BERLIN Mittwoch 10. August 1932 Nr. 374 B 182 49. Jahrgang Redaktion U.Expedition: »erlin SW 68, Lindsnstr.8 Lei. A7 Dönhoff 292—297 Anzeigenpreis: Die Ifplt MM- meterzeile 30 Pf. Die Rellamezeile lostet 2 Marl. Rabatte n. Tarif. Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis t u r b e i d e A u s g a b e n 75 Pf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat ld-von 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,37 M. einschließlich 63 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbefiellgebühren. Als Chef eines Hindenburg ist seit heute morgen in Berlin. Man erwartet von ihm eine Entscheidung. Die Dinge sind.jetzt soweit klar, daß die Absicht H i t l e r s, sich dem Reichspräsidenten als Chef einer„über- parteilichen Präsidialregierung" anzubieten, feststeht. Das heißt, Hitler will etwas werden, was er als Parteiführer auf keinen Fall werden darf, wenn auf die Erhaltung der bestehenden Verfassung überhaupt noch einiger Wert gelegt wird. Die sogenannte Präsidialregierung ist als eine Regierung gedacht, die sich auch gegenüber einem unfähigen Reichstag behauptet und auf dem Verordnungsweg lebenswichtige Maß- nahmen durchführt. Eine solche Regierung, als Notbehelf in slürmischer Zeit, ist nur dann zu rechtfertigen, wenn sie w i r k- l i ch unparteiisch ist. Die Regierung Papen nennt sich eine überparteiliche Präsldiatregierung— in Wirklichkeit ist sie eine Regierung des Kampfes gegen die Sozialdemokratie und gegen die Arbeiterklasse. Eine Regierung Hitler, als„überparteiliche Präsidial- regierung" aufgezogen, würde erst recht eine Verhöhnung und eine Herausforderung der Volksmehrheit sein. Der Reichspräsident hat das Recht, jedem Beliebigen die Kabinettsbildung zu übertragen. Er hat aber die Pflicht, die moralische und geistige Qualifikation des Mannes, den er be- auftragen will, zu prüfen. Fällt diese Prüfung negativ aus, so kann ihn niemand zwingen, einem Parteiführer, der nur e i n e M i n d e r h e i t des Volkes hinter sich hat, den Auftrag zur Kabinettsbildung zu erteilen. Zwischen der Erteilung des Auftrags und der Ernennung liegen die Bemühungen der Beauftragten, ein Kabinett zu bilden. Unter normalen Verhältnissen erfolgt die Er- nennung erst dann, wenn dem Beauftragten die Bildung eines Kabinetts auf tragfähigcr parlamentarischer Grundlage gelungen ist. Die Frage ist also: Wird der Reichspräsident Hitler über- Haupt beauftragen? Und wenn er es tut, wird er ihn beauf- tragen, eine parlamentarische Regierung zu bilden, oder wird er ihm die Führung einer„Präsidiolregierung" übertragen? Nach unserer Ueberzeugung kann eine Beauftragung Hitlers überhaupt nicht in Betracht kommen, weil für sie alle persönlichen Voraussetzungen fehlen. Man kann den Führer einer Partei, die bis in die letzten Tage hinein eine Unzahl scheußlicher Schandtaten zu verantworten hat, nicht mit der Bildung einer Regierung betrauen, ohne die Autorität des deutschen Staatswesens vor den Augen der ganzen Welt und der Mehrheit des eigenen Volkes völlig zu zertrümmern. Würde ihm gleichwohl der Auftrag zur Kabinettsbildung aufparlamentarisch erGrundlage erteilt, so läge die Verantwortung für die weitere Entwicklung b e i m Z e n- t r u m. Selbstverständlich würde ein Zentrum, das eine Hitler-Regierung toleriert, in den allerschärfsten Gegensatz zur Sozialdemokratie geraten. Hitler aber will fa gar nicht Chef einer Regierung wer- den. die auf p a r l a m e n t a r i s ch e r Grundlage beruht. Er will nicht die Pflicht übernehmen, zurückzutreten, wenn ihm eine Reichstagsmehrheit das Vertrauen ausdrücklich ver- weigert. Er will Chef einer als„überparteilich" maskierten sogenannten„Präsidialregierung" werden, die ohne und gegen den Reichstag regiert. Mit anderen Worten: Hinter der täuschenden Fassade einer„überparteilichen Präsidialregierung" soll die brutalste, parteiischste, gewalttätigste Diktatur einer einzigen Partei, der nationalsozialistischen, errichtet werden. So will Hitler die A l l e i n m a ch t, die ihm eine ungeheure Mehrheit des deut- schen Volkes im Jahre 19-?2 in drei Abstimmungsschlachten dreimal verweigert hat. auf krummen Wegen erschleichen. Er mag dabei auch daran denken, daß bei dem hohen Alter des Reichspräsidenten der Tag vielleicht nicht mehr ganz ferne ist, an dem der amtierende Reichskanzler auch das Ä m t d e s 99 Überparteilichen" Kähmens Putschversuch in Madrid Roble Verschwörer gegen die Republik verhastet Madrid, 10. August.(Eigenbericht.) Ein Putschversuch monarchistischer und militärischer Verschwörer gegen die Republik ist rasch niedergeschlagen worden. Auf Grund einer vertraulichen Anzeige nahm die Polizei in einem Maleratelier um!! llhr nachts acht Personen fest, darunter Advokaten und Richter. Tic Verhafteten haben gestanden, daß ein Putsch beabsichtigt war. Um 4 Uhr morgens tauchten vor dem Gebäude der Hauptpost etwa 00 Militärs und Zivilisten auf, die das Haus besehen wollten. Eine andere Gruppe Bewaff- netcr wollte das gegenüberliegende Kriegs mini- st e r i u m stürmen, in dem der Ministerpräsident wohnt. Es gelang der sofort alarmierten Polizei, die Aufrührer teils zurückzuschlagen, teils in das Post- gebäude zu drängen, wo sie von der Gcndarmericbcsahung verhaftet wurden. Unter ihnen sind aktive Qffizierc der Armee und ein Herzog von Infantavo, neben- bei Präsident des d c u t s ch- spanischen Komitees? Es wurde viel geschossen, doch soll es nur ganz wenige �pfer gegeben haben, die Verschwörer verstanden fach- männisch, sich zu decken, die Straßen waren aber um diese frühe Stunde noch leer. Kleine Tanks fuhren später vor den erwähnten Gebäuden auf. Fünf Männer, und zwar ein Unteroffizier, drei S a l- d a t e n und ein Z> v i l i st sollen getötet worden sein. In der Hauptstraße wurde noch nach 3 Uhr geschossen. In anderen Stadt- teilen hörte man noch bis nach 7 Uhr Schüsse fallen. Der Rest der Aufständischen hat sich in die Umgebung von Madrid zurück- gezogen. Hastbefehle gegen Alfons und Ferdinand. Madrid. 1v. August. Der parlamentarische Untersuchungsausschuß für po- litische und administrative Verantwortlichkeiten des alten Regimes hat Haftbefehle gegen Exkönig Alfons, Infant Fer- d i n a n d von Bayern, gegen den ehemaligen Arbeitsminister der Diktatur und andere Persönlichkeiten erlassen. Die Verfügung bezieht sich auf eine Eisenbahn bau- Angelegenheit, bei der große Schiebungen vorgekommen sein sollen. Reichspräsidenten vertretungsweise übernehmen wird. In Blättern, die unterrichtet sein könnten, wird oersichert, daß Herr v. Hindenburg dieses Spiel durchschaut und nicht die Hand zu ihm bieten wird. Herr von Hindenburg hat die Auflösung des alten Reichstags verfügt mit der Begründung. daß seine Zusammensetzung dem W i ll e n des Volkes nicht entspreche. Nun hat das Volk gesprochen, es hat klar und deutlich ein faschistisches Regiment abgelehnt. Der Ver- such, trotzdem ein solches Regiment zu errichten, stände im Widerspruch zu allen Wahlergebnissen. Eine Explosion des wirklichen Volkswillens müßte die Folge sein! Verhandeln? Verhandeln? Auch die grundsätzlich neue Art der Gtaatsführung kommt ohne Kuhhandel nicht aus. Telunion meldet: Nachdem der Reichspräsident in Verlin eingetroffen ist, haben die Verhandlungen über eine llmbildung der Reichsregierung be- gönnen. Ter Reichskanzler hat bereits am Tienstag- abend mit dem Reichswehrmini st er, der Ende voriger Woche eine Besprechung mit Adolf Hitler hatte, Rücksprache genommen. Heute vormittag l 1 llhr begab sich Herr von Papen zum Reichspräsidenten, um ihm über seine Pläne zur Um- bildung der Reichsregierung Vortrag zu halten. Um 17 Uhr findet eine Kabincttssihung statt. Nach Abschluß der Sitzung wird der Kanzler vermutlich den Führer der NTTAP., Adolf Hitler, sowie Vertreter der Zen- trumspartei und der Teutschnationalen Volkspartei empfangen. Das Bemerkenswerte an dieser Meldung ist, daß Hitler und die anderen Parteiführer eines offenbar geplanten Rechtsblocks nicht vom Reichspräsidenten, sondern vom Reichskanzler empfangen werden. Der Reichspräsident scheint sich die Aufnahme direkter Verhandlungen für den Fall vor- zubehalten, daß die Verhandlungen des Reichskanzlers scheitern und mit seinem Rücktritt enden sollten. Bombenleger arbeiten weiter. Attentate auf sozialistische Zeitungen und Zentrumspolitiker. Königsberg, 10. August. sEigenbericht.) Fn der Nacht zum Mittwoch um drei Uhr wurde auf das Verlagsgebäude der in Elbing erscheinenden sozial- demokratischen Tageszeitung„F r c i e Pres se" ein Bombenanschlag verübt. Hintereinander explodierten zwei niedergelegte Bomben, die in den Geschäftsräumen und an der Haustür beträchtlichen Schaden anrichteten. Die Wirkung der Explosion war so stark, daß die Fenster- scheiden in der ersten Etage des lttebäudes und die Schei- den der gegenüberliegenden Häuser entzweigingen. Der Sachschaden ist bedeutend. Personen sind nicht verletzt worden. Am Miilwochmorgen wurden in Rössel sstreis Allenstein) gegen das haus des Rechtsanwalts Dorsch, der Stadtverordneter und llreisvor sitzender der Zentrumspartei ist, vier Schüsse abgegeben, die durch die Fensterscheiben drangen. Aus den dem Magistrat als Zentrumsmitglied angehörenden Tischler. meister L o w i h wurden ebenfalls mehrere Schüsse abgefeuert. Gleichzeitig wurden die Schaufensterscheiben eines Geschäfts einge- schlagen. Der städtische Nachtwächter hat zwei Leute davonlaufen sehen, die braune Hosen trugen. Zn Neidenburg ist in der Nacht zum Dienstag ein Sprengstoss- attentat verübt worden, das der Filiale der Reichsbank galt. Es explodierte eine Sprengstoffladung, die in ein Eisenrohr eingebettet war. Die Wirkung war allerdings infolge der unsachgemäßen Herstellung nicht groß. Atientatsseuche greist auf Sachsen über. Dresden, l0. August.(Eigenbericht.) Zn die Räume der Volksbuchhandlung des sozialdemokratischen Organs in Freital bei Dresden wurde in der vergangenen Nacht von einem vorübcrfahrenden Motorrad aus eine Bombe geworfen. Die Ladeneinrichtung wurde zum größten Teil zertrümmert. Splitter flogen durch die Scheiben in die Schtasräume der benachbarten Grundslücke, verletzt wurde niemand. Die Täter sind noch nicht ermittelt. Braunschweiger Faschismus. Sozialistischer Bedatteur verhastet.- Polizeioffizier bespien und— gemaßregelt! Braunschweig, 10. August.((Eigenbericht.) Am Mittwochvormittag wurde der Redakteur des sozialdemokratischen„harzer Echo", Richard Salze, verhastet. Die Verhaftung erfolgte auf Grund der Denunziation eines nationalsozialistischen Landwirts aus hafselvörde, wo augenblicklich ein Londfriedensbruchprozeß gegen drei Reichsbannerkameraden durchgeführt wird. Genosse Salge wird beschuldigt, in einer öffentlichen Versammlung die Bewohner„aufgereizt" zu haben. Der Polizeioberleutnant Albrecht aus Wolfsen- bütlcl ist mit sofortiger Vlirkung seines Dienstes enthoben. Gleichzeitig ist gegen ihn ein förmliches Dienststrosoersahren eingeleitet worden. Albrecht war vor kurzem gegen einen bekannten S A.- Z ü h r e r, der ihm auf offener Strohe ins Gesicht gespien hatte, energisch vorgegangen. Hänge-Röver tarnt GA.-MoZizei. Neue Provokation gegen Gayl. Oldenburg, 10. August. Die für die Oldenburger Gendarmerie eingestellten Hilfskräfte aus den Reihen der SS. und SA. kommen in allen drei Landes- teilen des Zreiflaales heute wieder zur Entlassung. 3n einer Rede, die der Ministerpräsident vor Gemeinde- und Amlsralsvertretern in Berne gehalten hat, wies er darauf hin. dah die zur Entlassung kommenden Leute in ihren Heimalorlen zum Schuhe des Eigentums eingeseht würden. ic Herr K l a g g e s in Braunfchweig hat feine SA.-Hilfs- Polizei als„Selbstfchuharganisation" getarnt. Hänge-Röver in Oldenburg entläßt seine CT.- und SA.-Polizisten aus dem ntaNTglen ahnen heraus? Bordertor der Oldenburger Polizeikaserne, um sie durch die Hinterpforten wieder hineinschlüpfen zu lassen. Die SA.-Banden werden„in ihren Heimatorten zum Schutze des Eigen- tums" eingesetzt, also mit polizeilichen Funktionen auf die Bevölkerung der kleinen Städte und des flachen Landes los- gelassen. Die hitlerrcgierungen in den deutschen Kleinstaaten pfeifen auf die Vereinbarungen mit dem Reich. Die Maßnahmen eines Klagges und Rover find eine glatte Verhöhnung der Reichs- a u t o r i t ä t. Herr von Gayl erhält Schlag auf Schlag die Quittun- gen für feine verhängnisvolle Politik der Schwäche gegen- über de» selbstherrlichen Naziregierungen. Wird der Reichsinnen- minister sich jetzt endlich zu energischem Borgehen gegen die Sabo- tageakte der Klagges und Röver entschließen? Jugendherberge eingeäschert. Sechzig Wanderer schwebten in Lebensgefahr. Schmallenberg(kreis Meschede), 10. August. Gegen Mitternacht brach in der Zugendherberge kue- Hude ein Brand aus. der sich in kurzer Zeit über die gesamte, aus ,ivei Gebäuden bestehende Zugendherberge ausbreitete. Die Herberge war mit SO jugendlichen Wanderern belegt. Das Feuer griff so rasch um sich, daß die Zugendlichen nur das nackte Leben retten konnten. Einige der jungen Leute erlitten erhebliche Brandwunden, andere wurden beim Sprung aus dem Fenster verletzt. Die genaue Zahl der den Krankenhäusern zugesührten Schwerverlehlen steht noch nicht fest. Die Herberge ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Das gesamte Gepäck der Wanderer ist gleichfalls dem Feuer zum Opfer gefallen. Die Mordhelfer schreien. „B. B." fordert Anwendung der Todesverordnnng nur gegen— Marxisten! Zur neuen Notverordnung schreibt der„Völkische Beobachter" u. a., man müsse erwarten, daß die neuen Bestimmungen nicht auf dem Papier stehenblieben, fondern mit aller Schärfe gegen die Rollkommandos und Dachschützen der marxisti- s ch e n Parteien angewendet würden. Daß der Rote Terror keinen noch größeren Umfang habe annehmen können, verdanke Deutsch- land einzig und allein den Männern der SA. und SS. Selbstoer- ständlich könnten auch die endlichen Maßnahmen der Reichsregierung nur als ein Anfang gewertet werden. Eine nationalsozialistische Rotverordnung würde ganz anders durchgegriffen haben durch sofortige Verhaftung und Aburteilung aller kommunistischen und sozialdemokratischen Parteifunktionäre, durch die konzentrische Aus- räucherung der Mordviertel und durch Unterbringung der verdäch- tigen und intellektuellen Anstifter in Konzentrationslagern, im positiven aber durch den Neuaufbau des nationalen Erziehungs- stzstems, das in der Novemberrevolte im Jahre 1918 zerschlagen worden sei. Wenn Pape» irgendeine Beruhigung durch seine Todesver- ordnung erwartet, so irrt er, wie schon diese unverschämte Aeuße- nmg des Hitler-Blattes deutlich zeigt. Die intellektuellen Helfer der Bombenwerfer und Mordgesellen wagen es, noch von der Notwendigkeit ihres Schutzes zu reden, als ob nicht sie die Verantwortung für die Blutopfer der letzten Wochen trügen! Länderamnestien unwirksam. Die Reichsregierung hat Bestimmungen erlassen, durch die künftige von den Ländern beschlossene Amnestien unwirk- s a m werden. Bereits in Kraft befindliche Amnestiegesetze werden hier von nicht berührt. Zu neuen Kämpfen! Künstler über die Aufgaben der Partei In einer Konserenz der Abteilungsleiter und der Fraucnver- treterinnen der Parteiorganisation wurde gestern die politische Lage nach den Reichstagswahlen besprochen. Der Vor- sitzende, Franz Künstler, ging in seinem Referat zunächst auf das Ergebnis der Wahlen in Berlin ein und verwies dabei auf seinen Aufsatz im„Vorwärts" vom Mittwoch früh. Er kam zu dem Schluß, daß der Verlust an sozialdemokratischen Stimmen in Ber- lin angesichts des unerhört schweren Wahlkampfes, in dem sich alles gegen uns richtete, nicht schwer sei. Es sei, so erklärte Künstler, nach der Wahl in parteigenössischen Kreisen oft die Frage ausgeworfen worden, ob die Haltung der Partei gegenüber den Kommunisten richtig war. Es fei zuzugeben, daß bei einer schärferen gegen die Kommunisten gerichteten Agitation von dieser Partei Wähler zu uns herübergezogen werden konnten. Trotzdem aber sei es richtig, daß der Hauptstoß gegen die Ralionalsozialisien und damit gegen den Faschismus geführt wurde. Wenn es den Kommunisten mit der von ihnen oerlangten Einheitsfront so ernst gewesen wäre wie der Sozialdemokratie, so hätte bei dieser Wahl eine ungeheure antifaschistische Front errichtet werden können, die in dem Wahlergebnis unzweifelhaft stärkeren Eindruck hinterlassen hätte, als es nunmehr der Fall ist. Wir sind auch heute noch bereit, den Kampf gemeinsam mit den Arbeitern in der Kommunistischen Partei zu führen, sind allerdings nicht geneigt, den kommunistischen Parolen bedingungslos zu folgen. Mit einer Partei, deren Parolen von den eigenen Anhängern nicht befolgt werden, kann man nicht auf Gedeih und Verderb zusammenarbeiten. Generalstreik B. kündet man nicht tagelang vorher in den Zeitungen an: man sollte sich auch in der Kommunistischen Partei darüber klar sein, daß schließlich nach so öffentlicher Preisgabe der beabsichtigten Kamps- maßnahmen der Gegner sich vorbereite. Künstler beschäftigte sich dann mit der Politik der Regierung Papen. die statt der verheißenen Ordnung. Ruhe und Sicherheit im Lande den Terror der hitlerschen Mordbanden gesördert hat. An Moskau fei die Frage zu richten: Denkt man dort nicht daran, daß von einem safchistischen Deutschland her Sowjetrußland große Gefahren drohen? Denkt man nicht daran, daß die Nationalsozia- listen es sich nicht lange überlegen würden, auch mit Watiengewalt gegen Rußland vorzugehen? Will Moskau die Arbeiterschaft organi- satorilch und ideologisch immer weiter m der Spaltung erhalten? Es fei wirklich höchste Zeit, so erklärte Künstler unter dem Beifall der Versammelten, daß man in Moskau endlich die Schu.ld er- kennt, die man an dem Großwerden des Faschismus in Deutschland trägt. Nie wäre die Reaktion in Deutschland so groß geworden, stände die Arbeiterschaft einig und geschlossen in einer Partei da. Doch die Kommunisten sollten sich nicht täuschen: Jedem Demagogen ist noch immer früher oder später ein anderer Demagoge entgegen- getreten, der das Lügen besser verstand als der erste. Was die kommunistische Partei an der Arbeiterschaft gesündigt hat, erntet jetzt die nationalsozialistische. Im Bordergrunde unseres Kampfes müssen jetzt unsere sozialistischen Forderungen stehen. Dabei wird sich zeigen, ob es den National- sozialisten ernst mit ihrer Agitation und mit ihrem Programm ist. Wir sind über die Absichten der Nationalsozialisten gut informiert; so wissen wir, daß in der Nacht nach der Wahl die SS.-Führer nach Stuttgart gerusen wurden, wo man ihnen eröffnete, daß die gewaltsame Erhebung fallen gelassen sei, daß dafür aber Terrorakte gegen„marxistische Einrichtungen und Führer" durchgeführt werden sollten. Gleichzeitig wurde der Befehl gegeben, sich Maschinengewehre zu beschasen. Dem Einwand einiger Führer, daß man mit diesem Befehl die SA.-Leute zum Stehlen anhalte, begegnete man mit dem chinweis, daß die Machtergreifung durch die Nationalsozialistische Partei unmittelbar bevor- stände und daß es dann selbstverständlich eine Amnestie gäbe. Diese Anordnungen sind unmittelbar nach der Stuttgarter Zu- sammcnkunft widerrufen worden, nur haben die Kuriere Ostpreußen beispielsweise zu spät erreicht, so daß es dort tatsächlich am Montag nach der Reichstagswahl zu den bekannten Terrorakten gekommen ist. Zum Schluß richtete Genosse Künstler den dringenden Appell an die Abteilungsleiter, den Kampf auf breitester Basis und mit ver- schärfter Kraft fortzuführen. In einer längeren Aussprache gaben die Abteilungsleiter ihrer Meinung zum Wahlkamps, zur Politik der Partei und der Reichs- regicrung Ausdruck. Aufhebung aller Bechtsgaranlien! Die verordneten Gondergerichte Soeben wird die neue Verordnung über die Sonder- g e r i ch t e und ihre Zuständigkeiten veröffentlicht. Diese Sondergerichte, die nur für Preußen eingesetzt werden, sollen unter Ausschaltung aller bisherigen Rechtsmittel Schnelljustiz üben. Nach welcher Richtung, das wird sich bald Zeigen. Die wichtigsten Bestimmungen der Verordnung lauten: § l- Bei den Landgerichten der Oberlandesgerichtsbezirke Königs- berg, Breslau, Kiel, Hamm und Düsseldorf und bei den Landgerichten in Berlin und E l b i n g werden Sonder- gerichte gebildet. Die Sondergerichte sind Gerichte des Lan- des. Die Landesjustizverwaltung kann bestimmen, daß die Be- zirke mehrerer Landgerichte zu einem Sondergerichtsbezirk zu- sammengelegt werden. 8 2. Die Sondergerichte sind zuständig: 1. Für die Verbrechen gegen die Verordnung des Reichspräfi- deuten gegen politischen Terror vom 9. August 1932. 2. Für die Verbrechen gegen das Leben nach§§ 211 bis 215 StGB. 3. Für die Verbrechen und Vergehen gegen das Gesetz gegen den verbrecherischen und gemeingefährlichen Gebrauch von Spreng st offen vom 9. Juni 1884. 4. Für die Verbrechen und Vergehen des Widerstandes gegen die Staatsgewalt, wider die öffentliche Ordnung, des R a u- b e s und der Erpressung, für die gemeingefährlichen Verbrechen und Vergehen(Zweiter Teil, 8., 7., 29., 27. Ab- schnitt des StGB.). 6. Für die Verbrechen und Vergehen der gefährlichen und der schweren Körperverletzung, des Raufhan- d e l s und der G i f t b e i m i s ch u n g(ZZ 223». bis 229 StGB.), für die Verbrechen und Vergehen der Freiheitsberaubung, der Nötigung und der Bedrohung(§§ 239 bis 241 StGB.), für die Vergehen der Sachbeschädigung(ZZ 393 bis 395 StBG.). 6. Für das Vergehen gegen§ 1 Absatz 2 der Verordnung des Reichspräsidenten, betreffend die Stillegung von Betrie- ben, welche die Bevölkerung mit Gas, Wasser, Elektri» zität oersorgen, vom 19. November 1929. 7. Für das Vergehen gegen§ 1 der Verordnung des Reichs- Präsidenten zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicher- Heil und Ordnung vom 15. September 1923. 8. Für die Vergehen gegen die§ß 25, 26 des Gesetzes über Schußwaffen und Munition vom 12. April 1928 und gegen das Gesetz gegen Waffenmißbrauch vom 28. März 1931. 9. Für die Vergehen gegen die ßZ 1, 3, 6 des Kap. I des Achten Teils der Vierten Verordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen und zum Schutze des inneren Friedens vom 8. Dezember 1931. 19. Für die Vergehen gegen die 11 bis 14 der Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 14. Juni 1932. 11. Für die Vergehen gegen§ 2 Abs. 1 der Verordnung des Reichsinnenministers über Versammlungen und Aufzüge vom 28. Juni 1932. 8 5- Die Sondergerichte entscheiden in der Besetzung mit einem Vorsitzenden und zwei Beisitzern. Für jedes Mitglied ist für den Fall seiner Behinderung ein Vertreter zu bestellen. Die Mitglieder und ihre Vertreter müssen ständig ange- stellte Richter des Bezirks sein, für den das Sondergericht berufen ist. § 7- Auf das Verfahren finden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist, die Vorschriften der Strafprozeßordnung und des Ge- richtsoerfassungsgejetzes entsprechende Anwendung. § 8. Ein Gerichtsstand ist auch bei dem Sondergericht begründet, in dessen Bezirk der Beschuldigte ergriffen wird oder sich i n H a s t befindet. 8 10. Eine mündliche Verhandlung über den Haftbefehl findet nicht statt. Die auf die Untersuchungshaft bezüglichen Entscheidungen werden von dem Vorsitzenden des Sondergerichts erlassen. 8 12. Eine gerichtliche Voruntersuchung findet nicht statt. Ist eine Voruntersuchung beim Inkrafttreten dieser Verordnung anhängig, so sind die Akten alsbald der Anklagebehörde bei dem Sondergericht zuzuleiten. 8 13- Ein Beschluß über die Eröffnung des haupwersahrens ergehl nicht. Nach Eingang der Anklageschrift ordnet der Vorsitzende, falls er keine Bedenken hat. die Hauptoerhandlung an. Andernfalls führt er einen gerichtlichen Beschluß herbei. Die L a d u n g s f r i st(Z 217 der Strafprozeßordnung) beträgt 3 Tage. Sie kann aus 24 Stunden herabgesetzt werden. 8 14- Das Sondergerichl kann eine Beweiserhebung ablehnen, wenn es die Ueberzeugung gewonnen hat, daß die Beweiserhebung für die Aufklärung der Sache nicht erforderlich ist. 8 17- Gegen Entscheidungen der Sondergerichle ist kein Rechtsmittel zulässig. Heber Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens entscheidet die S t r a fk a m m e r. Die Wiederaufnahme zugunsten des Verurteilten findet auch dann statt, wenn Tatsachen oder Be- weismittel beigebracht sind, die es notwendig erscheinen lassen, die Sache im ordentlichen Verfahren nachzu- prüfen. 8 18. Verfahren, die beim Inkrafttreten dieser Verordnung wegen einer strafbaren Handlung anhängig sind, die zur Zuständigkeit der Sondergerichte gehört, werden, wenn die Hauptver- Handlung bereits begonnen hat, nach den allgemeinen Vorschriften weitergeführt.... Andernfalls gehen sie in das in der Verordnung geregelte Verfahren über. 8 IS. Endet die Tätigkeit des Sondergerichts, so gehen die bei ihm anhängigen Sachen in das ordentliche Verfahren über. 8 29. Diese Verordnung tritt mit dem aus die verkündung folgenden Tage in Krast. * Die Verordnung über die Sondergerichte bedeutet eine weitgehende Einschränkung aller Rechts- g a r a n t i e n für den Angeklagten, weit über das Maß der bisherigen Schnellgerichte hinaus. Dazu ist die Anwendbar- keit des Sondergsrichtsverfahrsns außerordentlich groß, sie gilt sogar für eine Anzahl früherer Notverordnungen, die in den Wirren der Jahre 192l), 1921 und 1923 erlassen wurden und heute schon f a st vergessen sind. Ein Rechts- mittel gegen die Sprüche der Sondergerichte ist nicht zugelassen. Das für zulässig erklärte Wiederaufnahmever- fahren hat keine strafaufschiebende Wirkung. Sogar in der Zulassung von Beweisen sind die Sondergerichte völlig frei. Sie können jeden B e w e i s a n t r a g des Angeklagten ablehnen. Wir sind nach wie vor der An- ficht, daß der politische Terror sich durch die Wiederherstellung des Rechtszustandes vom April, nämlich durch das Ver- bot der SA. und der Uniformen, viel wirksamer hätte bekämpfen lassen als dadurch, daß jetzt unter- schiedslos für die gesamte Bevölkerung alle Rechts- garantien aufgehoben werden, während die SA., SS. und ihre Uniformen weiter paradieren können. SA. hat neue Tressen, das Volk aber hat— Sondergerichte! Kulturbolschewismus? LawohU- Aber bei den Naiionalsozialisien! Die Herrschasten vom„Dritten Reich" haben die«pochemachende Entdeckung gemacht, dah das deutsche Theater, so wie es heute ist, ein Stall, eine Gemeinheit, ein Ort der Ilnsittlichkeit sei. Und sie heben an zur großen Reinigung. Im Landtag haben sie einen An- trag eingebracht, keine fremdrassigen Schauspieler zu beschäftigen und keine ausländischen Stücke zu spielen. Der Verein der künst- lerischen Bühnenoorstände Berlins hat gegen diesen Antrag protestiert. Und die Zuständigen, rühren sie sich? Zuständig sind in erster Reihe der Deutsche Bühnenverein und die V ü h n c n g e n o ss e n scha s t. Der Deutsche Bühnenverein hat in diesen Tagen wie allsährlich seine Generalversammlung in Berlin abgehalten. Man mußte erwarten, daß im Mittelpunkt seiner Verhandlungen dieser unerhört« Vorstoß gegen das Theater stände und in seinen Entschließungen eine entschiedene Abwehr klar und deutlich zum Ausdruck käme. Nichts von alledem! Der Deutsche Bühnenoerein beschäftigte sich mit— Tariffrogen und unterhielt sich über Gagen... Die letzte Spielzeit war wenig ergiebig, und die allgemeine Krise, in die auch das Theater hineingeraten ist, hat gezeigt, daß mancher Direktor das Recht verwirkt hat, noch länger ein Theater zu leiten. Ein Wechsel der Köpfe, eine Aenderung der Betriebs- form ist zweisellos an manchen Stellen notwendig, aber aus rein künstlerischen Gründen. Wir brauchen wieder strenges Ensemble, die Einordnung des Stars, weil das Ganz« wichtiger ist als die einzelne Leistung. Weder das Regisscurtheater, noch das Startheater, noch das Dekorationstheater ist heute erträglich noch tragbar. Das deutsche Theater ist in Gefahr eine Poinuchelsdorfer Angelegenheit zu werden, so ist die Lag«. Aber ändern die national- sozialistischen Bemühungen etwas daran? Sehen wir zu! Der„Völkische Beobachter" beschäftigt sich augenblicklich viel mit Theatersragen. Ein abgebauter Intendant, der ehemals recht links war, stellt dort einen„Deutschen Spielplan" auf« und schlägt folgende Zyklen vor:„Das Fllhrerproblem", „Deutsche chcldensagen".„Liebe deutscher Menschen",„Deutscher Gottesglaube" usw. Ist das etwas Neues? Ist dos nicht schon vielfach geschehen an jedem Theater? Aber wird vor lauter Deutsch- hcit dieser Spielplan nicht sehr langweilig und ledern? Wie lange werden die Leute in die„Heldensage" und in den„Gottesglauben" hineinlaufen? Die Pleite würde enorm sein. Denn opfern für die Kunst ist nicht Sache des braven SA.-Mannes. Das müssen andere tun. Aber die System-Armee(SA.) hat den Weg zum Nazitheater erst frei gemacht, wie ein anderer im„Völkischen Beobachter" freimütig bekennt, der vom„Ende des Systemtheaters" schwafelt. Alles, was nicht Hakenkreuz ist, ist System, ob Staat, Reich, Theater usw.. System, das beseitigt werden mutz. Der Nationalsozialismus hat den„soldatisch Gesinnten mit dem ästhetisch Begabten in eine Front" gebracht, sogt dieser Teutobald. Der Künstler muß endlich einsehen, daß„selbst ein in künstlerischen Dingen unbewanderter Mann der Faust, sofern er nur das Braunhemd trägt, unendlich viel mehr für ihn getan hat und tut als sämtliche Intellektuelle zusammen- genommen". Dann kommen so ziemlich alle Dramatiker, die nach dem Krieg auf deutschen Bühnen gespielt wurden, in die Wolfsschlucht: Fulda, Hosenclever, Sternheim, Bruckner, Hofmannsthal, Toller, Werfel, Zuckmaycr, Friedrich Wolf, Frank Wedekind, Brecht, Leonhard, Frank, Lampel, Eulenberg, Hauptmann, Klabund, Unruh, Brust, Lernet-Holenia, Horvath, Iahnn, Schmidtbonn, Weismantel. Und erst die Ausländer: OMcill, Pirandello, Raynol, Shaw, Strindberg usw. in schönem Reigen! Der Mann läßt Köpfe rollen. Das muß man schon sagen. S1 Dramatiker zählt er insgesamt auf. Zwei nur finden bedingt vor seinen Augen Gnade: Gerhart Hauptmann, der aller- dings durch seine Verirrung in die internationale„Demokratie" es zum„deutschen Dichter im höheren Sinne" nicht brachte, und Schmidtbonn. Also streichen wir die gesamte europäische Literatur der letzten 50 Jahre durch und fangen van vorn an, nämlich hakenkreuzisch. Geduldet werden, so dekretiert dieser Wildling, in einem deutschen Spielplan nur„völkische Dramen der Weltliteratur" in„weiser Aus- mahl", setzt er vorsichtig hinzu. Wie bitte: Weltliteratur? Welt- literatur auf einer deutschen Bühne? Ich denke, dagegen kämpfen die Nazis gerade. Oder gibt es etwa eine Internationale der Hakenkreuze? Wo diese„völkischen Dramen der Weltliteratur" zu finden sind, wollte uns der teure Mann in seinem nächsten Artikel verraten. Da finden wir aber nichts darüber. Sondern wir hören, daß es jetzt Pflicht fei, junge deutsche Autoren zu entdecken und zu fördern. Und wenn es sie noch nicht gäbe, so gäbe es doch keinen besseren Garant für diese neue Kunst als den Nationalsozialismus. Dazu müsse natürlich die klassische Kunst kommen. Und endlich müßten sich die Dramaturgen um die deutschen Dramatiker kümmern, die bereits ein„werthaltiges Lebenswerk vorzuweisen" haben, das ober von der jüdischen Bühnenkultur unterdrückt sei. Ein Unrecht von Jahrzehnten sei hier gutzumachen. Namen? Fehlanzeige. Also die Oberlehrerdramen aus den Schubkästen! Und die völkischen Dramen der Weltliteratur? Fehlanzeige. Was der brave Mann erzählt, sind alte Kamellen. Aber wie war es denn immer, wenn wir uns für junge deutsche Dramatiker einsetzten? Dann inszenierten die Herren vom Haken- kreuz Skandale, so daß schließlich kein Direktor mehr den Mut hatte, junge Dramatik zu erproben. Der deutsche Dramatiker, den sie meinen, muß ein Braunhemd tragen, sonst ist es eben keiner. Die deutschen Theater stehen vor der Gefahr, zu schlimmen Parteibühnen herabgewürdigt zu werden. Und dagegen steht nie- mand auf? Die Schauspieler, die Direktoren, die Musiker, die Schriftsteller, die Maler, die Kulturmenschen? Keiner will kämpfen? Hinein in die Front der Kultur gegen die Barbarei! Uiebarck MsUbeus. Rsnienabbau ohne Ende. Den Erwerbslosen und Znvalidenrentnern folgen jeht die Sozialrentner. Heule vormillag sind von den Berliner Postämtern auch die Sozialrcnten nur noch verkürzt zvr Auszahlung gekommen. nachdem die Beziige der Erwerbslosen und Invaliden- r e n t n e r bereiis im Juli empfindlich gekürzt worden sind. Damit hat sich die Hoffnung der Sozialrentner nicht erfüllt, daß man sie von der allgemeinen Schmälerung der kargen Renten ausnehmen würde. Natürlich sind die armen allen Leule über die Abzüge außerordentlich erbittert. Alleinstehenden Personen hat man 1 M. pro Monat abgezogen, bei der Kinderzulagc ebenfalls 1 M. und den Ehepaaren 1,50 M. im Monat. Danach erhält jetzt in der gehobenen Fürsorge ein Allein- stehender monatlich 39 M. Rente, ein Ehepaar 50 M., ein Kind bis zu 6 Jahren 1l M. und ein Kind im Alter von K bis 16 Iahren 13 M. In der allgemeinen Fürsorge betragen die Renten für den Alleinstehenden monatlich 34 M., sür Ehepaare 51 M. und bei den Kindern gleichen die Sätze der allgemeinen Fürsorge(das sind die früher von der Armendirektion gezahlten Gelder) denen der ge- hobenen Fürsorge. Ohne Zweifel sind auch diese Sätze außerordent- lich niedrig, kommen doch aus einen Alleinstehenden nur 1,10 Itl. pro Tag, auf ein Ehepaar 1,65 M., auf ein Kleinkind 35 Pf. und auf ein größeres Kind 40 Pf. für den gesamten Lebensunterhalt. Aus diesem Grunde hat der M a g i st r a t der Stadt Berlin die Kürzung dieser Sozialrenten immer wieder hinausgeschoben. Man war der Auffassung, daß die Sozialrenten im Lause der letzten Jahre schon genug gekürzt worden sind und zum anderen hegte man immer noch die Hoffnung, daß durch eine Aenderung des Finanzausgleichs sich die finanzielle Lage der Reichshauptstadt günstiger gestalten würde. Die letzten Notoerordnungen der Pape n- Regie- rung haben jedoch der Stadt Berlin keine Entlastung gebracht, im Gegenteil, die Rentenkürzungen für die Erwerbslosen und Arbeits- invaliden haben die städtischen Finanzen ganz außerordentlich stark belastet. In Tausenden von neuen Fällen mußten die Wohlsahrts- ämter eingreifen, um die äußersten Härte» von den schwer betroffe- nen Erwerbslosen und Arbeitsinvaliden abzuwenden. So blieb der Stadt Berlin nichts anderes übrig, nun auch ihrerseits die von ihr gezahlten Sozialrentcn zu kürzen, so lange man auch diesen Schritt hinausgezögert hatte. Die Auswirkungen der Papen-Notverordnun- gen auf die städtischen Finanzen haben die Stadt schließlich dazu gezwungen. Die Arbeiterschaft ist allerdings mit den Sozialrentnern einig in dem Ruf:„Schluß endlich mit dem Rentenabbau!" Und die So- zialrentner selbst werden sich noch gut erinnern an die Tage der Hermann Müller-Regierung, als ein Ehepaar in der gehobenen Fürsorge 89 M. im Monat ausgezahlt erhielt. So ver- traten Sozialdemokraten die Interessen der Aermsten der Armen! Schupo schnappt SA.-Bande. Drei bewaffnete Hakenkreuzler in derMüllerstraße verhastet. Die„Gemeingefährlichkeit" der SA. wird wieder einmal durch einen Vorfall, der sich in der vergangenen Nacht in der Müllerstrahe im Norden Berlins ereignete, treffend gekennzeichnet. Kein noch so hysterisches Gekeife des Berliner lllazisudelblattes kann mehr darüber hinwegtäuschen, daß die zahllosen Attentats in Ostpreußen in Berlin überraschend schnell Schule machen. Nach dem Bombenanschlag auf das R e i ch s b an n e r h e i m in Britz, dessen Urheber leider noch nicht gefaßt werden konnten, war gestern abend ein Anschlag auf ein kommunistisches Verkehrslokal in der Müllerftraße geplant. Lediglich durch die Aui.nerksanikeit einiger Polizeibeamter konnte den Verbrechern das Handwerk so rechtzeitig gelegt werden, daß Blut- vergießen verhindert wurde. Gegen Uhr nachts beobachteten mehrere Schupobeamte einige Gestalten, die in unmittelbarer Nähe des KPD.-Verkehrslokals, in dem immer bis zum Ladenschluß reger Betrieb herrscht, umher- lungerten. Die Polizisten sahen sich das Treiben der Burschen eine Weile mit an und hielten dann den Augenblick für gekommen einzu- greisen. Die Beamten nahmen drei Mann fest, die sich als SA.-Leute entpuppten. Einer der Strolche hatte einen geladenen Trommel- r e v o l v e r in der Tasche, der zweite verfügte über eine geladene Mehrladepistole und der dritte hatte einen Dolch und einen Schlagring bei sich. Das bewaffnete Trio wurde der Politischen Polizei übergeben. Ein anderer SA.-Mann wurde in einer Schankwirtschaft in der Aloenslebenstraße am Bülow-Bogen festgenommen. Auch dieser Bursche hatte in seiner Rocktasche eine scharfgeladene Mehrlad«- piswle. Preußischer Sonderkommissar sür Oberschlesien. Ministerialrat Dr. Schütze vom Reichsinnenministerium ist im Auftrage des preußischen Staatsmimstenums zur Untersuchung der Vorgänge in Oberjchlesien dorthin entsandt worden, „Quick." Llfa-palast am Zoo. Der liebe Gott mit seiner stümperhaften Weltschöpfung lasse sich begraben. Wie mißlungen sein Werk ist, das er einst so gut fand, bemerken wir stöhnend olle Tage. Aber je miefer die Welt in Wirklichkeit, desto wonniger und molliger schaut sie aus dem bürger- lichen Film. Wie man eine garantiert fehlerfreie, hundertprozentig angenehme Welt schafft, das hätte der liebe Gott von H u g e n- b erg, seinem Produktionsleiter Erich Pommer und dem Re- gisseur S i o d m a k lernen können. Warum hat z. B. der liebe Gott ganz unnütz die Menschheit mit der Geißel der Krankheiten behaftet? Hugenberg-Pommer-Siodmak zeigen, daß Kranksein eine höchst amll- sante Sache ist. Statt der stöhnenden Welt bauen sie ein hoch- elegantes Sanatorium auf, in dem keine Kranken, sondern nur quietschvergnügte Gesunde herumwimmeln, nein, herum- toben! Kein Zauberberg— ein Zauber-Himalaja. Was außerdem in dieser Usawelt?— Variete und Chambre separe. Damit sind die Grenzen der Welt gezogen. Genügt. Schluß. Und was geschieht? Was kann in dieser Nichtstuerwelt ge- schehen?— Es wird geliebt. Egal geliebt, von A bis Z. Zu diesem Bebuf hat die Usa-Produktion ein Schauspielerpaar mit garantiert erstklassigem Sex Appeal gechartert: Hans Albers(Quick) und Lilian Harvey(Eva). Die beiden sexappealen, daß kein Back- sischherz trocken bleibt.(Mildeste Formel!) Zwar Puppchen Eva ist ihrem Clown Quick schon zu Anbeginn rettungslos verfallen, aber— ein Königreich für eine Handlung!— Liebe ist blind, und Puppchens Liebe so oberblind, daß sie den geliebten Clown„in Zivil" nie und nimmer wiedererkennt. Obwohl sich der die red- lichste Mühe gibt.... Aber keine Bange! Der sürchterliche Eifer- suchtskampf Albers kontra Albers(Albers in Zivil gegen Albers in Clownsmaske) wird mit blauen Zähnen und blitzenden Augen (bzw. umgekehrt) durchgekämpft bis zum dspp> and. Damit füllt sich die Zeit, und ehe sie sich kriegen, rinnt noch viel Sekt die Kehlen hinunter.— Es gab einmal einen wirklichen Schauspieler namens Hans Albers, für den bestand hier allerdings keine Ent- faltungsmöglichkeit.... Totaleindruck: wer sowieso keine Sorgen hat, kann sie hier mit Leichtigkeit vergessen. E. K— r. Vom Spießer zum Achtender. Wie die Frankfurter Naturwissenschaftlich- Technisch« Wochen- schrift„Die Umschau" mitteilt, befindet sich im Düsseldorfer Zoologi- schen Garten ein Hirsch, der einen ganz einzigartigen Fall darstellt: er hat sich nämlich vom Spieher sofort zu einem Achtender ent- wickelt. Bei günstigen Aesungs- und Ruheverhältnissen ist es ja nicht allzu selten, daß bei Hirschen und Rehen aus dem Spieher nicht ein Gabler, sondern sofort ein Sechsender sich entwickelt, dagegen sollte die Entwicklung eines Achtenders noch niemals beobachtet worden sein. In dem Düsseldorier Fall handelt es sich um einen aus der Eifel stammenden Rothirsch, der, durch einen Wilddieb seiner Muttor beraubt, vom Förster mit der Flasche aufgezogen und im November 1930 als Spießer in den Düsseldorfer Wildpark gebracht wurde, wo er besonders gute und reichliche Nahrung erhielt und auch vom Publikum vielfach mit Leckerbissen bedacht wurde. Dieser„Mastkur" wird es zugeschrieben, daß er sich schon 1931 zum Achtender ent- wickelte. Er wurde dann bösartig, so daß er vom Wildpark in den Zoologischen Garten oerbracht werden mußte. Der Einzigartigkeit des Falles wird allerdings in der letzten Nummer derselben Wochenschrift lebhaft von Dr. Hans Walter widersprochen, der schon vor 8 Iahren in den„Universüätsblättern jür Mathemcuik und Naturwissenschaft" dargelegt habe, daß die land- läufige und auch in Lehrbüchern der Zoologie vertretene Ansicht von der Entwicklung des Hirschgeweihes vom Spießer über den Gabler zum Sechsender, dann zum Achtender usw. durchaus unzutreffend fei, in Zoologischen Gärten, wo die Tiere genügend kalkreiche Nah- rung erhalten und völlige Ruhe haben, sei der Uebergang vom Spießer nicht nur zum Achtender, sondern sogar zum Zehnender schon häufiger beobachtet worden, in freier Wildbahn allerdings sei solche Entwicklung sehr selten, komme aber bei guten Aesungs- und sonstigen Umweltverhältnissen auch vor. Lt. Eine internationale Spinoza-Wsche. Zur Feier des dreihundertsten Geburtstages Spinozas wird die Spinoza-Gesellschaft vom 5. bis 10. September im Haag eine Spinoza-Woche in der Form eines Philosophenkongresses veranstalten. Die Eröffnung wird am Abend des 5. September in dem historischen Rolzaal stattfinden, in dem im 17. Jahrhundert das Verbot der Schriften Spinozas ausgesprochen worden ist. Die Ver- Handlungen der Spinoza-Woche, die im Spinoza-Haus im Haag stattfinden, sollen nicht historisch orientiert sein: es sollen in ihr außer dem Problem der Interpretation des Spinozismus die Frage des Verhältnisses von Physik und Metaphysik und von Religion und Philosophie behandelt werden. Als Redner sind bereits gemeldet: Sir Frederick Pollock-London, Leon Bninsvicg-Paris, Jose Ortega y Gasset-Madrid, George Santayana, Stephan S. Wise-NewPork, Pater v. Dunin- Borkowski S. I.- Koblenz, Ferdinand Sassen- Nymwegen, Ferdinand Tönnies-Kiel, Carl Gebhardt-Frankfurt u. a. Anmeldungen und Anfragen sind in Deutschland an den deutschen Kurator der Gesellschaft, Dr. Carl Gebhardt, Frankfurt a. M., Auf dem Mllhlberg 14, zu richten. Di« neue Musik zu Hauptmanns„Die versunkene Glock e", dem Eröffnungsstück des Schiller-Theaters, ist von Dr. Wilhelm G r o s z vollendet worden. Das Neuartige an dieser Kammermusik ist die Verwendung zweier Neo-Bechstein-Flügel, die auf elektrischem Wege 5klangmöglichkeiten vom dünnen Spinetton bis zum brausenden Orgelton vermitteln. 20 000 Schulen für Spanien. Nach einer Mitteilung des spanischen Unterrichtsministers plant die spanische Regierung die Auflegung einer 400-Millionen-Peseten-Anleihe, deren Ertrag zur Errichtung von 20 000 Schulen bestimmt ist. Reue Briefmarken. Zur Erinnerung an die britische Reichs- konferenz in Ottawa hat Kanada eine Sonderausgabe von Brief- marken in den Werten von 3,5 und 13 Cents, sowie eine besondere Lustpostinarke von 6 Cents in den Verkehr gebracht. Die rote Drei- Cent-Marke trägt als Bildschmuck das Porträt des Königs in einem Rahmen aus Kronen und AHornblättern. Auf der blauen Fünf- Cent-Marke sieht man das Profilbild des Prinzen von Wales. Die Dreizehn-Cent-Marke zeigt eine klassische. Frauenfigur und an den Seiten die Karten der beiden Hemisphären mit dem britischen Empire. Sie ist in grüner Farbe gedruckt. Die Lustpostmarke ist braun und zeigt als Bild den beschwingten Merkur. Freilicht-Theater Tchlohpark Buch. Am Sonnabend, nachmittags 5 Ubr, findet als erste Iiigendveranstältung eine Aufsühruna von„M i n n a vo» Barnhcl Ul" siatt. An der Leranstaltung nehmen u. a. die Schüler der 22 dem Amtsbezirk Berlin-Pankow angeschlossenen Schulen und die 12 000 Mitglieder des Berbandes sür Jugendpflege und Leibes- Übungen im Amtsbezirk Berlin-Pankow teil. Als sechste programmäßige Vorstellung geht am Sonntag, nachmittags 5 Uhr,„Charlcys Tante" in Szene. Das Kabarett der Komiker wird am Freitag nach einer kurzen Sommerpause wieder eröffnet. TaS August-Programm, von Paul Nikolaus confcriert, bringt eine Anzahl neuer Einakter und Parodien, darunter „Liebe auf kurzer Welle", eine Travestie des französischen Lustspieles von Kurt Robiljchel. Teuselsküche. „Großmutter, was kochst du da „Ausreden für die Mordbuben, gleich druckfertig im „Angriff" zu veröffentlichen." Krise und Krankheit Lieber krank sein als krank melden. Lebensgefährliche Gparerei Der Schrumpfungsprozeß der Wirtschaft l)at auch die Träger der S o z i a l o e r s i ch« r u n g heimgesucht. Das soeden bei der Verlagsgesellschaft Deutscher Krankenkassen Berlin erschienene «Jahrbuch der Krankenversicherung für 1931" gibt einen lehrreichen Einblick in diese Heimsuchung. Steigendes Elend unter den Kranken— das ist die Bilanz des Krisenjahres 1331 in der Krankenversicherung. Bis zum 30. April dieses Jahres hat die Zahl der Vcr- sicherten bei sämtlichen gesetzlichen Krankenkassen und den Ersatz- lassen gegenüber dem durchschnittlichen Stand des Jahres 1929, das die größte Ausdehnung der Krankenversicherung zeigt, um 16 Proz. abgenommen. JTtchr und mehr gehen langfristig Arbeitslose des Schuhes der Krankenversicherung verlustig, soweit nicht die Fürsorgeoerbände nach der Aussteuerung die Weiterversichcrung übernehmen. Die nach Versicherten nehmen weniger als srüher Sie Bersicherungsleistungen in Anspruch. Krank werden ist heutzutage eine gefährliche Sache. Man setzt lieber die Gesundheit als die Existenz auss Spiel. Krank sein oder besser gesagt, die nötige Rühe und Pflege bei einer Krankheit ist heute nicht mehr erlaubt. Der sinkenöe Krankenstand(je 100 Mitglieder 36,9 Arbeitsunfähigkeitsfälle und 1078 Ilnterstützungstage gegen 58,9 Arbeitsunfähigkeitsfälle und 1381 Ilnterstützungstage im Jahre 1929) bedeutet nichts anderes als Raubbau an der Volksgesundheit. Di« Arbeitslosen melden sich erfahrungsgemäß nach sei- teuer krank als die Arbeitenden, weil ihnen das Krankcngels nach den gesetzlichen Bestimmungen nur in Höhe der Arbeitslosenunler- stützung ausgezahlt wird und weil sie sich durch Erfüllung der Stempelpflicht wenigstens die Anwartschaft auf spätere Wiedercinreihung in den Produktionsprozeß sichern wollen. Die Inanspruchnahme der ärztlichen Behandlung ist durch die krankenscheingcbühr und den Arzneikoslenanleil erschwert. Dazu kommt dann nach der W c g s a l l f a st aller Mehr- l e i st u n g e n. Die Möglichkeiten zur Wiedereinführung von Mehr- leistungcn waren bisher äußerst gering. Nach einer Sondercrhebung de? Hauptverbandes deutscher Krankenkassen sind bis zum l. April dieses Jahres freiwillige Leistungen von 89 Ortskrankenkasscn mit etwa 600 000 Mitgliedern wieder eingeführt worden. An erster Stelle steht dabei das Sterbegeld beim Tode von Angehörigen, das 83 Kassen mit über 400 000 Mitgliedern gewähren. Dabei handelt es sich um eine Mehrleistung, die nach der Statistik des Hauptverbandes für 1930 von 1107 Kassen, das ist etwa 79 Proz. der Berichtskassen mit über 10 Millionen Mitgliedern, gewährt wurde. Größere Heilmittel— am wichtigsten ist dabei der Zahnersatz— werden für Mitglieder von 67 Kassen, sür Familien- angehörige von 34 Kassen gewährt. Mehr als 50 Prozent der Arznei- und Heilmittelkosten für Familienangehörige werden von 38 Kassen übernommen. Die sozialhygienisch besonders wichtige Leistung der Krankenhauspflege für Familien- angehörige ist in vollem Umfang bei 44 Kassen wieder ein- geführt, während 30 Kassen einen Zuschuß gewähren. Zuschläge zum Krankengeld nach dem Familienstand sind von 46 Kassen wieder eingeführt worden, lieber die. Pflichtzeit hinaus haben die Mit- glicderkrankcnhilfe 19 Kassen, die Famiiienkrankenhilfe 29 Kassen verlängert. Dabei sind an der Wiedereinführung von Mehrleistungen in der Hauptsache kleinere ländliche und kleinstädtische Kassen be- teiligt. Gewisse K o st e n e r s p a r n i s s e wurden durch Vereinbarungen mit den Heilberufen und Heilmittellieseranten erzielt. Infolgedessen gingen die Ausgaben der Krankenkassen nach amtlicher Schätzung 1331 gegenüber dem Vorjahr insgesamt um 19 Proz. zurück. Die Einnahmen haben sich infolge der Lohnsenkungen und der Arbeitslosigkeit vermindert um insgesamt 24 Proz. Der Rechnungsabschluß für 1931 zeigt daher zum erstenmal bei der Mehrzahl der Kassen Fehlbeträge. Diese konnten bisher im allgemeinen noch aus den Rücklagen gedeckt werden. Die srüher so oft gelästerte Rescrvenbildung hat Zahlungseinstellungen verhütet. Die Finanzlage der Kassen ist ein ernstes Problem: denn das Jahr 1932 brachte bis jetzt nur weitere Einnahmeschrumpsung. Zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes im Haushalt ist daher eine neue Senkung der Ausgaben gegenüber den Einnahmen notwendig. Man rechnet damit, Ersparnisse durch Herabsetzungen der Vergütungen für die Krankenpflege hereinzuholen. Ein Abbau der Fürsorge sür die Gesundheit der Versicherten über das Maß des Abbans vom vergangenen Jahr hinaus kann keine nennenswerten Einsparungen bringen. Jedenfalls stände die damit verbundene Schädigung der Volksgcsundhcit in keinem Verhältnis zur Ersparuna. Das Taschentuch des Mörders. Chauffeur Stadie von einem Berufskollegen umgebracht? Die schwere Bluttat an dem 32 Zahre alten Ehausseur Kurt S t a d i e ist immer noch Gegenstand der eifrigen Untersuchung durch die Mordkommission. Stadie wurde bekanntlich in einem Chausseegraben in der Nähe der Ortschaft Telz erschossen aufgefunden. Der Mörder hatte ihm drei Schüsse beigebracht. Die Leiche wurde au sdeni Wagen herausgezerrt und in den Graben geschleist. Neben der Leiche wurde ein braunes, baumwollenes Taschentuch gefunden. Die Mordkom- Mission mißt diesem Funde jetzt große Bedeutung bei. Da das Taschentuch nicht als das Eigentum Stadies festgestellt werden konnte, muß es dem Täter gehören. Es ist anzunehmen, daß der Mörder nach der Bluttat, bei der er sich sicherlich besudelt hatte, das Tuch hervorzog, um sich die Hände abzureiben. Das Tuch trägt ein wichtiges Wäschezeichen. Das Zeichen ist s ch w a r z v i o l e t t e s Garn, das zweimal mit der Nadel durch das Tuch gezogen ist und dessen eines Ende zu einem kleinen Knoten verschlungen wurde. Das Taschentuch ist weißrot und braunrot gemustert. Die Art dieser Tücher findet man oft bei Schlossern oder Monteuren. Nicht nur dieser Umstand, sondern auch noch verschiedene andere lassen die Ver- mutung immer mehr zur Gewißheit werden, daß der Täter aus „Fachkreisen" stammt.> lim Klarheit über die Herkunft des Taschentuches zu ge- Winnen, hat sich die Mordkommission entschlossen, dos Tuch aus- zustellen. Man wählte das Kaufhaus T i e tz am Halleschen Tor. In der Nähe— in der Bärwoldstraße 68— wurde ja bekanntlich auch der M o r d w a g e n in den frühen Morgenstunden aufge- funden. Das Tuch wird im Haupteingong zu sehen sein. Unter Hinweis auf die ausgesetzte Belohnung von 1000 Mark wird das Publikum gebeten, sein« Aufmerksamkeit darauf zu richten. Wenn auch dos Taschentuch als solches nicht erkannt wird, so besteht doch die Hoffnung, daß durch das Wäschezeichen das Geschäft oder die Wäscherei ermittelt werden kann, in der das Tuch entweder gekaust oder zuletzt gewaschen wurde. Mitteilungen erbittet die Mord- kommission Trettin-Gros check im Polizeipräsidium. Prügel in der Zollwache. An der Eaargrenze. Vierzig sSaargebiet), 10. August. Redakteur Anton Weller von der„Merziger Volkszeitung" ist in der Nacht zum Dienstag an der Zollstelle Bachem von fran- zösischen Zollbeamten derartig schwer mißbandelt worden, daß so- fnrtige Ueberführung in das Kreiskrankcnhaus Merzig notwendig wurde. Weller soll mit seinem Auto van einer Dienstsahrt aus der Richtung Losheim gekommen sein. An der Zollstelle hielt er ord- nungsmäßig an. Die anwesenden beiden Zöllner unterzogen den Wagen einer sehr genauen Kontrolle. Nach ihrer Beendigung ent- stand eine kleine Meinungsverschiedenheit, wahrschcin- lich deshalb, weil ein Zollbeamter in französischer Sprache eine Frage an Weller richtete, die Weller nicht verstand und deshalb auch nicht beantwortete Der Zollbeamte geriet darüber so in Wut, daß er Weller aus dem Wagen riß, ihn in das Zollhäuschen schleppte und, nachdem er das Licht geloscht hatte, mit F a u st- schlügen und F u ß t r i t te n so schwer mißhandelte, daß Weller besinnungslos wurde. Der herbeigerufene Arzt ordnete die Ueberführung Wellers in das Krankenhaus an. In der bolivianischen Hauptstadt La Paz kam es zwischen An- hängerii und Gegnern des Krieges zu blutigen Straßenkämpien. Acht Pazifistensührer wurden standrechtlich er- schössen! äDie JlHeiUalsflraße in ffiraunfchtreig Im Braunschweiger Arbeiterviertel wurde ein Bombenonschlag verübt, durch den rund 30 Häuser in Mitleidenschaft gezogen wurden. Sämtliche Fenster der Häuser wurden zerstört; zum Teil mußten sie durch Bretterverschalungen ersetzt werden. eßucfi Joachim illaati: Ä>«i lll'iderhuhcr Joachim M a a ß Roman„D e r W i d e r s a ch e r", die Geschichte vom Manne Laska, der auftaucht und verschwand(Verlag von S. Fischer, Berlin), van Abel und Jonathan, von den Mädchen Anna und Emma, hat eine ausgesprochene Lehrtendenz, eine Moral, wenn man will. Das Buch ist ein Versuch, dem bürgerlichen Menschen, dessen wirtschaftlichen und ideologischen Grundlagen er- schlittert sind, Anweisungen für ein seliges Leben in die Hand zu geben, die ihn, ungefährdet an Leib und Seele, durch die Klippen des heutigen gesellschaftlichen Lebens lotsen sollen in die gesicherte Zukunft eines neuen Staates. Diese Anweisungen und die Form, in welcher sie vorgebracht sind, sollen hier kurz aus ihren Inhalt untersucht werden, denn sie sind bezeichnend und charakteristisch sür die Haltung der biirger- lichen Intellektuellen, die heut immer mehr zu einer proleiarisierten Zwischenschicht werden, deren Existenzbedingungen eines bürger- lichen Lebens zerstört sind und die nun eigentlich zwischen den Klassen im leeren Raum schweben, haltlos und unentschlossen, mit einer Jdeolgie, der die Voraussetzungen fehlen, mit Werturteilen und Begriffen von Moral. Wirtschast und Politik, die sich gegenüber dem gegenwärtige» Geschehen als unzulänglich erweisen und mit einer Selbsteinschätzung, d'c den Prozeß der Proletarisierung nicht wahr habcii will und sich dagegen wehrt Man muß sich über die geseUschaitlichc Situation dieser Intellektuellen klar sein und den Inhalt des Buches von vornherein aus diesem Gesichtswinkel kritisch betrachten, denn sonst bleibt der Roman unverständlich und das Ganze läuft aus eine billige Symbolik zwischen salschem Handeln und der Korrektur durch das Gewissen hinaus, während es doch vielmehr eine beachtenswerte Stimme aus dem Lager der bürgerlichen Intelligenz ist, durch welche man erfährt, wie sie sich die Neugestaltung ihres gesellschast- lichen Seins denkt und ihre Loge in der heutigen Zeit beurteilt. Die Handlung des Romans spielt in einer kleinen nordischen Hafenstadt, von der man nicht weiß, unter welchem Breiiengrad und unter welchem Himmel sie liegt, der Ort der Handlung bleib: als Stadt nebelhast, und nur drei Ausschnitte aus dieser Stadt er- halten einigermaßen Kontur, ein Haus, eine Straße und der Hafen mit den Schissen, die unmer seltener kommen. Und in diese drei Bilder ist nun die Handlung, sind die phontomhaften Menschen de; Romans hineingebaut, die zwar alle irgendein hervorstechendes individuelles Merkmal hoben, ein zu große? Auge, einen schwarzen Zahnstumpf, und doch unwirklich bleiben wie die Stadt, in der sie agieren und in erschreckender Einförmigkeit weiter nichts tun. als über die Straße laufen und sich gegenseitig zu den Türen hinein- lchauen. Laska und Abel sind die beiden Hauptpersonen des Buches, an denen der Verfasser entwickelt, was der Mensch bürgerlicher Herkunft und proletarisierter Lebensweise in dieser Zeit tun und was er lassen soll. Es haftet ihnen und ihrer Umgebung etwas Ge- spensterhaftes. Unwirkliches an, sie sind nicht Menschen aus Fleisch und Blut, obgleich sie Bier trinken, würfeln und Mädchen haben, sondern personifizierte Lebenshaltungen, die denen der Intellektuellen entsprechen, die zwischen den Klassen stehen. Abel versucht, seinem proleiarisierten Dosein einen neuen Inhal: zu geben, er sucht ihn zuerst bei einem Mädchen, dann im Handel, im Reichtum und zuletzt in der Revolution, aber er scheitert und sein Suchen ist ein Zer- stören, während Laska überhaupt nichts tut. außer etlichen Hand- griffen allgemeiner Hilfsbereitschost, er entscheidet sich weder sür dos eine noch das andere, ein Stoiker und ein Diogenes, der eine uralte Philosophie verkörpert, und der von Maoß als der Mensch hingestellt wird, der das richtige Verhältnis zum Leben hat. Es ist nicht nötig, sich zu entscheiden— das ist der Sinn des Buches. 8. Oepper. Rundfunk am Abend Mittwoch, den 10. August Berlin: 16.03 Hörberidit v. d. Kläranlage in Stahnsdorf. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Kinder-Kalender(Aug.). 17.50„Achtung! Wir geben Ihnen die genaue Zeit der Sternwarte..(K. Kifihauer). 18.15 Mit dem Mikrophon durch die Mark: Freienwalde. 18.23 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.30 Xachmittagskonzert. 18.33 Die I' unkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Rechtsfragen des Tages(Geh. justizrat Prof! Dr. E. Heilfron) 19.33 Chorgesänge. 20.00 Grenzberichte. 20.20 Kurzinterview mit berühmten Fliegerinnen und Fliegern. 20.30 Eine Stunde Mever-Helmund. 21.10 Aus dem Rose-Theater:„Frühlingsluft"(Operette v. C. Lindau, j. Wilhelm). 22.00 Wetter- Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 16.00 Kunstgeschichte als Weltgeschichte(Dr. A. Behne). 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Parlamentarismus und Staatsführung in der Gegenwart(Priv.-Doz. Dr. Herrfahrdt). 18.00 Die„Alte Bettleroper"(P. H. Gehly). 18.33 Das heimliche England (Dr. W. v. Kries). 18.53 Wetterbericht. 19.00 Englisch für Fortgeschrittene(Marga v. Kuhlwein, Lektor W. Mann). 19.30 Die Not der Städte— eine internationale Erscheinung(Dr. Haneid). 20.00 Aus München:„Maria Stuart" v. Friedrich v. Schiller. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.15 Grenzberichte(Wachspl.). 22.43 Aus Hannover; Deutsche Tänze. Sonst: Berliner Programm. * Vollständiges Europa-Programm im..Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. „Frühlingsluft"(Operette r-, Tages- und Sportnachrichten. Die Dersassungsscier der Deutschen Kolonien in New Zork, die außer musikalischen Darbietungen eine Ansprache des Generalkonsuls Kiep bringt, wird am Donnerstag, 11. August, abends über den Deutschen Kurzwellensender auf Wachsplatten aufgenommen und bei gutem Gelingen gegen 11 Uhr auf den deutschen Sender gesendet. Wetter sür Berlin: Etwas wärmer, ziemlich heiter, trocken, schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Im Nordosten noch veränderlich, vereinzelt Schauer, im Übrigen Reiche ruhig, warm und ziemlich heiter. 79. Abt. Heute: Zahlabende in den bekannten Lokalen.„Unser Kampf nach der Wahl." Nerantwortl. silr die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Antigen: vtto Hengst, Berlin. Nerlag: Borwärts Lerlag(S. m. b. H.. Berlin. Druck: Lorwärts Buch- bruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin c® 68, Lindeuftr. i Hierzu 1 Beilage. plAza Nihi Sdiln. Bh(. 5ii.8".St5!.W.8'5U. E7 Weichsel 1031 Die CzärdäsfDrstin Rose- Theater GroBe Fnnkfnrtir StriBe 132 Tel. Weiduil l 7 3427 8.30 Uhr Herzdame fwartenbUhne 5.30 Uhr Konzert u. Variete PrOhllnsslDlt jeckar Art Iis lefert preiswert Paul Golletz ■emals Robert Heye' Martannenstr. 3 F8L Oberbetwe 1303 IDie große Funkillustrierte jfür dos schaffende Volk: eisu �Betten issss Erscheint wöchentl., 48 Seiten I stark, in Kupfertiefdruck OLICSFUN Einzelnummer 25 Pf. monatl. 96 Pf. 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Straße— aber nein, die gehört ja den Negern—— bleibt also wirklich nur die 14. Straße. In der Mittagspause gehe ich los. Zwischen der 5. und der 3. Avenue auf der Südseite der 14. Straße, da sind die meisten Geschäfte. Da ist auch immer ein dichtes Menschengedränge. Nur ab und zu ist eine Oeffnung in der Menge. Und in der Mitte dieser Deffnung: ein Bettler, ein Blinder, der zur Laute singt: ein Krüppel, ein Mensch ohne Beine, der seinen Rumpf durch die Arme schwingt, dann wieder vorgreift und wieder nach vorn schwingt, neben ihm ein kläffender Hund, einen Behälter mit Blei- stiften an die Seite geschnallt. Vor den drei 5- und 10- Cent- Geschäften bilden die Menschen geradezu eine Gosse. Zwei Blinde haben sich zusammengetan. Der eine spielt Saxophon, der andere begleitet ihn auf der Gitarre. Die Nickels klappern in die Aluminiumbecher. Darüber werden die Arbeitslosen vergessen. Sie stehen am Gossenrand. Ihre Aepfel aus den leeren Kisten zu Pyramiden aufgebaut. An den Hüten die Schilder„Helft den Arbeitslosen". Der eine sagt zu der Frau neben ihm:„Ich bin arbeitsloser als Sie. Meine Pyramide ist noch vollständig." Ihm kaufe ich ein paar Aepsel ab. Brezeln von den alten Frauen nehme ich nicht. Die Kinderwagen, in denen sie ihre Läden aufgebaut haben, sind zu schmutzig. Ach, und da ist auch wieder so ein fliegender Händler!„Kravatten— echt Seide— 10 Cent das Stück— 3 für 25— beeilen Sie sich, meine Herrschasten, kaufen Sie, bevor die Polizei kommt!" Aber da kommt sie schon. Kosfer zu. Gestell unter den Arm. Tchiuiit! Weg ist er. Nun muß ich aber endlich das Kleid kaufen. Der Laden, in dessen Schausensiern Mannequins Pelze vorführen, kommt nicht in Betracht. Und hier ist schon das Kino:„Das dritte Geschlecht. Für Jugendliche ungeeignet. Dreimal verboten gewesen. Jetzt cnd- lich freigegeben." Die Leute stauen sich vor den Aushängekästen. Nebenan ist ein Geschäft für Herrengarderobe. Die Scheiben der Schausenster sind beklebt mit Bildern von Ringkämpfern und Boxern. Das verführt zum Stehenbleiben. Und— sieh' mal da— an der Ladentür sind Bilder von nackten Revue- gierls. Soweit werden die Männer also gelockt. Und dann wird wohl— na, Hab' ich nicht recht?!— schon ist der Inhaber da. Nein, nein! Strengen Sie sich nur nicht so an. Ich kaufe doch nichts. Aber ansehen, warum nicht. Also einen Mantel habe ich nötig, meinen Sie. Na, dann zeigen Sie mal her, was Sie haben. Den grauen hier soll ich anprobieren? Schön, da helfen Sie nur mal. Ja, ja. Der sieht sehr ordentlich aus. Sitzt auch tadellos. Aber nun rücken Sie mir nial bitte drei Meter vom Leibe. Und bleiben Sie da stehen. So— und wie sitzt denn der Mantel nun? Wie?! Wie ein Sack sitzt er jetzt. Soll ich Ihnen sagen, warum er vorher so gut paßte? Weil Sie verfluchter Gauner die Falten im Rücken zusammengeknutscht haben, während ich mich in, Spiegel von vorn sah. Und als ich mich umdrehte, da haben Sie vorne geprummelt, damit der Rücken wie angegossen saß. Ein ganz ge- meiner Kerl sind Sie! Daß ich ein armes Luder bin, können Sie mir doch schließlich am blauen Hemd ansehen. Und trotzdem wollen Sie mich anschmieren! Pini Teufel! Da haben Sie Ihren Mantel wieder.— So ein Fallensteller! So ein— Nanu, was gibt's denn da?! Warum drängen sich so viele Menschen um den Kerl?„... diese Weintraubenblöcke in Wasser aufgelöst geben ein ersrischendes Getränk. Doch, Ladies and Gentlemen, Sie müssen daraus achten, daß die Lösung innerhalb von drei Tagen getrunken wird, da sie sonst in Gärung übergeht.. Aha, also je länger die Flüssigkeit steht, desto stärker wird der Wein. Siehst du, Amerika, auch so umgeht man deine Prohibition. Auf dem freien Platz des Union Square schlafen Arbeitslose zwischen Regcnpsützen im schmutzigen Sand. Ausgesperrte Textilarbeiter tragen ihre Protestschilder auf und ab. Schuh- putzerjungen würfeln um ihre paar Cent. Pferde trinken sich den Bauch voll Wasser aus den Eimern, die der Mann unter dem Sonnenschirm bereit hält. An der 4. Avenue stoppt der Polizist den Autoverkehr. Einer Frau ist der Schuhabsatz in dem von der Hitze ausgeweichten Asphalt stecken geblieben. Soll ich noch bis zur 3. Avenue weitergehen? Da sind doch nur Kinos und Tanzlokale. Der als Neger geschminkte Ausruser des Revuetheaters brüllt schon wieder:„Wer jetzt hin- eingeht, kommt gerade zurecht, um die schöne Negerin Miß Lila Thompson aus Harlem in ihrem verführerischen Schlangentanz zu sehen!" Komisch, ganz gleich, zu welcher Zeit ich hierher komme, zu dem Schlangentanz komme ich immer pünktlich. Und wenn schon! Was geht es mich an? Miß Lila Thompson will auch nicht hungern. Donnerwetter—! Hunger, richtig, den Hab' ich. Ich hole mir ein sanchvidr aus dem nächsten Restaurant. Eine Schlange von Arbeitslosen steht davor und wartet, bis die Mittagszeit vorbei ist. Dann bekommen sie, was übrig geblieben ist. Was ist denn da auf dem Union Square los? Eine Menschenansammlung. Ein Redner. Sicher wieder Kommunisten. Nein, diesmal geht's um die Arbeitslosen.„Wir wollen nicht mehr ausgesaugt werden von den privaten Stellenver- Mittlern. Sie nehmen als Entgelt einen Wochenlohn und vcr- schassen uns Arbeit nur für drei oder vier Tage. Wir verlangen, daß der Staat diese Agenturen unter seine Kontrolle stellt. Um das zu erreichen, müssen wir uns zu einer Gemeinschaft zusammen- schließen. Der Anfang dazu ist gemocht durch die Gründung des „D a il y Worte r". Helft uns, diese Zeitung in die Massen hin- einzutragen. Wer von euch, die voll oder gekürzt arbeiten, will uns unterstützen? Fünf Dollar sind nötig, um hundert Exemplare an die Unbemittelten austeilen zu können." Eine Frau gibt einen Dollar. Zwei Männer ebenfalls. Der Rest kommt in Kleingeld zusammen. Zum Schluß sind es 5,45. Verflixt!— wenn ich das Kleid jetzt nicht kaufe, wird es zu spät. Und mir wird ein Stundenlohn vom Gehall abgezogen. Also, du glaubst es nicht!— da stehe ich ja direkt vor dem Riesengeschäft „Geld zurück innerhalb von 5 Tagen". Na, da kann mir nichts passieren. Es wimmelt nur so von Frauen und Mädchen. Aber ich sehe gar kein Personal. Ach, da muß man sich wohl selber bedienen. Die Kleider hier vorn— nein, die kosten nur 3 bis 4 Dollar. Das sind Zlrbeitskleider. Aber die dort in der Mitte zu 7,95. Wie prak- tisch die geordnet sind. Nach Größen. Und innerhalb dieser nach Farben. So— hier. Größe 14. Grüne Seide. Und ein schwarzes Jäckchen dazu. Aber was nun? Dort hinten scheint der Packtisch zu sein. Stimmt.„Sagen Sie inal, wenn ich das Kleid nun a n- probieren wollte...?" „Na, das können Sie ja nun nicht. Aber ihre Frau. Wir haben hier hinten einen U m k l e i d c s a a l." „Und wenn nun jemand sein altes Kleid über das neue zieht?" „Das kann nicht passieren. Wir haben dort eine D e t e k t i v i n, die auf einem mannshohen Podest sitzt und darauf achtet, daß kein Diebstahl vorkommt." „Hier vorn haben Sie niemand?" „Doch, ein paar Mädels, die die Kleider wieder ordentlich auf- hängen." „Und wohin führt die Treppe dort?" „Im ersten Stock haben wir Mämel und Abendkleider. Auch bessere Sachen noch als hier unten." „Na, hören Sie, diese sind aber schon sehr gut jür den Preis. Wie kommt es, daß die Kleider so billig sind?" „Einmal, weil wir nur gegen bar verkaufen. Und dann, weil wir selbst nur große Posten kaufen und sosort bar bezahlen.— So, da ist ihr Paket." „Haben Sie auch das Etikett abgenommen?" „Nein, denn sonst können Sie das Kleid nicht umtauschen. Die Etiketten sind mit einer P l o in b e versehen, damit die Kleider innerhalb der fünf Tage nicht getragen werden können. Sonst wäre unser Geschäft ja ein Gratis-Verleihinstitut. Aber so, salls das Kleid nicht gefällt, bringen Sie es wieder, und Sic bekommen Ihr Geld zurück. Sie können auch mehrere Kleider mitnehmen. Manche Mädels kommen zu dritt oder viert hierher, kaufen ein Dutzend Kleider, probieren sie untereinander an, und bringen, was sie nicht behalten wollen, zurück." „Das ist ja wirklich eine fabelhaste Einrichtung. Aber nun geben Sie mir mal den Karton. Meine Mittagspause ist gleich zu Ende." Bevor ich hinausgehe, muß ich bezahlen. Die Kasse ist am Ausgang. Ein Betrug ist unmöglich. Sa, kleine Frau, hier ist dein Geburtstagsgeschenk. Das ist auch gleichzeitig dafür, daß du vor zwei Monaten, als ich arbeitslos war, neben deinem Mafchinengetippel noch in dem Nachtklub Zigaretten verkauft hast. Untergang am Ueberfiuss Massenelend in Nordamerika' Von Friedrich Meyer Wohl nirgends zeigt sich das Versagen des hochkapitalistischen Wirtschaftssystems katastrophaler als in dein ungeheuren nordameri- kanischen Wirtschaftsgebiet, den Vereinigten Staaten und Kanada, dem Eldorado des unumschränkt regierenden Privat- kapitalismus.„»Amerikanisch", wie der Ausbau des kapitalistischen Wolkenkratzers war, jo„amerikanisch" ist auch der Zusammenbruch, der dieses Gebäude in feinen Grundfesten erzittern macht. Seiner gleißenden Fassade, genannt„Prospcrity", heraüstt/stcht jetzt dieser Bau da und entpuppt sich als ein grandioser„Bluff". Diefer Bankerott des kapitalistischen Systems mit seinen entsetz- lichen Auswirkungen für die breiten Massen ist um so tragischer, zeigt um so deutlicher die ganze Hilflosigkeit der privat-prositlichen Wirt- schaft, daß es sich buchstäblich um einen„Untergang am U e b e r f l u ß" handelt, um einen wirtschaftlichen Erstickungstod in der nicht abzusetzenden Produktion. Dafür führt der bekannte Jour- nalist A. E. Johann jetzt einige Beispiele an: In Oakland(Kali- fornienj wurden 100000 Gallonen Milch(etwa 450 000 Liter) ins Wasser gegossen. Im Staate New Park mußten die Behörden gegen die Bcrunreinigung der Flüsse mit von den Produzenten weggegossener Milch einschreiten, da die Fische daran zugrunde gingen. In Katchikan Bay in Alaska, zu den Vereinigten Staaten gehörig, wurden 400 000 Büchsen mit Lachs ver- n i ch t e t. Auf den staatlichen Weizenfeldern Oklahoinas allein wur- den im Herbst 1931 etwa 1 25 000 Bushels Weizen- etwa 17 000 Doppelzentner verbrannt. Da bei einem durchschnitt- lichen Wettbewerb von jährlich 18 728 000 Ballen Rohbaumwolle die Bereinigten Staaten um die Jahreswende 1931/32 über Reserven von etwa 25 820 000 Ballen verfügten, gab die Bundessarmbehörde den Baumwollpflanzern den Rat, jede dritte Reihe Bauinwoll- pflanzen nicht zu pflücken, um aus diese Weise gegen 4 M i l 1 i o» n e n Ballen Baumwolle zu vernichten. Im Okanagan- Valley, in Britisch-Kolumbia, Kanada, dem reichsten Obstbaudistrikt des Landes, wurden die Aepfel teilweise einfach wie Kartoffeln in die Waggons geschüttet, weil sich die übliche Verpackung nicht lohnte. Die Aepsel verfaulten und mußten weggeworfen werden. Um eine schädliche Ueberproduktion zu vermeiden, wurden von der Regierung des Staates Texas sür die Oclproduktion Tagesquoten von 90 000 Barrels festgesetzt.'Als der nach Profiten hungernde Wahnsinn der Bohrgcsellschasten die Quoten zehnfach überschritt, mußten die Bohrlöcher vorübergehend mit Waffengewalt ge- schlössen werden. Jmnitten dieses Ueberflusses ist das Elend der breiten Massen infolge Fehlens einer öffentlichen Unterstützung einfach ungeheuerlich. Bei einer Bevölkerung von rund 120 Millionen in den Vereinigten Staaten beläuft sich heute die Zahl der'Arbeitslosen auf schätzungsweise 12 bis 13 Millionen, die der Kurzarbeiter auf etwa 11 Millionen! In Kanada mit nur rund 10 Millionen Einwohnern werden die Arbeitslosen auf etwa 500 000 geschätzt. Das Wvhlfahrtskomitee der Stadt New Port, so berichtet Johann, gibt an, daß in der Stadt New Port 250 000 Familien buch- stäblich hungern, von denen nur 100 000 eine Unterstützung erhalten. In einem Schreiben, das der Leiter der öffentlichen Wahl- fahrt von New Park, Frank I. Taylor, an den Bürgermeister Walker richtete, wird gesagt, daß„Hunderte und Tausende von New- Porker Bürgern während des Sommers und Herbstes 1932 ver- hungern werden, falls die Stadt keine Gelder zur Unterstützung der Bedürftigen slüssig macht". In der ganzen Geschichte der Stadt habe es niemals soviel„Armut und Elend gegeben, das der öffentlichen Wohlfahrt zur Last fällt. Niemals haben so viele Familien das Ende aller ihrer Hilfsmittel erreicht. Niemals sind.so viele au? ihren Wohnungen ausgewiesen worden. Niemals habe es so viele durch Unterernährung verursachte Krankheiten gegeben, ja niemals hat eine solche Hungersnot geherrscht wie jetzt." In Groß-Chikago stehen bei einem Wohlfahrtsbedorf von 130 Millionen Dollar jür 1932 bisher ganze 15 Millionen Dollar zur Verfügung. In Moline, Illinois, ist das Einkommen der arbei- tendsn Bevölkerung zwischen dem 15. Dezember 1929 und dem 15. November 1931 um 74,4 Proz. geiallen. Mit am schlimmsten liegen die Verhältnisse in den schwerindustriellen Gegenden von P e n n s y l v a n i e n. In Fayette-County, Poungstown, wo sich die Mammutunternehmunzen der Bethlehem-Stahlwerkc befinden, gibt es Familien, die von 1,50 Dollar und weniger in der Woche existieren müssen/ wobei die Kauskraft des Dollars auf etwa 2 Mark anzu- setzen ist! Der Zusammenbruch der wirtschaftlichen Existenz wirkt sich fiir weite Kreise der Arbeitslosen um so katastrophaler aus, da der bis- herige, oft gepriesene„hohe Lebensstandard" des amerikanischen und kanadischen Arbeiters aufgebaut war auf einem„A b z a h l u n g s- k r e d i t s y st e m", das die unbedingt notwendige Ergänzung der „Produktion am lausenden Band" bildete, bei längerer Arbeitslosig- keit und dadurch bedingter Zahlungsunfähigkeit ober unfehlbar ver- sagen mußte. Nirgends zeigt sich der amerikanische, meisterhaft auf- gezogene„Bluff" besser als bei diesem Scheinwohlstand, der jeden Arbeiter als sorgenfreien Besitzer eines Eigenheims und Auto» erscheinen ließ. Es war ein Wohlstand, der nicht von einem vom Einkommen erübrigten Ueberschuß erworben war, sondern gegen auf ein erst noch zu erzielendes Einkoinmen hin, und der in allen Fällen, soweit der Durchschnittsverdiener in Frage kommt, nur möglich war auf Kosten der sonstigen Lebenshaltung. Die ganze Brutalität des absolut herrschenden priiwt-prositlichen Systems wird gekennzeichnet durch das so gut wie vollständige Fehlen jeglicher'Arbeitslosen-, Unfall- und Invalidenversicherung bzw.-Unterstützung, gegen deren Einfiihrung man sich auch heute noch mit allen Mitteln wehrt. Die teilweise unter dem Druck der Verhältnisse ergriffenen Hilfsmaßnahmen richten sich je nach der Finanzlage der einzelnen Kommunen und privaten Wohlfahrts- organijationen. Verschiedentlich hat man kurz entschlossen sämtliche Ledigen von der Unterstützung ausgeschlossen und sie damit absolut dem Hunger und der Obdachlosigkeit ausgesetzt— das dazu im Winter bei oft 30 Grad Celsius Kälte. Mit einer Rücksichtslosigkeit, die zu dem sonst so oft und gern im Munde geführten„lair play" in krassem Widerspruch steht, greifen die amerikanischen und kanadi- schen Behörden zunehmend zur Deportation. Die ganze geradezu schreiende Erbärmlichkeit des kapitalistischen Systems kommt darin zum'Ausdruck, die gegenüber Menschen angewendet wird, die in jahrelanger Fron ihre Kraft und Gesundheit eingesetzt haben und nun unverschuldet in Not geraten sind. Die Folgen dieses Massenelends sind deutlich zu erkennen. Die antikapitalistische Radikalisierung macht rasende Fortschritte und ist auch nicht dadurch zu verhindern, daß nian z. B. in Kanada die Kom- munistische Partei als>oerbotene Organisation erklärt hat. Eine tiefe Erregung hat die Millionen dieser unglücklichen Opfer eines ver-' sagenden privatkapitalistischen Systems erfaßt, und wenn die ameri- konische Innenpolitik nicht umgehend Mittel findet, so meint E. A. Johann, um der„mit reihender Geschwindigkeit" anwachsenden „Armee der Enterbten" Hilfe zu leisten, so ist eine Entwicklung zu erwarten,„wie sie sämtliche kommunistischen Agitatoren der Welt kaum je zustande gebracht hätten". „Im Gninde genommen weiß in diesem ganzen riesigen großen Lande Amerika kein Mensch, was weiter werden soll", stellt der bürgerliche Journalist Johann fest und bestätigt dadurch, daß der private, auf reine Profitgewinnung eingestellte Kapitalismus voll- ständig abgewirtschaftet hat und demgegenüber nur eine sozio- l i st i s ch e P l a n wi r t sch a f t die Rettung sür die Massen bringen kann. Für die Arbeitslosenmassen und noch Arbeitenden in Deutsch- land aber zeigen diese Zustände in Amerika und Kanada erneut mit eindringlicher Wucht, wohin wir auch in Deutschland kommen würden, wenn es gelingen würde, die Gewerkschaften und die sozialen Einrichtungen, die von der Arbeiterschaft durch schwere Opfer und Kampfe errungen sind, zu zerschlagen. Dresden verspricht... Die leichtsürietiscken Bundesmeisterschaften des ATSB. üteiuec Spod vau u&ezM Das Mcldecrgebnis für die l e i ch t a t h l e t i f ch e n Bundes- Meisterschaften des Arbeiter-Turn- und Sport- b u n d e s e. V., die am und 14. August in der Jlgenkampfbahn in Dresden stattfinden, ist überraschend gut. 440 Einzelwctt- kämpfer und 200 Stafettenläufer aus allen Teilen des Bundes- gebiete- werden um die Bundesmeisterschaftstitel kämpfen. Oester- reich ist mit 40, die Tschechoslowakei mit 11 Wettkämpfern oertreten. Von den 440 Einzelwettkämpfern sind 80 Frauen. Fast alle Inhaber der Bundeshöchstleistungcn sind am Start, um ihren Titel zu verteidigen. Voraussetzung für die Zulassung als Bewerber um die Bundesmeifterfchaften in Dresden war die Erreichung von Pflichtleistungen in dem zu bewerbenden Sportzweig. Es ist also eine auserlesene Schar, die sich in Dresden zusammenfindet. Jode Sportart weist zahlenmäßig und technisch eine aus- gezeichnete Besetzung auf, so daß eine große Zahl von Vor- kämpfen notwendig sind. Es bewerben sich in Dresden bei den Männern im 100-Meter-Lauf 77, 200-Meter-Lauf 55, 400-Meter- Lauf 28, 800-Meter-Laus 31. 1500-Metsr-Laus 37, öOOO-Meter- Laus 31, 10 000-Meter-Lauf 28, 110-Meter-Hllrdenlauf 17, Hochsprung 19, Weitsprung 36, Stabhochsprung 20, Speerwerfen 32, Diskuswerfen 26, Schleuderball 24, Hammer 27, Kugelstoßen 30, Fünfkampf 35, Zehnkampf 31. Gleich gut ist auch die Beteiligung von Mannschaften an den Stafetten. Es starten 4mal 100 Meter 23, 10mal 100 Meter 14, Olympische Stafette(800-200-200-400 Meter) 12, Schwedenstafette(400-300-200-100 Meter) 17, 3mal 1000 Meter 17. Auch die Frauen sind zahlreich vertreten. Es gehen an den Start im 100-Mster-Lauf 33, 1000-Metsr-Lauf 8, Hochsprung 2l, Weitsprung 28, Speerwerfen 24, Diskuswerfen 23, Kugelstoßen 30, Dreikampf 18. In der 4mal 100-Metsr-Stafette laufen 9 Mann- fchaften und in der kleinen olympischen(200-50-50-100 Meter) 9 Mannschaften. Wer hat Aussichten? Im 10 0- und 200-Mcter-Endlauf ist mit dem Zu- sammentreffen der besten deutschen und österreichischen Kurzstrecken- läufcr zu rechnen. Hoch und Freudmann-Wien, Hollosan-Groz, Weller-Feucrbach und Keck-Eisenberg i. Thür, werden die besten Erfolgaussichten gegeben. Auch der 400- und 800-Meter- Lauf wird ein scharfer Kampf sein zwischen Deutschland und Oesterreich. In den 400 Meter stellen sich dem Meister Geiger- Feuerbach die Wiener Erdinger, Hoch, Rogel und Bauer als aus- sichtsreiche Bewerber entgegen. Im 800-Meter-Cndlauf werden Schirdcwahn-Feuerbach, Huwe-Berlin, Erdinger und Schuster-Wien erwartet. Im 1 50 0- und 5000-Meter-Lauf ist immer noch Max Wagner-Leipzig der aussichtsreichste Läufer. Leicht darf er es aber nicht nehmen, denn Erdinger und Weigl-Wien, Lang- Neckarau, Beisel-Karlsruhc, Ostertag-München, Mittag-Dresdcn und Heuschke-Hamburg sind schon lange mit fortschreitendem Erfolg dabei ihn abzulösen. Die 10000-Meter-Strecke wird im ATSB. nicht viel gelaufen. Ostertag-München ist hier der bekannteste Läufer und dürfte gewinnen. Im 110-Meter-Hürdenlauf wird im Endkampf mit Pflüger-Botnang, Schuller-München, Koch- Magdeburg und Schubert-Wien gerechnet. Die Stafettenmannschaften weisen auch diesmal wie- der glänzende Besetzungen auf. Hier ist nicht nur Lauf- und Start- geschwindigkeit ausschlaggebend, sgndern ebensosehr das Können, an den Ablösestellen den Stafettenstab ohne Zeitverlust dem Vorder- mann zu übergeben. Gerode darin zeigt sich die gute Zusammen- arbeit einer Stafettenmannschast. In der Olympischen Stafette hat Feuerbach die stärkste Mannschaft im Rennen, ober auch ASC.-Berlin und ZdA.-Wien sind sehr gut. In der Schwedenstafette gesellt sich noch ASC.-Hamburg hinzu. Hier dürfte Wien am besten abschneiden. Auch in den 4mal 100 Meter wird Wien durch die Mannschaften des ATV. und ZdA. in Front liegen. Feuerbach und Moabit-Bcrlin sind Wien? große Gegner. Ganz großes Interesse erweckt auch die lOmal-IOO-Meter-Stafette, die den Abschluß der Bundesmeisterschasten bilden wird. An der Spitze erwartet man Feuerboch, ATV.-Wien und Moabit-Berlin. Weiter wird mit ASC.-Berlin, Vorwärts-Süd- Leipzig, Mannheim, Hamburg und Braunschweig im Cndlauf ge- rechnet. Die 3mal 1000 Meter dürfte eine Sache für Eiche-Leipzig sein, vor ASC.-Hamburg und Berlin, Stettin und Ostring-Berlin. Die Springer sind mit den besten Leuten am Start. Für den Weitsprung nennen wir Geiger-Feuerbach, Keck-Schauernheim, Lasek-Leipzig, Koch-Magdeburg. Von der auserlesenen Schar der Hochspringer werden sich Görsch-Berlin, Wilde und Koch-Magdeburg und Jäger-Weißensels durchsetzen. Bei den Stabhochspringern wird die Entscheidung erwartet zwischen Legler-Dresden, Schulze-Weiß- wafser und den Oesterreichorn Huber und Peterlik. Bei den Wer- fern werden im Speerwurf wohl Drachc-Heidenau bei Dresden und der Wiener Köthbauer die Besten sein. Im Diskuswerfen führt Wotapek-St. Pölten mit 42,35 Meter, und im Hammerwerfen Ulrich- Rudolstadt mit 45,78 Meter. Im Kugelstoßen wird Naumann-Leipzig in Führung erwartet, ebenso bei den Mehrkämpfern. Bei den Frauen läßt sich nicht in allen Sportzweigen voraus- sehen, wer die besten Aussichten hat. Wir nennen für den 1000-Meter- Laus: Dietrich-Stettin: 4mal-100-Meter-Stafette: ZdA.-Wien, ZdA.- Magdeburg und Dresden-Cotta: Kleine Olympische Stafette: ZdA.- Wien, ASE.-Hamburg und Berlin, Dresden-Cotta: Diskuswerfen: Beusch-Hamburg, Kehrt-Ludwigshafen a.RH.: Kugelstoßen: Hähnert- Kassel: Hochsprung: Krüger und Konrad-Dresden, Winkler-Leipzig: Dreikampf(100-Meter-Lauf, Hochsprung, Speerwersen): Salzmann- Wien, Krüger-Dresden, Schwarze-Hamburg. Rimdfunk überfragt Bundesmeisferschaften Der Mitteldeutsche Rundfunk wird am Sonnabend und Sonntag- abend im Rahmen seines Sportfunks die Ergebnisse von Dresden bekanntgeben. Am Sonntagabend werden die bedeutsamsten Ergeb- nisse auch der Deutschen Fuukstunde Berlin zur Verlautbarung über- mittelt. Wer vrird Boxmeister? Die Vor- und Zwischenrunden um die B u n d e s m e i st e r- schaftim Boxen des Arbeiter-Athletenbundes sind be- endet. Als Endrundengegner haben sich qualifizieren können der langjährige ostdeutsche Meister Hansa- Weißwasser und der norddeutsche Gruppenmeister Sparta-Hannover. Beide Mannschaften oersllgen über eine langjährige und erfolgreiche inter- nationale Kampsersahrung, so daß das Ergebnis recht knapp sein dürfte. In der diesjährigen Serie hat Sparta die Süddeutschen, den Kraftsportklub„Fürth", mit 11: 5 Punkten geschlagen, und Hansa siegte über die Mitteldeutschen mit 10: 6 Punkten. Der Schlußkamps wird am 13. August im Volkshaussaal in Weißwasser vom Bundes- Vorsitzenden Strumpf gestartet. Die Kämpfe leitet der Bundesbvx- wart Mühlheim, Punktrichter find Mehlbaum-Berlin und Strangfeld- Görlitz. Der Freie Ballspielverein Weißensee sucht für Sonntag, 14. Au- gust, zwei spielstarke Männermannschaften als Fußballpartner für die Spiele aus Anlaß der Einwechung des neuen Sportheimes auf dem Rennbahngelände, Anschrift bis Freitag an Alfred Dreger, Weißcnsee, Pistoriusplatz 12. Rem Dort verhandelt mit Jturrai. Die bekannte Madison- Square-Garden-Gesellschaft in New Park steht zur Zeit mit Paavo Nurmi in Verhandlungen. Sie will den kurz vor den Olympischen Spielen kaltgestellten Finnen dazu bewegen, im New-'Aorker „Garden" als Professional einen Marathonlauf zu bestreiten. Bisher hat sich Nurmi noch nicht zu diesem Angebot geäußert. Die Japaner haben Nurmi und 8 bis 10 seiner Landsleute eingeladen, auf ihre Kosten die Heimreise über Japan anzutreten und in Tokio und anderen Städten an den Start zu gehen. Der Arbeiter-Anglerbund teilt mit: Es wird böswillig das Ge- rllcht oerbreitet, daß der Kauf des Terrains in Heiligensee gescheitert sei. Hierzu ist festzustellen: Der Kaufvertrag über das Terrain ist am 25. Juli 1932 vor einem Notar abgeschlossen, die Auslassung am gleichen Tage vorgenommen worden. Die nach dem Bertrage ver- einbarte Anzahlung ist geleistet. Der Arbeiter-Anglerbund ist auch bereits als Eigentümer des Grundstückes im Grundbuch eingetragen. Nachdom die Aktiengesellschaft Union, Fabrik che.nischer Produkte, aus die Ausübung des ihr zustehenden Vorkaufsrechts verzichtet hat, ist das Eigentum des Arbeiter-Anglerbundes am Grundstück endgültig und unwiderruflich geworden. hos Angeles Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles hat sich das Klassement der Nationen in den letzten Tagen nicht geändert: ebenso wie Amerika mit weitem Vorsprung die Führung hält, kam Deutschland über den lechsten Platz nicht mehr hinaus. In der Gesamtwertung der Leichtathletik, die nunmehr ab- geschlossen ist, rangiert Deutschland an vierter Stelle hinter Amerika, Finnland und England. Die Nationenwertung für alle Wettbewerbe zeigt solgendes Bild: 1. Amerika 482 Punkte, 2. Italien 151, 3. Frankreich 149, 4. Finnland 120, 5. Schweden 119, 6. Deutsch- land 108%, 7. England 85, 8. Japan 58, 9. Kanada 57, 10. Oesterreich 36 Punkte.— Die B o x k ä m p f e brachten gleich zwei deutsche Siege. Auch die Ruderregatta nahm am Dienstag ihren Anfang. Deutschlands Skuller Buhtz ist leider an Grippe erkrankt und konnte daher den Einer nicht bestreiten, während sich der deutsche Führer mit Steuermann für den Endlaus qualifizierte. \/uciuc izileu mt: ASKö-Britz. Aelteren-Gymnastik Donnerstag, 11., und Donnerstag. 18. Au. gust, 19—2» Uhr. Hufeisenhalle. 1?. bis 14. August Klein-Körrs-�ahrt(ohne Kinder), Auto- und Nadfahrer-Treffpunkt wird noch bekanntgemacht. 18. August Quartalsversammlung aller Abteilungen(ohne Kinder) Hufeisenhalle Uhr). Aindcr müssen sich melden zur Luckenwaldc-Fahrt!._. � Arbciter-Schühcnbnnd, Abt. Weddtng. Donnerstag, lt. August, Trainings- abend. Alls altioen Sportler müssen erscheinen.— Ortsgruppe Berlin. Frei- tag, 12. Augui't, 1.8 Uhr. ssleinkalibersch-eß-n in Friedrichsfeldc. Upstallmcg. Freie Schwimmer Chorlottcnburg 04, Kan«abtei>»»g. Bersammlung wegen der Veriassungsfeier nicht am 11. August, sondern am 18. August, A> Uhr, im Bootshaus.„ Rcichsbanacr-Wasscrlportabteilung, Zug Tegel. Donnerstag, 11. August, Beteiligung des Zuges an der Bcrsassungsfeicr des Ortsvereins Reinickendou im Bootshaus. Beginn Ig Uhr. Freie Faltbootsahrer Berlin. Donnerstag, 11. August, 20 Uhr. Gruppe Süd- osten: Große Frautfurter Str. 18(Jugendheim). Dimilroff spricht über Dul. garien.— Gruppe Norden: Brunnenplatz Ecke Schilnstedtstr. 1(Jugendheim). Weigelt spricht über Uiebe, She und Kameradschaft.— Kruppe Nordosten: Christburger Str. 7(Jugendheim). Fahrteubcrichte. Am 12. August in der „Linde", Userstr. 13, 20 Uhr, Gläubigeruersammlung mit anschließender Aus- losung. Strandfest und Aeauatortaufe am 13. und 14. August auf dem Ver- cinsgclände am Koriser See. Abfahrtzeiten der Autos werden in den Gruppen belanntgegebcn. Gäste herzlich willkommen. k\i\os im Examen In der Rordturve der Avus, im Eichenwäldchen, hat der Deutsche Benzoloerband eine sogenannte„rol- lendeLandstraße" eingerichtet, die der Ueberprüfung von Automo- bilcn dient. Um festzustellen, ob der Motor eines Automobils die richtige Düsen- einstellung und damit den richtigen Benzinverbrauch hat, welche Leistun- gen er bei hohen und niedrigen Touren zu vollbringen vermag, ob die Kühlung der Maschine richtig funktioniert und ob am Getriebe, an den Hinterrodlagern und in der Kraft» Übertragung Mängel vorhanden sind, um das alles festzustellen, bringt man den Prüfling mit den Hinterrädern auf zwei lejchtbewegliche Rollen, ähnlich wie sie bei den Home-Trainer- Apparaten der Radfahrer zu finden sind. Der Fahrer läßt die Maschine anlaufen, und statt daß sich der Wo- gen fortbewegt, treibt er die Rollen an. Der Prüfende vermag an einer sinnreichen Apparatur abzulesen, welche Temperatur das Kühlwasser hat, er kann seststellen, welche Lei- stung die Hinterräder und damit der Motor schaffen, und schließlich, welchen Benzinverbrauch der Motor in einer abgestoppten Zeit hat. Das alles ist sehr bequem an Meß- uhren und Tachometern abzulesen, und dem Fahrer kann sofort ein Zeugnis über das Auto und die Maschine ausgestellt werden. Das Ergebnis gibt ihm wertvollen Aufschluß über die Wirtschaftlichkeit seines Wagens, er kann Benzin- und Oelverbrauch regulieren und auch sonstige Mängel beseitigen. Die Prüfung ist völlig kostenlas. Rätsel-Ecke des„Abend" ufiiiiiiiiniiiiiniiininiiiniiniiniiiiiinniiiiiiitniiiiiiiiiiniiiiiiniiniiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiniiiiiiiniiiiiiniiniiiininrniiiiiiiimiiun Siernrätfel. Die Buchstaben aaaaaaacchdddeeceeeeeeeee hiiiiikkkkllllllmnnnnorrrssstttt u u v z sind in obenstehcnden Stern so einzufügen, daß Wörter folgender Bedeutung entstehen: 1— 2 Feuerwerkskörper: 2— 3 Stadt am Kaspifchen Meer: 4— 3 deutscher Physiker: 4—5 deutscher Komponist: 6— 5 Sumpfpflanze: 6—7 Land in Nordamerika; 8— 7 Staat in den Vereinigten Staaten von Nordamerika: 9— 8 Reitergeneral: 9— 10 Zeichenutensil: 11— 10 Baumfrucht: 11— 12 Vogel; 1— 12 Lehrperson.— Die in den Kreisen 1— 12 stehenden Buchstaben aneinandergereiht ergeben den Titel eines hohen Reichsbeamten.— Kr.— Schieberätsel Curtius, Dietrich, Hilferding, Ssveringh Wissell. Stegerwald, Müller, Stauning, Henderfon, Poincare.— Vorstehende Namen der Staatsmänner schiebe man seillich so, bis eine senkrechte Reihe den Namen eines verstorbenen deutschen Staatsmannes ergibt, t Silben-Kreuzworträtsel a an bat bu dach droh en gel? ger hi kel tir kla klam ko ko ton le le nar ne ob pas pie ral rin rohr fach sche fe fe sen sen stuhl ta to u u ve xi zis.— Waagerecht: 1. Sozialist(1820 bis 1895): 3. ägyptischer Hafen: 5. Alpenhirtin: 6. jüdischer Monat: 8. Fahrzeug: 10. Stadt in Pommern: 11. Handwerker: 14. Teil eines Hauses: 15. Meerestier: 17. landwirtschaftliches Gerät: 19. nicht zu verwirklichende Idee: 21. Blume: 22. Gespinst um die Seiden- raupenpuppe. Senkrecht: 1. Gebietseinschluß: 2. Insekt; 4. Frucht: 5. Schnürriemen: 7. Maloienstamm; 9. Schrift im Alten Testament: 10. Weideplatz: 11. Sitzmöbel: 12. europäisch-asiatisches Grenzgebirge: 13. deutscher Freistaat; 15. Abschrist: 16. Wörterbuch: 18. Versmaß: 20. Edelstein._— ak. Auflösungen der lehten Rätselecke Silben- Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Rathenau: 3. Dreipseil: 4. Kasia: 7. Zone: 9 Parkett: 11. Lanner: 12. Agave: 13. Reede; 14. Koppel: 15. Nüstern: 19. Serge: 20. Freiheit!: 21. Alois.— Senkrecht: 2. Theorie: 3. Dreikant: 5. Falun: 6. Girlande: 8. Neapel; 9, Parvenü: 10. Scheidemann: 16. Schlosser; 17. Rapallo; 18. Wahrheit. Zahlenrätsel: Der erste Ps«il heißt: Aktivität! Sich rühren und werben von früh bis spät! Der zweite Pfeil heißt: Dii-iplin! Zu Zuckt und Straffheit sick erzich'n! Der dritte Pfeil heißt: Einigkeit! Eisern die Front in schwerster Zeil!— Schlüsselwörter: Champignon,- Influenza, Berka. Verstand, Wagehals. K a p s e l r ä t s e l: Ich setz« meinen Ehrgeiz darin, zeitlebens . ein Lehrling zu bleiben. Silbenrätsel: 1. Dänemark; 2. Erwin: 3. Reidenburg: 4. Melone: 5. Erle: 6. Riederwald: 7. Sagan; 8. Earmen: 9. hiob: 10. Eisen: 11. Rashorn: 12. Mäubeuge; 13. Arneka: 14. Eadiz: 15. Hakodate; 16. Talismann: 17. Slevogt: 18. Erika; 19. Zgnorant. —„Den Menschen macht sein Wille groß und klein."