäres Orchesterkonzert. 17.15: Aus Passau: 21. Deutsches Meisterschaftsrudern. 18: Aus Berlin: Fortsetzung des Orchesterkonzerts. 18.45: Deutsche Charaktere: Körner 19.06: 15 Minuten Lyrik. 19.20; Aus Leipzig; Ludwig Manfred Lommel mit eigenem Programm. 19.50: Aus Berlin: Sportnachrichten. 20: Aus Hamburg: Bunter Abend. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Montag, 8. Augast. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Uebertragung aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30; Freispruch— aber moralische Verurteilung. 18: Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Aktuelle Stunde. 19.30: Stunde des Landwirts. 20: Aus Breslau:„Das Feld." Ein Ouerschnitt durch deutsche Bauerndichtung. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 9. Angnst. 16: Tradition und Konvention. 16.30; Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30: Provinz und Großstadt in U.S.A. 18: Der Laie und das Klavier. 18.30: Volkswirtschaftsfunk. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Widerstandskraft und Lebensmut. 19.35: Uebertragung aus Berlin. 20.30: Aus Wiesbaden: Sinfonie-Konzert. 21.30: Aus Frankfurt/Main: Werther- Fieber. Eine Hörfolge. 22.25: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.45: Aus Hamburg; Spätkonzert. Abonniert bie Zeitung der Band- und Kopfarbeiter! Ich abonniere die volle Ausgabe des„Vorwärts". zweimal täglich frei ins chaus zum Preise von 3,2a Mk pro Monat(pro Woche 7S Pf.) Ich abonniere den„Sonntag- Vorwärts" zum Preise von S5 Pf. pro Monat. (N'chizutresfendes ist zu durchstreichen.) Name: Wohnung: .Straße Nr.- oorn f)of— Quergeb.— Seiienst.— Tr. links— rechte bei• Ausfüllen und einsenden an den Verlag des„vorwärts" Berlin Sw öS. cindenstrahe 3. Mittwoch, 10. Angnst. 16: Kunstgesehicbte als Weltgeschichte. 16.30; Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30: Parlamentarismus und Staatslührung in der Gegenwart. 18: Die„Alte Bettleroper". 18.35; Das heimliche England. 18.85: Wetterbericht Iflr die Landwirtschaft. 19: Englisch für rortgeschrittene. 19.30: Stunde des Beamten. 30: Aus München:„Maria Stuart", Trauerspiel von Schiller. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.15: Grenz- berichte. 22.46: Aus Hannover; Deutsche Tänze. Donnerstag, 11. Angnst. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17,30: Schwierigkeiten der englischen Aussprache mit praktischen Lautdemonstrationen. 18: Musikalischer Zeitspiegel. 18.30: Spanisch für Eortgeschrittene. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschatt. 19: Aktuelle Stunde. 19.30; Stunde des Landwirts. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Freitag, 12. August. 16: Wie die dänischen Rundfunkteilnehmer Deutsch erlernen. 16.20: Ans Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.80: Frauentum der germanischen Frühzeit 18: Das Cembalo, seine Ausdrucksmöglichkeiten und Grenzen. 18.30; Volkswirts chaitslunk. 18.85: Wetterbericht für die Landwirtschaft. Anschließend; Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 13. Angnst 16: Die Welt des Bauern. 16.30t Au« Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30: Viertelstunde für die Gesundheit. 17.80; Die Pfalz am Rhein, das Land von Wald und Wein. 18.05: Musikalische Wochenschau. 18.30: Der ewige Harlekin. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Englisch für Anfänger. 19.30: Stille Stunde. 20: Uebertragung aus Berlin. 21: Aus Leipzig: Großer Tanz-Abend. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. in ungeheurer Auswahl, für alle, selbst die stärksten Figuren, mit und ohne Pelzwerk zu unübertrefflich niedrigen Preisen. Ulan benutze diese nie niederkehrende(jelegenheil, sich für den Winler au versorgen! 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Seine Wahl war dabei auf einen Mann gefallen, der nicht nur «in flinker und geschickter Schreiber war, sondern auch einer, dem er vertrauen konnte, und der von der großen Erfindung nichts aus- plauderte. Denn der alte Meister verabscheute nichts mehr, als die Neugierde der müßigen Menschen, die zu allem Neuen gelaufen kommen und gucken und schwatzen und fragen und doch alles am nächsten Tage vergessen haben. So arbeiteten die beiden emsig und ungestört an ihrem großen Werk, die Geschichte der Menschheit zu klären und zu vervollständi- gen, und der Famulus des Meisters war gleich ihm darin so versteft, daß er alles um sich her zu vergessen schien. Nun hatte der aber eine Frau und die fühlte sich bald vernach- lässigt von ihrem Mann, und da er ihr nur so im allgemeinen gesagt hatte, er habe Schreibarbeit bei einem gelehrten Meister, wunderte sie sich immer mehr, was ihn daran so fesseln konnte. Und als sie gar erst merkte, daß er ihr nicht sagen wollte, welcher Art seine Arbeit sei, drang sie täglich mehr in ihn und plagte ihn mit Fragen jede Minute, die er zu Hause bei ihr war. Das wurde dem Famulus endlich zuviel, und um Frieden zu haben, erzählte er ihr, nachdem sie ihm hatte schwören müssen, keinem ein Wort davon zu sagen, das Geheimnis von dem wunder- baren Spiegel, in dem man die Vergangenheit sehen konnte.— Wenn er geglaubt hatte, sich damit Ruhe zu verschaffen, so war das freilich ein Irrtum, denn sofort sagte die Frau: „Bring doch den Spiegel einmal mit, damit ich auch einmal meine und meiner Freundinnen Vergangenheit sehen kann." Da lachte der Famulus:„Denkst du, das ist ein Spiegel, den man an die Wand hängen oder am Ende gar in die Tasche stecken kann?I Er ist so groß, daß er in unser kleines Haus gar nicht herein- zubringen ist. Und die Rohre daran und die Schrauben und Räder und Skalen füllen ein ganzes Zimmer aus." Da wurde die Frau erst recht neugierig und eines Tages, als sie wußte, daß der weise Meister nicht zu Hause war und ihr Mann allein vor dem Spiegel arbeitete, schlich sie sich zu ihm. Der Famu- lus war so mit seiner Arbeit beschäftigt, daß er ihre Anwesenheit erst gar nicht bemerkte. Und er schreckte heftig zusammen, als sie plötzlich sagte: „Kannst du den Spiegel nicht so einstellen, daß ich meine Kinderjahre sehe?" „Wie kommst du hier herein und was willst du?" herrschte er sie an. Aber seine Frau gab ihm gute Worte und brachte ihn mit Bitten und Schmeicheln endlich soweit, daß er ihr den Wunsch er- füllte und sie ihre eigene Vergangenheit sehen ließ. Da war nun die Frau ganz hingerissen von dem, was sie zu sehen bekam, und der Famulus sah auch gerne seine Frau, die er liebte, wie sie als kleines Mädchen gewesen war. Und sie saßen lange und freuten sich der Zeit, die vergangen war und nun wieder vor ihnen erstand. Aber plötzlich sagte die Frau:„Kann man nicht auch die Zu- kunft sehen?" „Nein," sagte der Mann,„das kann man nicht. Wie sollte auch ein Spiegel zurückgeben, was noch gar nicht da war?" Aber die Frau meinte:„Wenn man nun diese Schraub« da, die sich immer nach rechts dreht, so daß die Vergangenheit aufmarschiert, nach links drehen würde, dann müßte doch einmal der Punkt kommen, wo die Gegenwart erscheint, und drehte man noch weiter, so müßte die Zukunft zu sehen sein." Und damit fingerte sie schon an der Schraube herum, und der Famulus ließ sie gewähren, denn es steckt in allen Menschen die Gier der Zukunft zuvor zu kommen. Und nach einer Welle war wirklich der Punkt erreicht, wo der wunderbare Spiegel wie ein gewöhnlicher Spiegel widergab, was gerade vor ihm war, nämlich den Famulus und seine Frau. „Siehst du!" sagte die Frau triumphierend und drehte noch weiter nach links. Aber da geschah Seltsames: Statt der klaren Bilder, die in dem Spiegel bisher zu sehen gewesen waren, erblickten sie nun farbige Kreise und Spiralen und Zickzacklinien, die alle durcheinander liefen, so daß ihnen ganz wirr im Kopf wurde. Und immer wilder und toller tanzten die Linien und Farben durcheinander. „Zurückdrehen! Zurückdrehen!" schrie entsetzt eine Stimme hinter ihnen. Es war der Meister, der zur Tür hereinkam. Aber es war schon zu spät. Mit einem schrecklichen Knall zer- platzte der Spiegel und von unzähligen Splittern durchbohrt sanken alle drei entseelt zur Erde. Später fanden die Menschen, was von dem Wunderwerk des weisen Meisters übriggeblieben war. Aber da sie mit den Trümmern nichts anzufangen wußten, warfen sie alles ins alte Eisen. ema SSüjing: SlefUiltCn••• Selbstherrlich traten sie sich einst Pfade durch den Urwald. Im Dauerregen der Tropen, beim blitzdurchzuckten Himmel schwerster Gewitter, beim Giftatem feuchten Bodens waren sie in ihrem Wald. In diesem fast undurchdringlichen Urwald des Kongo, wo selbst das scheue Okapi, das Fabeltier, noch eine nicht von Menschen be- drängte Heimat hat. Ihre mächtigen Säulen stampften Waldboden mit seinem Leben zur Tenne, mit ihren Stoßzähnen hoben sie Bäume aus, sie, die Elefanten vom Kongo. Und nun sind sie, die Mächtigsten der Freien, Arbeitstiere geworden. Ohne Zwang, aus bloßer Gewöhnung, laufen sie neben den Menschen her, schleppen Kautschuk und Elfenbein, um das viele, viele ihrer Tierkameraden gemordet wurden. SU tragen Kupfer und Gold, um das Europa sich in Fieberkrämpfen windet. Man verstaut auf ihren Rücken Diamanten und Menschen. Sie verstehen die Lockungen der Freiheit nicht. Sie, die die Allmacht selbst sind, gehorchen dem Befehl ihrer Ausbeuter. Sie sind berühmt, diese Arbeitselefanten aus dem Kongo. Sie fügen sich herrlich ein in dieses durch Ausbeuterinteressen mannigfachster Art oerkleisterte Weltbild. Auf die Arbeitselefanten ist Verlaß und sollten ein paar sreiheitssehnsüchtige Ureinwohner sich einmal em- pören, dann würden die Elefanten die verwegenen Träumer nieder- trampeln und ihre armseligen Dörfer dazu. Man schätzt diese Arbeitselefanten im Kongo und ihre Fähig- leiten stehen bei allen Unternehmern hoch im Kurs. Sogar der Film nahm sich der Elefanten an und ließ sie, ohne eigenes Wissen, zur Stars emporsteigen. Denn wenn in einem Afrikafilm die Stoß- zähne eines Elefanten im Dickicht aufleuchten, gehören sie einem Arbeitselefanten aus dem Kongo, den man durch Zuruf an den gut zu photographierenden Platz beordert. Auf der Leinwand sind sie, ganz nach Wunsch, die Herren des Urwaldes oder die gefährlichen Einzelgänger, die Menschen annehmen, sowie die Verwüster von Feldern. Die afrikanischen Elefanten geben, obgleich bei ihnen auch die Weibchen Stoßzähne haben, rein körperlich nicht so viel her wie die Inder. Darum kam ein smarter Filmmann auf den Ke- danken, diese Arbeitselefanten vom Kongo künstlich zu vergrößern. Er ließ einfach alle großen Bäume schlagen und stellte die Elefanten neben kleine. Da wuchsen— dank seiner geschickten optischen Ein- stellung— diese Elefanten-Sklaven ins Unermessene. Und in Europa sitzen die menschlichen Arbeitstiere und halten den Atem an, wenn diese Elefanten über die Leinwand warschieren, die ihnen, den armen Stadtgefangenen, alle Wunschträume der Freiheit erfüllen. Sie, die elenden Sklaven aus eigenem Triebe, erscheinen uns als die Helden der Freiheit. Sind sie nicht vielmehr unser aller Symbol? TTallher C. 3. Xlerke: Wochfpannung! 50 Millionen Toll! Volk von 60 Millionen,— das sind wir. k0 Millionen Herzen, die andern: Geld-kauende Rechenmaschinen. 80 Millionen Herzen müssen den Pulsschlag durch Kummer verdienen. Die andern gedeihen auf Wert-Papier. 80 Millionen Volt Spanming nach Leben werden täglich mißbraucht, sich knappe Suppen zu kochen. Den andern kommt das Schlaraffenland schön vor die Füße gekrochen, die andern brauchen das Gold nur vom Boden zu heben. 80 Millionen Volt! Wer dirigiert die Spannung einmal in einen Funken zusammen, den papiernen vergoldeten Moloch niederzurammen, der 80 Millionen Herzen zu Instrumenten gefriert? Flugzeuge surren, Luxus-O-Züge verkehren,— all das gebaut und betrieben mit ihres Lebens bestohlenen 80 Millionen Herzen, um den goldnen papierenen kohlenen erzenen industriellen Moloch zu ehren. Mißbrauch jeder Train-stlmi, der die Schienen hin rollt! Mißbrauch jeder Propeller, der Wolken zerschneidet! Wie lange noch, daß ihr 80 Millionen Herzen das leidet?— Achtung: Hochspannung! 80 Millionen Volt! stete Beginn I.August W> Nechonisch gewebte Srnyma-VelourTeppiche MoGenfobnko! fehlerfrei m.Franse 520 statt 68-,ett36- • 102- Durchqewefate i I•• X XV* Iäää La uferstofre 220„■n'l/ Q- allererste und beste Marstenfabrikote 5 0 40 �■ Statt 560 statt*80 statt Cftstab?60�, Q50 ■560fc 9503 Ourchqewebte Qualitofs-Teppiche allerbestes fehlerfreies Mai kenfabrikot: ie« 89* irai1i)4';>izt1?8' Bettumrandungen 2 Vorloqen 70/1401 CQOO%fl50 1 Läufer 70/350J statt ÜU jetztfc«? 2 Vorlagen 70/1401 1 Läufer 90/35 ol sfati Mengen- abqabe vorbehalten Soweit Vorrat , Bede- klagen Horkenfanrikat -38O 136- 56- 73- Riesenposten Toumay-Teppiche' bewährtes Markenfabr/kof 3§S statt 9 8"jet7t49" W° 148-' W- ' 196--98- Extra schwere Velvet-Teppiche erst.norhenfobr.fenle/frei m. 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Sie wuchsen beim Nachbar links so, wie beim Nachbar rechts. Auch der über die Straße hatte Söhne und Töchter. Millionen Chinesen hatten Millionen Kinder. Einer aus diesen Millionen war Talung Fi. Eigentlich hatte er kupferne Bänder dünn und breit zu klopfen. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang sollte er das tun. Fleißige Schmiede hämmerten auch noch beim öligen Schein der Lampions. Talung Fi war ein nicht ganz recht geratener Sohn. Er tat feine Arbeit. Aber, das Kupfergeklinge liebte er nicht so, wie es fein Vater liebte. Talung Fi sollte nur Kupfer klopfen und seinen Bater ehren. Aber er träumte außerdem noch und trieb schlimmere Sachen. Vom buckligen Schreiber am Nordeck der kleinen Straße lernte er die großen Gedanken der Gelehrten aus der schwarzen Tusche lesen. Er lernte es, alt« Weisheit mit neuen jungen Träumen zu mischen. Wenn Talung Fi auf seiner Bastmatte lag, dann schlief er nicht wie alle ehrlichen Kupferschmiede. Nein, er lag da mit offenen Augen und die schloß er nur, wenn jemand in die Nähe kam. War alles still, dann starrte er wieder dem gelben fetten Mond in das Gesicht. Weil er bei Tag sein Kupfer klopfte, drum ließ man ihn starren. Nur der Vater dachte öfters kummervoll daran, daß aus einem Träumer--- Niemand wunderte sich besonders, als Talung Fi bei einem Verbrechen ertappt wurde. Einem Schwan aus dem kaiserlichen Garten hatte er den Hals umgedreht. Den schönen langen Hals— einfach aus Bosheit umgedreht. So gefährlich find Träumer. Wenn Träumer aber weihen kaiserlichen Schwänen den Hals umdrehen, lange sind sie dann nicht mehr gefährlich. Einmal ge- nießen sie allerdings noch große, unverdiente Ehre. Sie bekommen die seidene Schlinge des kaiserlich-himmlischen Gerichtes um den Hals. Eine seidene Schlinge— zuletzt jedoch starben sie ebenso schnell, wie alle anderen am Hanfseil. Sonderbare Reden führte Talung Fi vor den alten, klugen Richtern. Vom Flug der Vögel sprach er. Wie der Flug der Schwäne so weitausholend vorwärtsdrängend sei. Er dachte nicht an die seidene Schlinge und erzählte ihnen von den langen weißen Schwingen, von den starken Kielfedern der Schwanenflllgel. In Lust formte er mit seinen Händen die weiche Rundung der Flügelenden. Flüsternd lächelnd träumte er vom geruhigen Segeln in warmwehender Luft. Als sie ihn fragten, warum er sie dann tötete, diese stolzen, weißen Schwäne, da leuchteten seine Augen wie im Fieber. Auch der Mensch wolle fliegen, sagte er. Und— der Mensch werde fliegen. Die weisen alten Männer wackelten mit den Köpfen. Jedoch ihre korrekt-vornehmen Zöpse vertrugen nicht viel Gewackel. Die Zöpfe siegchoechber die alten Männer. Der Träumer wurde der himmlischen Güte und der seidenen Schlinge empfohleti.— Weil es kaiserliche Schwäne waren und er der Sohn eines Kupferschmiedes. An diesem selben Frühlingsnachmittag saß Miang, der kaiserliche Drachenbauer, vor viel Seidentuch und Bambusstäben. Miang wohnte in einem großen weiten Haus. Beinahe jedoch war die Vorhalle zu klein für das Bambusgestäbe zum neuen großen Drachen, der beim Fest des Himmels steigen sollte. Miang hatte auch die großen glänzenden Augen der Träumer. Aber sein Mund war klein und hart. Auch Miang hatte große Wünsche. Jedoch kannte er zugleich die Grenze seiner Kraft. Er war voll Phantasie und klug. Prüfend blickte er über das Liniengewirr aus schwarzer Tusche, das wie Spinngewebe auf großen Papierbogen lag. Leise gab Minang seine Anweisungen. Zwei Gehilfen schnitten Bambusstäbe kürzer. Andere spannten rote Seide über einen weiten Bambus- rahmen. Kirschen hingen reif in den Gärten. Alles Volk lächelte und war froh. Freudig bunte Wimpel flatterten an langen Schnüren. Würdigfarbene Fahnen bauschten sich. Peking feierte das Fest vom blauen Himmel. Auf der weiten Wiese bei den kaiserlichen Gärten stand groß und klein, Kopf bei Kopf. Tausend bunte Drachen schwebten in der Luft.» Ein lauer Wind ging. Der nahm jedoch Zusehens an Stärke zu. Hinten im Süden standen ein paar schwere Wolken. Miang. der kaiserliche Drachenbauer, lächelte fein. Wenn die Sonne im Mittag stand, sollte der rote Riesendrachen in die Luft reiten. Es ging der rechte Wind. Das Experiment würde gelingen. Festliches Geklingel zeigte die Stunde an. In langen Reihen standen die Soldaten an den Seilen. Miang nickte.„He, faßt an!" schrie der Hauptmann. Dann klang der langhallende Ton eines großen Gongs. Alle Soldaten hatten fest angepackt und rannten über die freie Grasfläche. Mit einem Ruck sprang dei» große Drachen an. Er bockte ein paarmal, stieg dann höher. Einen Augenblick standen die Soldaten still. Jedoch das rote Ungetüm war noch nicht im Höhenwind. Taumelnd kam der Drachen nieder. Wieder rannten die Soldaten. Gleichmäßig, ruhig, stieg der Drachen jetzt in den anschwellenden Wind. Das Volk jubelte Der kaiserliche Drachenbauer nickte dem An- subrer der Palastwache zu. Gebunden führte man Talung Fi heran. Miang winkte mit den Augen. Da schnitt einer durch die Fesseln. Ungläubig lächelte der Träumer und nahm die steif gewordenen Hände vom Rücken. Ehrfurchtsvoll blickte er auf Miang. Er wußte, daß da» der große kallerliche Drachenbauer sei. Aber bei aller Ehrfurcht mußte Talung Fi dach ein ganz kleines bißchen lächeln. Dos war also der große kaiserliche Drachenbauer. Er brachte viel Bambusholz und Seide fliegend in den Wind. Selber fliegen aber, fliegen wie die weißen Schwäne, das konnte auch er nicht. Miang nickte ihm zu. Talung Fi verbeugte sich tief vor dem Alten. „Flügen wolltest du. wie die Schwäne—* sagte Miang leise. Talftng Fi nickte. „Weißt du. daß der seidene Strick--?* Talung Fi betrachtete die grünen Grasbüschel. „Der Kaiser hat dir einen Weg—* Talung Fi sah auf. „Siehst du die Bambussprossen am Strick dort. Bambussprossen bis zum Drachen." Talung Fi lächelte verstehend und froh. Er sah dem kaiserlichen Drachenbauer frei in die Augen. Miang wandte sich ab.„Gut", sagte er kurz.„Du hast Mut. Klettere hinauf!" Talung Fi kletterte. Das Seil bog sich zu einer Kurve. Aber droben der rote Drachen stand und schwankte nicht. In Spannung folgte das Volk diesem festlichen Zirkus. Talung Fi kletterte leicht und schnell. Am Bauch des roten Drachen hatte Miang ein Bambusgestäbe angebaut. Talung Fi stieg hinein— saß nun auf dem bequemen Sessel. Die Menge jubelte, als sie ihn mit einem weißen Tuche winken sah. Prüfend betrachtete Miang das heranziehende Gewölk. Jede Minute machte den Wind steifer. Dort die graublauen Wolkenfetzen. Der Sturm kam an. Langsam drehte sich Miang zu seinem Gehilfen um. Der hielt eine glimmende Lunte. Miang nahm sie und ging zum Seil, das jetzt straff und steil nach oben ging. Leise schaukelte der riesige rote Drachen hoch droben in der Luft. Stramm zog er am angespannten Seil, an dem er— noch hing. An das Seil geschmiegt lief eine dünne Schnur hinauf. Diese Lunte hatte Talung Fi nicht gesehen. Miang sah nach dem Führer der Palastwach« und nickt«. Dann I hielt er die glimmende Lunte an die Zündschnur. Feiner dünner Rauch lief rasch am Seil entlang. Dann knallte es ein paarmal leicht. Rauchwölkchen sprangen auf. Sich spiralig drehend fielen Oualmbüschel herunter. Noch geschah weiter nichts. Nur das Volk war unruhig ge» worden und drängte auseinander. Das hatte Miang erreichen wollen. Jetzt gab es einen harten kurzen Schlag. Diesmal sah man keinen Rauch. Das größte Stück vom Seil fiel klatschend auf die Wiese. Schweigend verfolgte die Masse das Schauspiel. Droben taumelte der rote Drachen in den Böen. Einen Augenblick schien es, als wolle er sich drehend auf die Wiese stürzen. Das Gesicht des kaiserlichen Drachenbauers war hart und bleich. Seine weißlichen Hände hatte er in die weiche Seide des Kleides verkrampft. Plötzlich ging ein befreiendes Lächeln über fein Gesicht. Die Hände lösten sich, hingen frei herab. Das Volk jubelte über ein gelungenes Schauspiel. Der rote Drachen hatte sich aufgerichtet. Pfeilschnell flog er nun mit dem fliegenden Wind nach Norden. In wenigen Minuten gab es am Himmel nur einen winzigen roten Punkt. Nach einer Viertelstunde war auch dieser längst den Augen Pekings entschwunden. Nur Miang wartete in den folgenden Wochen auf Nachricht über seinen roten Drachen und auf Nachricht über Talung Fi. Miang wartete. Er wartete vergeblich. Niemand brachte ihm Kunde aus dem Norden. Deshalb baute Miang keine Riesendrachen mehr, ob- wohl das Volk sein Schauspiel haben wollte. Jedoch, als im nächsten Sommer über viele Münder die Kunde zu ihm lief, daß droben im Norden beherzte Männer einen Jüngling aus den Klauen eines roten Ungetüms befreit hätten. Da lächelte der kaiserliche Drachenbauer wieder. Er bestellte viel langes Bambus- holz und schwere Rollen roter Seide. ange stramm: 3 ch wollte vticltl aber.. Nun spannt der Himmel sich blau und hoch über die Schluchten der Hinterhöfe Berlins und die weißen Wolken ziehen darüber, die- selben Wolken, die auch über Wälder ziehen, über die Weite schilf- umrauschter Seen und über die Felder, auf denen sie jetzt das Korn schneiden. Es riecht nach Sommer in den Höfen. Das ist in der Stadt kein Duft von Heu und blühenden Hecken. Das kann wohl auch hier ländlich nach Kuhstall riechen, nach einem Kuhstall, der zwischen den schwarzen Brandmauern zweier Häuser niedrig und kalkig weiß eingezwängt ist, und in dem Kühe stehen, die nie die Sonne sehen. Das ist manchmal auch Dust von Blumenstöcken, die auf Küchenfenfterbrettern stehen. Immer aber ist dabei der Geruch der Müllkästen, die in der Hitze dünsten. Ich habe dies alles nie so empfunden wie dieses Jahr. Da» ist, weil ich nicht verreise. Sonst sind die meisten Sommerwochen nur ein großes Warten auf die Reise gewesen. Man träumte immer schon voraus, ist innerlich lange vorher schon den Mauern und den lärmenden Straßen der Stadt entflohen gewesen. Nun ist es anders. Ich suche zum ersten Male den Sommer in der Stadt, suche ihn sehnsüchtig und voll heimlichen Bangens. Und finde ihn wirklich. Berlin ist schön auch im Sommer, trotz der Gerüche seiner Keller und Höfe. Ich gehe die Linden herunter. Die Bäume blühen nicht mehr. Nur die Blätter flüstern im Abendwind. Funkelhell gehen wie Feuerwerk Reklamelichter auf. Auf allen Kaffeehaus- terrassen sitzen Menschen in hellen Kleidern wie Blumen in ge- pflegten Beeten. Ueberall klingt Musik, aus allen offenen Fenstern, allen klirrenden Drehtüren der Hotels. Hinter dem Brandenburger Tor zwischen den uralten, raunenden Bäumen des Tiergartens plätschert ein Springbrunnen in warmer Nacht. Und bis Moabit bilden auf allen grünumhüngten Bänken die Liebespaar« eine Kette von Zärtlichkeiten. Oder Sternschnuppen fallen über alte Brücken und Mondlicht spiegelt in der Spree, da wo die Häuser am Ufer am ältesten sind und die Leute noch aus einem Küchenstuhl vor der Tür sitzen und manchmal eine Mundharmonika klingt. Aus dem holprigen, noch sonnenwarmen Pflaster bricht das Gras, als dürfe es auch hier Blüten tragen. Ich spüre, daß auch in der Stadt der Sommer viel heimliche Freuden schenkt an jene, die sie suchen. Eines nur ist seltsam. Seitdem meine Freund« wissen, daß ich nicht verreise, sind sie alle viel netter zu mir und viel aufmerksamer. Nie habe ich soviel Ansichtskarten bekommen! Karten mit Burgen darauf auf felsigen Höhen, Karten mit einem Segelboot auf mond- beglünztem Meer oder mit vielen Menschen an einem Sondstrand oder vor einem mit Springbrunnen umrahmten Kurpavillon. Ich blicke manchmal etwas wehmütig darauf, aber ich bin nicht neidisch, nein! Ich bekomme auch jetzt viel öster Besuch als früher und sie bringen mir auch manchmal Blumen mit oder Schokolade und er- zählen sehr viel von sich, ihren Erlebnissen und Psänen. Wahr- scheinlich haben sie Mitleid mit mir, weil ich nicht oereisen kann, als wenn es nicht Menschen genug gäbe, die dies niemals können und Mitleid nötiger brauchten. Ich bin nun gerade so weit, zu finden, daß dies vielleicht mein schönster Sommer ist, der Sommer, da ich der Heimai lausche und meiner nächsten Umgebung ganz hin- gegeben bin. Der Sommer' offenbart sich mir so viel stärker als in Bergen oder am Meer, die allein schon von der Jahreszeit un- abhängige, elementare Erlebnisse sind. O, ich saminle den Somnier ein wie niemals. Ich sehe sein Lächeln in ollen Straßen liegen, die sonst grau und oerschattet waren. Nun lassen alle Häuser mit offenen Fenstern weit den Himmel ein und schmücken sich sestlich mit den Blumen ihrer Balkons. Nun trägt auch das ärmste Mädchen ein weißes Kleid. Es lohnt sich schon, glücklich zu sein, nur weil es Sommer ist. Es lohnt sich für alle. Dies habe ich meinen Freunden gesagt. Da aber war es vorbei mit ihrer Güte. Da schrien sie alle durcheinander:„Du host gut reden! Aber hungere du erst einmal!... Habe du erst einmal im Gefängnis gesessen!" Ja, auch das wurde gesagt. Obgleich, solange ich sie kannte, noch nie jemand gehungert hatte, bezogen sie sich doch alle mit ein in das Elend der Zeit, empfanden alle meine Worte als einen Vorwurf gegen sich selbst. Ja einig« brüsteten sich sogar mit Not und Eni- behrungen einer Jugend in elenden Verhältnissen, mit kleinen Ver- fehlungen, die aus dieser Not geboren waren, sie taten es so, wie man früher mit der„guten Kinderstube" renommiert hat. Ich schämte mich sehr, daß ich in m«inem Leben noch nichts derartiges aufzuweisen hatte und daß ich glaubte, man könne noch glücklich sein auch ohne viel äußeren Besitz. Allmählich aber lern« ich jetzt, das Verhalten meiner Freunde verstehen und es scheint mir dies die Krankheit unserer Zeit zu sein: Es gehört zum guten Ton zu Nagen, es ist einfach Mode! Schamvoll, es eingestehen zu müssen angesichts so vielen wirtlichen Elends: Es Nagen viele ohne zu leiden. Denn es Hot Vorteile. Ich merke es jetzt! Und es macht andern Freude! Alfa werde ich mich auch dazu entschließen müssen. Denn wirklich: Wenn eine Freundin bei mir anrief:„Wie geht es dir?" und ich erzählte ihr darauf begeistert, daß ich verreisen würde, daß ich viel eingeladen würde, daß meine Arbeiten Erfolg hätten... dann antwortet« sie mir nicht mehr viel I und rief sobald nicht wieder an. Aber seitdem ich antworte:„Danke. Wie soll's gehen, die Sommerreise muß ich mir schenken!...", o, da ist sie so nett und lädt mich ein und borgt mir Bücher und den Schnitt zu einem Strandanzug... auch in Wannsee braucht man den! Sie führe ja nun doch noch an die Ostsee, aber es wäre so surchtbar billig... Wie nett die Menschen doch sein können! Es lohnt sich zu klagen! Und man sollte es wirklich schon aus Menschenliebe tun, weil es jedem irgendwie wohl tut, wenn es dem andern schlechter geht als ihm... Also ich wollte nicht klagen, aber... Ein Sommer am Meer ist wohl doch schöner als in der Stadt! Und so ganz leicht ist es auch nicht, den Sommer in der Stadt zu suchen, wenn aus allen Bahn- Höfen die Züge in die Ferne rollen und auf allen Tttelbildern illustrierter Zeitungen Menschen auf Berge klettern oder bronze- glänzend im Sand liegen. So ganz leicht ist einem dabei nicht immer ums Herz. Aber ich will doch nicht klagen. Es gibt noch soviel anderes Schöne! Ich mache die allgemeine Mode nicht mit, nein, ich nicht! ZDeutfche Sozi alt ften Moses Heß(1812—1875). Das sozialistische Problem ist freilich kein deutsches; es ist ein menschliches. Nur Leute, die nicht weiter denken als ihnen vor- geschrieben ist, und deren Fllhlfäden soweit reichen wie die Fühl- hörner eines Insektes, Leute, die nur mit den Augen des Magens sehen und daher nicht an den Hunger glauben, wenn sie satt sind— sie können die Unruhe weniger Köpfe und das Knurren vieler Magen und das Murren aller Herzen nicht beachten. Aber es sollte auch diesen Magentieren, freilich auf einem Um- wege und daher etwas später, zum Bewußtsein gebracht werden, daß sich in Deutschland nicht nur die beiden Parteien der„Staats- männer" und„Untertanen", sondern noch zwei andere, eine satt« und eine hungernde, einander gegenüberstehen— und daß man sich aus bloßem menschlichen Gefühle— obgleich die Logik des Herzens ihnen als eine ebenso leere Abstraktion und hohle Theorie wie die Logik des Kopses erscheint, klar werden, daß man sich aus purer menschlicher Kaprice zur Partei der Proletarier schlagen könne. Seitdeni ist es erlaubt, sich, ohne den Anstand zu verletzen, für die hungernde Partei auszusprechen, und die Industriellen müssen so gut wie die anderen Ritter sich daran gewöhnen, die Stimme der Zeit zu hören, ohne zugleich schoßhündifch zu junkern... Mit welchem Gegner sind wir doch zu kämpfen verdammt! Neulich noch, als bei Gelegenheit der fchlesischen Arbeiteraufstände von der Gleichheit der Menschheit die Rede war, erhob sich ein Commis voyageur von seinem Sitz an der Table d'höte und warf mir sieg- gewiß die Frage entgegen:„W er soll denn meine Stiefel wichsen, wenn alle Menschen gleiches Glück haben?" Ich sagte ihm:„Wenn Sie Ihre Stiefel durchaus ge- wichst haben wollen und es findet sich niemand, der es ihnen vortun mag, dann müssen Sie es selber tun; das Unglück wäre nicht so groß wie manches andere." Er erklärt« mich für einen abstrakten Logiker und Metaphysiker und fuhr fort, konkret zu essen und zu trinken Diese tierische Angst vor der Frecheit und Gleichheit'und was man sonst noch gelehrt und ungelehrt über die Nachteile saselt, welche den Wissenschaften und Künsten aus der gleichen Berechtigung aller Menschen zur vollständigen Entwicklung des menschlichen Wesens erwachsen würden, hat seinen Ursprung teils in der Un- bekanntschaft mit den bereits gemachten Fortschritten in der Mechanik— welche die mechanischen Arbeiten der Mensche» auf ein Minimum Reduzieren— teils in der Unbekanntschaft mit dem Wesen der materiellen Produktion, welche letztere mit der geistigen stets gleichen Schritt hält, und deren vollständige Entwicklung erst dann beginnen kann, wenn der Entwicklung des menschlichen Wesens überhaupt keine Hemmnisse mehr entgegenstehen— vor allen Dingen aber in der Unbekanntschaft mit dem Wesen des Menschen selbst, in jener egoistischen Borniertheit, die wir zu enthüllen nicht müde werden dürfen. TTlalaiijche Sprüche Ein Lastträger soll nicht eines andern Last tragen, und ein Un- schuldiger nicht für einen Schuldigen bestraft werden. Fürchtet euch vor dem Gebet der Unterdrückten, auch wenn sie Heiden sind; denn der Herr wird sie erhören. Scheue nicht Arbeit und Kampf: aber laß beide nicht dein« Weisheit überwuchern. Der Unverständige behandelt olle geringen Leute mit Hochmut und Geringschätzung. Der Weise ist höflich zu denen, die unter ihm stehen. Wie willst du einen Feind überwinden, wenn du dich nicht selbst überwinden kannst? Gesammelt und bearbeitet von Walter Meckauee,