BERLIN Mntag 8. Allgllst 1932 Nr. 370 B 180 49. Jahrgang Redaktion u. Expedition: Berlin SW 68, Lindenftr.z Tel. A7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntage Zugleich Abendgusgabe de»„Vorwiirts". Bezugspie I» fiirbeideAusgaben7ZPf. pro Woche, Z,2ö M. pro Monat(davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 8.97 M. einschließlich Vf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebühren. Anzeigenpreis: Di« lsplt. MMi- meterzeile SO Pf. Die Rellamezeile kostet 2 Mark. Rabatte n. Tarif. Svlseiie» Rutsch und Kuhhandel - -v** V v Präsidialregierung oder horgerbioch? In dieser Woche beginnen die Verhandlungen, die über die künftige Regierungsweise in Deutschland entscheiden sollen. Zwei Strömungen werden deutlich sichtbar. Die eine, die hauptsächlich von den Deutschnationalen getragen wird, will auf die reine„Präsidialregie- r u n g" hinaus, die sich um den Reichstag möglichst wenig kümmert und auch den offenen Konflikt mit ihm nicht scheut. Wie der dabei unvermeidliche Verfassungsbruch juristisch be- mäntelt werden kann, wird in der deutschnationalen Presse ausführlich erörtert. Die zweite Strömung, deren Träger im Lager der Nationalsozialisten einerseits, des Zentrums und der Bayerischen Volkspartei andererseits zu suchen sind, erstrebt eine Parlamentarische Mehrheitsbildung. Einige Nationalsozialisten sollen Minister werden, und die so neu- gebildete Regierung soll vom Zentrum unter bestimmten Be- dingungen toleriert werden. Die umgebildete Regierung würde sodann nach dem bisherigen Sprachgebrauch eine Bürgerblackregierung sein, in der die Deutschnatio- nalen eine verhältnismäßig sehr bescheidene Rolle spielen würden. Darum sind die Deutschnationalen heftige Gegner der zweiten Lösung, die natürlich auch im Zentrum und bei den Nationalsozialisten große Widerstände zu überwinden hätte. Natürlich wird auch an ein K o m p r o m i ß zwischen den beiden Strömungen gedacht— und das ist in diesem Augen- blick die offizielle Lesart. Man macht einen Bürgerblock und nennt es eine Präsidialregierung. Offiziös gesprochen: Man denkt an die Heranziehung einiger„Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens"(lies Nazis), aber nicht wegen ihrer parteipolitischen Bindung, sondern wegen ihrer fachlichen Eig- nung.(„Fachminister",„Kabinett der Persönlichkeiten".) Im Hintergrund steht als dritte Lösung die gewalt- same Machtergreifung durch die NSDAP., der hundert- prozentige Faschismus. Seine Anhänger sind Gegner aller Verhandlungen— es sei denn, sie betrachteten die Verhand- lungen nur als ein Mittel, den Gegner zu übertölpeln und zu zermürben. Putsch oder Kuhhandel ist die Frage. Die größere Wahrscheinlichkeit spricht für Kuhhandel— wenigstens in der heute beginnenden Woche. Bomben in Schlesien. Attentat auf Zentrumsorgan. Beuthen. 8. August.(E'igenbericht.) In der Nacht zum Sonntag wurde auf die Haupt- geschäftsstelle der Zentrumszeitung„Oberichlesischc Rundschau" in Ratibor ein Handgranatenanschlag verübt. Das große Schaufenster des Verlagsgebäudes wurde zertrümmert. Um die gleiche Zeit ist ein Anschlag auf das Gebäude der Allgemeinen Krankenkasse versucht worden. Am Sonntagmorgen fand man im Innern des Gebäudes eine Handgranate, die jedoch nicht explodiert war. Außer- dem fielen in verschiedenen Stadtteilen R a t i b o r s in der Nacht zum Sonntag wiederholt Schüsse, ohne daß die Schützen bisher hätten festgestellt werden können. Ter Vombenattentatc verdächtig sind drei SA.» Leute, die unmittelbar vor dem Attentat auf das Ver- lagsgebäude des Zentrumsblattes in dessen Nähe gesehen worden sind. Terror in Waldenburg. Bomben und Zeuerüberfälle. Waldenburg. 8. August. Auf dos Geschästsgebäude der sozialistischen..Bergwacht" wurde heute früh gegen 3 Uhr ein Anschlag verübt. Vier große Schaufensterscheiben wurden durch Steinwllrse und Revolverschüsse zertrümmert. In der Buchhandlung durchschlugen die Kugeln die Rahmen des Schousensters und beschädigten die Einrichtung. Zur gleichen Zeit wurden zwei große Schausensterscheiben eines Kaufhauses bei Waldenburg durch Steinwürfe zertrümmert. Ferner Generalstreik in Belgien Evolutionäre Stimmung der Bergarbeiter Brüssel, 8. August.(Eigenbericht.) .jec belgische Bergarbeiter-Verband hielt am Sonntag in Brüssel einen außerordentlichen Kongreß ab. um die Loge in den Streikgebielen zu besprechen. Bekanntlich hält der Streik in den drei Kohlenrevieren des Hennegaues nun schon über einen Monat an. Die Stimmung unter den Delegierten des Kongresses war eine außerordentlich gereizte. Die Arbeiter sind auf's höchste erbittert über den hartnäckigen Widerstand der Zechenbesitzer gegen eine Erhöhung der tief unter das Existenzminimum herabgesunkenen Löhne. Die Erbitterung wird erhöht durch die Verwendung von Soldaten zu verschiedenen Streikhrc6)erorbeiten. Die erste En«. schließung des Kongresses galt einem sehr scharfen Protest gegen diesen Mißbrauch der Truppen. Bach langer Debatte über den tahnkampf selbst beschloß der Kongreß die Prokla- wierung des sofortigen Generalstreiks im ganzen belgischen Kohlenbergbau. Der Streik beginnt am Montag, dem S. August. Ferner wurden die zentralen Leitungen der Arbeiterpartei und der Gewerkschaften ersucht, die Frage der Ausdehnung des Streck? auf alle anderen Gewerbe des Landes zu prüfen, um so die Forde- rungen der Bergorbeiter zu stützen. Reben der Nachprüfung der niedrigsten Lohnklassen, die bereits grundsätzlich von den Zechen- besitzern angenommen ist, betreffen diese Forderungen vor allem die Ablehnung des Lohntariss in dem Sinne, daß der Preis der Kohle nicht mehr bei der Berechnung des Lohnes berücksichtigt werden muß. In der Praxis läuft die Annahme dieser Forderung aus eine öproz entige Lohnerhöhung hinaus. Der Kongreß fordert die Durchführung dieses Lohntarifcs erst vom 1. September ab, um so den Zechenbesitzern die Möglichkeit zu geben, von den Kontingen- tierungsmaßnahmen, die die Regierung zum Schutze des Bergbaues versprochen hat, Nutzen zu ziehen. Bisher hatten die Unternehmer sich nur dazu bereit erklärt, die Frage eines neuen Lohntarifes einer besonderen Kommission zu unterbreiten. Streikbeschluß durchgeführt. Brüssel, tst. August.(Eigenbericht.) Nach den bis heute mittag aus den Kohlenrevieren von Lüttich, Namur und Limurg vorliegenden Räch- richten— in den anderen Kohlenrevieren befanden sich die Bergarbeiter im Streik— ist der Streikbeschluß vom Sonntag allgemein durchgeführt worden. Man hofft, daß die Arbeiter ihre an sich bescheidenen Forderungen durch- setzen werden. Bemerkenswert ist die tiefgehende llnzu- friedcnheit innerhalb der beteiligten Arbeiterschaft, die man als revolutionäre Stimmung bezeichnen kann. Tiefe Stimmung wendet sich gegen das ganze System der kapitalistischen Ausbeutung. (Siehe auch die Beilage.) Der Führer .Ich habe die SA. fest in der Hand,- und was die SA. in der Hand hat, das geht mich nichts an!" wurden gegen �-4 Uhr vier Revolverschüsse aus die Wohnung des sozialdemokratischen Amts- und Gemeindevor- st c h e r s in Dittersbach bei Waldenburg abgegeben. Auch hier wurden die Fenster zertrümmert. Als Täter kommen zwei bisher unbekannte Motorradfahrer in Frage. Oer Maulkorb. Das„Sächsische Bolksblatt" verboten. Das sozialdemokratische„Sächsische Volksblatt" in Zwickau ist wegen verschiedener Artikel ab 8. August von der Polizeidirektion Zwickau aus süns Tage verboten worden. Gegen das verbot ist vom Verlag und von der Redaktion B e- schwerde eingelegt worden. Die Schüsse von Anklam. Im Hose ein SA-Heim.- Familie des Sozialdemokraten wird niedergeknallt. Anklam, 8. August.(Eigenbericht.) Die bürgerlichen Nachrichtenagenturen, die über die Schießerei in Anklam aus die Wohnung des Sozialdem- k r a I e n, des Tischlers R a t s ch a k, berichteten, verschwiegen schamhaft. daß sich aus dem hose des betreffenden Grundstückes ein heim der SA.- Leute befand. Genosse Ratschak ist als Mitglied der Eisernen Front hervorgetreten. Er sollte seine Wohnung räumen und hatte sich bereits auch um eine andere bemüht. Anscheinend ist das Attentat von einer auswärtigen Terror- g r u p p e ausgeführt worden. Es wurden 5 bis 8 Schüsse aus die Fenster des Schlafzimmers der Familie Ratschak abgc- geben. Die Behauptung, es habe sich um einen Anschlag aus die Nationalsozialisten gehandelt, wird schon dadurch widerlegt, daß die Wohnung Ralschaks sich in dem Gebäude des Vorderhauses befindet, und daß die Schüsse ausgerechnet aus die Fenster des Schlafzimmers gerichtet waren, während das S A.- h e i m in einem Hofgebäude untergebracht ist. Den verletzten geht es, den Umständen entsprechend, leidlich. Die Polizei, die die Untersuchung führt, hüllt sich in tiefstes Schweigen, so daß über die Ermittlungen bisher noch nichts weiter berichtet werden kann. Ausfällig ist, daß an dem gleichen Abend im Garten des Schützenhauses Nationalsozialisten in Uniform bemerkt wurden: es fand nämlich dort eine Reichsbonnerversammlung statt. Die Nazis verschwanden, als der Garten von Polizei und Reichsbanner durchsucht wurde. Es ist anzunehmen, daß dieser Vorgang mit dem Attentat in Verbindung steh»._ Handgranaten in Wohnungen. Republikaner sind Freiwild. Breslau. 8. August.(Eigenbericht.) Zn der Nacht zum Wonlag um 2.30 Uhr wurden in Groß- heidersdors und Groh-Kniegnih im kreis Breslau zwei Bombenallentate verübt. Zn Groß-Heidersdors warfen die Täter eine Handgranate in die Mordanschläge in Masuren Z�eichsbannerführer in Lotzen erschossen Backstube des Sozialdemokralen Kaufmann und richkelen erheblichen Schaden an. Eine halbe Stunde später wurde die Wohnung eines Relchsbannerkameraden in Groh-Sniegnih durch eine ins Schlaf. zimmer geworfene Bombe vollständig zerstört. Personen wurden nicht verletzt. Englische Mahnung an die �eichsregierung. London, 8. August. Die konservative„Time s" schreibt in ihrem Leitartikel die Bluttaten und Attentate in Deutschland zumeist den Nationalsozia- listen zu. Der Artikel sagt, die Reichsregierung müßte mit größter Unparteilichkeit und Schärfe die Ordnung wiederherstellen. Irgendeine Schwäche oder ein Zögern der Reichsregierung könne nicht nur angesichts der jetzigen aufgeregten Stimmung in Deutsch- land sehr gefährlich sein, sondern schädige auch das Ansehen der Reichsregierung im In- und Auslande. Sollte die Regierung es für richtig halten, einige Nationalsozialisten ins Kabinett aufzunehmen, so sei sie m e h r a l s j e zu scharfer Ueberwachung der unruhigen Elemente verpflichtet. Man müsse aber stark bezweifeln, ob die Führer der Nationalsozialisten diese Elemente unter ihrem Banner noch weiter wirkungsvoll in der Gewalt hoben. wenn junge, leicht erregbare Leute jahrelang mit einer giftigen Propaganda gefüttert würden, fo verlöre man sie leicht aus der Hand, besonders in einem Lande wie Deutschland, wo die Arbeitslosigkeit und die wirtschaftliche Verelendung das Vertrauen zur Staalsautorilät untergraben habe. Die Hoffnung, der Sturm des Unmuts werde sich von selbst tot- laufen, sei unberechtigt. Eine derartige Entwicklung könne eine Gefahr nicht nur für Deutschland, sondern für den Frieden Europas werden. Die Reichsregierung müsse, wie auch immer die Verhandlungen mit den Nationalsozialisten ausgehen, sich ihrer o b e r st e n Pflicht, die Ordnung aufrechtzuerhalten, bewußt werden. Sollte sie hierbei nicht die Unterstützung der national- sozialistischen Führer finden, so müsse sie das Mißfallen dieser Partei tapfer hinnehmen und alle ihre Macht benutzen, um sried- liche Bürger zu schützen und dem Gesetze unparteiisch Nachdruck zu verleihen. Die Feuerwehr von Alzenau. Feuerlöschen nach Gesinnung. Diese Feuerwehr verdient, daß man ihr ein weithin sichtbares Denkmal setzt. Das Haus eines Republikaners in Alzenau, der zur Wahl die Freiheitsfahne ausgehängt hatte, war von Bubenhand in Brand gesetzt worden. Aber die brave Feuerwehr von Alzenau— meist aus Nazis bestehend— weigerte sich standhaft, zu löschen. Keine Ueberraschung! Ueber die Rechtspflege hat jüngst der „Völkische Beobachter" Adolf Hitlers den Satz geschrieben:„Nicht auf den Tatbestand» sondern auf die politische G e s i n- nung des Täters kommt es an". Auch dieser Satz ist viel zu wenig beachtet worden. Es ist die grundsätzliche Absage an die Ge> rechtigkeit. Andere Systeme, wie z. B. das kaiserliche Deutschland, handelten ungerecht, maßen heimlich den Patrioten und den Sozial- demokraten mit zweierlei Maß. Aber doch nur heimlich. Nach außen hin wahrten sie wenigstens das Gesicht, bekannten sich zum Grund- satz des gleichen Rechts. Schon der A l t e F r i tz, den die Nazis— spotten ihrer selbst und wissen nicht wie!— den„ersten Nationalsozialisten" getauft haben, hatte in einem berühmten Reskript den Satz aufgestellt:„Ob Edelmann oder Bauer, vor der Justiz muß olles gleich sein". Erst den wirklichen Nationalsozialisten blieb es vorbehalten, diesen Grundsatz in einer Antithese umzuwandeln: „Nicht auf den Totbestand, auf die politische Gesinnung des Täters kommt es an". Nun, was der Justiz recht ist, das ist der Feuerwehr billig. Warum soll es nur auf die Gesinnung des Angeklagten ankommen, warum nicht auf die Gesinnung des Abbrennenden?— Natürlich wird auch die P o l i z e i im„Dritten Reiche" dadurch nicht zurückstehen dürfen, namentlich, sobald nach oldenburgischem Muster die Polizeisunktionen auf die SA. übergegangen sind. Was tut entsprechend Alzenau ein Polizist, wenn er sieht, daß ein Menschen- entsprechend Alzenau ein Polizist, wenn er sieht, daß ein Mensch auf der Straße erschossen wird? Er schaut zunächst nach dem Rock- o u s s ch l a g des im Blute Liegenden, ob er ein politisches Ab- zeichen entdeckt. Trägt der Erschossene die drei Freiheitspfeile, so wird der biedere Polizist des„Dritten Reiches" gar nichts tun oder höchstens dem Sterbenden noch einen Fußtritt versetzen. Eni- deckt er dagegen eine Hakenkreuznadel, so wird er sich eilig an die Berfolgung der Täter machen. Die Feuerwehr handelt wie in Alzenau. Es gibt da allerdinge keine j u r i st i s ch e Bedenken. Nach dem Strafgesetz ist ein Unterlassen einem st rasbaren Tun gleich zu achten, wenn eine Rechtspflicht zum Handeln bestand. Eine Feuerwehr, die vorsätzlich einen Brand nicht löscht, macht sich nach dem Gesetz der Beihilfe zur Brandstiftung schuldig! Aber wir werden ja sehen, ob die Staatsanwaltschaft gegen die Feuerwehr von Alzenau Anklage erheben wird, oder ob die systematische Einschüchterung der Strasverfolgungsbehörden durch die Kube und Freisler schon Wir- kung zeigt. Das übrige ergibt sich ziemlich von selbst: der Arzt, der Sa» mariter, die Krankenschwester des„Dritten Reichs", sie handeln alle nach dem Grundsatz der Feuerwehr von Alzenau: wer nicht die richtige Gesinnung hat, dem wird nicht geholfen. Wir empfehlen allen, die Feuerwehr von Alzenau in Erinne- rung zu behalten. Sie ist das beste Symbol des„Dritten Reiches", das bekanntlich beruhen soll auf der— Ueberwindung des Parteigeistes! Ekman und Kreuger. Oer schwedische Premiersturz. Stockholm, 8. August.(Eigenbericht.) Der Rücktritt des schwedischen Ministerpräsidenten C k m a n ist daraus zurückzuführen, daß Ekman von Kreuzer vor wenigen Monaten einen Scheck über SÜOOO Kronen für seine Freisinnige Partei erhalten, den Empfang aber bis Freitag trotz Vorhaltungen� der Konkursverwalter bestritten hat. Ein maßgebendes Blatt teilt dazu mit: „Seit dem Ausammenbruch Kreuzers und dem Beginn der Eni- hüllungen über feine Verbrechen bestand der allgemeine Wunsch, alles, was im Zusammenhang mit Kreuzer steht, zu lequidieren und die Verantwortlichkeit aller Personen festzustellen, die durch Ver- bindunzen mit Kreuzer kompromittiert sind. Im Licht« dieser Gefühle rnuß man auf die Schnelligkeit sehen, mit der der König und die Mitglieder der Regierung den bisherigen Ministerpräsidenten Ekman von seinem Amte entfernten, als sich herausstellte, daß er in seiner Eigenschaft als Führer einer politischen Partei zu einem Zeit- punkt finanzielle Beziehungen zu Kreuzer unterhielt, da er hätte wissen müssen, daß die Lage der Kreuzer- und Toll-Gesellschaft wcht mehr völlig solid war." Königsberg i. Pr.» 8. August.(Eigenbericht.) Am Sonnabendabend wurde in Löben der dortige Führer des Reichsbanners Kobahn vor dem Hause des Landarbeiterverbandes von Nationalsozialisten erschossen, ftobahn erhielt einen Schuß in die Herz- gegend. Er war sofort tot. Auf das Haus des Landarbeitervcrbandes in Löben waren in letzter Zeit wiederholt Anschläge von national- sozialistischer Seite geplant. Fn dem Hause befindet sich deshalb seit einigen Tagen eine mehrere Mann starke Reichsbanncrtvachc. Am Sonnabendabend umstellten etwa 35 Nationalsozialisten das Haus. Später wurden Verstärkungen herangezogen. Als.Kotzahn dann auf die Straße ging, wurde er ohne jeden Anlaß angefallen und aus etwa 3 Meter Entfernung nieder- geschossen. Schließlich versuchten die Mörder mit der Waffe in der Hand vergeblich, in das Haus des Land- arbeiterverbandcs einzudringen. Sic gaben noch mehrere Schüsse ab, durch die wie durch ein Wunder jedoch nie- mand verletzt wurde. Tann zertrümmerten sie noch die große Schaufensterscheibe des Gebäudes durch mehrere Schüsse und ergriffen die Flucht. Die Polizei hat bisher 12 Nationalsozialisten unter dem Verdacht der Mittäterschaft verhaftet. Dem eigent- lichen Täter ist man angeblich ebenfalls auf der Spur. Er soll ans einem Torf in der Nähe von Lützen stammen. Wie der Mord geschah. Zu dem Anschlag auf den Reichsbannerführcr Kotzahn und dem Angriff auf das Landarbeiterfekrctariat in Lätzen meldet uns die Leitung des Königsberger Reichsbanners noch folgende Einzelheiten: Die Attentatsseuche in Ostpreußen hat jetzt nach Masuren über- gegriffen. Während in der vergangenen Woche das Samland und der Nordosten der Provinz das Zentrum der nationalsozialistischen Anschläge bildeten, folgte in den letzten Tagen kurz hintereinander eine ganze Attentatsserie im Masurenland. In der Stadt Lotzen haben sich die SA.-Banden seit längerer Zeit Polizeigewalt angemaßt und gehen Patrouille in den Straßen. Diese palrouillengänge sind zu einer regelrechten 3agd auf die Führer der Arbeiterorganisalionen ausgeartet. Als am Sonnabend der Kreisführer des Lötzener Reichsbanners, Genosse Kurt Kotzahn, der von Beruf Außenmonteur ist, aus Bischofsstein nach Lätzen zurückgekehrt war, begab er sich sofort mit einigen Reichsbannerkameraden zu dem Haus des Landarbeiter- Verbandes, um mit dem Gewerkschaftssekretär P i o n t e k die Vor- bcreitungen für eine Verfassungsscier zu besprechen. Bereits auf dem Wege dorthin wurde die fünf Mann starke Reichsbannergruppe von zahlreichen Nationalsozialisten verfolgt. Für die fast unbegreifliche persönliche Sachlichkeit des erschösse- nen Kotzahn ist folgender Vorfall, der sich unmittelbar vor seiner Ermordung abspielte, äußerst bezeichnend: Er sah aus der Straße den SA.-Führer Schulz aus Lätzen, ging auf ihn zu und erklärte:„Ich komme soeben aus Bischofsstein, Ihr dortiger Freund bittet mich, an Sie einen Gruß zu bestellen, was ich hier- mit erledigen möchte." Der SA.-Führer Schulz dankte für den Gruß. Wenige Minuten später hotten sich vor dem Hause des Landorbeiterverbandes etwa 35 Nationalsozialisten angesammelt, darunter auch mehrere auswärtige SA.-Leute. Als dieser Trupp eine drohende Haltung einnahm, lief der Gewerkschaftssekretär P i o n t e k in sein Büro, um die dort anwesende Reichsbannerwache in Stärke von sechs Mann zu alarmieren. Kotzahn blieb mit einem anderen Kameraden ruhig auf der Straße stehen. Plöhlich sprang ein Balionolfozialist von der gegenüberliegenden Straße aus dem Trupp vor und ging auf Kohahn. der ihn ruhig erwartete, zu. Aus drei Schritt Entfernung zog der SA.-Mann die Pülole und schoß ohne jeden vorangegangenen Wortwechsel kohahn in die Brust. Der Schuß ging durch das herz und tötete ihn auf der Stelle. Als auf den Knall des Schusses hin Piontek die Woche auf die Straße lassen wollte, sprang dessen Frau dazwischen, schlug d i e Tür von innen zu, wobei der Schlüssel aus dem Schloß auf die Erde fiel. Die Frau bückte sich danach, um die Tür abzu- schließen. In demselben Augenblick krachte ein weiterer Schuß, der in Kopfhöhc von Frau Piontek die Tür durchschlug. Gprengstoff-Atteniäier ermittelt. Zwei Verhaftungen in Äraunschweig. Braunschweig. 8. August.(Eigenbericht.) Als Täter der Sprengstosfanjchläge, die am Sonnabendvor- mittag in� Braunschweig verübt wurden, sind jetzt einige Ratio- nalsozialisten ermittelt worden. Der amtliche Polizeibericht, der heute vormittag veröffentlicht wurde, gibt darüber bekannt, daß zwei SA.- Leute verhaftet worden seien. Beide sollen von auswärts stammen. Der eine habe sich seit einigen Monate» in der Stadt Braunschweig aufgehalten, während der andere erst seit einigen Tagen in Braunschweig an- wesend gewesen wäre. Die Festgenommenen sind dem Amtsgericht zugeführt worden. Todessturz in den Fahrstuhlschacht. Ein folgenschwerer Betriebsunfall ereignete sich auf dem Grund- stück der Likörfabrik Meyer in der Wattstraße. Dort stürzte der 44 Jahre alte Arbeiter Friedrich S ch ä l i ck e aus der Wolliner Straße im Erdgeschoß des Fabrikgebäudes in einen Fahrstuhlschacht von etwa 4 Meter Tiefe. Der Verunglückte hatte angenommen, daß der Fahrstuhl im Erdgeschoß hielt, was aber nicht der Fall war. Er trug einen schweren Schädelbruch davon, der seinen sofortigen Tod herbeiführt«. Spanischer Dampfer gekentert. 22 Mann ertrunken. TNadrid, 8. August. In der Bähe von vigo ist der spanische Sardlncndampser . A zana" im Sturm gekentert. Von der 24köpsigen Besaßung sind 22 Mann ertrunken. 18 Mann klammerten sich am umgeschlagenen Schiff an, von denen zuletzt noch zwei übrig blieben, die nach 52 Stunden gerettet werden konnten. Nur dem glücklichen Umstände, daß die Frau des Gewerkschasts- fekretärs sich zufällig nach dem Schlüssel gebück! Halle, ist es zu verdanken, daß sie nicht gleichfalls einen Kopfschuß erhielt. Der Bürgermeister Dr. Gille war aus ielephonischen Alarm hin fünf Minuten nach dem Mord mit einem Arzt zur Stelle. Dieser konnte jedoch nur noch den Tod des Reichsbannerführers feststellen. Der Bürgermeister nahm die Ermittlungen nach den Tätern sofort energisch auf. Er sandte nach allen Richtungen Autos aus und ließ eine Anzahl der mutmaßlichen Täter oerhaften. Die Vernehmungen dauerten in der Nacht zu Montag noch an. Die Nachricht von der Ermordung Kotzahns hatte sich wie ein Lauffeuer in Lätzen und der weiteren Umgebung verbreitet. Trotz des strömenden Regens waren zu Fuß und per Rad aus den Dörfern der weiteren Umgebung Barteigenoffen und Rcichsbannerkamcraden herbeigeeilt, um diesem besten Kämpfer der Eisernen Front in Löhen noch einmal zu sehen. Sogar aus dem 14l) Kilometer entfernten Königsberg waren im Auto der Gauleiter des dortigen Reichsbanners und mehrere andere Funktionäre der Eisernen Front herbeigeeilt. Eine ungeheure Erregung hat die Arbeiterschaft und die übrige republikanische Bevölkerung ergriffen. Schärfste staatliche Ber- geltungsmaßnahmen gegen die Mordbuben werden gefordert. Jedes Zögern der Regierung, rücksichtslos die Ruhe und Ordnung wieder herzustellen, muß bei der Erbitterung der terrorisierten Bevölkerung zu unabsehbaren Folgen führen. Die Vorbereitung des Mordes. In den Nedaktionssiuben des Königsberger Naziorgans. Königsberg, 8. August.(Eigenbericht.) Zu der in der Sonnabendnacht erfolgten Ermordung des Lötzener Reichsbannerführers Kotzahn ist noch folgendes festzu- stellen: Das ostpreußische nationalsozialistische Organ, die „Preußische Zeitun g", schreibt am Sonnabend:„In Lätzen treiben sich auswärtige Kommunisten(!!!) herum. Dies ist der Polizei auch von nationalsozialistischer Seite gemeldet, doch ist bisher nichts dagegen geschehen. Die SA. ist gezwungen, heute nacht Streife zu gehen, um Leben und Gesundheit der PG. zu schützen. ist damit einver- standen." In derselben Nacht ereignete sich die Ermordung des Lötzener Reichsbannerführers. Der Landarbeiterführer Piontek und feine Frau entgingen nur durch einen Zufall dem sicheren Tode. Steinhagel gegen sozialistische Zeitungshäuser. Am Sonnabend wurde zum dritten Male dos Schaufenster des Gumbinner sozialdemokratischen„Volksfreundes" eingeworfen. In der letzten Nacht find die Fenster des sozialdemokratischen Organs in I n ft e r b u r g, der„Volkswacht", zum zweiten Mal« durch einen Steinhagel zertrümmert worden. Fort mit Bracht? Oos ostpreußische Reichsbanner an die Zleichsregierung. Der Äauvorstand des Reichsbonners Schwarz-Rcl-Gold in Königsberg hat folgendes Telegramm an die Reichsregierung gesandt: Bürgerkrieg lobt in Ostpreußen weiier. 3n der Rächt von Sonnabend zu Sounlag ist der Sreisführer des Reichsbanners vom Kreis Lätzen, Kurt Kohahn, von Rallonalfozlolisten auf drei Schritt Entfernung erschossen. Ein weiterer Revolveranschlag aus den Sekretär des Landarbeiierverbandes Piontek ist nicht geglückt, der Schuß ging vorbei. Z5 Rationalfozialistea waren an den Anschlägen bclciligi. Der preußische Reichskommisfar Dr. Bracht Hai immer noch nicht das Erforderliche veranlaßt. Die republikanische Bevölkerung Ostpreußens veclangl mit uns die Ab. berufung dieses unfähigen Mannes und die Wiedereinsetzung der unrechtmäßig aus ihren Aemiern enllaffenen Minister Braun und Severin g. Geben Sie diesen Männern die Gewalt in Preußen, und in 48 Stunden wird Ordnung geschaffen sein, wir lassen uns nicht mehr meuchlings von den Hitlcrbandilen nieder- knallen. Der Gouvorsiand des Reichsbonners. 3. A.: Kaleffe. „Eiserne FronS gegen Kommunisten." Falschmeldung über politische Zusammenstöße. Kassel, 8. August.(Eigenbericht.) Da? Wolffsche Telegraphenbüro und die Telegraphen-Union verbreiten eine Meldung, daß es in der Nacht zum Sonntag zwischen Mitgliedern der Eisernen Front und Kommunisten zu einem schweren politischen Zusammenstoß gekommen sei, in dessen Verlauf mehrere Personen mehr oder minder schwer verletzt worden seien. Diese Meldung entspricht insofern nicht den Tatsachen, als es sich um keinen politischen Zusammenstoß, sondern um eine harmlose Schlägerei zwischen Arbeitersportlern handelt, die aus rein persönlichen Motiven entstanden ist. Die Rechtspresse in Kassel bemüht sich krampfhast, aus dieser gänzlich unbedeutcn- den Afsäre politisch Kapital zu schlagen. Klara Zetkin kommt nach Berlin? Sowno, 8. August. Wie aus Moskau gemeldet wird, wird die Kommunistin Klara Zetkin am 22. August aus Moskau noch Berlin abreisen, um als Alterspräsidentin den Reichstag zu eröffnen. Im Sep- tember soll Klara Zetkin wieder nach Moskau zurückkehren.— Eine Bestätigung dieser Meldung war bei der kommunistischen Reicks- tagsfraktion bisher noch nicht zu erlangen. JZazisteine gegen Scherl-Filialen. In Berlin-Moabit wurden in der Nacht zum Sonntag die Fensterscheiben einer Scherl-Filiale eingeworfen. Ein gleicher Vor- gang gegen Scherl-Filialen spielte sich auch in Berlin-Weißensee ab. In Köpenick wurden die Schaufensterscheiben einer Ullstein» Filiale eingreworfen. Drei Nationalsozialisten wurden alz Täter verhastet. Auseinandersetzung mit Gchultze-Naumburg/ Von Werner Hegemann Als ersten Kultusminister des Dritten Reiches nennt man auch den Vertrauensmann des Ministers Frick: Professor Schultz«- Naumburg. Vor dem Krieg hat er die Verkommenheit der wilhelminischen Baukunst wirkungsvoll angeprangert. Dafür wird ihm sogar von denen noch gedankt, die ihm heute reaktionäre Vor- liebe für altertümelnde„cheimatkunst" vorwerfen. Als zuverlässiger Heimatkünstler durfte Schultze-Naumburg im Dienste der National- sozialisten die modernistisch und gar kommunistisch anrüchigen..Bau- Häuser" in Weimar und Dessau ausräumen. Gleichzeitig schilderte er in seinem Buche„K u n st und Rasse"(I. F. Lehmanns Ver- lag, München) mit vielen reizenden Bildchen feine— heute fast überall geteilte Vorliebe für schlanke Frauenleiber, wie sie Italiener und Franzosen vom reizend mondsüchtigen B o t i c e l l i bis zum Boudoirmaler B o u ch e r so anziehend auszogen. Diese welschen Schlanken empfiehlt uns Schultze-Naumburg als „nordisch". Dagegen warnt er uns nachdrücklich vor den dicken Geliebten der Niedersachsen Rubens und Rembrandt. Diese und verwandte Maler sollen uns als„Träger eines anderen Körper- Prinzips" Abscheu erregen. Ihr„sinnliches Wohlgefallen" an„schwe- ren und massigen" Fraucnleibern und gar an„Fleischkolossen" wird als gänzlich rätselhaft bezeichnet. Auch in den Bildern Dürers, Holbeins, Cranachs und anderer deutscher Maler erregt das häufige Erscheinen„ausgesprochener Typen der ostischen Rasse"— „sogar in recht derber Ausprägung!"— Schultze-Naumburgs Mißfallen. Was dann später Loois Corinth und noch Jüngere geschossen haben, ist womöglich noch übler als was Rembrandt und Konsorten verbrachen, und zwingt Schultze-Naumburg zu dem Schlußsatz seines Buches:„Was uns heute an Kunst umgibt, zeigt allzu vorlaut die Sehnsucht des Untermenschen, dem in seiner schmierigen Welt mit Fratzen und verbogenen Leibern wohl zu sein scheint. Ueberläßt man ihm die Aufgabe, die künftige Welt auf- zubauen, so wird ihr Aussehen dem seiner Bilder gleichen." Ein schlagfertiger Gegner, der Graphiker Paul Renner, spottet in seiner lesenswerten neuen Broschüre„K u l t u r b o l s ch e- w i s m u s?"(Eugen Rentsch Verlag), Schultze-Naumburg sähe in den Gestalten der Kunst nur mehr oder weniger„prämierfähige Zuchttiere" für die Verbesserung der nordischen Rasse. Renner schildert das Erlebnis des jungen Malers, der bei einem M ll n- chener Vortrag Schultze-Naumbrgs eine Zwischenfrage wagte:„Er wurde van den Schlagringen des nationalsozialistischen Saalschutzes zu Boden geschlagen und mit Stieseln in den Bauch getreten. Blutüberströmt, mit verletztem Jochbein und zerschlitztem Ohr mußte er ins Krankenhaus gebracht werden, und er hatte dort Zeit, wie am Schluß des Vortrages der Versammlungsleiter und Führer des Kampfbundes für die deutsche Kultur, Alfred Rosenberg, der Schriftleiter des„Völkischen Beobachters", bc- merkte, über seine Frage und die Antwort, die er daraus erhalten hatte, nachzudenken." Wie soll denn nun aber die Frau aussehen, die der patriotische Deutsche lieben oder heiraten darf, wenn er ähnliche blutige Erleb- nisse vermeiden und schnell den rassenzuchtmeisterlichen Anweisungen seiner Führer folgen will? Der Patriot ist in Verlegenheit. Bor kurzem wurden ihm noch ganz andere Weisungen gegeben als heute. Ratlos im neuesten großen Brockhaus suchend, liest er dann: daß „viele kulturkonservatioe Bewegungen, auch das Programm der „Hsimatkunst", auf Langbehn zurückgehen". Langbehn ist der heute fast schon wieder vergessene„R e m b r a n d t- D e u t s ch e", der um 1890 die Quelle eines unerschöpflichen Stromes von deut- schen Kunst-, Rasse- und Kultursprüchen geworden ist. Er ist also auch der Vater der nationalsozialistischen Heimatkunst und rassischen Leidenschaft? Aber Langbehn ist doch gerade der U r- und Niederdeutsche, der unseren Rembrandt uns nicht als ostischen „Untermenschen", sondern als präceptor Ciermznise vorgestellt hat. Wahrscheinlich erstrebt der Baumeister und ehemalige Maler Schultze-Naumburg heute, im Grunde genommen, genau dasselbe wie vor 300 Jahren sein Kollege Rembrandt. In Rembrandt sieht Langbehn durchaus keinen verdächtigen„ostischen" Feind des Germanentums, sondern er erklärt: „Rembrandt ist ein echter Nibelunge... er ist genau dasselbe für Deutschland, was Phidias für Griechenland ist und was der deutsche Künstler— der Zukunft— für Deutschland sein soll: der höchste und reinste, der sreiestc und feinste Ausdruck des volks- tümlichen deutschen Geistes.... Gegen Rembrandt erhoben die Aesthetiker des vorigen Jahrhunderts den oft wiederholten und nach damaliger Meinung sehr schwerwiegenden Vorwurf, daß er „bäuerisch" sei: sie verurteilten damit, wie es Theoretikern zu gehen pslegt, das Beste an ihm... auch die Malerei Hol- beins, z. B. hat oft etwas fast Verletzendes an sich: er gibt die Dinge, wie er sie sieht; vor dem mitleidlosen Hauch einer sol- chen und ihr verwandten Kunst zerstieben die herkömmlichen For- msn griechischer und gräcisirender Kunstweise." „Bei weitem die meisten Darstellungen des nackten Frauen- leides sind Antworten aus die erotische Sehnsucht, und sie zeigen uns wache Wunjchträume, die im Künstler leben." Also sprach Schultze-Naumburg. Dabei erlaubt die Leidenschaft, mit der Rembrandt, dieser„echte Nibelunge", immer wieder die Typen des Amsterdamer Ghettos, die„Judenbräute" und auch viele stäm- mige„ostische" Weiber gemalt hat, nicht minder völkerversöhnliche Aussichten wie Professor Schultze-Naumburgs Leidenschaft für die schlanken Damen des Wslschlandes. Augenscheinlich strebt der „echte Nibelunge" nach Rassenoerschmelzung und Völker- Versöhnung. Der Weltsriede naht. Feuerkampf in Lichtenberg. Gefecht zwischen Polizei und einem Verbarrikadierten. Zn Lichtenberg ereignete sich am Sonntagabend ein aufregender Vorfall. Gegen 20 Uhr erschienen im Haus Gürtelstr. 31 zwei Polizei- bea.nte des zuständigen Reviers, um den 29jährigen Arbeiter Walter P ü s ch l o w auf Grund eines Haftbefehls festzunehmen. Püschlow sollte eine dreimonatige Gefängnis st rafe antreten, zu der er in einer Diebstahlsangelegenhest verurteilt worden war. Als die Beamten Einlaß begehrten, wurden sie von Püschlow mit der Waffe bedroht. Die Beamten benachrichtigten darauf das Ueberfall- kominando, das kurz darauf mit einem Schnellwagen erschien. Püschlow hatte sich inzwischen im Schlafzimer seiner Wohnung ver- barrikadicrt. Als die Beamten«intrafen, begann er sofort auf sie zu feuern. Ein Versuch der Polizei, vom Hof aus in die Woh- nung einzudringen, wurde von Püschlow ebenfalls mit Schüssen be- antwortet. Die Beamten mußten schließlich gleichfalls von der Waffe Gebrauch machen, und es entspann sich ein lebhafter Kugelwechsel. Nach längerer Belagerung drangen die Polizeibeamten in die Woh- nung ein und fanden Püschlow tot mit einem Kopfschuß am Boden liegend. Neben ihm lag eine 11-Millim«t«r>Pistole, die noch mit drei Patronen geladen war. Im Lauf« des sich entspinnenden Gefechts wurden P. und seine Ehestau getötet. Eine Nachbarin, die 74 Jahre alte Frau Mari« L e h w a l d, wurde durch einen Streifschuß an der Hüft« oerletzt und mußte ins Hubertuskrankenhaus gebracht werden. Die Leichen des Ehepaares sind beschlagnahmt worden. Die Sektion wird ergeben, ob beide Selbstmord begangen haben oder ob sie von den Kugeln der Polizeibea-mten getroffen worden sind. Polizeibeamte schwer verunglückt. In der Friedrichstraße von einer Autodroschke überfahren. An der Eck« Friedrich- und Sochskraße ereignete sich heute früh ein schweres Verkehrsunglück, bei dem zwei Polizei wachlmeifler lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Gegen 5 Uhr fuhr der Wachtmeister Herbert P a h l k e mit seinem Kameraden Kurt Krüll, beide machen bei der Inspektion Tiergarten Dienst, auf dem Motorrad durch die Friedrichstraße. An der Kreuzung Kochstroße wurden die Polizeibeamten von einer Auto- droschke angefahren und mit ihrem Rad zu Fall gebracht. Die Be- omten stürzten so unglücklich, daß sie lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Die Verunglückten fanden im Staatskrankenhaus Aufnahme. In Eharlottenburg, an der Ecke Kantstraße und Wilmersdorfer Straße, prallte der 25 Jahre alte Obergefreite Paul M a f u ch von der 1. Eskadron der Fahrabteilung III in Lankwitz mit seinem Motorrad mit einem Lastauto zusammen. Der Reichswehrsoldat er- litt schwere Kopfverletzungen. Ueber die Rettungsstelle wurde er in das Garnifonlazarett nach Tempelhof transportiert. Mutier und Tochter vergistet. Famillentragödie in Charlottenburg. Dm Haufe ttanlslraße 33» in Charlolkcnburg wurde ln den heuttgen frühen ZNorgenstunden eine Familientragödie entdeckt. Dm Schlafzimmer ihrer Wohnung wurde dort die 41 Dahre alle Frau Frieda Merz mit ihrem zehnjährigen löchierchen Dngeborg durch Gas vergiftet aufgefunden. Nach den bisherigen Ermittlungen scheint wirtschaftliche Not das Motiv zu dem Verzweiflungsfchntt der Frau zu fein. Bor längerer Zeit verlor Frau M. ihren Mann durch den Tod, und sie mußt« ihr gutgehendes Geschäft aufgeben. Der Erlös aus dem Geschäftsverkauf war bald aufgebraucht, und schließlich nahm Frau M. in der Kantstraße«ine Portierstelle an. Als auch noch das Kind zu kränkeln begann, beschloß die vom Unglück Verfolgte aus dem Leben zu scheiden. Am Gaskocher befestigte sie einen langen Schlauch, der bis ins Schlafzimmer führte. Heute früh gegen 4 Uhr wurden Mieter durch starken Gasgeruch aufmerksam und alarmierten die Feuerwehr. Die Beamten stiegen durch das Fenster der Par- terrewohnung ein und fanden Mutter und Kind in den Betten regungslos auf. Die Wiederbelebungsoersuche waren ohne Erfolg. In der Berliner Straße in Weißensee brachte sich der 81 Jahre alte Kleinrentner Hermann B. einen tödlichen Kopfschuß bei.— Nach einem Familienstreit vergiftete sich die 29jährige Gertrud W. aus der Landgrafenstraße durch Gas. Als die Tat entdeckt wurde, war es bereits zu spät. Die Feuerwehr bemühte sich vergeblich um das junge Mädchen. Für die Toien der„Aiobe". Trauerfeier in Rerlin. Sowohl in der Alten Garnisontirch« in der Neuen Friedrich- straße als auch in der katholischen Garnisonkirche in der Hasenheide wurden Sonntag vormittag Trauergottesdienste für die Toten der„N i o b«" abgehalten. An der Gedächtnisfeier in der Alten Garnisonkirche nahm auch der Ehef der Marineleitung Dr. b. c. Raeder teil, den der Reichspräsident mit seiner Ver- tretung beauftragt hat. Ferner bemerkte man hier den Chef der Heeresleitung, General von Hammerstein, den Gruppenkommandeur von Berlin, General von Haffe, Regierungsdirsktor Dr. Mösle vom Polizeipräsidium Berlin, sowie zahlreiche andere Vertreter von Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden. Auch in der katholischen Garnisonkirche waren der Einladung des Reichswehrministeriums Vertreter der Reichswehr, der Marine und vieler anderer Behörden in großer Zahl gefolgt._ Lehrling als Mädchenmörder. Mit dem Schlächtermeffer die Kehle durchschnitten. Mörs. 8. August. Am Sonntag früh vermißte die Familie des Metzgermeifters Haafe in Baerl das 17jährige Dienstmädchen Sophie Kähnen, Im Schlafzimmer des Mädchens bot sich den Eintretenden ein grauenvoller Anblick, Das Mädchen lag mit durchschnittener Kehle im Bett. Reben der Leiche lag ein mit Blut besudeltes Schlächtermesser, das man als Eigentum des 18jShrigen im Haufe tätigen Lehrlings August Deutsch erkannte. Das Schlafzimmer des Lehrlings war leer. Auf dem Bett lag ein Zettel mit der Aufschrift:„Alles kommt ans Licht. A. D." Man fand außerdem noch eine Schnur, an der sich der Täter aus dem Fenster ins Freie gelassen hat. Die Tat selbst muß kurz vor 2 Uhr nachts ausgeführt worden fein. Deutsch hat sich kurz darauf zu einem befreundeten Lehrling geäußert, er habe der Sophie den Hals durchschnitten. Der Freund hat dies jedoch nicht ernst aufgefaßt. Der Täter hat sich inzwischen in Duisburg der Polizei gestellt und die Tat eingestanden. Deutsche Musik in Tokio. Händel-Welturaufführung— Parsifal.— Oer Jasager. Die Kaiserliche Musikakademie in Tokio brachte zum Schluß ihrer diesjährigen Saison noch eine Reihe von beacht- lichen Aufführungen. Ihr großes Chor- und Orchesterkonzert, unter Leitung von Professor Klaus Pringsheim, der jetzt seit einem Jahr in Japan wirkt, wurde wieder zu einem Triumph für unsere Musikkultur. An der Spitze des Programms, das durch Rundfunk in ganz Japan verbreitet wurde, stand, als Welturauf- führung,«in unbekanntes, für Doppelchor und Orchester geschriebenes Händel- Werk„Gloria patri", das nach dem einzigen vor- handenen, im Lefitz des japanischen Marquis Tokuoowa befindlichen Manuskript jetzt von der Tokyoer Ranki Library erstmalig in Partitur herausgegeben morden ist. Es folgte die„Kleine Suite im alten Stil" für Streichorchester von Klaus Pringsheim. Igor Stramin fkys„Svmphcmie de p?»»mes" beschloß den ersten Teil des Abends. Fragmente aus Wagners Parfifal bildeten den zweiten Teil des Konzerts. Ein weiteres Ereignis, das für die Zukunft des japanischen Musiklebens von grundsätzlicher Bedeutung ist, war die japanische , Erstausführung von Bert Brechts und Kurt W e i l l s Schuloper „Der Jasager", die unter Pringsheimz musikalischer und szenischer Leitung in deutscher Sprache stattfand und den überhaupt ersten ernsthaften Versuch bedeutete, der hier auf dem Gebiet der Oper unternommen wurde. In einer vorangehenden Ansprache an die Zuhörer wies Pringsheim darauf hin, daß in fortschreitender Entwicklung die Musikwelt von Tokio nun gewiß so weit sei, den entscheidenden Schritt zur Oper zu tun. Die von ihm geäußerte Hoffnung, diese Versuchsstunde der> Musikakademie möge die Geburts stunde der japanischen Oper werden, fand, auch in der maßgebenden japanischen Presse, lebhaften Beifall. Shaw-llraufführung in London. Bernard Shaws neuestes Stück„Zu wahr, um gut zu fein" kam bei den Festspielen in M a l v e r n zur Urauf- führung. Die Aufnahme des Londoner Publikums wie die Kritik in der Presse waren geteilt. Die Fabel ist primitiv. Ein Einbrecherpaar versucht einer Kranken ein wertvolles Kollier zu rauben. Mit echt Shawschem Witz wird gezeigt, wie die Kranke durch die Erregung dieses Einbruchs rasch geheilt wird. Die drei machen gemeinsame Sache und fahren in ein fremdes Land, in dem man den Sinn des Lebens zu finden hofft. Die Auseinandersetzungen darüber bilden den Gehalt des Stückes. Seine Quintessenz ist pessimistisch, Karl Rössings Holzstiche. Unter den Künstlern, die nach dem Kriege der Zeit«inen kritischen Spiegel entgegenzuhalten suchten, hat Karl Rössing sich rasch einen Namen gemacht. Er selber erschwert sich freilich seinen Satirikerberuf erheblich durch die mühsam« Technik des Holzschnitts, bester gesagt: Holzstichs, in der er seine scharf polemischen Zeichnungen zur Verbreitung durch den Druck ausführt. Und damit ist auch die ziemlich enge Begrenztheit seiner Wirkunzsmöglichkeit verknüpft; denn das ist die adäquate Form sür seine Angrisse, und ist sie handwerklid) stark gebunden, so erscheinen eben auch sein Witz und sein Hohn über Gestalten der Gegenwort nicht völlig schlagend, vielmehr intellektuell gehemmt und oft genug am Ziel vorbei- oder über das Ziel hinausschießend/ Daß dem übrigens nicht so sein muß, beweisen die Kupferstiche von Wüsten, den die schwierige graphische Technik nicht daran hindert, sehr genau und mit grausamer Unerbittlichkeit abscheuliche Vorgänge und Psychologien aus dem Leben der Gegenwart festzu- nageln. Nun hat die Mchergilde Gillenberg in Berlin einen stattlichen Band herausgebrocht, der unter dem Titel„M sin Vorurteil gegen diese Zeit" hundert Rössingsche Holzschnitte in tadel- losen(wie Originale wirkenden) Klischees m Naturgröße sammelt, und man kann sein Werk als geschlossene Gesinnungsäußerung über- sehen, Rössing selber betont in einem kurzen Borwort, daß es ihm nicht auf eine abermalige Verhöhnung des Spießers ankomme, fondern nur aus di« Bloßstellung des niederträchtigen Standpunktes „Geschäft und Verdienen", also der allgemeinen„geistigen Ge- sinnungelumperei". Dieses Ziel einer neuartigen Satire ist selbstverständlich des höchsten Lobes wert. Allein, blättert man das Buch durch, so muß man sich fast bei jedem Blatt fragen: wer soll sich hier getroffen fühlen? Und mehr noch: trifft es die Pest unserer Zeit wirklich ins Herz? Der Kardinalfehler dieser künstlerisch fast immer, satirisch fast gar nicht packenden Blätter scheint mir zu sein, daß sie zu direkt aus eine Idee losgehen und daß sie vom Intellekt erklügelt, ober nicht durchweg innerlich erschaut und geformt sind. Lsul F. Schmidt. Vineia in der Zuidersee. Bei der Trockenlegung des Wieringer meers. eines Teils der Zuidersee, ist man auf die Ueberreste der Dörfer gestoßen, die nach dem Jahre 1999 durä) den Meereseinbruch unter- gegangen sind. Nach dem in den Mitteilungen des Altertums- mufeums von Leiden erstatteten Bericht sind von einem Dorf die Mauern zum großen Teil erhalten und geben Aufschluß über die Bauweise: auch die Grundmauern einer kleiner Kirche sind auf- gedeckt worden. Andere Dörfer sind vollständig zerstört: hier wurden aber neben anderem große Mengen von Töpfereien aus der Zeit von 1999 bis 1269 gefunden, die eine genauere Ebronologis der mittelalterlichen Keramik ermöglichen. Der Gebrauch van Glasuren geht danach mindestens bis 1999 zurück: bemerkenswert ist, daß sich sehr viele grün glasierte Töpfe fanden, die sonst im Lande sehr selten sind, aber mit solchen übereinstimmen, die in Frankreich vorkommen. Das Veinhaus der ZOOlMM). Die Knochenstätte von Verdun. Paris, 8. August.(Eigenbericht.) Das Beinhaus von Verdun bei Dououmont, das die Ge- deine von 399 999 sranzösischen Kricgsgsfallcnen enthält, ist mit Reden des Staatspräsidenten L e b r u n, des Kriegsministers Paul B o n c o u r, des Marschalls Potain und einer großen Militär- parade feierlich eingeweiht worden. Die Reden waren auf den Tod gestimmt: Solange vertragsmäßigen Schiedssprüchen nicht die voll- kommene Sicherheit ihrer nötigensolls zwangsmäßigen Durchführung zur Seite steht, könne Frankreich, das den stärksten Friedenswillen hat, nicht daraus verzichten, seine Unversehrtheit selbst zu sichern. Das Denkmal für die Vereinigung der Bretagne mit Frankreich ist durch einen Bombenanschlag zerstört worden. Gegen dieses Denkmal hatten brstonijche Separatisten von der Vereinigung„Breiz-Atoo" wiederholt gehetzt. Vorige Woche geschah das auch in einem Artikel des Seporatisten-Wochcnblattes in Reimes. 14 dieser Separatisten sind verhaftet worden. Durch die Explosion wurden auch sämtliche Fensterscheiben der umliegenden Häuser, namentlich des Rathauses und des Stadt- theaters, zertrümmert. Ministerpräsident H e r r i o t hat bei einer Feier in Bannes der Empörung über dieses Attentat und die ganze Ssparatistenhetze Ausdruck gegeben. Wetter für Berlin: Wid>selnd wolkig, keine Niederschläge von Bedeutung, mäßig warm, ziemlich frische nordwestlich« Winde.— Für Dcuischland: In der südwestlichen chälft« des Reiches trockenes und mätzig warmes Wetter, auch im Nordosten langsame Wetter- besserung. 31. Abk. Dienstag. 20 Uhr, Funktionärsitzung an be- bekaiinier Stelle. Miltwod» Zablabend an bekannter Stelle. 49. Abk. Die Abteilungsoerjommlung findet erst 17. August statt. SS. Abi. Heute, 29 Uhr, Funktionärsitzung bei Donau. Rundfunk Kriegsgeist oder Verständigung? Der Rundsunk war in seinen Anfängen, nicht anders als der Film, eine Art Rummelplatzsensation: nicht das Was, sondern das Wie seiner Darbietungen lockte das Publikum an. Nachdem die technische Neugier befriedigt war, setzte eine weitgehende Unintcr- cssiertheit am Rundfunk ein, gerade in jenen Kreisen, die an erster Stelle dazu berufen gewesen wären, dieses machtvollste Instrument, das je dem Geiste zur Verfügung stand, seiner naturgemäßen Be- stimmung zuzuführen. Lange Zeit blieb der deutsche Rundfunk nur ein Mittel zu billiger, flacher Unterhaltung, das nebenher mit eini- gen gutgemeinten, aber meist wenig sinnvollen Bildungsvorträgen sich zu einer Kulturaufgabe zu bekennen glaubte. Damals, als der „Gebildete" nichts vom Rundfunk wissen wallte und der„Unge- bildete" seine Darbietungen kritiklos hinnahm, waren es in erster Linie Stimmen aus den Reihen der organisierten Ar- beiterschast, die eine geistige Entwicklung des Rundfunks for- derten. Ein kleiner, aber rasch anwachsender Hörertrupp erhob sich über die Stumpfheit, die Gleichgültigkeit, die verneinende Kritik zur bewußten Bejahung des Rundfunks als Kulturkraft, Diese geistig wachen, kultursördernden Hörer sind noch immer die aufbauenden Kräfte jener Geistesmacht, die der Rundfunk zwar noch nicht ist, ober dach werden kann. Sie schien im Laufe der Zeit sich zu entfalten: ihr Wirkung-- kreis wuchs, wenn auch langsam und unstetig. Der deutsche Rund- funk zeigte sich bemuht, die geistige Aufnahmefähigkeit seiner Hörer zu entwickeln Vorträge bauten aus, was in Kunst- und Unter- Haltungsdarbietungen angedeutet worden war. Die internationale Sprache der Musik überbrückte Meere, legte Grenzen nieder. Die Programmübertragungen von Land zu Land, die fast ausnahmslos künstlerische Höchstleistungen boten, waren Symbole einer Mensch- heit, die nach Jahren blutigen Hasses Verständigung sucht. Das Ausland, das uns— dem wir— einst feindlich gegenüberstanden, sandte uns in solchen Programmen nicht selten Werke unserer Meister al- achtungsvolle, freundschaftliche Grüße, aufgeführt van dem bester Orchester des Landes, von den besten Künstlern der Welt. Kann ein Volk einem anderen in schönerer, würdigerer Form Ehre erweisen? Der kulturbewußte Arbciierhörcr begriff die hohe Bedeutung solcher Sendungen: er wünschte, daß der Geist der allgemeinen Ver- ständigung gepflegt und entwickelt werden sollte. Er wußte, daß dazu vor allem eins nötig ist: Erziehung des einzelnen zum be- wußten Menschentum, Menschenbildung in des Wortes reinster Be- deutung. Deshalb begrüßte er alle Veranstaltungen, die diesem Zwecke dienten, von welcher weltanschaulichen Einstellung sie auch immer getragen sein machten: selbstverständlich forderte er auch Achtung und Würdigung der eigenen Weltanschauung. Es war eine sehr begründete Klage, daß der sozialistischen und der frei- religiösen Gesinnung die Mikrophone der deutschen Sender höchst selten zur Verfügung gestellt wurden, obwohl es sich in diesen Darbietungen selbstverständlich immer nur um Bejahung der cige- nen Anschauung, nie etwa um die Lästerung einer anderen handelte. Die organisierte sozialistische Arbeiterschaft ist heute nicht nur in ihrer kulturellen Bedeutung, sondern auch rein zahlenmäßig eine Macht unter den Rundfunkhörern, an der nicht vorbeigegangen werden kann, wenn der Rundfunk nicht in seine primitivsten An- sänge zurücksinken will. Denn zu dieser bewußt für die Hörer- erziehung wirkenden Masse stehen zwangsläufig alle geistigen Kräfte, die den Rundfunk bejahen. Daß von der Negierung und gefügigen Tendeleitun- gen heute versucht wird, den Rundfunk zu einem In- strument der„Volksbildung", so wie Freiherren sie auffassen, zu machen, hat bereits in kurzer Zeit zu einem empfindlichen Absinken der Hörcrzahl geführt; bleibt das geistige Niveau auf dem bereits erreichten tiefen Stand oder geht es gar noch weiter zurück, so wird die Abwanderung der Hörer zweifellos rasch fortschreiten; schon heute ist das Verharren vieler nur noch ein Abwarten. Das Netz, das der Rundfunk in die Welt hineinzuweben begonnen hatte, schien als ein schützendes Gespinst der Unkultur den Weg ver- sperren zu wollen: jetzt hat Deutschland sich sein Stück heraus- geschnitten und benutzt es zum Fang heimischer Kohlweißlinge. Der Programmaustausch mit den„seindlichen" Noch- barstaaten ist eingestellt: dafür werden täglich Deutschland- Not und Deutschlands Ehre vor das Mikrophon zitiert, nicht als Summe aus der Not der einzelnen und ihrer Menschenehre— was nur zu begrüßen wäre—, sondern als Vokabeln aus natio- u a l i st i s ch e n T r a k t ä t ch e n. Der Geist Adolf Hitlers und des von ihm freundschaftlich anerkannten Herrn von Schleicher spuken lebhost in fast allen Programmen. Ueberall warten a r b e i t s> lose M u s ik e r auf Beschäftigung— ober die Uebertragungen von Militärkonzerten, die nicht selten als„Unterhaltungsmusik" getarnt werden, nimmt täglich zu. Zahlreiche Vorträge gebärden sich als eine Art„Aufruf an mein Volk". Die„Deutsche Welle" z. B. brachte im letzten Sonntagsprogramm eine heldentiimelnde Verherrlichung Theodor Körners, und im Anschluß an diese Darbietung Rezitationen, die sich um die schaurige Verquickung von Gott und Krieg bemühten. Ein Gedicht, das sich„Des Daseins Sinn" nannte, stellte sich als Bekenntnis der jungen Generation hin: es endete mit der Zeile: „Uns hat der Krieg behütet für den Krieg." Die Hörer der Berliner Funkstunde werden wöchentlich mit einem Vortrag aus dem Reichswehrmini st erium beglückt. „Die Rüstung der anderen":„Die Rüstung Frankreichs":„Militärische Jugendausbildung im Ausland". Diele Themen find heute wichtig genug: sie sind zu wichtig, um von Ossizieren aus dem Reichswehr- Ministerium behandelt zu werden, deren Perspektive immer ihren Fluchtpunkt in dem Worte„A u f r ü st u n g" findet. Nicht Männer deS Säbels und der Schiestwaffen, sondern Menschen des Geistes sollten diese Probleine den Rundfunkhörern darlegen, sollten zeigen, wie aus Absperrung und Misttrauen der NüstungSwahnsinn genährt wird, der sich auf Kosten der Völker mästet, um eines Tages wieder ihr Blut zu trinken, das lebte, was er ihnen gelassen hat. Sie sollten zeigen, wie das begeisterte Wettrüsten für die„Sicher- heit der Länder" vor 1314 den Weltkrieg schließlich auslösen mußte, weil der von der Rüstungsindustrie lebhaft unterstützte Aufschrei einer angeblichen gekränkten Ehre in ollen Ländern die vernünftige Uebcrlegung mundtot machte. Der Rundfunk hätte gerade in unserer krisenerfüllten Zeit die Pflicht, die Stimme der Vernunft in alle Ohren, in alle Hirne klingen zu lassen. Nicht nur der deutsche Rundfunk, sondern der Rundfunk in allen Ländern mußte diese Aufgabe erkennen. England, der Woche das muß immer wieder hervorgehoben werden, hat schon seit vielen Jahren mit dem Kindertag des guten Willens einen kleinen, aber rühmenswerten Anfang gemacht. Es hindert Deutschland nichts, einen schöneren, größeren Schritt auf diesem Gebiet zu tun, sich als Volk kluger, weiser Denker der Welt durch den Rund- funk zu zeigen— und nicht als eine Masse dumpf zwischen Haß und Begeisterung schwankender Primitiver. Es steht in unserer Macht, die klügsten Menschen die heutigen Rüstungsverhältnisse in der Welt vor dem Mikrophon schildern zu lassen, die unsinnige Ver- geudung von Volkseinkommen, die ihnen zuliebe getrieben wird, Äbteilungs- Vorständekonferenz am Dienstag, dem 9. August, pünktlich 19 /2 Uhr im großen Saal der Sophiensäle, Sophienstraße 17/1 8 Tagesordnung:„NdCh dem Kampf" Referent: Franz Künstler, M.d.R. Teilnahmebereehtigt sind: Der engere und erweiterte Bezirksvorstand, 1. und 2, Kreisleiter, der Kreiskassierer, 1. und 2. Abteilungsleiter, der Abteilungskassierer, die Vertreterin der Frauen im Kreisvorstand, die Vertreterin der Frauen im Abteilungsvorstand. Im Behinderungsfalle ist die 2. Kreis- bzw. 2. Abteilungsleiterin teilnahmeberechtigt. Des weiteren können sämtliche Referenten der Partei an der Vorständekonferenz teilnehmen. Parteimitgliedsbuch mit gleichlautender Funktionärkarte muß am Saaleingang vorgezeigt werden. Für die Parteireferenten gilt das Parteimitgliedsbuch und besonderes Einladungsschreiben als Ausweis und ist ebenfalls am Saaleingang vorzuzeigen. Der Bezirksvorsland. die furchtbare Gefahr, die hinter ihnen lauert, nicht nur für uns, sondern für die ganze Welt, die in jeden neuen europäischen Krieg mit hineingezogen werden würde. Es steht in unserer Macht, die klügsten Menschen die geistigen Grundlagen schildern zu lassen, die der allgemeinen Abrüstung immer noch im Wege stehen, und die nicht Haß gegen Deutsch/and, sondern falsche— rückläufig gc- wandle— historische Einstellung der Völker sind Es steht in unserer Macht, durch den weltumspannenden Rundfunk Verständigung nicht z u predigen, sondern zu lehren. Der Kurzwellensender hat uns das Mittel in die Hand gegeben uns überall hörbar zu machen, bei denen, d�e guten Willens find, bei denen, die wir zum guten Willen durch unser tatkräftiges Bekenntnis zum Aufbau der Menlchheitstultur überzeugen. Mi! den Vorträgen unserer Reichswehroffiziere werden wir das ebensowenig erreichen, wie uns in Deutschland englische und fron- zösische Militaristen die Vergünstigungsbereitschaft ihrer Länder glaubhaft machen würden: nur holten die keine Rundsunkvor- träge Daß auch Herr von Schleicher den von ihm inspirierten Ausführungen keine übertriebene außenpolitische Bedeutung zu- erkennt, beweist die Tatsache, daß sie nicht auf den Kurzwellensender übertragen werden. Geht die Entwicklung so weiter, dann brauchen wir den über- Haupt nicht mehr. Die Nazis fordern in Anlehnung an ein alt- römisches Vorbild, daß der Gutenachtgruß des Ansagers mit einem „knappen Wort gegen Versailles" schließe: die Zeit- schrift„Der Stahlhelmsender" bringt Entwürfe für ein deutsches Rundfunkprogramm, von denen ein Vorschlag wenigstens als Kost- probe zitiert sei:„Deutsche Soldaten. Von altgermanischen Waffen- spriichen und den Heldenliedern der Vorzeit über die Ritterkultur, die Kreuzfahrer und die Deutschritter, die Londsknechtszeit, den Dreißigjährigen Krieg hin zu Preußen. Gipfelpunkt: Weltkrieg." Für solche Programme allerdings besteht in Deutschland nur ein außerordentlich begrenzter, außerhalb Deutschlands überhaupt kein Bedarf. Mit den Mitteln der Werktätigen ist der deutsche Rundfunk auf- gebaut worden. Diese Menschen wollen Arbeit, nicht Krieg: sie fordern, daß der deutsche Rundfunk alles tut, um jene Kräfte in der Welt zu entwickeln, die den Krieg vernichten und segensreicher Arbeit den Boden bereiten! Tes. Schlichtung und Tarifvertrag. Was das Neichsarbeitsministerium sagt. Das Reichsarbeitsministerium erklärt zu den Mitteilungen in der Presse, daß eine Aenderung des Schlichtungswesens auf gesetzlichem Wege nicht geplant sei. Man wolle nur jene E l a st i z i t ä t und Zurückhaltung bei Verbindlich- keitserklärungen sichern, die auch jchon Minister Sregerwald wiederholt als notwendig erklärt habe und die notwendig sei, um Stillegungen zu verlnidern und den Arbeitern ihre Arbeitsplätze z» erhalten. Also ganz wie beim Stahlwerk Becker und ähnlichen Fällen. Ferner müßten besonders auch die Tarifparteien mehr als bisher der wirtschaftlichen Notlage Rechnung tragen. Womit wohl nicht die Notlage der Arbeiter gemeint ist, sondern die der Unternehmer. Die Absetzung W i s s e l l s als Schlichter für Groß-Berlin sei erfolgt, weil er doch vermutlich den neuen Weg nicht freudigen Herzens mitgehen werde, also um dem Ministerium und ihm selbst Gewissenskonflikte zu ersparen. Womit zugegeben wird, daß im Schlichtungswesen ein neuer Weg ein- geschiagen wird. Auch die Versetzung des Ministerialrats Joachim habe nicht das geringste mit der Reform des Schlich- tungswesens und der Tarifverträge zu tun. Womit diese Ver- setzung etwas zu tun hat. sagt das Ministerium nicht. Es ist nach dem Vorhergesagten auch überflüssig. Llngebrochener Kampfwille. Vertrauen in die eigene Kraft. Die Generalversammlung der Berliner Fabrikarbeiter am Sonntag im Gewerkschastshaus hatte diesmal sine ganz besondere Note. Da die jüngsten politischen Ereignisse, wie der Gewaltstreich gegen Preußen, die unverkennbaren Vorbereitungen zur Droste- lung des Tarifwesens, auch für die Gewrrkschaften von außer- ordentlicher Bedeutung sind, legte der Bevollmächtigte Genosse R ii ck e r in seiner Berichterstattung weniger Wert auf die lohn- und tarifpolitischen Ereignisse im 2. Quartal, die mehr oder minder zwangsläufig waren. Er führte vielmehr den Delegierten die Be- deutung dieser politischen Ereignisse vor Augen, die die Arbeiterschaft so tief ausgewühlt und teilweise zur Kritik an den verantwortlichen Personen der Arbeiterbewegung veranlaßt haben, eine Kritik, die ungerecht ist. Viele Arbeiter haben am 20. Juli, als die Absetzung Severings erfolgte, die Ausrufung des Generalstreiks erwartet: sie sind enttäuscht gewesen, als dieser Aufruf nicht kam. Alle verantwortungsbewußten Gewerkschafts- und Parteiführer sind sich aber auch heute noch darüber einig, daß die Reaktion auf diesen Gegenstoß der Arbeiterschaft sehnlichst gewartet hat, weil er in ihr Programm der Unterdrückung der Arbeiterschaft gehörte. Die Ge- schichte wird sicherlich den Beweis erbringen, daß diese abwartende Stellungnahme von Partei und Gewerkschaften richtig war. Für jeden Arbeiter muß es jetzt aber auch klar sein, daß das schwerste Ringen mit der Reaktion auf allen Gebieten erst be- ginnt. Die Arbeiter werden in Zukunft wieder mehr auf die eigene Kraft bauen müssen, wenn sie ihre Lage verbessern wollen. In der nächsten Zeit werden nur die Arbeiter sich behaupten können, die gewerkschaftlich gut organisiert sind. Das gilt auch für die Fabrikarbeiter. Durch die Beschlüsse des Verbands- beirats, die den Neu- und Wiedereintritt wesentlich erleichtern, muß es den Funktionären und Verbandsmitgliedern möglich sein, der Organisation wieder neue Kämpfer zuzuführen. Genosse Rücker ermahnte die Funktionäre, nicht mutlos zu werden, sondern nun erst recht für die Freiheit mutig zu streiten. Dem Bericht folgte eine längere Aussprache, die sich hauptsäch- lich mit der Aktion gegen Preußen befaßte und in der die unter- schiedlichen Aufsassiingen über die Notwendigkeit einer Gegenaktion der Arbeiterschaft in höchst sachlicher Weise dargelegt wurden. In der Diskussion kam jedenfalls klar und eindeutig zum Ausdruck, daß der Kampfeswille der freigewerkschaftlich organisierten Ber- liner Fabrikarbeiter immer noch ungebrochen ist. Einmütig stimmte die Generalversammlung einem Aufruf der Ortsver- waltung zu, der sich an die Mitglieder der Zahlstelle wendet und es ihnen zur Pflicht macht, besonders in den Monaten August bis Dezember eine rege Agitation für den Fabrikarbeiterver- band zu entfalten. Ebenso einmütig wählte die Generalversamm- lung an Stelle des in den Ruhestand versetzten Genossen Rühle den Angestellten der Zahlstelle Genossen Schubert als Kassierer. Kongreß der ZTF. 2k Mittionen Mitglieder aus 20 Ländern vertreten. Prag. 8. August. In Anwesenheit Delegierter aus 20 europäischen und überseeischen Staaten wurde gestern hier der Kongreß des Internationalen Transportarbeiteroerbandes durch den Ver- bandsvorsigenden C. T. E r a m p- England eröffnet. Der Vor- sitzende wies auf die ungünstige Wirkung des Schutzzollsystems auf den internationalen Handel und ferner daraus hin, daß die Trans- Portarbeiter durch die jetzige Stagnation schwer betroffen werden. 135 offizielle Vertreter von 62 Organisationen mit insgesamt 2 284 066 Mitgliedern haben ihre Teilnahme angemeldet. Alle Staaten Europas— mit Ausnahme von Island, Litauen, Portugal, Sowjetrußland, Griechenland und Rumänien— sind auf dem Kongreß vertreten. Außer Algier und Tunis, wo die französischen Organisationen ihre Sektionen haben, sind folgende außereuropäische Länder vertreten: Argentinien, Japan, Indien und Palästina. Wenn man in Betracht zieht, daß die Gesamtmitgliederzahl der JTF. 2 351 243 beirägj, so kann man feststellen, daß etwa 40 Organisationen, meist kleine, nicht vertreten sind. Verantwortt. fiir die Redaktion� Stich. Bernstein, Berlin: Anzeigen: Otto Hengst, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerel und Verlagsanstalt Paul Singer& Eo., Berlin SW 68. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. I «Utirtä. Flora 3434. Raufflen er:. Taps& Tempo, RemosComp. 4 Richys, Sealtiel, M.& C. Mayo Levanda, Hunter& Bobette usw. Hente s Vorsttelluntcen 4 u. 6.15 II tu. 4 Utir kleine Preise PLAZA II, de Wilrs. Btif. 5 a. 816, Stgi. 2,5,815 II. Et Wiiibiil 4031 Die fzärdasfürstin Rose- 1 neaier Onli Fnnkfartir Strali 132 Iii. Wiidiiil E 7 3422 6 und 9 Uhr Herzdame «iartenbohne 5 Uhr Konzen u. Variete FrtUlHUBJlUtl BiumensDenfleo Jeder Art liefert preiswert Paul Golletz rormr.is Robert Meyet Marlannenstr. 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Zum erstenmal seit dreißig Jahren, das heißt seit dem stürmi- schen politischen Streik von 1902, der der Erkämpfung des allge- meinen Wahlrechts galt, ist in Belgien ein Streik, richtiger eine Reihe von Streiks ausgebrochen, die vom Aufruhr begleitet und von der bürgerlichen Presse sofort als„revolutionäre Streiks" bezeichnet wurden, die von der Kommunistischen Partei nach den Anweisungen und mit der finanziellen Unterstützung Moskaus ent- fesselt worden seien. Wenn man weiß, was die Kommuni st ifch« Partei Belgiens, die niemals sehr bedeutend war und jetzt auf einen einzigen Abgeordneten reduziert, durch die „trotzkystische Spaltung" dezimiert ist und die nur einen winzigen Teil des Proletariats vertritt, heute in Wahrheit bedeutet, so er- scheint diese Auslegung, die den Zweck zu verfolgen scheint, jetzt, beim cherannahen der Wahlen, wieder mit der Politik des„Messers zwischen den Zähnen" zu beginnen, als ganz ungewöhnlich über- trieben. Gewiß ist im Verlaufe der letzten Monate die kommunistische Werbearbeit in den großen Städten und den Industriezentren leb- hafter geworden und sie zeigte sich vor allem in einer Flut von Plakaten, die mit den sehr mageren Finanzquellen der Partei allein nicht hätten bezahlt werden können. Es ist auch nicht zu bezweifeln, daß die Kommunisten während der ersten Tage des Streiks eine ziemlich große Rolle gespielt haben und daß namentlich die Trupps „roter" Radsahrer und Motorradfahrer, die von einem Schacht zum andern eilten, wesentlich zur Ausbreitung des Streiks beitrugen. Aber das ist in unruhigen Zeiten nur das gewöhnliche Spiel der Kommunisten. In Tat und Wahrheit hat der plötzliche und heftige Ausbruch der Unzufriedenheit, sowohl in den Kohlenfeldern der Provinz Luxemburg, wo die Bergarbeiter in ihrer Mehrheit katholisch sind, als auch in den Schächten von C h a r l c r o i und der Borina ge, wo die Sozialisten die überwältigende Mehr- heit bilden, viel tiefer liegende Ursachen als die im.Grunde sehr oberflächliche Aktion einer Handvoll Kommunisten, die wie gewöhn- lich im. Trüben fischen wollten. Wir wollen die Tatsachen nur kurz zusammenfassen. Sie sind von Tag zu Tag von den Agenturen mitgeteilt worden und bildeten den Gegenstand einer sehr interessanten Reportage Louis L c v y s im Pariser„Populaire" vom 29. und 39. Juli. Bereits im Mai sind in der B o r i n a g e(im Becken von Möns) im Kohlenbergbau wegen der Tarifverträge, die ohne wesent- liche Aenderungen seit 1929 bestehen, Schwierigkeiten entstanden. Nach langen Unterhandlungen, in denen die Unternehmer sehr viel schlechten Willen an den Tag legten, haben die Vertreter der Ar- beiterschast schließlich die im Tarifvertrag vorgesehenen Lohnkürzun- gen aus ziemlich kurze Frist angenommen. Aber entgegen ihrem Rat traten etwa 8999 Bergarbeiter in den Streik und forderten die Aufrechterhaltung der bisherigen Lohnsätze. Schließlich unterwarfen sie sich aber der Gewerkschaftsdisziplin und beschlossen die Wieder- aufnähme der Arbeit, als ein neuer Bergtuerksdirettor, der vor kurzem in die Gegend gekommen war, fünfhundert Ztreikende entließ. Derartige Maßregelungen haben sich auch in anderen Be- z i r k e n ereignet. Mehr bedurfte es nicht, um in einer ebenso spontanen wie unwiderstehlichen. Solidaritätsbewegung ohne vor- herige Ankündigung den Ausbruch eines General st reiks in allen Industriezweigen des Beckens von Möns zu be- wirken, der sich in den folgenden Tagen mit außerordentlicher Schnelligkeit auf das benachbarte Gebiet des Centre und dann auf das Kohlenbecken von C h a r l e r o i ausbreitete. In der B o r i n a g e hatten sich bereits Szenen ereignet, die an Zolas„G e r m i n a l" erinnern: man beschimpfte und ver- prügelte die Bergwerksdirektoren, man zwang die Ingenieure, die rote Fahste zu grüßen und auf dem Balkon des Volkshauses zu erscheinen: man ließ, indem man die Pumpwerke stillegte, die armen Grubenpferde ertrinken: man hatte, als die Gendarmen kamen, in manchen Straßen Barrikaden errichtet, Stacheldraht gc- spannt und Scherben ausgestreut, um die Angriffe der Kavallerie aufzuhalten. In der Gegend von Eharleroi gestalteten sich die Dinge ebenso wie zur Zeit der blutigen Streiks von 1889 bereits von Anfang an wesentlich schlimmer: in dieser Gegend, wo zum Unterschied von der Borinage nur ein Biertel der Bergarbeiter gewerkschaftlich orga- nisiert, der Anteil der ausländischen Arbeiter sehr beträchtlich ist und ein ständiger Zustrom von ziemlich urwüchsigen Flamen die Lücken in den schwersten Arbeiten aussüllt, die durch den Ueber- gang zahlreicher Bergarbeiter zu anderen Berufen entstehen, sind die Arbeiter der Großindustrie, namentlich die Glasarbeiter und die Metallarbeiter, in den Streik getreten, ohne auf die Losung ihrer Gewerkschaftsorganisationen zu warten: und anderer- seits durchstreiften während 48 Stunden einige, im übrigen wenig zahlreiche Gruppen, die vor allem aus nicht gewerkschaftlich organi- sierten, kommunistischen oder sich Kommunisten nennenden jungen Leuten bestanden(abgesehen von gemeinen Verbrechern, die man in Eharleroi die„longues pennes", die„langen Dietriche" nennt) die Gegend, holten die wenigen bei der Arbeit gebliebenen Arbeiter heraus, veranstalteten vor den Toren der Volkshäuser feindselige Kundgebungen, bedrohten die Polizei mit dem Revolver, drangen gewaltsam in Fabriken ein wie in die Providence und die Mar- chienne au Pont, wo einige Aufruhrer ungestört das Schloß des Direktors plünderten und in Brand st e ck t e n, so daß von ihm nur die Mauern übrig blieben. Die Regierung nahm zunächst, überrascht von der Plötz- lichkeit und Heftigkeit dieser Unruhen, eine ziemlich unentschlossene Haltung ein. Dann raffte sie sich zusammen und konzentrierte in den Streikgebieten Soldaten und Gendarmen, die zum Teil aus den flämischen Gebieten stammten. Es gab noch einige Handgemenge, die zwei Menschen das Leben kosteten, und eine ge- wisse Anzahl Verwundete auf dem Pflaster zurückließen. Sowohl in Eharleroi und in der Borinage, als auch im Centre hatten die Gewerkschaftsführer bald die Leitung der Be- wegung in den Händen. Sie disziplinierten den Streik, der vor allem ein Streit der Empörung und Verzweiflung gewesen ist und sie gaben ihm ein Ziel, dessen klare Formulierung von den Massen bei der Arbeitsniederlegung versäumt worden war. Für die, die mit den Streikenden in unmittelbaren Beziehungen gestanden sind, war es klar, daß in der Flut der von den Unzu- jriedenen aufgestellten unklaren Forderungen einige grundlegende Beschwerden die Hauptrolle spielten. Seit einigen Monaten hat die bürgerliche Presse, die für vieles verantwortlich ist, angeblich Mihbräuche vorschützend, eine hestige Kampagne für die Herabsetzung der Alterspensionen und der Arbeitslosenunterstützung geführt. Die Ar- beiter fürchteten, daß die Regierung, die sich in schwerer sinan, zieller Notlage besindet, unter dem Einfluß dieses Feldzuges die Pensionen und Unterstützungen kürzen werde. Andererseits hatte die Regierung unter dem Einfluß der Agrarier einen Gesetzentwurf für die„Revalorisierung des Ge- treidcs" vorgelegt, der nach dem Eingeständnis seiner Urheber den Brotpreis um 19 Centimes für das Kilo erhöhen würde. Schließlich und vor allem hatten die Arbcitermasscn mit stei- gcnder Unruhe und Empörung zugesehen, wie sich die beiden Kammern in endlosen Erörterungen über»ie S p ra ch c n g e setz e verloren und unterdessen die Regierung bei dem öffentlichen Personal das Beispiel für die Lohnsenkungen gab und wie das vom industriellen Zentralkomitee vertretene Unter- nehmertum die strenge, in einzelnen Fällen sogar die im voraus zu erfolgende Durchführung der in den Verträgen vorgesehenen Lohn- s c n k u n g e n sordcrte, ohne sich auch nur im geringsten darum zu kümmern, ob nicht die Löhne dadurch unter das Existenz- Minimum sinken würden. Kurz: Unverletzlichkeit der Sozialgesetze und nament- lich der Ällterspensionrn und der Arbcitslosenunter- stiitzung(ebenso wie die wirksame Unterstützung der nichtverjichertcn Arbeitslosen); Verzicht auf das Brotstcucrprojckt; Einstellung deS Lohnabbaues, auch des vertraglichen, um nicht unter das Existenz- Minimum zu kommen— das war das ForderungS- Programm zunächst der örtlichen Organisationen, das dann ungefähr zur gleichen Zeit von der G e w e r k s ch a s t s- kommission und dem Generalrat der Belgischen Arbeiterpartei im Namen der Streikenden formuliert und sowohl vor das Parlament, als auch vor die„paritätischen Kom- Missionen" der hauptsächlichsten Imdustrien gebracht wurde. Da der Streik überall in der Periode des Ansteigens war, setzten sie ihre Forderungen auf der ganzen Linie durch. Der Gesetzentwurf über die Brotsteuer, der in der Senat- kommission behandelt wurde, ist ohne Termin vertagt worden, das heißt, wie niemand bestritten hat, daß er endgültig beerdigt ist. Der Arbeitsminister erklärte feierlich, daß die Alters- Pensionen unantastbar seien, und daß man das Statut der Arbeitslosenversicherung nicht ohne vorherig« Ver- ständigung mit den Vertretern der Arbeiterorganisationen abändern werde. Und in der Kammer erklärten sich der Führer der Liberalen, Deveze, und der wallonische, christlich-demakratische Abgeordnete B o d a r t aus Eharleroi mit dem Interpellanten vollständig einver- standen, erklärten unter dem entsetzten Schweigen der Mittelgruppen, daß keine Rede mehr davon sein könne, die ohnehin aufs tiefste Niveau gesunkenen Löhne noch weiter herabzusetzen, und beschworen die Regierung— die diese Forderung annahm—, ihre ganze moralische Autorität aufzubieten, um den streikenden Arbeitern volle Besriedigung ihrer Forderungen zu sichern. Am Tage danach beschloß übrigens die paritätische Landes- kommission für den Kohlenbergbau, daß die gegenwärtigen Löhne bis zum 1. November aufrechterhalten bleiben, und der Sekretär der Bergarbeitergewerkschaft erklärte, daß alle Streik- ziele erreicht seien. Anderseits anullierte die paritätische Landeskommission für die Metallindustrie die vertragsmäßige Lohnsenkung von 5 Pro}., die 14 Tage vorher angenommen worden war, und in anderen Industrien wurden sogleich ähnliche Beschlüsse gefaßt. linier diesen Umständen glaubten die Gewerkschastskommission und der Generalrat der Belgischen Arbeiterpartei, die sofort zu- sammengetreten waren, erklären zu können, daß der Sieg voll- st ä n d ig sei, daß vor allem in der Borinage olle Streikziele er- reicht seien und verpflichteten die Streikenden, die Arbeit am kom- Menden Montag wieder aufzunehmen. Diese Parole wurde van ollen Gewerkschastsorganisationen, die in den Sympathiestreik getreten waren, und besonders von den Metallarbeitern, genau befolgt. Nicht das gleiche geschah jedoch bei den Bergarbeitern, die in Limburg und im Hennegau beschlossen, neue, an sich durchaus berechtigte Forderungen zu stellen: die Neu- regelung der Löhne, die bei gewissen Kategorien auf einen unerhört niedrigen Stand gesunken waren, und ferner die Ausschaltung des Kohlenpreises aus dem Index, dem die Löhne angepaßt werden, so daß dieser nur mehr die Preise der Gegenstände des Lebensbedarfs umfaßt, So dauert der Streik, der nach drei Wochen seinen allgemeinen und bis zu einem gewissen Grade politischen Charakter verloren hat, als lokaler Streik in einer Ruhe fort, die auch der kommunistische Demonstrationszug am 1. August, der lange vorher angekündigt war, nicht zu stören vermochte. *** Bereits vor dem Abschluß dieses letzten Kapitels beschäftigten sich die Genossen der Belgischen Arbeiterpartei damit, die Bilanz zu ziehen, die Aktiven und Passiven der ziemlich erregten drei Wochen. die sie erlebt haben, einander gegenüberzustellen. Als Aktivum kann die wesentliche Tatsache gebucht werden, daß es in einen: Lande wie dem unfern, wo das Proletariat einen großen Teil der Bevölkerung ausmacht, wo keine Regierung ohne Mithilfe eines Teiles des Proletariats bestehen kann, genügte, daß 199 999 bis zum Aeuhersten getriebene Arbeiter sich erhoben und die Zähne zeigten, um den llniernehmerangriff auf die Löhne und die „Soziallasten" sofort zum Stehen zu bringen und die Regierung und die Parlamentsmehrheit zu zwingen, den Forderungen zu ent- sprechen, die das Kartell der sozialistischen Gewerkschaften und der (in der Schwerindustrie übrigens wenig zahlreichen) christlichsozialen Gruppen erhoben hatten. Und daß der Streik vom Juni/Iluli ein groszer Sieg des belgischen Proletariats war— ein sehr großer Sieg, wird sich in dem Maße erweisen, wie alle seine Folgen sich auswirken. Aber so wichtig auch diese Ergebnisse sein mögen, so können sie uns doch nicht der Notwendigkeit entheben, auf die Passiv- s e i te die Tatsache zu buchen, daß die ohne den Willen der Gewerk- schaftsführer entstandene Bewegung in gewissen Kreisen eine Ein- stellung offenbart hat, die man nicht tragisch zu nehmen braucht, die man aber, wenn man nicht einen großen Fehler begehen will, c r n st nehmen muß. Wir lassen die Riesenentcn der bürgerlichen Presse beiseite, daß die Sozialisten von der kommunistischen Gruudwelle überrannt und ausgeschaltet, daß die Sozialisten in ihren Volkshäusern von wüten- den Massen belagert wanden seien, welche ihre Erbitterung gegen sie kehrten. Man muß inmitten der Ereignisse gestanden sein, um zu wissen, was für groteske II eb ertreib ungen oder offenbare Unwahrheiten das sind. In Wirklichkeit bestand die kommunistische Verschwörung, die die Staatsanwälte zu entdecken bemüht sind, wie bereits jetzt fest- steht, nur in der Einbildung der Polizei. Die Kommunisten hatten nur, dank der allgemeinen Erbitterung, für«inen Augenblick einen gewissen Zulauf von Arbeitern und vor allem von nicht gcwerk- schaftlich organisierten Arbeitern, und, alles in allem genommen, war es, wie in Wien im Jahre 1927, nur ein Strohseuer, das rasch wieder erlosch. Aber in der Jugend der Belgischen Arbeiter- Partei beklagt man sich darüber, und nicht immer ohne Bitterkeit, daß die Gewerkschaftsführer nicht die Initiative der Be- wegung hatten, daß sie nach dem Ausbruch des Streiks der Tatsache, daß die Gewerkschaftsrassen durch die Arbeitslosenunterstützungen geleert sind, eine zu große Bedeutung beigelegt haben: daß sie sich dann mit einem zu leicht und zu rasch errungenen Sieg begnügt haben; daß sie nicht mehr verlangten, und den Vorteil, den sie hatten, bis zum äußersten ausnützten, indem sie im ganzen Lande den Generalstreik auslösten. Und als Ergebnis dieser Kritik for- dert man die Verjüng un g der Kaders, greift man den Opportunismus gewisser Parlamentarier und den Bureaukratismus mancher Gewerkschaftsfunktionäre an, und man tritt in der Partei für eine schärfere oppositionelle, mehr grundsätzlich und entschieden sozialistische Politik ein, wenn man nicht wolle, daß die Kommunistische Partei, die offensichtlich im Versall war, neue Kraft gewinne. Es gibt in dieser Kritik gewiß vieles, was man akzeptieren, und auch vieles, was man ablehnen kann. Einiges davon, namentlich zu behaupten, es sei möglich, bei 399 999 Arbestslosen einen sieg- reichen Generalstreik durchzuführen, ist offenbar falsch. Friedlich hätte der Generalstreik zu keinem Erfolg geführt, bei gewaltsamer Durchführung wäre er niedergeschlagen wonen. Aber man würde die Belgische Arbeiterpartei schlecht kennen, wenn man glaubt«, daß sie nicht alles daransetzen werde, aus dem Ereignis alle Folgerungen zu ziehen, die es mit sich bringt: vor allem, daß die Massen in der Sozialistischen Partei immer weniger für eine Politik der Kompromisse und der reformistischen Zusammenarbeit mit den bürger- lichen Parteien zu haben sind. Die Bevölkerung Salonikis Zu unserem Artikel„Ein Tag Soloniki", in dem es heißt, die Hälfte der Einwohnerzahl Salonikis seien spaniolische Juden, ein Viertel Griechen und der Rest, das wäre das übrige Viertel, Türken, wird uns von der griechischen Botschaft geschrieben: Nach den hier vorliegenden amtlichen Zahlen vom April 1931 zählt die Stadt Soloniki 245 999 Einwohner. Davon sind 78,7 Proz. Griechen, 19 Proz. Israeliten und 2,3 Proz. sonstige Ausländer, oder in Zahlen ausgedrückt: 193 999 Griechen, 47 999 Israeliten und S999 Ausländer. Hellas schlägt Breslau 2: 1(1: 1) beim Sdi wimmfest der Freien Schwimmer Berlin 12 Vom Wetter wenig begünstigt, brachten die F r e i e n S ch w i m- wer Berlin 12 gestern im Lichterselder Aegirbad ihre Großver- anstaltung zur Durchführung, in deren Mittelpunkt das A u s s ch e i- dungsspiel zur Bundesineisterschast stand. Hellas- Berlin und Breslau, beides Meister ihrer Kreisverbände(Ost- und Mitteldeutschland), zeigten ein über alles Erwarten gutes Spiel. Die Schwimmwettkämpfe, die dem Spiel vorausgingen, brachten durchweg spannende Kämpfe der daran beteiligten zehn Vereine. Es ist nicht möglich, die stets reichhaltigen Wettkämpfe bei Festen dieser Art eingehend zu würdigen. Die erreichten Zeiten, die bei Berücksichtigung der schweren Lichterfelder Bahn zum Teil recht gut sind, sprechen für den Ehrgeiz, mit dem die Beteiligten aufwarteten. Der Spjclmannszug des Vereins eröffnete das Fest mit der Internationale, und nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden siel das erste Startkommando. Berlin 12 sicherte sich überraschend die einleitende Kraulstaffel und kam auch in der nächsten Konkurrenz, dem Frauenbrustschwimmen, zu weiteren Erfolgen. Große Felder in den folgenden Jugendkonkurrenzen: aber auch die weiteren Weit- bewerbe aller Klassen waren durchweg gut besetzt. Ein gelungenes Reigenschwimmen der Frauen von Berlin 12 brachte eine willkom- mene Unterbrechung der Kämpfe aus der Schwimmbahn. Symbol- hast wurden in der letzten Figur des Kunstreigens die drei Pfeile dargestellt, und eine Schwimmerin sprach aus der Reigenlage einen Prolog der Eisernen Front Dann begannen die Wasserballspiele mit einem Treffen der Jugendlichen von Charlottenburg und Berlin 12. Charlottenburg war technisch klar überlegen und siegte verdient mit 7: 3 Toren. Dann hatten die Mannschaften des Hauptspiels das Wort, und unter der Leitung des Unparteiischen Siemens-Braunschweig nahmen die Mannschaften das Spiel in fol- gcnder Aufstellung auf: Breslau: Hellas: Kaluza Ilrbansky Remmler Pritschom Kewiele Kriebsch Werner Polle Drömert Hornseldt Frei .guhnert Garske Ehrlich Hellas warf an und versuchte sofort mit einem Weitwurf sein Glück, der Breslauer Torhüter wehrte jedoch sehr sicher ab. Dann ging Breslau in scharfem Tempo los und zog das Spiel in die Hellas-Hälfte. Nach vielem vergeblichem Bemühen auf beiden Seiten gab es in der zweiten Minute im Anschluß an einen Freiwurf den ersten Breslau-Erfolg, vom Mittelstürmer erzielt. Gleich danach kam Hellas aus einer ähnlichen Spielsituation vor des Gegners Tor zum Ausgleich. Bis zum Seitenwechsel gelangen keiner Mannschaft weitere Erfolge. Beide Stürmerreihen kamen wohl oft gut durch, verschossen aber in begreiflicher Nervosität beste Tormöglichkeitcn. Nach Wiederbeginn machte sich allmählich eine taktische Ueberlegen- heit der Hellas-Mannschaft bemerkbar, die auch in der flüssigeren Ballabgabe zum Ausdruck kam. Hier beging Breslau den Fehler, sich von der Hintermannschaft der Hellenen vor dem Tor zu dicht zusammendrängen zu lassen. Aber auch der Hellas-Angriff verstand es nicht, sein gewohntes Stellungspicl zu entwickeln. Unglaublich blieb auch weiter das Schußpech auf beiden Seiten, was normaler- weise nur mit der Aufregung der Spieler zu erklären war. Erst nach fünf Minuten erzielte Hellas durch eine entschlossene Spiel- Handlung des linken Stürmers das entscheidende Tor. Breslau drängte noch stark, könnte sich aber der aufmerksamen Deckung seines Gegners nicht entziehen und muhte sich äußerst knapp geschlagen geben. Man hatte von beiden Mannschaften eigentlich mehr erwartet. Technisch gleichermaßen gut, fehlte es auf beiden Seiten an Schuß- sicherheit bei den Stürmern. Der Schiedsrichter war stets Herr der Lage und sorgte mit energischem Durchgreifen für ein faires Treffen. Resultate der Schwimmweltkämpse: Äraulstaffel iär Männer, K mal 66� Meter: 1. Berlin 12 4;.>4,1; 2. Frei. heit 4:58,4.— Brustschwimmen für Frauen, 100 Meter, Klasse A: 1. Kotann lBcrlin 12) 1:38,8.— Klasse B: 1. Meißner(Berlin 12) 1:52; 2. Seehaus (Luckenwalde) 1:55,7.— Kraulschwimmen, 100 Meter, für männliche Jugend, Klasse A, 14—18 Zahre: 1. Teste«Kellas) 1:12,4; 2. Ptcufj(Kellas) 1:14,7.— 16—18 Jahre: 1. Hinlelmann(Hellas) 1:14,8.— Klasse B, 14— 16 Jahre: 1. Mi» loch sVeihenlee) 1:18,3; 2. Schulze sCharlottcnburg) 1:21,3.— 16—18 Jahre: 1. Aense(Schöneberg) 1:19,1; 2. Ochschin(Spandau) 1:19,3.— Brustschwimmen, 100 Meter, für männliche Jugend, Klasse A, 14— 16 Jahre: 1. Gutlowsti(Hellas) 1:28,9; 2. Görke(Weißensee) 1:33,7.— 16— 18 Jahre: 1. Lanahammer(Char. lottendurg) 1:28,3; 2. Schweiger(Charlottenburg) 1:29,7.— Brustschwimmen. 100 Meter, filr Männer, Klasse A: 1. Bagnitz(Kella») 1:26,5; 2. Tiedle(Ber- lin 12) 1:26,7; 3. Ehrlich(Breslau) 1:28,4.— Blickcnschwimmen, 100 Meter, für Frauen: 1. Aotann(Berlin 12) 1:42,1; 2. Hoffmann(Berlin 12) 1:48,5.— Krauistafsel für männliche Jugendliche, 4 mal 664L Meter: 1. Hellas 3:14; 2. Charlottenburg 3:14,5.— Kraulschwimmen für Männer, 100 Meter, Klasse B: 1. Albrecht(Charlottenburg) 1:10,7: 2. Ochschin(Spandau) 1:17.— Wasser. ballmannschaftsmehrkampf, a) Jugend: 1. Berlin 12 und Weißeniee je 59 P.; 2. Charlottenburg 54 P.— b) Männer: 1. Wcißcnsee 75 P.: 2. Spandau und Schöneberg je 56 P.— Beliebigschwimmen für Männer über 30 Jahre, 66% Meter: 1. Wolf(Freiheit) 0:53,3; 2. Krause(Berlin 12) 0:53,8.— Vereins- bruststaffel, 6 mal 66% Meter: 1. Berlin 12 6:32,2; 2. Freiheit 6:40,4.— Rückenschwimmen für weibliche Jugend. 100 Meter, a) 14—16 Jahre: 1. Erler (Luckenwalde) 1:54,4: 2. Kadewih(Freiheit) 2:02.8.— d) 16—18 Jahre: 1. Ge- nenz(Berlin 12) 1:44,5; 2. Weber(Freiheit) 1:45,5. Hannover— Mannheim 6: 5 In Frankfurt a. M. standen sich gleichfalls gestern der süd- deutsche Meister Mannheim und der norddeutsche Meister Hannover im Vorrundenspiel um die Wosserballmeisterschaft des Arbeiter-Turn- und Sportbundes gegenüber. Beide Mannschaften zeigten sich in ausgezeichneter Form und lieferten einen hartnäckigen Kampf, der bei regulärem Spielschluß 4: 4 stand. In der Verlange- rung behielt dann Hannover mit 6:5 die Oberhand. Mit diesen Vorrundenergebmssen stehen die Endfpielgegner fest. Hannover und H e l l a s- Berlin werden am 21. August in Herne, West- falen, um den Titel des Bundesmeisters kämpfen. Deutschland schlägt Norwegen In Breslau 3: 1, in Waldenburg 10:3 Die Fußballgäste aus dem Horden trafen die Dändermannschaft des Arbeiter-Turn. und Sportbundes in ganz großer Form an. Zn Breslau spielten auch die Norweger klassefußball, so daß die 8000 Zuschauer einen überaus spannenden und abwechslungs- reichen Großkampf zu sehen bekamen. Zur Halbzeit führten die Gäste mit 2:0 Toren und konnten erst im Endkampf knapp mit 3:? besiegt werden. In Waldenburg machte regnerisches Wetter einen Strich durch die großen Erwartungen. Die Bodenverhältnisse waren recht schlecht geworden, und die Norweger konnten sich mit ihnen nur sehr schwer abfinden. Dagegen spielte die deutsche TNann- schost wieder vorzüglich. Halbzeitergebnis 4: 0. Auch ein ver- zweifeller Endspurt der Genossen aus dem Norden änderte nichts am Gesamtergebnis. Zuschauer 6000. Nun fahren die Gäste nach Böhmen. Aus der Rückreise werden sie in Beulhen nochmals gegen Deutschland antreten. „Zoli" in Kassel Das Bundesirelfen der Motorradfahrer Am Wochenende fand in Kassel unter großer Anteilnahme der Kasseler Bevölkerung und auswärtiger Kraftfahrer das zweite Bundestreffen der Motorradfahrer des Abeiter-Rad- und Kraftfahrerbundes Solidarität statt. Trotz der schweren wirtschaftlichen Lage waren mehr als 2600 Solikraftfahrer aus allen deutschen Gauen in Kassel eingetroffen. Dan kurz vor Kassel ge- legenen Sammelstellen wurden die Gäste in kleineren Trupps nach Kassel geleitet und dank der Opscrwiiligkeit der Kasseler Arbeiter- schaft, vornehmlich aber gerade der Arbeitslosen, waren sie schnell in Freiquartieren untergebracht worden. Den Auftakt des Treffens bildete ein Begrüßungsobend in der Stadthalle, an dem die Arbeitersportler und-sänger den Gästen ein vorzügliches Programm boten. Riesigen Beifall sand der Bundes- meister im Kunstfahren Scharf für seine glänzenden Leistungen. Die Begrüßungsansprache hielt der Bundesvorsitzende Niemann, für die Kasseler Arbeiterschaft sand Winter herzliche Begrüßungsworte. Am Sonntagmorgen bildete sich nach der gemeinsamen Besichtigung der Wilhclmshöher Wasserkünste ein riesiger Festzug, der durch die Straßen Kassels für den freien Motorradsport demonstrierte. Auf dem Friedrichsplatz, dem größten der Stadt, fanden am Nachmittag sportliche Darbietungen statt, die von einer großen Menschenmenge umlagert wurden. Den Abschluß des Tresfens bildete ein Strandfest bei den Arbeiterwassersportlern und ein Feuerwerk IO Jahre SCC. und das Jubilaums-Sportfest Aus dem Platz in Eichkamp ging am Sonnabend und Sonntag das 30jährige Iubiläums-Sportsest de? Sportclub Char- lottenburg vor sich. Der erste Tage war fast ausschließlich der Jugend vorbehalten, die neben leichtothletischen Wettbewerben noch Hockey-, Handballspiele usw. austrug. Der Haupttag litt unter dem regnerischen Wetter. Verschiedene der Gemeldeten fehlten am Start, so daß beispielsweise Imhofs (Polizei) über 400 Meter und Frl. Pirch(SCC.) im 80 Meter- Hürdenlausen zu leichten Siegen kommen konnten. Eine Ueber- raschung brachte im 1000-Meter-Lauf Engelhardt(Siemens), der die beiden Ersten aus der diesjährigen l500-Meter-Meifterschaft, Wichmonn(SEE.) und Hcllpop(Stettin), hinter sich lassen konnte. Sehr interessant verlief die Hindenburg-Stafsel, die Wichmonn für den SC. Charlottenburg entschied, da er auf seiner 1000-Meter- Strecke den anderen nicht weniger als 60 Meter abzunehmen ver» mochte. Zweiter wurde die Polizei vor dem Berliner Sport-Club, der sich vorher das 3000-Meter-Mannschastslaufen geholt hatte. Männer, 400 Meter: 1. Imhofs(Polizei) 51,8; 2. Sabbert(Polizei) 53,2; 3. Werner(Teutonia) 54,2.— 1000 Meter: 1. Engelhardt(Siemens! 2:83,1; 2. Wichmann(SCC.) 2:34; 3. Hcllpop(Preußen Stettin) 2:34,7.— 3000. Meter- Mannschaftslauf: 1. Berliner SEE.(Gdhrt, Bree, Kleinhuber) 9:20,1; 2. Siemens 9:32,8; 3. SC, Charlottenburz 9:37,3.— Hindenburastaffel, 4600 Meter: 1. SC. Charlottenburg 10:56.1: 2. Polizei SB. 11:05,2: 3. Berliner SC. 11:07,1.— 5 mal 100 Meter, Jungmannen: 1. Deutscher SC, 56,5: 2, SC. Charlottenburg 57,4: 3. Berliner SC.— 4 mal 100 Meter, alt« Herren: 1. Polizei SD. 47,7; 2. Deutscher SC. 49,3; 3. SC. Charlottenburg.— 100 Meter tür Jugend: 1. Strehlow(SCC.) 11,8.— Frauen. 100 Meter: 1. Gerlcke (SCC.) 12,8: 2. Lähnemann(Brandenburg) 12 4: 3 Wittmann(Brenden. bürg) 12.6.— 80 Meter. Hürden: 1. Pirch(SCC.) 13,4: 2. Wendland(SCC.) 13,5.— 10 mal 160 Meter: 1. SC. Charlottenburg 2:1.0; 2. Olrnnvischer SC. 2:16,4; 3. Brandenburg 2:18.— Spiele, Hanbball: SCC, gegen TSV. Tempel. hos 2:1(1:1).— Frauen: SCC. aezen Verein sür Körperkultur 7:0(8:0).— Hockey: SCC. gegen Teutonia 1:0(0:0).— Frauen: SCC. gegen Zehlendorfer Wespen 0:0. V erfassungs-T ennisturnier Gute Besetzung bei„Schwarz-Rot-Gold" Das 4. öffentlich« Derfasiungs-Tennis-Turnier de? Berliner Tennis- und Wintersportklubs„Schwarz-Rot-Gold" hat eine aus- gezeichnete Beschickung aus der Berliner Tcnnisgemeinde gefunden. Im Herreneinzel.4 sind besonder» bemerkenswert die Meldungen von Dr. Pohl, La, Gebrüder Galle, von Gerlach und Dr. Schubring. Beim Dameneinzel A hoben u. a. gemeldet: Frau Fabian, Frau Rost, Frl. Iacobfohn, Frl. Zehden, Frl. Even. Im Mixed scheinen die Paare Frl. Veit-Dr. Pohl, Frau Fobian-Badt, Frau Rost- Dr. Schubring Favoriten. Das Damendoppel dürfte die Kombi- nation Frau Fabian-Zehdcn und Frau Rost-Iacobsohn in der Schlußrunde sehen. Insgesamt wurden über 300 Meldungen ab- gegeben. Gespielt wird täglich ob 2 Uhr auf den 8 klubeigenen Plätzen am Avuseingong. M&mu Sftad you üfajcM Neuer Segelflugrekord auf Sylt. Der Flensburger Segelflieger Polizeioberwachtmeister Guttsche hat einen neuen Segelslugrekord sür Norddeutschland aufgestellt. Nachdem er kürzlich über sechs Stunden in der Luft war, gelang es ihm am Sonnabend, mit zehn Stunden und vier Minuten auf dem Roten Kliff den bisherigen Rekord zu brechen. Infolge Drehung des Windes mußte er, ent- gegen seiner Absicht, den Flug abbrechen. Mit diesem Flug hat er zugleich den von der Badeverwaltung Wenningstedt auf Sylt aus- gesetzten Preis auf den ersten Zehnstunden-Flug gewonnen und für Norddeutschland einen neuen Segelflugrekord aufgestellt. Metzner bleibt Boxmeister im Lantangewichl, so lautete das Ergebnis des Kampfes in der Kölner Rheinlandhalle am Sonnabend. Michard fuhr Wellrekord. Der bekannte französische Berufs- flieger Lucien Michard verbesserte bei einem Rekordversuch ans der Rodrennbahn von Bordeaux den von Linori mit 30,6 gehaltenen Weltrekord über 500 Meter mit fliegendem Start auf 3 0,4 Sc- künden. Nersassungsseier mit Kriegsblinden. Der Deutsche Reich«. Auto- Club wird in diesem Jahr seine traditionelle Versassungsseier am 11. August im Geiste der Kameradschaft, Nächstenliebe und des Friedenswillens mit erblindeten Kriegern begehen. Eine große An- zahl erblindeter Krieger wird vom Klubhaus aus nach Nedlitz— Potsdam fahren, wo ein Gartenseft gemeinsam mit den dortigen Republikanern abgehalten wird. Um 20 Uhr findet eine große Verfassungsfeier im Stadion-Restaurant an der Avus statt, bei der der stellvertretende preußische Ministerpräsident, Staats- minister Dr. Hirtsieser, die Festrede hätt. Republikanische Auto- besitzer werden gebeten, ihre Wagen für die Ausfahrt am Nachmittag zur Verfügung zu stellen. leZeZs gro§e Spoiischau Schwer- und Leichtathleten gemeinsam am Start Am Sonnabend und Sonntag stand Tegel im Zeichen der bundestreuen Arbeitersportler. Die rührige Freie Sporlver- einig ung Tegel 1893 veranstallele einen groß angelegten Well st reit im Ringen, Boxen, heben und Z i u- 3 i l s u und Halle mit diesem bisher größten Berliner Alhletiksportfest einen großen sporiiichen Crsolg zu verzeichnen. Die Beteiligung der Sportler aus dem ganzen Reich übertraf olle Erwartungen. Au» mehr als zwanzig Städten des Bundesgebietes waren Wcltkämpfer erschienen, mit der Bahn, aus Fahrrädern, ja sogar Fallboole landeten nach 17lägiger Fahrt Teilnehmer am Tegeler See, stets von begeisterten Freiheit-rusen der Berliner empfangen. Die Turner des ersten Kreises verbanden mit dem Weltstrcil der Athleten ein krcissest, zu dem das Rleldeergebni» ebenfalls sehr stark war. Wehr als 250 Sraftsporller und über ZS0 Leichlalhleten zeigten im sportlichen Weltkampf ihr Können. Die Abwicklung des riesigen, buntbewegten Programms voll- zog sich völlig reibungslos. Aus der Vielseitigkeit der Schau ragten be> sonders die guten Leistungen und die Erfolge der Jugend hervor. Ein vorgesehener Festzug der Sportler durch die Straßen wurde nicht genehmigt und so mußte der Zug auf dem Sportplatz vor sich gehen. Der Vorsitzend« des Vereins durste nur die Sportler und Gäste begrüßen, mehr auszusprechen verbot der Burgsriede! Am Sonnabei.d eröffneten die Schwimmer die Wettkämpfe mit Waiserballspielen, Kunstreigen und Rettungsschwimmen. Am Sonn- tag machte das Wetter den gemeinsamen Start und das Sichzeigen aller Sparten auf dem Sportplatz einen bösen Strich durch die Rechnung. Auch am Vormittag wurden die zahlreichen Vorkämpse sämtlicher Sportler und Sportlerinnen oft von Regenschauern unterbrochen. Die Schwerathleten mußten daher in die große, aber stets dicht besetzte Turnhalle übersiedeln und wegen des großen Meldeergebnisses gleich auf drei Matten mit ihren Kämpfen be- ginnen. Der Plag reichte hier aber bei weitem nicht aus und so mußten die Schlußkämpfc im Boxen in die Humboldt-Schule ver- legt werden; so wurde an drei Stellen gekämpft und zahlreiche Zuschauer kamen um den Genuß manch sportlicher Glanzleistung. Alle Wettkämpfer aus dem Reich verfügten über eine gute Technik, und die Berliner mußten sich gewaltig strecken, um nicht all« Siege den Gästen zu überlassen. Schöne flotte und doch recht harte Begegnungen gab es bei den Jiu-Jitsu-Sportlern; Berlin konnte sich hier recht gut behaupten. Bei den Boxern kämpfte jeder aus«inen überzeugenden Sieg hin, es gab zahlreiche k. o.-Siege. Verlin und Bremen waren je dreimal auf den ersten Plötzen zu finden. Technisch sehr schöne und überraschende Kämpfe gab es auf allen Ringermatttcn. Am Vormittag trugen die Schüler und Jugendliche ihre Wettkämpfe aus; auch hier schnitt der Berliner Nachwuchs recht gut ab. Bei der«norm großen Beteiligung in allen Männerklasien durste es keine Pause geben, wenn nicht bis in die Nacht hinein gerungen werden sollte; erst am späten Abend konnten die Schlutztrefsen gestartet werden. Im Vierkamps der Heber gab es manch schöne Leistung zu bewundern. Die Bundcsmeister P o e k e r n und W a l l o f ch e ck(L.-F. 04) konnten mit den beiden Spartanern H ü f f n e r und Wiese vier Siege sür Berlin er- ringen. Der Rekordheber Wiese- Sparta stellte im Federgewicht einen neuen Bundcsrekord auf. Er riß beidarmig 185 Pfund. All« Wettkämpfe der Leichtathleten auf der Aschenbahn und auf dem Rasen wiesen stärkste Beteiligung auf und die Ent- scheidungcn bei den Männern, Frauen, Jungen und Mädels waren oft recht knapp. Alle gaben ihr Bestes und trugen so am Gelingen de? Spartfestes mit bei. Die fleißigen Spielleutc der„Freien Sport- und Musikvereinigung� verkürzten manche Regenpause. Der Verlauf dieses schönen Sportfestes hat wiederum den Beweis erbracht, daß es nicht darum geht, Kanonen zu züchten und neue Rekorde zu Ichotsen, sondern Massensport zu zeigen und zu treiben, kurz, ein gesundes und frohes Bauoolt der kammenden Zeit im Dienst der Arbeiterbewegung heranzuziehen! Resultate im Ringen ber Schüler: In ber Klasse bi» 60 Pfund siegte Eulas(A. W.); in der Klasse bi» 70 Pfund blieb Harm»(Stettin) Sieger und «on 70 bis 80 Psund siegte Lange 191. W.) In dem Ringen der Jugenblichen Dan 90 bi» 100 Pfund siegte Kuhnert(Magdeburg); oon 100 bis 110 Pfund gewann Langer«Svarta); Thiele(Gröber: siegte in der 110— 120.Psundllasse und Krüger(Tegel) holte sich von 120— I30.Pfund.G»gnern den ersten Pia?. Cugebnissr der Manner im Ringen. Fliegengewicht: Schmidt sBreslau): Bantamgewicht: Staudin(Stettin): Federgewicht: Sirauck(Breslau): Leicht. gewicht: Thor(Senstenberg): Mittelgewicht: P. Binder(Lichtenberg): Halb. schwergewicht: Kluck(Heidenau): Schwergewicht: Rosenkranz(Alt-Wedding).— Gewichteheden. Fliegengewicht: Siegel(Heidenau) 375 Pfund: Bantamgewicht: Hüffner(Sparta) 515 Psund: Federgewicht: Wiese sSparta) 625 Pfund; Leicht. gewicht: Poekern Lichtenberg) 670 Pfund: Mittelgewicht: Trommelt(Magde. bürg) 655 Pfund; Halbschwergewicht: Wallofckieck(Lichtenberg) 770 Pfund.— Im Jw'Jitsn siegten. Fliegengewichi: Dietrich(Ciniakeit): Dantamgewichi: Ttölze(Magdeburg); Federgewicht: H. Kunz(Cinigteit); Leichtgewicht: Lück (Lichtenberg); Mittelgewicht: Schlegel(Cinigkert): Halbschwergewicht: P. Binder lLichienbery).— Ergebnisse im Boxen. Fliegengewicht: Kloß(Tegel): Bantam. gewicht: Pietrzyk lBremen): Federgewicht: Sägeling(Heidenau); Leichtgewicht: Bockmann lBremen); Weltergewicht: Heumann(Bremen): Mittelgewicht: Köppen(Tegel); Schwergewicht: Löschen(Tegel). Buud&st&euc l/eceiue ieiieu(*Ut: ,,, ASKä-Brih. Ab Dienstag, 9. August, jeden Dienstag, 18 Uhr, Treseburger- Ufer-u-portplah. Alle Abteilungen üben letzt nach dem neuen Uebungsplan (siehe Juli-Mitteilungsblatt). 8* ATSB. Arledrichsfelb«. Frauenturnen ab Dienstag, 9. August. Männer- turnen ab Freitag, 12. August. Kinderturnen ab Freitag, 12. August. Platz. turnen leden Donnerstag Treskowallee. Sonntag. 7. August, Fußballspiel: Friedrichsielde— Butab. Nach dem Spiel bei Tempel Beisammensein. Eintritt 30 Pf. Erwerbslose Mitglieder 10 Pf. Ansang 18 Uhr. FTGB., Tempelb-f. Es turnen ab 8. August Jungmädchen und Männer Montags und Donnerstags oon 20 Uhr in Tempelhof, S-hule, Am Alarichplat,; Frauen Dienstags oon 20 Uhr in Mariendorf, Schule Kurfürsten. Ecke Chausseestraß». „ Alle Abteilungen üben jetzt nach dem neuen Uebungsplan(stehe ?uli-Miiteilungsblatt).— Jeden Dienstag, ab 18 Uhr, Spiel und Sport auf dem Sportplatz Treseburger Ufer. Rundfunk am Abend Montag, den 8. August B e r lin: 16.05 Die Sdilicfatungsverhandlungen als Er- kenntnisquelle der Wirtschafts- und Arbedtsmarktkonjunktur (Dr. Ellinghaus). 16.30 Oboe und Klavier. 16.55 Lieder. 17.05 Klaviermusik. 17.30 Jugend und Zeitung(Dr. H. A. Münster). 17.50 Militärische Jugendausbildung im Ausland(W.Jost). 18.20 Mit dem Mikrophon durch die Mark: Rheinsberg. 18.30 SoTiialpolifisrhe limsthau(Dr. W. Pohl). 18.55 Die Eunkstundo teilt mit. 19.00 Stimme, /um Tag. 19.(0 Milleilungen des Arbeitsamtes. 19.13 Unterhaltungsmusik. 19.30 Die Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes(Staatssekr. Dr. Grieser). 20.00 Funk-Kalender(August). 21.00 Aus Salzburg; Orchester- Serenade.(W. A. Mozart). 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.40 Ans Wien: Abendkonzert. Königs Wusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk (Kantor A. Strube). 17.30 Freisprach— aber moralische Verurteilung(Oberstaatsanw. B. Köhler). 18.00 Musizieren mit unsichtbaren Partnern(Dr. H. Just). 18.30 Spanisch für Anfänger(Gertrud v. Eyseren, Dr. F. Armesto). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Aktuelle Stunde. 19.30 Stunde des Landwirts (Min.-Bat Dr. Kürschner). 20.00 Aus Breslau:„Das Feld"(Ein Querschnitt durch deutsche Bauerndiditung). Sonst; Berliner Programm., Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwarts"-Boteai oder die Postanstalten. J