BERLIN Soimerstag 18. August »32 Redaktion u. Expedition: Serlin SV 68, Smbenftr.8 Tel. A7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis f ll r b e i d e A u s g a b e n 7Z Pf. pro Woche, S,2z M. pro Monat(davon«7 Pf. monatlich für Zustellung in- Haus) im voraus zahlbar. Postbezug z,g7 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitung-, und 72 Pf. Postbestellgebllhren. 10 Pf. Nr. 388 B 159 49. Lahrgang Präsident Übe beruft des Periament ein Reichstagspräsidenk Lobe hat nach einer heute erfolgten Unterredung mit dem Reichskanzler von Papen den neuen Reichstag auf Dienstag, den 3 0. A u g u st, nachmittags 3 Uhr, einberufen. Hitlers Tolerierungsversprechen. Negierung hält an ihrer Darstellung fest. Trotz allem Lügengeschrei der Hitler-Presse hält die Neichsregierung an der Richtigkeit der amtlichen Dar- stellung über die Besprechung Hindenburg-Papen- Meitzner-Röhm-ssrick-Hitler fest. Es wird nochmals hin- zugefügt, daß der Reichspräsident diese Tarstellung der ReichSregierung billigt. Der„Angriff" wird durch Auflage genötigt werden, fein Lügengeschreibe als lügenhaft zu brandmarken. Papen und das Parlament. Mit dun Arbeitedienstprogramm will der Reichskanzler von Popen persönlich vorden Reichstag treteii Es wird weiter mitgeteilt, daß in der Besprechung des Reichsdankpräsidenten Dr. Luther mit dem Reichskabinett die beiden Standpunkte(über die 2lM) Millionen zur Industrie-Ankurbelung) einander a n g e- nähert worden seien. Die Aufnahme in den Arbeitsdienst erfolgt bis zum vollendeten 25. Jahre. Rur„Führer" dürfen älter fein. Zuständig für die Auf- nähme usw. sind die Arbeitsämter. Röhm bei Schleicher. Lakob diente um Nahel 14 Lahre. Die„Hamburger Nachrichten" lassen sich wie folgt vernehmen: Es liegen Meldungen vor, denen zufolge eine Aussprache zwischen Reichswehrminister General von Schleicher und dem Führer der nationalsozialistischen Sturmabteilungen, Hauptmann Rohm, stattgesunden habe. Diese Nachrichten sind zutreffend, entbehren ober jeglicher Sensation. Es ist selbswerständlich das Bestreben der Reichsregierung sowie der Nationalsozialisten, den negativen Ausgang der Verhandlungen mit dem Reichspräsidenten über die Regierungsumbildung nicht zu einer erbitterten gegenseitigen Kampfstellung werden zu lassen. Entsprechend der Mahnung des Reichspräsidenten, die Opposition ritterlich zu führen, werden auch weiterhin zwischen Regierung und Nationalsozialisten lausende Besprechungen über die politische Lage stattsinden, da nach wie vor das große Ziel bestehen bleibt, in geeigneter Form die breiten aufbauwilligen Kräfte der Rechtsbewegungen zu tätiger Mitarbeit an der Politik der Reichsregierung heranzuziehen. Oer Gast von Ooorn. Eine holländische Negierungserklärung. Die Gerüchte von einer Rückkehr Wilhelms des Letzten nach Deutschland sind neuerdings wieder lauter aufgetreten: es wird ganz bestimmt behauptet, daß dieser alte Herr sich demnächst auf einem Schloß bei K o b u r g niederlassen werde. Nun hat vor mehreren Wochen ein Sozialdemokrat im hollän- dischen Abgeordnetenhaus die Regierung wegen dieser Gerüchte besragt, und gerade jetzt hat der Ministerpräsident und Innenminister Ruys de Beerenbrouck folgende Antwort erteilt: Andere als äußerst vage nicht zu kontrollierende Gerüchte über eine Wiedereinsetzung des Kaisers in seine frühere Würde sind der Regierung nicht zu Ohren gekommen. Im Zusammenhang damit sind vorläufig auch keine Schritte unternommen worden. Die weitere Frage bezüglich der von der Regierung getroffenen Maßnahmen eigne sich nicht zur Beantwortung(?!). Die Regie- rung wiederholt die Versicherung, die sie 1320 und in den vorher- gegangenen Iahren gegeben hatte, genau darauf zu achten, daß von der dem Exkaiser in Holland gewährten Gastfreundschaft nicht ein dem L a n d e s i n t e r e ss e widersprechender Gebrauch gemacht werde. Auf die Frage eines Kommunisten bezüglich des Telegramms des Exkaisers vom IN. Juli an den Waffentag der deutschen Kavallerie hat der Ministerpräsident geantwortet, daß die Regierung dem Austreten des Kaisers die Aufmerksamkeit schenke, die es verdienet pircards Stark bei Zürich Klug nach Süden in-15 000 Meier Höhe Zürich, 18. August. Professor Piccard ist am Donnerstag, früh 3.V7 Uhr, vom Züricher Flugplatz Dübendorf zu seinem zweiten Ztratosphärenflug gestartet. Ter Start ging glatt vonstatten. Gegen 6.3Y Uhr befand sich der Ballon in einer Höhe von etwa 10 000 Metern. Um 7.30 Uhr wurde Pircards Ballon in der Nähe von Chur gesichtet. Wie der Ballon aufstieg. Ueher die legten Stortvorbereitungen Prof. Piccards wird noch gemeldet: Um 3 Uhr srüh wurde die Gondel unter den Ballon ge- schoben. Die Befestigung des Ventils an der Gondel nahm Professor Lin Vorläufer Der Aufftieg Montgolsiers mit seinem Ballon vor dem fran- zösischen Hof in Versailles am 10. September 1783. Dieser Ausstieg eröffnete den Siegeszug des Ballons, der bis 1N00 die einzige Möglichkeit war, sich in die Lüste zu erheben. Piccards Fahrten haben nun wieder mit Hilfe des Ballons den einzigen Weg gewiesen, der den Menschen bisher in Stratosphärenhöhe führte. Piccord selbst vor, der sich seit 2.30 Uhr wieder auf den, Flugplatz befand, nachdem er vier Stunden in einem Schuppen der Suisse Aero geschlafen hatte. Kurz nach 3 Uhr erschien Frau Piccard mit chren vier Kindern. Mittlerweile wurde bekannt, daß auch Dr. E ck e n e r aus Friedrichshafen auf dem Flugplatz eingetroffen sei. Kurz vor 1.30 Uhr hielt Professor Piccard noch ein« kurze Ansprache an die Pressevertreter. Er teilte mit. daß K30 Kilogramm Ballast in der Gondel seien, und daß der Ballon einen Austrieb von 85 Kilogramm habe, was gerade recht sei. Professor Piccard betonte, daß lediglich technische und meteorologische Gründe ihn bewogen hätten, diesmal in Zürich zu starten. Auf eine Frage, welche Richtung der Ballon wahrscheinlich einschlagen werde, erklärte Professor Piccard, daß er dies unmöglich wissen könne. Vielleicht fliege er nach Norden, vielleicht nach Süden. Daraus wurden die Ballonpioniere oersammelt, denen Piccard seinen Dank aussprach. Sodann verabschiedete sich der Forscher von seinen Mitarbeitern und seiner Familie und stieg in die Gondel. Wenige Minuten nach 5 Uhr winkte Professor Piccard seiner Frau und seinen Kindern zum letztenmal zu, worauf die letzten Halte» taue durchschnitt en wurden und der Ballon langsam hoch» stieg. Anfänglich zog der Ballon in nördlicher Richtung davon, in einer höhe von 1000 bis 1500 Bietern, jedoch änderte er die Richtung und wandte sich langsam nach Süden. Die ganze Nacht hindurch hatte eine wahre Völkerwanderung nach Dübendorf stattgesunden. Man zählte allein etwa 2000 Autos. Die Spannung unter den Zuschauern, die auf 30 000 bis 10 000 Personen geschätzt wurden, stieg von Minute zu Minute. Ueber dem Flugplatz lagerte im Augenblick des Auf- stiegs ziemlich dichter Nebel. Funksprüche aus der Gondel. Bern, IS. August. Aus der Gondel Piccards wurde um N.IV folgende Funkmeldung ausgesandt:„Fliegen gegen Bieran, sind auf halber Distanz." Ein weiterer Funkspruch aus der Gondel lautet:„hier alles gut. Messungen gut, höhe 1 10 0 0 bis 15000 Meter." Um 3.08 wurde der Ballon von St. Anton am Arlberg aus über dem hohen Rissler ge- sichtet. Gegen 10.15 Uhr entschwand er dann wieder den Blicken in Richtung der Silvretla-Gruppe. Zürich, 18. August. Piccards Ballon befand sich auf seinem Weiterslug gegen 11 Uhr im Gebiet der Bernina-Alpen. Kurz nach 11 Uhr überflog der Ballon den Ort P o s ch i a v o an der Bahnlinie St. Moritz— Tirana in Richtung gegen die italienisch-schweizerische Grenz«. Der Ballon war sehr gut, etwa in Mondgröße zu sehen. Nächtliche Straßenschlacht. SA. gegen Kommunisten— zwei Verletzte. 3n der letzten Nacht war die B ü s ch i n g- und höchste Straße im Nordosten Berlins der Schauplatz einer blutigen Slraßenjchlacht zwischen S A.- L e u t e n und Kommunisten. 3m verlause des Handgemenges wurden mehrere Beteiligte erheblich verletzt. Kurz nach Mitternacht ertönte in der Büschingstraße plötzlich lauter Tumult. Hintereinander sielen mehrere Schüsse, und als die Bewohner erschreckt an die Fenster eilten, sahen sie auf der Straße etwa 10 bis 50 Männer, die aufeinander einHieben. Das Ueberfallkommando wurde alarmiert und die Beamten mußten den Gummiknüppel ziehen, ehe es ihnen gelang, die Gegner zu trennen. Dabei stellte sich heraus, daß sich die SA.-Leute in mehr- facher Uebermacht befanden. Mehrere Kommunisten hatten leicht« Kopfverletzungen erlitten. Zwei SA.-Leute mußten zur nächsten Aetwngsstelle gebracht werden, von wo sie nach Anlegung von Notverbänden wieder entlassen werden konnten. 3b Krakeeler, fast ausnahmslos National soziali st en, wurden von der Polizei festgenommen und der Politischen Polizei übergeben. In der Mühlen st raße wurde gegen 3 Uhr nachts ein Reichs» bannermann von Nationalsozialisten überfallen. Die SA.-Banditen raubten dem Reichsbannerkameraden Abzeichen, Koppel und Mitgliedsbuch. Felseneck-prozeß ausgesetzt. Unter Anwendung der Notverordnung. Der Termin im Felseneck-Prozeß, der für Freitag angesetzt war. ist aufgehoben worden. Das Schwurgericht III hat den Felseneck- Prozeß vorläufig ausgesetzt und die nächste Sitzung erst für den 25. August bcstipimt. Damit wendet das Gericht die Be- stimmung der Notverordnung an, die während des Sklarek-Prozesses erlassen wurde, und die die bisher nicht zulässige Aussetzung des Strafprozesses auf 10 Tage gestattet. Das Motiv der Aussetzung ist wahrscheinlich die Tatsache, daß Rechtsanwalt Litten gegen den Gerichtsbeschluß, durch den er aus dieser Verhandlung ausgeschlossen wurde, Beschwerde beim Kammergericht eingelegt hat. Landgerichts- direktor Bode will anscheinend erst den Konflikt mit dem Verteidiger klären und Menden, ehe die Verhandlung wieder ausgenommen wird. 3>as Werk der„Jl Papens„aufbauwillige Kräfte" aus dem Nazilager haben ihre Befähigung bewiesen. Ein eben neu aufgebautes Siedlungshaus bei Kottbus haben sie durdi eine Bombe völlig zerstört. Me Zusammenstöße auf der ÖhlebrüÄ Weitere Klärung im Brieger Reichsbannerprozeß Breslau, 18. August.(Eigenbericht.) Vor bem Sondergericht in Brieg iverden im Ohlauer Land- friedensbruchprozeß am heutigen 4. Verhandlungstage 39 Zeugen vernommen werden. Drei ärztliche Sachverständige sind geladen. Auf Antrag der Verteidigung werden weitere zehn Eni- lastungszeugen vernommen werden und noch acht Entlastungszeuge» geladen. Der chaftenlajsungsantrag für fünf Reichs- bannerleute aus Mechwitz wind durch Gerichtsbeschluß abgelehnt. Verteidiger Rechtsanwalt Förder beantragt die Untersuchung einer Belastungszeugin, die bereits wegen Kindesmordes mit 2 Jahren Gefängnis vorbestraft ist, auf ihren Geisteszustand. Die Mutter des Angeklagten Müller bekundet, daß sie gegen Uhr mit ihrem Sohne,-der Sanitäter ist, auf den Ring und dann ins Rathaus gegangen fei, wo er Verwundete verband. Bezeichnend für die Stimmung In Ohlau und für die Verhält- nstfe In den terrorisierten schlestschen Kleinstädten ist. daß Arau Müller aus Furcht vor den Bedrohungen, die wiederholt gegen sie ausgesprochen wurden, in der Rächt vom 10. zum 11. Zuli nicht zu Hause, sondern bei ihrem verheirateten Sohn, dem Angeklagten. schlief. Daß diese Drohungen von ihr mit Recht ernst genommen wurden, ergibt sich aus den zahlreichen Attentaten, die inzwischen in den schlestschen Kleinstädten und auf den Dörfern gegen republikanische Bewohner verübt worden sind. Die Ereignisse auf der Postbrücke. bei denen der SA.-Mann Konietzke ums Leben kam, haben sich wesentlich anders abgespielt, als es bisher von der blühenden Phantasie der politischen Gegner, die mit dem blutigen Vorfall hemmungslose Mahlpropaganda getrieben haben, dargestellt wurde. Nicht eine wilde Kampfhandlung, sondern eine Schlägerei muß es, nach den letzten Zeugenvernehmungen zu schließen, gewesen sein. Denn sonst könnte nicht der SA.-Mann Stöpel zusammen mit dem SA.-Mann Felko, wie Stöpel aussagt, zur Postbrücke gegangen sein, dort den Gewerkschaftssekretär Manche getroffen haben, ihn Hab« fragen können:.Wo kommen Sie denn her?", worauf Manche ihm antwortete: .Ich habe nichts mit der ganzen Sache zu tun." Erst später sahen sie, wie Manche von Breslauer SA.-Leuten verfolgt und gestellt wurde. Auf die Frage des Verteidigers Rechtsanwalt Förder, ob Manche eine Pistole in der Hand hatte, antwortete der Zeuge Stöpel: „Rein!" Eine Zeugin Frau Don kam vom Baumgarten her und wollte die Postbrücke passieren. Dort sah sie Reichsbannerleute stehen und fragte:„Was ist denn hier los?" Antwort:„Die National- sozialiften haben unseren Manche geschlagen. Wir werden uns rächen." Sie ging dann nach der Stadt weiter. Von den ärztlichen Gutachten, die heute im Ohlauer Landfriedensbruchprozeß vor dem Sondergericht in Brieg abgegeben worden find, ist das Zeugnis des Dr. von Tempfky beachten?- wert: Danach wurde der Gewerkschaftssekretär Manche mit stump- fen Gegenständen auf den Kopf und ins Gesicht geschlagen. Die frühere Sehkraft wird er nicht mehr zurückerlan- gen. Bei dem Zeugen Marx, der auf Veranlassung des Vor- fitzenden vor Gericht sich entbläßte, um seine 35 Zentimeter lange Rückenwunde zu zeigen, wird festgestellt, daß diese Wunde durch eine Operation notwendig geworden ist, weil der Verdacht vorlag, daß durch den Stich, den er erhalten hat, die Lunge beschä- digt worden sein könnte. Es sollen bereits von nationalsozialistischer Seite Photographien dieser Operationswunde für illustrierte Zeitungen herausgegeben worden sein. Für die Entlastung des Genossen Gewerkschaftssekretär Manche ist die Aussage des Gutssekretörs Walter Penzhör von Wichtigkeit.. Er ist Stahlhelmmann und in Baumgarten, einem Vorort von Ohlau, ansässig. Er befand sich unter den Radfahrern der Ohlauer SA. Di« SS. Breslau folgten diesen Radfahrern in einem Abstand van etwa 15 Metern.„Auf einmal höre ich einen Ruf: Mensch, Manche, was habt Ihr heute angerichtet!" Es sprach sich unter den in der Schloßplatzecke bei der Pollbrücke Umher- stehenden schnell herum, daß der rote Manche da war. Manche erwiderte:„Die ganzen Vorsölle gehen mich ja gar nichts an" und ging an dem Trupp der SS.-L eute vorüber in Richtung Gartenstraße. Plötzlich wurde er von den SS.-L e u t e n verfolgt und schoß. Das war der erste Schuß, oer in der Gegend der Poftbrücke fiel.(Manche hat 3 bis 4 Schreckschüsse abgegeben.) Erst darauf setzte eine wilde Schießerei ein. Nun stürmten Reichsbannerleute, mit Zaunlatten bewaffnet, vor. Bald darauf kamen schon die Landjäger. Die SA.» Feme. Morddrohungen gegen Reichsbannerleute. Zu der Rächt zum Sonntag wurden mehrere aus der„Reuen Melt" heimkehrende Reichsbannerkameraden in der Värwaldstraße von einer größeren SA.-Kolonne überfallen. Ein Reichsbannermann wurde zu Boden geschlagen und schwer mißhandelt. Rur dem schnellen Eingreifen einer Schupostreife war es zu verdanken, daß die fünffach überlegene SA.-Bande von den Reichsbannerleuten abließ und flüchtete. Im Anschluß an diesen planmäßigen Ueberfall haben jetzt zwei junge Reichsbannerkameraden, die Gebrüder D., Zuschriften er. hallen, die von Morddrohungen nur so strotzen. Die Abisender be- zeichnen sich als «Sondergerichl der RSDAp., Abteilung Feme". In den Schreiben wird den beiden Brüdern angedroht,„man werde sie aus dem Bett holen und runtsrknallen, wie es die SA.-Kameraden in Braunschweig machen". Weiter drücken die anonymen Mordaspiranten ihr Bedauern aus, daß in der Nacht zum Sonntag„die Polente in der Bär- waldftraß« leider so schnell gekommen wäre, daß nur ein Reichsbannerverräter mit den Füßen bearbeitet werden konnte". Mit der Aufforderung: „verrecken sollst du wie ein Hund, du Zuhälter. Roch ist es Zeil! komm zu uns!" schließt dieses herzliche Schreiben. Diese hier wiedergegebene Morddrohung ist nur ein Fall von taufenden. In Ostpreußen, Schlesien, Schleswig-Holstein und anderen Terrorgegenden sind den Führern und Mitgliedern der Arbeiter» organisationen massenhaft Morddrohungen dieser Art zugegangen. Ist es bei einer derart hemmungslosen Mordhetze der Faschisten ein Wunder, wenn das Reichsbanner, wie im Fall« Ohlau, Schutz- maßnahmen trifft und sich gegen den Terror zur Wehr fetzt? Wehrmachi-Ltmbau und Ausland. Ein französisches Kommentar. Während die großen Schwierigkeiten einer wirksamen, sozusagen schicksalswendendcn Arbeitsbeschaffung auch vor der„neuen Art der Staatsführung" nicht gewichen find und selbst sie bisher nur auf dem Arbeitsdienstgleis weiterfährt, das schon der Brüning- Kurs gelegt hat, scheint hinter den„Umbau der Wehrmacht", den Herr Minister-General von Schleicher im Rundfunk an- gekündigt hat, entschieden mehr Dampf gesetzt zu werden. Eine Berliner Meldung der französisch-offiziösen ch a v a s- Agentur besagt nämlich, daß demnächst Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich über das Abrüstungsproblem beginnen sollen. Allerdings fügt das chavas-Büro in einem nicht sehr begeistert klingenden Kommentar hinzu, derartige Ber- Handlungen können nur dann einen Wert haben, wenn die politische Lage in Deutschland geklärt ist, frühestens also nach dem Zusammentritt des Reichstages. In sehr merkbarer Verschiedenheit von gewissen Staatsrechts- auffafsungen der neuen Herren, wie sie auch aus der absoluten Zuversicht des Reichskanzlers von Papen in jenem Reuter- Interview herausklangen—„wir werden für lange Zeit im Amte fein"— deutet also die französisch-offiziöse Agentur an, verhand- lungsfähig wäre eine Reichsregierung nur dann, wenn sie ver- fassungsmößig das Vertrauen des Reichstages besitze. Was England anbelangt, so scheint zwar das Außenamt geneigt zu fein, Deutschland eine gewisse Aufrüstung zuzubilligen, aber die Admiralität hält dem entgegen, daß eine zu Lande „umgebaute" deutsche Wehrmacht bald auch die Gleichberechtigung zur See und in der Luftwaffe verlangen würde. Pirmasens im Vordergrund. Paris, 18. August. Zum Interview des Reichskanzlers von Papen sagt der„Petit Parisien", diese Erklärungen zeigten, daß der Reichskanzler, durch die Autorität des Reichspräsidenten unterstützt, fest entschlossen fei, durchzuhalten und den Einschüchterungsmanöoern der Nationalsozialistischen Partei in keiner Weise nachzugeben. Der sozialistische„P o p u l a i r e" hält den Lärm, den die rechts- stehenden Blätter über die Grenzlandkundgebung von Pirmasens schlagen, für lächerlich. Diese Kundgebung sei nicht die erste, werde auch nicht die letzte sein und habe im Grunde genommen keine andere Bedeutung als irgendeine Zwndgebung der französischen Marineleute oder eine Rede des Generals de Castelneau. Wichiiger dagegen sei die Stelle des Interviews von Papens über das Rüstungsproblem. Gewiß spreckze der Reichskanzler gegen- wärtig von„Sicherheitsgleichheit". Man solle sich durch diese Formel nicht täuschen lassen, müsse aber hervorheben, daß die Verteidiger der Doktrin:„Zunächst Sicherheit" somit in ihre eigene Falle �gegangen seien. Ihre„Sicherheit" liefer« der Militärdiktatur in Deutschland die moralische und politische Rechtfertigung des Rechts auf Wiederaufrüstung. „F i g a r o" schreibt dagegen: Deutschland habe in Pirmasens gezeigt, von welchem Geiste feine Massen beseelt seien. Nack) so viel unvergeßlichen Opfern, die Frankreich gebracht habe, jetzt noch zur Aufrüstung Deutschlands beizutragen, würde Wahnsinn sein. Deutschland wisse das, und die von ihm angekündigten Verhandlungen in der Abrüswngsfrage bezweckten nicht anderes als einen Mißerfolg, um Frankreich als diejenige Macht hinstellen zu können, die eine Zusammenarbeit mit Deutschland verweigere. General von Schleicher werde dann seine Pläne fortsetzen unter Berufung darauf, das fei Frankreichs Schuld. Or. Vikior Thewsaia. Freitod eines georgischen Eozialistensührers. Aus Georgien wird gemeldet, daß Dr. Viktor Thewsaia sich dos Leben genommen hat. Thewsaia, der jetzt im 49. Lebensjahre stand, gehörte seit seinen Jugendjahren zu den aktivsten Vorkämpfern der sozialdemokra- tischen Bewegung in Georgien. Als junger Student beteiligte er sich stark an der revolutionären Bewegung 1904/05. 1907 mußte er vor den Repressalien des Zarismus ins Ausland flüchten. Er kam nach der S ch w e i z, wo er schließlich Privatdozent an der U n i v e r s i- t ä t Genf wurde. 1907 kehrte er in die Heimat zurück. 1918 war er Gesandter der demokratischen Republik Georgien in der Ukraine, später einer der aktivsten Abgeordneten der georgischen Nationalversammlung. Nach der Sowjetokkupation blieb Thewsaia im Lande. Mehrmals von den Bolschewisten eingekerkert, wurde er dann doch Professor an der Universität Tiflis. 1??1 wurde er aber neben vielen anderen von diesem Posten wegen seiner Treue zur Selbständigkeit Georgiens und zur Sozialdemokratie abgesetzt. Die Schikanen und Verfolgungen der Gewalthaber haben seine Nerven zerrüttet. „Niobe" im Llserschlick. Schwierige Bergungsarbeiten. kiel, 18. August. Die Hebeorbeiten an dem„Niobe"-Wrack werden weiter durch die Bodenverhältnisse der Heikendorfer Bucht stark behindert. Am Donnerstagmorgen ragte nur noch der vordere Teil des Klüverbaums aus dem Wasser. Die H«beleid)ter wurden voll Wasser gepumpt: als sie danach wieder lenzten, kamen nach und nach das ganze Vorgeschirr, die vordere Steuerbordreeling, das weiße Vorderkaftell mit den Bullaugen und ein Teil der hell- grauen Bordwand des Borschiffes dicht unter dem Bug des Hebe- fahrzeuges„Kraft" zum Vorschein. Leute der Bergungsgesellschaft kletterten sofort in das Vorgeschirr hinein. Als jedoch der Schlepper „Simfon" anzog und auch die Hebeleichter ihre Ankermaschin« gehen liehen, um sich näher an Land in die Heikendorfer Bucht hineinzu- ziehen, kam die„Niobe" schon nach kurzer Schleppstrecke wieder im Bodenschlick fest, der hier ein« Stärke von über 1 Meter hat. Beim Versinken der Leichter sank das wrack sofort tles in den Schlick ein. so daß bald nur noch Reeling und Klüverbaum aus dem Wasser hervorragten. Da es große Arbeit macht, das Wrack jedesmal wieder aus dem Schlick herauszuholen, und da der verbleibende Hub stets nur ein kurzes Weiterschleppen gestattet, bis die„Niobe" von neuem festkommt, so ist noch mit etwa zwei Togen bis zur endgültigen Hebung zu rechnen. Dann erst wird man in die Innenräume des Schisses gelangen können, um die Toten zu bergen. Tragödie der Rot. Selbstmordversuch eines Arbeitslosen, sein Kind tot. Zu der Rocht zu heute spielte sich im Rorden Berlins in der weihenburger Straße 80 eine Famillentragädie ab. Dort wurde in feiner Wohnung der 32 llahre alte frühere Desinfektor Richard E. mit Gas vergiftet aufgefunden. Die Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr hatten bei ihm Erfolg. Dagegen ist sein 3 Wonale alte« Töchterchen Irmgard, das in der Küche schlief, in der der Vater den Selbstmordversuch unter- nahm, durch die ausströmenden Gase gelötet worden. Richard E. ist schon seit langer Zeit arbeitslos und die Not war täglicher Gast im Hause. In der vergangenen Nacht verließ E. leise das Schlafzimmer und ging in die Küche. In seiner Verzweiflung hat er wahrscheinlich nicht mehr daran gedacht, daß dort sein Kind schlies. Er öffnete den Gashahn, nahm einen Gasschlauch in den Mund und erwartete den Tod. Das Schlafzimmer der Nachbarn, die auf dem gleichen Flure wohnen, stößt direkt an die Küche des Ehepaars E. Der Nachbar hörte nun gegen 3 Uhr morges Röcheln und Stöhnen. Nichts Gutes ahnend, läutete er an der anderen Tür. Dadurch wurde Frau E. wach und man entdeckte, was gefäiehen war. Die Feuerwehr brachte E. ins Leben zurück und schaffte ihn ins Krankenhaus. Bei dem Kinde war jede Hilfe vergeblich. Das große Los gezogen. In der heutigen Vormittagssiehung der Preußisch-Tüddeutschen Klassenlotterie wurde dos große Los im Betrage von 5 00 00 0 M. auf die Nummer 246 518 gezogen. Der Gewinn ist in beiden Ab- teilungen nach Niederjchlesien gefallen. Geplatzte Sensation. Die„Waffenlieferung" an republikanische Organisationen. Der„Völkische Beobachter" bringt die Meldung, daß der zur Zeit in Urlaub befindliche Regierungsdirektor G o e h r k e aus dem Berliner Polizeipräsidium im März d. I. Waffen an den Deutschen Metallarbeiter-Verband, Berlin, an die Konsumgenossenschaft Berlin, an die Verlagsgesellschaft des ADGB., Berlin, und an das Reichs- bannsr ausgegeben habe. Diese als Sensation hingestellte Veröffentlichung Ist alles andere als neu. Diese Waffen sind auf Grund von S a m m e l- Waffenscheinen den gesamten Organisationen vom Polizei- Präsidenten Grzesinski zum Schutze ihrer Häuser und Anlagen zur Verfügung gestellt worden. Diese Schutzmaßnahmen waren im Hinblick auf die täglich sich oerschärfenden Provokationen der Faschisten«ine Selbstverständlichkeit. Erklärung des Polizeipräsidenten. Der P-elizeipräsident teilt hierzu folgendes mit:„Waffen- erwerbsfcheine und Waffenlagergenehmigungen, die von der früheren Leitung des Polizeipräsidiums— übrigens ohne Beteiligung des Rezierungsdirektors Goehrke- an die genannt'» Verbände er- teilt worden sind, sind bereits vor einiger Zeit wieder zurück- genommen worden: die Waffen sind eingezogen worden." Begräbnis eines Volksmanns. „Sein Verdienst war, daß wenig Blut floß." Heidelberg, 17. August. Die Trauerfeier für den verstorbenen badischen Innenminister, Genossen Emil M a i e r, gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung nicht nur für die Person des Verstorbenen, sondern auch für die Sache, der er diente. Als erster sprach der badische Staatspräsident Dr. Schmitt. Er schilderte den Ver- storbenen, den er schon im Felde als tüchtigen Soldaten kennen- gelernt habe, als einen schlichten Mann des Volkes. Das Wort war ihm Ehrenwort. E r konnte ein Vorbild sein für alle diejenigen, in deren Kreisen das Wort, ja sogar das Ehrenwort nichts mehr gilt. Beim Umsturz 1918 war sein Ziel nicht etwa Räteherrschast oder Alleinherrschaft seiner Partei, vielmehr kam es ihm darauf an, Ruhe und Ordnung wieder- herzustellen, damit der Arbeitnehmer und jeder Staatsbürger in Sicherheit arbeiten könne, um sein Brot zu verdienen. Wenn es gelungen ist, die seit vielen Jahren gespannten b a d i s ch e n Finanzverhältnisse in Ordnung und ins Gleichgewicht ge- bracht zu haben, so gebührt ein wesentliches Verdienst dem Ver- storbenen. Die wichtigste Aufgabe des Innenministers Maier war die Erhaltung der öfsentlichen Ruhe in fieberhaster Zeit. wenn in Baden wenig Bluk geflossen ist, so ist und bleibt das auch ein Verdienst des verstorbenen. Maier kam zu der Ueberzeugung, daß in der Frage der Länder- rechte die Eigenstaatlichkeit der Länder dem Reich« nicht bloß nützlich, sondern notwendig ist. Er bezeichnete den Vorwurf der Mainlinie als eine Verleumdung: denn die süddeutschen Ministerpräsidenten haben nicht die Mainbrücke abgebrochen, sie sind vielmehr beim Herrn Reichspräsidenten vorstellig geworden, nicht gegen Preußen. sondern für Preußen, um ihre Treue zum Reich zu bekunden. Die badische Regierung, so schloß der Staatspräsident, erneuert an dieser Bahre ihr Gelöbnis, daß sie entschlossen ist, die Volks- rechte gegen Parteidiktat ur und die Länderrechte gegen Zentralismus mit den verfassungsmäßigem Mitteln zu verteidigen. Adolfo Schmussolini „Hier stehe ich!— Gott helfe mir!- Ich kann auch anders." Wer bekam Kreuger-Geld? „Angriff"-Schwindel und«Verschwiegenheit. Das Goebbels. Blatt hat am 12. August 1932 behauptet, die Schwedische Sozialdemokratie habe von Jvar Kreuger (oder seinem Konzern) Geld erhalten. Auf sofortige Anfrage des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat das Sekretariat unserer schwedischen Bruder- parte! umgehend erklärt, daß weder die Zentrale noch ein« Unter- oder Nebenorganisation der Sozialdemokratischen Partei Schwedens Gelder oder Unterstützungen in anderer Form weder mittelbar noch unmittelbar von Kreuger erhielt. Alle derartigen Behauptungen seien zu durchsichtigen Zwecken erfunden. -i° Es märe zweckmäßig, wenn die Hitler-Presse lieber eine Auskunft darüber gäbe, welchem Zweck der letzte Aufenthalt des Nazi- Abgeordneten Gaering in Stockholm eigentlich ge- dient hat. Es wird nämlich behauptet, bei den Akten der schwedischen Polizei befände sich eine Quittung über Kreuger-Geld, die von der Partei Hitlers stamme. Und es wird angenommen, daß Goering sich um die Wiedererlangung dieser Quittung bemühe. Wie steht's damit? Z�eichsiagswahl und Gemeinden. Gerade weil die deutschen Gemeinden auf Gedeih und Verderb von der Reichspolitik abhängig sind, ist die Frage:„Was wird noch dieser Reichstagswahl aus den Gemeinden?" für alle Kommunal- Politiker sehr wichtig.„Die Gemeinde", dos sozialdemokratische Organ sür Gemeindepolltik. bringt in ihrem hest IS interessante Betrachtungen zu diesem Thema. Zur Selb st Hilfe der Kommunen weist ein Praktiker neue Wege zur Arbeitsbeschaffung. Ausführlich wird über die Rostocker Tagung für Kommunalwirtschaft und Kommunalpolitik berichtet. Vor allem sind die interessanten Referate„Kommunal- finanzen und ihre Nöte" von Dr. von Leyden und Die Zukunft des Kommunalkredits" van Dr. Gugelmeier hier veröffentlicht. Die Rundschauen bringen die neuen Verordnungen. Erlasse und Berichte aus allen Gebieten der Kommunalpolitik, llebcrsichten über die Lage der Gemeindefinanzcn sowie Vorschläge, Anregungen und so weiter vervollständigen die Rundschau. Vetter sür Berlin: Trocken, teils wolkig, teils heiter und noch warm, westliche Winde.— Für Deutschland: Im größten Teil des Reiches Fortdauer des beständigen Witterungscharakters. nur im Nordosten etwas kühler und veränderlich. Solidarität! Bericht aus der internaiionalen Kinder-RepubSik bei Paris Draveil, 16. August. Wir sind jetzt 14 Tage in der Kinderrepublik„Solidarität" in der Nähe von Paris, und gerade jetzt, in der Mitte unserer Zeit, hatten wir ein Erlebnis, das in vieler Hinsicht interessant ist. Wir wollten an diesem Sonntag ein Fest des roten Rummels durchführen. Die ganze Kinderrepublik sollte von morgens bis abends den Charakter freudiger Ausgelassenheit haben. Alles war vorbereitet: Zirkus, Panoptikum, Gesang und vieles andere mehr. Schon am Morgen fingen die besonders lustigen Konzerte an, und vormittags strömten ungezählte Scharen von Besuchern an und auch sonst Franzosen von einem Umkreis von mehr als 49 Kilometer. Doch plötzlich— wir waren noch beim Mittagessen— verfinsterte sich der Himmel. Es gab furchtbares Donnern und Blitzen, und es regnete in ungeheuren Strömen. Bald war das ganze Lager überschwemmt. Einige Zelte, die besonders dem Sturm ausgesetzt waren oder nicht ganz fest aufgestellt waren, fielen um. Aber sofort zeigte sich der Falkengeist bei Helfern und Kindern. Alles bevaffnete sich mit Schaufeln und hacken. Abzugsgräben wurden gegraben, die naßgewordenen Sachen herausgetragen, das ganze Lager war eine Rettungsaktion. Ein kleiner, ganz junger Falke stand trotz Regen, Sturm und Hagel an einem Graben und schaufelte mit seinem Trinkbecher. Die französische Bevölkerung war aufs lebhafteste von den Ereignissen betroffen. Alte Leute wissen sich nicht zu er- innern, daß je ein solcher Wolkenbruch die Gegend heimgesucht hätte. Sie nahmen natürlich die Sache schlimmer, als sie in Wirk- lichkeit war. In einer edlen Aufwallung menschlicher Solidarität wollten sie alle miteinander Helsen, hunderte boten uns Betten für die„armen" Kinder an. Sie rissen uns geradezu die Kinder fort, um sie bei sich einige Stunden zu beherbergen, sie zu ver- wähnen. In Autos kam eine große Anzahl angefahren, um am Rettungswerk zu helfen. Arme Proletarier, Kleinbürger und reiche Schloßbewohner, alle waren geradezu beleidigt, als wir ihnen erklären konnten, daß die ganze Angelegenheit in wenigen Stunden in Ordnung gebracht wäre. Auch der Bürgermeister wurde alarmiert, der offenbar hier in allen wirklichen und vermeintlichen Nöten angerufen wird. Er erschien mit seinen Polizisten und Feuerwehrleuten, und es war lustig anzuschauen, mit welchem Eifer diese Männer des öffentlichen Dienstes die französischen und die deutschen Kinder durch die Pfützen trugen, um sie dann in den Schlamm am Eingang abzusetzen. Manche unserer Falken machten sich geradezu ein Vergnügen daraus. Eine niedliche Episode hat uns viel Freude gemacht. Ein französischer Feuerwehrmann sieht in einem Zelt einen deutschen Jungen sitzen. Da er sich mit ihm nicht verständigen konnte, nimmt er ihn auf den Arm, der Junge fängt aus Angst vor dem fremden behelmten Mann zu zittern an. Da zieht der Feurewehrmann seinen Mantel aus, weil er vermutete, daß der Junge friere. Der Feuerwehrmann trägt den Jungen in das Lazarett, aber kaum hat er ihn dort abgesetzt, rückt der Junge in der Feuerwehrjacke aus ins Lager zurück und führt dort Freuden- tänze auf. Die französischen Zeitungen haben sehr sensationell von diesem Wolkenbruch berichtet. Es ist viel Uebertreibung dabei gewesen. Wir wurden überhaupt viel von ihnen beehrt. Unsere sozia- listischen Zeitungen bringen fast täglich Berichte über uns, zum Teil mit Illustrationen. Auch die bürgerlichen Zeitungen sind begeistert und besuchen uns häufig und bringen wohlwollende Berichte über unser Lager. Gegen 7 Uhr abends war der wesent- liche Schaden wieder repariert. Alle konnten wieder trocken unter- gebracht werden. Hunderte teilnehmender Besucher strömten ins Lager ,um uns zu der Rettung aus„Seenot" zu beglückwünschen. Unsere Kinder aber schliefen bald ermüdet von des Tages Auf- regung ein, und unsere Aerzte konstatierten am nächsten Tage, daß dieser Zwischenfall nicht die geringsten gesundheitlichen Schädigungen hinterlassen hatte. Kinderrepubliken sind doch die Quelle mannigfaltiger Freuden. Regen, Wind, wir lachen darüber, aber wenn die Sonne scheint— und das tut sie hier oft und gründlich—, dann lachen wir doppelt so laut, denn„wir sind jung, und das ist schön". Kurt IBvenstein. Durchschnitt durch einen Tag. Ein Postdirektor, ein Freiherr und Otto Grautoff. Man schaltet den Lautsprecher ein. Im schallenden Vereins- Pathos klingt es von„deutscher Kraft und deutscher Treue", die sich wieder in der Welt Ansehen verschaffen müßten. Der Satz hat neben einigen geistesverwandten in der letzten Zeit die Wanderung durch so viele Rundsunkvorträge gemacht, daß es immerhin ganz amüsant ist festzustellen, wer ihn sich diesmal als vaterländische Dekoration ausgeliehen hat. Das Programm der Deutschen Welle verrät, daß ein Oberpostdirektor über den... du rätst es nicht...„T e l e g r a p h e n b e o m t e n" spricht, in der „Stunde des Beamten", die übrigens in der letzten Zeit mehrfach für nationalistisch verbrämten Schmus den Raum stellte. Und als des Herrn Oberpoftdirektors Hymne verklungen ist, erhebt Freiherr von Reck-Mallecsewen seine Stimme. Nicht wahr, aktuell muß der Rundfunk doch sein, und was gäbe es Aktuelleres als eine„Ansprache am Grabe Friedrichs des Große n"? Denn, so sagt der Freiherr in seiner Rede, nicht darauf kommt es an, daß das, was man tut, Sinn hat, sondern daß es schwer ist: das mache Friedrichs des Großen, des Einzigen, Heldentum aus...„Könige aber sind... des Volkes Symbole", und wehe, wenn„ihr nicht mehr an Symbole glauben könnt, so seid ihr nichts als Sterbende". Wir leben im Jahre 1 9 3 2 und haben— wenn es die Regierung auch schamhaft ver- schweigt, so kann man es doch noch im Lexikon nachlesen— eine Deutsche Republik. Und einen aktuellen Rundfunk. Na ja... Kurz vor diesen Ergiisjen sprach im Programm der Berliner Funkstunde Dr. Otto Grautoff über die Goethe-Feiern in Frankreich. Nein, es waren viel gewichtigere Veranstal- tungen als nur Feiern um einen Dichter, die man noch in den kleinen und kleinsten Orten erlebte, wenn man„im Goethe-Iahr durch Frankreich" reiste.„Frieden", stand hinter all diesen Kund- gebungen,„Frieden und Verständigung". Selbst in den nordafrika- nischen Kolonien fanden solche Feiern statt, und eine in Kairo mit Unterstützung der Regierung erscheinende Zeitschrift brachte sogar eine 89 Seiten starke Sondernummer über Goethe heraus. Eins französisch-deutsche Ausgabe von Goethes Werken erschien. In französischer und tn deutscher Sprache werden seine Dramen in Paris und in der Provinz aufgeführt. Der große Deutsche, der Weltweise hat eine Welle von Deutschlanderkenntnis, van gutem Willen gegen das deutsche Volk durch ganz Frankreich getragen und Hot damit nach seinem Tode noch mehr sür Deutschland, Deutsch- lands Ansehen und die dcutsch-französische Verständigung getan als die Scholze und Schulze von heute in ihrem interimistischen Dasein. Wir wollen die Funkstunde für diesen Vortrag nicht loben, weil es eine Selbstverständlichkeit ist, daß der Rundfunk den Hörern objektive Berichte über dos Verhalten der Völker zum deutschen Volk vorsetzt. Aber wir wollen feststellen, daß nach langer Pause diese Selbstverständlichkeit endlich einmal wieder erfüllt wurde.— Ir. „Zwei glückliche Tage!" Krampshast bemüht sich der Film„Zwei glückliche Tage" (Primus-Palast),«in Neuaufguß von Kadelburgs und Schönthans ollen Kamellen, um Volkstümlichkeit. Zwei Autoren schrieben das Filmmonuskript, durchsetzten das Theaterlustspiel mit Gesanqstexten und optisch gut auszunutzenden Situationen und arbeiteten einen peinlich wirkenden Unterschied heraus zwischen der Tochter des Hauses und der Hausangestellten. Beide lieben, die Tochter des Hauses entzückend reizvoll und die Hausangestellte vergröbert bis dorthinaus. Kein neuer Witz taucht auf, kein neuer Einfall. Das Ganze ein Sommervergnügen für Anspruchslose. Gespielt wird gut. Von den Darstellern seien genannt Jakob Tiedtke, Ida Wüst, Kläre Rommer, Senta Söneland, Max Hörbiger und Käte Haack. Her- vorragend ist Max Gülstorfs als krankhaft gefälliger Onkel. Rudolf Walther Fe ins Regie mangelt es zuweilen am Tempo. e. b. Zeichen der Zeit. i. Im Pressedienst der Funkstunde Berlin kann man lesen:„Die Funkstunde sendet in ihrem Programm am Freitag, dem 2. Sep- tember, ein Hörwerk in Staffelberichten:„Potsdam, eine preußische Stadt. Die Veranstaltung will Potsdams historische Sendung lebendig machen. Die wichtigsten geschichtlichen Stätten Potsdams, die als Denkmäler preußischen Stils unvergängliche Bedeutung haben, sollen in Hörbildern gleich einer Parade vorbei- ziehen."— Diese Ankündigung wird an anderer Stelle des Presse- dienstes unter der Ueberschrift„Parade des Preußentums" folgender- maßen ergänzt:„Die Erinnerung an den Sedantag soll die Brücke bilden zwischen ruhmreicher Tradition und Hoff- nung auf die Zukunft, die durch alle Nöte der Gegenwart nicht gebrochen werden kann." II. Wegen des starken Rückganges des Fremdenverkehrs sehen sich die dalmatinischen Inseln Lissa und Lesina zur Ver- steigerung ihrer historischen Ku n st d e n k m ä l e r gezwungen. Da die Inseln zum Bau einer großen Badeanlage und eines Elektrizitätswerkes eine Millionenanleihe ausnehmen muhten, sür die sie jetzt nicht mehr die Zinsen ausbringen können, haben die Gläubiger wertvolle historische Kunstdenkmöler aus den Inseln radikal gepfändet. So soll nächstens die berühmte Loggia des vcronesischen Bildhauers San Michel«, die die meisten Kunstwerke der Insel enthält, versteigert werden. Außerdem wird ein Uhrturm aus dem IS. Jahrhundert ausgeboten. III. Ende dieses Monats erlebt die Operette„Erzähl mir nichts von Treue" mst der Musik von Michael Krauß, dem Komponisten der „Frau von Format", aus den Salzburger Festspielen in der vor- gesehenen Berliner Besetzung ihre Urausführung. Es ist das erstemal, daß die Salzburger Festspiele eine moderne Operette zur Auf- sührung bringen. Es wäre übertrieben, zu sagen, daß damit die Talzburger Festspiele, die bisher im Kunsterleben der Völker eine Rolle spielten, auf den Hund gekommen sind, aber es ist peinlich genug, daß sie aus die Operette gekommen sind. Die Sängerin 3da Hiedler. die über 29 Jahre in der Staats- oper Unter den Linden an erster Stelle stand, um sich dann— hauptsächlich an der Hochschule für Musik— der Lehrtätigkeit zu widmen, ist im Alter von 64 Iahren gestorben. Ida Hiedler, geborene Wienerin, wurde vom Wiener Konservatorium ausgebildet. Ihre Hauptrollen waren die des Fidelio, der Agathe, der Aida und die Wagnerschen Frauengestalten. Das Deutsche Theater wird am l. September mit der dramatischen Tiöitung„Wunder um Verdiin" dau Hans Ehlumberg eröstnet. Tic Reche fuhrt Karl Heinz Martin. Tie Eröffnung der Kammerspiele iies Deutschen Theaters findet am 9. September mit der Komödie„Schicksal nach Wunsch�' von Christa Winsloe statt. Die Regie führt Rudolf Bee� Nur keine Einigkeit! Oder die Angst vor Moskau. Es gibt doch sonderbare Käuze unter denen, die sich für be- sonders revolutionär halten oder dafür gehalten sein möchten. Revo- lutionär sein bedeutet für sie, sich recht rauhbeinig gegenüber Sozial- demokraten benehmen, was sie dann wieder ausgleichen, indem sie kritiklos und untertänigst alles hinnehmen, was von Moskau kommt. Eine solche Nummer ist offenbar auch der Kommunist F rö b e l aus Geraberg, Delegierter auf dem letzten Verbandstag der Sattler. Bei der Wahl der besoldeten Vorstandsmitglieder wurde, nach erfolg- loser Aufforderung zur„Gegenprobe", vom Vorsitzenden wider- spruchslos festgestellt, daß die Wahl einstimmig erfolgt ist. Dem- entsprechend— und mit Genugtuung diese Einheit unterstreichend, haben wir darüber berichtet. Darob großes Entsetzen in der Zentrale der KPD. Ein- st i m m i g.— Unerhört! Ja, wo bleiht denn die ganze KPD., wenn sich die Arbeiter einigen? Sofort'ein Dementi! Es half aber nichts. Darauf'erhielt der Kommunist Fröbel, der als einziges Mitglied der KPD. unter den Delegierten noch unter der Fuchtel der Zentrale der KPD. steht— ja, was erhielt er? Das wird wohl bis zum Ausschluß oder Austritt Fröbels aus der KPD. dessen Geheimnis bleiben. Jedenfalls schickte er uns als Eilbrief folgende Berichtigung: „Es ist unwahr, daß die besoldeten Mitglieder des Vorstandes auf dem Verbandstag der Sattler einstimmig wiedergewählt worden find. Wahr ist vielmehr, daß ich gegen die Wiederwahl des Vor- standes gestimmt habe, da ich als oppositioneller Delegierter die Politik des gegenwäriigen Vorstandes nicht billigen kann." Wozu man dem Fröbel nur das Beileid aussprechen kann. Wer nicht einmal den Mut hat, dafür gerade zu stehen, wenn er für die Wiederwahl von persönlich unanfechtbaren, in ihren Funktionen er- probten Kollegen gestimmt hat, der ist wirklich zu bedauern. Verantwertl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Otto Hengst, Berlin. Verlag: Borroiirts Verlag(5. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Einger& So.. Berlin 653 68. Lindeustr. i Hierzu 1 Beilage. � dkfchäfie-Jtnsefger Fenster- undRiifti*r4lriii7i>'Qtto scnuberi rfla Doinimannio. UPiASfl■ksh Neukösin summ ARBEITER! Deckt euren Bedarf In Eisenwaren, Werkzeugen, Haus- U.Küchengeräten bei ERNST WIESE, Berlin O 34, Frankfurter Allee 16 Fleisch Wurst Willy Niething Friedrichshagen, Friedrichstr. 97 billig gut BAUHUYTC BCREINovibh Bebsude Relnlgungsl Besellschaft m.b.H. 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Schön sor- muliert ist in diesem Schreiben die Stellung des Lehrers und der Schule in der heutigen Republik:„Es ist nicht Aufgabe der Schule, als einer der Gesamtheit dienenden Staat-anstalt, die einseitige politische Auffassung der jeweiligen Regierung in die Herzen der Schüler zu pflanzen. Die Lehrer stehen niemals vor der Jugend als Beauftragte einer Regierung oder einer Partei, sondern als Vertreter des überparteilichen Staates. Lehrer müssen deshalb keine Parteimänner, sondern Jugenderzieher sein, die in ihrer pädagogischen Haltung den überparteilichen Staatsgedonken verkörpern," Aber wenn Freiherr v, Gayl meint, daß„die Erziehung zur Staatsgesinnung und zum Volksbürgertum ihre stärkste innerliche Kraft aus den Wahrheiten des Christentums empfängt", so irrt er sich. Diese Grundlage kann nur zutreffen für Kinder, die in einem geschlossenen christlichen Lebenskreis stehen. Das ist der Fall in einigen katholischen und evangelischen Bezirken, in be- geisterten christlichen Sektiererfamilien, ober nicht bei dem Durch- schnitt der Kinder der Jndustriebezirke und Städte, Hier ist alles Denken weltlich fundiert. Und die Unterrichts- und Erziehungsarbeit der Schule kann sich hier nicht an weltfremden Dogmen der Kirchen orientieren, sondern an dem gesellschaftlichen Denken, das die Familien beherrscht. Nur wenn die Schule unge- trübt durch Parteidoktrin, ehrlich und wissenschaftlich objektiv den Kindern die Grundzüge wirtschaftlichen Geschehens und gesellfchast- lichen Seins vermittelt, wird auch in dem politischen Denken der Jugend jene gewünschte Ruhe und vernünftige Kritik einziehen. Die weltlichen Schulen haben sich um die Lösung dieses Problems ernsthaft und mit Erfolg bemüht. Von ihrer gesellschafts- bezogenen Unterrichtsarbeit führt ein gerader Weg zur politischen Erziehung, Auf diese gesellschaftswissenschaftliche Fundierung des gesamten Unterrichts kommt es an. Hier ist die Möglichkeit, durch eigene Beobachtung, durch wissenschaftliche Arbeit jenes Wissen und kritische Denken in der Jugend zu erzeugen, dos ste braucht, um sich gegen die geistige Vergewaltigung durch das Schlagwort schützen zu können. die weltliche Schulerziehung um in einen heldenhaften Be- kennermut zur Wahrheit, zur Solidarität, Die Organisierung der Selbstverwaltung der Schule durch die Kinder, das ist das erste politische Betätigungsfeld unserer Jugend, Hier heißt es praktische Arbeit leisten, Parolenschuster haben bald abgewirtschaftet. Hier wird auch jener notwendige Gemeinschafts- geist erzeugt, ohne den eine Schulgemeinde nicht bestehen kann, und der hoffentlich im späteren Leben seine Krast behält und Parteihaß überwindet im Sinne der Solidarität aller arbeitenden Menschen, Diese gesellschastsbezogene Unterrichts- und Erziehungsarbeit stellt hohe Anforderung und neue Aufgaben an unsere Lehrer, die auf ihren Seminaren keine wissenschaftliche Arbeit nach dieser Rich- tung hin kennengelernt haben. Und auch die heutigen p ä d a g o- zischen Akademien gehen leider dieser Frage nur zu gern aus dem Wege, Jetzt rächt sich bitter, daß'sich die bisherigen Re- gierungen so desinteressiert zeigten, an dieser notwendigen„poli- tischen" Bildung der Lehrerschaft. Jetzt will man mit Verordnungen und Strafen gutmachen, was man bisher versäumt hat. Frucht- bringende Arbeit ist auf diesem Gebiet in den Schulungs- und Kultureinrichtungen der sozialistischen Arbeiterschaft und in den freien Gewerkschaften und Schulgesellschasten geleistet worden. Die heutigen Regierungen hoben an dieser wissenschaftlichen Arbeit noch weniger Interesse und werden dementsprechend auch noch weniger eine EntPolitisierung der Schule erreichen als bisher, „Liebe zum Vaterland" läßt sich nicht mit romantischen Schil- derungen der Vergangenheit erzeugen. Der kritische Geist eines hungernden Körpers wird aus solchen Schönfärbereien nur zum Widerspruch kommen. Vermitteln wir in Schulen und zu Haus unseren Kindern gediegene wirtschaftliche Kenntnisse, die ge- sellschastsbezogen in der Jugend die berechtigte Hoffnung auf bessere Zeiten erwecken und so die Kräfte der Begeisterung auslösen, die unser Volk zu seinem Aufbau gebraucht, schichte politisches Geschehen zu zeigen als Erfolge„tüchtiger' Kaiser, Heerführer und Helden, Jetzt, wo das Kind durch die tag- liche Erfahrung erkennt, daß in den Republik dos politische Ge- schehen in die Hand des Volkes gelegt ist, will es auch aktiv sein und folgt ib der ihm anerzogenen Heldenbegeisterung nur zu leicht den Parolen jener politischen Kraftmeier, welche die lautesten, romantischsten und vielversprechenden Parolen herausgeben. Dem- gegenüber fordern wir. daß das Kind so früh wie möglich durch Beobachtung des Produktionsprozesses, der Lohn- und Ge- winnverteilung, des Warenverkehrs und-Handels, Wirtschaft- liche Erkenntnisse sammelt, welche die notwen- digen Grundlagen politischen Denkens sind, Heute hat der größte Teil der Jugend ein spart- liches Interesse an der Politik, sorgen wir da- für. daß es ein gesellschaftswissenschaftliches wird. Und die willensmäßigen Aeußerungen. die eine fehlgeleitet« Jugend heute im politischen Rowdytum betätigt, leiten wir durch Der Stuttgarter Kongreß �5 jähriges Jubiläum/ Von Wichelm Keil In der Woche vom 17. bis 24. August 1907 tagte zum ersten Male ein Internationaler Soziali st enkongreß auf deutschem Boden, Es war der zwolite Kongreß der Internationale. Die alte Internationale hatte von 1860 bis 1872 fünfmal in tieinen Staaten(Schweiz, Holland, Belgien) getagt, die den großen Welt- Händeln mehr oder weniger neutral gegenüberstanden, Als die sozialistische Internationale noch fast Iltjährigem Schlummer am Hundertjohrtag des Swrms auf die Pariser Bastille wieder erwachte. konnte sie unbehelligt auch die Hauptstädte Frankreichs(1889 und 19O0) und Englands(1896) aussuchen. Aus eine Tagung in Deutsch- land, dem reaktionärsten Lande Europas neben Rußland, mußte verzichtet werden, weil hier schon die Kongreßvorbereitung mit einem Verbot, sicher aber die Tagung mit der Auflösung beantwortet wor- den wäre. Auch die auf dem Internationalen Kongreß von Amster- dam(1904) erfolgte Einladung, den nächsten Kongreß in Deutschland abzuhalten, war noch ein Wagnis, Man verzichtete von vornherein darauf, Berlin als Tagungsort zu bestimmen, sondern entschied sich für Stuttgart, Wie begründet diese Vorsicht war, ergab sich aus der politischen Atmosphäre, die gerade im Jahre 1907 in Berlin herrschte, Bülow rühmte sich, bei den Hottentottenwahlen im _ Januar die Sozialdemokratie niedergeritten zu haben. Den aus- Die alte Schule machte den Fehler, den Kindern in der Ge- ländischen„Schnorrern und Verschwörern" hatte er schon früher Fehde angesagt. Als Jean Ja u res 1905 während der ersten Marokkokrise nach Berlin eingeladen worden war zu einer Rede gegen die Kriegsheizer, ließ Bülow ihm die deutsch« Grenze ver- sperren, und im Reichstag verkündete er hochmütig, die deutsche Politik werde nicht in der Hasenheide gemacht, Wollte man trotzdem den Internationalen Sozialistenkongreh auf deutschem Boden zustande bringen, so bot die Hauptstadt des„demokratischen" Schwabenlandes die günstigsten Chancen, In Württemberg war soeben die relativ sortschrittlichste Bersassungsrefarm unter freimütiger Zustimmung des Königs durch- gesührt worden, Die Regierung des Landes bestand nur aus kon- servativen Beamten, aber bei diesen Männern, besonders beim Innenminister v, P i s ch e k, war doch ein gewisses Maß von Ber- ständnis für die fortschreitende Entwicklung wahrzunehmen, der später Bethmann Hollweg das unanfechtbare Zeugnis ausstellte, daß sie„nicht still stehe". Dafür mußt? allerdings Württemberg es sich gefallen lassen, daß e? von der preußischen Junkerherrschast und nicht zuletzt von Wilhelm II. zuweilen mit scheelen Blicken bedacht wurde. Unter diesen Umständen war selbst in Stuttgart viel Klugheft und Ferienreform! Heboi der Not In Amerika dauern die Sommerferien 3 Monate, in England 7 bis 8 Wochen, in Oesterreich 9 Wochen, in Schweden und Frank- reich 11 Wochen— und in Preußen 4 bis 5 Wochen. Als die heutige Ferienordnung sich um die Jahrhundertwende einbürgert� war das Verhältnis zwischen Schulzeit und Erhalungs- zeit etwa so: Vormittags Unterricht in verbrauchter Luft, Stillsitzen in engen, oft gesundheitsschädlichen Bänken, ermüdende Rede- und Schreibtätigkeit— nachmittags ausreichende Zeit zur Erholung im Soielen und Spaziergang in irischer Luft und in kindlicher Sorg- losigkeit, in den Ferien vollständige Wiederherstellung der körper- l'chen und geistigen Kräfte, Heute? Vormittags der gleiche ge- sundhe tslchodigendc Aufenthalt in unfreundlichen Schulkasernen mit überfüllten Klassen, außerdem ein mehr oder minder weiter Schül- weg durch den brüllenden Großstadlverkehr, frühes Aufstehen und späte Heimkehr— nachmittags: keine Möglichkeit ausreichender Er- holung: Spielplätze fehlen, dagegen AutoHupen, Staub, Benzin- geruch: zu Hause drückende wirtschaftliche Misere, Wohnelend: statt kindlicher Unbekümmertheit— Erfüllung des kindlichen Vor- stcllungs- und Gefühlslebens mit trüben, drückenden Erlebnissen, Kurz, dos Großlladtkind bat aegenwörtig nicht mehr die Möglichkeit. om, Nachmittag die in der Schule verbrauchten Kräste zu ersetzen, Und die Ferien sind nicht mehr ausreichend, um eine vollständige Erholung von den oermehrten Strapazen durch Schule und Groß- stadt zu gewährleisten. Das beweisen auch die zahllosen Nach- beurlaubungen van Kindern in Berliner Schulen, Und aus dem Lande? Noch immer ist es üblich, daß die Schul- bchörde:, hier die Sommer- und Herbstserien noch d�n Wünschen der 2'araner feltte'-m Die..Ernteferien" und die„Kai-wffelferien". deren Beginn sich nach dem jeweiligen Zeitpunkt der Ernten richtet, dienen nicht etwa dem Erholungsbedürsnis des Landkindes, sondern ausschließlich den Interessen des Landwirtes, der in den Kindern feiner Arbeiter wohlfeile Ausbeutungsodjekte erblickt. In Ost- preußen findet niemand etwas dabei', wenn 7— 9jährige Kinder zu schweren Feldarbeiten mißbraucht werden. In einem ostpreußischen Besitzerdorf beispielsweise wurden von 32 Londarbeiterkindern im Alter von 7 bis 9 Jahren, also 70 Proz,, zu landwirtschaftlichen Arbeiten verwendet. Die Arbeitszeit betrug an Schultagen 2 bis 6 Stunden nachmittags, an Ferientogen bis zu 9 Stunden täglich. Die Kinder erhielten hierfür einen Durchschnittslohn von 5 0 Pf. pro Tag, Und der Deputant, der heute 14 M. Borlohn monatlich erhält, braucht diese 50 Pf,, an denen der Schweiß seines ausge- beuteten Kindes klebt, um notwendige Anschaffungen zu machen. Darum gibt er seine Einwilligung, wenn der„Herr" sein Kind zum Erntefahren, Riibeizziehen, Kärtoffelsetzen oder Pflugtreiben braucht. Diese Ausbeutung des Landarbeiterkindes und ihre staatliche Förderung durch die Ferienverlegung ist eine Kulturschande, die den Vergleich mit der— abgeschafften!— Sklavenarbeit ous- hält. Keine Bestimmung des Kinderschutzgefetzes verbietet sie, obwohl die frühzeitige erwerbliche Beschäftigung des Landkindes seine gesamte Entwicklung aufs schwerste gefährdet und hemmt. Not und Elend lausender proletarischer Stadt- und Landkinder erfordern unabweislich Ferienreform, Der hierzu bereits vor 2 Jahren gemachte Vorschlag, die Sommer- und Herbstferien zu- sammenzulegen und das neue Schuljahr dann am 1, September be- ginnen zu lassen, ist damals an bürokratischen Einwendungen ge- scheitert. Heute, wo sich das Kinderelend vervielfacht hat, sollte man Ernst machen mit der vielzitierten Forderung: In Zeiten der Not hat das Kind den ersten Anspruch auf Hilfe, Das Kultusministerium sollte einen Ausschuß führender Aerzte, Pädagogen und sonstiger Sachkenner einberufen, der eine endgültige Regelung herbeiführte, Und das Verbot der Kinderarbeit auf dem Lande sowie die Ver- einheitlichung der Stadt- und Landferien wären Mahnahmen, die auch dem Landarbeiterkinde geben, was des Kindes ist. Oslcar Georg. taktisches Geschick vonnöten, um den Kongreß ohne ernste Konflikte mit den Behörden zum Gelingen zu bringen. In der erhebenden Eröffnungsfeier am Sonntag vormittag in dem schönen großen Liederhallejaal konnte aber A u g u st Bebel mit einigem Stolz erklären:„Unter den Augen des Fürsten Bülow und der Berliner Polizei zu tagen, war nicht noch unserem Geschmack. Wir dachten uns aber, daß, was in Berlin nicht möglich sei, vielleicht in Stuttgart gehen würde. lind Sie sehen, es ist ge- gange n". Es war der größte Kongreß, den die Internationale bis dahin abgehalten hatte, Bebel übertrieb nicht, wenn er in derselben Begrüßungsrede aussprach:„Wir haben heute eine Bersammlung vor uns, wie sie noch nie ein internationaler Soziolistenkongreß auf- zuweisen gehabt hat". Es waren 860 Delegierte aus allen fünf Weltteilen anwesend, darunter neben den deutschen Führern Bebel, Singer, Bollmar, Kautsky die ersten Köpse der Bruderporteien des Auslandes wie Victor Adler, Jaurös, Vaillant, Macdonald, Vander- velde, Branting, Lenin, Greulich, Ferri, usw. usw. Tränen der Er- grifsenheit traten den alten Kämpen ins Auge, als die Fefwsrsamm- lung mit einem Orgelbrausen begann, in das sodann die Arbeiter- sänger und-söngerinnen einsetzten mit dem Audoxsschen„Ein fest«, Burg ist unser Bund", in der Komposition angelehnt an die„Ketzer- marsailleise" Martin Luthers, Ein alter Berliner Freidenkergenoiie traf den Nagel auf den Kopf mit seiner von höchster Besriedigung erfüllten Kritik:„Das war mal een feiner Sonntagsnachmittags>„ jottesdienst". Das Hauptereignis dieses Tages folgte jedoch erst am Nach- mittag, als sich 60 000 Menschen(für jene Zeit eine beispiellose Ber- sammlung) zu dem Massenmeeting aus den Neckarwiesen ein- fanden, wo von sechs Tribünen gleichzeitig große Redner aus allen Ländern der Welt das Evangelium des Sozialismus verkündeten. Das Hauptinteresse wandte sich I a u r d s zu, der sein Pathos und seine rhetorische Kunst zur höchsten Steigerung trieb, als er plötzlich die in der frarzzösischen Sprache begonnenen Rede in der deutschen Sprache zu Ende führte mit den Worten:„Wenn der deutsche Reichskanzler mir die Ehre des Empfangs schenken würde, so würde ich ihm sagen, daß er sich ganz gewaltig irrt, wenn er glaubt, die deutsche Sozialdemokratie völlig zerschmettern zu könne n". Bei den nächsten Reichstags- wählen im Januar 1912 war der Kanzler Bülow bereits vergessen, die Sozialdemokratie aber zog als Vertreterin von 35 Prozent der deutschen Wähler mit 110 Abgeordneten in den Reichstag ein. Das gewaltige Meeting verlies ohne den leisesten Mißton, Die Polizei, die alarmiert, das Militär, das konsigniert wor, bekamen keine Ge- legenheit zur Betätigung. Die Ausklärungsmethoden der Hitler- Horden waren in Deutschland noch unbekannt, Eine volle Woche tagte das Weltparlament der Arbeit, Neben der Kolonialfrage und anderen Themen nahm besonders dos Pro- blem der Verhinderung kriegerischer Konflikte den Kongreß in Zlnspruch, Während Bebel imd Vollmar, Adler und Jaurös mit heißem Bemühen nach Mitteln und Wegen zur Siche- nmg des Friedens suchten, die den realen Tatsachen Rechnung trugen, erhitzte sich Gustav Herne, der rabiate französische AntiMilitarist, sür den Militärstreik und die Insurrektion. Hernes Gedanke, daß es für das Proletariat gleichgültig sei, ob Frankreich Deutschland oder Deutschland Frankreich erobere, wurde von Bebel als absurd bezeichnet, von Jaures aber wurde bestritten, daß das überhaupt ein„Gedanke" sei. Bebel fügte hinzu, daß wir in Deutschland. selbst wenn wir wollten, nicht leisten könnten, was Herne verlangt, und auch die französischen Genossen würden mit den Herveschen Mitteln im Kriegsfalle sehr böse Erfahrungen machen. Als fünf Jahre später der Kriegsfall eintrat, befand sich Herne bereits im Lager der verstiegensten französischen Nationalisten, Die deutschen Sozialdemokraten aber verbanden mit dem Bekenntnis zu ihrer Nation das eifrige Bestreben auf rasche Beendigung des Krieges, womit sie jedoch auf den Widerspruch Hernes stieße». Abgesehen von der Ausweisung des englischen Genossen Harry Queich, dem eine englische Redefloskel falsch übersetzt und gedeutet wurde, verlies der Kongreß u n g e st ö r t. Die württem- bergische Regierung hatte mit der gegen Queich ergriffenen Maß- regel, die übrigens nur zur weiteren Belebung des Kongresses bei- tnig, den gehässigsten Sazialistenjressern, die ihr wegen der Ge- stattung dieser Tagung bitter grollten, ein Zugeständnis gemacht, Im übrigen verhielten sich die Behörden reserviert. Die Stadt Stuttgart stand die ganze Woche im Banne des Kongresses. Ge- wollig« Propagandaversammlungen, die während der Woche in Stuttgart und den größeren Städten Württembergs mit berühmten Rednern aus den verschiedensten Ländern abgehalten wurden, sorgten dafür, daß auch die Massen, die den Beratungen nicht beiwohnen konnten, in engeren Kontakt mit dem Kongreß kamen. Mit Be- geisterung spricht heute noch jeder Teilnehmer dieser Stuttgarter Tagung, der nicht inzwischen zur großen Armee abberufen wurde, von der glänzenden Sttittgarter Kongreßwoche. Der Europaflug Vor Abschluß der technischen Prüfungen Die technischen Prüfungen neigen ihrem Ende zu. Offen steht nur noch der Brenn st offoerbrauchsflug, der am Freitag- vormittag auf einer etwa 300 Kilometer langen Strecke zur Durch- füchrung gelangt. Nur wenige Teilnehmer find mit den andere» Prüfungen noch im Rückstand, die sie in diesen Tagen noch nach- holen. So gewinnt man denn doch schon einen Ueberdlick über den Wertungsstand, wenn auch durch die paar Nachzügler sowie den Brennstoffverbrauchsflug noch manche Verschiebungen eintreten dürften. Die Italiener und Polen sind vorläufig noch stark« Favoriten. Sie haben die bisherigen Prüfungen bisher in aus- gezeichnetem Stil abgelegt. Daß diese Prüfungen zum Teil den Erfordernissen nicht gerecht werden, sondern über das Ziel hinaus- schießen, daß hier Tourenflugzeuge geprüft werden sollen, hat mit dem Wertungsstand nichts zu tun. Es drängt nur die ganze Ent- wicklung in falsche Bahnen, aus denen man unbedingt wieder heraus- kommen muß. Man scheint hier mitunter doch die Begriffe, den Sinn und Zweck zu verwechseln. Zurück zum Tourenflugzeug! Das muß die Forderung sein. Und wenn man sieht, daß man auf Ab- wege gerät, muß man Wege finden, die Rahmenausfchreibung zu reorganisieren, auch wenn sie von Anfang als feststehend gedacht war. Der Pole Zwirko(RWD.) und der Italiener Colombo(Breda) führen gegenwärtig mit je 222 Punkten. Lombardi-Italien(Breda) 217 Punkte, Miß Spooner-Cngland(Breda) 216 Punkte, Donati- Italien(Breda) 21S Punkte, Stoppani-Jtalien(Breda) 213 Punkte, Karpinski-Polen(RWD.) 213 Punkte, Suster-Jtalien(Breda) 211 Punkte, folgen. Und dann kommen die ersten Deutschen. Hinter- einander drei Klemm-Eindecker mit Poß{20i Punkten), dem Schweizer Fretz(ebenfalls 264 Punkte) und Wolf Hirth(203 Punkte) am Steuer. Die Klemms haben sich bisher überhaupt recht gut gehalten. Besser alz die Heinkel-Maschinen, die allerdings schneller sind und vor allem im Streckenflug noch sehr ernsthafte Konkurrenten sein können. Bemerkenswert gute Start- und Landeleistungen bekamen wir in diesen Tagen vor allem von Hirth(Klemm), Lombardi(Breda), Paß, Osterkamp, Lusser und Pasewaldt(Klemm), Detre(Potez), Miß Spooner(Breda), Viazzo(Breda) und Fretz(Klemm) zu sehen, die An- und Auslaufftrecken benötigten, die zum Teil unter 100 Meter oder nur ganz wenig darüber liegen. Wie das geprüft wurde, das war aber schon reine Akrobatik. Was diese aber mit der Tourfftikfliegerei zu tun hat, das bleibt das Geheimnis derer, die die Ausschreibung ausgedacht haben. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß man nicht immer Militär- und Zivilfliegcrei genügend vonein- ander zu trennen versteht, um so mehr als alle Länder außer Deutschland, die Einfluß aus die Festlegung der Durck� führungsbestimmungen haben, eine starke Militärfliegerei unter- halten und hierbei ganz übersehen, daß die Flugtouristik doch etwas ganz anderes ist. Deutschland, das in dieser Hinsicht militärisch unbeschwert ist, muß künstig in dieser Richtung seinen ganzen Ein- fluß geltend zu machen versuchen. Strenge Scheidung ist da unbe- dingt notwendig. Das müssen die anderen schließlich doch einmal einsehen, wenn sie wirklich nur Flugtouristik treiben wollen! » Am Sonntag erfolgt der Start zum Streckenflug, dessen Reihenfolge durch das Los bestimmt wird. Für Zuverlässig- keit und Durchschnittsgeschwindigkeit werden hier im Höchstfalle 220 Punkte vergeben. Die bei den technischen Prüfungen und beim Rundslug errechneten Gesamtpunktzahlen sind dann maßgebend für die Startfolge bei der abschließenden Geschwindigkeitsprüfung, die auf einem Dreieckkurs mit Start in Staaken und Ziel in Tempelhof über insgesamt 300 Kilometer erledigt werden muß. Wer also am 28. August zuerst auf dem Flughafen in Berlin-Tempelhof landet, ist der Sieger des Europafluges 1932. Der Rundslug sieht insgesamt 26 Zwangslandeplätze vor und umfaßt in seiner 7362,6 Kilometer langen Gesamfftrecke folgende drei Großetappen: 21. bis 2 2. August: Berlin-Tempelhof— Warschau— Krakau— Prag— Brünn— Wien— Agram— Picenza— Rimini— Rom (2497,4 Kilometer): 2 3. bis 2 4. August: Rom— Florenz— Bellinzona— Turin— Wendemarke Albenga— Cannes— Lyon— St. Gallen— Stuttgart— Bonn— Paris—(2464 Kilometer). 25. August: Zwangsruhetag in Paris. 2 6. bis 2 7. August: Paris— Deauoille— Rotterdam— Dortmund— Hamburg— Kopenhagen— Laholms Bucht— Göteborg— Laholms Bucht— Kopenhagen— Hamburg— Berlin-Staaken(2401,2 Kilometer). 2 8. A u g u st: Gcschwindigkeitsprüfung über 300 Kilometer auf der Strecke Berlin-Staaken— Frankfurt a. d. O.— Kirchhain- Dobrilugk— Tempelhof. Um die Wasserballmeisterschaft Bon den Sportereignissen des kommenden Sonntags verdient das Endspiel um die W a s s e r b a l l m e i st e r s ch a f t des Arbeiter-Turn- und Sportbundes in Herne(Westf.) besondere Beachtung. In diesem schwersten aller Ballspiele haben sich aus langen Vorkämpfen zwei würdige Gegner herausgeschält. ASV. Hellas, Berlin, Meister des 1. Kreises und des Ostdeutschen Kreisoerbandes, trifft in der Westfalenstadt Herne auf die Mann- schaft der Freien Schwimmer Hannover, den Meister des 11. Kreises und des Nordwestdeutschen Kreisverbandes. Recht knappe Resultate waren es, mit denen sich diese Mannschaften den Weg zur Endrunde erkämpften. In der Vorschlußrunde waren Hannover über den süddeutschen Landesmeister Mannheim mit 6: 5 und Hellas gegen den Meister Mitteldeutschlands, Breslau, mit 2: 1 erfolgreich. Das war am 7. August. Wie es um die Aussichten im Endspiel bestellt ist, läßt sich kaum mit Sicherheit beurteilen. Nur alle zwei Jahre wird die Wasserballmeisterschaft im Arbeiter- Turn- und Sportbund ausgetragen. Hannover stand bereits ein- mal, 1930, in der Schlußrunde, verlor aber gegen die Freien Schwimmer Charlottenburg 0:2. In diesem Jahr verscherzte sich Charlottenburg die Teilnahmeberechtigung am Meisterschaftsspiel durch die 4: S-Niederlage gegen Hellas bei den Berliner Aus- fcheidungsspielen. Es ist nun noch keineswegs gewiß, ob Hellas in der Lage sein wird: den Titel wiederum für Berlin zu erringen, zumal Hannooer seine Mannschaft gegen 1930 durch Einstellung neuer Spieler vorteilhaft verstärkt hat. Ein spannendes Spiel mit knappem Endresultat wird jedoch allgemein erwartet. Rückschau haltend auf die bisherigen Meisterschaftsbegegnungen, stellt man die bisherige Vorrangstellung des 1. Kreises in dieser Sportart fest. Nachfolgend eine tabellenmäßige Aufstellung: Am 17. August 1g21 in Leipzig: ASV. Wien-ASV. Leipzig 7:2. Am 9. August 1926 in Äöln:„Neptun".WeiKensee— ASV. Leipzig 4: 2. Am 12. August 1928 in Osnabrück:„Ncptun".Weihensee—„Möwe".Mann. heim 8: 9. Am 19. August 1939 in Göttingen: Freie Schwimmer Charlottenburg— Freie Schwimmer Hannover 2: 9. Der ASV. Wien, der auch heute noch eine führende Stellung eipnimmt, schied 1925 aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund aus und gehört seitdem dem österreichischen Arbeitersportkartell an. Es finden jedoch oft Freundschaftsspiele dieser Mannschaft mit reichs- deutschen Mannschaften statt, bei denen sich die Wiener als über- ragende Könner erweisen. Die Berliner hatten zuletzt Gelegenheit, die Wiener beim Städtekampf Wien— Berlin im März dieses Jahres im Spiel zu sehen. Die Leitung des am Sonntag stattfindenden Spieles liegt beim Schwimmwart des 6. Kreises, Schirrmacher, in bewährten Händen. Die Aufstellung der Mannschaften steht wie folgt fest: OetfentlicKes Aergernis Hellas: Hannover: Ehrlich Garske Knote Striefler Hornfeldt Drömert Polte Meyer Dreyer Riemann Pritschow Rcmmler Gutsche (Sehrt Nicht weniger als 1600 Schwimmerinnen und Schwimmer werden im Schwimmstadion am Rhein- Herne- Kanal aktiv beteiligt fein. Bereits am Sonnabend finden Darbietungen statt. Die Hauptoeranstaltung beginnt am Sonntag. 16 Uhr, und hat in ihrem Mittelpunkt das Wasserballspiel. Den Abschluß der Veranstaltung wird ein 64er Kunstreigen der Frauen bilden. Frankreichs Wasierball-ZUeisterschast wurde abermals von den Enfants dp Neptun de Tourcoing gewonnen. Endjpielgegner war, was bezeichnend ist, die zweite Mannschaft des gleichen Ver- eins, die sich mit 9: 2 Toren geschlagen bekennen mußte. Dritter im Gesamtklassement wurde CRS. Marseille. Die dänische Ländermannschast für den am 30. August in Hel- singfors stattfindenden Fußballkampf gegen Finnland wurde wie folgt aufgestellt: Svend Jensen, Fritz Tarp, Knud Christophersen, O. Ioergensen, Sören Jensen, Valdeniar Laursen, Henry Hansen, Kleven, Pauli Ioergensen, Kaj Uldall, Svend Petersen. .Een Moment noch, Orfc, de Polizei können wa immer noch holen!" Butodesiccue l/eceiuc Uiicu u*ii: Freie Turnerschast Sroh-Berlm. Frauenausschußsitzung Freitag, 19. August, 19!� Uhr, Kreisgeschöftsftelle. 1. Bericht vom Frauenlehrgang. 2. Frauen- treffen, Aerbewoche. Es ist erwünscht, daß zum 1. Punkt alle interessierten Mitglieder des Vereins erscheinen, auch Genossen. sahrer Wasserweg. den toten Arm etwa S Minuten. Straße 88—88. Sitzung 1. September Geschäftsstelle, Elsässcr Volkssport Reukölln-Britz. Beiträge für das September-Mitteilungsblatt bis spätestens Montag, 22. August, an Kurt Gundelach, Neukölln, Fulda- straße öü— 99, 6 IN. Boxsport- Allerlei Camera in USA. geschlagen Der italienische Boxriese Primo Carnera, von besten Niedergang in letzter Zeit recht viel gesprochen wurde, erlebte in Newark bei New Jork eine unliebsame Uederraschung. Sein Gegner Stanley Poreda gehörte nicht zu der großen Zahl derer, die man Carnera in USA. allgemein als Schlachtopser vorgesetzt hatte, vielmehr oerfügt dieser Amerikaner über ein recht achtbares Können, und man rechnet ihn zur guten zweiten Klasse der Schwergewichtler. Es kam, wie es einmal kommen mußte. Carnera unterschätzte seinen Gegner und wurde von Poreda über 10 Runden sehr sicher nach Punkten geschlagen. Im Herbst will der italienische Riese wieder Europa mit seinem Erscheinen beglücken, er dürfte aber kaum noch der große Kaffenmagnet sein wie einst. Belgiens Schwergewichts-Europameister Pierre Charles nimmt dieser Tage dos Training für die neue Saison auf, die er in Europa zu verbringen gedenkt. Borläufig hat Charles erst zwei Treffen in Aussicht, und zwar eines mit dem Dänen Knute Hansen, das aber daran zu scheitern droht, daß Hansen plötzlich den Einsatz des Europameistertitels als Bedingung fordert, und das andere am 5. oder 12. November mit Carnera. an dem er gerne Revanche für die in Paris erlittene Niederlage nehmen will. * Obwohl er bereits im 37. Lebensjahre steht, ist der einst in aller Welt bekannte amerikanische Meisterboxer Benny Leonard jetzt noch einmal zu einem Weltmeisterschaftskampf zugelassen worden. Leonard will versuchen, den derzeitigen Weltergewichts-Weltmeister Jackie Fields zu entthronen, das interessante Treffen soll ent- weder am 12. September oder eine Woche später gelegentlich des Schmeling-Walker-Kampftages in New Jork zum Austrag gebracht werden. heule Arbeiterringer bei„Alk-Wedding". In der Zwischen- runde zur Ermittlung der Berliner Städtemannschast im Ringen stehen sich heute in der Turnhalle Utrechter Straße 31/32 die besten bundestreuen Arbeiterringer im Bantam-, Feder- und Halbschwergewicht gegenüber. Die Kämpfe beginnen um 20 Uhr. e Buch Lintia Sfemfen: Deutschland swiScheti QeStern und tllorgen Es gibt wenig Bücher, die man mit soviel Erwartung in die Hand nimmt, mit soviel Freude und Zustimmung liest, wie dieses neue Buch von Anna Siemsen.(Erschienen im Urania-Frei- denker-Berlag, Jena. Preis 4 M.) Es reiht sich würdig dem früFe- ren Buche der Verfasserin,„Daheim in Europa", an. Wie jenes ist auch dieses durchaus kein Reisebuch, es ist weit mehr, denn es macht uns mit Deutschland, der Landschaft, den Städten und Men- schen nicht nur bekannt, sondern es dringt in die Dinge ein, erklärt ihre Eigenart und zeigt ihre Stellung im Strome der Geschichte, ihre Verbindung und Wandlung zwischen Gestern und Morgen auf. Zustandsschilderungen gibt Anna Siemsen, Reportagen im besten Sinne des Wortes, klar und einfach gesehen und plastisch gezeichnet in lebendigen und farbenfrohen Bildern. Scharf und unerbittlich, wenn sie das industrielle Kaisertum an der Ruhr schildert: Mitleids- voll und Empörung erweckend, wenn sie das Elend bei den Heim- arbeitern und im Waldenburger Revier im Gegensatz zu den„Sor- gen" der Fürstin Pleß aufzeigt. Und immer von mütterlicher Wärme erfüllt für den„kleinen Mann", der zu allen Zeiten unbekannt und unbeachtet gelebt hat, der seit Jahrhunderten die Lasten für alle trägt und von ihnen halb erdrückt wird. Sein Schicksal zu zeichnen wird Anna Siemsen nicht müde, aber sie sieht auch die Hoffnung der Unterdrückten, ihre Sehnsucht und ihren Willen zu einem besseren Leben, wie sie die Feste der Arbeiterschaft offenbaren.„Der erste Schimmer einer kommenden Wirklichkeit." Wir alle befinden uns im Schmelztiegel, der vergangenes und heutiges Deutschland ent- hält, wir werden umgeschmolzen und umgeformt in Ringen und Kämpfen, in denen uns der Blick nach vorn verloren zu gehen droht. Den Glauben an das Deutschland der Zukunft, Erkenntnis und Zu- verficht gibt uns dieses Buch. Und dafür sei Anna Siemsen gedankt. Ridiard Junge. Rundfunk am Abend Donnerstag, den 18. August 1932. Berlin: 16.03 Das habe ich doch schon mal erlebt (Dr. F. Becker). 16.30 Cellomusik. 17.00 Saxophonmusik. 17.30 Christentum und Staat(W. Zimmermann). 17.30 Ins Stammland der Brandenburger(Dr. M. Sommer). 18.13 Mit dem Mikrophon durch die Mark; Paretz. 18.45 Der erste planmäßige Transozeanluftverkehr(Dr. 11. Orlovius). 19.00 Mitteilungen des Arbeitsamfes. 19.03 Die Funkstunde teilt mit. 19.10 Tanzabend. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Richard Wagner in Paris(Hörfolge). 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Abendunterhaltung. Königs Wusterhausen; 16.00 Pädagogischer Funk (Rektor O. Winter, Kreisarzt Med.-Rat Dr. Kühnlein). 17.30 Die Nationalitätenfrage Südeuropas(Professor O. Wittstock). 18.00 Musikalischer Zeitspiegel(Rita Weise, H. Sdmltze-Ritter). 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene(Gertrud van Evseren, Dr. F. Armesto). 18.33 Wetterbericht. 19.00 Aktuelle Stunde. 19.15 Stunde des Landwirts(Dr. Barocka). Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. duroi alle„Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. $födf.0per Charlottenburg öismarckstraße 34. Don nerst.l 8. August Turnus IV Die Banditen Pfahl, Eisinger, Nikolaiewa a. Q., Burgwinkel, Gründgens a G„ Kandl, Egenlauf Anfang 29 Uhr Ende 22,43 Uhr Ä Uhr 13. Flora 3434.«auwei, Taps& Tempo, RemosCorap. 4Richys. Sealtiel,M.&C.Mayo Levanda, Hanter& Bobette PLAZA ■ike Sctlei. Ikf. 1 5 1.816, S!is, 2,5,8159, kekhardt-lnszcnjerfl.: Kabale u. Liebe sv, uhr CflSlflO-THEftTER-"/.vw Lothringer Stratze 37, II llllll 8l8lllltMI8iillllllBIIIII III8II•8IIIIIIIIIIIII> 881111111111811 II tkllflltt Berlin wird wieder lachen! Ab Freitag, den 26. August Annemarie das kleine Tanzmädel Volksoperette.— Musik von Gilbert Vorher ein bunter Teil. Preise 0,50 M, 0,75 M. und 1,— M. Aach Sonntag abend. Rose■ Theater Mi Fnokfirtn SfraSi 132 tll. Wiiditll E 7 3427 8.30 Uhr Herzdame Gartenbllhne 5.30 Uhr Konzert u. Variete FrühllnBSlulf TRAUM LAND SCHONHOLZ stussiHt-sruMn Heute Grofl- Feuerwerh Attraktionen Tierporadiei fflSSSä® BETRIEB£ A KEMPIHSKIlJ Freitag, d. 19. August nacfamUtag* 3 Uhr original- Befema Patentmatratzen/ Ruhebetten Couchs mit Betema-Federung Patent-Drehbcti(D.R. 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