Morgenausgabe Nr. 385 A 190 49.Iahrg teiligt war, erhielt ein Jahr, zwei weitere Angeklagte erhielten je sechs Monate Gefängnis! In der Nacht zum Sonnabend, dem 13. August, standen drei Reichsbannerleute, leicht angetrunken, um Mitternacht vor einem Lokal und verabschiedeten sich mit dem Ruf„Freiheit!". Zwei vor- beiradelnde Stahlhelmer, von denen der eine uniformiert war, riefen ihnen zu:„Frechheit" und„Mit eurer Freiheit wird es bald zu Ende sein". Der 22jährige Erich Haschke wollte einen der Stahlhelmer packen, was ihm nicht gelang. Damit wäre der Borfall erledigt ge- wesen, wenn nicht der uniformierte Stahlhelmmann nach der nächsten Polizeiwache gefahren wäre, um„chilfe" zu holen. Währenddessen fuhr der Stahlhelmer in Zivil vor den drei Reichsbannerleuten Kurven auf der Straße. Im Augenblick des Eintreffens des uni- formierten Stahlhelmers, der mit zwei radfahrenden Polizeibeamten ankam, schlug chaschke nach dem anderen Stahlhelmer und traf dabei einen Polizeibeamten, der sich dazwischen warf, mit der Faust ins Gesicht. Als er den Beamten erkannte, entschuldigte er sich sofort und ging, ohne Widerstand zu leisten, mit nach der Wache. Der Staatsanwalt Menzel beantragte wegen des Faustschlages gegen den Beamten ein Jahr Zuchthaus! Das Gericht er- kannte auf sechs Wochen Gefängnis. Altonaer Sondergericht tagt Sonnabend. Altona, 16. August. Für die erste Sitzung des Altvnaer Sondergerichts, die am kommenden Sonnabend um 10 Uhr vormittags im Schwurgerichts- saal beginnt, find bis jetzt drei Verhandlungen angesetzt worden. Es wird gegen Gerstenberg und sechs Genossen aus Altona wegen Waffenmißbrauchs, gegen den Kutscher Schmidt und den Arbeiter Josef Bauer aus Altona wegen Landfriedensbruches und gegen den Arbeiter Friedrich Busch und acht Genossen aus Wandsbek wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung ver- handelt werden. Oer Mord von potempa. Sondergericht tagt am Freitag. Reuthen, 16. August. Der Termin für die Sondergerichtsverhandlung wegen der Bluttot in Potempa gegen die neun angeklagten Personen ist nun- mehr auf Freitag, den 19. August, vormittags 9 Uhr, fest- gesetzt worden. Die Anklage wird voraussichtlich Staatsanwaltschafts- rat Lachmann vertreten. Die Prozeßdauer ist noch unbestimmt. Wenn keine besonderen Umstände eintreten, wird das Urteil wahrscheinlich am ersten Verhandlungstage gefällt werden. Oie preußische Zustizreform. Lleberleiiungsbestimmungen des Justizministeriums. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, gibt das Preu- ßische Justizministerium aus Anlaß der Aushebung von 60 preußischen Amtsgerichten Ueberleitungsbestimmungen heraus. Diese Bestimmungen setzen den Erlaß einer noch ausstehenden Verordnung über die Aufteilung der Bezirke der aufgehobenen Amts- gerichte voraus und sollen schon jetzt die Justizbehörden zur Ein- leitung der erforderlichen Vorbereitungen in die Lage versetzen. Da in nicht wenigen Fällen die früheren Bezirke unter mehrere Amts- gerichte aufgeteilt werden, müssen personelle Anordnungen (betreffend die Schöffen, die Beisitzer der Pachteinigungsämter, die Schiedsmänner), ferner organisatorische Anordnungen(Bezirks- abgrenzung der Arbeitsgerichte, der auswärtigen Strafkammern, der Schöffengerichte) getroffen werden. Auch muh die Ueberleitung der Geschäfte und der Akten in bürgerlichen Streitigkeiten, Strafsachen und Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit geregelt werden. Zur Vereinfachung der Ueberleitung ist in den Fällen, in denen der frühere Bezirk auf mehrere Amtsgerichte aufgeteilt wird, eines der aufnehmenden Gerichte alsStammgericht vorgesehen, an welches namentlich alle Prozeßverfahren und-akten des auf- gelösten Gerichtes übergehen. Dagegen ist vorgesehen, daß nament- lich Krundbuch-Zwangsversteigerungs- und Vormundschaftssachen sogleich an die demnächst örtlich zuständigen einzelnen Gerichte ab- zugeben sind. Zusammenstoß in der Grenzmark. Zwischen SA. und polnischen Bauern. Schneidemühl, 16. August. Wie aus Klumen im Kreis Flatow berichtet wird, kam es dort nach einem Fest der Freiwilligen Feuerwehr auf der Dorsttraße zwischen sieben uniformierten SA.-Leuten, die an dem Fest teil- genommen hatten, und einigen Polen zu einer Schlägerei, bei der es aus beiden Seiten mehrere Verletzte gab. Von der SA., die später noch Zuzug erhielt, wurden drei Mann erheblich ver- letzt. Die Zahl der verwundeten Polen ist nicht bekannt. Staatsanwaltschaft und Polizei"nahmen sofort die Untersuchung aus und verhasteten eine Anzahl SA.- Leute. Drei Pfeile in Oeuifchssterreich. Neben der roten Nelke. In einem Aufruf der Sozialdemokratie Deutschösterreichs wird die Arbeiterschaft aufgefordert, neben dem Parteiabzeichen in Zukunft auch die drei Pseile der Eisernen Front zu tragen. Das solle geschehen als Zeichen des Kampfes gegen Kapitalismus, Faschismus und Reaktion auch in Deutschösterreich. Slahlhelwsührer legt Landtaasmandat nieder. Der deutsch- nationale Landtagsabgeordnete un� Stahlhelm'ührer von Morozcnücz hat sein Mandat im Preußischen Landtag niedergelegt. Er hat diesen Schritt in einem Schreiben an den Fraktionsvorsigenden mit seiner Tätigkeit im„überparteilichen" Stahlhelm begründet. Im weiteren Verlauf des zweiten Berhandlungs- tages sagte der Landjägermeister Golemia aus:„Ich war als erster auf der Postbrücke(Ohlebrücke, auf der ein SA.-Mann totgeschlagen wurde). 50 bis 60 Nationalsozialisten folgten mir und schrien:„Drauf, drauf!"„Von der Schießerei habe ich nichts gehört." Oberlandjäger O e l s ch l ä g e r bekundet, daß die aus der Ohle- brücke stehenden Reichsbannerleute keinen Wider- stand geleistet hätten. Schornsteinsegermeifter Ludwig, ein guter Bekannter der Gastwirtin Otto vom„Walfisch", war um 8 Uhr in das Lokal gekommen und sah, wie die eintreffenden Reichsbanner- leute sich friedlich zum Glase Bier setzten. Kurze Zeit darauf erscholl der Ruf:„Alle raus!" Ein Teil der Reichsbannerleute ging fort und kam nach 20 Minuten wieder. Eine halbe Stunde nach ihrer Rück- kehr rief wieder jemand:„Alles raus!" Nunmehr eilten sämtliche Reichsbannerleute nach der Stadt. Das Lokal wurde verschlossen und alles Licht ausgelöscht. Ludwig blieb in der Wohnung der Frau Otto bis nachts um �2 Uhr. Er hat den Gewerkschaftssekretär Manche(eine stadtbekannte Persönlichkeit) überhaupt nicht ge- sehen. Die Gastwirtin Frau Otto hörte gegen �10 Uhr den Ruf: „Alles raus auf den Ring! Wir werden überfallen!" Die Aussagen desSA.- Mannes Seidel stellen fest, daß der Beginn der Schlägerei von den Ratio- nalsozialisten ausging. Seidel bekundet:„Ich kam mit dem Motorrad und einem Beisitzer als erster von Brieg. Auf dem Ringe standen junge Leute. Wir wechselten Rufe: cheil Hitler! und Freiheit! Ich stieg ab und gab einem von den jungen Leuten eine Ohrleige. Darauf kamen Steine geflogen. Wir liefen den Leuten nach. Bald kam ein Lastzug mit SA. auf dem Ringe an. Die SA.-Leute sprangen herunter und jagten die auf dem Ringe Stehenden fort. Reichsbannerleute befanden sich vereinzelt in der Menge." Spanien greift durch. Bisher 1000 Verhostungen. Madrid, 16. August. Die bisherigen Verhaftungen erhöhen sich um 174, die heute früh erfolgt sind. Man schätzt, daß in ganz Spanien etwa 1000 Personen im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen fest- genommen wurden, llebrigens soll die Gendarmerie, im Gegensah zur bisherigen Regelung, teils dem Kriegsministerium, teils dem Polizeipräsidium unterstellt werden. Verschwundene Generäle sollen sich melden. Paris, 16. August. Havas berichtet aus Madrid, daß laut Notverordnung im Staatsanzeiger Generalleutnant Barrera, der ehe- nialige Generalkapitän von Katalonien, aufgefordert wurde, sich innerhalb acht Tagen im Kriegsministerium zu melden. Generalleutnant Barrera, der als Kriegsminiftcr der Gegenregie- rung Sanjurjo genannt worden war, ist seit Mittwoch aus Barce- lona verschwunden. Auch der Brigadegeneral Miguel Ponte ist auf dem gleichen Wege aufgefordert worden, sich zu melden. Die Polizei nimmt weitere Verhaftungen vor. So wurde u. a. in San Sebastian der Herzog Grimaldi festgenommen. Reue Verschwörung in Lapan. Die halbe Negierung sollte ermordet werden. Tokio, 16. August. wie halbamtlich mitgeteilt wird, hat die Polizei am 13. August eine Verschwörung aufgedeckt, die die E r m o r- dung des japanischen Ministerpräsidenten, des Innenministers und des Zinanzminiflers bezweckte. Bisher sind 14 Personen verhastet worden. Der Führer der Verfchwörergruppe heißt Imamati. Zwischen ihm und den Mördern des Ministerpräsidenten Znukai soll eine Verbindung bestehen. Es soll festgestellt worden sein, daß die Ver- schwörcr von einflußreichen japanischen Persönlichkeiten Geld erhalten haben. Indischer Proporz. Minderheitenvertretung in den Parlamenten. London, 16. August.(Eigenbericht.) Da zwischen Hindus und Moslem eine Einigung über die par- lamentarische Vertretung der Minderheiten nicht erzielt werden Der Ofensetzer V e n t s ch, der mit seinem Fahrrade ahnungs- los von der Mälzergasse herkam, wurde von SA.-Leuten mit Schulterriemen geschlagen, zu Boden geworfen und mit Füßen getreten. Die Speichen seines Rades wurden zertrümmert. Der Stahlhelmmann Lustig, ein Tischlermeister, wohnhast Ring 21, vor dessen Fenster sich die erste Schlägerei abspielte, bekundet, daß der von dem SA.-Morlorradfahrer geschlagene junge Mann sich nicht zur wehr geseht hat. Dem Lastzug mit SA.-Leuten folgte kurz daraus ein Lastzug mit SS.-Leuten, die an der Augusi-Feige-Slraße absprangen. Von einem Anhängewagen wurde auf die Menge eingeschlagen, unter der sich auch Reichsbannerleute befanden. Ein der National- sozialistischen Partei Angehöriger namens Langner gibt llberein- stimmend mit den anderen Zeugen eine Schilderung des ersten Zu- fammenstoßes auf dem Ring. Er hat gesehen, wie der SA.- Motorradfahrer den geschlagenen jungen Mann verfolgte. Eine Zeugin, die aus dem ersten Stock ihres Hauses am Ring schaute, hörte den Ruf eines der beiden Motorradfahrer: „Wir werden es euch anstreichen!" Auf Befehl schwärm- ten die von dem Lastwagen abgesprungenen Nationalsozialisten aus und verfolgten die Zivilbevölkerung. Der Tischler- meister Mond hat einen SA.-Mann mit dem Revolver gesehen. Der Führer des Treckers, K a p i tz k i, der auf die nach der Stadt stürmenden Reichsbannerleute traf und von ihnen nieder- geschlagen wurde, bekundet:„Der Trecker war vom Dominium Dürrjentsch gestellt. Ich wollte zuerst nicht mitfahren, da die Leute schon sagten: Es wird Zusammenstöße geben. Auf dem Schloßplatz kamen 70 bis 80 Mann Reichsbannerleute auf uns zu und schlugen mit Zaunlatten. Ich erhielt Verletzungen an den Händen." konnte, hatte MacDonald am Schluß der Jndien-Konferenz sich vor- behalten, zu entscheiden. Diese Entscheidung liegt jetzt in Gestalt eines komplizierten und auf viele Details eingehenden Berichts vor. Im großen und ganzen ändert sich durch die Vorschläge wenig an der bisherigen Verteilung der Sitze in den Provinzparlamenten. Ledig- lich im Pundschrab(Fünfstromland am Indus) und Bengalen ist eine stärkere Vertretung der Moslem vorgesehen, die ihnen aber noch keine absolute Majorität gibt. In den Provinzial- Parlamenten ist eine besondere Labour-Vertretung vorgesehen. Für das Zentralparlament Indiens enthält der Bericht keine Vorschläge. Bienen gegen Tankmannschast! Schwierige Kriegführung im Südafrika-Busch. windhuk, 16. August. Der unbotmäßige Häuptling des Ukambi-Stammes I m p u m b u hat in seinem Kampf mit den südasrikanischen Behörden uner- wartete Verbündete erhalten. Südafrikanische Armee- flugzeuge, die mit Panzerwagen zusammen vorgingen, belegten den Kraal des Häuptlings mit Bomben. Verletzt wurde nur— die Mannschaft eines der Panzerwagen, die durch die Stiche eines Bienenschwarmes außer Gefecht gesetzt wurde. Die Bienen hotten die Panzerwagenkolonne in der Flank« an- gegriffen. Während dieses Gefechts ist es dem Häuptling gelungen, zu entkommen. Schweres Straßenbahnunglück in Wien Triebwagen gegen Gartenmauer.- 20 Verletzte. Wien. 16. August. Auf der Linie v der Wiener Straßenbahn ereignete sich am Dienstagabend ein schwerer Betriebsunsall, bei dem 20 Personen schwer verletzt wurden. Von einer entgegenkommenden Straßenbahn war ein Fahrgast abgesprungen und überquerte hinter dem Wagen die Strecke. Um ihn nicht zu überfahren, bremste der Führer des anderen Straßen- bahnzuges scharf. Da gerade an dieser Stelle sich eine Weiche be- fand, entgleisten der Trieb- und der Anhängewagen. Der Trieb- wagen fuhr über den Bürgerstcig in eine Gartenmauer, die um- stürzte und das Dach des Wagens durchschlug. Der Anhängewagen wurde gegen einen Pfeiler geschleudert, der ebenfalls umstürzte. Der Wagenführer wurde zusammengequetscht und entsetzlich verstümmelt. Fünf andere Personen wurden so schwer ver- letzt, daß an ihrem Auskommen gezweifelt wird. Unter den Verletzten befindet sich auch der Fahrgast, der das Unglück ver- ursachte. Oer DMV. gibt Rechenschast. Furchtbare Anklage gegen das kapitalistische System. Am Mantci� tritt in Dortmund das Parlament der größten®e- werkschaftsorganisation der Welt zusammen, der Verbandstag des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Seit dem letzten Verbandstag vor zwei Jahren, in Berlin, der schon im Zeichen schwerster wirtschaftlicher Depression stand, sind noch Zehntausende von Metallarbeitern und-arbeiterinnen aus dem Produktionsprozeß ausgeschaltet und in die große Armee der verzweifelnden Menschen gestoßen worden, denen Arbeit eine Erlösung aus ärgster körper- licher und seelischer Pein wäre. Noch rechtzeitig zum Verbandstag in Dortmund hat der Vorstand des Deutschen Metallarbeiteroerbandes seinen Rechenschaftsbericht für das Jahr 1931 heraus- gegeben. Der Bericht, ein umfangreiches Werk von 487 Seiten, gewährt einen erschütternden Einblick in die trostlose Lage der Metallindustrie und wird dadurch zugleich zu einem Ankläger des kapitalistischen Wirtschaftssystems. das sich, wie es in der Einleitung des Jahresberichtes mit Recht heißt, als unfähig erwiesen hat,„die von ihm hervorgerufenen wirt- schaftlichen und sozialen Probleme zu lösen". Mit welchen Riesen- schritten es seit 1929 gerade in der deutschen eisenerzeugenden und -verarbeitenden Industrie bergab gegangen ist, dafür bringt das Jahr- buch zahlreiche interessante Beispiele. So ist zum Beispiel in Deutsch- land die Roheisenerzeugung von 13,4 Millionen Tonnen im Jahre 1929 auf 6,1 Millionen Tonnen im Jahre 1931 und die Rohstahl- gewinnung von 16,2 Millionen Tonnen auf 8,3 Millionen zurück- gegangen. Im Maschinenbau lag der Beschäftigungsgrad Ende 1931 ungefähr bei einem Drittel der Kapazität der Be- triebe. Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit in den INaschinen- fobriken sank im Laufe des Berichtsjahres von 42 aus 39 Stunden. Von der gegenüber dem Stande des Jahres 1939 um 25 Prozent verringerten Belegschaft der Maschinenbaubetriebe standen am Schluß des Berichtsjahres 89 Prozent aller Arbeiter in Kurz- arbeit..Die gesamte Lokomotioindustrie, die über eine Leistungsfähigkeit von 3999 bis 4999 Lokomotiven pro Jahr verfügt, hatte im vorigen Jahr ganze 199 Lokomotiven im Auftrag, während zum Beispiel in der Vorkriegszeit von der Reichsbahn bis zu 1699 Lokomotiven pro Jahr gestellt wurden! Die Aussuhr an Lokomotiven und Tendern ist mengenmäßig von 417 177 Doppelzentnern im Jahre 1939 auf 157 765 Doppelzentnern im Jahre 1931 zurückgegangen und wertmäßig von 58,13 Millionen Mark auf 29,68 Millionen Mark. In der W a g g o n i n d u st r ie liegen die Verhältnisse ähnlich. Tn der Automobilindustrie ist gegenüber 1928 die Produktion auf etwa ein Fünftel zurückgegangen. Die Zahl der in der deutschen Ülutomobilindustrie Beschäftigten ist von 99 999 im Jahre 1928 auf 55 999 im Jahre 1939 gesunken; iür 1931 steht der weitere Rückgang zahlenmäßig noch nicht sest. Die Kurzarbeit ist dabei noch nicht berücksichtigt. Im Schiffsbau wurden im Berichtsjahr knapp 25 999 Personen zum größten Teil sogar in Kurzarbeit beschäftigt gegen 69 999 Beschäf- t i g t e n in der Vorkriegszeit. In allen übrigen Industrien ist ebenfalls ein starker Rückgang der Produktion und eine Zunahme der Arbeitslosigkeit sowie der Kurzarbeit zu verzeichnen gewesen. Für die Metallindustriellen war diese trostlose Arbeitsmarktlage natürlich ein Anreiz dazu, den schon im Jahre zuvor ausgeübten Druck auf die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Metallarbeiter noch zu verstärken. Der Metallarbeiteroerband führte im vorigen Jahre 5b Angriffs- und 1428 Abwehrbewegungen für 2 677 730 Beschäftigte und über VA Millionen daran Beteiligte. In den meisten Fällen handelte es sich um die Abwehr von Lohnkürzungen. Mit vollem oder teilweiscm Ersolg endeten 1919 oder fast 89 Proz. aller Bewegungen mit 81,2 Proz. der Ge- samtbeteiligten. Erreicht wurde für 97 998 Personen eine Arbeits- zeitverkürzung von durchschnittlich zwei Stunden in der Woche und für 4843 Personen eine Lohnerhöhung von wöchentlich durchschnittlich 1,38 Mark pro Kops. Abgewehrt wurde für rund 59 999 Arbeiter und Arbeiterinnen eine Arbeitszeitverlän- g e r u n g(!) von 214 Stunden pro'Arbeiter und Woche und für 919 628 Personen ein Lohnabbau»on über 4 Millionen Mark wöchentlich oder soft 4,59 Mark pro Kopf und Wocke. Für 1 139 145 Personen konnte eine Lohnkürzung von insgesamt 3,22 Millionen Mark oder 2,83 Mark pro Kopf und Woche nicht oerhindert werden. Für Streik und Aussperrungen wurden im Berichtsjahre insgesamt 2,11 Millionen Mark ausgegeben, für alle Lohn- und Tarifbewegun- gen zusammen rund 214 Millionen Mark. Bei dem zähen Ringen um die 40- Stunden-Woche, das auch vom Metallarbeiteroerband gesührt wurde, erwiesen stch leider die widerstrebenden Metallindustriellen nicht zuletzt infolge der Unentschlossenheit der damaligen Reichsregierung als die Stärkeren. Die ständige Zunahme der Arbeitslosigkeit unter den Metall- arbeitern konnte sür die Mitgliederbewegung des Metallarbeiter- Verbandes naturgemäß nicht ohne nachteilige Folgen bleiben. Der Deutsche Metallarbeiterverband hat im vorigen Jahre 113 714 Mit- glieder oder 12,99 Proz. seines Mitgliederbestandes am Jahresende 1939 verloren, so daß er am Schluß des Berichtsjahres insgesamt 82S 864 Mitglieder zählte, darunter 54 359 weibliche und 63 599 jugendliche Mitglieder. Der Mitgliederrückgang erscheint zwar zahlenmäßig ziemlich hoch, liegt aber nicht über dem Durchschnitt des Mitgliederrückganges, den alle im'ADGB. zusammengeschlossenen Organisationen im vorigen Jahre erlitten haben. Wenn man sich vor Augen führt, daß im Jahresdurchschnitt 1931 nur 37,3 Proz. der Mitglieder des Metallarbeiterverbandes Vollarbeiter waren, 29,3 Proz. der Mitglieder jedoch verkürzt arbeiteten und 33,4 Proz. keine Arbeit hatten, muß man der Treue der Metallarbeiter zu ihrer Organisation höchste Anerkennung zollen. Erstaunlich sind die großartigen finanziellen L e i st u n g e n, die der Deutsche Metall- arbeiterverband auch im vorigen Jahre aufzuweisen hat. An Unterstützungen hat der Deutsche Metallarbeiterverband im vorigen 3ahr rund 3014 Millionen Mark gezahlt, davon allein 2 414 Millionen Mark zur Unterstützung seiner erwerbslosen Mitglieder und fast 4 Millionen Mark sür seine kranken Mitglieder. Für Streiks und Lohnbewegungen wurden ins- gesamt 2,43 Millionen Mark verausgabt, für Agitations- und Bil- dungszwecke rund 314 Millionen Mark. Schon dieser kurze Ausschnitt aus dem Jahrbuch läßt auch den Außenstehenden erkennen, daß der Deutsche Metallarbeiterverband auch unter den schwierigsten Verhältnissen für seine Mitglieder— zugleich auch für Hunderttausende leider Abseitsstehenden— Erfolge errungen und Leistungen vollbracht hat, wie sie geradezu einzig da- stehen. Der Vorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes braucht die Kritik auf dem Verbandstag in Dortmund nicht fürchten. diese Arbeiten unter normaler Entlohnung der anzusetzen- den Kräfte durchgeführt werden, weil nur dadurch auch die normale wirtschaftliche Weiterentwicklung aus dieser Wiedereinschaltung größerer Menschenmassen in den Arbeitsprozeß erreicht werde. Man wird die genaue Fassung dieser Richtlinien abwarten müssen, bevor man dazu Stellung nehmen kann. Immerhin ist der Hinweis auf die normale Entlohnung nicht uninteressant. In der Landwirt- schaft beginnt eine Abkehr von der Politik des Lohndrucks. Die Gewerkschaften können mit einer gewissen Genugtuung die neu einsetzenden Bestrebungen zur Arbeitsbeschaffung verfolgen. Hätte man aus den Ruf des Krisenkongresses im Frühjahr gehört, dann wäre man heute weiter. Stattdessen beschäftigte sich vor allem die Regierung Papen— Schleickier viel zu lange mit den Arbeits- d i e n st i l l u s i o n e n, weil sie die Hitler-Leute bei guter Laune halten wollte. Für den freiwilligen Arbeitsdienst hat sie schließlich sogar einen Reichskommissar ernannt. Für die Arbeits- beschaffung wäre ein solcher Reichskommissar zehnmal nötiger. Die Gewerkschaften haben bereits auf dem Krisenkongreß die Forde- rung erhoben, daß sämtliche Träger der Arbeitsbeschaffung in eine „Zentralstelle für Arbeitsbeschaffung" zusammengefaßt werden. In dieser Zentralstelle, wie in allen Arbeitsbeichaffungsorganisationen müssen die Gewerkschaften stark vertreten sein. „Ein kleiner Zrrium." Es bleibt dabei: schmählich kapituliert. Wir glossierten gestern i-m„Vorwärts" die unter ganz großer Aufmachung in der„Roten Fahne" veröffentlichte Geschichte von der Maßregelung des Belriebsralsvorsitzenden und zweier anderer„roter Funktionäre" der bekannten Firma Lorenz-Tempelhof. Es hätten da angeblich zwei Betriebsversammlungen stattgefunden, die„Kampf- maßnahmen" beschlossen hatten. Auf unsere Erkundigung war bei Lorenz von Betriebsversannnlungen überhaupt nichts bekannt, ge- schweige denn von Kampsmaßnahmen. Nun bringt die„Rote Fahne" vom Dienstag auf der 4. Seite ihrer 2. Beilage ganz unten eine Notiz von vier Zeilen. Es handelt sich nicht,„wie es irrtümlicherweise verstanden werden tonnte"(von wem?) um die Firma C. Lorenz-Tempelhof, sondern um die Metall- firma S i e l a f f- Neukölln. Punkt. Schluß. Wie nian Lorenz-Tempelhof, wo über 1999 Mann beschäftigt werden, mit Sielaft-Neukölln, wo 59 Mann beschäftigt sind, ver- wechseln kann, wird wohl ewig das Geheimnis der so straft büro- kratisierten KPD. mit ihren diversen„gewerkschaftlichen" Unter- abteilungen bleiben. Aber was machen diese KPD. und ihre Unterabteilungen gegen die Maßregelung von drei kommunistischen Funktionären,, die für Moskau die Köpfe hinge- halten hoben? Hier hat die KPD. als Gegner weder Reichswehr noch Schupo, weder Reichsregierung noch Staatskommissar, weder SA. noch SS., sondern nur einen Betrieb, den der Berliner Metall- arbeiter eine„kleine Queftche" nennt. Ein Risiko besteht also nicht. Und doch schmählich kapituliertl Oer englische Naumwollkonstikt. Manchester, 16. August. Der Zentralausschuß deck Spinnereibesitzerverbandes von L a n- c a s h i r e ist zusammengetreten, um die Empfehlung des Lohn- Unterausschusses über«ine Lohnsenkung von 2 sb 9 d j e Pfund Sterling(das sind 15 Proz.) zu prüfen. Wie Reuter berichtet, soll auch eine gemeinsame Konferenz der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerschaft abgehalten werden, um über die Lohnsenkung zu verhandeln. Polizei gegen Sireikende. London, 16. August. Infolge der Wiedereröffnung von fünf Baumwollwebereien kam es in Burnley. wo nahezu sämtliche Weber in den Streik getreten sind, zu heftigen Zusammenstößen zwischen den Streikenden und der Polizei. Mehrere tausend Streikende blockierten die Straße, auf der einige hundert Weber, die die Arbeit wieder aufgenommen hatten, zurückkehrten. Da den mehrfachen Befehlen der Polizei, die Straße zu räumen, nicht Folge geleistet wurde, ging diese mit Gummi- knüppeln gegen die Menge vor. Es entwickelte sich ein erbittertes Handgemenge, in dessen Verlauf mehrere Polizisten zu Boden ge- stoßen wurden, ein Arbeiter wurde ernstlich oerletzt. # Freie Gewerkschafts-Zugend Verlin Heute, Mittwoch, Ig'.z Uhr, tagen die Gruppen: Südwesten: Iuaend. deim'Zlorckstr. 11(Fabrilgebiiudc). Änti-Kriegsliteratur.— Schöneberg! Jugendheim Hauptstr. lö. Was zeigte mir Weimar.— Spandan-Reustadt: Jugendheim Lindenufer 1. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm des ADGB.— Rordrina: Jugendheim Sonnendurger Str. 2». Laus. dubcngefchichten.— Weihensee: Jugendheim Weijjciifec, Caleser Str. 2. Siegreich woll'n wir...— Arnswaldcr Platz: Jugendheim Schönlankcr Str. 11, Baracke 6, rechter Eingang. Musik- und Liederabend.— Neukölln: Jugendheim Bergstr. 29(6oi). Wie schaffen wir die Einheitsfront.— Zlughafen: Jugend- Heim Flughaienftr. 68 fll-Bahn Boddinstrahe>. Hosemann kommt.— Humboldt: Jugendheim Graun- Ecke Lortzingstrahe. Das Wirtschaftsprogramm der Gewerkschaften.— Schillerpark: Jugendheim, Schule Schöningstr. li. Schall- platten: Vom Gassenhauer zum modernen Schlager.— Banmichulenweg: Zu- aendheim Baumschulenweg, Ernststr. 18. Gewerkschaften und Tagespolitik.— Jugendgruppe des Sesamtverbandes: Jugendheim Ecwerkfchaftshaus, Engel- Ufer 21— 25, Aufgang B, pt. Sesamtveranstaltung: Fahrtenberichte mit Licht. bildern fAIpen- und Thllringenkahrt).— Spiele ab 18 Uhr: Südostkreis: Trcp- tower Wiese, Fläche 6.— Ostkrcis: Sportplatz Fricdrichshain, Platz 4.— Moabit: Volkspark Ziehberge. Iuczendqruppe des Zentralverbandes der Anqesiellten Heute, Mittwoch, sind folgende Veranstaltungen: Schönhauser Vorstadt: Äugendheim der Schule Kastanienallee 81. Traven-Abend. Vortragende: Griedel Hall.— Rordost I: Jugendheim Danziger Str. 62(Baracke 3). Ver- fassungsfragen sind Machtfragen.— Reinickendorf: Jugendheim Lindauer Straße 2(Baracke). Lichtbildervortrag: Unser Gaujugendtreffen in Frank» furt a. d. O.— Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 2(Baracke). Licht- bildervortrag.— Köpenick: Jugendheim Dahlwitzer Str. 15.(Gasanstalt, am Bahnhof Köpenick.) Was geht in der Welt vor?— Reukölln: Jugendheim Böh- mische Str. 1—4, Ecke Kanner Straße. Wir besprechen Broschüren. Südost: Jugendheim Manteuffelftr. 7. Arbeitsgemeinschaft: Das Rüstzeug des jungen Gewerkschafters(3. Abend).— Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15(Hof. gebäude, Sachsenzimmer). Die Aufgaben der freien Gewerkschaften in der Krise.— Charlottenburg: Jugendheim Spielhagenstr. 4. Bortrag: Der Sinn des Strafvollzuges. Referent: Dr. Lewinski.— Spandau: Jugendheim Linden- ufer 1. Die Bedeutung der Freikörperkulturbewegung.— Potsdam-Rowawes: Jugendherberge Nowawes. Aoendwanderung. Treffpunkt im Heim.— Spiele im Freien: Ad 18 Uhr Sportplatz Humboldthain. Sportplatz Weißensee, Feld 5, und Sportplatz Friedrichshain. Der„Vorwärts- erscheint wochentägiich zweimal. Sonntags und Msntags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel»Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Anzeigenpreise: Die e i n sp a l t. Millimeterzeile 30 Pf.. Reklamezeile 2.— 9R» „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf.(zulässig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte Uber is Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 2S Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile is Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wochentäglich von SV, bis 17 Uhr Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor' Verantwortlich lüi Politik: Victor Sch'fi. Mrtlch.'tt. G. Klingclhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: Herbert Lep-re; Lokales und Sonstiges: Frifc Karstadt: Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag G m. b H. Berlin Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SD. 68. Lindenstraße& Hierzu 2 Beilagen. Leistung und Aufwand. Oas Werk der Gewerkschasten. Während die Banken ihre Zahlungen einstellten, große Kon- zerne zusammenkrachten und kaum ein gesellschaftliches Institut ohne Staatshilfe mehr lebensfähig war, haben es die Gewerkschaften des ADGB. bei Anforderungen höchster Art vermocht, 1939 bis 1931 nahezu eine Biertelmilliarde an ihre Mitglieder zu zahlen. Kein Wunder, wenn die gewerkschastsseindliche Presse sich über diese Zahlen herstürzt, um an Hand der von den Gewerkschaften in ge- wohnter Offenheit bis ins einzelne detaillierten Jahres- a b s ch l ü s s e zu behaupten, daß die Gewerkschaften ebenfalls am Ende ihres Lateins wären. Bei 184 Millionen Einnahmen hatten die Gewerkschaften im Jahre 1931 über 216 Millionen Mark Ausgaben. Aufgeregte Presseleute glauben daraus be- reits den„finanziellen Ruin der Gewerkschasten" herleiten zu können. Dabei zeigt sich in diesen Zahlengröhen doch gerade, daß die Ge- werkschasten dank einer vorausschauenden Vermögensbildung den Krisenansprllchen gerecht werden konnten. Besonders haben es einigen bürgerlichen Zeitungen die„V e r w a l t u n g s k o st e n" der Gewerkschaften angetan, die im vorigen Jahre(trotz Rückganges in den letzten Iahren) immer noch rund 53 Mill, Mk. betragen, Die Gewerkschaften— als Sachwalter nicht nur der organi- sierten mehr als vier Millionen Arbeiter, sondern als die auch ver- fassungsmähig berufenen Vertreter der Arbeiterklasse überhaupt— bedürfen natürlich neben der Mitarbeit Hunderttausender eh renamtlicher Funktionäre auch der entgeltlichen Arbeit angestellter Funktionäre und eines Stabes leistungsfähiger Bürokräfte, Ihre Zahl ist sogar angesichts der Vielseitigkeit der gewerkschaftlichen Organe und ihrer Aufgaben auffallend niedrig, Einrichtung und Unterhalt von mehr als 12 999 örtlichen Verwaltung» st ellen und einiger hundert Gau-, Bezirks- und Reichsleitungen, die Leitung der mannigfachen sozialen und kulturellen Einrichtungen der Gewerk- schasten erzwingen natürlich einen beträchtlichen finanziellen Auf- wand sür die sogenannte„Verwaltung". Ueber 12 999 Tarifverträge haben die Gewerkschasten abgeschlossen. Ende vorigen Jahres unterstanden 8 14 Millionen Beschäftigte diesen tarifvertraglichen Bereinbarungen, die die Lohn- und Arbeitszeitbedingungen der Arbeiterschaft regelten und die Ansprüche und Arbeitsbedingungen mehrerer hunderttausend Lehrlinge festlegten, In 699 Arbeitersekretariaten und Rechtsaustunfts- stellen erhielten um Rechtsauskunft nachsuchende Arbeitnehmer i n 999 999 Fällen Auskünfte, wurden mehr als399 999 Schriftsätze für sie angefertigt, Reben der Unterstützung aller Art, wie Arbeitslosen-, Kranken-, Sterbefall-, Invaliden-, Notfall-, Reise- und Umzugsunterstützung fanden hunderttausende hilfsbedürftige Gewerkschaftsmitglieder Rat und Hilfe bei ihren Gewerkschaften. Daß diese umfassende Tätigkeit nur mit Hilfe einer sorgsamem Verwaltung zu bewältigen ist, sollte einleuchten. Man wird die Zahl der neben der verhältnismäßig kleinen Zahl hauptberuflicher Funktionäre ehrenamtlich für die Ge- werkschaftsbewegung tätigen Kollegen mit einer halben Mit- l i o n nicht zu hoch beziffern. Bestenfalls erhalten diese ehren- amtlichen Funktionäre ihre Auslagen zurück. Trotzdem summieren sich auch diese bescheidenen Auslagen, die der Verwaltung der Ge- werkschaften zugerechnet werden, insgesamt zu beträchtlichen Auf- Wendungen. Es sind neben den gewerkschaftlichen Betriebs- obleuten in der Zeit guter Beschäftigung etwa 399 999 frei- gewerkschaftliche Betriebsräte tätig gewesen; in den Gesellenausschllssen der Handelskammern sitzen rund 19 9 9 9, in den Ausschüften der Berussschulen rund 5999 Ge- werkschafter. In den Arbeitsgerichten sind mehr als 19 999, in den Arbeitsämtern mehr als 2999 Gewerkschafter ehrenamtliche Beisitzer, In den Sozialoersiche- rungskörperschaften vertreten, durch Wahlen delegiert, mehr als 5999 freigewerkschastliche Beisitzer die Interessen der Arbeiterschaft, Und unter diesen Beauftragten der Gewerkschaften befinden sich zur Zeit zahlreiche Arbeitslose, die schon deshalb nicht mehr in der Lage sind, die Unkosten ihrer Tätigkeit aus eigener Tasche zu bestreiten, Sie bedürfen heute mehr denn je einer Entschädigung aus den Mitteln der Organisationskassen, so daß es zu bewundern ist, daß die Kosten der Verwaltung in den Ge- werkschasten in den legten Jahren gesunken sind, Man hält es heute beinahe in Deutschland sür selbstverständlich, alles, was nicht Unternehmercharakter trägt, mit dem Hinweis aus den sich als notwendig erweisenden Verwaltungsauswand als un- nötige„gesellschaftliche Belastung" abzutun. Wir kennen das Lied aus dem Kampfe der sozialen Reaktion gegen die Sozialoersiche- rung. Trotz wirtschaftlicher Not, die gewiß auch die Gewerkschasten veranlaßten, mit den sparsamsten Mitteln ihren Aufgaben gerecht zu werden, gilt es, den gewerkschaftlichen Organisationsapparat, gilt es, alle Einrichtungen der Gewerkschaften, ihre Büros und Volks- Heime, ihre Jugendheime und Bibliotheken, gegen die die von den Unternehmern bezahlten Nazis Brandbomben werfen, zu sördern und nach bestem Können auch fernerhin auszubauen. Pläne zur Arbeitsbeschaffung. Vorläufig noch alleei in der Schwebe, Für die praktische Verwirklichung der Arbeitsbeschaf» f u n g sollen, wie die Agrarierpresse andeutet, die Richtlinien, die der Landgemeindeverband aufgestellt hat, eine bedeut- same Rolle spielen. Einer ihi�r Grundgedanken ist, i* weitgehendem Maße die Kreise und Gemeinden stark selbstverantworllich in die Arbeitsbeschaffung einzuschalten mit der Maßgabe, daß für die Finanzierung die S t e u e r k r a s t als RückHall dient. Dabei sollen ZK.A6S» 49. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Mittwoch, il. August 1932 Arme junge Deutsche in Griechenland Arbeit gibt es nicht— Arbeitslose sind unerwünscht Da ungeachte! bet wiederholt ergangenen Warnungen immer wieder ungenügend vorbereitete Fußwanderunzen durch Nachbarlander unternommen werden, wies der Amtliche Preußische Pressedienst!ürz- lich erneut auf den Runderlaß des Ministers für Volkswohlfahrt vom lä. Juni IWl hin, in dem die von den zuständigen Stellen genehmigten Richtlinien für Auslandsfahrten nebst Ausführungs, beftimmungen und Muster eines Anmeldescheines mitgeteilt worden sind. Allgemein betont der Runderlaß des Ministers für Volkswohlfahrt vom 26. Mai 1931, daß es mit der gegenwärtigen Rot der Zeit nicht in Einklang zu bringen ist, wenn die wandernde Jugend Fahrten ins Ausland unternimmt. Unter diesen Umständen gewinnen die nach. stehenden Ausführungen, die uns ein Parteigenosse unmittelbar aus Griechenland sendet, besondere Bedeutung. D. Red. Seit Monaten, zum Teil seit Iahren schon, durchziehen Tausende junger deutscher Handwerker und Kauf- leute die Balkan st aaten. Gewiß, es sind viele abenteuer- lustigen Gesellen darunter, die schon längst nicht mehr daran denken, Arbeit zu suchen. Aber die Mehrzahl hat doch die Not hmausge- trieben und der Gedanke: Irgendwo muß man mich doch brauchen können, irgendwo muß man doch noch Arbeit haben für einen jungen Menschen, der sein Handwerk versteht und ehrlich arbeiten will. Schlechter als in Deutschland kann es mir auch nicht gehen! Wie steht es nun damit? Ich selbst habe im Lauf der letzten 10 Monate die Balkan- st a a t e n in allen Richtungen durchwandert. Nicht mit dem Scheckheft in der Tasche. Ich habe Arbeit gesucht und— gefunden, in Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und Griechen- land. Ja, Arbeit habe ich gefunden, denn Spezialarbeiter jeder Branche sind gesucht, besonders wenn es Deutsche sind, ober— arbeiten durfte ich nicht! Kein Unternehmer in allen diesen Staaten würde es heute noch wagen, einen jungen Deutschen einzustellen, so gern er es möchte, denn die Kontrolle ist scharf und die Strafen sind hoch. Besonders in Griechenland habe ich es Dutzend« Male erlebt, daß Deutsche, die seit Jahren in irgendeinem Betrieb ge- arbeitet haben, plötzlich entlassen werden mußten, nachdem das neue Gesetz über die Arbeitszulassung herausgekommen war. Auch bei deutschen Firmen im Ausland, z. B. Siemens und Holst«, die die Telephoneinrichtungen in Griechenland baut, müssen Deutsche, die nicht seit vielen Jahren ansässig sind oder eine Arbeit verrichten, die„nicht von einem Griechen ausgeführt werden könnte(!)", entlassen werden. An Neueinstellungen deutscher Ar- beiter ist gor nicht zu denken. Und so ist es in allen anderen Staaten auch. Es ist verständlich. Die Wirtschaftskrise hat schon lange auch auf die Balkanländer übergegriffen und diese versuchen nun, wie überall, durch Arbeitsverbote, Zollschranken und Devisensperre dem Unheil zu steuern. Ich weiß, viele denken, es wird nicht so schlimm sein und irgendein Hintertürchen wird es schon geben, wenn deutsche Arbeiter wirklich so gesucht sind. Glaubt das nicht! Ich spreche leider aus Erfahrung. Was euch hier erwartet, ist schlimmer als in Deutschland. Und nie- mand kümmert sich darum, wenn ihr am Ver- hungern seid! Hier gibt es keine, keine Unterstützungen und keine„Herbergen". Auch die deutschen Hilfsvereine können beim besten Willen nicht mehr helfen. In Belgrad kommen oft 15— 20 deutsche Wanderer täglich an, die alle nach dem Süden, besonders nach Griechenland, wollen. Es ist ein Glück, daß die meisten an der ziemlich scharfen Grenzkontrolle Griechenlands scheitern, das ein Visum und das Vorweisen von Geldmitteln ver- langt. Wer aber durch dieses Sieb geschlüpft ist, bleibt dann irgendwo im letzten Zipfel Europas hängen. Hier, wo man sich sogar ein Glas Wasser kaufen oder betteln muß, wandert die Schar deutscher Arbeitsuchender in der glühenden Sonnenhitze umher und bereut zu spät, die gutgemeinten Warnungen mißachtet zu haben. Ich habe auf meiner langen Wanderschaft unter den vielen, vielen Kameraden aller Berufs- klassen soviel Not und Elend gesehen, daß ich es für meine Pflicht halte, einmal öffentlich und mit aller Eindringlichkeit zu warnen. Es ist schlimm, in Deutschland arbeitslos zu fein, aber viel schlimmer ist es, in einem fremden Land, der Sprache unkundig, von allen Geldmitteln entblößt, auf der Straße zu stehen und— betteln zu müssen, wenn man nicht verhungern will! Großfeuer in der Königsberger Giraße. Zwei Feuerwehrleute verunglückt. In den gestrigen Nachmittagsstunden war die Feuerwehr wieder an zwei Stellen der Stadt mit der Bekämpfung ge- sährlicher Dachbrände beschäftigt. In der Königsberger Straße 2 0, Ecke Gubener Straße, im Berliner Osten, brannte der gesamte Dachstuhl des Vorderhauses herunter. Der Brand wurde erst bemerkt, als ein Teil der Boden- kommern, in denen viel Gerümpel lagerte, in hellen Flammen stand. Bis zum Eintreffen der alarmierten Wehren griff das Feuer weiter um sich und aus den Bodenluken schlugen bald meterlange Flammen empor. Aus der Straße wurden drei mechanische Lei- tern hochgewunden. Gleichzeitig drangen die Löschtrupps über die Treppenhäuser nach oben vor. Aus sieben Schlauchleitungen starker Kaliber wurden ungeheure Wassermengen in die Feuersglut ge- schleudert. Den Löschmannschaften lief bei ihrer schweren Arbeit in der ganz enormen Hitze der Schweiß nur so in Strömen am Körper herunter. Erst nach zweistündiger Tätigkeit war das Feuer eingekreist. Die Wohnungen in den oberen Stockwerken haben unter Wasserschaden schwer gelitten. Die Entstehungsursache des Großfeuers, dos noch mehrere Löschzüge bis in die späten Abendstunden mit den Ausräumungsarbeiten beschäftigte, konnte nicht mehr ermittelt werden, da durch die Gewalt des Brandes alle Spuren verwischt sind. Leider sind bei der Löschaktion zwei Feuerwehrleute erheblich zu Schaden gekommen. Brandmeister Schenk und Oberfeuerwehrmann G o l l u b, beide von der Zugwache Me- mel, erlitten Brandverletzungen und Rauchvergiftungen. Beide wur- den ins Krankenhaus gebracht. Der zweite Dachstuhlbrand wurde in den Nachmittagsstunden au- der Buggenhagen st raße 4 in Lichtenberg gemeldet. In diesem Falle gelang es der Feuerwehr, den Brandherd schnell zu lokalisieren und unter Zuhilfenahme von zwei Schlauchleitungen ver- hältnismäßig rasch niederzukämpfen. Gpiritusexplosion in einer Wohnung. Beim unvorsichtigen Hantieren mit einer Spiritusslasche er- folgte am Dienstagnachmittag in einer Wohnung in der Großen Präsidenten st raße 1 eine heftige Explosion. Durch die Stichflammen wurde eine 37 Jahre alte Frau Klara S i g g- mann schwer verletzt. Die Verunglückte erhielt von Samaritern der Feuerwehr die erste Hilfe. Das Feuer, das durch die Explosion entstanden war, konnte schnell erstickt werden. Vor der Hebung der„Tttobe". Zwei Hebefahrzeuge und zwei aus Hamburg gekommene Leichtsr sind an der Arbeit, um das Wrack der Niobe zu heben. Die ein- und auslausenden Schiffe erhalten durch die Lotsenstellen Weisung, die Hebestelle langsam zu passieren, damit kein Wogenschlag ent- steht, der die Arbeiten empfindlich behindern würde. Die eigent- liche Bergungsstelle ist nach wie vor systematisch abgesperrt. Man beabsichtigt, das Wrack langsam aus den etwa 14 Meter tiefen Buchtgewässern in flacheres Wasser zu bringen. Vom Hans und{einer Trude. Llnd von einer Pistole, die leider losging. Es war das Alte, immer wieder Neue. Sie konnten zueinander nicht kommen..., beschlossen, aus dem Leben zu gehen, und— blieben beide am Leben. Jetzt hatte„er" sich wegen g« f ä h r- licher Körperverletzung zu verantworten... Der 20jährige Hans steht kurz vor seiner Gesellenprüfung. In einem mondänen Cafe lernt er durch einen Freund die Igjährige Trude kennen. Die Beziehungen werden sehr schnell intim. Man spricht vom Heiraten. Hans hielt es mit der Treue, Trude mit den Männern. Der Verteidiger legte dem Gericht«ine ganze Liste von Freunden vor. Ihre Untreue führt zu schweren Zwistigkeiten. Man geht auseinander, versöhnt sich, ist stärker als je ineinander verliebt. Jetzt ist Trude ihrem Hans treu. Sie verliert ihre Stellung, Hans mietet ihr ein Zimmer gegenüber der elterlichen Wohnung und macht für sie Schulden. Der Vater greift mit seinem Machtwort ein. Alles das gefällt ihm nicht. Auch der Trude nicht. Aus der Heirat soll nichts werden. Hans nimmt sich das sehr zu Herzen, holt aus dem Schubfach die Pistole eines 1921 verstorbenen Oheims, geht mit Trude ins Kaffeehaus, schreibt hier Briefe an die Eltern und an— Trude und zeigt ihr die Zettel und die Pistole. Trude weint, sie will mit ihm aus dem Leben gehen. Auch sie schreibt Briefe an die Eltern und an einen Freund:„Ich habe nur noch den einen Wunsch, mit Hänschen zusammen begraben zu werden." Dazu kommt es aber nicht. In einem Erlenbusch sitzt man trotz Dezemberkälte noch einmal festumschlungen beisammen, dann jagt Hans der Trude eine Kugel quer durch den Schädel. Der zweite Schuß versagt. Hans läuft so schnell er kann aufs Polizeirevier und erzählt, was geschehen ist. Nach drei Tagen kehrt Trude im Krankenhaus zum Bewußtsein zurück. Einen Glückstreffer nannte der Staatsanwalt den Schuß. Nach zwei Monaten darf Hans aus dem Gefängnis. Er besucht Trude im Krankenhaus, man wechselt miteinander Briefe. Jetzt ist man auseinandergekommen. Trudcs Mutter will von dem Verkehr nichts mehr hören. Hans wäre noch heute bereit, Trude zu heiraten, jedenfalls will er für sie sorgen, bis sie ganz hergestellt ist. Der Staatsanwalt beantragte acht Monate Gefängnis, und das Gericht verurteilte Hans wegen gefährlicher Körperver- letzung und unbefugten Waffenbesitzes auch zu acht Monaten Ge- fängnis. Ueber eine Bewährungsfrist soll noch entschieden werden. Kommunistische Oemonstraiionsversuche. Zwei Demonstranten verletzt. An verschiedenen Stellen der Stadt versuchten gestern abend zwischen 18 und 19 Uhr Kommunisten Demonstrationszüge zu bilden. Die Polizei griff ein, dabei wurden zwei Demonstranten durch Schenkelschüsse niedergestreckt. Wir erfahren hierzu: In der Weißenburger Straße, unweit des W ö r t h e r Platzes, sollen nach Mitteilung der Polizei von Demonstranten auf einen Polizeibeamten, der einen Mann verfolgte, etwa 20 Schüsse abgegeben worden sein. Der Schupobeamte er- widerte das Feuer: dabei wurde ein Demonstrant von einer Kugel in den Oberschenkel getroffen. Der Verletzte fand im Krankenhaus am Friedrichshain Aufnahme. Auch ein zweiter Mann wurde durch einen Schuß in den Unterschenkel verwundet. Im ganzen wurden 20 Personen fe st genommen und der Politischen Polizei übergeben. SA.-Mann will Hausbewohner erschießen. In der Rüdersdorfer Stxaße bedrohte ein S A.- M a n n mehrere Hausbewohner mit Erschießen. Der Bursche wurde festgenommen: man fand bei ihm einen Trommelreoolver mit sechs Schuß. Stadt ohne Totengräber. In Schlagwitz(Sachsen) wurde aus Ersparnisgründen der Totengräber abgebaut. Die Bevölkerung muß sich ihre Gräber selber herstellen. Qsi'ksi'ß Herrmann Mostar: Anja. „Nun gut! so will ich in die Ecke zehn, die gegen Morgen liegt!" „Auch dort ist kein Platz für dich, weil da meine Wolle trocknet!" „So wird die Abendseite frei sein—" „Meine Haut hängt dort—" „So laß mich schon durch, denn mir bleibt die Ecke nach Mitternacht!" „Auch das geht nicht", sagte das Lamm traurig,„denn dort wird mein Fleisch liegen, wenn ich getötet sein werde..." Also hat die graue Frau Sorge keinen Platz in der Hütte der Hirten gefunden bis auf den heutigen Tag, weil das Lamm darin wohnt.... * Als ich aber am Margen nach der Nacht, in der der Alte mir dies Märckzen erzählt hatte, in die Hütte trat, halte die Sorge doch hineingefunden. Drinnen faß Anja vor einem Lager aus Asche, das neben dem Feuer geschichtet war. Ihr Leib war nicht mehr gedunsen, und ihre Hände mühten sich um ein Kind, das in der Asche lag. Sie hatte es heute nacht geboren. Ich wußte nicht, was ich tun sollte: was hier Sitte war: was gerade in der mir unbekannten Situation dieser Familie das Richtige war. So trat ich auf sie zu und gab ihr die Hand. Sie drückte meine Finger fast schmerzhaft, ich fühlte: aus Dankbarkeit: dann wies sie aus Hassan, der von seinem Lager herüberstarrte, und sagte:„Wünsche auch ihm Gutes". Da wußte ich. daß Hassan der Pater des Kindes war. Als ick) mich von Hassans Lager zurückwandte, stand der Alte in der Tür— er hatte alles gesehn. Aber er sagte noch nichts. Es war Besuch gekommen. Besuch für Hassan Chardan: Glaubensgenossen von ihm, die einer fünf Wegstunden weiter südlich hütenden Familie zugehörten. Einer von Anjas Brü- t>ern hatte sie auf Hassans Bitten herübergeholt; der Kranke wollte mit ihnen allein fein, und so verließen wir anderen die Hütte, als wir die Gäste kommen sahen. Es war ein älteres Ehepaar. Voran ging der Mann: breit, mit rotem, ziemlich gutartigem Gesicht und wuchtigem Schritt; er rauchte aus einer großen Pfeife, der Wind warf die Rauchschwaden hinter ihn und gegen seine Frau, die schwer beladen mit einem Korb und einem Krug hinter ihm her keuchte: ihr Rücken war gezerrt, ihr Kopf tief geneigt, ihr Gesicht durch einen schweren, schwarzen Schleier vollkommen verdeckt. Auf den Landstraßen unten war man dies Bild des unbelasteten türkischen Mannes und der überlasteten Hanum« gewöhnt: hier oben fiel mirs auf. Der Vater Anjas hatte den nicht gerade freundlichen Blick gesehen, den ich hinter dem Türken herschickte. Er schaute zur Hütte hin, ob Anja, die ihr Kind auf dem Arm hatte, außer Hörweite war. Dann sagte er lächelnd:„Ich will dir sagen, wie es dieser Frau ging, die du eben sahst: denn du bist ein Schwabs und könntest sonst vieles mißverstehen; was du in meiner Hütte miterlebtest." Und indes aus den Tälern die Dämmerung blau herauf- kroch, erzählte mir der Alte, daß die verschleierte Frau früher eine christliche Hirtin gewesen war— so alt wie jetzt Anja. Daß sie sich damals in einen Islamiten verliebt habe— wie jetzt Anja. Daß ihre Eltern sich der Heirat widersetzt hätten— wie jetzt Anjas Eltern. Damals aber sei es so gekommen, daß die Eltern bald starben: und da sie tot waren, habe das Mäd- chcn ihre Verbote in den Wind geschlagen. „Du mußt doch seines Glaubens werden, wenn du ihn heiraten willst", fragte man sie.„Warum sollte ich das nicht? ich glaube an ihn", antwortete sie. „So wirst du doch einen Schleier vorm Gesicht tragen müssen", fragte man sie.„Warum sollte ich das nicht? wenn er allein bei mir ist, darf ich den Schleier ja abnehmen", ant- wortete sie. Und sie gingen zum Imam, der machte das Mädchen zur Iflamitin und zur Hanuma. Der Mann hatte das Mädchen sehr lieb— so lieb, wie ein Mann ein Mädchen nur haben kann. Sie lebten in hellem Glück und lachten viel. Als das erste Kind kam, wurde die straffe Brust der Frau ein wenig schlaffer. Sie bangte darum, aber er lachte ihre Sorgen weg. Es gab freilich auch mehr Arbeit durch das Kind, die machte ihre Hüchde nicht weicher und ihr Gesicht nicht zarter. Aber er lachte noch immer und half ihr sogar arbeiten. Es kam ein zweites Kind. Freunde von ihm besahen sichs und erzählten:„Ioi, du bist tüchtig, wahrhaftig! Aber in Skoplje unten ist ein Beg, der hat eben das dritte Kind be- kommen von seiner Hanuma, das dritte in zweieinhalb Iah- ren: und nun ist er hingegangen und hat sich ein zweites Weib genommen, jung und schön. Bogami, der Beg hat Geld, er kann sichs leisten, Allah wohlgefällig zu sein..." Und sie lachten, der Mann mit— die Frau aber faßte verstohlen an ihre Brust, die abermals schlaffer geworden war, und lachte nicht.... Sie wollten hinunter ins Tal zum Schutzheiligentag und Kolo tanzen— der Mann ging nicht mit, weil er seiner Frau helfen wollte. Aber er wagte seinen Freunden das nicht zu sagen, denn sie hätten ihn ausgelacht— wie kann ein Mann seines Weibes wegen das Haus hüten? Wirklich, so könnte er sich ja gleich selbst ins Bett legen und schwanger werden und Kinder kriegen und säugen und aufziehn, so ein Mann! Davor fürchtete sich der junge Vater, und er schob einen anderen Grund vor. Als aber das dritte Kind geboren wurde, sollte in der Kavana gefeiert werden. Und diesmal ging der Mann mit. Und als seine Familie zum Beiramfest von überallher zu- jammenkam, wohin sie verstreut war, und die Frauen seiner Brüder und Vettern hinter ihren Männern gingen und deren Lasten trugen, da schämte sich der Mann, daß nur seine Frau es nicht tun sollte; er gab ihr seinen Korb, und sie trug ihn. Aber sie weinte. Und der Mann ward älter und kälter und dicker und bequemer, und die Frau ward älter und häßlicher und trauriger und zanksüchtiger; und der Mann entsann sich alles dessen, was er gelernt hatte in seiner Kindheit von der Herrschaft des Mannes über die Frau; und entsann sich auch, daß es hieß: Wer sich von seinem Weib scheiden will, der braucht ihr nur einen Scheidebrief zu geben. Und damit drohte er seiner Frau, wenn sie sich weigerte, für ihn so zu arbeiten, wie es die Frauen seiner Glaubensgenossen taten. Was aber soll aus einer alternden, unschönen Frau werden, die ihr Mann hat gehen lassen? Sie kann nur Magd werden... Das wußte diese Frau, sie blieb und arbeitete, und sie bleibt und arbeitet noch heute. (Fortsetzung folgt.) Geckhol hinter der Klosterkirche Das älteste Berlin, das wendische Venedig an den Armen und auf den Inseln der Spree, besitzt seine Geheimnisse, Mordgeschichten, Spuktreppen und Geisterstraßen so gut wie nur eine Stadt des tiefsten Mittelalters, Nicht nur in der F i f ch e r st r a ß e, wo Michel Kohlhaas mit den Rossen auszog, bevor er sein chaupt auf den Block legte, auch auf dem Molkenmarkt, wo früher der Galgen stand, spukt es, und wenn auch der Roland von Berlin und damit die alte Gerichtsfreiheit längst verschwunden ist und der ver- schnörkelte Kaak, der Pranger mit dem seltsamen Bogel Frauenkopf als Sym- bol, ins Schloß Babelsberg hinaus- gewandert ist, so treibt der Teufel sein Spiel an den uralten Schweineställen an dem engen Durchgang zur Spree nicht minder. Auch an der Jung- fernbrücke, die freilich neueren Datums ist und mit den hier Spitzen verkaufenden Demoiselles der franzö- sischen Kolonie zusammenhängt, an der sagenumwobenen Gertraudtenbrücke und vor Raabes Totenhaus in der alten Chronik der Sperlingsgasse ist es nicht geheuer. Kundige wollen sogar am chausvogteiplatz, der vor- dem Krähsnmarkt oder Schinkenplatz hieß, deutliches Stöhnen vernommen haben, denn an Stelle der Reichsbank, die heutige fürchterliche Wechsel-Qualen verursacht, stand dereinst die chaus- vogtei, in der die Demagogen und Fritz Reuter, weil sie für die deutsche Freiheit geschwärmt hatten, von „Onkel Dambach" gequält wurden. Uebrigens war dies eine alte Hurengegend: in der Bödelgasie(von der Rosen- zur Spandauer Straße) wohnte der Henker, der auch Frauenvogt hieß, er spannte die Mädels, die vordem am heutigen Höhepunkte der Konfektion wohnten, vor den zweirädrigen Karren, und so mußten sie die Straße reinigen, wodurch die Stadt viel Geld sparte. Rinnsteine waren jedoch trotzdem vor den Häusern, mit Balken zugedeckt, auf denen in der guten alten Zeit die Kinder spielten. Eine besondere Bewandtnis hatte es von jeher mit den „B u l l e n w i n k e l n", auch„B u r st a h"(„B a u e r, steh!") oder„Geckhol" genannt, dos waren enge winklige Seitenstraßen, Säcke ohne Ausgang. Friedrich Nicolai, der Goethe-Feind und Geisterseher von Tegel, zählt in seiner 1798 erschienenen Geschichte Berlins deren drei(und einen in Potsdam) auf: einen Bullenwinkel aus der Brüderstraße bis an den M ü h l e n g r a b e n, einen vom ehemaligen zugeschütteten Fcstungsgraben bis an den Friedrich- städtischen Markt in der Gegend der Taubenstraße, den dritten hinter der Klosterkirche. Die Herkunft des Wortes Bullen- Winkel ist in der Berliner Literatur nicht erklärt, wahrscheinlich stammt der stark an das Muhen erinnernde Name von den Vieh- Händlern und Schlächtermeistern der Hauptstadt, die hier das Vieh zusammentrieben und es in den engen Schluchten der Bullenwinkel von den Markt- oder Schlachttagen anbanden, denn auf ein bißchen mehr oder weniger Mist kam es damals in der Metropole nicht an. So findet man in den Annalen des Vereins für die Geschichte Berlins verzeichnet, daß noch 1793 am Schinkenplatz 28 Schlächter- meister einen öffentlichen Durchgang von ihrem Haus, offenbar einem Schlachthaus, nach dem Werder bildeten, aber dos hohe Ober- oerwaltungsgericht erkannte ihn 1899, nachdem er verschiedene Könige und Revolutionen hundert Jahre lang siegreich überstanden hatte, nicht als Straße an— das war eben jener Bullenwinkel an der Tauben st raße, die ihrerseits wieder ihren Ehren- namen von einem in ihr befindlichen vormals kurfürstlichen Tauben- haus erbte, in deren Nähe auch der weise Voltaire auf berlinerisch seine Bleibe hatte. Bekannt ist, daß im zünftigen Mittelalter, in dem es zahllose Verordnungen über Handwerksbrauch und Maße und Gewichte gab, das öffentliche Markthandeln nur für bestimmte Tage und Plätze und bei bestimmten Sorten und Preisen gestattet war, wie z. B. eine alte Urkunde der Berliner Fischerinnung für die Regeln auf dem Köllnischen Fischmarkt nachweist. Aus ähnlichem Herkommen sind auch die Titulaturen der alten Berliner Eiergasse und der Molkenstraße, der Rotz-, Woll-, Pferde-, Gänse- und Heumarkt in Berlin, Hamburg, Köln und anderen Städten entstanden. Die Bullenwinkel(die übrigens in Norddeutschland auch als Familien- name Bullwinkel vorkommen) sind also ein letzter soziologischer I-Punkt auf eine alte Zunftoerfassung. Unser oben abgebildeter Bullenwinkel, der G e ck h o l hinter der Klosterkirche, heute das Ende der Waisen st raße ge- nannt, ist besonders romantisch. Er verbindet zwei Welten: das grüne kupferne Mittelalter des Parochialturms mit seinen offenen Glocken Prd die massive Neuzeit des Amtsgerichts Mitte der Offen- barungseide, beide verbunden zu Nutz und Frommen durch die feuchte Eckwirtschaft„Zur letzten Instanz". Hier ist absolut ältestes Berlin, denn mit der Stralauer, der Spandauer und der Post-, später der Iudenstraße fing Berlin im dreizehnten Jahrhundert an, und auf dem damals freien Platz, heute Klosterstraße und U-Bahn- Station, stand das älteste Schloß der askanischen Markgrafen, heute leider abgerissen, und die Abtei der Bettelmönche, die heute noch Graues Kloster heißt. Auf diesem Stück Alt-Berlin machte genau vor hundert Iahren ein Achtzehnjähriger, der sich Bismarck nannte und sich als Pantheist und halber Republikaner bekannte, sein Examen, und er wird bei dieser Uebung, da er kein Musterschüler des Klosters war, wohl auch öfter über die rote Mauer mit den Kastanien in den Bullenwinkel herübergesehen haben. Auch heute noch spielen hier im engen Klvstergang vor den hölzernen Fensterläden und Blumen die Berliner Iungens und Mieten ihre Murmeln und sehen zu, wie die Katze über das Dach vom Jugendamt läuft und keine Nuckelpinne kracht, denn hier ist Armut und Frieden, ein Berliner Idyll mit Not, Kellerstufen, Liebe und Mondschein— und wer weiß, vielleicht geht wieder einmal ein Bismarck draus hervor, vor hundert Jahren hat man's auch nicht gewußt... T eilzahlen oder Zielsparen? „Stottern" bleibt immer gefährlich „Kaufe sofort!— Zahle später!" Das ist gewiß eine ver- lockende Aufforderung. Selbstverständlich möchte man, muß man die Kleidung ergänzen, den Haushalt vervollständigen. Ueberall bemerkt man plötzlich, daß so dringend dieser Gegenstand und jene Sache fehlt. Und. flattert dann so«in Werbezettel, ein Brief ins Haus, am Ende gleich mit einem Kaufschein, der das Recht gibt, ohne einen Pfennig Anzahlung in einem Ge- schäftshause seine Einkäufe zu machen, dann ist die Versuchung so groß, daß man ihr leicht erliegen könnte. Im übernächsten Monat — das ist ja noch so weit hin!— braucht man erst mit der Ab- zahlung zu beginnen, und dann sind die monatlichen Raten auch noch so niedrig, daß man sich das wohl leisten kann. Soll man da nicht diese günstige Gelegenheit ausnutzen? Lieber nicht! Das Abzahlen, das„Abstottern", hat ferne Schattenseiten. Es ist doch schon für jeden ein unerfreuliches Ge- fühl, daß er da Gegenständ« in seinem„Besitz" hat, die ihm gar nicht gehören. Der Verkäufer hat sich ja ausdrücklich fein Eigen- tumsrecht bis zur völligen Bezahlung vorbehalten Dann kommen die regelmäßigen Zahlungstage, und alle Freude an dem Kauf ist hin, wenn immer wieder zum Bewußtsein ge- bracht wird, daß man nicht einmal mehr der unbeschränkte Herr seines eigenen Einkommens ist. Jede Sonderausgabe oerbietet sich, kein noch so dringender Wunsch kann erfüllt werden— die Abzahlung ist ja noch zu leisten. Wo bleibt da die Freude am günstigen Einkauf? Denn das wird alsbald jedem klar, daß er für die aufgeschobene Zahlung des Kaufes einen Aufschlag an den Ver- täufer zu entrichten hat, den der Verkäufer fordern mutz, weil er selbst weoer die Verzinsung noch die regelmäßig zu erwartenden Ausfälle aus seiner Tasche zu tragen gedenkt. Da ist es doch«in ganz anderes Gefühl, wenn man auf die Sparkasse gehen kann, um sich den Betrag abzuholen, den man, wenn man noch in Lohn und Brot rst, für unbedingte Neuanschaffungen ausgesetzt hat. Was ich nun einkaufe, das ist sicher preis- würdig und keineswegs überteuert, denn wenn ich mein bares Geld hingebe, kann ich selbstverständlich die genaueste Preis- kalkulotion fordern. Und der erworbene Gegenstand gehört mir unbeschränkt. Für die nächste Zeit aber weiß ich genau, was ich zu tun habe. Von den regelmäßigen Einnahmen zweige ich einen Teil ab für das Ziel» oder Zwecksparen: Diesen oder jenen Wunsch will ich verwirklichen, und daher zahle ich bei der Arbeiterbank oder der Konsumgenossenschaft oder der Sparkasse die entsprechenden Beträge auf ein besonderes Konto ein, dem nun von der Kassenverwaltung noch Zinsen gutgeschrieben werden. Denn das ist der besondere Borteil des Ziel» oder Zwecksparens: Die Sparkasse kann mit einem auf längere Zeit zur Verfügung gestellten Betrag« vorteilhafter arbeiten als mit dem täglich kündbaren Gelds und gibt bereitwillig von ihrem Nutzen«inen Teil ab, so daß sich mein Guthaben nach und nach erhöht. Trotzdem soll nicht verschwiegen werden, daß es in Berlin Abzahlungsgeschäste gibt, die sich gerade in Arbeiterkreisen einen guten Ruf erworben haben und sich bemühen, sich diesen Ruf zu erhalten. Ein unsinniger Vergleich. Das trübselige Ende eines Abzahlungsprozesses. Termin vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte. Ver- handelt wird eine Einspruchsklage gegen einen Z a h l u n g s- b e f e h l einer großen Kreditgesellschaft. Ein Schwer- kriegsbeschädigter hat einen Kredit von fast 400 M. in Anspruch genommen, als er noch in Stellung war und es ihm gut ging. 2S0 M. hat er bereits abgezahlt, davon 70 M„ als er bei seiner Entlassung eine Nachzahlung von 78 M. bekam. „Wollen Sie den Restbetrag nicht anerkennen?" fragt der Vorsitzende.—„Ich kann nicht."—„Wenn Sie vergleichsweise den Betrag anerkennen, sparen Sie sich Kosten."—„Aber ich kann doch nicht bezahlen. Ich bin ein halbes Jahr arbeitslos. Infolge meiner Rente von 67 M. habe ich nur 5 M. Arbeitslosen- Unterstützung bekommen. Die Krisenunterstützung ist mir ganz abgelehnt worden. Wozu soll ich etwas anerkennen, was ich bestimmt nicht halten kann."—„Meine Firma ist bereit, zwei Raten zu gestatten", wirft der Vertreter der klagenden Firma ein.— ,Lwei Raten— ich kann nicht einen Pfennig bezahlen, wovon soll ich denn leben?"—„Also dann muß ich ein Urteil geben und Sie haben noch mehr Kosten."—„Aber ich kann doch nicht. Und wenn ich anerkenne, dann holen Sie mir das legte Stück aus der Wohnung, oder wenn ich Arbeit bekomme, dann ist soforl der Pfäridungsbeschluß beim neuen Chef, der mich dann sofort wieder entläßt."—„Das wird Ihnen beim Urteil auch passieren, nur haben Sie dann noch mehr Kosten."—„Gut, ich erkenn« an, jedoch sage ich schon jetzt, daß ich nicht bezahlen kann." Der Vorsitzende verkündet: Die Parteien � schließen folgenden Vergleich:„Der Beklagte verpflichtet sich, den Restbetrag in zwei Raten am 1. September und am 1. Oktober..."—„Ich bitte am IS. August und 15. September" wirst der Firmenvertreter ein.— „Also am 15. August und 15. September zu zahlen und die Gerichts- kosten..."—„Ich bitte, auch die außergerichtlichen Kosten."— „Also die Kosten des Rechtsstreites zu tragen."—„Und die Zinsen?"—..Reichsbankdiskont?"—„Nein, ich verlange für meine Firma 7 Proz. seit..."—„Also zuzüglich bei der zweiten Rate... usw." Ein netter Vergleich. Daß sich der Venreter dar großen Kreditierungsgesellschaft nicht bewußt war, was für eine be- schämende Rolle er in diesem Rechtsstreit gespielt hat, ist da- schlimmste. Der Richter mußte so handeln, denn das Gesetz ist für ihn bindend, wenn es der unerbittliche Gegner verlangt. Haben aber die Kreditgejsllschajten nicht die Ver- pflichtung im Interesse ihres Rufes, auch die Tätigkeit ihrer Prozeßbeauftragten zu beobachten? Hier handelt es sich um eine sehr angesehene Berliner Kredttierungsgesellschast. Tod in den Bergen. Schwere Touristenunglücksfätle in den Alpen. ?n den letzten drei Togen haben sich in den Alpen ungewöhnlich viel tödlich verlaufene Vergunfälle ereignet. Es begann mit einem Touristenunzlück am Groß- g l o ck n e r, dem höchsten Berg der Hohen Tauern, am 13. August, bei dem sofort drei Bergsteiger ihr Leben einbüßten. Etwa um die gleiche Zeit des folgenden Tages stürzte am Großglockner ein weiterer Tourist über den Lammerweg ab. Seine Personalien konnten noch nicht ermittelt werden. Aus Innsbruck wird ge- meldet, daß im Wilden Kaiser zwei Menschen ums Leben gekommen sind. Außerdem haben sich während der beiden letzten Tage i n Tirol weitere Touristenunfälle ereignet. Im Flotten- tal bei Mayrhofen im Zillcrtal stürzte die Touristin Toni Kimm aus Hamburg über eine 70 Meter hohe Felswand tödlich ab. Beim Anstieg auf die Schaufelspitze in den Stubaier Gletschern wurde die 43 Jahre alte Lina Zinn aus Gaschwitz bei Leipzig von einem herabsausenden Stein am Kopf getroffen und erlag ihrer Verletzung. Der Bergführer Josef Gumpold aus Neustift im Stubaital stürzte bei einer Führung in eine Gletscherspalte. Während des Sturzes schnitt er kurz entschlossen das Seil ab, um den angeseilten Touristen nicht mit in die Tiefe zu reißen. Den Be- mühungen einer alpinen Heerespatrouille, die in der Nähe Uebungen abhielt, gelang es, den opfermutigen Bergführer zu retten. Auffindung eines Vermißten nach 1 Iahren. Gurgl(Tirol), 16. August. An der Ossseite des Ramolkogel, zwischen Vent und Gurgl, wurde die Leiche des 21jährigen Forstakademikers Wiskott aus Essen als Skelett aufgefunden, der feit einer Tour vermißt worden war, die er im Jahre 1925 von der Wildspitze quer durch Oetztaler- und Stubaiergletscher zum Brenner unternehmen wollte. Wiskott muß ungefähr 200 Meter über einen Felsen abgestürzt sein. Kranzöfisches Schnellboot gesunken. 11 Menschen umgekommen. Paris. 16. August. Ein Schnellboot der Eompagnie Generale Aero- Postale, das den Dienst zwischen Natal und Dakar ver- sieht und am Tonnabend dort einlaufen sollte, ist nach einer hier eingetroffenen Meldung in einem heftigen Sturm untergegangen. Die Besatzung, die sich aus 22 Mann zusammensetzte, hat den Tod in den Wellen ge- funden. Natal ist eine englische Kolonie an der Südoftküste von Afrika, Dakar ist der bedeutsamste' Handelsplatz und Sitz des General- gouvernsurs von Französifch-Westastika. Oer Blih traf! Zwei Landarbeiterinnen erschlagen, eine schwerverleht. Wanzleben(Reg.Bez. Magdeburg). 16. August. Ein schweres Gewitter, das sich über Wanzleben entlud, hol zwei Todesopfer gefordert. Zwei schlesifche Landarbeiterin- nen, die mit Erntearbeiten auf dem Felde beschäsligl waren, wurden vom Blitz getroffen und getötet. Eine dritte Saisonarbeiterin wurde verletzt und erhielt erhebliche Brandwunden. Oammbruch eines Schlammteiches. Bauernhof im Schlamm begraben. Bergisch-Gladbach. 16. August. In der vergangenen Nacht ist der etwa 60 Meter lange Damm eines Schlammweihers der Grube Weiß, der Ab» wässer enthielt, gebrochen. Etwa 20 000 Kubikmeter Schlamm und Wassermassen ergossen sich zu Tal und überschwemmten die Provinzialstraße Köln— Olpe auf eine große Streck«. Die stark beschädigte Fahrbahn wird für längere Zeit gesperrt bleiben müssen. Das ganze Tal zwischen Ober- und Untereschbach ist völlig verschlammt und bietet ein trostloses Bild. Ein Bauernhof in Obereschbach wurde fast völlig von den Schlammassen überflutet. Die Gasfernversorgung von Bergisch-Gladbach bis zum Aggertal wurde an einigen Stellen unterbrochen, so daß ganze Ort- schaften ohne Gas sind. Ltnwetter im ganzen Reich. Mecklenburg wurde, wie bereits mitgeteilt, von heftigen Ge- wittern heimgesucht. Besonders im Lande Ratzeburg sind erheb- liche Brandschäden zu verzeichnen. Bedenkliche Unwettermeldungen kommen ferner aus dem oberen Erzgebirge. In Buchholz(bei Annaberg) wurde durch Hagelschlag schwerer Schaden angerichtet. Zahlreiche Felder, Gemüsegärten und Obstpflanzungen wurden vernichtet, verschiedent- lich auch Straßen ausgerissen und unterhöhlt. Im Schwäbischen Ries wurden zahlreichen Landwirten durch Wolkenbruch und Hagelschlag geradezu vernichtende Verlufte zuge- fügt. Weizen, Hafer, Kartofseln, Rüben und Obst— die ganze Ernte ist hin. Und versichert ist das wenigste. Ei» nener Weltrekord. In dem in Holländisch-Limburg gelegenen Ort H o r st hat der Dauerklaviermeister Heinz Arng aus Düsssldorf einen„Weltrekord" aufgestellt, indem er fünfTageund fünfNächtelang un- unterbrochen Klavier spielte. Damit hat er den Preis gewonnen, der für eine solche Leistung von dem Internationalen Artisten-Lerband ausgeschrieben worden war. In Horst in Holland scheint es eigenllich noch heißer zu sein als bei uns. Zeköns weiße Zähne schon nach einmalig. Putzen mit der herrl. erfrisch, schmeckenden„Chlorodoni» Zahnpaste", schreibt uns ein Raucher. Tube 50 Pj. und L0 Pf. Not im Spiegel der Statistik Weiterer Geburtenrückgang in Preußen Mrtschafklicher Wohlstand und wirischaftliche 3tof finden ihren Spiegel in der bevölkerungspolitischen Statistik. Seit dem Zahre 1331 ist eine starke Ver- schlechlerung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland eingetreten. Die Geburtenziffer ist bezeichnenderweise weiter zurück- gegangen. Die Zahl der Geburten, die im ersten Vierteljahr 1331 noch 17Z8K3 und im gleichen Zeitraum 1930 186 247 betragen hatte, erreichte im Berichtsvierteljahr nur eine Höhe von 165 487. Die auf 1000 Einwohner und ein Jahr berechnete Geburtenziffer belief sich danach auf 16,6 gegenüber 18,0 im Vorjahre und 19,2 im Jahre 1930. Dabei ist diese Abnahme ganz allgemein. Mit Aus- nähme der Grenzmark Pofen-We st preußen weisen alle Provinzen niedrigere Geburtenziffern auf als im Vorjahre. Am stärksten wirkte sich aber der Geburtenrückgang in den i n d u st r i e- reichen Landesteilen aus. Es überrascht, daß die Zahl der E h e f ch l i e ß u n g en ge- stiegen ist. Sie belief sich auf 63 223(gegenüber 60 546 im ersten Vierteljahr 1331). Auf je 1000 Einwohner und ein Jahr berechnet Künf Mark- ein Zahr Gefängnis. Oer Paragraph geht über Menschlichkeit. Es war einer jener traurigen Burschen, die nichts dafür können, daß sie als Psychopathen zur Welt gekommen sind, im Leben zu nichts taugen, nicht einmal zum Verbrecher, und deshalb nie über ganz kleine Diebereien und Betrügereien hinauskommen. Der Paragraph macht aber keinen Unterschied: Rückfalldiebstahl bleibt immer Rückfalldieb st ahl, das Mindeststrafmaß ist u n a b° änderlich, der„Dieb" mag noch so bedauernswert sein. Klaus' Vater war Beamter. Der Junge kam früh in Für- sorge. Als er sie verließ, hatte er immer noch keinen inneren Halt. Bald stahl er da, bald dort irgendeine Kleinigkeit. Sein Strafregister zeigt drei Diebstähle, einen Betrug. Im übrigen bettelte er sich durchs Leben. Und eines Tages sprach er einen Maurerpolier an. Er klagte diesem sein Leid, der Maurer- polier war ein mitleidiger Mensch, er glaubte dem Burschen helfen zu müssen, nahm ihn mit nach chause, schenkte ihm eine chose, andere schenkten ihm einen Rock, er durfte zwei Tage dableiben. Als der Maurerpolier nun am dritten Tag nicht zu chausc war, öffnete Klaus mit dem Schlüssel des einen Schränke einen anderen Schrank, steckte fünf Mark zu sich und sagte dem heimkehrenden Gastgeber, er wolle zum Bäcker gehen. Ging und kehrte nicht mehr wieder. Der Maurerpolier entdeckte das Fehlen der 5 M., erstattete Strafanzeige. Hätte er gewußt, daß Klaus' Tat ein s ch w e- r e r Diebstahl war, ja, ein schwerer Diebstahl im Rückfall, für den die Mindeststrafe laut Paragraph ein Jahr Gefängnis beträgt— vielleicht hätte er von der Strafanzeige abgesehen. Ja, wenn Klaus den Schrank mit dem richtigen Schlüssel geöffnet hätte, oder wenn wenigstens der Schlüssel vom anderen Schrank dazu bestimmt gewesen wäre, auch diesen Schrank zu öffnen, dann wäre es nur einfacher Rückfalldiebstahl, und die Mindest- strafe hätte nur drei Monate Gefängnis betragen. Hier war aber am Schloß doch ein wenig herumgearbeitet worden. Welch wundervoller Psychologe war doch der Gesetzgeber, wie sehr verstand er sich auf die Abmessung der verbrecherischen Willens- betätigung und wie schwer haben doch die durch Geburt und Ver- Hältnisse im Leben Verunglückten für diese raffinierte Psychologie des Gesetzgebers zu leiden! Begeht Klaus nächstens wieder einen kleinen Diebstahl und werden ihm wegen seines verbreche- rifchen Willens mildernde Umstände versagt, so blüht ihm das Zuchthaus.... Ende eines Prinzen. Die Geliebte schnitt ihm die Kehle durch. Paris, 16. August.(Eigenbericht.) In einem kleinen Hotel in Paris wurde am Dienstag der Prinz Edgar von Vourbon ermordet aufgefunden. Er war während der Nacht von seiner Freundin, einer Spanierin, mit einem Rasiermesser getötet worden. Der Prinz war österreichischer Staatsangehöriger und war als unehelicher Sohn der Prinzessin Alice geboren worden. Man munkelte damals, daß KaiferFranzJofef selbst sein Vater ge- wesen sei. Nach der Revolution in Oesterreich, durch die er sein Ver- mögen verloren hatte, hatte sich der Prinz mit einer reichen Ameri- kanerin verheiratet, jedoch war die Che schon vor mehreren Jahren geschieden worden. Seitdem hatte er sich der Spanierin angeschlossen, die ihn jetzt getötet hat. Vor der Polizei gab die Spanierin an, daß sie in Notwehr gehandelt habe. Der Leichenbefund zeigte jedoch, daß keinerlei Kampf stattgefunden hatte, sondern daß der Prinz i m S ch l a f e r- mordet worden sein muß. Kurfürftendamm-Page verschwunden. Seit dem 21. Juli ist der 16 Jahre alte Page Fritz de la Cour aus der elterlichen Wohnung in der Wiesenstr. 16 verschwunden. Fritz war bisher in einem Weinlokal am Kurfürstendamm be- schäftigt und ist dort nicht mehr erschienen. Man vermutet, daß er Anschluß an gewisse Kreise erhalten hat und vielleicht mit auf einer Sommerreise unterwegs ist. Der Junge wird beschrieben als 1,76 groß, hager, breitschultrig, dunkelblond. Er trug zuletzt braunen Jackettanzug, braunen Hut und schwarzen Schlips. Nazi wehrt sich gegen Exmission. Am Dienstagmittag gegen 1 Uhr kam es in der Templiner Straße 18 zu Ansammlungen und Aueschreitungen, als ein dort im Hause wohnender Nationalsozialist aus seiner Wohnung ex- mittiert werden sollte, weil er die Miete nicht bezahlt hatte. Etwa 200 Nationalsoziali st en hatten sich vor dem Hause ein- gefunden und machten sich daran, die bereits auf Veranlassung des Gerichtsvollziehers auf die Straße geschafften Einrichtungsgegen- stände wieder in die Wohnung zurückzutragen. Das alarmierte Ueberfallkommando zerstreute die Menge und nahm 13 Ratio- n a l s o z i a l i st e n f e st, die der Abteilung I zugeführt wurden. ergibt sich eine Heiratsziffer von 6,4(gegenüber 6,2 im Jahre 1931). Diese Zunahme findet sich jedoch vornehmlich nur in den Provinzen mit agrarischem Charakter. Die Heiratszisfer in industrie- reichen Provinzen ist demgegenüber stark zurückgegangen. Man wird diese Tatsache auch auf die Verschiebungen in der Bin- nenwanderung zurückführen müssen. Die Sterblichkeit war erfreulich gering. Die Sterbeziffer, die sich auf 12,3 Proz. belies, war nicht nur bedeutend niedriger als die des ersten Vierteljahrs 1931, die infolge des starken Auf- treten? von Grippe die übernormale Höhe von 14,3 Proz. er- reichte, sondern blieb auch etwas hinter der des ersten Quartals 1930(12,6 Proz.) zurück. Auch die Säuglings st erblichkeit ist weiter zurückgegangen. Es starben 13 755 Kinder im ersten Lebensjahr gegenüber 16 539 im ersten Vierteljahr 1931. Der Geburtenüberschuß betrug 42 838 Personen, gegen- über 36 213 im Vorjahre und 63 456 im Jahre 1930. Die Geburten- Überschußziffer war dementsprechend im Berichtsvierteljahr 4,3 Proz. gegenüber 3,7 Proz. und 6,6 Proz. in den gleichen Quartalen von 1931 und 1330. Nachtrag zum Ortsgefetz vom 30. 4. 4924. Ermäßigung der Anliegerbeiträge. Zu§ 5 Absatz 3 des Ortsgesetzes vom 30. April 1924 ist ein Nachtrag erschienen, der in der Druckschriftenstelle des Nach- richtenamtes(Rathaus, Eingang Spandauer Straße, 3. Stock, Zimmer 127) erhältlich ist. Danach ermäßigt sich der Kostensatz für die Entwässerungsanlage in Wohnstraßen der Bau- klaffen 1 bis 3a, die nur mit einer Entwässerungsleitung aus- gestattet sind, um die Hälfte. Der Beitrag wird zur Zeit durch eine Bekanntmachung im Amtsblatt vom 14. August auf 20 M. für ein Meter Straßenfront(statt bisher 40 M.) festgesetzt. Lindbergh wieder Daler. Der amerikanische Ozeanflieger Lind- bergh, dessen IM Jahre altes Baby vor einigen Monaten von un- bekannten Tätern entführt und ermordet wurde, ist von neuem Vater eines Knaben geworden. Dolkskümliche Führungen im Aquarium. Im Berliner Aquarium (Zoo) werden vom Mittwoch, 17. August, ab täglich, außer Sonn- tags und außer den billigen Nachmittagen, bis auf weiteres um 10)4 Uhr und um 16M Uhr, etwa halbstündige Führungen je durch die einzelnen Abteilungen des Aquariums veranstaltet werden. Die Führungen sind unentgeltlich, durchaus volkstümlich und sollen die vorhandenen Tiere dem Verständnis der Besucher näher bringen. Der Buchbindermeister Richard Lindner. Neukölln, Kaiser- Friedrich-Straße 36— 37, beging in diesen Tagen sein Wjähriges Geschäftsjubiläum. Seit 30 Jahren ist der in ganz Neukölln ange- fehene und beliebte tüchtige Meister Mitglied der Sozialdemokra- tischen Partei. Seine Zugehörigkeit zur Partei beweist am besten, daß auch ein selbständiger Handwerker, wenn er nur den rechten ehrlichen Willen zur politischen und wirtschaftlichen Aufklärung hat, sehr wohl auch ein aufrechter Sozialdemokrat sein kann. Allgemeine Wetterlage. Auch am Dienstag hielt in Mitteleuropa das sehr warme Wetter an. Verschiedentlich wurden wieder am Mittag 33 Grad im Schatten erreicht. Nur im größten Teil des Küstengebietes stieg das Ther- mometer nicht auf 30 Grad. Im Osten und Süden des Reiches kamen Gewitter vor, doch fielen dabei wie am Montag nur vereinzelt er- giebiger« Regen. Der Hochdruckrücken, der jetzt unser Wetter be- stimmte, ist über dem östlichen Mitteleuropa durchbrochen worden. Der östliche Teil baut weiter ab, während sich der westliche erneut kräftigt. Zunächst bleiben wir auf dem Ostabhang des letzteren im Bereiche nördlicher bis nordwestlicher Winde. Dadurch werden uns die kühleren Luftmassen zugeführt, die am Dienstagabend Nordwest- deutschland überflutet hatten. Da der westliche Hochdruckkeil aber später wieder nach Osten vorstoßen wird, ist bald mit neuer Cr- wärmung zu rechnen. Welteraussichken für Berlin: Wolkig mit Temperaturrückgong, nur unbedeutende Niederschläge, leichte nordwestliche Winde.— Für Deuischland: Im Süden und Südosten Fortdauer der herrschenden Witterung, im übrigen Reiche kühler, im Gebiete östlich der Oder Neigung zu gewitterartigen Niederschlägen. Parteinachrichten für Groß-Berlin kinseudungen für diele Rubrik stnd stets an das Beztrkssekretariat V e r l i» GW«8. Liudenstratze S. S. Hof. 2 Trerweu recht», zu richten Beginn aller Veranstaltungen 19� Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 11. Kreis. Donnerstag, 18. August, 16 Uhr, bei Will, Martin-Luther-Str. 69, Zusammenkunft sämtlicher erwerbsloser Genossen, Reichsbannerkameraden, Sportler und TAI. Eintritt nur gegen Ausweis. 18. Abt. Heute, 17. August, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder im Ledigenheim Schönstedtstr. 1. Demokratie— Diktatur. Referent: Genosse Kraft. 22. Abt. Donnerstag, 18. August, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Bartich, Wahrer Str. 7. Einfluß der wirtschaftlichen Veränderungen auf die Politik. Referent: Bruno Majonnek. 35. Abt. Donnerstag, 18. August, Funktionärversammlung an bekannter Stelle. 44. Abt. Heute Zusammenkunft längerer Parteimitglieder bei Ewald, Ska- litzer Str. 126. Referent: Genosse Sieboldt. Unsere Aufgaben nach der Wahl. Tegel und Wittenau. Donnerstag, 18. August, 14 Uhr, für die erwerbslosen Parteimitglieder Besichtigung der Schulfarm Scharfenberg. Frauenveransialtungen. 9. Stets. Freitag, 19. August, 20 Uhr, FunltionärinnenMung in der Dom. ilause, Fehrbelliner Platz. Wichtige Tagesordnung. Arbeiisgemeinfchaft der kinderfreunde Groß-Berlin. Prenzlauer Berg. Rachuntersuchung der noch nicht untersuchten Fallen am Montag, dem 22. August, 11 Uhr. Sreuzberg. Adt. Bergmann. Achtung, Fallen! Wir treffen uns MWlMilr im August nicht Mittwochs, sondern Donnerstags auf dem Satz- Wmmm bachsportplatz. Der Gruppentag am Montag findet im Heim Porck. iliSijili straße 11 statt. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 23. Abt. Am Sonnabend ist unsere Genossin Emma Gensch nach kurzer, schwerer, schmerzhafter Srcnkheit verschieden. Ihre Beisetzung erfolgt ani heutigen Mittwoch, lözh Uhr, auf dem Nazareth.Friedhof in der Seestraße. Da der Friedhof mitten in der Abteilung liegt, bitten wir um rege Beteiligung. M�WSozialiffisKeMettm'UgendGroß-Zerlm gz* i Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendsekretariat ffViJ Mfii" Berlin SW 68. Lindenstrahe 2, vorn 1 Treppe rechts. Abteilungsleiter! Sorgt dafllr, daß die Plaketten„Jugend gegen Krieg" abgeholt werden, gebt das September-Programm und den Berichtsbogen für das 2. Quartal ab. heute, ZNittwoch, 20 Uhr. Gesundbrunnen(R..F.): Koloniestr. 8. Die Gewerkschaften.— Falkplatz l: Sprechchorprobe im Altersheim Danziger Straße.— Baltevplatz: Sportplatz Friedrichshain.— Stralauer Viertel: Spiel und Sport in Treptow, Wiese I.— Warschauer Vixrtel: Sportplatz Friedrichshain.— Warschauer Viertel(R.-F.): Litauer Str. 18. Französische Jugendbewegungen.— Eichkamp: Besuch des Zahlabends der Partei.— Spandau: Lindenufer 1. Tagespolitik.— Adlershof: Bismarckftr. 1. Einführungsabend.— Bohnsdorf: Wachtelstr. 1. Tagespolitische Fragen.— Falkenberg: Gutshof. Ausspracheabend.— Friedrichshagen: Fried. richstr. 87. Leseabend.— Kaulsdorf: Adolfstr. 25. Liederabend.— Lichtenberg. Mitte: Scharnweberstr. 22. Informationsabend.— Neu. Lichtenberg: Gunter- straße 44. Arbeiterdichter.— Lichtenberg-Rord: Gunterstr. 44. Liederabend.— Mahlsdorf: Melanchthonstr. 63. Ill.Minüten.Referate.— Reinickendorf-West: Seidelstr. 1. Tagespolitik. Werbebezirk Tempelhos: Mitgliederversammlung im Heim Götzftraße. Thema: Das Aktionsprogramm. Redner: Erich Schmidt. Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". Gelchätts stelle: Berlin S. 14. Sebasrionstr. 37—38. Hos 2 Tr, Wilmersdorf lOrtsverein). Donnerstag, 18. August, 26 Uhr, Mit. gliederversammlung bei Kulka, Lauenburger Str. 21.— Steglitz (Ortsverein für Steglitz, Lichterfelde und Lankwitz). Die Donnerstag-Turnabende finden im August nicht statt.— Neukölln.Britz(Vortrupp). Mittwoch, 17. August, 19� Uhr, Heimabend im Jugendheim Bergftr. 29. Reichsdund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter- bliebenen, Gau Groß-Berlin, Ortsgruppe Norden 14. Donnerstag, 18. August, 29 Uhr, Mitgliederversammlung in den Casino.Festsälen, Pappelallee 15. Re- ferent: Kamerad Paul Marx, Gauleiter. Thema: Der Ausklang der Reichs- tagswahl und die Forderungen des Reichsbundes an den Reichstag. Sport. Trabrennen zu Ruhleben. ZiphiaT-Rennen: 1. Florica(©. Jauß iO; 2. Mirabelle; 3. Welt- metstetm. Toto: 77:10. Platz: 47, 66, 42:10. Ferner liefen: Ellipse, Fanal, Mally, Jettchen, Dolly, Malve. Märker-Rennen: 1. Maybe(W. Heitmann): 2. Laetitia: 3. Rot- kehlchen: 4. Königsborn. Toto: 38:10. Platz: 15, 19, 34, 159:10. Ferner liefen: Jnschallah, Wildtaube, Barbar, Mustapha, Dnncan, Jcarus, Eros, Lady Nelly, Marker, Trifolium. Ruhlebener Ausgleich: 1. Charlie M. sJ. Mills); 2. Lindowgold: 3. Flieder. Toto: 78:10. Platz: 27, 35, 25:10. Ferner liefen: Herzog Louis, Königsadler, Cyklon, Mephisto, Edzard, Eminenz, Onebeck, Silvaplana. Erika-Rennen: 1. Brynhild(32. Weidner): 2. Kantate: 3. Maikater. Toto: 26:10. Platz: 13, 14, 15:10. Ferner liefen: Steinbutte(1. o. W.), Ali, Kassette, Osterprinz, Jan Stopp, Dornbusch. Astern-Preis: 1. Prolog(W. Boelcks; 2. Ariovist: 3. Ouivila: 4. Pra- tendent. Toto: 22:10. Platz: 19, 14, 72, 41:10. Ferner liefen: Petersilie, Felsburg, Aida, Harvest Frisco, Garde du Corps, Landstreicher, Parole, Diane, Pergamon, Pedonia, Ohlendorf. Katchen-D.-Rennen: 1. Banco Duffy(Jauß jr.): 2. Bandit: 3. Fecht- Meister. Toto: 79:10. Platz: 14, 14, 11:10. Ferner liefen: Edellinde, Ora Leyburn, Lu-Lo, Calumet Aster. DaHlien-Preis: 1. Perseus(H. Schröder): 1. Ovation(I. Frömmingst 3. Albrecht der Bär: 4. Huberta. Toto: 17:10(Perseus), 54:10(Ovation). Platz: 16, 20, 20, 54:10. Ferner liefen: Patrizier, David Dillon, Blau- strumpf, Kavalla, Jngara, Dialog, Cortez, Costa Rica, Janina. photo-Amateur-Wettbewerb bei Israel. Bei Jsrael-König straße gibt es in diesen Tagen eine prächtige Photoausstellung zu sehen. Die 700 Photoamateur«, die hier ihre Arbeiten zum Wettbewerb einsandten, haben von der photographischen Kunst wirklich allerhand weg, und die Pieblikums- jury wird es nicht leicht haben, das Beste herauszufinden. Was gibt es da nicht für wunderschöne Landschaftsmotive, Tier- und Architetturausnahmen, Stilleben, Straßenbilder, und vor allem sind der oder die Jüngste in Großformat, putzig lachend oder als er- staunter Beobachter, im Bilde treffend festgehalten. Für die besten Arbeiten winken vier Geldpreise von 25 bis 100 M. Der Ausstellung ist eine belehrende Abteilung angeschlossen, in der an Hand kunst- voller Aufnahmen die vielfache Beredelungsmöglichkeit des Bildes durch Hochglanz- oder Mattpapier, außerdem die gute Wirkung des richtigen und die schlechte hes falschen Bildausschnitte« gezeigt wird. Die Ausstellung, deren Besuch kostenfrei ist, bietet speziell für den Amateur sehr viel Interessantes. Sie gibt ihm eine Menge praktischer Fingerzeige. I» de» Tempelhoser Smo-Theater» laufen entgegen der Ankündigung lm gestrigen„Adend" bis einschlietzlich Donnerstag folgende Filme: Kurfürst: Sonny stiehlt Europa, mit Harrn Piel; Tivoli: Mensch ohne Rqmen, mit Werner Kraus: Mali: Sonny stiehlt Europa, mit Harry Piel. Die BDG.-Ausslugsfahrte» in die Mark erfreuen sich immer größerer Be» liebtheit. Auch für den kommenden Sanntag sind eine Reihe lohnender Fiele vorgesehen..Näheres durch dos morgige Inserat oder telephonisch: L 2 Lützow 9014-:901S, Apparat 117. Prospekt und Programm kostenlos. KUNSTSEIDEN WASCHE-STOFF Kunstseidenstoff« Meter 0.48, 0.28 UNOLEUM- ERSATZ MANT"STOFF. Linoleum-Ersatz Stck. 0.77,0.37, Restbestände und ■ angestaubte Waren im Saison-Schluß- Verkauf BEGINN t. AUGUST U-BAHNHOF HEBMANNPIATZ• 0£ß KARSTADT- BAHNHOP Charlottenburg Bismarckstraße 34 Mittwoch, 17.August Turnus IV Das Rheingold Müller, Schirach Destal, Burgwinkel, Baumann. Hedlund Kandl, Gombert Anfang 20 Uhr Ende 22,30 Uhr Tlgi.Bu.8v.- Uhr LUCILLE PAGE ra. Dinosaurus usw. PLAZA Uke Schlei. Bht, l5l.8t6,Stsi.2,5,8K0. 1 flelnhardt-lnszenlerg.; | Kabale n.Lkbe Rose■ Theater Crcle frankfurter Strafe 132 Tel. Weidnel E 7 3422 8.30 Uhr Herzdame Gartenbtlline 5.30 Uhr Konzert u. Variete FrD&lIngslult Gr. Preisabbau Tänz-Konzert Rachmitt. u. aband« Zimmer • Bett v. 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SOZIALDEMOKRATISCHES OISKUSSIONSORGAN bringt stets DAS AKTUELLSTE ZUM WAHLKAMPF Bestelle es noch heute bei der Botenfrau des„Vorwärts", in den Ausgabestellen oder direkt beim Vorwärts- Verlag GmbH., SW 68, LindenstraBe 3 oder auf dem Postamt(Postzeitungsliste 1030, Seite 8«) Es kostet monatlich 85 Pf, zuzOglich Porto Verlange vom Verlag Probenummern und Werbematerial gratis und portofrei Zehlendorfer Strafe 5 Naturgarlen TterparK HinderbelusiiOanäen SM(Benoffen finden fceunbl. EnäSs Z™ Aufnahme, gute Berpfl ■1 nu z MB Pension ZM bei 5 Mahl. zelten, feine Nebenloft. Echiin. Rosengarf. m. anfchließ. Liegewiefe nahe Zannenwaid. Helnrlffl Karges. Harriehansen de! Seesen. original- Beierna Palentmatratzen/ Ruiieüetten Couchs mit Befema-Federung Patent-Drehbett(D. R. P.) ein Griff— ein Bett, sowie das neue Holzbett mit Befema-Fedcmng sind vollkommen getanschlos!— Kein Einilegen. Für sdiwcrite Belastung. Ueberau erhältl 20 Jahre Garantie. sarl. 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Juli 1883. am 15. August gestorben ist. Die Beerdigung findet Donners- tag, den 18. August, UVt Uhr. von der Leichenhalle des Städtischen Fried- Hofes in Kaulsdors aus statt. Ferner verstarb am 18. August unser Aollege, der Arbester Karl Sonder geboren am 4. März 1884. Die Beerdigung findet Donners- taq, den 18. August, 17 Uhr, von der Leichenhalls des Nazarelh-Kirchhofes in Reinickendors-Weft aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Orfivervelfnng. ebb Äßetten isä Kinderb., Polster, ChaiaeL. an Jeden, TeilA lAt&log frei. BlsemnöbelfaDrik Suhl(ThüiM Schwerhörige hören sofort wieder mit dem ärztlich empfohlenen OBIfiDUU- SHDSTIH- APPARAT mit neoestem HleinbOreri — Noch Besseres gibt es nicht!— Deutsdie Akustik Gesellsdiaft m. b. H. Aelteste u. lührende Spezialfabrik Verkauf u. Vorführung; Berlln-Wllmersdorl, motzstr. 43 Benin. Kloaterstr. 44 Reinickenaort-osi, Brienzer Str. 4 Verl.Sie Hauptkatalog 16 kostenlos! Auf Wunsch Zahlungserleichterung Eewiimauszug 5. 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August 1932 In der heutigen Dormittagsziebung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4©«Bin«»u 10000 M. 286760 290266 8©ewinn- ju 5000 931. 22758 122509 241817 324925 20©«rmne»u 3000 922. 159834 176754 195592 250396 254871 301099 310089 351582 369762 371076 66®«Din« ju 2000 911. 28091 23289 30296 48616 52106 60433 70109 111547 115755 121600 150351 154493 174592 177621 178370 187844 189542 196548 202539 216272 220938 231290 235134 270936 281772 302335 331413 344258 349333 357809 378904 379828 396022 1 00©-Winne ju 1 000 an. 2935 6429 9072 9479 16258 20044 28690 26936 35107 87469 47276 60412 89581 94495 94311 97270 105069 1 1 2697 113673 124152 166277 167932 177321 183341 138762 2152S4 226556 248973 281016 265735 268411 271775 290177 293207 293857 314566 324273 333847 337307 344350 352103 355329 356373 357515 258351 872901 876687 330344 333250 398393 162 S-win»- ju 500 M. 2334 16137 16583 13231 26367 28614 54975 73203 75853 77302 79086 81682 84231 84933 97236 99752 106043 114230 120460 120798 121596 123379 132849 140706 141951 143015 143100 145522 167115 167808 170982 178547 179334 179360193899 194116 195133 200380 205587 206085 213935 214423 216784 224770 226853 223033 233938 239831 241978 244552 247158 257691 253298 260435 273286 274380 277368 280086 281541 292858 295191 298424 303496 305920 306071 310536 315527 329887 331797 340932 349304 356721 365863 367346 368529 372597 374062 386803 291257 392559 397659 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2©«sinne ju 50000 M. 116631 2©-Winne ju 10000 an. 234319 4 Gewinne zu 5000 an. 93873 320533 8©eminne ju 3000 M. 6469 294634 318166 357312 68©eminne gu 2000 an. 39 3900 9928 51130 55221 56241 84209 96307 98276 113173 114190 114524 14094! 171043 195203 207531 228400 232546 243956 251846 255835 272630 287230 290325 297925 298603 305168 316150 334906 336510 347737 356433 363366 374058 1 12©eainne ,u 1000 M. 2809 4126 1 1 168 18590 22134 34SS7 4321 7 54048 55286 58704 59297 69949 70370 89280 118733 121 833 125645 129705 134758 135362 140423 146973 149352 161829 164649 156137 173460 196542 199588 211039 217372 223733 225555 227074 234423 236823 238012 244279 257988 258098 279478 289345 291060 299146 306449 307685 314358 335090 339375 340899 345293 351377 362072 365020 371597 379904 160©-Winne zu 500 TS. 1863 2122 3399 8638 9383 12938 14053 15965 16901 19169 22631 27144 29302 31054 38559 41218 44543 44774 47333 57372 60734 62580 64771 84509 8471? 8952! 96323 101797 102429 1Ö45S4 112563 113930 125037 132949 134962137622 138216 139491 143021 155649 158428 1 596S3 161680 170019 177622 194911 197924 205340 213960 223157 232158 239460 254277 263630 266747 267203 277471 278393 282323 28S376 2S4600 294806 298544 307137 318837 321492 325607 333135 347113 356915 364069 365073 373391 375530 378990 385410 387513 387991 394351 395736 Im Gewinnrade oerblieden: 2 Prämien je zu 500000, 100 Schlußprämien zu je 3000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 z, je 30 0)0, 2 zu i« 20)000. 4 zu e 1 lOu 0, 6 zu•; 73)00. 6 zu je 50000, 24 zu je 25000, 152 zu je 10000, 356 zu je 5000, 776 zu je 3000, 2232 zu je 3000, 4444 zu je 1000. 7446 zu je 500. 22200 zu je 400 Mark. 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Aber Ausfuhrüberschuß auf 66 Millionen zurückgegangen. Die Ziffern für den deutschen Außenhandel im Juli lassen den Schluß zu, daß die deutsche Wirtschaft endlich— auf einem sehr niedrigen Niveau allerdings— zu einer gewissen S t a b i l i s i e- r u n g gelangt ist. Seit drei Monaten ist der Umfang des beut- schen Außenhandels nicht mehr gesunken. Die Summe der Einfuhr- und Ausfuhrziffern pendelte um 800 Millionen Mark herum(Mai 738, Juni 818, Juli 798 Millionen Mark). Da die Rohstoffeinfuhr seit Mai eine steigende Tendenz hat, so kann man sagen, daß die Beschäftigung der deutschen Industrie sich seitdem kaum oer- schlechtert haben kann. Wie niedrig aber dieses Niveau der Stabilisierung ist, geht daraus hervor, daß der Umfang des deutschen Außenhandels im Jahre 1331 im Monatsdurchschnitt 1,3 Milliarden Park, im Jahre 1930 ober 1,8 Milliarden Mark betrug, Außenhandel im Juli(in Millionen Mark): Die Einfuhr im Juli betrug 366 Millionen Mark und war um 2 Millionen Mark höher als im Juni. Die Steigerung entfällt aus- schließlich auf die R o h st o f f e i n s u h r(besonders bei Oelfrüchten und Oelsaaten: dagegen verringerte sich die Einsuhr von Textil- rohstofsen). Die Fertigwareneinfuhr weist eine Abnahme um 1,5 Millionen Mark auf. Die Ausfuhr ist dagegen von 454 Millionen Mark im Juni auf 432 Millionen Mark im Juli zurückgegangen. Dieser Rückgang um 22 Millionen Mark ist fast ausschließlich auf den Rückgang der Lieferungen nach Sowjetrußland zu rechnen; diese Liese- rungen unterliegen nämlich starken Schwankungen. Bemerkenswert ist, daß die Ausfuhr nach Großbritannien wieder zugenommen hat. Diese Zunahme wurde allerdings durch den Rückgang der Aus- fuhr noch Frankreich(Kontingentierungen!) wieder wettgemacht. Reparationssachlieserungen werden infolge des Lausanner Ab- kommen? seit Juli nicht mehr gesondert ausgewiesen. Soweit noch Verträge über Reparationssachlieferungen bestanden, werden sie in der Form freier Handelsgeschäfte abgewickelt. Unter den Fertigwaren ist besonders die Ausfuhr an nicht elektrischen Maschinen(um 14 Millionen Mark) zurückgegangen. Aber auch die Ausfuhr an Eisenblech und Eisendraht und Stab- und Formeisen ging zurück. Bei einer Reihe anderer Erzeugnisse, so bei Waren aus Kupfer, bei Leder und Wollgeweben war eine geringe Steigerung festzustellen. Für die deutsche Devisenbilanz war die Entwicklung des Außenhandels im Juli nicht erfreulich. Der Ausfuhrüberschuß ist von 19 Millionen Mark im Juni auf 66 Millionen Mark im Juli zurückgegangen. In diesem Jahre hatte nur der April einen niedrigeren Ausfuhrüberschuß(54 Millionen Mark) aufzuweisen. Pflicht einer verantwortlichen Führung der deutschen Wirtschafts- und Handelspolitik ist es, einen weiteren Rückgang der deutschen Fertigwarenaussuhr zu verhindern. Dazu gehört aber, daß man sich aller Maßnahmen enthält, die lediglich geeignet sind. Deutschlands Kunden zu verärgern. Rückgang der Wechselproteste. Weil die Kreditgeber vorsichtiger geworden sind. In Vorkriegszeiten galt der Umfang der Wechselproteste als ein zuverlässiges Konjunkturbarometer, ähnlich wie die Kon- kursziffern. Aus einem Steigen der Zahl und der Gesamtsumme der Wechselproteste schloß man auf eine Verschlechterung, aus einem Rückgang auf eine Besserung der Wirtschaftslage. Aber dos gilt für die heutige Wirtschaftskrise auch nicht mehr. Denn im ersten Halbjahr 1332 ist die Zahl der protestierten Wechsel mit 709 000 um 15 Proz. kleiner gewesen als in der gleichen Zeit des Vorjahres Die Gesamtsumme ist mit 129 Mill. Mark sogar um 27 Proz. zurückgegangen, da der Durchschnittsbetrog des protestierten Wechsels von 212 auf 182 M. zurückging. Auch der Anteil der protestierten Wechsel am Gesamtumlauf ist von 8 auf 6 Proz. gesunken. Daß aber die ollgemeine Wirtschaftslage im ersten Halbjahr 1332 erheblich schlechter als im ersten Halbjahr 1931 war. das weiß heute jedes Kind Der G r u ü d für diese auffällige Entwicklung ist darin zu suchen, daß die Kausleute und Banken bei der Gewährung von Wechselkrediten heute viel vorsichtiger als früher sind. Der Rück- gang der Protestquote erklärt sich auch daraus, daß der Anteil der Finanzwechsel, die häufig prolongiert werden, am Gesamt- umlauf bedeutend geworden ist. Die Wohnungsbaukaiastrophe. Nach..Wirtschalt und Statistik" ist im ersten Halbjahr 1932 der deuische Wohnungsbau gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres in katastrophaler Weise zurückgeblieben. In den Graß- und Mittelstädten(über 50 000 Einwohner) wurden 21 200 Wohnungen fertiggestellt, um 61 Pro.;, weniger als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Dabei kamen durch Ilmbau alter Wohnungen diesmal 5600 Wohnungen hinzu, gegen nur 2500 in der Vorjahrszeit. Die Zahl der Baubeginne betrug 14 800, kaum die Hälfte von 1931. Die Zahl der Bauerlaubnisse ging um 4 9 Proz. zurück. Die Zahl der Bauaniräge sogar um 56 Proz. Die Einschränkung der öffentlichen Baugelder(Hauszinssteuer) erhöhte den Anteil ber privaten Austraggeber gegenüber dem Vorjahr van 37 auf 49 Proz. und senkte den der gemeinnützigen Baunereini- gungen von 57 auf 45 Pro;. In sämtlichen Städten mit mehr al? 10000 Einwohnern wurden nur 27 000 Wohnungen fertiggestellt gegen 65 900 im ersten Halbjahr 1931! Es wurden nur 21 100 Wohnungsbauten begonnen gegen 41 600 und nur 25 800 Bauerlaubnifse erteilt gegen 49 400! Eine bittere Kreuger-Erbschast. Die Riesenverluste bei der schwedischen Ericsson-Telephongesdlschast. Telephonbau und Telephonbetrieb gehören zu denjenigen Wirt- schastszweigen, die verhältnismäßig am wenigsten unter den Krisen- auswirkungen �u leiden haben. Die schwedische Ericsson- Gesellschaft, die sowohl Telephonreinrichtungen herstellt, als auch in einer Reihe von Ländern Telephonnetze betreibt, gehörte viele Jahre zu den rentabelsten und in hohem Grade als krisenfest bekannten Unternehmungen. Für diese Gesellschaft war auch das Jahr 1931 geschäftsmäßig keineswegs schlecht. So ist z. B. der Absatz der Stockholmer Telephonsabrik von 26,1 auf 26,8 Millionen Kronen gestiegen, der Umsatz der Kabelsobrik ging von 6,9 aus 4,7 und die übrigen Einnahmen von etwa 60 auf 54,7 Millionen Kronen zurück. Vergleicht man diese Ziffern mit den starken Umsatzschrumpfungen fast aller übrigen Jndustrieunternehmungen, so zeigt sich, daß Ericsson tatsächlich unter der Krise geschäftlich nur sehr wenig gelitten hat. Dieser günstigen Geschästsentwicklung steht nun gegenüber, daß Ericsson für 1931 dennoch einen Verlust von 2 2,7 Mil- [innen Kronen ausweist. Dieser Verlust erklärt sich ausschließlich dadurch, daß die Ericsson-Gesellschaft im Vertrauen aus die Welt- macht Jvar Kreuzers der Kreuger-Gruppe fast ihre gesamten verfügbaren Mittel überlassen hat. Die Kapitolmittel der Ericsson-Gesellschaft wurden im vergangenen Jahre um insgesamt 65 Millionen Kronen verstärkt: Erstens wurde das Aktienkapital um 40 Millionen Kronen erhöht, zweitens eine Anleihe im Betrage von 25 Millionen Kronen ausgenommen. Der größte Teil des Erlöses aus dieser Kapitolausnahme ist jedoch nicht bei der Ericsson-Gesellschaft verblieben, sondern an die Kreuger- Gruppe weitergeslossen. Noch dem Zusammenbruch des Kreuger- Konzerns hat die Ericsson-Gesellschast an den Kreuger-Konzern nicht weniger als 53,3 Millionen Kronen Forderungen. Wenn auch ein großer Teil dieser Forderungen sichergestellt ist, so hat doch die Gesellschaft in absehbarer Zeit keine Möglich- k e i t, nennenswerte Teile hiervon flüssig zu machen. Trotz der im vergangenen Jahre verstärkten Kapitalskrast und trotz dem Verzicht aus weitere Ausdehnung der Interessen hat infolgedessen die Gesellschaft nur noch 200 000 Kronen Kasienbestand und Bank- guthaben. Ohne die Verbindung mit dem Kreuger-Konzern wäre Ericsson auch heute noch ein blühendes Unternehmen und auch zweifellos in der Lage gewesen, einen Gewinn zu erwirtschaften. Ohne die Verbindung mit Kreuger brauchte sich die Ericsson-Ver- waltung über die Zukunft der Gesellschaft keine Sorge zu machen. Jetzt aber ist die weitere Entwicklung dadurch bedroht, daß Ericsson im vergangenen Jahre auf Veranlassung von Kreuger mit dem amerikanischen Televhontrust International Tele- phon and Telegraph Corporation einen Freundschasts- vertrag abschloß und ein größeres Darlehen erhielt. Wenn sich Ericsson von seinen Verpflichtungen den Amerikanern gegenüber nicht loskaufen kann, dann bleibt nur noch eine Möglich» keit: Abtretung der umfangreichen Interessen in Mexiko und Argentinien, das heißt derjenigen Interessen, aus deren Eroberung der amerikanische Konzern schon seit langer Zeit aus ist. Augenblick- lich ist Ericsson von slllssigen Mitteln so entblößt, daß die Gesellschaft nicht einmal in der Lage ist, die vorhandenen Aufträge zu finanzieren; Ericsson muß daher eine umfangreiche Einschränkung de Betriebes vornehmen. Gerson-Vergleich bestätigt. Der für das Kaufhaus Herrmann Gerson, Werder- scher Markt, eingereichte Vergleich ist jetzt vom Gericht an- genommen worden. Von 919 Gläubigern mit 5,2 Mill. Mark Forde- rungen haben 692 Gläubiger mit 4,8 Mill. Mark Forderungen dem Vergleich zugestimmt. Die Bankengläubiger sind hinter die Waren- gläubiger zurückgetreten und erholten ebenfalls zunächst 30 Proz. Die Durchführung des Vergleichs ist nach Ansicht der Vertrauens- Personen durchaus gesichert, zumal die persönlich haftenden Ge- jellschafter eine gewisse Garantie für die Erfüllung des Vergleichs übernommen haben. Die offen« Handelsgesellschaft wird nach Durch- führung des Vergleichs liquidiert. Das Warenlager ist von der Herrmann Gerson G.m.b.H. übernommen worden; diese führt auch das Kaufhaus weiter und hat sich dem Kontrollrecht der Liquidatoren unterworfen. Die deutschen Zolleinnahmen. Auf jeden Deutschen kommen jährlich 18,65 Mark Zölle. Das Jahr 1931 hat in der deutschen Zollentwicklung einen Rekord gebracht. Während die Einfuhr mengenmäßig um etwa 30 Proz. und wertmäßig sogar um mehr als ein Drittel z u- s a m m e n g e s ch r u m p f t ist, sind die Zolleinnahmen des Deutschen Reiches nahezu unverändert geblieben. Die Ein- nahmen sind nämlich von 12,21 aus 11,34 Mill. Mk., d. h. um nur 27 Mill. Mk. oder 2,2 Proz., zurückgegangen. Diese eigenartige Entwicklung der Zolleinnohmen ist darauf zurückzuführen, daß eine große Zahl Zollpositionen im Lause des vergangenen Jahres erhöht worden sind. So hat sich z B.— und zwar durchweg trotz verminderter Einfuhr— die Zolleinnahme aus der Einfuhr von Mineralölen um 65, aus der Rohtabokeinfuhr um 39 und aus der Buttereinfuhr um 10 Mil- lionen Mark erhöht. Auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet, betrug die Zollbelastung im vergangenen Jahre 18,65 M., d. h. auf eine vierköpfige Familie 74,60 Mk. jährlich oder 6,20 Mk. monatlich. Mehr als die Hälfte der ge- samten Zollcinnahmen, nämlich 55,4 Proz.(661,8 Mill. Mk.) entfallen auf Lebensmittel und Getränke. In einer ganzen Reihe von Fällen wird die eingeführte Ware durch die Zollbelastung auf mehr als das Doppelte erhöht. So belies sich z. B. im vergangenen Jahre der Wert des eingeführten Weizens auf 99,4 Mill. Mk., während die hieraus erzielten Zolleinnahmen 106,5 Mill. M. be- trugen. Kaffee wurde im vergangenen Jahre im Werte von rund 221 Mill. Mk. eingeführt; die auf diese Einfuhr geleisteten Zölle betrugen jedoch fast 249 Mill. Mk. Die Tee einfuhr erbrachte im vergangenen Jahre eine Zolleinnohme van 18,4 Mill. Mk., während der Wert der Teeeinsnhr sich auf nur 14,1 Mill. Mk. belief. Außerordentlich hoch ist auch der Ertrag der Tabak zölle. Während der Wert der Einsuho von Rohtabak knanp 156 Mill. Mk. be- trug, wurden in Zolleinnohmen fast 121 Mill. Mk. erzielt. Die starke Erhöhung des Benzin zollcs— eine Maßnahme im Jnter- eise der deutschen Benzinindustrie, besonders der JG.-Farben- industrie— hatte zur Folge, daß der Ertrag des Minerolölzolles von 196 auf 261 Mill. Mk. gestiegen ist. obwohl sich der Wert der eingeführten Mineralöle von 342 auf 198 Mill. Mk. ermäßigte! Triumph der englischen Konversion. Bisher nur 48 Mitt. pfunö zur Auszah UNg ongemelSet. Die Umwandlung der englischen Kriegsanleihe aus einem 5prozentigen in ein 3 1-prozentiges Papier ist nun doch ein großer Eriolg geworden, so daß die englische Presse geradezu von einem„Triumph" spricht. Die Befürchtungen, die sich an die Ver- zögerung der Bekanntgabe des Ergebnisses knüpften— die Verzögerung beruhte allein aus den großen technischen Schwierigkeiten—, sind nicht eingeirosfen. Der Schatzkanzler Neville Chamber» l a i n Hot erklärt, daß olle seine Erwartungen Übertrossen seien. Von dem Gesamtbetrag von 2086 Mill. Pfund Sterling (nach heutigem Kurs mehr als 30 Milliarden Mark) ist bisher für 1805 Mill. Pfund das Einverständnis mit der Zinsherabsetzung von 5 aus 314 Proz. erklärt worden. Das sind fast 90 Proz. des Gesamt- betrage?. Die Inhaber von nur 48 Mill. Pfund Sterling, von etwa 700 Mill. Mark, haben Barauszahlung gefordert. Das ist ein Betrag, den die englische Regierung durch Ausgabe neuer Schatzbons mit Leichtigkeit ausbringen kann. Ungewiß ist, was mit dem Rest von 189 Mill. Pfund geschehen wird. Ein Teil davon entfällt aus überseeischen Besitz, für den die Einverständnieerklärungen noch nicht zusammenge- rechnet wurden. Man glaubt, daß ein großer Teil der Besitzer des ausstehenden Betrages sich überhaupt nicht äußern werde. Dann erfolgt nach dem 3 0. September die Zinsherabsetzung auto- matisch. Die Entlastung des englischen Haushalts wird nach dem bis- herigen Ergebnis auf jährlich 23,4 Mill. Pstind Sterling, das sind noch heutigem Kurs etwa 3 40 Mill. Mark, geschätzt. Der Kurs des englischen Pfunde? ist im Zusammenhang mit der Bekannt- gäbe dieses günstigen Ergebnisses stark gestiegen(zur Zeit 1 Pfund gleich 14,65 M.). Wohlfahrtsanstatt für Unternehmer Letzt fordert auch die Oeschimag eine Reichssubvention Es vergeht fast kein Tag, daß die Unternehmer nicht einzeln oder in Gruppen oder in Verbänden öffentlich gegen die Ge- Währung von Subventionen Stellung nehmen. Aus der ganzen Geschichte der jetzigen Wirtschastskrise ist uns aber kein Fall bekannt, in dem ein betroffener Unternehmer es nicht vor- gezogen hätte, aus der wohltätigen öffentlichen Hand Subventionen entgegenzunehmen, anstatt auf gut kapitalistische Art mit Zl n- stand Pleite zu machen. Seitdem die Papen-Regierung gegen den„Wohlfahrtsstaat" zu Felde.zieht, gewinnt man aber nach- gerade den Eindruck, als sollt« systematisch jede Pleite eines Kopi- talisten aus Kosten der Steuerzahler verhindert werden. Also doch Wohlfahrtsstaat— aber nur für Unternehmer! Neuesten? hat der Generaldirektor der Deutschen Schiff- und Maschinenbau A.-G. in Bremen(Deschimag). Franz Stapelfeldt, in einer Eingabe an alle möglsichen Regierung?» stellen(auch an den Reichspräsidenten!) die runde Summe v o n 1 0 M i l l. M. als Subvention für sein Unternehmen ge- fordert. Bei diesen 10 Mill. M. handelt es sich um Forderungen gegen die Deschimag, die das Reich bei der Sanierung der Schröderbank in Bremen übernommen hatte. Das Reich soll sich jetzt mit der Annullierung dieser Forderungen einverstanden er- klären. Bezeichnenderweise sollen gleichrangige 3 Millionen Marl Forderunge» des Norddeutschen Lloyd und der Schifsahrtsgesellschaft Hansa voll(durch Hingade von neuen Aktien) befriedigt werden. Dabei kann man allerdings den wenig tröstlichen Standpunkt ver- treten, daß diese Gesellschaften ja sowieso nur mit Reichsgeldern zu halten sind. Aber auch die B a n k g l ä u b i g e r der Deschimag sollen zu 100 Proz., allerdinsg durch Hingabc von Grundstücken und neuen Aktien, abgefunden werden. Wenn das Reich sich zu dieser Subvention bereitfindet, dann hält man eine Sanierung der Deschimag für durchsührbar. Das Kapital(14 Mill. M.) soll im Verhältnis 20: 1 auf 0,7 Mill. M. herabgesetzt und dann auf 6 Mill. M. wieder erhöht werden. Stapelleldt beschäftigt sich in seiner Eingabe auch mit der Abwrackhilse. Wenn die Deschimag 50 000 Tannen Schiffs- räum zum Abwracken zugewiesen erhielte, dann würde sie rund 200 Arbeiter für einige Zeit beschästigen können. Da- nach erscheint die Abwrocksubvention im neuen Lichte: denn nach dieser Berechnung können durch Abwracken von 400 000 Tonnen nur 1600 Arbeiter„für einige Zeit" beschäftigt wer- den. Und dafür 12 Millionen Mark? Regierungsstellen hasten aber erklärt, durch die Abwrackbeihilse würden 3000 Arbeiter ein Jahr lang beschästigt werden! Wer sührt hier die Oefsentlich- keit irre? N Wenn das$ahriMoraufgeM... Aus den Aufzeichnungen eines ArbeHers/ Ton Alberi Souhülon Siebeneinhalb Uhr. Wir waren schon ein ansehnliches chäuflein, wir Wartenden. Lange, ehe«s losging. Erst gegen acht ösfnete die Fabrik. Jeder hatte der erste, hatte der Tür am nächsten sein wollen. Bald wimmelte es von Menschen. Die Arbeiter, die zur Arbeit kamen, sahen nicht gerade beglückt aus, daß sie hinein in die Fabrik durften. Sie hatten verdrossene Montagsgestchter, ver- krampst noch von der Arbeit der letzten Woche. Der Sonntag hatte sie nicht glätten können. Die meisten waren jung. Wir Arbeits- losen sahen vergnügter aus als jene. Die Hoffnung leuchtete sicher aus unseren Augen. Die Sonne flimmerte schön silbern in diesen ersten Herbsttagen. Um acht Uhr zehn wurde das eiserne Tor geöffnet. Die Fa- brck wurde sichtbar. Hell und sauber, riesig, mit majestätischer Fasiode. Die Reinlichkeit der Betonbauten, des sandbestreuten Hofes, der Rasenflächen machten Eindruck auf uns. Ein Ange- stellter, mit einer Nummer auf der Brust, pfiff schrill auf einer Pfeife. Wir wunderten uns, daß man die Arbeiter auf diese Weise zur Arbeit rief. Sie gingen hinein. Neidisch sahen wir sie vor- überziehen. Ms die letzten vorbei waren, besetzten wir die Türen, unsere Arbeitskleider unterm Arm, den Blick nicht vom Pförtner lassend. Wir waren vielleicht an zweihundert. Einige Männer im Iackettanzug kamen ins Personalbüro und berieten untereinander. Sie riefen den Pförtner zu sich. Nachher kam er wieder auf uns zu. Eins unsichere Hoffnung trieb uns ihm entgegen. „Es werden heute keine Leute eingestellt." Ein Murren der Enttäuschung folgte dieser Erklärung. Die Flut drängte durch das Tor. Der Pförtner trieb uns auf den Weg zurück. Niemand ging fort. Mehreren unter uns war Arbeit versprochen worden. Wir konnten diesen Gegenbefehl nicht verstehen. Die Schultern wurden schlaff. Wir sahen«inander an. Unterhaltungen kamen in Gang. Man drängte sich um«in paar Leute, die über das Haus unter- richtet schienen. Sie sagten, die Arbeit wäre entsetzlich schwer, man ginge wieder, so bald man nur könnt«. Einige übertrieben ficht- lich, um uns zu entmutigen und uns davon abzubringen, hier Ar- beit zu suchen. Es hätten dann weniger gewartet. Und sie hätten mehr Aussicht gehabt, eingestellt zu werden. „Wir sind hier, um Geld zu verdienen", meinten alle.„31a' türlich ist diese Arbeit hart. Es geht, so lang« es geht. Man verdient, so lange man oerdient. Manche haben Glück. Manchmal klappt es. Man muß es versuchen. Natürlich ist man noch nicht drin. Aber wenn man drin ist, wird man ja weiter sehen. Na- türlich ist es hart an der Kette. Es geht, doch aber ums Geld." Wir alle waren derselben Meinung: wegen des Geldes war man hier. Oft mußte man Platz machen, um Autos durchzulassen. Das waren die Chefs. Ach, so viele! „Es ist überall dasselbe", sagten die Kameraden,, Heute sieht man nur noch Chefs." Wir stellten die albernsten Betrachtungen an. Vor unserer Nase hing eine große kupfern« Tafel: „Aktiengesellschaft mit IZOOOOllOO Frank Kapital." Wir bildeten auch ein« Gesellschaft. Bei dem Gedanken an unsere paar Pfennige versuchten wir uns vorzustellen, was hundert- dreißig Millionen Franken wohl wären. Ein blaues Auto kam am Junge Frauen und Mädchen drin. Sie stiegen aus und begaben sich in die Büros. Da waren aber welche dabei, Donnerwetter! Jungs Arbeiter stießen sich mit dem Ellbogen an: „O, dort die schöne Göhr« in Blau!" Ein Philosoph unter uns sagte: „Nicht für uns. Und vielleicht ist dos auch besser so. Man hat jo ohnehin schon genug Schererei." Der Pförtner erschien von Zeit zu Zeit. Wir fragten ihn aus. Ms hätte er uns«instellen können! Er glaubte es wohl auch selber. Wer er sah ganz gutmütig aus. Langsam wiederholt« er immer wieder: „Es hat keinen Zweck zu warten. Schade um eure Zeit. Wir stellen heute nicht ein." „Und morgen?" „Kommt morgen wieder." Er trieb uns hinaus, denn einer drängte unwillkürlich den andern vor, und wir hätten den ganzen Hof überschwemmt. Wir wollten aber immer noch nicht gehen. Wir wußten nicht mehr, wie lange wir schon warteten. Wer«ine Uhr hatte, wagte nicht nach- zusehen. Eine Gruppe wollt« wissen, daß jede Hoffnung vergeblich wäre, da die Fabrik entlaste. Allgemeine Bestürzung. Aber nie- mand ging weg. Die Wirkung war verfehlt. Die Schwätzer sprachen von etwas anderem. Da man sich nicht entschließen konnte. die Tür freizugeben und immer noch nach dem Hof drängte, stieß uns der Pförtner zum letztenmal zurück und schloß uns das Tor vor der Nase zu. Plötzlich überfiel uns ein furchtbares Gefühl der Verlassenheit. Zwischen unserer Hoffnung und uns waren eiserne Türen! Lange starrten wir darauf. Wenn geöffnet wurde, um ein Auto durchzulassen, rückten wir enger aneinander. Die. welche auf den Böschungen der Gräben saßen, warfen uns fragende Blicke zu. Der Pförtner kam heran und zählte uns. Ein paar redeten ihn an. Die von der Böschung kamen schnell zu uns, weil sie glaubten, es gäbe etwas Neues. Die Tür war aber schon wieder geschlossen. Wir starrten sie wieder an wie Hunde, die darauf warten, daß man ihnen einen Knochen zuwirft. Die Böschung wurde wieder besetzt. Es fiel uns sehr schwer, uns austcchtzuhalten. Bald singen wir an. hin und her zu gehen. Die Gruppen Insten sich aus. Schweigen herrschte über dieser verirrten Herde. Einer trennte sich vom andern, um ferne Traurigkeit zu verbergen. Man fühlte, man würde noch weinen, wenn man sich nur ein bißchen mehr gehen ließe. Als der Vormittag beinahe um war, wandten sich einige langsam zum Gehen. Andre folgten ihnen. „Auf morgen", sagten sie. Bald bemerkten wir, daß wir nur noch fünfzehn waren. Wie auf Verabredung gingen wir nun alle auf einmal. Es gab nichts mehr, worauf man warten konnte. Man trennte sich wie alte Kameraden, schüttelte sich die Hände. Am nächsten Tage fanden wir uns alle wieder«in. Wir waren zugleich voller Hoffnung und voller Ergebung. Ein feiner Regen rieselte unaufhörlich hernieder. Wir hatten den Kragen hoch- geschlagen und den Kops tief in den Schultern. Der Pförtner kam auf uns zu. ein Papier in der Hand. Man stieß sich. Wir um- ringten ihn. Wir hielten alle den Atem an. Er verlas drei Namen! Ich war dabei. Die andern fielen wieder zusammen, wichen zurück, schüttelten traurig den Kopf. Ein« Bewegung kam in die Truppe. Viele sahen nach der Brücke hin, über welche die Trambahnen fuhren, dann pflanzten sie sich trotzig an den Torflügeln und an den Mauern auf. Der Regen tropfte eintönig weiter. Sie ließen den Blick nicht von uns. Wir warteten darauf, daß man uns abholen und an unsere Posten führen würde. Wir wußten nicht, was wir tun sollten. Hundertfünfzig preßten sich gegen den Eingang und starrten uns mit neidvollen, verzweifelten Blicken an. Die Augäpfel behielten eine fieberhafte Starrheit. Wir versuchten, ihnen den Rücken zuzukehren, brachten es aber nicht fertig. Ihre Augen riefen uns. Ihre durchnäßten Mützen und Schultern glänzten. Am liebsten wäre man zum Traurigsten hin- gegangen und hätte gesagt: „Hier, nimm meinen Platz!" Endlich holt« man uns ab. Jaja, wenn man Hunger hat! Ihr habt niemals gehungert? Ach! Ihr habt niemals gehungert? Man hat verteufelt komische Gedanken, wenn man hungert! Gedanken von einer entsetzlichen Logik. Gedanken, die man nicht immer hat, und die doch furcht- bar einfach sind. Wenn man hungert und niemand einem etwas zu essen gibt. Wenn man an so viele Türen klopft und sagt: Ich bin arbeitslos, ich habe Hunger. Ich möchte arbeiten. Ich will nicht betteln. Ich will mein« Arme oerdingen. Ich will meine Stirn verdingen. Ich will euch mein« Arbeit für Brot geben. Da es ja so eingerichtet ist, daß man nur essen kann, wenn man ge- arbeitet hat. Ich beuge mich eurem Gesetz. Ich bitte euch, es selber auch zu achten. Ihr wollt mir keine Arbeit geben? Nirgends wollt ihr mir Arbeit geben? Ihr sagt, es gäbe keine? Es werde kein« geben? Ihr hättet keinen Platz für mich? Ihr hättet keinen Platz in eurem Hause? In eurer Fabrik, in eurer Stadt, in eurer Welt? Keinen Platz für«inen Menschen, ganz einfach für einen Menschen! Ihr habt also schon alles fertig? Ihr habt schon alles erfunden? Ihr habt das Wunderbare vollbracht? Ihr habt eins unerhörte Welt geschaffen! Ihr habt ein unerhörtes Weltall ge- schaffen! Ohne indessen, inmitten aller eurer gigantischen Arbeiten, aller eurer gigantischen Pläne auch nur eine Sekunde daran zu denken, daß es eines Tages in eurem Gebäude an Platz fehlen würde flir etwas, das neben eurem Werke ganz klein ist— für den Menschen! Ihr habt eine seltsame Welt verwirklicht, in der ein armer Mensch nicht einmal auf seinen Fußspitzen Raum hat! Und plötzlich hat sich dieser Mensch vervielfältigt! Und dieser Mensch ist ein ganzes Volk geworden! Ihr antwortet: Was können wir dafür! Die Geschäfte gehen schlecht! Ihr wißt ja selbst, daß die Geschäfte schlecht gehen! Die Geschäfte! Die Geschäfte! Was ist das: die Geschäfte? Haben wir ein Geschäft aus unserm Leben gemacht? Ihr habt aus allem ein Geschäft machen wollen! Natürlich konnte das nicht ewig dauern! Aus allem ein Geschäft machen, heißt, die Welt er- schöpfen! Die Geschäfte gehen schlecht? Ihr sprecht davon wie von einem Hagelschlag, der euch die'Weinberge verwüstet, wie von einer Heuschreckenplage, die über eure Gärten gekommen, wie von einer Geißel, die in Gestalt von schädlichen kleinen Tieren euch heim- gesucht und euch verseucht hätte. Ihr sprecht davon, als wäre es euch vom Teufel oder vom Himmel geschickt worden. Die Geschäft« gehen schlecht? Die Geschäfte gehen gar nicht! Weder nach der einen, noch nach der anderen Seite! Sie gehen weder wie die Autos noch wie die Krebse. Di« Geschäfte sind niemals von selber gegangen! Di« Geschäfte sind immer Krüppel gewesen. Die Ge- schäste— das sind die Menschen, die sie führen! Wenn ihr zugebt, daß die Geschäfte schlecht gehen, so gebt ihr zu, daß die Menschen versagen! Die Menschen wissen nicht mehr, wie sie ihre Geschäft« mit ihren Krüppelkrücken leiten sollen. Welche Menschen? Ihr! Ihr wißt nicht mehr ein noch aus! Die Welt, die ihr geschaffen habt? Ihr seid darin verloren! Vor euren Blicken dreht sich alles! Eure Hände tasten nach dem Geländer! Ihr fühlt, wie der Boden unter euren Füßen schwankt! Schiffbrüchige seid ihr! Weil ihr nicht davor zurückgeschreckt seid, uns in eurer Welt dem Hunger preiszugeben— dem Hungern...! (Autorisierte Uebersetzung au? dem Französischen von Lina Frender.) Sin Wind fiiirml Sick ins£eben Aufzeichnungen von einem Spielplaiz/ Ton Anns Trauiii Aus der Flucht vor dem allzu epischen Erleben der Weltstadt hat man sich auf einer der Bänke niedergelassen, die einen buchenüder- schatteten Kinderspielplatz im Tiergarten umstehen. Eigentlich zu idyllischen Zwecken, denn dem Freikonzert gemischter Vogel- und Kinderstimmen zu laufchen, ist beruhigender Genuß. Alles in allem, noch immer die lieblichste Musik. Und es erspart nach der Borstel- lung den Stellungskrieg um die Garderobe.(Warum versuchte ein Theaterorganisotor wie Reinhardt noch nicht eine pazifistische Lösung des Garderobenproblems? Wie viele Nahkämpf« würden allabend- lich vermieden!) Hier also im Freilichttheater ist alles vereinfacht, wiewohl die Szene sogar des Opernhaften nicht entbehrt: die dunkelgrünen Ku- lifsen der Bäume, die ovale Kleinbühne des Sandspielplatzes um- ringend. Das ewig stimmend« Bogelorchester ist originellerweise mal höher in die Aeste und Wipfel verlegt. Es ist ein auf rein idealer Basis aufgebautes Bühnenunrernehmen. und die zwerghaften Mu- sikanten sind noch nicht in Lohntarife interessiert. Sie machen Musik lediglich aus Ekstase. Die Spieler sind teils auf ihre Rollen bereits tieflinnig konzentrierte, teils noch etwas tolpatfchig darauzustol- pernde Menschenkinder. Regie: der liebe Gott. Auch die kleine etwa zweijährige Hannelote von der Neben- dank ist zur Nachmittagvorstellung erschienen und ist soeben aus ihrem Kinderwagen gehoben worden. Nach einigem Hin und Her, unter leisen Schwankungen chrer Babnkraft, schlägt sie den Gravi- tationsgesetzen, die es immer auf sie abgesehen haben, ein Schnipp- ck.en, indem sie sich an der Bank, etwas seitlich, festkrallt mit den winzigen Rofenknöspchen von Fingern, die damit soeben zum ersten Male zu stützenden Händen geworden sind. Da sie aus dieser erdhaft gesicherten Stellung wunschlos, wenn auch lebhaft interesstert, dem wirren Treiben auf dem Sandplatz zu- schaut, hat die Mutter ihr« Häkelarbeit ouiaenommen. Ist doch Hannelore nach nie von ihrer Seite In weitschweifende Abenteuer entwichen. Auch ich. bei aller Sympathie, lebe nur Möglichkeiten hilflosester Tastvorführungen und wende meine Aukmerklamkeit wieder der Kinderbühn« zu. Dort nimmt die Vorstellung— wie es sich für deutsche Kinder ein balbes Menichenalter nach der großen Revolution gehört— einen durchaus ordentlichen Verlaus. Alles geht so weit ganz leidlich, bis psötzlich.. Hat sich ein« Versenkung unvorschristsmäßig ouigetan? Oder ein Theaterdonner etwa, der sozusagen nicht auf dem Programm? O das wären einlach«, elementar« Dings. Was aber hier ausbricht, ist weit furchtbarer, ist gar nicht zurückzudämmen in seiner rücksichts- losen Wucht. In da? kleine Mädchen nämlich von der Nebenbank im blauen Kittelkleid, in die.Hannelore, ist auf einmal etwas ge- fahren. Ein Wunsch, ein unentwegter Will«: Sie will plötzlich zur Bühne, will durchaus nicht länger passiver Zuschauer sein, will erobern Und zwar da? ganze Leben, aul einmal.— im Sturm! Die Mutter, wie alle Mütter, merkt diesen Drang erst als letzte. Sie ahnt noch nicht, wo das hinaus will. Es kann ja überboupt nicht weit hinauswollen. Mit dem ersten Paar schneeweißer Glacä- schuhchen stürnit man doch nicht blindlings davon. Da steht sa noch der Kinderwagen.mit baumelnder Klapper.(Und welch beschämen- den Einzelheiten mögen seine Tiefen bergen!) Die Mutter also häkelt ruhig weiter. Die Kleine aber hat bereit» da» erst« Hindernis erreicht, welches eine iürsvrolickie Stadtverwaltung ihren jüngsten Bürgern errichtet hat. Nämlich die etwa zwanzig Zentimeter hohe Holzumrondung, welche die Bühne umrahmt. Dieses Hindernis gilt es mit einsamer Krait zu nehmen, will man sich in des Lebens Sandgeiilden spielerisch betätigen. Diesseits dieler Umrandung sind Milchilaschen. Windeln, Muttsr und Schutz: jenseits droben gezückte Blechloffel und Schippen. lauert Getümmel und Gefahr. Und auf dieses Schlachtfeld los, mitten hinein, marschiert Hannelore. Zunächst versucht sie— wie wir all«— mit einem schlauen Seitenblick dos Leben im Frontalangriff zu nehmen, es gewisser- maße« zu überrumpeln, ehe das Leben selbst etwas davon merkt, Hannelore macht dos so: selbst noch diesseits der Brettennnrandung. greift sie mit beiden Fäustchen krampihait geballt gleich nach der qesomten Sandburg, die ein grünbehoster Ritter aus Berlin- Neuwestend sich dort errichtet hat. Doch auch hier, wie bei allen aufs Ganz« zielenden Unternehmungen hat das Leben d'e optische Täuichung bereit Oder faßte Honnelore nur nach der Butterblum«, die der Buroenbauer im schwindelnden Triumphgesühl der höchsten .Finne aufgesteckt hat? Man wird es nie erfahren. Ob Burg, ob Butterblum«, Hannelore, mit zu ihrem Kinderbimmel erboben-n Händen, wankt, strauchelt, stürzt und kommt mittHngs auf die horte Umrandung zu lieoen. Schon wartet dos versammelte Publikum auf den hochdramatischen Einsatz eines weinerlichen Labysoprans aus dem schmerzhost enttäuschten, betauten Kelchmundchen der kleinen .Hannelore. Das verehrte Publikum wartet vergebens. Sie schenkt sich diesen verräterischen Aufschrei, wirft einen blitzschnellen Blick in die Richtung der ahnungslosen Mutter. Und schon schwellen ihre Pausbacken rot und gewaltig an von der Anstrengung, zunächst mal aus dieser würdelosen Log« ins Gelände der Milchslaschen und Windeln, in den sicheren Hasen eines soeben unter höchstem Einsatz verlassenen Babytums? Nein und dreimal nein! Vorwärts, immer vorwärts, meine Damen und Herren! Wenn's auch langsam geht. Und— beim großen Regisseur!— es geht schneckenhast, ober es geht vorwärts. Das soeben noch blitzblanke Kittelkleid ist auch gerade kein vorteil- hafter Wasfenrock beim Hinüberrutschen. Es verfitzt sich, wird gänz- lich unprogrammäßig hochgestreift, elendig beschmutzt. Noch gilt es. die auch nicht mehr schneeweißen Glacäschuhchen über die Rampe mit Hinuber zu schleifen. Die Beine wären schon längst drüben.,. da... endlich. Sie haben sich einsichtsvollerweise von selbst ab- gestreift und bleiben, in verdutztem Winkel zueinander stehend, zurück. In Strümpfen geht halt olles leichter. Und schon taumelt Hannelore jenseits der Umrandung in eine mehr oder weniger aufrechte Position empor. Doch ihr horchpostenartiges Herannahen ist nicht unbemerkt ge- blieben. Und zwar ist es ausgerechnet der Ritter von der Burg, der sie nicht ohne Mißfallen beäugt. Ihm ahnt nichts Gutes für seine Schöpfung. Er ergreist seinerseits Abwehrmaßnahmen gegen die heranschleichend« Amazone im verdächtig langen Faltenkleid. Auch Hannelore fühlt instinktsicher, daß der erste Mann in ihrem Leben sein Höchstes nicht kampflos preisgeben wird. Sie oerändert also ihre Taktik, geht nicht stracks auf das Ziel ihrer atemlosen Be- mühungen los, sondern entschließt sich zu einem kleinen Tummel- taumelbummel rings um die Sandarena. Ich sehe noch, wie sie sich zu einem kleinen Jungen niederbeugt und ihm beim Herausziehen feiner Schaufel aus einer Berg- und Talbahnanlage behilflich ist. Hannelore hat uns alle hinters Licht geführt. Sie hat jenen Tummeltaumelbummel um die Arena im vollsten strategischen Be- wußtsein angetreten. Auf einmal gellt ein wilder Aufschrei des Burg- ritters schrill über das Theater hin. Hannelore ist eben im Begriff, wieder von der Bühne abzutreten, aber nicht ohne ein weithin sicht- bares Ebrenzeichen ihres Debüts: die Butterblume von der Sand- bürg höchster Zinne. Scbon hat sie in stolperndem Galopp die Holz- rampe erreicht. Sie weiß, diesmal kann sie sich das schneckenhafte Hinüberkriechen nickt leisten. Schnelligkeit ist ihr Sieg. Es geht um die Beute. Es gilt, die Blume hinüberzuretten aus dem Kampf- getümmel des Lebens in ihr Kinderlond, dorthin, wo die Mutter wartet. Und in ihrer höchsten Not und Bedrängnis, als olles ver- sagt, als ihr die Knie wanken, da geschieht ein großes Wunder, nickt geringer als das Wunder der Heiligen Johanna: ein schützender Geist kommt ihr zu Hilfe, bebt sie sankt zu sick hinüber aus ollem Schrecken und aller Bangnis, hinüber über die schwindelnd hohe Planke, über das harte, schmerzende Hindernis. Ganz leicht, wie ein Engel auf Flügeln, fchwebl Hannslore in den geichützren Hyfen ihres Babytums. Der starre Ausdruck grirn- miger Entschlossenheit weicht von ihr. Da? Fäustchen, welches die B'ume wie eine Fahne hält, wird wieder rund und rajaiartsn. Während sie ihres ersten Siege? goldene Trophäe der Muiter hinhält, hoch über iyre verwirrten Locken, wei� über ihre eigene Win- zigkeit in den Himmel hinein, lächelt Hannelore. Ihr Gesicht ist wieder Antlitz geworden, ein Babyonrlitz, ein leuchtendes Blumen. best voll blühenoer Grubchen. ffialznc-Ttorie Alles Gluck»Tb durch Mut und Arbeit errungen. Die Ungerechtigkeit kommt am Ende dem zustatten, der unter ihr am meisten gelitten hat. Große Herzen sind nur schwer dafür zu haben, an ichlechts Gefühle, Verrat und Undankbarkeit zu glauben Nachficht kann manchmal der höchste Grad non Verachtung sein. Erst durch Unglück kommt man zur Erkenntnis der menschlichen Gemeinschaft. Wäre Balzac frei, die Arbeit hätte ihn bald gekettet. Form ist nur Uebung, Gewohnheit und Technik Alles Geistige aber hat im Herzen seinen Zusammenhang. Die Welt ist unendlich, und das menschliche Gehirn ist ebenso groß wie die Welt. Talent ist niemals einseitig Ueb-rsetzt und gesaaiinelt von Walter Meckauer.