Morgenausgabe Nr. 375 A 185 4y.Iahrgang Wöchentlich 79 Pf. monatlich 3,25 M. (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug S,S7 M. einschließlich 80 Pf. Poslzeitungs- und 72 Pf.Postbestellge- tühren. AusIandsabonnementS,SS M. pro Monat; stir Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto 4.89 M Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Erscheinungsweise und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils. IT � Veettuer Vvttsblatt Sonnersiag tl. August 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Zientralovgan der Sozialdemokratischen-tSariei DentschlA Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 ksernspr.: Dönhoff(A 7) 292—297. Telegramni-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 SZS.— BankkoMo: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr.S, Dt.B.u.Diic..Ges., Deposttenk., Jerusalemer Str. KS/SS. Isbs c>is Republik! Albert Grzesinski an die Polizeibeamten Berlins. Verfassungstag. An Stelle einer Rede im Lustgarten. Von �.Idsri Vrsvoinslri. Heute mittag wird, wie nun schon traditionell, die Berliner Polizeibeamtenschaft den Ver- fassungstag amtlich im Lust- garten festlich begehen und mit einer großen, eindrucksvollen Parade der Schutzpoli- zei abschließen. Mehr noch als früher wird über die Arbeit der Polizei heute gesagt werden können, daß auch das letzte Jahr wieder beispiellose An- forderungen an sie gestellt hat. Ich, der bis vor kurzem täglich gezwungen war, das Aeußerste von der Polizei zu verlangen und ihre Tätigkeit ständig beob- achtete, weiß, was geleistet wurde, und ich habe immer wieder den dringenden Wunsch, daß ganz Berlin be- greifen möge, was es der hingebungsvollen Arbeit .seiner Polizeibeamten zu danken hat. Die Feiern der Berliner Polizei waren stets auch zugleich eine Bekundung der Beamtenschaft, daß ihr der Dienst in der Republik, für Volk und Vaterland nicht nur eine Sache der Pflicht, sondern auch des Herzens war. Es wurde gelobt, daß die Berliner Polizei über Not und Ungemach hinaus alle Kräfte her- geben wird, um mitzuhelfen und sicherzustellen, daß Deutsch- land einer reichlich verdMNten besseren und schöneren Zu- kunft, entgegengeführt werde, und es wurde durch die Feier gewissermaßen der Schwur auf die Reichs- und preußische Staatsverfassung erneut geleistet. Die diesjährige Verfassungsfeier ist überschattet von den Ereignissen des 2 6. Juli 1932, dessen Ablauf von den Beamten der Berliner Polizei wegen ihrer Verbundenheit mit ihren bisherigen Führern ein ungeheures Maß an Selbstdisziplin erforderte. Die bedenkliche, zur Zeit noch der Nachprüfung durch den Staatsgerichtshof der Republik in Leipzig unterliegende Auslegung und Anwen- dung des Artikels 48 der Reichsverfassung hat bis weit in die Beamtenschaft hinein das deutsche Volk erregt. Die aus politischen Gründen erfolgte gewaltsame Entfernung höchster preußischer Staatsbeamten ist als ein die Staatsautorität unheilbar verletzender Akt, als eine rechtlose Gewaltmaßnahme und eine Gefährdung der eigenen Rechte der Beamtenschaft betrachtet worden. Es ist auch Schuld der für die Vorgänge am 26. Juli verantwortlichen Männer, wenn Millionen treuer Republikaner und Deutscher die heutigen offiziellen Ver- fassungsfeiern als nicht ganz ernst, ja beinahe als Ironie empfinden. Um so inniger werden sich die deutschen Republikaner zu ihren eigenen Feiern zusammenfinden und dabei die Un- antastbarkeit des Werkes von Weimar verkünden. Trotz übler Ereignisse der letzten Zeit, trotz Mord und Terror der Re- aktion darf heute kein Platz sein für trübselige, nach rück- wärts gerichtete Empfindungen Heute und für die nächste Zukunft gilt es, mit allen Kräften den wahren Staat von Weimar gegen den gefälschten zu verteidigen und alle Kräfte zur Wiederherstellung des wirklichen Volksstaates zu sammeln. Es bleibt wahr und ist immer wieder zu prokla- mieren: auch wenn die Reaktion noch so droht, das oeutsche Volk kann nur in der demokratischen Republik leben und nur auf dieser Staats- grundlage seinen Wiederaufbau betreiben. Es ist für eine Bevormundung durch eine Minderheit zu intelligent! Aus den offiziösen und offiziellen Auslassungen der ver- antwortlichen Männer von heute hört man unter wenig ge- schmackooller, abfälliger Bezugnahme auf die Regierungs- Methoden von gestern immer wieder, daß mit dem„Partei- wesen" in der Staatsverwaltung und der„Politisierung der Beamtenschaft" Schluß gemacht werden müsse. Nun, sprechen wir es offen aus und bekennen wir uns klar zu den Tat- fachen: Wenn die Staatsgewalt wirklich vom Volke ausgehen soll, dann kann das nur fein, wenn der Volks st aat ein Parteienstaat ist! So ists im demokratischen England und in Frankreich. Denn das Volk entfaltet und entwickelt sich nur in dem vielfältigen Reichtum kämpfender Gruppen, Klassen und Parteien. Dem Deutschen ist ein merkwürdiges Schwanken zwischen Parteiprüderie und Parteifanatismus eigentümlich. Parteipolitik, sagte R a d b r u ch einmal sehr richtig, gehört in Deutschland zu den Dingen, die man tut, aber von denen man nicht gern spricht. Man verwahrt sich bei jeder Gelegenheit dagegen, Parteipolitik zu machen. Man schämt sich der Parteipolitik. Man tut so, als seien die Par- teien etwas, was eigentlich nicht sein sollte. Man verkündet einen Standpunkt über den Parteien—„das Vaterland über der Partei"— und blickt verächtlich auf den„Hader der Parteien" herab als ein sachlicher Arbeit schädliches Gezänk und ein Gemisch mangelnder Einsicht und bösem Willen. Und dabei hat Gottfried Keller so recht, wenn er dichtet: „Wer über den Parteien sich wähnt mit stolzen Mienen, der steht zumeist sogar erheblich unter ihnen." Was heute geschieht, ist antirepublikanijche Parteipolitik und gewaltsame Politisierung der Beam- tenschaft. Es ist genau das Gegenteil von dem, was in den letzten dreizehn Jahren preußischer, republikanisch-demokrati- scher Verwaltungsarbeit geschehen ist. Selbst bei einem ver- fassungsmäßig einwandfreien Regierungswechsel wären die nach dem 26. Juli erfolgten Personaloeränderungen in der preußischen Verwaltung weit über das gebotene, auch politisch kluge Maß hinausgegangen. Es sind einwandfreie und erst- klassige, hohe und sehr angesehene Sachbearbeiter nicht etwa wegen dienstlicher Unzulänglichkeit, sondern aus rein persön- lichen Gründen, oder wegen ihrer noch nicht einmal betätigten politischen Gesinnung abgesetzt oder kaltgestellt worden. Die preußische Staatsregierung hat in den letzten dreizehn Jahren gewiß politische Beamte eingesetzt oder ausgewechselt — und zwar im Hinblick auf die soziale, weltanschauliche und politische Zusammensetzung der Bevölkerung des jeweiligen Be- zirks, wie das der demokratische Staat erfordert und Artikel 86 der preußischen Verfassung vorschreibt. Sie hat aber niemals in den mittleren oder unteren Beamten- Es wird verhandelt! Hilgenberg bei papen.— Zoos und Bolz erwartet. Die„Telunion" meldet am Mittwochabend: Das Reichskabinekt trat am ZUiltwoch um 17 Uhr zu einer ausgedehnten Sitzung zusammen, die bis gegen 19.30 Uhr dauerte. Eine amtliche Mit- teilung über die Sitzung und über die in der Sitzung ge- faßten Beschlüsse ist nicht erfolgt. In gut unterrichteten Kreisen unterstreicht man immerhin die Tatsache, daß die Entscheidung stärker denn je in der Hand des Reichspräsidenten liege, der seinerseits angesichts der gespannten Lage im Innern wie auch im Hinblick auf die Neuis gegen Hiller-Papen Fahnen heraus! Unmöglichkeil parlamentarischer Mehrheils- b i l d u n g e n nach wie vor auf eine überparteiliche Präfiidialregierung Werl legt. Die nachfolgenden Berhand- lungen des Reichskanzlers mit den Parteien werden daher auch in dieser Richtung liegen. Roch für Mittwochabend hat der Reichskanzler v. Papen den deutschnationalen Parteiführer Dr. h u g e n b e r g zu einer Besprechung gebeten. Donnerstagnachmitlag empfängt der Reichskanzler die Zentrumsabgeordneten Ivos und Staatspräsident B o l z- Württemberg. Adolf Hitler war am Mittwoch noch nicht in Berlin. Die Verhandlungen Popens mit Hitler erwartet man für Freitag vormittag. * Am Mittwoch nachmittag wurde sogar in den Kreisen, die dem Reichskanzler von Papen am nächsten stehen, zuge- geben, daß mit einer Betrauung Hitlers als Reichs- kanzler durch den Reichspräsidenten bereits in den nächsten Tagen, spätestens Anfang der kommenden Woche, gerechnet werden müsse. Die Fiktion einer„überparteilichen Regierung" unter Hitler als Kanzler sollte mit der Begründung aufrechterhalten bleiben, daß Hitler nicht als Führer der Nationalsozialistischen Partei, sondern der nationalsozialistischen Bewegung mit der Regierungsbildung beauftragt werde. Papen sollte im Kabinet als Reichsauhenminister bleiben, während Neu- r a t h seinen bisherigen Posten als Botschafter in London, der noch immer verwaist ist, wieder einnehmen würde. Als weitere Exponenten der Nationalsozialistischen Partei — Verzeihung: Bewegung— sollten die Pg.s Gregor S t r a ß e r das Reichsinnenministerium und G o e r i n g das Verkehrsministerium als„fachmännisch qualifizierte Persön- lichkeiten" übernehmen. Wie gewöhnlich war am Abend aber alles wieder anders. Man erklärte, eine Hitler- Regierung komme nicht mehr in Betracht, sondern nur eine mit Nazis um- gebildete Papen- Regierung. Es ist festzustellen, daß auch unter der„grundsätzlich neuen Art der Staatsführung" der übliche Kuhhandel blüht, ja, daß er sich noch erbärmlicher ausnimmt als früher. Hitler lockt— Goebbels droht. „Nur noch wenige Tage"— sagt der„Angriff". Hinter den Kulissen lispelt Hitler die Sprache der reinen Loyalität. Vor den Kulissen brüllt Goebbels die Sprache des gemeinen Verbrechens. Polizeilich ist festgestellt, daß der SS.-Mann Jenke in Reichenbach unseren Genossen P a e s ch e ermorden wollte und dabei durch vorzeitige Explosion einer Bombe ums Leben gekommen ist. Der„Angriff" schreibt frech weiter:„Rot- mord! Der Mord an dem SS.-Mann Jenke" und schließt so: Alle Anzeichen sprechen auch dafür, daß Jenke von den Marxisten ermordet wurde, und die s,ch a m l o s« Hetze der Journaille bestätigt lediglich wieder einmal die Gewissen- losigkeit der jüdischen Schreiberlinge, die— ohne das genaue Untersuchungsergebnis abzuwarten— nur die beiden sich widersprechenden Meldungen kennen und sie benutzen, um ihre Mordhetze weiter fortzusetzen. Wiedergabe polizeilicher Nachrichten heißt, in die Ver» brechersprache des„Angriff" übersetzt,„Mordhetze". Was keine Mordhetze ist, erfährt man an anderer Stelle. Da heißt es: 3n Deutschland wütet der Bürgerkrieg. Täglich kann man in den Zeitungen von Spreng st ossanschlägen lesen. Fenster klirren. Bomben werden in die Wohnungen geworfen, die Tapeten fallen herunter und Schränke lösen sich in ihre Einzelteile aus. Woher das kommt? Der„Angriff" erklärt das so: 14 Jahre lang hat man die Nationalsozialisten gequält und terrorisiert, man hat ihre Anhänger in die Gefängnisse geworfen, man hat sie aus den Wohnungen und aus den Zügen heraus ver- haftet, man hat ihnen Freiheitsstrafen aufgebrummt, die Kerterzellen wurden nicht mehr leer und jetzt wundert man sich, wenn all diese Qual und all dieser Terror und all die hineingefressene Wut und Bot und Verzweiflung explodiert. Ein System, das 14 Jahre lang den Terror ruhig mitansah und für unsere Beschwerden nur ein leichtes Achselzucken übrig hatte, wundert sich seht, wenn Bomben krachen. Der„Terror" gegen die Nazis hat darin bestanden, daß sie für Totschlag, Körperverletzung, Landfriedensbruch usw. noch nicht zur halben Taxe wie die Kommunisten bestraft worden sind. Dafür revanchieren sie sich jetzt mit krachenden Bomben! Natürlich, der„Angriff" ist immer noch legal genug, solche„Verzweiflungsakte nicht zu billigen". Aber wer hat schuld?„Die Journaille und das System." Wörtlich weiter: Eine deutsche Jugend läßt sich eben nicht für immer niederknüppeln und verleugnen und in den Dreck treten. r � „Eine deutsche Jugend" schießt durch Fenster auf Frauen und Kinder, läuft dann davon, lügt das Blaue vom Himmel herunter, wenn sie gefastt wird, und der„Angriff" als Er- zieher wundert sich nicht darüber. Im Gegenteil. Wir wundern uns auch nicht! Eine Jugend, die den „Angriff" und ähnliche Druckerzeugnisse als geistige Kost ge- nießt, kann gar nicht anders fein! Wenn sie z. B. in derselben Nummer des„Angriff" über das Attentat auf den Redakteur der„Boss. Ztg." Dr. W i n n e r s, liest, dieser habe„m i t einem stumpfen Gegenstand einen kleinen Stoß gegen den Kopf abbekommen," so versteht sie grinsend, was damit gemeint ist und was man von ihr verlangt. Eine Pressefreiheit gleich jener, deren sich der „Angriff"— trotz Notverordnungen— erfreut, gibt es in keinem andern Lande der Welt! Und nun— kann jemand so tun, als verstünde er nicht, wenn derselbe„Angriff" in derselben Nummer zur Frage der Regierungsbildung wörtlich folgendes schreibt: Mit Zuversicht dürfen wir erwarten, daß der Führer die ganze Frage einer glücklichen Lösung entgczenführen wird. Die Dinge liegen für uns so günstig und die Machtmittel, die Adolf Hitler in der Hand hält, sind so groß. daß wir keinerlei Anlaß haben, vorzeitig die Nerven zu verlieren. Wir können, nachdem wir so lange gewartet haben, auch noch die wenigen Tage warten bis zur end- gültigen Entscheidung. In dem Augenblick, in dem der Reichspräsident sich anschickt, mit Hitler zu verhandeln, verweist der„Angriff" unter kaum verhüllter Verherrlichung schon begangener nationalsozialistischer Gewaltverbrechen auf die„M acht- mitte l", die Hitler angeblich zur Verfügung stehen. Was von Hindenburg unter frechen Drohungen verlangt wird, das ist nichts anderes als die Kapitulation vor der illegalen Gewalt! Viehischer Mord in Oberschlesien. Verübt von Soldaten des Kanzleranwärters Hitler! st e l r u n g e n andere als sachliche Veränderungen vorgenom- men. Gerade dieser Grundsatz ist häufig genug Gegenstand lebhaftester, wenn auch oft ungerechtfertigter Kritik gewesen. Was heute geschieht, wirkt nicht nur die Beamtenschaft ein» seitig" politisierend, sondern auch demoralisierend. Eine An- gebereigegenBeamtenkollegen und frühere Vor- gesetzte hat sich in einem so beschämenden Umfange breit ge- macht, wie das nie für möglich gehalten wurde. Aber nicht nur die Angeberei, auch das Eingehen darauf scheint das schlechte Zeichen einer trüben Zeit zu sein. Das vorübergehend„scheidende System" hat immerhin fertig gebracht, dieBeamtenzuwirklichenStaats- bürgern, mit Pflichten zwar gegen Staat und Verfassung, aber auch mit früher nie gekannten Rechten zu erheben und ihnen eine menschliche Würde auch gegenüber dem Vor- gesetzten und eine sachliche Autorität zu sichern. Ich vermag zwar zunächst noch nicht zu glauben, daß die Gerüchte der Wahrheit entsprechen, welche von einer Rückwärtsrevidierung der Beamlenrechte sprechen. Tatsache ist, daß auf der Tagung der Polizeioffiziere vor wenigen Tagen der Reichskommissar Dr. Bracht den Offizieren ihren langen Degen wieder in Aussicht gestellt und ihnen hinsichtlich ihrer seit langem ge- äußerten Wünsche zu den Beamtenausschußbestimmungen Er- füllung zugesagt hat. Das bedeutet TrennungderOffi- ziere vonden Meifternund Wachtmeistern und Bevorrechtung der ersteren. Die Kluft, die vor dem Kriege durch die verschiedene Behandlung der Bevölkerungsschichten seitens des„Systems" durch das deutsche Volk ging und von allen Einsichtigen beklagt wurde und die durch das demo- kratische System in der Schließung begriffen war, wird nun durch die Maßnahmen der heutigen Machthaber wieder auf- gerissen. Staatspolitisch und klug scheint es mir nicht zu sein, wenn man so wenig aus der Vergangenheit lernt. Gerade in der Beamtcnpolitik des republikanischen Preu- ßen ist der Sinn dessen, was dieVerfassungvonWei- mar will, in klarer Weise zum Ausdruck gekommen. Der Beamte sollte kein lebensferner Bürokrat, er sollte in der Ver- waltung selbst auch kein willenloser Untertan sein, der ge- dankenlos die Befehle seiner Vorgesetzten ausführte. Vielmehr sollte er ein den Anweisungen seiner Vorgesetzten selbswer- ständlich unbedingt gehorchender, im übrigen aber doch selb- ständig entscheidender, dem Sinne und nicht dem Buchstaben des Gesetzes allein folgender DieneramVolksganzen sein. Der Sinn unserer dreizehnjährigen Arbeit in Preußen kann durch vorübergehende Eingriffe nicht dauernd gestört werden. Dazu ist die Wirkung unseres vernünftigen Tuns zu tief gedrungen. Rückschläge können uns nur zeigen, wo wir noch nicht gearbeitet, vielleicht auch in einigen, vereinzelten, krassen Fällen nicht genügend durchgegriffen haben. Das Verfassungsleben in Deutschland ist heute gestört. Der Verfassung zu ihrem ursprünglichen Sinn zurückzuverhelfen, ihre verschiedenen, noch immer nicht verwirklichten Verheißungen zu erfüllen, das ist das Gelöbnis, das am heutigen Feiertage die Republikaner demokratischer und sozialistischer Einstellung ablegen. Der Kampf um die Macht in Deutschland ist längst nicht zugunsten einer Adels- Herrschaft, auch nicht zugunsten der Nationalsozialisten ent- schieden. Der Wahlausgang am 31. Juli 1932 hat der Reak- tion bereits eine Enttäuschung gebracht. Der Kampf um den Staat von Weimar, dessen Grundgesetz wir heute feiern,, geht weiter und wird geführt von der Sozialdemokratie, heute ent- schiedener und entschlossener denn je unter dem Banner mit den drei Pfeilen und dem Rufe Freiheit? 5un?kommissar Scholz. Eine unmögliche und dock» mögliche Ernennung. Ter Reichsminister des Innern hat jetzt tatsächlich Ministerialrat Scholz zum Rundfunkkommissar des Reichsministcriums des Innern ernannt. Scholz ist Mitglied der Hitler-Partei. SA. in Bewegung? Manöver, um Nervosität zu erzeugen und auszunutzen. Seit Tagen werden geflissentlich Gerüchte über SA.-Zu- sammenziehungen oerbreitet. Man spricht von Konzentration der braunen Privatarmee des Regierungsaspiranten Hitler in Berlin und in der Umgegend, von Putschabsichten und der- gleichen schönen Dinge. Die Nachrichten werden von national- sozialistischer Seite absichtlich verbreitet, um die Nervosität der Bevölkerung zu erzeugen und absichtlich zu vergrößern, wo sie vorhanden war. Charakteristisch ist, daß heute niemand mehr Vertrauen zu offiziösen Erklärungen hat, seit die legale preußische Regierung und die gesetzmäßige Leitung der Berliner Polizei abgesetzt worden ist. Die„Kölnische Zeitung", die sich den Berliner Gerüchten und Gerüchtemachern gegen- über eine gewisse Reserve bewahrt hat, gibt der Meinung Ausdruck: Man deutet diese Bewegung als Versuch der SA., auf die Regierungsbildung einen st arten äußerlichen Druck aus- zuüben, weil die SA. wohl glaube, durch eine Sonderaktion den Absichten der Parteileitung nützen zu können. Ob diese Bewegung in der SA. mit Wissen und Zustimmung der Parteileitung geschieht. ist nicht festzustellen. Jedoch wird dies in unterrichteten Kreisen be- zweifelt. Man sieht zunächst in der Bewegung mehr ein Privat- unternehmen der SA. von Berlin und Brandenburg. Es fehlt natürlich nicht an Stimmen, die behaupten, die brandenbur- gische SA. beabsichtige zum Verfassungstag eine gewalt- same Unternehmung gegen die Reichshaupt st adt, Dabei spielt wohl die Erinnerung an den Versuch mit, den Hiller ebenfalls an einem gefchichllichen Tag, nämlich dem 9. November 1923, zur Aenderung der Machtverhältnisse unternahm. Selbstverständlich erklären die Regierung und die Polizei, daß sie von allem unterrichtet seien und daß sie alle Macht- Gleiwitz, 10. August. Die P o l i, e i p r e s s e st e l l e teilt mit: „In der Nacht zum Mittwoch wurde in Potempa lLandkreis Gleiwitz) der kommunistisch gesinnte 35 Jahre alte Arbeiter Konrad Pietczusch ermordet. Gegen 1.30 Uhr drangen mehrere uniformierte SA.- und S S.- L e u t e, die in einem Personenkrastlvagen nach Potempa gekommen waren, in das unverschlossene Zimmer ein, in dem Konrad Pietczusch, sein Bruder Alfons und seine Mutter schliefen. Mit dem Ruf:„R aus aus dem Bett, ihr verfluchten Kommuni st en! Hände hoch!"" zerrten sie Konrad Pietczusch, der zu- sammen mit seinem Bruder Alfons in einem Bett schlief, von seinem Lager und mißhandelten ihn schwer. Konrad Pietczusch flüchtete in eine Kammer neben dem Zimmer. Sein Bruder Alfons erhielt einen wuchtigen Ichlag auf den Kopf und trug eine stark blutende Wunde davon. Einer der Täter stieß die Kammertür auf und gab aus einer Pistole einen Schuß in die Kammer ab. Tarauf verließen die Täter das Haus. Tie Mutter Pietczusch begab sich darauf in die Kammer und fand ihren Sohn in einer Blut- lache liegend tot auf. Einer der Täter wurde gleich nach der Tat fe st genommen. Tie weiteren Ermittlungen führt die Landcskriminalpolizei in Zu- sammenarbeit mit der Landjägerei. Im Interesse der Aufklärung der Tat können zur Zeit weitere Angaben nicht mitgeteilt werden." Die„Erdwälle" sind schuld. Im Zusammenhang mit dieser Meldung, die die Blut- schuld der„braunen Armee" aufs neue feststellt, ge- winnt die nachstehende Veröffentlichung der„Telunion" ein besonderes Gesicht: Das Ergebnis der Untersuchungen des nach Oberschlesien ent- mittel anwenden würden, um jedem Streich zu begegnen. Nur wird durch solche Erklärungen keine Beruhigung geschaffen, weil— nun weil sie eben von der Regierung Papen-Gayl- Bracht stammen und diese Regierung in den breiten Volks- schichten keinerlei Vertrauensboden hat, um so weniger, als ja sie es ist, die den Hitler-Banden erst ihre neuen Treffen wieder erlaubt hat... Hitler soll Farbe bekennen. Hat ihn die ausländische Rüstungsindustrie finanziert? Hamburg, 10. August. Am 2S. Juli hatte das Hamburger Landgericht auf Antrag Hitlers eine einstweilige Verfügung gegen den Verlag Auer u. Co. sowie gegen den Redakteur Braune vom sozialdemo- kratischen„Echo oer Woche" erlassen, weiter die Behauptungen zu verbreiten, daß Hitler den Krieg wolle, weil er die i n t e r n a t i o- n a l e R ü st u n g s i n b u st r i e. die Hitler finanziell unterstütz«, brauche. Auf den Widerspruch des Beklagten hin hatte bereits ein Ver- Handlungstermin vor der Ferienzivilkammer A des Hamburger Landgerichts stattgefunden, in dem«in« Entscheidung für den sandten Sonderbeauftragten der preußischen Regierung, Ministerial- rat, Dr. Schütze, hat, wie wir erfahren, die n a t i o n a l s o z i a l i st i- schen Angaben insofern bestätigt, als gewisse Erd- anlagen in der Nähe von Gleiwitz nunmehr entfernt werden sollen. Es handelt sich einmal um einen vor einer deckungslosen Ebene angelegten„Karpfenteich", zu dessen Anlagen Erdmassen in Form von Wällen aufgefahren worden sind. In einem anderen Falle handelt es sich um ein«„Hühnerfarm", die in einer erhöht liegenden Kiesgrube angelegt ist und um die gleichfalls Erdwälle mit Schultermehren gezogen waren. Die Schulterwehren sollten angeb- lich den Hühnern Schatten geben. Man glaubt, den Besitzern der Anlagen den guten Glauben zubilligen zu können, hat jedoch fest- gestellt, daß dies« Anlagen tatsächlich militärischen Wert haben könnten, und zwar mit einer Frönt gegen Deutschland im Falle eines Eindringens von Polen. Der Polizeipräsident von Gleiwitz, dem vor allem die national- sozialistischen Vorwürfe galten, hatte offenbar die militärische ver- wertbarteit der Anlagen nicht richtig erkannt. Es ist im übrigen anzunehmen, daß bezüglich seiner Person gleichfalls eine Lösung ge- sunden wird. Das heißt mit dürren Worten: Der Polizeipräfi- d e n t von Gleiwitz soll entfernt werden, weil er den Nationalsozialisten unbequem geworden ist. Die Mel- dung über den neuen Mord an dem kommunisti- schen Arbeiter, begangen von uniformierten Hitler- Soldaten, zeigt, wa r u m der Haß gegen diesen Beamten be- steht: Er scheut sich nicht, Mörder als Mörder zu fassen, auch wenn es sich um Braunjacken handelt. Also fort mit ihm, trotz- dem erst in den letzten Tagen die'Arbeiterorganisationen von Gleiwitz, einschließlich der Christlichen und der Hirsch-Duncker- schen, die Ausdehnung seines Polizeibereichs auf die Um- gebung forderten, weil sonst die Sicherheit nicht mehr ge- währleistet sei. Ein Beamter, der braune Mörder packt, ist nicht zu brau- chen. Auch nicht ein Rundfunk, der den Mord einen Mord nennen würde. Deshalb gab die Nachrichtenwelle am Mitt- wochabend die Gleiwitzer Meldung nur wieder:„Die Mutter fand später ihren Sohn tot auf!" 10. August angekündigt worden war. Statt dieser Entscheidung wurde am Mittwochvormittag jedoch noch ein Beschluß verkündet. der dem Antragsteller h'ller auferlegt, glaubhaft zu machen, daß er von der ausländischen Rüstungsindustrie keine Gelder empfangen habe. Man kann danach dem weiteren Verlauf des Prozesses mit einiger Spannung enfgegcnsehen. Mukden brennt! Ein chinesischer Verzweiflungsakt gegen Japan? London, 10. August. Reuter meldet aus Peking, daß in IN u k d e a eine riesige Feuersbrunst ausgebrochen ist. Es läuft das Gerücht um, daß der Brand von chinesischen Zreiwilligcn in Zivil an- gelegt worden ist. wie aus chinesischer Quelle mitgeteilt wird, werden die strategisch wichligsten Punkte Mukdens von japanischen Tanks beseht gehalten, die die von allen Seiten anstürmenden chinesischen Freiwilligen in Schach hatten, wie weiter gemeldet wird, sollen die Ehincfen die wichtigsten Stellen der vm Ärckden liegenden hügelkelle beseht haben. Die Japaner haben haben zahlreiche verhaf, tnagea von verdächtigen Personen vorgenommen. Verfassungsfeier 1932. Reichsinnenminlster Freiherr von Gay! hält die Festrede über das Thema: „Von Goethe bis Goebbels." Oer gescheiterte Kutsch. Oos Volk von Madrid für die Republik. Frauenehre vor Gericht. Gkandalurteii einer Ferienzivilkammer. Vor den Reichstogswahlen hatte ein deutschnationaler Verlag eine Sudelschrift gegen sozialdemokratische Führer herausgegeben, bestehend aus verzerrten. Karikaturen und gehässigen Unterschriften. In besonders gemeiner Weise war die Reichstagsabgeordnet«, Ge- nossin Toni Sender, in diesem Pamphlet behandelt. Nach typisch nationaler Manier hatte man sie nicht auf politischem Gebiet, son- dern als Frau angegriffen. Wörtlich war zu ihrem oerzerrten Porträt geschrieben- „Besitzt einen für sozialdemokratische Verhältnisse unge- wohnlichen Sey Appeal. Ist daher von Kopf bis Fuh auf Zentrum eingestellt. Das ist ihre politische Halbwelt und sonst gar nichts." Wegen dieser hundsgemeinen Beschimpfung hatte Genossin Sender durch ihren Rechtsbeistand, Rechtsanwalt Otto Landsberg, eme e i n st w e i l i g e Verfügung gegen den Verlag der Sudel- fchrift erwirkt. Auf die Beschwerde des Verlages hat jedoch die 4. Ferienzivilkammer des Landgerichts I die einstweilige Verfügung aufgehoben. In der Begründung dieser Entscheidung heißt es: „Wenn in der Broschüre zunächst von einem„ungewöhnlichen Sex Appeal" der Antragstellerin die Rede ist, so ist hierin freilich nicht eine auf politischem Gebiete liegende Anspielung aus die Person der Antragstellerin zu erblicken. Diese Anspielung stellt aber keine Ehrenkränkung dar, und ist in keiner Weise geeignet, die Antragstellerin verächtlich zu machen. Der Ausdruck„Sex Appeal", der ja in neuester Zeit allgemein Eingang in den Sprachgebrauch gefunden hat, bedeutet wörtlich übersetzt„weibliche Anziehungskraf t".(Können diese Richter englisch? Wollen sie uns sagen, welches Wort in sex appeal, wörtlich übersetzt,„w e i b l! ch" bedeutet? Red.) und wird auch in diesem Sinne in Deutschland ganz allgemein gebraucht.." Die weiteren infamen Beschimpfungen entschuldigt das Gericht dahin, daß sie„rein politischen Charakter"(I) trügen. Ihre Formulierung erkläre sich aus der offensichtlichen Anlehnung an ein bekanntes Couplet. Die Worte„Von Kopf bis Fuß aufs Zentrum eingestellt", bedeuten nach Ansicht des Gerichts lediglich eine An- spielung auf das politische Zusammengehen der Sozialdemokratie mit dem Zentrum! Ebensowenig sieht das Gericht in dem Satze „das ist ihre politische Halbwelt" eine Beleidigung. Das Wort „Halbwelt" sei, und zwar„allein betrachtet, offenbar eine Be- l e i d i g u n g". Aber der Verfasser habe sich nun einmal a n d a s Couplet halten wollen, und da sei ihm nichts Besseres eingefallen! Der„an sich nicht glücklich gewählte" Aus- druck„Halbwelt" sei nur in politischem Sinne gemeint!! Eine Verletzung der Frauenehre liegt in dem Worte„Halbwelt" nicht.— Wenn nun aber der Verfasser diese Wendung aufdieFraueines der mitwirkenden Richter gemünzt hätte, wäre dann der betreffende Herr der gleichen Ansicht gewesen?!— Zum Schluß gibt das Urteil noch folgende allgemeine Betrachtung: „Die Tatsache, daß die ganze fragliche Stelle zweifellos wenig geschmackvoll ist, rechtfertigt für sich allein noch v i ch t die Anwendbarkeit der§§ 185 ff. StGB. Andererseits muß die Antragstellerin, die als Reichstagsabgeordnete und Reichs- tagskandidatin sich aus eigenem freien Willen auf einen b e- sonders exponierten politischen Platz gestellt hat, in verstärktem Maße mit politischen Angriffen rechnen, und es kann dem politischen Gegner nicht zugemutet werden, gerade in Zeiten eines Wahlkampfes auf irgendeine etwa vor- handene außergewöhnliche persönliche Empfind- l i ch k e i t der Antragstellerin Rücksicht zu nehmen." Zu Deutsch: eine Frau, die sich ins politische Leben begibt, hat keinen Anspruch aus Schutz ihrer Frauenehre. Verlangt sie solche, so ist das„außergewöhnliche persönliche Empfindlichkeit". Offenbar sind diese Richter der Ansicht, daß eine Frau, die aus ihrer Wirt- schaft herausgeht, ohnehin damit ihre weibliche Ehre abtut und von jedem Buben straflos beschimpft werden kann. Die drei Richter, die den Schutz der Frauenehre ablehnen, heißen: Landgerichtsdirektor Dr. Kern, Landgerichtsräte Dr. Golberger und R e i m a n n. Gegen das Urteil ist Berufung eingelegt. Vorverhandlungen beim Gtootsgerichi. Möglichste Beschleunigung allseitig erwünscht. Leipzig. 1». August.(Eigenbericht.) Auf Einladung des Vorsitzenden des Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich waren am Mittwoch in Leipzig die Vertreter Preußens, Bayerns, Badens und des Reiches zu einer Besprechung über die weitere Behandlung der drei schwebenden Derfassungs st reitklagen zusammengetreten. Es wurde allseitig der Wunsch nach möglichster Beschleunigung geäußert. Die Maßnahmen, die der Beschleunigung dienen können, wurden ein- gehend erläutert. Besonders bestand Uebereinstimmung darüber, daß ein möglichst baldiger Abschluß des Schriftwechsels der Parteien anzustreben ist.' SA. besucht den Stahlhelm. Nationalsozialistische Sinbrecherbande verhaftet. Eberswalde, 10. August.(Eigenbericht.) Eine Einbruchsaffäre, die bereits vier Monate zurückliegt, hat heute eine uberraschenoe Aufklarung gefunden. In der Nacht vom 15. zum 16. März d. I. wurde im Materiallager des Eberswalder Stahlhelm«in Einbruch verübt und 35 Waffenröcke sowie mehrere Musikinstrumente und Telephon- und Funkgeräte gestohlen. Nun hat sich herausgestellt, daß die Führer der Eberswalder SA. die Täter sind. Zwei SA.- Führer und mehrere Mitglieder der SA. wurden heute v e r- haftet. Heber die Einbruchsaffäre, die in weiten Kreisen großes Auf- sehen erregt, wird noch folgende» mitgeteilt: Die Ortsgruppe Ebers- walde des Stahlhelm hotte in einer Autogarage ein Materiallager eingerichtet, in dem neben einer Bibliothek die Waffenröcke der Stahlhelmer sowie die Musikinstrumente der Stahlhelmkapelle und Telephon- und Funkgeräte ausbewahrt wurden. Am Morgen des 16. März merkten Stahlhelmer. daß die Eisenstäb« der Fenster ver- bogen und die Fenster an der Garage beschädigt waren. Als nach- gesehen wurde, waren sämtliche Gegenstände des Materiollagers. 35 Waffenröcke. 3 Trommeln, mehrere Flöten Pfeifen und Blas- instrumente und Telephon-'und Funkgeräte verschwunden. Eigen- tümlicherweise erstattete der Stahlhelm seinerzeit keine Anzeige, weil, wie.es hieß, auch Waffen' entwendet worden sein sollten. Zuerst wurden die Kommunisten beschuldigt, den Einbruch ausgeführt zu haben. Die Rachsorschuagen ergaben jedoch, daß die Eberswalder SA. den Einbruch verüb» und die Gegenstände gestohlen halte, und zwar unter Anleitung ihres rühmlichst be- kannten Führers S ch i m o n s k i. der erst kürzlich verhastet war. weil in seiner Wohnung Wassea gesunden worden waren. Die Polizei hat festgestellt, daß die Musikinstrumente' zum Teil i n d e r S A.-K a p e l l e verwendet, pim Teil nach auswärts geschafft wurden, wo si« e bensall» in SA�Kapellen verwendet werden. Di« Spanische Botschaft in Berlin teilt uns auf Grund eines Ferngesprächs mit dem Außenministerium in Madrid mit, daß der Putschversuch einiger Lfsiziere, die in die Reserve übersetzt worden waren, und ihrer Komplicen nicht Überraschend kam und dementsprechend rasch erledigt wurde. Durch Madrid marschieren gewaltige Massen unter republikanischen und roten Fahnen. Das Volk demonstriert für die verfassungsmäßige Demo- kratie und gegen jeden Versuch sie anzutasten. Die Massen begrüßen das entschlossene Vorgehen der verfassungs- treuen Regierung und bezeugen ihre Entschlossenheit, den freien Volksstaat gegen seine Feinde zu verteidigen. Auch in den Provinzen herrscht völlige Ruhe. Bon nirgendwo werden irgendwelche politischen oder militäri- schen Bewegungen gemeldet. Nach den bisher eingetroffe- nen Nachrichten haben die Truppen aller Garnisonen sofort beim Be- kanntwerden des Madrider Aufstandsversuchs für die Regierung Partei genommen. Der Polizeikommandeur von Madrid erklärte den Jour» nalisten, die Aufstandsbewegung könne als völlig ge- scheitert betrachtet werden. Der Innenminister hat eine baldige Tarstellung der gesamten Ereignisse zugesagt. Das Snterfangen der Weißgardisten. Madrid über Paris, 16. August.(Eigenbericht.) Um 4 Uhr früh betraten ein Infanterieoberstleutnant, ein Haupt- mann und ein Marieleutnant das Haupttelegraphenamt. Sie trugen Revolver bei sich und am Arm eine weiße Binde mit dem grünen St.-Andreas-Kreuz. Sie fragten zwei postenstehende Gendarmen nach ihren Vorgesetzten und forderten sie auf, ihnen zu gehorchen. Die Gendarmen lehnten das ab Nichtsdestoweniger gelang es den Offizieren, während dieser Zwiesprache in das Innere des Tele- graphenamts einzudringen. Im gleichen Augenblick rückten vierzig mit Revolvern bewaffnete Personen, teils in Zivil, teil in Uniform von außen her an. Hierdurch mißtrauisch gemacht, legte die Wache auf die Offiziere an, die sich im Innern des Ge- bäudes befanden und hielten auch die Neuangekommenen Auf- ständischen i n S ch a ch. In diesem Augenblick, etwa 4.26 Uhr, wurde von dem Platz vor dem Telegraphenamt starkes Gewehr- Die Waffenröcke sind in der Hauptsache verkauft, das Geld, das hierfür eingenommen wurde, ist von den S A.-F ührern ver- trunken worden. Gleichfall» wurden die Telephon- und Funkgeräte verkaust und die Beträge unter SA.-Führern verteilt. Die Ermittlungen in der Diebstahlsaffäre. die immer weitere Kreise zieht, sind noch nicht abgeschlossen. Bis jetzt ist eine Reihe von SA-'Leuten festgenommen, die angeben, den Einbruch deshalb ver- übt zu haben, weil in der Garage, die als Materiallager diente, auch Waffen untergebracht sein sollten, die, so wollen die SA.-Leute glauben machen, nach ihrer Meinung den Kommunisten gehört haben sollten. Weitere Verhaftungen in der Angelegenheit stehen bevor. Veuer Termin im Prozeß Zürgensen. Das Handgemenge im preußischen Landtag. In dem Zivilprozeß des sozialdemokratischen Landtagsabge- ordneten Jürgensen gegen den preußischen Staat, vertreten durch den Landtagspräsidenten Kerrl, ist ein neuer Termin auf den 13. Oktober vor der Zivilkammer des Landgerichts I Berlin an- beraumt. Der Abg. Jürgensen, der durch Rechtsanwalt Neu- mann vertreten wird, war bei der großen Landtagsfchlägersi zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten erheblich verletzt worden. Er klagt aus die Zahlung von 1666 Mark Schmerzensgeld und die Feststellung, daß der Staat verpflichtet sei, feuer vernommen. Hierdurch wurden die nächstgelegenen Polizei- wachen alarmiert, und es setzte alsbald ein regelrechter Kampf mit Revolvern und Karabinern gegen die Aufständischen ein? auch mehrere Maschinengewehre traten in Tätigkeit. Der Kamps dehnte sich dann aus und tobte längere Zeit um das Postministerium, das Kriegsministerium und das Gebäude der Sicherheitspolizei. Dabei sind drei Aufständische, darunter zwei Offiziere, getötet und mehrere andere verletzt worden. Auch die Polizei hat mehrere Verletzte. Es gelang ihr aber, die Aufständischen bald zurückzu- drängen und die im Innern des Postministerium Befindlichen zu verhaften Man vermutet, daß der Führer der Bewegung General C a l o a z a n t i sowie mehrere Generäle des alten Regimes sind. General Calvazanti soll verschwunden sein. Um 7.45 Uhr morgens setzte plötzlich schweres Geschützfeuer über Madrid ein, das stark« Erregung unter der Bevölkerung auslöste. Der Innenminister ließ erklären, daß es sich lediglich um Ziel- Übungen handle und man sich nicht weiter zu beunruhigen brauche. Um 8.15 Uhr' dauerte die Kanonade noch an. Unter den verhafteten Personen ist auch General Fernande? Perez, der mit einem Trupp Aufständischer ins Kriegsministerium eingedrungen war. Als das Gewehrfeuer einsetzte, versuchte Fr mit seinen Anhängern in der kubanischen Gesandtschaft Schutz zu finden;' sie wurden jedoch, ehe sie diese erreichen konnten, ver- haftet. Um 6 Uhr früh hat die Polizei den Platz vor dem Telegraphenamt säubern können. Ein von einem Leutnant, einem Unterleutnant und mehreren Kavalleristen besetztes M i l i t ä r l a st- a u t o oersuchte trotz Befehls der Polizei den Platz zu überqueren und widersetzte sich dem Befehl, umzukehren, mit Waffengewalt. Polizei griff ein urid feuerte auf das Lastauto: der Leutnant und der Unterleutnant wurden getötet. Sozialistische Parole. Madrid. 10. August. Der Vorstand de» sozialistischen Allgemeinen Gewerkschafts- bundes fordert in einem Manifest die Arbeiterklasse auf. Energie zu beweisen, aber ruhig zu bleiben. Er bittet, keine Aktion durchzu- führen, ohne vorher entsprechende Anweisung erhalten zu haben. Aber jeder Mann müsse bereit sein, sich aus den ersten Wink hin in den Kamps zu stürzen. Alle republikanischen, politischen oder sozialen Vereinigungen haben beschlossen, ihre Bemühungen mit denen der sozialistischen Partei zu vereinigen und deren Anweisungen zu befolgen. In Sevilla hat der abgesetzte Gendarmeriegeneral San I u r j o einen Aufstand zuwege gebracht. Militär ist von Madrid unterwegs, um ihn zu liquidieren. den gesamten weiteren Schaden zu ersetzen. Di« Rechtsvertretung des preußischen Landtagspräsidenten Kerrl liegt in den Händen von Rechtsanwalt Dr. Sack. Es hatte bereits vor einiger Zest der erste Termin in diesem Verfahren stattgefunden. Die Verhandlung mußte jedoch vertagt werden, weil der Schriftsatz des Beklagten noch nicht vorlag. Kommunisten gegen Veichswehrsoldaien Zusammenstöße in Erlange«. Fünf Verwundete. Erlangen, 16. August. Im Stadtbezirk Buechenbach kam es in der vergangenen Nacht vor und in dem Anwesen des Landwirts Michael Koerner zu schweren politischen Ausschreitungen. Nach den bisherigen polizeilichen Meldungen griff ein« Gruppe von etwa 36 bis 46 Personen, die unter Rotfront-Rufen durch die Straßen zogen, drei Reichswehrsoldaten an. Die Bedrohten zogen sich in das Koernersche Anwesen zurück. Die Menge stürzte in den abgeschlossenen Hof des Anwesens nach. Bei dem Zusammenstoß wurden die drei Reichswehrangehörigen und zwei weiter« Personen verwundet. Als die Angreifer aus dem Hofe wieder herausgedrängt waren, wurden von der Straße aus gegen das Anwesen Steine, Bierslaschen. Zaunlatten und sonstige Gegenstände geworfen. Die elektrische Straßenbeleuchtung wurde ausgeschaltet. Beim Ein- treffen polizeilicher Verstärkungen flüchteten die Beteiligten. Drei Personen wurden oerhaftet. Verkauf soweit Vorrat Mengenabgabe vorbehalten Beginn 1. August Strohhüte ß 35 lür Damen..... Stück Jetzt von A Sportkappen 1 KZ f. Damen, farbig u. weiss, St. jetzt■ J aus Trikot, Kunstseide, Panama und anderen wasch- 4? O A A OA baren Stoffen, Stück jetzt Schuhwaren Kleider Frauen-Kleider ISialjs; 16,75 Uebergangsmäntel ........... 29,50, 24,50, 19,75, 10,7 S und Win'ermäntel, zum Teil mit Pelz.............. Stück jetzt Damen-Schuhe a«c Lack- und Veloursleder..........Paar jetzt VyOw Damen-Schuhe modefarbig, echte«C Ohevreao...................... Paar Jetzt WyWV Herten-Schuhe schwarz und braun O IC Boxealt. Rahmenarbeit........... Paar jetzt 0y4v a WSt___■■ O,■ au« Batist, Satin, Seide u. 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Im Namen der Hinterbliebenen: XIpk. KSckrilz gen. S enger. Zur Aufklärung I Die Meldungen, daD der Beamten-Wirtschalts-Verein seine Zahlungen eingestellt und das gerichtliche Vergleichsvertahren eingeleitet hat, haben Beunruhigung in die Bevölkerung getragen. Zur Aufklärung für unsere Mitglieder teilen wir folgendes mit: Im Laufe des letzten lahres ist sowohl beim Einzelhandel als auch bei den Warenhausern und den Konsumvereinen ein allgemeiner Rückgang des Umsatzes eingetreten. Seit etwa einem halben lahre hält sich jedoch der Umsatz unserer Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend auf annähernd der gleichen Höhe. Unsere Bäckereien, die Wurstfabrik und die sonstigen Ncbenbetriebe arbeiten durchaus zufriedenstellend. Ein Grund zur Beunruhigung liegt also nicht vor. Die wirtschaftliche Lage unserer Mitglieder hat in derselben Zeit zu erheblichen Abziehungen der Spareinlagen geführt Wir haben seit der Bankenkrise im Juli 17St bis Ende Juli 1932 7'/e Millionen Mark Spargeider eingenommen, aber 28 � Millionen Mark zurückgezahlt, so daß sich der Sparkassenbestand innerhalb Jahresfrist von 49 Millionen Mark auf 28 Millionen Mark gesenkt hat. Es sind also große Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der genossenschaftlichen Sparkasse gestellt worden, denen sie gerecht geworden ist, weil genügend flüssige Mittel zur Verfügung standen. Die Vorkommnisse beim Beamten-Wirtschafts-Verein veranlassen uns. unseren Mitgliedarn nahezulegen, nicht in eine an und für sich begreifliche Nervosität zu verfallen und an unsere Sparkasse mit einem Male Anforderungen zu stellen, denen keine Kasse nachkommen könnte. Trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist unser Unternehmen gesund und unsere Sparkasse wird auch in Zukunft in der Lage sein, normalen Ansprüchen gerecht zu werden. Selbstverständlich ist es unmäalich, in wenigen Tagen den Spareinlagen-Bestand von 28 Millionen flüssig zu machen. Es wäre daher falsch, wenn unsere Sparer die Ruhe verüe'en und sich durch irgendeine Seite zu einem Run auf die Sparkasse verleiten lassen würden. Das Geschick unserer Genossenschaft liegt lediglich in der Hand unserer Mitglieder, Je mehr sie der Genossenschaft als Käufer die Treue bewahren und je überleafer die Soarer handeln, desto besser H-e Zukunft unseres Unternehmens! Berlin, im August 1932. Der Vorstand der Konsum-Genossenschaft Berlin und Umgegend e. G. m. b. H. Älf. 8 Uhr IS. Flora 3434. HautDen«ri. Taps& Tempo, RemosComp. 4 Richys, Sealtiel, M.& CMayo Levanda, Hunter& Bobette II Zurückgenommene Möbel unter Preis. _ Eichenkreden, en Tapeten SziOdt. Kolonie. strafte 9. 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Hermannstraße 27 und Bergstr. 66 •Schöneberg: Kolonnenstraße 9 *Obenchöneweide;Wilhelminenhofstr.40 •Spandau: Potsdamer Straße 23 •Weißensee: Berliner Allee 247 •Tempelhof: Berliner Straße 152 •Lankwitz: Charlottenstraße 34 •Lichtenberg: Wismarplatz 1 Reinickendorf; Markstraße 45 Schfpargendorf: Berkaer Straße 5 Potsdam: Charlottenstraße 69 Oranienburg. Berliner Straße 1 Süßkind Gebtauchte| Fahrrüder 15,— 20,—, 25,-,.30,—, 35,—. Machnow I iWeinmeisterstr. 14 Garten. Laune und Balken Herrenzim.«alloneäder U(, stothek 220, 34,—, 42.—, 45,—.Kcichsmntl pro lau. Nuftbaum- 55,—. verchromtkl KraIlla!lPZ6Ug8 I f-nder Meter kom. >..U5,—, uü,—. Werner I I pleiter Drahlzaun ife., halben Preisen, 7?'� mciitetfitofte 14. Fi. siecht. Drahtzaun.'hrse. Direktor Dan. � �"a---onung viele OirUatnhtiu. i?'—'.. verchromte J..„.„rs".. iiattä Borberet. 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August 4932 Berlins Kampf um den Freiheitstag Uenassungstag in uerbotszeit.-„Eine Grenze hat Tyrannenmachti ii Der Verfassungstag des Jahres 1932 wird von der Berliner republikanischen Bevölkerung unter dem dunklen Schatten des 20. Juli 1932 begangen, an dem die ver- fassungsmäflige preußische Staatsregierung durch einen Gemaltakt ihrer Funktionen enthoben murde. Dieser schwärzeste Tag innerdeutscher Geschichte seit dem Bestehen der Republik gibt zum 11. August keiner Festesfreude Raum. Gemiß denken mir Berliner Republikaner nicht daran, den Kopf hängen zu lassen, mir sind in Geschlossenheit zum Kampf um den Schutz der demokratischen Rechte gerüstet und bereit. Das Regime Papen-Gayl-Bracht hat uns untersagt, der Republik durch den gemaltigen, schon geradezu historisch gemordenen Fackelz ug unter dem freien Himmel eines freien Volkes zu huldigen. Unsere Liebe zur Freiheit und zur Republik ist aber viel tiefer begründet als die Herren, die heute regieren; annehmen. Was drinnen im Herzen sitzt, ist durch Verordnungen und Verbote nicht auszurotten. Wenn unsere Gedanken heute zurück schweifen zu den Verfassungsf�ern vergangener Jahre, so schwelgen mir nicht in Erinnerungen, sondern mir meilen bei dem, mas mar, um für das> mas i« t und für das, mas nach unserem Willen einmal sein soll und mir d, neue Kraft zu gewinnen. Als im August INS die Verfassung von Weimar durch den Reichspräsidenten Friedrich E b e r t unterzeichnet war, stand im „Vorwärts" zu lesen: Laßt andere jammern und klagen! Wir haben zu neuer Fahrt Die Fahnen gehißt und tragen Die neue Gegenwart. Das Wort des Dichters hat in den dreizehn schweren Jahren, die hinter uns liegen, nichts an Bedeutung verloren. Es ist uns auch heute noch Bekenntnis und Wegweiser. Die Vollendung des Versassungswerkes ist damals im August des Sturmjahres 1919 in Berlin nicht mit jener Begeisterung ausgenommen worden, die ihr in ruhigen Zeiten zuteil geworden wäre. Aber bedenken wir: Berlin hatte eben die schweren Kämpfe der Spartakusperiode hinter sich, und gerade aus dem Proletariat lag d>e entsetzliche Not der ersten Nachkriegszeit. Vor allem aber waren kaum sechs Wochen oer- gongen seit der Unterzeichnung des Gewaltfriedens von Versailles, gegen den gerade die Sozialdemokratie aus höchster moralischer Berechtigung heraus einen leidenschaftlichen Kampf geführt hatte. Auch im Jahre 1929 wurde in Berlin des Versafjungstages noch nicht in gebührender Weise gedacht. Aber daß die Arbeiterschaft Verfassung und Republik schützte, dos hatte der schmählich gescheiterte K a p p° P u t s ch wenige Monate vorher bewiesen. Zum 11. August 1921 erschien dann zum ersten Male im„Vorwärts" der Appell„Heraus mit Schwarzrotgold! Morgen Verfassungstag!" Bei einer osfiziellen Feier im Opernhaus Unter den Linden sprach der damalige Reichskanzler Dr. W i r t h Worte, die heute gesprochen und an Herrn Hitler und seine Umgebung gerichtet werden könnten. Sie lauteten:„Wehe denen, die diesem Volk, das guten Willens ist. Steine reichen!" Heute vor zehn Iahren... Heute vor zehn Jahren, am 11. August 1922, erlebte Berlin seine erste große Verfassungsfeier. Noch nicht sechs Wochen waren vergangen, seitdem Walter Rathenau von faschistischen Mördern niedergestreckt worden war. Berlins republikanische Be- völkerung drängte darauf, ein Bekenntnis zum freien Staate abzulegen. Damals zum ersten Male fand in Gegenwart unseres Friedrich Ebert die offiziell gewordene Feier im Reichstag statt. Abends im Schauspielhaus waren die Vertreter der Republik oer- sammelt. Draußen aber standen Tausende und aber Tausende mit Fackeln und schwarzrotgoldenen Fahnen. Friedrich Ebert rief der Jugend die Worte zu:„Darum möge Ihnen, der Ber- liner freiheitlich und republikanisch gesinnten Jugend, auf die wir bauen und hoffen, der Tag beschieden sein, von dem die Worte des Dichters sprechen: der Tag der Einigkeit, des Rechtes und der Freiheit." Denken wir an das schwere Notjahr 1923 zurück, so ver» dient vor allem Erwähnung, daß seit diesem 11. August alljährlich die Berliner Schutzpolizei den Geburtstag des Grundgesetzes von Weimar festlich begeht. Ein Jahr zog ins Land, das ein tragisches Ereignis brachte, unter dessen Eindruck wir Berliner wochenlang gestanden haben. Wir bangten um das L e b e n des ersten Reichspräsidenten, wir gc- leiteten von der Wilhelmstraße über den Reichstag zum Potsdamer Bahnhof den allzu früh von uns Gerissenen. Am 11. August 1923 nahm den Platz Friedrich Eberts bei der Feier im Reichstag Paul von Hindenburg ein. Gewiß, es war unter dem Kabinett Luther-Schiele eine recht nüchterne Feier, aber dafür stand Berlin unter dem Zeichen von Schwarzrotgold, und in Treptow waren. Mann an Mann, Tausende an Tausende gereiht, die Kameraden des Reichsbanners versammelt, um ein begeistertes Bekenntnis zur Republik und zur Demokratte ab- zugeben. 1926 erklang es im„Vorwärts": - Wir wollen selbst errichten Die Heimstatt der Nation. Wiederum huldigte Berlin der Verfassung. 1927 sah dann neben der offiziellen Feier der Bürgerblockregierung Marx einen Fackelzug der Hunderttausend am Funkhaus, von dem gesagt werden konnte, daß kaum je eine Demonstration an diese herangereicht hätte. Ein Jahr später hatte der V o l k s w i l l e die Regierung des Bürgerblocks hinweggefegt. Am 11. August 1928 um 12 Uhr bettat der Reichspräsident von Hindenburg an der Seite des Reichsinnenministers Earl Severing die Mittelloge im Reichstag. Der Sozialdemokrat Universitätsprofessor Dr. R a d b r u ch hielt die Festrede. Der Volksfeiertag in Berlin aber ward ein Festabend, an dem Hunderttausende teil hatten. 4929: Volksfeiertag. Schon Tage vorher wurde zum zehnten Geburtstag der Reichsverfassung, zum 11. August 1929, in der republikanischen Presse der Ruf erhoben: Rüstet zum Verfasiungstag. Das Reichs- ba-nner Schwarz-Rot-Gold hatte aus allen Gauen Deutschlands seine Mitglieder herbeigerufen, aus Oe st erreich kamen die Gäste, und die Zusammenarbeit der Regierungen von Reich und Ländern, des Magistrats Berlin, der republikanischen Organisationen und der freiheitlich gesinnten Berliner Bevölkerung sorgte dafür, daß der zehnte Geburtstag von Weimar zu einer einzigartigen Mani- festation des deutschen Freiheitswillens wurde. Neben dem Festakt der Reichsregierung und den Abendfeiern der Behörden, neben den Volksfesten allüberall, die 1929 in großem Umfange zum ersten Male stattfanden, rollte im Deutschen Stadion, das mit 899 schwarzrotgoldenen Fahnen des Reichsbanners geschmückt war, ein Festspiel ab, an dem ein Gesangschor von 7599 Schulkindern, der Deutsche Arbeitersängerbund und die Vereinigten Kapellen der Schutzpolizei teilnahmen. Ein Volksrundflug, eine Geschwaderfahrt der republikanischen Wassersportler auf den Haoelseen und viele andere Sondcrveranstaltungen umrahmten das Fest der Republik. Ein großer Zapfenstreich am Vorabend auf dem Platz der Republik Blinder erdrosseil seine Familie. Selbstmord des verzweifelten.- Grausige Tat im Horden Berlins. In der Kiautschoustrasie, im sogenannten„Afrikani- schen Viertel" im Norden Berlins, wurde gestern am frühen Nachmittag eine furchtbare Tragödie entdeckt. Im vierten Ztockwert des Hauses wohnt der 43 Jahre alte Kriegsinvalide Hermann Stech mit seiner um zwei Jahre jüngeren Frau Else und den beiden llindern, dem 11 Jahre alten Gerhard und der öjährigen Eva. Seit Dienstag abend hatten Hausbewohner von der Familie nichts mehr gehört und als sich gestern auf dem Treppen- flur starker Gasgeruch bemerkbar machte, schöpften Nach- barn Verdacht und alarmierten die Polizei und Feuer- wehr. Den Eintretenden bot sich ein grauenhaftes Bild. Gleich in der Küche lag mit blutbeflecktem Gesicht und einer Schlinge aus Gaze um den Hals leblos Frau Stech. Im Schlafzimmer fanden die Eintretenden die beiden Kinder in ihren Betten gleichfalls erdrosselt auf. Als die Beamten schließlich die von innen verriegelte Toilette aufbrachen, fanden sie in dem völlig vergasten Raum den Kriegsinvaliden Stech, der im vorigen Jahr völlig er- blindet war, ebenfalls tot auf. Stech hat die furchtbare Tat zweifellos aus Verzweiflung über seine Erblindung begangen. Bis zum vorigen Jahr konnte er noch etwas sehen, dann verschlimmerte sich sein Leiden— eine Folge des unseligen Weltkrieges— aber derart, daß er ttotz aller ärztlicher Bemühungen vollends sein Augenlicht verlor. Der Unglück- liehe war in einem Büro angestellt; sein Mißgeschick nahm ihm bald die ganze Arbeitskrast. Dazu gesellte sich die Sorge um die Zukunft seiner Familie. Aus diesen Erwägungen heraus dürfte in Stech der Plan gereist sein, aus dem Leben zu scheiden und seine Frau und die beiden Kinder mit in den Tod zu nehmen Wie man annimmt, ist die grausige Tat ossenbar schon in der Nacht zum Dienstag ge- schehen. Unerklärlich ist zunächst noch, daß von den Hausbewohnern niemand etwas gemerkt hat, denn alle Anzeichen deuten darauf hin, daß sich die Kinder heftig zur Wehr gesetzt haben. Mit einem stumpfen Gegenstand sind die kleinen, nachdem Stech seine Frau in der Küche erdrosselt hatte, von dem Vater niedergeschlagen und dann mit einer Gazeschnur erwürgt worden. Die Tat des Blinden muß der unglücklichen Frau selbst so über- raschend gekommen sein, daß sie keine Gegenwehr mehr leisten konnte. Die Leichen sind von der Kriminalpolizei beschlagnahmt worden. Mnut tjamfun: 12 Mfetne ütlebniffe. Meine Angst war entsetzlich, ich fing an zu zittern. Ich suchte auf dem Fußboden nach dem Zahn, wagte aber nicht, die Blicke vom Fenster zu wenden— vielleicht konnte das Gesicht ja wiederkehren. Als ich den Zahn gefunden hatte, wollte ich ihn gleich wieder nach dem Kirchhof bringen, hatte aber nicht den Mut dazu. Ich faß noch immer allein und konnte mich nicht rühren. Ich höre Schritte draußen auf dem Hof und meine, daß es eine der Mägde ist, die auf ihren Holzpantoffeln geklappert kommt: ich wage aber nicht, sie anzurufen, und die Schritte gehen vorüber. Eine Ewigkeit vergeht. Das Feuer im Ofen fängt an auszubrennen, und keine Rettung zeigt sich mir. Da beiße ich die Zähne zusammen und stehe auf. Ich öffne die Tür und gehe rückwärts zur Gesindestube hinaus, unverwandt nach dem Fenster sehend, an dem der Mann ge- standen hatte. Als ich auf den Hof hinaus gekommen bin, renne ich nach dem Stall hinüber, um einen der Knechte zu bstten, mich nach dem Kirchhof hinüber zu begleiten. Die Knechte befanden sich aber nicht im Stalle. Jetzt unter freiem Himmel war ich indes kühner ge- worden, und ich beschloß, allein nach dem Friedhof hinauf zu gehen: dadurch würde ich es auch vermeiden, mich jeman- dem anzuvertrauen und dann später in des Onkels Klauen zu geraten. So ging ich denn allein den Hügel hinan. Den Zahn trug ich in meinem Taschentuch. Oben an der Kirchhofspforte blieb ich stehen— mein Mut versagte mir seinen ferneren Beistand. Ich höre dos ewige Brausen des Stromes, sonst ist alles still. Der Kirchhofsein- gang war keine Tür, nur ein Bogen, durch den man hindurch ging: ich stelle mich voller Angst auf die eine Seite dieses Bogens und stecke den Kopf vorsichtig durch die Oeffnung, um zu sehen ob ich es wagen könne, weiter zu gehen. Da sinke ich plötzlich platt auf die Knie. Ein Stück jenseits der Pforte, da drinnen zwischen den Gräbern, stand mein Mann mit dem Südwester. Er hatte wieder das weiße Gesicht, und er wandte es mir zu, gleich- zeitig aber zeigte er vorwärts, nach dem Kirchhof hinauf. Ich sah dies als Befehl an, wagte aber nicht zu gehen. Ich lag sehr lange da und sah den Mann an, ich flehte ihn an und er stand unbeweglich und still da. Da geschah etwas, was mir wieder ein wenig Mut machte: ich hörte einen der Knechte unten am Stallgebäude geschäftig umhergehen und pfeifen. Dieses Lebenszeichen um mich her bewirkte, daß ich mich erhob. Da entfernte sich der Mann ganz allmählich, er ging nicht, er glitt über die Gräber dahin, immer vorwärts zeigend. Ich trat durch die Pforte. Der Mann lockte mich weiter. Ich tat einige Schritte und blieb dann stehen: ich konnte nicht mehr. Mit zitternder Hand nahm ich den weißen Zahn aus dem Taschentuch und warf ihn mit aller Macht aus den Kirchhof. In diesem Augenblick drehte sich die eiserne Stange auf dem Kirchturm herum und der schrille Schrei ging mir durch Mark und Bein. Ich stürzte zur Pforte hinaus, den Hügel hinab und nach Hause. Als ich in die Küche kam, sagten sie mir, mein Gesicht sei weiß wie Schnee... Es sind jetzt viele Jahre seitdem vergangen, aber ich ent- sinne mich jeder Einzelheit. Ich sehe mich noch auf den Knien vor der Kirchhofstür liegen, und ich sehe den rotbärtigen Mann. Sein Alter kann ich nicht einmal ungefähr angeben. Er konnte zwanzig Jahre alt sein, er konnte auch vierzig sein. Da es nicht das letztemal sein sollte, daß ich ihn sah, habe ich auch später noch über diese Frage nachgedacht; aber noch immer weiß ich nicht, was ich über sein Alter sagen soll... Manchen Abend und manche Nacht kam der Mann wieder. Er zeigte sich, lachte mit seinem weitgeöffneten Munde, in dem ein Zahn fehlte, und verschwand. Es war Schnee ge- fallen, und ich konnte nicht mehr auf den Kirchhof gehen und den Zahn in die Erde stecken. Und der Mann kam wieder und wieder, ober mit immer längeren Zwischenräumen, den ganzen Winter hindurch. Meine haarsträubende Angst vor ihm nahm ab: aber er machte mein Leben sehr unglücklich, ja unglücklich bis zum Uebermaß. In jenen Tagen war es mir oft eine gewisse Freude, wenn ich daran dachte, daß ich meiner Qual ein Ende machen könnte, indem ich mich bei Flut in den Strom Glimma stürzte. Dann kam der Frühling und der Mann verschwand gänzlich. Gänzlich? Nein, nicht gänzlich, aber für den ganzen | Sommer. Den nächsten Winter stellte er sich wieder ein. Nur einmal zeigte er sich, dann blieb er lange Zeit fern. Drei Jahre nach meiner ersten Begegnung mit ihm verließ ich das Nordland und blieb ein Jahr fort. Als ich zurückkehrte, war ich konfirmiert und wie ich selber meinte, ein großer, er- wachsener Mann. Ich wohnte nun nicht mehr bei meinem Onkel auf dem Pfarrhof, sondern daheim bei Vater und Mutter. Eines Abends zur Herbstzeit, als ich gerade schlafen ge- gangen war, legte sich eine kalte Hand auf meine Stirn. Ich schlug die Augen auf und erblickte den Mann vor mir. Er saß auf meinem Bett und sah mich an. Ich lag nicht allein im Zimmer, sondern mit zweien von meinen Geschwistern zusammen: aber ich rief trotzdem keines von ihnen. Als ich den kalten Druck gegen meine Stirn fühlte, schlug ich mit der Hand um mich und sagte: Nein, geh weg! Meine Geschwister fragten aus ihren Betten, mit wem ich spräche. Als der Mann eine Weile still gesessen hatte, fing er an, sich mit dem Oberkörper hin und her zu wiegen. Dabei nahm er mehr und mehr an Größe zu, schließlich stieß er beinahe an die Decke, und da er offenbar nicht viel weiter kommen konnte, erhob er sich, entfernte sich mit lautlosen Schritten von meinem Bett, durch das Zimmer, nach dem Ofen, wo er verschwand. Ich folgte ihm die ganze Zeit mit den Augen. Er war mir noch nie so nahe gewesen wie diesmal; ich sah ihm gerade ins Gesicht. Sein Blick war leer und erloschen, er sah zu mir hin, aber gleichsam an mir vorüber, quer durch mich hindurch, weit in eine andere Welt hinein. Ich bemerkte, daß er graue Augen hatte. Er bewegte sein Gesicht nicht und er lachte nicht. Als ich seine Hand von meiner Stirn wegschlug und sagte: Nein,.geh weg! zog er seine Hand lang- sam zurück. Während all der Minuten, die er auf meinem Bett saß, blinzelte er niemals mit den Augen... Einige Monate später, als es Winter geworden und ich wieder von zu Hause gereist war, hielt ich mich eine Zeitlang bei einem Kaufmann W. auf. dem ich im Laden und auf dem Kontor half. Hier sollte ich meinem Mann zum letzten- mal begegnen. Ich gehe eines Abends auf mein Zimmer hinauf, zünde die Lampe an und entkleide mich. Ich will wie gewöhnlich meine Schuhe für das Mädchen hinausstellen, ich nehme die Schuhe auch in die Hand und öffne die Tür. Da steht er auf dem Gang, dicht vor mir, der rotbärtige Mann.(Fortsetzung folgt.) leitete die Riesenfeier der Reichshauptstadt ehr Da», mos wir am 11. August erlebten, war in der Tat mehr, als wir hatten erhoffen können. Der„Vorwärts� schrieb:„Hohe Erwartungen sind an den gestrigen Tag geknüpft worden. Die Wirklichkeit hat sie weit über- troffen. Die Republik ist gestern nicht bloß gefeiert, sondern von Millionen erlebt worden." Wer heute unsere große illustrierte Sonderausgabe zum zehnten Verfassungstag durchblättert, vor dessen Augen wird dieses unvergeßliche Erlebnis ganz lebendig. 1930 und 1931— wir brauchen der jüngeren Vergangenheit nicht im einzelnen zu gedenken. Das republikanische Berlin hat in den letzten zwei schweren Jahren bewiesen, daß es auch in den Zeiten schwerer Not zur Fahne steht, der es geschworen hat. 11. August 1932. Das deutsche Boll, und vor allem auch die Bevölkerung Berlins, hat am Tonntag vor acht Tagen ihren antifaschistischen Wille« deutlich bekundet. Wir Berliner begehen diesen Verfassungstag darum in voller Erkenntnis der Ttuude. aber in der Gewißheit, daß die Zukunft auf unserer Seite ist. Wir erinnern an diesem Verfassungstag die Machthaber von heute an die Worte Schillers: Nein, eine Grenze hat Tyranuenmacht: Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden. Wenn unerträglich wird die Last, greift er Hinauf getrosten Mutes in den Himmel und Holl herunter seine ewgen Rechte. Die droben hangen unveräußerlich Und unzerbrechlich, wie die Sterne selbst. Wir wollen nicht Willkur und Knechtschaft/ wir wollen, trotz Popen und Hitler, nun und Immerdar Preihelil Die Verfassungsfeier der Berliner Polizei. Die schon zu einer Trabttion gewordene Verfassung»- f e i« r der Berliner Schutzpolizei geht auch in diesem Jahre in dem üblichen Rahmen im Lustgarten vor sich. Die Kapelle der Berliner Kriminalpolizei wird ab g Uhr konzertieren. Um 9.39 Uhr wird der Aufmarsch der Polizeibeamten beendet sein. Räch einer Ansprache des kommissarischen Polizeipräsidenten Dr. Welcher findet der Vorbeimarsch statt. Der Lustgarten hatte schon gestern reichen schwarzrotgoldenen Fahnenschmuck erhalten. Den Freunden in den Tod gesolgi. Tragisches Ende eines Studenten. Roch zweitägigem Suchen, an dem eine große Militärabteilung. zehn Polizeibeamte und viele Freiwillige teilnahmen, wurde setzt der vermißte deutsche Student Rudolf Sauer im Wold bei Gävle erhängt aufgefunden. Sauer, der sich auf Besuch in Schweden befand, war bei einem Autounglück schwer verletzt worden, während seine beiden Gefährten, ein junger Schwede und ein junger Deutscher, dabei den Tod gefunden hallen. Obwohl Rudolf Sauer nicht am Steuer gesessen und den Tod seiner Kameraden nicht v«r> schuldet hatte, war chm der tragische Vorfall doch so zu cherzen ge- gangen, daß er sich das Leben nahm. 299 Meter von der Unglücks- stelle entfernt fand man ihn. Er war 22 Jahre alt und Sohn eines Berliner Kaufmanns. Verbot der Sportpalastversammlung de? Anlifaschlstischen Aktion. Der Berliner Polizeipräsident hat die für Donnerstag von der Anti- faschistischen Aktion in den Sportpalast einberufene Kundgebung auf Grund der Notoerordnung des Reichspräsidenten vom 28. Juni§ 1 Absatz 2 wegen Störung der öffentlichen Ruhe verboten. Berlin ehrt den Filegerpionier. aas Liiienthai-Ehrenrnai in uchteneida.- anspracha des ODerDOiwineisters. Am gestrigen Mittwoch, dem 3«. Todestag des deutschen Fliegerpionier« Otto L i l i e n t h a l. der aus dem Friedhof in Lichterfelde-Ost ruht, wurde auf dem historischen Gelände ln Lichterfelde-Ost, auf dem Lilienthal vor etwa 49 Jahren sein« ersten Flugversuche machte, eine Gedenkstätte für den Dater des Menschen- fluges eingeweiht. Der Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt e. V-, Geheimral Professor Dr.-Jng. e. h. Schütte, wies in seiner Ansprache darauf hin, daß die WGL. sich acht Jahre bemüht habe, die Vollendung und Einweihung einer„Otto-LUienthal-Gedenkstätte" herbeizuführen. Wenn dies jetzt in dieser unendlich schweren Zell wirtschaftlicher Not und politischer Zerrissenheit doch noch gelungen sei, so verdanke man die» in er st er Linie der Stadt Ber- lin und außerdem einigen wenigen hochherzigen Spendern. Oberbürgermeister Dr. Sa hm übernahm für die Stadt Berlin das Ehrenmal und sagte: Mtt innerster Dankbarkeit und mit einem Gefühl nationalen Stolzes gedenken wir heute dieses großen deutschen Mannes, der vor nahezu 79 Jahren zusammen mtt seinem Bruder, dessen ehrwürdige Greisengestatt heute hier zu begrüßen mir ein« besondere Ehre ist, di« ersten flugtech- nischen Arbetten begonnen. E» war«in zähes Ringen, und nicht durch Spott und nicht durch Mißerfolg« haben sich di« Brüder von ihrer Ueberzeugung abbringen lasten, daß es ihnen gelingen würde, den allen Traum der Menschheit zu erfüllen und bahnbrechend für alle Welt zu wirken. Mtt dem Denkmal sollen aber auch di« toten cheldenflieger geehrt werden, die für Deutschland im Wellkrieg« ihr Leben gelassen haben. Mtt dem Denkmal sollen die lebenden deutschen Flieger gewürdigt werden, die im Geist« Otto Lilienthals dem deutschen Nomen in weltumspannenden Flügen neue Ehr« ver- schafft haben. Ausfällig und beftemdend war e», daß der wette Platz nicht«in« einzige Fahne als Schmuck auswies, keine Fahne der Stadt Berlin, keine preußische Fahne, keine schwarzrotgoldene Nationalfahne. * Ilm das neue Ehrenmal für den deutschen Fliegerpionier Lilie uthal zu erreichen, bedarf es eines lmlbstündigen Weges vom Bahnhof Lichterfelde-Ost durch die verlängerte Wilhelmstraße, die cheinersdorfer Straße über den Kasterplatz in die Steinstraße. Hier in der Steinstraße, die ursprünglich ein Feldweg war und nach dem städtischen Rieselgut Ostdorf führt«, war früher eine Ziegelei, deren Wraum Lilienthal benutzen durfte, um sich einen Abflughügel in diesem sonst ganz flachen Gelände auftürmen zu lassen. Ein Gastwirt hatte vor Jahrzehnten das ganze Land mit dem Flughügel erworben. Im Lauf der Jahre war der ursprünglich vollkommen kahle Sandhügel von Tannen und dichtem Unterholz bewachsen. Auch das Vorland war ein einziger großer Garten. Nachdem die Stadt Berlin das Grundstück erworben hatte, wurde der chügel in seiner ursprünglichen Kahlhett wieder hergestellt und in vier schmale Terrassen eingeteill. Eine Steintrepp« führt zu der Höhe empor, auf der sich nunmehr das Ehrenmal, ein auf schmalen Säulen ruhendes, breites, kreisrundes, in der Mitte offenes Dach erhebt. Im Mittelpunkt ruht eine große, silberglänzende Metallkugel, ein Symbol der Erde. Von der Höhe des etwa IS Meter hohen Hügels genießt man einen zwar nicht wetten, aber sehr freundlichen Fernblick. Man sieht nach Osten und Norden Lichterfeld«, LahAwitz und Mariendorf und nach Westen die weiten Ebenen, die sich bis Großbeeren erstrecken. Zwischen Hügel und Straße liegt«in rechtwinkliges Wasserbecken, um das rechts und links herum die Wege zum Hügel führen. Unmittelbar an dieses Gelände des Ehrenmals stößt ein anmutiges kleines Gehölz mtt dem zu einem hübschen Gondelteich gestalteten ehemaligen Ziegeleiteich. Di« Anlage wird zweifellos der Zielpunkt vieler Ausflüge werden. Gsfängnis sür einen Unhold. Wie schützt sich die Allgemeinheit vor ihm? Di« diesjährige Tagung der Internationalen Kriminalistischen Vereinigung in Frankfurt a. M. wird sich auch mtt dem Problem der Sterilisierung befassen. Eine BerhaMung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitt« lieferte gestern einen lehrreichen Beitrag zu diesem schwierigen und hart umstrittenen Fragenkomplex. Vor der Sitllichkeitskammer stand ein Unhold, der zwei Knaben im Alter von 13 und 14 Iahren in seine Wohnung ge- lockt und sich hier an den sich wehrenden Jungen sittlich vergriffen hatte. Die Jungen wurden dabei in der brutalsten Weise miß» handelt, gewürgt, so daß sie ohnmächtig wurden. Wer weiß, was noch passiert wäre, wenn der Unmensch an seinem weiteren Tun nicht gestört worden wäre. Der Angeklagte ist etwa 49 Jahr« all. Vater dreier Kinder— seine Frau lebt von ihm getrennt— er ist 16mal vorbesttaft, viermal einschlägig. Vor Gericht sagte er: Sperren Sie mich nicht ein. sondern helfen Sie mir, sonst stehe ich noch einmal in Moabtt an einer anderen Stelle, lassen Sie mich sterilisieren. Ob es chm mit diesem„Notschrei" und mtt diesem„Wunsch" ernst war, oder ob er auf diese Weise nur di« Richter mild« stimmen wollte, mag dahingestellt bleiben. Mit der„anderen Stelle" wollte er aber sagen, daß er vielleicht einmal in seiner Leidenschast dazu kommen könnte, auch einen Mord zu begehen. Der Sachverständige. Professor Müller- Heß, äußerte seine Zweifel darüber, ob eine Sterilisie- rung unbedingt dem Uebel abhelfen würde. Bestünde aber ein Gesetz, das in gewissen Fällen eine solche vorschriebe, so fiele dieser Mann bestimmt unter dieses Gesetz. Das Gericht verurtellte den Angeklagten zu zweieinhalb Iahren Gefängnis. Sind diese um, so bildet er nach wie vor eine Gefahr für die Allgemeinheit. Vielleicht eine noch größere als früher. Das Problem der Sterilisierung ist äußerst brennend. Nicht minder das der Verwahrung gemeingefährlicher Verbrecher. Man sollte den Mann beim Wort nehmen und ihm im Gefängnis vorschlagen, die von ihm gewünscht« Operation an sich vornehmen zu lasten. Die große Funkausstellung. Vom 19. bis 2S. August in Berlin. In acht Tagen wird die 9. Große Deutsche Funk» ausstellung eröffnet werden. Die Aufbauarbeiten der Au«- steller sind bereits in vollem Gang und Direktor W i s ch e k vom Ausstellung-, Messe- und Fremdenoerkehrsamt der Stadt Berlin nahm deshalb Anlaß, der Presse einige Informationen zu geben. Aus der einleitenden Ansprache Direktor Wischeks konnte man entnehmen, daß sämtliche sechsFunkturmhallen im Aus- maß von 2 5 000 Quadratmeter von den Ausstellern restlos belegt und daß außerdem die große Halle II-mit SS99 Quadrat- meter belegt ist. In dieser Halle, die Platz für 19 999 Per- s o n e n bietet, wird jeder Besucher der Funtausstellung Gelegen- heit haben, den praktischen Sendebettied kennenzulernen. Es sind 49 999 persönlich gehaltene Einladungen in die ganze Welt ver- schickt worden und aus fast sämtlichen europäischen Ländern liegen bereits Anmeldungen vor. Allein in Deutschland wird die Durchführung von 43 Sonderzügen vor- bereitet. Trotz der Ungunst der Zeit wird man angesichts der großen Beliebtheit, deren sich das Funkwesen erfreut, damit rechnen können, daß auch diese Ausstellung ein voller Erfolg wer- den wird, weil sie einmal dem technischen Fortschritt dient und all« für das Funkwesen maßgebenden Kräfte zusammenfaßt, zum andern weil sie die große zentrale deutsche Veranstaltung dieser Art ist. die keine Zersplitterung aufkommen läßt und drittens, weil sie im Gegensatz zu den Messen, die nur die Händler zulassen, auch dem konsumierenden Publikum im wettesten Um- fang dienen will. Sodann sprach das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Ver- bandes der Funtindusttie E. V., Dr. Erwin Michel, in seiner Eigenschaft als Leiter der Großen Deutschen Funkausstellung Berlin 1932 über die wirtschaftlichen Fragendes Rundfunk». Er wies darauf hin, daß sich gerade die GDF. zu einer den ge- famten europäischen Markt beherrschenden Verkaussveranstaltung der deutschen Funkindustrie entwickelt habe. Die Ausbreitung des Rund- funks in Deutschland hat auch im vergangenen Jahr« gut« Fort- schritte gemacht. Am 1. April gab e« 4,2 Millionen Hörer, wa» einer durchschnittlichen Steigerung von 12 Proz. entsprechen dürfte. Die Zunahm« der Rundfunkteilnehmer ist im letzten Jahre gerade auf d« m f l a ch« n L a n d« mit etwa 29 Proz. am stärksten geweien. In den Großstädten hingegen verlangsamt sich die Au»> breitung de» Rundfunks mehr und mehr. Während im vergangenen Jahr di« Kurv« des Absatzes in Funkgeräten eine aufsteigende, von der Kurve der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung stark abweichende Tendenz aufzuweisen hatte, ist heut« festzustellen, daß diese Tendenz in der letzten Rundsunksaison sich erstmalig geändert hat. Da» ist zweifelsohne auf die außerordentlich« Verschiebung der Kaufkraft- grenze zurückzuführen. In den letzten Monaten sind aber dem Rundfunk ganz neu« Aufgaben und damit auch neu« Interessenten- schichten zugeführt worden. Die wirtschaftliche Lage der Funkindustrie wird jedoch entscheidend durch die Entwicklung des Exports beeinflußt. Welche Gefahren hier ober drohen, geht darau» hervor, daß im ersten Halbjahr 1931 noch 36 999 Doppelzentner deutsche Funkwaren im Wert von 33 Millionen Mark ins Ausland aus- geführt wurden, im ersten Halbjahr 1932 aber nur noch 18 999 Doppelzentner Im Wert von 17 Millionen Mark. Di« Industrie ist sich darüber klar, daß dieser schwierigen Lage durch technische Höchstleistung und entsprechende Preisgestaltung Rechpung getragen werden muß. Hinzu kommt, daß das Ausland alle Anstrengungen macht, um uns aus unserer zweifellos vorhandenen Vorrangstellung zu verdrängen England hält z. B. seine Funkausstellung in diesem Jahr ausgerechnett zu derselben Zeit ab wie wir. E, wird die wichtigste Aufgabe der deutschen Funkindusttie sein. Deutschland als den Hauptfunkmarkt Europas zu erhalten Sodann referiert« über die technischen Neuheiten der Funtaus- ftellung Dr.-Jng. H a r b i ch, Abteilungsdirektor im Reichspost- zenttalamt, und lpies darauf hin, daß die diesjährig» Groß« Deutsche Funkausstellung im Zeichen einer Umwälzung im Empfängerbau stehe. Eifersuchtsdrama in Neukölln. Tragisches Ende einer unglücklichen Ehe. Gestern abend spielte sich in Neukölln ei« blutiges Eifersuchtsdrama ab. in dessen verlauf der 28 Zahre alte Dreher Franz List seine 2ö Jahre alte Ehefrau Minna niederschoß. Zu dem Glauben, seine Frau ermordet zu haben, tötete List sich kurz daraus selbst durch einen Schuß in den äopf. Da» Ehepaar List bewohnt in Neukölln im Hause Stein» metzstraße 37 eine Zweizimmerwohnung im Erdgeschoß. Der Mann glaubte, Grund zur Eifersucht zu haben, und fühlte sich durch seine Frau bettogen. Schon öfter hatte es hefttge Auseinander- setzungen gegeben. Als der Ehemann gestern abend von seiner Arbeit nach Hause kam, gab es wieder Sttett. Plötzlich fiel ein Schuß und gleich darauf«in zweiter. Nunmehr drangen die Haus- bewohner mit Gewalt in die Wohnung ein und fanden Frau List blutend und stöhnend am Boden liegen. In einiger Entfernung lag Franz List mtt einem Kopfschuß tot auf der Erde. Er hatte seiner Frau einen Brustschuß beigebracht, der sie aber nicht tötete. Sie wurde lebensgefährlich verletzt ins Urbankrankenhaus gebracht. Die Leiche ihres Mannes wurde ins Schauhaus ttans- portiert. KPO.-Lokale erfolglos durchsucht. In der Nacht zum Mittwoch wurden wieder fünf KPD.-Der» kehrslokale nach Waffen durchsucht. Es handelte sich um Gastwirt- schaften in der Schweden-, Soldiner-, Kolonie- und Schulstraße, sämtlich im Norden Berlins. Die polizeiliche Aktion verlief völlig negatw. Abermals müssen wir den kommissarischen Berliner Poli- zeipräsidenten Dr. Melcher ftagen: Wann werden dies« Waffen- durchsuchungen endlich auch auf die nationalsozialistischen SA.-Ka- fernen und Mörderzentralen ausgedehnt? Die Vorgänge der letzten Nacht verlangen das von neuem gebieterisch! 29 Toie bei einem Eisenbahnunglück. Moskau(über Sowno), 10. August. Zu dem Eisenbahnunglück bei Baku im Kaukasus wird am Mittwoch sowsetamllich milgeteiil, daß bei diesem Zugzusammensloß 29 Menschen ums Leben gekommen sind und weitere 69 zum Teil schwer verlehl wurden. Drei Eisenbahnbeamte, die ihre Pflichten gröblich verlehl haben sollen, wurden von der OGP11. verhaftet. Das tödliche Schlafmittel. Im Gertraudenkrankenhaus ist gestern Mittag der 37 Jahre alte belgische Vizekonsul Paul Bicheroux gestorben. Der Vizekonsul war am Sonntag mit einer Schlafmittel- Vergiftung in seiner Wohnung in der Schaperstraße bewußt- lo» aufgefunden worden. Man brachte ihn ins St. Gerttauden- krankenhaus, wo ihn die Aerzte nicht retten tonnten. Ob es sich um einen Selbstmord oder um einen F« h l g r i f s bei der Dosie- rung des Schlafmittels handelt, steht bisher nicht fest. Theater de» Westens wird nicht geschlossen. Nachdem die Bau- Polizei durch Rückfrage bei der ausführenden Firma fsstgestellt hat, daß die Mängel am eisernen Vorhang des Theaters des Westens in erwa acht Tagen abgestellt sein werden, sieht sie von der beabsichtig- ten Schließung vorlaufig ab. Ii � v n;■■'■ns-,-- 5-5 7� r»?-• ■ A«,.W■ jg<*• r-' lorodont ■. i.' v.'- v•;!.■■'... Hitze und Staub erschlaffen den Körper besonders beim Reisen und Wandern. Eine kräftige Mundspülung mit dem herrlich erfrischenden Chlorodont Mundwasser und eine gründliche Zahnreinigung mit Chlorodont-Zahnpaste wirken wohltuend, verschaffen das Gefühl der Sauberkeit und immer scKöhe wäiße und ge Ausfallstraßen Verde» bester. Sommerwege sollen verschwinden.- Vaut Aadsahrwege! Im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms der Reichs- regiemrtg für den Landstraßenbau, an dem sämtliche Länder und Provinzen beteiligt sind, hat der Magistrat beschlossen, Arbeiten auf dem Gebiete des Straßenbaues im Gesamtbeträge von k Millionen Mark auszuführen. Nach den Vorschriften der Reichsregierung kommen bei diesem Programm nur die chauptsernverkehrs st ratzen und die sonstigen Ausfallstraßen der Stadt Berlin in den Außen- bezirken in Frage. Im besonderen werden bei diesen Arbeiten den heutigen Verkehrsverhältnissen nicht mehr entsprechend« Straßen- besestigungen beseitigt. Vor allem ist beabsichtigt, die Fahrdämme von ungenügender Breite durch Beseitigung der gesähr- lichen Sommerwege zu verbreitern und gleichzeitig durch ausgedehnte Anlage von Radfahrerwegen und Fußwegen den langsamen Verkehr von dem Schnellverkehr der Autos zu trennen und somit einen der chauptgesahrenpunkte auf unseren Hauptoer- kehrsstraßen zu beseitigen. Die gesamten Arbeiten bieten Gelegenheit zur Ableistung von etwa 17S>) Tagewerken aus den Baustellen. Einschließlich der Nebenbetriebe außerhalb der Baustellen und einschließlich der Transportunternehmungen können somit rund 3000 Arbeiter 1 Jahr lang bei der Durchführung dieses Programms beschäftigt werden. Die Mittel zu diesen Arbeiten werden von der Reichsregierung durch Vermittlung der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Arbeiten und aus Zuschüssen der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorg« der Stadt Berlin zur Verfügung gestellt. Heute Fußballspiel für Erwerbslosenspeisuna. Zugunsten der S p e i s u n g s a k t i o n der Erwerbslosen findet heute, dem 11. August, um 17.30 Uhr, auf dem Sportplatz „Treptow-Süd", Baumschulenweg, an der Köpenicker Landstraße ein Fußball-Wettspiel mit Genehmigung des V.B.B, statt. Es spielen gegeneinander die 1. Mannschaft„Bewag"— die bereits mehr- fach in Aktion getretene Erwerbslosen-Mannfchaft der Notgemein- schaft Baumschulenweg.(Eintritt SO Pf., Erwerbslose 20 Pf.) Wetleraussichten für Berlin: Meist heiter und etwas wärmer, schwache Lusrbewegung.— Für Deutschland: In Mittel-, West- und Süddeutschland heiter, trocken und warm bis sehr warm, im Osten zunehmende Beruhigung. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schrvarz-Rot-Eold". SeschZstsstelle: Berlin®. 14, Sebastwnitr. 37— S8, Hof 2 St. Tiergarte», 8. itamerndschaft: Freitag, 12. August, 20 Uhr, Mit- gliederverlanunlung bei Rickert, SterntneKstr. 36i. Referent Nanu Tanntag, 14. August, Berfaffungsfeier im Saalbau der Hochschulbrauerei, Amrumer Ctr. 31. Redner kam. Robert Breuer. Beginn 13 Uhr. Eintrett 30 Ps., Ern-erb-lose 15 Pf.— Ch-rlott-ubnrg tOrteaerein): Donnerstag, 11. August, große Bsrfassungsfeier im Edenpalast, Kaiser. Friedrich-Ttr. 24 in Cbarlotienburg. Redner: Dr. Th. Haubach und Polizeimafor Encke. Orchester. lonzert, Kabarett der Bolksbllhne. Tintritt inkl. Tanz 50 Pf. Kameraden der Ortsnereine Tharlottenburg und Wilmersdorf(Ausweis) in Bundeslleidung frei. Beginn des Konzerts IS Uhr. Kameraden andere Ortsvereine, Mitglieder von Organisationen der Eisernen Front sowie alle anderen Republikaner herz» lich willkommen. Eintrittskarten nur an der Abendkasse.— Wassersport- abteilung, Aug Tegel: Donnerstag, 11. August, Beteiligung des Zuge» an der Berfassungsfeier des Ortsverein» Reinickendorf im Bootshaus. Beginn 19 Uhr. — Oranienburg: Freitag, 12. August, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Breuer, Mühlenstraße.— Treptow(Ortsverein): Die Kameraden beteiligen sich Sonnabend, 13. August, mit ihren Angehörigen an der Berfassungsfeier der Ortsverein« Kreuzberg und Neukölln in der Neuen Welt, Hascnheide. Beginn 13 Uhr. Kameraden in Bundeskleidung haben freien Eintritt. Deutsche Landsmannschaft der Provinz Posen,(Stoß-Berlin E. B. Monats. sttzung am Donnerstag, 11. August, 2014 Uhr, in der Kindl. Brauerei, Berlin- Neukölln- Hermannstr. 214—219. Besuch des Bundesgeschäftsführers Dr. v. Pelet. Rarbonne. Esperanto- Gruppe Berlin-Rorden: Sasmunder Etr. 8, Iasmunder Berein». haus. Heute, 20 Uhr, Uebungen, Konversation, gesellige» Beisammensein. Gäste willkommen. Sozialistischer Esperauto-Bund. 23. August Bezirkstreffen in Potsdam. Die enossen fahren mit dem Rad.— Truppe Zentrum: Freitag, 12. August. !Z4 Uhr, im Metallarbciterverbandshaus. Linienstr. 83—35(Etr straße). Danzizer Straße. T >WP»W»»>W__________(Eingang Elsässer il).— Kiadcrgrnpp«„Libetcco": Freitag, 12. August, 17—19 Uhr, Schule English Uirrle% Müllerstr. 174(am everanee. Heute um 21 Uhr in Krauses Braustübl, N. 35, !eddingplaß), englische Borträge und Diskusston. Säfte willkommen. Polizcisportoerein Berlin«. B., Abteilung Einheitskurzschrift. Regelmäßige Uebungsabende an allen Wochentagen, außer Sonnabends, von Ig'b— 21-4 Uhr, im Polizei-Schulgebäude, Hannoversche Str. 28—30, 2. Stock, Zimmer 10. An- fänger-, Fortbildungs, und Redlschriftkurfe. Auch für Zivile. Unser nächster Anfängerkursus deglnnt Anfang September. Sebühr für Mitglieder 2,50 M. verein der Heimatfreunde Kreis Treifenhage» in Pommer»«. B. zu Berlin. fBorsttzender: L. Arndt. Berlin-Köpenick, Westendstr. 1.) Monatspersammlung Sonntag, 14. August, 19 Uhr, bei Müsch, Brunnenstr. 140. Landsleute und Freunde willkommen. KspudttlumDr raucht„FREIHEIT"..... 3V, Pfg. Eiserne Front raucht„FREIHEIT"..... 3V, Pfg. Reichsbanner raucht„FREIHEIT"..... 3-/» Pfg- SinjenDungcn für Dteje Rubrik sind Bctlio SW 68. Lindensiratze 2. parieinachrichten�Wfür Groß-Berlm NN da» Beztrksfetretartot 2 Treppen recht«, zu richte» Alle Büros des Bezirksverba»tdes Berlin werden heute am Verfassungstag bereits um 1 3 U h r geschlossen! Arbeiksgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und Lehre- rinnen Deutschlands. Ortsgruppe Berlin. Die für Freitag, 12. August, angekündigte Sißnng muß wegen Berhinde- rung de- Referenten ausfallen. Sonnabend, 20. August, Befichtiguug der Buudesfchule des ADSB. in Bernau. Beginn aller Veranstaltungen ISVß Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! 3. Abt. Sonnabend, 13. August, pünktlich 20 Uhr, im Nationalhof, Bülow- straße. Verfassungsfeier des Reichsbanners. Referent Dr. Richart Mifchler. Um rege Beteiligung wird gebeten. Billetts sind auch für die Bezirlsführer bei Rickert zu haben. 55. Abt. Freitag, 12. August, im Jugendheim Rostnenstr. 4, Funktionärfltzung. Borstand und Sruppenleiter 13)4 ilhr. 70. Abt. Freitag, 12. August, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Kulia, Uhland- Ecke Lauenburger Straße,„Ziach der Wahl— die Partei vor neuen Aufgaben-, Reierent Dr. Richard Lohmann, 97. Abt. Freitag, 12. August, Funktionärverfammlung an bekannter Stelle. Fahnen abrechnen und abliefern. Arauenveranstaltungen. 45. Abt. Montag, 15. August, Dampferfahrt nach der Woltersdorfer Schleuse. Abfahrt 8% Uhr Oberbaumbrücke, Reederei Kieck. Fahrpreis hin und zurück 1 M. 109. Abt. Anläßlich des Berfassungstages findet heute ein Frauentreffen mit der SAI. und den Kinderfreunden im Lokal Waldfchänke am Teufelssee statt. Treffpunkt 1314 Uhr Spreetunnel. Arbeitsgemeinschaft der üinderfreunde Groß-Berlin. Wege» der Berfassungsfeier wird die Sefchäftsstelle heute um 13 Uhr geschlossen. Kreis Friedrichshain: Für alle Falken Sportvlatzabende Montag und Mittwoch von 13— 1914 Uhr. Heute alle Falken von 15—18 Uhr Kreisheim Mühlenstraße o0.— Abteilung Robert Blum: Freitag, 13 Uhr, im Grupvenheim, Rote-Folken-Berfammlung.— Abt. Landsberger Platz: Freitag, 18 Uhr, Versammlung aller Fallen im Sruppenheim.— Abt. Paul Singer: Heute, Donnerstag, 18 Uhr, Versammlung aller Falken im Kreishcim Mühlenstr. 50. Kreuzberg: Kreisbelfersitzung Dienstag, 13. August. 20 Ubr, im Jugendheim Porckftr. 11. Die Abteilungskassierer treffen mit der Kreiskasstererin bereits um 18:4 Uhr zukommen. Erscheinen Pklicht.— Abt. Kottbusser Tar: Leute treffen sich alle Falken um U Ubr Kottbusser Tor, Falkeneöe, zur Fahrt nach der Wuhlheide. 20 Pf. und Essen mitbringen. Unsere Gruppennachmittage ssnd wie folgt: Montags 17—19 Uhr Jungfalken, Donnerstags 17>,4— 19 Uhr Rest. falken, Freitags 13—20 Uhr Rote Falken.— Abt. Reichenberger Viertel: Unsere Gruppenabende finden jetzt wieder regelmäßig wie folgt statt: Montags von 13— 18 Uhr Jungfalken. Mittwochs von 13—13 Uhr Nestfalken, Donnerstags von 17Z4—19Z4 Uhr Rots Falken, autzerdem tagen jeden Dienstag von 18 bis 19 Uhr die Musiker, Freitags trifft sich die ganze Gruppe um 13 Uhr an der Falkeuecke zum Spielen in Treptow. Kreis Neukölln: Die N-stfalkengruppen des Kreise« ssnd am Freitag aus dem Sportplatz Sonnenallee.— Falkenrat: Der Falkenrat tagt am Montag um 1714 Uhr in der Baracke Ganghoferstrahe, Die Gruvvenführer laden ein,— Lelkerlrei,: Am Montag, 15. August, ist unsere nächste Kelfersibung in der Baracke Ganghoferstraße um 20 Uhr.— Gruvpe Lichtkämvfer: JF. und RF. am Freitag um 17>4 Uhr in den Heimen Bergstr. 29 und Baracke. Am Sonn. abend, 13. August, Zeltfahrt mit der SAI. X nach dem Heidesee. Unkosten 30 Pf. Meldungen am Freitag.— Grupve Jungvoll: Morgen, Freitag, sind wir auf dem Sportplatz Sannenallee um 17 Uhr. Sierbetafel der Groß-berliner Partei-Organisation 25. Abt. Die Beerdigung de» verstorbenen Genossen Walter Pollnick findet am Donnerstag, 11. August, 1514 Uhr, auf dem Georgen.Friedhof, Landsbeioer Allee, statt, Ehre seinem Andenken! Rege Beteiligung wünscht der Abteilungsvorftand. 57. Abt. Unser Genosse Wilhelm Ohm. Bleibtreustr, 55, ist im 34. Lebensjahre gestorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Freitag, 12. August, 13 Uhr. im Krematorium Wilmersdorf. Zahlreich« Beteiligung erbeten. 73. Abt. Unser Genosse Fritz Drevstein, Langenscheidtstr. 2, ist un. erwartet im 44. Lebensjabre verstorben. Ehre feinem Andenken! Beerdigung Freitag, 12. August, 13 Uhr, auf dem alten Schöneberger Friedhof. Haupt, straße 17. Um rege Beteiligung bittet der Borstand. So�aljjiiM Arbeiterjugend Groß-V erün Einsendungen für diele Rubrik nur an da» Jugendsekretaria» Berlin SW 33, Lindenstraße 2. vorn I Treppe recht», Abteilungsleiter! Reicht das September-Programm«in, sorgt dafür, daß die Bolksbühnen.Ummeldungen bzw. Neuanmeldungen vorgenommen werden. Ummeldegebühr 80 Pf., Neuanmeldung 1,20 M. „Iuge»d.gcge».Krieg-.Plaketteu sind abzuholen! Heute. Donnerstag, 20 Uhr. Sportplatz: Genthiner Str. 17, 1914 Uhr: Perkassungsfeier,— Arnsaalder tz II: Schönlauler Str. 11, B. 3:„Verfassung-.— Falkplatz I: Sonnen. urger Str. 20, Zimmer 2:„Was nun?"— Haseuhcibe: Wasscrtorstr. 4: Heim- abend.— Kottbusser Tor: Urbanstr. 137: Mitgliederversammlung.— Südwest: Spielen Katzbach-Svortplatz.— Schöneberg III: Hauptstr. 15: Mitgliederver. sammlung.— Westend: Sportplatz Westend: Verfassungstllg.— Zshiendorf. Dahlen:: Zinnowald. Schule, Echlieffen. Eck« Bölckeftraße, 19 Uhr:„Einführung in den Sozialismus", II. Wcrdebczirk Tiergarten, Siugekreis: Wichtige Probe 1914 Uhr Bochumer Straße 3b.- 21 Uhr WBV., Jogawstr. 4b. Werbebezirk Reuköll»:„Der vuerfchuitt" probt pünktlich 1914 Uhr Stein» meßftraße. Werbebezirk Sichtenberg: WB-Borstandssttzung pünktlich 19 Uhr(!) Gunter. straße 4«. Die Ausstellung von Ehrenpreisen. Die weit über die Grenzen Berlins hinaus eingehend gewürdigte Ausstellung von Ehrenpreisen prominenter Sportler, Turnverbände und Bereme, die das K a d e w e mit Unterstützung des Museums für Leibesübungen ver- anstaltet hat, erfreut sich nach wie vor eines regen Interesses. Der Besuch dieser einzigartigen Ausstellung ist nach wie vor allen Freunden des Sports zu empfehlen. Abonmert die Zeitung der Band- und K»svfarbeiter! Ich abonniere die volle Ausgabe des.Vorwärts", zweimal täglich frei ins Haus zum Preise von 3,2S Mk. pro Monat(pro Woche 75 Pf.) Ich abonniere den.Sonntog-Vorwärts" zum Preise von öS Pf. pro Monat. (Nichtzutreffendes ist zu durchstreichen.) Aussüllen und einsenden an den Verlag des»Vorwärts" Berlin SV? 68. Lindenstraße Z. Eewinnauszug 5. Klaffe 39. Preußifch-Süddeutfche Staats-Lotterle. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezsgene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beide» Abteilungen I und ll 3. Ziehungstag 10. August 1932 3n der heutigen Pormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen s Gewinne z» 10000-D. 4599 199116 281873 393113 10 Gewinn« zu 5000 M. 8307 45733 86770 103905 1 17201 14 Gewinn« zu 3000 W. 10045 77513 73039 222309 260620 266466 236366 43 cZewinne ,u 2000 M. 16642 42310 45523 74390 105133 14S254 165773 180433 189449 196793 210367 223582 240455 248852 252490 255262 272669 277279 311546 343113 360322 374811 383680 398109 114 Gewinn- zu 1000 M. 620 7750 13733 16934 26456 29052 45222 49847 51914 55542 55879 0081 1 71423 33765 111674 129777 129889 131526 145465 145815 150806 151345 162560 166032 178230179641 181404 194335 195036 196281 193493 211752 223939 225124 227170 227199 247603 283636 287509 293780 294232 293282 299264 300799 305001 303413 325325 342242 342323 347001 352687 368717 374878 380363 335003 395543 336483 210 Gewinne su 300 M. 7704 11849 13112 17112 26105 27741 33962 36514 410.20 41593 44882 45431 47794 51680 53391 54562 60996 61 1 38 80950£5637 87078 89430 92592 1 0l 728 1 0l 740 1 04447 1 03246 117517 120533 123523 126084 1 26656 129334 133491 138583 139362 140822 141729 143993 153380 160225 161236 176057 180433 182179 182632 104159 184347 191037 196003 202302 204663 205334 21 1954 215833 224253 224845 229355 223934 231071 231394 240840 249793 249333 256525 231141£71151 275264 276553 276731 260496 281739 297577 299304 299925 305239 305463 317039 318393 319810 321140 321693.328050 328070 328323 323943 337326 351841 359112 359605 359317 331399 332430 329176 369280 371953 371992 377167 382506 333113 368438 330015 392033 392094 394444 3n der heutigen Nachmlttagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Ucwtaie zu 10000 M. 320394 10(Ättoiua» zu 3000 an. 20/60- 93789 88246 240944 315241 20 S-airnie zu 3000 44. 2263 67677 102231 133154 147085 189518 253973 281169 333123 340324 SS Gewinn, ,» 2000 M. 174Z9 17319 37437 70403 79150 112277 123650 131263 1332 34 155031 161741 171054 172543 220176 227030 250434 302500 313020 319329 337663 333025 353592 330226 391604 392437 394633 142 Gewinns»u 1000 M. 10708 12529 16262 27764 31857 32996 40440 55703 62503 65302 66515 69306 69534 71103 74917 77307 77984 78452 79817 81394 32220 83003 90499 90674 93494 103212 107367 111617 111842 114122 119943 121214 135781 147323159157 187755 186464 192220 236489 238262 241079 244740 245087 248374 232951 255343 257467 266032 267721 272991 276641 278199279378 283830 233048 305724 313370 326551 328015 325291 334286 340853 343153 346933£52421 3S3836 370470 381952 384497 385038 387797 164 S-Winn» ,u 500 all. 3049 9705 18260 26033 32735 42019 47348 47935 50432 62037 55311 56269 82715 90733 94443 96725 102156 113280 114633 115427 115522 124575 127511 128018 123535134870 135091 138728 140136 140556 143144 1457-13 168179 180024 185203 188580 210651 211331 213265 219261 222157 226185 236712 238333 241400 242435 242990 243870 245323 248858 248951 250339 252705 253101 253318 253375 239170 261077 231488 266963 301377 304730 305041 303163 315023 325934 329228 333634 338386 339373 346974 364914 370013 371857 381234 333433 391509 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien je zu 500000, 100 Schlußprämien zu je 3000, 2 Gewinne zu je S00000, 2 zu'« 30U00U, 2 zu ie 200000. 4 zu ie 100000, 6 zu ie 75000, 13 zu je 50000, 28 zu je 25000, 178 zu je 10000, 438 zu je 5000. 901 zu je 3000, 2693 zu je 2000, 5312 zu je 1000, 8928 zu je 500. 26688 zu je 400 Mark. Zur gefälligen Bcachtnug! AuS Anlaß deS Verfasiungstages fällt die Ziehung am Donnerstag, dem 11. August aus. Die nächste Ziehung findet am 12. August stall. ;/!-_-'.''-V-...- s-■'-'--.--�7 ilnuntetlhee&enet£t§eCq! ladiel's Saison- Schluss-Verkauf ist nicht su schlagen 2 Er bleibt wegen seiner UttSiE»er8refffSBehen belsfiungen we9§er an caer Sssiäsa! Trotr bester Vsrsrbeltuni und»orillgllcher Qui- liaisn sind unsere Pelrwaren. auch die lelnsten Edelpelre, zu gart* ntedrlaen fraiaan ru haben aus Fohlanklau« In aus argentinisch Murmel letzt nur bester Verarbeitung Jetzt nur WeUemanlel: Kln großer Posten | Sportkleider ! aus hoehfelnen waschbaren Stoffen,— in unsortierten Größen J«t z t nur Lodenmäntel auch In arohen Weiie» Jetxt nur Rcluwoll imprägnier: Qabardinemäntei fUr Damen Jet« nur I ulS' Gummimäntel in allen Fa- � /fa. den und ZÜ Ka» Welten g Jetzt nur Ja iF g bin sehr grotzer Posten Wollkleider In ausgeteieh- | neter Verarbeitung Jetzt nur Hill ußäer Pesten eieganier Nadimittagskieider | aus Flamengo und an- Ein großer Posten bunter Georgette- Kleider In vonüg- licher Ausführung Jatst nur Ein groQer Posten wod der voller Komplets darunter viele In Mockell- stil aus reiner Seide, Flsuienao, Marocam bunt und einfarbig joizi 13 nur Ein g r o si e r Posicn vornehmer Sommer- Mäntel im Modellcharakter, schwarr, blau und farbig, duichweg von größtem wert )eUt aar Eia großer Posten feiner Übergangs- Ulster schön gefüttert, In hellen Farben ietxi aar Ein sehr großer PoKen der beiieblen and prakiiichcD Herremiofi- Mäsiiel- Damen ganz auf feinem Futter In modernst Schnitten letzt nur Ein Klssanp a.an rainwoll. und Baucl�Pullover Jetnt nur 3.- 4." 5.- Eln groBar Posten schöner Strickkleider in vielen Farben und Mustern. 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Daß es noch fo viel« Pferde in einer Stadt gibt! Einmal kam ein ganzer Cisenbahnzug gefahren. Von hoch oben. Hatten sich die Schienen irgendwo losgerissen? Unten auf der Straße bricht er zusammen und bildet eine Art Dannn. Ich denke: so, jetzt sind wir gerettet. Doch Hicks spricht kein Wort. Nur, daß er ab und zu fragt:„Bist du durstig? Frierst du?* Ich fror, daß mir die Zähne klapperten. Aber was war das schon alles? Nichts. Der Anblick der kleinen Leichen jedoch, die vorbeigetrieben wurden... Das Wasser stürzte vorbei. Immer mehr, immer mehr... Hicks sagte:„Gib mir deinen Gürtel, dann binde ich uns mit deinem Gürtel und mit meinen Hosenträgern zusammen." Gott sei Dank hatte ich den Gürtel, den mir seinerzeit mein Cowboy geschenkt hatte. Kann sein, daß der uns das Leben rettete. Hicks band also Gürtel und Hosenträger zusammen, und da hingen wir nun, jeder auf einer Seite des Dachfirstes. Hicks sagte:„Wenn das Haus einbricht, sind wir fertig!" Und kurz daraus:„Kirsten, ob wir jetzt durchkommen oder nicht, eines sollst du wissen: Ich liebe dich so, wie ich nie geglaubt hätte, daß ich noch einen Menschen lieben werde, seit meine Mutter tot ist..." Ich bin ihm heute noch dankbar, daß er gerade damals dies« Worte sprach. Es tat so wunderbar wohl. Ich aber dachte gar nicht an Hicks, nein, wirklich nicht. Ich dacht«, wenn keine Hilfe kommt, ehe das Dunkel einbricht, werde ich wahnsinnig. Hicks sagte:„Wenn wir auf die andere Seite rüber können, dann schaff ich es für uns beide." „Na schön, aber wie?" Wir hingen den ganzen Tag an dem First. Herrgott im Himmel, wie lang war dieser Tag! Es wurde dunkel, und niemand kam uns zu Hilfe. Aber das Aergste, das Aergste geschah, knapp bevor es dunkel wurde, so daß wir es noch sehen konnten. Mitten auf der Straße lag«in großes Internat, vierhundert Kinder, Knaben und Mädchen, und dazu noch die Lehrer. Den ganzen Tag sahen wir sie an den Fenstern, hörten wir sie jammern und schreien. Und dann plötzlich ein Getöse... fort... verschwunden... das ganze Gebäude verschwunden... vom Evd- boden oerschluckt. Gleich daraus eine Leiche nach der anderen: einige waren noch nicht ganz tot, aber wir wußten ja, daß es hoffnungs- los war, und dabei konnten wir nicht die Hand ausstrecken, kein Kind retten. Hicks benahm sich wunderbar. So oft ich den Verstand zu ver- lieren drohte, machte er Witze, oder er begann zu singen. Ein paar- mal sagte er:„Sing ein bißchen, Kirsten!" Das einzigemal in meinem Leben, daß ich weder lachen noch singen konnte. Und wie ich fror! Hungrig war ich wohl auch, denn Brot und Wasser hatten wir verloren, als wir auf das Dach klet- terten. Aber man denkt nicht ans Esten, wenn man buchstäblich zwischen Leben und Tod hängt. Ein wenig dachte ich ja schließlich an zu Hause. Die ahnten nichts. Nun, ich hatte ja meine Portion Glück genossen. Plötzlich aber jubelt Hicks:„Ich hab's! Ich hab's!" Unbegreif- lich. Was meinte er? Er zog alle Telegraphendrähte an sich, daß sie sich an seinen Beinen verfingen. Es sah scheußlich aus. Als aber wieder Heller Tag wurde und ich sah, daß Hicks sich an einem Telegraphenpfahl festklammerte, da begann mir ein wenig zu dämmern, was er wollte. Er sagte:,„Wagst du es, dich von dieser Stange hier über die Straße schwingen zu lasten, oder soll ich es zuerst versuchen?" Hicks machte sich los von mir. Er sah unglaublich aus, wie er so ganz in die Telegraphendrähte eingesponnen war und dabei an dem obersten Ende des Pfahles festhing. So ließ er sich ins Wasser hinausgleiten. Ich wäre beinahe nachgeschwommen. Du verstehst. Kein Laut mehr, kein Jammern. Nichts. Nur Wasser. Nichts als Wasser. Die Bäume zogen so still, so friedlich vorbei. Wurzeln so lang wie ganze Häuser, aus der Erde gerissen Ich glaube, der Tod der Bäume muß noch qualvoller sein als der der Menschen. Das ganze dauerte nur eine halbe Minute. Dreißig Ewigkeitssekunden. Dann rannte der Pfahl drüben an die Mauer an. Hicks griff zu. Ich sah ihn an dem Vordach hängen, ich sah ihn hinauftlettern. Weißt du, was es heißt, mit dem schweren Pfahl im Wasser hinter sich— schwimmen? Wo hatte er nur die Kräfte her? Dann rauf. Er erwischte den Schornstein, legte die Schnüre herum. Nach- her behauptete er, er habe gerufen, aber obwohl es so still war wie drei Meter unter der Erde, hörte ich keinen Laut Vielleicht war es eben diese Stille, die meine Ohren betäubte. Ich spürte nur das Gleiten des Wassers, das Gleiten der Bäume, das Gleiten der Leichen. Dann ging es weiter, immer weiter Jetzt warf Sjicks den Pfahl wieder aus, einmal, zweimal, immer wieder schwang er sich zurück. Und da saß ich nun. Auf dem Dach- first. Das Wasser stieg lange nicht mehr, aber es sank auch nicht. Und kein lebendes Wesen weit und breit, außer Hicks, der drüben hockte und auf mich wartete. Als er zum siebenten Male den Pfahl herüberwarf, kam eine Riesenleiche geschwommen. Die stieß gegen den Pfahl, so daß er zu mir herüberflog und ich die Drähte ergreifen konnte. Sieh die Narbe an meiner Hand! Dieses Andenken wird nie verschwinden. Ich weiß nicht, was ich machte, ich dachte nur: Lieber mit allen anderen zugrunde gehen, als noch eine Stunde länger hier allein sitzen. Dann war ich drüben. Hicks packte meinen Arm, riß ihn mir beinahe aus dem Gelenk, aber was scherte mich das? Damals sah ich Hicks zum ersten- und einzigenmal weinen. Er wiegte mich hin und hek:„Kirsten, wir sind gerettet!" Er wies auf alle die Telegraphendrähte, die wie ein großer Bogen Notenpapier über unseren Köpfen hingen. Wieder band er feinen Hosenträger und meinen Gürtel zusammen und befestigte uns so an den Drähten, damit, falls wir loslasten müßten, weil Drähte zu tief einschnitten. Riemen und Gürtel allein uns holten könnten. Hast du je gesehen, wie man sich über einen Fluß zieht? Ich sah es unten in Mexiko. Dort aber hatte man ein Seil, um sich fest» zuhalten. Wir hatten nur die Drähte. So viele wir erreichen konnten Zwanzig, dreißig auf einmal. Ich bin das Klettern gewöhnt und kenne keinen Schwindel, sonst wäre es auch nicht gegangen. Aber müde in den Armen wurde ich. Und das Blut, trat mir wohl aus den Wangeq. denn ich hörte Hicks sagen:„Mach die Augen zu, Kirsten und holte dich fest an mir..." Er selbst war weiß im Gesicht wie ein Stück Papier. Das gab mir Kraft. Los! An den Häusern vorbei, eine Schneckenfahrt. Ein Haus nach dem andern blieb hinter und unter uns. So kamen wir auf den offenen Platz, wo die Schul« gestanden hatte. Da waren die Drähte heruntergezogen, oiele von ihnen sogar zerristen. Aber gerade da liefen die Leitungen ineinander. Noch ein Dutzend Meter an den Drähten und dann.. wieder festes Land unter den Füßen... festes Land. Der ein« Teil der Stadt war so hoch gelegen, daß er gänzlich unberührt geblieben war, eine Insel in der ganzen Verwüstung. Und da ragte schon das Rathaus vor uns auf. Groß und mächtig. Aus rotem Stein. Wir kamen hinein, wie, habe ich vergessen. Sicher trug man uns. Ich erinnere mich an eine Taste Hafersuppe, und dann schlief ich. Zwei Stunden später wurde ich jedoch wachgerüttekt, du ver» stehst, kurzes Haar, Overalls. Man hielt mich ja für einen Burschen. Wir wurden einfach hinausgetrieben, um zu retten, was gerettet werden konnte. Hicks wich nicht von meiner Seite, ich nicht von seiner. Weißt du, wie lange es dauerte, bis wir Hilf« von draußen bekamen? Drei Wochen! Du glaubst es nicht. Wer ich sage dir: drei volle Wochen. Hicks war mit dabei, als man versuchte, Brücken zu bauen. Der Staat schickte Militär, um Brücken zu uns herüber- schlagen zu lasten. Unmöglich. Das Ganze ein riesiger schlammiger Tümpel, in den kein Pfahl geschlagen werden konnte, über den man kein Boot hinüberbrachte. Ein paar Flieger kamen mit Milch und Sachen für die kleinen Kinder. Alles wurde rationiert. Jeder bekam sein« Konservenbüchse. Niemand wußte, was sie enthielt. Die meisten Etiketten waren schon fortgeschwemmt. Einmal bekam man eine Dose Bohnen, einmal eine Dose Pfirsichkompott oder Kondensmilch. Einmal bekam ich eine Dos« roter Oelfarbe, na, dann teilte Hicks mit mir. Damals war es, doch, nein, genug, genug. Aber nicht wahr, ich darf wohl sagen, daß ich eine richtig« Lebensgefahr durchgemacht habe? Und das, ohne auch nur ein weißes Haar bekommen zu haben! 3)ie Moinkis kommen ttach �Breslau Hovelle um einen ffiauernhui/ Ton Jochen Wlepper Die Hoinkis waren«ine arme Bauernfamllie tief im Osten, in ser Gegend von Grajewo und Szcuczyn. Der Vater konnte die neunzehn Kinder auf seinem Hof nicht erhalten und schickt« die fünf ältesten, vierzehn- bis neunzehnjährig, fort, einen Erwerb zu suchen. Damals war die Botschaft von den aufkommenden Fabriken in den großen Städten auch in die östlichen Dörfer gedrungen; für sie war Breslau die große Stadt im Westen. Und oorthin wanderten die fünf Bauernkinder auch aus. Das Geld reichte gerode noch für einige Tag« Herberge, und sie liefen noch am ersten Abend in den Straßen umher, einen kleinen Verdienst zu suchen. Aber sie kann- ten sich nur schwer verständlich machen und wußten gar nicht, was für Fähigkeiten sie anpreisen sollten.„Wir müssen einen Plan fassen," sagte Luwa, der Aelteste. „Das muß schön sein," erwog Herman, der Siebzehnjährige, „so einen erleuchteten Wagen kutschieren mit einer Treppe daran und vielen Bänken darin und Pferden davor, die auf Schienen laufen." „Es ist eine Pferdebahn," berichtete Luwa kurz. Er hatte sich schon aufklären lassen.„Es wird schwer für dich sein, dort eine Stelle zu finden. Geh hin und rede mit den Leuten. Aber du wirst sehen, es ist etwas anderes, unsere zwei Kühe zu führen, als die großstädtischen Pferd« zu lenken. Das ist nichts für uns." „Luwa," unterbrach ihn Iofepha, die schön«,„ihr werdet noch froh sein, wenn ihr den Pferdemist auf den Schienen kehren dürft, und Mascha und Jette und ich werden die Wagen innen ausscheuern." „Wir werden schon etwas finden." sah die rundlich« Henriette zwei hübschen Soldaten nach, die in ein Bierrestaurant gingen. Mascha, die Vierzehnjährige, mit dem Grübchen in Wang« und Kinn, hängte sich in Luwas Arm:„Wir müsten etwas suchen, das uns Freude macht." „Das ist gar nicht da. Dümmste," wandte sich Luwa zu den anderen,„es ist alles gleich schwer. Und hat man kein« Freude an der Arbeit—, was macht uns Freude?" Sie standen an dem Rückpfeiler der düsteren Dorotheenkirche zisto-mm enge drängt und-blickten in die große Schweidnitzer Straße hinein. Mascha hatte sich fest an Luwa gedrückt. Ihre Köpfe waren in die gleiche Richtung gewandt. Dort promenierten Damen vor einem überaus herrlichen Kaffeehaus, Damen mit leicht schleppen- den Röcken voller Rüschen, mit wehenden Mantillen aus dunkler Spitze. Sie hotten frische Blumen angesteckt und hielten gestickte Beutelchen in den Händen. Und Hüte trugen sie, wie Luwa und Mascha noch niemals welche gesehen hatten: kannten sie doch nur Kopftücher und große, harte Strohhüte, die bei der Feldarbeit gegen die Sonne schützen sollten. Wer diese Hüte in dem Glanz der nächtlichen Stadt waren wie seltsame Vogelfächer, wie Blüten. Luwa faßte Mascha am Handgelenk:„Hüte werden wir machen, Hüte wie die—." Henriette war voller Entzücken, daß sie vielleicht auch einmal wie die Fräuleins von Breslau vor dem hellen Kaffee- haus hin und her spazieren sollt«. Die Soleaten würden kommen und sie anlachen und mit ihr in ein Bierrestaurant gehen. Iosepha strich sich das Haar aus der Stirn: sie war sehr aufgeregt. Her- mann fühlte sich zum Hlltegarnieren zu derb. Er würde die Hüte zum Händler tragen. Am nächsten Morgen suchten sie ihre letzten Groschen zusam- men und kauften ängsttich und erwartungsvoll ein« Strohhufform, ein Stück Band, eine etwas angeknickte Feder, künst'ich« Blumen und Aehren, ein Endchsn Schleier Selbst Nadel und Schüre und Faden erschienen ihnen als große Dinge. In ihrer Kammer droben hockten sie sich um die eingekauften Sckätze. Luwa legte den Hut in die Mitte und bog mit einer feierlichen, entschlossenen Bewegung die Krempe hoch:„So war das gestern." „lind dort fiel ein Schleierchen herab," lächelte Mascha(die Grübchen in Wange und Kinn wurden tiefer als sonst) und steckte den Fetzen Tüll an dem aufgeschlagenen Hut fest.„Eine nach vorn herabliegende Feder, das könnte mir stehen," rief die stolze Iosepha voller Begeisterung und tat die Feder hinzu Mit viel Bedacht näbte Luwa sie fest. „Ein paar Aehren, das ist immer richtig." sehnte sich Hermann nach den Feldern seines Dorfes und nahm die Aehren und Blumen, umwickelte sie mit Seidenband und hielt den Tuff über den Hut- rand. Da sah Luwa einen ganzen Laden voller Hüte vor sich. Vier Schnüre waren von Ecke zu Ecke gezogen Daran hingen die Hüte. Sie hockten� soweit sie Federn batten. droben wie Zwerg- Hühner. Pokohamo? und sogenannte Italiener. Andere Hüte hingen wie Zweige mit Pflaumen und Kirscken herab, wie Aebrenbü.adel und Sträuße von Korn und Mohn. Die Hüte trugen zum Schmuck. was die Frauen daheim jahraus jahrein pflanzten und ernteten. „Du wirst gor nicht bloß Hüte austragen, wenn man uns welche abnimmt." schlug Luwa seinen Bruder derb und zärtlich auf die Han-d. Henriette saß still und strahlend vor oem Wer? der Geschwister und verliebte sich ein wenig in ihre Brüder Hermann blieb ober ganz begierig:„Soll ich den Hut zu einem Händler bringen?" „Das wäre unvorsichtig." Luwa drehte den Hut in seinen Hän- den und sah sich im Z�reis« um:„Wir werden einer von euch Schwestern den Hut auffetzen lassen und sie auf die Straße schicken und ihr nachsehen, ob sich jemanid an dem Hut erfreut." Iosepha griff nach dem Kleinod-, aber Luwa zögerte:„Du bist die Schönere — Mascha ist so rührend." Iosepha und Mascha blickten den Bald« gleich starr an. Der hob den Hut hoch und setzte ihn Masch» auf wie«ine Krone. Luwa zog aber zugleich Iosephos Kopf an feine Schulter uns streichelte sie mit seinem Gesicht:„Wenn du später selbst einmal prächttge Hüte trogen willst, laß Mascha gehen." Mascha ging. Am Tage getraute sie sich noch nicht, weil ihre Klei- der zu schlecht waren. Aber am Wend, dachte sich Luwa, würde das Licht von den hohen Laternen mehr auf den Hut scheinen. Er, Hermann, Iosepha und Henriette geleiteten die Jüngste nur noch bis in die Nähe des Stadttheaters, vor dem jetzt Equipage um Equipage anrollte. Mascha wanote sich verschüchtert und sehn- fuchtsvoll nach den Geschwistern um und fuhr erschrocken zusammen. als eine prächtige Dame mit leuchtenden Wangen und ttefrotem Mund, mit einem Federhut und einem über dem Tul gerafften Samtmantel sie anredete: „Du wirst schon noch einen Gönner finden. Kleine, es ist zu zeitig und du bist auch etwas sehr jung. Außerdem bist su schlimm angezogen. Aber einen wunderbar schönen Hut hast du auf. Wer hat dir den geschenkt? Du könntest ihn mir verkaufen, denn dir ist er zu weit und du host ihn falsch aufgesetzt. Den muß man so schief ttagen." Die Dame griff nach ihrem eigenen Hut, und es war«ine herrliche Bewegung, die Mascha durch und durch erschauern ließ. Am liebsten hätte sie den Hut vor lauter Freude verschenkt. Wer er gehörte ja nicht ihr allein und war von solcher Wichtigkett für ihrer aller Zukunft. „Den Hut habe ich mit meinen Geschwistern gemacht," lächelt« sie selig. Die Dame stemmte jetzt einen Arm in die Hüfte und beugte sich zu Mascha hinab. Es war mit einem Mal« gar nicht angenehm, daß sie so nahe kam. Ihre Stimm« klang rauh, wenn auch das, was sie sagte, nicht sehr unfteundlich war:„Wenn man etwas kann wie anscheinend du und deine Schwestern ooer was ihr für Geschwffter seid, dann versucht man doch erst zu arbeiten und fängt nicht gleich wie du an. Aber heut sind sie alle wie di« jungen Pariserinnen," entrüstete sich das Fräulein nun doch. Das war ein hartes Urteil, obwohl sie Paris gar nicht kannte.„Komm morgen mal zu mir," fing die Dame von neuem an, und sah sich um, da zwei Herren im Zylinder, ein älterer und ein jüngerer, sie vergnügt beobachteten,„komm bald morgen, ich habe einen Freund mit einem kleinen Putzgeschäft, Karlstraße 21. Das könnte etwas kür dich sein." Dann raffte die Dame läffig ihre Schleppe zusammen und promenierte auf die beiden Herren, man darf wohl sagen, auf den älteren zu. Luwa, Hermann, Iosepha und Henriette hatten jetzt di« Schwester nicht mehr aus oen Augen gelassen. Bis zum Anbruch der Mitternach berieten die Geschwister in der Herberge, wer morgen mit Mascha zu dem Freund der Dame gehen sollte. Mascha wollte alle Geschwister mitnehmen, weil es ja ihrer aller gemeinsamer Hut war. Aber es wurde ihnen allen selbstverständlich, daß sie nur von Luwa begleitet werden dürfe. Am nächsten Morgen erwachten sie so spät, daß Luwa und Mascha sehr erschraken und die anderen ihnen gähnend Vorwürfe machten. Der Hutladen des fremden Herrn war sehr klein. Er lag in einem Winkel zwischen Junkern» und Karlstraße abseits der großen Straßen. Vor allen Ladentüren hingen Felle und alte Kleider. Di« Kaufieute der Gasse schrien miteinander, und auch der einzige bekannte Mensch in dieser Straß« von verwirrend viel Geschäften, das Fräulein von gestern, schall vor der Tür laut auf eine Katze ein, die mit gestrecktem Schwanz davonstob. Das Fräulein hatte wieder schöne, dunkle Augenbrauen. einen tiefroten Mund und eine sehr weiße Haut. Aber die Locken schienen am Morgeb ein wenig wirr. Auch waren die herrlichen Kleider ohne Glanz, etwas dünn und gedrückt und paßten den Ge- fchwistern nicht recht in die Arbeitsgeschäftigkeit des Morgens. „Nein, seht nur, einen Burschen bringt sie sich mit," schrie di« Dame und zeigte auf Luwa. Der Bursche sprach dann eigentlich nur ernst und gemessen mit ihr und dem Herrn, aber gar nicht so höflich, wie Mascha das erwartet hatte und wie sie es selbst nicht so recht fertig brachte. Der Herr in den engen grauen Hosen und dem schmierigen schwarzen Gehrock zupfte sich eine kleine Feder aus dem Bart, setzte sich ein goldenes Pincenez auf und stellte Maschas Hut eigenhändig ins Schaufenster, wenn man die trübe Scheibe so nennen will. Von ha an wanderte noch mancher Hut der Geschwister in dieses Schaufenster und zum Glück auch wieder heraus. Dem Fräulein konnte man sich jedoch nicht lange dankbar erweisen. Es prügelte sich einmal eine gut halbe Stunbe mit seinem Freunde im Laden herum, wobei er der Unterlegene war, denn sie erwies sieh als eine sehr flinke Person trotz ihres Culs und der vielen Rüschen. Und dann verschwand sie mit bewunderungs- würdiger Folgerichtigkeit, nicht ohne zwei von Maschas und Luwas Hüten in einem riesigen Papierbeutel mitgenommen zu haben. „Mascha," lächelte der Junge und blickte dem Fräulein nach, „daß wir hierher kamen, ist ein ordentlicher Anfting gewesen. Das hier eben war unser erster graßer Erfolg." Da stand auch schon der zerzauste Herr vor ihnen:„Nun macht mir bloß die Hüte noch einmal. Lauft ihr nicht etwa auch noch fort." „Nein, nein, wir bleiben. Wir holen auch noch mehr Ge- schwister. Wir schaffen Ihnen soviel Hüte, daß Sie vier Schnür« im Laden ziehen müssen, von Ecke zu Ecke, für die ganzen Hüte," beruhigte ihn Luwa. „Das kann ja lustig werden," schnaufte der Herr,„das wird ja eine wahre Freude werden." » Mascha und Luwa nickten und sprachen wie mit einem Mund: „Das wollten wir nämlich: etwas arbeiten, wo» lustig ist unid Freude macht." Er. 375• 49. Jahrgang 2. Beilaae des Vorwärts Donnerstag, ii. August 1932 Weltwirtschastliche Besserung? 25 Millionen Arbeitslose hoffen darauf. 25 Millionen Arbeitslose warten in der kapitalistischen Welt dar- auf, wied er in Brot zu kommen. Es sieht so aus, als ob diese Hosfnungen Aussicht hätten, in absehbarer Zeit erfüllt zu werden Es gehl ein optimistischer Zug durch die ganze kapi- talistisch« Welt und es sind auch Zeichen der Besserung vor- Händen. Es liegt uns ein Bericht der in der internationalen Finanzwelt sehr geachteten Bank Guyerzeller A.-G. in Zürich vor. in diesem Bericht heißt es: „Es bestehen heute deutliche Anzeichen, daß der Tiefpunkt der internationalen Wirtschaft zur Vertrauenskrisis überwunden ist und daß die Wirtschaft, allerdings zögernd, in einen Gesun- dungsprozeh eintritt... Der weg ist noch lang und beschwer- lich. aber wenigstens die unterste Strecke scheint heute über- wunden zu sein." Der Bericht der Guyerzeller Bank nennt als große Ursache des eingetretenen Umschwunges die Tatsache, daß nach der Lau- sonner Konferenz es praktisch keine Reporationssragen mehr gibt, daß die- Abrüstungs konserenz einfach wegen der zwingenden Notwendigkeit von Einsparungen zu einem Erfolge führen wird und daß in der ganzen kapitalistischen Welt die Lagerhaltung auf einem so tiefen Stande angekommen ist, daß die nun schon seit Monaten vorliegende Preisstabilisierung der Rohstofse zur Auf- füllung der Läger anreizen muß. Auch die Prognose eines so an- gesehenen Bankinstituts wie dieser Züricher Bank braucht noch nicht viel zu bedeuten. Aber die Welt der wirtschaftlichen T a t so ch e n gibt dieser Vorhersage je länger desto stärker recht. Es sieht jetzt so aus, als ob nicht r e st l o s alles, was an ermunternden Meldungen aus Amerika kommt, nur auf Konto des Feldzugs für choovers Präsidentenwahl zu setzen ist. Vis vor 14 Tagen war jedes Ausmaß von Skepsis gegen- über dem in Amerika gezüchkeken Wirlfchaftsopiimismus berechtigt, denn in der Tot hat die amerikanische choooer-Regierung, die seiner- .zeit noch muten im schwersten Krisenzusammenbruch den Prosperity- mahn gepstegt hotte, die großzügigsten Anstrengungen gemacht, um mit künstlichen Mitteln die Depression zu überwinden. Bis vor 14 Tagen waren alle Kreditausmeitungsverfuche noch unwirksam gewesen. Jetzt aber treffen die Maßnahmen der amerikanischen Negierung ganz offenbar mit wirtschaftlichen A u s st i e g s t o t- fachen zusammen und es besteht die Aussicht, daß die zunächst nur künstlichen Maßnohmen sich jetzt in einer Förderung natürlicher Besserungstendenzen auszuwirken be- ginnen. wir wollen die neuen Tatsachen auszählen: Auf der New-Porker Börse hält der Anstieg der Kurse unvermindert an. Die Kurssteigerungen sind sen- sationell. In vier Wochen sind die wichtigsten Aktienkurse im Durchschnitt um 100 Proz. gestiegen. Zum Teil sind innerhalb 8 Togen Kurssteigerungen um 100 Proz. eingetreten. Auf dem Markt der festverzinslichen Papiere ist die Nachfrage ebenfalls enorm. Die Ilmsätze an der New-Porker Börse sind gegenwärtig täglich so groß, wie noch vor kurzer Zeit in einem und zwei Mo- naten zusammen. Dabei ist diese Kursentwicklung keine innerameri- kanische Angelegenheit. Käufer sind in allererster Linie große europäische Banken, die natürlich Kursgewinne machen wollen: ober das ändert nichts an der Totsache, daß man in diesen Finanzzentren optimistisch gestimmt ist und den Baisseporteien keine Zukunft mehr zuspricht. Di« deutschen Dollaranleihen haben ihre Kurse ebenfalls sprunghaft erhöht. Während die sieben- prozentigen am 2s. Mai in New Park nur 27,7 Proz. notierten und am 23. Juli schon 43,7 Proz., waren sie am 6. August auf 47,7 Proz. gestiegen. Die klzprozentigen deutschen Dollaranleihen haben ihre Kurse vom 28. Mai bis zum 6. August von 21,7 auf 38,7 Proz. verbessert, also ebenfalls beinahe verdoppelt. Die Haussetendenz beschränkt sich nicht nur auf die New-Porker Börse, sondern sie hat auf sämtliche europäischen Börsen übergegriffen, wenn auch nicht in so starkem Umfang. Aber in Amsterdam erhöhte sich das Kursniveau innerhalb 14 Tagen um 20 Proz. Und wenn die anderen Europabörsen auch nur zögernd folgen, London in 14 Tagen beispielsweise mit 10 Proz., so ist die ollgemein feste Tendenz doch unverkennbar. Vorgänge aus den Wertpapierbörsen müssen, wenn die Hausse kein Strohfeuer sein soll, Vorgängen in der Warenwirtschaft entsprechen und dem ist in der Tat so. Auf den großen Rohstoff- Märkten der Welt war es schon seit Monaten zu einem Aufhören der Preissenkung und zu einer Stabilisierung der Preise ge- kommen. Seil 14 Tagen ist eine deutliche Preissteigerung bei wichtigen Rohstossen festgestellt. Die Preise für Kupfer, Kautschuk sind gestiegen und steigen noch: Weizen und Roggen haben empfindlich im Preise an- gezogen, ebenso Hafer und Mais, und in den letzten Tagen war die Entwicklung der Baumwollpreise in New Pork geradezu sensationell. Dazu kam die neueste amerikanische Ernte- schätzung, Sie erheblich unter früheren Schätzungen lag und gegen- über einer Normalernte einen Ausfall von mehr als 30 Proz. verspricht. Die schlechte Laune der Wettermocher treibt also eben- falls die Preise. Auf der anderen Seite ist freilich nicht zu verkennen, daß die amerikanischen Finanzmaßnahmen die Haussetendenz auf den Wertpapier- und Warenbörsen stark fördern. Neben den zahlreichen Maßnahmen der Kreditausweitung(2 Milliarden Dollar Kredite für schwach« Wirtschaftszweige, größere Ausgabe von Notenkrediten, direkter Ankauf von Handelswechseln durch Noten- danken) wird der Warenmarkt systematisch gestützt. 50 Millionen Dollar Kredite werden der Industrie zur Auffüllung der Rohstoff- lager zur Verfügung gestellt, mit 30 Millionen Dollar soll ein Weizenponl gebildet werden, ein großer Kredit der Wieder- ausbaubank(Reeonstruction Corp.) soll die Bildung eines Baum- w o l l p o o l s fördern, und sehr große Beträge werden jetzt von neuem für öffentliche Arbeiten zur Verfügung gestellt. Dem Nah- rungsmittelgewerbe und den Mühlen sind Kredite eröffnet worden. um landwirtschaftliche Produkte schneller umzusetzen und die Baum- wollbestände aus früheren Jahren— nicht weniger als 1,3 Mil- lionen Ballen— hofft man bis August 1033 bis aus 150 000 Bollen dadurch zu verringern, daß über 600 000 Bollen auf den offenen Markt geleitet und 500 000 Ballen durch Vermittlung des Roten Kreuzes der Wohlfahrtsfürsorge für die Arbeitslosen zugeleitet werden. Es ist zu wünschen, daß die im?luflenblick durchaus berech- tiqten Erwartungen auf eine Besserung der Weltkonjunktur sich auch aus die Dauer erfüllen. Es gibt keine Krise, die bi? ins Unendliche dauern kann. Die arbeitend« und jetzt mit Dutzenden von Millionen Händen feiernde Welt wartet aus diese Befserunq. Die Erfahrungen der letzten Jahre waren so schwer und bedrückend, daß sicher niemand bei dem ersten Beiserungszeichen den Himmel voller Baßgeigen hängen sehen wird.?lber wenn auch die Besse- rung nur ein« allmähliche sein wird, die ganze Welt wird dankbar sein, wenn der Umschwung endlich kommt. Die Konferenzkrise in Ottawa. OaS kanadische Kabinett in Iiüten.— Die Suche nach dem Kompromiß. Der Mißerfolg der Empire-Konferenz von Ottawa ist jetzt offenkundig. Daß der„allbritische Zollverein", wie ihn die englischen Nationalisten mit dem Zeitungskönig Lord Beaverbrok an der Spitze forderten, nicht zu verwirklichen sei, stand von vorn- herein fest. Jetzt aber bemüht man sich um die Formel, die das geringe praktische Ergebnis der Konferenz als nicht allzu kümmer- lich nach außen erscheinen lößt. Eine wichtige Frage ist endgültig vertagt worden— die der einheitlichen Reichswährung und der Reichsbank für das britische Weltreich. Es bleibt also dabei, daß das englische Pfund um etwa 25 Proz. entwertet ist, daß das südafrikanische Pfund die Goldparität behauptet, daß die kanadische Währung sich an den amerikanischen Dollar anlehnt und nur um 10 Proz. entwertet ist. Die Verhandlungen über die Währungsfragen sollen im Herbst im Rohmen der ollgemeinen Weltwirtschastskonferenz fortgeführt werden. Die Gegensätze zwischen England und Kanada haben sich weiter verschärst. Die kanadischen Forderungen sind ob- gelehnt worden, nachdem die englischen Sachverständigen festgestellt hatten, daß das kanadische Entgegenkommen in den Zollfragen nur eine geringe Erhöhung der englischen Einfuhr ermöglichen würde. Das von England geforderte Opfer, Zölle auf Nahrungsmittel zu erheben und eine Erhöhung der Lebenshaltungskosten hinzunehmen, Ichisn dagegen doch zu groß. Die englische Haltung wurde nicht zuletzt dadurch gestärkt, daß die englische Arbeitslosenziffer wieder gestiegen ist und daß in der Baumwollindustrie— es handelt sich um 200 000 Tertilarbeiter— bedenkliche Lohnkonflikte ausgebrochen sind. In solcher Situation konnte eine Verteuerung der Lebenshaltung und eine Gefährdung der englischen Ausfuhr nach dem„Ausland" durch Lebensmittelzölle nur verantwortet wer- den. wenn dem eine wesentliche Steigerung der Ausfuhr nach den Dominions gegenübergestellt werden konnte. Inzwischen hat sich Kanada zu weiteren, aber unbedeuten- den Zugeständnissen entschlossen, und zwar aus dem Gebiet der Einfuhr von Eisen- und Stahlwaren. Aber eine Erleichterung der englischen Einsuhr von Textilien und Schuhen, aus die England besonderen Wert legt, wurde nicht zugestanden. Die Konferenz ist dadurch nicht vorwärts gekommen und die taktische Stellung der Engländer hat sich gestärkt. Aus der anderen Seite haben die geringen Zugeständnisse Kanada» zu einem Protest der kanadischen Konservativen geführt, so daß das kanadische Kabinett ernsthaft in Rot gekommen ist. Gerade auf die Konservativen hotte e» sich bis- her gestützt. Uebrigens ist zu bedenken, daß ernsthafte kanadische Zugeständ- nisse nur auf Kosten der Vereinigten Staaten möglich sind. Die Vereinigten Staaten sind ober als Abnehmer und als Kapital- geber für Kanada unendlich viel wichtiger als England. Auch unter diesem Gesichtspunkt erscheint es unwahrscheinlich, daß in Ottawa noch irgendein Fortschritt auf dem Wege zum utopischen allbritischen Zollverein erzielt wird. Die Wohnungsbaukatastrophe. Im ersten Halbjahr 1032 wurden in den 317 preußischen Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern und rund 52 Pro.z. der preußischen Wohnbevölkerung nur 17 007 Wohnung»- bauerlau bnisse erteilt, nur 1 4 127 Wohnungsbaubeginne fest- gestellt und nur 18 325 Wohnungen fertiggestellt. Das ist bei den Bauerlaubnissen und Baubeginnen gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres ein Rückgang um 40,2 und bei der Fertigstellung von Wohnungen ein Rückgang von 53,3 Proz.! Aeue Gchiffahrtssubvention. 10 proz. der deutschen Zlotte soll zu Schrott geschlagen werden Für die Unfähigkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems, das Krisen nur durch schlimmste Kapitalvernichtung überwinden kann, wird eben ein sinnfälliges Beispiel geliefert. Die Reichs- regierung hat der deutschen Schiffahrt 1 2 M i l l. M. zur Verfügung gestellt, damit etwa 400 000 Tonnen, fast 10 Proz. der deutschen Handelsflotte, abgewrackt werden können. Es kann keine Rede davon sein, daß diese Schisse veraltet wären: es sind einfach zu viele da, so daß ein großer Teil von ihnen keine Beschäftigung findet. Da ist man auf den schönen Ausweg verfallen, sie kaputt zu schlagen, und man fügt hinzu als besonders günstigen Umstand, daß dadurch 3 000Wcrstarbeiter ein Jahr lang beschäftigt werden könnten. Das Ganze ist die übel st e Kapitalverschwendung. die gedacht werden kann. Erst wurden— auch mit Reichsunter- stützung!— Millionen in überflüssigen Schiffsbauten ver- schwendet, weil man aus Prestigegründen eine zahlenmäßig sehr starke Flotte haben wollte(und dadurch nur den Baueifer anderer Länder anregte), und jetzt wirft man Millionen glatt fort, um den Ueberfluß an Schiffen zu beseitigen. Dieselben Leute, die diese Gelder in Empfang nehmen, regen sie sich nicht täglich über die an- gebliche Kapitalverschwendung der Kommune auf, weil sie Gelder für den Aufbau von Sportplätzen und Schwimmbädern gegeben hätten? Der Hauptteil der Abwrackbeihilfe fällt natürlich auf die Hapag-Lloyd-Union, von deren Flotte 200 000 Tonnen verschrottet werden sollen. Für jede Tonne wird eine Beihilfe von 30 M. gezahlt, die den vollen Wert natürlich nicht deckt. Be- merkenswert ist, daß der italienische Staat nur 5 M. Beihilfe je Tonn« zahlt. Angeblich will Japan das deutsche Beispiel noch- ahmen. Ueberall soll also der Steuerzahler dafür bluten, die Dispositionsfehler der Kapitalisten in der Schiffahrt zu korrigieren. Das große Maul. Oer unerjä'itliche Landbund fordert. Obwohl die Regierung der Barone sich gar nicht genug tun kann, die Landwirtschast und besonders die Junker zu verwöhnen, meldet sich der Reichslandbund mit neuen und wie ge- wohnlich volkswirtschaftzcr störenden Forderun- gen. Seine Unersättlichkeit ist frellich bekannt. Der Bundesvorstand der Vertreterversammlung stellt die Forderung, daß die Ein- fuhrbeschränkungen zugunsten der heimischen Landwirt- schaft nicht von handelspolitischen Verhandlungen mit dem Ausland abhängig gemacht werden, daß in noch größerem Maßstabe vom Beimischungs- und Verwendungszmang heimisäyr Produkte Gebrauch zu machen fei, daß der Weg der Verhandlungen .in der Butterzollfrage verlassen werden müsse, daß die B e- steuerung von den heimischen Waren aus die vom Ausland geführten wegverlangt werden müsse und daß ein g e n c r e � r Zahlungsaufschub durchgeführt werden muß. Dam r' genug, wird eine allgemeine Zinssenkung für langsristigc> c- dite verlangt, eine Herabsetzung aller kurzfristigen Kredite sowie die sofortige Senkung des Reichsbankdiskoi s und die Kontrolle der Zinsspanne bei allen Kreditinstituten. Die Oefsentlichkeit kann heute gegenüber dem maß o i e n Maulaufreißen des Reichslandbundes kaum mehr etr is deres tun, als dieses Maulaufreißen zu registrieren. Wci' Reichsregierung nicht des Teufels ist, darf sie die Bäume des L' bunds nicht in den Himmel wachsen lassen. Erhöhter Hanomag-Derlust. Kein Sanierungsbeschluß- Hohe Sonderabschreibungen. Die zum Lothringen-Koixzern gehörige Hannoversche M a- schinenbau A.-G. vorm. Georg Egestorfs(Hann- m a g), Hannover, hotte im Dezember vorigen Jahres die Zahlun- gen eingestellt und mit ihren Gläubigern einen Vergleich obgeschlo!» sen. Erst im Juli vorigen Jahres wor eine Sanierung der Gesellschott beschlossen worden, bei der das Kapital zur Tilgung des Verlustes von 3,1 Mill. M. im Verhältnis 3 zu 2 aus 0 Mill. Mark herabgesetzt wurde. Diese Sanierung wor erfolglos, wie die nachfoigends Zahlungsmifstellung beweist, und für 1031 wird ein Verlust von 5,5 Mill. M. ausgewiesen, so daß schon wieder mehr als die Hälfte des herabgesetzten Kapitals verloren ist. Dieser Ver- lust ergibt sich nach 1,3 Mill. M. ordentlichen und 0,1 Mill. M. außerordentlichen Abschreilungen, die infolge der starken Einschränkung der Hannoverschen Betriebe nötig wurden. Die Lokomotivfobrikation wurde stillgelegt und die Quote an Henschel-Solm verkauft. Bor kurzem sind die Automobil- und Schlepperabteilungen ver pochtet morden, da Hanomag nicht die Betriebsmittel für ihre Fortführung beschaffen konnte, so daß Ha» nomag selbst nur noch den Kesselbau betreibt, lieber die Sa» n i e r u n g werden wohl erst Beschlüsse gesaßt werden, wenn sich die Gläubigerbonken über das Schicksal des Lothringen-Konzerns einig geworden sind. Mißerfolg der englischen Konversion. Die englische Regierung führt zur Zeit das größte Kapi- talgefchäft aller Zeiten durch. Die 5prozentige Kriegs- anleihe im Gesamtbeträge von 2 Milliarden Pfund— nach heutigem Kurs etwa 30 Milliarden Mark— soll in eine 3.5prozentige Anleihe umgewandelt(konvertiert) werden. Wer mit dieser Zinsherab- fetzung nicht einverstanden ist. soll sein Kapital in bar zurückerholten. Die Erklärungsfrist dafür, daß der Anleihegläubiger mit der Herabsetzung des Zinsfuße? einverstanden ist, ist am 2. August abgelaufen. Eine osfizielle Erklärung über das Ergebnis ist bisher nicht abgegeben worden. Es steht bisher fest, daß für 1,57 Milliarden Pfund die Annahme der Zinsherabsetzung erklärt ist: wie stark sich dieser Betrag noch erhöht, das ist die Frage. Die englischen Bank- und Börsenkreise rechnen damit, daß immerhin 3 50 Millionen Pfund— also mehr als fünf Milliarden Mark— bar ausgezahlt werden müssen. Zwar dürste es der englischen Regierung gelingen, diesen Betrag flüssig zu machen und im Kreditwege zu beschaffen(die Tilgung würde aus den Zinserfparnisscn erfolgen): trotzdem mußte die Anleihe-Konversion, wenn diese Schätzung zutrifft, als m i ß l u n- gen bezeichnet werden. Schuld daran dürfte die amerikanische Börsenhausse sein, die die Hoffnung steigender Zinssätze erweckt« und den Kurs englischer Stoatspapiere nicht unerheblich drückte. Krise der Elektro-Porzellan-Zndustrie. Radikale Abschreibungen bei Sieatit-Magnesia. Mst der Einstellung des Ausbmies von von Stromversor- gungsnetzen ist auch die Elektro-Porzellaninduftri« in eine sehr schwierig« Lage gekommen. Besonders betroffen ivurde die Er- zeugung von Hochspannungsporzcllan, dessen Absatz von 1028 bis 1931 u m 4 9 Proz. zurückgegangen ist. Die Eigenkosten je Pro- duktionseinheit sind infolge der schlechten Ausnutzung der Anlagen sehr stark gestiegen. Man muß anerkennen, daß die S t e a t i t Magnesia A.-G., Berlin-Pankow, aus dieser Situation die volkswirtschaftlich und privatwirtschaftlich einzig richtige Konsequenz gezogen hat, ihre Bilanz für 1931 durch radikale Abschreibungen den heu- tigen Verhällnissen anzupassen: für 1930 wurde noch eine Dividende von 4 Proz. verteilt. Dieise Abschreibungen werden dadurch ermöglicht, daß den Re- serven 0,5 Millionen Mark entnommen werden und daß das Kapital(Großaktionär sind die Deutschen Ton- und Steinzeug- I werke) im Derhältnis 2: 1 von 7,0 auf 3,4 Millionen Mark(nach > Einzug eigener Aktien) zusammengelegt wird. Besondere Abschreibungen erforderte eine Tochtergesellschaft in England, die gegründet wurde, weil der Export nach Enzland durch die Zölle un- möglich geworden war. Oer Weg der Durch Demokratie Auf dem Berdandstag der Sattler in Stuttgart hielt Tenosie Tornow gestern«inen Vortrag über die wirtschaftliche und politische Situation, wobei er etwa folgendes aus- führte: Staat und Wirtschaft sind zu sehr zusammengewachsen, als daß die Gewerkschaften sich nicht um die politischen Vorgänge zu küm- mern brauchten oder die Parteien an den gewerkschaftlichen Fragen vorbeigehen könnten. Daher ist eine Verständigung über die politisch- taktischen Fragen zwischen beiden Flügeln der Arbeiterbewegung er- forderlich. Ueber den Sozialismus als ökonomisches Ziel be- steht Einigkeit. Zu seiner Durchführung aber ist die politische Macht nötig. Ueber die Art, wie sie zu erringen ist, bestehen die Differenzen. Die beste Methode ist zweifellos die Demo- k r a t i e als Grundlage der Staatsverfassung. Die Demokratie ist uns nicht Selbstzweck, sondern nur die Methode für die Erringnng der politischen Macht. Ist die Diktatur des Proletariats eine bessere, bieten General st reik, Putsch oder Bürgerkrieg größere Er- solgsaussichten? Keine Gewalt ist so stark, daß sie nicht von einer größeren Gewalt niedergeschlagen werden kann. Welche Macht- saktoren stehen dem Proletariat heute zur Verfügung? Der liebe Gott steht im Krieg stets auf der Seite der stärksten Bataillone. Das gilt auch für den Bürgerkrieg. Darum ist die choffnung für dos Proletariat, in ihm zu siegen, kaum als begründet anzusehen. Die W>affe der Arbeitsverweigerung kann erfolgreicher sein, wen« die Zeit dafür günstig ist. Es ist das letzte Mfttel, wenn gar keine anderen mehr zur Verfügung stehen und alle- auf diese eine Karte gesetzt werden müßte. Man hat sich zu sehr darauf verlassen, daß uns in der Demo- kratie die Macht ohne weiteres zuwachsen würde. Man hat per- säumt, das politische Bewußtsein der proletarischen Klasse zu wecken, sie zur richtigen Erkenntnis ihrer ökonomischen Lage �u bringen. Ein Teil der Klasse ist unser» Weg nicht mit- gegangen. Man hat die Stimmen der Kommunisten als Geg- ner d-z Kapitalismus mitgezählt, aber sie sind nicht mit uns zum Zweck der Erringung der Macht auf den Boden der Demokratie ge- treten, sondern hoben im Gegenteil alles getan, um die Demokratie als politisches Kampfmittel zu zerschlagen. Ohne diese Spaltung wären wir heute der Macht näher: weder eine Regierung Papen-Schleicher noch auch eine Regierung Brüning wären möglich gewesen. Der Fehler liegt also bei der mangelhaften politischen Willensbildung der proletarischen Klasse. Die heutigen Machthaber sind in diesem Zwischenzustand gewissermaßen der lachende Dritte, weil sich das Volk seiner ihm in der Verfassung gewährleisteten Souveränität selbst entkleidet hat. Nur so konnte sich eine kleine Gruppe, ohne auf Widerstand zu stoßen, in die Macht setzen. Aber aus die Dauer, das hat sogar cherr Schleicher anerkannt, reicht die Grundlage dieser Diktatur nicht aus, sie braucht als Träger ihrer Herrschaft eine breitere Volks- strömung. Die jetzige Regierung hält nun offenbar die nationale oder besser nationalsozialistische Bewegung für eine ge- eignete Grundlage für ihr« Existenz. Es ist aber zweifelhaft, ob sie dazu berechtigt ist. Es bestehen scharfe Gegensätze zwischen der junkerlich-schwerindustriellen Orientierung dieser Regierung und den Zielen der Nationalsozialisten. An diesen Gegensatz muß das Bund- nis scheitern, wenn erst einmal gegebene Versprechungen eingelöst werden müssen. Man will dezhalb an den Nazis jetzt einen„Er- ziehungsprozeß" vollziehen. Wir haben keine Ursache, die Cntwick- lung dieser Gegensätze zu stören, wir müssen sie nur wachsam beob- achten. Zur Zeit steht in Deutschland das gesellschaftliche Bewußtsein im schärfsten Gegensatz zu den ökonomischen Berhällnissen. Aber die ökonomische Entwicklung selbst wird die politischen Er- kenntnisse wieder klären. Die ökonomische Krise ist über den Rahmen einer gewöhnlichen kapitalistischen Zykluskrise hinaus- gewachsen. Sie hat alle Teile der Welt und alle Bezirke der Volks- wirtschaften erfaßt, zumal auch politische Faktoren den Zusammen- bruch des internationalen Geld- und Kreditsystems beschleunigt haben. Daher versagt jetzt die von ftüher her bekannte automatische Krisenüberwindung durch Steigerung der Kaufkraft und Kapital- Mobilisierung. Rur durch das planvolle Eingreisen des Staates in das Wirt- schaflsleben ist aus eine Besierung zu hoffen. Das braucht nicht gleich Sozialismus zu sein, zumal der Staat heute zu stark unter kapitalistischem Einsluß steht. Heute steht der Staat seine Eingriffe in die Wirtschaft, wie z. B. bei der Bankenkrise, nur als N o t m a ß n a h m e n an. Aber ist die Verbindung erst ein- mal hergestellt, kann sie so leicht nicht wieder gelöst werden. Die Verhältnisse in Amerika, wo keine politischen Störungs- Momente wirksam waren, sind für die Beurteilung der Verhältnisse besonders lehrreich. Sie beweisen, daß die Not auf der Fehler- hoftigkeit der kapitalistischen Wirtschaftsorganisation selbst beruht. Die Wirtschaft ist in eine Sackgasse geraten und findet keinen Ausweg. Das Wirtschaftsvolumen ist fo stark zusammengeschrumpft, daß die Menschen gezwungen sind, auf einer tieferen Kulturstufe zu leben, als sie es gewohnt waren. Das muß die Erkenntnis bei den Menschen fördern, daß eine solche Not gar nicht nötig wäre. Sie sehen, daß der Produktionsapparat an sich eine Verbesserung ihrer Lebenshaltung ermöglichen würde, wenn die Güterproduktion auf die Herstellung der von ihnen benötigten Versorgungsgüter umge- schaltet werden würde. In dieser Richtung bewegen sich auch unsere Forderungen an den Staat auf dem Gebiet der Arbeits- b e s ch a f f u n g. Die Wirtschaft muß wieder in Betrieb gesetzt werden durch das hinarbeiten auf eine volle Versorgung der Menschen unter gleichzeitiger, sehr wesentlicher Herabsetzung der Arbeitszeit. Damit kommt man dann in Etappen zur Planmäßigkeit der Wirtschaft auf allen Einzelgebieten des Waren-, Geld- und Kredit- verkehrs. Das Tempo dieser Entwicklung könnte aus ökonomischen wie aus psychologischen Gründen leicht eine Beschleunigung er- fahren. Das gesellschaftlich« Bewußtsein ist schon heute in den denk- bar größten Aufruhr geraten. Die wirtschaftliche Hoff- nungslosigkeit der zerriebenen Mfttelschichten hat zu der antikapitalistischen Einstellung geführt, wie man sie bei einem Teil der Nationalsozialisten beobachten kann. Daraus erwachsen unter der Wucht der ökonomischen Entwicklungstatsachen für uns Hoff- nungen auf das Wachstum einer bewußt sozialistischen Ideologie auch bei diesen heute nur erst scheinsozialistischen Schichten. Dann wird es unsere Aufgabe sein, klare Zronlen herzustellen und der politischen Hochstapelei der Razis das Handwerk zu legen. Arbeitersthast. zum Sozialismus. Dazu müssen wir uns aller Bundesgenossen versichern, die in Betracht kommen. Die Bourgeoisie hat die Arbeiterbewegung bisher, leider erfolgreich, nach dem Grundsatz behandelt: teile und herrsche! Auch wir müssen die sozialen Gegensätze in dem uns gegenüberstehenden großen Haufen zur Entwicklung bringen. Das geschieht aber nicht durch„Aktionen", denen ein gewalttätiger Charakter anhaftet. Wir müssen vielmehr die Provokationen des Naziterrors mit aller Beherrschung unserer Nervenkrast von uns abwehren und die kommunistischen Torheiten auf diesem Gebiet auf das entschiedenste ablehnen. Wir müssen die 'moralische Wider st andskraft der gegen den Faschismus stehenden Front zu stärken suchen. Deshalb ist auch der Kampf gegen die zersetzende und zermürbende Wirkung der RGO. mit aller Entschiedenheit zu führen, denn wer die Gewerkschafken kampfunfähig macht, vergehl sich gegen die Klassen moral der Arbeiterschast und verliert jedes Recht dazu, mit uns eine„Einheitsfront" zu bilden. Es kommt nicht darauf an, daß der einzelne sich„revo- lutionär" dünkt, sondern daß er organisiert ist und die Arbeit der Organisation nicht aus Prinzip herunterreißt. Eine Ein- heitsfront sollte geschaffen werden, aber erst wenn die moralischen Voraussetzungen dafür vorliegen, nicht aber, so- lange die Kommunisten immer noch den Dolch in der Hand halten, um ihn den Gewerkschaften und der Sozialdemokratie in den Rücken zu stoßen. Wir haben keinen Grund zur Kopfhängerei. Gewiß wäre es besser, wenn wir die jetzige staatspolitische Er- ziehungsarbeit an unserem Volke nicht mehr nötig gehabt hätten. Aber Versäumtes muß nachgeholt werden. Indessen, ich baue darauf, daß Deutschland nicht auf das Niveau eines balkani- fchen Räuberstaates zurücksinken wird. Darum sollen wir auch nicht übertrieben ängstlich um den Bestand unserer Bewegung sein, sondern vertrauen auf die Ausbaufähigkeit der in dieser Bewegung selbst vorhandenen Abwehrkräste. Darum hoffe ich mit Zuversicht auf die Ueberwindung dieser Periode sowie darauf, daß die Zu- kunft uns gehören wird. sLebh. Beifall.) Die Aussprache, an der sich K a l m- Offenbach. Rieth- mann(Hauptvorstand), F r ö b e l- Geraberg und O st e n- Verlin beteiligten, drehte sich in der Hauptsache um das Verhältnis zu den Kommunisten bei der Durchführung des Kampfes um die politische Macht. T a r n o w ging in seinem Schlußwort hierauf nochmals dar- auf ein und betonte mit Entschiedenheit, daß jede Kampsgemein- schaft. wenn sie Erfolg haben soll, moralisch sauber sein, auf die Wiederher st ellung der Solidarität der prole- tarischen Klasse gerichtet, von dem Gefühl für Disziplin und vom Vertrauen in der Führung getragen sein müsse Die Berliner Betriebsräte. lleberwiegende Vormacht der freien Gewerkschafisn. In der kommunistischen und nationalsozialistischen Press« ist wiederHoll die Rede gewesen von einem starken Zurückdrängen des fr ei gewerkschaftlichen Einflusses in den Betriebs- Vertretungen und einer entsprechenden Zunahm« der Kommu- nisten und Nazis. Wie maßlos übertrieben diese Behauptungen ss.'id, zeigt die Usbersicht über die in Berlin im vorigen Jahr ge- wähllen Betriebsräte, die in dem Geschäftsbericht des Ortsausschusses Berlin des ADGB. für das Jahr lS31 entlzalten ist. Die Zahl der in Berlin gewähllen Betriebsräte hat gegenüber 193l> noch etwas zugenommen, und zwar von 11 912 auf 11 98S, obwohl die Zahl der Betriebe, in denen die Belegschaften Betrieb soertre tu nz m wähllen, von 4052 auf 3608 zurückgegangen ist. Von den 11 985 im vorigen Jahr in Berlin gewähllen Betriebs- räten gehörten 10299 oder 8 5,8 Proz. den freien Ge- werkschaften an. gegenüber 10 571 oder 88 Proz. im Jahre 1930. Der Rückgang beträgt also 2,2 Proz. Die christlichen Gewerkschaften erhiellen im vorigen Jahr in den Berliner Betrieben 130 Betriebsratssitze gegen 189 im Jahre zuvor und die Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften 201 Sitze gegen 218. Der Anteil der Hirfch-Duncker'chen und der Christen ging also von 3.4 aus 2,9 Proz. zurück. Die Gelben konnten ihre Mandatszahl von 78 auf 96. also um 18„erhöhen". Ihr Anteil beträgt nach wie vor weniger als 1 Proz. Gleichzeitig ging aber der Einfluß der Unorganifier- t e n in den Betriebsoertretungen von 401 auf 334 zurück: ihr Der- lust ist also größer als der Gewinn der Gelben. Der Anteil von Mit- gliedern sonstiger Organisationen, in der Hauptsache der kommunistischen RGO. und der Nazis, erhöhte sich von 485 im Jahre 1930 auf 945 im vorigen Jahr, somit von etwas über 4 auf rund 8 Proz. Wie groß dabei der Anteil der Nazis ist, geht aus der Aus- stellung nicht hervor. Sicher ist er erheblich kleiner als der der RGO. Wenn sich auch der Anteil von RGO. und Nazis in den Berliner Betrieben im vorigen Jahr verdoppelt hat, so sst die Bedeutung dieser gewerkschastsfeindlichen Elemente innerhalb der gesamten Ber- liner Betriebsrätebewegung doch außerordentlich gering. Zusammen haben sie noch nicht ein Zehntel der Betriebsräte. Es darz nicht übersehen werden, daß diese Zunahm« auf die Verschärfung der Krise zurückzuführen ist. Sie ist vornehmlich in den Be- trieben der Berliner Metallindustrie und der Reichsbahn erfolgt. Von einem Zurückdrängen des gewerkschaftlichen Einflusses in den Berliner Betrieben kann also nicht die Rede sein. Oloch wie vor behaupten die Gewerkschaften mit nahezu 89 Proz. der Betriebsräte, wooon die freien Gewerkschaften allein über 85,8 Proz. verfügen. eine unüberwindliche Vormacht st ellung. Daran hat die mit so großem Tamtam infzemerte„Hib"-Aktion der Nazis gar nichts ändern können. Erfolg der Selbstverwaltung. Ver. Jack. London. Abend.— Staaken: Jugendheim 17. Lolkoichule, Gartenstadt, Kirchplaz, Endhaltestelle Autobus 31.„Frauen im Gefängnis."— Schönhauser Tor: Jugendheim Tteckstr. 18. Wir beteiligen uns on der Verfassungsfeier.— Landsberger Plag: Jugendheim Diestelmsverstr. S. Gruppenabend fällt aus.— Lichtenberg: Jugendheim Dostestr. 22. Signal auf Fahrt.— Erlebnisse eine» Lokomotivführers.— Z!cu»Lichtenbcrg: Jugendheim Snntcrstr. 11.„Die Frau in Sowjetrußland."— Osten: Jugendheim Frankfurter Allee 3i>7, Lönszimmer. Dir lesen in der Reichsverfassung.— Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotenburacr Str. 2.„Siegreich wolTn wir..."— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. Z(Rühe Bahnhof Sviedlersfeld). Wir gehen zur Ber. iassunasfeier.— Dchlesssche» Tor: Jugendheim Manteufselstr. 7.„Umbau der Wirtschaft.— Das Wirtfchaftspragramm der Gewerkschaften."— Spiele ab 18 Uhr: Jllgendhcim de» Deutschen Bcileiduugsarbeitcrvcrbaude»: Treptower Wies« Rr. 8. � Zuqendaruvpe des Zentralverbanves der Angestellten Heute, Donnerstag, find folgend« Veranstaltungen: Norden: Jugend- ~ heim Lortzingftr. 19.„Krieg dem Kriege."— Osteu: Jugendheim der Schul« Litauer Str. 18. Der Gruppenabend fällt au», wir beteiligen uns an einer der stattfindenden Derfassungsfeicrn.— Treptow: Jugendheim Elscnstr. Z (Prioathaus). Arbeitsgemeinschaft:„Der arbeitend« Mensch in der Kunst" (3. Abend).— Uebuugssirma„Freie Äuacstclltcubuuk«. S. m. u. H.: Der heutig« Arbeitzabend fallt aus. da daß Lerbandsbaus aus Anlaß des Ver- fassungstage» geschlossen ist.— Spiele im Freie»: I814 Uhr Sportplatz Fried- richshain, Platz 9. Die Spiel« auf dem Sportplatz Tiergarten fallen heute aus. Der.Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal. Sannmgs und Montag» einmal, die Abendausgab« für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend", Illustriert« Sonntagsbeilage.Boll und Zeit". Anzergenpretl«: Die eiafpalt. Millimeterzeile so Pf.. Reklamezeil« 9— M. „Kleüie anzeigen" da» fettgedruckt« Wort 90 Pf.«zuläfstz zwei fettgedruckte Worte) ieds, wettere Wort>0 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über is Buchstaben zählen für zwei Worte. Ardeitemarkt MilDmeterzcile 25 Pf. Familienanzeigen Millimeter. Zeil«>« Pf. 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