BERLIN Mttwoch 12. August 1932 B 156 49. Jahrgang Redaktion u. Expedition- Berlin SW 68, 2mbenftr.3 Tel.>7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Barwärtz". Bezugspreis f ü r b e i d e A u s g a b e n 7S Pf. pro Woche, Z,ZZ M. pro Monat(davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 8,97 M. einschließlich 80 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebühren. Anzeigenpreis: Die Ifplt. Milli- meterzeile 90 Pf. Die Rellamezeil« kostet 2 Mark. Rabatte n. Tarif. Um Hie BlacM in PreuBen Die Verantwortung des Zentrums Als Termin für die nächste Landtagssitzung wird jetzt in der Presse der 25. August genannt. Ob der nationalsozia- listische Präsident bis dahin nicht wieder eine neue Ausrede gefunden haben wird, um die Einberufung zu unterlassen, muß abgewartet werden. Inzwischen gehen im stillen die Be- mühungen fort, wenigstens in Preußen eine parlamentarische Regierungsbasis zu schaffen, von der aus dann vielleicht in das Reich hinein weiter gebaut werden kann. DasZentrum wird sich wohl selber darüber im klaren sein, daß es ein überaus gefährliches Spiel spielt. An sich ist es schon mehr als zweifelhaft, ob die Nationalsozialisten, nachdem sie Hindenburg und seiner Präsidialregierung einen Korb gegeben haben, bereit sein werden, mit dem Zentrum eine Koalition einzugehen. Wenn überhaupt könnten sie nur durch sehr hohe Angebote zu einem solchen taktischen Stellungswechsel verlockt werden. Ohne Auslieferung des Mini st erpräs identenpo st ens an sie wäre das Ge- schäft auf keinen Fall zu machen. Gegen einen nationalsozia- listischen Ministerpräsidenten hat man oft eingewendet, daß er mit dem gleichgesinnten Landtagspräsidenten zusammen jederzeit den Landtag auflösen könne, aber dos ist bestimmt nicht die größte Gefahr. Diese besteht vielmehr "iarin, daß der Ministerpräsident in Preußen auch seine Ministerkollegen zu ernennen hat. Ein nationalsozialistischer Ministerpräsident in Preußen würde sich an kein Abkommen, an keine Verabredung halten. Er könnte Minister, die ihm nicht bequem sind, heraussetzen und willige Gesinnungsgenossen an ihre Stelle bringen. Ein Mißtrauensvotum des Landtags, das ihm sodann sicher wäre, könnte er hinnehmen, ohne zurückzutreten. Ja, selbst wenn er zurücktritt, bleibt er verfassungsmäßig„geschäftsführender" Ministerpräsident, und das bleibt er dann— den Fall einer Reichserekution ausgeschlossen— so lange, bis der Landtag einen anderen wählt, das heißt also für ganz unbestimmte Zeit! Es könnte sein, daß die Nationalsozialisten derartige Möglichkeiten so oerlockend finden, daß sie ihnen zuliebe ihre bisherige Stellung ändern. Das würden sie aber dann nur tun in der Hoffnung, von oben her Zersetzungsarbeit leisten und damit ih»er Partei den Weg zur Alleinmacht öffnen zu können. Sie könnten am Ende durch solche Umgehungs- Manöver schließlich doch erreichen, was sie bei ihrem Frontal- angriff auf Hindenburg vergebens erstrebt hatten. Man braucht solche Betrachtungen nicht weiter auszu- spinnen, um die Größe der Verantwortung zu erkennen, die heute auf dem Zentrum liegt. Oas Oementi aus dem Braunen Haus. lieichsregierung bleibt bei ihrer Darstellung. Gegenüber dem Versuch der Nationalsozia- listischen Presse st elle in München, zu bestreiten, 1. daß Hitler das Versprechen abgegeben habe, die Regierung von Papen nach den Wahlen zu tolerieren, und 2. daß Hitler die Uebergabe der gesamten Regierungs- g e w a l t in vollem Umfange gefordert hätte, wird von amtlicher Seite auf dos bestimmteste erklärt, daß die Reichsregierung bei ihrer Darstellung bleibt und sie in vollem Ausmaße ausrecht erhält. Es wird darauf hingewiesen, so wie das bereits im„Vor- wärts" geschehen ist, daß auch Graf H e l l d o r f in seinem gestrigen„Gruppenbefehl" an die Berliner SA.„volle Macht für die NSDAP." als die„selbstverständliche Forde- rung des Führers" bezeichnet hat. Darin liege bereits eine klare Widerlegung des Münchener Ableugnungsoersuches. Das ist schon richtig: aber nach unserer Auffassung genügt es nicht, in einer so eminent wichtigen Frage, die in den politischen Auseinandersetzungen der nächsten Zu- kunft eine so wichtige Rolle spielen wird, wenn sich die Reichsregierung mit einer kurzen, wenn auch kategorischen Entgegnung begnügt. In diesem Falle zweifeln wir nicht daran, wer die Wahrheit sagt und wer nicht: auf der einen Bilder aus dem Ziöver-Gtaat Bomben der„cufbauroilligen Kräfte" des Herrn Papen richteten unter anderem auch im Konsum-Verein zu Eutin (Holstein) schwere Verwüstungen an, die durch den photographischen Apparat festgehalten sind. Eutin gehört bekanntlich zu dem olden- b u r g i s ch e n„Landesteil Lübeck", unteffteht also der staatlichen „Führung" des nationalsozialistischen Ministerpräsidenten Rover. Deshalb bieten unsere Bilder einen deutlichen Beweis dafür, wie goldig es sich unter nationalsozialistischen Regierungen leben läßt. Wegen der holsteinischen Vombenattentate sind in letzter Zeit infolge der energischen Arbeit einer Spezialkommission der Berliner Kriminalpolizei eine große Zahl bekannter Nationalsozialisten in Hast genommen worden, darunter auch ein eben in den Reichstag gewählter Nazibonze namens Moder und ein Arzt Dr. Forst, der am Kreiskrankenhaus von Wesselburen als Chirurg tätig war. Diese Verhaftungen entlocken der NSDAP.-Organisation zu Altona einen Wutschrei, in der die Verhaftungen(wegen Spreng- stoff-Verbrechens!) ein„Juftizskandal" genannt werden. Außerdem wird drohend verkündet, daß die Verhaftungen„in der Provinz Schleswig-Holstein die ernstesten Fo Igen auslösen" könn- ten. Daß die Justiz vor dieser dreisten Drohung mit Gewalt- t ä t i g k e i t e n zusammenknicken werde, darf man trotz allem, was man schon erlebt hat, doch nicht annehmen. Seite die mit Zustimmung Hindenburgs heraus- gegebene ausführliche amtliche Darstellung, auf der anderen Seite das freche„Es ist nicht wahr" Adolf Hitlers— da braucht man nicht lange zu zögern, um sich ein Urteil zu bilden. Indessen hat das deutsche Volk ein Recht, v o l l e K l a r- h e i t über den wahren Tatbestand zu erhalten. Die Regie- rung hat es in der Hand und ist unbedingt dazu verpflichtet, eine ausführliche Darstellung namentlich jener Unterredungen zu veröffentlichen, die Hiller und andere Führer der NSDAP, in den Tagen des Kanzlerwechsels mit maßgebenden Persönlichkeilen, wie hindenburg, Schleicher und anderen geführt haben und bei denen das Tolerierungsverfprechen abgegeben worden ist. Ebenso lassen sich zweifellos noch weitere wichtige Einzel- heiten über die Berliner Besprechungen Hitlers am ver- gangenen Sonnabend veröffentlichen, durch die Hitlers Ableugnungsversuche ein für allemal widerlegt werden. Zur kolonisierung der Mandschurei wird ihr von Japan ein „Vertrag" auferlegt, der die japanische Oberherrschaft festsetzt und alles chinesische Staatseigentum aufhebt. Koreanisterung wäre ein richtigerer Ausdruck dafür. Attentat auf einen Richter. Auftakt für neue Sprengstoffanschläge? L a n d s b e r g a. d. lv., t7. August. wie die Polizei mitteilt, ist heute gegen Z Uhr gegen das haus des Landgerichlsrats Dr. S a l i n g e r ein Sprengstoffanschlag verübt worden, wobei sämtlich« Fensterscheiben in der Vorder- und Seitenwond des Hauses zertrümmert wurden. Der übrige Sach- schaden ist nur gering. Personen wurden nicht verletzt. Für die Ermittlung der Täter ist von der Polizei eine Belohnung bis zu löl) M. ausgesetzt. Da dos Attentat auf einen Richter mit dem jüdischen Namen Salinger verübt wurde, dürste die Feststellung nicht schwer sein, daß die Täler au» dem Nazilager stammen. Karabinerschüsse auf Bürgermeister. Dad Ems, 16. August. Auf das Haus des Bürgermeisters im benachbarten Fachbach wurden in der letzten Nacht zwei Schüsse abgegeben, die jedoch keinen Schaden anrichteten. Es handelt sich um Geschosse aus einem Karabiner. Die sofort angestellten polizeilichen Ermittelungen sind bisher ergebnislos geblieben. Politisierung der Tribünen. Merkwürdige„Neuerungen" des Landtagspräsidenten Kerrl. Bisher war es in den Parlamenten Uebung, daß die dort arbeitenden Journalisten ihre Plätze entsprechend der Zeitung, für den sie arbeiteten, erhielten. Jetzt sind im Preußischen Landtag die für das Jahre 1932 ausgegebenen Dauerkarten für die Presseempore bereits mit dem 30. September 1932 für ungültig erklärt. Mit Wirkung vom 1. Oktober gelangen neue Karten zur Ausgabe, und es müssen demgemäß neue Anträge gestellt werden. Der nationalsoziali st ische Präsident des Landtags hat bestimmt, daß in dem neuen Antrag die Angabe erforderlich ist, für welche politische Partei der Antragsteller ausschließlich oder überwiegend berichtet. Es muß angenommen werden, daß damit eine Politisierung der Pressetribüne beabsichtigt ist, daß nämlich die Zulassungskarten entsprechend der Stärke der politischen Parteien ausgestellt werden. Das aber würde bedeuten, daß für eine Reihe von Journalisten, die für Blätter berichten, die keine aus- gesprochenen Parteiblätter sind, die Zulassung erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht wüche, während die Nazipresse wegen der Stärke der Nazifraktion eine Bevorzugung genießen würde, die im umge- kehrten Verhältnis zu ihrer geistigen Bedeutung stände. Die Waffenlager der GA. Oer Fall Kreiensen. Braunschweig, 17. August.(Eigenbericht.) In der berüchtigten SA.-Schule Kreiensen ist am Dienstagabend der SA.-Mann Käser von einem anderen SA.- Mann niedergeschossen worden. Die Nationalsozialisten stellen die Sache so dar, daß der Täter mit der Schußwaffe hantiert habe und der Schuh dann versehentlich losgegangen sei. Der Angeschossene wurde in die Universitätsklinik Göttingen gebracht und Ist dort gestorben. Dieser Vorfall ist ein klarer Beweis für die Richtigkeit der sozialdemokratischen Behauptung, daß in der SA.-Schule Kreiensen sich Waffen befinden. Bisher haben die Nazis dies immer abgestritten. Die häufig bewaffnet auftretenden Mitglieder der SA.-Schule in Kreiensen bilden seit Monaten eine stetige Unruhequelle für die republikanische Bevölkerung der umliegenden Ortschaften. Die naUo- nalsozialistische Landesregierung hat es aber selbstverständlich noch niemals für nötig befunden, in der SA.-Kaferne nach Waffen suchen zu lassen. Staaiskommissare für Kommunen. Vor dem Erlaß der kommissarischen preußenregierung. Der Erlaß über die Einsetzung von Staats b«voll- m ä ch t i g t e n für die preußischen Gemeinden, die die Staatssteuern nicht pünktlich abgeliefert haben, wird, wie wir erfahren, heute unterschrieben und morgen veröffentlicht werden. Die gesetzliche Grundlage für die Bestellung der Bevollmächtig, ten bildet der§ 9 des �aushaltungsgesetzes vom 19. Juli. Danach kann der preußische Finanzminister zur Sicherung der Ablieferung der von den Gemeinden eingehobenen Staatssteuern für die säumigen Gemeinden einen Staatsbeamten mit der Wirkung be- stellen, daß dieser berechtigt ist, die getrennte Verwaltung der eingehobenen Staatssteuern anzuordnen und der Gemeinde- kasse unmittelbar Zahlungsanweisungen zu er» teilen mit der Maßgabe, daß diesen Anweisungen bis in Höhe der vom Zeitpunkt der Bestellung an eingehobenen Beträge der Vorrang vor allen übrigen Zahlungsoerpslichtungen der Gemeinde zusteht. Der Erlaß erteilt den Regierungspräsidenten die Ermächtigung auf Einsetzung der Bevollmächtigten. Im ganzen kommen, wie be- reits gemeldet, 49 bis 59 Städte in Frage. In den Städten mit Regierungssitz wird der Regierungs- und Kassenrat der Regierung, in Den anderen Städten der Kreisrentmeister der Staatlichen Kreiskasse mit den Aufgaben des Kommissars betraut werden. Schärfste Ltrieile gegen links. Die bisherige Arbeit der Eondergerichte. Die ersten Sondergerichtsurteile haben bestätigt, daß harte Urteile zunächstnurgegen links gefällt wurden. Auf der gleichen Linie liegen die drakonischen Urteile gegen Königs- berger Kommunisten, die unter der von SA.-Banden terrorisierten Bevölkerung Ostpreußens große Erregung ausgelöst haben. Ein Königsberger Schnellgericht verurteilte am Dienstag mehrere Kommunisten, die wegen schweren Landfriedens- b r u ch s angeklagt waren. Sie sollen am 22. Juli einen Trupp Nationalsozialisten, der in einem Arbeiterwohnviertel Flugblätter oerteilte, überfallen haben. Bezeichnend für die Art des Gerichts- Verfahrens ist, daß nur nationalsozialistische Be- lastungszeugen geladen waren, Entlastungszeugen aber nicht vor Gericht kamen. Von den elf Angeklagten wurde einer frei- gesprochen, die übrigen wurden zu 27 Monaten Zuchthaus und 58 Monaten Gefängnis verurteilt. Bei der Gerichtsverhandlung wurde unter den im Zuhörerraum sitzenden N a t i o n a l s o z i a l i st e n ein Mann entdeckt, der als einer der Täter wiedererkannt wurde, die in der Königsberger Blut- nacht nach der Reichstagswahl Tankstellen angezündet haben. Er wurde auf der Stelle verhaftet. Gefährliche Haussuchung. Kommunisten überfallen Kriminalbeamte. Essen, 17. Auzust. Zwei Kriminalbeamte, die heute vormittag eine Untersuchung einer Wohnung in Essen-Altenessen nach illegalem kommunisti- schem Schrift Material vornehmen wollten, wurden unmittel- bar nachdem sie sich als Kriminalbeamte legitimiert hatten, von den beiden Wohnungsinhabern mit vorgehaltenen Pistolen an- gegrifsen. Die Waffen versagten jedoch, und es gelang den Beamten, die Angreifer zu überwältigen und einen von ihnen, den 31 Jahre alten Bergmann Stelzer, dingfest zu machen. Die Schußwaffe des Stelzer, eine Militärpistole 98 mit acht Schuß im Magazin, wurde beschlagnahmt. Dem zweiten Angreifer gelang es, während des Ringens die Pistole aus dem Fenster zu werfen und selbst zu entkommen. Der bisher noch unbekannte zweite Angreifer ist durch einen Schuß von einem der beiden Beamten vermutlich oerletzt worden. Eine spätere Nachsuchung verlief ergebnislos. Balkanischer Aufbauwille. In einem Zuge im Bahnhof von Osiek(Kroatien) explodierte in einem Wagen 2. Klasse ein kleiner Sprengkörper, der nur unbedeutenden Sachschaden anrichtete. In einem Zuge von Best nach Vinkovze wurde ein Sprengkörper unter einer Bant in einem Wagen 2, Klasse entdeckt. Die SA.-Tumulte in Ohlau Weitere Entlastungszeugen für das Reichsbanner Breslau, 17. August.(Eigenbericht.) Die heutige Verhandlung oor dem Brieger Sondergericht im Ohlauer Landfriedensbruchprozeß begann mit einem Protest der Verteidigung gegen die verlogene und hetzerische Darstellung des Prozesses in der nationalistischen Presse; besonders die deutsch- nationale„Schles ische Zeitung" zeichnet sich durch Eni- stellung und Verdrehung aus, indem sie das Gegenteil von dem ichreibt, was vor Gericht bekundet wurde. Rechtsanwalt F ö r d e r beantragt, die Akten des Schweidnitzer Nationalsozialistenprozesses aus den Jahren 1929 und 1939 heran- zuziehen. Ebenso ersucht er nachzuprüfen, ob die Slaalsanwaltschast mit derselben Energie das verfahren gegen Unbekannt in Sachen der verwundeten Ohlauer Einwohner betrieben hat, mit der sie die Untersuchung gegen die Reichsbannerleute führt. Es handelt sich dabei insbesondere um jene Schießerei in der Oder- straße 27, von der einwandfrei seststeht, daß uniformierte National- sozialisten ohne jeden erkennbaren Grund in dos genannte Haus hineinstürmten und durch die Wohnungstür des Arbeiters Karkus fünf Schuß abgaben, wodurch zwei Frauen schwer verletzt wurden. Der Zeuge SS.-Führer Vollenbruch, der mit seinen 48 Mann auf einem Lastwagen gegen 8 Uhr auf dem Ohlauer Ring ankam, wurde von einem Motorradfahrer darauf aufmerksam ge- macht, daß man nicht durchkommen könne, denn in der August- Feige-Straße stünde eine Menschenmenge. Er sah einen Polizisten an ihrer Spitze, ließ absitzen, und nun kam es nach dem vergeb- lichen Versuch des Beamten, einen Zusammenstoß zu verhindern, zu einer schweren Schlägerei, bei der die Nationalsozialisten mit Schulterriemen, die Menschenmenge mit Zaunlatten zuschlugen. Vollenbruch selbst erhielt einen Messerstich. Vorsitzender: haben Sie Schußwaffen bei sich geführt? Zeuge vollenbruch: Ich habe die Leute nicht untersucht.(!!) Geschossen ist nicht worden, wir haben mit Schulterriemen zuge- schlagen. Der SS.-Mann heim, der aus einem Motorrad ange- kommen war, flüchtete in den„Römischen Kaiser" und erwartete dort die weiteren SA.-Transporte aus Brieg, die ja bald eintrefien mußten. Der SS.-Mann Katterle erklärt, die SA.-Leute seien alle unbewaffnet gewesen, als sie am Ring Ecke August-Feige- Straße abstiegen. Aus der Menschenmenge, die dort oersammelt war, kam ein Stein geflogen. Er erhielt einen Schlag und flüchtete in ein Lokal. Dort versuchte er, das Breslauer il eberfall- kommando herbeizurufen; es wurde ihm aber geantwortet, auf eine solche Meldung hin könne es nicht kommen. Daraus wollte er die SA.-Leute in Brieg von den Vorfällen in Ohlau benach- richtigen, erfuhr aber, daß sie schon abgefahren waren. Daraus schickte er eine Zivilperson dem bald eintreffenden Brieger Trans- portwagen entgegen. Mit Z90 aus Brieg gekommenen SA.-Leulen begleitete er einen Trupp von Tlationalsozialisten, der jenseits der Oder wohnte, durch die Oderstraße. Darauf begaben sich die SA.-Leute zu ihren Autos auf dem Schloß- platz zurück. Als sie nach Breslau abrücken wollten, fanden sie auf der Postbrücke, an der sie rechts abbiegend vorbei mußten, eine Menschenmenge. Hier kam es dann zu dem blutigen Zu- f a m m e n st o ß. Der Zeuge Berthold Junten entlastet den Angeklagten Trettau, der nach einer Aussage des Oberlandjägers Rahmel sein Fahrrad Montag früh um f45 Uhr aus dem Gasthaus„Zum Wal- lisch" hat holen wollen. In Wahrheit führte Trettau an diesem Morgen sein eigenes Rad an der Hand. Apotheker Wettke hat vom Deutschen jhaus am Schloßplatz aus den Zusammenstoß der Reichs- bannerleute mit dem Trecker beobachtet. Er hörte einen von dem Trecker zurückkommenden Reichsbannermann sagen:„Tut ihr uns nichts, tun wir euch auch nichts." Der Hotelbesitzer des Deutschen Hauses, Persicke, der den National- sozialisten nahesteht, bekundet, daß er bei dem Zusammenstoß mit dem Trecker den Gewerkschaftssekretär Manche nicht ge- sehen hat. Brände der letzten Nacht. Schwere Arbeit für die Berliner Feuerwehr. In der letzten Nacht hatte die Feuerwehr abermals anstrengende Arbeit zu bewältigen. In Zriedrichshagen brannte ein Fabrikgebäude nieder und in der Pfalzburger Straße in Wilmersdorf ging der Vachstuhl eines Wohnhauses in Flammen auf. Außerdem waren wieder an verschiedenen Stellen infolge der Hitze größere Kohlenvorräte in Brand geraten, so daß die Feuerwehr helfen mußte. Auf dem Hof des Grundstücks Friedrich straße 91a in Friedrichshagen befindet sich in einem einstöckigen Gebäude eine Bäckerei und anschließend eine Elektrowerkstatt. Aus noch unbekannter Ursache brach hier gegen 2 Uhr Feuer aus, das sehr schnell um sich griff. Die alarmierte Feuerwehr von Friedrichs- Hägen und Köpenick nahm die Bekämpfung des Brandes mit vier Schlauchleitungen auf. Leider konnte von dem brennenden Gebäude wenig gerettet werden. Kurz nach 3 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Pfalz- burgerStr. 4in Wilmersdorf gerufen, wo der D a ch st u h l d e s rechten Seitenflügels in Flammen stand. Starke Rauch- entwicklung erschwerte die Löschaktion außerordentlich, so daß es geraume Zeit dauerte, ehe die Löschtrupps gegen den eigentlichen Brandherd vordringen konnten. Das nächtliche Feuer hatte in wenigen Minuten die ganze Mieterschaft alarmiert und es herrschte größte Erregung. Durch einen umfassenden Löschangriff gelang es den Bemühungen der Wehren, das Feuer abzuriegeln und so ein Uebergreifen aus die angrenzenden, zeitweise äußerst gefährdeten Dachstühle zu verhindern. * Fast um dieselbe Zeit brach auf einem L o st k a h n an der Charlottenburger Schleuse, der mehrere tausend Zentner Preß- kohlen geladen hatte, infolge Selbstentzündung Feuer aus. Ein Teil des Jahns mußte unter Wasser gesetzt werden. Nach mehr- stündiger Arbeit war die Gefahr beseitigt. Außerdem entstanden auf vier Kohlenlagerplätzen und in zwei Fällen in Kohlen- kellern gleichfalls infolge Selbstentzündung Preßkohlen- brände. Durch schnelles und tatkräftiges Eingreifen der Feuerwehr konnten die Kohlenbrände fast ausnahmslos gelöscht werden. Oer falsche Sachverständige. Eine Kammergerichts-Köpenickiade vor Gericht. Die seltsame köpenickiade beim Kammergericht, die dem Zeilungsleser seinerzeit fröhliche Minuten bereitet hat, rollt jetzt vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte ab. Angeklagt sind wegen Urkundenfälschung bzw. Betruges. Amts- anmaßung, Anstiftung und Beifeitefchafsung von amtlichen Urkunden der Hausverwalter Sternberg, der frühere Gerichtsvollzieher Brehm und der Zustizangeftellte S a g e r t. Dem Hauseigentümer S. genügte es nicht, daß er als Architekt und als Angestellter einer Behörde eine angesehene Stellung und gutes Einkommen besaß, seine Sehnsucht ging weiter. Er brannte darauf, gerichtlicher Sachverständiger für industrielle Anlagen zu werden. Von diesem seinen sehnlichsten Wunsch erzählte er im Früh- jähr 1928 seinem Mieter und Hausverwalter Sternberg. Stern- berg war befreundet mit dem gleichfalls im selben Hause wohnenden srüheren Gerichtsvollzieher Brehm. Machen wir, sagte dieser. Er wandte sich an den am Kammergericht beschäftigten Kanzleibeamten S a g e r t und erzählte ihm, er sei eine Wette eingegangen, daß er zwei Bestellungsurkunden des Kammergerichts und zwei Kopf- sormulare mit der Aufschrift Kammergerichlspräsident besorgen würde. Sagert war bereit, Brehm dazu zu verhelfen, daß er die Wette gewinne, und verschaffte ihm für 199 M. die gewünschten Urkunden und Formulare. Brehm setzte ein« Bestellungsurkunde und ein Begleitschreiben auf, aus dem hervorging, daß der Architekt zum gerichtlichen Sachverständigen ernannt wird, unterschrieb beides mit Kammergerichtspräsident Tigges und übergab die Papiere Sternberg. Soweit war alles in Ordnung. Es blieb nur noch übrig, den neu bestellten gerichtlichen Sachverständigen zu vereidigen. Sagert stellte fest, daß am 11. September 1928— alles spielt« im Jahre 1928— der Saal 369 des Kammergerichts frei sei, schrieb auf diesen Tag in diesem Saal eine Vorladung für den Architekten aus, er- wartete ihn im Kaminergericht und führte ihn in den Gerichtssaal, wo Brehm mit einem angeklebten Bart ihm den Eid abnahm. Er stellte seine Personalien fest, machte ihn auf die Pflichten des Sachverständigen auftnerksam und ließ ihn schwören. Sagert hatte für diesen Dienst 59 M. erhalten, Brehm 299 M. und außerdem wurde ihm die Miete für sechs Monate um je 199 M. nachgelassen. Als der neugebackene gerichtliche Sachver- ständige ober niemals Gelegenheit hotte, in Tätigkeit zu treten, wurde er stutzig, begab sich in das Kammergericht und erfuhr, daß er das Opfer eines Schwindels geworden war. Straßenbahn gegen Lastauto. An der Kreuzung der Weser- und der Wildenbruch- straße in Neukölln stieß heute vormittag ein Straßen- bahnwagen der Linie 6 mit einem L a st a u t o hestig zusammen. Obwohl der Vorderperron des Triebwagens eingedrückt wurde, kam der Straßenbohnführer ohne Verletzungen davon. Auch das Lastauto wurde schwer beschädigt. Der Chausseur des Lastwagens jedoch, ein 23 Jahre alter Paul Wassermann aus Lübbenau und fein Mitfahrer, der 25jährige Albert Krüger aus der Dircksenstraße 16, erlitten erhebliche Verletzungen. Die beiden Beninglückten wurden durch die Feuerwehr zur nächsten Rettungsstelle gebracht. Ein weiterer Zusammen st oß ereignete sich im Osten Berlins in der Frucht straße. Dort prallte ein Auto mit einem Einspänner zusammen. Dabei erlitt ein 16 Jahre alter Lehrling Hans Becker aus Halensee, Kursürstendamm 112, der gerade in dem Augenblick des Zusammenstoßes die Unfallstelle passierte, erheb- liche Verletzungen. Der junge Mann wurde auf der nächsten Rettungsstelle behandelt. Lynchjustiz und Ku-Klux-Klan. Verwandtes aus LlSA. Vor dem Kriege hat man recht gern die rasche technische Entwick- lung Deutschlands und besonders auch das Wachstum und das Tempo Berlins amerikanisch genannt. Jetzt kann man Vergleiche ziehen zwischen einem gewissen neu- deutschen„Aufbauwillen" und bestimmten Kulturabbau-Erscheinungen drüben. Immer wieder hört man. daß in den Südstaaten der nord- amerikanischen Union Lynchjustiz an Negern verübt worden ist, zu- meist auf die Beschuldigung, der Schwarze hätte sich an einer weißen Frau vergangen. Beweis Nebensache. Soeben hatten wir die Freude des Besuchs eines unserer Ge- nassen von drüben, eines Redakteurs des sozialistischen„New Leader" in New Port. Er erzählt im Laufe des Gesprächs: Als unser Führer Eugene V. D e b b s seine langjährige Gefängnisstrafe wegen seiner Agitation gegen die Beteiligung der USA. am Weltkrieg in einer Strafanstalt des Staates Süd-Georgien absaß, hatte ich ihm die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Zocisiist Party zu überbringen. Auf der Straßenbahnfahrt zum Gefängnis fiel mir auf, daß im Wagen ein junger Neger saß, während vor ihm«ine weiße Frau stehen mußte. Da Männer aufzustehen haben, wenn Frauen keinen Sitzplatz haben— sagt unser amerikanischer Genosse—, äußerte ich meinem Begleiter mein Erstaunen. Darauf antwortete er mir aber; Wenn der Neger der Dame Platz macht, wird er— g e- lyncht! Das konnte der Sozialist aus New Park gar nicht ver- stehen. Der Landeskundige erklärte ihm aber, schon die Räumung des Sitzplatzes für eine weihe Frau würde dem Neger als t o d e s- würdige Bekundung verbrecherischer Absichten ausgelegt werden— denn ein Schwarzer dürfe eine weiße Frau überhaupt„nicht sehe n". Also schützt der Neger im Süden der Union sein Leben durch Unhöslichkeit! -i- Uebrigens stimmte uns der Amerikaner vollauf zu, als wir ihm das Wesen der Hitlerei durch den Vergleich mit Ku-Klux-Klan erläutern wollten. Ob yes, sagte er, die Kluxer sind bei uns auch ein- mal 19 Millionen Bürger stark gewesen, sie haben beide bürgerliche Parteien(Republikaner und Demokraten) desorganisiert, aber jetzt ist der Schwindel vorbei. n. Farmerstreik? New Park, 17. August.(Eigenbericht.) In sechs Staaten des mittleren Westens ist ein Farmer- st r e i k ausgebrochen, der stetig zunimmt. Mehrere Städte sind von jeglicher Zufuhr landwirtschaftlicher Pro- dukte abgeschnitten. 1299 Farmer-Streikpasten patrouillieren auf den Landstraßen und verhindern die Blockadebrechung durch die Behörden. Die M i l ch z u s u h r wird von Nachbarstädten aus durchgeführt. Weg von der Deutschen Welle! Scholz und das Ausland— Das deutsche Prestige zum Teufel! Reventlow, der Sozialist. Ein Parteiverfahren gegen ihn im Gange? Wir haben jüngst einen Aufsatz des nationalsozialistischen Grafen Reoentlow im„Reichswart" auszugsweise wiedergegeben, in dem der Verfasser für die Verstaatlichung der Großindustrie und der Banken eintritt. Wie eine Korrespondenz jetzt versichert, wurde daraufhin Reoentlow aufgefordert, in seiner Wochcnzeitung eine Cr- klärung zu bringen, daß sein Sozialisierungsprogramm lediglich eine Prioatarbeit sei und nichts zu tun habe mit gleichen oder ahnlichen Forderungen der„marxistischen" Parteien; Graf Reoentlow lehnte dieses Ansinnen jedoch ab und wies im übrigen darauf hin, daß mindestens einhundert Mitglieder der neuen Reichstagsfraktion hinter ihm und seinen Forderungen stehen und„ein weiterer Teil der Fraktion müßte sich freiwillig oder unter Druck hierzu bekennen, wenn erst die Diskussion dieser Forderungen, zu deren Ver- wirklichung zum ersten Male seit dem November 1918 die notwendig« verfassungsändernd« Mehr- heit vorhanden sei, innerhalb der Parteimitgliedschaft abge- schlössen worden sei". Zum Schluß erklärte Gras Reoentlow, er „und seine Freunde würden den sozialdemokratischen Sozialisierungs- anträgen im Reichstag ihre Stimme geben; es sei ganz gleichgültig, von welcher Seite aus der Sozialismus ins Rollen gebracht würde, es käme nur darauf an, daß ganze Arbeit geleistet würde, und die Anträge der SPD. seien eine brauchbare Grundlage hierzu". Ein Nazi-Eid. Der Gauleiter Kaufmann und sein Ehrengericht. Vor kurzem stand der nationalsozialistische Reichstag»- abgeordnete Kaufmann vor dem Landgericht in Hamburg. Den Brennpunkt der Verhandlung bildete das bekannte Ehren- gerichtsurteil des nationalsozialistischen Parteiausschusse» von Remscheid vom 22. Juli 1929, in welchem Herr Kaufmann des Ordensschwindels, der Urkundenfälschung, des Ehrenwortbruchs usw. als überführt erklärt wurde. Vorsitzender dieses Parteiausschusses war der Rektor Kratz, der das Urteil auch unterzeichnet hat. Jetzt überraschte Kaufmann das Landgericht In Hamburg nun- mehr mit einer„e i d e s st a t t l i ch e n Erklärung" desselben Rektors Kratz: das Urteil gegen Kaufmann sei„kein eigentliches Urteil" gewesen, es habe überhaupt gar kein„formell-richtiges Verfahren" stattgefunden, es handle sich vielmehr lediglich um „subjektive und natürlich längst überholte Ansichten", die Kratz sich damals„auf Grund einseitiger Denunziationen erworben" habe. Angesichts dieses Verschleierungsversuches— der dadurch, daß er als eidesstattliche Erklärung getarnt wird, nicht an Glaubwürdig- gewinnt!— stellen wir aus dem von Rektor Kratz eigenhändig unterzeichneten Dokument, dessen Echtheit überhaupt nicht de st ritten wurde, folgende- fest: 1. Das Dokument wird als„Ergebnis der Unter- s u ch u n g" bezeichnet: 2. es heißt darin, daß der Untersuchung?» ausschuß(nicht aber nur Herr Kratz für sich)„zu folgendem Urteil" kommt; 3. serner, fiajz„erwiesen"(nicht nur„ein- seitig behauptet") sei der„Ordensschwindel, die schwere Urkunden- fälschung, der Ehrenwortbruch" des Herrn Kaufmann. 4. Der Aus- schuß beendet das„Ergebnis der Untersuchung" mit dem Satz,„an- gesichts des lückenlos vorliegenden Beweismaterials und der Urkunden habe man es nicht mehr für nötig erachtet. den Pg. Kausmann zu vernehmen." Dieser eindeutige Tatbestand aber hindert die Nazis nicht, zu- gunsten der ramponierten Ehre des„Pg." Kaufmann eine schneidige Entlostungsattacke zu versuchen; mit dem billigen Mittel der„eides- stattlichen Versicherung" ist man bemüht, alles für Kaufmann Pein- liche aus der Welt zu schaffen. Wie hoch allerdings solche von Nationalsozialisten abgegebene„eidesstattliche Erklärungen" zu be- werten sind, das hat Hitler höchstselbst im Prozeß um die Kaiserhof- rechnung unter Beweis gestellt! Volksausgabe?— Kehlausgabe. Marx bei Kiepenheuer. Der Verlag G. Kiepenheuer in Berlin hat den Versuch unter- nommen, gemeinsam mit der Verlagsgesellschast des ADGB. den ersten Band des Hauptwerkes von Karl Marx:„Das Ka- pital" den deutschen Arbeitermassen zugänglich zu machen. Der über 799 Seiten starke Band kostet in der Organisationsausgabe nicht mehr als 2,S9 Mark. Als verantwortlicher Herausgeber zeichnet K a r l K o r s ch. In seiner Einleitung gibt Korsch für den wissenschaftlich unvorgebildeten Leser, an den sich diese Ausgabe in der Hauptsache wendet,«ine Studienanweisung, die zugleich eine Vorstellung von der geistigen Bedeutung des„Kapital" geben soll. Mancher Leser wird wahrscheinlich«ine präzise Zusammenfassung des zentralen Gedankenganges des„Kapital" vermissen; auch die Ausführungen, die Korsch über die„dialektische" Methode des„Ka- pital" macht, werden einem voraussetzungslosen Leser wenig helfen. Korsch stellt zwar fest, daß dem heutigen Leser die dialettische Dar- stellungsweise Schwierigkeiten bereitet, aber er gibt hierfür keiner- lei Begründung: die übrigens höchst problematische Aehnlichkeit der dialektischen Methode mit der„modernen axiomatischen Methode der mathematischen Naturwissenschaften" würde— selbst wenn diese Behauptung zuträfe— voraussetzen, daß der Leser die Arbeits- Methode dieser Naturwissenschaften kennt. Aus welchen tieferen Gründen Marx den„rationellen Kern" der Hegelschen Dialektik übernommen hat, hätte unbedingt näher ausgeführt werden müssen. Die vorliegende Ausgabe trägt auf dem Titelblatt den Zusatz: „Ungekürzte Ausgabe nach der zweiten Auflage von 1872". Das stimmt nicht ganz. Eine ganze Reihe wichtiger Anmerkungen sind entweder gekürzt oder ganz weggelassen worden. Da die An- merkungen bei der Marxschen Arbeitsweise in einer innigen Ver- bindung zum Text stehen, so verliert die Ausgabe damit jeden wissenschaftlichen Wert, den sie allerdings auch nicht beansprucht, da sie wissenschaftlich ungeschulten Lesern die Ideen das„Kapital" nahebringen will. Wer also einen wissenschaftlich zuverlässigen Text haben will, muß nach wie vor zur großen„Kapital"-Ausgabe greifen, die Karl Kautsky im Dietz-Verlag herausgegeben hat. Da wir aber andererseits eine sehr brauchbare populäre„Kapital"- Ausgabe in der von Benedikt Kautsky herausgegebenen zweibändigen Auswahlausgabe bereits haben, eine Ausgabe, die überdies alle Bände des„Kapital" umfaßt, so ist das editorische Prinzip von Korsch nicht ganz verständlich. Er ist gleichsam den Weg nicht zu Ende gegangen. Denn eine„ungekürzte Ausgabe" muß auch wirklich ungekürzt sein. Sicherlich sind manche An- merkungen, die Karl Korsch gekürzt oder ganz weggelassen hat, nicht so wichtig, bei sehr vielen anderen ist es aber Auffassungs- fache. Ich glaube nicht, daß der Herausgeber eines Werkes, das. wie..Das Kapital", einen sicheren Platz in der wissenschaftlichen Weltliteratur einnimmt, solche Eingrisje vornehmen darf, vor allem dann nicht, wenn der Titel eine„ungekürzte Ausgabe" in Aus- ficht stellt. J- P- M. Man schreibt uns: Die urteilsfähigen Hörer sind nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa entsetzt über den neuen Kurs im deutschen Rundfunk und über das tiefe Niveau, auf da» die Programme immer mehr herabgleiten. In langwieriger und sehr energischer kultureller Arbeit hat sich der deutsche Rundfunk zu einem in der ganzen Welt angesehenen Kulturinstrument heraufgearbeitet. Das h?he Niveau, auf dem das deutsche Rundfunkprogramm stand, hat über alle Grenzen hinweg dem deutschen Rundfunk und damit auch Deutschland man kann wohl sagen Millionen Freunde verschafft. In den s k a n d i- n a v i s ch e n Ländern(Dänemark, Schweden und Norwegen z. B.) hat sich ein s e st e r H ö r e r st a m m des deutschen Rundfunks aus- gebildet und es ist selbst soweit gekommen, daß große skandi- navische Hörerverbände ihren Mitgliedern kollektiv deutschen Unterricht erteilten, damit sie die Sendungen des deutschen Rundfunks verstehen konnten. Aehnlich war es auch in anderen Ländern, z. B. in England, Holland und in den osteuropäischen Randstaaten. Ueberall galt das deutsche Funkprogramm als weg- weisend in der Gestaltung neuer Rundfunkkunst. So war es! Aber seit dem neuen Kurs im deutschen Rund- funk, seitdem die Reaktion au» diesem wertvollen Kulturinstrument des 29. Jahrhunderts einen grammophonartigen Verbreiter von Militärmusik und geistloser Programme macht, schmilzt die An- hängerschar des deutschen Rundfunks im Auslande rapid zusammen. Einige ausländische Rundfunkexperten, die ich sprach, waren aufs höchste verwundert, ja entsetzt über das, was aus dem deutschen Rundsunk in den wenigen Wochen geworden ist. Ueberall im Auslande ist nach den Worten dieser Rundfunkexperten das Bedauern über die neue Richtung im deutschen Rundfunk sehr groß. Man vermißt den früheren hohen Kultur st and des Programms und hat kein Interesse, allabendlich wie jetzt üblich, von den deutschen Wellen die Armeemärsche Nr. 19 bis 259 zu hören und das literarische Programm...?!... Deshalb schaltet man überall in der Welt die Empfänger um:„Weg von den deutschen Wellen!" Der Vorsitzende eines sehr großen und einflußreichen skandi- navischen Hörerverbandes ergänzte mir diesen Tatbestand, indem er mir mitteilt, daß die Hörer für das deutsche Funk- Programm kein Interesse mehr zeigen und daß heute die eng- tischen Sender in Skandinavien wieder triumphieren. Genau dieselben Nachrichten treffen aus anderen Ländern ein. Man ist besonders darüber verstimmt, daß auch die Deutsche Welle „politisiert" werden soll. Die Deutsche Welle hatte infolge ihres wissenschaftlich und kulturell ausgezeichneten Programms besonders viele Hörer im Auslande. Aber seit Wochen ist auch dort der„neue Geist" an der Arbeit, so daß sich die ausländischen Hörer eine neue„Rundfunkheimat" suchen. Der Moskauer Rundfunk, der bekanntlich auch deutsche Programme sendet, versucht natürlich jetzt, die neue Richtung im deutschen Rundfunk für seine Propaganda auszunutzen. So teilte der Moskauer Funkintendant mit, daß die Rundfunkreaktion in Deutschland die gesamten linken Mitarbeiter Deutsch- l a n d s von der Arbeit ausschließe. Der Moskauer Rundfunk werde bemüht sein, diesen deutschen Schriftstellern sein M i k r o- phon zur Verfügung zu stellen. Die deutschen Hörer könnten sicher sein, im kommenden Winter viele alte Bekannte und Freunde von den Wellen Moskaus zu hören.... N. G. Lleberflüssige Lorhing-Venaissance. „Llndine" in der Städtischen Oper. Bei allem schuldigen Respekt vor Albert L o r tz i n g, dem verdienstvollen Schöpfer liebenswürdiger, längst Volksgut gewordener Singspiel«— wer kennte und schätzte sie nicht nahezu alle:„Waffen- schmied",„Wildschütz",„Zar und Zimmermann"— muß doch gesagt werden, daß seine„ll n d i n e" nichts ist als ein mißglückter Versuch, eine Fehlleistung, beinahe eine Mißgeburt; daß ihre Wiederbelebung notwendigerweise einen recht zwiespältigen und nicht sehr positiven Eindruck hinterläßt. Ausslug und Ausschwung ins romantische Land— das ging weit über Lortzings Kraft. Das lag jenseits der Grenzen seiner Begabung, deren philiströse Enge(bei allem Ueber- lleberglänztsein durch köstlichen, in oer deutschen Oper so seltenen Humor) nun einmal absolut nicht wegzuleugnen ist. So ist dies Werk seiner Titelheldin gleich ein Zwitter; nicht Fisch, nicht Fleisch — das will hier sagen: kein reines Singspiel und erst recht nicht die vom Autor ersehnte„romantische Zauberoper". Das Un- und Ueber- wirkliche, geheimnisvolle Walten der den Menschen fernen und feind- lichen Kräfte der Natur, die Dämonie der Elemente— da» ist in keinem Wort des Textes, in keinem Ton der Musik«ingefangen und enthaltene Der Vorwurf steht als unerfüllter Anspruch immer noch vor dem fertigen Werk. Da? süße Märchen von der schönen Melusine wird da ein hanebüchenes Ritterstück, dessen Akteur« alberne Attrappen, dessen Konflikte langweiliges Klischee sind, dem unfreiwillige Komik mitunterläuft. Und die Musik— von Webers genialer Frische, von Mendels- sohns pastellfarben kultivierter Zartheit gleich weit entfernt, von beiden übrigens bei ihrer Geburt schon überholt— hat alles das nicht, um dessentwillen sie wohl eigentlich geschrieben wurde, was sie zumindest noch unserem Verlangen haben müßte: die romantische Tönung, den fernen Klang, die Sagenatmosphäre. So ist sie nichts als handfeste, auch für einen Lortzing merkwürdig epigonale Sing- spielmusik; und wer ihn wirklich schätzt, sollte diese Partitur den Bibliotheken überlassen und es verschmähen, sie zur Unterlage eines bühnenwirksamen Ausstattungsstückes zu machen. Wie im Geistigen überhaupt, gilt für die Kunst ein Gesetz der Ueberwindung des Un- vollkommenen durch das Vollkommene: an vollkommenster musikali- scher Erfüllung romantischer Sehnsucht aber haben wir doch wahr- lich keinen Mangel. Was der Vorwurf verspricht, was aber weder Text noch Musik zu halten vermögen: romantische Atmosphäre, versuchten Inszenator (R a b e n a l t) und Bühnenbildner zu geben, die so freilich(je mehr es ihnen gelang) den inneren Konflikt des Werks nur noch deutlicher machten, fast übersteigerten. Das Elementarische: Wasser, Wolken und Wind, beherrscht die wunderschönen Bilder G l i e s e s— vor denen sich die klassizistischen Arien und Duette nur noch seltsamer ausnehmen als sonst. In manchen Kleinigkeiten hinterließ die Aus- sllhrung(für die B r e i s a ch verantwortlich war) den Eindruck, nicht ganz zu Ende studiert zu sein. Dem unritterlichen Ritter, dem »nheldischen Helden lieh Cavaro seine glanzvolle Stimme. Prachtvoll H i s ch als ungeistiger Geist— Gott gebe ihm nur einen einsichtigen Regisseur, der ihm die allzu opernhafte Handgestik, im ersten Akt insbesondere, noch abgewöhnt. Das blonde Wasserfräu- lem Undine fand in Constanze Nettesheim eine lobens- und liebenswerte Darstellerin; Rosalind v. Schirach dagegen, die bös« Berthalda, sang merkwürdig unfrei und gepreßt. Das buffoneske Paar G o m b« r t und K a n d l war wie immer auf seinem Posten und erfreute ein dankbares Publikum durch Laune und Tempera- ment. W. Rundfunkdiktatur Scholz. Die Serie der Scholz-Skandale im Funkhaus scheint vorläufig kein Ende zu finden. Jetzt ist Dr. Joseph Räuscher, der Leiter des Nachrichtendienstes, wie wir schon meldeten, von dem Rundfunk- diktator telegraphisch von seinem Urlaub zurückgerufen worden. Objektivität ist im deutschen Rundfunk zur Zeit unerwünscht und wird von Herrn Scholz im Eiltempo fortregiert. Inzwischen riecht das Programm der Berliner Funkstunde immer heftiger nach Muff und Militarismus. Am Dienstagnachmittag zwölf Minuten Pause zwischen zwei Vorträgen?„Wir senden Ihnen inzwischen Schall- plattenmusik." Und ein Militärmarsch schmettert los. Am Abend: Programmänderung?„Wir senden Ihnen dafür ein Konzert des Deuffchen Blasorchesters? Und der deutsche Rundsunk ergötzt die deutschen Herzen seiner deutschen Hörer hinwiederum mit den Klängen gemütvoller Militärmustk. Die Regierung, die soviel ver- bietet, sollte aus Achtung vor der Bezeichnung„deutsch" gegen den Mißbrauch einschreiten, der heute von den Nazis und Chauvinisten damit getrieben wird. Die Sendung„Deutschland" wurde „wegen plötzlicher anderweitiger Verwendung einiger Mitwirkenden" verlegt. Herr Scholz scheint nur— auch dort gegen seinen Willen— bei der Abmontierung der Großen allgemein sichtbar zu werden. Pm. Blutuntersuchung weist Krebs nach? Dem deutschen Forscher Dr. H. L e h m a n n- F a c i u s ist es gelungen, einen chemischen Prozeß zu entdecken, mit dessen Hilfe man das Blut von Krebskranken vom Blute anderer Menschen unterscheiden kann. Es handelt sich dabei um Reaktionen des mensch- lichen Serums(d. h. Blut nach Entfernung der Blutkörperchen und der Gerinnungssubstanzen). Ganz ähnlich, wie man schon bisher Menschenserum von Tierserum, Serum von bestimmten Patienten Typhus-, Parotyphuskranke usw.), vom Serum Gesunder unter- scheiden konnte, so gelingt jetzt die Feststellung der Krcbskrankheit auf demselben Wege. Beim serologischen Nachweis des Typhus z. B. mischt man das zu untersuchende Serum mit Typhusbazillen. Die Bazillen werden dann vom Serum des Typhuskranken, in dem sich während der Krankheit spezifische Gegengifte bilden, in charakteri- stischer Weise zusammengeballt. Ganz ähnlich ist der Vorgang bei der neuen Methode von Lehmann-Facius. Hier werden bestimmte Stoffe aus dem Blute von Krebskranken in komplizierter Weise vorbehandelt und dann mit dem Untersuchungsserum zusammen- gebracht; das Serum Krebskranker flockt die zugesetzten Stoffe aus, wodurch in der vorher klaren Flüssigkeit ein sichtbarer Bodensatz entsteht. Bisher hat sich diese Methode als sehr sicher und einwand- frei zum Nachweis der Krebskrankheit erwiesen. Wieweit sie sich zu einer frühzeitigen Erkennung des Krebses verwerten läßt, bleibt abzuwarten. llrwaldlager im Warenhaus. Afrika ist der Erdteil allerfchrofffter Gegensätze. Sein Norden wird gewaltsam europäisiert und zum Stelldichein internationaler Luxusreffender. Sein Süden ist industrialisiert, er wird jetzt, zur Zeit der Weltwirtschostskrise, von hungernden Proleten durchzogen. In der Mitte aber gibt's die Steppe mit ihren Tierherden und den Urwald mit seinen Gesahren. Dahin ging der junge Schulz- Kampshenkel, der das große Glück hotte, vom Berliner Zoo bei seiner Tiefgang-Expeditian unterstützt zu werden. Die Ausbeute war gut. Der Zoologie-Student brachte 269 lebend« Tiere und 199 Museumsstücke zurück. Das Arbeitslager eines modernen Tiersängers ist nun im Orient- saal des Warenhauses Wertheim am Leipziger Platz aufgebaut. Es ist sonderbar, der geschlossene Raum erschlägt nicht diese primitive Arbeitsstätte, sondern die Natur ist derart urwüchsig, daß sie sich durchfetzt. Man spürt ein Stückchen Afrika und ein Stückchen ziel- bewußtes Vagabundentum. Einen Teil der Ausbeute bekommt man zu sehen; denn wohlverwahrt in Käfigen geistern Schleichkatzen, kreischen Affen und in einer leichten Umfriedung tummeln sich schön gebaute, braune, schwarzgefleckte Schweine, die schmatzend Fischköpse verzehren. In der angegliederten Derkaufsabteilung sieht man Ter- rarien mit eigenartigen Bewohnern, die, mag es sich um kleine Krokodile oder Schildkröten handeln, von dem einigermaßen kundigen Laien ohne große Verluste zu hallen sind. Eine reiche Fellsammlung bietet einen interessanten Einblick in die Tierwelt Liberias. Die Negerarbeiten, die hier gezeigt werden, sind nach dem Urteil Fachkundiger völkerkundlich von großer Be- deutung. Gleichzeitig stellt man afrikanische Tierplastiken Berliner Künstler aus und Bilder von Kuhnert, diesem großen Tierkenner, dem die ramponierte Natur der zoologischen Gärten nicht genügte und der darum hinauszog in das Land seiner Modelle. e. b. Der nächste INulterschulkursus im Waisenhaus der Stadt Berlin, Alte Jakobstraße 33/35, beginnt am Freitag, dem 16. September 1932, um 4 Uhr nachmittags. Der Kursus umiaßt 14 Doppelstunden an zwei Nachmittagen der Woche von 4 bis 6 Uhr nachmittags. Die Gebühr beträgt 8 M., Ermäßigungen und Freistellen können ge- währt werden. Anmeldungen sind zu richten an das Landes- wohlfahrts- und Jugendamt. Berlin C 2, Poststraße 16, Fernsprecher Berolina(E 1) 9911, Zimmer 79k. Die neue Theaterfaison. Staatsoper Unter de» Linden: Die Spielzeit wird mit Verdis„'sizilianische Vesper" erössnet; am Sonntag, dem 4. September wird Verdis„Otello" neu in den Spielplan aufae- nommen. Musikalische Leitung: Kleiber. Inszenierung: Hoertb. Am 2l. September wird Richard Strauß'„Rosenkavalicr" unter Otto Klcmperers musikalischer und Gustav Gründgens szenischer Leitung neu inszeniert. 5lm 7. Oktober solgi die Neueinstudicriing von Richard Wagners„Meistersinger�. Die musikalische Leitung bat Furtwängler. die szenische Leitung Heinz Tietjen. Am 4. November ist die Erstaus- führung von Mozarts„Jdomcneo" in der Richard Straußschen Bearbci- tung, musikalische Leitung: Leo Blech, szenische Leitung: Franz Ludwig Hoerth.— Staatliches Schauspielhaus am Gcndarmenmark: Am Vorabend von Goetbes Geburtstag, am Sonnabend, dem 27. A u g u st, wird das Schauspielhaus mit Goethes„Egmont" eröffnet. Am 6. September bringt das Schauspielhaus die Neueinstudierung von Shakespeare„Was Ihr wollt". Regie: Lotbar Müthel: Bühnenbild: Teo Otto: Bühnenmusik: Wladigerosf. Am 6. Oktober ist die Neueinstudierung von Wilhelm Dell mit Werner.Kraust, am 2 7. Oktober Gabriel Schillings Flucht. Tic Kamera, Unter den Linden 14, zeigt ab Mittwoch, 17. August, in Neuaufführung: Erich Stroheim als„Der groste Gabbo" mit Betty Comp-« son. Regie: James Eruze. Gelbstmord des Tochtermörders auf den Eisenbahnschienen.- Oer Mann geht in den Zug hinein. In der vergangenen Nacht hat der 31 Jahre alte Schneider Ludwig M i ch a l s k i, der am vergangenen Freitag in seiner Wohnung in der Kaiser-Friedrich- Straße 68 in Pankow seine 16 Fahre alte Tochter Liselotte ermordete, seine Bluttat durch den Tod auf dem Schienenstrang selbst gesühnt. Er wurde gestern gegen 22.36 Uhr zwischen den Stationen Marienfelde und Lichtenrade von einem Zug nach Zossen, vor den er sich geworfen hatte, überfahren. Erst als man die Leiche ins Schauhaus brachte, ersah man aus den Papieren, die der Tote bei sich hatte, wer es war. Als er in den Nachmittogsstunden des Freitag seine Wohnung verließ, in der Liselotte M. mit durchschnittener Kehle lag, begegnete ihm aus der Treppe eine Nachbarin, der er noch ein Scherzwort zurief. Dann war der Mann spurlos verschwunden. Vom P o st- a m t O, 17 am Schlesischen Bahnhof aus richtete er noch am Sonn- abend eine Karte an seine Frau, die zur Zeit noch immer— ebenso wie ihr Sohn— im Pankower Krankenhaus schwer daniederliegt, Auf dieser Karte bat er um Verzeihung für die schreckliche Bluttat und kündigte an, daß er sich dos Leben nehmen werde. Die Beamten der Mordkommission suchten ihn vergeblich. Noch- richten trafen ein, nach denen M, bald hier, bald dort gesehen sein sollte. Es stimmte aber alles nicht, Gestern abend nun verließ ein Personenzug den Potsdamer Bahnhof. Der Zug hatte 22.24 Uhr die Station Marienselde bereits passiert und befand sich aus der Fahrt nach Lichtenrade, Unweit der Bahnbuden 10 und 11 und in der Nähe einer Signal- stelle— etwa am Kilometerstein 11,6— sah der Lokomotivführer plöhlich auf dem Schienenstrang eine dunkle Gestalt dem Zug entgegenkommen. In der Dunkelheit waren die Umrisse des Mannes nur schwer zu erkennen. Obgleich sofort die Bremsen angezogen wurden, war es schon zu spät Nachdem Polizeibeamte geholt worden waren, wurde die Leiche des Mannes unter den Rädern hervorgezogen. Der Kopf war vollständig zermalmt, das Rückgrat gebrochen worden. Mit einem Rettungswagen brachte man die Leiche noch dem Schauhaus. Als man dort die Taschen des Toten untersuchte, fand man Papier«, die auf den Namen des 61 Jahre alten Schneiders Ludwig Michalski aus Berlin-Pankow lauteten, Abschiedsbriefe wurden nicht mehr bei ihm gefunden. Hingegen entdeckte man zwei Photos, die die Tochter Liselotte und den Sohn Erwin zeigen, Mit den Bildern seiner Kinder in der Tasche, von denen er das eine in so grausamer Weise umbrachte und das andere seelich voll- kommen ruinierte, war der Mörder seiner Tochter auf dem Schienenstrang in den Tod gegangen. Das„Niobe" Wrack Noch immer nicht gehoben Siel. 17. August. Die ganze Stadt steht seit drei Tagen unter dem unheimlichen. lähmenden Eindruck, den das Einbringen des Ilnglücksschisses der Reichsmorine, der„Hiobe", Tstossengrab so vieler blühender junger Vlenschenleben, erzeugt hat. Seine Fröhlichkeit kommt mehr im öffentlichen Leben aus. Man spricht gedämpft und verhalten, llcberall nur tiefernste Gesichter. Ueberall nur ein einziges Gesprächsthema: „lliobe". Vielleicht in der kommenden Nacht, vielleicht auch erst am Donnerstag wird man so weit sein, daß man den schaurigen Totenschrein össnen und ihm seine Opfer entnehmen kann. Eines der Rettungsboote der„Jtiobe" kam. von einem Taucher gelöst, plöhlich an die Oberfläche. Dos war das erste, was man von dem traurigen Aebecrest des stolzen Seglers zu sehen bekommen hat. Am Mittwoch früh tauchte sür einige Minuten die V u g s p i h e der„Niobe" aus dem Masser, aber bald darauf sackte dos Schiff wieder in den Schlick zurück. Siel, 17. August, Die H e b e a r b e i t e n an der„N i o b e" werden augenblicklich vom Wetter sehr begünstigt. Bei fast völliger Windstille herrscht g l o t t e S e e. Da es sich herausgestellt hat, daß die der Kitzeberger Spitze vorgelagerte Sandbank einen steilen Abfall zur Fahrrinne hat, aus der das Wrack nicht heraufgebracht werden kann, so ist das ganze Hebesystem— bestehend aus den durch Querträger verbun- denen Hebeschisfen„W i l l e" und„K r a f t", die mit j e f ü n f a r m- dicken Stahltrossen den Schissskörper der„Niobe" zwischen sich tragen— in der vergangenen Nacht weiter in die Fahrrinne verholt worden. Das Hebesystem wird zur Zeit weiter in die Heikendorser Bucht hineingeschleppt, wo der Meeresboden sachter ansteigt. Allerdings muß dabei die morastige Beschaffenheit des Bodens in Kauf genommen werden, Die Arbeiten gehen so vor sich, daß die beiden Bergeleichter voll Wasser gelassen werden, damit die Hebetrossen fester angezogen wer- den. Daraus werden die Leichter wieder leer gepumpt. Sobald die „Niobe" dadurch etwas angehoben ist und sich in schwimmendem Zu- stand besindet, wird der Schlepper„S i m s o n", dessen Anker von dem Bremer Schlepper„C a p e l l a" tiefer in die Heiken- dorfer Bucht hineingefahren wird, das ganze System näher zum Lande ziehen, Die„Niobe" liegt gegenwärtig in etwa acht Meter Wassertiese. Von Bord der Bergungsschisse sieht man zwischen den Hebesahrzeugen„Wille" und„Kraft" einen hellen Schimmer im Wasser. Luftblasen steigen auf, und in der Mitte kommen auch Oel- blasen an die Obersläche. Mittwoch srüh gegen 7 Uhr war der Klüverbaum der„Niobe" kurze Zeit sichtbar. Gleich darauf sank das Wrack aber tiefer in den Bodenschlick ein. fBergungsarbeHen am„lüobe" Wrack Das Wrack des gesunkenen Segelschulschiffes„Niobe" wurde von zwei Bergungsdampfern von der Unglücksstelle in den Kieler Hasen abgeschleppt, wo die Bergungsarbeiten weiter fortgesetzt und in den nächsten Tagen beendet werden sollen. Unser Bild zeigt den Moment, wie ein Rettungsboot der Niobe gehoben wird. Das neueste System. Zickzackturs im Arbeitsdienst. Die Reichsregierung kommt von ihren Arbeitsdienst- pslicht-Illusionen nicht los. So behauptet die„Deutsche Allgemeine Zeitung", das offiziöse Organ der Reichsregierung und ' der Unternehmer, zu den wichtigsten Arbeiten des Arbeits- beschasfungsprogramms gehöre die Ausdehnung des frei- willigen Arbeitsdienstes, Es sei nun doch daran gedacht, ihn zu einer Arbeitsdienstpflicht auszuweiten, so daß wohl auch die Teilnehmerziffer von 200 000 nicht unbedingt die oberste Grenze zu bedeuten habe. Der Pflichtgedanke soll in der Weise zur Geltung kommen, daß für bestimmte Jahrgänge von Jugendlichen der Bezug von Unterstützung davon anhängig ge- macht wird, ob sie zur Leistung von Arbeitsdienst bereit sind, Das„neue System" besteht offenbar in der R ü ck t e h r zum Zickzackkurs Wilhelms des Letzten. Soeben sind die Ausfüh- rungsbestimmungen zu der Notverordnung vom 14, Juni über den freiwilligen Arbeitsdienst erschienen. In diesen Ausführungs- bestimmungen, erläutert im Rundfunk vom Staatssekretär Dr, Grieser, ist ausdrücklich festgehalten, daß eine Weigerung, in den freiwilligen Arbeitsdienst einzutreten, oder ein Aufgeben der Beschäftigung im freiwilligen Arbeitsdienst nicht als Arbeitsunwillig- keit betrachtet werden darf. Es sind also ausdrücklich alle Garantien geschaffen, um die Freiwilligkeit des Arbeitsdienstes tlar herauszustellen. Nunmehr scheint man in der Reichsregierung, einig« Tage nach Veröffentlichung dieser Bestimmungen, wieder ein„neuestes System" anzunehmen. Es soll der freiwillige Arbeitsdienst beibehalten, aber doch in eine Arbeitsdienstpslicht umgewandelt werden, die wiederum ein freiwilliger Arbeitsdienst sein soll. Offenbar ist die Reichs- I regierung davon überzeugt, daß Lächerlichkeit nicht mehr tötet, fon- dern— man denke nur an Hitler— zu größerer Popularität verhilft. Löhne unter Wohlfahrtssahen. Wünsche der rheinischen Metallindustriellen, Koblenz, 17, August. Die Unternehmer der Metallindustrie des Mittelrheins hatten «ine zehnprozentige Lohnsenkung der Tariflöhne ge- fordert. In den Lohnverhandlungen in Koblenz, die ergebnislos verliefen, erklärten sie, von ihrem Vorschlag nicht abweichen zu können, da sonst die Erhaltung der Betriebe in Frage gestellt sei, Die Gewerkschaften oller Richtungen brachten zum Ausdruck, daß bei der Durchführung dieser Forderungen durch Beibehaltung der augenblicklichen Kurzarbeit die Bruttoverdien st«der Arbeiter tiefer seien als die jetzt geltenden Wohlfahrtsunterstützungen, Es sei daher eine Unmöglichkeit, die Löhne weiter zu senken. Acht junge Leute beim Baden ertrunken. Duisburg-Hamborn, 17, August, Im Bereich der Stadt Duisburg-Hamborn kamen im Laufe des Dienstag beim Baden acht Personen ums Leben. Es handelt sich in der Hauptsache um junge Männer. Im Rhein und in der Ruhr ertranken im Laufe de- Tages vier Personen, während die übrigen vier im Rhein-Herne- Kanal und in einigen Baggerlöchern zu Tod« kam«n, die nur zum Teil für den Bade- verkehr freigegeben sind. Bei einem der Ertrunkenen ist der Fall besonders tragisch. Der junge Mann war im Laufe des Tages schon zweimal gerettet worden und wurde beim dritten Male das Opser seines unglaublichen Lemstsinns, Tragödie einer unehelichen Mutter. Selbstmordversuch mit ihrem Kind, Am Müggelsee spielte sich in der Nacht die Tragödie einer unehelichen Mutter ob Gegen%3 Uhr oersuchte dort die ledige Florence B, aus der Landsberger Chaussee mit ihrem drei- jährigen Kinde ins Wasser zu gehen. Die Tot von Mutter und Kind wurde aber beobachtet, und beide konnten noch lebend an Land gebracht werden, Sie wurden nach der Rettungsstation Müggelsee geschafft, wo ihnen ärztliche Hilfe zuteil wurde. 27 Texas-Opfer. Die Zahl der Opfer der W i e b e l st u r m- katastrophe in Texas Hot sich aus 27 erhöht. Ungefähr 3 00 Personen sind schwer verletzt worden, Genosse Emil Kcsier. Biesdors-Süd, Altersheim, feiert heut- in geistiger und körperlicher Frische seinen 80, Geburtstag. Er ist seit 1893 treuer Mitkämpfer in der Partei, Metter für Berlin: Wechselnd bewölkt ohne wesentliche Nieder- schlüge, keine nennenswerte Temperaturänderung,— Für Deutschland: Im Küstengebiet veränderlich mit etwas Regen, im nord- deutschen Binnenlande wechselnd bewölkt ohne nennenswerte Regen- fälle und Temperaturänderung, im Süden fortdauernd warm und heiter._ 3£ans gallada: SKIeiner Wlanu— tras nun? „Bauern, Bonzen und Bomben" hieß Fallodas erstes Buch— „Kleiner Mann, was nun?" sein zweites. Die Titel bezeichnen einen Weg: der erste trägt ein wenn auch unsichtbares Ausrufungszeichen, der zweite ein deutliches Fragezeichen', der erste schreit, ruft auf, der zweite lockt leise, erwärmt. Haß und Liebe ist in beiden Büchern, Haß gegen die Unterdrückung und Liebe zu den Unterdrückten: aber wenn im ersten Buch der Haß fast autonom war, so wird er im zweiten nur zur Folie der Liebe, Und so ist es gut, denn der soziale Roman unserer Troge entwickelt den Schneid der Empörung und die Schärfe der sozialen Einsicht nur zu oft aus Kosten der menschlichen Wärme, Nun, dies Werk, das von der ersten bis zur letzten Zeile aus antikapitaliftischer Weltanschauung erwachsen ist, ist völlig frei von Theorie und Konstruktion: nirgends wird gepredigt, ge- redet, überall ist Gestaltung, überall und alles wird erlebt, gefühlt, Es ist eine seltsame Sache: der kleine Angestellte Pinneberg und seine kleine Frau Lämmchen und sein kleiner Junge Murkel tschon diese Namen sind mit einer Innigkeit geprägt, die an Wilhelm Raabe gemahnt!) müssen olles Leid, allen Ingrimm, alle Not aus- kosten bis zur Neige, die kleinen Angestellten nur beschieden sein können: Abhängigkeit von verständnislosen Chefs oder böswilligen Kollegen oder sinnlosen Rationalisierung-systemen, Ausbeutung. Entlassung, Exmittierung— und doch tritt man aus der bitteren Kälte solchen Lebens immer wieder in eine Wärmestube, wenn man mm Lämmchen und ihren beiden Jungen liest: die Seiten knistern von Herzlichkeit wie Holzscheite im Ose», Und das macht keinen Kampsbereiten schläfrig, im Gegenteil: der warme Raum dieses Buches macht wieder stark zum Kampf um das Recht Pinne- bergs und Lämmchens und aller Proleten, macht stärker als der zündendste Ausruf. Hsrrmsnn Mostar. Rundfunk am Abend Mittwoch, den 17. August 1932. Berlin: 16.05 Mit dem Mikrophon durch die Mark: Spandau. 16.30 Aus Heringsdorf Nachmittagskonzert. 17.30 Die Reichpost im Dienste des Nachrichtenwesens(A. F Schultest. 17.35 Klaviermusik. 18.13 Nachmittagskonzerf. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Im Goethe- J�hr durch Frankreich(Dr. O. Grautoff). 19.33 L. Nüdling, Dichter und Pfarrer aus der Röhn, 20.00 Reichssendung„Cosi fan tutte", Oper von M. A. Mozart; Dirigent Richard Strauss. 21.15 und 22.30 Metter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk (Stud.-Rat Werner Dreetz). 16.30 Aus Hamburg: Nadimit- tagskonzert. 17.30 Parlamentarismus und Staatsführung in der Gegenwart(Privatdozent Dr Herrfahrdt). 18.00 Wie sieht es über uns in der Atmosphäre aus?(Dr. Thieme.) 18.30 Weltpolitische Stunde(M. Müller- Jabusdi). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Englisch für Fortgeschrittene(Marga v. Kuhlwein. Lektor W. Mann). 19.20 Der Telegraphenbeamte(Oberpostdir. Zeller). 19.40 Ansprache am Grabe Friedrichs des Großen(Dr. F. Reck-Malleczewen). Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europaprogramm im„Volksfunk", monatlich 96 Pf., durch alle.,Vorwärts"-Boten oder Postanstalten. Derantwortl, für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Otto Hengst, Berlin, Verlag: Vorlvärts Verlag E, m, d. H,, Berlin, Druck: Vorwärt- Buch. druckerei und Verlagsanftalt Paul Singer& Co.. Berlin S® 68. Lindenstr. S Hierzu 1 Beilage. ■�7 ,rn"w». Theater, Lichtfpiele ufw. Übe Scbles. Bnf. 51.816, Stj«. 2, 5, 8UII. Reinbardt-Inszenierfl.: Kabale u.Liebe Städf. Oper Charlottenburg ßismarckstraße 34. Mittwoch, 17. August Turnus IV Das Rheingold Müller, Schirach. Destal, Burgwinkel, Baumann, Hedlund, Kandl, Gotnbert Anfang 20 Uhr Ende 22,30 Uhr Restauiaru Berlins Df- 8 Uhr 1 S. Flora 3434, Raodien erl. Taps& Tempo, RemosComp. 4Richys, Seältiel.M.&C.Mayo Levanda, Hunter& Bobelte »v.uhr CASIilO- THEATER m» Lothringer Strafe 37. lllllllliltlllllMIIIIIKIMIIimillMMIM Berlin wird wieder lachen! Ab Freitag, den 26. August Annemarie das kleine Tanzm&del Volksoperette.— Musik von Gilbert Vorher ein bunter Teil. Preise 0,50 M., 0,75 M. und 1,— M. Auch Sonntag abend. Rose-Thealer 5 tele Fnnkfirtir Stnüi 132 Tcl.Weidiul E 7 3422 8.30 Uhr Herzdame Gartenbühnc 5.30 Uhr Konzert u.Varlete Framingsloti » W Genossen finden freundi. 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Für viele zwar blieb der Mann, der im September 1792 mit der berühmten Losung:„Kühnheit, ober- mals Kühnheit und zum dritten Kühnheit!" die gesamte Kraft der Revolution gegen die preußisch-österreichische Invasion zusammen- geballt hatte, was er für Heinrich Heine war, „der sinnliche, geldbefleckte Danton". aber es fehlte auch nicht an Historikern, die die gegen ihn geschleu- derten Vorwürfe unter die Lupe nahmen und zerzupften. Wenn sich der Dr. R o b i n e t dabei durch allzu naive Kritiklosigkeit auszeich- nete, so mühte sich Alphonse A u l a r d, der durch Jahrzehnte an der Pariser Sorbonne den Lehrstuhl für Geschichte der französischen Revolution inne hatte, mit mehr Sinn für das Maß und deshalb mit mehr Erfolg um eine Rehabilition D a n t o n s, dem die Stadt Paris auch ein Denkmal auf dem Boulevard Saint-Germain setzte. Aber ein abtrünniger Schüler A u l a r d s, Albert M a t h i e z, führte die wuchtigsten Stöße gegen das Andenken des Umstrittenen. Schon als unbedingter, leidenschaftlicher Robespierrist mußte er sich gegen Danton kehren.„Wenn," tat er einmal dar,„Danton unschuldig ist, dann sind Wohlfahrts- und Sicherheitsausschuß und der gesamte Rationalkonvent, die ihn verurteilt haben, des Mordes schuldig": er hätte hinzufügen können: dann ist vor allem Robespierre ein Mörder. Da dos aber um keinen Preis sein durfte, mußte der Spruch vom 5. April 1794 dem Recht und der Gerechtigkeit entsprechen. Also ging M a t h i e z, sonst ein Ge- schichtsschreiber von vielen Verdiensten um die Erforschung der Revo- lution, daran, aus alten und neuen Büchern und Handschriften mit der Findigkeit eines Detektivs und dem Eifer eines Staatsanwalts das Belastungsmaterial zusammenzutragen, das anno 1794 dem Ankläger vor dem Reoolutionstribunal noch gemangelt hatte. In dieser unbarmherzigen Beleuchtung steht der von Robespierre Gefällte als ein Glücksritter der Revolution da, gewissenlos, bedenkenlos, überzeugungslos, nur von Geld- und Genußgier getrieben, bereit, sich jedem für Bargeld zu verkaufen, der Bargeld dafür auswerfen wollte, ein Unterminierer der Bewc- gung, der er zu dienen vorgab, und deshalb die geheime Hoffnung der Royalisten. endlich„ein schlechter Franzose, der am Siege zweifelte und heimlich einen Schmachfricden mit dem Feinde vor- bereitete". Da M a t h i e z im Februar dieses Jahres, allzufrüh für sein Werk, gestorben ist. hat er nicht mehr erlebt, daß seine in jedem Fall überhitzten, verkrampften Behauptungen mit den oft an den Haaren. herbeigeschleppten„Beweisen" methodisch widerlegt wurden; Au- l a r d und seine Schüler wahrten ein etwas verächtliches Schweigen, wahrscheinlich in dem Bewußtsem, daß jede groteske. Uebertreibung sich von selbst totlaufe. Ob sie damit klug handelten, steht dahin, denn obwohl van M a t h i e z' Schaffen kaum etwas in unsere Sprache übertragen wurde, fand seine Auffassung Dantons in letzter Zeit auch in Deutschlavd Eingang. Eben aber erscheint lim Verlag von Albin Michel, Paris) ein„Danton", der die Anti- these jener These bringt, l�in unmittelbarer Nachfolger D a n t o n s hat das Buch geschrieben, denn wenn Louis Bar- t h o u, der bekannte Staatsmann der dritten Republik und zu oer- schiedenen Malen ihr Iustizminister, auch kein Revolutionär war und ist, so bekleidete doch der Revolutionär Danton nach dem 19. August 1792 das Amt des Iustizministers. Ein Kollege spricht also über den Kollegen. Daß der Verfasser ein Jurist von Rang ist, kommt dem Buch mannigfach zugute Sicher ist es keine Biographie, die die Em- Wicklung ihres Helden aus den politischen und sozialen Bedingungen der Zeit ableitet; e? beschränkt sich auf das rein Persönliche und zieht die großen Ereignisse der Revolution nur insoweit heran, als sie zum Verständnis des Ganze» unerläßlich sind. Genaue Kenntnis der Tatsachen und der Personen wird bei dem Leser vorausgesetzt. so daß der„Dämon" mehr einem Plaidoyer als einer Monographie gleicht. Dies die Situation: die Verhandlung ist in ihrem vorletzten Abschnitt angelangt, die Zeugen habem einer nach dem andern, an der Barre ihre Aussage gemacht, der Staats- anmalt, Albert M o t h i e z, sinkt nach unerbittlich schneidender Anklagerede befriedigt in seinen Sessel, und nun erhebt sich in der Robe des Verteidigers Louis B a r t h o u und wendet sich an die Geschworenen:„Meine Herren!"... Was dieser Advokat zu sagen weiß, ist nie deklamatorisch, hat Hand und Fuß und wirkt nicht durch Mätzchen, sondern durch nüch- terne Sachlichkeit; sein Appell ergeht nicht ans Gemüt,-sondern an den gesunden Menschenverstand. Er sichtet die Aussagen, bewertet sie und fügt sie entweder als beweiskrästig seinen Darlegungen ein oder läßt sie als unerheblich falle». Neben M i r a b s a u erscheint ihm Danton als der größte Mann der Revolution. aber daß zwei Seelen in seiner Brust wohnen, räumt auch er ein. Er gibt zu. daß sein Klient in der Wahl seines Verkehrs strafbar unvorsichtig gewesen sei, und bestreitet die Möglichkeit nicht, daß er als Konventskommistär in Belgien es mit Wein und Weibern ein wenig toll getrieben habe:„Will man ihn als Unschuldsengel hin- stellen, läuft man Gefahr, ihn zu verkennen" Dafür rühmt er nicht nur D a n t o n s wahrhaft revolutionäre Redegabs und die Stetig- keit seiner Politik, sondern auch sein besonnenes Maßhalten bei ollem ungeberdigen Impuls, seinen politischen Instinkt und Scharf- blick und seinen sehr entwickelten staatsmännischen Sinn für die Not- wendigkeiten einer Regierung, obwohl k->ine Theorie seiner Taktik zu- gründe lag; er darf sich zu wiederholten Molen auf Iaur-s be- rufen, der von Donton saate, daß er d> e Revolution im Zentrum seines Wesens trua. und ganz ossensichilich hat Barth ou seine Freude an dieser farbigen, urwüchsigen, unge- stümen. überquellend reichen, rabeloishaften Natur, die mit ihren Widersprüchen anziehender wirkt als eine blasse, blutleere, recht- winklige Abstraktion. Um die wesentlichen Anklagepunkte gegen Danton zu wider- legen, kann B o r t h o u nicht anders, als sehr ins einzelne gehen. Ei»? schon früh erhobene Beschuldigung, die auch M a t h i e z zum Besten dienen mutz, macht Danton zu einem A n s« i i t e r und Förderer der grauenhasten Metzeleien, durch die Ansang September 1792 in den Pariser Gesängnissen an die anderthalbtausend politische Häftlinge abgeschlachtet wurden. Die Beweise? Lafayette behauptet in seinen„Memoiren", daß Danton„die Septembermetzeleien befehligt und die Mörder ent- lohnt" habe, aber Lafayette, zur Zell der Massakers fern von Paris in Gesangenschoft, berichtet nur vom nachträglichen Hören- sagen. Aehnlich wie Lafayette äußert sich in ihren Erinnerungen Madame Roland, aber auch sie weiß aus eigenem� nichts an- zugeben und ist überdies durch Haß gegen Danton'verblendet. Ein nur im Auszug oerösfentlichter Bericht Ludwig Philipps, des„Bürgerkönigs", bekundet, daß Danton sich ihm, dem damaligen Herzog von Chartres, gegenüber noch im September 1792 zur Urheberschaft der Gefängnisschlächtereien bekannt habe. Aber warum wurde dieser Text nie ganz mitgeteilt? Und spricht auch nur eine geringe Wahrscheinlichkeit dafür, daß sich der Revolutions- minister vor einem neunzehnjährigen Prinzen so enthüllt hat? Die Denkwürdigkeiten Theodore de Lomeths sind dreiundzwanzig Jahre nach den Ereignissen zu Papier gebracht und strotzen von sachlichen Unrichtigkeiten, und für die von C a b a n e s erwähnte Aussage des deutschen Arztes S a i f f e r t fehlt die Quelle. Wenn weiter B r i s s o t in seinen Memoiren erzählt, daß Danton, von ihm' bestürmt, dem entsetzlichen Morden Einholt zu tun, sich taub gestellt und von einem„unumgänglichen Opfer" gesprochen habe, um das Pariser Volk zu befriedigen, so hatte in Wahrheit der Justizminister so wenig wie ein anderer Gewalthaber die Macht, der tollwütigen Masse in den Arm zu fallen; zudem ist der Führey der Gironde mit seiner grimmen Abneigung gegen Danton gerade kein klassischer Zeuge. Gegen die Anschuldigung aber spricht d i e Gradlinigkeit von Dantons Politik, der vor wie nach dem September für eine entschlossen zupackende Justiz eintrat, um dem Volk zu eigenmächtiger Abrechnung mit den Gegenrevolu- tionärcn den Anlaß zu nehmen; auch rechtfertigte und entschuldigte er die Greuel nie, sondern verurteilte und beklagte sie stets. Mit Fug greift B a r t h o u auch auf zwei Konventssitzungen zurück, die von der Erörterung der Septemberereignisse bewegt waren. In der ersten, vom 29. Oktober 1792, warf L o u v e t als Redner der Gironde Danton, dem er ausdrücklich sagte, daß niemand ihn anklage, lediglich Passivität vor: der Innenminister habe feine Stimme vergebens gegen die Morde erhaben, der Iustizminister gar nicht; in der zweiten, vom 8. Februar 1793, wurde der Name Danton überhaupt nicht genannt: nur Grangeneuve berief sich auf ein Gerücht, dem er nicht viel Wert beizumessen schien, wonach jene Scheußlichkeiten im Justizministerium— nicht etwa vom Justizminister!— ausgedacht worden seien. Barth ou Hot durchaus die Logik auf seiner Seite, wenn er fragt:„Wäre Danton der Mann des September gewesen, hätte er dann nicht zum größten Teil dieKosten dieser leiden- schaftlichen Debatte be st ritten?" Wirklich hat schon 1912 ein Deutscher, Scheiber, In einer eindringlichen Unter- suchung nachgewiesen, daß Danton nicht für die September- morde haftbar gemocht werden kann. Minder in der Luft zu hängen scheint die Anklage der Bestechlichkeit gegen Danton. Daß allerdings in Epochen hemmungslos sich austobender politischer Leidenschaften der Vorwurf der Korruption gegen den Andersdenkenden federleicht wiegt, erfährt unsere Zeit Tag für Tag; sogar Stresemann blieb die Infamie nicht erspart, daß er sich für seine„landesverräterische" Außenpolitik mit Geldern des„Feindbundes" habe schmieren lassen. Aehnlich bezich- tigte während der französischen Revolution so ziemlich jeder jeden, ein gekaufter Lump zu sein, und Danton, der über Verleum- düngen die Achseln zuckte, statt sie zurückzuweisen, stand vornean in der Drecklinie. In diesem Punkt: Bestechlichkeit ist ein wichtiger Kronzeuge für M a t h i e z jener Bertrand deMole- v i l l e, der in seinen„Erinnerungen" aussagt, Danton habe unter dem Ministerium Montmorin„mehr als 199 999 Taler erhalten, um verschiedene Antröge im Iakobinerklub einzubringen oder zu unterstützen". Eine runde Summe und eine runde Er- klörung, aber daß dieser Zeuge auch Männer, die über jeden Verdacht erhoben sind, mit ihren Bestechungssummen aufführt: Condorcet mit 159 999, Abbe G r e g o i r e mit 89 999, P e t i o n mit 69 999 Livres, entwertet seine Aussage zu barem Hintertreppen- klatsch. Zwar scheint B r i s s o t die Behauptung M o l e v i l l e s zu bekräftigen: er will die Empfangsbescheinigung über die 199 999 Tale? gesehen hoben, die D a n t o n von M o n t m o r i n im Namen des Hofes empfing. Nur erschüttert auch B r i s s o t den Glauben an seine Glaubhaftigkeit schwer, indem er, neben Danton. Robespierre und M a r a t als Söldlinge des Herzogs von Orleans aufführt, reicht er Verleumdungen dieser beiden so skrupellos weiter, warum sollte da seine Anschuldigung D o n t o n s begrün- deter sein? Außerdem fordert er den gleichen Einwand heraus wie Lafayette, der ebenfalls Danton einen vom Hof Gekauften nennt und die Bestcchungssumme auf 199 999 Livres statt Taler beziffert- warum, wenn Brifsot und Lafayette derart um die Bestechlichkeit Dantons Bescheid wußten, hielten sie mit ihrer Kenntnis hinter dem Berge, als sie von ihm in der Oessentlichkeit heftig, schonungslos, auf Tod und Leben angegriffen wurden? warum schwiegen sie. wenn sie ihn mit ihrer Enthüllung ein für allemal erledigen konnten? Ein Zeugnis aber gibt es. das schwerer als die anderen in die Waagschale fällt. In einem Brief Mirabeaus an den Grafen de la Morck vom 19. März 1731 heißt es:„Danton hat gestern 39 999 Livres erhalten, und ich habe den Beweis, daß er die letzte Nummer von Comille Desmoulins hat machen lassen," eine Nummer, in der M i r a b e a u übel mitgenommen wurde: der Marquis beklagt sich also, daß Danton für sein Sündengeld die Gegenleistung schuldig geblieben sei. Dieser Satz scheint von einer furchtbaren Eindeutigkeit für Danton, ober B a r t h o u gelingt es, zu zeigen, daß er eher ein Rätsel aufgibt als löst, denn aus der Antwort de la Marcks ergibt sich, daß er, durchaus auf dem Laufenden über die Stipendiatenliste des Hofs, von dieser Angelegenheit nichts weiß; sechs Monate später leiht er sogar seiner Befürchtung Worte, daß„republikanische Elemente" wie Danton in die Legislative gewählt werden könnten. Brauchte er die Wahl eines Mannes zu fürchten, der sich mit Haut und Haar dem Hof ver- kauft hatte? Ist es selbst dem scharfen Auge nicht möglich, hier überall das Dunkel und Zwielicht zu durchdringen, so ist doch eines vor aller Blicken ausgebreitet: die politische Wirksamkeit D a n t o n s. Und sie liefert, will man nicht böswillig ver- zerren, an keiner Stelle den Beweis für oder auch nur den Hinweis auf Bestechlichkeit, jede seiner Handlungen läßt sich ebenso überzeugend, nein, läßt sich weit zwang- loser aus großen politischen als aus kleinen persönlichen Gründen erklären. Darum kommt auch B a r t h o u, der die Hinrichtung D a n t o n s einen vorbedachten Mord heißt, aber bei B i l l a u d- V a r e n n e mehr Schuld findet als bei R o b e s p i e r r e, zu dem Ergebnis: Verdacht? Ja! Beweise? Nein! dlon liquet, sqgt in solchen Fällen der Jurist, es liegt nicht klar zutage. Jedes Amts- gericht spricht bei einem dlon liquet glatt frei, und nach anderen Grundsätzen darf auch die Weltgeschichte nicht urteilen. Hermann Wendel. Qerhard direhs: IHlHßl gegen ArbeitslosigkeH, aber... Die Zahl der Erwerbslosen in den Vereinigten Staaten wird auigenblicklich auf 19 bis 11 Millionen geschätzt, die Aussichten auf eine organisierte staatliche Unterstützung dagegen wachsen nicht in einem entsprechenden Verhältnis. Es gibt eine Reihe von Unter- nehmen, die durch Zlrbeitsstreckungspläne die Zahl der Entlassungen niedrig zu halten suchen oder den Entlassenen eine geringe, bisweilen durch Lohnadzüge aufgebrachte Unterstützung zahlen; daneben lausen die mehr oder weniger zufälligen Hilfeleistungen, die aus kommunalen und privaten Wohltäftgkeitsfonds gewährt werden können, aber beides ist ungenügend,»nd auch die Gewerkschaften sehen sich in immer abnehmendem Maße in der Lag«, ihren arbeitslosen Mit- gliedern beizuspringen, ivenn auch in einzelnen Verbänden die Opferbereitschaft der noch in Arbeit Stehenden beträchtlich ist; so etwa in der Ortsgruppe Philadelphia der Elektriker, wo vom Lohn der ersten vier Wochenarbeitstage 19 Proz., von dem des fünften und sechsten Tages 59 Proz. zugunsten der Arbeitslosen in die Verbandskasse fließen, oder bei den Z e i t u n g sdr u ck e r n, deren jeder für einen Tag pro Woche einem erwerbslosen Kollegen seinen Platz an der Rotationspresse abtritt. Unter solchen Umständen ist es nicht verwunderlich, daß die Er- wsrbslofen, besonders in den großen Städten, zur S e l b st h i l f e greisen. Ohne vorher in langen Zeitungsartikeln darüber zu dis- kutieren, ob ihr Plan theoretisch schlüssig und durchführbar sei, son- der» einfach, indem sie ihn anpacken, aus der sprichwörtlichen prakli- schen Einstellung der Amerikaner heraus. Aus Seattle im Staate Washington, einer Halbmillionen- stadt an der Pazifischen Küste der Vereinigten Staaten, wind ein erster Versuch. gemeldet, gegen die Erwerbslosigkeit anders als mit Wohlfahrtssuppen anzugehen. Etwa 13 999 der Unbeschäftigten, die zusammen mit ihren Familien ungefähr ein Zehntel der Veoölke- rung ausmachen, haben sich zusammengeschlossen zur Dnemploved Citizens' League, einer Art Bersorgungsgemeinschast, die sich zur Aufgabe gesetzt hat, ihre Mitglieder mit ausreichenden Nahrungs- Mitteln und sonstigen Lebensnotweirdigkeiten zu versehen. Und zwar alles ohne Verwendung von Geld, lediglich durch direkten Tausch von Arbeitskrast gegen Verbrauchsgüter. Es begann im Herbst des vergangenen Jahres, als einige Schüler und Lehrer einer Arbeiterschule in Seattle mit Erwerbs- losen Holz fällen gingen in Forsten, die ihnen nebst dem not- wendigen Handwerkszeug von privaten Eigentümern und vom Staate geschenkt worden waren. Da? geschlagene Holz wanderte in die Oefen der Arbeitslosen. Danach ging man zu den Farmern der Umgebung, um Kartoffeln, Obst und Gemüse zu schnorren. Und heute ist die lleague auf Grund des raschen Zustroms der zur Selbst- Hilfe bereiten Arbeiter in der Lage, wöchentlich an 1299 Tonnen Holz, 199 Tonnen Kohle, 499 Tonnen Nahrungsmittel und 399 Tonnen Obst zu verteilen, darunter ftir 139 999 Dollar Waren, die aus dem monatlichen Zuschuß der Stadt angeschafft werden. Die Verteilung wird auf der Basis der' Familien st ärke vorgenommen, wofür als Gegenleistung von jedem Arbeitsfähigen der Einschuß von zwei- mal sechs Arbeitsstunden pro Woche gefordert wird entweder im Verwaltungsapparat der Dengue oder in ihren produktiven Unter- nehmungen. Nicht mehr rentable Fabriken sind im Laufe der Monate der Dengue zur Verfügung gestellt worden, und ebenso haben einzelne Farmer, die ihre Steuern nicht mehr aufbringen konnten, ihr Land übereignet oder dargeliehen. Dadurch kann ein Teil der Lebensmittel in eigener Regie erbaut werden, während ein eigenes Bergwerk sowie eigene Kleider- und Schuh- f a b r i k e n Kohle und Beklcidungsgegenstände liefern. Daneben bestehen eigene Garagen und Barbiergeschäfte, und eine Anzahl der Mitglieder wohnen mietfrei in Wohnungen, die durch Gemeinschafts- arbeit repariert und nun von den Hausbesitzern für eine gewisse Zeit umsonst abgegeben werden. Durch Geldsammlungen hofft man die Mittel in die Hand zu bekommen zum Anktkuf weiterer Produktions- Werkstätten, um schließlich völlig„autark" zu sein. Grundsatz ist jedoch, im übrigen vollkommen ohne Geld zu operieren. Die gesamte Erzeugung ist lediglich für den Eigenverbrauch der Mit- glieder bestimmt und nichts für den ohnehin schon übersättigten Markt; den noch in Arbeft Stehenden soll in keiner Weise Konkurrenz gemacht werden. Die Führer der Dengue, die ihre Idee hier und dort nachgeahmt und sich selbst zu einem an Einfluß zunehmenden politischen Faktor innerhalb Seattles werden sehen, hoffen mit ihrem Plan einen gong- baren Weg aus der Erwerbslosigkeit und schließlich auch aus der Wirtschaftskrise zu weisen. Und hier macht sich die Unbeschwertheit durch Theorien, so sympathisch sie bisweilen wirken kann, als Nach- teil bemerkbar. Es soll gar nicht untersucht werden, ob zwölf Stunden Arbeit pro Woche ausreichend sein können zur Befriedigung der Bedürfnisse von durchschnittlich vier Personen, dagegen ist es ganz offenbar, daß die Versorgung nur bei gan.; beträchtlichen dauernden Zuschüssen von außen her gelingen kann. Wenn diese Zuschüsse, statt zu steigen— was sie zur Erneuerung der sich ab- nutzenden Maschinen oder zur Anschaffung von Düngemitteln müßten— eines Tages aufhören zu fließen, würden sich die Mit- glieder der Unemploved Citizens' Dengue wohl vor blanken Maschinen, aber ohne ein Elle Stoff oder ein Stück Leder finden, um sich und ihren Angehörigen einen Anzug oder ein Paar Schuhe daraus zu verfertigen. Das Ergebnis von Los Angeles Nur Rekorde und Medaillen— sonst nichts} Die Olympischen Spiele in Los Angeles fmii nun beendet und man übersieht in der bürgerlichen Sportwelt das Er- gebnis. Es sieht genau so aus, wie wir vorausgesagt haben: Gestürzte und neuaufgestellte olympische und Weltrekorde werden registriert und hervorgehoben, die Sieger gefeiert. Doch nichts von dem, was not gewesen wäre, nichts von einem Erfolg in der Rich- tung des Näherkommens der Völkerl So hat die Olympiade in Los Angeles versagt, wie sie versagen muhte. Man hat wohl Wettkämpfer dorthin geschickt, nicht aber Menschen, denen daran gelegen war, mit den anderen Nationen in Kontakt zu kommen. Die Wettkämpfer allein sind daran nicht schuld, wohl aber die Führer im bürgerlichen Sport aller Länder. Sie sind alle aus einem Holz geschnitzt, sie sehen nichts anderes als die Notwendigkeit, den Gegner unter allen Umständen zu b«- siegen, koste es, was es wolle und ginge es selbst um ideale Regungen im Menschen. In der Hugenbergschen„Nachtausgabe" gibt der nach Los Angeles gefahrene Sportredakteur D o e r r y offen zu, daß mit der Olympiade eine„Epoche nie gesehener Spezialisierung im Sport" angebrochen sei. Besonders die Amerikaner hätten in systematisch airf die Olympiade berechneter Vorarbeit besonders an den Universitäten Spezialsportler heran- gezüchtet, denen die anderen Nationen, besonders aber Deutschland, nichts entgegenzusetzen hatten. Den Deutschen fehle vor allen Dingen Dingen ein zäher, von stärkstem Siegeswillen erfüllter Wettkämpfer; die Heranzüchtung solcher Leute sei bei uns vernachlässigt worden. Allerdings feien im Auslande bereits Ueberzüchtungen festzustellen gewesen, aber wie die Dinge bei den Olympiaden nun einmal liegen, gäben diese Wettkämpfer den Ausschlag. Doerry erklärt dann weiter, daß die in Deutschland geleistete Breiten- arbeit(die aber grundsätzlich nur in den Arbeitersportvereinen getrieben wird! Red.) eben in Los Angeles nicht zur Geltung kam. Wenn man die Olympischen Spiele mit den Augen eines auf die bürgerliche Sportideologie eingeschworenen Mannes betrachtet, so muß man allerdings zu den Folgerungen kommen, die Doerry mit erfreulicher Offenheit trifft. Anders aber, wenn man die Grund- fätze des Arbeitersports gelten läßt. In unseren Arbeiter- sportoereinen wird grundsätzlich Breitenarbeit geleistet, wobei sich natürlich auch Spitzenkönner herausschälen. Einer muß ja schließlich überall der Beste sein, nur sehen wir in dem Mann oder in der Frau, die einige Zentimeter höher springen oder einige Sekunden schneller laufen als die anderen, nicht den Heros des Sports und der Nation, der unter allen Uinständen herausgestellt werden muß. Man hat den Arbeitersportlern schon vorgehalten, daß ja auch sie Meisterschaften und olympische Spiele austragen, aber man hat dabei geflissentlich übersehen, daß bei uns solche Ver- anstoltungen nicht Selbstzweck waren. Ueberall, wo Arbeitersportler sich in der Oefsentlichkeit bei Sportfesten, sei es selbst im inter- nationalen Maßstabe, zeigen, steht die Massengymnastik und die Darstellung des durch den allgemeinen Uebungstrieb Erreichten mit an erster Stelle. In Los Angeles hat man nichts dergleichen gesehen. Hier kam es lediglich auf den Rekord und auf die Spitzenleistung an, für die man In widernatürlicher Weise Spitzenkönner heran- züchtete, die dann die diversen Medaillen für ihre Nation erobern mußten. Heber das andere, was Arbeitersportler mit ihrer Arbeit er- reichen, nämlich den Mensch zum Menschen zu bringen ohne Rücksicht darauf, wie sein Vaterland heißt, haben wir uns gerade anläßlich der Olympischen Spiele in Los Angeles eingehend ausgelassen. Das ist das geistig-moralisch Wertvolle an der großen Bewegung, die sich internationaler Arbeitersport nennt, der Bewegung, der die Bürger- lichen nichts entgegenzusetzen haben. So schließt denn die derzeitige Olympiade mit einem Ergebnis ab, das in sportlicher sowohl wie in völkerpolitischer Hinsicht so karg- lich ist, wie es erwartet werden mußte. Der Medaillensegen Bei den olympischen Spielen wurden 1Z neue Weltrekorde und 31 neue olympische Rekorde aufgestellt. Die Deut- s ch e n eroberten 3 goldene Medaillen, und zwar: Jsmayr(Ge- wichtheben, Mittelgewicht), Brendel(Ringen, Bantamgewicht), Ber- liner Ruder-Club im Vierer mit Steuermann. Silberne Medaillen erhielten: Ellen Braumüller(Speer- werfen). Körnig, Hendrix, Borchmeyer, Ionath(4 mal 1 Meter). Ehrl(Ringen, Federgewicht). Sperling(Ringen, Leichtgewicht). Földeak(Ringen, Mittelgewicht). Wölpert(Gewichtheben, Federgewicht). Hax(Pistolenschießen). Gebr. Rademacher, Cordes, Gunst, Benccke, Schwartz, Schulze, Eckstein, Pohl, Schumburg(Wasserball). „Amicitia"-Mannheim: Maier, Flinsch, Gaber, Dr. Aletter(Vierer ohne Steuermann). Buhtz-Bötzelen(Doppelzweier). Ziglarski(Boxen, Bantamgewicht). Schleinkofer(Boxen, Federgewicht). Campe(Boxen, Weltergewicht).— Eine broncene Medaille bekamen: Ionath (MX) Meter). Eberle(Zehnkampf). Tilly Fleischer(Speerwerfen.) Strahberger(Gewichtheben, Schwergewicht). Das Gesamt- Länderklassement stellt sich folgt dar: 1. Preis Amerika-iv Italien........ 11 Finnland........ d Frankreich g Schweden........« Japan........ 7 Deutschland....... B Ungarn........ 6 England 4 wie Kanada 2. Preis 33 11 8 7 3 7 13 4 Ii 5 8. Preis 29 14 14 2 10 4 4 4 « 8 Punkt« 215 09 45 43 43 39 39 30 30 21 Nach den Bundesmeisterschaften Rückblick auf Dresden Das größte Ereignis des Jahres in der A r b e i t e r l e i cht- a t h l e t i k gehört der Vergangenheit an. Dresden als Austragungs- ort der B u n S e s m e i st e r s ch a f t e n im Arbeiter-Turn- und Sportbund, hat sich durch sein« Lage und mit seinem Organisations- stab als außerordentlich geeignet erwiesen. Das schöne Kreisheim der Dresdener Arbeitersportler mit seinen ausgedehnten Anlagen als Zentralstelle des sächsischen Arbeitersports zeugen von unerinüd- licher Schaffenskraft; gern werden die Teilnehmer an die schönen Sportanlagen und die herrliche Umgebung der Ilgenkampfbahn zurückdenken. Unter den größten wirtschaftlichen und persönlichen Opfern kamen MI Arbeitersportler zu Fuß, per Rad, mit Autos oder mit der Eisenbahn nach Dresden. Nicht behördlich bezuschußt wie die Kämpfer von Los Angeles. Besonders Süddeutschland und Oester- reich erscheinen im Augenblick als die Hochburgen der Leichtathletik. Aber auch Hamburg ist eine tüchtig« Stütze. In Berlin fehlen zur Zeit einige Spitzenkönner, sie werden jedoch auch wieder aus dem guten Durchschnitt herauswachsen. Sachsen verfügt ebenfalls über «ine gute Vertretung. Berlin konnte diesmal nur zweite Siege mit heimbringen. Bei guter Zusammenarbeit wird diese Scharte aber wieder ausgewetzt werden. Die anderen Landesteile sind eben ini Augenblick besser. Die Hauptsache ist, daß es in allen Kreisen vor- wärts geht. Die Ausscheidungskämpfe erbrachten sehr oft die Eben» bürtigkeit der Wettkämpfer, so daß man erkannte, daß bei diesen großen Kämpfen die augenblickliche Fertigkeit des einzelnen den Aus- schlag geben kann. Der Vergleich der Kräfte im Sport ist gut, er ist aber in der Arbeitersportbewegung nie Selbstzweck, sondern nur ein Mittel zur Zusammenfassung aller Kräfte. So werden die Arbeitersportler auch in Zukunft ihre Arbeit auffassen und fortsetzen. 175 Fahrer bei„Rund um Berlin" Das bedeutendste deutsche Straßenrennen, die im Jahre 1896 begründete Radfernfahrt Rund um Berlin wird am kommenden Sonntag ausgefahren. Die Strecke ist rund 240 Kilometer lang, sie führt von der Heerstraße in Pichelsdorf über Nauen. Kremmen, Oranienburg, Bernau, Akt-Landsberg, Erkner, Königswusterhauien, Zossen und Trebbin nach dem Stadion in Berlin-Wannsee. Das Melideergebnis ist sehr befriedigend ausgefallen, es sind rund 17? Nennungen eingegangen, und zwar von 39 A�, 25 B-, 85 C- und 4 v-Fahrern sowie von 25 Altersfahrern, deren Rennen in Erkner beginnt und nur über 199 Kilometer führt. RootshauweiKe in Köpenick Die Freien Wasserfahrer Köpenick 1924 e. V., Verein für Ru derund Kanusport, feiern Sonntag, 21. August, ihr 8. Stiftungsfest und verbinden damit die Weih« ihres eigenen Bootshauses in Köpenick, Friedrichshagener Str. 7(Eingang 8). Trotz größter Hindernisse, die sich durch die Arbeitslosigkeit des größten Teils der Mitglieder in den Weg stellten, gelang es dem Verein dennoch, aus eigenen Mitteln den Bau auszuführen. Die Feier, zu der alle Bruderverein« sowie Freunde und Gönner des Vereins herzlichst eingeladen sind, beginnt um 14 Uhr. Der Männer- und Gemischte Chor Köpenick wird die Veranstaltung künstlerisch umrahmen. Der Arbeilerfußballklub Dorwärks-Ivedding beabsichtigt, eine Jugend- und Schülermannschaft zu gründen. Zu diesem Zweck findet am Donnerstag, dem 18. August, 19 Uhr, im Lokal von Pimpler, Nazarethkirchstr. 41, eine Versammlung statt. Interessen- ten sind herzlich eingeladen Das Training des Vereins findet Dienstags von 18— 29 Uhe auf dem Sportplatz Teutonia 99 in der Christiamastraße statt. Besichtigung des Schulgartens Blankenfelde. Die Naturkund- liche Abteilung des Touristenvereins„Die Naturfreunde" ladet alle Genossen und Interessenten zur Besichtigung des Schulgartens in Blankenfelde ein. Treffpunkt am Sonnabend, 29. August, 15.39 Uhr, Straßenbahnhof Nordend, oder 16 Uhr, Eingang zum Schulgarten. 19 üahre Sportverein Moabit. Di« Ausschreibung für das bundesoffene Sportfest des Arbeiter- Sportvereins Moabit am 27./28. August auf dem Tiergartensportplatz ist noch wie folgt er» gänzt worden: Am Sonnabend starten die Frauen über 25 Jahre im 99-Meter-Lauf und im Kugelstoßen. Die Sportlerinnen laufen eine kleine Olympische Stafette, die Männer 899 Meter und bringen den Weitsprung. Das Startgeld beträgt entgegen der ergangenen Ausschreibung einheitlich für Männer, Frauen und Jugendliche 15 Pf. Außerdem wird eine Melidegebühr von 39 Pf. für Stafetten erhoben. Kinder zahlen kein Startgeld. Acbeitec-Ua&d&'M Stralau gegen Nordring 8:13 Kurz vor Beginn der neuen Handballserie prüften die beiden Mannschaften vom Bezirk Stralau und Nordring der FTGB. noch einmal ihre Spielstärke. Beide Mannschaften lieferten sich einen Kampf, wie man ihn bei den Freundschaftsspielen selten zu sehen bekommt: sair, schnell und technisch vollendet. Wenn man das Resultat liest, kommt man in die Versuchung, zu glauben, daß beide Hintermannschaften nicht auf der Höhe sind. Das Gegenteil kann man bei Nordring behaupten. Gutes Stellungs- spiel der Läufer wie der Verteidiger und sicheres Fangen des Tor- warts zeichnete sie besonders aus. Im Sturm konnte man das genaue Zuspielen bewundern. Selten ging ein Ball oaneben, wenn ihn nicht einer der Stralauer aufhielt. In der Stralauer Mann- schaft mangelt es der Verteidigung an dem notwendigen Stellungs- spiel. Mit dem Zurufen auf Abdeckung allein ist es nicht getan, fon- dsrn man muß auch einmal angreifen. Der Torwart hatte sehr viel Arbeit, um alle die Angriff« abzuwehren. Gleich nach dem Anwurf kamen die Nordringer vor das Tor der Stralauer, ohne jedoch erfolgreich zu sein. Stralaus Stürmer be- kamen den Ball, diesen durch und in der ersten Minute lautete das Resultat 1:9 für Stralau. Nur wenige Augenblicke später ging der Ball nur knapp über die Latte. Dann dominierten die Nord- ringleute. Immer wieder spielte sich der Sturm gut durch und in gleichmäßigen Abständen schraubten sie das Ergebnis auf 1: 4. Die Stralauer, die an der sicheren Hintermannschaft Nordrings nicht vorbei kamen, versuchten sich in Weitwürfen, von denen der erste in der 23. Minute zum zweiten Tor führte. Nur eine halbe Minute später brachte es wieder der Mittelstürmer sogar auf 3:4. Aber nicht lange dauerte die Freude und Nordring sandte noch zweimal ein. Die zweite Halbzeit hätten sich die Spieler schenken können. Es war eigentlich nur noch ein Kampf mit der Dunkelheit. Die Mannschaft, die am schnellsten am Tor war, hatte auch den Erfolg für sich. Fünfmal waren die Stralauer und siebenmal die Nord- ringer erfolgreich. Bei früherem Spielbeginn hätte das Spiel einen anderen Ausgang genommen. Mit 13: 8 blieb Nordring Sieger. 6409 gegen 4209 PS. Vom 2. bis 5. September findet auf dem St. Clair-See bei Detroit das Motorboottennen um die Harms- worth-Trophäe statt, bei dem die schnellsten Rennboote der Welt, die mit einem 6499 PS-Motor ausgerüstete„Miß America X" des Amerikaners Gar Wood und die neue, nur 4299 starke„Miß Eng- land III" des Engländers Kaye Don zusammentreffen. Bereits bei den Probefahrten hat die„Miß America X" den von der„Miß England III" mit 179 Stundenkilometern gehaltenen Weltrekord ganz erheblich überboten. Commodore Gar Wood erreichte mit seinem Boot Geschwindigkeiten bis zu fast 299 Stundenkilometer. BuucUsiceuc\JueiMC Uileu mt: „Tolidarität-, Kraftfahrer. Touren für Sonntag, 21. August. Eauwandor. fahrt nach Buckow tMärlische Schweiz). Die Kraftfahrer treffen sich um Ssh Uhr oor Münchcberg, um gefchlosien nach Buckow zu fahren. Die Abteilungen starten� Krcuzberg: 7 Uhr Rcichenberger Str. 91. Friedrichshain: 7 Uhr Land bergcr Platz."Norden: 7 Uhr Seestr. 02. Charlottenburg: 7 Uhr Wilmersdorfer ~' Pankow: 7 Uhr Kaifer-Friedrich. Ecke Trellcborgstraße. Lichtenberg: Straß aßt 21.________ 75i Uhr Oderstr. 18. Oberfchöncweide: 7 Uhr Wilhelminenhofstr. 64. Tempel» hof.Maricndorf: 7 Uhr Kurfürsten- Ecke Schützenstraße. Mitte: Start am 20. August um 15 Uhr und am 21. August um 7 Uhr Engelufer,(Sewerk- fchaftshaus. Freie F-ltbootfahrcr Berlin c. V. Donnerstag, 18. August, 20 Uhr. Gruppe Südosten: Jugendheim Große Frankfurter Str. 16.„Spatfommer-Programm". — Norden: Jugendheim Brunnenplatz, Ecke Schbnstedtstraße. Genosse Weigelt spricht über, Liebe, Ehe und Kameradschaft-'.— Nordosten: Jugendheim Christ» buraer Str. 7. Bortrag. Arbeiter-Schützenbund, Abt. Wedding. Donnerstag, 18. August, 20 Uhr, Uebungsabend Müller. Ecke Triftftraße. Die Techniker der Abteilung werden gebeten, ebenfalls dort zu erscheinen. Bolkssport Rcukölln-Britz, Tennisabteilung. Heute nach dem Training Sitzung. Lokal wird auf dem Platz bekanntgegeben.— 2. Frauenabteilung: Morgen, Donnerstag, erster Uebungsabend, Turnhalle Richardstraße. ASKij-Britz. Bereins-Ouartalsversammlung am Doiinerstag, 18. August fnicht am 20.), Ig'h Uhr, Hufeisenhalle. Bundesbuch ist Ausweis. Eltern unserer Kinder haben Zutritt gegen Vorzeigung der Kinderkarte. Teilnehmer zur Luckcnwalde.Fahrt am 27./28. August müssen sich wegen Quartier. beschaffung sofort melden. Touristcnocrcin„Die Naturfreunde". Freitag, 19. August. Photo-Arbeits» gemeinschaft Franke: Iohannisstr. 15.— Photo-Arbeitsgemeinschaft Neukölln: Bcrgstr. 29.— Photo-Arbeitsgemeinschaft Osten: Frankfurter Allee 307: Negatip» kritik.— Faltboot-Abteilung: Iohannisstr. 15: Kritik am Vergangenen usw., Wünsche für den Winter.— Südost: Manteuffelstr. 7.— Treptow: Elsenstr. 3, am Bahnhos: Pflanzen der Heimat.— Britz. Großsiedlung: Halle im Hufeisen, Fritz-Reuter-Allee: Trauen:„Das Totenschiss".— Vinetaplatz-Schiinhaufcr Borstadt: Lortzing- Ecke Graunstraße: Theater und Film.— Montag, 22. August. Malgemcinschaft: Manteuffelstr. 7.— Photo-Stammabteilung: Iohannisstr. 15: Die Vergrößerungstechnik lTcco).— Gesundbrunnen, Spielgemeinschaft: Goten- buraer Straße, rote Schule. ASB. 32 Borsigwalde. Zur Vervollständigung der Frauen, und Männer- Sandballmannschaft sowie Fußballmannschaften können sich jeden Freitag ab 20 Uhr im Vereinslokal von Lchnhardt, Berlin-Borsigwalde, Spandauer Ecke Konradstraße, Interessenten melden. Rätsel-Ecke des„Abend" uiiiiiiiiininniiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiintiiiiiiiitninnniiiiiiiiiniiimiuiiiiUiiiiiiiuiiiintitiiiniiminitiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiKiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiNiiMn Königszug. Geheimfchrifirätsel Spiralenrätsel käfergnttung, 14. Zurückfordern. Palindrom Waagerecht: 2. Anrede. 3. Laub- bauin, 5. Kloflerbewcch- nerin, 6. Stadt in Griechenland, 8. Stadt in Mitteldeutschland. 9. Mönch am russischen Zarenhof, 11. Reim- gungsmittel, 12. Geschwindigkeitsmesser. 14. Umgestalten, 15. Vorort von München.— Senkrecht: 1. Tierprodukt, 2. Münze, 4. weiblicher Vorname, 5. Mündungsarm der der Weichsel, 7. Planet, 8. oielsitziger Wagen, 19. Korsenkaiser, 11. Bet- telmönch, 13. Rüssel- Ich bin ein Fluß, doch umgekehrt Werd' als Getränk ich oft begehrt. 1 2 3 4 14 3 4 15. 4 11 15. 19 3 2. 16 6 17 8 1 3 11 2 9 1. 29 21 2 5 6 3 2 15 11. 4 17. 18 3 4 13 14 3 12. 19 3 2. 19 2 3 4. 8 1 3 4 7 3.! 19 9 2 13 14. 16 6 17 8 1. 18 9 17. 11 4 3 19.! Vorstehende Zahlen sind durch Buchstaben zu ersetzen, Richtig ersetzt ergeben sie einen Aufruf. Als Schlüsselwörter folgendes: 1 2 3 4 Gegenteil von besetzt(ledig). 5 6 7 8 9 2 19 4 11 12 6 13 14 15 die Nacht der Hexen. 16 6 17 3 12 18 Ort in Schlesien. 19 6 29 21 11 Kurort in Graubünden. P. S. Kapselrätsel Aus den Wörtern: anzuwenden, Strandkorb, Gelnhausen, Flunder, Kaufhaus, Beseitigung, Rcnnenkampf, Bewegung, Aus- nahmezustand, Darlehnskassenschein, Meister, Vereinigung, Mies- macher, Fenster, Eichelhäher, Wienerwald, Meister, demnächst, Roh- stofs, Pferdepflege, Belichtung, Leuchter sind je drei, dem letzten Wort zwei aufeinanderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die, an- einondergesügt, ein Sprichwort ergeben.— Kr.— Versteckrätsel Den Wörtern Tragödie, Ferienreise, Bernhard, Gefrierpunkt, Remonte, Stephani, Gerichttag, Freundschaft, Funkstunde, Besesti- gung, Vorortzug, Görres, Republik und Delikt sind je drei üufein- anderfolgende Buchstaben zu entnehmen, die aneinandergereiht eine wichttge politische Tatsache feststellen. Auflösungen der letzten Rätselecke Sternrätsel: 1—2 Rakete; 2—3 Enseli; 4— 3 Chodni; 4— 5 Chelius; 6— 5 Kalmus; 6— 7 Kanada; 8— 7 Nevada; 9— 8 Zieten; 9— 19 Zirkel; 11— 19 Eichel; 1—12 Rektor.— Buchstaben im Kreis 1— 12: Reichskanzler. Schieberätsel: Stresemann. Silben-Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Engels; 3. Abukir; 5.«ennerin; 6. Schebat; 8. Vehikel; 19. Anklam; 11. Rohrleger; 14. Dachstuhl; 15. Koralle; 17. Sense; 19. Utopie; 21. Narzisse; 22. Kokon.— Senkrecht: 1. Enklave; 2. Drohne; 4. Kirsche; 5. Senkel: 7. Batta; 9. Hiob; 19. Anger; 11. Rohrstuhl; 12. Ural; 13. Sachsen; 15. Kopie; 16. Lexikon; 18. Senar; 20. Topas.