BERLIN Donnerstag 11. August 1932 Redaktion u. Expedition: Berlin S 68, Lindenstr. 3 Zel. A7 Donhoff 292-297 Der Abend Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des ,, Borwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche, 3,25 m. pro Monat( davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Post bezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. Spälausgabe des„ Vorwärts" Anzeigenpreis: Die 1fplt. Mintmeterzeile 30 Pf. Die Reklamezeile toftet 2 Mart. Rabatte n. Tarif. 10 Pf. Nr. 376 B 183 49. Jahrgang Bußpredigt zur Verfassung Gayl fordert Verfassungsänderung, schlechteres Wahlrecht und-Oberhaus Der heutige Verfassungstag gibt Anlaß zu Betrachtungen alleraktuellster Natur. Unter dem gestürzten alten System" war es üblich, daß jede Reichsregierung nach etwa ein bis zwei Jahren zurücktrat und ein umständliches Verhandeln über die Bildung einer neuen Regierung begann. Das war gewiß nicht schön, und allen Freunden des alten Systems war es oft unerfreulich genug, zusehen zu müssen, wie um Ministerportefeuilles gehandelt wurde, als ob es alte Hosen wären. Wir haben jetzt eine grundsäglich neue Art der Staatsführung". Wodurch unterscheidet sie sich von der alten? Offenbar zunächst dadurch, daß ein Reichskabinett nicht mehr ein Jahr oder darüber, sondern nur noch zwei Monate vorhält, und daß das Marktgeschrei um die Umbildung noch schriller flingt als jemals zuvor. Man tut heute, als wären ,, Präsidialregierungen" etwas ganz Neues. Als ob die Regierung Cuno seligen Angedenfens etwas anderes als eine„ Präsidialregierung" gewesen wäre! Als ob nicht schon Herr Dr. Luther als Chef einer ,, Präsidialregierung" seine Tätigkeit mit den Worten begonnen hätte: ,, Meine Herren, regiert muß doch irgendwie werden!" Immer wenn die Bildung einer Koalitionsregierung nicht möglich war, tauchten die Redensarten vom„ überparteilichen" Kabinett der Köpfe, der Persönlichkeiten, der Fachminister usw. auf. Jetzt ist es genau dasselbe. Das weise Bort des Rabbi Ben Akiba ,,, alles ist schon dagewesen", gilt auch heute noch. Und für die Verhandlungsmethoden der Nationalsozialisten gilt es ganz besonders. Die Nationalsozialisten, geschworene Feinde der Demofratie, überschlagen sich geradezu in demokratischen Argumenten, um zu beweisen, daß ihr Adolf Hitler Reichskanzler werden müsse. Dies sei ,, der Wille der Nation". Immerhin hat die Nation nicht Hitler, sondern Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt. Und von Hindenburg heißt es jetzt, daß er Hitler nicht zum Kanzler ernennen mill. Was nun weiter? Das Zentrum ist verhandlungsbereit. Zum Sonnabend hat es in Preußen Nazis und Deutschnationale zu einer Besprechung gebeten. Es riecht nach Bürgerblock! Auch nach Putsch? Den Nazis ist die Beteiligung an einer„ Präsidialregierung" angeboten, ihnen ist die Beteiligung an einer Roalitionsregierung angeboten. Werden sie unter Ablehnung solcher Angebote den ,, Marsch auf Rom" antreten? Sie würden ja doch bestenfalls nur in Berlin ankommen, wo eine ganz andere Luft weht und wo der Empfang ein ganz anderer sein könnte! Einstweilen verhandelt man. Zwischendurch feiert man die Verfassung. Dann wird weiter verhandelt. ,, Grundsätzlich neue Art der Staatsführung?" Wieso? Keine Parteiregierung. Hindenburgs Standpunkt. Unter ausdrücklicher Betonung der autoritativen Herkunft wird folgendes offiziös mitgeteilt: Der Reichspräsident hält absolut an der Linie feft, nach der die bisherige Regierung gebildet worden ist, d. h. eine vom Parlament unabhängige Regierung. Das gilt nicht nur für heute, das gilt für die jetzigen Verhandlungen überhaupt, und von dieser Linie geht der Reichspräsident nicht ab. In dieser bemerkenswerten Erklärung dürften die Worte ,, Dom Parlament unabhängige Regierung" wohl nicht so gemeint sein, wie sie schwarz auf weiß wirken müssen. Die Reichsverfassung, die heute vom Reichspräsidenten und von der Reichsregierung gefeiert wird, besagt ausdrücklich, daß die Reichsregierung zu ihrer Amtsführung des Ver trauens des Reichstages bedarf. Freiheit! Freiheit! Das republikanische Volk bei der amtlichen Feier. Zur Verfassungsfeier in diesem Jahre war die Aus ich müdung des Reichstagsja ales gegen die vorhergegangenen Gedenktage nicht unwesentlich verändert. Die Einleitungsformel der Reichsverfassung, die sonst stets zu beiden Seiten des großen Reichsadlers an der Stirnmand zu sehen war, fehlte diesmal. Dafür war in der linken Saalecke eine große schwarzweißrote Fahne, allerdings mit der Gösch angebracht, während in früheren Jahren diese Flagge nur draußen auf dem Platz der Republik wegen der Reichs mehrparade neben der schwarzrotgoldenen Fahne mehte. Selbstverständlich war die Flagge der Republik in gleicher Größe in der anderen Saalecke zu sehen. Der Besuch der Feier war wiederum starf, wenn auch geringer als in den vergangenen Jahren. Die Diplomatenloge war start besetzt. präsidenten von Kardorff, dem Reichsinnenminister Baron Um 12 Uhr erschien der Reichspräsident, begleitet vom Bize Gay und dem Reichswehrminister von Schleicher, der letztere die übrigen Reichsminister mit Herrn von Papen an der Spize in Reichsmehruniform mit allen Orden. Kurz vorher waren am Regierungstisch erschienen. Der Reichskanzler hatte seinen schwarzen Anzug mit beiden Eisernen Kreuzen geschmückt. Hin= denburg dagegen, der doch gewiß alle Kriegsorden besitzt, trug auf dem schwarzen Rod nicht einen einzigen! leberparteiliche Musik eröffnete die Feier. Beethovens Egmont Ouvertüre mit ihrem Jubel über die Befreiung eines geknechteten Volkes. Darauf hielt Baron Gay I eine Bußpredigt zur Feier der Verfassung, in der er u. a. folgendes fagte: Seitdem am 11. August 1919 die Nationalversammlung zu Weimar das Verfassungsmert abschloß, um das Reich, wie es in dem Vorspruch der Verfassung heißt,„ in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuen und zu festigen, dem inneren und äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern", find 13 schwere und leidvolle Jahre verflossen, in denen eine Erfüllung des Vorspruchs uns nicht gegeben war. Inmitten einer ihm immer noch feindlichen Welt hat unser Volk die schwersten Bürden äußerer und innerer Not zu tragen. Für frohe Feste, freundliche Rück- und Ausblicke ist in unserem Zeitalter menig Raum vorhanden. Durch alle Feste, die unser Volk in mannigfaltigen Formen noch feiert, klingt ehern die Stimme der Not. Ihr Klang entspannt nicht die Feiernden, sondern erregt immer aufs neue die Herzen. In diesen Zeiten hat sich unser Feiertag zusammenfinden können. Alle Versuche, den VerVolk noch nicht zu einem alle Teile einigenden, nationalen fassungstag zu einem gemeinsamen, volkstümlichen Feiertag zu ge= stalten, sind bisher fehlgeschlagen. Hier sind nicht Ort und Stunde, um diese Frage zu vertiefen. Es genügt offen zu bekennen, daß es so ist und daß die Berfaffung die Geiffer nicht einigt, sondern trennt. Dennoch hat die Reichsregierung sich entschlossen, den Verfassungstag amtlich zu begehen. Wir geben uns dabei nicht der Hoffnung hin, diesen Tag zu einem Festtag für unser Volt machen zu können. Wir sehen auch in dem 11. Auguſt keinen Feiertag, der unter allen Umständen begangen werden muß, einen ähnlichen Gedenktag feiern und wir ihnen das nachmachen weil es bisher so Brauch war oder weil auch andere Völker wollen. Wir wehren uns auch gegen große, rauschende Feste, die dem Ernst unserer Lage und unserer Armut nicht entsprechen würden. Aber wir wollen diesen Tag, an dem unser Bolt sich die heute geltende Form seines staatlichen Lebens gab und der, wie man immer zur Weimarer Verfassung stehen mag, ein geschichtlicher Gedenktag ist und bleibt, bewußt dazu benutzen, um in Gegenwart des allverehrten Herrn Reichspräsidenten, im Saale des Deutschen Reichstags, in würdiger Umrahmung durch klassische deutsche Kunst zu unserem Voik sprechen. wir wollen feine Feierstunde, sondern eine Stunde stiller Einkehr heute halten, inmitten der Unraft unserer Tage. Wir wollen an einem Meilenstein unseres mühseligen Wegs durch die Tiefen unserer Geschichte einmal raften und uns auf das besinnen, was uns Not tut, was wir tun müssen, wenn wir als Volk leben und unsere Pflicht gegenüber den kommenden Geschlechtern erfüllen wollen. Zu diesem Zweck sind wir heute hier. In einer Versammlung von Deutschen wäre es ein müßiges Beginnen, in einer kurzen Ansprache die äußerlich erkennbaren Notstände, unter denen unser Volk leidet, im einzelnen aufzuführen und ihren Ursachen nachzugeben. Im Ringen der Völker um ihr Dasein find letzten Endes und entscheidend die unwägbaren Kräfte eines Bolf es ausschlaggebend. Von ihrem Durchbruch durch die materiellen Sorgen des Tages zu machtvoller Betätigung hängt die Zukunft ab, der wir entgegengehen. juo Diese unwägbaren seelischen Kräfte und Werte eines Volkes find an feine Formen und Verfaffungsurkunden gebunden. Es gibt im Leben der Völker Zeiten, in denen diese Kräfte verschüttet scheinen durch materialistische Auffassung des Lebens, und es gibt Beiten, in denen sie lauter und offen fließen. Die starken Kräfte, die einst das Erleben des Weltkrieges freigemacht hatten, maren nicht tot. Lebendig brachen sie in den verschiedenen Formen und auf vielerlei Wege aufs neue hervor. In allen Schichten unseres Volkes regte sich neues Hoffen, Wollen und Handeln. Tiefer als bisher empfanden viele ihre Verantwortung gegenüber ihrem Volfe, immer lebendiger wurde der Wille zum Dienen an der Gesamtheit unter Hintanjegung des eigenen Ichs und seines Wohlbefindens. Immer stärker wurde die Sehnsucht nach einem neuen, freien, sich selbst bestimmenden Deutschland. Je stärker diese ethischen Regungen in einem Teil unseres Volkes lebendig wurden, desto heftiger wurde der Widerstand derer, die sich in ihren bisherigen Lebensanschauungen bedroht fühlten. So ist unser Volk in unseren Tagen in zwei Lager zer= spalten, zwischen denen ein erbitterter Kampf um die Macht im Staate tobt. Jedes Cager nennt das andere Bolksverderber und Staatsfeind und bekennt sich zu dem Streitruf ,, Wer nicht für mich ist, ist wider den Staat". So sollten die Dinge nicht sein. Was in unserem Volk heute ausgefochten wird, das ist ein Kampf der Weltanschauungen, der ein Ringen der Geister und nicht eine handgreifliche Auseinandersetzung sein soll. Wir tun gut, auch den weltanschaulichen und politischen Gegner bis zum Beweise des Gegenteils als einen ehrlichen Volksgenossen zu be= trachten- der auf seine Weise und nach seiner Ueberzeugung das Beste unseres Volkes will. Bewußt ausgeschlossen sei dagegen jeder, der einen nationalen deutschen Staat grundsätzlich verleugnet und bekämpft. Man mag zu den Einzelheiten der Weimarer Verfassung stehen, wie man will. Sie ist heute dereinzige Grund, auf dem alle, unbeschadet ihrer weltanschaulichen und politischen Meinung stehen müssen, die einen deutschen Staat überhaupt bejahen. Auf diesem Grund müssen wir uns finden und handeln, denn wir haben keinen anderen, von dem aus wir den Vormarsch zu einem neuen staatlichen Leben überhaupt antreten fönnen. Damit ist aber nicht gesagt, daß die Weimarer Verfassung etwas Unabänderliches wäre. Bereits in meiner Antrittsrede vor kein starres Idol ist, daß Verfassungen dem Wandel unterworfen dem Reichsrat habe ich mir erlaubt zu sagen, daß eine Verfassung und daher abänderungsbedürftig sind, wenn sie Mängel zeigen, die im Interesse der Entwicklung eines Volkes abgeändert werden müssen. Rückblickend auf die 13 Jahre des Bestehens unserer Verfassung müssen wir bekennen, daß sie abänderungsbedürftig ist. Es war ein Verdienst der verfassunggebenden Nationalversammlung, aber auch Preußens, Bayerns und aller anderen deutschen Länder, daß 1919 in verhältnismäßig furzer Zeit nach dem allgemeinen Zusammenbruch überhaupt eine Berfassung zustandekam, melche die Reichseinheit gewährleistete und für längere Zeit eine Grundlage staatlichen Lebens schuf, auf der auch tatsächlich sehr schwere Zeiten überwunden werden fonnten. Es ist nicht Schuld der Verfassung allein, daß sich in Deutschland im Rahmen ihrer parlamentarisch- demotratischen Grundsäge eine Herrschaft der politischen Parteien entwickelte, bei der Legislative, Kontrolle und Exekutive immer mehr verschmolzen, die ein Kommen und Gehen der Regierungen mit sich brachte, die eine stetige, auf den Wiederaufbau gerichtete Regierungsarbeit hemmte und nahezu unmöglich machte und die schließlich dazu zwang, sogar Maßnahmen des wirtschaftlichen Lebens und der Finanzgebarung mit der ultima ratio des Artikels 48 zu regeln und damit tatsächlich einen Teil der Berfaffung selbst außer Kraft zu setzen. Die Zustände aber, unter denen wir heute zu leben gezwungen sind, dürften ein schlagender Beweis sein, daß die Verfassung abänderungsbedürftig ist. Unser Volt kann sich auf die Dauer der Notwendigkeit einer Berfassungsreform, ja einer Reichsreform nicht entziehen. Je frühzeitiger und energischer diese Aufgabe angepackt wird, desto besser ist es für uns. Im Rahmen dieser Ansprache f* nnen nur einige kurze Hinweise auf das gegeben werden, was vordringlich zu regeln ist. Die Reform hat auszugehen von einer Aenderung des Wahlrechts. In diesem Artikel wurzelt die von weitesten Kreisen unseres Boltes schwer empfundene Herrschaft der Parteibürokratie. Das Volk will nicht Nummern, sondern Persönlichkeiten wählen und es versteht nicht, daß die Stimmen noch nicht mün diger Volksgenossen gleichgewertet werden den Stimmen der Familienernährer und der Mütter. Zur Reform des Wahlrechts gehört auch die Einschränkung der zahlreichen fleinen Splitterlisten, deren Stimmen in der Regel ausfallen. Dem Wahlrecht sollte die Wahlpflicht entsprechen; Regieren heißt nicht nur, die Forderung der Stunde erfüllen, sondern auch ein festes Ziel auf allen Gebieten des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens nachhaltig ansteuern. Es ist nicht Schuld von Bersonen allein, sondern der Konstruktion unserer Verfassung, wenn in Deutschland fast alle Anfäße zu Reformen bisher im Parteigetriebe erstidten. Jede zielbewußte Rrgierungspolitik ist auf die Dauer in Deutschland zum Scheitern an zwei Dingen verurteilt, an der Anonymität der Verantwortung und an dem Fehlen einer Instanz, die unabhängig von Parteieinflüssen, dem Gesamtwohl schädliche Bar lamentsbeschlüsse ohne schwerwiegende verfassungsmäßige Reibungen auszugleichen vermag. Ein im Umbruch aller Werte befindliches Volk, das unter einer furchtbaren äußeren und inneren Not leidet, bedarf einer von den Fesseln formaler Verantwortung mehr wie bisher befreiten, aber persönlich um so stärker verantwortlichen Regierung, die in einer ersten Kammer einen Helfer haben muß, der sie vor den Folgen der oft durch Stimmungen und Wahlrücksichten beeinflußten Parlamentsbeschlüsse schützen und die Stabili. tät und Folgerichtigkeit der Regierungspolitik zu gewährleisten ver mag. Eine Aenderung der Verfassung nach dieser Richtung ist auf die Dauer nicht zu umgehen. Zum Schluß dieser seltsamen Verfassungs" rede erklärte Gayl, daß zu den schon als notwendig angedeuteten„ Reformen" auch noch der innere Umbau" des Reiches kommen müsse, wobei er von der Beseitigung der Preußenregierung als von etwas Selbstverständlichem ausging, um dann mit einem Hinweis auf die Verantwortung vor unserem Gott und unserem Volk" zu schließen. Das Wort Republik wurde bei der heutigen Verfassungsfeier überhaupt nicht ausgesprochen: Nach der Rede des Freiherrn von Gayl mit ihren Wünschen nach Verfassungs- und Wahlrechtsänderung hatten die Philharmonifer unter Brümers Leitung durch den 3. Satz der 4. Brahms Sinfonie die Feier für einige Minuten aus der etwas zwiespältigen Beleuchtung herausgehoben. Die Feier schloß mit dem Abfingen des Deutschlandliedes, in das sich plötzlich laut der Ruf Freiheit!" mischte. Als der Reichspräsident mit seinen Begleitern sich durch das dichte Spalier von Festteilnehmern, die sich in der Kuppelhalle des Reichstages aufgestellt hatten, zum Tor nach dem Platz der Republik begab, ertönten wieder träftige Freiheit Rufe, die feinem Anwesenden entgehen fonnten. Auch beim Erscheinen des Reichspräsidenten auf der Freitreppe brachte eine starte Gruppe auf dem menschenerfüllten Platz ein fräftiges dreifaches Frei= heit auf die Reichsverfassung und die Republik. So wurde das, was in der offiziellen Feier versäumt worden ist, vom freien Bolt auf freiem Grund nachgetragen! Vor dem Reichstag. Schon in den Vormittagsstunden hat sich auf dem Platz der Republik eine große Menge Schaulustiger angesammelt, doch ist die Anteilnahme der Bevölkerung merklich geringer als in den Vorjahren. Das Polizeiaufgebot ist sehr groß. Während die Feier im Innern des Reichstages stattfindet, konzertiert draußen eine Kapelle der Reichswehr. Reichspräsident von Hindenburg schritt nach Schluß der offiziellen Feier traditionsgemäß die Ehrentompagnie der Reichswehr ab. Er war bei seiner Anfahrt und Abfahrt Gegenstand freundlicher Begrüßung. Bei der Abfahrt des Reichspräsidenten ertönten laute, immer wiederholte und von einem großen Teil der Erschienenen begeistert aufgenommene Freiheit!" Rufe. * Auf dem Gebäude des Preußischen Landtages sieht man am heutigen Verfassungstag neben der schwarzweißen Flagge Preußens auch die schwarzrotgoldene Fahne der Deutschen Republik. Die Sowjetbotschaft Unter den Linden ist anläßlich des deutschen Verfassungstages mit der roten Fahne Sowjetrußlands mit Hammer und Sichel geflaggt. Ein Schild am Tor verkündet: ,, Anläßlich des Staatsfeiertages Kanzleien geschlossen." Berlin unter Schwarz- Rot- Gold. Die Stadt im Zeichen des Verfassungstages. Wie an jedem Verfassungstag, so zeigt Berlin auch an diesem 11. August das bunte Bild festlicher Beflaggung. Alle öffentlichen Gebäude haben die Fahnen des Reiches gehißt, von vielen großen Geschäftshäusern weht die schwarzrotgoldene Fahne, und in den Wohnvierteln bezeugen die Republikaner durch das Hissen der Fahne der Republik oder der roten Fahne mit den Freiheitspfeilen ihre Treue zum demokratischen Boltsstaat. Wie stets am Verfassungstag, hat der Magistrat angeordnet, daß die Straßenbahnen, die Autobusse und die Bahnhöfe der Untergrundbahn mit Schwarzroigold und der Berliner Bärenfahne geschmückt wurden, was das Straßenbild ungemein belebt. Auch der Landtag hat Schwarzrotgold geflaggt. Auf dem Platz der Republik wehen von zwei hohen Fahnenmasten die Nationalflagge und die Kriegsflagge der Republik. Besonders belebt wird das Bild vom Regierungsviertel vis zum Reichstag durch die Hoheitszeichen der ausländischen Missionen, die der deutschen Republit ihren Gruß entbieten, man sieht das weiße Kreuz im roten Feld der Schweizerischen Eidgenossenschaft, den Danebrog, die Flagge der Sowjetrepublit, das Sternenbanner, die französische Trifolore und die Fahnen der anderen Staaten. Schwerindustrielle Berfassung? Flick und Thyssen fordern den faschistischen Umbau" der Republik Düffeldorf, 11. August.( Eigenbericht.) Der Arbeitgeberverband für den Bezirk der Nordwest lichen Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller geht in seinem diesjährigen Bericht auf aktuelle wirtschafts- und sozialpolitische Fragen ein. Er wendet sich heftig gegen die bisherige staatliche Lohnpolitik, von der er erflärt, fie sei eine verfehlte Konsumentenpolitik und feine Wirtschaftspolitif gewesen. Der Lohn abbau sei stets von Kosten, Steuerund Sozialabgabenerhöhung begleitet gewesen und gleichzeitig mit ihm sei ein Preisabbau verlangt worden, der die lohnmäßige Selbst fostenentlastung stets wieder um ihre Wirkung gebracht habe. In dem Bericht wird dann weiter ausgeführt, daß nur eine grundlegende Reform helfen könne, eine Reform des Staates und seines Staates und seines Verhältnisses zur Wirtschaft. es Hermann Müller widerstand ihnen magen es die Banfrotteure Forderungen aufzustellen und Abrech=" nung zu halten. Niemand mehr als die Schwerindustriellen ist schuld an der verhängnisvollen Politik des staatlichen Lohnabbaues. Im Mai 1930 wurde diese Politik auf Verlangen der nordwestlichen Gruppe mit einer Lohnsenkung von 71% Proz. eingeleitet. Dieses Zurückweichen des damaligen Reichsarbeitsminister Stegerwald vor den Flick und Thyssen war der Anfang des staatlichen Lohnabbaues. Er sollte, so behaupteten die Schwerindustriellen, die Arbeitslosigkeit durch Mehreinstellung von Arbeitslosen beseitigen. Mitte Mai 1930 betrug die Zahl der eingetragenen Arbeitsuchenden rund drei Millionen Mitte Mai 1932 betrug jie 5 800 000. Nahezu Es fäme vor allem darauf an, die Wirtschaft in verlorenge drei Millionen Arbeitslose mehr, eine Verdoppelung seit dem gangene Funktionen wieder einzusetzen, Unternehmerfreiheit und Zurückweichen der amtlichen Lohnpolitik vor den HinterUnternehmerverantwortung, die wirtschaftliche und soziale Funktion männern Hitlers, das ist das Ergebnis der Politik der Schwerder Wirtschaft wiederherzustellen. Das sei möglich durch zu industriellen- von dem Zusammenbruch der Wirtschaft nicht lassung freier Lohnfindung im Wege eines Spiei erst zu reden. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! raumes innerhalb der laufenden Tarifperträge, Die Folgen auf die öffentlichen Finanzen waren nicht deren Einzelarbeitsverträge einen bestimmten erheblichen minder fatastrophal. Die Ausgaben für WohlfahrtsunterHundertsatz zu unterschreiten gestatten müßten. Eine Neuftügung, für Unterstügung der Erwerbslosen stiegen unheimgestaltung im großen, Umbau staatszentralistischer Einrich lich, die Steuereinnahmen gingen zurüd. Aus staatlichen tungen zu Selbstverwaltungseinrichtungen des staat Mitteln mußten die bankrotten Privatunternehmen immer lichen Zwangsrechts zu echtem staatlichem Aufsichtsrecht, der Gewieder gestüzt werden. Nach diesem totalen und beispiellofen wertschaften zu berufsständischen Arbeiterver Zusammenbruch wagen es diese Bankrotteure noch immer als tretungen, der Tarifverträge zu Tarifgemeinschaften im Fordernde aufzutreten und die ,, Reform des Staates" Rahmen berufsständischer Gemeinschaftsarbeit im Sinne des Faschismus zu verlangen. Dieselben Herrkönne dann dem Fortgang der staatspolitischen Entwicklung über- schaften, die den Einzelunternehmer ausgeschaltet und jeden lassen bleiben. Zu den Fragen der Sozialversicherungs- Außenseiter brutal niederkonkurriert haben, verlangen jetzt reform und der Arbeitsbeschaffung erklärt der Bericht, bei der Unternehmerfreiheit". Arbeitsbeschaffung fäme es grundsäglich darauf an, die Wirtschaft durch Selbst kosten entlastung in den Stand zu setzen, die Arbeit in möglichst breitem Umfange wieder aufzunehmen und das Arbeitslosenheer allmählich wieder aufzusaugen. Zwischen Produt tions- und Konsumentenpolitit gäbe es feinen Kompromis. Die Ansprüche des heutigen kollektivistischen Staates würden fast ganz auf den Schultern der breiten Masse des Boltes lasten und fönnten sie hier auch nicht in der Gestalt von Steuern eingetrieben werden, so träfen fie doch, indem sie eben aus der Wirtschaftssubſtanz entnommen würden, die Ernährung und Eristenzgrundlage der Masse, wie sich an dem Stand der Arbeitslosigkeit zeige. Die Schwerindustriellen, die Hitler finanziert haben, melden jetzt zum Verfassungstag ihre Forderungen an. Flick und seine Kollegen der nordwestlichen Gruppe der Etsen- und Stahlindustriellen sind bankerott. Als Wirtschaftsführer und als Unternehmer haben sie ihre totale Un fähigkeit bewiesen. Nun hoffen sie, sich durch die Politik wieder gesund zu machen. Mit dem unübertreffbaren Ausmaß von Anmaßung, das sie immer ausgezeichnet hat und mit dem sie bisher die Deffentlichkeit und die bürgerlichen Regierungen geblufft und eingeschüchtert haben nur die Regierung " Diese Freiheit ist die Knechtung der Arbeiterklasse. Die laufenden Tarifverträge sollen prattisch außer Kraft gesetzt und der freien Lohnfindung", dem Lohn drud ein Spielraum" gelassen werden. Es gibt also noch Unternehmungen, die noch nicht bankrott sind und schleunigst pleite gemacht werden sollen. " Die Gewerkschaften sind zu beseitigen. An ihre Stelle sollen ,, berufsständische Arbeitervertretungen" nach faschistischem Muster treten. Damit fiele das gesamte Koalitionsrecht. Die Sozialversicherung ist zu beseitigen. Diese Erfüllung des nationalsozialistischen Programms soll auch wie der bankrotte Lohnabbau zur Selbstkostenentlastung führen, damit mehr Arbeitslose eingestellt werden fönnen. Dasselbe Lied wie im Mai 1930. Die Verdoppelung des Arbeitslosenheeres ist der Erfolg dieser Selbstkostenentlastung. Also zwölf millionen Arbeitslose? Und was geschieht mit den Arbeitslosen, Kranken, Alten, Witwen und Waisen, den Unfallverlegten und Kriegsbeschä digten? Will man sie, wie verschiedene nationalsozialistische Schriftsteller fordern, als überflüssigen Ballast auf medizinischem" Wege beseitigen? Spanische Republik außer Gefahr Der Monarchistenaufstand auch in Sevilla zusammengebrochen Madrid, 11. Auguft.( Eigenbericht.) Der monarchistische Putsch gegen die Republik, der am Mittwochmorgen in Madrid ausbrach, griff später auf Sevilla über. In Madrid wurden die Putschiften innerhalb furzer Zeit hinter Schloß und Riegel gefeht. Die Ruhe ist hier völlig wiederhergestellt. Jn Sevilla ist die spanische Regierung nun ebenfalls Herr der die Sachlage zum erstenmal ernsthaft geprüft. Die Meldung habet fich als richtig herausgestellt. Fast sämtliche rebellierenden Offiziere feien Leute, die aus dem Heere ausgeschieden und mit vollem Gehalt pensioniert worden seien. Gegen die Aufrührer in Sevilla werde die Regierung auch die Marine und Fliegertruppen einfegen. Die Geduld und Güte der Regierung habe nunmehr ein Ende. Man werde mit aller Schärfe, wenn auch innerhalb der Lage. Die Aufständischen haben sich nach dem Einmarsch der Regie- Grenzen der Gesetze, vorgehen. rungstruppen bedingungslos ergeben. Der Drahtzieher, General Sanjurjo, ist geflohen. Man nimmt an, daß er bereits portugiesischen Boden erreicht hat. Der Zusamenbruch der Putschbewegung ist vor allem auch auf den Widerstand der Gewerkschaften zurückzuführen, die soweit Sevilla in Frage fommt noch am Mittwochnachmittag den Generalstreit erklärten. Die Regierung hat angeordnet, daß die maßgebenden Führer der Putschbewegung fofort durch Standgerichte abgeurteilt werden. Der Butschversuch stand in der Mittwochsizung des Parlaments im Vordergrund der Debatte. Ministerpräsident Az a na gab den Abgeordneten eine genaue Darstellung über die Vorfälle. Er stellte fest, daß die Regierung von der Borbereitung des Komplotts seit Wochen gewußt habe, jedoch mit voller Absicht nichts unternommen hätte. Erst als in der Nacht zum Mittwoch die Meldung eingetroffen sei, daß die Putschisten unmittelbar losschlagen würden, habe man Preußische Koalitionsgespräche. Eine Einladung des Zentrums. Telunion meldet: Die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtags hat für Sonnabendvormittag die Nationalsozialisten und die Deutschnationalen zu einer Besprechung eingeladen. Gegenstand der Beratung soll die Wahl des Ministerpräsi denten in Preußen und die damit zusammenhängende Bildung einer Regierung in Preußen sein. Der Berliner Konsum. Kein Anlaß zur Beunruhigung der Sparer. Als Folge der verworrenen politischen Verhältnisse und der Zahlungseinstellung des Berliner Beamtenwirtschaftsver eins ist eine neue Welle der Beunruhigung bei den Sparern entstanden, die infolge schiefer Darstellungen in der Presse zu über stürzten Abhebungen der Sparer des Berliner Konsumvereins führte. Die Lage des Berliner Konsumvereins ist durchaus ge= fund, er hat aus eigener Kraft der Genossenschaftsbewegung feit einem Jahr enorme Auszahlungen geleistet. Ueberdies find im RonDie Abgeordneten brachten der Regierung eine große Ovation dar. Besonders wurde auch der Polizeipräsident von Madrid ges feiert, der sich am Mittwochmorgen mit der Waffe in der Hand gegen die Putschisten gestellt hatte. Alfons will von nichts wiffen. Paris, 11. August.( Eigenbericht.) Angesichts der verunglückten Militärrevolte in Spanien halten es die nach Frankreich geflüchteten Monarchisten für angebracht, den ehemaligen König von aller Schuld an den Ereignissen reinzuwaschen. Aus Kreisen der spanischen Emigranten wird ein Kommuniqué veröffentlicht, worin erklärt wird, daß Alfons XIII. an der Militärrevolte feinen Anteil gehabt habe. Er meile zur Zeit überhaupt nicht in Frankreich, sondern sei in der Tschechoslowakei zum Besuch der Prinzessin Battenberg. Nur die Erfönigin sei noch in Fontainebleau. Aber auch sie weigere fich, auch nur ein Wort über die Ereignisse in Spanien zu äußern. sumverein Berlin von dem genossenschaftlichen Zentralinstitut, der Preußenkaffe, für den gleichen 3med neue Mittel zur Verfügung gestellt worden. Zu einer Beunruhigung der Sparer besteht also feinerlei Anlaß. Straßenbahnschaffner beraubt! Frecher Ueberfall in Charlottenburg. Unweit des Straßenbahnhofes in der KöniginElisabeth- Straße in Charlottenburg wurde in den Nachtftunden auf den 41 Jahre alten Straßenbahnschaffner Wilhelm Poch aus der Soorstraße ein verwegener Raubüberfall verübt. Boch stand auf dem Anhängewagen eines Straßenbahnzuges der Linie 75. Die Straßenbahn war gerede im Begriff, ins Depot zu fahren, als auf den Hinterperron des Anhängers ein Mann sprang und den Schaffner mit einem stumpfen Gegenstand mehrere wuchtige hiebe über den Kopf versezte. Der Straßenbahnschaffner brach bewußtlos zusammen. Der Täter riß die Geldtasche des Schaffners auf und raubte etwa 50 M. Mit der Beute suchte der Wegelagerer das Weite. Der Ueberfall wurde erst entdeckt, als die Straßenbahn im Depot rangierte. Kollegen fanden den noch immer bewußtlosen Boch auf und brachten ihn wieder zu sich. Bon dem Räuber fehlt bisher jede Spur. Antwort an den„Angriff" Von August Scholtis Die Schupo im Lustgarten. Der Platz reich geschmückt- Ansprache Melchers. Die Berliner Polizei veransiallele ihre Derfassungsfeier krodiiionsgemöh um 9H Uhr im Cuffgarfen. Don dem Balkon des Schlosses hingen grosze Adlersahnen in den schwarzrotgoldenen Zarben des Reiches und preujzens herab, den gleichen Schmuck wies die Schloßrampe auf, die mit Grün und Zahnendraperien versehen war. Auch die großen Kandelaber im Lustgarten waren mit Grün umkränzt und beflaggt. Vor der Schioßrampe hatte eine mit den Zarben Schwarz-Rok-Gold umkleidete Rednertribüne Ausstellung gesunden, über der an einer Girlande der Polizei st ern hing. Ulit der Ironl zum Schloß hatten die vom Dienst abkömmlichen Beamten der Schuhpolizei in einem großen Karree Aufstellung ge- nommen. linier den Älängen der Schupokapelle marschierte dann mit ge- schulterten Karabinern eine Standartenbereitschast mit der P o l i z e i st a» d a r t e aus, die Polizeipräsident Albert Grzesinski der Berliner Schutzpolizei gestiftet Hot und die da- durch besondere Weihe erhalten hat, daß sie offiziell zum ersten Male bei der Trauerseier der erschossenen Beamten Anlauf und Lenk geführt worden ist. Die Standarte trägt die Farben der Republik und Preußens mit dem Polizeistern. Dann nahm der kommissarische Polizeipräsident von Berlin Dr. Welcher das Wort zu seiner Festansprache. Die Berliner Polizei, so führte er aus, blickt auf schwere Monate zurück. Eine Xilienlhal SItrenmal in£idiierfelde Osl ton dein Jtügel au« unternahm der 3lugplonler gellte SlUge Millionenstadt, wie Berlin, die Hauptstadt eines verarmten, hart ringenden Reiches, wird von den Erschütterungen, die die Wirt» schaftskrise hervorruft, ganz besonders getroffen. Und der Polizei- beamte, der in seinem verantwortungsvollen Dienst täglich und stündlich die Stimmung der Bevölkerung Miterlebt, spürt schnell, wenn breite Massen in Rot sind. Die Berliner Polizei hat inmitten aller Erregung, aller Verwirrung ihren Mann gestanden. Sie hat insbesondere im letzten schweren Wahlkampf musterhaft Ordnung gehalten und die Wahrnehmung der staatsbürgerlichen Rechte ohne Ansehen der Person und Partei gesichert. Sie wird sich auch weiterhin in die Pa rteipolitik nicht hineinziehen lassen, sondern stets beherzigen, daß über dein Gegeneinander der Parteien ein Größeres steht, eins, das uns alle bindet: der Staat, das Vaterland. In diesem Dienst arbeiten wir für unser Volk— das ist es, was unsere Arbeit groß, unsere Aufgabe schön macht. In dieser Gesinnung begehen wir auch den Tag der Verfassung. Treu gegenüber der gesamten Nation, deren Leben jeder von uns an feinem Platze zu schützen hat, so wollen wir handeln." Polizei- Präsident Welcher schloß seine Rede mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland und das deutsche Volk, in das die Versammelten einstimmten. Nach dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes erfolgte dann der V o r b e i m a r s ch der Bereitschaften der Schutzpolizei, an dem sich zwei berittene Abteilungen, mehrere tausend Beamte zu Fuß und schließlich die Polizeihundführer mit ihren Tieren be- teiligten. Nach dem Vorbeimarsch zogen die Abteilungen ün ihre Unterkünfte ab.» Haag gibt Litauen recht. In den Hauptpunkten der Memel-Klage. Der Ständige Znlcrnationale Gerichlshos hat am Donnerstag- vormittag seine Entscheidung in der M e m e l k l a g e bekannt- gegeben, die in den hauptsächlichsten punkten zu- gunsten Litauens ausgefallen ist. Mit zehn gegen fünf Stimmen hat der Gerichtshof entschieden. daß 1. der Gouverneur des Memelgebietes das Recht hat. den präsideipen des Direktoriums in besonderen Zöllen abzusehen: 2. daß die Absetzung des Präsidenten des Direktoriums nicht die Außerkraftsetzung der Zunktionen der übrigen Mitglieder des Direktoriums in sich schließt: Z. daß die Absehung Böttchers ordnungsgemäß ist. Ferner hat der Gerichtshof festgestellt, daß die Zusommeniehung des Direktoriums Simeitis ordnungs- gemäß war, daß aber die Auflösung des Memelländischen Landlages am ZZ. Mär; ISZZ nicht ordnungsgemäß ge- wesen ist.___ Kohahns Begräbnis. Ungeheuere Anteilnahme der Bevölkerung. Königsberg. 11 August.(Eigenbericht.) 3n Lätzen sand am Mittwoch unter ungeheurer Anteil- n o h m e der Bevölkerung die Beisetzung des von Nationalsozialisten ermordeten Reichsbancrsührers K o tz a h n statt. 3m Trauerzug gingen etwa 2öl)!) Menschen mit, die Straßen waren von dichten Menschenmengen umsäumt. Zu Zuß und auf Fahrzeugen waren Republikaner und engere Kameraden des Er- mordelen aus der Umgebung herbeigeströmt, viele Landleute hotten trotz der dringenden Erntearbeiten einen Zußmarsch von 10— IS Kilometer nicht gescheut, um Kohahn die letzte Ehre zu erweisen. Der„Angriff" vom 10. August druckt raffiniert ver- stümmelt einen Teil meiner„Groteske um den ober- schlesifchen Bruderkrieg am Annaberg" ab.(„Vor- wärts" vom 9. August.) Al- zweisprachiger Oberschlesier und aus jenem Gebiet kommend, um das gerade im„Dritten Reich" ernste Auseinandersetzungen mit Polen und Tschechen angekündigt werden, habe ich den Herr- s ch a f t e n im„A n g r i f f" zum wirklichen Studium der O st fragen anzuraten. Ich brauche Oberschlesien nicht zu studieren, denn ich bin ja ein Kind dieses Landes und es sind in oberschlesischen Familien noch weit„d o l l e r e" Szenen in Wirklichkeit passiert als jene, die ich aus rein st em Mitleid mit der mißbrauchten Kre- a t u r aufs Papier brachte.-- Davon weiß natürlich der ahnungslose„Angriff" nichts und will nichts wissen, daß in„OS." zuweilen der„polnisch- gesinnte" Sohn seinen„d e u t s ch g e s i n n t e n" Dater e r- mordete, oder die„p o l n i s ch g e s i n n t e" Frau ihren „M a n n" an die Polen verriet. Jaja, ihr„H e l d e n k i n d e r s ch" im„A n g r i f f", das ist die Kehrseite der Dinge: Das ist Kreatur, an deren In- stinkte ja auch eure krast- und saftlosen Worte gegen mich appellieren!-- Immer e r m u r k st bitte den, der euch etwas an- zuraten hat!— Ich frage Sie folgendes, Herrschaften im„Angriff": 1. Sind wir zweisprachigen Oberschlesier„östliche Unter- menschen"? Wie kann sich die N S D A P.- P r e s s e erdreisten, zu schreiben, im„Dritten Reich" werden die„unzuverlässigen Oberschlesier", diese„östlichen Untermenschen", aus allen Beamtenstellen verdrängt und durch rassereine Deut- (che ersetzt? Sind wir demnach keine Deutschen? Antwort!!— 2. Ist das nicht kompletter Wahnsinn jener Presse, die um das Terrain dieses„östlichen Untermenschen" Kriege führen will? Zeichen der Zeii Deutschland 193 2. Die Telegraphen-Union meldet: Reichspräsident vonHinden- bürg hat der„Deutschen Musik-Premieren-Bühne e. V,", Sitz Dresden, für den am 2. September im Konzertsaal des Städtischen Ausstellungspalastes Dresden stattfindenden Marschwettbewerb„Wir marschieren" als Anerkennung für den 1. Preis- träger sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift zur Verfügung gestellt. An sämtliche Musikmeister und Musikkorps der Reichswehr hat ferner der Heeresmusikinspizient Schmidt die Aufforderung ge- richtet, an dem Marschwettbewerb der„Deutschen Musik-Premieren- Bühne e. V." teilzunehmen Die Leitung der„Deutschen Musik- Premieren-Bühne e. D." gibt bekannt, daß im Sinne ihrer Be- strebungen zur Bekämpfung der deutschen Musitkrise sich jeder deutsch st ämmige Komponist an dem Marschwelt- bewerb sowie an den weiter vörgestchenen Uraufführungsabenden auf allen Gebieten der Musik beteiligen kann. Bedingungen für die Teilnahme sowie Auskünfte über dos Programm der„Deutschen Musik-Premieren-Bühne e. P." erteilt deren Geschäftsstelle bzw. die künstlerische Leitung in Dresden... In Frankreich. Unter dem Protektorat führender Komponisten wie Richard Strauß, Strauinski, Ravel, Dukas und Darius Milhaud ist in Paris eine Gesellschaft für neue Musik ins Leben ge- rufen worden. Diese Gesellschaft sieht ihre Aufgabe darin, moderne Kammermusik zu pflegen und vor allem für die Ausführung in großen öffentlichen und internationalen Konzerten zu sorgen. Um eine Sammelstätte für alle Forschungsergebnisse über die französische Revolution, seien sie politischer, Wirtschaft- licher, soziologischer, kultureller oder künstlerischer Art, zu schassen, ist der philologischen Fakultät an der Pariser Sorbonne ein Studien- Zentrum für die französische Revolution angegliedert worden. Der kürzlich verstorbene bekannte französische Historiker M a t h i e z ist der Vater dieser Gründung. Es lebe die Autarkie! In Belgrad wurde am Mittwoch der Kongreß der Licht- fpielhausbesitzer eröffnet, der die Aufgabe hat, zur der- zeitigen Lage auf dem Fllmmarkt Stellung zu nehmen. Da seit 3. März in S ü d s l a w i e n infolge der Zollerhöhung auf Filme und infolge der Devisenbestimmungen kein einziger ausländischer Film mehr eingeführt worden ist, sehen sich die Lichtspielbesitzer vor die Notwendigkeit gestellt, ihre Theater zu schließen. In der Zeit vom 3. März bis heute hatten sie bereits gelaufene Filme, die sich schon im Inland be- fanden, immer und immer wieder abrollen lassen. Allein in der letzten Zeit war der Besuch der Lichtspiel- theater so sehr zurückgegangen, daß eine Fortsetzung dieser Methode unzweckmäßig erschien. Die amerikanischen Filmgesellschaften Metro Goldwyn Mayer, Paramount und Fox, die vom Kongreß zur Teilnahme an den Beratungen eingeladen waren, hatten die Einladung abgelehnt und mitgeteilt, daß sie unwiderruflich beschlossen hätten, ihre Vertretungen in Südslawien aufzulösen. In der Mittwochsitzung des Kongresses wandten sich die Redner gegen die Absicht der Regierung, die Filmerzeugung in Südslawien zu monopolisieren. Sie unterzogen die bisher gedrehten amtlichen Filme einer äußerst abfälligen Kritik... Staatliche Lehrmittelbeschasfung in Zinnland. Der sinnische Reichstag hat jetzt mit erheblicher Mehrheit ein Gesetz angenommen, wonach der Staat die Kosten für Lehrmittel und Bücher an alle Bolksschüler tragen soll. Den Staatsfinanzen wird dadurch eine weitere Last von etwa 6,S Millionen Finnenmark auferlegt. Tie neue Spielzeit der Bolksbühue E. V. beginnt'Ansang September mit einer Vorstellung der Staatsoper Unter den Linden, in der Verdis „Rigolctto" zur Aufsübrung gelangt. Am 12. September beginnt dann das Tbcaler am Bülowplatz seine Vorstellungen, und zwar mit einer Ein- studierung von Äogols„Revisor" in der Regie von Heinz Hilpert.?ln- Meldungen zur Volksbühne E. V. kjeder Vorslellungsbefuch kostet im Schon spiel l.50 Mark, in der Oper 2,50 Mark bei Auslosung der Plähe) werden iederzeit durch die Gesckiäftsstellc der Volksbühne E. V., C 25, Linienstr. 227, Fernsprecher: D 1 Norden 2944, entgegengenommen. Die Kamera, Unter den Linden 14, zeigt ab Freitag bis einschließlich Dienstag„M" von Fritz Lang, ab Mittwoch, 17. August, in Neuaussiihrung „Der große Gabbo" mit Erich von Siroheim. Ist das nicht ein Doppelspiel? 3. Weiß der„Schmiere r" dieses Ergusses über mich(ich rede nur in seinem Jargon), wo der Annaberg überhaupt liegt und was, rein menschlich genommen, für eine schamlose Tra- gödie sich in„OS." abspielte? 4. Hat dieser„L e r st ü m m l e r" meiner Groteske überhaupt schon einen waschechten Oberschlesier jemals gesehen? 5. Im Namen aller zweisprachigen Oberschlesier verbitte ich mir hiermit, daß man uns in der Nazipresse als„öst- liche Untermenschen" bezeichnet. 3. Will sich der„Angriff" im Interesse seiner ideal- erfüllten Anhänger dazu äußern, ob der„Herzog von R a- t i b o r", dieser westliche Obermensch, der kürzlich beim Verschieben von Bargeld an der Schweizer Grenze erwischt wurde, Nazi- Mitglied sein darf, das er nach wie vor ist? 7. Wie steht der„Angriff" zu jener„O b e r g l o g a u e r Konferenz" der oberschlefischen Industriellen im Dezember 1929, wonach der Generaldirektor des Kaiserfreundes und Nazigrafen „T i e l e- W i n t l e r" eine Resolution verfaßte, zu fordern, daß, wenn Oberschlesien rechts der Oder an Polen fällt, Oberschlesien links der Oder gleichfalls an Polen fallen müsse!—? 8. Wie kommt es, daß derselbe Generaldirektor des Grafen Tiele-Winkler, nachdem ihn Graf Tiele-Winkler daraufhin wegen des Pressegeschreis fristlos entließ, heute noch Generaldirektor der polnisch gewordenen Besitztümer desselben Grafen ist? 9. Sind durch diese unwiderlegten Tatsachen die„A n n a b e r g- k ä m p f e r" nichi bestialischer verraten worden, als durch meine Groteske, deren Wahrheitsgehalt von mir bewiesen werden kann? 19. Ist der„Angriss" bereit, meine Groteske unver- stümmelt seinen Lesern vorzulegen? 11. Das Honorar in Höhe von 59 Mark für den unberechtigten Teilabdruck meiner Arbeit ersuche ich an den„Fonds der„S A.- Blinden" abzuführen. „Wolkenstürmer" im Capitol. Als erstes Theater des in Schwierigkeiten befindlichen Emelka- Konzerns rettete sich das Eapitol in ein eigenes neues Leben. Das begann es mit einer Festvorstellung im Beisein der Fliegerinnen Elli Beinhorn und Marga v. E tz d o r f f, die ein paar freundliche Worte sprachen. Dann sah man den gegenwärtig größten ameri- kanischen Fliegerfilm. Er ist ein bitteres Dokument der Menschheits- geschichte. Großzügig hat sich die amerikanische Marine dem Film zur Verfügung gestellt. Das tun die verantwortlichen Leiter aus mnerpolitischen Gründen gerne, machen sie doch so gleichzeitig Pro- paganda für die Bewilligung des Marineetats und die Rekruten- Werbung. Was wir zu sehen bekommen ist ungeheuer. Da macht ein ganze« Geschwader Sturzflüge, die vor gar nicht langer Zeit nur die tollkühnsten Flugzeugakrobaten wagten. Wir sehen ein Flug- zeugmutterschiff, auf dem mit mathematischer Genauigkeit auf fast unglaublich kleiner Fläche Flugzeug nach Flugzeug landet. Mit einem Fahrstuhl werden die Flugzeuge heruntergelassen und da« ganze Schiff wird von der Wasserlinie bis zum Deck mit Flugzeugen voll- gestopft. Selbst Luftschiffe machen auf dem Mutterschiff fest... Wunder der Technik, erfüllte Wunschträume des Menschen als Werk- zeuge der völkermordenden Kriegsfurie... Aber man muß für den Spielfilm eins Handlung haben und darum ge«it wegen zweier Liebesgeschichten das feste Gesüge der amerikanischen Marine ins Schwanken. Zum Schluß ein wohl- gelungenes Loblied auf den braven Mann, der sein Leben läßt für seine Kameradon. Diese Hauptrolle des Unteroffiziers spielt Wallace Beery sehr stark. Die Gefahr liegt darin, daß dieser einmalige Mensch als Typ des Unteroffiziers schlechthin erscheinen kann. Der Hauptdarsteller lzat in Clark Gable, Conrad Nagel und Mariane R a m b e a u hervorragende Mitspieler. Der Regisseur George Hill ist der echte amerikanische Schaumann ins Filmische übersetzt._ e. b. Schiller vorm Mikrophon. Da in Schillers Spätwerken der Mensch hinter der Handlung verschwindet, kommen sie einer Aufführung als Hörspiel, für das ja die Meirschengestaltung eine schwierige Klippe ist, entgegen. Die M ü n ch e n e r Sendung von„M a r i a Stuart" bewies das. Hier sind die wesentlichsten Teile der Handlung nicht sichtbar, sondern gedanklich geformt. So reizvoll, wie die Worte des jungen Mortrmer und des alten Shresbury Maria Stuart zeigen, kann keine Bühne sie hinstellen: so dramatisch wie es im Wortgefecht geschieht, kann keine Schaubühne die Begegnung der beiden Königinnen malen: so erschütternd, wie es der Monolog des Grafen Leceifter in der Todesszene tut, kann keine Aufführung die Hinrichtung Maria Stuarts miterleben lassen. Immer stellt sich bei dem sichtbaren Bild der packenden Einheit des Wortes die ablenkende Unzulänglichkeit einer PseudoWirklichkeit entgegen, die bei der Gestaltung der„Maria Stuart" als Hörspiel entfällt. Darin lag die starke Wirkung der Münchener Sendung. Die meisten Elisabeth-Szenen wirkten da- gegen schwächer als auf der Bühne, da Schiller ihre Gestalt mensch- lich zu erklären versucht. Die vortrefflich gesprochene Münchener Aufführung hätte nur mit musikalischem Beiwerk etwas sparsamer sein dürfen.— lz. „Hilfspolizei" raubt„Vorwarts"-Nummern. Ueberfall auf einen Ausiräger� In einer der letzten Nächte wurde der Zeitungsbote des„Bor- wärts" in der Carmen-Sylva-Straßc von einer Naziübermacht überfallen und seiner Zeitungen beraubt. Der Ucberfallene gibt uns darüber folgenden Bericht: Ich war auf dem Wege von der Ausgabestelle zu meiner Tour, plötzlich stand ich an der Naugarder Str. Ecke Carmen-Sylva-Str. vier Nationalsozialisten gegenüber, die mich vollständig einkreisten. Die Burschen waren olle angetrunken und hatten Räder bei sich. Einer von den vieren fragte danach, was ich für eine Zeitung hätte. In dem Moment riß er sie mir aber schon aus der Hand und sah den„Vorwärts"-Kopf, was seine ganze Wut erregte. Die Burschen zerrissen dann die Zeitungen und verstreuten sie auf die Straße. Einer der Strolche fuhr mir, als ich noch zögerte das Weite zu suchen, mit seinem Rad von hinten zwischen die Beine und rief hinterher:„Wenn du nach Hause kommst, dann sagst du, die H i l f s p o l i z e i hat die Zeitung beschlagnahmt." Ich bemerke noch, daß der Lorsall vor dem berüchtigten Nazilokal Kusche, Naugarder Ecke Carmen-Sylva-Str. geschah. Die Säulen berften. ,, Alles für uns, nichts für das Gemeinwohl!" Wiederum find in Württemberg zwei Säulen der nationalsozialistischen Bewegung geborsten. In Ludwigsburg ist es ein früherer Chemiker, der sich später als Ingenieur ausgab, namens Glein. Er wurde in Ludwigsburg Ortsgruppen- und Bezirksleiter, Stadtrat, Fraktionsleiter und Landtagskandidat seiner Partei. Gegen die angebliche Korruption in der Stadtverwaltung wurde er aufs Rathaus gewählt. Kaum gehörte dreiviertel Jahren auf Betreiben seiner Parteifreunde zum Bürgermeister gewählten 3izmann. Dieser hat während seiner Amtstätigkeit erhebliche Beträge anstatt in die Gemeindekasse in seine eigene Tasche fließen lassen. Es soll sich um eine Summe von 4000 Mark handeln. Die Folge war, daß sich die Kriminalpolizei der Sache annahm und den Nazi- Bürgermeister vernahm. Das Ergebnis dieser Untersuchung muß für Zigmann sehr belastend gewesen sein, denn seit seiner polizeilichen Vernehmung ist dieser würdige Bürgermeister spurlos verschwunden! Glein dem Stadtrat an, als er ein sehr verdächtiges Inter Sächsisches Volksblatt" erscheint wieder esse für die Lieferungen befundete, die die Stadt und die Amtskörperschaften Ludwigsburgs zu vergeben hatten. Glein genügte es aber nicht, möglichst viele Aufträge auf dem gesetzlich einwandfreien Wege zu erhalten. Er brachte es fertig, einen der Nationalsozialistischen Partei angehörenden Beamten, den Direktor des Städtischen Gaswerkes, zu bestimmen, ihm eine Lieferung zu übertragen, die vom Gemeinderat durch förmlichen Beschluß, an dem Glein als Stadtrat mitgewirkt hatte, bereits einer anderen Firma zuerteilt worden war. " 1 Als die in Ludwigsburg erscheinende sozialdemokratische ,, Nedar Post" furz vor der Reichstagswahl diesen Skandal aufdeckte, ließen Glein und seine Partei ein Flugblatt verbreiten, in dem unter den müſtesten Schimpfereien die Behauptungen der NeckarPost" als ,, ungeheuerliche Wahllüge" bezeichnet und mit dem Staatsanwalt gedroht wurde. Nach der Reichstagswahl wurde Glein sehr fleinlaut. Jetzt hat das Ludwigsburger Bürgermeisteramt bekannt gegeben, daß Glein sang- und klanglos fein Stadtratmandat niedergelegt habe. Den Spießern der Stadt Ludwigsburg, die Herrn Glein als politische Größe angestaunt haben, dämmert es nun langsam. Sächsisches Innenminifterium gibt der Beschwerde statt. Zmidau, 11. August. Das Verbot des sozialdemokratischen Sächsischen Volksblattes" in Zwickau, das auf 5 Tage ausgesprochen worden war, ist, wie wir erfahren, auf Grund einer Beschwerde vom sächsischen Ministerium des Innern am Dienstagnachmittag mit fofortiger Wirkung aufgehoben worden. auf Vater und Mutter schießen." Ein 16jähriger Nazi schießt seine Großmutter nieder. Hannover, 11. Auguff.( Eigenbericht.) Aus Northeim wird dem sozialdemokratischen„ Volkswille" gemeldet, daß dort ein bei der nationalsozialistischen Zeitung beschäftigter Bürolehrling von 16 Jahren, der Mitglied der HitlerJugend ift, seiner Großmutter mit einem Terzerol eine Kugel in die Schläfe gejagt hat. Die alte Frau wurde schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht. Man hofft, sie retten zu können. Der Der zweite Fall betrifft den in Maichingen bei Böblingen vor| jugendliche Mordgeselle wurde dem Gerichtsgefängnis zugeführt. + Ueber die Ursache der Tat, die mit voller Ueberlegung ausgeführt wurde, wird mitgeteilt, daß der Hitler- Jüngling es auf mehrere hundert Mark Spargeld seiner Großmutter abgesehen hatte. Er wollte mit dem Geld nach Hamburg. Als er das Geld nicht bekam, schoß er seine Großmutter nieder. Ein famoses Produkt der nationalsozialistischen Erziehung in der Hitler- Jugend. Rot- Frontfämpfer: Büro ausgehoben. Zahlreiches Material beschlagnahmt. Hamburg, 11. Auguft. Wie die Polizeibehörde mitteilt, wurde gestern in einem Hinterhaus der Brüderstraße in dem Gängeviertel, in dem am Vormittag die Razzia stattgefunden hatte, das Büro der Gauleitung des verbotenen Rot Frontkämpferbundes entdeckt und ausgehoben. Man beschlagnahmte die gesamte Kassenbuchführung und die Mitgliederfartei, außerdem eine Menge Schriften militärpolitischen hochverräterischen Inhalts, Ausrüstungsgegenstände und Abzeichen des R. F. B. Die Leiter des Büros, die der Polizei bekannt sind, werden im Interesse der Untersuchung nicht genannt. Zusammenstöße nach einer Beerdigung. Im Anschluß an die Beerdigung des nationalsozialistischen Dentisten Krebed fam es in Chemniz mehrfach zu Zusammenstößen zwischen SA-Leuten und Kommunisten. Drei Personen wurden verlegt. Wetter für Berlin. Heiter, trocken und sehr warm. Für Deutschland. Im Südwesten aufkommende Gewitterneigung, im übrigen Reiche beſtändig und sehr warm. verantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Otto Hengst, Berlin. Berlag: Vorwärts Berlag 6. m. b. H., Berlin. Deud: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Hierzu 1 Beilage. Geschäfts- Anzeiger Fenster- und Gebäude- ReinigungsGesellschaft m. b. H. Berlin SO36, Schlesische Str.42| Fernruf: F8, Oberbaum 3553-54 Billigste und zuverlässigste Ausführung aller Reinigungsarbeiten Bohner- und Oelmaschinen Staubsauger/ Vertreterbesuch jederzeit unverbindlich W. Ollendorf Obst, Gemüse en gros Dircksenstraße 48-49 Weidendamm D2 6032 Kauft Porzellan im Konsum- Warenhaus Grändorf& Zechendorf Eisenkonstruktion Kleineisenbau Schlosserei Berlin SO 36, Waldemarstraße 43 Malerhütte Berlin G.m.b.H. VORMALS MALEREIGENOSSENSCHAFT GEGRÜNDET 1912 N018, LANDSBERGER ALLEE 38-39 FERNSPR.: E 4 ALEXANDER 5628-30 ALLE MALERARBEITEN MOEBEL- UND AUTOLACKIERUNG Julius Ehl Aufzüge 1254 Greif Camembert GES. GESCH. 1196 die führende Marke Erhältlich in allen Lebensmittel- und Feinkostgeschäften Reparaturen Neulieferungen Paul Mietner Bln.- Wilmersdorf, Tübinger Str. 2/ Tel.: Pfalzburg 1433 Wäsche nach Gewicht Leihwäsche 1260 Dampfwäscherei Merkur, Berlin O 112 Frankfurter Allee 307 Fernspr.: Andreas 2820 Inh. Aug. Bachmann Mitgl. d. SPD. Eduard Busse G.m.b.H. 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August 1932 Der Abend Spalausgabe des Vorwärts Drohende Kulturreaktion Die Regierung lüftet die Maske Ein Rundschreiben von Gayls verfassung zuwiderlaufen, in der bestimmt ist, daß die Bekenntnis zu erfolgen hat. erfüllen und wenn sie auch daran gewöhnt worden ist, sich in Bucht zulaffung zu den öffentlichen Aemtern unabhängig vom religiöfen fie gelernt hat, fachlich zu arbeiten, flar zu denken, ihre Pflicht zu und Gehorsam den Ordnungen der Erziehungsgemeinschaft einzufügen und sich willig echter Autorität unterzuordnen". Sollten wir uns irren? Nun machen wir die Probe aufs Erempel. Unsere Sammelschulen haben sich erfolgreich bemüht, die Kinder dazu zu erziehen, daß sie sachlich arbeiten, klar denken, ihre Pflicht er= füllen. Die Kinder sind daran gewöhnt, sich echter Autorität unterzuordnen, ihren Platz im Gemeinwesen der Schule auszufüllen und darüber hinaus selbständig in der Organisation der Schulgemeinde zu arbeiten. Ob der Freiherr v. Gayl sich nun schützend vor die Sammelschulen stellt gegen die wütenden Angriffe der Nationalsozialisten, derem Terror sie sich nicht beugen wollen? Der Reichsminister des Innern, Freiherr von Gay1, hat an die Unterrichtsminister aller Länder ein längeres Greiben gerichtet, in dem er seine schulpolitischen Absichten mitteilt. Es scheint der Versuch zu sein, die diktatorische Gewalt des Artikels 48 der Reichsverfassung auf schulischem Gebiet sich auswirken zu lassen. Und da der Reichsinnenminister gleich am Anfang seines Briefes darauf hinweist, daß ,, die Frage des Reichsschulgesetzes, nach wiederholten vergeblichen Versuchen, noch immer der Lösung harrt", wird es bei dieſen literarischem Versuch nicht bleiben. Herr v. Gayl deutet damit vielmehr einschneidende gesetzgeberische Maßnahmen an, die er auch, wenn der Versuch der Lösung der Frage des Reichsschulgesetzes wieder scheitern würde, wahrscheinlich auf dem Wege der Notverord= ständnis für das proletarische Kind und seine Pflege und Erziehung nung durchführen will. Vorläufig will er wohl das Zentrum, die evangelische Orthodopie und die Nationalsozialisten für seinen Reichsschulgesetzvorschlag gewinnen. Deshalb entwirft er in seinem Brief den Plan einer christlichen 3wangsschule mit völki shem Charakter. Nach der Nationalversammlung haben wir schon viele Entwürfe zum Reichsschulgesetz erlebt, aber dieses hier ist der reaktionärste Vorschlag, der je gemacht wurde. Statt einen klaren Aufbau des Schulmesens und eine inhaltliche Zielsetzung zu geben, die dem geschichtlichen Werden des deutschen Volkes gerecht wird, arbeitet das Rundschreiben mit unklaren idealistischen Werten, hinter denen wir die schlimmsten Absichten vermuten müssen, den Terror gegen die fortschrittliche Eltern- und Lehrerschaft. Kein Wort steht in dem Brief von der Einheits- und Gemeinschaftsschule, um die alle wirklichen Erzieher die langen Jahre gekämpft haben, weil nur sie eine Ausbildung unserer Kinder ermöglicht, die jeder Veranlagung gerecht wird, ohne Rücksicht zu nehmen auf den Geldbeutel und die politische Einstellung des Vaters. Und der Aufbau des Staates ist undenkbar, wenn die wertvollen Kräfte aus dem Proletariat nicht durch richtige schulische Pflege zu positiver Mitarbeit ausgebildet und begeistert werden. Aber der freiherrliche Brief scheint nur das christlichnationale Bürgertum zu kennen und hat deshalb deutlich erkennbar die Tendenz gegen den Aufstieg des proletarischen Kindes. am Wir glauben nicht daran; denn dieser Brief zeigt kein Verzu in der öffentlichen Schule. Dieser Brief scheint sich vielmehr völlig nationalsozialistischen Schulprogramm orientieren mit seiner Forderung nach der ständisch gegliederten völkischen Konfessionsschule, die in ihrer dogmenhaften Unduldsamfeit einseitig gegen sozialistische Weltanschauung gerichtet ist und deshalb keinen Platz bietet für den Aufstieg des Arbeiterkindes. Dieter Distel. Ein Eingriff in Preußen Die kommissarische Preußenregierung hat dieser Tage der Evangelischen Landeskirche das Recht der Einsichinahme in den Religionsunterricht der öffentlichen Schulen zugesprochen. Bekanntlich forderte die Kirche vor einiger Zeit nach zwölfjähriger friedlicher Zusammenarbeit mit der Schule das Recht, den Religions unterricht durch eigene Beauftragte zu über machen und bei der Anstellung der staatlichen Schulräte mitzuwirken. Dieses Ansinnen, das den tieferen Sinn hat, das nach der Revolution verloren gegangene kirchliche Aufsichtsrecht über Schule und Lehrer wiederzuerlangen, wurde unter voller Billigung der preußischen Lehrerschaft von dem bisherigen Kultusminister Dr. Grimme zurückgewiesen. Die kirchliche Forderung gründet sich auf einen Ausführungserlaß der alten Preußischen Verfassung von 1850, die jedoch seit 1920 feine Rechtsgültigkeit mehr hat. Eine Mitwirkung der Kirche bei der Anstellung der Schulaufsichtsbeamten würde zudem der Reichs | Trotz dieser Bedenken hat die neue Staatsführung" den Machtansprüchen der Kirche nachgegeben und damit die Gefahr eines neuen Schulkampfes heraufbeschworen, der in einer Zeit des Schulabbaus schwere Folgen haben fann. Schon vor einigen Wochen haben die preußischen Lehrerverbände und die organisierten evangelischen Religionslehrer sich in ihrer Gesamtheit für die Ablehnung der Kirchenforderungen ausgesprochen. Die Lehrerschaft sieht darin eine bedauerliche Mißtrauenstund gebung gegenüber den Religionslehrern und ihrer Arbeit und hat die Kirche wiederholt gewarnt, den mühsam erreichten Frieden zwischen Kirche und Schule zu stören. Wie stark die Abneigung der Lehrerschaft gegen die Wiederkehr der Schulaufsicht durch pädagogisch ungeschulte Geistliche ist, beweist eine Umfrage, die der 70 000 Mitglieder zählende Preußische Lehrerverein vor einiger Zeit in verschiedenen Kreisen an seine Mitglieder stellte. Hiernach waren 80 bis 90 Pro 3. der Lehrer entschlossen, von ihrem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch zu machen und den Religionsunterricht niederzulegen, falls der Kirche das Recht der Beaufsichtigung zugestanden werden sollte. Eine Entscheidung, die verständlich wird, wenn man weiß, wie die Lehrerschaft unter der kirchlichen Aufsicht der Vorkriegszeit um die rein staatliche Schulaufsicht gekämpft hat. Es war die von der Lehrerschaft unvergessene befreiende Tat des ersten sozialdemo= fratischen preußischen Kultusministers, die geistliche Schulaufsicht beseitigt zu haben. Mit dem Erstarken der reaktio= nären Machtgruppen ist in der Kirchenregierung, die dem republikanischen Staat nie freundlich gegenüberstand, das Bestreben ge= wachsen, wieder Einfluß auf die öffentliche Erziehung zu gewinnen. Umgestaltung der Erziehung in firchlichem Sinne fordert Generalsuperintendent Dibelius; und jedem Einsichtigen ist klar, was das bedeutet: unsere neue Erziehung soll den unvermeidlichen Schritt nach rückwärts tun, zu den Methoden einer auf Drill und Prügel gegründeten Autoritätspäda= gogif, mie sie unter der Kirchenaufsicht üblich war. Es ist das fragwürdige Verdienst der neuen Staatsführung, diesen Konflikt zwischen Schule und Kirche in einer Weise entschieden zu haben, die einen neuen Kulturkampf veranlassen muß. Ob damit der Papenschen Staatsraison" und der inneren Befriedung Deutschlands gedient ist, wird man bezweifeln müssen. 0. g. Das Programm der, Nationalen Die nachfolgenden Ausführungen zeigen, wie sehr die pro-| radezu mittelalterlich an. Im nationalsozialistischen„ Kulturstaat" grammatischen Leitsäße von Gayls mit den deutschnationalen und nationalsozialistischen Wünschen übereinstimmen. Jeder könnte damit einverstanden sein, daß„ parteiische Einseitigkeiten in der Personalpolitit, parteipolitisch gefärbte Schulver fuche, Einführung parteiischer Lehrbücher" ausgeschaltet werden müssen. Aber gerade unter der Aera v. Gayl werden tüchtige Schulverwaltungsbeamte und Lehrer abgebaut, nur aus politischen Gründen, um deutschnationalen und nationalsozialistischen Beamte.i Platz zu machen. Die Nationalsozialisten lassen in Braunschweig, Mecklenburg und Anhalt in unverantwortlicher Weise das Parteibuch maßgebend sein; wir brauchen nur an den Abbau sozialistischer und dissidentischer Lehrer bei der Zerschlagung der Sammelschulen in Braunschweig zu erinnern. Wir haben aber noch nicht gehört, daß sich Herr v. Gayl gegen diesen Mißbrauch der Parteigewalt wendet. Vielmehr steht in seinem Der Reichsinnenminister Freiherr von Gayl hat dieser Schreiben:„ Schulen oder Erzieher, die sich dieser deutschen Bil- Tage ein neues Reichsschulgesetz angekündigt, das die dungsaufgabe verfagen, weil sie selbst kein Verständnis zum deut deutsche Jugenderziehung auf neue Grundlagen stellen soll. schen Volkstum haben oder unklaren Wünschen einer in ihrem deut- Wir fönnen uns gut vorstellen, in welcher Art man die öffentliche schen Empfinden getrübten sogenannten„ modernen Ju- Erziehung im neuen Deutschland umstellen wird; denn erst vor gend" nachgeben, sollten im deutschen Bildungswesen keinen einigen Wochen haben die Deutschnationalen und die Raum haben." Was heißt getrübtes deutsches Empfinden? Das Nazis ihre Schulforderungen und Erziehungsprogramme ausführdürfte inhaltlich zutreffen auf Nationalsozialisten, die zum Bürgerlich in Wort und Schrift dargelegt. Und es besteht kein Zweifel krieg hezen. Wir müssen aber annehmen, daß Herr v. Gayl darüber, daß die neue Staatsführung sich in erster Linie nach den diese Kreise nicht meint, sondern alle demokratischen Erzieher, die Forderungen dieser aufbauwilligen Kräfte" richten wird. gemäß der Reichsverfassung den Gedanken der Völkerversöhnung pflegen. Was heißt moderne Jugend"? Soll das ausdrücken, daß an der Schule des Freiherrn v. Gayl kein Plag ist für so zialistische und dissidentische Lehrer? Das Ideal der deutschen Erziehung ist und bleibt die Ge meinschaftsschule, in der konfessionelle Streitigkeiten und firchliche Unduldsamkeit keine Stätte haben. Wir leben in einem weltlichen Staat, also muß auch die deutsche Gemeinschaftsschule eine weltliche Grundlage haben. Herr v. Gayl hält es aber „ stets für seine besondere Pflicht, das Recht und die freie Entfaltung der christlichen Schule und die christliche Grundlage aller Erziehung zu sichern und zu schützen." Weiß der Herr Innenminister nicht, daß es in dem von ihm geleiteten Staat Millionen von Freidenkern gibt, daß daneben Millionen von Eltern die Kirchenschule ablehnen, daß Hunderttausende von Kindern vom Religionsunterricht abgemeldet sind? Will er das Recht dieser Eltern, Lehrer und Kinder mit Füßen treten und sie dem Büttel der diktatorischen Gewalt zur Gesinnungsheuchelei zwingen? Nun, jeder Politiker weiß, was dabei herauskommt. Wer Wind jät, wird Sturm ernten! Der Deutsch nationale Lehrerbund veröffentlicht in der„ Nationalen Erziehung" die deutschnationalen Schulforderungen für die künftige Arbeit in Preußen". Da heißt es u. a.:„ Die Schularbeit wird politische Willensforderung, gerichtet auf die Entfaltung und Förderung der Volkheit. Die Kriegs schuldfrage, der Kriegsverlauf, das Heldentum im Kriege, die Revolution im November 1918, der Verjailler Vertrag, die Frage der Kolonien sind für die deutsche Schule nicht Probleme; die Behandlung dieser Fragen hat das Wollen der jungen Deutschen zielbewußt auf die Behaup= tung staatlicher und völkischer Freiheit zu lenken. Die staatsbürgerliche Erziehung findet ihr ehernes Gesetz in der wehrhaftigkeit und im Wehr willen." So soll aber schon in der Schuljugend der„ Revanche" Gedanke geweckt werden und die Anschauung wachsen, daß der Krieg nicht etwas Schreckliches, Menschenunwür diges, sondern Heldentum und Größe bedeutet. Dieser Auffassung entspricht auch die Forderung, daß" Lehrer, die internationale pazifistische Bestrebungen förderten oder fördern, von der Arbeit an den deutschen Schulen a u szuschließen sind". Erziehung zum Friedensgedanken soll also zum Wehrwillen" gerichtete Schule, in der auch der Führergedanke" besondere Förderung erfahren soll, paßt die Pädagogik der Kamerad= schaftlichkeit und der Erziehergüte schlecht hinein. Die Deutschnationalen fordern darum„ Wiederherstellung der Autori tät, 3ucht und Disziplin" in der Schule. Der Ausdruck „ Wiederherstellung" zeigt deutlich, daß eine Wiedereinführung der Vorkriegsmethoden in der Schulzeit gemeint ist, deren Hauptmittel die Prügelstrafe war. Die zur Zeit geltenden, demnach in Zukunft außer Kraft gesetzt werden. (?) soll die Erziehung von folgenden Grundsägen ausgehen: 1.„ Kinder sind nicht mehr als Privatangelegen heit der Eltern, sondern als tostbares Volksgut zu betrachten. Der Staat allein leitet die Erziehung der Kinder, wobei in erster Linie die körperliche Ertüchtigung der Jugend und erst in zweiter und dritter Linie die Ausbildung des Charakters und des Geistes gewährleistet werden muß. Der deutsche Knabe soll zum Krieger, das deutsche Mädchen zur Kriegermutter werden." Im Dritten Reich hat also die Frau nicht mehr das Recht, ihre Kinder mit der heiligen Kraft ihrer mütterlichen Liebe zu pflegen und zu erziehen. Das besorgt allein der Staat; ihm ge= hören die Kinder. Er erzieht sie zu Kriegern und Kriegermüttern, zu Rekruten, die Hitler in seinen Eroberungskriegen als Kanonenfutter benötigt, und zu Frauen, die keine andere Aufgabe haben als die, wiederum neues Refrutenmaterial zur Welt zu bringen. In allgemeinverständlichem Deutsch: Die in den Schulen der Nazis er30genen jungen Menschen können getrost die größten Schweinedie Hauptsache ist, hunde und die dümmsten Wasserköpfe sein daß ihre Körperkraft ausreicht, um als SA.- Mann den Marxisten niederzuknüppeln oder als Hitlerrekrut Gewehr und Tornister zu tragen. 2.„ Der Feldwebel muß im Zustand der rassischen Entartung die Schulklasse übernehmen und der mit Humanität vollgesaugte(!) Schulmeister abtreten." Es soll wieder so werden wie zu Zeiten des Alten Frizz. erziehern seine Vorbilder erblickt und die ihm anvertrauten Kirder Der Lehrer, der in Goethe, Pestalozzi und den großen Menschheitszu nützlichen Gliedern der Volksgemeinschaft im Geiste der Menschlichkeit erzieht, soll verschwinden, an seine Stelle soll der Feldwebel treten, der aus der Schule eine Kaserne macht. Die alte preuBische Militärerziehung mit ihrem Kadavergehorsam und Drill, ihrer Roheit und Prügelstrafe soll an die Stelle der erzieherischen 3. Im Dritten Reich werden Kinderheime geschaffen, in denen die Kinder sittlich und rassisch verdäch= tiger Eltern untergebracht werden. Auch die uneheliche Mutter muß mit ihrem Kind in ein Heim gehen, Nein, dieser Brief des Herrn von Gayl atmet nicht den Geist der Verfassung, nicht den Geist eines einsichtigen Pädagogen und aufbauenden Schulorganisators. Er ist als Grundlage für ein danach mit Dienstentlassung bestraft werden. In eine auf Erziehung Güte und Menschlichkeit treten. Reichsschulgesetz völlig undiskutabel, weil er die Gemeinschaftsschule verneint zugunsten einer fonfessionellen Zwangsschule, weil er das Recht der Gewissensfreiheit ausschaltet und den Willen der Erziehungsberechtigten unter= drückt. Wie einseitig und ungerecht diese christliche Grundlage aller Erziehung gesehen ist, ergibt sich auch daraus, daß er, wenn er schon§ 146,1 der Reichsverfassung nicht berücksichtigen und nach § 146,2 seine stens auch die in diesem Abschnitt vorgesehene freigeistige die Prügelanwendung stark einschränkenden Bestimmungen dürften tät nationalsozialistischer Erziehungsmethoden. Zu den„ rassisch Weltanschauungsschule gestatten müßte. Wir kennen diesen Ton schon von den nationalsozialistischen Rednern aus dem Preußischen Landtag:„ Die weltlichen Schulen werden aufgelöst und da mit basta!" Die Eltern haben zu parieren, sonst bekommen sie die Knute zu fühlen. Dieser Brief ist das schulpolitische Dokument junkerlicher Restauration. Scheinbar sollen die deutschen Schulen umgewandelt werden in Kasernen, in denen staatsbürgerliche Refruten gedrillt werden, die sich einem freiherrlichen Diftat ohne Knurr und Murr unterwerfen. Nur donn ist aber die Ju gend für ihren Dienst an Volk und Staat recht vorbereitet, wenn Neben all diesen nach dem„ Ideal" der Vorkriegsschule hinstrebenden Forderungen finden die eigentlichen pädagogischen Gegen wartsfragen, Arbeitsschule und Gemeinschaftserziehung, kaum Erwähnung. Sie werden lediglich mit dem vielsagenden Satz abgetan, daß die pädagogischen Konjunkturmacher der Nachkriegszeit faltzustellen seien.. Atmen schon diese Erziehungsforderungen den Geist der pädagogischen Reaktion, so muten die Ausführungen, die in Heft 22 der programmatischen Nationalsozialistischen Monats heften" über das Thema„ Erziehung" veröffentlicht werden ,, geum sich dort bei Arbeit und Kinderpflege als der mütterlich und sittlich einwandfreie Charakter zu erweisen, dem eine Rente anvertraut werden kann." In diesen Ankündigungen offenbart sich die ganze Brutali und sittlich Verdächtigen" gehören nach der Ansicht der Naziführer nicht etwa nur die Angehörigen fremder Rassen, sondern alle, die die nationalsozialistische Lehre bekämpfen. Allen Eltern, die den Sozialismus" Hitlers als Volksbetrug erkannt haben, will man demnach im Dritten Reich zur Strafe die Kinder fortnehmen und in Kasernen sperren, wo ihnen der Nationalsozialismus mit Gewalt eingetrichtert werden wird. Das sind die Grundlagen", auf denen im neuen Deutschland die Jugenderziehung aufgebaut werden soll! Den Jüngern des Menschenfreundes Pestalozzi wird die Arbeit in den Schulen des o.£. „ neuen" Staates wenig Freude bereiten. Was bringt der Arbeitersport? Die nächsten Veranstaltungen Die Ausscheidungsfämpfe im Ringen für die Berliner Städte mannschaft des Arbeiter- Athleten- Bundes werden Freitag, 12. Auguft, ausgetragen. Es sind hierzu nur diejenigen Ringer aus den Vereinen zugelassen, die sich bei Vorausscheidungsfämpfen qualifizierten. Besonders interessant werden die Kämpfe zwischen Langer( Sparta) gegen Schlickeisen( Alt- Wedding) im Fliegengewicht, P. Wittkamm( Sparta) gegen Lehmann( Luden walde) im Leichtgewicht, A. Wittkamm( Sparta) gegen Höhne( Tegel) im Mittelgewicht und der Ueberschwergewichte Rosenkranz( AltBedding) gegen Wörth( Sparta) und Hildebrandt( Tegel) fein. Die Kämpfe beginnen um 19½ Uhr in der Turnhalle des KraftburnVereins ,, Sparta", Neukölln, Schule Elbestraße 11/12. Freiluftborkämpfe in Treptow. Der Bopklub ,, Britannia 32" ( Mitglied des Arbeiter- Athleten- Bundes) veranstaltet Sonnabend, 13. August, im Vittoria- Garten in Treptom, Am Treptower Part 25/26, einen Freiluft- Großkampftag im Bogen. Der Verein hat die Borer aus den Vereinen ,, Alt- Wedding" und„ Lichtenberger Fausttämpfer" verpflichten können, so daß mit harten und intereffanten Begegnungen zu rechnen ist. In einem Schülertreffen bestreitet Kunz I., eine spätere Hoffnung für die Männerklasse, seinen 25. Kampf. Es starten vom Fliegen bis Halbschwergewicht für Britannia: Rösing, Heppa, Gmyret, Rabe, Laser, Lenz, Koch und Hed rich. Außerdem werden noch 2 Schüler und 2 Einladungsfämpfe gestartet. Beginn der Kämpfe 20 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt intl. Tanz 50 Pfennig. Arbeiter- Artisten werben. Der Artisten- und Kraftturn- Verein Hoffnung 1888"( Mitglied des Arbeiter- Athleten- Bundes) hat seit seinem Bestehen der Artistik große Aufmerksamkeit gewidmet; zahlreiche Berufsartisten haben hier einst ihre Ausbildung erhalten. Jezt geht der Verein dazu über, neue Mitstreiter und Anhänger der Artistik auszubilden. Der Verein, der über ausgezeichnete Lehrkräfte verfügt, nimmt noch neue Mitglieder auf. Die Uebungsstunden finden jeden Donnerstag in der Turnhalle Reichenberger Straße 42 statt. Sportler, Reichsbannermitglieder, Gewerkschafter und Parteigenossen finden hier reichlich Trainingsgelegenheit. Schwimmsportliches Die Freien Schwimmer Groß- Berlin, Gruppe Neuföln, ver anstalten alljährlich am Sonntag vor oder nach dem Verfassungs tag, diesmal am 14. August, ihr volkstümliches Kinder schwimmfest. Wasserscherze und humoristische Einlagen umrahmen das Schwimmprogramm. Besonders verschönt wird das Fest durch die Mitwirkung des FTGB.- Musikkorps und der Kinderfreunde. Die Schwimmer erwarten alle Angehörigen der Eisernen Front um 15 Uhr im eigenen Sommerbad, Grenzallee- Brücke. heit bleiben. Es ist ihnen unter allen Umständen untersagt, dies unter der Flagge des DKV. zu tun." Hoffentlich ist das nur die Meinung des Herrn Ersten Vors sitzenden. Die Mitglieder des Deutschen Kanuverbandes scheinen schon vor ihm eingesehen zu haben, daß siehe oben! Die Bolschewisten der DT. Als die von Hitler geduldete Regierung der Freiherren und Barone ihr Amt antrat, machte sie durch den Reichskanzler v. Papen ihren Vorgängern den Vorwurf: Sie habe den Staat zu einer Art der 2. Bezirk des 1. Kreises im Arbeiter- Turn- und Sportbund am Quer durch den Plößenfee" betitelt sich die Veranstaltung, die Wohlfahrtsanstalt zu machen versucht und damit die moralischen Kräfte der Nation geschmächt." Wir erinnern uns, daß schon Jahre Sonnabend, 13. August, um 18 Uhr, im Plößensee durchführt. An vorher in der„ Deutschen Turnerschaft" öffentlich noch diesem Dauerschwimmen nehmen außer den Turnern, Sportlern und schärfere Behauptungen gegen die Erwerbslosenunterstützung auf Wasserfahrern auch Reichsbannerkameraben in großer Bahl teil. geſtellt wurden. Das offizielle Organ der Deutschen Turnerſchaft, die Außerdem haben fast alle Schwimmvereine des Bezirks ihre Mel- Deutsche Turnzeitung" Nr. 13 von 1927, schrieb: dung abgegeben. Während die Kinder und Jugendlichen bei dieser Dauerprüfung nur 500 Meter zu bewältigen haben, müssen die Männer und Frauen die Strecke von 1000 Meter durchschwimmen. Es ist nicht möglich, bei 500 Startenden die Sieger der einzelnen Klaffen bereits im voraus zu bestimmen, doch werden Vertreter des Schwimmvereins Hellas, dem diesjährigen Kreismeister im Wasserball, schon durch die genaue Kenntnis der Schwimmstrede, in der Spiße zu finden sein. Leichtathletik Am Dienstag, 16. August, veranstalten die Arbeitersportvereine Boltssport- Wedding, ASV. Wedding, ASV. Rot- Weiß und Freie Sport- Bereinigung Reinidendorf- West im Stadion Rehberge um 18 Uhr ein Abendsportfest. Nach dem gemeinsamen Ein marsch von über 250 Teilnehmern werden neben den leichtathleti= und Spiele für den Arbeitersport werben. Zahlreiche Männer-, schen Einzel- und Mannschaftswettkämpfen vor allem die Stafetten Frauen- und Jugendmannschaften der vier Vereine versprechen und Spiele für den Arbeitersport werben. Zahlreiche Männer-, guten Sport. Die Schweden- und die 4X100- Meter- Stafette werden wie immer den Hauptanziehungspunkt bilden. Eintrittsgeld wird nicht erhoben. Zehn Jahre Sport- Verein Moabif. Der Sport- Verein Moabit veranstaltet am 27. und 28. August aus Anlaß seines 10jährigen Bestehens ein bundesoffenes Sportfest auf dem Sportplay Tiergarten. Der Sonnabend ist in der Hauptsache den Kinder mettfämpfen vorbehalten. Da in diesem Jahre die Sportfeste in Berlin selbst nicht sehr häufig waren, darf mit beträchtlicher Bes teiligung in allen Disziplinen gerechnet werden. Interessierte Vereine fordern die Ausschreibung hierzu an von K. Rosin, Berlin S. 59, Hasenheide 6. Meldeschluß ist der 17. August. Der Jude wird verbannt Ein guter Fußballtrainer als Opfer nationalsozialistischer Hetze Wie der Nationalsozialismus das Sportleben befruchtet, davon gibt ein Vorfall in Nürnberg Kunde. Der dortige 1. FC. Nürnberg" hatte den Ungarn Jenö Konrad als Trainer an gestellt. Da Konrad angeblich Jude ist, konnten die Nazis nicht ruhig bleiben. In dem bekannten Standalblatt des Herrn Streicher wurde in echt nationaler Manier gegen den Juden", der daran schuld sein sollte, daß der Klub es in den letzten Jahren zu keiner Meisterschaft gebracht hat, vom Leder gezogen. Herr Konrad hat daraufhin Nürnberg verlassen; er dürfte sich überzeugt haben, daß es felbft in Horthi- Ungarn noch gefitteter zugeht, als in HitlerDeutschland. Die Berliner Fußballwoche" kennzeichnet den Borgang durchaus richtig, wenn sie schreibt: ,, Der erfolgreiche Trainer Jenö Konrad des 1. FC. Nürnberg hat am Sonnabend Verein und Stadt verlassen, weil eine gemeine politische Hege gegen ihn getrieben wurde. Nach Erkundigungen bei der Borstandschaft des 1. FC. Nürnberg erfahren wir, daß der Dienstvertrag mit Konrad im September 1932 abgelaufen und voraussichtlich nicht mehr erneuert worden wäre, weil die Vereinsfinanzen die Belastung nicht mehr ertrügen. Deshalb hätte Kon= rab es vorgezogen, schon jetzt auszuscheiden. Ob politische Intrigen gegen den Ungarn gesponnen wurden, sei der Vorstandschaft unEuropaflug beginnt Die Teilnehmer sind am Anrollen Der diesjährige Europarundflug, der bekanntlich als inter nationaler Leichtflugzeugmettbewerb vom Aeroklub von Deutschland ausgerichtet wird, beginnt morgen mit den technischen Prüfungen in Staaten, die bis zum 20. August dauern. In Staaten herrscht bereits Hochbetrieb, denn viele von den in- und ausländischen Bewerbern find bereits mit ihren Maschinen eingetroffen. Ein besonders imponierendes Bild bot die Ankunft des aus sechs Maschinen bestehenden Breda- Geschwaders, das gestern nachmittag unter Führung des betannten italienischen Fliegers Colombo in Berlin landete. bekannt. In Wirklichkeit scheint Jeno Konrad, dessen Qualitäten als Mensch und als Sportsmann über jeden Zweifel erhaben sind, einen schmutzigen Angriff in einer Nürnberger radital- politischen Wochenzeitung zum Anlaß genommen zu haben, por Ablauf seines Vertrages das Feld zu räumen. Man hat sich in der erwähnten Zeitung in absolut sportfremder, dafür um so typischer einseitig= brutaler Weise mit Konrad befaßt und ihm nicht mehr und nicht weniger zur Last gelegt, als daß der Jude" daran Schuld trage, daß der Club in den letzten Jahren feine deutsche Meisterschaft mehr errungen habe! Das völlig tonfuse, nur auf gewisse Instinkte abzielende Pamphlet eines Anonymus trug die bezeichnende Ueberschrift: Der 1. FC. Nürnberg geht am Juden zugrunde." Weil man zu feige war( und ist!), sich die Einmischung extremer Politifer" in die ureigensten Angelegenheiten des Vereins zu verbitten, darum ist ein waderer Sportsmann hinausgeetelt worden. Das find himmelschreiende Zustände." Ja, freilich, aber das kommt noch ganz anders, wenn erst die Nazis dank der Feigheit des deutschen Bürgertums, einschließlich der bürgerlichen Sportler am Ruder sind. Daß die bürgerlichen Sportler mit verschwindenden Ausnahmen Hitler wählen, ergibt sich ja aus den Wahlziffern. Wie heißt es doch: Nur die allergrößten Kälber..! als vorgesehen bereits am heutigen Verfassungstage beendet werden wird. Die Vorschlußrunden werden vermutlich von Meißner und Meyersohn( Schwarz- Rot- Gold), Hartog( Rot- Weiß) und Dr. Sen ( BSC.) bestritten werden. Gespielt wird meiterhin täglich ab 14 Uhr auf den 8 flubeigenen Plägen am Abuseingang. Völkerverständigung verboten! Durch die Presse ging kürzlich die Nachricht, daß Mitglieder des bürgerlichen Deutschen Kanuverbandes bei einer längeren Ferienfahrt, die sie auch nach Frankreich führte, dem französischen Minsterpräsidenten Herriot als Borfämpfer für die Annäherung der Völker" eine Huldigung dargebracht hätten. Linksstehende Zeitungen haben das als ein Symptom dafür gewertet, daß auch die bürgerlichen Sportler endlich einzusehen beginnen, daß sie sich neben ihrem Sport auch ein klein wenig um die Politik, die sie nicht zulegt in ihrem Sport auch angeht, zu fümmern haben. Wenn fie dabei, entgegen der Einstellung bürgerlicher Sport spizenverbände, die Völkerverständigung als eine Notwendigkeit im politischen Leben und Treiben ansehen, so sollte man eigentlich meinen, daß das mit Parteipolitif herzlich wenig zu tun hat. Von Ausländern sind ferner schon der bekannte Kanadier Carberry mit seiner Klemm L32, die Tschechen Anderle, Kalla, Mares, Kleps, Lonek, Levy und Jesek, die Franzosen Massot, Détré, Delmotte und Duroyon, der Rumäne Papana, der Schweizer Straumann und der Japaner Hachijuka zur Stelle. Letzterer wird allerdings nicht am Wettbewerb teilnehmen können, da seine Maschine um 100 Kilogramm zu schwer ist. Die ankommenden Maschinen wurden sofort gewogen und überprüft, damit nachher bei den technischen Prüfungen feine Zeit verloren geht. Leider werden aber auch zahlreiche Meldungen unerfüllt bleiben. So sind z. B. die drei F 3Bespe- Maschinen mit den Piloten Kazenstein, Wackwitz und Kunststelle des Deutschen Kanuverbandes eine Erklärung des ersten Verflugmeister Gerhard Fieseler nicht am Start zu erwarten, auch R. Poß, der mit seiner Messerschmidt 29 bei München abstürzte, wobei sein Mechaniker getötet wurde, während Boß sich selbst durch Fallschirmabsprung retten tonnte, wird ausfallen, ebenso auch die drei Hamburger Papenmeŋer- Maschinen. Die Flugleitung rechnet damit, daß von den 67 gemeldeten Bewerbern etwa 45 bis 50 fich dem Starter stellen werden. Das Verfassungs- Tennisturnier In dem stark besetzten 4. Verfassungstennisturnier des Berliner Tennis- und Wintersportklubs„ Schwarz- RotGold" wurden bisher über 150 Spiele abgemidelt. Besonders meit gefördert sind die Einzelspiele. So stehen im Herreneinzel A die legten acht bereits fest. Es sind dies Dr. Bahl, Dr. Schubring und Schneider( BSC.), Schlesinger und Lüdide( Borussia), Lo und Galle( Grün- Gold, Pankow) und Badt( Gelb- Weiß). Im DamenAus München kommt jetzt die Nachricht, daß die Geschäftsbandsvorsitzenden Dr. Edert veröffentlicht, wonach nach Rückkehr der Herriot besuchenden Ranufahrer die Angelegenheit geflärt" werden würde. Dr. Edert stellt dann wörtlich fest:„ Wenn unsere Mitglieder das Bedürfnis haben, sich politisch( oder sogar außenpolitisch) zu betätigen, so muß das ihre PrivatangelegenPLAZA Nähe Schles. Bhf. 5 u. 81, Sigs. 2,5,815 U. E7 Weichsel 4031 Die Czardasfürstin Rose- Theater Große Frankfurter Straße 132 Tel. Weichsel E 7 3422 8.30 Uhr Winter Garten 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen erl. Taps& Tempo, Remos Comp. 4 Richys, Sealtiel, M.& C. Mayo Levanda, Hunter& Bobette usw. TRAUM LAND SCHONHOLZ STRASSENB- 57-88-119 Heute: Filmstars werben für Milch einzel A ſtehen Frau Roſt( Dahlem) und Frau Fabian( Gelb- Weiß Herzdame Großdestillation zum weißen Hirsch schon in der Vorschlußrunde. Sie dürften dort auf die Siegerinnen Jacobsohn- Even( beide Boruffia) und Frl. Zehden( Gelb- Weiß) und Frau Ke( Rot- Weiß) treffen. Gut gefördert wurde auch die stärtft befetzte Sonkurrenz, das Herreneinzel B( 64 Meldungen), die früher Gartenbühne 5.30 Uhr Ritterstraße 106, Ecke Prinzenstraße Frühstückstube Mittagstisch 40 Pf. Willy Seidlitzl -Konzert u. Variete Früblingsluft Gutgepflegte Biere ,, Als Abhilfemittel gegen sämtliche Schäden einer langjährigen Erwerbslosigkeit sind eingeführt: Erwerbslosenunterstützung und die produktive Erwerbslosenfürsorge, und vorgeschlagen wurden: Leibesübungen für Erwerbslose, Sportpflicht, Arbeitsdienstpflicht. Zu diesen Mitteln ist zu bemerken, daß die Erwerbslosenunterft üßung Bolschemisten heere in den Städten heranzieht, die produktive Erwerbslosenfürsorge diese auf das Land verpflanzt." Damals wurden also schon rein nationalsozialistische Auffassun gen in der Deutschen Turnerschaft öffentlich vertreten. Mit dem Pflichtturnjahr und Wehrsport will man in der Deutschen Turnerschaft die Auswirkungen der Erwerbslosigkeit auf die Jugend abhelfen und das Nationalbewußtsein heben. Auch darin sind sie Gefolgsgenossen der Nationalsozialisten! Arbeiterschach im Süden. Die Freie Arbeiter- Schach vereini Spieltag jeden Donnerstag bei Smollich. Sebastianstr. 79. Die Abgung Groß- Berlin hat im Süden eine neue Abteilung gegründet. Wilmersdorfer Str. 21. Parteigenossen, Reichsbannerkameraden, teilung Charlottenburg spielt jezt jeden Dienstag bei Reimer, Schachspieler und solche, die es werden wollen, sind stets willfommen. Beginn aller Spielabende 20 Uhr. Schachunterricht kostenlos. Auskunft in allen Vereinsangelegenheiten erteilt G. Berwinski, Blanufer 91. Die Abteilung Charlottenburg tagt jetzt jeden Dienstag 20 Uhr bei Reimer, Wilmersdorfer Straße 21, Ede Kanalstraße. Bundestreue Vereine teilen mit: Solidarität, Kraftfahrer. Touren für Sonntag, 14. Auguft. Abt. Areuzberg: Ralinchen. Start: 7 Uhr Reichenberger Straße. Abt. Friedrichshain: Frauensee. Start: 7 Uhr Landsberger Plag. Abt. Norden: Lindesee. Start: 6 und 8 Uhr Geestraße 62. Abt. Charlottenburg: Italienische Nacht am GroßGlienicker See am 13. August. Dort ab 21 Uhr treffen. Abt. Pankow: Väzer Borderfee. Start: 7 Uhr Kaiser- Friedrich- Ede Trelleborger Straße. Abt. Tempelhof- Mariendorf: Peeter See. Start: 7 Uhr Kurfürsten- Ede Schüßenstraße.. Abt. Mitte: Schelde. Start: 13. August, 15 Uhr, 14. August, 7 Uhr, Gewerkschaftshaus, Engelufer. BSV. Fortuna. Sigung feden Freitag bei Reez, Gaudystr. 16. Telephon: D 4 Humboldt 3885. Beginn der Schülersizung: 18 Uhr, anschließend: 19 Uhr Jugend und Senioren. Aufnahme zur Bervollständigung aller Mannschaften in jeder Sigung. Freie Kanu- Union Groß- Berlin. Heute, Donnerstag, 18 Uhr, Training für alle Teilnehmer an der Kreisregatta. Sonnabend, 13. August, Treffen am Großen Zug. Pflichtfahrt. FEGB., Bezirk Süben. 2. Frauenabteilung hai ab 12. Auguft einen zweiten Turnabend in der Halle Bergmannstraße( Freitags, 20 Uhr). Ruderbezirk. Heute, Donnerstag, 20 Uhr, Sigung im Bootshaus. ASB. Neukölln, Fußballabteilung. Sigung Freitags, 20 Uhr, bei Missing, Weisestr. 8. Spieler zur Auffüllung der 1. und 2. Mannschaft werden noch aufgenommen. ASV. Hellas. Freitag, 12. August, 20 Uhr, Mitgliederversammlung. Bor ftand eine Stunde früher( bei Dreyer, Waldhütte). Einzelfahrer, 1. Areis. Die Sigung fällt heute aus. Nächste Sigung 1. September in der Geschäftsstelle, Elfäffer Str. 86-88. Freie Bafferfahrer Aufwärts. Treffen Sonnabend, 13. Auguft, 19 Uhr, Babeanstalt Spandau, Bröhmännerstraße. Fahrt zum Geglerverein Nordstern". Dort Kartellveranstaltung. Dienstag, 16. August, Bereinssigung bei Reußner, Geeftraße 62. Touristenverein Die Naturfreunbe". Freitag, 12. Auguft. Photoarbeitsgemeinschaft Franke: Johannisstr. 15. Bhotoarbeitsgemeinschaft: Neukölln, Bergstr. 29. Photoarbeitsgemeinschaft: Often, Frankfurter Allee 307. Dis. tuffion: Photochemitalien. Faltbootabteilung: Johannisstr. 15. Schwimmen, Sonnebaden usw. Südost: Manteuffelftr. 7.- Charlottenburg: Spreeftr. 30. Aktueller Abend. Treptow: Elfenste. 3( am Bahnhof). Briz: Großfiedlung, Salle im Hufeisen, Frig- Reuter- Allee. Binetaplas, Schönhauser Borstadt: Lorking Ede Graunstraße. Montag, 15. August. Malgemeinschaft: Manhannisstr. 15. teuffelstr. 7.- Photostammabteilung: Johannisstr. 15. Führerfektion: JoFahrten Sonntag, 14. August. Ortsgruppe Berlin: Autofahrt nach dem Plagefenn. Abfahrt 5.45 Uhr Nettelbedplak, 6.00 Uhr Gee. Ede Turiner Straße. Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt 1,75 M. Teilnehmerkarten in der Geschäftsstelle. Arbeiter Sportverein Schöneberg- Friebenau 07. Das Hallentraining beginnt Montag, 15. August, in der Belziger Straße, und Freitag, 19. August, in der Rätherstraße. Die Sandballer üben Dienstags auf dem Rubensplag ab 18 Uhr. Die Turnersparten- Techniker- Sigung findet um 19 Uhr auf dem Rubens. plag statt. Boltssport Reukölln- Brik. Neues Berkehrslokal der Fußballabteilung: Sportlertlaufe F. Krüger, Neukölln, Emfer Str. 86, Telephon: F II Reu tölln 0276. Sigung jeden Freitag, 20 Uhr. Zur Gründung der 3. Mannschaft werden Mitglieder aufgenommen. Rundfunk am Abend Donnerstag, den 11. August. Berlin: 16.05 Im Kampf gegen die Schmuggler( L. Lehmann). 16.30 Streich orchester. 17.30 Mecklenburg( F. Griese). 17.50 Menschen und ihre Arbeit( J. Fenski). 18.10 Mit dem Mikrophon durch die Mark: Driesen. 18.20 Helene Kibbat: stunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 NachmittagsEigene Arbeiten. 18.35 Nachmittagskonzert. 18.55 Die Funkkonzert. 19.30 Kulturpolitische Randbemerkungen zu Auslandsreisen( Dr. F. Thierfelder). 20.00 Orchesterkonzert. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. Orchesterkonzert. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk ( H. Lanwehr). 17.30 Schwierigkeiten der englischen Aussprache mit praktischen Lautdemonstrationen( Prof. W. Doegen). 18.00 Musikalischer Zeitspiegel( H. H. Rosenwald). 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene( Gertrud v. Eyseren, Dr. F. Armesto). 18.55 wirts( Dr. Silvia von Bornstedt). 23.00 Als Einlage: VerWetterbericht. 19.00 Aktuelle Stunde. 19.30 Stunde des Landfassungsfeier der deutschen Kolonie in New York( Wachspl.). Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa- Programm im ,, Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle ,, Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. HAUS VATERLAND KURFÜRST 7460 ergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI LUNA PARK Heute ELITE TAG Gr. Konzert FEUERWERK TACLICH WELLENBAD Trabrennen Ruhleben Freitag, 12. August nachmittags 4 Uhr