Morgenausgabe Nr. 322 A 186 4-9 Iahrg. monatlich 3,25-JJ! (davon 87 Pj. monatlich für Zultel lung ins Haus) im voraus zahlbar Postbezug 3,»7 M, einschließlich soPs, Poltzeitungs- und 72 Ps.Postbestellge- bÄHren. Auslandsabonnement 5,85 M vr« Monat; für Llinder mit ermäßig- tem Drucklachenvorto«,S5 Pb Aussall der Lieserung wegen bäderer Dewalt besteht lein Ansvruch der Abonnenten aus Ersaß. Erscheinungsweise und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils omarf Veviiner Vvttsbßait Kreiiag 11 August 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Jentvaloega« der Soziatdemotvatischen Partei Deutfchl«A Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Kernspr.� Dönboss(A T) 292— 297 Telegromm-Adr.:, Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 SZ6.—BankkomotBankder Arbeiter, Angestellten unc Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.u.DiSr.-Ges., Depositenk., Jerusalemer Str. Kä'Kn Vom Vegierungs-Kuhhandel. Das Zentrum bietet mit. Auf dem Markt für Ministerstühle hat sich gestern die Lage nicht wesentlich oerändert. Die Nationalsozialisten schreien noch immer:„Hitler muß Kanzler werden, oder es geschieht ein Unglück!" Wie ernst das gemeint ist, wird man erst später sehen! Für das Zentrum waren gestern Ivos und Bolz bei P a p e n. Ueber diese Unterredung teilt die„German! a" folgendes mit: „Die Zentrumsabgeordneten knüpften in der Darstellung ihrer Auffassung über die gegenwärtige Loge an die Forderung an, die seinerzeit unmittelbar noch der Demission des Kabinetts Brüning Prälat Kaas beim Reichspräsidenten erhoben hat: die sogenannte Totallösung, d, h. die volle Verantwortlichkeit. Einbeziehung der ehemaligen Opposition in die Reichsregierung. Nach Ansicht des Zentrums ergebe sich die Notwendigkeit eines solchen Einbaues in Konsequenz der Ergebnisse der legten Reichstagswahlen ganz von selbst. Das Zentrum müsse absolute klare Ver> antwortlichkeit verlangen, Dazu gehört namentlich die offeneundvolleMitverantwortungderNational- s o z i a l i st e n. Es sei selbstverständlich, daß dabei die st r i k t e I n n e- Haltung verfassungsmäßiger Wege und Methoden gewährleistet sein und die neue Reichsregierung die loyal« Zu- sammenarbeit mit der Volksvertretung wollen und pflegen müsse. Anderes führe notwendig auf Abwege und zu Experimenten, die mit der Verfassung nicht mehr zu vereinbaren sind, In solchem Zusammenhang sehe die Zentrumspartei auch die gegen die frühere preußische Regierung ergriffenen Maßnahmen und müsse es folgerichtig ablehnen, nachträglich auch nur eine in- direkte Verantwortung dafür zu übernehmen. Allein aus dieser Betrachtung ergebe sich bereits die U n- Möglichkeit einer Weiterexistenz des gegen- wärtigen Rcichskabinetts, da ihm Grundlagen, die Vor- aussetzung zu einer vertrauensvollen, gesicherten und Erfolg versprechenden Arbeit durchaus fehlten. Die Zentrumspartei werde sich positiv verhalten jeder Lösung gegenüber, die unter Ausschluß jeder Parteidiktatur den beiden Grundgedanken der klaren Ver- antwortlichkeit und des verfassungsmäßigen Weges entspricht. Das heißt: Fort mit der Präsidialregierung Papen und her mit einer parlamentarisch fundierten Bürgerblock- regierung! Die Frage der Kanzlerschaft bleibt dabei offen, die Möglichkeit, daß Hitler es auf diesem Wege schaffen könnte, wird nicht ausgeschlossen. Hiiler höchstens postminister! Ein angeblicher Ausspruch HindenburgS. Der„Angriff" veröffentlicht an hervorragender stelle unter der Ueberschrift„Amerikas Interesse an den Regie- rungsverhandlungen" folgende angeblich aus New Park stam- mende Meldung: Die amerikanische OesseMlichkeit, vor allem die Presse, verfolgt mit größter Spannung die Vorgänge in Deutschland. Allgemein hat man sich damit abgesunden, daß Hitler früher oder später Reichs- kanzler wird. Die von einem amerikanischen Korrespondenten ver- breitete Lüge über eine angebliche Aeußerung des Reichspräsidenten, daß er, Hindenburg, Hitler nicht zum Reichskanzler ernennen könne, weil dieser höchstens zum P o st m i n i st e r geeignet sei, erregt hier größtes Aufsehen, Die Tagesblätter bringen die Mel- düngen aus Deutschland in großer Aufmachung, halten aber mit Kommentaren zurück. Bisher war die angebliche Meldung über die angebliche Aeußerung Hindenburgs vollkommen unbekannt. Welches Interesse hatte die Redaktion des„Angriff", diese Meldung zu publizieren, ja sogar— wie es stark den Anschein hat— selber zu fabrizieren? Der„Angriff" muß doch wissen, daß er damit seinen vergötterten Führer dem öffentlichen Gelächter preisgibt! War das die Absicht? Im übrigen glauben wir nicht, daß sich Hindenburg über das ehrenwerte Amt eines Reichspostministers in so despektier- licher Weise geäußert hat. Hätte er es getan— der Edle Freiherr Eitz von Rübenach hätte bestimmt sein Amt nieder- gelegt! Keine Experimente! politische Forderungen der Bayerischen BolkSpartei. München, 11, August.(Eigenbericht.) Ueber die nächsten Aufgaben der Bayerischen Volks- Partei im neuen Reichstag schreibt der Parteivorsitzende Staat«- rat Schäsfer: „Die Bayerische Volkspartei wird dafür eintreten, daß alle Staatsexperimente unterbleiben, nachdem das Wahl- ergebnis alle Diktaturpläne, wie sie der Name Hitler darstellt, ab- gelehnt und sich für eine ruhige gesetzliche Entwicklung in Deutsch- land ausgesprochen hat. Eine offene Regierungsbeteiligung der Nationalsozialisten lehnt sie nicht ab, verlangt aber, daß kein Schritt getan wird, der nach faschistischen Experimenten aussieht, Soll nicht der Bolschewismus in Deutschland gedeihen, so muß der Rechtsgedank« und der Glaube an den Rechtsstaat unerschüttert bleiben. Von diesem Gesichtspunkt aus wird die Bayerische Volkspartei in erster Linie dafür eintreten, daß alles, was Gesetz und Recht, Sicherheit und Ordnung im Lande gefährdet, mit gleicher unerbitt- licher Strenge unterdrückt wird. Sei es nun von seiten der Rechts- radikalen oder von seiten der Linksradikalen. Im Vertrauen auf das Wort, das der Reichspräsident dem Vorsitzenden der Bayerischen Volkspartei gegeben hat, er werde nie eine Reichsreform auf dem Wege über den Artikel 48 machen, fordert die Bayerische Volkspartei, daß das alte Verhältnis zwischen Reich und Ländern, das durch die Reichsexekutive gegen Preußen erschüttert wurde, wieder hergestellt wird. Als ihr Hauptziel sieht sie ober an. die politischen Machtkämpfe in Deutschland überhaupt zu beenden und an das Sanierungswerk der Finanzen zu gehen. Den Ge- meinden und öffentlichen Gemeinwesen muß endlich das gegeben werden, was zum Kampf gegen den Hunger notwendig ist. Damit der Reichstag die Ausgabe erfüllen kann, muß auch der Reichs- rat wieder arbeitsfähig gemacht und dazu der preußische Zustand beseitigt werden. Aus der Erkenntnis, daß die Bajonette alles schaffen können, nur kein Geld und kein Brot, muß die gesetz- gebende Gewalt in all ihren Teilen wieder arbeitsfähig gemacht werden. Um dies zu erreichen, darf kein Volksteil, der willig ist, von der Mitarbeit und Mitverantwortung ausgeschlossen werden oder sich selbst ausschließen." Oberschlesische Mörder verhastei. Zehn EG«Leute vingfest gemacht. Gleiwih, 11. August. Zu der am Dienstag erfolgten Ermordung des Kommunisten Konrad Pietzuch in Potempa im Landkreis Gleiwitz teilt die Polizei noch mit. daß einer der Täter bald nach dcr Tat v o n d e r P o l i- zei festgenommen werden konnte. 5m Laufe des Donnerstags gelang es der Kriminalpolizei, neun weitere Personen, die als überführt gelten, dingfest zu machen. Alle zehn Verhafteten sind SS.-Leute. Llnruhezentrum in Schlesien. Attentate dauern an. Au» Schlesien werden wieder eine ganze Reihe von national- sozialistischen Gewalttaten gemeldet, die sich in der Rächt zum Donnerstag ereigneten: 5n Groß-Strehlig wurde in die Wohnungen von Zentrumsmitgliedern und in das Haus des Leiters des Finanzamtes hineingeschossen. 5n Z e r b a u(Kreis Glogau) feuerten unbe- konnte Täter in die Wohnung des sozialdemokratischen Gemeinde- Vorstehers. 5n Kronstadt(Kreis Kreuzburg) wurden Handgranaten- attentate auf ein Kaufhaus und einen Apothekerladen verübt, 5n beiden Fällen ist erheblicher Sachschaden angerichtet worden. Auch in Pitschen wurden Handgranaten in das Haus eines Kausmanns geschleudert, die großen Materialschaden verursacht haben. 5n mehreren Ortschaften der Oberlausitz hatten es die National- sozialiften aus die Niederlagen des Konsumvereins abgesehen. Drei Läden sind mit Handgranaten beworfen worden, die die Laden- einrichtungen zertrümmerten. 5n diesen Orten wurde auch in die Wohnungen mehrerer Sozialdemokraten hineingeschossen. 5n Bunzlau wurden die Schaufensterscheiben der Filiale der Dresdener Bank, des Konsumvereins und einer Getreidehandlung mit großen Pflastersteinen zertrümmert. Oer Mordanschlag in Reichenbach. Ein beteiligter EG«Mann vingfest gemacht. Breslau, 11. August.(Eigenbericht.) 5n Reichenbach wurde der SS-Mann Wagner verhaftet. Er steht im Verdacht der Mittäterschaft an dem geplanten Attentat auf den sozialdemokratischen Redakteur Paesche, bei dem bekannlich der SS.-Mann 5enke den Tod fand, da ihm die Handgranate in der eigenen Hand explodierte. Klarlegung der Fronten. Rückblick auf die Wahlen. Von Georg Decker. Nach den zweiten Reichspräsidentenwahlen und nach den Landtagswahlen vom 24. April mußte festgestellt werden, „daß den Nazis auch der Einbruch in die„marxistische" Front, die allerdings keine Front ist, gelungen ist". Diese Tatsache stand damals einwandfrei fest. Ebenso einwandfrei steht heute fest, daß dieser Einbruch seitdem wieder aufgehalten und zum Teil rückgängig gemacht worden ist. Die„marxistische" Front, die leider immer noch alles andere als eine Front ist, steht wiederum als eine für die Nazis unüberwindliche Festung da. Zählen wir alle da- zugehörenden Stimmen zusammen, so ergibt sich folgende Entwicklung des prozentualen Anteils der„marxistischen" Stimmen seit September 1930: Reich Preußen In vom Hundert September 1930.......... 37,6 37,8 24. April 1932........... 34,5 31. Juli 1932........... 36,1 Als Folge dieser Entwicklung ergibt sich ebenso einwand- frei, daß die Aufwärtsentwicklung des National- sozialismus als eine Volksbewegung aufgehalten ist und sogar, trotz der weiteren Stimmenzunahme, einen Rück- schlag erlitten hat. Die Vergleiche zwischen den Wahlergeb- nissen vom 31. Juli und 24. April werden zwar wesentlich erschwert, erstens dadurch, daß sich die Wahlkreise für die Reichstags- und für die Landtagswahlen in mehreren Fällen nicht decken, so daß in diesen Fällen bis zur Veröffentlichung aller Einzelergebnisse die vergleichbaren Zahlen nicht zu haben sind, und zweitens durch die außerordentlich starke Ver- wendung der Wahlscheine. Es läßt sich trotzdem feststellen— und das hat die ent- scheidende Bedeutung— daß die Nazis diesmal weniger gewonnen, als die verschwindenden Parteien zwischen der Staatspartei und den Deutschnationalen verloren haben. So haben die genannten bürgerlichen Parteien(also Deutsche Volkspartei, Wirtschaftspartei, Landvolk, Volksrechtspartei, Deutschhannoveraner) in den preußischen Wahlkreisen, die sich mit denen bei der Landtagswahl decken, etwa 3S9(>lX> Stimmen verloren und die Nazis in den gleichen Kreisen nur 229 999 gewonnen. Eine auch hier nur sehr verlangsamte Aufwärts- bewegung der Nazis hat nur in den evangelischen ländlichen Bezirken angehalten. Sonst haben die Nazis im besten Falle ihren Bestand behauptet. Bayern ist keine Ausnahme, weil hier eine sehr starke Zuwanderung der Naziwähler mit Wahlscheinen feststeht. Sogar„Der Angriff" sprach im Artikel„Ferienwahl"(am 3. August) von„über- mäßigen(!) Stimmgewinnen" der Nazis in Pommern, Württemberg, Baden und Oberbayern als Folge dieser Man- derung der Wähler. Durch die gleiche Erscheinung läßt sich auch ein Teil der nationalsozialistischen Rückschläge erklären, nicht aber die Tatsache aus der Welt schaffen, daß die Ent- wicklung der Nazibewegung in verschiedenen und namentlich industriellen Gebieten vom Aufschwung zum Rück- gang umgeschlagen ist. In dem ganzen Gebiet, das die Wahlkreise Westfalen- Süd, Düsseldorf- West und Köln-Aachen umfaßt, hat sich die Stimmenzahl im Vergleich zu den Preußenwahlen folgender- maßen geändert(in Tausenden von Stimmen): Sozialdemokraten.............+ 108,5 Kommunisten...............+ 256,4 Zentrum.................+ 54,9 Nationalsozialisten............— 17,9 Staatspartei...............— 24,2 Gemessen an der Gesamtzahl der Nazistimmen ist dieser Rückgang nur gering, gemessen aber an der stärkeren Wahl- beteiligung und an den früheren Erfolgen ist er sehr stark. Am wichtigsten ist dabei, daß hier das Ergebnis von zwei Prozessen in Erscheinung tritt. Die angeführten Zahlen können nur auf eine Weise erklärt werden: die Nazis haben einen großen Teil ihrer proletarischen Wähler verloren und haben diese Verluste einigermaßen durch die Gewinne von den bürgerlichen Parteien und aus der stärkeren Wahlbeteiligung ausgeglichen. Damit wird erwiesen, daß ihr Einbruch in die„marxistische" Front aufgehalten und zum großen Teil rückgängig gemacht worden ist. Wir haben auch die Entwicklung der Stimmen für die Staatspartei angeführt, um zu zeigen, wie lächerlich die Aus- rede der Nazis ist, daß die„Marxisten" ihre Stimmengewinne den früheren Wählern der Staatspartei verdanken. Sogar vorausgesetzt, daß die Sozialdemokratie in diesem Wahlkreis Justiz des„neuen Systems". Sozialdemokraten und Reichsbanner sind Freiwild. alle von der Staatspartei verlorenen Stimmen aufgenommen hätte, wäre das nur we Niger als ein Viertel unserer Gewinne. Ein Teil der früheren Wähler der Staatspartei hat aber zweifelsfrei das Zentrum gewählt. Man darf also für das ganze Gebiet etwa folgende Berechnung aufstellen: die„marxistische" Front hat etwa 350(XX) Stimmen gewonnen und die Nazis haben 18(XX) verloren, d. h. sie haben aus den bürgerlichen Reserven um 18(XX) weniger Wähler bekommen, als sie an die„Marxisten" abgegeben haben. In anderen Kreisen liegen die Dinge weniger klar, d. h. die gleiche Entwicklung tritt äußerlich weniger klar in Er- scheinung. Daß sie aber vorhanden ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß die Nazis weniger gewonnen haben, als das aus den Verlusten der bürgerlichen Parteien und aus der stärkeren Wahlbeteiligung folgen müßte. Von den Aus- nahmen in den evangelischen ländlichen Gebieten haben wir schon gesprochen. Auf diese Weise entsteht das Bild, das im schärfsten Gegensatz steht zum Anspruch der Nazis, eine nationale Bewegung zu sein. Die nationalsozialistische Bewegung hat keine nationalbindende und damit nationalbildende Kraft. Nicht nur werden die Klassengegensätze durch den Nationalsozialismus nicht überbrückt— die Festigkeit der „marxistischen" Front und die Ablehnung der Nazis durch die katholische Arbeiterschaft!—, sondern werden auch die anderen Gegensätze, wie die konfessionellen und die zwischen den Ländern, in bedrohlichem Maße zugespitzt. Ja auch inner- halb Preußens entsteht, als Folge der nationalsozialistischen Bewegung, der klaffende Riß zwischen dem Westen und dem Osten. Es genügt, darauf hinzuweisen, daß die Nazis in Schleswig-Holstein 50,8 Proz., in Osthannover 49,5 Proz., in Frankfurt a. O. 48,2 Proz., in Liegnitz 48 Proz., in Pommern 47,9 Proz. und in Ostpreußen 47 Proz., auf der anderen Seite aber in Köln-Aachen nur 20,2 Proz., in Düsseldorf-West 27 Proz., in Koblenz-Trier 28,8 Proz. und wiederum in Niederbayern nur 20,4 Proz. und in Oberbayern-Schwaben 27 Proz. aller Stimmen haben. Evangelisch gegen katholisch. Osten und Norden gegen Westen und Süden: soll die äußerste Zuspitzung dieser durch Demokratie in starkem Maße gemilderten Gegensätze als „Wiedergeburt der Nation" gelten? Der Nationalsozialismus ist nicht nur nicht sozialistisch, sondern auch nicht national. Er hat gegen sich die sozialistische Arbeiterschaft und er bewirkt über die in jeder Nation unvermeidlichen Klassengegensätze hinaus die Frontbildung innerhalb der Nation! In der sozialistischen Arbeiterschaft hat sich das Verhält- nis zwischen den beiden Parteien wiederum zugunsten der Kommunisten verschoben. Die Kommunisten haben einen Teil der von ihnen an die Nazis verlorenen Wähler wiedergewon- nen und darüber hinaus haben sie seit den Preußenwahlen in einigen preußischen Wahlkreisen auf unsere Kosten zuge- nommen. Das erste stellt einen völlig natürlichen Vorgang dar, da es sich dabei um die Wähler, die zwischen der KPD. und den Nazis schwankten, handelte. Es ist zweifelsohne unser Verdienst, daß der nationalsozialistische Einbruch in die Reihen der sozialistischen Arbeiterschaft abgeschlagen wurde. Wir mußten es aber in Kauf nehmen, daß die erste Auswirkung dieses unseres Erfolges die Rückkehr der früheren kommunisti- schen Wähler zur KPD. sein wird. Unsere Verluste an die KPD. sind auf die Wahlhilfe zurückzuführen, die die Kommu- nisten von der Reichsregierung und namentlich durch die Aktion gegenPreußen bekommen haben. In einigen Teilen Preußens haben wir feit April einen Rückschlag er- litten. Trotzdem befinden wir uns seit Ende des vorigen Jahres in einem unbestreitbaren Aufstieg. Das steht einwand- frei fest in allen Fällen, in denen der Vergleich mit dem Herbst 1931 möglich ist. In Hamburg, Anhalt und Hessen entwickelten sich unsere und die kommunistischen Stimmen seit September 1930 wie folgt(in Tausenden von Stimmen): Wir sind also weit über unfern Tiefstand im Herbst 1931 hinaus und die KPD. bleibt weit hinter ihrem Hochstand zu der gleichen Zeit zurück. Sachsen will durchgreifen. Sine Erklärung des Innenministers. Dresden, 11. August. In einer Unterredung mit dem sozialdemokratischen Land- tagspräsidenten Meckel erklärte der sächsische Innen- minister Richter aus die Frage, was die Regierung gegen das Ueberhandnehmen der Anschlagswelle in Sachsen zu tun gedenke, daß er beschleunigt verschärfte Maßnahmen zum Schutze der Be- oölkerung anordnen werde. Landtag noch im August. Kerrls Antwort an die Sozialdemokraten. Landtagspräsident Kerrl hat die Anträge der Sozialdemo» traten und der Kommunisten auf alsbaldigen Zusammentritt des Preußischen Landtags dahin beantwortet, daß er den Zeitpunkt de» Zusammentritts noch nicht endgültig bestimmen könne, daß aber der Landtag noch vor Beginn der Reichstags- t a g u n g zusammentreten werde. Da der Reichstag spätestens 30 Tage nach der Wahl zusammen- treten muß, in diesem Fall also am 3». August, muß der Preußische Landtag nach dieser Antwort gleichfalls noch im August einberufen werden, falls Herr Kerrl inzwischen nicht durch neue Winkelzüge den Zusammenttitt des Preußenparlaments hinauszögert. Sozialdemokralcn gegen die Neugliederung von Landkreisen. Die sozialdemokratische Fraktion hat im Preußischen Landtag einen Antrag auf Aufhebung der Verordnung über die Neu- gliederung von Landkreisen eingebracht. Braunschweig, 11. August.(Eigenbericht.) Ein Schandurteil fällte heute abend der Schnellrichter in h a s s e l fe l d e gegen den Redakteur des sozialdemo- kralischen„harzer E ch o". Richard Salge aus Blankenburg am Harz. Auf Grund der Denunziation eines Nationalsozialisten war Genosse Salge verhaftet worden. Er soll in einer öffentlichen Wahl- kundgebung zu Gewalttätigkeiten ausgereizt haben. Obwohl genügend Zeugen vorhanden sind, die Salges einwandfreies Verhalten bekunden konnten, wurde einem Denunzianten Glauben geschenkt. Der Angeklagt« ist auf Grund der Notverordnung vom Juni dieses Jahres zu einem Jahr, zwei Monaten Ge- fängnis oerurteilt worden. Dieses Urteil ist ebenso un- geheuerlich wie die Verurteilung von 29 Reichsbannerkameraden von demselben Schnellrichter zu insgesamt IIS Monaten Gefängnis, unter denen sich zwei Höchststrasen von 1 Jahr 1 Monat und 1 Jahr Gefängnis befinden. Insgesamt war 73 Reichsbanner- kameraden der Prozeß wegen Landfriedensbruches gemacht worden. 44 Angeklagte wurden freigesprochen. Diesem Prozeß lag die Ermordung des Reichsbannerkameraden Fritz Müller in Hasselfeld« durch SA.-Leut« zu Grunde, der in der Nacht vor den Reichstagswahlen in dem kleinen Harzer Städtchen angefallen worden war und die die dortige republikanische Bevölkerung terrorisiert haben. Gegen die Mörder Müllers istt bisher nicht vorgegangen worden und sie lausen frei herum. Ein Schreckensurteil. Drakonische Gefängnisstrafen gegen Schupobeamte. Dortmund, 11. August.(Eigenbericht.) Die Große Strafkammer des Dortmunder Landgerichts verur- teilte am Mittwoch a ch l Dortmunder Polizeibeamte zu schweren Gefängnisstrafen. Republik und Freiheit unbeliebt. Nachklang einer sogenannten Derfafsungsfeier. In seiner gestrigen Rede zum V e r f a s s u n g s t a g hat der Reichsinnenminister Baron Gayl gleich zu Beginn für notwendig empfunden, zu begründen, warum die Regierung der Deutschen Republik— selbstverständlich hat er das Wort Republik nicht aus- gesprochen— sich entschlossen hat, den Verfassungstag überhaupt amtlich zu begehen. Klang dies bereits als eine Entschuldigung für einen solchen Entschluß, so ist die neue Staatsführung nachher noch aktiv geworden. Bei allen Verfassungsfeiern bisher hat die Ansprache des Reichskanzlers mit der Aufforderung geendet, in das Hoch auf ,has in der Republik geeinte deutsche Volk" einzustimmen. Herr von Papen hat es geschmackvoll gefunden, an diesem Gebrauch seiner Jetzt erst recht! Die 3 Pfeile an die Brust! Der Gruß: FreihettS Amtsvorgänger nicht festzuhalten: mit erhobener Stimme brachte er ein Hoch aus auf ,ha» im Deutschen Reiche geeinte Volt"! So hat er das unbeliebte Wort Republik vermieden, wenn es ihm auch gewiß nicht im Sinne lag, das außerhalb der Reichsgrenzen lebende Deutsche Volk nicht hochleben zu lassen. Ganz im Sinne des neuen Scholz-Kurfes im Rundfunk war nachher die Reportage von der Rampe am Platz der Republik. Ein bisher ganz unbekannter Sprecher schwärmte mit rollendem R vom Reichspräsidenten, von dem-„gertenschlanken Reichswehroffizier", dem der Oberbefehlshaber der Wehrmacht die Hand schüttest«, von der Strammhest der Truppe und schließlich von den Hochrufen der Zuschauer. Nach der Abfahrt des Reichspräsi- deuten erklärte der Reporter', nun beginne„das Volk sich aufzulösen"! Er war wohl etwas aufgeregt in seinem neuen Amt, denn er sprach auch von der Sonne, die den Mittag dieses 11. November vergolde. Nichts aber sagte er davon, daß eine starke Gruppe auf dem Platz mehrmals in dröhnend« Freiheit-Ruf« aus- Den Angeklagten, einem Hauptmann, einem Oberwacht- meister und sechs Polizeiwachtmeistern, wird zur Last gelegt, bei einem Zusammenstoß mit Nationalsozialisten und Passanten am 19. April dieses Jahres aus dem Ostwall und bei der an- schließenden Räumung der Geschäftsstelle der NSDAP, sich der Mißhandlung verschiedener Leute schuldig gemacht zu haben. Das Urteil lautete gegen den Hauptmann Moritz auf vier Monate Gefängnis, gegen den Oberwachtmeister Anders auf ein Jahr Gefängnis und gegen die sechs Wachtmeister aus 8 Monate bis zu einem Jahr drei Monate Gefängnis. Sämtlichen Angeklagten wird, mit Ausnahme des Hauptmanns Moritz, die Fähigkeit zur Be- kleidung öffentlicher Aemter auf drei Jahre abgesprochen. e- Der Verlaus des Prozesses hat ergeben, daß ein Ueberfall- kommando von 22 Polizisten von einer aufgehegten vielhundert- köpfigen nationalsozialistischen Menge umlagert und zum Teil t ä t- lich angegriffen wurde. Mehrere Polizisten konnten nachweisen, daß sie von hinten überfallen und mit Schlagwerkzeugen bearbeitet wurden. Bei dem Versuch, die Jnsultanten zu verhaften, wurden die Beamten von randa- lierenden Frauen gehindert, die ihnen an den Hals sprangen und sich an ihnen festhöngten. Daraufhin gab der leitende Hauptmann den Befehl zum Drein- schlagen. Die Folge war, daß eine Anzahl Personen, darunter auch meherere Unbeteiligte, verletzt wurden. Die Tatsache, daß die nationalsozialistische Menge, die vorher Reichsbanner- Flugblattverteiler mißhandelt hatte, die Polizei provoziert hat, kann nach dem Verlauf des Prozesses als �erwiesen gelten. Um so stärkere Entrüstung muß dieses Skandalurteil gegen Polizeibeamte hervorrufen, die zu schweren Gefängnisstrafen ver- urteilt sind, weil sie es gewagt haben, die staatliche Autorität gegen randalierende Hitler- Banden zur Geltung zu bringen. brach. Die Rundfunktechnik verschuldete es, daß diefe nicht erwähn- ten Freiheit-Rufe trotzdem aus allen Kopfhörern und Lautsprechern klangen, wie das auch schon vorher am Schluß der Feier im Reichs- tagssaal gegangen war. Vielleicht gelingt es dem neuen Reichs- rundfunkkommissar und Hitler-Mann Dr. Scholz, für künftige Re- portagen ein Mikrophon zu konstruieren, das nur obrigkeit- lich genehmigte Worte und Rufe durchläßt! „Scham und Trauer..." Hessens Staatspräsident zum Verfassungstage. Darmstadl, 11. August.(Eigenbericht.) Die h e s s i s ch e Regierung hat den Verfassungstag trotz eines durch die Nationalsozialisten herbeigeführten Landtags- beschluffes, den Verfassungstag als gesetzlichen Feiertag aufzuheben, feierlich begangen. In den drei Provinzialhauptstädten Darmstadt, Mainz und Gießen marschierte die Schupo vormittags zur Parade auf. In Darmstadt nahm Staatspräsident Adelung die Parade ab. In seiner Ansprache sagte er u. a.: Scham und Trauer er- füllen jeden wirklich national empfindenden Menschen ob des Tiefstandes des politischen Kampfes in Deutschland, wie ihn selbst der Balkan in seiner schlimmsten Zeit kaum gekannt hat. Die Polizei steht außerhalb der politischen Parteien und darf einer solchen nicht hörig sein. Es hieße die Aufgab« der Polizei ver- fälschen, wenn man ihr einseitig und politisch organisierte sogenannte „Hilfspolizei" angliedern wollte, unter welchem Namen es auch immer sei. Die hessische Polizei hat die Kraft und Mittel, sich durch- zusetzen, den Bürger zu schützen und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen. Abends fand eine republikanische Massenkundgebung in der Festhalle statt. Kommunistischer Führer verhastet. Königsberqer Kommunisienblatt verboten. Der Führer der Kommunistischen Partei in Köln, E ck e r tz, wurde auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft oerhaftet. Der Verhaftung ging eine Durchsuchung der Wohnung des Eckertz vor- aus, bei der ein Koffer beschlagnahmt worden war. Ueber den Inhalt des Koffers wird an maßgebenden Stellen Stillschweigen bewahrt. Er soll angeblich neben verbotener Literatur auch hoch- verräterische Schriften enthalten. Der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen hat das kommunisti- sche Organ„Echo des Ostens" vom 19. bis 16. August«in, schließlich verboten. Parteienstaat oder nicht? Ein Rachwort zum Artikel Grzesinskis. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" beschäftigt sich mit dem Aufsatz Grzesinskis zum Verfassungstag. Besonders angetan hat es ihm der folgende Satz: „Wenn die Staatsgewalt wirklich vom Volke ausgehen soll, dann kann das nur sein, wenn der Volksstaat ein Parteienstaat ist." Der„Berliner Lokal-Anzeiger" nennt das ein etwas ver- fpätetes Eingeständnis und bemerkt dazu: Dieses etwas verspätete Eingeständnis ist dankenswert. Wie haben die Machthaber aus der Partei des Herrn Grzefinski, aus der sozialdemokratischen, mit Anklageerhebung und Ver- boten gewütet, wenn man sich den Hinweis darauf erlaubte, daß sie doch wohl auch ein wenig Parteimänner wären. Jetzt, ent- machtet, läßt einer von ihnen die Maske fallen. Solche A n w a n d- lung von Ehrlichkeit verdient Lob. Schade, daß der„Lokal-Anzeiger" sich daran kein Beispiel nimmt und nicht auch Anwandlungen von Ehrlichkeit be- kommt! Er würde sonst anerkennen, daß er sick unter der Re- gierung sozialdemokratischer„Parteimänner' der weitest- gehenden Pressefreiheit erfreut hat. Andererseits würde er zu- geben müssen, daß in Deutschland noch niemals auf dem Ge- biete der behördlichen Pressebehandlung eine so o f fe n k u n- dige Parteiwirtschaft geherrscht hat wie heutzutage. Um sich dieses Geständnis abzuringen, brauchte er bloß daran zu denken, wofür heutzutage ein republikanisches Blatt ver- boten wird und was sich der„Anariff" alles erlauben darf. Und so würde der„Lokal-Anzeiger, wenn er Anwandlungen von Ehrlichkeit hätte, sehr bald zu der Erkenntnis kommen, daß die angeblich jetzt vollzogene Abkehr vom Parteienstaat nichts anderes als eine konventionelle Lüge ist und daß wir jetzt nicht„überparteilich", sondern de u t s ch n a t i o n a l re- giert werden. Die deutschnationale Partei spielt jetzt die Rolle einer Staatspartei der Rechten: je mehr Mandate sie verliert, desto größer wird ihr Einfluß. Grzefinski, als Sozialdemokrat, hat nicht bloß„Anwand- lungen von Ehrlichkeit", er hat nie geleugnet, daß ein moder- ner Staat ohne Parteien undenkbar ist. Die Taschenspieler von rechts aber wollen alle Parteien abschaffen— ausgenommen die eigene, die dann als angeblich„überparteiliche Macht" die Alleinherrschaft üben soll. Sie können sich darum „Anwandlungen von Ehrlichkeit" nicht leisten, sie wäre ja Selbstmord für sie! Die Reise nach Jerusalem. (Ein beliebtes Kinderspiel.) Hitler:„Na, ob er bei mir das Zeichen zum Setzen gibt?" Haussuchung beim Reichsbanner. Auch eine Verfassungsfeier. Das Haager Urteil. Eine Enttäuschung für Deutschland. Zu dem bereit» gemeldeten, im wesentlichen für Litauen günstigen Spruch de» Haager Schiedsgerichte in der Memelklage ist noch nachzutragen, daß vier Richter, nämlich de Bustament«, Llltamira, Schücking und van Eysingo, den zwei Punkten de» Urteil» zugestimmt haben, die gegen Litauen gerichtet sind, sich jedoch dem ganzen Urteil nicht angeschlossen haben. Da» Mitglied de» Gerichtshofes U r r u t i a hat erklärt, daß er sich weder der Begrün- dung noch der Tendenz des Urteils anschließen könnte. In der Begründung zu dem Punkt 1 wird u. a. ausgeführt, das Gericht fei zu der Ansicht gekommen, daß der Gouverneur des Memelgebiets das Recht haben müsse, die Handlungen der aus- führenden autonomen Gewalten im Memelgebiet zu überwachen, um dafür zu sorgen, daß diese Handlungen nicht die Grenzen der Zuständigkeit der lokalen Behörden überschreiten. Sfc Dieses Haager Urteil bedeutet für Deutschland sowohl eine Ueberraschung wie eine Enttäuschung. Angesichts der bisherigen Darstellung der Sachlage durch die deutschen amtlichen Stellen müßte man diesen Spruch eigentlich für ein Fehlurteil halten. Aber anscheinend war die Rechtslage keines- wegs so eindeutig, wie man es seinerzeit an den hiesigen amt- lichen Stellen behauptete. Moralisch ist diese Entscheidung zugunsten Litauens für Deutschland u m s o p e i n l i ch e r, als die deutschen Ver- treter im Völkerbundsrat überaus selbstbewußt und sogar schroff aufgetreten waren. Sie ließen durchblicken, daß sie die Ueberweisung des Memel-Streites an den Haager Ge- richtshof als eine überflüssige Verzögerung betrachteten, der sie nur aus Gründen der Loyalität gegenüber dem Völkerbund zustimmten, ohne jedoch die mindesten Zweifel an dem end- gültigen Spruch zu hegen. Und nun dieses unerwartete Ergebnis! Praktisch entscheidend ist allerdings die Tatsache, daß das memelländifche Volk selbst inzwischen bei den Land- tagsneuwahlen seinen Protest gegen die Handlung?- weise Litauens so eindeutig zum Ausdruck gebracht hat, daß die Regierung in Kowno unmittelbar danach loyalerweise diesem Volkswillen Rechnung getragen hat, so daß sich seitdem die Verhältnisse wieder erträglich gestaltet haben. AachdenMonarchistendieKommunisten Tteue schwere Unruhen in Sevilla. Madrid. 11. August.(Eigenberich,.) Die Reaktion aus den mißlungenen und niedergeworfenen Mon- archistenpulsch waren in Sevilla am Donnerstag große kommo- nistifche und syndikalistische Gegendemonst ra- lionen. Da» Gebäude de» rechtsstehenden Blattes„A. v.£." wurde in Brand gesetzt. Auch das Gefängnis wurde gestürmt und an vielen Stellen angezündet. Die Unruhen dauern abends noch an. Mißglückter Selbstmordversuch General Saniurjos. pari», 11. August. Haoas meldet aus Hueloa, daß General S a n j u r j o im Augenblick seiner Verhaftung einen Selbstmordversuch unternommen haben soll. Er sei aber an der Ausführung gehindert worden. Coty vor der pleiie. französisches Jafchistenblatt muß Erscheinen einstellen. pari», 11. August.(Eigenbericht.) In den Presseunternehmungen de» torssschen Parfümsabrikanten Coty scheint die Krise schwere Verheerungen angerichtet zu haben. Die Aktionär« des„Ami du P e u p l e' sind zu einer außerordentlichen Generalversammlung einberufen worden, auf deren Tagesordnung steht:„Beschlußfassung über außerordentliche Maß- nahmen angesichts der finanziellen Loge der Gesellschaft: Ver- äußerung der Aktiven, Anleihen oder sonstige Mittel.' Wie in Paris verlautet, soll die mit zwei Millionen Francs ausgestattete Aktiengesellschaft des„Ami du Peuple" mit einer großen Unterbilanz gearbeitet haben. Die nationalistisch« .Liberte', eine Gegnerin des„Ami du Peu-ple' behauptet, daß das Defizit sich auf 60 Millionen Francs beläuft. Man will wissen, daß der„Ami du Peuple" sein Erscheinen Erde August oder Ende Sep- tember e i n st« l l e n wird. pilsudstistan. Freiheitsstrafen für kommunistische Propaganda. kattowih, 11. August. Vor der Strafkammer standen dreizehn Arbeiter aus Ruda und Lipine, weil sie für die in Polen verbotene Kommunistische Partei Propaganda getrieben, illegale Versammlungen abgehalten und Mitglieder für eine gesetzwidrige kommunistische S e l b st- schutzorganisation geworben hätten. Der Hauptangeklagte L u b k o w s k i soll außerdem Redakteur von kommunistischen Flug- blättern und Zeitungen gewesen sein. Er wurde zueinemIahr Gefängnis verurteilt. Vier weitere Angeklagte erhielten je sechs Monate Gefängnis. Die übrigen Angeklagten wurden mangels Beweisen freigesprochen. „Wöbe"- Schänder verurteilt. Milde Strafen für Flaggenfrevel. Eutin, 11. August. Am Nachmittag des 27. Juli hatten mehrere Leute die aus der Eutiner Kaserne aus Anlaß des Unterganges der„Niobe" a u s Halb stock gesetzte Flagge heruntergerissen. Obwohl die Verhafteten die Angabe jeder Partemngehörigkeit verweigerten, han- delt es sich zweifellos um Nationalsozialisten, da an mehreren an- deren Orten von SA.-Leuten das Andenken der ,Niobe"-Besatzung in gleicher Weise geschändet wurde. Die Täter waren sofort fest- genommen worden und hatten sich am Donnerstag vor dem Straf- richter zu verantworten. Einer von ihnen war geständig und wurde zu 17 Tagen Gefängnis verurteilt. Der zweite Angeklagte erhielt wegen Hausfriedensbruchs und Vergehens gegen das RepuWikschiitz- gesetz 14 Tage Gefängnis, während der dritte wegen Mangels an Beweisen freigesprochen wurde. Der hillermann Habicht. M. d. R.. hält sich dauernd in Deutschösterreich auf. Nun hat ihn dit Polizeidirektion Linz dazu verhalten, durch Unterschrift zu bezeugen, daß ihm die Aus- weisungsoerfügung gegen ausländische Hetz- und Schimpf redner bekannt sei. Im Berliner Büro des Reichsbanners Tchwarz-Rot- Gold in der Stresemannstraße wurde am Verfassung»- tage in den frühen Nachmittagsstunden eine Haussuchung nach Waffen vorgenommen, die natürlich ein mehr als kümmerliches Ergebnis hatte. Gegen 13� Uhr erschienen im Reichsbannerbüro vier Kri- minalbeamte unter Führung des Kriminalrats Thiele. Sie er- klärten, daß sie eine Haussuchung vornehmen müßten, weil beim Polizeipräsidium eine Anzeige über da» Bestehen eines Wasfenlagers im Berliner Reichsbanner-Büro eingelaufen sei. Die Beamten nahmen eine bis ins kleinste gehende Untersuchung vor, sie brachten alles durcheinander, klopften die Wände ab und entfernten, wo sie einen Hohlraum vermuteten, die Verschalungen. Das„Wassenlager" bestand in vier Pistolen und vier Gummi- knüppel, von denen einer entzwei war. Von den Pistolen gehörten zwei Besitzern von Wafsenscheinen. die dritte befand sich im Besitze des Mitglieds der Hamburger Bürgerschaft Steinfeld, der mit den Beamten aufs Polizeipräsidium fuhr und kurz vernommen wurde. Der Besitzer der vierten Pistole konnte nicht festgestellt werden. Wie das Reichsbanner mitteilt, haben sich die Beamten korrekt verhallen. Nach dem Miherkolg ihrer Suche wurde ihnen bedeutet, daß sie im Berliner Reichsbannerbüro kein Waffenlager finden Christlicher Schwindel. Man muß ihn niedriger hängen? Kurz vor der Reichstagswahl veröffentlichte das deutsch- nationale Parteiblatt von Leipzig„Nationaler Weckruf"(Nr. 31 vom 29. Juli) unter der Ueberschrift:„Was das Volk nicht weiß" folgend« Genieinhest: Der„Vorwärts" gab in einer Briefkastennotiz vom 31.(?) Juni 1931 einem Fragesteller folgende niedliche Auskunft, die auch den katholischen Klerus interessieren dürfte, der bekanntlich dem Bund des Zentrums mit der Sozialdemokratie den Segen gibt: „Die Männer, die Sie den Autos entsteigen und in der Hed- wigskirche verschwinden sahen, gehörten trotz ihrer merkwürdigen Kleidung keiner Faschingsgesellschast an, sondern der hohen Geist» lichkeit. Der Mann z. B. mit longer Weiberschleppe, der mit dem knallig goldenen Kreuz an den hungernden Arbeitslosen vorüber- schritt, war der päpstliche Nuntius. Die anderen waren aber keine Bockbiermasken, auch nicht Besucher eines Homosexuellenballes, wo weibliche Männer ähnliche Kleider tragen, sondern gehören eben- falls zur hohen Geistlichkeit."" Wir haben schon in unserer ersten Montags-Ausgabe nach der Wahl diesen SchwindelalsSchwindelausgedeckt. Selbst- verständlich hat der Unstnn nie im„Vorwärts" gestanden weder am 31.(I) Juni noch sonst, weder im„Briefkasten" noch an irgendeiner anderen Stell«. Trotzdem verbreitet jetzt die„D e u t s ch- E v a n g e l i s ch e Korrespondenz" vom 19. August 1932 denselben Schwindel aufs neue, nur daß diesmal statt des 31. der 39. Juni gesetzt wird. Die„Deutsch-Eoangeltsch� Korrespondenz" wird vom„Evangelischen Bund zur Wahrung der �eutsch-protestantischen Interessen E. V." in Berlin herausgegeben. Wenn dies«„Wahrung" mit so ausgekochtem Schwindel erfolgen soll, muß es sehr bedenklich um die Protestant!- schen Interessen stehen. Freiwilliger Arbeitsdienst. Erfahrungen aus der Praxis. Der Bezirkskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst und Präsident des Landesarbeitsamtes Hessen, Dr. E n g l e r, verösientlicht in den Mitteilungen der Industrie- und Handelskammern Frankfurt a. Main einige bemerkenswerte Erfahrungen, die er im Arbeitsdienst gemacht hat. Engler beleuchtet vor allem die wirtschaftliche Seite des Dienstes. Er betont. Gemeinden und Staat versuchten, auf Kosten der Reichs- anstalt Arbeiten mit Hilfe des freiwilligen Arbeitsdienste» durchzu- führen, die sse eigentlich selbst zu erledigen hätten. Die Folge sei, daß Gemeinden und Länder entlastet, Reich und Reichsanstalt dagegen belastet werden. Tiefbauunter- nehmen würden stillgelegt, die geübten Flußbau- und Waldarbeiter würden entlassen, an ihre Stelle träten Jugendliche, die an dies« Arbeit nicht gewöhnt seien, und schließlich werde immer wieder aus könnten, weil«in solches eben nicht vorhanden wäre. Das ergebe sich schon aus der ganzen Einstellung des Reichsbanners. Es ist für die ganz neue Staatsführung bezeichnend, daß aus- gerechnet am Berfafsung-tage im Büro des auf die Per- faffung eingeschworenen Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold eine Haussuchung nach Massen vorgenommen wurde. Es ist weiter bezeichnend, daß diese Untersuchung auf die Anzeige irgendeines Denunzianten hin erfolgte. Hier zeigt sich eine Wiederholung der schmählichen Fälle Heimannsberg, Encke, Carlbergh und Breuer. Der Bundesvorsitzende des Reichsbanners, Reichstagsabgeord- neter Höltermann, wird sich beschwerdeführend wegen des Ein- bruchs in seine Büroräume an die zuständigen Stellen wenden. Weiter wird das Reichsbanner auf Wiedergutmachung des ang«-. richteten Schadens klagen. * Auch in einem Berliner Reichsbannerlokal in der Danziger Straße wurde gestern eine Durchsuchung nach Waffen vorgenommen. Das Ergebnis war vollkommen negativ. Auch hier vermutet man, daß eine Denunziation das Vorgehen der Polizei veranlaßt hat. der öffentlichen Hand— nur aus anderen Klassen— ebensoviel oder noch mehr bezahlt, wie bei regelrechtem Gang der Dinge be- zahlt worden wäre. Die tatsächliche Arbeitsstunde, führt Engler weiter aus, sei mit 32 bis 35 Pf. zu veranschlagen, während in ländlichen Gebieten der Tiefbauarbeiterlohn 42 bis 52 Pf., für ungeübte 19 Proz. weniger, betrage. Bei diesen Löhnen könnten die Gemeinden die Arbeiten ebenso billig als Notstandsarbeiten ausführen lassen, wobei sie ver- heiratete Arbeiter berücksichtigen könnten. So wichtig es sei, der Jugend Arbeit und Bildungsmöglichkeiten zu schaffen, so wichtig sei es auch, den Ernährern der Familie Arbeit zu geben. Es bestehe sonst die Gefahr, daß, um eine Wunde zu schließen,«ine andere viel gefährlichere aufgerissen werde. Die Mängel, die sich aus der Arbeitslosigkeit für die Jugend hinsichtlich der Berufsausbildung ergeben, können nach Englers Auffassung durch den Arbeitsdienst nicht beseitigt werden. Hier wür- den die Unterrichtskurse für die Berufsausbildung wesentlich mehr leisten. Alles in allem könne der Arbeitsdienst nur als eine ausgesprochene Notmaßnahme vorübergehend gutes stiften. Auch aus Köln kommen sehr kritische Stimmen. So wird in einer Zuschrift an die„Kölnische Zeitung" hervorgehoben, daß bei so mancher Arbeit des Dienstes sowohl der Zweck wie die Art der Durchführung beanstandet werden müsse. Die Arbeit im FAD. sei auch in so manchem Fall in der Endwirkung nicht billiger, sondern teurer als eine Unternehmerarbeit. „Technik der Liebe." Politik und Tanzvergnügen. Ohrdruf. 11. August. Am Mittwochabend wurden während eines Tanzvergnügens von mehreren jungen Mädchen an die im Saa-l anwesenden Reichs- wehrsoldaten, die gegenwärtig auf dem Truppenübungsplatz in Station liegen, kleine Hestchen verleilt, die auf rotem Umschlag den Titel„Technik der Liebe" des holländischen Arztes Vandeoelde trugen. Bei näherer Betrachtung stellte sich der Inhalt als eine tommu- nistifche Zerfetzungsschrift heraus, in der die Soldaten zum Ungehor- sam und zur Revolution aufgefordert wurden. Mehrere Unter- osfiziere veranlaßten die Festnahme der Mädchen, von denen vier am Donnerstagfrüh in das Gerichtsgefängnis Ohrdruf eingeliesert wurden. Die chinesische Regierungskrise. Im Politbüro der Kuomintang- partei haben die Vertreter der Kantonregierung erklärt, daß ein Verbleiben T s ch i a n g k a i s ch e k s auf dem Posten des Ober- befehlshabers unmöglich geworden sei: sie verlangten sein« Eni- fernung aus dem politischen Leben. Tschiangkaifchek fordert jetzt— Ausschaltung der Kuomintangl Das Einfache wird kompliziert. Prüfung der Hilfsbedürstigkeit auf Ltmwegen. Bisher gab es in d«r Krisenfürsorge eine Prüfung der Bedürftigkeit, die die Arbeitsämter nach genauen Richtlinien vorzunehmen hatten. Bei alleinstehenden Arbeitslosen ergab sich die Bedürftigkeit im Falle der Arbeitslosigkeit von selbst. Bei arbeitslosen uns unterstützten Familienmit- gliedern wurde die Bedürftigkeit in der Form immer wie- der nachgeprüft, daß am Zahltag die Vorlegung der Stempelkarten oder die Verdien st bescheinigungen von sonst erwerbstätigen Familienmitgliedern geforoert wurde. Lag die Stempelkarte vor, so wurde ohne weiteres gezahlt, lag eine Berdienstbescheinigung vor, so wurde dem arbeitenden Angehörigen 20 M. für sich und je nach Alter und Ortsklasse 10,8 und 6 M. für jedes von ihm unterhaltene Familienmitglied von seinem Ver- dienst freigelassen und erst der Rest auf die Unterstützung des arbeitslosen Familienmitgliedes verrechnet. Diese ziemlich genaue Prüfung der Bedürftigkeit kostete so gut wie nichts und konnte jede Woche in wenigen Sekunden durchgeführt wer- den. Warum aber einfach, wenn es auch kompliziert geht? Heut« muß das Arbeitsamt für jede Prüfung ein Riesen- f o r m u l a r vom Arbeitslosen ausfüllen lassen und in d o p p e l- ter Ausfertigung mit einem Einlagebogen an das Wohlfahrtsamt senden, das nun„seinerseits" die Hilfs- bedürftigkeit prüft. Für diesen Zweck haben die Wohlfahrtsämter in ganz Deutschland Tausende von allerdings schlechtbezahlten Prüfern einstellen müssen, die sich redlich, aber vergeblich mühen. Die Hilfsbedürftigkeit einer Person ist nämlich nicht unveränderlich. Wenn die Regierung in ihrer letzten Notverordnung verlangt, daß die Prüfung der Hilfsbedürftigkeit alle 13 Wochen stattfinden muß, so beweist sie damit ihre Unkenntnis der Praxis. Bei allein- stehenden, ledigen Arbeitslosen mag die Bestimmung noch durch- führbar sein. Für die Prüfung der Hilfsbedllrftigkeit eines Familienmitgliedes ist sie unbrauchbar. Heute ist z. B. ein Familienmitglied im Sinne der Verordnung bedürftig, morgen tritt aber ein anderes Mitglied der Familie in Arbeit: was dann? Meldet der Arbeitslose vielleicht, daß er noch weniger Geld haben will, als ihm die letzte Notoerordnung ließ? Weiß er überhaupt noch, auf was er Anspruch hat? Wird aber die Hilfsbedürftigkeit eines Arbeitslosen vom Wohl- sahrlsamt verneint und es stirbt ein Familienmitglied oder wird geboren oder wind arbeitslos oder krank? Der Arbeitslose rekla- miert beim Arbeitsamt, dieses wendet sich an da- Wohlfahrtsamt, das Wohlfahrtsamt bemüht einen Prüfer. Dann beginnt erst die Prüfung und nachher der umgekehrte Jnstanzenzug. Es handelt sich hier keineswegs um Einzelerscheinungen, sie sind die Regel. Arbeitsamt und Wohlfahrtsamt kommen überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Sie schicken einander ständig neue Formulare und Prüfungsberichte zu. Gehören Angehörige einer Famil-e einem Berufe an, bei dem Aushilfsarbeiten die Regel sind(Kellner, Koch, Musiker Heimarbeiter usw.), so werden die Unterstützungsfäll« der übrigen Familienmitglieder bestimmt inner- halb einer Unterstützungsperiode mindestens fünfzigmol bearbeitet werden müssen. Wer soll diese Arbeit leisten? Sie steht in keinem Verhältnis zum Resultat. Und während die Formulare vom Ar- beitsamt zum Wohlfahrtsamt, vom Wohlfahrtsamt zum Prü-'er, vom Prüfer zum Wohlfahrtsamt, vom Wohlfahrtsamt zum Arbeits- amt wie am lausenden Band— nur nicht so schnell— hin und her wandern und zu riesigen Aktenbündeln anschwellen, warten bangend, hungernd und verzweifelnd Hunderttausende auf den..Bc- scheid". Sogehtesnicht! Die Arbeitslosen haben einen Anspruch auf sch n e l l e Abfertigung. Sparen ist notwendig, ist gut. „Sparen", um das Einfache zu komplizieren, zu bürokratisieren, die Arbeitslosen und die schon überlasteten Arbeitsamtsangestellten zur Verzweiflung zu treiben, heißt wie ein gewissenloser Verschwender handeln. Diese Prüsungsmethode muß wieder verschwinden! Wohlfahrtsstaat für Zementbarone? Oer Staat soll helfen Die Zementindustrie verlangt jetzt auch S t a a t s h i l s« Sie denkt sich die Wohlfahrtsunterstützung in der Form, daß ähnlich wie 1917 ein Neubauverbot von Zementwerken ver- ordnet wird und alle Außenseiter gezwungen werden, dem Syndikat beizutreten. Dadurch würde die Kon- kurrenz aufgehoben und die Marktbeherrschung und-ausbeutung wäre vollkommen. Wenn die Zementindustrie Staatshilfe will, dann hat die Oeffentlichkeit auch ein Recht, zu erfahren, warum diese Hilfe notwendig wurde. Die Zementindustrie ist überrationali- siert. Ihre Maschinisierung liegt in den meisten Werken weit über dem Durchschnitt anderer Industrien. Die bereits bestehende große Ueberkapazität wurde bedenkenlos noch mehr ge- steigert. Diese Fehlrationalisierung beläust sich nach Berechnung von Fachleuten aufüber 300 Millionen Mark. Man hat aber nicht nur sehlrationalifiert, sondern auch noch für A u ß« n s e i t e r b e k ä m p s u n g Millionen von Mark verpulvert. Die Außenseiter wurden nämlich nicht durch Preisherabsetzungen bekämpft, sondern durch Ankauf der Werke. Die Folge war, daß so manches Außenseiterwerk nur neu geschaffen wurde, um vom Syndikat ausgekauft zu werden und eine schöne Rente oder Absindung zu sichern. Jetzt sollen die verpulverten Millionen wieder hereingeholt werden Auf wessen Kosten? Die Konsumenten und die Steuer- zahler sollen bluten. Mit der Verwüstung von Volkswirt- schaftlichem Sachkapital muß endlich Schluß gemacht werden. Die verpulverten Millionen sind aus den Knochen der Arbeiterschaft herausgewirtschaftet worden. Dies« sind zum großen Teil brotlos gemacht. Man hat ihre Löhne und Unterstützungen algebaut. Der Staat darf nur unter einer Bedingung Helsen: den Ilmbau zu einer planmäßigen Verbraucher- Wirtschaft. Ausklang des Gattlerverbandstages. Hauptsache ist die Erhaltung der Kampfkrast. Der Verbandstag der Sattler, Tapezierer und Portefeuiller hat iein« Beratungen abgeschlossen. An der Führung des Verbandes war in der Aussprache über die Vorstandsberichte nichts Wesentliches beanstandet worden. Die besoldeten Mitglieder des Haupt- Vorstandes wurden einstimmig wiedergewählt. Die Anträge der Ortsgruppen Chemnitz, Hagen und Essen, die sich gegen die politische Haltung des Verbondsorgans sowie gegen den wegen verbandsschädigenden Verhaltens vor- genommenen Ausschluß einiger Mitglieder richteten, wurden mit allen gegen eine Stimme bei zwei Stimmenthaltungen a b- gelehnt. Die zur V e r s ch m e l z u n g s s r a g e vorliegenden Anträge wurden als durch die Aussprache erledigt erklärt. Den Kommissionsbericht über die Statutenänderung erstattete der Kassierer Riedel. Er begründete die von der Kam- Mission beschlossenen Kürzungsanträge bei den Unter- st ü tz u n g s e i n r i ch t u n g e n des Verbandes mit der Feststellung, daß diese Kürzungen das mindeste seien, nws jetzt im Hinblick auf die finanziellen Verhältnisse der Organisation geschehen müsse. Mit Rücksicht auf die Gesamtlage sei es unbedingt notwendig, die Leistungsfähigkeit der Organisation für den Kampf um die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Mitglieder zu er- halten. Bei allen Unterstützungszweigen wird künftig ganz allgemein die bisher in der Satzung vorgesehene Karenzzeit von 52 auf 65 Wochen ausgedehnt. Die Verlängerung der Karenzzeit tritt am 29. August und die Aenderung der übrigen Satzunsbestimmungen am 1. Oktober in Kraft. Doch soll für das vierte Quartal 1932 als Uebergang die Erwerbslosenunterstützung noch heute der Höhe des alten Beitrags zur Auszahlung kommen. Für die Erwerbslosenunter st ützung wurde ein- stimmig beschlossen, daß als täglicher Unterstützungssatz in Zukunft der einfache Wochenbeitrag zu gelten hat. Für die Unterstützung der Kurzarbeiter wurde beschlossen, daß sie bei einer wöchentlichen Arbeitsdauer unter 24 Stunden pro Woche für einen Tag, bei einer wöchentlichen Arbeitsdauer unter 15 Stunden pro Woche für zwei Tage Unterstützung erhalten sollen. Der Anspruch auf die I n v a l i d e n u n t e r st ü, tz u n g wurde durch einstimmigen Beschluß davon abhängig gemacht, daß das Mitglied mindestens 780 Verbandsbeiträge oder nach dem 1. Oktober 1929 520 Beitragszuschläge geleistet hat. Die Unterstützung wiro nicht gewährt, wenn der Invalide aus anderen Quellen ein Einkommen bezieht, das mehr als zwei Drittel des am Ort üblichen Lohnes seiner Branche beträgt. Einstimmig wurde beschlossen, auch arbeitslosen Berufs- angehörigen die Möglichkeit des Beitritts zum Verband zu ge- währen gegen die Entrichtung eines Wochenbeitrags von 5 Pf. Das Eintrittsgeld soll erst dann von ihnen erhoben werden, wenn sie wieder in Arbeit stehen. Zur Erhaltung der Mitglievfchaft bei zeitweiser oder dauernder Aufgabe der Berufstätigkeit oder bei Aussteuerung wurden verschiedene Erleichterungen beschlossen. Neu geregelt wurden auch die Beiträge und die Unterstützungssätze bei Streiks und Aussperrungen. Die Gehaltsausgaben des Verbandes werden um 32 Proz. gesenkt. Einstimmige An- nähme fand ein Antrag gegen die Einführung der Arbeitsdienst- Pflicht. Kehrseite des Arbeitsdienstes. Teurer als Lohnarbeit.- Und die Familienväter? Der Bezirkskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst und Präsident des Landesarbeitsamtes Hessen, Dr. E n g l e r, vsröffenl- licht in den Mitteilungen der Industrie- und Handelskammern Frankfurt a. M. einige bemerkenswerte Erfahrungen, die er im Slrbeitsdienft gemacht hat. Engler beleuchtet vor allem die wirtschaftliche Seite des Dienstes. Er betont, Gemeinden und Staat versuchten, aus Kosten der Reichsanstalt Arbeiten mit Hilfe des frei- willigen Arbeitsdienstes durchzuführen, die sie eigentlich selbst zu erledigen hätten. Die Folge sei. daß Gemeinden und Länder entlastet, Reich und Reichsanstalt dagegen belastet werden. Tiefbauunternehmen würden stillgelegt, die geübten Flußbau- und Waldarbeiter würden entlassen, an ihre Stelle träten Jugendliche, die an diese Arbeit nicht gewöhnt seien, und schließlich werde immer wieder aus der öffentlichen Hand — nur aus anderen Kassen— ebensoviel oder noch mehr ae zahlt, wie bei regelrechter Arbeit gezahlt worden wäre. Die tatsächliche Arbeitsstunde, führt Engler weiter aus, sei mit 32 bis 35 Pfennig zu veranschlagen, während in ländlichen Gebieten der Tiesbauarbeiterlohn 42 bis 52 Pfennig, für ungeübte 10 Prozent weniger betrage. Bei diesen Löhnen könnten die Ge- meinden die Arbeiten ebenso billig als Notstands- arbeiten ausführen lassen, wobei sie verhe-ratete Ar- beiter berücksichtigen könnten. So wichtig es sei, der Jugend Arbeit und Bildungsmöglichkeiten zu schaffen, so wichtig sei es auch, den Ernährern der Familie Arbeit zu geben. Es bestehe sonst die Gefahr, daß. um eine Wunde zu schließen, eine andere viel gefährlichere ausgerissen werde. Die Mängel, die sich aus der Arbeitslosigkeit für die Jugend hinsichtlich der Berufsausbildung ergeben, können durch den Arbeitsdienst nicht beseitigt werden. Hier würden die Unter- r i ch t s k u r s e für die Berufsausbildung wesentlich mehr leisten. Alles in allem könne der Arbeitsdienst nur als eine ausgesprochene' Notmaßnahme vorübergehend Gutes stiften.— Auch aus Köln kommen sehr kritische Stimmen. So wird in einer Zuschrift an die„Kölnische Zeitung" hervorgehoben, daß bei so mancher Arbeit des Dienstes sowohl der Zweck wie die Art der Durchführung beanstandet werden müsse. Die Arbeit im FAD. sei auch in so manchem Fall in der Endwirkung nicht billiger, sondern teurer als eine Unternehme rarbeit. Drohender Zttesenstreik in England. London 11. Anguft.(Eigenbericht.) Der feit Wochen andauernde Weberstreik in Burnleh droht zu einem allemeinen Streik der gesamten Baumwollindustrie zu werden. Ter Exerutivansschuß der Webergewerkschaften hat die An- ordnung eines allgemeinen Weberstreiks in Lancashire durch die Gewerkschaften für nach st en Montag emp- fohlen. Kommt es zu dem Streik, so dürften ZOOOOV A r- beiter die Arbeit niederlegen. .�reie Gewerkschafts-Zugend Verlin Heute um ISZz Uhr tagen die Kruppen: Freiheit: Jugendheim Wasser. tarstr. g(Berufsschule).„EtreifzUge durch die Mark."— Sdotlotten. bürg: Jugendheim Spreestr. 30.„Sewerkschaftsgeschichte."— Rordring: Jugendheim schule Eonnendurger Str. 20.„Der Krieg", wie andere und wie wir ihn sehen.— Neukölln: Jugendheim Treptower Str. 00.„Entstehung und Farmen des Kapitalismus."— Hermanaplag: Jugendheim Sanderstr. 11, Ecke vadrechtstraße. Traven-Abend In den Straßen Berlins wurden am Verfassungstage vielfach die Polizeimannschafts- und Offizierswagen bemerkt, die vorn zu beiden Seiten der Motorhaube schwarzrotgoldene und schwarzweiße Fähnchen führten. Hakenkreuzsahnen auf Schulen. Nazis verführen Schuljungen zu dummen Streichen Nationalsozialistische Verhetzung unter der Berliner Schul- fugend hat dazu gesichrt, daß gestern zum Versassungstag auf zwei Berliner Schulen Hakenkrsuzfahnen gehißt wurden Wir erfahren hierzu: Gestern in früher Morgenstunde stellte der Schulwart der L u i s e n st ä d t i s ch e n O b? r r e a l s ch u! e in der Dresdner Straße, der im Begriff stand, die Reichssohns zur Feier des Verfasstmgstages aufzuziehen, fest, doß an dem Fahnenmast bereits die Nazifahne mit dem Hakenkreuz angebracht war. Der Mast war mit Seife eingefchmiert, um ein Hinaufsteigen unmöglich zu machen, und die alt« Fahnen- schnür war entzwei geschnitten. Der Schulwart benachrichtigte das Hochbaiuamt, das sofort zwei Beamte schickte, die die Parteifnhne entfernten. Bei Schulbeginn weble bereits die schwarzrotgolden« Fahne der Republik. Man vermutet Me Töter unter den Schülern und nimmt an, daß die oerhetzten jungen Leute über die Nachbar- dächer auf das Schuldach geklettert sind. In der Herder. Schule in der Bayernallee m Charlottenburg trug sich ein ähnlicher Vorfall zu. über den der Direktor sofort an das Provinzialschulkollegium, an die Polizei und an da» Bezirksamt berichtete. Es heißt in dem Bericht, daß er während der Ver- fasstmgsfeier in der Aula vom Schulmeister die Meldung erhielt, daß die am frühen Morgen auf dem Dach des Schulgebäudes gebißte Reichsfahne verschwunden und durch eine Haken- kreuzfahne erfetzt sei. Er habe unverzüglich die Reuanserti- gung einer Reichsfahn« veranlaßt, die bald darauf auf dem Dache gehißt wurde. Als Täter können nach der Ansicht des Direkturs nur Personen in Betracht kommen, die mit den Oertiichkeiten der Schule genau vertraut sind. Man vermutet, daß es sich um A n g e h ö r i g e der höheren Klassen handelt. Agitatoren des Hakenkreuzes verführen junge Schüler zu törich- ten Streichen. Sie sind gewissenlos genug, dabei ganz außer acht zu lassen, welche Folgen den Schuljungen aus ihren Handhingen erwachsen können. Sie wollen hetzen und auswiegeln, ob dabei Schiller von der Anstalt verwiesen werden müssen, das ist ibneti vollkommen gleichgültig. * Auch in der früheren Maikäferkaserne in der C h a u s s e e st r a ß e, die heute als Quartier der Schutzpolizei dient. war gestern früh von nationalsozialistischen Provokateuren eine Hakenkreuzfohne aufgezogen. Sie wurde sofort entfernt und durch die Reichsflagge ersetzt. Ein großer Teil de? Beamten gab der Empörung über die n a t i 0 n a l s 0 z i a l i st!' e U n" 7 r- s ch ä m t h e i t lebhaften Ausdruck. Kriegsblinde unter Gchwarzrotgold. Sinnvolle Deranstalfung des republikanischen Autoklubs. Der republikanische Deutsche Reichs-Auto-Club, der überall, wo er hinkommt, die schwarzrotgoldenen Reichs- färben zeigt, veranstaltete gestern eine eigenartige Verfassungz- seier. Cr hatte sich die erblindeten Kriegsopfer zu Gast gelanden, um mit ihnen beim prächtigsten Sonnenwetter einen Aus- ' flug ins Freie zu unternehmen. Voller Freude und mit strahlenden. Gesichtern waren über achtzig Kriegsblinde mit ihren Familien- angehörigen zahlreich erschienen. Weit mehr als fünfzig Wogen hatten sich eingefunden, und als gegen 1k Uhr der Start erfolgte, mar die ganze untere Hordenbergstraße, wa sich die Ge- ichäftzstelle des Klubs befindet, von Kraftfahrzeugen mit schwarzrot- goldenen Wimpeln beherrscht, In flotter Fahrt ging es dann, von vielen Neugierigen und von Schupos begrüßt, die Heerstraße entlang über Glienicke-Krampnitz nach Nedlitz, wo im„Schweizer Häuschen"" eine reich gedeckte Kafseetafel die Gäste erwartete. Die Freundschaft mit den neuen Kameraden war bald gefunden und ergriffen und voller Rührung hörte man ihre Erzählungen, wie sie im Krieg das Augenlicht verloren und welche Schmerzen und Qualen körperlicher und seelischer Art sie erduldet hatten und nock, erdulden. Aber auch voller Bitterkeit gedachten sie aller jener, die so rasch das fürchterliche Kriegserlebnis vergessen und zu neuen Kriegstreibern wurden. Ergreifend auch wie sie von ihren Ange- hörigen betreut und wie sie in ihrem Bund, in dem sie hundert- prozcntig organisiert sind, Leidensgefährten und treue Kameraden gefunden und wie die Familien untereinander Freundschaft ge- schlössen haben. Der Vorsitzende des Klubs, Chefredakteur Götz, gedachte mit Worten wärmster Anteilnahme in seiner Ansprache gerade der Kriegsblinden und ihrer Angehörigen. Mit einem Hoch auf den Bund erblindeter Krieger und auf die Deutsche Republik schloß die Feier. Motorboot fahrten nach der Römer Schanze der Glienicker Brücke verschönerten den rasch verlaufenen Nach- mittag. Die Rückfahrt erfolgte über Wildpark durch Potsdam, wo thds/ieAM föt tfaner und die große Verbreitung dieser beliebten Marke beruh! auf der Pichligen Mischung erlesensfer Thboke. Um die Qualität der duch weilephin auf ihrer önerkannten Höhe zu holten, können Zugaben wie Wertmorken, Gutscheine oder Siickereien nicht beigefügt werden. Joselfi will nur das Eine: den Rauchep durch frische. köstlich duftende Ciga reiten zufrieden stellen! Reisen im Hachsommer Denkt an die Gesinnungsfreunde im HeickS Nicht nur die Gluthitze des Juli, auch die höchst ungeschickt ge- legte Reichstagswahl Hot viele abgehalten, in Urlaub zu gehen. Nun meldet sich der Herbst, Aepfel, Birnen und Pflaumen reisen. Blü- hendes Heidekraut lädt zu einer Fahrt in den märkischen Flä- m i n g. Die im August länger werdenden Nächte ermöglichen einen längeren und erfrischenderen Schlaf, als er in den kurzen hellen Nächten des Hvchsammers möglich ist. Die Nachsaison ist be- kanntlich überall billiger. Da bekommt wohl mancher, der noch seinen Urlaub vor sich hat, Lust, in die Ferne zu reisen. Möglichst weit weg möchte man von Berlin. Aber drei«Wenn" legen sich gerade jetzt wie ein schwerer Riegel davor. Wenn der Urlaub nur nicht so kurz wäre! Wenn dos Einkommen nur so wäre, daß man etwas für die Reife zurücklegen könnte! Wenn die Bahnfahrt nicht so teuer wäre! Leider hat sich die Reichsbahn nicht erweichen lassen, die an sich dankenswerte Einrich- tung der um 20 Proz. ermäßigten Fahrpreise volkstümlich zu ge- stalten und zwar so, daß nicht mindestens 200 Kilometer, sondern nur etwa 100 abgenommen werden müssen, und daß die Dauer dieser ermäßigten Fahrkarten nicht auf 11, sondern aus 8 Tage. von Sonntag zu Sonntag, bemessen wird. Diese Reform muß für das nächste Jahr unbedingt kommen. Auch Verlin ist schön! Wer also nicht in die Ferne kann, soll sich der nahen Mark widmen. Billige Privatpensionen in der Mark vermittelt übrigens der Verband Märkischer Kur- und Erholungsorte. dessen Auskunftskic»?-Kche Friedrichstraße und Unter den Linden steht. Muß aber je«and in Berlin bleiben, so soll»r ni> müssen die Nachsendung unter Beifügung von 50 Pf. in Marken mindestens 2 Tage vor der Abreise schriftlich bei der bisherigen I Zustell-Postanstalt beantragen. 9 Vorwärts-Verlag Sport. Rennen zu Grunewald. Preis der HaveL 1. Pommernlönder(Krtobloch): 2. Offeubach: Z. Ne- butadnetar. Tot« 16« 10. Drei lieseu. Preis der Iungseruheide. l. GUaamesch(Zehruisch); 2. Tenor: 3. Tarn- schild. Toto: 180: 10. Platz: 34, 16, 19: 10. Ferner liefen: Astoria(4., als 2. distcmziertl, Fandem, Lebenskünstler, Ad Arena in, D alfin, Schon. Preis vom JuliuSturtn. 1. Uhlenkops(HayneS): 2. Gregorovius: 3. Ausflucht: 4. Melodie. Toto: 57; 10. Platz: 17, 18, 17, 16: 10. Ferner liefen: Einschi, Lache Bajazzo, Feldhüter, Rekrut, Tankred, Gbandi, Roman, Dennoch. Preis von Konradshöhe. 1. Feldwebel lReibll: 2. Rofifera: 3. Sopran. Toto: 58: 10. Platz: 17, 14, 22: 10. Ferner liefen: Immerfort(gef.), Pati, Esto Bir, Benufta laef.), Rogau. Preis von Chariottenburg. 1. Faustgraf(O. Schmidt): 2. Lvanti: 3. Goliath. Toto: 26: 10. Platz: 13, 20: 10. Ferner lief: Wisa Amalfi. Preis von Tegel. 1. Flirtland lPretzner)', 2. MeiulluZ: 3. Tulla. Toto: 18: 10. Platz: 11, 17, 13: 10. Ferner liefen: Schwarzer Adler, MaÄubee, Gambrinus(4.), Sauberts, Roßtrappe, Paua. Preis von Finkenkrng. 1. Helmbusch(Blume): 2. Vickp: 3. Henriette: 4. Perafperum. Toto: 164: 10. Platz: 49, 32, 28, 62: 10. Ferner liefen: Gemma, Auch einer, Oberstolz, Perlmuschel. Parzenländer. Palastwache, Wassernymphe, PorciuS, Marketenderin, Silberfuchs, Lysander, Aron. Toppelwette: Gilgamesch— Feldwebel 607; 10. Ctnlenbungen für diese Rubrik find Berlin ZW 68. Lindenstriche 8. parieinachnchien für Groß-Nerlin stet» an da, Bezirtssetretariat i. S»s. 2 Treppe»»echt».>» richte» Beginn aller Veranstaltungen 1314 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 5. firei». Die Abfeilungskassierer rechnen die BMett» zur Bersassuugefeiee am Sonntag bis 18 Uhr mit dem Kreiskasfierer ab. Eventuell Bertreter schicken. 6. Kreis. Die vom Bildungsausschuß entnommenen Karte» zum Freidenker- treffen sind beim Genossen Robinson abzurechnen. 14. Kreis. Leute, 19 Uhr. Sitzung des engeren Kreisvorstand«« mit den Ab» teilungsleitern an bekannter Stelle. ZZ. Abi. Die Billetts zur Verfassungsfeier sind bis Sonntag 18 Uhr mit de« Abteilungskassierer abzurechnen. 53. Abt. Sonnabend, 13. August, 20 Uhr, Funktionärsitzung bei Lux. Zeder Funktionär muß erscheinen. 75. Abt. Sonnabend, 13. August, 20 Uhr, an bekannter Stelle, Mitgliederver- sammlung. Referent Genosse Nickel:.Flach der Wahl— die Partei vor neuen Aufgaben". 81. Abt. Die Einladungen, die den Genossen am Mittwoch zugestellt wurde«, beziehen sich für die Zeit um 20 Uhr. I Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Berlin. Geschäftsstelle: Ltndenstr. 2. Mtjsi Gruppe Marienfelde: 17 Uhr auf dem Sportplatz Dorfstraße, bei üü schlechtem Wetter im Heim Berliner Str. l. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 10. Ärei, Zehlendorf. Im August falle« die vom Genossen Zander geleistete« Sprechstunden au«. Nächste Sprechstunde am Donnerstag, 8. August, von 17-iS Uhr. 1WSozia!ifiiMArbettm'ugendGroß.Verlm Einsendunaen für diese Rubrik nur a» da» Jugendsetretariat 68. Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe recht». „gugend gegen Krieg" Berlin Abteil»»gsletter, sorgt dafür, daß die Plaketten abgeholt werden! heute, Zreikag, 20 Uhr. Arkoaaplatz: Elisabeth kirchstr. IS:„Im Lande Mussolinis".— Raset, thaler Borstadt: Steifte. 18; KampfNederabend.— Hansa: Bochumer Str. 8b: „Moderne Ardeiterliteratur".— Moabit I: Waldenserstr. 20:„Unsere Stellung zu Sowjettußland".— Moabit II: Bremer Str. 70:„Auswirkung der Krise", I. — Gelundbrnnne» N: Koloniestr. 8:„Wie diskutiere ich mft einem Segner?"— Aroimplatz: Sonnenburger Str. 20:„Jugend und Strafrecht".— Arnswalder Platz I: Schönlanker Str. 11, B. 6:„Zusammenbruch und Wiederaufbruch".— Balkan: Mandelstt. 2:„Geschichte der Republik seit 1918".- ssaltplatz II: Sonnenburger Str. 20: Tagespolittscher Abend.— HohenichSuhauf e»: Freien» walder Str. 6:„Tagespolitik".— Nordost l: Danziger Stt. 62:„Was bringt uns die Reichstagswahl?"— Wir beteiligen uns heute an der Beerdigung der Genossin Lucie Wuttke, 15 Uhr, Städtischer Friedhof in Lichtenberg, Wagner» platz.— Weißensce: Caseler Str. 2: Bunter Abend.— Andreasplatz I: Brommn» siraße 1;„Was brachte uns die Wahl?"— Baltenplatz: Tilflter Stt. 4— 5: Lichtbilder:„Krieg dem Kriege!"— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 807: Keitungsabend.— Friedrichshain: Diestelmeyerstr. 5—6: Kurzreferate.— Petersburger Viertel: Ebertnstr. 12: Echallplattenabend.— Sttalaner Viertel: Goßlerftt. 61:„Politische Tagesfragen".— Warschauer Viertel: Besuch der RF.»Gruppe.— Warschauer Viertel RF.: Litauer Str. 18: Ausspracheabend.— Luisenstadt: Wassert orstt. 4: Lichtbilder:„Berfassungsfraaen".— Relchenderger Viertel: Wiesenabend, bei schlechtem Wetter Manteuffelstr. 7.— Friede»«»: Osfenbacher Stt. 5>: Kampfliederabend.— Schöneberg I RF.: Hauptstr. 15: Mädelabend.— Eichkamp: Schule. Lärchenweg: Arbettsgemeinschaft.— Ehar» lotteubnrg: Rosinenstr. 4:„Abrüstung— Reparationen".— Eharlottenburg» Süd: Pestalozzistr. 40: Literarischer Abend.— Siemensstadt: Schule:..Revolu» tion oder Evolution?"— Lankwitz: Schulstraße:„Das Kommunistische Moni» fest", III.— Lichterselde: Aldrechtstr. 14«: Leseabend.— Britz: Arbeitsgemein- schaff.— Reukölln I: Sander. Ecke Sobrechtstraße: Äampfliederabend.— Reu- töll» II: Sportplatz.— Neukölln III: Badeabend. Treffpunkt ISVi Uhr Konsum. ecke.— Neukill» 17: Sportabend.— Reuköll» Vkl: SMS.:„Proletariat und Krieg".— Reuköll» IX: Mariendorfer Weg: Politische Satire.— Reukill» Xl: Sportahend. Werbebezirke Tiergarten»nd Wedding: Die für morgen angesetzte Sprech. chorprobe fällt aus! Vorträge, Vereine und Versammlungen Efperaoto-Berbaad Berlin. Montag, 15. August, 20)4 Uhr, Alter Askauier, Anhaltstr. 11, Begrüßungsabend für die vom Pariser Esperanto-Weltkongreß Heimfahrenden ausländischen Esperantisten. Kongreßberichte. S. bahn Kleinbahnhof Hermannsttaße in Neukölln. Fcthtpreis nur 80 Pf.' Landsleute und Gaste, Damen und Herren, willkommen. Näheres Geschäftsstelle oder morgens am Bahnhof. Pfarrer Bleier spricht Sonntag. 14. August, 10 Uhr, in der Trinftatiskirche. Eharlottenburg, über das Thema„Ehrist und Krankheit" im Rahmen einer religiösen Feierstunde. Bngllsh Conve-sational Club founded 1878. Meetings every Friday 8 p. rn. Caf« König, Leipziger Straße 117/118 Lecturer: Miß Schlesinger:„Sornething about Holland." Guests, Ladies 4 Gentlernen, are welcome. wetteraussichlen für Berlin. Heiter und sehr warm, östliche bis südostliche Winde.— Für Deutschland. Im Südwesten Gewitter- neigung, im übrigen Deutschland heiter und sehr warm. KMSntOT- lebensmiHel In den Dachhallen spielen die Kapellen Jlja Livschakoff Paul Godwin linse;, rc Lobens steben- unter stdn- diqor Konfrollo dos öffe ntlich ung: sfeltfen und vot eidigten Chemikors Herrn Dr. Zelln"r ■kL arztes i. R. Herrn Dr. WU RSIW AR E N Konsum-Sülze........... Pfd. 0.26 Fleisehwurst............. Pfd. 0.72 Jagdwurst............... Pfd. 0.80 Landleberwurst......... pfd. 0.80 Wiener Würstchen..... Pfd. 0.88 Feine Leberwurst....... Pfd. 0.88 Bierwurst................. Pfd. 0.98 Mettwurst Braunsdrw. Art Pfd. 8,98 Knoblauchwurst......... Pfd. 9,98 Cervelat................ Pfd. 1.08 Schinkenspeck.......... Pfd. 1.22 Speck mogerPtd. 0.92, fett Pfd. 0.78 BUTTER, FETTE, EIER Gutsbutter............... Pfd. 1.06 Molkereibutter........Pfd. 1.20 Tafelbutter I............. Pfd. 1.28 Markenbutter........... Pfd. 1.33 Bratenschmalz.......... Pfd, 0.48 Griebenschmalz........ Pfd. 0.48 Margarine............ an Pfd. 0.25 Sanella-Margarine....Pfd. 9.83 Cocosfett.............. 3 pfd, 0.88 Frische rum. Eier....10 Stüde 0.59 Knäckebrot p«ket 0.80, 0.40 0.20 Königskuchen n RR mlt u. okn» Zekolr. leichtverderbliche Ware ist vom VIVERSE KÄSE FRISCHE FISCHE KOLONIALWAREN Steinbuscher voilfstt....Pfd. 0.88 Makrelen................ Pfd. 0.12 Bruchreis................ Pfd. 0.11 Bayr. Schweizer»oiif. an Pfd. 0,85 Grüne Heringe....an 3 Pfd. 0.38 Burma-Reis.............. Pfd. 0.13 Brie vollfett.............. Pfd. 0.88 Fischfilet.............. an Pfd. 0.18 Graupen mittaifein....... Pfd. 0.22 Limburger 20%.......... Pfd. 0.44 Cabeljau o. K. im Gz.«m Pfd. 0.14 Viktoria-Erbsen...... 2 Pfd. 0.29 Holländer o.Edamervoiif. Pfd. 0.88 Seelachs o. K. im Gr. an Pfd. 0.12 Weizenmehl......... an Pfd. 0.22 Edamer 20%............. Pfd. 0.48 Rotbar» o. K............. Pfd. 0.28 Haferflocken............ Pfd. 0,22 Emmenthaler o. Rd. Sdiadifai 8.60 Lebende Aale....... an Pfd. 0.76 Hartweizengries........ Pfd. 0.24 Tilsiter oh. Rinde 20'/».Pfd. 0,38 Eier-Makkaroni......... Pfd. 0.44 Camembert vaiifatt 2 Sdtadit. 0.35 GEFLÜGEL UND WILD Eier-Nudeln............. Pfd. 0.35 Faustkäse............. 5 Siüdt 0.20 Kortoffelmehl........... Pfd. 0.18 Feinkostkäse.....«/.Schodifei 0.33 Wolgohühner....... an Pfd. 0.65 Schok.-Puddingpulver Pfd. 0.60 Harzerkäse.. ca. 1 Pfd. Paket 0.26 Frische Hühner....... an Pfd. 0.72 Rote Grütze............. Pfd. 0.55 DELIK«, R'ÄUCHERW. Fn?en'A.°."..'.".".'"an � 0P0 KONSERVEN Portug. Olsardinen...5 0«. 0.86...........? an Karotten, geschn......>,. D«. 0.28 Port, ölsardin. ciub 2 D«. 0.55-............. A n ,- Junge Kohlrabi....... D». 0.36 Eisbeine. Kn....... 250 gl* 0.50 Rehblatt............... Pfd. 0.78 � �»n.,.l>..l.l-.°«.<1.74.e.->«0.48 Deiik. Würstchen....5 Paar 0.65 CDICfU BI BICf*IJ Gam.Gemüse�iDs. 1.25, 0.S5, 0.B6 0.58 Ital. o. Herings-Salat..Pfd. 0.60 rKIOvn-rLClJwn Stangenspargel,»tark Vi D». 1.45 Mayonnaise od ü.moui. Pfd. 0.60 Rinder.Gehacktes...... Pfd. 0.48®r®ch5p|ar�1' d(inn- � ctT nfi i in Tomaten...Di. 0.35 Hammel-Vorderfloisch Pfd. 0.86 v o'bd Schellfisch garaudiert..... Pfd. 0.2b u,,—„»„IlfAiilA au 0 79 KOte Beete..........„.'/i D«. U.OU Seelachs geröudtert...... Pfd. 0,30 Pinder-Goulasch...... Pfd 0>66 Apfelmus, fafnlfnttig...Vi Di. 0.46 Edellachs-Sehnitzel.. v. Pfd. 0.35£"st®' Schraten 0 78 F>�aumen 0-60 Räucheraal Pfd. 0.88 �bs-Lu!ade.!..�£«LW Stachelbeeren......... y, p., 0.68 Fettbücklinge ft OO Koßler................»»ptd. 0.88 Pflaumen N Zg Pfund.................... u.fct Schweine-Nieren....... Pfd. 0.59 gafrodeno«......!>/, Pfd. Versand ausgeschlossen. Telephonische Bestellungen über 5 Mark unter Baerwald 0012 WEINE, SPIRITUOSEN Frankf. Apfelwein 10 Ltr. IM, 1fr. 0.42 Bowlenwein..10 Ltr. s.to, Hr. 0,60 Laubenheimeno Ltr.«.», Ur. 0.68 Moselwein..... io Dr.».«. Ltr. 0.85 Tarragona..... 10 Ltr. 9.M, Ur. 0.96 5amosod.Malaga10Lfr.lOJM,ltr. 1.10 Johannisbeerwein 10 Ur. U0, ltr, 0.68 Heidelbeerwein..10 1fr. 7 DO, Ltr. 0.75 1926 Haut Sautemes m. PL 1.75 1931 Liebfraumildi Riesl....m. FL 1.10 Weinbrand„Spezial" 1 ltr. n>. PI. 4.20 Alter Korn........ 1 ltr. m. Fl. 3.20 OBST UND GEMUSE Sauerkirschen......... 2 Pfd. 0.35 Strudeläpfel........... 2 Pfd. 0.35 Johannisbeeren........ pfd- 0.12 Pflaumen................. Pfd- 0.15 Möhren............... 4 Pfd. 0.15 Rot-, Weiß- u. Wirsingkohl 3 Pfd. 0.10 Schoten................. 3 Pfd. 0.28 Zwiebeln...........«....Pfd. 0.08 ital. Tomaten..... w..2 Pfd. 0.35 Einlege-Gurken.......Pfd. 0.05 Pfefferlinge............. Pfd. 0.19 Kartoffeln 10 Pfund........... 0.28 werden prompt erledigt. BEGINN 1. AUGUST• U-BAHNHOF HERMANNPLATZeDER KARSTADT-BAHNHOF Sechs Wochen Amoren Sine Warnung/'Don Uiarie �herefe Waren Sie etmnal auf den Azoren?? Nein??? Dann danken Sie Ihrem Schicksal. Und fahren Sie um Gotteswillen nicht hin. Tun Sie sich das nicht an. Streichen Sie die Azoren aus dem Programm Ihrer Wunschtraumreisen. Die Azoren sind ein fürchter- licher Reinfall. Ein vernünftiger Mensch kommt natürlich überhaupt nicht nach den Azoren. Irgendwo mutz der Mensch einen Knacks haben, irgendwie mutz er das Schicksal herausgefordert haben, sonst spuckte es ihn nicht mitten auf dem Atlantischen Ozean auf einem gänzlich auf den Hund gekommenen Inselchen an Land. Wieso gerade ich dahingekommen bin, oerrate ich nicht. Etsch. Eines schönen Tages 1929 fuhr ich auf einem portugiesischen— sogar schon von den Portugiesen ausrangierten und nur durch Not- Verordnung wieder eingestellten— Dampfer von Madeira nach den Azoren. Auf diesen Dampfern bekommt man selbst in der ersten Klaffe nichts als alle Tage schwarze Bohnen. Aber die Schiffahrtsgesellschaft hat ganz recht. Es ist ja schließlich gleich, was sie chren Passagieren vorsetzt: aus ihren Dampfern kommt ihren Passagieren auf alle Fälle alles sofort wieder heraus, und wer nicht muß. fährt sowieso nicht mit. Wenn man nun von Madeira nach New Uork will, muh man, oder man mutz erst wieder nach Europa zurück und von dort aus hinüber fahren. Bucht man aber eine Reise Azoren— New Jork(ein französischer Dampfer hält auf den Azoren), so befördert einen die Schiffahrtslinie gratis von Madeira nach den Azoren. Das lockt. Außerdem zahlt sie den Aufenthalt im Hotel auf den Azoren während der Wartezeit auf den französischen Dampfer: genau weitz man nie, wenn er kommt. Man rechnet so mit einer Woche. Also schön, wir fahren mit. Cook schildert— natürlich— die Sache in den rosigsten Farben. Der Empfang. Das Hotel, in dem wir wohnen sollten auf den Azoren, war gerade„zu". Man brachte uns privat unter und wies uns ein R e st a u r a n t an, in dem wir essen sollten. Mitten in der kleinen Straße, der einzige» auf den Azoren. In der Tür, zwischen baumelnden japanischen Rohrvorhängen, stand der Wirt. Er hatte einen alten Pferdeschwanz in der Hand und versuchte, den Schwärm von Fliegen wegzuwedeln, durch den hindurch er uns zu sehen versuchte. Geschäftig wedelte er dann über einen Tisch und lud uns mit tiefen Referenzen ein, Platz zu nehmen. Das Diner wird bereitet. Inzwischen bekommen wir Wein, gratis auf Kosten der französischen Schiffahrtslinie. Wein„a discretion" während unseres gesamten Aufenthalts. Wenn wir wollen, können wir uns hier unter ein Fatz legen und liegen bleiben, bis der Dampfer kommt. Nach dem ersten Schluck pruschten wir den Wein auf den Steinboden und hielten beide Hände auf den Magen. Nein, wirk- lich, um Gotteswillen, was ist das? Wein? Oder GiMure? Was ist das hisi) für ein Land, in dem solche Reben wachsen... „Ohne Sie kränken zu wollen, Herr Wirt.. „Sie können auch Milch haben", sagt der Wirt und tritt auf die Straße, klatscht in die Hände und winkt einem Buben, der mitten auf der Straße zwischen seinen Ziegen liegt. Er wedelt mit seinem Pferdeschwanzwedel die Fliegen vom Euter einer Ziege und beginnt zu melken Vorsichtshalber, damit wir zufrieden sind, rahmt er dann noch die Fliegen ab. pustend und mit den Fingern den Schaum abschwappend, und kredenzt uns den Labetrank. „Jeweils, wenn Sie Milch wollen", sagt der Wirt,„treten Sie auf Ihren Balkon, klatschen in die Hönde und lassen den Tops her» unter an der Schnur, der am Dalkonyeländer festgebunden ist. Die Ziegenjungen wissen Bescheid. Und wenn Sie etwas von uns aus dem Restaurant wollen, rufen Sie nur herunter über die Straße, wir hören Sie schon. Stets zu Ihren Diensten. Signora" Wir untersuchen die Betten: Gott sei Dank: Stroh. Federn in Portugal bedeuten die Hölle. Das kann man nicht schildern, da» muß man erlebt und erlitten haben: portugiesische Flöhe. Aus Federn sind sie nicht rauszukriegen, drum dankt der Reisende Gott für Stroh. „In sechs Wochen vielleicht...!" Am nächsten Morgen ist unser erster Gang zur Schiffahrtslinie. „Wann kommen wir von hier weg??" „Ja", sagt der Agent,„dos weiß noch keiner. Wir haben noch keine Nachricht. Der Dampfer ist auf dem Wege nach Lissabon. Aber wir haben ein Kabel bekommen... Es ist noch nicht sicher. ob der Dampfer überhaupt auf dieser Reise hier anlegt. Wir haben keine Fracht- Da wird es sich nicht lohnen für die paar Passagiere. Wie? Was sagen Sie? Was dann mit Ihnen wird? Na, Sie bleiben dann eben schön hier. Hier ist es doch sehr nett. Und es tostet Sie nichts. Auf der nächsten Reise legt er dann sicher an. S o i n 6 W o ch e n. Wie. was sagen Sie? Das ist Ihnen nicht recht, hier 6 Wochen zu warten? Wieso? Was gefällt Ihnen denn nicht? Warum haben Sie es denn so eilig? Sie kommen noch früh genug nach Amerika. Warten Sie nur, bis Sie sich ein bißchen hier eingelebt haben. Dann gefällt es Ihnen so gut, dann wollen Sie gar nicht mehr weg. Waren Sie schon mal oben auf dem Berg? Warten Sie, morgen fahren wir mal hin. Oder heute abend beim Mondenschein. Da ist es noch viel schöner. Und dann zeige ich Ihnen mal mein Landhaus. Und dann besuchen wir mal den französischen Konsul. Der freut sich immer, wenn jemand kommt. Und jetzt gehen wir mal ein Glas Bier trinken, bei Fritz. Das ist ein Landsmann von Ihnen. Der macht echtes deutsches Bier. Er sagt, so richtig kriegt er es ja nicht raus, irgend etwas stimmt nicht mit dem Wasser oder der Luft, das Bier sammelt so komische Säuren... aber es geht schon, man kann es schon trinken, besonders wenn man tüchtig Eis hineintut..." „Eine gottverlassene Gegend", sagt Fritz,„aber nun ist man mal da. Ihr Dampfer? Nee, der kommt sicher nicht vor 6 Wochen, und da haben Sie Glück, wenn er das nächstemal hält. Das Klima? Miserabel. Selbst die Einheimischen hallen es nicht aus. Alle sind krank in den Beinen. Mit den Iahren kriegen es alle. Geschwollene Oberschenkel, immer schmerzhaft, scheußlich. Das liegt wohl an der Luft oder am Wasser. Immer die gleiche Temperatur, so trübfeuchte Hitze..." Was für komische Trachten die Frauen hier tragen, bemerken wir. Lange, schwarze Kape, mft einer riesigen Kapuze, die von innen versteift ist— von der ganzen Frau sieht man nichts als die Nasenspitze. Was unter diesem Kleidungsstück daherwandell, ist nicht zu ahnen, auch nicht die leiseste Andeutung von Linie ist be- merkbar. Wenn es je eine Kostümierung versucht hat, die Reize einer Frau zu verstecken, die azorene Tracht hat es fertiggebracht. Was macht man S Wochen hier auf den Azoren, um Golles- willen? Wir werden uns eine Zeitung taufen, schlage ich vor. Wir gehen in den Laden. „Eine europäische oder eine amerikanische Zeitung? Nein, das haben wir nicht. Wozu? Wir drucken ja hier selbst ein« Zeitung." Beim Konsul. „Kommen Sie!", winkt uns der Agent der Schiffahrtsgesellschaft über die Straße,„der französische Konsul läßt Sie bitten. Er wartet schon auf Sie." Damen aus Europa! O, wie fteut sich der Konsul! Besuch von der Kullur. Wenn man hier so sitzt... jahrelang. Er geht mit der Gartenschere durch den Garten und schneidet uns die schönsten Rosenknofpen ab. Nie im Leben habe ich einen solchen Strauß gesehen, und nie im Leben werde ich wohl wieder solch einen Strauß von Rosen sehen. Rosen, mft 29 Iahren Liebe gezüchtet, gepflegt von der Zärtlichteft eines alten, verlassenen Mannes. „Die Beine... ja. m den Oberschenkeln da schmerzt es. Aber ich Habs hier meine Rosen. Und dann muß ich Ihnen mein G e- wächshaus zeigen. Tropenpflanzen, das Seltenste vom Seltenen. Natürlich, fleischfressende Pflanzen möchten Sie gerne sehen. Hier die weißen Kelche. Riechen Sie mal. Betäubend, wie? Riechen Sie nicht zu lange. Sehen Sie, diese hier ist geschlossen. Die Blüte frißt gerade. Di« offenen Blüten strömen den betäubenden Duft aus. Fliegen, Käfer, Motten, was so darüber hinwegsliegt, wird betäubt und fällt in den Kelch. Dann schließt er sich. Wenn die Blume verdaut hat, öffnet sie sich wieder. Aber nun werde ich Ihnen das Schönste zeigen, mein« Ananesbeete." Ananas, die Hauptindustrie der Azoren. Sie wachsen hier nicht ftei wie in Honolulu, sondern in riesigen Glashäusern. Wo man hinguckt auf den Azoren, stehen Glashäuser. Die Azoren- ananas ist preisgekrönt auf dem Weltmarkt. Nach 3 Tagen Azoren. nach 3 Tagen Ananas kann man natürlich eine Ananas nicht mehr sehen noch riechen und verwünscht alle Ananässe zum Teufel und hofft nur noch auf den ftanzöstschen Dampfer. Auf dem Berg. Wir machen den versprochenen Ausflug auf den B e r g. O ja, es ist ganz nett, Fels, Stein, Strauch, Meer und noch mehr Meer und Glashäuser und Strauch und Stein und Fels und lauter, lauter Azoren-Portugiesen. Und Ziegenmilch und Essizwein und Fliegen und verbranntes Fleisch in Oel und seifiges Bier und ein portu- giesisches Käseblättchen und 3 lange, lang« Wochen ziehen sich in die Zukunft hinein... Ja. wird mancher denken, es gibt halt Leute, die nie zufrieden find. Ich säße gerne 6 Wochen gratis auf den Azoren. Ja, es gibt Leute, die nie zufrieden sind. Ich denke zum Beispiel an die Dame aus Bromberg, die mit uns von Genua abfuhr, zum erstenmal hinaus aufs weite Meer. Als man nichts mehr sah als Wasser und Wasser, ließ sie ihre Augen um den ganzen Horizont herumlaufen und sagte:„Das ist das große, weite Meer? Na, das habe ich mir aber viel größer vorgestellt!" Nein, ich bin nicht so. Ueberall auf der Well mache ich es mir gemütlich. Aber mit den Azoren, nein. mit den Azoren kann man mich jagen. Und doch habe ich etwas gesehen auf den Azoren, das mich manchmal sinnen läßt— wie fern, wie fremd ist uns doch ein fernes, ftemdes Land. Der Fremde betastet es aber er fühlt es nicht. Da waren diese Augen der alten Neger-Portu- g i e s i n, die neben mir aus einem Stückchen Mörtelmauer saß. Nur ihre Augen waren zu sehen, Kappe und Kapuze und Augen. Ich habe nie solche Augen gesehen. Augen voll Leid und Liebe. Was sind das für Inseln hier mitten im großen Atlantischen Ozean, mit einem weltverschlagenen Häuflein Menschen... der Globettotter rennt vorüber, der Globetrotter rennt und rennt. Springt von Madeira über die Azoren nach New Pork. Vielleicht habe ich den Azoren doch Unrecht getan? Habe geschrieben, ohne vorher gelesen zu haben... in den Augen dieser alten Frau? „Der Dampfer kommt!" Der ganze Ort rannte zusammen. Der Agent kam die Straße herunter. Die Ziegenbuben schrien zu meinen Fenstern herauf: „Signora, Signora! der Dampfer kommt! Der Dampfer legt an! Der Dampfer hat eben gefunkt! Der Dampfer kommt Sie holen!!!" Das muß man den Franzosen lassen: gegen Frauen immer Kavaliere. Nein, sie lassen eine Frau nicht sitzen auf den Azoren. mcrci, monsicur", sagt« ich zu dem Kapftän. „�lais je vous en pries, madajne." „Es ist mir ein besonderes Vergnügen, Madame", lächelle der Kapitän und begleftete das Lächeln mit einer grandiosen Hand- bewegung lateinischer Grazie. Mit einem riesigen Korb voll Rosen und Ananas schwamm ich noch Westen, und die Azoren oersanken. Inlandeis und Qleifcheir Sine Plauderei für die 9£undslage/ Ton ä)r. Soief Weinberg Wenn uns jemand erzählt, daß mehr als der zehnte Teil des irdischen Festlandes von dickem Eis bedeckt ist, von so dickem Eis, daß man den Berliner Dom mehrfach aufeinander stellen müßte, und dann würde die Spitze noch kaum herausgucken. dann lächeln wir mitleidig und schütteln ebenso ungläubig den Kopf, als wenn wir hören würden: Hitler hat seine Braunhemden in barmherzige Bruder verwandell. Demnach: 15 Millionen Quadrat! Uometer von 136 Millionen Quadratkilometer Festland überhaupt liegen unter körnigem, bis 599 Meter dickem Inlandeis oder unter Gletschern vergraben. Frei- lich, das meist« davon ist nicht in den gemäßigten Zonen. Das war früher einmal gewesen! In der Eiszeit. Wo von Skandinavien her bis zum Harz und den übrigen Mittelgebirgen an 1999 Meter mächtige Eisdecken reichten und aus den Alpen furchtbar« Gletscher bis halbwegs zur Donau herabginaen/ Da waren im ganzen 6,5 Millionen Quadratkilometer Festland der jetzt gemäßigten Zonen in Europa(Norddeutsche Tiefebene, Großbritannien. Alpen, Bogesen, Schwarzwald usw.) und in Nordamerika vom Eise bedeckt. Heute sind von den 15,194 Mllionen Quadratkilometer Eisflächen 2,1 Million Quadratkilometer in der Arktis, also in Grönland und um den Nordpol herum. 13.9 Millionen Quadratkilometer im süd- polaren Kontinent und nur 52 999 Quadratkilometer in den gemäßigten Zonen In ganz Europa sind es einschließlich Skandi- navien nur 9999 Quadratkilometer, in ganz Asien nur 12 999 Qua- dratkilometer. Nordamerika beansprucht 29 999 Quadratkilometer, Südamerika 19 999 Quadratkilometer. Knapp 1999 Quadratkilometer sind aui Neuseeland vergletschert und in Aftika sind es gar nur 29 Quadratkilometer(Kenia. Kilimandscharo, Ruwenzori). Das weiße Pulver, das an der Sonne zergeht, ist den meisten Negern so unbekannt, daß kaum«in Wort dafür in ihren Sprachen vor- handen ist. Die Gletscher haben in den gemäßigten Zonen die wichtige Aufgabe, die Gebirg« von übermäßigem Schnee in geordnetem Verfahren zu entlasten. Das ungeordnete Verfahren hierzu sind die Lawinen. Da geht er mft Donnerkrachen und riesigen Staub- wölken in die Tiefe, mächtige Bäum« werden mitunter zu Streich- holzspielen verwendet. Schindeldächer zerflattern wie Vogelschwärme beim Büchsenknall— so braust binnen wenigen Minuten die fürch- terliche Staublawine, die zirka 799 999 Kubikmeter Pulverschnee in die Tiefe reißt, an den steilen Hängen nieder. Ganz anders der bedächtige Gletscher. Jahr um Jahr sammelt er in seinem Nährgebiet, das je nach Länge, Höhe und Bodengestalt bis zu 1999 Quadratkilometer umfassen kann(Iortedalsbrä in Skandinavien 949 bis 1976 Quadratkilometer, gleich zweieinhalbmal Schaumburg-Lippe. Schneesee im Karakorum 399 Quadratkilo- meter gleich Reuh a. L.) Schneelast auf Schneelast an: ordentliche Jahresringe kann man da unterscheiden. Und dann gleiten diese zu körrrigem Firneis verwandelten und unter Druck zu elastischen blauen Eismassen gewordenen Ströme zu Tal. Nur 9,1 bis 9,4 Meter täglich im Durchschnitt rücken sie vor. 459 Jahr« braucht«in Eiskorn vom Iungftaugipfel, bis es als Gletschermilch am Gletscher- tor des großen Aletfch hervorquillt. Nur in den heißen Sommer- monaten werden Tagesgeschwindigkeiten von 1 Meter in den Alpen, von 2 bis 3 Meter im Himalaja und im grönländischen Inlandeis erreicht. Freilich, hin und wieder ergibt sich auch«in schnelleres Marschtempo. Solch« Eilmärsche führten zum Beispiel der V« r- nagt in Tirol oder der D e w d a r o k im Kaukasus 1845 aus. Dies« Sprinter brachten es bis auf 1,9 Meter stündlich. Dort, wo man vom Inlandeis spricht, gehen von einer Firn- sammelstelle mitunter 39 bis 49 Einzelströme aus. In unseren Alpen entsenden sie meist nur zwei oder drei Zungen, wenn auch von beträchtlicher Läng«. Der größte Alpengletfcher ist der große Aletsch mit insgesamt 129 Quadratkilometer Umfang(doppelt so groß wie die Republik San Marino). Das Montblancgebiet und das Berner Oberland haben doneben noch den G o r n e r(67 Quadrat- kilometer), den F i e t s ch« r(41 Quadratkilometer), den Unter- aargletfcher(39 Quadratkilometer) sowie das M e r de glace(Eismeer-Jungfrau, 55 Quadratkilometer). Die Ostalpen besitzen als größtes Kees(dortiger Name für Gletscher) die Pasterze(32 Quadratkilometer), im Alpengebiet überhaupt gibt es 3899 Quadratkilometer Firnfelder. Der Aletschgletscher beginnt an dem 3789 Meter hochgelegenen Kontordiaplatz und hat eine Länge von 16,5 Kilometer bei einer durchschnittlichen Breite von 1,5 Kilometer. Seine zwei Seftenarme (Mittel- und Oberaletjch) sind weniger mächtig. Er endet bei den Siedlungen Ober- und Unteraletsch in etwa 1459 Meter Höh«. Alle übrigen alpinen Gletscher sind von geringeren Dimensionen, wenn schon die von ihnen zu Tal geschafften Wassermengen(in Form von Firn) sehr viel beträchtlicher sind als die von einzelnen Lawinen niedergeworfenen Schneemassen. Der Hintereisgletscher im Oetztal (ein kleiner Kerl) hat eine jährliche Abschmelze von rund 19,2 Mil- lionen Kubikmeter Wasser. In ihm liegen nach den Ergebnissen von Bohrungen die Eismassen zirka 229 Meter stark. Wesentlich größer sind die Gletscher im Kaukasus und Himalaja. Der am Hisparpaß im Kaukasus(5389 Meter hoch) gemeinsam mit dem 51 Kilometer langen Biafagletscher entspringende Hispargletscher hat eine Länge von rund 69 Kilometer Der Inyltsch im Tienschan erreicht 79 bis 75 Kilometer, der Humboldt- Gletscher aber in Grönland dürfte mit seinen 119 Kilometer Läng» wohl den Rekord halten. Er bricht mft einer zirka 199 Meier hohen Eiswand am Meere ab. Wo so«in vom Inlandeis zum Meer« entsandter Eisstrom mündet, entstehen derartige Abbrüche nicht selten in noch viel größerer Höhe. Denn die Eisberge, die von dort her- rühren, wo«in Gletscher„kalbt", haben vereinzell schon Mächtig- keiten von 399 bis 599 Meter(davon fünf Sechstel unter Wasser!) gezeigt. Immerhin ragt so ein schimmernder Klotz sein« 59 bi» 79 Meter über die Wasserfläche empor und die Unklarheft über dt« Form seines Unterwasserteiles wie auch seiner Gesamtmasse führen mitunter Schiffskatastrophen herbei wie jene der Titanic. Unter hellem Himmel, im Sonnenglanz, liegt blauleuchtend«» Eis in Willionen Kubikmetern an den Flanken der Berge. Nicht starr wie da» Eis unserer Flüsse und Teiche im Winter. Zäh, ge- schmeidig, sich in riesigen Bruchspalten von unenträtselbarer Tief« öffnend, von glucksenden Wässerchen an der Oberfläche überrieselt. von Gletscherflöhen und blutroten Algen bewohnt(es gibt wirklich Tier- und Pflanzenleben auf den eisigen Flächen!) und unvorstell- bore S t e i n l a st e n zu Tal schleppend: Das sind die E i» st r 3 m e, die au» den Höhen zu den Niederungen fließen und sich dabei dem Gelände anpassen, nicht ohne ihr« Spuren darin einzugraben, an denen man, wie an den abgelagerten Moränen noch hunderttausend und Millionen Jahre nach ihrem Abschmelzen ihr Dasein nachweisen kann. Ganze Landschaften haben sie aufgebaut mit ihren Schutt- Massen. Das Alpenvorland hat seinen hügeligen Charakter den Gletschern der Eiszeit zu verdanken und auch in der Nord« deutschen Tieseben« haben sie ihr« Besuchskarten in Gestalt von erratischen Blöcken, Moränen und Kratzern im Gestein da und dort hinterlassen. In den Gebirgen haben sie mächtige Trogtäler mit breiter Sohl« und steilen Wänden ausgehobelt. Und immer arbeiten sie mit starken Kräften am Bild der Landschaft, bald vor- stoßend, bald zurückweichend erobern sie Land oder verlieren es an Wald oder vermurt« Wiesen. Mitunter zwängen sie sich in paradie- fische Gebiete ein, so zum Beispiel in den Anden Süd- amerikas, wo an chren Rändern Papageien lärmen und Äolchri das Laubwerk üppiger Wälder durchschlüpfen. Im allgemeinen lieben sie die Höhen von über 1599 Meter, in Afrika von über 4499 Meter, in Amerika über 3999 Meter. Und dennoch sind sie nicht so furchtbar kalt, wie man meinen möchte. Die Durchschnittstemperatur im Innern der Eismassen beträgt noch nicht— 1 Grad im Sommer. Wer auch im Winter kann sich die grimmigste Kälte nicht im Innern austoben. Die Außen- haut fteilich, die friert zu tlirrhartem Eis und wenn eine Spalte aufbricht, dann donneris und krachts gewallig(der Gletscher„brüllt"), weil die stärker gefrorenen Außenschichten andere Spannungsver- Hältnisse aufweisen als die geschmeidigen Tiefenschichten. Ein wunderbares Wert, die Gletscher! Nicht restlos freundlich dem Menschen, denn unter trügerischer Decke verbergen sich mörde- rrsche Spallen— aber herrlich im Aufbau, ausgeglichen w den Ge- setzen und in den Formen, die die Gesetze der Materie aufgeprägt haben. Ihr Nutzen im Haushalt der Natur? Bindung von Feuchtigkeit, die in Form von Schnee niedergegangen fft und, wenn sie in Lawinen zu Tal gehen würde, einen Teil der Alpen und der Gebüg« überhaupt, unbewohnbar machen würde. Auch die Gletscher sind ein Beweis dafür, wie planmäßig und wohlüberlegt die Natur ihren Haushall führt. Und welche Schönheft sie mit dem einfachen Mittel„Gefrorenes Wasser" hervorzuzaubern vermag. Da können wir Menschen nicht einmal dann mft, wenn wir diesem ge- froren«» Wasser wohldustende Vanille oder süßen, blutroten Him- beersast beimischen und es als Speiseeis verkaufen. Wie wohl in den Hundstagen«ine Schale Fruchteis für uns das ist, was für nordischen Eisbärenadel Seehundfilet naturell ist. 2. Beilage des Vorwärts Rr.Z77» 49. Jahrgang t�L/vllilUv Vvv IVill lv Freitag, 12. August 4932 Auf WUNItlsctisn icönnsn Sie unter tsussnclen Nest- paaren in allen Grössen nach Herzenslust wählen für Rett" und Einzel Paare Modellpaare bis zu 70% herabgesetzt! Nur noch wenige Tage! lehensehluss'Veckouf l.— 20. Augu«» Notwendige{ Die Leistungen der Neb er die Konsu mvereine und ihr« Einrichtu ngen Hut sich in den letzten Tagen im Ausammenhang mit den Vorgängen beim Ber- liner Beamtenwirtschaftsverein eine umfangreiche Meinungsäußerung in der Presse entwickelt, die einige t ia t s ä ch- liche Feststellungen nötig macht. Es mag dahin gestellt sein, welch« Ursachen zu den Schmie- rigkeiten der Berliner Beamtenorganisation sühnen. Ein an- gesehenes bürgerliches Blatt berichtet, daß nicht allein die Whebun- gen infolge der Bankenkvise und die Schwierigkeiten der Beamten- danken, sondern auch besondere Mißgriff« und ein« längere Verlust- Wirtschaft die Lage zugespitzt haben soll. Jedenfalls liegt hier an- erkanntermaßen ein Sonderfall vor, und es wird mit Recht von der bürgerlichen Handelspresse betont,.chaß man diesen Sonder- fall nicht der alten Konsumvereinsbewegung zur Last legen darf". Die Verdienste der Konsumvereine für den Wiederaufbau der Sparbildung sind unbe st ritten. Sie finden den beredtesten Ausdruck darin, daß die Spareinlagen des Zentralverbandes von 40 Millionen Mark am Jahresend« 1924 auf über 400 Millionen Mark Mitte 1930 anwachsen konnten. Ein Beweis für das Vertrauen zur organisierten Verbraucherschast, für ihre Festigung und die Ausdehnung ihrer Leistungen. Wir geben ein amtliches Zeugnis des Statistischen Reichs- a m t z über diese Entwicklung wieder:„Mit dem wachsenden Ber- trauen zu den Konsumvereinen stieg die Anzahl der Sparer bei den Konsumvereinen relativ stärker als bei den Sparkassen und Kredit- genossenschaften. Die Konsumvereine des Zentralver- b a n d e s haben die alten Markspareinlagen(entwertete Papiermark D. Red.) um durchschnittlich über 25 Proz. aufgewertet, teilweise so- gar bis zu 40 Proz. und darüber. Dies ist um so bemerkenswerter, als die Konsumvereine zu einer Aufwertung ihrer Spareinlagen nicht gesetzlich oerpflichtet waren." Die Zunahme der Arbeitslosigkeit und die Herab drückung der Löhne und Gehälter hat nun eine große Anzahl der Konsumoereinsmitglieder zur Abhebung und zum Verzehr der Spareinlagen gezwungen, dazu kamen beträchtliche Angst- abhebungen als Folge der Krise der Privatbanken und der inner- politischen Unruhen. Die Zentralverbands-Konsumvereine haben nun mit Hilfe der GEG., die die Liquiditätsreseroen verwaltet, vom Juli vorigen Jahres bis Ende März 1932 völlig aus eigener Krast rund 100 Millionen, ein Viertel des Einlagebestandes, zu Auszahlungen bereitstellen können. Das ist«ine Leistung, die im ganzen deutschen Kredit- und Sparkassenwesen einzig dasteht und die auch von der objektiven bürgerlichen Presse voll an- erkannt wird.„Das ist eine Liquiditätsleistung, die auf eine gesunde Basis und auf«ine solide Geschäftsführung schließen läßt", so sagt das gewiß für die Konsumvereine nicht voreingenommene „Berliner Tageblatt". Zweierlei ZNaß. Wenn man bedenkt, daß das Reich mehr als eine Milliarde Mark für die Stützung der Großbanken aufwenden muhte, daß den Mammutbanken, einschließlich der Deutschen Bank, aber auch den Sparkassen große Hilfsstellungen für die Befriedigung der ver- hältnismähig viel geringeren Abhebungen gewährt werden mußten, dann wird diese Leistung er st ins richtige Licht gerückt. Das Reich hat bisher gegenüber den Konsumvereinen nur ganz geringfügige Maßnahmen getroffen. Wenn das„Berliner Tageblatt" berichtet, daß die Zentralver- bands-Konsumvereine 20 Millionen Reichskredite erhalten haben, so ist das in dieser Form unzutrefsend. Erstens handelt es sich hierbei gar nicht um Kredite, sondern um nahezu risikolose Bürg- schaften für einige örtliche Konsumvereine, die aus Grund be- sonderer örtlich bedingter Verhältnisse bei der Preußenkasse, dem Zentralinstitut der Genossenschaften, gegen beste Sicherheiten Kredite erhielten. Es ist aber bisher die aus 20 Millionen Mark begrenzte Bürgschaft auch noch nicht annähernd in Anspruch genommen wor- den. Der Reichsausweis vom 31. März des Jahres verzeichnet insgesamt 8)4 Millionen Garantien für alle Konsumvereine einschließlich der christlichen. Die Reichsgarantie dürfte auch jetzt noch nicht annähernd ausgeschöpft sein, so daß dem Zentralverband hier noch Rückgrifsreseroen zur Verfügung stehen. In diesem Rahmen dürfte wohl auch die Mittelstärkung für die Berliner Konsumgesellschaft erfolgt sein, die infolge der vorüber- gehenden Beunruhigung nach der Zahlungseinstellung des Beamten- wirtschaftsvereins vorgenommen wurde. Demgegenüber sind die anderen genossenschaftlichen Verbände vom Reich mit Riesenzuschüssen und Kre» y v 1 1 1 1 Konsumsparkassen. diten bedacht worden. Wir wollen ganz schweigen von den jähre- langen Subventionen und Stützungen der landwirtschaftlichen Ge- nossenschaften, aber auch die Zuwendungen an Sie gewerblichen Genossenschaften lassen sich sehen. Diese erhielten in den letzten Jahren 20 Millionen verlorene Reichszuschüsse und in der letzten Notverordnung sind ihnen noch einmal 15 Millionen ver- lorene Zuschüsse, also insgesamt 35 Millionen zugebilligt. Außer- dem erreichten die Reichsbürgschaften für die gewerblichen Genossen- schaften bereits Ende März des Jahres fast 50 Millionen Mark, dazu kommen noch die mannigfachen internen Stützungen durch reichseigene Banken. Die konsumvereinswirtschast ist aus eigener Kraft ohne fremde Hilfe durch ihre Leistungen und durch die Treu« ihrer Mitglied- schast zu einer Macht geworden. Sie hat keine staatliche Förderung erfahren, im Gegenteil wiederholt Beeinträchtigungen durch Maßnahmen der Sonderbesteuerung. Sie würde den Staat oder öffentliche Kredite niemals in Anspruch genommen haben, wenn nicht die Mißwirtschaft der Privatwirtschaft solch wahnwitzige Arbeitslosigkeit erzeugt und nicht durch die Notverordnungen die Lebenshaltung der Massen unter dos Existenzminimum gedrückt worden wäre. Das Vermögen der Konsumvereine, die Einlagen der Sparer sind trotzdem heute noch absolut sicher. Ebenso ist jeder Kredit sicher, der der großen Konsumvereinsbewegung gegeben wird. Der Lankkommissar hat vor nicht langer Zeil die Konsumwirtschost als ein Muster solider wirtschosl bezeichnet. Derselben Auffassung sind die Stellen, die die Kredite selbst gewähren. Das einzige, was wirklich bedauerlich ist in der Konsumvereinswirtschast, da, ist die Nervosität der Sparer. Sie allein ist an den jetzigen Le- schränkungen schuld, hört sie aber aus, dann hören auch alle Sparersorgen auf. Im übrigen haben die Konsumvereine nach diesen anerkannten Leistungen einen Anspruch aus ein M i n d e st m a ß von st a a t- licher Achtung und Berücksichtigung und aus die Beseitigung wenigstens der krassesten Schlechterstellungen aus steuerlichem Gebiet wie hinsichtlich der berechtigten Liquiditätshilse. Die pleiie des Kapitalismus. Die industrielle Weltproduktion 10 proz unter Vorkriegsstand- bei einer um 12 proz. gestiegenen Bevölkerung. Die Unfähigkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems wird durch eine Zusamenstellung des Instituts für Konjunkturforschung über die industrielle Warenerzeugung der Welt grell beleuchtet. Die Krise hat sich in den legten Monaten weiter v e r s ch ä r s t. Setzt man die industrielle Weltproduktion des Jahres 1928 gleich 100, so betrug sie im Januar dieses Jahres nur noch 76,1; bis zum Juni aber ist sie auf 67,0 zurückgegangen. Danach produzieren die � Industrien der ganzen Welt zur Zeit 10 Proz. weniger als im Iah-«»« 101 3. Rechnet man aber i»e Produktion mif den Kopf der Bevölkerung um— die Weltbeoölkerung ist seit 1913 um 12 Proz. gestiegen—, so ergibt sich ein Produktionsrückgang um etwa ein Fünftel gegenüber der Vorkriegszeit. Von dem Produktionsrückgang erfaßt sind alle Länder der Well, mit zwei Ausnahmen, Ruhland, das ja sein« Industrie mit allen staatlichen Mitteln(mchtkapitalistisch) ausbaut, und Japan; dieses aber macht Inflation. Stärker als im Weltdurchschnitt ist die industrielle Produktion Deutschlands auf 53,8(1928 gleich 100) gesunken. Aber die industrielle Produktion der Vereinigten Staaten beträgt nur noch 5 3,2. Und hier hat es doch weder eine staatliche Lohnpolitik noch hohe Soziallasten noch eine staatskapitalistische Einmischung der öffentlichen Hand ge- geben, Errungenschaften, deren demagogische Bekämpfung die Ver- antwortlichkeit der deutschen Kapitalisten für die Krise ver- tuschen soll. Beachtlich ist die Veränderung in der Zusammensetzung der internationalen Produktion. Wesentliche Stütze für die geringe Beschäftigung ist die Produktion von Konsumgütern. So hat sich die Textilproduktion gegenüber 1928 nur um etwa 15 Proz. gesenkt. Die Kohlenerzeugung, die für die Produktions- wie für die Konsumwirtschaft etwa gleich wichtig ist, weist einen Rückgang um etwa 30 Proz. aus. Aber der Erzeugung von Produktions- Mitteln ist viel stärker gesunken— die Produktion von Maschinen um 55 Proz., die von Eisen und Stahl um 53 Proz., die von Kraftfahrzeugen um 70 Proz. und die von Schiffen um fast 90 Proz. Der Anteil der einzelnen Länder an der Weltproduktion hat sich wesentlich verschoben. Deutschlands Anteil hat sich allgemein verringert; ober in der Maschinenproduktion hat er sich von 13,7 Proz. im Jahre 1928 auf 13,9 Proz. im Jahre 1931 erhöht. Der Anteil Großbritanniens an der Weltproduktion hat sich im Zusammenhang mit der Pfundentwertung erhöht; aber in der für England so wichtigen Textilproduktion ist sein Anteil von 15,1 auf 12,7 Proz. zurückgegangen. In der internationalen Textilproduktion hat B r i t i s ch- I n d i e n am stärksten gewonnen: 1928 produzierte es 6,5 Proz., im Jahre 1931 aber 11 Proz. der Wetttextilproduktion. Verloren haben am stärksten dje Ver- «inigten Staaten: ihr Anteil an der Roheisenproduktion ging von 43 auf 23 Proz., an der Maschinenproduktion von 57 auf 37 Proz. zurück._ Belgiens Kohlenbergbau. Oer verspätete Kriseneinbruch.— Material zum Berg- arbeiterstreik. Die Hauptursache der Lohnkämpfe im belgischen Kohlenbergbau bildet neben der fehlerhaften Verkoppelung der Löhne mit dem Kohlenpreis der verspätete Kriseneinbruch in der belgischen Kohlen- Wirtschaft. Die verhältnismäßig starke Widerstandsfähigkeit der belgischen Wirtschast hieltauch1931 diebelgischeKohlen- förderung noch hoch. Im Monatsdurchschnitt wurden 2,25 Mill. Tonnen Kohle gefördert gegenüber 2,28 Mill. Tonnen im Monatsdurchschnitt 1930. Demgemäß ging auch die Zahl der Berg- arbeiter im Gegensatz zu anderen Ländern nur unbedeutend zurück, nämlich von 155 000 auf 152 000. Zu Beginn des Jahres 1932 waren im belgischen Kohlenbergbau knapp 149 000 Arbeiter be- schäftigt, davon 105 000 unter Tage. Stärker als in dem Rückgang der Kohlenförderung kamen jedoch schon 1930 die Krisenauswirkungen in einer fortgesetzten Erhöhung der Haldenvorräte zum Aus- druck. Diese Vorräte hatten im Durchschnitt des Jahres 1930 erst 1,61 Mill. Tonnen betragen, wuchsen aber bis Ende 1931 auf 3,54 Mill. Tonnen an. Das Jahr 1932 hat einerseits eine starke Produktions- Verminderung, andererseits aber trotzdem eine weitere Erhöhung der Haldenvorräte gebracht. Vom Januar bis zum Mai verminderte sich die Produktion von 2,13 auf 1,83 Millionen Tonnen, die Belegschasts- zifser ging von 149 000 auf 143 500 zurück, trotzdem erhöhten sich aber die Vorräte von 3,72 Millionen Tonnen im' Januar auf 3,92 Mill. Tonnen im Mai. Roch stärker ist der Rückgang bei anderen Erzeugnissen des Kohlenbergbaus. Die Koksproduktion be- trug im Mai 1932 nur noch 386 000 Tonnen gegenüber 417 000 Tonnen im Mai 1931; damals waren 4961 Arbeiter in Kokereien beschäftigt, im Mai 1932 aber nur noch 4070. Die Brikett- erzeugung verminderte sich von 167 000 Tonnen im Mai 1931 aus 103 000 Tonnen im Mai 1932, die Zahl der beschäftigten Arbeiter in der gleichen Zeit von 1130 auf 817. Die belgischen Zechen haben versucht, die finanziellen Auswirkungen des Kriseneinbruchs auf dem Kohlen- und Koksmarkt dadurch weitgehend abzuwälzen, daß sie außer den umfangreichen Bergarbeiterentlassungen auch weitgehende Lohnkürzun- gen vornahmen. Nachdem die Löhne schon im Jahre 1931 erheb- lich gekürzt worden waren, wurden am 20. März 1932 eine weitere Verminderung um 5 Proz. und im Juni eine Kürzung um aber- mals 5 Proz. durchgeführt. Im südlichen Köhlenrevier betrugen, � hauptsächlich infolge der Lohnreduzierungen, die S e l b st k o st e n für 1 Tonne Köhlen nur noch 145 Franken gegenüber mehr als 169 Franken im Durchschnitt des Jahres 1930. Zweifellos haben die belgischen Bergbauunter- n e h m e r bis vor einigen Monaten geglaubt, einen Teil ihrer Haldenoorräte absetzen zu können. Wenn gegenwärtig mehr als 4 Millionen Tonnen Haldenvorräte vorhanden sind, so bedeutet das einen gegenwärtig unoerwertbaren Posten von rund 600 Millionen Franken. Es ist klar, daß die Finanzierung einer so großen Vor- ratshaltung den Bergbaugesellschaften große Zinslasten aufbürdet. Daß daher im Jahre 1931 die Erträge der meisten Zechengesell- schaften erheblich niedriger waren als in den Vorjahren, ist unter diesen Umständen nicht verwunderlich. Hätten sich die belgischen Zechenunternehmungen rechtzeitig auf den verminderten Kohlen- und Koksbedarf der belgischen Wirtschaft eingestellt, dann wäre ihre finanzielle Lage zweifellos erheblich besser; stattdessen sollen nunmehr die belgischen Bergarbeiter allein die Folgen einer verfehlten Unternehmerpolitik tragen. Mr billigstes Schuhwerk. Der Reichsverband deutscher Schuhhändler meldet für den Monat Juli einen neuerlichen Rückgang der wertmäßigen Umsätze des Schuhhandels gegenüber den früheren Monaten um rund 10 Proz. Gegenüber dem Juli vorigen Jahres blieben die wert- mähigen Umsätze um durchschnittlich 25 Proz. zurück. Dabei ist be- merkenswert, daß die mengenmäßigen Umsätze offenbar im Juli dieses Jahres nicht zurückgegangen sind— zum Teil auf den im Juli schon begonnenen Ausverkauf zurückzuführen—, weil der