Morgenausgabe Nr. 379 A 157 49.Iahrgang Wöchmtlich 75 Ps. monatlich 3,25 M. ldavon 87 Pf. monatlich für Zustel- lung ins Haus» im voraus zahlbar. Postbezug 3,»7 M. einschließlich SO Pf. Poitzeitungs- und 72 Pf. Postbestellge- dühren. Auslandsabonnement 5,65 M. pro Monat? für Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto 4.65 M Lei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht lein Anspruch der Abonnenten aus Ersaz. • Erscheinungsweise und Anzeigenpreise steh« am Schluß des redaktionellen Teil» ri-f> Berliner Volksblatt Sonnabend 15. August 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pj. Jentralorgan der Sozialdemokratischen Partei DeutschlaMM Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 szernspr.: Dönhoff(A T) 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdeinokral Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 97 536.— Banflonlo: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beainten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.Diic..G«s., Deposttenk., Jerusalemer Str. 65st>S dleuer 5trsicti geplant! Notverordnung gegen die Selbstverwaltung. Noch ist die Frage, ob der sogenannte R e i ch s k o m- m i s s a r in Preußen überhaupt zu Recht amtiert, nicht ent- schieden. Noch sind mit uns weite Kreise des deutschen Volkes der Ueberzeugung, daß weder eine sachliche Notwendigkeit noch eine rechtliche Grundlage für seine Einsetzung vorhanden war. Noch steht der Spruch des Staalsgerichtshofs über die Verfassungsmäßigkeit oder Verfassungswidrigkeit der Aktion aus. Aber schon wird hinter den verschlossenen Türen dieser kommissarischen Regierung, die selbst nicht einmal wagt, sich„Staatsregierung" zu nennen, ge- arbeitet, als ob sie auf Jahre hinaus etabliert sei. Schon ist Herr Bracht mit seinen übrigen„Beauftragten" dabei, der preußischen Verfassung den Stempel seines Geistes, des Geistes seiner Auftraggeber aufzudrücken. Nach außen hin heißt es:„Ich denke nicht daran, mich auf längere Zeit im preußischen Innenministerium niederzulassen." Aber in den Büros wird unterdessen an Mahnahmen ge- arbeitet, die grund st ürzende Veränderungen in der bisherigen Struktur des Staates und seiner Gemeinden herbeiführen sollen. Die Oeffentlichkeit soll offenbar überrascht werden mit einem unabänderlichen Dekret, das jetzt als„Entwurf über die Aenderung des Landesverwaltungsrechts, des Gemeindever- waltungsrechts und des Polizeioerwaltungsgesetzes" den ein- zelnen Ministerien zur Aeußerung vorliegt. Wenn wir recht unterrichtet sind, soll dieses Produkt aus verdächtiger Heim- lichkeit und noch verdächtigerer Eilfertigkeit schon in der näch- sten Woche als Notoerordnung verkündet werden. Sollte wenigstens. Aber der Sturm der Ent» r ü st u n g, der sich jetzt bei dem vorzeitigen Bekanntwerden der geplanten Machenschaften erheben wird, wird hoffentlich diesen Entwurf samt den etwa noch vorhandenen ähnlichen Genres zum Fenster hinausfegen. Denn unter der schon alar- mierenden Firma dieses notzuverordnenden Gesetzes verbirgt sich nicht weniger als d e r b r u t a l st e E i n g ri s f m i n i st e- rieller Bürokratie in die Rechte der Selb st- Verwaltung, die Stabilierung der schrankenlosen Allmacht der Staatsregierung über alle Beschlüsse und Entscheidungen der Gemeindekörperschaften. Nichts anderes als dies heißt es doch, wenn ein„Staats- ausschuß" in Zukunft befugt sein soll, Beschlüsse der Gemein- den und Gemeindeverbände von sich aus aufzuheben, auch soweit sie mit den übrigen Mitteln der Staatsaufsicht nicht angefochten werden können! Was bedeutet dabei die Klausel von der„örtlichen Bedeutung" und von dem„Staatsinter- esse"! Bei welchem Beschluß könnte man die„nicht rein örtliche Bedeutung" oder den„Widerspruch mit dem Staats- interesfe" schließlich nicht konstruieren! Jeder, der die Ent- wicklung der letzten Wochen miterlebt hat, weiß, was sich da- hinter verbirgt: die Staatsregierung will die Möglichkeit haben, fortschrittliche Be- schlüsse f o r t s ch r i t t l i ch e r G e m e i n d e n vonsich aus aufheben zu können. Die reaktionäre Büro- kratie will fortschrittlich verwaltete Gemeinden, an die sie mit anderen Mitteln nicht herankommen kann, weil es noch so etwas wie eine Verfassung gibt, auf diesem Wege an die Kandare nehmen können. Und so etwas wagt man dem preußischen Volke zu servieren, ein Jahr nach der mit so großem Tamtam in Szene gesetzten Feier des Schöpfers der Selbstverwaltung in Deutschland! Dasselbe Mißtrauen, dieselbe Abneigung gegen alle irgendwie parlamentarischen oder auch nur kollegialen Körperschaften atmen sämtliche Bestimmungen dieses Ent- wurfs. Beseitigung der Provinzialschulkollegien, Beseitigung des Provinzialrats, Fortfall aller Plenar- und Kollegial- beschlüsse der Regierungsabteilungen— dafür Alleinmacht und Alleinverantwortung der Regierungspräsidenten, unter denen eben der Reichskommissar im Sinne des Kabinetts der Barone aufgeräumt hat! Das ist die Verwaltungsreform des Herrn Bracht. Abhänd'gkeit, sklavische Abhängigkeit aller Verwaltungs- organe von der allmächtigen reaktionären Regierung ist das Motto. Selbst der„S t a a t s a u s s ch u ß". der die Re- visionsinstanz für alle Beschlüsse der bisherigen Selbstoerwal- tungskörper darstellt, ist ein nicht einmal getarntes Organ des Staatsministeriums. Unter 8 Mitgliedern sind ganze 3, die der Staatsrat(nicht etwa der Landtag!) zu wählen hat, wobei ihm gnädig der sonst so vielgeschmähte Proporz zu- gebilligt wird. Die übrigen 5 werden ernannt, vom Innen- minister bzw. vom Staatsministerium, was sachlich und per- sonell dasselbe bedeuten dürfte— also ein„Oberhaus", wie man es sich echter nicht denken kann. Und das alles sollte ein angeblich provisorisch amtieren- der Kommissar mit einem provisorisch zusammengeholten Die geplante Rotverordnung beruht aus einem„Entwurf über die Aenderung des Landesverwaltungs- recht», des Gemeindeverwaltungsrecht» und de» Polizeiverwaltungsgesetzes", der den einzelnen Ministerien zur Aeußerung vorliegt. Dieser Entwurf sieht zunächst die Bildung eines „Staatsausschuffes zur Mitwirkung bei bestimm- tcn Angelegenheiten der Landcsverwaltung" vor. Dieser Staatsausschuh soll aus dem Vorsitzenden und acht Mitgliedern bestehen. Vorsitzender ist der Minister des Innern oder ein von ihm zu bestellender Vertreter. Ie drei ständige Mitglieder und deren Stellvertreter werden vom Minister des Innern ernannt. Ie zwei Mitglieder ernennt das Staatsministerium und je drei ständige Mitglieder und deren Stellvertreter werden vom Staatsrat nach den Grundsätzen der Verhältniswahl, also nach der Reihen- sloge der höchstzahl, gewählt. Der Landtag bleibt dabei vollständig ausgeschaltet! Die Einberufung des Sloatsausschusses obliegt dem Minister de» Innern, so oft es die Gejchäslslage erfordert. Die gewählten Mit- glieder n?erden vereidigt und unterliegen dem Disziplinargesetz für die nichtrichterlichen Beamten. Das Ausgabengebiet dieses Staalsausschusses wird wie folgt umrissen: Er soll zuständig sein zur Entscheidung gegen einen an sich endgültigen Beschluß der veschlußbehörde, sosern deren Vorsitzender die Einlegung der Beschwerde aus Gründen des öffentlichen Wohles für geboten hält. Zerner soll der Minister des Innern Bcsrlzlüffc der Gemeinden und Gemeindcvcrbändc, die mit den übrigen Mitteln der«taatsaufsicht nicht angefochten werden können, mit Zustimmung des Ltaatsausschufscs aufheben können, wenn der Gegenstand der veschlußsafsung nicht von rein örtlicher Verschiebung der Schiebungen. Oer Kuhhandel kommt nicht vom Fleck. Wir haben ein Präsidialkabinett mit einen Reichskanzler, wir haben einen Reichskommissar für Preußen und einen Kommissar des Kommissars, wir haben einen neugewählten Reichstag und dito Landtag— aber wir haben keine Regierung! Es hält auch schwer, sie zu bekommen, obwohl der Herr von Papen sich dauernd darum bemüht, Besuche empfängt und an- kündigt und auf Besuche wartet. Am Freitag hat Papen dem Reichspräsidenten einen Besuch abgestattet und ihm„über die poli- tische Lage Bericht erstattet". Diese politische Lage ist doch völlig klar: Papen fühlt sich als„vom Parlament unabhängig", was brauchts da weiter? Aber Papen hat am Freitag auch Wolf den Großen erwartet. Wenigstens war dieser Besuch in der Oefsentlichkeit angekündigt. Aber wer nicht kam, war Hitler. Primadonnen sind oft ungnädig. So schickte diese zunächst einmal ihre Unterhändler: der Bolivianer R ö h m und der Kurfürstendammer H e l l d o r f verhandelten an Hitlers Statt mit dem zur Zeit noch amtierenden Kanzler des „neuen Systems". Ministerium auf dem Wege der Notverordnung in Kraft zu setzen wagen? Diese Vernichtung wichtigster Volksrechte, dieser Schlag gegen die Selbstverwaltung und Selbstbestimmung soll ohne Mitwirkung des vom Volk gewählten und doch immerhin noch bestehenden Land- tags, ohne den Beschluß einer rechtmäßig gewählten Regie- rung durchgeführt werden? Wer gibt Herrn von Papen oder Herrn Bracht das Recht und die Vollmacht zu einem so tiefen und entscheidenden Eingriff in das gesamte Ver- waltungsgefüge des Staates? Oder sollte die Plötzlichkeit, die Ueberraschung auch hier die fehlende Legitimation ersetzen? Bedeutung ist oder der Inhalt des Beschlusses mitdem Staats- interesfe in Widerspruch steht. Von dem in Aussicht genommenen Verfahren vor dem Staats- ausschuß ist den Gemeinden oder den Gemeindeverbänden wit- teilung zu machen. Bis zur Entscheidung darf der Beschluß nicht ausgeführt werden. Die dem Provinz ialfchulkollegium zugewiesenen staatlichen Ausgaben gehen aus die Regierungspräsiden- ten, in Verl in aus den Oberpräsidenten über. Der Provinzialrat wird vollkommen beseitigt. In Fällen, wo dieser in erster Instanz zu entscheiden hatte, gehen seine Funktionen auf die Oberpräsidenten über, in Fällen, wo er zweite Instanz war, ist künstig der Be- schluh des Bezirksausschusses endgültig, wo der Oberpräsident bis- her an die Zustimmung des Provinzialausschusies gebunden war. wird er künftig allein entscheiden. Die der Regierungsabteilung für Kirchen- und Schul- wesen zugewiesenen staatlichen Ausgaben gehen auf die R e- gierungspräsidenlen über. Dasselbe geschieht mit der Ab- teilung für direkte Steuern. Domänen und F o r st e n. In allen Fällen, wo bisher Plenarbeschluß oder kollegialer Beschluß der Regierungsabteilung notwendig war. ist künftig der Beschluß des Regierungspräsidenten maßgebend. Die Landeskulturämter werden ausgehoben. Ihre Ausgaben gehen auf die Regierungspräsidenten, in Berlin auf den Oberpräsidenten über. Dies der Hauptinhalt der geplanten Notverordnung. Möglich, daß man versuchen wird, ihn zu dementieren! Wir setzen aber jedem Dementi die Erklärung entgegen, daß der Plan, wie er hier dargestellt ist, tatsächlich besteht. Und Herr Kerrl, der famose Landtagspräsident? Wird er nun endlich dafür sorgen, daß der Landtag zusammentritt, noch eh e es zu spät ist? Die„Telegraphen-Union" Hilgenbergs versichert, es sei „anzunehmen, daß der Reichskanzler auch den nationalsozialisti- schen Abgeordneten gegenüber die bisher verfolgte L i ni e e ine s Präsidialkabinetts eingehalten hat, wonach sich in der Führung des gegenwärtigen Kabinetts als solcher nichts zu ändern habe. In unterrichteten Kreisen verweist man in diesem Zusammenhang auf die Tatsache. daßdieEinladungderZen' trumssraktion des Preußischen Landtages für Montag zu Verhandlungen über die Regierungsbildung in Preußen von der nationalsozialistischen Fraktion abgesagt worden ist,„da das ausschließlich Sache des Parteiführers Adolf Hitler sei". Man darf daraus schließen, daß Adolf hiller koali- tionsverhandlunaen sowohl im Reich wie auch in Preußen ablehnt und mit dem Grundgedanken eines Präsidialkabinetts als solchen einverstanden ist. Ueber die Personalfragen h o f f t in a n in Kreisen der Reichsregierung sich mit Hitler verständigen zu können, wobei auch die Frage des Postens eines Vizekanzlers und des preußischen Ministerpräsidenten eine Rolle spielen dürfte." Im Anschluß daran wird mitgeteilt, daß Hitler nun endgültig am Sonnabend von Papen und danach auch von Hindenburg „empsangen" werde. Vorausgesetzt natürlich, daß er es für gut findet, zu kommen. Das Zentrum wollte am Montag über Preußen verhandeln. Die Nazis sagen ab. Hugenberg sagt ab. Der Kuhhandel stockt. Aber gehandelt wird doch. Die geplante Verordnung. Bade im Gehrock! Brachte neueste Verordnung zur Sicherung der Sicherheit. Haussuchungen überall. Nur nicht in den Waffenarsenalen der SA. Herr Bracht hat am Freitag gleichzeitig mit den Haussuchungen im Karl-Liebknecht-Hau« in Berlin auch bei den kommunistischen Organisationen in vielen anderen Städten Waffensuche ab» halten lassen. In Köln, Essen, Wuppertal und Frankfurt a. M. wurden große Polizeiaktionen in kommunistischen Parteibüros durch- geführt. Bielfach wurden auch die Wohnungen kommunistischer Funktionäre durchsucht Die Suchaktion scheint nicht sehr ergiebig gewesen zu sein, denn größere Waffenfunds werden von keiner Stelle gemeldet. Das umfangreiche Schriftenmaterial, das in den ver- schiedenen Büros der KPD., j)er REO. und der Antifa beschlagnahmt wurde, wird noch gesichtet. Die Thüringer Landespolizei nahm am Freitag eine Durch- suchung des sozialdemokratischen Volkshauses in Sonneberg vor. Es wurden mehrere Pistolen und dazuge- hörige Munition gefunden.— Nach dem monatelangen Terror der Faschisten wäre es eine unentschuldbare Fahrlässigkeit, wenn die zuständigen Arbeiterorganisationen für den Schutz ihres Eigentums nicht die notwendigen Mahnahmen treffen würden. Diese Schutzmaßnahmen sind in Sonneberg mehr denn je am Platze, denn unter der„bewährten" Führung des Hetzers Fabrizius haben die Nazis in dieser Stadt einen besonder» brutalen Terror au»- geübt. Die vom Rathaus wehend« Hakenkreuzfahne ist«in Symbol für die Zustände, die am Ort herrschen. Die Polizei, die jetzt allerorten in den Häusern der Arbeiter- organisationen nach Waffen fahndet, sollte sich mehr dafür inter- essieren, aus welchen Arsenalen die Stiel- nnd Eier- Handgranaten st am wen. die seit Wochen Tag für Tag in den Häusern und Büros der Arbeiterorganisationen kreplert sind. anstatt die Volks- und Gewerkschaftshäuser nach Verteidigungswaffen zu durchstöbern. Der Erfolg würde— dafür garantieren wir— überraschend sein. Die Anspruchslosen. „Lebensfähigkeit der Staatspartei erwiesen." Gegen Ende dieses Monats wird der geschäftsführende Vor- stand und im Anschluß daran der Gesamt vorstand der Deutschen Staatspartei zusammentreten, um für die zukünftige Arbeit an und in der Staatspartei entscheidende Beschlüsse zu fassen. In staatsparteilichen Kreisen wird erklärt, daß die Partei als solche sich bei der letzten R e i chs ta g s w a h l als durchaus lebensfähig erwiesen habe, da sie als einzige der Mittelparteien ohne irgendwelche Listenverbindungen sich habe einigermaßen erhalten können.— Die Reichstagsmandat« oer Staatspartei sind von l4 auf 4 zusammengeschrumpft. Es gehört schon eine etwas übertriebene Anspruchslosigkeit dazu, um ein derartiges Ergebnis als Beweis besonderer„Lebensfähigkeit der Partei" zu bezeichnen. Tränengasbomben! Attentate auf Warenhäuser und Einheitspreisläden. Krefeld, 12. August. Fast zur gleichen Zeit wurden heule nachmittag in die Ein- heilspreisgeschäste der Firmen W o o l w o r t h und E p a sowie in das Warenhaus Leonhard Tieh Tränengasbomben geworfen. Das Publikum muhte fluchtartig die Verkaufsräume verlassen und auch das Verkaufspersonal selbst muhte die Häuser räumen. Die Feuerwehr wurde mit Gasmasken und Schuhbrillen eingesetzt. Die beiden Einheitspreisgeschäsle muhten geschlossen werden. Im Warenhaus Tietz war es möglich, den Verkauf in be- schränklem Maße wieder aufzunehmen. Die Täler sind unerkannt enlkommen. Die Polizei, die mit der Untersuchung de» Anschlags beschäftigt ist, hat einen Bericht noch nicht herausgegeben. » Die Täter sind„unbekannt entkommen", heißt es in dem ersten Bericht über diese neue Attentatsserie. Die Feststellung, welchem Lager die Täter entstammen, dürfte aber in diesem Falle besonders leicht sein. Die Duplizität der Ereignisse will es, daß«inen Tag vor dem Attentat eine große nationalsozialistische Protestversamm- lung gegen die Eröffnungeincs Woolworthgeschäf- tes in Hannover stattfand. Auf dieser Versammlung hielt der Olden- burger Naziminister Hänge-Röver«ine wilde Hetzrede gegen Warenhäuser und Einheitspreisgeschäfte. Er krönte seine Rede mit der freundlichen Versicherung, daß die Vertreter des alten Systems im Dritten Reich solange am Ast hängen würden, bis die Raben sie gefressen hätten. Nur für die Unschuldslämmer in der Redaktion des„Angriff" dürfte es wohl ein Zufall sein, daß die Aufpeitschung der NazianhängergegenWoolworthundWarenhäuser in Hannover mit dem Tränengasbomben-Attentat in Krefeld zusammenfällt. Was die SpießerderWirtschaftspartei, die sich heute nahezu geschlossen im Hitlerlager befinden, mit Sonder» steuern für Warenhäuser und Konsumverein« nicht erreicht haben, versuchen jetzt die S.A.- und S.S.-Mannen de» großen Osaf m i t Eierhandgranaten und Tränengasbomben. Ueber den Charakter„ausbauwilliger Kräfte" gehen die Ansichten nun ein- mal stark auseinander. Harzburger unier sich. Ln Strelih läßt man grobes Geschütz auffahren. Neuskrelih, 12. August.(Eigenbericht.) In Mecklenburg-Strelitz liegen sich die Regierungsparteien, Nationalsozialisten und Deutschnationale, heftig in de» Haaren. Der nationalsozialistische Gauleiter von Mecklenburg-Lübeck, Reichstagsabgeordneter Hildebrandt, erklärt öffentlich, die Re< gierungsfront in Mecklenburg-Strelitz wanke und sie müsse auch wanken. Eine gemeinsame Beratung mit den Deutschnationalen sei in Zukunft nicht mehr möglich. Die Nationalsozialisten wollten ihren eigenen Weg gehen. Die Deutschnationalen haben daraufhin am Freitagabend eine parteiamtliche Erklärung veröffent- licht, in der sie dem Gauleiter Hildebrandt mit einer Beleidigungs- klage drohen. Zum Schluß der deutschnationalen Erklärung heißt es, daß die Deutschnationalen in Mecklenburg-Strelitz an der Koalition im Interesse des Landes festhalten. Sollte ihnen die Koalition aber durch die Hemmungslosigkeit einer durch Leistungen noch nicht legitimierten Koalition»- Partei unter den Händen zerschlagen werden, so seien Mittel und Wege gegeben, um der Regierung eine von parlamentaristisch über- spannten Schwierigkeiten befreite Staatsleitung im Interesse der Ruhe des Landes zu ermöglichen. Amtlich wird mitgeteilt: Die Reichsregierung ist in ihrer Regierungserklärung über die Wahrung christlicher Grundsätze im Staatsleben ein- hetr«ten. In Uebereinstimmung hiermit hat sich der Retchskommissar Dr. Bracht entschlossen, kulturellen Zersetzung»- erscheinungen im äußeren Bilde, vor allem der Großstädte, im Rahmen des Möglichen entgegenzutreten. Insbesondere ist«s die schamlose Herabsetzung der Frauenehre und F r a u e n w ü r d e, die als typische Entartungserscheinung christ- lich-deutscher Voltskultur, Volkssitte und Volkssittlichkeit zuwider- läuft. Es sind deshalb zunächst grundsätzlich alle Nacktdar- st e l l u n g e n in Theatern und Revuen, Kabaretts usw. oer- boten, wie die Versuch«, durch weibliche Personen in dürftigster Bekleidung einen Anreiz zum Besuch von Schankstätten auszuüben. Solche Frauen, nur mit dem Badekostüm bekleidet, durch Preis» gerichte oder vielhundertköpfiges Publikum auf ihre körperlichen Reize abtaxieren zu lassen, um sich dann als Schönhsitsköni- gin usw. zu prämiieren, ist«in Zeichen kulturellen Niederganges. Derartige Dinge werden daher in Zukunft verhindert werden. Das Badeleben an unfern Strömen und Seen hat Formen angenommen, die zum Teil nichts mehr zu tun haben mit der begrüßenswerten Forderung nach Licht, Luft und Sonne. Klagen aus dem Auslande zeigen, daß der- artige Zustände auch dem deutschen Anselzen im Auelande abträglich sind. Der Reichskommissar hat daher das Nacktbaden und den Besuch von Gaststätten in Badebekleidung— soweit sie nicht un- mittelbar mit dem Badestrände In Verbindung stehen— verboten. Er Hot außerdem die Polizei angewiesen, gegen Aerger- nis erregendes Benehmen tatkräftiger als bisher einzu- schreiten. Sogenannte Freikörperkulturschulen machten es möglich, in großen Theatern Berlins vor Tausenden von Zuschauern gymnastische Nacktvorführungen von Kindern. Jugendlichen und Er- wachsenen b«iderlei Geschlechts unter dem Zeichen der Anbahnung einer neuen„proletarischen Kultur" zu zeigen Das deutsch« Volk lehnt in seiner großen Mehrheit ein« derartige„Kultur" ob. Daher werden solch- Darbietungen in Zukunft oerhindert werden. Die Polizei ist ferner angewiesen, dem Straßenbild ver- schärfte Aufmerksamkeit zuzuwenden, um auch dort oft beklagten unerträglichen Auswüchsen entgegenzutreten. -i- Di- Sorgen der neuen Regierung, deren Existenzgrundloge erst noch ermittelt werden soll, sind ungeheure. Jetzt muß sie sogar sich um die Bekleidung der Badenden bemühen, nachdem sie noch mcht einmal di«„Reinigung" der Aemter von Republikanern hat voll- enden können. Wenn nun auch das„Straßenbild" unsittliches Aus- sehen annimmt, dann muß die Schupo mit Recht eingreifen, selbst wenn infolgedessen einige Nazi-Granaten mehr geworfen werden sollten. Die weiter« Nachricht, daß durch Notverordnung auch die Wiedereinführung der Krinolin«. des Fischbein- kors«tts und der Halsstäbchen erfolgen würd«, eilt den Tatsachen voraus. Es schweben, wie wir hören, einstweilen nur Er- wägungen nach dieser Richtung. Noch ein Nazi-Baron. Gklarek-Oberstaatsanwali enihülli sich. Der Oberstaatsanwalt Freiherr von Steinäcker, der im Sklarek-Prozeß die Anklagebehörde vertrat, ist in der letzten Phase dieses Prozesses auffällig in Erscheinung getreten, nämlich durch sein parteipolitisches, tendenziöses Plädoyer. Jetzt zeigt sich dieser Beamte erst ganz von seiner wahren Seite: mit einem— bis jetzt aufgesparten— Bekenntnis zum Nationalsozialismus tritt der Oberstaatsanwalt als Leit- artikler des„Angriff" vor die Oeffentlichkeit. Oberftaatswalt Freiherr von Steinäcker(wie reich an Freiherren wind doch oiese„Arbeiter- partei"I> schreibt über das Thema„Nationalsozialismus und Justiz". Seine Ausführungen decken sich mit dem, was jüngst der„Völkische Beobachter" als Grundprinzip der nationalsozialistischen Rechtsauf- fassung hinstellte: Nicht auf den Tatbestand, sondern auf die politische Ge'sinnung kommt es an! Der Nazioberstaatsanwalt kämpft dafür, daß dieser Grundsatz offiziell von der deutschen Rechtspflege anerkannt werde. Der bis- herige Fehler der Rechtsprechung hat nämlich nach Steinäckers Auf- fassung darin bestanden, daß die Gerichte und ihre Beamten die radikalen Parteien von links und rechts in derselben Weise zu betrachten und zu behandeln geneigt waren. Mit dieser empörenden Gleichheit vor dem Gesetz(hätte sie nur je bestanden!) muß nach der Ansicht des Nazioberstaatsanwalts Schluß gemacht werden Das preußische Staatsministerium, namentlich S e v e r i n g, solle durch die Diffamierung der national- sozialistischen Bewegung die Gerichte beeinflußt haben. Dabei hätte es sich sagen müssen, daß die„nationalsozialistische Bewegung mit der KPD. nicht in einem Atem genannt werden durste". Warum?— Man höre und staune: Denn es konnte ihm unmöglich entgehen, welche Ziele die von Moskau geleitete Mordbrennerpartei der internationalen Kommunisten verfolgte: Vernichtung des Reichs und seiner Kultur— und was das Ziel der Hitler-Bewegung ist: Die Be- freiung des Vaterlandes und seine sittliche Erneuerung. Die Parole der KPD. ist Herrschaft der sogenannten Arbeiterklasse(!) und des brutalsten Materialismus. Parole unserer Bewegung: Ende des Klassenkampfes, Ehre, Frei- heit, Vaterland. Die Kommunisten sind Feinde, Todfeinde des Staats: die Nationalsozialisten sind Anhänger des Staats und Feinde nur des schwarzroten System-, das das Vaterland zugrunde richtet, des Staats und seiner Lenkung unwürdig und in Wahrheit der Feind des Staats ist. Das ist nun allerdings die wahre Objektivttät, wenn die Justiz es sich gestattet, derartig einseitige Werturteile über die Ziele der Parteien abzugeben. Die„Objektivität" wird noch über- troffen, wenn ein Oberstaatsanwalt, der selber einer extremen Partei angehört, in seiner eigenen Partei nichts als h e h r st e n I d e a l i s- m u s sieht, in den gegnerischen Parteien dagegen teils„Mord- brenne r", teils„Feinde des Staats". Wordbrenner— könnte das wort nicht mit derselben oder mit höherer Berechtigung angewendet werden auf jene Nationalsozialisten, die jetzt Bomben- anschlag aus Bombenanschlag, Attentat aus Altentat häufen?— Aber der Nazioberstaatsanwalt tadelt die Juristen, die„bei völliger Ahnungslosigkeit über die nationalsozialistische Bewegung Aus- brüche jugendlicher Leidenschaft für die Sache selbst nehmen". Hier haben wir da» trefflichste Beispiel, wie weit Parteifanatis- mus imstande ist, in einem wissenschaftlich vorgebildeten Juristen jedes Grundgefühl für Gerechtigkeit zu ersticken. Ein und derselbe Oberstaatsanwalt brandmarkt die Kommunisten, die für ihre Sache Gewalttätigkeiten begehen, als„M ordbrenner", aber die Nationalsozialisten, die das gleiche tun, entschuldigt er als jugendliche Brauseköpfe.—„Nicht auf den Tatbestand, sondern aufdie politische Gesinnung kommt e« an." Das republikanische Staatsministerium Braun-Severing wird von dem Nazioberstaatsanwalt des Rechtsbruches angeklagt, weil es den Grundsatz des gleichen Rechtes hochgehalten hat. Der Freiherr von Steinäcker nennt das einen..Kniff". Und was die Wirkung dieses„Kniffes" auf die Juristen anbelangt, so meint er: Wenige erkannten es und schwiegen bedrückt. Einige erkannten es und schwiegen böswillig. Ganz wenige waren Frondeure. Der Freiherr von Steinäcker ist, solange die republikanische Staatsregierung an der Macht war, unter die Frondeure nicht ge- gangen. Bleibt die Frage offen, zu welcher der beiden Sorten Schweiger er sich rechnet. Jetzt jedenfalls schweigt er nicht mehr, nachdem das Reden für ihn gänzlich gefahrlos geworden ist. Und da er nun einmal am Reden ist, verteidigt er auch die w ü st e n Beschimpfungen, die die K u b e und Freister im Preußischen Landtag auf die Justiz haben hageln lassen. Wenn Kube ihm unbequeme Staatsanwälte als „Burschen", Giftkröten",„Lumpen" tituliert, wenn er droht, Richter und Staatsanwälte„mit wehenden Talaren zum Tempel hinauszujagen", so meint der freiherrliche Oberstaatsanwalt sanftmütig dazu: Hat man die nationalsozialistische Bewegung in ihrer hohen sittlichen Bedeutung... erkannt, so wird man die Empörung der Vertreter der Partei im Preußischen Landtag zu würdigen wissen und der Ausdrucksweise Verständnis nicht versagen können. Herr Oberstaatsanwalt Freiherr von Steinäcker hat also volle? Verständnis dafür, wenn Staatsanwälte als Lumpen und Giftschlangen bezeichnet werden. Warum gerade er? Günstlingswirtschast oder was...? Oer Nazi-Minister schuht den Nazi-Schuldner.— Er be- droht die Eparkaste, die ihr Geld haben will. Die„Osnabrücker Volkszeitung", ein Zentrumsblatt, veröffentlicht die folgende Zuschrift, die Bände spricht: „Der nationalsozialistische Abgeordnete Heinrich Vorwerk in Westeremstek schuldete u. a. der Landes- s p a r k a s s e in Oldenburg und dem Emsteker Spar, und Darlehns- kassen-Verein je eine größere Summe. Die Zwangsvoll- st reckungen standen bevor. Darauf wandte sich der Schuldner an„seinen" Minister P a u l y um Hilfe. Pauly ist jetzt Finanzminister im Nazikabinett Rover und war bis vor wenigen Monaten Landgerichtsrat(!) am Oldenburger Land- gericht. Da der Minister seinem Schützling auf gesetzlichem Wege nicht helfen konnte, erließ er an den Prozeßbeooll- m ächtigten der Gläubigerin folgenden Ukas: Staatsministerium, Fernsprecher 6231. Nr. HI 8368. Oldenburg i. O., den 28. Juli 1332. Der Zeller Heinrich Vorwerk aus Westeremstek stellte heute dem Staatsministerium vor, daß von ihm verlangt werde, in ganz kurzer Zeit an die Landessparkasse in Oldenburg 664,73 Mark und an de» Emsteker Spar- und Dar- lebnskassenverein 633 Mark zu zahlen. Herr Vorwerk ist nach seiner Erklärung jetzt nicht in der Lage, diese Summen zu be- zahlen: im Herbst wird er ab«r dazu imstande sein. Das Slaatsministerium ersucht daher dringend, von irgendwelchen Zwangsnaßnahmen gegen den Zeller Vorwerk Abstand zu nehmen. Dabei macht das Slaalsministerlum insbesondere darauf aufmerksam, daß ein großer Teil der Sparkassen und ebenso der Spar- und Darlehnskassen heute nur noch dadurch existieren kann, daß der Staat bisher für sie eingesprungen ist. Nötigenfalls kann das Staatsministerium auch andere Wege gehen. gez.: Pauly. Herrn Rechtsanwalt Dr. zur. Brämswig, Cloppenburg. Dieses Eingreifen eines Parteibuch-Ministers von Hilters Gnaden zugunsten eines verschuldeten Naziabgeordneten ist eine Partei-Mißwirtschaft, wie sie ärger kaum zu denken ist. Wir registrieren sie, weil die Reichsregierung wahrscheinlich sonst keine Kenntnis davon bekommen würde. Es muß auch festgehalten werden, daß der ehemalige Landgerichtsrat Pauly, der doch Juristerei studiert hat, mit dem letzten Satze gegenüber der Sparkasse eine Me- chode anwendet, die zumindest hart an den Tatbestand der Nötigung streift. Wo bleibt der Reichskommissar, der in Oldenburg für „Ordnung und Sicherheit" sorgt? „Tat-Kreis" übernimmt„Tägliche Rundschau". Am 1. Sepien ber wird die„Tägliche Rundschau" vom„Tat-Kreis", ein« Gemeinschaft jüngerer Intellektueller, übernommen. Da die bisherig Redaktion im Amt bleibt, soll eine Arbeitsgemeinschaft gebildet wei den. Die Leitung übernimmt der frühere Ullftein-Redakteur Hon Zehrer. Gegen Eisenbahndiebstähle sieht Rußland sich zu stärkstem Vor gehen gezwungen Bisher sind über 73 Personen verhaftet worder Sondergerichte haben am Donnerstag 13 Todesurteil vollstrecken lassen. Zu einer Verfassungsrede. v. Gayl:».Sehet—, so muß eine Regierung über den Parteien schweben!'' Stimme aus dem Volke:».Hm— aber wer hält die Drähte?" Oer Waffendiebstahl von Kassel. Skandalös mildes Ltrieil.— Sozialdemokratischer Aufklarungsantrag im Landtag. Siehe, ein Sozialist! Graf Veventlow fordert Verstaatlichung des Vonkwefens und der Großindustrie. Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Graf R e v e n t l o w ist einer der wenigen unter den Partei» gängern Hitlers, denen man ihre sozialistische Gesinnung glauben kann. In seinem Eingängerblättchen„Reichswart" veröffentlicht er jetzt einen Artikel, der zum guten Teil den entschiedenen Beifall auch aller marxistischen und internatio» nalen Sozialisten finden kann. Reventlow beklagt darin die Zersplitterung der deutschen Arbeitnehmerschaft auf so viele verschiedene Parteien. Er nennt das„einen unsinnigen, un- heiloollen und sinnlos haarsträubenden Zustand". Dann fährt er fort: Der Kampf der Parteien gegeneinander geht also im Grunde und letzten Endes gegen den Arbeitnehiner. In die Parteien hinein- gebannt, zerfleisch! sich die Arbeitnehmerschaft selbst durch diesen Kampf unausgesetzt, obgleich ihr eigentlicher Gegner für jede ihrer Gruppen, einerlei ivelcher Partei, derselbe ist: der kapilallsmu», der Anspruch und die liebermacht des Arbeit- gebers, zumal des Grohbetriebes, der Kartelle und Truste der Gegensatz und alles was sich aus ihm ergibt, zwischen den Besitzenden und den Nichtbesitzenden ist für den Arbeitnehmer derselbe, einerlei ob er der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei angehört, oder der Kommunistischen Partei. Und schließlich: die Mittel, welche hier wirklich nicht allein Abhilfe. sondern tatsächlich neue und gesunde Zustände schassen könnten, sind auch dieselben und können nur dieselben sein. Die gegen- wärtigen Zustände schreien nicht nur an sich zum Himmel, sondern sind für den Staat, für das Volk und für das Land, für die Nation im Sinne des Wortes unerträglich. Zm Augenblick, wo die gesamte Arbeitnehmerschaft zusammen- steht, zusammengeht und zusammen kämpft, ist mit einem Schlage alles anders. Die Arbeitnehmerschaft bildet dann eine Macht in Deutschland, gegen die niemand auch nur entfernt auskommen kann. Die große gewaltige Aufgabe solcher Einigung müßte den höchsten Ehrgeiz eines deutschen Staatsmannes bilden, wohlgemerkt, einer Per- sönlichkeit, die sowohl Staatsmann als auch in jedem Sinne deutsch wäre. Diese Aufgabe nämlich bedeutet nicht allein den Kampf für den gerechten Anspruch des Arbeitnehmertums, sondern, wir hoben davon oft gesprochen, jene deutsche Einigung, die für wirtliche deutsche Volkswerdung eine Notwendigkeit bedeutet und zwar eine unbedingte. Dazu kommt eins, das Allerwichtigste: die Notwendigkeit einer bis auf den Grund gehenden Aenderung des jetzigen sozialpolitischen und wirlschasilichen Zustandes ist zeitlich eine brennende. Graf Reventlow huldigt dem romantischen Wahn, die Partei, in der sich alle Arbeitnehmer vereinigen, könnte die nationalsozialistische sein! Er schließt mit den Worten: Wie gesagt, eine einzige große für jeden Arbeitnehmer alle Mißverständnisse aufklärende und alle Lügen beseitigende Tat kann die Scheidewände niederlegen und die Arbeitnehmerschaft einigen: die Durchführung des alten Programmpunktee der NSDAP., verstaalllchung de» Bankwesens und der Großbetriebe. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird den Wünschen Reventlows durch die Stellung der entsprechenden Anträge entgegenkommen. Es wird an den National- sozialisten und den Kommunisten liegen, diesen Anträgen zu einer erdrückenden Mehrheit und zur Gesetzeskraft zu ver- helfen!_ Aufbauwille. i. Erst jetzt wird uns ein Borfall bekannt, der sich knapp vor der jüngsten Reichstagwohl in einer Wilmersdorfer Parkanlage zu- getragen hat. Dort oerteilte ein Hitler-Soldat Hakenkreuzfähnchsn an spielende Kinder. Er wollte auch einen 11 jährigen Jungen damit bedenken, der geistig zurückgeblieben ist, auch nicht sprechen kann. Dieses unglückliche Kind wehrte da» ihm zugedachte Geschenk, mit dem es nicht, anzufangen wußte, ab und da es doch nicht sprechen kann, tat es das gegenüber der aufdringlichen Darbietung schließlich durch einen Stoß, woraus es sich wendete, um wegzulaujen. Worauf der Aufbouwillige dem armen Jungen mit dem genagsl- ten, legalen, absolut umnilitärischen SA.-Stiesel einen Tritt gegen das Rückenende versetzte. Zu Hause rieb das Kind sich immer diese Korpergegend: das fiel den Eltern auf und es gelang ihnen, von anderen Kindern diesen Hergang zu erfahren. Selbstverständlich hatte der Hitler-Mann seine aufbauende Tätigkeit inzwischen anderswohin verlegt. II. Spaziergänger hinter Pichelsberge hatten am gestrigen Freitag das lebhafte Vergnügen, vier junge Radfahrer vorbeikommen zu sehen, die das aufbauwillige Erkennungszeichen des Hakenkreuzes trugen. Im Fahren sangen sie im Chor. Und in ihrem Lied er- tönte es ebenso schlicht wie einfach und ergreifend: Kommt einst die Stunde der Entscheidung, Sind wir ,u jedem Massenmord bereit. So fuhren sie dahin— sangeslustig, friedserttg, gesetzestreu und aufbauwlllig. Nsue Zustiz. Ganz wie vor dreißig Jahren? Dessau, 12. August.(Eigenbericht.) Die Große Strafkammer in Dessau verurteilte am Freitagabend den sozialdemokratischen Redakteur und Reichstagsabgeordneten G Harb S e e g e r wegen Beleidigung des anhaltischen Nazi- Mi nlterpräsidenien Freyberg zu vier Monaten Gefängnis. De: Prozeß spricht eindeutig sür das„neue System" das in der deu. hen Rechtsprechung eingeführt worden ist. Anläßlich der Ermordung des Reichsbannersührer« Feuer» Herd durch nationalsozialistische SA.-Lcute war von der Regierung Frer',erg wenige Tage nach dem Mord eine Regierungserklärung an k e Presse verschickt worden, in der sestgestellt wurde, daß die poliz ilichen Ermittelungen einwandsrei die Schuld d es Reichsbanners ergeben hätten. Daraushin veröffentlichte die Ortskampsleitung Dessau der Eisernen Front, unterzeichnet Gerhard Seeger, ein Plakat, durch da, 500 Mark Belohnung für die Ermitt» Kassel. 12. August. lEigenbericht.1 In dem Kasseler Waffendicb st ahls- Prozeß wurden am ssreitag die Nationalsozialisten Häger und Voigt zu je fünf Monaten Gefängnis und 75 Mark Geldstrafe verurteilt. Die staatenlose nationalsozialistische Angeklagte Klementine von Bischofshausen erhielt wegen Vergehens gegen das Schußwaffengesetz ganze 3 5 Mark Geld st rase! Der Staatsanwalt hatte gegen die Hauptangeklagte ein Jahr und einen Monat Gefängnis sowie 200 Mark Geldstrafe beantragt. Gegenstand der Verhandlung war der Waffendieb st ahl. der am 6. Dezember 19Zi) bei der Kasseler Schutzpolizei ausgeführt wurde. Es wurden seinerzeit über 80 Pistolen, darunter 48 Mauserpistolen und außerdem 6000 Schutz Munition entwendet. Die Untersuchung der Polizei richtete sich zunächst nur gegen Linkskreise, verlies aber völlig negativ. Am 27. Juli, also vier Tage vor der letzten Reichstagswohl, stellt« sich heraus, daß Nazi, die Diebe gewesen sind. Die Hauptrolle bei diesem Dieb st ahl spielte ein früherer Polizeiwachtmeister, der seinen Dienst quittieren mußte, weil er in Darmstadt die Kan- tinenkasse bestohlen hatte. Dieser Mann wurde noch seiner Rückkehr nach Kassel mit offenen Armen bei der SS., empfangen und bald daraus aus die Führerschule des Braunen Hauses geschickt. Er ist heute flüchtig. Der andere Urheber dieses Wafsendiebstahls ist der jetzige nationalsozialistisch« Landtagsabgeordnete Verne, der heute noch Staffelführer der SS. ist. Angeklagt waren der Kaufmann Max Häger, der Kaufmann Emil Voigt und die chilenische Staatsangehörige Klementine von Bischosshausen, die feit 1926 in Deutschland lebt, aber noch keine Zeit fand, die Staatsangehörigkeit zu erwerben, obwohl sie an der Erneuerung des Reiches mitarbeitete. Der Kaufmann Häger legte ein umfassendes Geständnis ob und erzählle, daß er bereits vor dem 6. Dezember 1930 von dem früheren Polizeiwachtmeifter Krick Waisen bekommen hätte, die er bei dem Fräulein von Bischosshausen in Ausbewahrung gab. Von besonderer Wichtigkeit ist der Hergang des großen Waffen- diebstahls. Wie Häger angab, hat er seinem Borgesetzten, dem Stasfelführer und jetzigen Landtagsabgeordneten Verne, Mitteilung davon gemacht, daß er einen Mann kenne, der Waffen besorgen könne. Verne habe daraufhin erklärt, wenn dieser Mann gut sei. dann solle er die Waffen besorgen. Es kam zu Verhandlungen, an denen nach Angaben des Angeklagten auch der Stasfelführer Verne teilgenommen Hai. Räch dem in diesem Kreise ausgeheckten Plan sollte der ehemalige Polizeibeamte während seiner Wache in der Polizeiunterkunft mit Hilfe des An- geklagten Häger die Waffen und Munition aus die Straße schaffen, von wo aus der Mitangeklagte Kaufmann Voigt sie in seinem Kraft- wagen abtransportieren sollte. ver Siaffelführer Verne sollte während der ganzen Zeil Schmiere stehen. Dem Polizeiwachtmeister Krick waren für diese Waffen S00 Mark versprochen worden. Als die Zahlung ausblieb, wandte er sich wiederholt an den Angeklagten Häger. Häger konnte ihm aber kein Geld geben und verwies ihn an Verne. Als es Verne zuviel wurde und er Krick abweisen wollte, bedrohte ihn Häger, den ganzen Laden hochfliegen zu lassen, wobei Verne ihn darauf hin- wies, daß derjenige, der das geringste über die Wafsengeschichte verlauten ließe, über den Haufen geknallt werde. Der Mitangeklagte Kaufmann Voigt oersuchte die Angaben Hägers abzuschwächen und umzubiegen. Es trat aber eine Zeugin auf, die, ebenfalls Nationalsozialistin, unter ihrem Eid bekundete, daß die Angaben Hägers Wort für Wort richtig wären und der Staffelführer Verne unterrichtet ge- wesen sei. Er selbst habe ihr den Hergang so erzählt, wie es der Angeklagte Häger vor Gericht getan hätte. Der Staatsanwalt hielt schließlich Verne für den Urheber der Diebstahlsgeschichte. Gegen Verne wird jetzt ein Verfahren wegen Mein- e i d s eingeleitet werden müssen, denn er hat in der Vorunter- suchung dieser Diebstahlsgeschichte beschworen, daß er an ihr völlig unbeteiligt sei. lung des Täters ausgesetzt und auf dem bemerkt wurde, daß die Ermittlungen der Polizei einseitig geführt worden wären. Die Behauptung ist inzwischen durch zwei 11 r- teile des Reichsgerichts in Sachen der fozialdemokra- tischen Zeitungsoerbote in Anhalt gerechtfertigt worden. Dem Reichsgericht hatte die anhaltische Razi-Regierung die Akten dieses Reichsbannermordes eingeschickt, da die Verbote mit der Begrün- dung erlassen word-m waren, die sozialdemokratischen Zeitungen hätten über diesen Vorgang unwahre Darstellungen gebracht. Das Reichsgericht erklärte zweimal, daß die vorliegenden Akten des Ermittlungsverfahren» keinen Anhalt zu einer Schuldigsprechung de» einen oder anderen Teiles böten. Da» vestauer Gericht lehnte dennoch sämtliche vcweisanträge der Verteidigung Seegers ab. Zweifellos hat das Gericht dadurch zahlreiche Revisionsgründe geschaffen. Da die Form des Plakat» keineswegs beleidigend war, sondern lediglich die einseitigen Ermittelungen der Polizei festgestellt wurden, standund siel die Anklage mit dem angebotenen Wahrheitsbeweis. Daß das Gericht im Interesse des national- sozialistischen Ministerpräsidenten jeden, aber auch jeden Wahrheits- beweis obiehnte, zeugte von der inneren Unsicherheit des ganzen Versahrens. Die Verteidigung hat gegen das Urteil selbstverständlich Re- vision angemeldet. Wo der Henker regiert. Demonstration im ungarischen Parlament. Budapest, 12. August.(Eigenbericht.) Auf Verlangen von mehr als 50 oppositionellen Abgeordneten ist heute das Abgeordnetenhaus zur Beratung über die Handels- Politik zusammengetreten, allerdings nach kurzer Sitzung von der Regierungsmehrheit wieder vertagt. Es konnte aber nicht verhindert werden, daß die Sozialisten in Sprechchörcn forderten, daß das Standgericht abgeschafft werden solle, während die un- abhängigen Agrarier dos Beisammenbleiben des Hauses forderten. Als die Sozialisten die Republik hochleben ließen, ertönten Gegenruse:„Wenn Sie die Republik wollen, gehen Sie nach S e o i l l a."(Dort hat man mit den Monarchisten kurzen Prozeh gemacht. Red.) Kurdenprozeß in der Türkei. In A d a n a beginnt dieser Tage der zweite Prozeß gegen die Kurden, die den Ausstand im Sommer 1930 angezettelt haben sollen. Die Zahl der Angeklagten übertrifft noch die aus dem ersten Prozeß, so daß die Verhandlung wiederum in der großen Moschee geführt wird. Der erste Prozeß richtete sich gegen 179 Angeklagte, von denen 84 zum Tode verurteilt wurden. Das ist Golidariiä'i! Was der Buchdruckerverband leistet. Zum ersten Male seit Beendigung der Inflation muß auch der Verband der Deutschen Buchdrucker in seinem Geschäftsbericht für das Jahr 1931 einen, wenn auch nur geringfügigen Mit- gliederverlust melden. Ende 1931 zählte er 88 436 Mit- glieder gegenüber 99 389 Mitglieder zu Beginn des Berichtsjahres! es gingen ihm mithin 1953 Mitglieder oder rund 2,2 Proz. des Mitgliederbestandes am Jahresschluß 1939 verloren. So schmerzhast dieser Verlust für ein« Organisation wie die der deutschen Buch- drucker auch sein mag, er ist aber, verglichen mit dem durchschnittlichen Rückgang von 12,3 Proz. der Gewerkschaften des ADGB. ein Be- weis für das vorbildliche Organifationsverhältnis der deutschen Buchdrucker. Dieser Verlust von fast 2999 Buchdruckern sindet seine natürliche Erklärung in dem Rückgang der Beschäftigten, der beispiellosen Steigerung der Arbeitslosigkeit im Buchdruckgewerbe. Von Dezem- ber 1939 bis zum März 1932 stieg der Prozentsatz der e r w c r b s- losen Mitglieder des Buchdruckerverbandes von 22 auf 34,9 Proz. und der Prozentsatz der kurzarbeitenden Mitglieder von 4,2 auf 13,3 Proz. D«r Verband der Deutschen Buchdrucker hat trotzdem seine in Rot geratenen Mitglieder in einem Umfange unterstützt, wie er bei keiner anderen Organisation üblich und auch gar nicht möglich war. Bei einer Gesamteinnahme der Verbandskasse, der Gau-, Be- zirks- und Ortsvereine in Höhe von rund 14,33 Millionen Mark warf die Organisation allein für Unterstützung ihrer arbeitslosen Mit- glieder 6,95 Millionen Mark aus, also fast die Hülste der gesamten Einnahmen. Für sämtliche Unterstützungszwecke wurden über 13 Millionen Mark ausgegben. In den beiden Krisen- jähren 1939— 1931 hat der Verband der Deutschen Buchdrucker an llnkerstühungen die ungeheure Summe von 23,61 Millionen Mark ausgezahlt. womit er im Verhältnis zur Mitgliederzahl unter allen Gewerkschaf- ten Deutschlands und vielleicht der gangen Welt einzig dastehen dürft«. Das Gesamtvermögen des Verbandes der Deutschen Buchdrucker ging infolge der außerordentlich starken finanziellen Beanspruchung im Laufe des Berichtsjahres um 2,5 Millionen Mark zurück, beträgt aber noch 8,67 Millionen Mark, oder fast 199 Mark pro Mitglied. Nicht zuletzt auf Grund ihrer organisatorischen Stärke war es den Buchdruckern gelungen, den er st en Lohnabbau, der in den übrigen Industrien und Gewerben schon im Mai 1939 eingesetzt hatte und im allgemeinen 6 Proz. betrug, säst ein ganzes Jahr lang zu verhindern. Die zweite allgemeine Lohnabbauwelle im Frühjahr 1931 fiel zeitlich so ziemlich zusammen mit dem erstmaligen Lahnabbau bei den Buchdruckern. Die ab 1. Januar d. I. durch Notverordnung vorgenommene Herabsetzung des Buchdruckerspitzenlohnes auf 48 Mark, dem Stand vom 19. Januar 1927, konnte die Organisaston allerdings nicht abwehren. Die durch einen Schiedsspruch be- reits für den Monat Dezember 1939 festgesetzte Lohnherabsetzung konnte durch die Taktik des Verbandsoorstandes jedoch verhindert werden. Jedenfalls hat der Verband der Deustchen Buchdrucker im vorigen Jahr alle organisatorischen und finanziellen Kräfte zur Wahrnehmung der Interessen seiner Mitglieder aufgewandt und trog riesiger Anforderung seine Schlagkraft erhalten können. Gefängnis oder Gelbstmord. Die Wirkungen der Notverordnung. Aus Schlesien wird uns geschrieben: Die Notverordnung vom 14. Juni 1932 mit ihrem ungeheuren Abbau der Unterstützung-- leistungen für Alte, Kranke und Arbeitslose ist im wesentlichen durch- geführt worden. Nur auf den Spruchausschllssen der Arbeits- ämter herrscht Hochbetrieb. Dort wird jedes Einzelschicksal noch einmal kurz aufgerollt, um festzustellen, ob im Einzelfall die Eni- Ziehung oder die Herabsetzung der Unterstützung zu Recht erfolgt ist. Es wäre vielleicht für die Väter der Notverordnung zu emp- fehlen, daß sie einmal nur einen Vormittag einer Sitzung eines Spruchausschusses beiwohnen, um zu sehen, was ihre Maßnahmen bewirkt haben. Wie wenig sozial auf dem Spruchausschuß oft vorgegangen wird, sollen folgende Fälle zeigen, die in einer Sitzung des Spruch- ausschusses hintereinander verhandelt wurden. 1. Fall: Einem Arbeiter wurde die Gewährung der Unterstützung versagt, weil sein Vater als sebständiger Schuhmachermeister wöchentlich 12.15 M. verdient. Nach vieler Mühe gelingt es, für den Arbeiter eine wöchentliche Unterstützung in„Höhe" v o n 3 M. herauszuholen. Der volle Unter- ftützungssatz würde für den jungen Arbeiter 5,19 M. betragen. 2. Fall: Eine Frau, die früher Unterstützung erhielt, bekam nach Inkrafttreten der neuen Notverordnung keine mehr. Der Mann ist arbeitslos und bezieht eine Unterstützung von w ö ch e n t- l i ch 9 M. Weil die Familie 39 M. Monatsmiete auszubringen hat, wird der Frau nach langem Verhandeln 3 M. gewährt. 3. Fall: Die Mutter eines 28jährigen Arbeiter- erhält eine monatliche Wohlfahrtsunterstlltzung von 25 M. Seine eigene Unterstützung wird aus 4,59 M. wöchentlich festgesetzt. Sein Einwand, daß er davon nicht leben könne, und ihn seine Mutter von ihrem Einkommen nicht unterstügun kann, findet keine Be- achtung! er wird abgewiesen. 4. Fall: Ein Landarbeiter hat einen 24jährigen Sohn. Obwohl der Lohn eines schlesischen Landarbeiters so niedrig ist. daß er davon selbst kaum existieren kann, wird der Unterstützungsanspruch des Sohnes abgewiesen. Wie gesagt, das sind nur einzelne Fälle, die nicht besonders her- ausgegriffen worden sind, sondern die den Durchschnitt dessen, was man an Unterstützung einsetzt, aufzeigen. Es sind sogar nur die Fälle derer, die sich gegen den Unterstützungsraub wehren. Viele Arbeitslose glauben aber, daß man nicht- dagegen machen könne. Was wird die Folge einer derartigen Gesetzesauslegung sein? Alle Menschen, denen man jetzt die letzte Existenzmöglichkeit ge- nommen hat, werden gezwungen, täglich mit dem Strafgesetz in Konflikt zu geraten. Dieses— oder Selbstmord—, ein Dritte» gibt es für sie nicht. Der Vorsitzende eines Arbeitsamts in einer größeren Provinz- stadt sagte, als ihm vorgehalten wurde, daß er doch vom menschlich ozialen Standpunkt aus zu entscheiden hätte:„Vom menschlichen Standpunkt aus reden wir nicht, bei uns imponieren nur Zahlen." Was jetzt mit den Arbeitslosen geschieht, muß sich stüher oder später an dieser verrotteten Gesellschaftsordnung rächen. Leistung und Tariflohn. D»e GchwerindustrieUen widerlegen sich selbst. U.eber die Forderungen, die der Arbeitgeberverband N o r d w e st aufgestellt hat, haben wir bereits auf Grund einer kurzen Depesche berichtet. Es ist interessant, auf Grund eines aus- führlichen Berichts festzustellen, wie widerspruchsvoll die Forderungen der Schwerindustriellen begründet werden. Eine der wesentlichsten Forderungen ist bekanntlich die Auf- Hebung der Unabdingbarkeit der Tarifverträg« und die Einführung einer„freien Lohnfindung". Das wird damit be- gründet, daß die Tarifverträge zu schematisch seien und die Wer- tung der Einzelleistung nicht zulasse. In dem Bericht über das 27. Geschäftsjahr des Arbeitgeberverbandes wird jedoch ausgeführt, daß der durchschnittliche Stundenverdienst 29 bis 25 Proz. über deni durchschnittlichen Tarif st undenlohn liege. Wenn wir dies« Behauptung des Arbeitgeberverbandes Nord- n>«st für bare Münze nehmen, so folgt daraus, daß neben de» Arbeitern, die nur den nackten Tarifstundenlohn bekommen, Ar- beiter in den Betrieben, die dem Arbeitgeberverband Nordwest an- geschlossen sind, beschäftigt werden, die aus Grund ihrer be- sonderen Leistung einen weit höheren Lohn als den Tarif- lohn beziehen. Denn wenn schon der Durchschnittslohn 29 bis 39 Proz. über dem durchschnittlichen Tarifstundenlohn liegt, so muß es also Leistungslöhne geben, die noch weit mehr über dein Tariflohn liegen. Damit hat aber der Arbeitgeberverband Nordwest sein Argu- ment, daß der Tarifvertrag nicht zulasse, die höheren Leistungen entsprechend zu bewerten, selbst»S Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2» Pf. Familienanzeigen Millimeter» zeile>s Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstroße 3, wochentäglich von 8V, bis ,7 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge» nehmer Anzeigen vor: Verantwortlich tü, Politik: Vieto« Schüs: Wirtichntt:®.»Iingelhöser! Dewerkschaitsdewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Herbert Lepe-rc: Lokale» und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag ib. m. b. H. Berlin Srull: Vorwärls-Buchdructere« und Verlagsanstalt Paul Singer u Eo. Berlin SW. 68. Lindenstratz»» Hierzu 2 Beilagen. Nr. 579» 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend 45. August 4952 Neuer Hungerwinter vor der Tür. Sind die Arbeitslosen vergessen?- Hauspaschas gegen Arbeitsbeschaffung. Auf den Arbeitsnachweisen sitzen zu Tausenden und aber Tausenden die Erwerbslosen und fragen einander:„Hat man uns denn ganz vergessen?" Denn von Woche zu Woche ist es stiller geworden um die Kardinalfrage der Arbeits- befchasfung und jetzt haben die Hausbesitzer ein übriges dazu getan und auf ihrem Hamburger Verbandstag die Instandsetzung der Altwohnungen einfach abgelehnt! Dabei sehen die Erwerbslosen, wie die Schlangen vor den Alu- und Krisenkassen klein und kleiner werden, dagegen die drangvolle Enge vor den Wohl sah rts- lassen immer schrecklicher wird. Zwei, drei Jahre sitzen sie nun schon auf dem Nachweis, keine Bettwäsche ist mehr zu Hause, keine Stiefel und keine Hemden, und wenn nun diese Männer in der Vollkraft ihres Lebens in der Sonnenallee, am Friedrich-Krause- Ufer oder an der Boxhagener Straße stehen, dann spricht schließlich doch einer den Gedanken aus, den sie jetzt bald all« miteinander herumtragen:„Man müßte«inen Vorschlaghammer nehmen und die ganzen Maschinen kaputtschlagen!" Nimmersatte Hausbesitzer. Natürlich ist das ein falscher W e g. Nicht die Maschine selbst ist der Feind des Arbeiters, sondern ihre kapitalistische Anwendung. Aber haben die Arbeitslosen nicht recht, wenn sie mit der Faust aus den Tisch schlagen, nachdem sie anfangs ihren Augen nicht trauten, als sie lasen, daß die Hausbesitzer die Vor- nähme der Reparaturen rundweg abgelehnt haben? Trotz des Zins- geschenks in Höhe von 5 Millionen Mark, das ihnen die Reichs- regierung geben wollte und trotz einer Bürgschaft über einen Ivü-Millionen-Kredit für diese Reparaturen erklärten die Haus- besttzer: nein, wir lassen nichts machen. Oder wenn wir etwas machen lassen, dann erst herunter mit den Steuern. Man muß sich hierzu vergegenwärtigen, daß es in Deutschland 13M Millionen Mietwohnungen gibt, von denen mindestens ein Fünftel reparatur- bedürftig ist. Von dem Tage an, an dem man ernstlich an die Renovierung dieser 3 Millionen Altwohnungen gehen würde, könn- ten Hunderttausende fleißiger Arbeitshände endlich wieder die Spinnweben von ihrem Handwerkszeug fegen. Die Reichsregierung wollte das Geld geben für die Erneuerung der Dachrinnen und Abflußrohre, das Umdecken der Dächer, für den Abputz oder An- strich der Häuser im Aeußeren, für den Anstrich der Treppenhäuser, für die Erneuerung der Heizungsanlagen, die Beseitigung von Hausschwamm und ähnlichen, einen größeren Kostenaufwand er- fordernden Arbeiten. Tausende von Maurern und Malern, von Dachdeckern und Rohrlegern, von Tischlern und Klempnern wären von der Straße heruntergekommen, aber kaltschnäuzig sagen diese Herren Hausbesitzer: nein! Bringt die Straßen in Ordnung? Deswegen aber werden die Erwerbslosen weiter fragen:„Was soll aus uns werden? Ein neuer Hungerwinter steht vor der Tür, schlimmer noch als alle anderen!" Der„Vorwärts" hat Ende April schon einmal ausführlich auf die in Berlin vor- handenen Möglichkeiten zur Arbeitsbeschaffung hin- gewiesen. Voran stand die Instandsetzung der A l t w o h n u n g e n, dann jene 36 000 Wohnungen, die heute noch keinen Gaskocher und keine Gaslampe haben, jene 400 000 Wohnungen ohne Elektri- zilätsanschluß, die Auswechslung der Stubenöfcn, die Neupflasterung der Höfe und vieles andere mehr. Dabei braucht man sich gar nicht einmal an die Altwohnungen klammern: in Berlin gibt es 140 Brücken, die dringend reparaturbedürftig sind. Als diese Brücken gebaut wurden, kannte man noch keine Autos, und heute rasseln über diese Brücken Tag um Tag 2000 bis 3000 Autos, was jene natürlich nicht aushalten. Doch da antworten die Auto- besitzer, die ja nicht alle Herrenfahrer sind:„Was ist denn schon wieder mit den Autos? Können wir für die schwere Kraftfahrzeug- steuer, die wir alle Vierteljahre bezahlen, nicht wenigstens ein« anständige Straße verlangen?" Recht haben die Ehauffeure. Das Straßenpflaster in der ganzen Alexanderplatz-Gegend ist un- erträglich, ganz gleich, ob es sich um die Dirckfen- oder um die Weinmeisterstraße handelt. Die Weinmeisterstrahe ist die Radfahr- Zentrale Berlins. Wer die Radfahrer steigen an der Rofenthaler Straße ab, weil sie das Stuckerpflaster nicht ertragen können. Lieber laufen sie. Alle Radfahrer sind des Lobes völl über die Radfahrwege in Hamburg oder Leipzig, ja, selbst Städte wie Halber st adt lassen es nicht an Radfahrwegen ermangeln. Gewiß haben die Autos die Straßen ruiniert. Ueberall sind auf den Landstraßen Arbeiter dabei, die Löcher auszuflicken. Aber Republikaner! Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold veranstaltet unter Berücksichtigung des bestehenden Burgfriedens an Stelle der geplanten Verfassungsfeiern �Sommerfeste aus Anlaß des Verfassungstages .// Gestaltet diese„Sommerfeste' Kundgebungen eures Freiheitswillens! zu wuchtigen Wodas Reichsbannerfeiert: Heute16 Uhr Neue Welt, Hasenheide. Veranstaltet vom Reichsbanner Kreuzberg und Neukölln. Reichhaltiges Festprogramm. Schluß 3 Uhr nachts. Eintritt 40 Pf., Erwerbslose 20 Pf. Kaffeeküche in Betrieb. Schultheiß-Patzenhofer, Chausseestraße 64. Veranstalter; Ortsverein Mitte. Nationalhof, Bülowstraße. Veranstalter; Ortsverein Tiergarten. Sonntag, 16 Uhr Saalbau Friedrichshain, großes Fest des Ortsvereins Friedrichshain. Konzerthaus Pankow, für die Bezirke Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow. Gartenkonzert, Kabarett, Tanz, Tombola. Kaffeekochen. Hochschulbrauerei Seestraße. Sommerfest des Weddinger Reichsbanners. Lichterfelde Festsäle. Veranstalter: Ortsverein Steglitz. Spreegarten Sadowa. Veranstalter: Ortsverein Köpenick. Marienfelde, Lindenpark. Sommerfest des Tem- pelhofer Reichsbanners. Sorgt für Massenbesuch dieser Volksfeste! die Arbeiter sagen selbst: �vas hält ja doch nur acht Tage!" Denn die weich« Gummibereifung der schnell fahrenden Autos hat eine ungemeine Saugwirkung, aus eben reparierten Straßen werden im Nu die kleinen Steine herausgefogen. Das Ende sind tiefe Kuten. So war zum Beispiel 1916 die Landstraße Birkenwerder— Summt eine wunderschöne Straße. Bis die Autos kamen, eine Postauto- Verbindung dazu, und jetzt ist die Straße vollkommen ruiniert; der Bus fährt jetzt die Strecke Birkenwerder— Bergfelde-Schönfließ — Summt. So könnte man in allen Himmelsgegenden«ine Straße nach der anderen aufzählen, die kaum noch zu befahren ist. Es ist heute beinah« ein« Straf«, beispielsweise durch Französisch-Buch- holz zu fahren, dabei gibt es hervorragende Straßen, wie jene Beton-Ehauffee von Rüdersdorf zum Stienitzfee. Denn wenn es nun schon ans große Aufräumen im Straßennetz geht, dann aber auch Schluß endlich mit den Sommerwegen; Unglück haben sie genug gebracht! Wer auch wenn man sich vorläufig nicht entschließen kann, Teer- und Betonstraßen zu schaffen, die den Autoverkehr von heute auch wirklich aushalten, dann gibt es inzwischen noch genug Schönheitsfehler zu beseitigen, wie— um auch hier nur ein ein- ziges Beispiel zu zeigen— die Beseitigung jener unmöglichen Kurve auf der Köpenick— Müggelheimer Chaussee, obwohl dort die Schneise durch den Forst schon seit mehreren Iahren geschnitten ist. Wenn die Hauspaschas kein Geld aus dem Reichssäckel wollen, wenn sie wieder auf dem hohen Pferd sitzen, dann werden ihre Häuser nicht gerade an Wert gewinnen, sofern sie nichts reparieren lasten. Die Hausbesitzer sollen überhaupt erst einmal nachweisen, was sie mit dem Reparaturanteil des von ihnen vereinnahmten Mietzinses getrieben haben. Wer hoffentlich geht man jetzt statt an die Altwohnungen entsprechend der Ankündigung des Berliner Magistrats an die Fahrdämme. Auch hier gibt es Arbeit genug! Großbetrüger Gklarz verschwunden. Mit dem Nachtexpreß geflüchtet. Die Berliner Kriminalpolizei ist seit gestern auf der Jagd nach dem aus vielen Betrugsaffären bekannten Berliner Kaufmann Heinrich Sklarz. Dieser sollte kürzlich eine schon im Mai 1926 über ihn verhängte Strafe antreten und kam der Aufforderung dazu nicht nach, so daß schließlich Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde. Als Kriminalbeamte ihn aus seiner Wohnung in der Bleib- treustraße 44 herausholen wollten, mußten sie die Entdeckung machen, daß der 43 Jahre alte Kaufmann Berlin bereits verlassen hatte. Das Berliner Polizeipräsidium hat die internationalen Polizeibehörden von dem Verschwinden des Gesuchten auf funken- telegraphischem Wege verständigt. Tödlicher Ltnfall bei einer Z�eichswehrübung. Landeshut i. Schl., 12. August. Der Reichswehrangehörige B u r k o w s k i der 3. Nachrichten- abteilung aus Potsdam, die in der Gegend zur Zeit Uebungen ab- hält, fuhr mit seinem Motorrad in Grüssau gegen eine Telegraphen- stange und wurde dabei so schwer verletzt, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Arbeiter vom Laffzuganhänger getötet. Auf furchtbare Weise ist gestern nachmittag der 59 Jahre alte Arbeiter Boris Grogorowitsch aus der Mühlenstraße 29 in Lichterfelde ums Leben gekommen. G. befand sich von seiner Arbeitsstelle auf dem Heimweg. Als er mit feinem Rade durch die Berliner Straße in Lichterfelde fuhr, löste sich plötzlich, vermutlich in- folge Bruches der Kupplung, der Anhänger eines in gleicher Rich- tung fahrenden Traktors. Grogorowitsch wurde von dem An- Hänger ersaßt und auf der Stelle getötet. Die Leiche wurde be- schlagnahmt und ins Vinzenz-Krankenhaus gebracht. Zu Tode geboxt. In einem Sportklub in Wanne- Eickel(Westfalen) wurde ein Sportler durch einen Boxtiefschlag tödlich verletzt. Rmt Ramfun: ,4 Rfetne€ttebniffe. Das trug sich folgendermaßen zu: Ich besaß eine Uniformjacke mit blanken Knöpfen, die ich noch aus der Zeit besaß, wo ich Pferdebahnschaffner in Chicago gewesen war. Diese Jacke und die herrlichen Knöpfe erregten das Wohlgefallen des Aufsehers; er war ein reines Kind in bezug auf den Staat und hier draußen in der Prärie war ja kein Staat zu haben. Da sagte ich denn eines Tages zu ihm, er könne die Jacke gern bekommen. Er wollte mir die Jacke bezahlen, ich sollte nur sagen, was ich haben wollte; als ich sie ihm aber schenkte, erklärte er, daß er mir ewig dankbar dafür sein würde. Nach Beendigung der Ernte gab er mir eine gute andere Jacke dafür, weil er sah, daß ich keine hatte. Aus den Tagen, in denen ich beim Weizenaufladen an- gestellt war, entsinne ich mich einer Episode: Der Schwede kam. um das Fuder abzuholen. Er hatte große Stiefel an, in deren Schäften die Hosen steckten. Wir gehen ans Aufladen. Er arbeitete mit Riesenkräften und ich hatte meine liebe Not, ihn im Zaum zu halten. Er trieb immer mehr zur Eile an, und da dies schließlich anfing, mich ein wenig zu ärgern, begann auch ich, aus Leibeskräften drauflos zu arbeiten. Jede Hocke bestand aus acht Garben, und in der Regel nahmen wir eine Weizengarbe auf die Gabel und reichten sie auf das Fuder hinauf,— jetzt nahm ich vier. Ich überschwemmte den Schweden mit Garben, überschüttete ihn förm- lich damit. Da stellte es sich heraus, daß in einer der schweren Ladungen, die ich dem Schweden hinaufsandte, eine Schlange gewesen war. Sie glitt in einen seiner Stiefelschäfte. Ich ahnte nichts davon, bis ich einen entsetzlichen Schrei höre und sehe, wie der Schwede vom Fuder herabstürzt, während ihm die dunkelgefleckte Schlanze aus dem einen Stiefelfchast her- aushängt. Sie biß jedoch nicht und bei dem Fall auf die Erde führ sie aus dem Stiefel und verschwand blitzschnell über den Acker. Wir verfolgten sie beide mit unfern Heu- gabeln» konnten sie aber nicht entdecken. Die beiden Maul- tiere, die vor das Fuder gespannt waren, zitterten am ganzen Leibe. Ich höre noch den Schrei des Schweden und sehe ihn in der klaren Luft, während er sich von dem Fuder herabstürzt. Dann einigten wir uns dahin, daß er in Zukunft mit etwas mehr Vernunft arbeiten solle und daß ich ihm nur eine Garbe auf einmal hinaufreichen wollte... Und dann hatten wir gepflügt und gesät, Heu gemäht und eingefahren. Weizen gemäht und gedroschen,— und nun waren wir fertig und sollten Abrechnung haben. Frohen Herzens und Geld in der Tasche wanderten wir zwanzig Mann stark nach der nächsten Präriestadt, um einen Zug zu finden, der uns nach dem Osten hinabführen sollte. Der Auf- seher begleitete uns, er wollte ein Abschiedsglas mit uns leeren, und er hatte die Jacke mit den blanken Knöpfen an. Wer nie einem solchen Abschied zwischen einer Schicht Präriearbeiter beigewohnt hat, kann sich kaum einen Begriff davon machen, wie mannhaft dabei getrunken wird. Jeder spendiert gleich eine Runde,— das macht zwanzig Glas auf den Mann. Glaubt man aber, daß es hiermit zu Ende ist, so irrt man sehr, denn unter uns sind, weiß Gott, Gentlemen, die ihrerseits gleich fünf Runden auf einmal stiften wollen. Und Gott gnade dem Wirt, der den Versuch machen wollte, Einspruch gegen eine solche Unvernunft zu erheben. Er würde sofort von seinem eigenen Schenktisch vertrieben werden. Eine solche Bande von Sommerarbeitern schlägt alles nieder, was ihr in den Weg kommt. Sie reißt schon beim fünften Glas die Herrschaft über die Stadt an sich und von dem Augen- blick an regiert sie ohne den geringsten Einspruch. Die Orts- polizei ist machtlos, sie macht gemeinsame Sache mit der Bande, sie trinkt mit ihr. Und es wird mindestens zwei Tage getrunken, zwei Nächte gespielt und geprügelt und gejuchheit. Wir Arbeiter waren untereinander außerordentlich liebenswürdig. Während des Sommers war es mit der Liebe zwischen uns oft nur soso lala gewesen: jetzt aber beim Ab- schied war alle Feindseligkeit vergessen. Je mehr wir tranken, je größer wurden unsere Herzen, wir traktierten einander, bis wir fast umsanken und unsere Gefühle uns einander in die Arme trieben. Der Koch, der ein alter, buckeliger Mann mit Weiberstimme und ohne Bart war, vertraute mir schlucksend auf norwegisch an, daß er Norweger sei, ebenso wie ich, und der Grund, weshalb er sich nicht früher zu er- kennen gegeben habe, sei die allgemeine Verachtung der sgankees gegen tue Norweger. Er haste den Valdresmann und mich während der Mahlzeiten oft über sich sprechen hören, und er habe jedes Wort verstanden; jetzt solle aber alles ver- aessen und vergeben sein, denn wir wären prächtige Burschen. Ja, er sei ein Nachkomme von Altnorwegens kühnen Söhnen und sei am 22. Juli 1843 in Iowa geboren. Und deshalb wollten wir gute Freunde und Partner bleiben, so lange die norwegische Sprache von unseren Lippen flösse.— Der Koch und ich umarmten uns. Nie sollte unsere Freundschaft ein Ende nehmen. Alle Arbeiter umarmten sich, wir drückten uns platt mit unseren gehärteten Armen und tanzten vor Begeiste- rung miteinander herum. Wir pflegten zueinander zu sagen: Was willst du jetzt trinken? Hier ist nichts, was gut genug für dich wäre! Und dann gingen wir selber hinter den Schenktisch, um das Köst- liche herauszufinden. Wir holten sonderbare Flaschen hoch oben von den Borden herunter, Flaschen mit prachwollen Etiketten, die hauptsächlich zum Staat dort standen, deren Inhalt wir guten Freunde einander einschenkten und aus- tranken und mit lächerlich hohem Preis bezahlten. Evans war wohl am erpichtesten darauf, Runden zu be- stellen. Sein letztes seidenes Hemd sah jetzt traurig aus, die leuchtenden Farben hatten Sonne und Regen vernichtet und die Aermel waren arg mitgenommen. Evans selber aber stand groß und stolz da und bestellte mit großer Ueberlegenheit eine Runde nach der andern. Ihm gehörte die Kneipe, ihm ge- hörte die Welt. Wir andern pflegten eine runde Summe, drei Dollars für die Runde, beizusteuern, Evans aber fragte kurz und bündig, ob er nicht diverse Runde zu sechs Dollars be- kommen könne. Denn es befände sich in diesem elenden Schuppen nichts, was gut genug für solche Herren sei, wie er sie hier bei sich habe, sagte er. Da mußten wir denn unsere Zuflucht zu den sonderbaren Flaschen oben auf den Borden nehmen, um die Ware teuer genug zu bekommen... In seiner überströmenden Liebenswürdigkeit nahm Evans mich beiseite und suchte mich zu überreden, für den Winter mit ihm in die Wälder Wisconsins zu kommen und Holz zu hauen. Sobald er sich mit einigen neuen Hemden, ein paar Hosen und einigen neuen Romanen ausgerüstet habe, zöge er seinerseits wieder in die Wälder, sagte er, und bliebe bis zum Frühling dort. Und wenn es Frühling würde, zöge er wieder irgendwo in die Prärie hinaus. Das sei sein Leben. Zwölf Jahre habe er sein Leben zwischen Prärie und Wald geteilt, und er habe sich so daran gewöhnt, daß ihm dies jetzt etwas ganz Selbstperständliches sei,(Schluß folgt.) Großfeuer am Kaiserdamm. Drei Feaerwehrbeamte erheblich verletzt. Durch das Grohfeuer am Saiserdamm ist der gesamte Dachstuhl des Hauses Nr. 20, wie bereits im„Slbmb" kurz mitgeteilt, eingeäschert worden. Znsgesamt griffen fünf Löschzüge in die Be- kämpsnng des Brandes mit 8 Schlauchleitungen ein. Leider haben bei den Löscharbeiten drei Jeuerwehrbeamte nicht unerhebliche Der- lehungen erlitten. Der Dachstuhlbrand wurde kurz vor 14 Uhr bemerkt. Das Feuer ist offenbar in einer Bodenkammer ausgebrochen, von wo es mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Als die ersten Löschzüge an der Brandstelle eintrafen, brannte der gesamte Dachstuhl bereits lichterloh. Ueber die Treppenhäuser und eine mechanische Leiter drangen die Lüschtrupps gegen den Brandherd vor. Gleich beim ersten Angriff erlitten die Oberfeuerwehrleute Neßler, L i e b i g und Bauer erhebliche Verletzungen durch hervor- schießende Stichflammen. Die Verunglückten wurden durch ihre Kollegen in Sicherheit gebracht und mit Krankenwagen ins Hilde- gardkrankenhaus überführt Durch die außerordentlich st a r k e Lerqualmung wurden die Löscharbeiten sehr erschwert. Erst nach zweistündigem ununter- brochenem Wassergeben war die Gefahr befestigt. Die Aufräumungs- arbeiten waren erst in den Abendstunden beendet. Die Brandstelle war in weitem Umkreise abgesperrt worden, da unaufhörlich brennende Balken und glühendheiße Steine in die Tiefe sausten. Der Verkehr mußte zeitweise umgeleitet werden. Die Entstehungs- Ursache des Brandes konnte nicht mehr ermittelt werden, da das Feuer mit solcher Gewalt gewütet hat, daß alle Spuren ver- wischt sind. Ein zweiter Dachstuhlbrand beschäftigte die Feuerwehr in den gestrigen Abendstunden am Elisabethufer 49/50. In diesem Falle gelang es, den Brandherd verhältnismäßig schnell einzukreisen, so daß größerer Schaden verhütet wurde. VsnSenmg EiMdi von Berlin. Vom Lehnitzsee nach Malz durch Waldeinsamkeit. Von der Kreissäge zerschnitien. Mangeinder Llvfaiischuh fordert Menschenleben. Vir na. 12. August. Einem gräßlichen Unfall siel die ZSsährige Ehefrau des Stellmacher» Dürr in Lichtenhain zum Opfer. Die Iran wollte an einer Kreissäge, deren Schuhvorrichinngen wegen einer Repa- ratnr entfernt worden waren, das kleingesägte holz auslesen. Dabei verfingen sich ihre Kleider in den Zähnen der Säge, die der Iran einen Oberschenkel zerschnitt und lief in ihren Leib eindrang. Roch lebend wnrde die Unglückliche ins Krankenhaus eingeliefert, wo sie unter furchtbaren Qualen verstarb. Gegen den Uierkstaltbesitzer wird Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben werden. Gchwimmwesien der„Aiobe". An der mecklenburgischen Küste bei Libnitz angeschwemmt. RibniH(Mecklenburg), 12. August. In der Nähe des Ostseebades R i d n i g wurden etwa zwangig Schwimmwesten an den Srrand gespült, die sämtlich den Stempel „N i o b e" trugen. In der Nähe der Ortschaft Dierhagen fand ein Schüler zehn weitere Schwimmwesten, die gleichfalls auf einem Messingschild die Aufschrist„Niobe" und das Datum„3. März 19 3 2" trugen. Vermutlich werden infolge des anhaltenden Westwindes noch weitere Wrackstücke der„Niobe" an die mecklenburgische Küste geschwemmt werden. Arbeiierjugendtag in den ZZehbergen. Durch die„Burgfrieden"-Rotverordnung der Papen-Regierung kann der Zngendlag am 20. August nicht durchgeführt werden. Die Vertreter der Zugendorganisalionen haben beschlossen, kurz nach Be- endigung des„Burgfriedens", am Sonnabend, dem Z. September, im Volk-zpark Rehberge, den Zugendtag durchzuführen.— Sorgt für Rlasienabfah der Zugendlags-Plaketlen! SAZ. ISZ. AfA-Zugend. Arbeiter-Turn- und Sporkbund. Die Mark Brandenburg ist nicht nur des„Heiligen Römischen Reiches Streufandbüchse" genannt worden, man hat sie mst viel größerer Berechtigung das„Land der tausend Seen" genannt. Wollte man ganz gewissenhaft sein, so müßte man sogar vom Land der oiertausendfünshundert Seen sprechen, denn so viele sind es ungefähr. Alle Liefe Seen hat uns die Eiszeit beschert. Zwei von ihnen wollen wir heute kennen lernen und da- zu ein paar hübsche Fließe, die den intimen Reiz der Wald- einsamkeit und der Wiesenhelle auf ihrem Lauf vermitteln. Wir fahren mit der Vorortbahn ab Stettiner Bahnhof oder Gesund- brunnen nach Lehnitz. Der Ort wächst immer mehr mit seiner größeren Nachbarstadt, O r a n i e n- bürg, zusammen. Ein breites Villengelände hat sich gegen See und Wald zu vorgeschoben. Wir gehen durch die Kaiser-Wilhelm- Straß«. Nach etwa 10 Minuten biegt links ein Weg ab, dessen Schild zur Userpro menade weist, die wir bei einer in einen Steinsockel eingelassenen Kilometer- tasel erreichen. Wir lesen: Kilo- meter 26,5 und wenden so daran er- innert, daß der Lehnitzsee ein Stück des Großschiffahrtsweges Berlin— Stettin ist. Der Kanal mündet genau an der südlichen Spitze in den See, um ihn im Norden wieder zu verlasien. Wir wandern nun am Ufer des 2� KUometer langen und etwa Kilometer bresten Sees entlang, besten Schönhest sich erst entfaltet, wenn wir die mensch- lichen Siedlungen hinter uns gelassen haben. Dann stößt der dunkle Wald an das Master. Im Sommer haben sich auch hier wie überall in der näheren und weiteren Umgebung Berlins Zeltstädte aufgetan, in denen eine streng« Disziplin herrscht. Flinke Motor- boote kreuzen auf dem See, auch Sportboote gleiten über die grau- blaue Fläche. Bald leuchtet das Rot der an der Schleuse liegen- den Brück«. Sie gehört zu dem Straßenzuge, der von Oranien- bürg nach Schmachtenhagen führt. Die Schleuse am Nordrand des Lehnitzsees hebt die Schiff« auf die Schestelhöhe des Großschiffahrts- weges. Erst bei Liepe passieren sie dann wieder eine Reihe von Schleusen, um zur Tiefe des Odertales hinabzusteigen. Im nächsten Jahre wird dann wahrscheinlich berests das neue Wunder der Uferpartie am Lelimtzsee Technik, das Schiffshebewerk bei Liepe, in Tätigkeit fein und die Schleusen entlasten. Wir wandern nun um das Nordende des Sees herum, bis wir auf den Stintgraben treffen, der in den See mündet. Nun folgen wir besten Lauf auf kleinen Waldpfaden, die über schwarzen Grund führen, an Himbeer- und Brombeersträuchern vorbei, bis zur Brücke der Schmachtenhagener Chaussee. Hier beginnt der herrliche„Kamp mannsweg", der durch bemeriens- wert schöne Wegweiser bezeichnet ist. Nach einem weiteren Kilo- meter gehen wir an der hölzernen Blockbrücke vorüber. Alsbald öffnet sich eine wette blumige Lich- tung. Unschwer erkennen wir, daß hier uraltes Seegelände vor uns liegt, das im Laufe der Zeit völlig verlandete. Durch diese Wiese, die wir nun im Westen umwander,> müssen, fließt in anmutigen Win- düngen der Stintgraben. Bald dar- auf führt die Elisabethbrücke über die hübsch« kleine Bäke, die etwa«inen Kilometer östlich von dem nahe gelegenen Schmachten- Hägen entspringt Bald daraus erreichen wir die L u n g e n h e i l- stätte Grabowsee. Mitten hindurch geht die Landstraße. Um das Nordende des Grabowsees herum, über die Brücke des Großschiffahrtsweges und dann rechts auf der Landstraße zur Malzer Schleuse führt unser Weg. Die linke Schleusenkammer wird nicht mehr be- nutzt; das Wasser fällt über«in kleines Wehr hinein. Wenige Minuten später sind wir in dem S ch i f f e r d o r f Malz. Die Arbeitslosigkeit ist hier ebenso zu Hause wie überall, wo Schiffer wohnen. Schiffahrt lohnt nur, wenn die Wirtschast blüht. Wenn die Industrie stirbt, hat auch der Schiffer schlechte Zeiten. Ueber- all liegen unbenutzte Kähne. Bei Malz laufen Havel und Groß- schisfahrtsweg eine Zeitlang parallel. Wir verlosten das hübsch« Dorf kurz vor dem Nordende und wenden uns nach Westen, gehen durch den Hochwald bis Zur F l i e ß b r ü ck e. Dann folgen wir der Chaussee nach Sachsenhausen, das sich long an der Havel hinzieht und beenden unsere Wanderung in Oranienburg. Weglängen: Lehnitz— Malz 7l4, Malz— Sachsenhausen 5, Sachsenhausen— Bahnhof Oranienburg 3, zusammen 15 M Kilometer. Verfassungsfeisr im Giadihaus. Für die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadt. We in früheren Iahren veranstaltete die Berliner Zentralver- wattung für ihre Beamten, Angestellten und Arbeiter eine Ver- fassungsfFiev im Stadthaus, an der auch die Bezirksämter Mitte und Tiergarten teilnahmen. Die Festrede hiett Stadlschulrat Nydahl, der u. a. ausführte: Wir feiern heute den. 13. Verfassungstag. Wer den Geist der Weimarer Verfassung nicht versteht, der wird die ganze Trostlosigkeit und alles Uebel, die uns befallen haben, auf die Verfastung ab- wälzen. Er wird auch keinen Ausweg für die Zukunft sehen. Jedes Land versucht zur Zeit mit allen Mitteln der Not zu steuern, und man glaubt, durch Zollmauern, Rüstungen und dgl. Abhilfe zu schaffen. Dadurch entstehen nur noch größer« Ver- wirrung und größere Schwierigkeiten, und eine Läsung ist nicht zu erhoffen. Der Verpflichtung gegenüber dem Staate und dem Volk wird keiner von uns entbunden. Nur wenn wir Beamten er- füllt sind von einer starken Verantwortung, ist kommunales und staalliches Leben möglich und gesichert. Mit einem dreimaligen Hoch auf das Vaterland und dem gemeinsamen Gesang des Deutsch- landliedes wurde die Feier geschlossen. „HolMuben" aus WoMMkü. Beispiel Lange Straße 91 iiadit Sdiuie/ Wie einer aus der Hot Proiii sdilägt Der„vorwärts" hat die skandalösen wohnoerhält- n i s s e und die unerhört hohen Mieten im Hause Lange Str. gl aufgedeckt. Zn der Lange Straße und ihrer Umgebung ist noch immer das Verhalten dieses seltsamen Hauswirtes, des Rüsten Leweck Sziller, der für die Rot der Erwerbslosen nicht das geringste soziale Verständnis und Empfinden zu haben scheint, Tagesgespräch der empörten Bewohner. Gestern wandten sich die Mieter der Häuser Skaliher Straße 115 und IIb an den„vorwärts" und brachten dieselben klagen vor. unter denen die Bewohner der Lange Straße 31 feit Zahren leiden. Auch diese Häuser sollen Herrn Leweck Sziller gehören. Vor 4 Mi Iahren erwarb Herr Sziller die Häuser von einem Dr. med. M. neben anderen Berliner Mietkasernen. Vor nicht all- zulanger Zeit gingen die Grundstücke angeblich durch Rückkauf wieder an Dr. med. M. Die Geschäfte der Häuser führt nach wie vor Herr Sziller und die Mieter haben über den Rückkauf chre eigenen Ge- danken. Das, was in der Lange Straße beretts geschehen ist— nämlich daß aus Wohnlöchern regelrechte Kasernenzimmer, die man dann schön.Kochstuben" nennt, zu unerhört hohen Mieten gemacht wur- den, erfolgt jetzt auch in der Skalitzer Straße. Einige freigewordene Wohnungen in den allen Wohnhäusern sind bereits zu diesen„Koch- stuben" umgewandell worden und der Erfolg— denn darauf scheint es dem tüchtigen Wirt nur anzukommen— ist in diesen Fällen ein« hundertprozentige Mehreinnahme. Auf jeder Sette des Vorderhauses wohnen mehrere Mietparteien und es gibt kaum einen Bewohner, mit dem sich der Eigentümer nicht schon herum- gestritten oder geklagt hätte. Die Beschaffenhett der Wohnungen lasten in jeder Beziehung sämtlich zu wünschen übrig. Die M i e t- preise bedürfen in einzelnen Fällen der sofortigen Nachprüfung durch die Behörden. Ein Mieter beispielsweise, der im 5 Stockwerk, also direkt unter dem Dach, ein Mansardenzimmer mtt einer fensrer- losen Kammer bewohnt, zahlt« bisher di« unglaubliche Miel« von 40 Mark. Für den Mann, der erwerbslos ist, war die Miete nicht mehr erfchwingbar und er klagte erfolgreich auf Herabsetzung. Vom Eigentümer wurde der verloren« Prozeß mit der K ü n d i- g u n g beantwortet. In einem verschimmelten und stönkrigen Keller haust ein alte» Ehepaar. Der Mann ist 75 Lahr« all. Mir seiner Frau erhall der Greis für den ganzen Monat 50 Mark Unterstützung. Davon bezahlte er für den Keller, der vom Schwamm befallen ist, bisher 20 Mark Miete. Der Eigentümer verlangt seht 25 Mark— oder die allen Leute stiegen aus die Straße. Der Zustand dieses Kellers spottet jeder Beschreibung. Und darin wohnen zwei alle Leute, die zettlebens schwer arbeiten mußten, nur um ihr bißchen Leben zu ftrsten. Jetzt gönnt man ihnen nicht einmal mehr den stickigen, mtt Moderlust angefüllten Keller. Eine Tür wetter ist eine Kellerwohnung bereits von den Behörden geschlossen worden. Auch hier ist der Schwamm. Di« allen Leute haben bereits einen Teil ihrer Möbel eingebüßt. Ein Sofa und mehrere andere Gegenstände sind halboerrault. An den Wänden hat der Greis Breiter befestigt, um die Nässe etwas abzuhallen. Raffiniertes profitsystem. 2n einer Mansarde wohnt ein junges Ehepaar mit einem Kind. Di« Frisdensmiete für die Stube mtt einer kleinen Küche betrug 15 Mark. Das Ehepaar muß aber 30 Mark zahlen. Das ist so zu- stände gekommen, daß nicht der Eigentümer, sondern die Derwallerin des Hauses, ein Fräulein L., die gleichzettig Angestellte des Herrn Sziller ist, die Mansarde„untervermietet" hat. Ein r a f f i- n ie r t es Profitsyftem! Zur weiteten Jllustrierung der beiden „Prachtbauten" Skalitzer Straße 115 und 116 sei angeführt, daß die Fensterkreuze völlig vermorscht sind und daß die Decken der einzel, nen Etagen Wasser durchlassen. Schon wenn im vierten Stock eine Mieterin aufwischt, dann merkt es die Nachbarin im 3. Stockwerk. Eine einfenstrige Stube in der 1. Etage bringt 80 oder 32 Mark und wer gegen die Höhe der Miete muckt, dem draht die Kündigung. Ein Mieter des Hauses soll in seiner Empörung einmal Herrn Sziller unliebenswürdige Worte gesagt haben. Prompt antwortete der Wirt— wir haben das Schreibon, das opn schlechtem Deutsch nur so trieft, vorliegen:„Es haben sich ganz andere Helden wie Sie sind, beretts an mich zu vergreifen versucht, zu deren Unglück mußten diese mtt einem zerschmetterten Schädel ins Krankenhaus Friedrichs- Hain gebracht werden." Das Gebaren und das Verhallen des russischen Eigentümers Sziller sind ein öffentlicher Skandal! Die Behörden sollten diesem Herrn einmal aus die Finger klopfen! Die Veranstaltung wurde von Musikvorttägen und Gesängen, ausgeführt von dem Berliner Sinfonieorchester und dem Berliner Lehrergesangverein, umrahmt. Am Schluß der Feier wurden an Angestellte und beförderte Beamte Urkunden überreicht. Lokaltermin am Gesundbrunnen. Oer Lokomotivführer noch nicht vernehmungsfähig. Zur Klärung der Schuldfrage des Eisenbahnunglücks am Bahn- Hof Gesundbrunnen in den Abendstunden des 27, Juli, das zwei Todesopfer und mehrere Schwerletzte gefordert hat, wurde gestern an der Unglücksstätte ein Lokaltermin abgehalten, an dem Vertreter der Staatsanwallschaft, der Reichsbahn und der Kriminal- Polizei teilnahmen. Außerdem war das Lokomotiv- und Zugpersonal des verunglückten Personenzuges 208 und der Leerlokomotive, die dem Personenzug an der Weiche in die Flanke fuhr, zur Stelle. Der Lokaltermin fand zur selben Zeit statt, zu der sich das Un- glück ereignete. Der Reservelokomotivführer K u p k e, dem das Verschulden an dem Unglück treffen soll, konnte nicht vernommen werden, da er noch weiter sehr leidend ist. Man war lediglich auf die Aussagen des Heizers Reiner der Leerlokomotioe angewiesen, der erklärte, daß er das Hauptsignal erst bemerkt habe, als die Lokomotive mir noch 170 Meter von dem Signalmast entfernt war. und daß die Signalscheibe selbst durch die Rauchsahne des Personen- zuges 208 zeitweise völlig verdeckt war. Durch Zuruf habe er seinen Kollegen Kupke auf die Gefahr aufmerksam gemacht, da sei es jedoch zu spät gewesen. Die Ermittlungen der Staatsanwall- schaft werden weitergeführt._ Verfassungsfeier im Z?rauengefäug«is. Wie im vorigen Jahre brachte auch an diesem Verfastungstag der„Berliner Lendvai-Ehor" unter seinem Chormeisler Georg Oskar Schumann am Vormittag des Verfastungstages eine An- zahl Lieder im Frauengefängnis in der Barnimsttahe zu Gehör. Reicher Beifall lohnte die Sänger; einige Volkslieder mußten wieder» Holl werden. Im Namen der Anstaltsleitung dankte die Direktorin Frau Helfers dem Chor. Siedlerfahrt nach Fehrbellin. Die Fehrbellin-Haoelländifche Siedlungsgesellschaft, die in engster Gemeinschaft mit der Deutschen Bauhütte in Fehrbellin(zwischen Nauen und Neu-Ruppin) eine ideale Rentengutstleinsiedlung erbaut hat, veranstaltet am Sonntag, dem 21. August 1932, eine Fahrt nach Fehrbellin, zu der Jnteresten- ten kostenlos und unverbindlich eingeladen werden. Die Abfahrt erfolgt in geräumigen Omnibussen vormittags 10 Uhr vom Bundes- Haus des ADGB., Wallstraße, aus; Rückkunft etwa 5 Uhr nach- mittags an derselben Stelle. Meldungen zur Teilnahme sind nur schriftlich an die Fehrbellin-Haoelländifche Siedlungsgesellschast, Berlin S. 14, Märkisches Ufer 34(Bundeshaus), unter Angabe der teilnehmenden Personen zu richten. Diphtherie in einem Berliner Kinderheim. Der Kreisarzt des Bezirks Prenzlauer Berg teilt mit: Im VIl. Kinderheim der Stadt Berlin in der Fehrbelliner Straße sind seit dem 6. August zwei Fälle pon Diphtherie festgestellt worden. Außerdem wurde der Bazillen- träger festgestellt. Das Kinderheim wurde bis zum 18. August ge- schlössen. Alle Genossinnen und Genossen werden gebeten, sich an dem F r« i d e n k e r v o l k s s e st in den Gesamträumen der Neuen Welt, Hasenheide, am Sonntag, dem 14. August. 16 Uhr, zu de- teilizen. Konzert, Spezialitäten, Kabarett unter Mirwirkung von Martha John. Friedet Hall. Igor Toh�en, Annemarie Hase, Doppel- quartett des DFB., Orchester des DMB. Eintritt für Erwachsene 30 Pf., Kinder 5 Pf. Satreea-Ailsstellung. S-m 3 bis 11. Scriember d. 3.»«ranstaltet die Xi:, yur oiei« eigene: Pnanzeniamllie»u werben. Die Ausstellung in wochentags»an S— IS llbr Sonnragan von 10—19 Uhr geöffnet. Der Lintrittspreis betrögt öd Pf. Weil er etwas Brot wollte. Sechs Monate Gefängnis wegen räuberischer Erpressung. Ein Züjähriger junger Mensch weint vor dem Schnellgericht. Er hat einen Bäckerladen betreten und um ein wenig Brot gebeten. Cr bekam nichts. Er ging hinaus, kehrte um, betrat noch einmal den Laden, zog eine Pistole, hielt sie der Verkäuferin vor, sie wollte ihn mit einigen Schrippen abfertigen, er sagte: nein, ich will 5 Mark: sie gab ihm die 5 Mark, schrie um Hilfe, er wurde gesaßt. Die Pistole war nur eine Schreckschußpistole. Jetzt steht er vor dem Schnellgericht und weint bittere Tränen, ein blonder, kindischer Junge. In der Nähe von Frankfurt a. d. O. ist er zu Hause. Im Dorf geschah ein Einbruch, man verdächtigte ihn der Teilnahme, auch seine Schwester machte ihm den Vorwurf. Er nahm sich das zu Herzen. Dielleicht bekam er es auch mit der Angst zu tun. Er sprang in die Oder, um einen Selbstmord vor- zutäuschen, und kam heil nach Verlin. Sein Geld war bald alle. Er fand Freunde, die keine waren. Von einem will er die Schein- todpistole bekommen hoben. Seine Tante suchte er nicht auf, man sollte ja zu Hause nicht wissen, wo er ist. Er wollte, tot sein. Wenigstens für eine Zeit für feine Eltern und für sein heimatliches Dorf. Und als der Magen allzu laut protestierte, ging er in einen Bäckerladen und bat um Brot... Im Polizeipräsidium nannte er einen falschen Namen, er konnte doch seinen richtigen nicht nennen. Da hätten ja die Eltern sofort erfahren, daß er nicht in der Oder ertrunken ist. Er schrieb aber an seine Tante, der Frau eines Obersekretärs, und die erschien im Gericht in Begleitung eines Verteidigers. Sie erklärt« sich auch bereit, den jungen Menschen bei sich aufzunehmen. Und das Gericht verurteilte ihn zu K Monaten Gefängnis wegen räuberischer Er- Pressung und gab ihn der Tante mit. Die soziale Gerichtshilf« wird sich mit seinem Elternhaus in Verbindung setzen und den Tot- geglaubten wieder lebendig in das heimatliche Dorf zurückschicken. Dann soll er auch eine Bewährungsfrist erhalten. An seinem Fuße wird er aber durch das Leben wie einen schweren Klotz den Vermerk mitschleppen:.Wegen räuberischer Erpresiung 6 Monate Gefängnis." Bettler und„Bettler". Was zusammenkommt, wird verspielt. Es gibt Bettler und Bettler. Bettler aus Beruf und unglück- lich» Arbeitelose, die Bettler sein müssen und die glücklich wären, wenn sie Arbeit bekämen, Väter von vielen Kindern, die mit den paar Mark Wohlfahrtsunterstützung sich nicht über Wasser halten können. Jugendliche, die gar keine Unterstützung erhalten und Tag für Tag zu Hause wegen des ungewollten Nichtstuns Vorwürfe einheimsen müssen. Diese bedauernswerten Menschen, Opfer unserer unzulänglichen sozialen Verhältnisse, die nicht betteln können und es doch müssen, sind glücklich, wenn sie hin und wieder einen Groschen bekommen. Es summiert sich trotzdem nicht. Die Berufsbettler „arbeiten" ganz anders, sie wissen, in welchen Verkleidungen und an welchen Stellen es am vorteilhaftesten ist zu betteln: sie haben ihre Stammorte, bilden untereinander eine festgefügte Clique, ver- stehen es auch, den Polizeibeamten aus dem Wege zu gehen. Ein solcher Bettler war wegen Glücksspiels angeklagt. 3 0 Mark setzte er auf eine Karte und verlor, setzte von neuem und verlor wieder. Und wenn auch! Hat denn das Kurfürstendamm- Publikum nicht oft ein mildtätiges Herz für die armen Bettler. Er war der letzte aus einer Gesellschaft von zwölf, die von der Polizei in einem Hinterhause in der Weberstraße bei„Meine Tante, deine Tante" angetroffen und ausgehoben wurde. Auf den einzelnen Karten lagen noch die Sätze von 30, 20 Mark usw. Die Gentlemen mußten sämtlich ins Polizeipräsidium. Groß war das Erstaunen der Beamten vom Glücksspieldezernat, als sich die wohl- habenden Spieler fast sämtlich als— Berufsbettler vom Kurfürsten- dämm und der Tauentzienstraße entpuppten. Einer, ein einarmiger Invalide, hat in einer einzigen Nacht 150 Mark verloren. Elf von den Zwölf sind bereits abgeurteilt. Der letzte erhielt einen Monat Gefängnis. Er war bereits neunmal wegen Glücksspiel vorbestraft. �Zugesteckte Waffen." Eine Ausrede, die nicht mehr gilt. Das Schnellschöffengericht verurteilte am Mittwoch zwei Arbeiter, die bei einer Durchsuchung eines k o m m u- nistischen Berkehrslokals in der Nähe des Gärlitzer Bahn- Hofs Waffen bei sich trugen, wegen Schußwaffenvergehens zu 10 bzw. 8 Monaten Gefängnis. Die Angeklagten hatten bestritten, daß die Waffen ihr Eigentum wären und behauptet, daß Leute, die kurz vor Erscheinen der Polizei in das Lokal hineingestürmt waren, ihnen diese„Waffen zugesteckt" hätten. Der Vor- sitzende, Landgerichtsdirektor N e u m a n n, bezeichnete es als großes Glück für die Angeklagten, daß das Urteil gegen sie noch am Mittwoch ausgesprochen worden wäre, da schon in wenigen Tagen die neuen Gesetze in Kraft treten, durch die ähnlich gelagerte Delikte unter Zuchthaus st rafe gestellt seien. Mit Rücksicht auf die bisherige Unbeftrafcheit der Angeklagten habe das Gericht noch ein- mal„milde" vorgehen können. Reichsbahn und Verfastungsiag. Aus unserem Leserkreis geht uns folgende Zuschrift zu: Den gestrigen Verfassungstag wollte ich endlich einmal dazu benutzen, um mit meiner Familie eine in einer entfernt gelegenen Anstalt untergebrachte Kranke zu besuchen. Da die Gegend, in der die Anstalt liegt, landschaftlich reizvoll ist, hatten wir uns alle schon sehr darauf gefreut, daß wir die Verfassung auf unsere Art in der heimatlichen Natur feiern würden. Unsere Festtagsstimmung bekam aber am Bahnhof einen argen Stoß, als wir erfuhren, daß der Verfassungstag bei der Reichsbahn nicht als Feiertag im Sinne der Verordnung über Sonntagsrück- fahrkarten gilt. Diese Tarifpolitik der Reichsbahn ist uner- freulich. Der Verfassungstag ist doch nun einmal in allen Ländern der Welt ein Feiertag. Sogar in Deutschland feiert noch die Papen-Regierung den Geburtstag der Reichs- verfasiung. In anderen Ländern macht man aus der Ver- fafsungsfeier eine Voltsfeier und in Deutschland bemüht man sich, die Feier in ihrem Wert herabzusetzen. Die Reichs- bahn wird aus solchen Anordnungen keinen großen Nutzen ziehen. Statt mit vier Personen insgesamt fast 18 Mark Fahrgeld aus- zugeben, habe ich es vorgezogen, mit der Straßenbahn für 2 Mark ins Grüne zu fahren._ Vier Wochen in der Luff. Die englische Fliegerin Victor Bruce will den Weltrekord brechen, den bis heute amerikanische Piloten halten, die im Jahre 1330 nahezu 27 Tage in der Luft ausgehalten haben. Sie wartet zur Zeit in Portsmouth aus günstige Witterung. Mrs. Bruce will in Begleitung ihres Mannes und eines dritten Fliegers 3 Wochen ununterbrochen in der Lust verweilen, womöglich aber«inen ganzen Monat. Dies soll dadurch erreicht werden, daß ihr Flugzeug den nötigen Betriebsstoff während des Fluges jeweils von einem an- deren Flieger zugestellt bekommt, ohne zu diesem Zwecke landen zu müssen.„Wenn wir erst aufgestiegen sind," erklärte Mrs. Bruce, „werden wir von der Witterung ganz unabhängig sein: wir werden mit einer meteorologischen Station in Verbinoung bleiben, die uns über jeden bevorstehenden Witterungswechsel pünktlich unterrichten und uns mitteilen wird, wohin wir entsprechend zu steuern haben, um jedem ungünstigen Wetter rechtzeitig auszuweichen. So wer- den wir wahrscheinlich weit herumkommen, um stets in günstiger Luftgegend zu bleiben. Wir werden in der Luft unser gewohntes geregeltes Leben weiterführen, bei vierstündigem Schichtwechsel an den Kontrollapparaten: wenden unsere Zeitungen lesen uno unsere Morgenmilch nicht oermissen. Ich nehme an, daß wir von einem Tankflugzeug etwa fünfmal täglich Brennstoff aufnehmen werden, und zwar jedesmal vor Sonnenuntergang, um dann während der achtstündigen Dunkelheit„durchzufliegen" und erst wieder gegen Sonnenausgang zu tanken." �_ Sommerbühne im Park von Buch. Im alten Schloßpart von Buch wetteifert fröhliches Vogelgezwitscher mit den Stimmen der Sänger auf der Frei» l i ch t b ü h n e: einmal assistieren sie bei den Opernarien der „Lustigen Weiber von Windsor", das andere Mal bei stöhlichen ©'{tänzeln im„Weißen Röß'l". Die Künstlerschar des Natur- theaters in Buch bringt ihrem Publikum ein gutes, abwechslungs- reiches Programm. Es ist heute nicht leicht, solch Freiluftunter- nehmen zu hallen: wirtschaftliche und vor allem meteorologische Ver- höltnisie spielen da die entscheidende Rolle Trotzdem können die Künstler gerode bei diesem Unternehmen doch auf einen kleinen. sicheren Verdienst rechnen, da die Bühnengenossenschaft im Hinblick aus die allzu schlechren Ersahrungen mit dem reinen Kollekriospiel vom Unternehmer eine Mindestgngeng-�ranrie für jeden Darsteller verlangt hat. Regnet es also nicht«trippen, so daß die Vorstellung überhaupt abgesagt werden muß, dann geht doch jeder wenigstens mit ein paar Mark nach Hause. Es gab aber auch schon ausverkaufte und sehr gut besuchte Vorstellungen, und wenn das Wetter nicht allzu falsch» ist. dann wird man sich schließlich halten können. Gespielt wicd sehr anständig, das Personal wird von Vor- stellung zu Vorstellung engagiert, so daß einer größeren Anzahl von Darstellern Gelegenheit geboten ist.«mmal was zu verdienen. Kommunisten gegen Mzi-lteberläufer. In seiner Wohnung in der Kösliner Straße wurde in den gestrigen Abendstunden der Nationalsozialist D. von drei Kommu- nisten überfallen. D. gehörte bis vor wenigen Tagen zur Kommu- nistischen Partei: plötzlich aber trat er zur NSDAP, über. Für diesen überraschenden Gesinnungswechsel wollten ihm seine früheren Parteigenossen und Mitglieder einen Denkzettel verabreichen.— Drei Kommunisten drangen in die Wohnung ein und schlugen den Ab- trünnigen nieder. Als das alarmierte Ueberfallkommando eintraf, hatten die Täter bereits das Weite gesucht. Der frischgebackene Nazi hatte einen seiner Widersacher erkannt und' seine Adresse der Polizei mitgeteilt.-Der Betreffende wurde gegen ä. Uhr früh, als er gerade feine Wohnung auf dem Wedding aufsuchen wollte, von Beamten der Politischen Polizei festgenommen. Nach den Behauptungen des Nationalsozialisten soll auch ein Schuß auf ihn abgefeuert worden sein, der nicht getroffen hat. Am Sonntag Sonderzug nach Warnemünde. Wie die Reich»- bahndirektion Verlin mitteilt, wird der für Sonntag, 14. August, vorgesehene Sonderzug nach Warnemünde bestimmt ver- kehren. Wer angesichts des guten Wetters, das auch ein schönes Wochenende erwarten läßt, einen Sonntagsausflug an die Ostsee machen will, findet bei dieser Fahrt sogar Gelegenheit zu einer kurzen Seefahrt nach Dänemark mit dem �Hochfeefährjchiff „Schwerin" der Warnemünde-Gjedser-Fähre. Der Sonderzug fährt ab Berlin Stett. Bhf. 6.00 und trifft in Warnemünde um 3.26 ein: Rückfahrt ab Warnemünde 13.37, an Berlin 23.20 Uhr. Der Fahr- preis beträgt 3 Kl. 9.20 Mk., 2. Kl. 13.20 Mk.: auch für die See- fahrt Warnemünde— Gjedser und zurück ist der Preis bedeutend er- mäßigt. Bei den Fahrkartenausgaben Stett. Bhf. und Bhf. Ge- sundbrunnen sowie bei den bekannten Ausgabestellen des Mittel- europäischen Reisebüros(MCR.) sind noch"Karten erhältlich. Das Generalkonsulat der polnischen Republik teilt mit, daß die Räume des Amts am 15. A u g u st anläßlich des katholischen Feier- tags Mariä Himmelfahrt geschlossen bleiben. Sport. Trabrennen zu Ruhleben. Preii von Latbst. 1. Puppi(I. Frömminz): 2. David Dillen: 8. Gtti; 4. Blanco. Toto: 148: 10. Play: 18, 22, 18, 23: 10. Ferner liefen: Ulk, Märker, Huberta, Blanker Hans, Peter Nurmi, Dialog, Albrecht der Bär, Pinie. Denkmünze-Rennen. 1. Dina Gay(A. Freundt): 2. Zitadelle: 3. Guy Bird: 4. Toma. Toto: 131: 10. Platz: 23. 21, 15, 15: 10. Ferner liefen: Killy L.(als 4. disqu., 80 Proz. Platz zurück), Debora, Robert. Dolmetscher, Mediziner, Annemirl, Loki, Quäker. Guy-Liqhtning-Rennen. 1. Herold(W. Lemzer): 2. Lerche: 8. Natrium. Toto: 30: 10. Platz: 13, 12, 45: 10. Ferner liefen: Heureka, Eppi, Janina, Hestia, Dorothea, Cordula, Adria. Angele-Rcnaen. 1. Fides(Ch. MillS): 2. Mirabelle: 8. Jettchen. Toto: 31: 10. Play: 24, 20, 17: 10. Ferner liefen: Tenia, Fanal, Lautari, Etüde. Cleo-Volo-Rennen. 1. Herbstaster(Höhne): 2. Karola: 3. Cortez: 4. Cyllon. Toto: 50: 10. Platz: 14, 17, 20, 25: 10. Ferner liefen: Hilde- gund, Patrizier, Heliotrop, Pedonia, Königsborn, Ohlendorf, PriSma, Heiderin, EMtneister. Legality-Rennen. 1. Walter Tear(Ch. Millz): 2. Carol: 3. Nerv. Toto: 11: 10. Platz: 10, 10: 10. Ferner liefen: Eminenz, Gottfried. May-Todd-Reunen. 1. Pascha(I. Kruithof jr.l: 2. Champignon: 3. Sa, gn: 4. Pirna. Toto: 143:10. Platz: 51. 18, 37, 24: 10. Ferner liefen: Quivila, Ali, Henni Kittvschor, Siegmund, Sevdlitz, Steinbutte, Alma Mater. Celano, Union, Maimorgen, Kassette, Jobann, Padrel, Passe, Costa Rica, Northern Drmen. Doppelwette: Herold— Herbstaster 190: 10. Vorträge, Vereine und Versammlungen Arbeiter- Samariter- Rund e. V.. Kolonne Verlin. Seschättßftetle! Z!O. 43. S-stvstr. 4. Telephou: E 3 Aönigstadt 5440. Achluitg, jugendliche! Am Sonnabend. 13. August, Fahrt nach '(Jjtner. Unkolten ungefähr 1,50 M. Eteffpunlt ii« Uhr Bahnhof Friedrichslraße. Säfte willkommen. Am Montag. 15. August, dugendversamm. lung in der Sesch-ftsstell-, Iostystr. 4. Um zahlreichen iSesuch wird gebeten. Republikanische SWmerfchule. Sm Alten A-kanier, Anhaltstr. U, spricht Montag. 20 Uhr, unser von seiner Südameriiareiso zurückgekehrtes Nitglicd Prywotn!, Uber„Politische und wirtschaftliche Verhältnisse in Südamerlka". Mitglieder republikanischer Organisationen und Sympathisierend« al» Säfte Einsendungen für diese Rubrik sind V e» l i» SW 68. Liudeustratze 3. parteinachrichten Groß-Verlin stets au da» Bezirtefeeretartat i. Hpf, 2 Treppen rechts, zu richte« Beginn aller Veranstaltungen Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 2. flteis. Heute, 20 Uhr, beteiligen sich die Parteimitglieder möglichst restlos an dem„Sommerfeft au« Anlag des Verfassungstages" im Nationalhof, Bülowstr. 87. 5. Kreis. Alle Parteimitglieder beteiligen sich am Sonntag, 14. August, am „Sommerfest aus Anlast des Berfassungstages" im Saalbau Friedrichshain. Eintritt 50 Ps. Erwerbslose vom Kreis gegen Vorzeigung der Stempel» karte und des Mitgliedsbuches 20 Pf Begrüstunosworte des Genossen Dr. Haubach. Aktuelle Kleinkunstbühne, Berliner Ulk-Trio, Freie Turner- lchaft. 12. Kreis. Die Mitgliedschaft des Kreise» beteiligt sich am Sonntag, 14. August, geschlossen am„Sommerfest aus Anlast des Verfassungstages" in den Lichtsrfelder Festsälen. Die Funktionäre haben den Kartenverkauf energisch fortzusetzen. 13. Kreis. All« Parteimitglieder nehmen an dem„Sommerfest aus Anlaß des Verfassungstages" am Sonntag, 11. August, in Marienfelde,„Linden. park", Dorfstraße, teil. Beginn pünktlich 11 Uhr. Begrüßungsworte Ge- nosse Grzcstnski. Konzert, Aktuelle Kleinkunstbühne, Tanz� Eintritt 40 Pf. Erwerbslose gegen Ausweis des Bezirksfllhrers frei. 108z. Abt. Die Genossinnen und Genossen werden gebeten, am Sonntag, 11. August, am„Sommerfest aus Anlaß des Verfassungstages" im Spree. restaurant Sadowa teilzunehmen. Deginn 15 Uhr. 109. Abt. Die Parteimitglieder beteiligen sich zahlreich am Sonntag, 14. August, am„Sommerfest aus Anlaß des Verfassungstages" im Lokal Spreegarten, Sadowa. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreude Groh-Verlin. Kreis Köpenick: Wir beteiligen uns am Sonntag, 14. August, am 'Sf Sommerfest des Reichebanners im Spreerestaurant Sadowa. Treff. j Punkt für oie Gruppen: Grünau um 14 Uhr an der Kanal- * brücke: Köpenick: 14 lh Uhr an der Körnerschule, Lindenstraße.— "Ii Arciehelsersitzuna am Donnerstag. 18. August, um 20 Uhr. im M Parteizimmer, Köpenick, Schloßstr. 27. Iunghelfer Mitgliedskarte MM mitbringen!— Am Sonntag, 28. August, machen wir gemeinsam mit der SAI. eine Motordootsahrt nach Möllcnhorst. Alle Parteigenossen und Sympathisierende sind herzlich eingeladen. Musil stellt der SAI.-Tambourkorps Prenzlauer Berg. Karten zum Preise von 7Z Pf. sind bei den Helfern»u haben.— Bohnsdorf: Die Heimabende finden wieder statt: für Nestfalten Frei. tags von im— Ifllj Uhr. für Rote und Jungfalken Dienstags von 18—20 Uhr im Jugendheim Wacktelstr. 1. Neukölln. Abt. Lichtkämvker: Heute, Sonnabend, Zeltfahrt unserer Jung. und Roten Falken mit der SAI. X nach dem Heidelee. Treffpunkt um 17 Uhr am Bhf. Neukölln. Unkosten 80 Pf. Kommt alle in Fallenkleidung. 12. Kreis Steglitz: Morgen ob 18 Uhr alle zum„Sommerfest aus Anlaß de« Berfassungstagrs" in den Lichterfelder Festsälen, Zehlendorfer Str. 5. Ein- tritt 80 Pf., Erwerbslose 20 Pf., Kinder frei. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei- Organisation 7. und 134. Abt. Am Montag, 8. August, verstarb unsere Genossin Ulrike Lorenz. Ehre ihrem Andenke»! Die Einäscherung findet am Sonnabend, 18. August, Igzh Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Um rege Beteili. gung wird gebeten. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einiendungen für diese Rubrik nur an da« Jugendi-tretariat Berlin SW 88. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe recht» Durch die Burgsriedea-Rotverordnung der Papen-Regierung kann der ge» plant« Äntitricgsjngcndtag am 20. August nicht stattfinden. Die Vertreter der sozialistischen Jngendorgauisationeu haben beschlossen, am Sonnabend, dem 8. September, im Volkspark Rchbergc den Antikriegstag der Jugend dllrchzu» führen. Alle Sprechchorprobe», die angesetzt waren, finden statt. Sorgt für de» Massenabsatz unsere- Ingcadtagsplakcttea. Abteilungsleiter, sorgt dafür, daß die Plaketten abgeholt werden, die Um. Meldungen bzw. Neuanmeldungen für die Volksbühne vorgenommen werden, gebt da» September-Programm und den Berichtsbogen vom II. Quartal ab. heule, Sonnabend: Sportpalast: Treffpunkt zur Nachtfahrt nach Grünheide I0zh Uhr Bhf. Zoo. — Dedding-Nord: Treffpunkt zur Fahrt nach Erkner 18 Uhr Bhf. Wedding (Nettslbeckplatz).— Schillerparl: Treffpunkt zur Nachtfahrt nach Dodrow.Berge 28 Uhr Bhf. Wedding(Nettelbeckvlatz).— Hallefche» Tor: Treffpunkt zur Fahrt nach Tiefensee 17 Uhr„Rote Ecke", 18 Uhr Wriezener Vohnhof.— Neukölln l: Fahrt nach Lehnitz. Treffpunkt 20 Uhr Reuterplatz. Werbedezirkc Wedding und Tiergarten: Achtung! Die gestern an dieser Stelle abgesagte Sprechchorprobe findet heute nunmehr doch um 18 Uhr Lütticher Str. 5 statt. Werbebeziri Tempelhos: Vorstandssitzung, Tempelhof, Götzstroße. Morgen, Sonnlag: Falkplatz 7: Fahrt nach Buch. Schildow. Treffpunkt 7 Uhr Bhf. Schönhauser Allee.— Südwest: Fahrt mit den Kinderfreunden. Treffpunkt 7 Uhr Belle. Allianee-Platz. Werbebeziri Wedding: Morgen bei schlechtem Wetter Heimabend Turiner Ecke Seestraße. Allgemeine Wetterlage. >i2. Aug. 4932, abds.�iil tl® sao :5®17 W«oo; � Molksnloc.O heiter. O halbbededcl :9wity,9beded£<'ResenuiG(eu|Mlfl SehnetsNehsl.U fewittecÖiWndstiäe Im größten Teil von Deutschland herrschte heute sehr warmes Wetter. Am Rhein wurden 33 Grad im Schatten erreicht. Auch im mittleren Teil von Deutschland wurden vielfach Höchsttemperaturen von mehr als 30 Grad gemessen. Wesentlich kuhler war es lediglich im Nordosten. Dort stiegen die Temperaturen noch nicht einmal auf 25 Grad. Das Wetter war allgemein heiter. Der hohe Druck, der bei uns die Witterung beherrschte, wird von Westen her durch eine flache Depression abgebaut. Auf der Westseite dieser Depression fließen ozeanische Luflmassen. Sie werden am Sonnabend die wesi- liche Hälfte des Reiches überfluten und Gewitter hervorrufen. weileraussichlca für Berlin: Heiter und sehr warm, südöstliche Winde.— Für Deutschland: In der westlichen Hälfte des Reiches schwül und Gewitter, im Osten heiter, trocken, sehr warm. D»S traditionelle Winzerfest des Rose. Garten» fRose.Theater) findet am 13. und 14. August mit dem interessanten Augustprogromm und der Aufführung de: mit ungewöhnlichem Leifall ausgenommenen Operette„Frühlinasluft"' von Joseph Strauß statt. Tanz im Freien. Großes Feuerwerk. Nicht erhöhte Preise, Peginn 5 Uhr. � TUeaiet, Lidiispiale usw. j MM. Wer Charlottenburg Bismarckstraße 34 Sonnabend, 13. Aug Volksvorstellung bescbrSnkt. Kartcnverk. Die Boheme Nettesheim. Ludwig, Friud. Heyer, Guttmauu, Baumaun Anfang 20 Uhr Ende 22 Uhr «S « Uhr 13. Flora 3434. Uaumen en. Taps& Tempo, ReraosComp. 4Richys, Sealtiel,M.&C.Mayo Levanda, Hunter& Bobette usw. SoitoabenO n. Sonntag le Z Vorslellp. 4 o. 8.13 Uhr. 4 Uhr kleine Preise T»gl. s u. au u. LUCILLE PAGE mit Ihrem DINOSAURUS und DIE STARS DER WELT! plAZa 5 D. 8", Stjs. 2,5.8U ü. Xnr noch 3 Tage! Die(iärdäsfarstin Rose- Theater Stils Frankfurtsr StraSe 132 1-1. Weiduel E 7 3422 8.30 Uhr Herzdame Carrenbllhne 5.30 Uhr Konzert u. Variete FrfitinngslBt] Qufftunq� fUioait u. ßehlonirmarKro Wfißf<»5 Tahr�n (15 Spezitah'töi fonrodMüllef Pumpen reipupa� Herl inst BETRIEB* K KEMPiHSKltJ Bekanntmachung. Die in der Zeit vom 1. Okiober bis 31. Dezember 193(1 versetzten Pfänder sind versteigert worden. Ueber- schüsse sind bis zum 13. No- oember 1932 abzuheben. Staatliches Leihamt. *£»«•••••«••« Nenruppin(iDftkürort) A 5U Bilderbogenstadt, Geburtsort v. Fontane und Schinkel. Am schönen Ruppiner See gelegen, Pforte zur Ruppiner Schweiz, Wälder. Seen, Anlagen, histor. Sehenswürdigkeiten. Angel- und Badegelegenheiten. Sportmöglichkeiten. Idealer Wochenend-, Ferien- u Ruheaufenthalt Günstige Bahnverbindungen. Sonntags- Rückfahrkarten von und nach Berlin. Bad Elster Kurheim Villa Jugel für Parteigenossen unh Republikaner PauschaUuren, billig ftc Preise Ruf 112. Alwin Jugel. KoblankSCo. Piunpeafairik. Berlin N 65 üeinidinilorler StraSe 93. Genossen, kommt an den Rhein! Pension Sssquit Bacharach o. Hl)., Auf der Mauer Ganze Pens. 4,— M. Bad im Hause Zim. m. Frühst. 2.25 M. Rheinterraffe .M�suas m%% vermittelt die Volksbühne E. u. Jedes Mitglied erhält jährlich 10 bis 11 Vorstellungen im Tb. am BOiowpiaiz Ibis 2 Vorstellungen in der Siaatsoper Nachmittagsabteilungen mit 6 Vorst, im Th. am BQlowplatz(Sonntag nachm.) und 1 Oper Auf Wunsch stets auch 2 Vorstellungen im Sdiiller-Theater Chart Ottenburg Vorstellungsbesuch auf allen Plätzen 1.50 JUark Nachraittags-Vorstellungen 1.10 M.:: Opern-Vorstellungen 2.50 M. Keine Vorauszahlungen. Auslosung der Plätze vor jeder Vorstellung Zahlreiche Sonderveranstaltungen(Musik, Tang, Kabarett) Ohne Mitgliedschait in der Volksbühne E. V. ferner Abonne mcnts lür 10 Vorstellungen des Theaters am Bülowplatz. Feste Plätze nach eigener Wahl. Vorparkett: 5,-, 4,50 u. 4,- M(Kasse: 8 7,-, u.6,- M); Parkett: 3.50, 2,70, 2,- u.1,80 M (Kasse: 5.-, 4,-, 3,- u. 2,50 M); 1. Ring: 4,-, 3,50, 2,70 u. 2,- M(Kasse: 6,-, 5.-, 4,- u. 3,- M); 2 Ring: 1.80 M(Kasse: 2,50 M); Vorausbezahlung der beiden letzten Vorstellungen. Bei sofortiger Bezahlung sämtl. 10 Vorstellungen 5% Rabatt. Aus dem Spielplan: THEATER AM BÜLOWPLATZ STAATSOPER Gogol: Der Revisor/ Hauptmann: Die Ratten/ Pagnol: Fanny/ Hay: Das Neue Paradies/ Zuckmayer: Schinderhannes/ Raimund: Alpenkönig und Menschenfeind/ Shakespeare: Maß für Maß/ Castonier: Die Sardinenfischer/ Joachimson und Schiffer(Musik von Spolianski): Das Haus dazwischen/ Ebermayer und Mann: Prof. Unrat/ In Hauptrollen: Hans Albers/ Curt Bois/ Eugen Klopfer/ Otto Wernicke/ Jacob Tiedtke/ Ernst Karchow/ Erhard Siedel/ J. Almas/ Paul Verhoeven/ Artur Mainzer/ Käthe Dorsch/ Camilla Spira/ Brig. Horney/ Käte Haack/ Lotte Stein/ Genia Kurz usw Wagner: Der fliegende Holländer/ Mozart: Cosi fan tutte/ Verdi: Rigoletto/ Der Maskenball/ Falstaff/ Die Sizilianische Vesper/ Schillings: Mona Lisa/ Mas- cagni: Cavalleria rusticana/ Leoncavallo: Bajazzi/ Joh. Strauß; Eine Nacht in Venedig/ Wiener Blut usw. SCHILLER-THEATER Hauptmann: Die versunkene Glocke/ Wellenkamp; Theres geht vorüber/ Wal- iace u. Roth: Platz oder Sieg/ Stolz: Wenn die kleinen Veilchen blühn/ Shakespeare: Der Widerspenstigen Zähmung/ corrinth: Hallo! nur Mut/ Ein Berliner Volksstück mit Musik u.a.m. Prospekte und Anmeldungen in 200 Zahlstellen. U. a. bei sämtlichen Theaterkassen der Firma Tietz, im K.d. W,. In der Volksbühnen- Buchhandlung, Köpenicker Straße 68, sowie in der Hauptgeschäftsstelle, C 23, Linienstraße 227(Th. a Bülowplatz), D 1, Norden 2944.— Abonnementsbestellungen ausschließlich im Abonnementsbüro, C 25, Linienstraße 227, D 1, Norden 2944 ReitHshanner Scliwarz-Rot-Gold Ortsverein R 3 n k O w Sonntag, den 14. August, 16 Uhr: s s SNMM der Veriassangsfeier 1932 fUr die Bezirke: Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow im Konzerthaus Pankow, Breite Straße 34. Gartenkonzert: Reichsbannerkapelle Weißensee Kabarett der Volksbühne /Tombola- Hauptgewinn; 1 Fahrrad/ Kinderbelustigungen aller Art/ Kaffeekochen Ei ntritt 0,50 M./ Erwerbslose 0,20 M. Ostseebad Misdroy Villa Wald und See 1 Min. von Strand u. Hochwald Vorzügl. Verpflegung, Vor- n. Nachsaison 4.— M. und 4.50 Hauptsaison 5.— M. und 5.50 Keine Zuschläge roße Funkillustrierttf di.schaffende Volks VOLKSFUN Reich illustriert er T e xH eif, mitgroßem' Europa programra OLKSFUNK Erscheimwöchenri.,,48 Seiten stark, in Kupfertiefdruck VOLKSFUN Einzelnummer 25 Pf«moaatL 96 Pf. HARZ Parteigenossen linden freundliche Aufnahme. Gute Verpflegung Fünf Mahlzeiten Preis 3,25 M. Keine Nebenkosten. Heinrich Karges 80, Harrie- haoseo bei Seesen. Sachs. Sdiwciz Ihren Ilrlanb Im neuen Landhaus direkt a. d. Elbe felegen. Volle Verpflegung inkl. immer den Tag 4M Das Bett die VVoche7M., auch einzeln. Mahlzeiten. Geldiw.RafA, Sonnen Winkel Krippen Eewinnauszug 5. Klasse 39. Pieutzisch-Süd deutsche Staats-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboien Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in de» beiden Abteilungen I und II 4. Ziehungstag 12. August 1932 Bn der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 409 M. gezogen 2 Setoimt« i» 10000 M. 109971 12©ctninnc zu 5000 M. 19604 86669 215756 272805 288152 364157 22©cBimi« m 3000 QU. 7528 21510 40393 47391 51339 237530 265415 270029 274309 352754 358311 46»eöinne zu 2000 3H. 2815 17911 37207 41866 71587 120225 151 183 167516 170363 171310 172552 184709 228549 230420 238943 265574 315559 329621 336130 343519 384942 391 123 399626 112®etoiirae»n 1000 M. 5914 7553 8908 17585 21473 25508 41934 49967 52852 54953 55355 66486 66646 69618 72794 78526 79541 86913 98312 101499 113860 122167 126350 129601 144829 148617 151374 152050 153196 161033 133724 135055 197033 193139201062 207436 216223 224321 234933 237353 243613 250393 259996 234179 304326 306156 313540 320573 325733 331037 332392 355110 363214 269993 392462 395009 1 93 S-Winn- ,u 500 M. 3231 7672 10595 23361 30356 31745 33503 34930 37065 36775 40570 49363 52955 54343 53221 60797 66344 70553 71649 74630 30974 98045 101204 104061 105929 106220 109262 115047 119453 119729 121365 127675 135056 135309 137455 1 4251 7 144356 144953 155709 156044 164970 169145 177542 173329 I37I27 137579 1 97301 199767 205746 209650 210301 216509 219122 220014 221137 222223 223937 246822 248431 249777 249733 267026 275602 277402 279920 236350 239153 290957 293493 294727 295001 295020 296463 297545 297604 300095 317705 319275 321600 332994 334429 334836 336000 332602 346705 256641 339942 364146 265566 272220 373666 374941 373993 379373 331993 232136 234405 390976 399213 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über iOO M. gezogen 2 S-Wwn- ju 50000 M. 322142 2©ctoinne zu 25000 M. 22341 6 4 Eewi-n- z- 10000 M. 271598 341634 14 eerainnc j« 5000 M. 15382 46760 203278 255083 287724 303138 349384 14 SrtDinne I- 3000 M. 21260 94386 111402 157334 163389 260382 374429 48©etrinne»u 2000 M. 424 18246 48644 66061 72626 126378 169891 162473 167338 177024 177544 179209 199506 201938 21 2343 224396 234603 244593 247965 278333 279837 295670 326722 351225 122 Gewinne i» 1000 92. 1617 3217 1 8202 1 9214 20597 21 124 22711 24191 23272 33976 36567 42243 56233 62920 80991 31720 108439 112123 124042 128067 129030 129556 133294 137943 156993169169 169186 169839 131053 131732 133661 139230 192543 194559 195753 202073 209954 214764 223166 223360 223834 241053 242883 250319 256235 263893 276421 233133 239242 295137 297790 302497 204306 307741 325299 237629 373434 273367 292231 296446 299427 1 90 Gewiim» ,u 500 M. 13399 17462 30362 32397 37051 42851 55357 55451 59624 63241 63445 66017 72073 73272 82618 37631 88274 89617 89666 69364 94312 94332 103472 104739 105379 111355 114604 120227 122011 125542 128703 120016 131195 131398 150967 152321 152080 167440 170827 172542 177487 180482 181265 161322 182429 188722 131254 132710 136752 136975 193263 202642 221067 222243 232823 232862 233667 225846 228427 246506 258363 253851 263213 276376 277013 277763 231204 231434 282023 286373 305666 311712 312154 321723 322416 323542 223753 332427 223313 333130 2437 3 343334 344723 346310 246313 253644 356312 366514 363294 371461 272573 374719 275334 236635 233733 Im Gewinnrads verblieben: 2 Prämien je zu 500000, 100 Schlukvrämien zu je 3000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu•* 300000, 2 zu Te 200000. 4 zu ie 100000, 6 zu ie 75000, 10 zu je 50000, 26 zu je 21000. 172 zu je 10000, 412 zu je 6000, 868 zu je 3000, 2602 zu je 2000, 5078 zu je 1000, 8540 zu je 500, 25543 zu je 400 Mark. im schönen Thüringer Walde im herrlichen Erzgebirge in stimmungsvoller Heidelandschaft im märkischen Seengebiet in den Helmen derADEfE Allgemeine DeuisflieBeselisiflalt für Ferien- und Erholungsneime m.b.H. Sitz Jena, Marienstr.4— Prospekte gratis Werlsee mit Fangschleuse, Griln- heide undAlt-Buchhorst. Von Erkner mit Motorboot(Löcknitz) od. Postauto od. Eisenbahn bis Fangschleuse. Herrliche Seen, schöne Wälder. Parteigenossen Äm" Ute Küche(5 Mahlzeiten), Garten mit .iegewiese direkt a£ Hause, nahe Wald und Bahnstation, Schwimmbad vorhanden. Pension 3,25 täglich, keine Nebenkosten. Albert Karges, Luftkurort Harriehausen(Harz). Sommergäste finden freundliche Aufnahme und kräftige Verpflegung, 5 Minuten von Wald, Freibad und Bahn gelegen. 5 Mahlzeiten, keine Nebenkosten. Tag 3 Mark. Pension E. Blötz Harriehausen-Harz. ostseeDadHeringsdort Herrlich am Park gelegen, 1 Minute vom Strande. Pension Royal, Oel- t. Erstklassige pflegung"""—'------ brücksirahe St. Voll-Pension von 3J0 Mk. an, Ver- Kurtaxe öedeutenüermHOiol ZÜHMCST das beliebte Ostseebad westlich Rügen. Stein- freier idealer Strand Warme medizinische Bäder Kurkonzette, Sport Ausk Badeverwaltung. Tel.: 25 g— Große Trauring-FabrlR— 9 verkauft direkt an Private fugenlose Trauringe garantiert massiv, vollkarXttg »». j. 1 Ring 333 gestemp. nnr 4.50 bis 7.50 Mk. Q VW 1. 585, leicht 8.—„ f�sarZt. 1, 585, mittel H.50_ — �7�1 1„ 585 schwer 15.75„ 1, 90°, leicht 15.50. I—».,„ 1, 900, mittel 10.50„ totilog gratis i. 900 I schwer ,?.-" Haodilstllsrie Tranrtiigs. mlkl. Ausiatirnna.«norm billig a~chBtzt oaranfiMcnotn. eraviopen gratis satopt z. rnitnabmen _ Hermann Wiese �=£1 IHR VORTEIL ist es, wenn Sie noch heute für sich und ihre Familienangehörigen eine LEBENSVERSICHERUNG abschließen. Niedrige Prämiensätze, günstige Versicherungsbedingungen und größte Sicherheit bietet Ihnen die VOLKSFURSORGE Gewerkschaftlich-Genossenschaftliche Versicherungsaktiengeseltschaft Hamburg 5, An der Alster 57— 61. Auskunft erteilen die Rechnungsstelien; Berlin S 42, Ritferstraße 126 Berlin-Reinickendf.,Schänholzer Weg 39, v. I Berlin-Pankow, Gaillardstraße 26 Berlin-Spandau, Götelstraße 5 pt. Berlin-Mariendorf, Rathausstraße 93 Berlin-Köpenick, Bahnhofstraße 34 Berlin-Lichtenberg, Frankfurter Allee 122, pt KLEINE ANZEIGEN iiHimiiimiiiiiiiiiimiiimiiHiiiiiiiiiimmiiiiiiiiuiiiuiiii öberschriftswort 20 Pf, Textwort 1 0 Pf. Wiederholungsrabatt: 5 mal 5%, 8 mal 7,/«%# 12 mal 10%, oder 1000 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%. 4000 Worte 20%. Annahme durch den Verlag, Lindenstraße 3(1/j9 bis 5 Uhr), sämtliche Vorwärts-Filialen u.-Ausgabestellen sowie alle Annoncen-Expeditionen | uerhMe Tapeten SxiSat, ftolonie- ftrafte 9. Fahrranar Kochherde jeher Art U. Grüße, Riesenauswahl, Teifzahlung, trans. portable Kachelöfen, Badewannen-Oefen, Kesselöfen. Die alte Firma Eemmler u. Bleyberg, S. 14, Dresdenerstrabe 99. Iannowitz F 7 6651. KieidungssiücKs. wasche usw. Wenig getragene Kaoaliergarderobe von Millionären, Aerzten, Anwälten. Fabelhaft billige Preise. Empfehle Taillenmäntel, Pa. letots, Fracks, Sma lings, Gehrockam zllge. Hofen, Sport. Gehpelze. Damen. Mäntel. Gelegen» heiiskäufe in neuer Garderobe. Weife» ster Weg lohnend. Lothringerstraße 56. 1 Treppe. Rofen» thaler Platz, Ballonräder 84,—. 42,-, 45,—, 55,—, verchromte 65,—. Werner, Adalbertstr. 9, Kott- bnffer Tor. ltöU!ük8UClie> Nahngebisse. Plattnabkäll«. Quecksslber. Pinn» metalle. Silber» schmelz«. Goldfchmel. zerei. Ehriftionat. Kövenlckerftrahe 39. Lattestelle Adalbert. straste. US!'- sciiiedenes Lieder zur Laute! Rezifafionen. Mar» �arete Wafkotte, Zerfin» Steglitz, Fichtestr, 10. Tele. Phon: Steglitz 8684. Kuc-. Erhoiungs- auidhihait rnoiDi Gastwirifchast Bentseldt, Dabei, Mecklenburg, .herrlich zwischen - 2 Seen und großen Hmentimmcr Waldungen gelegen, 175.— bis 750,—. nimmt sofort Som. Ankleideschränfe mergaste auf. Preis 85,—, Klubsofas 3,— Mark, keine 75,—. Kamerling. Nebenkosten.• Kastanienallee 56j (Ecke Fehrbelliner. stratze).__' J llon, Speisezimmer,■ 200 breit, modern, alle» rund. 390,—. I Monbijouplatz 10.| Eiche mit Kaukasisch. Nußbaum, 1,80, runde Vitrine, 250,—. Tischlerei, Koloniestraß» 3—1. Ankieideschränke, 180 breit. 93,— st Kleines möblterles Zimmer an berufstätigen Herrn sofort ober später zu vermie. ten. Reukölln, 3ede Größe Riesen-f Üeineftraße 30, oiee auswahl. Scharf--Treppen links. Reu- stein. Prinzenftr, 64.1 bau. Nr. 379• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 13. August 1932 Lunkersturm gegen preußenkaffe. Weil man statt der Wahrheit wissenschastliche Giftküchen braucht. Wo Junker herrschen wollen, haben Wahrhaftigkeit und Ehr- lichkeit keine Stätte mehr. Weil sie heute herrschen wollen, muß die Lüge und die Irreführung der Oesfentlichkcit als Mittel dienen. Ein Beispiel dafür liefert die„Deutsche Tageszeitung" mir einem Artikel, in dem sie eine Reform der Preußenkaffe fordert. Es ist das unbestrittene Verdienst der Vreußenkofse, daß das finanzielle Rückgrat der deutschen candwirtschast, das landwirt- schaftliche Genossenschaftswesen, sich in dieser furchtbarsten aller Wirtschaftskrisen als außerordentlich widerstandssähig erwiesen hat. Die preußische Zentralgenossenschaftskasse hat unter Klepper, dem späteren preußischen Finanzminister, das landwirtschaftliche Ge- nossenschostswesen von Grund aus reformiert und saniert. Die Preußenkasse hat unter Kleppers Leitung aller- dings auch— und das entsprach der Wahrheit— in der deutschen Oeffentlichkeit die Erkenntnis geweckt und fundiert, daß man nicht von einer allgemeinen Agrarkrise in Deutschland sprechen dürfe, sondern daß die Großgüter des Ostens der entschei- dende landwirtschaftliche Krisenherd seien, von dessen Beseitigung jede Gesundung der deutschen Landwirtschaft entscheidend abhänge. Die Preußenkasse hat in unermüdlicher Arbeit gleichzeitig den Nachweis für ihre Behauptung erbracht und solange an den Boraus- setzungen zur Heilung der östlichen Agrarkrise gearbeitet, bis den Junkern bei Hindenburgs Aufenthalt in Neudeck Brünings Sturz gelang. Die erste Maßnahme des neuen Reichsernährungs- Ministers Freiherrn von Braun war die Neubesetzung des Präsi- dentenpostens in der Preußenkasse durch Dr. Helfferich. Die„Deutsche Tageszeitung" weiß nun, daß Dr. H e l f s e r i ch nicht schlankweg nur der willenlos« Diener der östlichen Junker ist, sondern auch noch ein Gewissen gegenüber seinem Institut uyd gegeniiber der gesamten Landwirtschaft hat. Darum drängen die Junker und in ihrem Auftrage die„Deutsche Tageszeitung" jetzt weiter. Mit der Begründung, die Behauptung von dem landwirt- ichastlichen Krst'enherd im Osten sei eine Irrlehre gewesen und die bisherige Leitung der Preußenkosse habe einen Trümmerhaufen(!) hinterlassen, wird gefordert, „daß alle Klepper-Leute und seine Mitläufer restlos aus der Preuhenkasse verschwinden"! Das von Wissenschaft und Praxis als großer Fortschritt erkannte landwirtschaftliche Betriebskontrollsystem müsse von den bisher leitenden Personen Aereboe-Brandscher Richtung gereinigt und unter Heranziehung hervorragender Landwirte der Bo r k. r i e g s z e i t(!) umgestellt werden. Die„Deutsche Tages- zeitung" gibt ihre hierbei verfolgten unehrlichen Absichten auch zu. Die Umstellung sei notwendig— so sogt sie—, weil erst, die Betriebs- kontrollergebnifje dieser Stelle„die verhängnisvollen Unterlagen für die Theorie von der Teilkrise des östlichen Großgrundbesitzes crmög- licht" habe! Nachdem in Neudeck der volkswirtschaftlich allein mögliche Kurs der Ostpolitik durch die falsch« Behauptung„agrarbolschewi- stischer Tendenzen" beseitigt worden ist, wollen die Junker jetzt also durch das personelle Ausräumen in der Preußenkaise auch die ent- sprechende Wissenschaft liefern. An demselben Tage nun, an dem die„Deutsche Tageszeitung" ihren unerhörten Angriff gegen die Preußenkajse lanciert, wird durch die Veröffentlichung des Jahrbuches des Reichsbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossen- s ch a s t e n für l9Z2 die entscheidende Bedeutung der preußischen Zentralgenossen- schastskasse für die finanzielle Gesnndung in der candwirtschast nachdrücklich unterstrichen. Das Jahrbuch muß seststellen, daß das Geld- und Kredit- wesen trotz der schweren Erschütterungen des vergangenen Jahres durchaus gesund und unerschütttert geblieben ist. Dos ist einzig und allein dos Verdienst der Preußenkosse durch die gelungene llmstellung der landwirtschaftlichen Genossenschaften im allgemeinen und des östlichen Genoisenschaftswesenz ganz im besonderen. Für die Z8 Z e n t r a l k a s s e n des Reichsverbandss wird im Jahrbuch festgestellt, daß von 19.89 auf 1931 die Guthaben der Genossenschoiien von 246 auf 171 Millionen Mark zurückgegangen, ihre Bankschulden infolgedessen von 199 auf 289 Millionen Mark gestiegen sind: weitcr wird sestgeltellt, daß sämtliche 28 Zentralkassen iür 1931 einen Gewinn ausweisen konnten. Auch das ist einzig und allein das Verdien st der Preußenkajse. Nur die außerordentlich vorsichtige und kluge Politik der Preußenkasse in den günstigeren Jahren 1929 und 1939 hat es im Jahre 1931 er- möglicht, daß den genossenschaftlichen Zentralkassen überhaupt die gewaltigen neuen.Krisenkredite.zur Verfügung gestellt werden konnten. Der weitere Ausbau der Hauptgennssenschasten für den Warenbezug und den Warenverkauf, der weitere Aufstieg der Molkerei- und V i e h o e r w e r t u n g s genossenschasten war ebenfalls nur der glänzenden Vorarbeit zu danken, die die Preußen- lasse geleistet hat. Was die„Deutsche Tageszeitung" angesichts dieser Totsachen im Austrage der Junker jetzt leistet, isteinfacheinVerbrechen an der Landwirtschaft. Große Verdienste- werden in Miß- Wirtschaft umgclogen: eine Asterwisfenschait soll er- funden werden, um die Wahrheit zu verdrehen, und das alles nur in dem kurzsichtigen Tages- und Besitzinteresse der Junker. Die Land- wirtschost würde systematisch zugrunde gerichtet werden, wenn„die grundsätzlich neue Stoatssührung" der jetzigen und der kommenden Reichsregierung den T e u f« l s r e z e p t e n der Junker folgen würde. Oer Schwindel von der Autarkie. Von Aächstbeteiligten selbst ausgedeckt. Wir zitieren: „Es ist aber ein Irrtum, zu glauben, die Landwirtschaft würde mit einem Schlag gesunden und erstarken, wenn die Ein- fuhr von Lebensmitteln aus dem Auslande völlig unterbunden würde und die deutsche Dolkswirtschoft völlig losgelöst von der Weltwirtschast sich nach dem Beispiel der übrigen Länder auf sich selbst zurückzöge, in Selbstgenügsamkeit oder Autarkie, wie das in letzter Zeit fo viel gebrauchte und mißbraucht« Schlagwort lautet. Die Landwirtschaft wäre dann produttionstechnisch wohl in der Lage, den Lebensmittelbedarf der deutschen Bevölkerung aus eigener Scholle zu decken, aber sie wäre, auch bei verhältnismäßig guten Preisen, kaum in der Lage, einen so großen Teil der industriellen Produktion aufzunehmen, wie die Industrie absetzen muß, um Arbeit für ihre Arbeiterschaft zu haben, beim die landwirtschaftliche Bevölkerung ist nur halb so groß wie die industrielle, und die industrielle Produktion ist im Gegensatz zur landwirtschaftlichen unbegrenzt, ja die Möglichkeit fortschreitender un- begrenzter Ausdehnung der Produktion bedeutet für die Industrie häusig Lebensfähigkeit. Di« Industrie wird deshalb immer zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auf Aussuhr angewiesen sein. Fehlt diese Ausfuhr— infolge des Abschlusses eines Landes, das die Sperrung etwa als Gegenmaßnahme gegen«inen deutschen Agrarjoll vorgenommen hat— so hat ein Teil der Arbeiter- schast keine Arbeit, ihr Einkommen sinkt und damit ihre Kaufkrast: was Hilst dem Landwirt dann der Zoll- schütz, wenn die Kaufkraft der Jndustriebeoölkerung fehlt, um eine genügende preissichcrnde Nachfrage zu erzeugen." Und wer hat das geschrieben? Wer die obenstehenden zweifellos völlig richtigen und hoch st vernünftigen Feststellungen liest, der muß glauben, ein Bekenntnis aus den Kreisen der Verbraucher, der Industrie oder der städtischen Arbeiterschaft vor sich zu haben. Namentlich von sozialdemokratischer Seite ist seit Jahren unermüd- lich daraus hingewiesen worden, daß der Zollschutz der Landwirt- schast nur begrenzte Hilfe bringen kann und daß eine Ueberspan- nung des Zollschutzes, eine übertriebene Absperrung gegenüber dem Ausland für die Landwirtschaft selber schädlich werden muß, und zwar auf dem Wege über Drosselung der Exportmöglichkeilen, ver- mehrte industrielle Arbeitslosigkeit und weiteren Zusammenbruch der Masienkauskrast. Diese überragende Bedeutung des Kaufkrastfaktors für die Preisbildung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und die sortgesetzte Abschwächung der Zollwirkung ist ja von dem sozial- demokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. B a a d e erst kürzlich in seiner gemeinsam mit dem Institut für Konjunkturforschung her- ausgegebenen Arbeit„Verbrauchereinkommen und Landwirtschaft" überzeugend dargelegt worden. Tatsächlich stammen hie obenstchenden öätzc jedoch aus dem landw;rtjch.ifinchen Lager. Auch hier gibt es fest einiger Zeit einzelne weilerblickende Landwirtschastsfuchrer, wie den früheren deutjchnationalen und späteren Landvolkabgeordneten Schlange-Schöningen, den Ost- kommissar der Bnining-Regierung. der wegen angeblichen Agrar- bolschewismus von der Reudecker Kamarilla abgesägt wurde. Herr Schlange-Schöningen könnte sehr wohl der Verfasser der obigen Sätze sein. Denn er hat in letzter Zeit häufig die Interessen- Verbundenheit von Landwirtschaft und Arbeiterschaft mit ähnlichen Formulierungen festgestellt Aber, o Wunder! Diese volkswirtschaftlichen Einsichten sind gär nicht die Ansicht eines vernünftigen Einzelgängers, sondern sie stehen im Vorwort zu dem neuerdings erschienenen Jahrbuch des R e i ch s v e r b a n d e s der deutschen l a n d w i r t s ch a f t- lichen Genossenschasten— Raiffeisen für 1932. Es ist also eine hoch offizielle Stelle, eine Spitzenorgonisatio» der Landwirtschost, der durch die Zusammenlegung der beiden großen Verbände entstandene gmossenschaftliche Cinheitsverband, der sich zu diesen Einsichten durchgerungen hat. Wenige Seiten vor dem obenstehenden Zitat befindet sich eine seierliche Auszählung der Organe dieses Reichsverbandes und der leitenden Personen. Der Präsident dieses Reichsverbandes ist der srühcre Reichsernähmngsmimster Dr. Hermes, emer der Exponenten der„Grünen Front". Zwei stellvertretende Präsidenten werden uns vorgestellt, nämlich Dr. Rabe und Freiherr von Braun. Regierungspräsident z. v., Mitglied des Vorläufigen Reichswirlschastsrats, feit Z. Zum 1932 Reichsminister für Ernährung und candwirtschast(!) und Rcichskommissar für die Osthilfe. Hoffen wir, daß es sich bei diesem Austauchen Wirtschaft- licher Vernunft in dem Jahrbuch eines so vornehmen Reichsver- bandes nicht um einen„Bürolapsus handelt, sür den nachher irgendein unglücklicher Büroongestellter oder Doktor ge- rüffelt wird, sondern um wirkliche Erkenntnis, aus deren Nutzbar- machung in der offiziellen Agrarpolitik wir besonders gespannt sind. Ltm die belgische Kohleneinfuhr. Verhandlungen zwischen Belgien und Deutschland. Autarkie wünsche auf beiden Seiten. Belgische und deutsche Bcrgbauunternehmer verhandeln in Köln im Beisein von Bertret-rn der Regierungen über die deutschen Kohlenlieserungen nach Belgien. Dabei handelt es sich aber nicht, wie man angesichts des belgischen Bergarbeiterstreiks an- nehmen könnte, um eine Erhöhung, sondern um eine E r m ä ß i- g u n g der deutschen Einfuhr. Die belgischen Unternehmer wollen die Streikzeit benutzen, um eine„endgültige Bereinigung des Marktes" herbeizuführen, das heißt, sie wollen ihre H o l d e n b e- st an de verkaufen und so den Streik zu einer willkommenen finanziellen Entlastung ausnutzen Es ist also so. daß die deutschen Kohlenlieserungen wahrend des Streiks nicht so sehr den streikenden Bergarbeitern, sondern vielmehr den bestreikten Unternehmern un- angenehm sind. Die belgischen Unternehmer fordern eine Halbierung der gesamten Kohleneinfuhr, weil die Haldonbestönde sich in den letzten Monaten überdurchschnittlich erhöht hätten. Der deutsche Einfuhr» onteil würde dann von 224 999 Tonnen auf 113 999 Tonnen monat- lich zurückgehen. Ob die Belgier nach dem bestehenden Abkommen zu dieser Forderung berechtigt sind, scheint zweifelhaft. Sie haben es sehr eilig mit einer Neuregelung: denn die Haldenbestände wachsen natürlich während des Streiks überhaupt nicht an. Merk- würdigerweise scheinen die deutschen Unterhändler weniger die Frage der Berechtigung zu prüfen, als K o m p e n s a t i o n s s o r d e r u n- gen zu stellen, aber nicht etwa nach Erhöhung der deutschen Aus- fuhr von anderen Waren, sondern nach Ermäßigung der belgischen Einfuhr nach Deutschland. Nachdem sich Belgien mit der Einschrän- kung seiner Agraroussuhr nach Deutschland nicht einverstan- den erklärt Hot, versucht man es bei industriellen Fertigwaren. Man scheint also in Deutschland um jeden Preis Autarkie machen zu wollen. Llnternehmer gegen sich felbsi. Lim den Zusammenhang zwischen Lohnhöhe und Nationalisierung. Nachdem die übersteigerte Rationalisierungswelle der letzten Jahre auch zu den verhängnisvollen Berhältnissen auf dem Arbeitsmarkt beigetragen Hot, hoben die Unternehmer immer wieder ver- sucht, die Verantwortung für die Rationalisierung von sich abzuwälzen. Sie haben die gewerkschaftliche Lohnpolitik als die eigentliche Ursache, die den Rationolisierungszwang ausgelöst hat, bezeichnet, ohne den die rücksichtsvollen Unternehmer nie jene Maßnohmen getroffen hätten, die zu den ungeheuren F e h l- i n v« st i t i o n« n in der Industrie geführt haben. So heißt ez in Heft l9. Jahrgang l932, der Schriften der Ver- einigling der Deutschen Arbeitgeberverbände:..... sie(die Lohnerhöhung) hat über erzwungene Ratinnalisierungsmaßnahmen Arbeitslosigkeit verursacht, die Kapitalknapphcit vergrößert und zu Kapitolfehlleitungen geführt, da für die erzwungenen Ratio- nalisierungsmaßnohmen vielfach ircht die errarderlichen Voraussetzungen gegeben waren." Es trifft sich gut, daß dieselben Kreise bei anderen G e- legenhciten immer wieder den Gegenbeweis gegen ihre eigenen Bestauptungen liefern. In einer Eingabe des R e i ch s-v e r b a n d e s der deutschen Industrie an die Reichsregiernng, in der über die Regiernngspläne hinausgehende Arbeitsbeschosfung bei der Reichs- bahn und Reichspast gefordert wird, geht der Reichsverband aus die Frage der Betriebsverbesserung bei der Reichspast ein. Der Grundsatz, keine Betriebsverdesserungen durchzuführen, wenn dadurch Personalersporni» eintritt, müsse nach Ansicht des Reichsverbandes zu einer Erstarrung der Wirtschost führen. Jeder technische Fortschritt bedeute zunächst die vorübergehende Frei- setzung menschlicher Arbeitskräfte. Verzichte man deswegen auf die Einführung technischer Fortschritte, so würde das ein Verzicht auf die Wiedereingliederung der brachliegenden Arbeitskräfte f ü r alle Zelten bedeuten. Damit tritt der R e i ch s v e r b a n d der deutschen Industrie auch heute noch Mit äußerster Konsequenz für die Rationolisie». r u n g ein, ohne daß der oben dargestellte Zwang in Gestalt hoher' Löhne zur Zeit irgendwie besteht. Er bestätigt damit allerdings nur die von der Industrie in den letzten Jahren selbst gewollte und ohne Rücksicht aus die Arbeiterschaft durchgesührte Ratianalisierungs- Praxis und straft die demagogischen Behauptungen, daß die Gewerk- schoftspolitik zur Arbeitslosigkeit geführt hätte, ausdrücklich Lügen. Die Frage, ob die Weitertreibung des Rationalisierungsprozesses, die auf jeden Fall unmittelbar zu großen Arbeiterfreisetzungen führt, bei der augenblicklichen katastrophalen Arbeitsmarktlage über- Haupt angebrocht ist, interessiert den Reichsoerband nur so nebenbei. Es kommt ihm nur daraus an. einigen Jndustriegrnvpen für den Augenblick Beschäftigung zu verschassen. Vaumwottfpinnerei und Baumwollweberei. Unveränderte Beschästiaungslage im Juli Roch dem Bericht der Deutschen Baumwollspinnerverbände hat sich die Beschäftigung der Baumwollspinnereien im Juli nicht gebessert. Vorübergehend war der Absatz von Baumwollgarnen ge- stiegen, weil die Preise für Rohbaumwolle anstiegen. Als diese Preissteigerung zu Ende war, ging auch der Garnobsatz wieder zurück. Der Auftragseingang hat sich gegenüber dem Bor- monat nicht gebessert. Unter der englischen Konkurrenz(Pfundentwertung!) hotte vor ollem die F e i n s p i n n e r e i zu leiden, einmal infolge vermehrter englischer Einfuhr von Feingarnen, zum anderen wegen des Drucks auf die Preise. Die Betriebseinschränkung ist im alten Umfange aufrecht erhalten worden: es scheint aber so, daß die n i e d r i g e n Garnläger in normalen Zeiten eine Ausfüllung und damit eine stärkere Beschäftigung gerechtfertigt hätten. Die Baumwollwebereien hoben unter dem weiteren Rückgang der Massenkoufkraft und des Massenabsatzes zu leiden. Die gleichen Ursachen führen zu verstärktem Preisdruck. Die politische Unsicherheit ist der Grund, daß die Abnehmer sich weiter zurückholten und keine neuen Aufträge erteilen. Auch bei den Webereien wurden die Betriebseinschränkungcn aufrecht- erholten, zumal dos Exportgeschäft immer weiter einschrumpft. Die steigenden Rohstofspreise auf den Weltmärkten erwecken aber bei den Baumwollwebereien Hoffnungen auf eine Besserung. Abkommen zwischen Frankreich und Ruhland über Pelroleum- Lieserungen. Zwischen der französischen Industrie und dem russischen Raphtha-Zyndikat ist ein Vertrag für süns Jahre abgeschlossen war- den, nach dem die Russen jährlich 499 999 Tonnen Petroleum nach Frankreich liefern sollen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann diese Menge um 39 Proz. vermindert oder vermehrt werden. Die sranzösisch« Industrie ist also zu einer Mindestabnahme von 289 999 Tonnen verpilichtcr. Rußland darf aber im günstigsten Falle nicht mehr als 529 990 Tannen nach Frankreich ausführen. Berichtigung zu Baer-Stein. Wir hatten in Nr. 371 die Same» nrngsbilariz der Baer-Stein A.- G.. Berlin, einer Tochter- gesellfchast von Hirsch-Kupser, besprochen. In der notwendig g«> drängten Darstellung sind die Angaben über die Beteiligungen zu summarisch gegeben worden: wir berichtigen sie auf Wunsch wie folgt: Die Bacr-stein A.-G. hat ihre Beteiligungen an der„Wirt- schaftsnutzen. Maschinen und Geräte G. m. b. H." und an der Gra- nieranstalt Daß u. Stange»oll abgeschrieben. Sie crjchemen mit dem Erinnernngswerl non einer Mark in der Bilanz. Dagegen sind die 49 999 Mark Anteile der ZI I t m a n n A.-G. für Metallbearbei- tung zu pari, also mit 49 999 Mark in der Bilanz bewertet morde» Jluf Schwelmer ffiahnen Erinnerungen an eine Steife/ seits der Gotthardwetterscheide liegt und uns den ganzen Süden mit Zitronen, Orangen, Pfirsichen, Feigen, Palmen, Kamelien schenkt. Reisen als Selb st zweck... Das Reisen auf der Bahn dient in jedem Lande dazu, ein Ziel zu erreichen. Es ist Mittel, nicht Zweck. Nur mit Reisen in der Schweiz ist es anders. Hier ist schon die Eisenbahnreise so schön. daß ich mir sehr wohl vorstellen kann, daß jemand zunächst nichts anderes tut, als etwa 8 Tag« die Schweiz kreuz und quer zu durch- fahren, um einen Gesamtüberblick zu bekommen, das ganze Land im Flug zu sehen und dann erst irgendwo zu verweilen. Die Schweiz vom Waggonfenster aus gesehen— das ist viel- leicht nicht einmal das schlechteste Mittel, dieses kleine, aber un- «rschöpflich mannigfaltige Land von vielen Seiten aus zu sehen. Reisen ist in der Schweiz nicht billig, alle Preise liegen höher als in Deutschland, und man muß manche Ausgaben, die man in Deutsch- land auf der Reise hat, für die Schweiz mit 3, ja sogar mit 4 und 5 multiplizieren, um richtig kalkulieren zu können. Dementsprechend sind auch die Schweizer Eisenbahnen teuer. Aber sie haben eines, was alles ausgleicht: das Generalabonnement Dieses Abonnement bezieht sich nicht auf den Raum, sondern auf die Z e i t. Nicht wohin man fährt, nicht wieviel Kilometer man zurücklegt, sondern wie lange man fährt, ist allein maßgebend. Dem Generalabonnenten stehen die ganzen 5000 Kilometer der Bundes- bahnen nach Belieben zur Verfügung, dazu noch die Dampsboote für die Seefahrten. Die Abonnements werden für 8. 15 oder 30 Tage ausgegeben. In dieser Zeit kann man Tag und Nacht. ganz nach Belieben, herumfahren, so viel man will. Wer will, fährt die Nacht durch, um Hoteltosten zu sparen! Das alles kostet für 8 Tage 3. Klasse nur 55 M.. also so viel wie eine Reise 3. Klasse Berlin— Stuttgart hin und zurück! Für dieses Geld 8 Tage die Schweiz bereisen, das heißt, alle schönen und berühmten Strecken befahren, die verschiedenartigen landschaftlichen Charaktere der Schweiz vom Wagenfenster aus sehen, das ist ein Vergnügen und «in Naturerlebnis. das sobald mit keinem anderen verglichen werden kann.— Ein« solche Rundreise habe ich nicht gemacht, aber meine Vor- tragsreise bracht« mich durch so viel Teile der Schweiz, daß ich doch eines nicht nur von Ort zu Ort. sondern schon vom Fenster au» er- leben konnte: ihre Tausendfältigkeit. Bevor ich in die Schweiz fuhr, verstand ich nicht ganz die Mahnung, die mir unser prachtvoller Genosse Robert Seidel, der Schöpser der Arbeit»- schule, aus Zürich geschrieben hatte:„Die Schweiz ist noch immer ein fremder Erdteil für einen Deutschen. 4 Sprachen. 25 Kantone, 100 Täler und Welten." Und als ich 5 Wochen später, am Ende dieser Reise, beim Genossen Seidel einen Abschied von ihm und der Schweiz oben auf dem Zürichberg trank, fiel mir plötzlich dieses Wort aus einem seiner Briefe ein, und bevor ich es noch aus- sprechen konnte, zitierte er es selbst und fragte mit seinem gütigen und heiter überlegenen Lächeln:.Jjabe ich Ihnen richtig geschrieben. daß die Schweiz ein unbekanntes und sehr schwer erkennbares Land ist?" Ich tonnte es ihm nur bestätigen. Denn ein Land, wo man nach jeder halben Stunde Eisenbahn zu neuen Menschen, Sitten, Sprachen, zu einem neuen Häuserbau, Lebensstil, Interessenkreis kommt, ist wahrlich ein schwer zu durchdringendes Ganzes. Wirrwarr der Sprachen... Das merkt man aber, wenn man aufmerksam fährt, schon von der Eisenbahn aus. Da sitzen mir gegenüber zwei katholische Geist- liche der Westschweiz, die französisch sprechen. Der eine übersetzt dem anderen deutsch« Gedichte, die er liest. Wenn ihn ein Vers besonders entzückt, dann muß sich sein Nachbar die Uebersetzung anhören, auch wenn er nicht will. Im Durchgongswagen ein Sprachengemenge, das von Station zu Station wechselt und absolut unverständlich ist. Ich selbst komme nicht darauf, daß das, was zwei Frauen der „besseren" Stände sprechen, deutsch ist. Erst ein junger Schweizer Dichter klärt mich über die verschiedenen Dialekte aus. Aber ohne Uebertreibung: das Ohr ist außerstande, sein geliebtes Deutsch aus diesen Gutturalen herauszuhören. Und so geht es fast an jeder Station, besonders wenn man die großen internationalen Strecken verläßt und weniger bekannt« fährt. Di« Eisenbahnschoffner wechseln mit den Sprachgebieten. Mit ihnen ist es so wie in allen Groß- städten und Hotels: mit ein bißchen Französisch kommt man überall durch, aber das Deutsch der Schweizer, in kleinen Orten besonders, ist nur verständlich, wenn sie es selbst ins Hochdeutsch übersetzen. Die sprachliche Einheit beginnt eigentlich erst in der französischen Schweiz. Die hat ihre konsolidierte, dialektfreie, wenn auch nicht akzentfreie Sprache. Sonst ist in der deutschen Schweiz auf den kleinen Bahn- Höfen der Schaffner, der Hochdeutsch spricht, der beste Dolmetscher. Der Schweizer Deutsch« lernt selbstverständlich in der Schule hochdeutsch, und er spricht es auch. Er spricht es ober im Leben nie für sich, stets nur für den Fremden. Für sich spricht er seinen Dialekt, und mag er tausendmal hochdeutsch sprechen und schreiben, er wird mit einem Landsmann niemals anders als im Dialekt sprechen. Nicht irgendeine kantonale lokalpatriotijche Ge- sinnung, sondern einfach die Gesamtheit legt den größten Wert auf Erhaltung und Pflege dieses Dialekts. Sonst ist Dialekt«ine Mund- ort des Volkes. In der Schweiz sind es gerade die Gebildeten. das intellektuelle Bürgertum, die die Träger der Dialekt- i d e e find. Dieses Dialektsprechen ist allen derart in Fleisch und Blut übergegangen, daß zum Beispiel wiederholt in meiner Gegenwart verschiedene Leute, die mit mir ein Gespräch führten, unter sich, aber vor mir, im Dialekt sprachen, dann erst mir das Gesagte übersetzt wiederholten. Also lieber zweimal gesprochen als gleich hochdeutsch gesprochen! Da aber diese Dialekte so verschieden sind, wie das Land es ist, verstehen selbstverständlich auch die Schweizer nur«inen Teil ihrer Dialekte. In ihrer Bewahrung sind sie aber so konservativ, daß das Verhalten der Umwelt dazu für sie gar keine Rolle spielt. Infolgedessen gibt es im italienischen und sranzösischen Sprachgebiet eingesprengte einzelne Dörfer, die eine andere Sprache sprechen als die ganze Umgebung und die diese Spracheigenheit durch Jahr- hunderte erhalten, ungestört dadurch, daß der Nachbar sie nicht mehr versteht. Und wie verständigen sie sich mit ihm? Mit ein paar Brocken Französisch oder Jtalienfich oder eben gar nicht. So gibt es im Maggiatal, im italienischen Teil der Schweiz,«in Bergdorf Bosco, das rein deutsch geblieben ist, wie es auch in der französischen Schweiz eingesprengte italienische oder deutsche Sprachoasen gibt. So gibt es auch ein Dorf im Wallis, diesem französischen Kanton, in dem noch reines Mittelhochdeutsch gesprochen wird. Segen und Grenzen der Technik. An diesen Tatsachen hat die hochentwickelte Elektrifizierung und Motorisierung des Verkehrs wenig ändern können, so überwältigend sie ist. Pferde habe ich 4 Wochen lang überhaupt nicht gesehen! Dampfkraft ist erst aus der Nebenstrecke Bern— Luzern. Die Motorisierung verbindet alle Dörfer zu einer Einheit. Das einsame Dorf hoch oben auf dem Berge gibt es nicht mehr. Im ärmsten Dorf wohnen noch Arbeiter, die in der Nähe beim Häuser-, Straßen-, Bahn- oder Maschinenbau beschäftigt sind und auf ihrem Motorrad zur Arbeitsstätte fahren. So hat also die Technik Gewaltiges zur Vereinheitlichung der Schweiz beigetragen und jeden Ort, auch den kleinsten, an den Weltverkehr angeschlossen. Aber zur U n i f o r» m i e r u n g der Schweiz hat das nicht beitragen können. Die Schweiz ist und wird eine Verbindung von Menschen sein und bleiben, die aus den landschaftlichen und wirtschaftlichen Besonder- heiten des Bodens, auf dem sie leben, ihren Charakter, ihr Wesen empfangen, und solange die Schweiz von Bahnstation zu Bahn- station ein neues, überraschendes, völlig verändertes Bild dem Reisenden zeigt, werden auch die Menschen verschieden bleiben, die hier wohnen. Wenn die kleine Elektrische zwei Stunden durch die herrlichen Gebirgsschluchten des Centovallitals fährt und sich dann das große Becken austut, durch das uns die Rhone bis nach Genf geleitet, oder wenn man vom Berner Oberland in das fast thüringisch milde Gebilde gelangt, das zwischen Iura und Alpen liegt, oder wenn man so nahe und doch gänzlich verschieden Städte, wie Gens, Zürich, Basel, erlebt, die bei aller Nähe der Bahnentfernung aus ganz verschiedenen geistigen und landschaftlichen Formen heraus ihr« Geschichte erhalten und mit eigenen trotzigen Willenskräften gefördert hoben, dann darf man glauben, daß die Schweiz noch auf lange hinaus das Land sein" wird, das auf kleinstem Boden die größten Verschiedenheiten aufweift, und das Land sein wird, das die größten Verschiedenheiten in einer staatlichen Einheit zu binden die Kraft hat. Die Verschiedenartigkeit der Schweiz ist also phänomenal. Aber ihre Einheitlichkeit ist es nicht minder. Und diese Einheillichkeit datiert nicht seit gestern, sondern seit der P r ä h i st o r i e. die in der Schweiz zur National- g e s ch i ch t e zu gehören scheint. Auch das ist ein Kapitel, das nicht damit erledigt ist, daß man es ausspricht. Es sagt ebensoviel über die Vergangenheit aus wie über Gegenwart und Zukunft. � Amlaulch Eine wahre Oefchichle/ Ton Stils Hiüller&alenhirchen Die Bawett Bichelmann steht auf der List« an der Spitze. Auf der List« der Ziehmütter der städtischen Amtsvormundschast. Früher stand die Rosa Anwander an der Spitze. Aber die ist tot. Räch dem A kommt an die Reihe: B. Wo bliebe sonst die Ordnung. Die amtliche. Auf diese kommt es an. Ich weiß, es gibt verdreht« Leute, denen kommt es bei der Bor- muadschaft aus Kinder an, dann erst aut die Pflegemutter und ganz zuletzt aufs Alphabet der städtischen Amtsvormiindfchatt. Diesen Menschen zur Verwarnung, was für Unh«il aus gestörter Ordnung kommen kann, sei erzählt was folgt. Außer der Pflegemütterliste A bis Z gibt es noch sine zweite Liste in der städtischen Amtsoormundschait. eine Zahlenliste 1 bis unbestimmt. Die umfaßt den Kinderzugang. Man hätte diese Liste teilen sollen. Herr Zehetinaier hat es gleich gesagt. Man hat nicht auf ihn gehört. Sonst wäre so was nie passiert. Aber daß ich vorn beginne: Die Pflegemutter Bawett Bichelmann b«kam da» Kindchen 1347 zugewiesen. Zäzilie hieß es. Frau Bawett Bichelmann sah da, Kindchen bei der lieb ergäbe kritisch an: „De«? Zä— zi— Ii— ee? Dazu i» des vi«l zu gesund. Dee hoaßt net Zäzilie. Meiner Lebtag net. Schaug'n Sie's nur a'. Des i» auf und nieder a Maarerl!" „Mari— e, meinen Sie?" „Maarerl. sag i." „Was Sie sagen,' ist unerheblich, in der List« steht sie unter 1347 als Zäzilie." Frau Bawett lachte überlezen: Zog sie eins Liste auf? Nein, sie zog ein Kind auf. Di« Liste wurde von der Amtsvormundschast l aufgezogen. Darin mochte es Zäzilie heißen bis zum jüngsten Tag. Bei ihr hieß es„das Maarerl." bis es einmal selbst entscheiden mochte. „Also. Herr Sekretär, geb'n Sie mir'» nur glei mit.'» Maarerl." „Hier haben Sie die Aäzilie. Ich vermahne Sie. sie laut Bor- schrist so zu halten, al» war« sie Ihr eigenes Kind und aus ihr zu den vom Magistrat bewilligten monatlichen Entschädigungssätzen einen Menschen großzuziehen, der sich—" in die staatlich«, gemeindliche und sittliche Ordnung so er- sreulich einsügt, daß und so weiter— tun S' Ihnen nicht anstrengen. Herr Sekretär, i weih'» auswendi— komm Maarerl. laß di' nehma, sollst e» guat bei mir ham, Maarerl." „Zä— zi— Ii—«!" brüllte der Sekretär ihr nach und schmiß di« Türe zu. Maarerl-Zäzilie hatte es gut bei der Frau Bawett. Ihre leib- liche Mutter war in di« Isar gegangen. Sie Hot da» für einen heldenhaften Abgang gehalten. Ihre Pslegenrutter ging, um dem kleinen Maarerl ein Sparbuch anzulegen, in zwei, drei Waschpläpe mehr. Das war nicht hekdenhast, sondern eine unverlangte, aber immerhin behördlich zugelassene Ueberleistuug von Brau Bawett Buhelmann. Me» wäre damit gut und die Geichtchte au» geweien, weim nicht eine anderswo überschussige magistratliche Hilfskraft in dos Dor- mundschaftsamt hineingeschoben worden war«, wo sie zwar auch rnchrs zu tun vorfand, weshalb sie sich ecwos zu schafien machie. Wenn in dieser Hinsicht alle Stricke reißen, Hilst man sich mit � einer neuen Liste. Di« neu« Hitsskrast also legte ein« Rsligions- bekennlniskindertlste an. Als die!« fertig war, verbiß er sich in ein: Religionshekenntnispflegemütterl.ste. Dann verglich er. Plopl'ch wurden sein« Hllsskraflougen rund und runder Er hau« etwa! entdeckt. Etwas so Ungeheuerliches, daß sich damit die Umwandlung � seiner Hilsskraststelle in ein« Dauerstelle durchsetzen ließ Dos war, als das Kmd zwei Jähre in der Obhut der Frau Bawett war, und diese einen Amtsschrieb erhielt:„Betrifft Pflegling 1347, Zozili« Niederwipper, elternlos. Da es sich nach den dies- seifigen Erhebungen herausgestellt hat. daß obiger Pflegling evan- gelischer Religion ist. während Sie als Pflegemutter dem katholischen Religionsbekenntnis zugeordnet sind, mithin ein Versehen vorliegt, dessen längere Andauer nach den kuttusministeriellen Borschriften unstatthaft ist, werden Sie ersucht, sich im Vormundschastsamt« samt dem Pflegling behufs Austausches ehestens einzufinden." Frau Bawett brauchte eine Weile, bis sie es begrifien hatte. Sie saht« alles in zwei Worte:., Behufs Austausches!" Die Klang- färbung sagte, was noch etwa fehlte. Dann bereitet« sie chrem Lieb- ling das fällige Reisfüpplein und löffelte es ihm ein. Jeden Löstet voll begleitete sie mit:„Behufs Austausches, hast es gehört, Maarerl — be— Hufs Aus— tau— sches!" Um am Schluß hinzuzusetzen:„Rix werd austauscht!" Zwei Wochen spoter kam ein neuer Schrieb:„Sie werden neuer« dings ersucht...* Nach einem Monat wurde Straf« angedroht. Nach zwei Monaten wurde sie vorgeführt. Samt jstnd. Der Amtsvormund machte eine feierliche Einleitung, wurde be- redt, wurde noch beredter. Frau Bawett unterbrach ihn:„Und wenn S' Eahno'» Mäul franset r ed'n, i gib's nimmer her." „Sie müssen es hergeben." Frau Bawett wurde hochdeutsch:„Uech zöbe es nücht hör!" „seien Sie vernünftig, liebe Frau. Das Ersatzkind liegt bereit. Wir taulchen's au», es ist doch weiter nichts dabei." Frau Bawett tat ihr baiirnwollenes Kopftuch ab. Frau Bawett hängte ihr baumwollenes Kopstuch an den Kleiederhaken. Frau Bawett nahm von dort di« Pelzmütze des Herrn Amtsvormund». Frau Bawett setzt« sich diese Pelzmütze auf. „Was erlauben Sie sich da?" „Seilen Sü verninstig. lüber Herr, dör Ersatz lag ja börest, wür taufchen's aus, es üst doch weiter nücht» dabeu." „Kop'dedcckungen sind keine Kinder!" „Also seh'n Sie's endlich ein— da ham S' Ihr Pelzhaub'n wieder— lassen S' mir mei Itaarerl." ..Gut« Frau, es geht nicht." Frau Bawett reckte sich:„Warum?" „Bedenken Sie. die Religion—" „Des Maarerl versieht's ja no gar net." ..?kber S'e!" Sie nickte ernfi:„Dös i» wahr." „Also sehen Sie's jetzt endlich ein?" „Wps?" „Daß ein evangesijchsz Pflegekind em? evangelisch« Pflege- mutler hoben muß?" „Ja. dös siech i ein." „Alfs-" „Aiio b'holt i'i— leien word'n—'s Maarerl hat's hebt's no sonst ein' Schmelzen ..A— aber. Frau St eitel mann," rang der katholische Amtsvor- m'inb nach Lust.„Hoden sie dabei Ihr— Ihr dereinstiges Seelen- heil b-dacht?" „O m«l'. bis mi's Maarsrl nimmer braucht, bin i scho lang wieder katholisch." S' dos Papierl da: net gelpürt— ders i bin evangelisch i geh'n jetzt oder