sf? Morgenausgabe 7tr. 393 A 194 49.Iahrgang Wöchintlich 7S Pf, monatlich S,Z» M. (davon S? Ps. monatlich für Anstel. lung ins Hans) im voraus zahlbar. Postbezug 3.S7 M. einschließlich ooPs. Postzeiwngs- und 72 Pf. Postbestellge» bsthren. Auslandsabonnement d.ss M. pro Monat; für Länder mit ermäßig» tent Drucksachenporto 4,65 M. • Bei Susfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kew Anspruch der Abonnenten auf Ersatz. Srscheinungswetse und Anzeigenpreise steh« am Schluß des redaktionellen Teils. Sonntag 21. August 1932 Groß-Äerlm 15 Pf. Auswärts 20 pf. Berliner volM»latt Jentralorgan der GozialdemokeatifOen Partei DevttchkmSS Redoktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 getnspr.: Dönhosf(A 7) 292— 297. Telegrmmn-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Bertin 37 536.— BonHoitto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 8. Dt.B.u.Ditzc.-Ges., Deposttenk., Jerusalemer Str. K5lKS. vorslok ALISliMW Umn Anträge im Reichstag/ mu lamow. Neue Subventionen? Großagrarier verlangen wieder generelle Zinssenkung. In der gestrigen Morgennummer des„Vorwärts" sind die Sozialisierungsanträge der neu gewählten Reichstags- fraktion im Wortlaut mitgeteilt worden. Gefordert wird: Verstaatlichung der Schlüsselindustrien(Bergbau, Eisen. Großchemie, Zement). Verstaatlichung der Großbanken. Aufsichtsamt über das gesamte Bankwesen. Enteignung des landwirtschaftlichen Großgrundbesitzes zu- gunften von Landarbeitergenossenschaften und bäuer- lichen Siedlern. Errichtung und Ausbau von Staatsmonopolen. Errichtung eines Kartell- und vlonopolamtes. Errichtung einer zentralen Planwirtschaftssielle. Schon die Tatsache, daß diese Anträge die Nutzanwen- dung des freigewerkschaftlichen Aktionspro- g r a m m s für den Umbau der Wirtschaft darstellen, muß sie vor dem Verdacht schützen, als ob es sich dabei um die Befriedigung eines bloßen Agitationsbedürfnisses oder etwa nur um ein parlamentarisches Manöver zur Entlarvung des Nazischeinsozialismus handelte. Die Anträge dürfen auch keineswegs als die Plakatierung von Fernzielen an- gesehen werden, es sind Gegenwartsforderungen, das heißt, die heute vorhandene ökonomische Situation wird als reif für sozialistische Wirtschaftsumgestaltung in breiter Front angesehen. In der Geschichte der sozialistischen Arbeiterbewegung hat die Frage, ob der Weg zum Sozialismus ein„r e v o- lutionärer" oder ein„evolutionärer" sein soll, mehr als einmal heiße Debatten ausgelöst. Die Gegensätz- lichkeit zwischen diesen beiden Begriffen ist in der Praxis aber gar nicht so groß. Wenn unter revolutionärer Umge- staltung die Sozialisierung der Gesamtwirtschaft mit einem Schlage verstanden werden sollte, so hat nicht zuletzt das russische Beispiel erwiesen, daß solche ökonomischen Umstürze undurchführbar sind. In Wirklichkeit handelt es sich auch nur darum, in welchem Tempo der Systemwechsel abge- wickelt werden kann, und das ist xine Angelegenheit, die nicht allein von der politischen Willensbildung und Entschlußkraft, sondern in viel höherem Maße noch von ökonomischen Vor- aussetzungen abhängt. Es war ein tragisches Geschick für die Arbeiterbewegung, die mit heißer Sehnsucht auf den Sturz des kapitalistischen Systems wartete, daß ihr am Ende des Krieges die politische Macht in einem Augenblick zufiel, als die ökonomischen Be- dingungen für den Uebergang zum Sozialismus hoffnungs- los ungünstig waren. Damals auf den traurigen Ueber- resten einer zerstörten Volkswirtschaft xm neues Gebäude sozialistischer Wirtschaft aufbauen zu wollen, das wäre ein Versuch gewesen, der mit dem völligen Zusammenbruch der Massenversorgung sehr bald ein unrühmliches Ende gefunden haben würde. Darum mußte dem Kapitalismus die Aufgabe zufallen, den zerstörten Wirtschaftskampf erst wieder herzustellen. Heute verfügen wir über eine Produktionsgrundlage, die erheblich größer ist als vor dem Kriege. Wenn der Kapi- talismus im gleichen Maße die gesellschaftliche Versorgung verbessern könnte wie er die produktiven Kräfte zur Eni- faltung bringt, wäre es um den Sozialismus wahrlich schlecht bestellt. Mit einer Anschaulichkeit wie noch niemals in der bis- herigen Wirtschaftsgeschichte, offenbart sich aber die gräßliche Mechanik des kapitalistischen Systems. Jede außerordentliche Steigerung der produktiven Kräfte führt automatisch nicht zu einem Aufstieg, sondern zu einem Absturz der allgemeinen Lebenshaltung. Nur so lange in der kapitalistischen Wirt- schaft die Investitionstätigkeit gesteigert werden kann, ist die Ausweitung der Gesamtwirtschaft möglich. Ein Stagnieren und ein Rückgang der Investitionstätigkeit bedeutet Still- stand und Einschrumpfung der Gesamtwirtschaft und der ge- sellschaftlichen Versorgung. Weil die kapitalistische Wirtschast bei uns und in der Es verlautet, daß die Reichsregierung nach Erledigung ihres unzulänglichen Arbeitsbeschaffungsprogramms(man vergleiche den Vorschlag der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion für eine großzugige Arbeitsbeschaffung) beabsichtige, die Frage der Zinsherabsetzung in Angriff zu nehmen. Sie will aber angeblich eine allgemeine Herabsetzung nicht dekretieren, sondern frei- willige Vereinbarungen zwischen Gläubigern und Schuldnern för- dern. Dazu sollen Schlichtung? st ellen eingerichtet werden, die aber keine Zwangsschiedssprüche fällen, sondern nur beratend und empfehlend in die Verhandlungen eingreifen sollen. Danach scheint sich also die Reichsregierung jedes Zwangseingriffs enthalten zu wollen und für eine individuelle Zinsfenkung entschieden zu haben. Interessant ist, daß die Reichsregierung mit einem solchen Vorgehen den Weg beschreiten würde, den die sozialdemokratische Reichstagsfraktion in ihrem Gesetzentwurf zur Entlastung not- leidender Schuldner gewiesen hat. Darin wird die Einrichtung eines Schul deinigungsamtes gefordert, das die Verhält- niste eines unverschuldet in Not geratenen Schuldners zu prüfen hat, danach einen Einigungsvorschlag macht und eventuell einen Schiedsspruch fällt. Auffälligerweise beeilt sich der Deutsche Landwirt- schastsrat, von neuem ein« generelle Zinssenkung zu oer- langen. Die Gefahren einer solchen Mahnahme für den landwirt- schaftlichen Kredit kennt er sehr genau, aber man dürfe sie nicht überschätzen. Die individuelle Zinssenkung muß er selbst als den gerechteren Weg bezeichnen, er behauptet aber, wegen der Schwersälligkeit der Durchführung und der Gefahr willkürlicher Entscheidungen(!) müßte eine generelle Regelung vorgezogen werden. Eine generelle Zinssenkung zugunsten der Landwirtschaft würde eine neue Subvention zu Lastern der übrigen Wirtschafts- zweige bedeuten. Den Großagrariern ist sie aber recht als Mittel, ihren Besitz auf Kosten der dummen Leute, die ihnen Geld borgten, zu halten. Sie scheuen die Nachprüfung durch eine amtliche Stelle, ob ihre Wirtschaftsführung eine Zinsherabsetzung als gerecht- fertigt erscheinen läßt. Sie oerlangen Opfer von den anderen— aber niemand soll die Ursachen ihres Bankrotts feststellen. Daß der Deutsche Landwirtschastsrat nur auf Subventionen zugunsten der Großlandwirtschaft ausgeht, das beweist eine andere Forderung. Er verlangt eine Entlastung der Preußen- k a s s e dadurch, daß das Reich die uneinbringlichen Forderungen der Preußenkaste übernimmt. Das wird als Hilfe für die Kredit- genostenschaften bemäntelt: in Wahrheit will man auf diese Weise durch eine Streichung eines Teiles der Schulden von bankrotten Gütern erreichen. Wir müssen verlangen, daß die Reichsreaierung sich sehr weit von diesen Forderungen distanziert. Ltm Deutschlands Auslandsschulden. Warmbold gibt beruhigende Erklärungen ab. Der Reichswirtschaftsminister Dr. War m'b o l d erklärte in einer Unterredung mit dem Berliner Vertreter der Associated Preß, daß die deutsche Regierung niemals daran gedacht habe, die privaten Auslandsschulden herabzusetzen. Die Verschärfung der De- flation, die das Mißverhältnis zwischen Geld- und Güterwert von Schuldverhältnissen stets verschlimmere, sei keine deutsche, sondern eine internationale Angelegenheit. Die Regierungen sollten durch wirtschaftspolitische Maßnahmen der Inflation entgegen- arbeiten. Auch eine Herabsetzung des Zinssatzes für private Auslands- schulden würde nicht einseitig von Deutschland geregelt wer- den. Er, Warmbold, hoffe aus eine Einigung mit den Gläubigern. Die Gläubigerländer müßten aber zu der Erkenntnis kommen, daß eine Uebertragung der fälligen Zins- und Tilgungsraten nur i n Waren möglich sei. ganzen Welt in der letzten Konjunkturperiode zu viel in- vestiert hat, das heißt zu viel Möglichkeiten einer größeren Produktion und Versorgung geschaffen hat, findet sie nicht wieder heraus aus der Krise. Die ganzen Hoffnungen der kapitalistischen Wirtschaftsführer konzentrieren sich heute dar- auf, daß doch endlich einmal wieder durch den natürlichen Verfall und die planmäßigen Zerstörungen von Produttions- Mitteln und Rohstoffen Raum entstehen müßte für neue Ka- pitalgllter. Darum das krampfhafte Ausschauen nach einem Ansteigen der Rohstoffpreise, das ein Zeichen für eine Ab- nähme des Sachreichtums wäre. Die Ueberinduftrialisierung, die übermäßige Ausdehnung der Rohstoft- und Lebensmittelerzeugung in der ganzen Welt ist das Unglück des kapitalistischen Systems. Aber gleichzeitig sind damit die Voraussetzungen für den Uebergang zur sozia- listischen Wirtschaft erfüllt. Die historische Aufgabe des Ka- pitalismus bestand in der Entfesselung der produktiven Kräfte bis zu dem Punkte, wo er an der Wetterführung dieser Aufgabe scheitern muß, weil er den Verbrauch nicht mitziehen kann. Die historische Aufgabe des Sozialismus ist die Dienstbarmachung der produktiven Kräfte für die Deckung des gesellschaftlichen Bedarfs. Viele Anzeichen sprechen dafür, daß der Zeitpunkt gekom- men ist, an dem der Uebergang zur sozia- listischen Wirtschaftsform eine entwick- lungsgeschichtliche Notwendigkeit gewor- den i st. Ganz anders als in der ersten Nachkriegszeit können heute auch sehr radikale Sozialisierungsmaßnahmen durch- geführt werden, ohne daß Reibungsverluste zu befürchten wären, die eine Einbuße am Wirtschaftsertrage zur Folge haben müßten. Es handelt sich heute ja nicht mehr um eine Krise der Produktionskraft, sondern um eine Organisations- krise. Die vorhandene Fülle brauchbarer, aber brachliegen- der Produktionssaktoren braucht nur durch eine gar nicht so schwierige Organisation aktiviert werden, um sofort zusätz- lichen Wirtschaftsertrag zu erzielen. Aus dieser Einschätzung der ökonomischen Lage sind die sozialdemokratischen Anträge entstanden. Daß nun zwar in einer für den Sozialismus ökonomisch so günstigen Situation der politische Einfluß unserer Bewegung zurückgedrängt wor- den ist, daß die kapitalistische Klasse zur Zeit wieder Ober- wasser bekommen hat, das bedeutet gewiß wiederum eine Tragik. Aber ist das politische Fundament der gegenwär- tigen Machthaber wirklich eine Realität? Ist es nicht trotz allem eine wichtige Feststellung, daß eine„tiefe antikapita- listische Sehnsucht" durch das ganze Volk geht? Die Bourgeoisie hat sich in ein sehr gefährliches Spiel eingelassen, als sie mit Heller Begeisterung die Nazibewegung aufpäppelte und das sozialistische Aushängeschild ihrer Schützlinge als einen wie sie glaubte harmlosen Schönheits- fehler mit in Kauf nahm. Die Nazipartei mag sich drehen und winden wie sie will, sie wird sich nicht ewig dem Ver- gnügen bloßer Propaganda hingeben können. Sie wird vermutlich sehr bald bekennen müssen, wie sie in Wirklich- keit zum Sozialismus steht, und daß unsere Sozialisierungs- antrüge auch dafür einen geeigneten Prüfstein bilden, ver- mindert chren Wert ganz gewiß nicht! Systematische Mordhetze. Zeugenaussagen im Beuthener G.A.-Prozeß. Zeulhen, 20. August.(Eigenbericht.) Bei der Fortsetzung der Beweisaufnahme wird der Zollassistent Sendet vernommen, der mit einem zweiten Beamten, einem nicht ermittelten Nationalsozialisten, bei dem Versuch überrascht wurde. auf Anweisung des Angeklagten Lachmann die Telephonleitung während der Ausführung der Mordtat zu durchschneiden. Der Auto- führer O h n s ö r bekundet, daß er abends von dem Angeklagten Nowack angerufen und beauftragt worden fei, mit der Taxe vor dem Broslawitzer SA.-Heim vorzufahren. Er habe für die Fahrt 38 M. liquidiert. Der Gemeindevertreter Slodzrk, der in Potempa allge- meines Vertrauen bei der Einwohnerschaft genießt, sogt aus, daß kurz vor den Wahlen am 31. Juli die Dorfschullehrer sich an die Bewohner mit der Bitte gewandt hätten, gegen den Angeklagten Lachmann als Gemeindevorsteher bei der vorgesetzten Behörde Beschwerde zu führen, da sie aus dessen Anstiftung als„Zentrumsbonzen" fortgesetzt von den National- sozialislen bedroht wurden. Aus Furcht vor Ueberfällen hätten die Lehrer mehrer« Nächte nicht in ihrer Wohnung geschlafen. Der Amts- Vorsteher habe infolge der Bedrohungen vor den Wahlen mehrere Poßzeibeamte nach Potempa abkommandiert, die einige Tage nach den Wahlen wieder zurückgezogen worden seien. Am 9. August vor- mittags fei der Arbeiter Schwingel zu chnen gekommen mit der Bitte, doch sofort den Gemeindevorsteher zu benachrichtigen, daß dieser Polizei schicke. 3hm sei von den Nazis erklärt worden, daß er die kommende Nacht herausgeholt und ausgehängt würde. Cr, der Zeuge, habe dann den Amtsvorsteher entsprechend unter- richtet, dieser habe den Oberlandjäger Müller nach Potempa ge- schickt, der den Schwinge beruhigt habe. Tatsächlich haben dann, wie wir bereits berichteten, die Angeklagten in der Mordnacht zu- nächst den Versuch gemacht, zuerst Frau Schwinge aus der Woh- nung herauszulocken und kalt zu machen. Er hatte es nur seiner Frau zu verdanken, daß er nicht das Schicksal des ermordeten Pieczuch teilte. Schlottwig bekundete noch, daß Lachmann als ein sehr rabiater Mensch bekannt sei, der seine Amtsführung zur Wahrnehmung politischer Interessen immer mißbraucht habe. Die Aussage dieses Zeugen war der Verteidigung sichtlich un- angenehm, sie konnte sie aber nicht verhindern. Es wurden dann noch eine Reihe Belastungszeugen vernommen, die aber nur das bereits feststehende Verhandlungsergebni« bestätigten. Zum Schluß wurden dann noch einige von der Verteidigung benannte Ent- lastungszeugen vernommen. Der Beulheuer Slurmsührer der SA. sollte den von den Angeklagten behaupteten starken kommunistischen Terror be- kräftigen. Er konnte aber nur einige harmlose Zwischenfälle anführen. Ein Rokittnitzer Gastwirt, in dessen Räumen die von dem Angeklagten Graupner geführte SA.-Staffel untergebracht war. tonnte nur be- richten, daß ihm einige Tage vor der Wahl ein Zwischenfall be- kannt geworden sei, wobei einige kleine Fensterscheiben zertrümmert wurden. Die Ehefrau des Angeklagten Gräupner will selbst mehrere Male bedroht worden sein, auch hätten einmal Kommunisten nach ihrem Mann in der Wohnung gesucht. Aber auch sie vermag irgendwelche präzisen Angaben über den behaupteten Terror nicht zu machen. Ein Gleiwitzer SA.-Staffelsührer bekundet, daß die 52l- regelmäßig von den Heimen aus auf Autos Nachtfahrten auf die Dörfer unternahm, um, wie er aussagte, dort Kontrollen durchzuführen. Damit war die Beweisaufnahme beendet. Das Gericht machte keinen Versuch, den systematischen Terror der Nazis in den oberschlesischen Grenzgebieten näher zu beleuchten oder die Frage der Umverlegung aller SA.-Stürme kurz nach den Wahlen zu klären. Hier wäre zweifellos die Zstöglichkeit gegeben gewesen, in da» dunkle Treiben der Nazis hineinzuleuchten und damit die in Oberschlesien herrschende Mordpsychose und ihre geistigen Ar- Heber herauszustellen. Die Angeklagten benahmen sich am zweiten Verhandlungstag noch provozierender und gegenüber der Tat gleichgültiger als am ersten Tag. Während der Beweisaufnahme lachten und unter- hielten sie sich in ihren Bänken. Als das Gericht einige Male zur Beschlußfassung abtrat, traten die am Pressetisch sitzenden schle- fischen SA.-Führer an sie heran, unterhielten sich mit ihnen, wobei Händedrücke und Hitler-Grüße getauscht wurden. Die Angeklagten scheinen die Versicherung ihrer Führer bekommen zu haben, daß mit Machtübernahme der Nazipartei ihnen schnell die Frecheit wiedergegeben würde. Mit Zustimmung des Oberstaatsanwalts und der Verteidigung wurden die Verhandlungen auf Montagvormittag 9 Uhr vertagt. Es wird dann sofort mit den Plädoyers begonnen werden. Die Schreckensanträge von Brieg. Montag vormittag Verkündung des Ltrteils. Ist Melcher„überparteilich?" Kritik an seiner„Verwarnung". Frankfurt a. M.. 20. August.(Eigenbericht.) Zu der Verwarnung des„Vorwärts" durch den Berliner Polizeipräsidenten schreibt die„Frankfurter Zeitung": „Die Kritik, die der„Vorwärts" geübt hat, war zweifellos scharf, aber sie überschritt, wie uns scheint, keineswegs die einer erlaubten Kritik gesteckten Grenzen. Wie oft ist gegenüber der früheren Reichsregierung oder gar der preußischen Regierung d«r Vorwurf„einseitiger Parteiregierung" gemacht worden, den hier der Polizeipräsident zum Anlaß seiner scharfen Verwarnung und Drohung nimmt! Ganz zu schweigen davon, daß die Reichsregierung in ihrer A u f l a g e n a ch r i ch t für den„Angriff", der in dicksten Lettern und mehrer« Mole von Lügen der Reichs» regierung über die Unterhaltung zwischen dem Reichspräsi- denten und Adolf Hitler am vergangenen Samstag berichtet hat, für die in dem Ausdruck„Lüge" steckend«„Kritik" kein direktes Wort der Zurückweisung fondp sondern sich einfach damit begnügte, ihr amtliches Kommunique' über die genannte Unterhal- Hing vom nationalsozialistischen Blatt abdrucken zu lassen." Bracht an die Polizei. Nicht uniformiert in politische Versammlungen gehen. Der Stellvertreter des Reichskommissars für Preußen, Dr. Bracht, hat jetzt, als„mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Innenministers beauftragt", einen Erlaß an alle preußischen Polizeibeamten und Landjäger herausgegeben, in denen er formell verbietet, daß Beamte in Uniform an politi- schen Veranstaltungen teilnehmen, es sei denn, daß sie dazu einen besonderen dienstlichen Auftrag hätten.— Dieses Verbot ist augenscheinlich auf den demonstrativen Vorbeimarsch von SV Polizeibeamten und Offizieren vor dem nationalsozialistischen Kurfürsten- damm-Stürmer Graf Helldorff zurückzuführen. Eine Eliteiruppe! Adjutant, Sturmführer und Obertruppführer hinaus« geworfen. In der„Ostfront", dem nationalsozialistischen Organ Ober- schlesiens lesen wir folgenden Erlaß des dortigen SA.-Standarten- führers: „Ich schließe mit sofortiger Wirkung aus der SA. aus: 1. den bisherigen Sturmbann-Adjutanten 11/23 Hans Hübner wegen Unterschlagung von Dienstgeldern, 2. den bisherigen Sturmführer 31/23 Oskar Sachen wegen Meu- terei und Aufhetzung und 3. den bisherigen Obertrupp- führer 31/23 Herbert Baron wegen Meuterei und Auf- h e tz u n g." Mjutant, Sturmführer und Oberkuppführer aus ein und der- selben Standarte wegen Unterschlagung, Meuterei und Aufhetzung aus einen Ruck hinausgeworfen«st ein bißchen viel auf einmal. Die Standarte 23 in Oberschlesien muß in der Tat ein« wahre Elitetrupp« sein. Poiempa in Braunschweig. Oppositionelte SA.-Leute furchtbar mißhandelt. Braunschwelg, 20. August.(Eigenberich l.) Zwei Anhänger der Otto-Slraher-Grnppe wurden in dem Ort Wendhaufen bei Braunschweig von etwa 30 SA.-Leuteu überfallen und furchtbar zugerichtet. Die Straßer-Leute waren von ihren früheren Parteifreunden erkannt und am Verlassen des Dorfes gehindert worden. Mit Latten, Eisenstangen und Totschlägern wurde auf die Unglücklichen eingeschlagen. Einem wurde der Schädel eingeschlagen und das Rückgrat verletzt. Die Mißhandlungen, die sich lange Zeit fort- setzten, waren geradezu b e st i a l i s ch. Erst als beide bewußtlos geschlagen und geketen waren, ließ man die Uoberfallenen blut- überströmt liegen. Die SA.-Verbrecher verhinderten obendrein die Benachrichtigung des Arztes und der Landjägerei und drohten einem Wirt, der sich der Schwerverletzten annahm, mit Abrechnung. Die zum Teil erkannten Unholde laufen noch frei herum. Braunschweig als Vorbild. Mecklenburg unter faschistischem Regime. Schwerin. 20. August.(Eigenbericht.) Am Freitagmittag um 2 Uhr wurde von mehreren Nazis ein ileberfall auf die Geschäftsstelle der sozial» demokratischen Zeitung„Das frei« Wort" verübt. Nachdem ein Nazimädchen sich vorher vergewissert hatte, daß nur der Geschäftsführer Küken sich zur Bedienung im Laden befand, kamen drei SA.-�eute herein und provozierten und schimpften so- lange, bis sie zum Hinausgehen aufgefordert werden mußten. Beim Verlassen des Laden« zertrümmerte einer oo» ihnen die Scheibe in der Tür. Auf der Straße griffen die vier Nazis Küken tällich an. Ein herbeigerufener Polizeibeamter konnte sie noch gerade daran hindern, den Geschäftsführer auf der Straße niederzuschlagen. Die Person des einen SA.-Mannes wurde festgestellt. Es handelt sich um einen zur Zeit in dem Nazidorado Mecklenburg weilenden sächsischen Nationalsozialisten! Das ist bereits der dritte U eberfall der National- jozialisten auf die sozialdemokratische Zeitung. Die mecklenburgische Naziregierung hat wahrhaft Ordnung geschaffen. „Rücksichtsloser Waffengebrauch." Der neue Nazitommandeur der Mecklenburger Landeepolizel iordert in einem Erlaß von seinen Beamten„rücksichtslosen Waffen- gebrauch". Dieser Freund des Schießens erklärt In seinem Erlaß: „Ein Polizeibeamter, der auf Grund der gegebenen Bestimmungen und Richtlinien nicht rechtzeitig und ausreichend von der Dienstwaffe Gebrauch macht, oerletzt seine Amtspflichten!" Zum Schluß erklärt der neue Mann, daß er unnachsichtig gegen solche Polizeibeamten vorgehen werde, die nicht energisch genug die Dien st waffe gebrauchen, sobald die Voraussetzungen gegeben sind! Anstatt die Polizeibeamten unnötig scharfzumachen, sollte der Herr Kommandeur sich eher mehr um die öffentlich« Sicherheit kümmern und den Sabotageakten der SA.-Banden nachspüren. Aber nach Braunschweiger Muster gilt der Schieherlaß in der Praxis nallirlich nur gegen links. Das deulsch-polnische Liquidalions-Schiedsgericht, bereits am 31. Oktober 1929 rechtsgültig vereinbart, ist nunmehr eingesetzt. Präsident ist der Nachfolger E a l o n d e r s in Oberschlesien, Kaeckenbeeck. Schiedsrichter find Landgerichtspräsident Schnei- der, Beuchen und Unwersitätsprofessor v u l t o w s k t. Posen. Breslau, 20. August.(Eigenbericht.) Zm Brieger Prozeß gegen das Reichsbanner beantragte der Staatsanwalt, wie wir bereits gemeldet haben, insgesamt 22 3 a hre Zuchthaus, 25 Jahre 9 ZNouate Gefängnis gegen die Angeklagten. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Braun erklärte in seinem Plädoyer, daß in den acht Jahrzehnten der Geschichte der Sozialdemokratischen Partei es derartige Vorfälle wie den vorliegen- den nicht gegeben hat. Erst seit 1924, mit dem Ausflackern der völkischen Bewegung und seit 1929, dem Ausstieg der National- sozialisten, seien Gewalttätigkeiten üblich geworden. Im Gegensatz zu den Ausführungen des Oberstaatsanwalts wies Dr. Braun darauf hin, daß von einem„glänzenden Verlauf des Sportfestes der Nationalsozialisten in Brieg" nicht die Rede sein könne. Zeitungs- Meldungen sei zu entnehmen, daß es schon in Brieg Reibereien ge- geben hätte und sogar ein Arbeiter durch Schüsse oer- letzt worden sei. Der Oberstaatsanwalt lege zweierlei Blaß an, wenn er die Sprechchöre der Nationalsozialisten al»..üblich" darstelle, während die des Reichsbanners von ihm als Aufhetzung be- zeichnet wurden. Daß es sich n i ch t um einen vorbereiteten Kampf der An- gehörigen der Eisernen Front gegen die Nationalsozialisten gehan- delt haben kann, ergibt sich schon aus der Aussichtslosigkeit, mit der die wenigen Reichsbannerleute der vielfachen Ueber- macht der heimkehrenden Nationalsozialisten gegenüberstanden. Dann verweist Dr. Braun auf die Provokationen durch SA.» Leute, auf die Bortommnisse auf dem Ring, wo«in Motorradfahrer ohne jeden sichtlichen Anlaß vom Rad stieg und einem Arbeiter- sportler ins Gesicht schlug, bis zu dem Feuerüberfall auf die Wohnung des Arbeiters Karkus in der Oderstraße, wo durch Schüsse durch die Wohnungstür zwei Frauen schwer ver- letzt wurden. Lei dem Rclchsbannertreffen in Laskowih war nichts von dem Sportfest der Nalionalsozialisten in Brieg und ihrem Durchzug durch Ohlau gesagt worden. Dr. Braun plädierte für mehrere Angeklagte auf Freispruch, für andere auf ein Urteil höchstens wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung. Militärvertrag Macdonald-Papen? Eine Aeußerung des Reichskanzlers. Paris. 20. August.(Eigenbericht.) Der Berliner Berichterstatter der„Libertö" meldet. daß Reichskanzler von Papen ihm gegenüber sich in klaren Worten geäußert habe, daß„Macdonald der deutschen These von der Gleichberechtigung günstig ge» sinnt sei". Das nationalistische Blatt schlußfolgert daraus, daß schon in Lausanne eine stillschweigende Ab- machung zwischen Macdonald und Papen getroffen wor- den sei in der Richtung, daß von Pape« das Lausanner Abkommen unterzeichne, wogegen Macdonald die deut- schen Militärwünsche unterstützen wolle. Einige Pariser Blätter veröffentlickzen ein Dementi, angeblich von offtzeller deutscher Stelle, wonach der Schritt wegen der Reichs- wehrfragen nicht vor dem September erfolgen würde, also nicht vor Rechtsanwalt Färber ging besonders auf den Fall des Gewerk- fchaftsiekretärs Manche ein, der nur durch Zufall dem völlig Totgeschlagenwerden entgangen ist. Obwohl ihm das Portemon- naie und die Pistole geraubt worden sind, hat man bisher noch nichts von einem Versahren wegen Straßenraubes vernommen. Dann zog Förder Parallelen zu dem National- sozialistenprozeß, der 1929 und 1930 in Schweidnitz durchgeführt wurde und bei dem die Höchststrafen wenige Monate betrugen. Wöhrend die Hitler-Anhänger in Schweidnitz durch ihr tumultuari- schcs Verhalten die Prozeßführung fast unmöglich machten, sitzen in diesem Pkrozeß Leute, die schon lange im politischen Leben st e h e n, auf der Anklagebank. Der Anwalt beantragte für einige Angeklagte Freispruch, für andere einen Urteilsspruch wegen Körperverletzung. In ähnlichem Sinn sprach der für die Kommunisten bestellte Anwalt Dr. Moosbach. Das Urteil wird Montag 10 Uhr verkündet. Oie Gondergerichie bei der Arbeii. Dritte Verhandlung in Altona. Altona, 20. August. Das Altonaer Sondergericht verhandelte im dritten Fall über einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten in Wandsbek. Wegen schwerer Körperverletzung mittels gefährlicher Werk» zeuge waren fünf Kommunisten und vier National- sozialisten angeklagt. Das Gericht verurteilte zwei Kam- mu nisten zu je sechs Monaten, einen zu acht Monaten und einen zu einem Jahr Gefängnis, ferner drei Nationalsozia- listen zu je sechs Monaten Gefängnis. Ein Kommunist und«in Nationalsozialist wurden freigesprochen. Neumünster, 20. August. Das hiesige Schöffengericht verurteilte im Schnellverfahren elf Nationalsoziali st en wegen verbotenen Waffentragen» zu Gefängnisstrafen von drei und vier Monaten. Ein Angeklagter wurde freigesprochen. In einem zweiten Schnellverfahren wurde ein Kommunist, bei dem ein großes, feststehendes Messer gefunden worden war. zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. dem Zusammentritt des Reichstag». Diese Erklärung, die allerding» nur zur Hälft« Glauben findet, hat die Aufregung keineswegs be» fänftigt. Dabei will der Quai d'Orjay jetzt beruhigen. Er hat halbamtlich erklären lassen,„nichts lasse voraussagen, daß ein« derartige Demarche erfolgen werde." Trotzdem genügte es, daß sich Ministerpräsident Herriot am Freitagabend mit dem französischen Botschafter in Berlin Franxois Poncet zusammensetzte, um in den Politikern die Ueberzeugung zu erwecken, daß die französische Re- gierung es für angebracht halte, ihre„Wachsamkeit" zu be» künden, und über die deutschen Forderungen eingehend zu beraten. Für die nächste Woche hat Herriot einen außerordentlichen Kabtnettsrat einberufen, der über die Stellungnahme Franko reichs zu den deutschen Militärsorderungen Beschluß fassen soll. Redakteur des„völkischen Beobachters" verurteilt. Das Amts- geeicht Mllnchen-Au oerurteilte den verantwortlichen Schriftleiter des „Völkischen Beobachters" Binz wegen übler Nachrede zu einer Geldstrafe von 3000 Mark bzw. 60 Tagen Gefängnis. Der„Bäk- tische Beobachter" hatte dem„Bayerischen Kurier" wegen eines Artikel» über die SA. landesverräterifche Haltung oovgewvrfen. Die Vlutspur der SA. „Die Hälfte der deutschen Verluste von Tannenberg." München, 20, August. Eigenbericht.) General Ludendorfs, der als langjähriger Freund und Mit- arbeiter Hitlers über den Geist der braunen Dürgerkriegs-SA. genau Bescheid weiß, zieht in der neuesten Nummer seiner„Dolkewarte" vom 21. August den B l u t s a ld o aus den politischen Kämpfen seit der Aufhebung des Uniformverbots und erheb! dabei schwerste Anschuldigungen gegen Hitlers braune Mordgarde. Ludendorfs beziffert die Zahl der Ermordeten und Verlehlen auf bOOo und stellt fest, daß das der Hälfte der deutschen Der- lusle in der Schlacht von Tannenberg entspreche. Solche erschütternden Zahlen, sagt der General, die natürlich nur Annäherungswert enthalten, da amtliche Erhebungen fehlen, zeigten nur zu klar, welche Folgen die Aufhebung des Unisormverbotes und die Zulassung der SA. im Anfang Juni durch die Reichsregierung von Papen-Schleicher für das deutsche Dolk gehabt hat. Kamen solche Nachrichten früher aus Südamerika, dann warf sich der brave Deutsche stolz in seine Heldcnbrust und blickte verächtlich nach dort. Nun kann der Deutsche die gleiche Verachtung mit noch viel mehr Recht, allerdinge mit tiefer Trauer vermischt, auf die eigenen Volks- genossen richten.- Nach einem Vergleich mit den Verluftziffern der Staats- Umwälzung vom November 1918 und späterer revolutionärer Er- Hebungen fährt Ludendorff fort: „Doch vor solchen revolutionären Ereignissen stehen wir ja heute noch. Sie würden nach der Machtergreisung durch die NSDAP. eintreten. Das müssen wir uns beim Ueberblick über die Revolution immer wieder klar und deutlich sagen. Der von der Reichsregierung an- befohlene Burgfrieden wurde einfach nicht beachtet, svn- der» es setzten am Wahltage und dann sofort noch der Wahl un» erhörte, blutige Terrorhandlungen«in, wie sie in Deutschland seit den Ketzerverfolgungen nicht mehr ausgeübt wurden. Diese Terrorhandlungen sind in weitestem Umfang durch die SA. begangen, die sich der„Machtergreifung" nah« fühlte und an einigen Stellen mit den von ihr für diesen Fall geplanten Terrorakten planmäßig vorging, damit kundtuend, wessen sich das deuffche Volt von diesen positiven Christen zu gewärtigen hat. An der Terrornotoerordnung vom 9. August bemängelt Luden- dorff, daß sie das Uniformtragen nicht untersagt und bemerkt: Diese Notverordnungen kommen zu spät und machen Ermordete nicht mehr lebendig. Sie heilen Leicht- und Schwer» verletzt« nicht und stellen Sachschaden nicht wieder her, ebensowenig das gesunken« deutsche Ansehen. Schließlich befaßt sich Ludendorff mit der jüngsten SA.-Mobilisierung und sagt: Eine starke Gärung hat sich der SA. bemächtigt. Sie drängt auf Machtergreifung im Staat und fordert sie von Herrn Hitler. Dieser bemüht sich zwar, aus Herrn Köhra und seine röhmischen Iüngliage beruhigend einzuwirken. ob er aber Glück haben wird, ist eine andere Frage. Die Haltung der SA. in Berlin und an anderen Stellen war so drohend ge- worden, daß in Berlin die Polizei mitKarabinern aus- gerüstet wurde. Diese verschwanden aber bald, und unwillkürlich richten sich die Gedanken auf da» Verbot des Waffengebrauchs am 9. November 1913." Nechtsputschisten werden enteignet. Zn der spanischen Republik. Madrid, 20. August.(Eigenbericht.) Der Gesetzentwurf über die entschädigungslose Enteignung der Putschmonarchisten, die an der jüngsten Aufstandsbewegung teil» nahmen, ist angenommen. Der frühere Außenminister Lerroux sprach sich gegen den Entwurf aus. Der Sozialistenführer C o r d e r a dagegen erklärte, daß das Gesetz sich als sehr wirksam erweisen werde. Einige Abgeordnete der Regierung?- Mehrheit wollen eine Verschärfung, wonach außer den Wohnhäusern auch der Grund und Boden ringsherum unter die Enteignung fallen foll, sofern die Besitzungen in Gemeinden mit weniger als 1590 Einwohnern liegen. Die beschlagnahmten Ge- bäud« sollen dem Unterrichtswesen oder wohltätigen Werken zugute kommen. Nur zu früh losgeschlagen? Paris, 20. August.(Eigenbericht.) Einem Sonderberichterstatter des.Paris Nidi" hat in Va- l e n c i a ein monarchischer Kaoallerieoffizier erNärt, daß fast die ganze„Armee"(soll wohl heißen, die Offiziere. Red.) hinter General Sanjurjo gestanden habe. Der Aufftandsplan sei jedoch im letzten Augenblick von einem Obersten der Gendarmerie verraten worden und Sanjurjo habe nicht mehr rechtzeitig unterrichtet werden können, so daß er losgeschlagen habe, während überall die Meldung, mit der Ausführung zu warten, befolgt werden konnte. pogromiffen in Argentinien. Judenverfolgung nach altrussischer Art. Buenos Aires. 20. August.(Eigenbericht.) Der Pogromterror in Argentinien nimmt von Tag zu Tag wildere Formen an. Fast täglich erfolgen U e b e r f ä l l e aus jüdische Stadwiertel, deren Einwohner terrorisiert werden. Die sozialistische Partei hat wegen des Terrors eine Interpellation im Parlament eingebracht. Die Arbeiterpresse fordert weitgehend« Sicherheiten gegen eine Wiederholung der Judenmassakers von 1929. Die Regierung hat schärffte Schutzmaßnahmen zugesagt. Attentat in Charbin. Schwere Explosion auf dem Flugplatz. Charbin. 20. August. Auf den Flugplatz Charbin wurde ein Bombenanschlag verübt, durch den Hunderte von Häusern zerstört wurden. Der Umfang der Katastrophe kann erst festgestellt werden, wenn die Trümmer, die das ganze Gebiet in der Nähe des Flugplatzes bedecken, hinweggeräumt sind. Es wird mit einer größeren Anzahl Todesopfer gerechnet. Ein russischer Aus- wanderer und mehrere Koreaner wurden verhaftet. Zeilungeocrbote in Schleswig-hoistein. Die in Altona er- scheinende kommunistisch«„Hamburger Volkszeitung" und die nationalsozialistische„Schleswig-Holsteinische Tageszeitung" sind aus je acht Tage verboten worden. Milderung der Weitere Anträge der sozialden Zu den grundlegenden Forderungen, die von der Sozialdemokratie im neuen Reichstag gestellt werden, ge- hören auch die tiefgreifenden Vorschläge zur Be- Hebung der Wirtschaftsnot. Wir geben im fol- gcnden die Anträge wieder, die sich hierauf beziehen, und auch die Gesetzentwürfe, die der Finanzierung der sozialpolitischen Forderunge» gewidmet sind. Kampf der Wirtschastsnot! 1. Antrag zur Volksernährung. Um einer weiteren Schrumpfung des Absatzes der deutschen Landwirtschaft durch eine erneute Verschlechtsrung des Ernährungszustandes des Lölkes entgegenzuwirken, 1) die Mehl- und Brotpreise den gesunkenen Getreidepreisen anzupassen: 2) alle Maßnahmen zu unterlassen oder rückgängig zu machen, die zu einer Verteuerung der Butter, der Margarine, des Schmalzes und sonstiger Fette führen müssen: 3) die Handelspolitik so zu führen, daß jede Verringerung der Kaufkraft der Verbraucher für landwirtschaftliche Trzeugnisie und jede Schädigung der Ausfuhr vermieden wird: 4) zur Hebung des Zuckerabsatzes den Zuckerhöchstpreis zu senken: ö) die Rentabilität der bäuerlichen Wirtschaft und der Geflügel- zucht durch Verbilligung des Futtergetreides zu steigern. 2. Entwurf eines Gesetzes über Mietbeihilfen und Miet« fenkung. 8 1- Die Länder sind oerpflichtet, aus den Erträgen der Hauszins- steuer bereitzustellen: 1) 250 Millionen Mark für Mietbeihilfen an bedürftige Mister von Altwohnungen, insbesondere an Arbeitslose und Sozial- rentner: 2) 150 Millionen Mark für die Senkung der Neubaumieten. Da- bei sind vor allem bedürftige Mieter und Wohnungen mit un- verhältnismäßig hohen Mieten zu berücksichtigen. 8 2. Zu diesem Zweck überweist das Reich aus den Erträgen der Noffteuern nach dem Gesetz vom... hen Ländern 400 Millionen Mark. 3. Entwurf eines Gesetzes über Entlastung notleidender Schuldner. 8 1- Ist ein Schuldner infolge der Wirtschaftskrise ohne eigenes Verschulden in eine Lage geraten, in der er seinen Schuldverpflich- tungen nur unter Gefährdung seiner wirtschaftlichen Existenz nach- kommen kann, so ist er berechtigt, das Säzuldeinigungsamt anzu- rufen. 8 2. (1) Das Schuldeinigungsamt hat die wirtschaftlichen Verhältnisse des Schuldners und des Gläubigers zu prüf«n und den Par- teien einen Einigungsoorschlag zu machen. (2) Kommt eine Einigung nicht zustande, so hat das Schuld- einigungsamt einen Schiedsspruch zu sÄlen. Der weit«r« Rechtsweg wird durch Ausführungsgesetz geregelt. 8 3. Das Schuldeinigungsamt ist berechtigt, die Schuld Verhältnisse hinsichtlich der Zinsen, der Schuldsumme und der Kündigungsfristen zu ändern. 4. Entwurf eines Pachtschutzgesetzes. 81- (1) Vom 1. Oktober 1932 ab werden sämtliche landwirtschaftlichen und gärtnerischen Pachten um 30 Proz., mindestens aber auf die Höhe der Vorkriegspachten gesenkt. Die seit dem 1. Juli 1931 er- folgten Pachtlenkungen werden eingerechnet. (2) Ist eine Pacht auch dann noch höher, als der antzemesienen Verzinsung des Steuerwerts des verpachteten Grundstückes ent- spricht, so muß sie auf Antrag des Pächters entsprechend gesenkt werden. 8 2. Ein Pachtvertrag über landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Grundstücke muß auf Antrag des Pächters verlängert werden, wenn er für einen Zeitraum abgeschlossen ist, der dem Pächter eine wirt- schaftliche Betriebsführung nicht ermöglicht. 8 3- Ein Pachtvertrag darf vom Verpächter nur gekündigt werden, wenn sich der Pächter sortgesetzt schuldhaft weigert, sein« Berpflich- tungen zu erfüllen, oder wenn er das Pochtland nachweisbar be- sonders schlecht bewirtschastet. 8 4- Bei Beendigung des Pachtverhältnisies muß dem Pächter für seine Aufwendungen, die den Wert des Pachtobjektes dauernd-er- höhen, eine angemessene Entschädigung gewährt werden. 8 S. Ein Pachtvertrog mit einem bäuerlichen Pächter, der ohne Pochtland seinen Betrieb nicht aufrechterhalten kann und der das Pachtland ordnungsgemäß bewirtschaftet, darf vom Verpächter nicht gekündigt werden. Finanzierung. 1. Entwurf eines Gesetzes über Notsteuern zur Sicherung der Sozialleistungen. 8 1. Zur Deckung der Ausfälle an Maffensteuern und des Mehrbedarfs für Sozialleistungen, die sich aus der Aufhebung der Not- Verordnung vom 14. Juni 1932 ergeben, werden folgende Notsteuern des Besitzes erhoben: 8 2. Notabgabe der hohen Einkomme«. (1) Von allen Einkommen natürlicher Personen über B0V0 M. wird eine Notabgabe erhoben, die von 8 Proz. bis zu 15 Proz. des Einkommens gestaffelt ist. (2) Von den körperschaftssteuerpflichtigen Körperschaften wird eine Notabgabe von 10 Proz. des Einkommens erhoben. 8 3. Notabgabe der hohen Vermögen. (1) Von allen Vermögen über 20 000 M. wird eine Notabgabe erhoben, die von 1 Proz. bis zu 2 Proz. des Vermögens gestaffelt ist. (2) Zur Erbschaftssteuer wird ein Notzuschlag von 30 Proz. der bisherigen Steuersätze erhoben. Außerdem wird das Gatten- erbe besteuert, wenn der Erbanfall 20 000 M. überschreitet. 8 4. Luxus st euer. Der Luxusverbrauch wird durch«In« erhöhte Umsatzsteuer von 10 Proz. auf Luxusgegenstände belastet. Wirtschastsnot. 8 6. Verschärfung der Besitz st euererhebung. (1) Die Steuerlisten der Steuern vom Einkommen, Ertrag und Vermögen werden zur öffentlichen Einsicht aufgelegt. (2> Steuererlasse und Steuerstundung über 20 000 M. sind einem Ausschuß des Reichstags zur Nachprüfung vorzulegen. 2. Entwurf eines Gesetzes über Staatsmonopole. Artikel I. Zigaretten- und Rauchtabakmonopol. 8 1. Das Reich errichtet ein staatliches Zigarretten- und Rauchtabak- Monopol. Das Monopol umfaßt die Herstellung und den Groß- vertrieb von Zigaretten und Rauchtabak, einschließlich der Ein- und Ausfuhr. 8 2. Das Monopol übernimmt sämtliche am 1. August 1932 im Be- trieb befindlichen Herstellungsbetriebe. Der Entschädigung wird der tatsächliche Nutzungswert zugrunde gelegt, mindestens aber da» Fünffache des durchschnittlichen steuerlichen Reingewinns der letzten drei Geschäftsjahre. Artikel kl. Erdölmonopol. 8 3. Das Reich errichtet ein staatliches Erdölmonopol. Dos Mono- pol umfaßt: 1. die Einfuhr von Mineralölen und Treibstoffen jeder Art in da« Reichsgebiet(Einfuhrmonopol), 2. die Ucbernahme der im Reichsgebiet gewonnenen Mineralöl« und Treibstoffe jeder Art von den Herstellern(Bezugsmonopol), 3. den Großvertrieb der Mineralöle und Treibstoff«. 8 4. Das Reich übernimmt die bestehenden Großverteilungseinrich- tungen für Mineralöle und Treibstoffe(Tankanlagen, Gebäude und Transportmittel) zum tatsächlichen Nutzungswert. Der Nutzungs- wert wird durch die Ausnutzung der Anlozen im Durchschnitt der Geschäftsjahre 1929 bis 1931 bestimmt. 8 S. Das Reich übt die Aufsicht über die Gewinnung und Ver- orbeitung aller Mineralöle und Treibstoffe aus. Die Errichtung neuer Erzeugungs- und Verarbeitungsbetriebe sowie neuer Zapf- stellen ist konzessionspflichtig. Artikel III. Branntweinmonopol. 8 6. Zur Abstoßung der nicht wirtschaftlich verwertbaren Bestände der Reichsmonopolverwaltung für Branntwein wird das Brenn- recht der landwirtschaftlichen Brennereien für das Jahr 1932/33 unter Gewährung einer angemessenen Entschädigung ausgehoben. 8?. (1) Vom Jahre 1933/34 ab werden zur Anpassung der Pro- duktion an den gesunkenen Bedarf die Brennrechte neu verteilt. (2) Bei der Neuverteilung der Brennrechte dürfen nur die Brennereigüter berücksichtigt werden, die ohne Brennrecht nicht lebensfähig sind. 8 S- Alle Brennereien, die bei der Neuverteilung der Brennrechte nicht berücksichtigt werden, sind durch angemessene Absindungen zu entschädigen. 3. Entwurf eines Gesetzes über die Streichung der Fürstenabfindungen. s � Die Länderregierungen sind verpflichtet, alle staatlichen Lei- stungen an ehemalige Fürsten und Mitglieder der fürstlichen und standesherrlichen Familien mit sofortiger Wirkung einzustellen. 8 2. Sämtliche Schlösser, Güter. Forsten und sonstiger Grundbesitz sowie Kunstsammlungen der ehemaligen Fürsten und standesherr- lichen Familien werden entschädigungslos zugunsten der Kriegs- opfer enteignet. 4. Entwurf eines Gesetzes über die Kürzung der hohen Gehälter und Pensionen. 8 1. Alle Gehälter 1. in der öffentlichen Verwaltung, 2. bei öffentlichen Unterneh- mungen, 3. bei Unternehmungen, an denen öffentliche Körper- schaften beteiligt sind. 4. bei Unternehmungen, die aus öffentlichen Mitteln gestützt werden, 5. bei Unternehmungen, die Steuererlasse und Steuerstundungen für mehr als drei Monate in Anspruch nehmen, 6. bei Unternehmungen, die das Schuldeinigungsamt ge- mäß dem Gesetz vom.... anrufen, dürfen die Höchstgrenze von 12000 M. jährlich nicht überschreiten. 8 2. Alle Pensionen in der öffentlichen Verwaltung und bei den in 8 1 genannten Unternehmungen dürfen die Höchstgrenze von 6000 M. jährlich nicht überschreiten. 8 3. Auf alle Pensionen und Wartegelder werden sämtliche sonstigen steuerpslichtigen Einkünfte angerechnet. Die Anrechnung unterbleibt. wenn das Gesamteinkommen 3000 M. nicht überschreitet. Fridericus—-1932. Funkbetrieb von heute. Statt einer irgendwie anregenden oder erhebenden Der- anstaltung sandte der Berliner Rundfunk am gestrigen Sonn- abendabend ein„Großes Potpourri" au, der Funkausstellung. Wer in genügender Erfahrung mit derlei Sendungen gegen 22 Uhr seinem Lautsprecher das Wort erteilte, der hörte wieder einmal uralte„neckische" Couplets von anno dazumal. Dann setzten Fanfaren ein, die zum Nazimarsch erhobene Löwe-Ballade vom „Fridericus Rex" klang leffe an— und schon prasselte der Beifall. Aha— Aufmarsch in Kostümen auf der Bühne, mußte man sich dabei denken. Als alles da war, stimmten auch Solo und Chor die Ballade an. die dann mit Dauerfanfaren und Paukengedröhn zu Ende ging. Wieder scholl der Beifall— aber ein paar grell« Pfiffe, die man deutlich vernahm, veranlaßte rasch Dämpfung und nach dem knappen Abgesang Cornelis Bronsgeest, der sich mit solchen Produktionen wieder in seine Dienstzeit an den damals „Königlichen Opernhaus" zurückversetzt fühlen mag, konnte der ver- scholzte Nachrichtsendedienst abschnurren. Immerhin hübsch, daß ein« Funkausstellung 1932 sich unter da» Zeichen einer Zeit stellt, die noch nicht«inmal da» Telegraphieren auf dem Draht geahnt hat... Den Metallarbeitern zum Gruß! Erhaltet und stärkt eure Kampfkraft! In dieser Woche versammeln sich die von den freigewerkschaftlich organisierten Metallarbeitern gewählten Vertreter in Dortmund, um Rück- schau zu halten auf die lebten Kampfjahre der Po- litik des Deutschen Metallarbeiterverbandes für die kommenden Kämpfe festzulegen. Diese Tagung ist nicht nur von großer Bedeutung wegen der zahlenmäßigen Größe des Deutschen Metallarbeiterverbandes� der mit seinen 826 864 Mitgliedern rund ein Fünftel der Mitgliedschaft des ADGB. umfaßt, obwohl auch hier sich das Wort Hegels bestätigt, daß die Quantität in Qualität umschlägt. Die Beschlüsse, die Kämpfe, die Politik eines Fünftels des ADGB. können auf die Gefamtpolitik dieser freigewerkschaftlichen Spitzenorganisation nicht ohne Einfluß sein. Damit ist der Bcrbandstag des DMB. in den Mittelpunkt des Interesses der Arbeiterschaft gerückt. Aber nicht nur wegen dieser zahlenmäßigen Größe und der sich daraus ergebenden notwendigen Konsequenzen. Es ist der DMB., der auf wirtschaftlichem Gebiet den Kampf führt gegen den reaktionären Vortrupp deS Unternehmertums, gegen die S ch w e r i n d u st r i e l l e n. Die Bedeutung der Schwer- induftrie für die gesamte Wirtschaft und die gesamte deutsche Politik läßt sich sinnfällig an dem Fall Flick demonstrieren. Dieser großkapitalistische Pervenu hatte es verständen, durch einen ebenso raffinierten wie komplizierten Verschachtelungsprozeß sich eine beherrschende Stellung innerhalb des deutschen Stahlwerksoerbandes M sichern. Diese Stellung hat er sowohl für seine politffchen wie für seine wirtschaftlichen Ziele weidlich ausgenutzt, bis es zu dem Zusammenbruch kam. Sein politischer Einfluß, den er ausschließlich seiner wirtschaftlichen Machtstellung verdankte, war aber so groß, daß man heute noch nicht mit Bestimmtheit sagen kann,, wie weit Flicks Machtstellung erledigt ist. Di« Vormachtstellung der Schwerindustriellen innerhalb des deutschen Unternehmertums beruht auf einem ähnlichen Berschachte- lungsprozeh. Sie haben es verstanden, durch allerlei Beteiligungen an Werken der weiterverarbeitenden Industrie und der Fertig- induftrie und durch eine wucherische Preispolitik sich nicht nur die Vormachtstellung innerhalb der gelamten deutschen Metallindustrie zu sichern, zum Schaden der Fertigindustrie und zum Schaden der gesamten deutschen Wirffchaft. Mit Hilfe dieser Vormachtstellung im Gesamtoerband der deutschen Metallindustriellen haben sie auch innerhalb der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände und innerhalb des Reichsoerbandes der deutschen Industrie sich > den ausschlaggebenden und bestimmenden Einfluß zu sichern gewußt. Die wirtschaftliche Berschachtelung der Schwer- induftrie erstreckt sich ja nicht nur auf die Metallindustrie überhaupt, sondern dringt ein in die chemische Industrie und— von anderen Einflüssen und Beziehungen abgesehen— hat sich einen großen Ein- sluß gesichert auf die Banken, auf das gesamte Transportwesen, die Reichsbahn einbegriffen. Diese wirtschaftliche Bormachtstellung be- dingt ohne weiteres auch den politischen Einfluß der Schwer- induftrie. In der Vorkriegszeit bestand eine gewisse Arbeits- teilung zwischen den Junkern, die den landwirtschaftlichen Kroß- grundbesitz repräsentierten, und den rheinisch-westfälischen Schlot- baronen, die für sich in Anspruch nahmen(und nehmen), die„Wirt- schalt" zu repräsentieren. Während die Junker im Staate herrschten, waren die Schwerindustriellcn in der Wirtschaft die„Herren im Hause". Diese Teilung der Herrschast, die in einer doppelten Subventions- Politik der Rüstungsindustrie im Westen und des Großgrundbesitzes im Osten ihren stärfften Ausdruck fand, hat schließlich zum Zu- sammenbruch im November 1S18 geführt. In diesem Augenblick versucht man das Rad der Zeit zurück- zudrehen und die gemeinsame Herrschaft der Krauffunker vom Osten und der Schlotjunker vom Westen wieder auizurichten. Solange diese beiden Säulen der Reaktion nicht gefallen sein werden, wird es keine Sicherheit geben für die deutsche Republik und keinen dauern- den Ausstieg für die deutsche Arbeiterklasse. Der DMV. tagt im Herzen der Schwerindustrie. Niemond besser als er kennt die Gefahren und die brutale eisenstirnige Machtaus- Nutzung der Schwerindustriellen. Und deshalb können wir zu dem Verbandstag in Dortmund das Vertrauen haben, daß er alles tun wird, um die Kampfkraft des DMV. zu erhalten und zu stärken. Von der Kampfkraft und dem Kampfwillen der Metoll- arbeiter wird es wesentlich abhängen, ob es schließlich gelingen wird, bie Macht des deutschen Schwerkapitals zu zer- trümmern. Erst wenn sie unter der Kontrolle der Gesellschaft funktioniert, wird die Schwerindustrie aus einer Gefahr für die Republik und für den Aufftieg der Arbeiterklasse zu einer Hochburg des sozialen Fortschritts werden können. Es ist eine geschichtlich große Aufgabe, die dem Verbandstag von Dortmund gestellt ist. Zu dieser Aufgabe beglückwünschen wir ihn und begrüßen ihn in dem festen Vertrauen, daß er auf der Höhe seiner Aufgabe stehen wird. 25Zahre Friseurgehilfen-Llnion. Der Iubiläumskongreß in Dresden. Vom IS. bis 18. August wurde im Volkshaus zu Dresden der 7. Internationale Kongreß der Friseurgehilfen abgehalten und zwar als Iubiläumskongreß, da die Friseurgehilfen- Union am 26. und 27. August 1967 in Stuttgart begründet wurde. Erschienen waren drei dänische, drei deutsche, ein französischer, zwei österreichische, zwei schwedische, ein tschechoslowakischer und ein ungarischer Delegierterl die niederländische und norwegische Organi- sation konnte sich nicht vertreten lassen. Das Internationale Arbeits- amt hatte den Genossen Otto Bach, Berlin entsandt, der ADGB. den Genossen Z w a h r Dresden, der Gesamtocrband, dem die organisierten Friseurgehilsen Deutschlands angeschlossen sind, den Ge- Nossen O r l o p p, Berlin von der Hauptverwaltung, Rose und P r e i s l e r von der Bezirks- und Ortsoerwaltung und die Fach- gruppe Friseure den Genossen H e m p e l. Bei dem vom Gesamt- verband veranstalteten Empsangsabend wurde der Genosse E tz k o r n, Berlin zu seiner vierzigjährigen Verbandsmitgliedschaft und zu seiner 2Sjährigen Tätigkeit als internatio- naler Sekretär der Friseurgehilfen-Union be- glückwünscht. Vorsitzender des Kongresses wurde der Leiter der Reichssachgruppe Friseure im Gesamtverband, Genosse Lorenz, Berlin. Den Delegierten lag eine E r i n n e r u n g s s ch r i s t vor mit einem Ueberblick über die ZSjährige Tätigkeit der Union. die vom Genossen Etzkorn mündlich ergänzt wurde. Seinem Bericht wurde zugestimmt: für die weitere Entwicklung der Union wurden verschiedene Vorschläge gemacht. Die mit großem Interesse aus- genommenen Ausführungen des Genossen Bach über die Be- deutung des Internationalen Arbeitsamtes fanden ihren Abschluß in einer von dem französischen Delegierten Pages angeregten Er- klärung, worin der segensreichen Wirksamkeit des verstorbenen Di- rektors Albert Thomas gedacht und von seinem Nachfolger Butler gewünscht wird, daß er in gleichem Sinne wie Albert Thomas wirken möge. Ueber die technische Entwicklung des Friseur- gewerbes referierte Genosse Lorenz, Berlin, der die Fort- schritte aufzeigte, die das Friseurgewerbe durch Wasserleitung und Kanalisation, Gas und Elektrizität, wie durch die Chemie(beim Haarfarben) erfahren hat. Das letzte Referat„Wo bleiben die älteren Friseurgehilfen?" hielt Genosse Etzkorn. Man könne un- möglich länger zusehen, wie die Gehilfen nach einer jahrelangen Lehrzeit und weiteren Jahren der Weiterbildung, für die ein großer Teil der freien Zeit geopfert werden muß. nach Erreichung eines Alters zwischen 30 und 46 Jahren aus der Gehilfentätigkeit verdrängt und dann entweder selbständig werden oder den Beruf aufgeben Front worktangor RundiunKtisror Legen aneinherrschatt der BOrokratie im Rundiunki Für imtoestimmungsrecM der organisierten Horerscnatti Für eine dem werktätigen Volke würdige Rundtunkgestaltung l Die Antl-KriegsKundgebung der sozialistischen Jugendorganisationen findet wegen des Burgfriedens nicht, wie in der letzten Nummer „Unser Weg" angekündigt, am 21, August, sondern erst am Sonnabend, dem 3 September, 19 Uhr, im Stadion des Volksparks Rehberge statt.— Alle Parteigenossen beteiligen sich geschlossen an dieser Veranstaltung.— Preis der Plakette 20 Pfennig. müssen. Die Wurzel des Uebels ist die L e h r l i n g s z ü ch t e r e i. Die Gehilfenschaft wird in der hierzu einstimmig gefaßten E n t- s ch l i e ß u n g aufgefordert, sich besser zu organisieren, um die Lehr- lingszllchterei erfolgreicher zu bekämpfen, die Lohn- und Arbeits- ! bedingungen zu verbessern und alle geeigneten Matznahmen zu ! treffen, um der fortwährenden Verdrängung der den Meistern zu alt gewordenen Gehilsen aus ihrem Berufe erfolgreich zu begegnen. Gedacht ist dabei an die genossenschaftliche Selb st Hilfe, durch die Kopenhagen z. B. über 20 größere Friseurgeschäfte der organisierten Gehilfen mit durchschnittlich 500 beschäftigten Gehilfen und Gehilfinnen geschaffen wurden mit einer eigenen Par- fümeriefabrik. In der lebhaften Debatte zeigten sich deullich die großen Unterschiede in der Ausfassung zwischen den skandinavischen Ländern mit nahezu restloser Organisation der Friseurgehilfen, und den Ländern mit ganz schwacher Organisation, wie Ungarn, wo die politische Reaktion auch den Gewerkschaften das Leben sauer macht. Alle vorliegenden Anträge wurden dem ein st immig wieder- gewählten Sekretär Genossen E l tz h o r n zur Erledigung überwiesen. Der nächste Kongreß im Jahre 1935 soll in Budapest abgehalten werden, falls bis dahin die politischen Verhältnisse in Ungarn sich wesentlich gebessert haben. Genosse Lorenz schloß den Kongreß am Donnerstag mit einem Hoch auf die Gewerkschaft und die Friseurgehilfen-Jnternationale. �-iier abtrennen und in 4-Pf.-Umsch!ag an Arbeiter-Radio-Bund Deutschlands e. V., Berlin SW 61, Gitschiner Str. 93, einsenden. Ich bin bereit, die vom Arbeiter-Radio-Bund im Rahmen der Eisernen Front zu treffenden Kampfmaßnahmen zu unterstützen und erkläre meinen Anschluß an die Front der werktätigen Rundtunghörer Name Wohnort........................., Straße. Leser welcher Rundfunkzeitschrift____ Bitte leserlich ausfüllen. Ein Beitrag wird von dem einzelnen Rundfunkhörer, der sich der Front werktätiger Rundfunkhörer anschließt, nicht erhoben. Die Flut steigt. Zunahme der Wohlfahrtserwerbslosen in Preußen. Im Juli ist die Gesamtzahl der Arbeitslosen sowie die Zahl der Hauptunterstützungseinpfänger in der Arbeitslosenversicherung und Krisensürsorge zwar weiter zurückgegangen, die Zahl der von den Gemeinden betrauten Wohl'ahrtserwerbslosen aber erneut gestiegen. Nach der Erhebung des Preußischen Statistischen Landesamtes vom 31. Juli 1932 sind in Preußen 1 601 386 vom Arbeitsamt anerkannte Wohlsahrtserwerbslose, einschließlich der am Stichtag noch schwebenden Anerkennungssälle. bei den Bezirks- fürsorgeverbänden gezählt worden gegenüber 1 522 131 Ende Juni. Somir«raibl sich auch im Juli wieder eine Zunahme um 49 255 Wohlsahrtserwerbslose oder 3,2 Proz. Diese Zunahme ist ungefähr ebenso stark wie die in den vorher- gegangenen Monaten(Juni: 43 143, Mai: 44 630, April: 49 768) und im Juli vorigen Jahres(44 018). Gegen den 31. Juli 1931 ist die Wohlsahrtserwerbslofenzahl um 834 239 oder 108,7 Proz. höher. Auf 100 0 Einwohner entjallen im Staatsdurchschnitt jetzt 41,9 Wohlsahrtserwerbslose. 62 791 Wohlsahrserwerbs- lose haben in Fürsorge- und Notstandsarbeit oder in freiwilligem Arbeits-disnst gestanden. Wie in den drei vorletzten Monaten ist auch im Juli der Zugang an Wohlfahrtserwerbslosen in den Land- kreisen(-ff 2,1 Proz.) infolge des Saisoneinflulfes verhältnismäßig etwas geringer gewesen als in den Stadtkreisen(-ff 3,7 Proz.). Die Llniernehmer fühlen sich. Tarifabschluß für Buchbinder gescheitert Die Mantel- und Lohntarisverhandlungen in der papier- verarbeitenden Industrie brachten kein Resultat. Die Parteien einigten sich daher aus Grund der Manteltarisbesiimmungen, nun- mehr das Reichsarbeitsministerium um die Einleitung eines Schlichtungsoersahrens zu ersuchen. Die Verhandlungen sind gescheitert, weil die Unternehmer vor allem in der Neuregelung des Manteltarifs ungeheure Ver- schlechterungen durchdrücken wollten, so vor allem in der Ent- lohnung der weiblichen Arbeitskräste, in der Ferienfrage und in der Feiertagsbezahlung. Während z. B. bisher der Spitzenlohn für Arbeiterinnen unter 16 Jahren bereits nach dem vierten Berufsjahr erreicht wird, soll er nach den Anträgen des Arbeitgeberverdandes in der Folgezeit erst nach dem sechsten Berufs- jähr und auch erst dann erreicht werden, wenn die Arbeiterin mindestens 21 Jahre alt ist. Neben dieser Ausdehnung der Staffel wollen die Unternehmer auch noch die vom Spitzenlohn zu errechnenden Lohniätze der Arbeiterinnen wesentlich verschlechtern. In der Ferien- frage wollen sie für die Zukunft nach dem ersten Jahr �drei Arbeitstage, nach dem vierten Jahr vier und nach dem sechsten Jahr sechs Ferientage geben. Die letzte Staffelung, die seither neun Ar- beitstage nach dem zehnten Jahr vorsah, soll verfchwmden. Eine Bezahlung der Feiertage soll nach den Forderungen der Unternehmer in Zukupft überhaupt nicht mehr erfolgen. Kommunist verteidigt die„Gnadige". Lohn aus öffentlichen Mitteln In der Lessingstadt K a m e n z in Sachsen hat eine alleinstehende Frau, die auf Wohlfahrtsunterstützung angewiesen war, Arbeit als Hausangestellte übernommen und erhielt dafür nur das Essen, aber keinen Lohn. Nachdem sie mehrere Äonate die Arbeil verrichtet hatte, passierte ihr, daß sie mit dem Ausklopfer versehcnt- lich eine Ampel beschädigte. Die Ampel wurde ersetzt und kostete 4,50 M. Die„Herrschaft" forderte aber 17 M. und gab die der Klägerin gehörigen Kleidungsstücke nicht heraus, worauf diese durch Klage beim Arbeitsgericht gefordert wurden. Die beklagte„Gnädige" wurde durch den Kolporteur der kom- munistischen sächsischen„Arbeiterstimm«", Zimmer aus Kamen,;, vertreten. Die Klägerin sagte vor dem Richtertische zu dem Kom- munisten, daß sie es nicht verstehen könne, wie er als Kommunist überhaupt als Prozehverlreter austreten und von ihr als Wohlfahrts- empfängerin für einen Gegenstand, der 4,50 M. nachweislich koste, 17 M. fordern könne. Darauf wurde der Kapitalsknecht und Sozialfaschist, um im Jar- gon der„Arbeiterstimme" zu reden, sehr kleinlaut. Es wurde eine Vereinbarung auf Zahlung von 5 M. durch die Klägerin als Schadenersatz und Herausgabe der einbehaltenen Sachen durch die Beklagte getroffen. Wenn es auch nur eine unwichtige Sache ist, so ist sie doch sehr lehrreich. Wir nehmen an, daß die kommunistische Presse Gelegenheit nehmen wird, für weiteste Verbreitung besorgt zu sein. Nachschrift der Redaktion: Dieser Prozeß beleuchtet die schand- volle Ausbeutung der Hausangestellten durch„Herrschaften", die sich nicht scheuen, den vorenthaltenen Lohn auf die Wohlfahrtspflege, also auf die Oefsentlichkeit abzuwälzen. Diese„Senkung der Lohn- kosten" verdient angeprangert zu werden. Es ist uns schon deshalb unverständlich, wie das Arbeitsgericht oben geschilderten Vergleich vorschlagen konnte. Die Sparmaßnahmen in Preußen. Werden Kreisangestellte enilaffen? Die Verordnung der kommissarischen preußischen Regierung, wonach 58 Landkreise aufgelöst werden sollen, hat bei den preußischen Kreisange st eilten lebhafte Beunruhigung hervor- gerufen. Die Erregung der Angestellten ist berechtigt, denn die Ver- ordnung enthält zwar ausführliche Bestimmungen über die Unter- bringung der überflüssig werdenden Beamten, Kllndigungsbeamten und Beamten auf Probe, sagt aber kein Wort über das Schicksal der A n g e st e l l t e n. Die preußischen Landkreise sind ein Verwaltungszweig, in dem besonders viel Angestellte beschäftigt werden. Neben 5380 Beamten sind 11 403 Angestellte(das sind 67,9 Proz.) in ihnen tätig. Die sreigewerkschaftlichen Angestelltenverbände(Zentralverband der An- gestellten, Butab, Deutscher Werkmeister-Verband, Gesamtverband) haben deshalb in einer Eingabe an den Landtag Forderungen erhoben, die eine anderweitige Unterbringung der entbehrlich werdenden Angestellten und Zahlung von Abfindungssummen an ausscheidende Angestellte bezwecken. Die Landtagssraktion der SPD. hat diese Forderungen durch Einreichung eines Urantrages bereits unterstützt. Die kommissarische Regierung läßt infolge des Protestes der Gewerkschaften erklären, sie beabsichtige nicht, Entlassungen vorzu- nehmen. Die Kündigungen seien nur„vorsorgliche" und zwar des- halb, weil wohl Beamte in einen anderen Ort versetzt werden könnten, nicht aber— ohne deren Zustimmung— Angestellte. Auch die gekündigten Angestellten würden anoerweitig oerwendet werden. Kämpfe im amerikanischen Bergbau. New Dorf, 20. August.(Eigenbericht.) Die Streikbewegung im Grubenbezirk von Taylorville im Staate Illinois war bis jetzt, obwohl 500 Streikposten oerhastet wurden, erfolgreich. Sämtliche Kohlengruben mutzten stillgelegt werden. Die Masse der Streikenden beabsichtigt nun, nach dem nächsten Kohlendistrikt zu marschieren, um auch dort die Schließung der Gruben zu erzwingen. SPD.-tzrakilon de««rwerbsloskn graphisch«» Hilssari«it«r. Fra!»" Fl tionssigung morgen, Montaß. im Lokal Skalitzer Str. 6. Erscheinen aller || Genossinnen und Genossen>st Pflicht. Freie Gewerkschafts-Zugend Berlin Der I-gendtag im Stadio» Zichbcrge unter der Parole: Jugend gegen Krieg! ist an: Sonnabend, dem 3. September.— Morgen, Montag: gusammenkunst der Teilnehmer am Zugeabtresien in Brandenburg um IS Uhr im Saal>1 des Ecwcrkichaftshauscs. Hans Witt-Brandcnburg spricht über: Brandenburg, die Stadt unseres Jugendtreffens. � Iuciendsiruppe des'Zentrawerbandes der AngefteNten Morgen. Montag, sind folgende Veranstaltungen: Wedding: Jugend. Hein: Turnier Ecke SeestraKe Wie stellt sich die Jugend zum frei. willigen Arbeitsdienst und zur Arbeitsdienstpflicht?— Nordost II: Jugendheim Schönlanker Str. II. Kirche und Staat.— Weißens-«: Jugendheim Pistorhis. sirahe 24. Die Frau und der Sozialismus.— Urban: Jugendheim Hobrecht. Ecke Sanderstrasie. Vortrag: tlieligionen des Morgenlandes. Slrserent: Rachow. — Plaketten silr die Bnti.jlrieqskundgebung am 3. September im Voltspart Rchbcrge zum Preis« pon 20 Pt. sind im Iugendsekretariat zu haben. Der»Vorwärts" erscheint wochenrägtich zweimal, Sonntag» und Moniags einmal, die Abendausgade für Berlin und im Handel mit dem Titel»Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage„Volt und Zeit". Anzeigenpreise: Di- ein sp alt. MillimeterzeUe Z0 Vf.. Neklamezetle M, „»lein« Anzeigen" das fettgedruckte Wort so Pf. izulassig zwei fettgedruckte Wort«) jedes weitere Wort 10 Pf. Vabatt laut Tarif. Won- über>» Buchstaben zahlen für zwei Worte. Ardeitsmart» MillimeterzeUe 2» Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeil« 16 Ps. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße z, wochentaglich von sv, bi» 17 Uhr Der Verlag behalt sich da» Recht der Ablehnung nicht ge» nehmer Anzeicen vor' Verantwortlich tllr Politik: Vietor Sch'ff! Wirtjchatt: G. stlingelhäfer! Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner! Feuilleton: Herbert Lep.'re: Lokale» und Sonstiges: Zrig«arstädt: Anzeigen: Otto Hengst! siimtlich in Berlin. Verlag: Borwarts-Verlag G m b. H. Berlin Druck: Vorwärts. Vuchdruckerei und Lerlagsonstalt Paul Singer u Co. Berlin SW. 66. Lindenstroße l Hierzu 3 Beilagen. Nr.S93* 49. Jahrgang *1« Sonntag, 24. August 4932 Wenn die Abendsonne hinter den Müggelbergen versinkt, geht der Patriardi von Gosen, der 83jährige Herr Schuster, zu seiner Bank am Bach. Es ist schon geraume Zeit her, seit er Hobel und Säge beiseite legte; Jahr um Jahr hat er den Gosener Bauern die Särge gezimmert, und als sein Werk vollbracht war, ging er daran, als letztes seinen eigenen Sarg zu zimmern. Der greise Mann sah vieles kommen und wieder gehen. Er erinnert sich noch gut der Zeiten, als in Gosen die Webstühle klapperten und die großen Leinwandstücken auf dem Rasen zur Bleiche lagen. Das ist sehr lange her, so alt, wie die Eiche an der Dorfaue. Dem Leinen folgten die Bohnen. Was heute der Beelitzer Spargel ist, das waren einmal die Gosener Bohnen. Morgen an Morgen, Acker an Acker standen um Gosen die Bohnen und die Bauern waren sehr stolz darauf, weit und breit die besten Bohnen zu züchten. Aber als die Ziegel kamen, ging das Paradies der Bohnen verloren. Alt und jung ging fortan in die Fabriken und an den Freitagabenden lagen auf den Tischen oft mehr Taler als zu guter Letzt die Bohnen noch Groschen gebracht hatten. Doch dann kamen schlimme Tage, als niemand in der Welt mehr Ziegel brauchte, als die Männer kein Geld mehr nach Hause brachten und schließlich das Brot knapp wurde, da folgten den Ziegeln die Kühe. Die Männer er-■ xnnerten sich, daß sie in der Jugend auch melken gelernt hatten und so sitzen sie statt in der Fabrik wieder im Stall. Es läßt sich einigermaßen an mit dem Milchoerkauf; auf den Tischen steht wieder Brot und Butter und wer sich in diesem Jahre nicht mehr sein Haus abputzen läßt, der will sich zum nächsten Frühjahr ein Pferd kaufen. Es macht sich mit der Milch besser als mit den Bohnen. Oer Wettlauf der Bohnen. In den bunten Gärten hinter den Bauernhäusern stehen die letzten überlebenden Stauden der Gosener Bohnenzucht und just in diesen Tagen raffen die Frauen die Schürzen und pflücken die pralle Frucht. Ein paarmal für den Mittagstisch und die anderen für das Salzfaß. Berlin sehen diese Schlaraffenbohnen nicht mehr. „2a, aber warum haben Sie die Bohnenzucht aufgegeben?"— „Ich will Ihnen die Wahrheit sagen— meint die Bauerzfrau— weil die Menschen zu bequem wurden. Jede Bohne haben wir an unserem Rücken gefühlt. Das war nicht etwa so. daß wir die Bohnen einfach in den Acker steckten und dann warteten, was dar- aus wurde; dann hätten wir es wohl nie zu den Gosener Bohnen gebracht." Zur Zucht einer guten Bohne gehört Liebe und Ver- stand gleichermaßen, jedesmal am IVO. Tag des Jahres begann der große Start zum Wettlauf der Gosener Bohnen. Dem Sieger winkte ein Preis von 50 Pfennig für das erste in der Berliner Zentralmarklhalle aufgelieserte Pfund grüner Bohnen. An jenem Tage wurden die Saatbohnen in die Kästen gesteckt und obwohl der 100. Tag des Jahres in den mittleren April fällt, zu einer Zeit, wo anderwärts längst die Oefen erloschen sind, knisterte in den Gosener Bauernstuben noch lustig das Feuer in den Oefen. Denn die junge Saat brauchte Wärme. Das soll noch nicht die größte Plage gewesen sein, aber als die jungen Pflänzchen draußen auf dem Felde waren, da mußten sie gehütet werden wie der Augapfel selbst. Jeden Abend bekam jedes Pflänzchen feine Haube, damit es über Nacht nicht friere, und am nächsten Morgen waren die Frauen wieder auf dem Felde und nahmen den Pslänzchen die Hauben ab, damit sie sich der Sonne erfreuen mögen. Und jede Haube bedeutete morgens wie abends einen tiefen Diener zum Acker.„Hat uns manchmal das Kreuz weh getan!" seufzt heute noch die alte Bauers- frau. Aber alle Hauben nutzten nichts, wenn der Nebel kam. Dann liefen die Gosener Frauen spornstreichs zum Dorfkrug und riefen die Männer:„Der Nebel kommt, der Nebel kommt, macht Feuer!" Wenn zu jener Zeit der Nebel in das Müggeltal kam, verstummten alle Fiedeln, der Tanz erstarb und die Aelteren brachen den schön- sten Grand mit Vieren auf der Stelle ab. Alles eilte auf die Felder, und wenige Minuten später sah der Mond auf eine bren- nende Dorfflur herab. Ueberall standen die Feuer, um den Frost zu verscheuchen. Der Mühe winkte schließlich ihr Preis. Das war eine löbliche Sache, den ersten Spitzenpreis für grüne Bohnen kassieren zu können, ober bei diesen vier und fünf Groschen blieb es ja nicht. Die Gärtnerei in Deutschland nahm einen immensen Aufschwung, das schien allenthalben ein angenehmes Handwerk zu fein, die Groß- stadt mit Obst und Gemüse zu oersorgen, aber je mehr so dachten, desto stärker wurde die Konkurrenz. Dann kam der Händler nach Gosen, schloß für zwei Groschen das Pfund ab, und wenn er nach- her in Berlin in die Halle kam, dann bekam er nicht einmal mehr die zwei Groschen. Schließlich kosteten die Gosener Bohnen einen Groschen oder gar nur einen Sechser, und es schien gerade an der Zeit zu sein, daß überall im Osten die Fabrikschlote auf- tauchten, deren dicke Rauchfahnen den Bauern zu winken schienen: .Kommt zu uns!" Die Zeit der Ziegel. Da entstand in Gosen die große Ziegelei, die bis von Westpreußen und Oberschlesien die Männer anlockte. Dann kam die chemische Industrie nach Erkner, die Uferbahn Grünau- Schmöckwitz brauchte Fohrer und Schaffner, die Görlitzer Bahn konnte auch Leute gebrauchen, und schließlich das größte Industrie- zentrum im Osten, jenes Gelsenkirchen an der Spree— Schöne- weide. Hier entstanden die Mammutwerke der AEG und der RAG, der Akkumulatoren- wie der Transformatorensabrik und dazu Kabel- und Messingwerke sonder Zahl.„Es lag Freitags viel Geld auf dem Tisch— sagt die Bauersfrau— die Blänner, Vater und Sohn, gingen in die Fabriken und wir muhten zusehen, wie wir mit der VZirtschc-st ferkig wurden." Inzwischen haben diese Männer längst wieder die Sensen in der Hand und stehen auf den Spree- wiesen zur Nachmahd. Wie es in Schöneweide heute aussieht, braucht an dieser Stelle nicht des langen und breiten erzählt wer- den. In Grünau und Erkner ist es nicht besser. Am allerschlech- testen geht es der Ziegelei in Gosen: wenn Absatz da ist, rauchen dort vielleicht einmal acht Wochen lang die Schornsteine wie gegen- wärtig. Eine Schicht lohnt sich nicht für eine Ziegelei, also ist man jetzt in zwei Schichten zu je 45 Mann am Schaffen. Es wird voll gearbeitet und dabei haben die Lohnarbeiter am Wochenschluß 24 M. brutto oerdient und die Akkordarbeiter 26 M. Die Abzüge ab hat jeder noch einen Zwanzigmarkschein für eine ganze Woche Mühe und Arbeit in der Hand. Für 1000 Steine gibt es 80 Pf. In der Stunde werden geschafft 2400 Steine, aber der Lohnsatz ist durch drei zu teilen, weil zu einer Kolonne immer drei Mann ge- hören, die zusammen die 2400 Steine pro Stunde machen. Aber noch nicht einmal diesen Zwanzigmarkschein können die Kosener Männer nach Hause tragen, denn es sind wieder 40 Schlesier da. Am Aerger über diese Schlesier wird Gosen noch mal gelbsüchtig werden. Im vorigen Jahr, als die Schlesier wieder wegfuhren aus Gosen, hatten eine ganze Reihe nicht einmal das Fahrgeld, barmherzige Kollegen haben sie mitgenommen in die Heimat, weil sie doch hier nicht bleiben konnten. Diese Schlesier!" Wohltätige Kühe. Als das Krisenunwetter in voller Stärke ins Land der Müggel hereinbrach, begann man in Gosen alle Sparstrümpfe durchzu- stöbern. Die der Großeltern, die der Eltern und die der Kinder. Wer noch 100 Taler aus besseren Tagen fand, atmete auf. Damit gings nach Friedrichsfelde, wo es für 320, 350 oder für 380 M. eine schöne Milchkuh gibt. Heute stehen in den Goseaer Ställen wieder vier und fünf Kühe. Auch der Wiesenbesitzer atmete auf, als endlich wieder die Leute zu ihm kamen, um sich ein paar Mor- gen Wiese zu pachten, denn eine Zeitlang hatte er sich seine Wiesen an den Hut stecken können. Jetzt ist Gosen wieder ZNilchdorf ge- worden. Ein Mann mit vier Kühen melkt morgens 20 bis 21 Liter, mittags 15 bis 16 und abends 16 bis 17 Liter. Um den Absatz braucht sich niemand Sorge zu machen. Die ganze Gegend zwischen Stralan-Rummelsbnrg und Erkner ist eigentlich nur noch ein einzige» große» Siedlungsgelände, wo zehntausende Familien wohnen. Und da jeder Siedler Sonntags die ganz« Verwandtschaft auf der Klitsche hat, ist der Milchbedarf allein zwischen Köpenick und Erkner schon enorm. Sonntags fahren die Gosener dreimal mit Milch, ohne daß die Wochenendleute genug bekämen. Es ge- hören ja schon«in paar Milchbauern dazu, um nur die Zeltstädte um den Seddinsee zu versorgen. Dann gibt es 24 Pf. pro Liter Milch, lachendes Bargeld! Der Milchgroßhändler würde nur 13 Pf. zahlen, ober durch den direkten Verkauf werden 24 Pf. erzielt. Natürlich ist das nicht alles verdientes Geld. Wer, sagen wir, seine 350 Liter Milch in der Woche verkauft, mühte dafür theoretisch 84 M. erzielen. Wenn die Wohlfahrtskarten nicht dazwischen kämen und das Borgen. Aber auch dann noch müssen über 40 M. pro Woche vom Bauern für Kraftfutter aufgewendet werden: Rübenschnitzel, Biertreber und Kleie. Denn mit aus dem Wasser geholten Sichelkohl kann man wohl zur Not Schweine, aber keine Kühe füttern. Dazu Pachten, Steuern, das Spargeld- fürs Pferd, geschwelgt wird in Gosen gerade nicht. Den Ausgleich schafft aller- dings immer wieder der Acker: Kartoffeln, Brot, Bohnen: im Stall stehen die Schweine, und der beim Bauern überall zu verfolgende Rückzug zur Selbstgenügsamkeit ist auch in Gosen zu beobachten. Das tägliche Brot hat dem Bauern wohl seinen Schweiß gekostet, aber nicht unmittelbar Geld. Das Pferd wird langsam zur Not- wendigkeit, da das Liefern der Milch mit der Handkarre auf die Dauer zu mühselig ist. » So haben sich die Gosener Bauern, nachdem sie ihre Bohnen- zucht aufgegeben hatten und die junge Generation drauf und dran war, ihre Bodenständigkeit zu verlieren, nach manchem Irrweg über das Gröbste gerettet. Wenn wir nicht diese sündhaft teuren Bodenpreise um Berlin hätten, dann wäre eigentlich damit die Richtigkeit der Siedlung bewiesen. Berliner Eilzug vernnglückf, 31 Personen leicht verletzt, zwei Fahrbeamte schwer. Stralsund, 20. August.(Eigenbericht.) Ter Vorzug des um 6.00 Uhr eintreffenden B e r- liner Eilzuges fuhr bei der Einfahrt in den Bahn- Hof Stralsund auf eine Rangierlokomotive auf. Lbwohl der Zug nur noch eine Geschwindigkeit von 30 Kilometer hatte, war der Anprall doch so stark, daß sämtliche Fensterscheiben des Zuges zersprangen und die Lokomotive schwer beschädigt wurde. 31 Personen wurden verletzt, darunter zwei schwer. Die Tchtververletzten sind der Lokomotivführer H o l l b a ch und der Heizer Schwarz. Tie Verunglückten erlitten Rückgrat-, Kopf-, Lberschrnkelverletzungen und mußten sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Die Schuld soll bei dem Fahrdienstleiter liegen, der dem Berliner Zug die Einfahrt freigab, obgleich die Rangierlokomotive auf dem Einfahrtgleis stand. Bon den 30 Leichtverletzten des Eisenbahnzusammenstoßes im Stralsunder Hauptbahnhof konnten 2 7 nach Anlegung von Not- verbänden wieder entlassen werden. Drei Personen wurden ins Krankenhaus geschafft. Es sind dies der Kaufmann Stepp- kühn aus Müncheberg in der Mark, der Kaufmann U n n e r i ch aus Kyritz hv Pommern und der Musiker P i e r s i g aus Leipzig. Während die beiden ersteren Rippenverletzungen erlitten, trug Piersig eine Rückenverletzung davon. Lm Flugzeug verbrannt. Schreckensflug über dem leipziger Flugplatz. Leipzig, 20. August. Am Sonnabend wurde im Flughafen Leipzig-ZNockau der Slarl für ein Flugzeug der Firma Bahner in Liechlenstein-Calln- berg zum Flug nach Zwickau freigegeben. Der Flieger stieg auf und führte über dem Flugplatz einige Kunstslüge aus. Plötzlich rannte das Flugzeug gegen eine Halle de» Flughafens, explodierte und sehte die Halle in Brand. Das Flugzeug selbst verbrannte, der Flugzeugführer Bader und ein B e- gleiter wurden getötet. 41 Europaflieger in Tempelhof Startbeginn heute früh 7 Llhr. Die 41 Flugzeuge, die am Europarundflug teilnehmen, slar- tele» gestern nachmittag in sieben Staffeln eingeteilt in kurzen Absländen vom Flughafen Staaken nach Tempelhof. Nach einer Ehrenrunde über dem Flugplatz Tempelhof gingen sämtliche Flugzeuge glatt nieder. Nur die einzige weibliche Teilnehmerin, die Engländerin Spooner, hatte kurz nach dem Start eine Benzinstöruag, so daß sie in Staaken notlanden muhte. Für den Langslreckenflug ist alles startbereit. Heute vor- mittag um 7 llhr wird die Flagge zum Start der ersten Maschine gesenkt, der kurz hintereinander die übrigen Teilnehmer folgen. Totensuche auf der„Niobe". Am Sonntag wird die Bergung vollendet. Kiel. 20. August. Die Marinestation der Ostsee teilt mit:„Die Räume des Vor- schiffes der„Niobe" sind inzwischen leergepumpt worden. Es ist gelungen, aus der Segellast die Leiche des Obermatrosen Gefreiten Köster Zu bergen. Zn demselben Raum konnte auch noch die Leiche des Signalgefreiten Rothe festgestellt werden, dessen Bergung aber bei der augenblicklichen Lage des Schiffes noch nicht möglich war. Zur Zeit wird versucht, den größten Unterwasserraum des Schiffes, den mitfchiffs gelegenen Unterrichtsraum der Seeoffiziersanwärter, leerzupumpen. Dazu sind noch sehr umfangreiche und zeitraubende Abdichtungsarbeiten erforderlich. Es besteht bis zum Hell- werden des morgigen Sonntag Aussicht, das Schiff soweit gedichtet und gelenzt zu haben, daß es sich von selbst aufrichtet. In diesem Falle werden auch die übrigen Räume des Schiffes von oben zu- gänzlich fein. Es wird angenommen, daß bis Sonntag mittag all« Toten geborgen sind. Mit Rücksicht auf die teilweis« sehr entfernt wohnenden Ange- hörigen der Toten ist die Beisetzung, wie gemeldet, auf Diens- tag, 23. August, 16 Uhr, festgesetzt worden. Wie die Marine weiter mitteilt, haben die Angehörigen von 13 der Vermißten die Ueber- führung in die Heimat gewünscht, während die übrigen in dem gemeinsamen Begräbnis auf dem Garnisonfriedhof Kiel beigesetzt werden. Das Kaulsdorfer Moor brennt! Schwierige Löscharbeiten. hinler den Wasserwerken in Kaulsdorf-Süd erstreckt sich ein umfangreiches wiesen-, woor- und Torfgelände, kurz nach IS llhr stieg aus einem Torfstich plötzlich eine weithin fichtbare Rauchfahne auf. Von kaulsdorsern Bewohnern wurde die Feuerwehr alarmiert. Belm Eintressen fanden die Wehren bereits einen ausgedehnten Brandherd vor. Ein Teil des Topfes brannte und die Flammen hatten inzwischen aus eine angrenzende wiese übergegriffen. Znsgesamt brannte das Gelände in einem Umfange von etwa 2700 bis 3000 Quadratmeter. Aus Berlin wurde ein Löschzug nachalarmiert und mit ver- einten Kräften wurde der gefährliche Brand vo». mehreren Seiten bekämpft. Da die Hydranten ziemlich weit von dem brennenden Torf und Moor entfernt sind, mußten viele Meter Schlauch gelegt werden. Nach etwa vierstündiger angestrengter Tätigkeit war das Feuer zwar eingekreist, aber noch nicht gelöscht. Die Flammen fraßen sich immer tiefer in den Torfboden ein und es ist noch nicht abzusehen, wann der Brand endgüllig erstickt sein wird. Zunächst wird die Brandstelle von einer starken Feuerwehrwache nachts unter Kontrolle gehalten. Die Frau, die 12 Jahre als Mann lebte Prozeß um eine seltsame Tragödie vor dem Vezirksschöfseagerich! in M a i v z fand der Slrafprozeh gegen Frau Marie E i n» m a n n statt, die zwölf Zahre lang in Männerkleidero herumlief, verschiedene Stellungen als Mann bekleidete ond zum Schiuh auch noch eine Zsamllie gründete, deren Oberhaupt sie war. Mitangeklagt war ihre„Lebensgefährtin". Arau Müller, die allein von dem Geheimnis ihrer Freundin gewußt hatte. Auf die Frage des Vorsitzenden beteuerten sowohl Frau Einsmann wie auch Frau Müller ihre Unschuld. Frau Ein»- mann erzählte ihre Geschichte. „Als ich mich vor zwölf Iahren von meinem Manne scheiden ließ, fand ich in einem meiner Schränke einen Anzug, den mein Mann bei mir vergessen hatte. Ich befand mich in einer verzweifelten Lage, hatte gar keinen Erwerb und zerbrach mir seit Wochen den Kopf darüber, wi« ich mich über Wasser halten könnte. Da fiel mir ein. daß ein Mann viel eher als eine Frau- Arbeit finde, zog den zurückgelassenen Anzug an und meldete mich nach einer Annonce bei einer Fabrik, die gerade Arbeiter suchte. Ich wurde als Hilfsarbeiter angestellt und versah meinen Dienst zur Zufriedenheit meiner Vorgesetzten. Zu dieser Zeit sucht« mich mein« Freundin, Frau Müller, auf, die ebenfalls erwerbslos war. Ich ver- schaffte ihr in derselben Fabrik Arbeit, und sie zog zu mir. Frau Müller, die sich fast zur selben Zeit von ihrem Gatten hatte scheiden lassen, unterhielt Beziehungen zu einem Manne, von dem sie auch eine kleine Unterstützung erhielt. Das Verhältnis hatte Folgen und Frau Müller bekam fast jedes Jahr Kinder. Um die arme Frau vor dem Stadttratsch zu schützen begab ich mich in jedem dieser drei Fälle zum Magistrat und meldete die Kinder als meine eigenen an." Dann erzählte Frau Einsmann weiter, daß sie in verfchiedenen Betrieben als Metallarbeiter, Bauarbeiter, Nachtwächter und Portier gearbeitet habe. Sie oerdiente gut und erhielt die Famili�.— Vors.: Jetzt erzählen Sie uns, wie man Sie ertappte.— Angeklagte: Ich arbeitete zuletzt in einer Metallfabrik, wo ich bereits zum Vorarbeiter avanciert war. Vier Personen arbeiteten unter meiner Aufsicht. Da erlitt ich zu meinem Unglück eine Handver- letzung und wurde in die Männerabteiliung des Städtischen Kranken- Haufes gebracht. Ich wurde gesund und konnte wieder in die Fabrik gehen. Erst als die Kronkentasse eine ärztliche Nachuntersuchung anordnete und der Arzt darauf bestand, mich am ganzen Körper zu untersuchen, kam die Sache heraus. Der Verteidiger und der Sachverständige der Verteidigung wiesen darauf hin. daß der Transoeftitismus ein« pathologisch« Aberration sei und Frau Einsmann sich ihres Zuftandes in Wirklich- keit gar nicht bewußt gewesen sei. Sie beantragten Freifpruch auf Grund des§ 51. Das Gericht verurteilt« Frau Einsmann und Frau Müller wegen intellektueller Urkundenfaffchung zu je einemMonat Ge- f ä n g n i» mit dreijähriger Bewährungsfrist. Groß- und Kleinhandelspreis neu festgesetzt, und zwar den Klein- Handelspreis wie bisher auf 24 Pf. für dos Liter Vollmilch. Die Preisonordnungen des Preisousschuffes und des Oberpräfidenten dienen der abschließenden Regelung des Verkehrs und des Absatzes von Vollmilch und haben für Käufer und Verkäufer bindende Wirkung derart, daß sie durch Vereinbarungen nicht abgeändert werden können. Mit dieser Ordnung soll eine aus- reichende Versorgung der Stadt Berlin mit Vollmilch hohen Reinlich- keitsgrades und Fetteghalts gesichert werden. Der Fettgehalt ist von dem Preisousfchuß für die Verrechnung auf 3 Proz., also um 0.3 Proz. gegenüber dem polizeilichen Mindestgehalt von 2.7 F-tt- Prozent erhöht worden. Gegen einen Baum gerast. Vier folgenschwere Unfälle. Im Laufe des gestrigen Tages ereigneten sich mehrere schwere Unfälle, die zwei Todesopfer und mehrere Schwer- verlehke gefordert haben. Auf der Chaussee zwischen Dallwitz und Groß-Machnow. etwa 1 �Kilometer hinter Dallwitz, fuhr ein Motorradfahrer beim lieber- holen eines Gespanns in sehr scharfem Tempo gegen einen Baum. Das Rad wurde völlig zertrümmert. Mit einem doppelten Schädelbruch und inneren Verletzungen blieb der Motorradfahrer, dessen Personalien noch unbekannt sind, bewußtlos auf der Chaussee liegen. Als die alarmierte Zehlendorfer Feuerwehr an der Unfall- stelle«intraf, war der Verunglückte bereits tot. Am Adlergestell fuhr ein Prioatauto gegen«inen Baum. Der Wagen wurde schwer beschädigt. Der Führer des Autos, ein Polizeioberwachtmeister K., und zwei Begleiterinnen wurden schwer verletzt. Die Verletzten fanden im Krankenhaus von Königswusterhausen Aufnahme. Vor dem Hause Scharnweberstraß« 150 in Reinicken- dorf-West wurde ein etwa 55 Jahre alter Radfahrer von einem Lastauto überfahren und schwer oerletzt. Der Verunglückte, dessen Personalien bisher nicht ermittelt werden konnten, starb auf oem Transport ins Krankenhaus.— In Mariendorf, an der Eck« Kurfürsten- und Rathausstraße, ereignet« sich am Sonnabendnach- mittag wieder der tägliche Zusammenstoß. Ein Motorradfahrer prallte dort mit einem Prioatauto sehr heftig zusammen. Der Führer des Rades,«in 44 Jahre alter Willi Herrmann au, der Gärtnerstrahe 29 in Lichtenberg, wurde mit schweren Verletzungen ins St. Iosefskrankenhaus überführt. 9 Monate Gefängnis für Rechtsanwalt. Wegen Llntefschlagung von Mandantengeldern. Rechtsanwalt Alfred o. Strantz, der sich schon mehrfach vor Berliner Gerichten zu verantworten hatte, stand wieder als An- geklagter vor dem Schöffengericht Charlottenburg. Im Jahre 1929 war er in ein Verfahren wegen Betrugs und Zechprellerei verwickelt, in dem er freigesprochen wurde. Als Mitangeklagter in dem großen Automobilschiebungsgeschöft Haucke und Genossen war er in erster Instanz verurteilt, doch in der Be- rufungsinstanz freigesprochen worden, so daß der Angeklagte trotz dieser Strafverfahren seinen Anwaltsberuf weiter ausübte. Die Anklage, die der gestrigen Verhandlung zugrunde lag, stammte aus dem Jahre 1927. In der damaligen Zeit hatte Rechtsanwalt v. Strantz von einer Mandantin 8000 M. zur Besorgung von Pfandbriefen erhalten, ohne daß er diesem Auftrag nachgekommen war. Der Angeklagte verwahrte sich nun gegen den Vorwurf der Anklage, daß er das Geld für sich verbraucht habe und behauptete, daß er den Betrag in voller Höhe im Interesse seiner Mandantin einem Bekannten zur anderweitigen Anlegung über- geben habe. Das Schöffengericht Charlottenburg sah in diesem Verhalten des Anwalts Untreue und Unterschlagung und verurteilte ihn auf Antrag des Staatsanwalts zu neun Monaten Gefängnis. Hochstaplerin festgenommen. In Spandau wurde gestern durch die Aufmerksamkeit des Sohnes einer Zimmeroermieterin in der Person der 38 Jahr« alten Frida Grumbach eine schon langgesuchte Hochstaplerin und Einmietediebin festgenommen, die mit falschen Papieren auf- trat. Di« Frau begann chre Tätigkeit im Juni 1931, indem sie irgendwo zuzog, sich als Gutsbesitzerin oder Fabrikantenfrau ausgab und die Gelegenhest erfpähl«, um stehlen zu können. Sie erzählte wiederholt, daß ihr Gepäck gleichzeitig mit ihrer Zofe nachkomme und wiegte dadurch die Leute in Sicherheit. Sie wechselte dauernd den Ort ihrer Tätigkeit und wurde daher bald von einer ganzen Reihe von Staatsanwaltschaften gesucht. Hinter den Kulissen der Herbstsaison Hoffnungen, aber wenig Aussicht Hochbetrieb auf den Fachabteilungen der Arbeits- ämter, ein tägliches Kommen und Gegen Taufender von Men- schen. Leider ist es nur ein ganz kleiner Teil, der Arbeit vermittelt erhält, die vielen anderen—«in« wahre Legion Arbeitsloser— muh sich zur Zählung der Unterstützungsempfänger melden, und wer jetzt gerade feine Papier« nicht ganz in Ordnung hat, der läuft noch Gefahr, in die Zählung nicht mit aufgenommen zu werden. Ein gerüttelt Maß voll Arbeit hat das Personal zu bezwingen, außerdem heißt es noch, all die aufgeregten, verbitterten Gemüter der Menschen, die da oft ein- und zweimal kommen müssen, weil ihre Unterlagen nicht in Ordnung sind, zu beruhigen. Es herrscht Siede- Hitze draußen und drinnen! Arbeitsämter, die gleichzeitig Vermittlungsstellen haben, sind besonders mit Arbeit bedrängt, beifpiels» weise in der Konfektion und im Haushaltberuf, wo jetzt gerade die Saison beginnt. Von einer Saison im hergebrachten Sinne läßt sich in den letzten Jahren kaum mehr sprechen. Don Jahr zu Jahr bröckelt die Verdienstmöglichkeit mehr und mehr ab, automatisch mit der durch ständigen Personalabbau immer mehr geschwächten Kaufkraft des Publikums. Vorsicht, Zurückhaltung, Angst vor der Unsicherheit leiten die Entschlüsse der Fabrikanten, und oll dies lädt sich leider wiederum auf dem Rücken der Arbeitnehmer ab. Auch tritt sich in der stets straffer werdenden Spanne zwischen Angebot und Nach- frage der Bedarf an bestqualifizierten Kräften immer stärker in den Vordergrund: was sollen all die vielen anderen beginnen? Bei Mänteln und Kleidern läßt es sich noch gut an, die Anforderungen nach selbständigen Näherinnen sind zufrieden- stellend— gemessen an den augenblicklichen Verhältnissen. Auch in der Herrenkonfektion gibt es zu tun, wenngleich noch sehr viele auf Beschäfttgung warten. Von einer ausgesprochenen Hausse läßt sich einzig in der Gummimäntelfabrikation sprechen, es mußten hier sogar Kräfte durch Rundfunk-Rundfrage angefordert werden. Das hat seinen Grund einmal darin, daß der billige Gummimantel den Schirm überflüssig macht und gleichzeitig die Kleidung schützt und— wo es leider so oft nötig ist— ein wenig verdeckt— auf der anderen Seite mußten viel«, auch gutqualifi- zierte Kräfte aus Gesundheitsrücksichten dies« Arbeit aufgeben, da die Dünste beim Kleben sich für viele als schädlich erwiesen. Da laut polizeilicher Vorschrift wegen Feuersgefahr dies« Arbeit auch nicht mehr zu Hause verrichtet werden darf, fehlt es jetzt, bei starker Nachfrage, an Kräften. Auch im Putz-Engrosbetrieb gibt es schon leidlich zu tun: schwarze Samtkappen sind die Vorläufer der Herbst- und Wintermode, so hat vorläufig die Garniererin noch keine Verdienst- ausficht: die jäh ausblühende Federnmode des Vorjahres erstreckt sich jetzt einzig auf Firmen, die Auslandsaufträge haben. Wie immer, läuft die Heimarbeit der Wertstattarbeit aus Gründen der Billigkeit den Rang ab, trotzdem gibt es auch hier viele, allzuviel«, die ohne Arbeit sind. Die kurze Zeitspanne der Ramscharttkel- Kleider zu 95 Pfennig im Verkauf, für die die Näherin 10 bis 15 Pfennig Arbeitslohn erhält, ist wieder vorbei. Die große Mode der Häkelartikel, Jumper und Kappen, wirkt sich leider ganz, ganz wenig auf die hierfür vorhandenen Ar- beitskräste aus. Es wird da viel privat gearbeitet, von Frauen, die keinen Tarif kennen, oder zumindest keinen verlangen. Geschickte Kappenhäklerinnen liefern ihr« Muster an den Fabrikanten ab, da- für gibt es 15 bis 18 Pfennig pro Stück. Leider folgt keine großer Auftrag, weil man außerhalb wieder billigere Arbeiterinnen hat, die allerdings nur nachhäkeln können, die Muster bezieht man zu- meist aus Berlin. Man wünscht und hofft, daß die Saison, die jedes Jahr später einfetzt und früher aufhört, nicht allzu kurz sein möge, damit noch wenigstens ein Teil aus der großen Armee jener, die die Hände in den Schoß legen müssen, Arbeit und Brot srhält. Berlins Milchversorgung. Aufnahme der Tätigkeit des Milchverforgungsverbandes. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Milchversorgungsverband Berlin seine Tätigkeit aus- genommen. Sein Preisausschuß hat den Erzeugerpreis erst- malig für Trink-(Voll-)Milch auf 13,85 Pfennig festgesetzt. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin hat nun- mehr auf Grund seiner ihm durch Erlaß der- obersten Landes- behörde übertragenen Befugnis als Preiskommissar unter Auf- Hebung seiner Anordnung vom 25. Mai dieses Jahres den Milch- Gerhart Herrmann Mostar: 61 ürija. Nun war sie, wie sie so neben mir herging, wieder das Bergkind, das Hirtenkind von damals, nur von dem roten Jumper konnte sie sich nicht trennen; er sah scheußlich aus, aber das fand nur ich, er erregte den Neid der anderen Mäd- chen, die doch so herrliche, selbstgewebte Kleider in leuchtenden und dennoch nicht schreienden Farben trugen. Sie versammelten sich alle, diese Frauen und ihre Man- ner, die Mädchen und die Burschen, die Erwachsenen und die Kinder, im größten Hause des kleinen Weilers: das war das Haus der Stammeltern, die uralt waren, und von denen sie alle abstammten, es waren Anjas Urgroßeltern. Die beiden saßen, klein geworden vor lauter Alter, am offenen Feuer auf dem geglätteten Feldboden und hielten ihre zitternden, mageren Greisenfinger über die wärmenden Flammen, und die Handflächen waren zerfurcht wie Karstgestein und schim- werten rot wie Karsterde. Und sie saßen, die Jüngeren und Jüngsten, bei dreißig an der Zahl, rauchend die Männer, schwarzen Kaffee aus winzigen Schälchen trinkend die Frauen, spielend die Kinder— wenn eins einmal ungezogen war und laut wurde, hielt die Mutter ihm wortlos einen Stock oder ein Strohhälmchen hin, das mußte es ehrfürchtig küssen, und dann war es sofort ruhig. Das Fest hatte längst begonnen, und es war ein seltsames Fest: es bestand im Erzählen. In vier Gruppen waren die Familien fortgezogen und wiedergekommen, nur die Ureltern waren zu Haufe geblieben, und nun ließen sie sich von den Er- lebnissen der einzelnen Gruppen berichten, und das war das ganze Fest, dies Erzählen und dies Erzählenlassen. Und es war ein tiefes, großes Fest.... Die Erlebnisse hatten alle die große Einfalt, die ewige Wiederkehr allen Naturerlebens. Da waren sie mit an- brechendem Frühling losgezogen, alle verschiedene Wege, aber alle nach Norden, mit der Wärme: da hatten sie in den Stein- Hütten, die überall warteten, gehaust und ihre Herden gehütet, bis has Magere Gras zwischen den«Steinen obgesMet war, und dann waren sie weiter gezogen, weithin über die Berge, hatten wieder gehaust und wieder geweidet und nachts am offenen Feuer gelegen und gewacht und Buk, den Wolf, ver- trieben mit Geschrei und Feuerbränden, und hier hatte Buk sieben Schafe gerissen und dort gar achtzehn, aber es waren die Lämmer gekommen, viele Lämmer, es war ein gutes Jahr gewesen; hier hatte den oder jene ein Skorpion gestochen, aber Gott hatte geholfen, es war nicht schlimm geworden, dort waren einige fast verdurstet mit ihren Herden, denn die Dürre ließ das Wasser im porösen Gestein versinken, sie hatten es stundenweit in Tierfellen aus dem Tale holen müssen; und um die Sommersonnenwende hatten sie alle am Rande der Planina gestanden und hatten hinuntergeblickt ins grüne, fruchtbare Tal der Save, und einige hatten von fern die ge- waltige Stadt Zagreb gesehen, und andere Novisat: aber sie waren nicht hinuntergegangen, sie waren oben geblieben in ihren Berken und umgekehrt und hatten ihre Herden langsam zurückgehütet und hatten sich zurückgeschuftet und zurück- gewacht bis hierher, und nup war Wintersonnwend und Weih- nacht, und es begann ein neues Jahr mit neuem Wandern und neuem Hüten.... Sie lauschten alle still und andächtig, ruhig lächelnd— nur Anja wurde immer nervöser, ängstlicher, und als'zuletzt ihr Vater vom Geschick seiner Familie erzählte, trat Schweiß auf ihre schöne, herbe, etwas trotzige Stirn. Ihres Vaters Stimme schwankte ein klein wenig, seine Augen waren for- schend auf die beiden Ureltern gerichtet, als er von Anjas Kind sprach-- aber der Urvater nickte nur dazu, da wuß- ten alle, das bedeutet Verzeihung. Anja aber wurde nicht froher davon, sie saß neben mir, ich sah es wohl. Ihr Vater sprach schon längst von Hassans Tod, und dann von mir, und von Anjas Tätigkeit im Sägewerk, und er lobte sie in schlich- ten Worten, daß sie so bald heimgekehrt war, und mich, daß ich sie heimgeleitet— aber Anja zitterte noch immer. Etwas stieß in ihr. aus ihr heraus, drängle sich auf chre Lippen, die sich immerfort zuckend bewegten. Und als ihr Vater geendet hatte und langes Schweigen war, stand sie plötzlich auf und trat ans Feuer und sagte gepreßt: „Ich muß euch noch berichten, was ich im Sägewert er- lebte." Es entstand eine Unruhe, aber der Uralte nickte, und Anja begann. Langsam löste sich chre Stimme, und{U«rjcchtte in dunklem, singendem Ton, wie man eine alte Sage er« zählt... das Feuer knisterte eine leise Begleitung, draußen sang der Wind, es klang wie das Surren der Gattersägen. von denen Anja erzählte... da schrak ich zusammen: Anja hatte den Ingenieur erwähnt, seltsam und häßlich klang dies Fremdwort in der alten Sage: Jnfchenjer... Und dann, und dann, mir wurde schwindlig—: dann ging die Sage in eine Beichte über... Anja beichtete, immer im selben, dunkel singenden Ton, aber sie verschwieg nichts. Wie die Abende so leer und einsam waren, erzählte sie, und wie der Jnfchenjer sich ihr genähert hätte, und wie sie ohne Hoffnung war, daß einer aus einer Hirtenfamilie sie noch ehelichen würde mit ihrem Kind, und wie es ihr geschienen hatte, als sei doch alles gleichgültig... und wie ihr Körper Wärme und Feuer und Hingabe gewollt hatte nach den zehn Stunden an der Maschine, oh, sie schonte sich nicht, sie sprach von sich wie eine Fremde, die über Anja berichtete vor fremden Leuten... Langsam wurde es unruhiger im Raum, in das Sausen von Feuer und Sturm mischte sich Schluchzen, das kam von Anjas Mutter, aber ihr Vater blieb stumm, seine Lippen waren hart zusammengepreßt, seine Wangen fahl, die Backen- knöchel stießen heraus wie Keulen. Anja erzählte, wie ich ge- kommen war. wie sie nun durch mich, zurückgekommen wäre und hier sei— sie schloß, wie man einen Bericht schließt, ohne eine Bitte um Vergebung, ohne strengen Abschluß, aber sie blickte sehnsüchtig auf das Gesicht des Uralten. Es wurde ganz still im Raum, unheimlich still. Die Mutter Anjas halte ein Tuch vor dem Mund, das ihr Schluch- zen erstickte. Die Uralte hatte ihr grausträhniges Haupt ver- hüllt, der Kopf des Stammvaters zitterte— vor Alter? vor Kummer..? Die angstvolle Spannung in mir wurde zum körperlichen Schmerz. Würde er reden, der Alte? Konnte er überhaupt noch reden, oder war er schweigsam geworden wie Ruinen aus Lorzeiten, wie Fsls im Karst? Würde er— würde er nicken, nicken wie vorhin, das Nicken der Vergebung..? Jetzt— jetzt richtete er den gekrümmten, dürren Leib auf. Jetzt hob er den kleinen, fleischlosen Kopf-- und schwang ihn einmal, ein einziges Mal hin und her, wie ein Läuten: das war ein Nein, ein apodiktisches Nein, Anja war perworsen...(Schluß folgt.) ifttt die saure Milch. Aus Kreisen der Milchverbraucher wird beim Aufstellen von Milch zum Sauerwerden oft Klage geführt über die mangel- hafte Rahmabscheidung und die verzögerte Gerin- n u n g. Zwei Erscheinungen, die als Folgen der meiereimäßigen Behandlung der Milch anzusehen sind. Mangelhafte Aufrahmfähig- keit liegt durchaus im Interesse des milchtaufenden Publikums, weil sie eine größere Gleichmäßigkeit der Feltverteilung in der Rondels- milch gewährleisten hilft. Eine Beurteilung der Milchqualität aus Grund der sich absetzenden Sahnenschicht ist bei solcher Milch aller- dings unmöglich und angesichts der überaus scharfen Kontrolle gerade auf Milchverfälschungen durchaus entbebrlich. Vollmilch ist übrigens durch reinweiße Farbe, durch das Fehlen eines bläulichen Farbtons in dünner Schicht und ihren vollen Geschmack hinreichend charakterisiert. Die Verzögerung des Gerinnens kann ohne weiteres dadurch ausgeglichen werden, daß der aufgestellten Frischmilch eine kleine Menge(etwa l Teelöffel) saurer Milch vom Vortag« bei- gegeben wird. Diese„Impfung' hilft dos Sauerwerden ebenso beschleunigen wie das ganz gelinde Anwärmen der u. U. zu kalten, soeben erst angelieferten Ladenmilch. Durch diesen Zusatz kann auch gekochte Milch, die erfahrungsgemäß sonst nur schlecht gerinnt und dann leicht bitter schmeckt, zur Herstellung von Dickmilch heran- gezogen werden. In diesem Falle muh allerdings die abgekochte Milch auf Zimmertemperatur gebracht werden, bevor sie„beimpft" und aufgestellt wird. Bei täglich sich wiederholender Sauermilch- bewertung wird zweckmäßig das erforderlich« kleine Quantum Sauermilch als Impfmilch zurückbehalten. Ztases laden ein. Soeben gibt das Rose-Theater«ine Werbeschrift für die neue Spielzeit 1932/33 heraus. Ein« bunte, illustrierte Blätterfolge, mit einer Statistik über den Aufschwung des Rose- schen Besucherstamms. Nach der Inflation begann 192S der Aufbau der Dauerkartenorgantsationen mit 1000 Mitgliedern. Heute verfügt das Rose-Theater über eine Dauerkartenorganisation von 2S<)l)l) Besuchern. Die Direktion Rose veranstaltet 45 Serienvor- stellungen mit insgesamt 12 Vorstellungen, von denen zwei auf den Rose-Garten entfallen. Als Neueinführung haben die Volksvorstellungen zu gelten, die jeden Mittwoch, 5.15 Uhr. stattfinden und bei einer Preisstasfelung von 25 Pfennigen bis I Mark zu besuchen sind, während sich die Kasienpreise der Abend- Vorstellungen von 30 Pfennig bis 1,75 Mark bewegen. Alle Preise enthalten selbstverständlich die Kosten für Garderobe und Theater- zettel. In den Preisen und den kleinen Beigaben für den Theater- besucher waren die Roses schon immer volkstümlich und zeitgemäß. Aber sie würden heute nicht auf eine so stattliche Erfolgskurve zurückblicken können, wenn nicht ihre Dramaturgie und die Inszenierungen im besten Sinne volkstümlich wären. Sie genießen eben das Vertrauen der Berliner. In ihrem„Aus- blick auf die Spielzeit 1932/33 sprechen sie daher von„ihrer vollsten Verantwortung für die künstlerische Sauberhaltung unseres Spiel- plans",— Worte, die wir bei einer Berliner Theaterleitung lang entbehren mußten. Wetteraussichten für Verlin: Noch meist heiter und sehr heiß, allmählich aufkommende Gewitterneigung. Südliche bis südwestliche Winde.— Für Deutschland: In Nordwestdeutschland Temperatur- rückgang mit verbreiteten gewitterartigen Regenfällen: im übrigen Reiche Fortdauer des heißen Wetters, im mittleren Teile des Reiches aber Gewitterneigung: auch in Westdeutschland örtliche Gewitter. Sport. Rennen zu Karlshorst. Sernegroß-Hürdenrenne«: 1. Maiennacht(Eber): 2. Garde: 3. Parademarsch. Tolo: 21:10. Platz: 14, 21:10. Ferner liefen: Otto, Khedive lausaebrochenl. Sulliver-Iagdrennea: 1. Eurya(Oehme); 8. Bigor: 3. Mvron. Toto: 41:10. Platz: 20, 17:10. Ferner liefen: Jambus(auSgebr.), Carlchen fgef.). Hexeumeister-Hürden-Autgleich: 1. Komm voran(Schatz): 2. Blanken- stein: 3. Ledum. Toto: 34:10. Platz: 13, 14:10. Ferner liefen: Araber, Lichtstrahl 2, Lortzing. Lorbeer-Ilachrenuen: 1. Tenor(Böhlke): 2. Allenberg: 3. Domfalke. Toto: 23:10. Platz: 13, 24, 24:10. Ferner liefen: Jmmermein, Senator, A. D. R., Caefarron, Piano, Nirwana, Rosenau. Züchter-Preis: 1. Lotta lWolff): 2. Horrido: 3. Altopold. Toto: 75:10. Platz: 23, 106:10. Ferner liefen: Flugschüler(gef)., Zarewitfch(angeh.), Hebe(gef.). Probe-Rennen: 1. Steinbraut(Svehla): 2. ReihauS: 3. Spreewald. Toto: 60:10. Platz: 16, 18. 19:10. Ferner liefen: Rosegger, Maronit, Jo- vita, Elba. Peiracava, Bista, Hanseatin, Grasblüte. Passy- Jagdrennen: 1. Lorenz(Buschke): 2. Cyklop: 3. Markgräfin. Toto: 54:lii. Platz: 21, 14:10. Ferner liefen: Eilflua, OceanuS. Drei Kilometer: 1. Tell lLt. d. Both): 2. Hohe Eule: 3. Siesta. Toto: 32:10. Platz: 13, 13, 13:10. Ferner liefen: St. Georg, Matador, Dämon, Aurelian, Glühwürmchen. Toppelwette: Komm voran— Lotta 280:10. i\ W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Sfnfenbunaen fllt dies» Stubrtf nur an das gugendl-kretariat D Berlin SD 68, Linbenstratze 2, oorn 1 Treppe rechts. Jede Juaendgenofsi» und jeder Zuzcadgcuasie trägt»nfer Abzeichen„Zn- gend aigen Krieg!" Wirtichaitsocschicht«. Die«am Genossen Abraham geleitete Arbeitsgemein» lchait beginnt morgen, Montag. 19% lldr. in der Arbeiterbilbungsichule, Lin» benkir. 3, 2. Hof, II rechts, einen selbständigen Kursus Uber„Wirtschaft«- geschichte". Dauer voraussichtlich 10 Abende. Neue Teilnehmer, auch Anfänger, sind willlommen. heute. Sonntag. 21. August: RordOste« I: Heimabend 18 Ubr Danziaer Str. 62. B. 8.— Gruppe Norden: Fahrt. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Morgen. Montag. 22. August. 20 Uhr: Gewerlschastsha»»: Käpenicker Str. 92. Wilhelm-Busch. Abend.— Hansa: Bochumer Str. 8K. U>. Minuten. Neseraie.— Moobit I: Baden. 18 Uhr Bahn- hos Beusselstrahe.— Moabit II: Brrmer Str. 7g. Bunter Abend.— Sport» valast: S-nthiner Str. 17. Abwehr de» stzaschiomu».— Knmboldthain! 18 lldr Hurrboldthoin Soielen.— Norden: Snielen im Lumboldthaln.— Schisso. park: 18 Uhr Soielen im Schillervark.— Arnewalder Blatz llt Schönlanfer Str. U, 99. 6. Hinein in. Dritte Brich— Falfnlatz l: Sannenburger Str. Gold. oräber in Me-iso.— Fatsn/oN sr Sannenburger Str. 20 Broqromm der NSDAP.— SumonnplaA: Gleimsir. 3.8—8',. Di» faschistische Gefahr in Deutsch. lind.— Nordosten H: Donziger St' 62. S. 8. Schallplattenabenb.— Schön. bauier Borstadt: Sannenburger Str. 2g. Tagcsrolitis.— Andrea»plot> iR.F.): »rommnstk 1. Berufsschul'raaen.— Fri-brichshaiu: Di-Nelmcit'rstr. ä—ss. Bunter Ad-nd.— Darschauor Biertel! Svortplatz ssriedrichihasn.— Warschauer Biertel<89■?!.): Lvortplat! ssriedrichshain.— Kassesche? Tor: Borchstr. 11. Wo» wir wissen woll-n.— Kottdusser Tor: Urbanstr. 167. ssjederabenb.— Luisen. stadt: Wossertorfir. 4."ach London.— Cbarlottoubura»Sitb: Spreeitrakie. Ar. beitszemeinschait.— Spandau: Snortnlatz Wilbolmltrosi-— SaumtSulenweg: �n'gsheid. Srteltn.— vcuf.au>'Jt.-z.'i; Kilssnaenstr 4? Z?.« baut sich unser» Druvvrnnrbeii auf?— Buch: Lokal Sonnet. Potf. ssche Schonomer Strotze. Sichossvlottenodend. We-bode irf Sichten bora Srw-rb»l«s»n,us»mm»nfunst vunftl'ch 18 Uhr Gunterstro«.' 44 W->,S.»b<,>tr» Mitte: BoeStzeno-nfonseren? Gstsab-tbftrchN?, 19, Stach schwerem Leiden ist am II. August unser guter Bater. Echwieaer- und Grotzvarer, Bruder und«chwager Lrnst Hempel im Alter vou 72 Jahren sanit entschlafen. Im Namen der Hinterbliebenen MW. Wiesen str. 41/42. USNd« Bempel. Einäscherung Montag, 22. August. 18:,- Uhr, Krematorium Derichtstratze Herzlichen Danf allen Bermandten, freunden. Genossen und Kollegen. die unserem lieben Entschlafenen Emil Rosanowski die letzte Ehrung und uns ihre Teil» nähme erwiesen haben. ki-su E. Rosanowski T o echter und BrlDitgun. Am 19. August verschied plötzlich nach kurzem schwerem Leiden mein« liebe Frau Vttilie llittelmsvv geb. Ved-e im 54. Lebensjahre. Im tiessten Schmerz Hans KUtelmann. Di« Einäscherung erfolgt am Dien». tag, dem 28. August, 17 Uhr, tm Are. matorium Baumschulenweg. t-xt«? i liefert ler Art Paul Golletx •orvaV- Robert Hern Merlannenetr. S P�ObertieMaiaM Zurück Dr.leoJacoDsohn Zurück Dr. S. Hildesheimer Aageaerxt. Von der ReUe carttck Drlmsi Lehmann F*daar>i für Chirurgie. Nieren*« BUsen'« Hernleiden Prenzlauer Allee 181. Pfänderversteigerung. Die in den Monaten Lttober, Sto» vemder, Dezember t»St versetzten Pfänder kommen, loweil sie nicht erneuert worden sind, zur Versteigerung: «ei»btettung II. Eisafser Str. 74 vom Montag, dem 5. September>982, ad 9 Uhr, IN der�Reiheniol�«! Fahr räder pp./Kteiber, Pelzwerf. Ääiche: Bei Adt-Uung l. Iägerltr. 84. vom Montag, dem 12. September 1931, ab 9 Uhr. in der Reihenfoig,! Juwelen. (Bold, und Silberlachen, Kristall, Fahr. räder. Gegenständ« der Optif. Kleiber P«izwerf. Wasch». Für verfallene Pfänder, welche erst Näch dem Aukttonsbeginn erneuert ober ein» gelöst werden, mutz destimmungogemätz AuktionsgedUhr berechnet werben. Stootltch», c-lhomk. Vnefkasten Ser Ziedattion. JÄLiS« 2'®e,1 b'I Weiterversscherung sind Beiträge in der oem i-w-,'-a,n Einfominen«ntsprrchenden Lohnklass« mindesten» oder in»er Lodnflass» II �Mackn ssnb bei jeb«? Bostanstal.«rhaUlich t Sph. dem aus der Quittungekarte verzeichneten Ausstellung». tage müssen stet« 29 Wochenhetträge rn-nchttt werden»« Einladung zur außerordentlichen Au». schutzsitzuag der Belried-fraafealass«»er Stadt Berli» am Montag, dem 29. August 1982, um 14 Uhr, im Rathause zu Berlin, König, stratze 15—18, Eingang Jildenstratze, Zimmer Nr. 109. Tagesordnung: 1. Satzungsänderung. 2. Verschiedene». Anfragen oder Beschwerden, zu deren Erledigung Akteneinsicht oder ander. weite Feststellungen erforderlich sind. müssen mindesten, drei Tag« vorher beim Borsigenden de» Borstand«» ein. gereicht werden. Bor der Sitzung findet um 12 Uhr In demselben Zimmer de» Rathauses die übliche Vorbesprechung unter den Au». schutzmitgliedern statt. PilnftlicheH Erscheinen ist dringend notwendig, da die Benutung»z«it de» Zimmers beschränkt ist. Berlin, den 17. August 1982. Der Vorsitzende de» Vorstandes der Betriebskrankenkasse der Stadt Berli». Bekanntmachung. Di« Versteigerung der in den Wo. nalen September. Oktober, November und Dezember 19.81 versetzten und nicht eingelösten Pfänder innerhalb der Pfandnummern 44 MO— 46 617 u. 77 484 bis 80 394 findet Donnerstag, 8. September, vormittags 9 Uhr, fit Wäsche, Kleiderpsauder nsw., und Freitag, den 9. September 1982, vormittags 9 Uhr, ISr Gold und Wertsache« im Rathause Sieukölln gegen sofortige Barzahlung statt. Der etwa verbleibende Veikauflüber. Sihi«»ftisl nicht abgehobenen Deträge werden dem Wohlfahrtsamt überwiesen Berlin-Renkolln. 8. August 1982. Städtische» Leihomt in Berlia-Renköllp Am Dounerotag. dem 28. August 1982. werden im Weg« der Zwong»voZ streäung öfsentlt» meistbieiend geger Darzahsang versteigert� lg Uhr: Staat!. Psondkamwer, Säger stratze 64: 2 Tamenputzkdpfe mit Ständer, 1 Frisiertisch. tt Uhr: Friedrichstr. ZW! Ladentisch, 2 Barenregale, Schaufenstervorbau, 8 Hocker. 12 Uhr: Staatl. Piandkamm-r, Slsässer Stratze 74: 1 Klavier, Bü'ett. eng- lisch«» Büfett, Anrichte, Rauchtisch, S Sluhebetten, 2 Schreibmaschinen. 4 Korrmaschinen, 29 Ballen Leine- wand. l» Uhr: Rifterstr.»9- Büromöbel, Re. gale und Stuhle, 2 Zinkwannen, 1 Kanne Glvzerin, 1 Posten ko»me, tische Artikel. Lollstreckuugsstcllen der Finanzämter im Kalkhaltiges Vv� Schaum fori. Das könn«� ' idem, wenn Sie das Wasser �1 mit Henko - Sic verhinafe*.� im Waschkessex- weichmachen. Schütten � -�tsI immer einige Hand- �n Kessel unc . '■'.*!>*iV' •% f-' Vv- 00 co. X'-»'■' -■*__...:'''■.4. HtfktfllcA-�13 m mmmmMw eieich-soda Zum Einuueichen der UUäsche Zum ÜJeichmachen des UJassers ■■ 6.«v 6s* W1 . Nehmen Sie zum Aufwaschen. Spülen und. Reinigen Henkels(jm) eiufenDungtn für btefc Rubrik sind| B(* I i a SB 68, Liudeustraß« 3. parteinachrichten j��für Groß-Berlin I stets os da» Beztrk»serret-riat i. Kos. 3 Treppe» recht».»» richte» Areisobleuke der Zeikungskommission Groh-Verlin: Montag, t«l 22. August, 19.30 Uhr, im Vorwärt-geböbde, Linden- straß« 3, im Zimmer des Verlage», 1. Hof, 1. Treppe links-, Siguug, �'----- ifaflc Zeder fttei» muß durch den Obmann»ertrctcn sei», Vertreter entsenden. im Behindernngesa Beginn aller Veranstaltungen tS>4 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! II. Abt. In diesen Tagen beging unser UN» allen lieber Genosse AKert Wolgast seinen 73. Geburtstag- ein Genosse, der«in Menschenalter in der Partei seinen Mann gestanden hat,<3 Jahre Parteigenosse und Gewert- schaftler, langjähriger Leiter unserer Borwärtospedition Wattstraße und Funktionär der Partei. Die Mitglieder der IS. Abt. wünschen ihm einen stoßen und gesunden Lebensabend. 21. Abt. Unfern Genossen Wilhelm Söppner, Wiefenstraße 37, der der Partei seit 45 Jahren angehört, au seinem 75. Geburtstag« die herglichsten Glück- wünsche. 28. Abt. Unserer in drei Jahrzehnten bewährten Mitkämpferin Berta Ludwig, Aastanienallee 29 zu ihrem 70. Geburtslage die herzlichsten Glückwünsche. 113. Abt. Die Parteimitglieder beteiligen sich heute 15 Uhr an dem Werdcfest der Bohnsdorfer Arbeitersänger im Restaurant„Zur Palme". Kaffeekochen, gesangliche Darbietungen, Musik, Tanz. Eintritt frei. 137. Abt. Die Parteimitglleder treffen sich heute zum gemeinsamen Marsch zum Sommerfest nach Tegel um 13.45 Uhr im Bolkshaus Echarnweberslraße 114. Abmarsch pünktlich 14 Uhr. 138. Sit. Heute gemeinsamer Spaziergang zum Kreissommerfest nach Tegel Treffpunkt 14 Uhr Neu« Bismarckstraße Ecke Albrechtstraßc. Partei, und Eiserne-Frvnt-Abzeichen anlegen. Morgen, Montag. 22. August: 1 Kreis. 20 Uhr Sitzung des erweiterten Kreisporstandes an bekannter Stell«. 19. Kreis. Kreisvorstandssitzung mit Abteilungsleitern an bekannter Stelle. 19. Abi 20 Uhr Funktionärkonferenz bei Stein, Holsteiner Ufer 14. 15. Abt. Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Lenz, Demminer Str. 10. „Freiwilliger Arbeitsdienst— Ardeitsdicnsipflicht— Selbsthilfemaßnahmen der Arbeiterschaft." Referent Friedrich Elchlepp. 28. Abt. 20 Uhr Funktionärsisung bei Rechenberg. 39. Abt. Sitzung der Zeitungskommission in-der Borwärtsspedition, Greifen- Hagener Straße. Abt. 20 Uhr Funktionärsitzung bei Goldfchmibt. Swlpische Straße 38. lsführer 19 Uhr ebenda. 20 Uhr Funktionärfitzung bei Wolter, Saiferin-Augusta-Allee 52. All- SS Erscheinen wird erwartet. 31 52. Bezirksführer 13 Uhr ebenda. IfeuigeBHpHMHBHHHB 5«. Abt. Mitgliederversammlung f. erst am 24. August. 80. Abt. 20 Uhr Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Gürlich, Begas- straße. Fortsetzuno der Arbeitsgemeinschaft des Genossen I. P. Maner: „Das Kommunistische Manifest". 98. Abi 20 Uhr Funktionärsitzung bei Teich. Wa Abt. 20 Uhr Funktionärfitzung in der Kalle am Lufeisen. Wichtige Tages- ordnung. 134. Abt. 20 Uhr Borstandssitzung mit sämtlichen Funktionären bei Sonnet. Dienstag. 23. August: dingt mitzubringen. 7. Kreis. 15 Uhr wichtige Zusammenkunft aller erwerbslosen Parteimitglieder im Jugendheim, Rosinenftraße 4. 8. Abt, ,,unktionärversammlung bei Rickerr. Beginn pünktlich 20 Uhr. II. Ab». Mitgliederversammlung bei Krüger, Hussitenstr. 34 1„Unser Kampf nach der Wahl— Unsere Forderungen im neuen Reichstag." Referent Otto Bach. 33. Abt. Mitgliederversammlung in der Schulaula Hohenlohestr. 10.„Unser Kampf nach der Wohl— Unsere Forderungen im neuen Reichstag". Referent Z. P. Mayer. 55. Abt. 19. Gruppe. Zohlabend bei Röhrig, Schloßstr. 45 Ecke Kebbelsstaße: „Unser Kampf nach der Wahl— Unsere Forderungen im neuen Reichstag". Referent Dr. Gotthard Eberlein. 71. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Rosenau, Parziner Ecke Laubach. straße:„Unser Kamps nach der Wahl— Unsere Forderungen im neuen Reichstag". Referent Hans Nickel, 139. Abt. Funktionärfitzung. Erscheine,, aller Funktionäre unbedingt notwendig. 141. Abt. Reichsdruckcrei. II Uhr Mitgliedcrversammlun« in der Oddsellow- Loge, Alte Iakobstr. 128.„Unser Kampf nach der Wahl— Unsere For- derungen im neuen Reichstag". Referent Mar Lcydemann. M. d. L. Mittwoch. 24. August: Mtgliederversammlungen und Zahlabende mit folgendem Thema„Unser Kampf nach der Wahl— Forderungen der Sozialdemokratie im neuen Reichstag". 1. Abt. 20 Uhr Zahlabend bei Klement, Sophienstr. I. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 4. Abt. Zahlabend bei Brandis, Stralauer Str. 10. Ref. August Pattloch. 5. Abt. Bez. 190/198 bei Pärschke, Georgenkirchstr. 14. Referent Erich Kürschner. 5. Abt. Mitgliederversammlung im Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12. Referent Ehristian Schümann. 7. Abt. Mitgliederversammlung im Nordischen Kos. Znvalidenstr. 126. Ref. Eugen Rosemaiiil. 8. Abt. Mitgliederversammlung im Nationalhof, Blllowstr. 37:„Diktatur— Demokratie". Referent Dr. Salomon Schwarz, 9. Abt. Zahl, und Diotusfionsabeud bei Faber. Referent Genosse Winter. Die jüngere» Parteimitglieder haben mitzuerschcincn. 14. Abt. Mitgliederversammlung im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swine- münder Str. 42:„Notverordnungen der Papen-Regierung". Referent Dr. W. Hanifch. 15. Abt. Zwei Mitgliederversammlungen ,bei Müsch. Brunnenstr. 140. Ref. Oswald Zienau, bei Kurkowsti, Feldstr, 3, Referent Gustav Sädlcke. 18. Abt. Mitgliederversammlung in der Löwenbrauerei, Hochstr. Referent Genosse Biihrig. 19. Abt. Mitgliederversammlung in der Schulaula, Eothenburgstr. Referent Jockel Meier. 29. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Dabbert, Schulstr. 06. Referent Dr. Herberl Gcichmann. 21. Abt. Mitgliederversammlung im Schraderhaus, Malplaguetstr. 14/10, Ref. Dr. Gerhard Kreyßig. 22. Abt. In der Hochschulbrouerei See- Ecke Amrumersst. Mitgliederversamm- lung. Referent Kenri Drunsel. 23. Abt. Mitgliederversammlung in der Kochschulbrauerei See. Ecke Amrumer- Straße. Referent Dr. Theodor Kaubach. 24. Abt. Mitgliederversammlung im Altersheim, Danziger Str. 02. Referent Mar Keydemann, M. b. L. Bor dem Referat wird auf Säiallvtatten das Lied der„Eisernen Front" eingeübt. Liedertcxte werden ani Eingang des Lokals gratis abgegeben. 24» Abt. Abteilungsvcrsammlung findet erst am 31. August statt. 25. Abt. Mitgliederverfammlung findet erst am 31. August statt. 26. Abt. Mitgliederversammlung im Saus der Arbeitersamariter, Iostystr. 4. Referent Siegfried Leo. 27. Abt. Mitgliederversammlung in den Schönhauser Festsälen. Schönhauser Allee 129. Referent'Otto Schweitzer. 28. Abt. Zahlabende in den bekannten Lokalen,.Gruvve 5. Referent Dr. Paul »rische„Knlturrealtion", Gruppe 2, erst am 31. August. 29. Abt. Zahlabcnde in de» bekannten Lotale». Genossen, die noch im Besstz Gr. Frankfurter Str. 80. Ref. Litauer Str. 18. Referent Dr. von Fahnen find, müssen diese am Mittwoch abliefern, sonst gelten fit als verkauft. . Abt. Mitgliederversammlung in den Easinofestsälen, Pappelalle« 15. Ref. Richard Barth. 31. Abt. 20 Uhr in der Schulaula, Schönfließer Str. 7. Referent Dr. Richard Mischler. 32. Abt. Mitgliederversammlung bei Ewest, Eottlieb Reese. 34. Abt. Mitgliederversammlung in der Schule Theodor Eassau. Die Bezirksführer werd Dampferfahrt am 28. August auf der Mitgliederversammlung abzurechnen. 35. Abt. Mitgliederversammlung im Frankfurter Kof. Frankfurter Allee Ecke Proskauer Eft. Referent Georg Stieglitz. 37. Abt. Mitgliederversammlung am 24. August fällt aus. 38. Abt. 20 Uhr bei Ewest. Gr. Frankfurter Str. 30. Mitgliederversammlung. Referent Dr. Walter Groß:„Bor und nach dem 20. Juli." 41 Abt. Mitgliederversammlunq im Friesenschlößchen. Friesenstr. 14. Referent Simon Katzenstein. 42. Abt. Mitgliederversammlung in Klein'? Festsälen, Blücherstr. 81. Referent Franz Künstler, M. d. R. 43. Abt. Mitgliederversammlung im Märkischen Löf. Admiralstr. 18c. Referent Sans Bauer. Die Bezirksführer laden ein. 45. Abt. Mitgliederversammlung in der Echul-Aula. Forsterstr. Eingang Rei- chenbberger Str. Referent Dr. Siegftied Rosenfelb, M. b. L. 49 Abt. Mitgliederversammlung erst am 31. August. 47. Abt. Mitgliederversammlung im Saal 1 des Gewerischaftshaufes, Engel- ufer. Referent I. P. Maner. 48. Abt. Mitgliederversammlung im Dresdner Garten, Dresdner Str. 45. Referent Fritz Schmidt. Die Mitgliedsbücher ssnd als Ausweis mitzu- bringen. 51. Abt. 20 Zahlabende in solgenden Lokalen: Schelldach, Konigin-Elisabeth- Straße I.„Aufgaben und Ziel sozialistischer Bildungsarbeit". Referent Dr. Broecker, Iamin, Sophic-Charlotte-Str. 88. Referent Walter Friedländer, Holtmann, Sophie-Eharlotte-Str. 78. Referent Dr. Hubert Krüger. 53. Abt. Mitgliederversammlung im Lokal.„Zum Nußbaum". Inhaber: Last, Plötzensee Str. 12. Referent Dr. Kreil. 54. Abt. Mitgliederversammlung im Jugendheim. Rofinenstr. 4 Referent Dr. Elsbeth Weichmann. 35. Abt. 9. Gruppe. 20 Uhr Zahlabend bei Reimer, Wilmersdorf«? Str. A Ecke Kanalsir. Referent Bruno Majonnek. 51. Abt. Abteilungsverfammlnng nicht am 22., sondern am 24. August bei Iaskowiak. Holzendorfftr. 20.„Die heutige Rechtsprechung"—„Iustizkrise". Referent Iustizrat Dr. Werthauer. 57. Abt. Mitgliederversammlung im Schiller-Restaurant, Bismarcks»:. 110: „Unser Kampf für Freiheit und Recht". Referent Dr. Richard Lohmann. 19. Abt. Zablabende in den bekannten Lokalen. Referenten: Gen. Abter. Dr. Hans Wiener, Dr. M. Echömann. Hugo Poetzsch, Lotte Mayer. 92. Abt. Bezirk Haselhorst, 20 Uhr Zahlabend im Lokal.„Zum alten Erer", Gartenfelderstr. Referent Erich Wendicke. nau. Referent Dr. Otto riedländerF: P7:.tz:strUr!>goveumIdwyrdqopcdmfIhy 31, Abt. 20 Ubr Mitgliederversammlung im Bürgerfaal des Rathauses Friedenau. Referent Dr. Otto Friedländer. 99. Abt. Zusammenkunft jünaerer Parteimitglieder bei Düben. Fulda» Eck« Welerstr.„Das kommunistische Manifest und die Gegenwart". Referent Dr. Sein, Paechter._, 99a Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Buschkrug Rudower Str. Ref. Dr. Hans Arons.„ 102. Abt. Außerordentliche Mitgliederversammlung hei Bieler„Alte, Gier- Häuschen". Referent Friedrich Stampfer. M. d. R. Das Mitgliedsbuch ist zur Kontrolle mitzubringen....... 119. Abt. Mitgliederversammlung im früheren Arbeitsoplt Schretberhauerstr./ Marktftr. Referent Dr. G. Eberlein. 118. Abt. Zwei Mitgliederversammlungen und zwar: Gruppen BImnberg, Mier bei Tempel, Gudrunstr. 7. Referent Hans Marr. Gruppen ...... Dabant bei Hartmann, Irenen» Ecke Zwsenfelderftr. Referent Kurt Großmann. Die Mitgliedsbücher find als Ausweis mitzubringen. 123. Abt. 20 Ubr Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder bei Hübner, Wilhelm. Ecke Bahnhofstt,„Heiteres aus der Literatur", Portragender Henry Reiff....» � �« 139. Abt. Mitgliederversammlung im„Alten Krug". Hauptstr, Res, August Niemann..,,.„„ � t49a Abt. 20 Ubr Mitgliederrerfammlunq bei Heese. Reinickendorf-West. Ber- liner Str. 73, Referent Dr. Franz Reumann- 3- Krei». 12. Donnerstag. 25. August: 16 Uhrie größtenteils verloren, weil sie nicht oirzinsbar sind. Die Unter- uchung des Konjunkturinstituts Westen schätzt für die acht unter- uchten größten Ruhrkonzerne dieAufwendungen für Neubauten und Erweiterung der Werksanlagen von 1926 bis 1936 auf 866 Mil- ionen Mark. Diese Ziffer- scheint noch zu niedrig gegrisfen, da ein teil der Selbstsinanzierung aus den Geschäftsberichten nicht erficht- ich ist. Dazu kommen noch die Anlagenzugänge nach 1936. Man vird die Neuinvestitionen im Steinkohlenbergbau und in der Zroßeisenindustrie aller Bezirke seit 1926 mit 1,5 bis 2 Mil- iiarden Mark annehmen können. Außerdem: Schon in der Rohstahlprodukt. ca. 23 Inflation war mit fast kostenlosen Bankkrediten ein fieberhafter Anlagenausbau erfolgt. Die% Milliarden Entschädigungsgelder wurden gleichfalls größtenteils für Werkerweiterungen noch vor 1926 verwendet. Die Feststellung ist keine Uebertreibung, daß die Schwerindustrie in der Nachkriegszeit Milliardenbeträge zum großen Teil nutzlos investierte und damit den ä r g st e n industriellen Krisenherd in Deutschland züchtete. In großem Umfang wurden fremde Mittel verwendet. Das Konjunkturinstitut errechnet für die acht gemischten rheinisch-west- sälischen Konzerne eine Schuldenlast von 1,6 Milliarden Mark, davon fast die Hälfte kurzfristige Schulden. In welcher unverantwortlich unsoliden Weise diese wirtschaftlich sinnlosen Expansionen finanziert werden, dafür zeugt der Waldhausen-Konzern, der noch 1929 mit kurzfristigen Bankkrediten Zechen- und Kokereineubauten vornahm und der heute mit einer Schuldenlast von fast 166 Millionen Mark, davon zwei Drittel kurzfriltige. auf der Strecke liegt. Seit 1926 haben allein die großen gemischten Ruhrkonzerne 356 Millionen Mark neue kurzfristige Schulden aufgenommen.„Unter den derzeitigen Schuldenverhältnissen ist die Ver- lustgefahr des Eigenkapitals besonders ernst ge- worden", so urteilt das Konjunkturin st itut! Wer hat man je ein Eingeständnis der Schwerindustrie vernommen, daß sie sich verantwortlich fühlt, wie es sich für an- ständige Kapitalisten geziemen würde? Im Gegenteil: Durch Lohn- druck und Subventionen versucht sie bis heute die Verluste auf Belegschaften und di� Allgemeinheit abzuwälzen! Das übermäßige Elend der Massen, ein großer Teil der Arbeitslosigkeit, die Löcher in der Kreditversorgung, die rückgängige Konkurrenzfähigkeit vieler Exportindustrien gehen aus Kosten dieser schwerindustriellen Ab- wälzungsoersuche! Auch die Wissenschaft verlangk die Verstaatlichung. Im Sammelwerk des Vereins für Sozialpolitik über die öffentliche Untersuchung begründete Unioersitäts pro- fessor Ritschl diese Verstaatlichung wie folgt: „Bergbau und Schwerindustrie erfordern die Vergemein- schaftung, aber nicht bloß um dieser Schlüssel st ellung willen, sondern auch, weil hier gerade die Ueberkapazität am stärksten entwickelt und die fixen Kosten überwiegend sind... Es bleibt kein anderer Ausweg als die Aus- dehnung des gemeinwirtschastlichen Systems, die Ueberführung der Schlüsselstellungen der grohgewerblichen Produktion in öffent- liche Unternehmen, wenn dem monopolistischen Kartellwefen, das dem Verbraucherinteresse und dem volkswirtschaftlichen Gesamt- interesse widerspricht, das Handwerk gelegt werden soll. Diese Mißstände, Ueberteuerung des Verbrauchs, Verschleudern der Schätze des nationalen Bodens und des Produktes der natio- nalen Arbeit im Dumping, und unerhörte Verschärfung der Konjunkturen verlangen gebieterisch eine durch- greifende Aenderung des Systems... Der Widerstand gegen eine entschlossene Verstaatlichungspolitik des Reiches würde nicht groß sein, zumal die liberalistischen Parteien im Parlament auf geringe Reste zusammengeschmolzen sind... Der ervitternde und das Volksleben vergiftende Kampf zwischen der Arbeiter- schaft, der Großindustrie und dem Bergbau wird aushören... Diese Vergemeinschaftung des Bergbaus ließe sich in- mitten der Krise beginnen, sie würde zu der erforderlichen Preissenkung und damit zu einer starken Belebung der Produktion führen." Das ist Begründung für die Verstaatlichung der Schwerindustrie genug. Berliner Konsum. Llmsatzsteigerung im Zuli. Die Konsum-Genoisenschosl Berlin und Umgegend erzielte im Monat Juli 1932 einen Gesamtumsah von 3 582 475,37 Mark, was gegenüber dem Vormonat eine kleine Steigerung bedeutet. Die konsumgenossenschastliche Sparkasse konnte im Lause des Monats 149 neue Sparbücher ausstellen und 235 827,38 Mark Einzahlungen entgegennehmen. 1652 Haushaltungen schlössen sich im Juli der Berliner Verbraucherorganisation an. eine bedeutende Zunahme gegenüber den Vormonaten. Im Geschäftsjahr 1931 32 betrug der Gesamtumsah 57 266 697,41 Mark. Berücksichtigt man bei der Betrachtung dieses Ergebnisses die erheblich gesunkene Sauskraft gerade der arbeitenden Bevölkerung und die seit dem Vorjahre eingetretenen Preisrückgänge, so ist die wertmäßige llmsahverminderuag gegenüber dem voraus- gegangenen Geschäftsjahr als natürlich anzusprechen. Ltm Belgiens Kohleneinfuhr. Neue Verhandlungen zwischen Belgien und Oeukschland. Wer geglaubt hatte, daß der Abschluß des Vertrages von Duchy zwischen Belgien, Holland und Luxemburg, der den schritt- weisen Abbau der Zollmauern zwischen den Vertragsländern vor- sieht, einen Wendepunkt in der europäischen Handelspolitik zum Freihandel hin bedeutet, der sieht sich bitter enttäuscht. Belgien macht zur Zeit die größten Anstrengungen, seine Einfuhr durch schärfere Kontingentierungen zu d r o s s e l n. Es verhandelt nicht nur um eine Herabsetzung der Kohleneinfuhr, sondern auch die Ein- fuhr von Holz, Automobilen und Filzen soll beschränkt werden. Von Deutschland war bekanntlich auf einer Kölner Konferenz verlangt worden, einer Halbierung des Kontingents für die Ruhrkohleneinfuhr zuzustimmen. Die belgischen Kohlenproduzenten wollen gerade die Zeit des Bergarbeiterstreiks benutzen, ihre Halden- bestände zu verkaufen und sich finanziell zu entlasten. Die deutschen Vertreter forderten, daß die belgische Regierung Einfuhr von Kohlen nicht st ä r k e r als die belgische Kohlenproduktion einschränken sollte. Nach Abbruch der Kölner Verhandlungen tauchten Nach- richten auf, daß die belgische Regierung ohne Rücksicht aus die bestehenden Abmachungen die Kohleneinsuhrkontingente herabgesetzt habe. Diese Nachrichten werden dementiert. Vielmehr werden in den nächsten Tagen in Brüssel Verhandlungen zwischen Ver- tretern beider Regierungen über die Frage der deutschen Kohlen- einfuhr nach Belgien stattfinden. Deutschlands Krastfahrzeugproduktion. Starker Rückgang gegenüber Vorjahr.- Günstige Eni« Wicklung der Ausfuhr. Im ersten Augustheft von„Wirtschaft und Statistik" werden die Ziffern für die deutsche Krafsahrzeugproduktion im ersten Halbjahr 1932 gegeben. Danach wurden 22 116 Personenwagen hergestellt, das find etwa 4 6 Proz. weniger als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Die Produktion von Lastwagen(3928 Stück) ist gegenüber dem Vorjahre sogar um mehr als die Hälfte zu- rllckgegangen. Wie sehr der Absatz von Kraftsahrzeugen von der Entwicklung der Kaufkraft abhängig ist, zeigen die Ziffern für die Produktion von Krafträdern. Die Herstellung von Großkrast- rädern(6666 Stück) ist nämlich auf die Hälfte zurückgegangen, aber die von steuerfreien Kleinkrafträdern hat sich mit 18 165 Stück a u f der Vorjahrshöhe gehalten. Da der Gesamtabsatz von Kraftfahrzeugen in Deutschland seit 1936 ständig noch st ä r k e r als die deutsche Produktion gesunken ist, ist der Anteil ausländischer Fabrikate im deutschen Gesamtabsatz dauernd gesunken. Dagegen hat sich die deutsche Ausfuhr gün- stig entwickelt. Die Ausfuhr von Personenwagen erreichte mit 4222 Stück fast ein Fünftel, die von Lastkraftwagen(1619 Stück) mehr als ein Viertel der deuffchen Produktion. Die Ausfuhr von Krafträdern ist mit etwa 6 Proz. der Produktion ziemlich be- deutungslos. Wie stark infolge des Kaufkraftschwundes der Zwang, zu kleinen und billigen Fahrzeugen überzugehen, war, zeigt sich darin, daß 5l Proz. der deutschen Personenwagenproduktion auf die klein- sten Wagen mit 1,5 Liter Hubraum und rund 96 Prozent aus alle Kleinwagen bis 2 Liter Hubraum entfielen. Auch bei Last- und Lieferwagen kamen zwei Drittel der Produktion auf die leichten Fahrzeuge bis zu zwei Tonnen Eigengewicht. In der Kraft- radindustrie kommen 75 Proz. auf die steuerfreien Kleinkrasträder. Um so befremdlicher wirkt ein Beschluß der Kraftsahrzeugprodu- zenten, die Preise für die schweren Motorräder zu erhöhen.(!!) Als ob deren Absatz dann nicht noch stärker— von 1931 zu 1932 hat er sich halbiert— sinken muß, da dann noch mehr Interessenten zu den kleinen und billigen Krafträdern übergehen. Das Flickwerk von Ottawa. Schwierige Verhandlungen bis zum Schluß der Konferenz. Am Sonnabend ist die R e i ch s k o n f e r e n z des Britischen Empire in Ottawa feierlich beschlossen worden. Nachdem England mit den übrigen Dominien schon zu einer Einigung gelangt war, wurde Freitagabend das Abkommen zwischen England und Kanada, von dem allein der Erfolg der Konferenz abhing. abgeschlossen. Am Sonnabend wurden die Verträge von den Ver- Handlungskommissionen Englands und der Dominions unter- zeichnet. Bekanntgegeben wird aber der Inhalt der Verträge erst dann, wenn die Parlamente die Ratifizierung vorgenommen haben. Darüber können noch Monate vergehen. Das Ergebnis der Verhandlungen der Reichskonferenz bedeutet nach den Worten der Londoner„Financial News" eine starke Er- nüchterung für diejenigen, die einen großangelegten Plan für die Verwirklichung der Wirtschaftseinheit des englischen Weltreichs erhofft hätten. Ein anderes Blatt bezeichnet die Ergebnisse der Konferenz einfach als„Flickwerk". Die Verhandlungen mit Kanada gestalteten sich bis zum letzten Augenblick außerordentlich schwierig. Kanada hatte von England verlangt, daß dieses sein Handelsabkommen mit Ruhland kündige, um Kanada größere Vorteile, besonders in der Einfuhr von Weizen und Holz, einräumen zu können. Schließlich hat man sich dahin ge- einigt, daß England versprach, mit schärferen Mitteln gegen das Dumping vorzugehen. Daß mit diesen Dumping-Abwehrmaß- nahmen in erster Linie der russische Handel getroffen werden soll, geht aus der merkwürdigen Definition des Wortes Dumping hervor, die die Konferenz festgestellt hat. Danach ist Dumping„das Ergebnis eines ständig kontrollier- ten Handels", womit nur das russische Außenhandelsmonopol gemeint fein kann. Auch die Hoffnung, den englisch-irischen Zollkrieg durch Verhandlungen der Delegierten beider Länder in Ottawa beilegen zu können, hat sich nicht erfüllt. Da der Inhalt der in Ottawa getroffenen Vereinbarungen nur sehr unvoll st ändig bekannt ist, kann man vorläufig die Trag- weite des Konferenzergcbnisses nicht überblicken. Soviel ist sicher — das Ergebnis ist noch magerer als der größte Pesiimist er- warten konnte. England hat große Opfer bringen müssen; die dafür erreichten Vorteile sind sehr problematischer Natur. England hat den Dominien in der Butter-, Käse- und Bier- einfuhr Vorzugszölle zugestanden. Kanada besonders mußte eine bevorzugte Behandlung in der Holz- und Weizeneinfuhr ver- sprochen werden. Die Folge davon wird sein, daß England auf seine Weizeneinfuhr Zölle erheben muß, die eine Verteuerung der Lebenshaltungskosten nach sich ziehen. Es ist den eng- lischen Unterhändlern allerdings gelungen, Fleischzölle für England zu vermeiden.. Aber doch nur so, daß sie eine K o n t i n g e n- t i e r u n g der Fleffcheinfuhr versprachen, bei der die Dominions bevorzugt werden. Den Hauptnachteil dieser Regelung dürft« Argentinien, der beste Kunde für englische Fertigwaren, davontragen. So bilden die Beschlüsse der Konferenz von Ottawa eine schwere Gefahr für den englischen Fertigwarenexport. Die deuffche Sleinkohlensörderung ging im Juli auf 8,15 gegen 8,18 Mill. Tonnen im Juni zurück. Di« Kokserzeugung sank von 1,55 auf 1,51 Mill. Tonnen. Im Braunkohlenbergbau brachte die Förderung in Mitteldeutschland und im Rheinland von 9,68 Mill. Tonnen Rohbraunkohle(16,25 Mill. Tonnen) und die Briketterzeu- gung von 2,57(2,86) Mill. einen neuen Tiefstand. Großhandelsindex weiter gesunken. Die vom Statistischen Reichs- amt für den 17. August errechnete Indexziffer der Grohßhandcls- preise ist mit 95,6(1913~ 166) gegenüber der Vorwoche(95,8) um 6.8 Proz. gesunken. Preisrückgänge waren vor allem bei landwirt- schaftlichen Erzeugnissen und bei industriellen Fertigwaren zu ver» zeichnen. - r.■ MWM Unser Programm f Im Rose-Garten tgl. 530 Variete u. 815„Frühlingsluft«* bis 31. August: l im Rose-Theater tgl. 830,Sonnt.600u.900,. Herzdame** Pressestimmen: Traut« Roie,«In« der«chtesten Volk*. •chauspielarlnnen, dl« m heut« In Berlin gibt. Nachtausgabe DI« Roses haben mit der Neueinstudierung der„Frühllngsluft" wieder glänzende Arbeit getan. Das Publikum bereitete de« Verantwortlichen und Mitwirkenden, In erster Linie Traute und Willi Rose, Mario Lerch, geradezu Ovationen. Berliner Tageblatt Beide Aufführungen,„Frühllngsluft" und „Herzdame", hatte Paul Rose inszeniert— eine verblüffende Leistung. Das Publikum war außer Rand und Band und lieferte ein« Serie von Beifallsstürmen, die einen Rekord darstellen dürften. Berliner Börsen-Courler In Vorbereitung: Die hochinteressante Uraufführung von Dr. Carl Credet.Aerzte im Kampf Premiere: 1. September Paul Rose Hans Rose Vvilii Kose ; inllllllllilllllllllli „Frühlingsluft" nur bis 31.8. Trotz des Riesen- Erfolges . es Ifsuts nose wn Rose Alice ßi.djrnagei Marhierclt H- bicrier, Jlse Koic-VoJIborn, G- H. Schnell, H. Sterler, H, ftarko (Szenenbild aus„Herzdame" von Rudolf Presber) Wesentliche Vorzüge unseres Abonnements: Keine Einschreibegebühr(bis 31. August) Freies Programm— freie Garderobenabgabe 12 Vorstellungen im Jahr(6 musikalische Werke, 6 Schau- und Lustspiele) Keine Verlosung der Plätze, sondern feste Stammsitze nach freier Wahl Vorstellungen für Abonnenten sind: von Montag bis Sonnabend 8.15 Uhr Sonntags 5.30 und 8,30 Uhr Preise pro Vorstellung: Von 0.30 bis 1.75 M Zahlungsbedingung: Es ist immer nur 1 Vorstellung im voraus zu bezahlen; also bei der Eintragung die 1., am Abend der 1. Vorstellung die 2., usw. Melden Sie sich bitte persönlich an! Nur ein Besorgungsgang ist erforderlich! Bürostunden im Rose- Brettl täglich(außer Sonntags) durchgehend von 10—7 Uhr. Die eingesandten Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Posteinganges bearbeitet Weichen'Platz ahenniere ich? Wie hemme ich ins Ptcse-'Zhenterf Abo n nements- Preise: I. Orchester-S«ssel nur M 1.75 II. Orchester-Sessel nur M 1.50 I. Proszenium-Sessel nur M 1.25 II. Proszenium-Sessel 2. Reihe nur M 1.— Ii. Proszenium-Sessel 3. und 4. Reihe nur M 0.70 I. Parkett Sessel nur M 1.— Ii. Parkett nur M 0.75 III. Parkett nur M 0.60 I. Rang Sessel Mitte nur M 1.40 I. Rang Sessel Seite nur M 1.-— I. Rang Balkon(ausgezeichnete Mittelplätze) nur M 0.90 L Mittel-Rang nur M 0.30 einschließlich Programm und Garderobe ★ Keine Einschreibegebühr! (bis 31. August) lohleeucter Ba*>be« P-B*hn Linie£ AUzaedee. pUte- Fnedncb»f«ld« m .ÄA u SueC»-' mumm Tßntester Bisset '&ihe 21 I.OrmesUr-S& n««rf JW«r fUtu hier ausscJineMee eoe Wieviel Plätze wünschen Sie f, Welche Platzgattunff- Welchen Tagt—--■ Wann Sonntag*?(S.30 oder 8.30!) Vor- ond Zuname:- Adresse Eiiuuaenden M die Verwmltunf de, ROSE-THEATERS. SerOn OtT, GroBe Frankfurter Str. t«t, E 7 TT all kill 3422. Poetscheck; Berlin ea4*V. Aef Wensch»»edae wir Ikeea eneern reick UHictHerten Werbeprospekt. Neueinfiihrung! Volks-Vorstellungen im Abonnement, und zwar jeden Mittwoch S1'' Uhr Ungekürzte Aufführungen in erster Besetzung! Einschl. Proerramm u. Garderobe GSflZ klBillG PfBiSC! I. Proszeniums-Sessel....... 1— II. Proszeniums-Sessel 2. R 0.75 3. und 4. Reihe....... 0.50 I. OrchesterrSessel........ 1— II. Orchester-Sessel........ 0.90 Parkett-Sessel........... 0.75 II. Parkett............. 0.40 III, Parkett........... 0.30 Keine Einschreibe�ebühr I. Rang-Sessel Mitte...... I. Rang-Sessel Seite...... i. Rang-Balkon......... I. Mittel-Rang........... Benutzen Sie für ein Volksvorstellungfs-Abonnement auch den obenstehenden Ausschnitt! Für die Spielzelt 1932/33 sind folgende Werke in Aussicht genommen: G.».„v»r H»uptrn»nn von Köpenick" von Zucitmtxsr,„Ver Hazenfellhandier�'(Er,t,ufführung für Berlin) von Hormann 5ud«rm»nn.„proie 8»hn Uem Tüchtigen"(Ersaufführung für Berlin) von Hlnrlcbv„Böhmische HMsikenten"(Ersaufführung für Berlin) von ßernhtrd Grün, Komponist für Berlin neu.„Zig�unerbaron" von Johann StrauS,„Die Räuber" von Fr. v. Schiller,„Ist da« nicht nett von Colette?" von WMIy Rosen, „Per Rasteibinder" von Franz Lohir,„Die lustig« Witwe" von Franz Lehir,„Das tüOe Mädel" von Heinrich Reinhardt. Achtung! Auswärtige Besucher! Für auswärtige Besucher sind die am günstigsten gelegenen Serien die Sonntags-530-Uhr-Serien Wer bis 31. August dem Abonnement beitritt, zahlt keine Einschreibegebühren I �i7r Funkausstellung 1932 Ola neue Theater, Lichtspiele usw. SCAtA Tägl. 5 u. 8>i Uhr. Barbarowa 9256 IUCIIIE PAGE m. Ihrem DINOSAURUS DIE STARS DER WELTI 5iLll15.Stl|.2.5.l16D. biiluiA-liiiiDlirui: >m, siin. ni. Kabale u.Uebe Staats TDcaler staatsoper unter den Linden Wiederbeginn der Spielzeit Donnerstag, 1. September, 20 Uhr: Siziltanfsche Vesper Dirigent: Kleiber de Strozzi. Rnziczka, Wittriidi, Gro�mann, List, Abendroth Beginn des Vorverkaufs: Sonntag, 2i. August, bei den bekannten Verkaufsstellen. staatliches Schauspieiha us Wicderbctfina der Spielzeit Sonnabend, IT. Aagmt, 20 Uhr: E g m o n I Otto. Franck, KoppenhBier, MOthel, Belke. Mlactti Beginn des Vorverkaufs: Sonntag. 21. August, bei den bekannten Verkaufsstellen WM d Uhr 15. Flors 3454. fiansiea en. Taps ft Tempo, RemosComp. 4Richys, Sealtiel,M.&C Mayo Levanda, Hunter& Bobette usw. Heute 2 Voratellungen 4 0.6.15 Uhr. 4 Uhr klolne Preise MARMOR HAUS FRlEDR KAySSLER-HERTHÄ THIEU BRAUSE WETTER. ERNA MOBENA RESGIE-RUD. MEINERT täglich 7.9« SONNTAGS 5.7.9« Stadl. Oper Charlottenburt BismarckstraBe 34. Sonntag, 21. August Turnus IV Friedemann Bach Malkin. Schirach, Friedrich, Ludwig, Hflsch. Baumann, Gombert, Qonszar Anfang 20 Uhr Ende nach 22,30 Uhr Theatenwestens T i g I I c h «V» Uhr mdiarij Mi: In Dreimäderl- haus «Thealer Im. AdmlraisDaiast Premlere Kontij. 22. Aug.. B Uhr, Bltta Aipar Katharina Hose- t healer rni, Fnnltirtir Smli«2 Ttl. Wildnil E 1 3422 5 und 9 Uhr Herzdame GartenbUhne 5 Uhr Konzert n. Variete Prdhilnqsiuli Schiller Irolmanslr. 70/71 Btalnpl.(C 1) 97» Ab 1. September tAglich U Uhr ,, Die versunkene Glocke" zur Feiet d.70.3e- bortstages von herhert Hauptmann TAglich Sendadorbietungen dar Barlinar Funkatunda mit Nachmittags- and Abendprogramm. Jadar Ausstaltungs- besucher hot: Celeganhail, soweit Fiöiza varfügbor, den groBan Sendadorbiatungen kostanlos beizuwohnen B■ Hochintorzisante Sonderausstellungen der Deutschen Reich«- ppst, der Reichsrundfunkgesellschaft und der Heinrich Hertz- Gesellschaft, wie Fernseh-Versuche mit dem neuen Ultra- Kurzwellen-Sender, Störschutz-Ausstellung mit praktischen Vorführungen, elektrische Hausmusik für jedermann u.a.m. 1 1 Ober 300 Aussteller zeigen umwälzende Fortschritte u. Verbesserungen o. all. Gebieten dereiektroakustischen Industrien ■■ lausende von Geschenken werden an die Besucher verteilt Geöffnet täglich von 9,30— 20 Uhr, Funlcturm- garten und Deutaches Dorf bis 23 Uhr Auf dem groBen Freigelände mit dem herrlichen Terrassen garten 1 Sonderausstellung „Das Anbauhaus und der Kleingarten- Eintritt für Funkausstellungsbesucher 25 Pf. durch% � rermlttelt die"Ö# Uoihsbühne E. u. Jedes Mitglied erhält jährlich 10 bis 11 Vorstellungen 1 1 bis 2 Vorstellungen im Tb. am BOiouipiatz I in der staatsoper Nachmittagsabteilungen mit 6 Vorst, im Th. am Bülowplatz(Sonntag nachm.) und 1 Oper Auf Wunich stets euch 2 Vorstellungen im Scfailier-Theater Charlotienburg Vorstcllungsbcsu cb auf allen Plätzen 1.50 JUarß Nachmittaes-Vorstellungen 1.10 M.:: Opern-Vorstellungen 2.50 M. Keine Vorauszahlungen. Auslosung der Plätze vor jeder Vorstellung Zahlreiche Sonderveransialtnngen(Musik, Tan«, Kabarett) Ohne Mitgliedschaft in der Volksbühne E. V. lerner Abonne ments für 10 Vorstellungen des Theaters am Bülowplatz. Feste Plätze nach eigener Wahl. Vorparkett: 5,-, 4,50 u. 4.- M(Kasse: 8 7,-, u.6,- M); Parkett: 3.50, 2,70, 2,- u. 1,80 M (Kasse: 5-, 4,-, 3,- u. 2,50 M); 1. Ring: 4.-. 3,50, 2,70 u. 2,- M(Kasse: 6,-, 5.-, 4,- u. 3,- M); 2 Ring: 1.80 M(Kasse: 2,50 M): Vorausbezahlung der beiden letzten Vorstellungen. Bei sofortiaerBezahlungsämtl. 10 Vorstellungen 5% Rabatt. Aus dem Spielplan: THEATER AM BÜLOWPLATZ STAATSOPER Gogol: Der Revisor/ Hauptmann: Die Ratten/ Pagnol: Fanny/ Hay: Das Neue Paradies/ Zuckmayer: Schinderhannes/ Raimund: Alpenkönig und Menschenfeind/ Shakespeare: Maß für Maß/ Castonier: Die Sardinenfischer/ 'oachimson und Schiffer(Musik von Jpolianski): Das Haus dazwischen/ Ebermayer und Mann: Prof. Unrat/ Künstl. Leitung: Heinz Hilpert In Hauptrollen: Hans Albers/ Curt Bois/ Eugen Klopfer/ Otto Wermcke/ lacoTj Tiedtke/ Ernst Karchow/ Erhard öiedel/ J. Almas/ Paul Verhoeven/ Artur Mainzer/ Käthe Dorsch/ Camilla Spira/ Brig. Horney/ Käte Haack/ Maria Fein/ Lotte Stein/ Genia Kurz usw z Wagner: Der fliegende Holländer/ Mozart: Cosi fan tutte/ Verdi: Rigoletto/ Der Maskenball/ Falstaff/ Die Sizilianische Vesper/ Schillings: Mona Lisa/ Mas- cagni: Cavallena rusticana/ Leoncavallo: Bajazzi/ Joh. Strauß: Eine Nacht in Venedig/ Wiener Blut usw. SCHILLER-THEATER Hauptmann: Die versunkene Glocke/ Wellenkamp: Theres geht vorüber/ Wal- lace u. Roth: Platz oder Sieg/ Stolz: Wenn die kleinen Veilchen blühn/ Shakespeare: Der Widerspenstigen Zähmung/ Corrinth: Hallo! nur Mut/ Ein Berliner Volksstück mit Musik u.a.m. Prospekte und Anmeldungen in 200 Zahlstellen, u a. bei sämtlichen Theaterkassen der Firma Tietz. im K.d.W.. in der Volksbühnen- Buchhandlung, KöDenicker Straße 68, sowie in der Hauptgeschäfustelle, C 25, LlnlenstraBe 227(Th. t. Bülowplatz) D 1 Norden 2941.— Abonnementsbestellungen ausschließlich im AbonnemementsbQro, C 25, Linienstraße 227, O 1, Norden 2944 •v.uhr CflSIIIO- THEATER-'.Uh. Lothringer Strohe 37. iiiiutnuiniitiiuiiiiiiuiiMiiii II IUI IIIIIIIIIHI IIIIIIIIIHIMIIIItllllOI Berlin wird wieder lachen I Ab Frsltag, den 26. August Annemarie das kleine TanzmSdel Volksoperelte.— Musik von Gilbert Vorher ein bunter Teil. Preise 0,50 M, 0,75 M. und J,— M, Aneh ttonnta« abend. 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Die Leute grüßten zu Baraes hinein, besonders die Frauen und Mädchen. Wie hätten sie auch gleichgültig an einem Haus oorbeigehen können, in welchem der Witwer einer noch lebenden Frau wohnte. Vielleicht wollten sie in seinem Gesicht forschen, ob er sich kränkt? Oder Aus- schau halten, ob sie etwa plätzlich auch die Frau dort im Hausflur erblicken werden? Auf dem Laude ist es etwas ganz Ungewohntes, daß zwei Menschen auseinandergehen, wenn der Priester sie einmal oer- eint hat. Baracs erwiderte jeden Gruß nur mit einem stummen Nicken. Als auch der letzte Kirchgänger an dem Haus oorbeigefornmen mar, warf sich Baracs Ranzen und Mantel um und rief zu seiner Mutter in die Küche hinein: „Mit dem Essen brauchst du dich nicht zu beeilen!" „Wohin gehst du denn?" „Ich will mir den Jancsi ansehen." Die alte Frau zog die Hand aus dem Teich und starrte ihren Sohn an: „Den Iancfi?" „Fa", gab der Mann ernst zurück.„Ich kann den Buben nicht oergessen." „So bring" ihn nach Haufe. Versöhne dich mit der Frau. Soge ihr, nur ich sei an allem schuld." Baracs schüttelte den Kops. „Nein. Mit der Frau werde ich mich in diesem Leben nicht mehr versöhnen." Er ging zu den Gärten hinunter, wandte sich dann am Ende des Dorfes nach rechts und bog zur Straße ein. Der Hund folgte ihm in größerer Entfernung. Er wußte, daß ihn sein Herr sotort zurückjagen würde. Aber Imre Baracs blickte nicht zurück. Er schritt auf der Straße zwischen den Akazienbäumen dahin. Jetzt war er oben auf dem Hügel. Von hier aus konnte man den Turm de? Nachbardorfes sehen. Aber Imre blstfte nickt auf,— er wollte nichts sehen. Als Bräutigam hatte er auf dem Hügel immer zu fingen begonnen; jetzt verspürte er zum Singen feine Lust. Beim Ortseingang säumten Schlehenbüsche die Landstraße ein. Imre brach einen Ast ab und steckte ihn in seinen Ranzen, wo ein rotäugiges Kaninchen hockte, das er seinem Buben mitbringen wollte. Möge das Tier etwas zum Knabbern haben. Als sich Baracs einmal umwandte, erblickte er den Hund. „Oh, du Hundsvieh! Wirst du sofort zrückgehen?" Der Hund lief mit eingezogenem Schweif etwa zwanzig Schritte zurück. Dann verzögerte er aber seinen Lauf, schaute zurück und blieb stehen. Vielleicht wartete er darauf, daß sein Herr es sich dennoch überlegen und ihn zurückrufen werde. Wer vermag zu wissen, welche Gedanken in einem solchen Fall ein Hundehirn be- schäftigen? Ein Monat war es schon her, daß sich Baracs von seiner Frau. besser gesagt: die Frau von Baracs. getrennt hatte. Die Mutter trug die Schuld daran. Sie hatte den Hals des kleinen Jancsi mit einem dicken Tuch eingewickelt, um ihn vor dem Wind zu schützen. Der Wind hatte ihm wohl nichts angehabt, dagegen hatte das Kind eine Halsentzündung davongetragen. Die junge Frau behauptete, das Tuch wäre schuld an der Halsentzündung gewesen. Die Mutter fuhr die Schwiegertochter zornig an. Ein Wort gab das andere. Die beiden Frauen legten die Hände auf die Hüften: der Streit war fertig. Imre Baracs kehrte eben vom Gastmahl heim, das der Pfarrer anläßlich der Fertigstellung seines neuen Pfarrhofes veranstaltet hatte. Der Hausherr wurde beim Anblick der zwei streitenden Frauen ganz betroffen, dann erhob er ohne viel Ueberlegung den Stock gegen feine Frau, als er von ihr ein grobes Wort feiner Mutter gegenüber hörte. Es ist wahrlich nichts Seltenes, daß ein Bauer sein Weib schlägt. In dieser Ehe ereignete«s sich aber jetzt zum erstenmal. Die Frau war daheim von ihren Familienangehörigen auf Händen getragen worden, denn sie war die einzige Tochter gewesen. Auch Baracs bekam sie erst zur Frau, als er hoch und eilig gelobt hatte, nie mehr Wein oder Branntwein zu trinken. Denn Baracs hatte das närrische Naturell, nach dem geringsten Genuß von Alkohol gleich zu raufen. Da schlug er auf jeden los, der ihm eben in den Weg kam. So entsagte er denn lieber ganz dem Trinken und lebte mit seiner Frau, die er sehr liebte auch tatsächlich in friedlichem Glück. Aber bei der Einweihung des neuen Psarrhofes mußte auch er auf das Wohl des Pfarrers trinken. Seit fünf Jahren hatte er keinen Schluck Wein zu sich genommen,— er schmeckte ihm auch fürwahr recht gut. Der Schlag brachte die junge Frau ganz aus der Fassung. Sie lies ins Zimmer hinein, legte eilig ihre Sonntagskleider an, nahm ihr Söhnchen bei der Hand und stürzte davon, ohne sich auch nur ein einzigesmal umzudrehen. Die Leute im Dorf redeten Baracs zu, die Frau wieder zurück- zuholen, es sei doch so schade um sie, denn sie war ein sehr fleißiges, ordnungsliebendes Geschöpf. Wegen einer solchen Kleinigkeit... „Du warst betrunken," meinte auch der Herr Pfarrer,„du warst zweifellos der schuldige Teil. Die Frau weiß, daß du nicht zu trinken pflegst, aber sie schämt sich, zu dir zurückzukehren." „Also Wein werde ich wahrlich nie wieder trinken; die Kehle soll mir eintrocknen, wenn ich auch nur je einen Tropfen zu mir nehme", entgegnete Imre.„Wahr ist aber auch, daß kein guter Hund seinen Herrn oerläßt." Nach etwa zwei Wochen hielt ein Wagen vor dem Hause des Baracs. Der Onkel der Frau, ein schweigsamer, gleichgültiger "Watther C. F. Sitrte: Die Aktie fällt, die Aktie steigt. DTlaf reinen rvijsen nichts davon, TInd was der Lebensstandard zeigt nnd ob zn wenig Arbeitslohn, fX?lafchinen wissen nichts davon. Der LQftensG hat Geist, nnd der erfindet: LC�aschiven werden klng gebant, damit der fITtmfth sich nicht so schindet. Doch einer gerbt des andern Hant, Ll?Iaschinen werden klug gebaut, Lötiaschinen sparen �eit nnd Geld. LiNaschinen können nichts dafür, dah Geldgier sie im Laasen hält. Geld ist nicht Leben, ist Papier. Li?laschinen können nichts dafür. LQIaschinenräder wuchten schwer, LiNaschinenkolben holen aus. Der LQIensch hat keine Ll?tenschheit mehr. sie stecht, sie hockt im Armenhans— rOlgschinenfolben holen aus. Menjch, der den ganzen Tag nur seine Pfeife rauchte unv die Wolken betrachtete, stieg vom Bock herunter. Imre Baracs dachte, er komme, um Versöhnungsversuche einzuleiten, Mit junkeinden Augen fragte er ihn: „Was wollen Sie?" „Die Truhe und das Bett." Da der Alte weder Verföhnungsvarschläge noch Vorwurfe machte, sagte auch Imre nichts mehr. An den Flurpjosten gelehnt, Iah er wortlos zu, wie der Mann die mit Tulpen verzierte. Truhe das rosagefärbte Bett auf den Wagen lud. Die Mutter war eben in der Kirche. Imre hals nicht beim Aufladen. Als sich der Alte wieder aus den Kutscherbock setzte, bewegte sich Imre, als ob er etwas sagen wollte. Doch der Alte knallte mit der Peitsche und fuhr ohne Gruß davon. Alle Beziehungen mit der Verwandtschaft waren abgebrochen. Seicher hatte Imre Baracs über die Frau weder Gutes noch Schlechtes erfahren. Nun schritt er entlang der Gärten dahin. Er wollte nicht, daß man ihn sehe. Einmal blieb er sogar stehen und schlug mit seinem Stock gedankenlos einen vertrockneten Distelstrauch auseinander. Dann ging er wieder weiter. Er schritt stolz aus.„Wenn man mich auch sieht," überlegte er,„soll man nicht glauben, daß ich mich etwa schäme, oder was." Mit der Pfeife im Mund wollte er an dem Haus vorbeigehen und nicht einmal einen Blick auf dasselbe werfen. Im Dorf war es still. Baracs wäre es ganz angenehm gewesen, wenn sich aus dem Haus seiner Frau ein Hund auf ihn gestürzt hätte, um ihn einen Hieb mit dem Stock versetzen zu können. Aber dort gab es keinen Hund. Er ging bis in die Mitte des Dorfes, drehte sich dann um, als müßte er sich die Pfeife anzünden, aber zwischen den beiden zu- sammengelegten Handflächen schielte er die Straße hinab. „Kein Bekannter hat mich gesehen", überlegte er zufrieden. „Aber warum zum Teufel spaziere ich hier auf und ab. Ich bin doch zu meinem Buben gekommen. Mein Kind bleibt mein Kind." Sich dieser Art ermutigend, kehrte er wieder um, blieb vor dem Haus stehen und stützte sich, die Pfeife rauchend, auf seinen Stock. Damit wollte er ausdrücken, daß er entschlossen sei, jedermann ent- gegenzutreten, aber hineinzugehen hatte er nicht die Absicht. Sein Jancsi wird schon herauskommen, er wird ihn dann zu sich rufen. Aber Jancsi ließ sich nicht blicken. Indessen nahm Imre Baracs das Haus genau in Augenschein. Es war noch alles so, wie vor sechs Jahren. Schon beim Kommen hatte er einen Haufen Steine am Straßenrand bemerkt. Warum sollte er sich nicht darauf setzen? Diese gehörten nicht zum Haus der Frau, auch ein Vogel setzt sich dorthin, wo es ihm beliebt! Währenddessen war die Pfeife ausgegangen. Baracs stopfte sie wieder. Und wie er so dem Hause gegenüber saß und seine Pfeife stopfte, blickte er die Straße entlang. Also, was sah er da? Seinen unfolgsamen Hund, der ungefähr fünfzig Schritte von ihm entfernt inmitten der Straße saß und ihn beobachtete. „Also siehe", sagte Baracs zu sich selbst,„ein Hund verläßt seinen Herrn nicht. Neger, komm!". Der Hund fuhr auf und war im Nu bei seinem Herrn. Baracs streichelte seinen Kopf. Es tat ihm wohl, nicht allein zu sein. Doch der Hund witterte plötzlich zum Haus, im nächsten Augenblick war er auch schon über dem Straßengraben drüben und zur Küchentür hinein. Eben kam der kleine Jancsi zur Tür herausgelaufen. Er hatte neue Stiefel an und auch einen neuen Spenzer. Er hätte ja eigent- lich auch ohne Spenzer berauskommen können, aber sein Vater sollte sehen, was das Kind alles hat. Der Hund lief auf den Buben zu und leckte ihm das Gesicht. Jancsi aber nahm das Tier»m den Hals und drückte es an sich. Baracs schaute mit stummer Freunde zu. Er wartete, bis sich die Freiide des Jungen gelegt hatte und er, vom Hund umhupst, zu 'hm kam. Dann nahm er den Knaben aus den Schoß. „Vater", stammelte das Kind hocherfreut. Während Baracs sich mit dem Kind unterhielt, bemerkte er, daß für den Hund ein mächtiger Knochen zur Tür herausgeflogen kam. Der Bub glitt vom Schoß hinunter und packte die schwielige Hand des Vaters: „Komm hinein, Vater!" „Nein,"" entgegnete Imre Baracs dufter,„ich bin nickt darum gekammen." „Komm nur." Während sich das Kind vergeblich bemühte, den Vater hinein- zuzerren, erschien ein Schatten in der Tür und das leise Rauschen eines Franenrocks wurde vernehmbar. Baracs hörte es, aber er blickte nicht ans. .Imre", begann eine ihm mohlbetnnnte, untertänige Frauen- stimme,„komm hinein, du kannst mit deinem Sohn auch drinnen sprechen." „Ich will nicht", gab der Mann rauh zurück.„Ich bin nicht her» gekommen, um hineinzugehen." Er erhob den Kopf und steckte die Pfeife in d-n Mund. Trotzig blickte er aus die Frau. Ilnd als er sie so ansah, bemerkte er erst, mie hübsch diese» Weib, seine ehemalige Frau, mar' Es gab keine zweite solche im ganzen Ort. Aber einerlei. Eine Frau, die ihren Mann verlassen konnte, gleicht einem blühenden Ast, der vom Stamm abgebrachen und zu Boden gefallen ist. Es lohnt sich nicht, ihn aufzuheben Diese Gedanken gingen Baracs durch den Kopf. „Ich weiß," erwiderte die Frau gesenkten Blickes,„ich weiß, daß d» nicht zu mir gekommen bist. Ich rufe dich ja auch nicht deshalb hinein, sondern nur, damit uns die Leute nicht sehen..." Eben kam man aus der Kirche. Die Frau legte die Hand auf die Schulter des Mannes. „Nun." sagte Baracs zu seinem Buben gewendet,„willst auch du, daß ich hineingehe?" „Natürlich", antwortete dieser lebhaft.„Die Mutter hat ja auch schon eine Flasche Wein ans den Tisch gestellt." (Aus dem Ungarischen übersetzt von L. N e u s ch a.l Unser neuer Roman. Irmgard Kenn, eine junge Schrift- stellerin, die sich schnell einen Namen gemacht hat, gibt in ihrem Roman„G i l g i, eine von uns" eine Darstellung der jungen Generation von heute. Sie selbst hat das Leben einer Steno- typistin ausgekostet und kann aus eigener Erfahrung reden, wenn sie diesen typischen Beruf schildert. Neben dem Berusserlebnis wird die erste Liebeserfahrung Gegenstand der Darstellung. Das Schwer- gewicht ruht auf dem außerordentlich sachlich und lebendig heraus- gearbeiteten Einzelschicksal, das bis ans Tragische grenzt. Im Anschluß an den Roman, der übrigens bereits mit Brigitte Helm und Gustav D i e ß l in den Hauptrollen verfilmt wird, veranstaltet der„Vorwärts" ein Preisausschreiben, dessen Bedingungen Ende August bekanntgegeben werden. SABÄSUPER520W SÄBÄSUPER SSO WL SCHWARZWÄLDER APPARATE-BAU-ANSTALT fjfr.--''. I.'"-k___• vTi' � DER EMPFANGER DER BEGLUCKT! ....< 'I-' 0 e kw Ss-P"ÜV" •• M ""ySBSBWWMMlL1,..-■..!. I.*!* E i n k n o p F• Bedienung • Lauts tä rke Automatik • Fading- Ausgleich AUGUST SCHWER SOHNE G.M.B.H., VILLINGEN(SCHWARZWALD) BESUCHEN SIE UNS ZUR. CROSSEN DEUTSCHEN f UNHAUSSTEUUNG- HAUE 3. STANO.328 Arbeiten auf dem gesamten Rundfunkbereich von 200- 2000 Metern• Präzisions- Eichung eofib Wellen-Meiern und Sende- Stationea yorick: tßattadm der SEeit &ür heute: Sin ftotentanm 3)as Jinlemänndtm ITlärrhen/ Von{Kurl SchmeUmer Oben auf dem Turm des Dorfes wohnt ein Hulemännchen. Wenn schönes stilles Wetter ist. verhält es sich ganz ruhig, aber je nachdem, wie der Wind weht, läßt es sich hören, und wenn es so recht pfeift und braust, dann stimmt es ganz unheimlich mit ein, und sein Geheul klingt dann schaurig vom Turm herunter. Dorum heißt es das Hulemännchen. So leicht kriegt man es nicht zu sehen, denn es geht nur manch- mal in stillen Nächten aus, dann knacken die Stufen der alten Eichentreppe im Turm, dann schlurft es über die Kirchsliesen, und wo geht es hin? Auf den Kirchhof. Da steigt«s still und allein zwischen den Gräbern herum, steht da und dort an einem alten Leichensteine still und betrachtet sich auch manches alte eingesunkene Grab, von dem kein Mensch mehr weiß, wer darin liegt, Dabei hat es einmal wer gesehen, und da das ein beherzter Mensch gewesen ist, hat er es angesprochen. Da ist das Hule- Männchen zutraulich geworden und Hot ihm seine Geschichte erzählt. Die war so: Vor langer, langer Zeit war ein großer Krieg im Land, und allenthalben wo die Landsknechte sich sehen ließen, war Brand, Mord und Totschlag und hinterher Hunger und Seuchen. Da starben die Menschen und das Vieh, und die Häuser, die nicht abgebrannt waren, wurden leer und verfielen. Die Glocken vom Turm hatte man fortgeschafft auf eine feste Burg in der Nähe, damit die Kriegsvölker ste nicht stehlen konnten, oder aber, wenn sie die Kirche angebrannt hätten, wie sie dos gerne taten, daß die Glocken nicht schmelzen und in Schutt und Asche vergraben sein sollten, Aber oben aus dem Turm muhte immer einer von den übrig- gebliebenen Leuten wachen und Ausschau hasten, ob die Soldaten kämen. Denn da lief dann alles in den nahen Wald und versteckte sich. Der aber oben auf dem Turm stand, sollte heulen, damit die andern Leute Bescheid wüßten. Nun war>das Hulemännchen damals ein junger Bursche ge- wesen und einer von den wenigen, die noch im Dorf« am Leben waren. Da traf es ihn natürlich oft, daß er auf dem Turm Wache hasten mußte: aber er tot es gern, denn sein« alte Mutter lebte auch noch, und bei ihr wohnte seine Braut, weil deren Eltern schon gestorben und ihr Haus und Hof verwüstet waren. Eines Tages war Jochen, so hieß der Bursche, weit in der Gegend herumgeschweift, um Essen zu holen; er hatte schließlich auch em paar Brote auftreiben können, und kam so recht müde nach Hause zurück, da mußte er gleich auf den Turm und Wache hasten, denn die Reihe war an ihm, Else, seine Braut, wollt« ihn nicht gehen lassen, weil er so müde war, und lieher die Wache für ihn übernehmen, aber er ging doch, setzte sich oben in ein Schalloch und lauerte in die Gegend, Dabei war er eingeschlafen und wachte erst auf, als ein Haufen Kriegsvolk schon ganz in der Nähe des Dorfes war. Da stieß er ein schauriges Geheul aus, daß die Leute «us allen Häusern liesen: aber die Landsknechte waren schneller und fingen olle, schlugen und marterten sie, darunter auch die Mutter und die Braut vom Jochen, Der stürzt« wie«in Wahn- sinniger die Turmtreppen hinunter, um seinen Leuten zu helfen, aber er kam nicht weit. Einige von den Soidaten kamen ihm entgegen, weil sie sehen wollten, wer auf dem Turm gewesen war und ihre Ankunft verraten hatte, und da es so grausam« Kerl« waren, steckten sie ihn in ein Faß. banden ihn mit den Beinen am Foßbooen fest und hängten ihn als den Klöppel dieser sonderbaren Glocke im Glockenstuhl auf. Dann fingen sie an zu läuten, daß sein Kops an den Faßrand schlug, und als«r heulte vor Schmerz, lachten sie und riefen:„Hört doch, wie schön unsere Glocke klingt!" Als er dann die Besinnung verloren hatte, ließen sie ihn hängen, und da sie nun all« Leute im Dorfe erschlagen hatten, kam auch keiner, der ihn hätte erlösen können So hing er da, und wenn der Wind an das Faß stieß, daß es sich bewegte, heulte er immer von neuem los, bis er vor Hunger und Erschöpfung ge- starben war, Nun spukt er da oben im Glockenstuhl, und immer wenn der Wind durch die Schallöcher streicht, muß er heulen, daß den Leuten unten im Dorf eine Gänsehaut über den Rücken kriecht. Hulemännchen, Hulemann. Krieg und Teurung laß nicht ran! beten sie öann, und seitdem das Hulemännchen da oben im Turm haust, ist wirklich das Dorf mit seinen Bewohnern vor Krieg und anderm großen Unheil bewahrt geblieben, enia mflng: Dklp Rs»lpfK«ikN {Beinahe eine{Parabel Adolf, der Kompfhahn, wurde auf einem Gut erzogen. Sein Züchter steckte das beste Futter in ihn hinein und förderte nimmer- müde sein« Rauflust, Ueberall erzählte er von ihm, und als der Kompfhahn körperlich noch«in großes 5knochengerüst war, das er erst durch Wachstum mit Fleisch, Federn und Hühnerverstand aus- füllen mußte, war fein Name schon lang« in die Interessensphären der Menschen eingedrungen. Die Taktik des Züchters schlug«in und der Kompfhahn war bereits bekannt vor seinem ersten Auf- treten. Man kann nicht anders von ihm sagen: er kämpfte wacker. Und ' sein Züchter tat das übrige. Von jedem Sieg berichtete er, laut und weithin tönend, und jede Niederlage verschwieg er bescheiden in ruhiger Verhaltenheit. So kam der Kampfhahn in den Ruf der Unbesiegbarkeit. Wenn der Züchter gerade aufgelegt war, ließ er Neugierige vorsichtigen Fingers über die Narben des Kampf- hahns streichen. Daher waren die Menschen voller Bewunderung, und weil ihre Vorfahren sich schon seit Jahrtausenden vor jedem Raufbold beugten, konnten sie aus Vererbung heraus gar nicht anders, als den Kampfhahn mit schaudernder Verehrung zu be- trachten. Im Hühnerhof war man im großen und ganzen, trog be- drückender Beeinflussung durch die Menschen, urteilsklorer. Schließ- lich war der Kampfhahn doch nur aus dem allgemeinen Hühner- geschlecht, wenn er auch noch so sehr vom Menschenruhm um- ilossen wurde. Die Hühner wußten von dieser und jener Nieder- lag« und die behielten sie im Gsdöchtnis, Darum war der Hqhn um seinen guten Ruf besorgt. Und als s«in Züchter ihm eines Tages scharfe Messer an sein« Sporen(was«r vor jedem Hahnen- kämpf tat) gebunden hatte, wütete der Kampfhahn, um fein An- sehen zu wahren, im Hühnerhos. Breite Spuren von Blut zeichneten seinen Weg, Viel« Hühner starben gleich, ander« ver- end«ten nach langen Ouolen, Di« das Blutbad überlebenden Hühner ahnten die Tücke der Großen, der Menschen, aber sie kannten nicht die Zusammenhänge. Darum anerkannten auch sie jetzt den Kampfhahn als unbesiegbar und sagten:.Er ist der Größte unter uns." Der gute Richter. Der gute Richter wohnt in Wien, Er heißt Doktor Willer, Oberlandesgerichtsrat. Vor ihm steht der Arbeitslose Joses F, Der hat einen Selbst- Mordversuch gemacht. Der hat seinen leeren Magen und sein ver- zweifeltes Herz und das bißchen Haut und Knochen und Lumpen, das drum herum war, vor den Stadtbohnzug geschmissen. Aber der Stadtbahnzug hat drei Meter vor dem Haufen Elend gehalten, Und nun soll Josef F, oerurteilt werden wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit. Nicht etwa seiner eigenen körperlichen Sicherheit, Sondern weil er die körperliche Sicherheit der Menschen gefährdete, die im Stadtbahnzuge saßen. Die Bremsen haben gekreischt, die Menschen sind durcheinandergeschüttelt worden, und der Lokomotivführer, ein tapferer und umsichtiger Mann, ward leichenblaß— alles des leeren Magens von Josef F. wegen, Der gute Richter muß den Mann verurteilen, Zu drei Tagen Arrest. Aber mit einer Bewährungsfrist von«inem Jahr. Denn, so begründet der gute Richter diese Aergünstigung: denn es fei anzunehmen, daß sich der Angeklagte durch oiese Strafe von einer Wiederholung der Tat werde abhalten lassen. Und nun soll sich Josef F. ein Jahr lang bewähren, Soll sich immer sagen: wenn du dich jetzt wieder vor den Stadtbahnzug wirfst, Josef F., stirbst du nicht als ehrlicher Mensch, sondern als Vorbestrafter. Du sollst«in Jahr lang weiter hungern, weiter ziel- los schleichen an leuchtenden Schaufenster vorbei, ein Fleck im Bilde der Stadt. Denn du sollst nicht die körperliche Sicherheit gefährden. O, du guter und gerechter Richter! Ob es nicht andere Dinge gäbe, die den Angeklagten abhatten von einer Wiederholung der Tat? Etwa ein Stück Brot am Tag? Etwa«in Bett für die Nacht? Aber dazu freilich kannst du niemanden verurteilen, guter und ge- rechter Richter. Verurteilen kannst du nur die Hungernden und nicht die Satten, verurteilen nur zum Unterlassen und nicht zum Geben. So ist da,«ingerichtet. Ja, so ist es: den Arbeitslosen Josef F., der die körper- liche Sicherheit anderer gefährdet, zum Leben oerurteilen— das kannst du, Aber die Welt, die die körperliche Sicherheit des Arbeitslosen Josef F. gefährdet durch Hunger und Heimatlosigkeit, zum Tode verurteilen— das kannst du nicht, o weiser und gerechter, o armer Richter! Instanzen, Do ist ein Waisenhaus in Rom, benannt nach Pius dem Neunten, Darin ist unter hundert anderen Zöglingen Di Bene, und ihn unterrichtet neben zwanzig anderen der Bruder Santina. Zwi- schen den zwanzig anderen und dem Bruder Santino ist das Band christlicher Liebe, Aber zwischen dem einen Di Bene und dem Bruder Santtno ist die Schlucht unchristlichen Hasses. Einmal hat der Schüler den Lehrer ungerecht beschuldigt, und der Lehrer kann das nicht vergessen. Was an Predigertum und Erzieherfreude, was an Selbstbeherrschung und verstehender Güte, was an Ueberwin- dung des Allzumenschlichen in Bruder Santino ist, gehört den an- Donnerstag, 25. August. 6: Gymnastik. 6.20: Aus Leipzig Trühkonzert. 9: Aus Hamburg: Schulfunk. 11.30: Aus Breslau: Mittagskonzert. 12.40: Die Viertelstunde für den Lai'dwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Bühne und Publikum. 15.40: D-e Botschaft des Lichtes. 16.05: Literatur als Beruf 16.30: Sinfonie-Konzert. 17.30; Kleine Kinder und Tiere in Italien. 17.50: Liederstunde.(Schallplatten.) 18 30: Kampf dem Straßenlarm. 18.55: Die Tunkstundc keilt mjt.. 19: Stimme zum Tag. 19.10: Chorgcsange. 19.30: Karl Zander liest Heiteres. 19.55; Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20: Aus Salzburg: Konzert. 20.25: Grenzberichte. 21: Toufilra-Schlagerabend.??: Wetter-, Tages- und Sport- nachrichten. 22.20: Aus Hamburg: Tänze. Freitag, 26. August 6. Qymnastlk. 6,ZSi rruhkeiuert 11. i#: Aus Hsmburt: Mnt4£sko3eert. 12.80; Wenermelduaten für den Lendvir» tl; SchillnlutenkSBrert. 15.20: Vom Arbeitsmsrlrt der frag. 15.40: flerbtt- und W:B!er2emgse. 16.05: Öer Typ des Sportlieblin». 16.50: Naehmitugskonsert. 17.50: Die Junge Generation. 17.55: Franz Taut liest eigene Prosa. 15.25: Das neue Buch. 18.55: Der Hörer und sein Apparat. 18.50: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 10: Stimme zum Tag 19.10: Von der bildenden Kirnst. 19.20: Um das Provinz-Theater. 19.40: Programm der Aktuellen Abteilung. 19.35: Wegweiser ins Wochenende, 20; Volksinstrumente und Chore. 21.10: Streichquartette. 22.10; Wetter-, Tages' und Sportnachrichten. Danach; Tanzmusik. Sonnabend, 27. August <: Qymnastik. 6.20: Aus Königsberg; Frühkönzert 11.30: Aus Königs- bezg: MiUagskonzert. 12-30; Wettermeldungen für den Landwirt, U: Schall- Öeten; aber was an menschlicher Leidenschaft noch in Bruder San- tino gärt, kehrt sich als fanatischer Haß gegen den einen, Bruder Santino fühlt diesen Haß werden und wachsen, Cr beichtet ihn. Das macht den Haß nicht kleiner, Bruder Santino fühlt, daß im Puls seiner Hand das Verbrechen zuckt, wenn sie ein Messer halt und Di Bene in der Nähe ist. Er schreibt in seiner Herzensangst an seinen höchsten Vorgesetzten, den Bruder Candido. Bruder Candido wohnt weit: in Belgien, Und Bruder Can- dido ist ein gewissenhafter Beamter. Er verweist des fernen Bruders Santino furchtwimmerndss Herz auf den Instanzenweg.,. Und in christlichem Gehorsam beschreitet die Seele, die vom Verbrechen gejagt wird, den Instanzenweg, Sie wendet sich an den Direktor des Waisenhauses, den Bruder Ealmus, Aber der Haß wächst... Bruder Ealmus aber verweist den Mann, der Hilfe sucht gegen sich selbst, an die nächschöhere Instanz, den Bruder Franzesco Maria, dem die Provinz Rom untersteht, Bruder Santino geht auch diesen Weg, Aber der Haß wächst... Und ehe. nach Wochen, der Bruder Franzesco Maria zum Ant- warten kommt, hat die Hand Bruder Santinos den Hals des Waisenschülers Di Bene mit einem Rasiermesser durchschnitten, und dann hat Bruder Santino mit sich selbst Schluß gemacht, mit seiner Verzweiflung und seinem Haß, Und es liegen nun zwei Tote am Wege der Brüder: zwei Tote auf dem Instanzenweg, Sie werden die ersten nicht sein und nicht die letzten. Und doch gehen ihn alle weiter, müssen auch wir ihn gehen, diesen weiten, leeren, hoffnungsloien Weg, täglich und immerdar. Flugzeuge verkürzen den Wochenweg nach Amerika auf Stunden: warum erschafft keine Technik ein Mittel, das den Weg von Mensch zu Mensch verkürzt, den Weg vom Untergebenen zum Vorgesetzten, den Weg vom Fallenden zum Gefestigten...? Er st er Atemzug: Gas. Die siebzehnjährige Hausgehilfin Angela S. fühlt: es ist so weit... Das Kind will kommen, das der Vater nicht will, das di« Mutter nicht wollen darf, das verflucht sein wird von seiner ersten Stunde an. an desien Bett drei Hexen stchen werden: Schande, Haß, Not. Morden will sie nicht. Sie will gemeinsam sterben mit dem Kinde, noch«he es geboren ist. Sie öffnet den GaShahn... Aber das Leben ist schneller als der Tod. Der Geburtsschrei der Mutter ruft die Hausbewohner. Mutter und Kind werden in die Klinik gebracht. Beide leben, auch das Kind— obwohl es doch, wie die Aerzte erstaunt berichten, in seinen ersten Lebensminutsn Leuchtgas eingeatmet hat... „Muttsr und Kind sind gerettet", wie man das nennt. Wie aber wird dies Kind aufwachsen? Schwächlich, ärmlich, well sein erster Atemtrunk Gift war? Oder: gefeit gegen Krieg und Frie- den seiner proletarischen Zukunft, weil schon die erste Stunde ihm zeigte, was es zu erwarten hat? Scheußliches, drohendes Symbol dieser kriegswutdurchgellten, armutgesegneten Zeit: Erster Atemzug: Gas! Donnerstag. 23. August. 16: Pädagogischer Funk 16.30: Aus Berlin Nachmittagskonzerl 17.30: Querschnitt durch Zeitschriften 18: Musikalischer Zeitspiegel. 18.30; Spanisch für Fortgeschrittene 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19; Aktuelle Stunde. 19.30; Stunde des Landwirts. 20: Uebertragung aus Berlin. 21: Aus Hamburg: Kraft und Schicks*! der Landschaft. 22: Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. 22.20: Aus Wien: Abendkonzert. Freitag, 26. August. 16: Pädagogische Büeherstunde. 16.30: Aus Leipzig: N'achmittagskonzer:. 17.30: Reform des Theaters. 18: Leichte alte Cello-Sonate#, 18.30: Was liefert der deutsche Wald der deutschen Wirtschaft? 18,55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Aktuelle Stunde. 19.15: Wissenschaftlicher Vortrag für Tierarzte. 19.35: Stunde der Arbeit. 20: Uebertragung aus Berlin. 21.15: Aus Frankfurt a M.: Das Frankfurt des jungen Goethe. Horfolge. 22.30: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. AnschiieJend; Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 27. August. 16: D«r Klabiutermtnn und tndore Gespenster und Spuk luf See. 16.30: Aus Hamburg; Nachmittagskonzert. 17.30: Viertelstunde für die Gesundheit. 17.50: Hessisches Bergland. 13.05: Die heutige Li�e der Jugendmusik. 18.30: Der ewige Harlekin 18.55; Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19; Englisch für Anfänger. 19.30: Der politische Mensch 19.50; Kundgebung auf dem Hauptmarkt zu Nürnberg; Qustav-Adolf-Jahr 1932. 20.45: Aus Köln:„In* Land der Freude." Anschließend: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach; CScbertragung aus Berlin, Wochenprogramm de Sonntag, 21. August. «: Gymnastik. 6.20: Aijs Bremen: Hafenkonzert. 7: Aus Berlin-Tempelhof; Curopa-Pundflug. 715: Fortsetzung des Bremer Hafenkonzertes. 8: Für den Landwirt. 8.55: Morgenfeier 10.05: Wettervorhersage. II: Große öffentliche Mitgliederversammlung des Reichsverbandes Deutscher Funkhändler. 12: Walter Gutkelcb liest eigene Gedichte. 12.10: Mittagskonzert. 14: Clternstunde. 14.30: Für die Kinder. 15: Schwäbische Volkslieder. 15.30 Gastspiel der Funkgemeinschaft der Biihnengenossenschaft; Einakter. 16.30: Blasorchester» kenzert. 18: Di» Stadt der tausend Tempel. 18.25: Klaviermusik. 19: Aus Leipzig: Schwimm-Meisterschaften der Deutschen Turnerschaft in Erfurt. (Schallplatten.) 19.25; Martin Raschke liest eigene Prosa. 19.50: Sportnachrichten. 20: Bunter Abend. 22; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.30: Schallplattenkonzert. 23: Aus München: Nachtmusik. Montag, 22. August. 6: Gymnastik. 6.20: Aus Breslau: Frühkonzert. 11.30; Aus Hannover: Schloßkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplatten- kenzert. 15.20: Berufsaussichten im modernen Handwerk. 15.40: Eindrücke von einer Italien-Reise. 16.05: Leistungsmessung und Leistungsfähigkeit des Arbeiters im Betriebe. 16.30: Populäres Orchesterkonzert. 17.30: Jugendstunde. 17.50: Vor den Radweltmeisterschaften in Rom. 18: Fortsetzung des Populären Orchesterkonzerts 18.30: Lebensangst. 18.55; Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Gedichte von Alfred Escher und Hans Gebser. 19.30: Die deutsche Presse im Ausland. 20: Großes Blasorchesterkonzert. 21.10: „Was Ihr wollt." Komödie von Shakespeare. Anschließend; Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Dienstag, 23. August. 6; Gymnastik. 6.20; Aus Hamburg: Frühkonzert. 11.30: Aus Köniisbcrg: Mittagskonzert. 12.40: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20; Schachstundc. 15.40: Kunst ist wertbeständig. 16.05 Volk ohne Arbelt. 16.30: Blasorchesterkonzert. 18: Jugendstunde. 18.20: Bücherstunde. 18.50: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19; Stimme zum Tag. 19.10; Masscn-Orchcsterkonzcrt. 21.10: Die Arche Noah des Herrn Brehm. 22.10; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Mittwodi, 24. August. 6: Gymnastik. 6.20: Frühkönzert. 9: Von der Deutschen Welle: Schulfunk. 11.30: Aus Dresden: Mittagskonzert. 12.30: Wettermeldungen für den LandwiÄ. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Volksnthrungsmittel und ihre besondere Bedeutung in der heutigen Notzeit. 15.40: Opern der Gegenwarf. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30; Unterhaltungskonzert. 18: Jugendstunde. 18.20; Der junge Busopi. Konzert. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10; Europäische Jugend und Abrüstung. 19.35; Technische Neuerungen auf der Funk-Ausstellung. 20: Klassischer Operetten-Abend. 22: Politische Zeitungsschau. 22.20: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Aus Wien: Tanzmusik. s Berliner Rundfunks. plattenkonzcrt. 15.20: Jugendstunde. 15.40: Medizinisch-hygienische Plauderei. 16.05; Nachmittagskonzert. 18: Die Erzählung der Woche. 18.25: Arbeitermythos. 18.55; Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.15; Lieder und Balladen. 19.50; Zehn Minuten Sport. 20: Großes Kabarett. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach; Tanzmusik. Königswusterhausen Sonntag, 21. August 6: Aus Berlin: Qymnastik. 6.20: Aus Bremen: Hafenkonzert. 7: Aus Berlin-Tempelhof: Europa-Rundflug. 7.15: Aus Bremen; Fortsetzung des Hafenkonzerts. 8: Uebertragung aus Berlin. 12: Zehn Minuten Lyrik. 12.10; Aus Berlin: Mittagskonzert 14: Elternstunde. 14.30: Dichterstunde. 15: Kinder- tneater auf Schallplatten. 15.30: Straßen der Welt: Bergstraßen. 16: Aus Karlsruhe: Bunter Nachmittag. 18: Der Wald rächt sich. 18.30; Menschen im Beruf. 19; Aus Erfurt: Schwimm-Meisterschaften der Deutschen Turnerschaft.(Schallplatten.) 19.20: Aus München: Bayerischer Bauernkalender. 20.30: Aus Königsberg; Großer Zapfenstreich. 21.30: Aus Köln:„Brüderlein fein/* Alt-Wiener Singspiel von Leo Fall. 23.15; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Montag, 22. Angust. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert 17.30: Die Auswanderung als Kulturfrage. 18: Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 18.30: Spanisch für Anfänger. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft 19; 200 Jahre Herrnhut 19.30: Stunde des Landwirts. 20: Aus Breslau; Rhapsodien. 21: Uebertragung aus Berlin. 22.50; Aus Leipzig: Unterhaltungs- rusik. Dienstag, 23. August. 16; Tradition und Konvention. 16.30; Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30: Die Anekdote als historischer Bericht. 18: Liedgestaltung. 18.30: Wirtschaftskrise und Steuerdruck. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Moderne Graphologie. 19.30: Wenn es den Pflanzen zu heiß wird... 19.45; Viertelstunde Funktechnik. 20: Uebertragung aus Berlin. 21.15: Ans Stuttgart:..Aleko". Oper von Rachmaninow. 22.10: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.30: Aus Hamburg: Spät-Konzert. Mittwodi, 2i. August. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30: Parlamentarismus und Staatsführung in der Gegenwart 18: Gutes und Schlechtes im Liede. 18.30: Denkwürdige Reden. 18.56: Wetterbericht für die Landwirtschaft, 19: Englisch für Fortgeschrittene. 19.30: Die politische Betätigung des Beamten. Anschließend: Uebertragung aus Berlin.