Morgenausgabe Nr. 395 A 195 49. Jahrgang Wöchentlich 7S Pt, monatlich 3,25 M. (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,87 M. einschließlich SO Pf. Postzeitungs» und 72 Pf. Postbestellge- bühren. Auslandsabonnement 5, 85 M. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tern Drucksachenporto 4.65 M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Erfcheinungsweifeund Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils. P> Berliner Voltsblatt Dienstag 23. August 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Jentralorgan der Sozialdemoreatischen Vaetei DeMchwÄS? Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 sternspr.: Dönhoff(A 7) 298—297. Telegramm-Adr.: Sozialdeniokrat Berlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlins? öZK.—BankkoMo;Bs8 iistÄ im Ssriemsssl- riimiin» in«r As«. Beuthen, 22. Augnst. lEigenbericht.1 Um Uhr nachmittags verkündete der Vorsitzende in dem Potempa-Mordprozeß folgendes Urteil: Die Angeklagten Uottifch, Wolnitza, Gräupner und Müller werden wegen gemeinschaftlichen Politischen Tot- fchlags zum Tode verurteilt. Außerdem werden die genannten Angeklagten wegen schwerer Körperver- letzung, begangen an dem Bruder des(Ermordeten, zu 2 Jahren Zuchtl>aus verurteilt. Der Angeklagte Lach- mann wird wegen Anstiftung zum Politischen Totschlag zum Tode verurteilt unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebzeiten..D>er Angeklagte Hoppe wurde wegen Beihilfe zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Angeklagten Nowack,(?zaja und Adamek wurden frei- gesprochen. * Am 2. Juli 1928 hielt im Reichstag der sozialdemokra- tische Reichskanzler Hermann Müller seine Antrittsrede. Dabei kam er auch auf die Reform des Strafrechts zu sprechen und teilte mit, die neue Reichsregierung werde bei den Landesregierungen anregen,, keine Todes st rafe mehr voll st recken zu lassen, bis im Reichstag die Entscheidung über das neue Strafgesetz gefallen sei. Er gab zugleich der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen werde, mit Oesterreich— wo durch die Sozialdemokratie die Todesstrafe seit 1918 b e s e i t i g t ist— zu einem gemeinsamen Strafrecht zu kommen. Die Erklärung der Regierung Hermann Müller gab den reaktionären Anhängern der Todesstrafe Gelegenheit, sich über einen zentralistischen Eingriff in die Iustizhoheit zu beschweren— so empfindlich war man damals. Je weiter der Einfluß der Sozialdemokratie zurück- gedrängt wurde, desto mehr Arbeit bekam der Henker. Die bisher letzte Konsequenz dieser Entwicklung ist die Notverord- nung des Reichspräsidenten vom 9. August, die auch den An- greiser bei einem Totschlag aus politischen Gründen m i t d e m T o d e bedroht. Der Wortlaut gestattete den Beuthener Richtern kein Ausweichen: wollten sie über ihn nicht hinweg- gehen, so mußten sie fünf Todesurteile fällen. Der Reichspräsident ist heute in Deutschland Herr über Leben und Tod, wie es kein Kaiser gewesen ist. Aber das Begnadigungsrecht steht nicht ihm zu, sondern— der preußischen Staatsregierung, also einer Behörde, deren staatsrechtliche Legitimation aufs stärkste umstritten ist. Die Papen-Regierung hat den Henker gerufen. Sie hat die rechtmäßige Regierung in Preußen beseitigt und per Reichsexekution eine kommissarische Regierung eingesetzt. Ob sie geahnt hat, daß die ersten Opfer ihrer Todes-Notverord- nung Nationalsoziali st en sein würden? Sie hat das Gesetz gemacht, das die Richter zwang, Todesurteile auszu- sprechen, sie hat die Ersatzminister eingesetzt, die jetzt zu ent- scheiden haben, ob die fünf Nationalsozialisten hingerichtet werden sollen oder nicht. Für eine Regierung, die grundsätzlich die Todesstrafe bejaht, ergeben sich gegen eine Begnadigung gerade in diesem Faü'e sehr schwere Bedenken. Denn es handelt sich um eine Tat, die von besonderer viehischer Roheit zeugt: um einen mörderischen Ueberfall, der auf einen Schlafenden ver- übt wurde. Ermordung aus dem Hinterhalt oder Ueberfall auf Schlafende ist nationalsoziali st ischeMethode. Das hat' ch in zahlreichen anderen Fällen auch gezeigt. Wenn die?,ahl der Opfer nicht noch viel größer ist, so liegt das ausschließlich daran, daß den Mordgesellen die Rettung des eigenen Lebens meist noch wichtiger ist als die Vollendung ihrer Tat: Schießen oder Bomben werfen und sofort aus- re.ßen, ist das Uebliche. Die Taten dieser Helden finden die volle Billigung der nationalsozialistischen Presse. So nennt der„Angriff" in seiner neuesten N'.nnmer die M irder von Potemba„SA.« Leute, de in berechtigter Abwehr de? marxistischen Terrors und in verständlicher Wut und Verzweiflung einen kommunistischen Banditen töteten". Die Begnadigung der fünf zum Tode Verurteilten wird der kommissarischen Regierung weiter dadurch aufs äußerste Die Wirkung des Urteils. Beuchen von SA. belagert. V e o t h e n. 22. August.(Eigenbencht.) Während der Vorsitzende des Beuthener Sonderge- rsthts den Urteilsspruch mit den fünf Todesurteilen ver- kün-�ete, herrschte im«aale eisiges Schweigen. Auch die Begründung wurde lautlos angehört. Nachdem der Vor- sitzend« geschlossen hatte, erhob sich der schlesische«A.- Führer Feme-Heines, der in voller Uniform mit meh- reren SA.-Führern an der Verhandlung teilgenommen hatte, und rief laut in den«aal:„Das deutsche Volk wird in Zukunft andere Urteile fällen! Das Urteil von Beuthcn wird das Fanal zu deutscher Freiheit wer» den. Heil Hitler!" Es folgte ein ungeheurer Tumult. Ein großer Teil der Zuhörer sowie auch ein Teil der Pressevertreter er- hoben sich und stimmten in den Hitler-Ruf ein. Auf der «traße, wo sich Tausende von Menschen angesammelt hatten, pflanzte sich der Ruf fort. Da der Landgerichts- Präsident angeordnet hatte, daß sich im Gerichtsgebäude niemand am offenen Fenster zeigen dürfe, versuchte Heines vom Balkon des Kaffeehauses„Hindenburg" zu der erregten Menschenmenge zu sprechen. Es kam vor dem Gerichtsgebäude zu schiveren Tumulten. Starke Polizeiabteilungen, mit Karabinern bewaffnet, griffen ein und säuberten den Platz vor dem Gericht und die Hauptstraßen. Zahlreiche Geschäfte hatten die Jalousien niedergelassen, verschiedene jüdische Läden wurden demo- liert. Die von Breslau eingetroffenen«A.-Formationen sind nach dem Eingreifen der Polizei wieder abtrans- portiert worden. Die Unruhe in der Stadl hielt bis zum spülen Abend an. Die Tlalionalsozialisten waren in der ganzen Stadl in Bewegung, ver- stärkt durch mehrere Hundertschaften SiL-Leute, die aus der ganzen Umgegend, sogar von Breslau her. zusammengezogen waren. Eine Reihe von Fensterscheiben in Geschästshäusern, besonders jüdischer Firmen, wurden zertrümmert. Aber auch dem„Allgemeinen Lokal- anzeiger", einem unparteiischen republikanischen Blatte, wurden in zwei Filialen die Schausensterscheiben zertrümmert, ebenso der „Oberschlesischen Zeitung", einem Zentrumsblatte, und dem sozial- demokratischen„Volksblatt", dem die Inneneinrichtung des Ladens völlig zertrümmert wurde. Die Schuhpolizei, die in großer Stärke in Beuthen zusammen- gezogen war. trieb die nationalsozialistischen Demonstranten mehr- fach auseinander, und es gelang schließlich, wenigstens einen Teil von ihnen mit Lastautos aus Beuthen hinauszuschassen. Aber gegen 1l Uhr abends sind immer noch Tausende von ZNenschen aus den Straßen und besonders ist das Gerichtsgebäude und das Gefängnis n o ch st a r k u m l a g e r«. In der Bevölkerung hält sich das Gerücht, daß auch die mit Lostautos abtransportierten SA.- Leute sich in der Umgegend wieder sammeln und während der Rächt wi'eder in Beuthen einbrechen werden. Vorläufig sind noch die Zustizgebäude polizeilich stark gesichert. Dort rechnet man mit weiteren Zusammenstößen. Die Erregung ist in allen Teilen der Bevölkerung sehr stark. erschwert, daß sie unter den Druck von Drohung und Gewalt gesetzt worden ist. Die Nationalsozialisten haben auf das Beuthener Urteil mit einem A u f st a n d geantwortet. Die Gnade verdient ihren Namen nur dann, wenn sie einem freien Willen entspringt. Ist aber dieser freie Wille dem nationalsozialistischen Terror gegenüber noch vorhanden? Die Regierung Papen mitsamt ihren preußischen Kom- missaren befindet sich in einer nicht leichten Lage. Sie muß sehen, wie sie die blutigen Geister wieder los wird, die sie mit der Aufhebung des SA.-Verbots und des Uniformverbots herbeigerufen hat. Eines muß jedoch mit größter Deutlichkeit ausgesprochen werden. Eine Begnadigung ist gleichbedeutend mit einem Todesurteil über die Notverordnungen vom 9. August. Diese Verordnungen dürfen nicht gegen links angewendet werden— wenn man aus Gründen, für die wir als G e g- n e r der Todesstrafe an sich Verständnis haben— von ihrer Anwendung gegen rechts zurückschrecken sollten! Es läßt sich nicht ausdenken, was es bedeuten würde, wenn eines Tages, nach Begnadigung der Mörder von Potemba, links- gerichtete Uebeltäter auf Grund der Notverordnung vom 9. August exekutiert werden sollten! Das wäre nicht mehr Justiz, das wäre Mord unter dem Deckmantel der Justiz! Noch sind solche Urteile gegen links nicht gefällt, und wir wollen hoffen, daß es keine Gelegenheit geben wird, sie zu fällen. Die Sozialdemokratische Partei hat stets alle angriffs- mäßigen Gewalthandlungen verurteilt und aufs schärfste vor ihnen gewarnt. Man kann aber heute über dieses Thema nicht sprechen, ohne desUrteilsvonBriegzu gedenken! Milde gegenüber den Verurteilten von Beuthen b e d e u t« t P fl i ch t zurGnade gegen- über den Zuchthausopfern von Brieg! Die Regierung Papen mit ihren Kommissaren muß ent- scheiden. Niemand kann ihr die furchtbare Last der Ver- antwortung abnehmen, die sie selber auf sich geladen hat. Verweigerung oder Gewährung der Gnade— beide werden von weitesttragenst«n politischen Folgen begleitet sein. Ver- Weigerung der Gnade bedeutet äußerste Verschärfung des Kampfzustandes zwischen der Regierung und der National- sozialistischen Partei; Gewährung der Gnade einseitig für Nationalsozialisten bedeutet Ende des Rechtsstaats und Rückkehr zum Urzustand des Faustrechts. Der Mord von Potemba war eine fchändlich-gemeine Tat. Dennoch wirkt der Gedanke, daß fünf Menschen für sie ihr Leben hergeben sollen, erschütternd. Diese fünf sind nicht die Schuldigsten! Die Schuldigsten sind diejenigen, die seit Jahren den Geist des politischen Mordes in Deutschland hochgezüchtet haben. Von den Morden an Erzberger und R a t h e n a u bis zu den Anschlägen der neuesten Zeit trieft die Fußspur dieser Politiker von Blut! Sie fordern Gnade für die Leute, denen sie das Morden gelehrt haben, aber mit demselben Atemzug schreien sie nach Rad und Galgen, nach Beil und Block für diejenigen, die es wagen, ihren blut- rünstigen Phantastereien eine neue Religion der Menschlichkeit entgegenzustellen. Fanatische Anhänger der Todesstrafe, bedrohen sie deren Gegner mit dem Tode. Wir Sozialdemokraten suchen in unserem guten Kampf nicht die Bundesgenossenschaft des Henkers. W i r wollen den Henker abschaffen— für alle! Die Regierung Papen hat ihn gerufen, er klopft an die Türe; die Regierung Papen muß es mit sich selber ausmachen, ob sie ihn eintreten läßt! Vollstreckung?- Begnadigung? Was wird papen tun? „Telegraphen-Union" meldet: In ausländischen Kreisen ist die Lesart im Umlauf, der Reichskanzler habe erklärt, daß die Todesurteile in Beuthen unter allen Umständen vollstreckt werden würden. Wie die Telegraphen-Union erfährt, ist dies unzutreffend. Ter Reichskanzler in seiner Eigen- | schaft als Reichskommissar für Preußen hat eine Entschei- dung tatsächlich noch nicht gefällt. Die näheren Um- stände des Urteils werden noch im einzelnen zu prüfen sein, insbesondere die Frage, ob mildernde Umstände geltend gemacht werden können. Bekanntlich wird von feiten der Verteidigung geltend gemacht, daß den Tätern bei Begehung der Tat die Nob Verordnung mit den verschärften Strafbestimmungen noch gar nicht bekannt gewesen sei. In Kreisen der Rcichsregierung betont man jedoch mit aller Deutlichkeit, daß die Regierung nicht g e w i l l t sei, sich in ihren Entscheidungen irgendwie unter Druck sehen zu lassen. Auf die Frage, wie ein möglicherweise zu erwartendes Gnadengesuch der von dem Beuthener Sondergericht ver- urteilten SA..Männer beantwortet werden würde, wird an zuständiger Stelle lediglich erwidert, daß die Regie rung unter allen Umständen die Staatsauto r i t ä t wahren werde. Krank II droht? Der Leiter der Rechtsabteilung der NSDAP., Rechts anwalt Frank II, hat folgendes Protesttelegramm an den Reichskanzler von Papen als den Rgjchgkcmmiifsar für Preußen, Reichskanzlei und den Reichspräsidenten gesandt „Die Reichsleitung der NSDAP, erhebt gegen das unfaßbare Beuchener Schreckensurteil schärfsten Protest vor der gesamten beut schen Oeffentlichkeit und erwartet unverzüglich die Begnadigung Ser Verurteilten. Die in der größten politischen Bewegung Deutschlands vereinigten Millionen deutschen Männer und Frauen schließen sich in Erbitterung und Empörung diesem Verlangen an. Ueber 300 er «nordete Nationalsozialisten, die fast restlos bis heute ungesühnten Opfer der marxistischen Mordpest, smd der erschütterndste Beweis dafür, daß der nationale deutsche Mensch schutzlos dem internatio- nalen marxistischen Mordtreiben preisgegeben ist. Das Beuthener Schreckensurteil war nur möglich in Verkennung dieser unbestreib baren Sachlage. Seine unverzügliche Aushebung ist zur Sicherung und lehimöglichen Aufrechierhaltung des inneren Erlebens eine Rot- wendigkeil." Andere Aeußerungen der Nationalsozialistischen Partei sind in noch schärferem Ton gehalten. Wie gewohnt, wird überall mit phantastisch übertriebenen Ziffern der SA. V e r l u st e gearbeitet, während die zahlreichen Opfer nationalsozialistischer Mordlust mit keinem Worte erwähnt werden. Llnd nochmal Wahlen!! Die Pläne der Negierung. Frankfurt a. M., 22. August. tEigenbericht.) Die„Frankfurter Zeitung" meldet aus Verlin: Reichspräsident und Reichsregierung seien sich endgültig über ihre Politik gegenüber dem neu gewählten Reichstag einig geworden. Wie die„Frank furter Zeitung" zuverlässig hört, wird die Regierung zwar vor den neuen Reichstag, der für den 30. August einberufen ist, treten, aber sie will sich nicht von ihm stürzen lassen, sondern sie wird ihn im Namen de» Reichspräsidenten alsbald auflösen. Diese Session wird also nur von kürzester Dauer sein. Diese Eni scheidung bedeutet, daß die andere Möglichkeit: nach einem formellen Mißtrauensantrag zurückzutreten und— in Ermangelung einer arbeitswilligen Reichstagsmehrheit— vom Reichspräsidenten mit der Weiterführung der Geschäfte beauftragt zu werden, für den heutigen Fall nicht mehr in Frage kommt. Die Entscheidung des Kabinetts bedeutet weiter, daß auch in Preußen eine Aenderung vorerst nicht zu erwarten ist. Nachdem dem Reichskanzler und Herrn von Schleicher weder die Heranziehung der Nationalsozialisten zur Mitarbeit noch ihre Gewinnung zu einer Tolerierung gelungen ist, hat sich die Regierung, wie man uns sagt, ferner entschlossen, zur Zeit auf jegliche Umbildung des Kabinetts zu oerzichten. Der verfassungsmäßigen Pflicht zur Neuwahl binnen zwei Rionaien wird sich die Regierung nicht entziehen, obwohl es unsinnig wäre, sich von einer Neuwahl wesentliche Aende- rungen in der Zusammensetzung des Reichstags zu versprechen. Das verfassungsmäßige Recht, den Reichstag in dieser Lage aufzulösen, wird niemand bestreiten, am wenigsten Herr L ö b e, der dieser Tage i,m„Vorwärts" nachzuweisen versuchte, die Auflösung sei überhaupt jetzt der einzige verfassungs.näßige Ausweg.— Herr Hitler hat der Regierung offenen Kampf im Parlament angesagt und die SPD. hat den endgültigen Beschluß veröffentlicht, daß sie auf einen sofortigen Mißtrauensantrag bestehen werde. Die Regierung hätte alifo nur die Wahl, ihre Autorität formell noch dadurch zu schwächen, daß sie sich in ein geschüstssührendcs Ministerium oer- wandelt oder aber den Reichstag aufzulösen, bevor ihr der Rücktritt aufgenötigt wird. Die„Frankfurter Zeitung" sagt schließlich: Peinlich ist der Gedanke, von dieser«mprovisiersirden Regierung aufgefordert zu werden, ins Blaue hinein neu zu wählen und ab- zuwarten, wie die Sache weiter geht. Die Berfassung schreibt die Frist vor, binnen deren gewählt werden muß. In diesem Fall gibt es kein Entrinnen. Oder einen Volksentscheid, der eine längere Frist setzte? Gipfel der Albernheit! Hihephantasien der„Noten� Jahne. Die„Rote Fahne" behauptet, 1. Stampfer„wage nicht zu bestreiten, daß er für Tolerierung des Präsidialkabinetts Propaganda" gemacht Hab«, 2. in einer Konferenz sozialdemokratischer Partei- und Se- werkschaftsführer mit General von Schleicher hätten„die reformistischen Führer ihre ausdrückliche Bereitschaft erklärt, ein Präsidialkabinett zu tolerieren". In beiden Fällen handelt es sich um glatte E r f i n d u n- gen. Die Sozialdemokratische Partei steht zur Papen-Regierung und jede ähnlich konstruierte Regierung vollkommen eindeutig und einmütig in der s ch ä r st» n Opposition. Es besteht auch nicht der geringste Grund zur Annahme, daß die Gewerkschaften einen anderen Standpunkt einnehmen. Oas Arbeitsprogramm des Landtages. Vollsitzungen am 30. und 31. August. Die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Preußischen Land- tage, di« nunmehr am 30. August stattfindet, ist die gleiche, wie sie ursprünglich sür den 1. September in Aussicht genommen war. Der Landtag wird also am Dienstag, dem 30. August, die allgemein« iltussprache über die Einsetzung des Reichskommissars in Preußen und über die Terrorakte in den verschiedensten Gegenden des Landes beginnen. Der A e l t e st e n r a t des Landtags, der vor Beginn der Vollsitzung am 30. August zusammentritt, wird darüber zu emscheiden haben» wie lange der Sitzungsabschnüt dauern und wann Soldaten, die auf Befehl handeln? Oer Staatsanwalt zieht die Bilanz.- Lahufen-Anwalt Luetgebrune sucht Mörder herauszureden. Reuthen, 22. August.(Eigenbericht.) Schon in den frühen Morgenstunden zu Beginn des letzten Berhandlungstages war der Andrang, vor dem Beuthener Schwur- gerichtsgebäude außerordentlich stark. In den Straßen der Stadt Beuchen marschierten starke SA.- Trupps. Die Polizei hatte auherordenlliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. In dem Gerichtssaal hatten sich die s ch l e s i s ch e n SA.- Führer zum größten Teil in voller Uniform oersammelt. Auch mehrere der Angeklagten hatten zum letzten Termin die SA.-Uniform angelegt. Der Oberstaatsanwalt erklärte in seiner Anklagerede: Wir haben ohne Rücksicht auf Parteien und von außen eintretenden Druck hier zu entscheiden. Eine furchtbore, entsetzliche Tat, die ohne jede Sinn und Zweck war, ist vollführt worden. Sie ist lediglich der politischen Verhetzung und Gewissenlosigkeit zuzuschreiben, von der der ausführende SA.-Trupp befallen war. Der Beweis für die Tat ist klar und sicher erbracht. Zeugenaussagen, eigene Geständnisse der Angeklagken. ein objektiver Leichenbefund haben ergeben, daß der Arbeiter Pietrzuch in einer grauenhasten Weise ermordet worden ist, er ist geradezu massakriert worden. Für die Interessen des Staates war es ein glücklicher Griff, daß die Tat binnen 24 Stunden restlos aufgeklärt und sämtliche Beteiligten festgestellt werden konnten. Die von den Angeklagten Kottisch, Gräupner und Wolnitza abgelegten Geständnisie wenige Stunden nach der Tat entsprechen der Wahrheit. Der Kopf der Tat sitzt in Potempa in Person des Angeklagten L a ch m a n n. Dieser hat das Verbrechen vorbereitet und war sich bewußt, daß er es nur mit Fremden durchführen konnte. Diese fremden SA.-Freunde fand er in dem SA.- Heim Broslawitz, wo durch Arbeits- losigkeit degenerierte und anderweitig verkommene Menschen sich zusammengefunden haben, deren sich jeder an- ständige Nationalsozialist schämen und voll Abscheu von ihnen ab- wenden mühte. Die Tat sei nur politisch zu erklären. Die NSDAP. und damit auch die Täter erblickten in den Kommunisten ihre Tod- feinde. Am Abend des 9. August hatte der Angeklagte Nowack den Angeklagten Chauffeur Twortzek telephonisch angerufen und das Auto bestellt, in dem mehrere Personen Platz genommen hatten. Nowack hat sür die Bewaffnung gesorgt. Da den Autoinsassen die Bewaffnung zu schwach erschien, haben sie in Tworock bei dem Angeklagten Hoppe angehalten und noch einige Waffen hinzugeholt, so daß schließlich von neun Autoinsassen sechs mit Pistolen be- wasfnet waren. Die Gruppe fuhr dann nach Potempa in die Wohnung des Angeklagten Lachmann, wo sie in die Küche einge- lasten wurden und dann bei Alkohol und Zigarelten die letzten Toworbereitungen getroffen wurden. Man trank aus das gute Gelingen einen letzten Schnaps, und der Angeklagte Lachmann ermunterte dann feine Parteifreunde, ganze Arbeit zu machen. Dann sind die Angeklagten in das Gehöft von Schwinge ein- gerückt, wo die geplante Mordtat glücklicherweise nicht ausgeführt werden konnte. Dann zogen sie in dos Nachbargehöft des Pietrzuch, wo sie in die Schlafkammer eindrangen, den Ermordeten und dessen Bruder aus dem Bett rissen und besonders den Konrad Pietrzuch in bestialischer Weise mißhandelten. Die zahlreichen Ber- letzungen konnten nur auf das Zusammenwirken mehrerer Personen zurückgeführt werdin. Als dann Pietrzuch sich trotz schwerster Miß- Handlung nochmals von dem Boden erhoben hatte, wurde dem Angeklagten Kottisch zugerufen: „Schieß doch, schieß doch!" Dieser gab noch einen letzten Schuß aus das Opfer ab. Die Art der Mißhandlung mit Todeserfolg beweise, daß der Tod ge» wollt war. Es komme aber bei der Tat nicht nur einfacher Tot- schlag, sonder auch vorsätzliche Tötung, also Mord in Frage. Der ganze Borfall sei ein Schulbeispiel für p o l i- tischen Totschlag aus politischen Beweggründen. Die schwere Straftat aus politischer Leidenschaft muß entsprechend den Gesetzen ihre Sühne finden. Die Entscheidung über das Schicksal der Ange- klagten liegt zuletzt in den Händen der Staatsregierung, deren Eni- scheidung wir die letzte Bestimmung über ihr Schicksal überlasten mllsten. Verteidiger Rechtsanwalt Luetgebrune versuchte die Tat als einen legalen Nolwehrakt(!!) hinzustellen, der�aus der Ermordung zahlreicher Nationalsozialiften herzuleiten wäre. Die Angeklagten seien durch die fortgesetzten Be- leidigungen der von ihnen verherrlichten Symbole tief beleidigt gewesen' Als SA.-Leute seien die Angeklagten tüchtige Sol- dten, die jeden Befehl ausführten. Die SA.-Heim- insassen seien in ständiger Bereitschaft und besonders im Grenz- gebiet, das von Militär entblößt fei. auf Selbsthilfe angewiesen. Als Soldaten seien sie gewöhnt, jeden Befehl auszuführen, da die Befehlsausführung ihr tägliches Brot sei. Skandinavische Geptemberwahlen In Dänemark und Schweden Am S. September wird das dänische Landsthing(Oberhaus) zum Teil erneuert. Es besteht in dieser Körperschaft im Gegensatz zum Folkething(Unterhaus) eine konservative Mehrheit, die verschiedene Gesetzentwürfe der sozialistisch-radikalen Koalition«- regierung sabotiert hat. Die bevorstehende Wahl bietet eine Gelegenheit, die konservakivc Mehrheit im Oberhaus zu brechen und so u. o. die Abrüslungsgesetze, die im Folkething bereits angenommen sind, durchzusehen. Die dänische Sozialdemokratie ficht den Wahlkampf mit einem umfangreichen Programm durch, dessen Hauptpunkte sind: 1. Eine neue Bodenreform, die die großen Güter gegen entsprechende Entschädigung an die Landarbeiter, Kleinbauern und Kletnhäusler verteilt. 2. Eine Gesetzgebung über die Trusts, deren Ziel der Schutz der Konsumenten gegen die Monopole der Oel-, Margarine-, Zünd- holz-, Stahl-, Glühlampen- und vieler anderer Trusts ist: die Trusts sollen unter die Kontrolle des Staates gebracht werden, welcher für die Herabsetzung der Preise auf angemessene Höhe zu sorgen haben wird. 3. Ein weiterer Ausbau der Sozialgesetzgebung. 4. Die endgültige Verabschiedung des Ab- rüstungsentwurfes. Er sieht die Ersetzung der Armee durch ein Wachtkorps vor, welches den durch den Völkerbund auf- erlegten Verpflichtungen, für die Verteidigung des Landes zu örgen, genügt. Schwedischer Wahlkampf ohne Kreuger-Schwindel. Unser schwedischer Genosse Per Albin Hansson äußert ich im Kopenhagener„Socialdemokrat" über die Aussichten für die Unterhauswahl am 48. September folgendermaßen: Da wir rund 299 909 Arbeitslose haben und die weitere Dauer der Krise trotz einiger Besserungsaussichten völlig unbestimmt ist, bemühen wir uns kräftig, die Fragen einer ausreichenden Arbeitslosenversicherung, einer verbesserten Bolls- Pension(Altersrente), einer Verbesserung der Verhältnisse der Landarbeiter und Kleinbauern und der Notwendigkeit des Eingreifens desGtaates in die Produktion und die Wirtschaftsverhältniffe in den Bordergrund zu rucken. Wir haben im Reichstag unsere Krisen vorschlage vorgebrocht, die 93 Millionen Kronen sür die notwendigen Zeilaufgoben bereitstellen wollen: hiervon sollen 30 Millionen für ösfenlliche Arbeiten. Z0 Millionen für die Arbeitslosennnlerstühung vnd 24 Millionen sür die Kleinbauern verwendet werden. Wir erwarten, daß diese Forderungen im ganzen Lande starken Anhang finden werden. Die Landwirte haben unsere Forderungen nach Verbesserung der Lebensverhältnisse der Landarbeiter aktuell gemacht, indem sie die Arbeitsverträge kündigten und eine Lohnherabsetzung um 25 Proz. fordern. Die Sozial- demokratie hat eine Reihe tüchtiger L a n d a r b e i t e r an die ersten Stellen der Wahllisten gesetzt und wir werden L— 19 Landarbeiter in den Reichstag hineinbringen. Der Kreuger-Schwindel spielt im Wahlkampf keine große Rolle, auch wenn die Kommunisten versuchen, damit zu speku- lieren. In der Zweiten Kammer haben jetzt von den 229 Mandaten unsere Partei 99. die Kilbomkommunisten 8, die Recht« (Rechts- und Bauernpartei) zusammen 199, die Liberalen 4 und die Freisinnigen— die Partei des eben zurückgetretenen Premier- Ministers Ekman— 28 Mandate. Unsere Partei hat große Möglichkeiten, und ich hoffe, daß sie zum mindesten das zurückgewinnen wird, was sie nach der Sozia- listenfchreckkampagne von 1928 verloren hat. Wir verloren damals 11 Mandate an die„Bürgerlichen" und 4 an die Kommunisten. Der Sozialistenschreck wirkt kaum mehr: die Sozialdemokratie hatte schon bei der Wahl sür die Erste Kammer 1939 einen ziemlich großen Fortschritt aufzuweisen. Die Partei Ekmanns, die Freisinnigen, wird sicher stark zurückgehen. Ein Teil ihrer Wähler wird vielleicht zu uns über- gehen oder nicht stimmen. Di« Freisinnigen sind in eine Links- und eine Rechtsgruppe geteilt. Die Kommunisten sind in zwei Gruppen gespalten, in die Kilbom- und die Sill6N°Partei. Man erwartet einen kommu- nistischen Rückgang wegen ihrer inneren Kämpfe und ihrer negativen Politik. Zum Schluß spricht Hansson von der sehr eifrigen Wahlarbeit und dem einheitlichen Siegeswillen unserer Genossen. ein neuer Gitzungsabschnitt heginnen soll. Wie wir hören, sind Vollsitzungen vorläufig nur für den 39. und 31. August geplant, da am 1. September in Essen die wichtigeren Deranstaltungen des Katholikentages beginnen. Man wird also sür den 31. August mit bedeutungsvollen Abstimmungen des Landtags über die Frage der Einsetzung des Reichskommissars und die blutigen Zusammenstöße zu rechnen haben. Wann die Wahl des Ministerpräsidenten stattfinden wird, steht bisher noch nicht sest. Oie Schließung des Bauhauses. Oessauer Nechtsmehrheit trägt die Verantwortung. Dessau, 22. August.(Eigenbericht.) In Dessau hat am Montagabend die politische Reaktion einen Triumph erlebt. Die Rechtemehrheit des Gemeind�rats stimmte einem natisnaljozialiltijchen Antrag auf Schlietzling des Lau- Hauses zu. Der Lehrbetrieb des Bauhaufes soll am 1. Oktober geschlossen, die Lehrkräfte sollen entlassen werden. Da die Annahme des nationalsozialistischen Antrags von vorn- herein sicher war, beteiligten sich die Sozialdemokraten nicht an der Abstimmung. In einer Erklärung bringf die sozialdemokratisch« Fraktion zum Ausdruck, daß die Sozialdemokratie bisher allen poli- tisch demagogischen Anseindungen zum Trotz die ausschlaggebend« Verantwortung sür das Bauhaus getragen hat. Wären nur kunst- und kulturpolitische Gesichtspunkte geltend zu machen, dann würde oie sozialdemokratische Fraktion des Dessauer Gemeinderats auch heute noch unabhängig von dem Verhalten anderer Parteien für die Erhaltung des Bauhauses votieren. In der gegenwärtigen Not- zeit, besonders mit Rücksicht auf das Höchstmaß der sozialen Für- sorge, müsse man aber fordern, daß alle Parteien des Gemeinde- rats an der Verantwortung für die Erhaltung des Bauhauses voll beteiligt würden Weil diese Bereitschaft aber bei den National- sozialisten und den bürgerlichen Parteien fehl«, sei auch von der Rechtsmehrheit des Gemeinderats die Verantwortung für die Folgen der Schließung de« Bauhauses zu tragen. Verwarnung. MELCÜFG „Diesmal ist euch das Aachsitzen noch mal erlassen. Ihr schreibt mir aber zur Strafe 25 mal auf: Ltnsere Aeichsregierung ist überparteilich." Die Urteilsbegründung in Brieg. Sie kann das Gchreckensurteil nicht rechtfertigen. Brleg, 22. August.(Eigenbericht.) Das Sondergericht verkündete am Montag im Reichs- bannerprozeß von Ohlau das bereits gemeldete llrteil, das im wesentlichen den Schreckensanträgen des Staatsanwalts ent- sprach. Bei fast allen Angeklagten wurde schwerer Landfriedens- bruch in Verbindung mit Aufruhr als erwiesen angenommen. In der Urteilsbegründung erklärte der Vorsitzende, die Zustän- digkeit des Gerichts sei zwar von der Verteidigung bestritten worden, steht ober außer Zweifel.'. Do die Vorfälle im Dunkeln sich ereigneten, sei vieles ungeklärt geblieben. Nicht ungeklärt aber sei, daß die Nationalsozialisten die Vorfälle nicht provoziert haben. Zwar hätten sich auch die Nationalsozialisten bei dem ersten Zusammenstoß auf dem Ringe illegaler Handlungen durch Zuschlagen schuldig gemacht, aber darauf könne sich das Reichs- banner nicht berufen, da es im abgelegenen Lokal„Zum Walfisch" noch keine Kenntnis davon haben konnte. Die übrigen Vorgänge in der Oderstraße 27, bei denen Nationalsozialisten erwiesenermaßen fünf Schüsse durch die Illohnungstür des Arbeiters Sarkus seuerleu und dabei zwei grauen schwer verlelzlen, sind verwerflich und können nicht hart genug geahndet werden: sie ständen aber hier nicht zur Debattel Die Angriffsbereit- fchaft und die Angriffslust der Führer des Reichsbanners stehen fest, aber das Gericht nimmt n i ch t an, daß die Veranstaltung in L a s k o- witz zu dem Zwecke am gleichen Tage wie das Sportfest der Nationalsozialisten in Brieg angesetzt warf um einen Zusammenstoß herbeizuführen. Erst am Tage der Vorfälle sei den Führern des Reichsbanners dieser Gedanke gekommen. Sonst sei eine Erklärung dafür, warum die Leute im„Walfisch" zusammengehalten wurden. nicht zu finden. Es habe kein Grund bestanden, das Gewerkschafts- heim und da» Konsumlager zu schützen. Die Arbeitersportler, die von nationalsozialistischen Motorradfahrern auf dem Ring angefallen wurden, hatten— keinen Landfriedensbruch b e- gangen, da sie zufällig dort standen. Die Vorgänge an der Postbrücke stellen sich dem Gericht so dar: Es waren 100 bis 150 Mann oersammelt, aber der Gedanke an einen Angriff auf die Nationalsozialisten war ihnen erst im Augenblick gekommen; vorbereitet war diese Handlung nicht. Der Ueberfall auf den GeNerkschaftssekrxtär, Manche, der unbedingt au» Notwehe h a,n de lre.. fand vor dem Zusammenstoß auf der Postbrllcke statt. Aber Manche sei nicht zu glauben, daß er nur seinen Freund Hunger gesucht hat, denn er habe sich eine Stund« lang in der Gegend de» Lokals zum Walfisch ausgehalten. Er habe die Führer des Reichsbanners von den Vorgängen auf dem Ringe benachrichtigt. Dadurch ist er des Lands riedensbruchs schuldig geworden! Jedenfalls fei Manche nicht der Rädelsführerfchast schuldig. Mit- dernde Umstände wurden versagt den Angeklagten Blech, Durniok und Banin. Durniok, der vor Gericht den günstigsten Eindruck machte, müsse am 10. Juli von allen guten Geistern verlassen gewesen sein. Er habe die Leute nicht zurückgehalten, son- dern aufgehetzt und dadurch seine Autorität als Reichsbannerführer mißbraucht. Wären die Angeklagten nach der Ordnung vom 9. August zu bestrasen, so kämen sie nicht unter 10 Jahren Zuchchaus davon. Man müsse ihnen die mildernden Umstände versagen, da im Rechtsstaat Terrorakte und Gewalttätigkeiten nicht geduldet werden können! Für den Angeklagten Manche sei strafmildernd(I), daß er schwere Schußverletzungen davongetragen hat, die dauernde Folgen zurücklassen werden. Die Angeklagten nahmen das Urteil mit männlicher Gefaßtheit entgegen. Beim Hinausgehen rief der Reichsbannerführer Blech: „Dem Morgenrot entgegen, Kameraden! Freiheit! Beamtenschub in Preußen. Bracht entrepublikanisiert die Verwaltung. Einen neuen großen Beamtensch u�b hat Dr. Bracht, der sich noch immer im preußischen Innenministerium aushält, am Montag verkündet. Der Herr Kommissarius entwickelt bei seinen Aktionen zur Entrepublikanisierung Preußens eine verdächtig« Eile. Befürchtet er oder sein Auftraggeber, Herr von Papen, daß der Staatsgerichtshof ihm kurzerhand die Berechtigung absprechen könnte, im Namen des preußischen Innenministeriums noch Re- gierungsedikte zu erlassen? Bracht hat nicht weniger als S0 preußische Lanfcräte— selbst- verständlich vorwiegend Republikaner— in den„einstweiligen Ruhestand" versetzt. Unter den 75 neu ernannten oder kommissarischen Land- räten befinden sich nur fünf Sozialdemokraten, dagegen allein 20 Träger�adliger Namen, darunter 2 Grafen und S Freiherren. Die Sozialdemokraten waren aber bereits bisher in anderen Kreisen im Amt. Unter den abgesägten Londräten befinden sich 19 Sozial- demokraten, die nicht wieder verwandt worden sind. Im ganzen hat Reichskommissar Bracht seit dem 20. Juli 27 sozialdemo- kratische Landräte, also fast die Hälfte aller parte!» genössischen Landräte, abgesägt. Unter ihnen befinden sich zahl- reiche hervorragende Parteigenossen, die aus der Gewerkschafts- bewegung stammen. Unter den 75 neu ernannten Landräten steht die überwiegende Mehrzahl den Rechtsparteien, und zwar der Deuts che n Voltepartei und den Deutschnationalen nahe, ein Teil von ihnen gahört diesen Parteien an, nur ein kleiner Rest setzt sich aus Zentrumsleuten und ehemaligen Demokraten zu- fammen. Schleichers Wehrprogramm. Herriot befragt Fallet und Gouraud. Paris, 22. August.(Eigenbericht.) Ministerpräsident H e r r i o t hat am Montag seine Ver- Handlungen fortgesetzt, um sich über die Abwehrstellung der sran- zösischen Regierung gegenüber den deutschen Militärsorderungen klar zu werden. Zunächst empfing er General Rollet, den «instigen Vorsitzenden der interalliierten Militärkontrollkommission in Deutschland, dör im ersten Kartellkabinett Herriots Kriegsminister gewesen war. Der zweite Besucher war der Stadtkommandant von Paris, General Gouraud. Zum Schluß empfing Herriot noch den französischen Gesandten in Prag, Noel. Von halbamtlicher Seit« verlautet, daß Frankreich vor Beginn der Rkilitärverhandlungen mit Deutsch. land zwei Bedingungen zu stellen entschlossen sei. Die Verhandlungen könnten erst dann beginnen, wenn die innenpolitische Krise in Deutschland geklärt sei. Man könne erst mit einer Reichsregierung verhandeln, die wirklich die nötige Autorität besitze, um im Namen des deutschen Volkes zu sprechen. Die zweite Bedingung läuft darauf hinaus, daß Frank- reich sich nicht in Einzeloerhandlungen mit Deutschland einlasse, sondern die Forderung erhebt, daß vor allem auch die Nachbar- staaten Deutschlands, also die Kleine Entente, hinzugezogen werden. Der„Temps" betont, Frankreich werde zunächst die j u r i st i s ch« Gültigkeit der deutschen Forderung bestreiten. Jede Forderung Deutschlands nach Rüstungsgleichheit ist juristisch unannehmbar, da die einschlägigen Versailler Bestimmungen über seine Abrüstung zu Lande, zur See und in der Lust noch in voller Kraft bestehen. Eine Verhandlung auf juristischer Grundlage war« daher unmöglich. Es komme auf Deutschland an, wie es im gegebenen Augenblick das Problem rein politisch anschneiden werde. Dann aber mühte Deutschland für eine Aonzefsioa von derartigem Wert bessere Garantien sür die allgemeine Sicherheit anbieten. Wenn Deutschland oersucht«, so schließt der„Temps", durch Erpressungen die Unterzeichner des Friedens einzuschüchtern. wenn es drohte, aus dem Völkerbund auszutreten oder sich will- türlich über die Friedensbestimmungen, hinwegzusetzen, so brauche man das nicht zu ernst zu nehmen. Deutschland würde sich dann in internationale Verwicklungen stürzen und könnte bei diesem Abenteuer selbst zugrunde gehen. SA. schlägt Stahlhelmer nieder Lleberfall in Ortelsbnrg. Ottelsburg, 22. August. Rlehrere Slahlhelmstudenlen. die mit der Ostpreußenstreife der Stahlhelmstudenten in Ottelsburg eingezogen waren, wurden von SA.-Männern überfallen und durch Schlaginstrumente zum Teil erheblich verletzt. Die Polizei hat bereits den größten Teil der an dem lleberfall Beteiligten ermittelt und gegen sie ein Strafverfahren eingeleitet. Die» ist in kurzer Zeit der vierte SA.-Ueberfall auf Stahl- helmer. Die schon seit langem bestehenden geheimen Gegen- sätze zwischen Stahlhelm und SA., die durch die Ent« hüllungen des Stahlhelmführers v. Stephani in das richtige Licht gerückt wurden, scheinen nunmehr in offenen Kriegszu- st a n d auszuarten._ „Führer" der SA.! Mißhandelt feine Iran und bedroht mit Landsknechten die Mitbewohner. Hannover, 22. August.(Eigenbericht.) In einem Vorort von Hannover behandelte der SA.- Führer Stranz feine Frau in unmenschlicher weise. Er warf sie zu Boden und trat sie so lange mit den Füßen, bis sie blutüberströmt liegen blieb. Anwohner eines benachbarten Saublocks einer vaugenossenlchafl. meistens Sozialdemo- kralen. befreiten die Frau aus den Händen des Wüstlings und sorgten für ihre Ueberführung ins Krankenhaus. Einige Stunden später, als die meisten Einwohner schon schliefen, erschien Siran; mit 2S bis 30 SA.-Leuten in Zivil vor dem Wohnblock und tobte fürchterlich herum. Es wurden schwere Drohungen ausgestoßen und Leute gesucht, die man mißhandeln wollte. Osfenbär hatte Stranz die Schlägerkolonn« mit der un- wahren Begründung herbeigelockt, seine Frau sei von Anhängern der Eisernen Front überfallen worden. Denn am Montag morgen erklärte dieser Bursche vor der Polizei bei seiner Vernehmung mit frecher Stimme, das Mordgesindel aus her Baugenossenschaft habe seine Frau mißhandelt. Die 20 SA.-Leute schrien und brüllten vor dem Block herum, begingen Land- und Houssriedensbruch. drangen wie Vandalen in Häuser und Höse ein und schlugen mit Stahlruten. Schlagringen und ähnlichen Mordinstrumenten auf jeden ein. der ihnen in die Quere kam. Mehrere Personen wurden schwer mißhandelt. Ein Mann erhielt Schläge mit einer Waffe über den Kops und wurde verwundet.. Es ist nur ein Zufall, daß kein Todesopfer zu ver- zeichnen ist. Die Nazirowdy», die mit Schußwaffen versehen waren, riefen den Bewohnern zu„Sosort die Fenster schließen" und kündigten an, sie würden in die Wohnungen kommen und die „Fenster selbst schließen". Dazu kam es aber nicht, denn das herbei- gerufene Uebersallkommando machte ihrem Unfug ein Ende. Die Nationalsozialisten flüchteten, nachdem sie vorher angekündigt hatten, sie wollten wiederkommen. Am Montag morgen wurden ver- schieden« Stahlruten gefunden, die die Nationalsozialisten weg- geworfen hatten, als das Uebersallkommando erschien. Man hat an diesem Vorfall wieder einmal ein typisches Beispiel dafür, wie das Notwehrrecht der SA.-Banditen aussieht, das von ihren Führern propagiert wird. Wichelms„Botfchast". Stimme aus einer verschollenen Welt. Deutschland hat schwere Sorgen— innen- und außenpolitisch. Aber in den schwersten Zeiten gibt es doch auch einige Lichtblicke, die dos Gemüt erheitern. So einen Lichtblick gab es am Sonntag aus dem Schlachtfeld von L'e u t h e n, wo sich alles ver- sammelt hatte, was mit allen Beinen tn der Vergangenhest steht. Leuthen— das klingt an die Kriegsgeschichten, die vor vielen Jahren den preußischen Kindern in der Schul« als Ersatz sür die verweigerte Lebenskenntnis eingebleut wurden. Leuchen— das ist «in Wort aus den deutschen Bruderkämpsen, bei denen die mit Zwang„angeworbenen" preußischen Soldaten gegen Oesterreich im Siebenjährigen Kriege standen. Aus diesem Schlachtseide von Leuthen hat, wie wir schon kurz berichtete� der Republik-Pensionär Mackensen«in restauriertes Denkmal enthüllt und dabei eine„Botschaft" Wilhelms des Davongelaufenen verlesen. Dieser Hcldenschmus des Greises von Doorn ist einer der Lichtblicke in dunklen Tagen. Man ver- nehme hie Weisheit, die Mackensen als Lautsprecher des Senders von Doorn wiedergab:' „Ich begrüße die versammelten älten Kameraden und .sage jedem einzelnen, der mitgewirkt hat, dieses... an herrliche Taten erinnernde Denkmal wieder auf- zubauen, meinen königlichen Dank. Dieser herrliche Sieg wird uns für alle Zeiten ein glänzendes Vorbild bleiben. Nur durch heiß« Kämpfe führt der Weg zum Sieg." Wer denkt heute noch an Leuthen, an den Gamaschendrill des Alten Fritz? Nur Gamaschenknöpfe von Beruf und Neigung und — Helden wider Willen, die so gern für's Vaterland sterben wollten und doch schließlich in Doorn«inen geruhsamen Lebensabend oerbringen müssen.... Das deutsche Volk hat andere Sorgen! Reichslagsabgeordneter Gandorser gestorben. Der dem bayeri- schen Bauern- und Mittelstandsbund angehörende Reichstags- abgeordnete Karl Gandorser ist in der Nacht zum Sonn- tag auf seinem Gut in Niederbayern gestorben. Katharina. Admiralstheater. Schlecht und recht, mehr schlecht als recht dramatisierte Historie, primitiv alberne Musik von Ernst Stefsan, all f>ies in vorzüglicher Aufmachung. Großer Abend der Gitta Alpar, die sich als charmant bewährt, ohne viel retten zu können. Premierenerfolg. \nxnt'' �i�f{5* Staats Tiicfitcr siaatsoper unter iten Linden Wiederbeginn der Spielzeit Donnerstag, l. September, 20Uhr: Stziiianische Vesper Dirigent: Kleiber de Strozzi. Ruziczka, Wiltriscfa, Gro�mann, List, Abendroth Beginn des Vorverkaufs: Sonntag, 21. August, bei den bekannten Verkaufsstellen. siaatnches Schauspielhaus Wiederbeginn der Spielzeit Sonnabend, 27. August, 20 Uhr: E g m o n t Otto, Franck, Koppcnhöfcr, Müthel, fictkc, Mlnctti Beginn des Vorverkaufs: Sonntag, 21. August, bei den bekannten _ Verkaufsstellen 6 Uhr 15. Flora 3434. Raodien ort. Taps& Tempo, RemosComp. 4 Richys, Sealtiel, M.& C Mayo Levanda, Hunter& kokette statu. Oper CharlottennurK Bismarckstraße 34. Dienstag, 23. August Turnus l Undine Neueinstudierung Nettesheim, Schirach, Müller, Cavara, Hüsch, Gombert, Kaudl, Haumann, Fechner Anfang 19.30 Uhr Ende gegen 23 Uhr SCAtA TSgi.su. s-/, übe LUCILLE PAGE m. Dinosaurus usw. HRnSUffl Irrolmansir. 70/71 teinpi(C 1) 6715 .b L September täglich 8 ühr Die versunkene Glocke44 nr Feier d. 70.Ge- urtstages von erhart Hauptmann Rose- Theater Onli Frankfurter Strafe 132 Tel. Weidiul l 1 342! 8.30 Uhr Herzdame GartJänbUhne 530 Uhr Konzen u. Variete FrUblUtoslDii »v.uhr CflSIIIO-THEÄTER»>/, � Lothringer Strafe 37. iiniinuiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiii Berlin wird wieder lachen 1 Ab Freitag, den 26. August Annemarie da« kleine Tanzm&del Volksoperette.— Musik von Gilbert Vorher ein bunter Teil. Preise 0.50 M, 0,75 M. und 1.— M. Auch Sonntag abend. lihs Scbisi. sai. 5iJlspSt(U.2,5,8i4B. RelnhanU-lnszenierg.; Kabalen. Liebe Thi!aferii.Weslens Täglich SV« Uhr Ritod lato Dreimäderl- haus „Theater im_ Admiralspa.asl Täglich 8% Uhr 6it(a Alpar in Katharina 1 TRAUM , LAND J SC H O" M HOLZ STRASStNB" 57*68"119 II K LI T E wieder Groß- Feuerwerk Parteigenossen Äme�seh'; gute Küche(5 Mahlzeiten), Garten mit Liegewiese direkt am Hause, nahe Wald und Bahnstation. Schwimmbad vorhanden. Pension 3,— täglich. Alberf Karget, Laftkorort Harrlehaoten (Harz). Genossen, kommt an den. Rhein! Pension Sssquit vocharach a. Rh, Aus der Mauer Ganze Pens. 4,— M. Bad im Kaufe Rim. m. Frühst. 2,25 M. Rheinterrasse Bad-Nauheim das HerZ'fletl'Bad der WeU Parteigenossinnen und Genossen, die Bad-Nauheim aufsuchen, erhalten kostenlos Rat u. Auskunft von unserem parteigenössischen Wohnungsnachweis; R. Wiedermann, BUmarckplalz S. Ortsgruppe Bad-Nauheim der SPD Kiirtase ßeneuienderim Dienstag. 23. August nachmittags Z Uhr IGST das beliebte Ostseebad westlich Rügen. Stein freier idealer Strand. Warme medizinische Büder Kurkonzerte. Sport Ausk Badeverwaltnog. Tel.: 25. «Ms Metallarbeiter-Mdü Verwaltungsstelle Berlin Todes-Anzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Wicklerin Minna Thea geboren 18 Januar 1887, am 18. August gestorben ist. Die Einäscherung findet am Diens» tag, dem 23. Auguft l0>/, Uhr, von der Leichenhalle des Krematoriums Berlin, Gerichistrahe, aus Natt. Am 18. Augull starb unser Kollege. der Ziseleur Willi Boelitz geboren 14. Februar 1873. Die Einäscherung findet am Diene» tag, dem 23. August, 16 Uhr, von der Leichenhalle des Krematoriums Laumschaienweg. Kiesholzilrage, aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwalfang. Donnerstag. den 25. August, nach- mittags 5 Ahr, in Ewalds Vereins- haus, Skoiitzer Str. 126: Versammlung der Srsveure und Ziseleure Tagesordnung: 1. Vortrag: Zweck und Ziele des Arbeiter- Eamartter-Bundes. 2. Diskuiston. 3. Braiuhenangeleaenheiten. Ohne MMliedsduch fein Zutritt. Es ist Pflicht aller Kollegen, an dieser Versammlung teilzunehmen. Oonnerafag, den 25. Aognsl, nbends 7 Ahr, imGemrrlsckiastshnns, Engel User 24 25, Groger Saal: »raudieu-Versammlung der koilrleger und Seiler Tagesordnung 1. Vortrag. 2. Verbands- und Branchenangelegen heilen. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreicher Besuch wird erwartet. AdlttmS. Betriebsräte! Die Betriebsräte- Zeilschrift Nr. 14 ist erschienen und kann gegen Vorzeigung der Legiiimationskarle des Betriebsrats- Obmannes im Verbandshause, Zimmer 5 täglich bis 4 Uhr, Freitags bis 7 Uhr, ent- nommen werden. Die OrisverwaHung, Eewlnnauszng 5. Klasie 39. Preubisch-Süddeulsche Staats-Lotterie. C�nc Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne I gcjauen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 12. Ziehungstag 22. August 1932 Ln der heutigen Vormittagsziehung würben Gewinne über ADO M. gezogen 2 Erwwv« in 1 0000<231. 49782 12 Oeteinnc ju 5000 331. 757 37232 203818 380001 391803 397974 ,"* 2000 M. 69S92 100889 139956 167679 175926 180203 222271 306835 314808 334570 345747 370061 385080 338424 , 48«noinn« ju 2000<311. 6717 64574 66174«8585 97632 138030 145487 160609 165259 204571 221382 250716 253852 257264 294414 297345 299747 312179 343921 356278 362811 370348 388406 1 20©emiime gu 1 000 TO. 23330 29908 34209 42194 43708 55421 5.5609 89942 91015 93572 98079 99128 109647 116532 125056 127914 128560 141535 14S746 1 53027 160901 162967 175846 179098 189762 192089 201837 202127 202398 205981 208842 209014 234672 235848 239878 250694 252434 254597 255110 258120 264569 268494 290839 292675 301913 302226 314057 321346 323113 334713 330767345498 349209 357041 367912 368432 374092 384492 388925 398842 178©«Winne ,ii 500 M. 5712 7740 11541 13383 13313 20124 27564 28456 29243 35929 45185 45695 50002 50037 51601 56292 60190 60399 65151 68245 74067 76746 81579 S1646 98280 I10I04 110320 118511 124647 126722 123202 130358 142837 147439 156619163115 171274 177107 193543 194917 205441 205466 205907 219489226104 227422 232505 235069 239624 244270 244514 245118 245642 246732 249131 260767 266224 268542 268830 275007 279049 281583284724 235208 285568 286765 295379 298654 309381 313426 315811 320565 335982 338673 340428 352970 361684 361798 362307 363304 365758 370300 375098 378609 378994 383961 391425 392312 394500 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über AM M. gezogen 4 Gewinne 1 0000 M. 9703 63391 4 Gewinn« ,n 5000-TU. 133601 238052 20 Gewinn« JU 3000 Oll. 45300 128331 173862 186535 200600 206042 279345 303455 322817 387384 34 Gewinne ,u 2000 M. 4370 37636 42844 45071 62937 92220 158110 161465 162773 174381 178225 238710 243200 294311 322274 379533 386769 33 Gewinne»I 1 000 M. 12943 19373 23340 35435 42232 46349 54641 54762 634S4 73554 83807 85245 87843 89860 98066 101419 107477 111011 122628 131916 169067 169965 184171 193578195645 240194 243292 244423 246883 257214 268555 285811 285929 323077 323132 349419 3:il286 356988 359681 360921 389278 389490 392119 399375 164 Gewinne ju 500 M. 2134 10590 18439 24531 28817 32016 33358 35170 42004 45033 47453 52921 56522 57473 62567 62685 66087 71282 74233 77373 95822 96151 98813 101342 101352 106187 110245 111391 112615 127082 1 27909 132036 132352 133773 135614 142735 155233 1 59955 163611 164747 168763 169154 175344 180193190408 197469 201435 209667 209894 213004 210494 229910 232677239004 240018 241337 242220 262329 264602 269005 271 113 276563 278230 278960 233459 295242 300344 303336 304900 314033 321481 328848 333306 333483 349177 369493 372483 375412 379662 380199 382357 393222 Im Kswmnrabe verblieben: 2 Prämien je zu 500000, 100 Echlußprämien zu je 300(1, 2 Gewinne zu je 2t>j000. 2« ttfiD O, 4 zu ie VSi'Ki. 4 zu je 50000, 20 zu je 2'000, ISO zu je 10000, 268 zu je 5000, 563 zu je 8000, 16« zu je 2000, 33z0 zu je 1000, 5534 zu je 500, 16040 zu je 400 M. lieren Urlaub im schönen Thüringer Walde im herrlichen Erzgebirge in stimmungsvoller Heidelandschaft im märkischen Seengebiet in fieluieu derADEfE Allgemeine DenisdieGesellsttiaft für Ferien- und Ernolungsneime m. 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Die vorhandenen Badeanstalten reichen nicht aus, um insbesondere an heißen Tagen allen denen Raum zu bieten, die chrem Körper die Heilkraft von Sonne, Luft und Wasser dienstbar machen zu wollen. Diese Bestrebungen sind zur Hebung der Volksgesundheit durchaus zu begrüßen. Bedauerlicherweise hat das Badeleben aber teilweise Entartungserscheinungen gezeitigt, die im Interesse der öffentlichen Sittlichkeit nicht gutgeheißen werden können. Lediglich zur Beseitigung dieser Mißstände habe ich die nochstehend wiedergegebene Poltzeiverordnung erlassen, die in der Preußischen Gesetzsammlung veröffentlicht ist. Die Badepolizeiverordnung hat folgenden Wortlaut: Auf Grund der§§ 14, 25 und 33 des Polizeiverwaltungsgesetzes vom 1. Juni 1931(GS. S. 77) wird für das Land Preußen folgende Polizeiverordnung erlassen:§ 1. Das öffentliche Nacktbaden oder Baden in anstößiger Badekleidung ist verboten. Als öffentlich im Sinne dieser Bestimmung gilt das Baden, wenn die Badenden von öffentlichen Wegen oder Ge- wässern aus sichtbar sind.—§ 2. Im und am Wasser ist jedes Ber- halten zu unterlassen, das in sittlicher Beziehung AergerrÄs zu geben geeignet ist.—§ 3. Es ist verboten, nur mit einem Badeanzug bekleidet, öffentliche Gaststätten zu betreten oder sich in diesen aus- zuhalten, es sei denn, daß die Gaststätten nur vom Badestrand oder den Badeeinrichtungen aus zugänglich sind.—§ 4. Die nachgeordneten Polizeibehörden können weitergehende Bestimmungen erlassen. —§ 5. Gegen die Nichtbefolgung der Polizeiverordnung wird hier- mit die Festsetzung von Awangsgeld bis zu 159 Mk. angedroht.— § 6. Diese Polizeiverordnung tritt am Tage nach ihrer Beröffent- lichung in Kraft.— Berlin, den 18. August 1932. Der Minister des Innern. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt. Dr. Bracht. Zu dieser Polizeiverordnung bemerkt Bracht weiter: 1. Die Polizeioerordnung betrifft jede Art von Baden, be< sonders auch das sogenannte L u f t b a d e n.— 2. Das Verbot des Z 2 bezieht sich nicht nur auf ein Verhalten, an dem im Einzelfall Aergernis genommen wird, sondern auf jeden Fall, an dem von vernünftigen Menschen Aergernis genommen werden kann.— 3. Mit Rücksicht darauf, daß die Polizeibehörden gegen die durch die Badepolizeiverordnung verbotenen Dinge bisher nur wenig ein- geschritten sind, ist die Polizeiverordnung z u n ä ch st in der Weise durchzuführen, daß ihr Inhalt zur Kenntnis der in Frage kommenden Personenkreise, besonders der betroffenen gewerblichen Unternehmer, Vereine und dergleichen gebracht wird.— 4. Die Entscheidung darüber, welche Badekleidung als a n st ö ß i g anzusehen ist, überläßt Bracht bis auf weiteres dem pflichtgemäßen Ermessen der Ortspolizeibehörde. * Die Badepolizeiverordnung des mit der Wahr- nehmung der Geschäfte des preußischen Ministers des Innern be< oustragten Oberbürgermeisters Dr. Bracht bedeutet einen Rückfall in Anschauungen, die bei den Menschen von heute als längst über- holt, ja geradezu als unmoralisch angesehen werden. Zudem sind die Anordnungen so unbestimmt gehalten, daß sie den einzelnen Polizeibeamten vor geradezu unlösbare Aufgaben stellen. Der§ 1 spricht davon, daß Baden in anstößiger Badekleidung verboten ist. Wir fragen Herrn Dr. Bracht: Was ist eine an- stößige Badekleidung? Im§2 wird gesagt, daß jedes Verhalten zu unterlassen sei, das„in sittlicher Beziehung Aergernis zu geben geeignet ist". Wir fragen Herrn Dr. Bracht wiederum: Was ist geeignet in sittlicher Beziehung Aergernis zu geben? Unter Nr. 2 des Kommentars zu dieser Badepolizeiverordnung heißt es, daß das Verbot sich nicht nur auf ein Verhalten, an dem im Einzelfall Aergernis genommen wird, beziehe, sondern auf jeden Fall,„an dem von vernünftigen Menschen Aergernis genommen werden kann". Wir fragen Herrn Dr. Bracht zum dritten: Wer und was ist ein vernünftiger Mensch? Herr Dr. Bracht beantwortet diese Fragen zum Teil in Nr. 4 seines Kommentars. Hier heißt es:„Die Entscheidung darüber. welche Bodekleidung als anstößig... anzusehen ist, will ich bis auf weiteres dem pilichtmäßigen Ermessen der Ortspolizeibehörde überlassen.. Die Entscheidung darüber, was eine an- stoßige Badekleidung ist, was in sittlicher Beziehung Aergernis ZU geben geeignet ist und woran von vernünftigen Menschen Aergernis genommen werden kann, liegt also im Ermessen eines jeden preußischen Polizeibeamten jeden Grades, soweit er in der Sichtweite von öffentlichen Gewässern tätig ist. Der Willkür und dem Muckertum, die wir überwunden glaubten, sind durch diese Badepolizeiverordnungen Tür und Tor geöffnet. Ein reaktionärer Polizeibeamter kann aus Grund dieser Verordnung zum Tyrann des Badestrandes werden. Herr Dr. Bracht hat in der Einleitung zu seiner Verordnung gesagt, daß an sich der Wunsch nach Lust und Licht, der die weitesten Kreise der Bevölkerung beseelt, be- grüßenswert ist. Wenn Herr Dr. Bracht die Berechtigung dieses Wunsches anerkennt, wie kann er dann zu einer Verordnung kommen, die ein wirklich frisches und freies Bade- vsk �Kekiiell unseres neuen Romans GILGI EINE VON UNS beginnt morgen. Der Roman wird bereits verfilmt. Er erscheint als TK.-Fiim im Verleih der Paramount. Die Hauptrolle der Gilgi hat Brigitte Helm übernommen. Die männliche Hauptrolle spielt Gustav D i e s s I. Der„Vorwärts" veranstaltet im Anschluß an den Roman ein Preisausschreiben dessen nähere Bedingungen Ende August bekanntgegeben werden. leben unmöglich machen muß? Wir sind der Ansicht: es gehört schon ein hohes Maß von Unsittlichkeit dazu, an einem Menschen, der leicht und gesundheitsgemäß gekleidet ist und einen möglichst großen Teil seines Körpers der Luft und der Sonne darbietet, etwas Unsittliches zu finden. Für den anständigen, d. h. für den wirklich vernünftigen Menschen hat der menschliche Körper nichts Unsittliches, für den Unanständigen ist aber auch die kleinste Andeutung'gewisser von der Natur mit- gegebener Körperteile unanständig. Bade im Gehrock. Die Badeverordnung ist kaum erlassen, und schon haben sich ihre Folgen gezeigt. In K l o st e r aus H i d d e n s e e sind gestern sämtliche Badegäste, die im Badeanzug zum Strand gingen, von dem Landjägermeister aus Grund der Brachlschen Verordnung festgestellt und notiert worden. Es handelt sich um etwa 39 Personen. Unter ihnen war ein junges Mädchen, di« über den Badeanzug sogar einen Bademantel gezogen hatte. Sie wurde aufgeschrieben, weil der Wind in ihren Mantel gefahren war, so daß man ihre Beine sehen konnte. Es ist klar, daß die Badegäste auf diese Schikane hin mit der Drohung ge- antwortet k�aben, sofort abzureisen. Wenn sie über genügend Geld verfügen, werden sie vielleicht außerhalb Preußens die Erholung finden können. Für das neue Preußen ist tatsächlich jedem Erholungsuchenden anzuraten: Bade im Gehrock! 200 000 waren in den Freibädern. Wenn auch die Hitzewelle der letzten Tag« den Strand- und Freibädern durch Hunderttausende von Badebesuchern einen Aus- gleich für die bisher wenig günstige Badesaison brachte, so zeigte sich doch, daß am Sonntag der Besuch gegenüber dem Vorsonntag zurück- blieb, da mancher Berliner bei der Hitze die Fahrt scheute und zu Hause bliebe. Der Wassersportplatz Plötzensee zählte am Sonn- tag 37 999, das Strandbad Wannsee 35 999, Müggelsee 25 999, Lübars und Orankesee mehr als 12 999 und das Flußbad Lichtenberg lowi« das Volksbod Jungfernheide weit über 7999 Badegäste. Insgesamt hatten die städtischen Strand- und Freibäder am Sonntag einen Besuch von 299 999 Erholung- suchenden aufzuweisen. Die letzte Woche ergab für die Freibäder mit 659 999 Badenden die Höchstziffer in diesem Jahre. Seit der Eröffnung wurden mehr als 3 899 999 Gäste gezählt. Die Beisetzung der„Niobe"- Opfer. Keine Toten mehr an Bord des Schiffes. Die Beisetzungsfeier für die Toten der„Niobe" wird am Dienstag, dem 23. August, von 16—17 Uhr, aus Kiel auf sämtliche deutschen Sender übertragen. Wätz- rend der Feier spricht der Chef der Marineleitung. Ad- miral Dr. h. c. R a e d e r. Wie die Marinestation der Ostsee mitteilt, sind in der vcr- gangenen Nacht die am Sonntag noch nicht leergepumpten Räume der„Niobe" gelenzt worden. Es handelt sich dabei im Vorschiff um die Artillerie- und Steuermannsräume und im Achterschiff um die Abteilung, die den Proviant-, den Zimmermanns- und den Akku- mulatorenraum und die Heizkessel für die Warmwasserversorgung umfaßt. Alle Räume des Schiffes sind einer neuen Durch- s u ch u n g unterzogen worden, weitere Tote wurden jedoch nicht gefunden. Es steht also fest, daß von den 69 vermißten Angehörigen der Besatzung der„Niobe" 35 ihr Grab in der Ostsee gefunden haben. Während der Nacht wurden olle Räume genau beobachtet und festgestellt, daß der Schiffskörper dicht hält. Am Montag vor- mittag um 19.39 Uhr wurde die„Niobe" von dem Schlepper„C a- pella" aus der Heikendorfer Bucht ins Marinearsenal nach Kiel geschleppt. Eine genaue Besichtigung aller Räume der„Niobe" durch eine Gerichtskommission und die Marineschiffsuntersuchungs- behörde ist erfolgt. Im Arsenal wurde sofort mit der Aufnahme des Nachlasses der Toten der„Niobe" begonnen. Die Reichsmarine bereitet alles vor, um den Toten der„Niobe" die letzte Ehre zu erweisen. In der Kapelle des Garnisonfried- Hofs stehen unter dem grünen Schmuck der Lorbeerbäume und Palmen 24 Särge. Kesselexplosion in Mannheim. Arbeiter und Lehrling getötet. Mannheim, 22. August. Eine folgenschwere Kesselexplosion ereignete sich Monlagnach- mittag auf dem Gelände der E st o l- A.- G., Friesenheimer Straße IZo. Zwei Arbeiter waren mit der Prüfung eines von ihnen reparierten Kessels beschäftigt, als dieser explodierte. Ein aufgeschweißter Deckel war bei der Druckprobe abgesprungen. Der bei der Arbeil beschäftigte Vorarbeiter Ludwig h a n m a ck und der 14jährige Lehrling Robert M i n k l e r wurden etwa 89 Meter weit fortgeschleudert und aus der Stelle getötet. Aus der Suche nach dem Mörder. lOOD Mark Belohnung auSgeseht. Die Polizei gibt bekannt, daß für die Aufklärung des Mordes an dem 16jährigen Kurt Schöning eine B e- lohnung von 1999 Mark ausgesetzt worden ist. Die Untersuchung hat ergeben, daß der Tod zweifellos auf Grund der Verletzungen durch Verbluten eingetreten ist. Bei der Arbeit d�r Mordkommission, die von der Berliner Suchhundstreise unterstützt wurde, ergab sich eine Spur. Einer der angesetzten Spürhunde fand eine Fährte, die im Kreise um den Tatort herumführte und dann auf einem Wege endete, der zum Bahnhos Finkenkrug führt. Während ein Teil der Beamten der Mordkommission draußen in Falkensee weilte, begannen andere in Berlin mit den Nach- forschungen. Vom Sonderdezernat für homosexuelle Vergehen ist der Mordkommission ein Beamter beigeordnet worden. Kurt Sch. hat nach den bisherigen Feststellungen fast ausschließlich in der Friedrichstadt verkehrt und sich nur wenig um die Kreise in Berlin W. gekümmert. Man erfuhr, daß er sehr gern Auto und Motorrad fuhr und Anschluß an Automobilisten gesucht hatte. Es konnte aber noch nicht festgestellt werden, mit wem er zusammen war. Kurt Sch. hatte sich bisher immer seinem 19jährigen Bruder Werner, der von Beruf Zeichner ist, anvertraut. Werner Sch., der zur Zeit unauffindbar ist, ist für die Mordkommission bei der Aufklärung des grauenhaften Verbrechens ein wichtiger Zeuge. Der Präsident des Landgerichts 11 Berlin, Geheimer Ober- justizrat H u m b e r t, ist am Sonntag, wie jetzt erst bekannt wird, im 58. Lebensjahre gestorben, und zwar an den Folgen einer Angina pectoris. lfm diese wertvolle. Cigarelle dein Raucher stets in unveränderter güte liefern zu können, müssen wir darauf verzichten, unserer Juno Zugaben wie UJerimärken, Guischeine oder Stickereien beizufügen. «Josetti hat nur das eine Ziel: Durch beste Tabake den Kenner dauernd zufrieden zu steilen! KON UNOj* Zugeknöpft bis zum Hals. Beamter muh schwitzen und schweigen. Ob die Hitzeperiode bereits ihr Ende erreicht hat, das kann man nicht wissen. Es sieht nicht so aus. Aber selbst wenn sie zu Ende sein sollte, dann dürfen die nachfolgenden Ueberlegungen trotzdem auf ein wenig Beachtung Anspruch erheben. Warum müssen bei dieser furchtbaren Hitze die Schupo- b e a m t e n, die Straßendienst haben, heute wie vor 50 Iahren ihre dicke Stoffhose anhaben, und noch dazu als modernste Errungen- schaft, den schweren Lederhelm, vom Volk ganz richtig„Dunstkiepe" genannt. Warum? Als einzige Konzession die auch noch unkleidsame gelbliche Litewka. Warum keine weißen Hosen, keine weiße Litewka, keine weiße Schirmmütze. Und nun erst die Briefträger. Diese wahrhaft bedauernswerten Beamten müssen mit der aus schwersten dicksten Stoffen gefertigten Dienstkleidung, einer schweren Tuchmütze und als drittem der schweren Tasche treppauf treppab laufen. Der Schweiß bricht ihnen in Strömen von der Stirn, aber das darf niemand merken. Von einem, der weiß, wie es im Postbetrieb zu- geht, erhielten wir eine Zuschrift, in der es heißt: „Es ist in den letzten, abnorm heißen Tagen täglich passiert, daß Briefträger, die ihren Rockkragen etwas öffneten, um sich auf diese Weise Kühlung zu verschaffen, von den Auf- sichtsbeamten, die die Briefträger und andere im Außendienst be- findliche Postbeamte auf den Straßen kontrollieren, gemeldet wurden und sich dann auf dem betr. Postamt entweder beim Stellenvorsteher oder im„Wiederholungsfalle" beim Amtsoorsteher selbst verantworten muhten. In den meisten Fällen ist ipit einer„Warnung" bzw. einem„Verweis" zu rechnen. Erlaubt sich aber von den geplagten Briefträgern einmal jemand auf die großen Strapazen seines Berufs hinzuweisen, so wird er an- gedonnert, daß sein Verhalten(also das Oeffnen des Rockkragens) gegen die„Dienstzucht"' verstößt und infolgedessen geahndet werden muß." Und wie mit der Schutzpolizei und den Postschaffnern, so ist es mit den Straßenbahnschaffnern und den U- B a h n- A n- gestellten. Auch sie haben dicke Dienstkleidung an, bei der dem leichter Gekleideten schwül und übel wird, wenn er sie nur ansieht. Die Antwort, warum das alles, ist in Preußen so einfach. Weil überall in den oberen Dienststellen gewisse Herren als Vorgesetzte fungieren, die den allergrößten Wert darauf legen, daß der Beamte immer als Beamter auftritt. Dienstkleidung wie zu Großvaters Zeiten mit Schnürchen, Börtchen, Sternchen und Kinkerlitzchen. Dienstkleidung sagt man, Uniform meint man. Der ununiformierte Beamte könnte sich ja mal als Mensch fühlen, der uniformierte darf das nicht. Uniform, das heißt, scharfe Disziplin, Augen rechts, immer rechts, Hacken zusammen. Und überall, wo der Beamte im Dienst ist, da ist für chn, und mögen es 40 Grad Hitze fein, der Kasernen- Hof. Und überall schleicht unsichtbar ein Herr Vorgesetzter oder ein Herr Kontrolleur herum und achtet darauf, ob die Beamten auch vorschriftsmäßig erscheinen Und wenn selbst in dem letzten Jahr- zehnt etwas besser geworden war, jetzt weht ein anderer Wind. Der preußische Schneid hat sich von seiner Ohnmacht erholt und trumpft auf. Die Beamten und Angestellten aber täten gut, wenn sie eine solche Tortur nicht in schweigender Wut hinnähmen, sondern ihre Organisationen so ausbauten und stärkten, daß sie als alleinige zentrale Gewerkschaften mit den vorgesetzten Behörden verhandeln könnten. In Amerika sitzen Richter, Anwälte und Staatsanwalt, wenn es gar so heiß ist, in Hemdsärmeln und walten ihres Amtes. In Deutschland würde man lieber einen Schlaganfall hinnehmen, ehe man sich von seiner„Dienstkleidung"— oder heißt es hier Amtsrobe?— trennt. Damit der Verkehr nicht leidet... Der Rot gehorchend ist die vor kurzem endlich erfolgte R e g u- lierung des Blücherplatzes, der mit seiner doppelten Kurve den Verkehr aufs äußerste erschwerte, vom Bezirksamt Kreuzberg„auf Kredit" vorgenommen worden. Die erforder- lichen Pflastersteine hat das Bezirksamt Treptow, das über ein großes Lager dieser nützlichen Dinge verfügt, leihweise zur Ver- fügung gestellt. Es will mit der Bezahlung warten, bis der Käm- merer Mittel für Kreuzberg freigeben kann. Die nicht unerheblichen Kosten für die Verlegung der elektrischen Leitungen, die notwendig geworden war, hat zunächst die Bewag übernommen und sie ge- stundet. Es besteht nämlich Ungewißheit darüber, ob bei Aende- rungen der Straßen und Plätze durch Umbau die Stadt oder die Bewag die Kosten für die Verlegung der elektrischen Leitungen zu zahlen hat. Bei diesem Streite handelt es sich mittlerweile nun schon um mehr als 3,8 Millionen Mark Kosten, die be- greiflicherweise weder die Stadt noch die Bewag tragen möchte. Damit die Sicherheit des Verkehrs inzwischen nicht leidet, hat die Bewag auch im Falle Blücherplatz die Kosten vorläufig über- nommen. Schätze in Seen und Flüssen. Jährlich 3 Millionen Zentner Süßwasserfische. Am Sonntagvormittag erregte auf dem Müggelsee ein Dampfer die Aufmerksamkeit zahlreicher Wassersportler und Schwimmer, die von allen Seiten neugierig herbeigeeilt kamen, um dem seltsamen Treiben zuzusehen. Reben dem Dampfer fuhr noch ein Begleitboot, von dem aus an verschiedenen Stellen des Müggelsees Proben über Wasser- und Bodenbeschaffenheit gemacht wurde. Denn es handelte sich bei diesen Maßnahmen keineswegs um die Bergung eines Verunglückten, wie von den schwimmenden und bootfahrenden Zuschauern zunächst angenommen wurde, sondern um einen Vortrag mit fischereibiologischen Vorführungen. Professor Dr. W u n d s ch, der Direktor der preußischen Landesanstalt für Fischerei in Friedrichshagen, sprach au Bord des Dampfers, der von Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft für Forstschutz und Naturkunde(Arso) besetzt war. über das Thema „Schätze der Binnengewässer". Ueber die Bedeutung der Binnenfischerei ist man sich vielfach noch ganz im unklaren. Manchmal wird sogar behauptet, die Binnenfischer seien nur noch Spekulanten aus Entschädigung. Di« Binnenfischerei ist aber gor nicht so unwesentlich: sie bringt im Jahre ungefähr 12 5 bis 150 Millionen Kilogramm Fische auf den Markt, was etwa einem Rohertrag von 125 Millionen Mark entsprechen würde. Bemerkenswert ist weiterhin auch noch, daß im Gegen- satz zur Seefischerei der Konsum an Süßwasserfischen fast vollständig von deutschen Fischereien bestritten wird, während nur ein Drittel des Seesischbedarfs von deutschen Fahrzeugen gefangen wird. So werden z. B. in Berlin während der Wechnachtszeit etwa QisHisi'S Herrmann BVlostar; . Anfa. (Schluß.) Anja wankte einen Augenblick— stand dann wieder, neigte sich tiefer vor dem Alten, stieg über die Hockenden hin- weg und ging aufgerichtet aus der Tür. Niemand folgte ihr, auch ihre Eltern nicht, jeder war still, ein Kind fühlte das Grauen und begann zu weinen, die Mutter hielt ihm den Stock hin, es küßte ihn und war still, Anjas Mutter schluchzte ganz, ganz leise, vielleicht war es auch ein fernes Seufzen des Windes... Endlich stand auch ich auf, grüßte durch ein Nicken, das erwidert wurde, und ging der Verstoßenen nach. Ich gehe hinüber in das Haus von Anjas Eltern. Es ist dunkel darin und kalt. Ich fühle es mehr, als ich es sehe, daß Anja darin ist. Später erst sehe ich, daß sie auch ihr Kind hier gelassen hatte. Ich räume die Asche beiseite, die den glimmenden Holz- kloben vorm Verlöschen schützt, und entfache durch eifriges Blasen das Feuer. Ich wage nicht, zu Anja hinüberzusehen, die neben chrem Kinde sitzt. Eine halbe Stunde geht schweigend hin. Einmal nur höre ich, wie Anjas Zähne vor Frost aufeinandsrschlagen. Da gehe ich zu ihr, nehme ihre Hand und ziehe sie zum Feuer. Sie weint nicht. Sie hat ein Gesicht wie aus Stein, mit Schicksalsrunen darin. Nach einer Weile kommt ein Kind und bringt einen Krug mit Wein und ein Stück gebratenen Schafsfleisches. Das Kind stellt das Essen vor mir hin— nicht von Anja.. Der brutale Geruch des Fleisches ist mir unerträglich. Ich stelle es in die fernste Ecke. Anja sieht mich dankbar an, steht auf und füllt einen Becher mit Wein, reicht ihn mir mit einem herzzerreißenden Lächeln hin. Ich trinke ein wenig. Das Kind hat sich längst wieder hinausgeschlichen. Manchmal glaubt man im Sausen des Windes Klänge 30 000 Pfund Karpfen verbraucht, von den«n nur 10 Proz. aus dem Ausland eingeführt werden. Die fruchtbarsten Gewässer sind in den Flachlandschasten der Tiefebene zu finden. Die kallen und tiefen Bergseen sind meist unfruchtbar. Am günstigsten sind die Gewässer, in denen sich auf dem Grunde schwarzer Faul- schlämm bildet. Dort leben besonders zahlreich die niederen Tiere, aus denen hauptsächlich die Nahrung unserer Nutzfische besteht. Wichtig ist natürlich auch, ob genügend A t e m l u f t für die Fische vorhanden ist und ob das Wasser auch im Sommer genügend Sauer st off enthält. Alle diese Dinge wurden durch Unter- suchungen festgestellt, die am Sonntag vor den Teilnehmern der Vortragsfahrt demonstriert wurden. Man erfuhr dabei auch viele andere interessante Einzelheiten, so z. B., daß der Müggelsee einen Jahresertrag von 600 bis 7 00 Zentner Fische ergibt. Gewitter über Mecklenburg. ZV Gebäude eingeäschert. Schwerin, 22. August. Am Sonntagabend und in der Nacht zum Montag sind über beide Mecklenburg wieder, und zwar innerhalb einer Woche zum zweitenmal, außerordentlich schwere Gewitter nieder- gegangen. Nach den bisher vorliegenden Meldungen sind etwa 30 Wohnungen und Wirtschaftsgebäuo« durch Blitz- schlag in Brand gesetzt worden. In B r e s e g a r d bei Ludwigslust hat ein Wirbelsturm verschiedene Gebäude abgedeckt. Dreistöckiger Autobus mst Hundeabteil. In Rom wurde ein 88 Personen fassender dreistöckiger Autobus mit extra eingebautem Hundeabtell in Verkehr gestellt. von dunklen Stimmen und Akkorde von Tamburitzas und langgezogene Summtöne von einer Guzle zu hören. Ich ahne, daß sie drüben in ihrem strengen Trotz das Fest- Programm durchführen. Auch Kolotanz vor dem Hause gehört dazu. Das aber, scheints, tun sie diesmal doch nicht. Als ich mich einmal herabbeuge, fallen aus meiner Tasche die Briefe aus Deutschland. Es fällt mir mit einem wieder ein, daß ich heute Weihnachten feiern wollte, beim Lesen dieser Briefe— ich habe sie darum noch nicht geöffnet. Aber ich blicke auf Anja— ich will ihr das nicht antun. Sie aber, deren Gesicht immer schmerzhaft zuckt, wenn sie einen Laut von drüben zu hören glaubt— sie nimmt die Briefe, reicht sie mir hin wie eben den Wein, sagt leise: „Lies. Lies mir vor." Wie seltsam... ich soll ihr Briefe vorlesen, Briefe über- setzen aus dem Deutschen, aus einer fernen, westlichen, weihnachtlichen Welt... Ich wage es nicht. Es scheint mir sinnlos, albern. Darum öffne ich zunächst das Päckchen, das bei meinen Sachen in der Ecke lag. Ich muß schlucken, wie ich es öffne. Obenauf liegen Tannenzweige... Die winzigen Zweige forme ich zu einem Kreis auf dem Boden der Hütte, so, daß das Feuer sie nicht versengt. In diesen Kreis lege ich die Briefe und die Kleinigkeiten, die sich im Päckchen finden. Wieder kommen Klänge aus dem Hause drüben.„Lies doch", bittet Anja,„bitte, lies doch!" Nun begreife ich, daß ich diese Klänge mit meinem Lesen zudecken soll. Also lese ich sehr laut, es hallt bohl wider die Steinmauern. Da sehe ich, daß Anja eingeschlafen ist, aufs letzte ae- schwächt vom Uebermaß der Angst, des Muts, des furcht- baren Erlebens... Und ich: was soll ich tun? Bei ihr bleiben? Ich halte es für meine verdammte Pflicht— in diesem Augenblick. Aber gerade, daß sie mich bat, die Briefe zu lesen— gerade das hat mich wieder heimisch gemacht in jener fernen Welt, zu der ich nun einmal gehöre, und in die ich doch zurückkehren werde, irgendwann, heute zum ersten- mal möchte ich sagen können: bald. So werde ich denn viel- leicht räumlich noch bei ihr bleiben, bei der Verstoßenen dort, aber innerlich ist eine tiefe Kluft entstanden zwischen mir und ihr... Eheversprechen ziehi immer noch. Auf der Jagd nach einem frechen sjeiratsfchVindler. Die Kriminalpolizei ist zur Zeil aus der Suche nach einem ganz gerissenen Gauner, der sich mir dem Heiratsschwindel be- schästigt und sich als Arzt an der Berliner Charits aus- gibt. Der Betrüger hat schon zahlreiche Frauen und Mädchen ge- schädigt. Der Mann, der früher einmal irgendwie in der Charüe ee- wesen sein muß, hat sich von seinem dortigen Ausenthalt her die Namen und Spezialgebiete einzelner Aerzte und dabei insbesondere der Assistenzärzte gemerkt Bei seinen Bekanntschaften, die er seit März d. I. machte, gab er sich aus als Dr. Auler, Dr. Boben, Dr. Eschenbach usw. Entweder benutzt er den vollen Namen. oder ändert ihn ein wenig ab. Er erklärt dann, im Institut für Krebsforschungen. Psychiatrie usw. tätig zu sein, weist die Frauen darauf hin, daß seine Eltern sehr reich seien und erzahlt ihnen außerdem Wunderdinge von se-ner Täligkcü als Arzt Er paßt sich den Frauen, die aus allen Gesellschafts schichten stammsn. sehr gut an. Der einen oersprach er 10 000 Mark und � nahm ihr dafür ein paar Brillantringe und anderen«chmuck ab. Hausangestellten prellte er um ein paar hundert Mark. Es war ihm alles ganz egal. Unter dem Ehcversprechen ent- lockte er seinen Opfern alle-. Unter seinen Bekannt- schaften gab es jedoch einige Mißtrauische. Wenn diese sich in der Eharite nach dem Arzt erkundigten, so erfuhren sie. daß tatsächlich ein Mediziner des jeweiligen Namens tätig ist. Telephonische Anrufe verstand der Betrüger rechtzeitig„abzubiegen". Er er- klärte den Frauen, daß es den Chefarzt störe und sagte:„Liebes Kind, ich melde mich schon!" Das tat er so lange, bis er genug erbeutet hatte: dann verschwand er. Der Bursche hatte sogar häuiig die Frechheit, sich von der Charit.5 abholen zu lassen Bei der Polizei häuften sich jetzt die Anzeigen gegen den Schwindler. Er wird beschrieben als etwa 1,78 groß. 35 bis 38 Jahre alt, mit-"nein Schmiß auf der linken Wange, etwas krummen Beinen und Hamburger Dialekt sprechend. 4- Flugzeugzusammenstoß in polen. Zwei Offiziere getötet. Posen, 22. August. Während der Beisetzung eines vor einigen Tagen verunglückten polnischen Fliegerleutnants stießen zwei über dem Friedhof kreisende Flugzeuge zusammen und stürzten ab. Die Apparate, zwei neue schwere Eindecker, wurden zerstört. Von den Piloten, zwei polnischen Offizieren, war der eine auf der Stelle tot: der andere verstarb auf dem Transport zum Festungslazarett. Nazis gefähröen Funkausstellung. Einige unglaubliche Vorkommnisse aus der Funkousstellung halten manche Leute vom Besuch ab und drohen, daß viele Aus- stellerfirmen sich in Zukunft, wenn die Ausstellungsleitung keine Gewähr für ungestörten Verlauf nimmt, sich nicht mehr an der Ausstellung beteiligen. Bereits die Eröffnungsfeierlichkeit wurde von den Nazis gestört. Sie haben im Ausstellungsgelände selbst zwei Stände, einen für SA.- Schallplättchen, den anderen für ihre Monatsschrift„Deutsch der Rundfunk". Beide Stände sind mit Trupps von Nazis in Uniform besetzt, die häusig auch in geschlossenen Gruppen durch die Gänge marschieren. Aus den Ständen werden Schallplatten gespielt, die sür Andersdenkende ver- letzend und schwer beleidigend sind. Die Stände sind mit Haken- kreuzfahnen provozierend behangen. Auf dem einen stehl eine Sammelbüchse mit einem Hakenkreuz und eine große Photo- Montage„Juden sehen dich an". Die Besucher, unter denen sich auch viele Ausländer befinden, besonders auch unter den Ein- käufern, die vielfach dem Judentum angehören, geben ihrer Eni- rüftung unverhohlen Ausdruck, so daß es nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, wann es zu Tätlichkeiten kommt. Der Stand des „Volks funk" in der Halle VIII erregt das besondere Mißfallen der Nazis, die in der Nähe einen Beobachtungsposten stationiert haben und regelmäßig geschlossene Vorbeimärsche der Notverord- nungsuniformen veranstalten. Wie wir hören, hat eine Reihe von Ausstellern bereits Beschwerde bei der Ausstellungsleitung eingelegt._ 3n Prag wurde ein Verein gegrüdet, dessen Hauptsorge der Kampf gegen die österreichische Grußformel„Küß' die Hand' bildet... Ich sehe wieder auf meinen kümmerlichen Kranz aus Zweigen. Draußen weht Balkanwind, neben mir träumt Balkanleid, aber es ist doch eben Weihnachten, ich kann nicht widerstehen, der Kranz ist schuld... Ich greife zu Bibian und klimpre ganz leise, summe ganz zart, damit Anja nicht aufwacht:„Stille Nacht, heilige Nacht..." Aber sie wacht doch auf.„Was singst du da?" „Ah, nicht viel... deutsche Lieder..." „Sing lauter, sing sie mir vor, bitte!" Und ich singe, und ich suche ihr die Texte ungefähr zu übersetzen. Anja hört andächtig zu, aber neben ihr schläft ihr Kind, in diesem leeren öden Haus, verstoßen, verlassen von allen— ein unselige Maria mit dem Kinde... da, da endlich füllen sich langsam ihre Augen mit Tränen, und dann bricht der Kummer heraus, in langem, erlösendem Weinen, sie liegt auf den Steinen, ich halte ihren Kopf, in dem das große, qualvolle Leid ist, und aus meinem Hirn kann ich doch den widerlich winzigen, selbstsüchtigen Gedanken nicht loswerden, wie sich das gestalten soll zwischen mir und dieser Frau, die mich braucht, und der ich fremd bin, unheimlich fremd aus tiefiter Bestimmung... Mitten im Weinen hört sie plötzlich auf, richtet sich auf, nimmt mit schneller Hand die letzten Tränen vom Gesicht, blickt ins Leere:„Spiele noch." Ich spiele sehr lange. Durchs Rauchloch im Schindeldach kriecht ein erster, grauer Schein. Sie betrachtet ihn auf- merksam. „Morgen werde ich zurückgehen", sagt sie.„Zurück ins Sägewerk." Und als ich erschrecke, mit Kopfschütteln, schmerz- lich, aber sicher lächelnd:„Nicht zurück zum Jnschenjer. Nie mehr... In mir ist Erleichterung und Scham, ist Mitleid und große, große Achtung vor diesem Menschen Anja, der in meinen kleinen Gefühlen las und mich frei gibt... Ich nehme die Briefe aus dem Kranz, sorgsam, als wären es Schriftzüge aus feinstem, gesponnenem Glas. Das Schimmern aus dem Rauchloch ist zum hellen Schein ge- worden, er fällt gerade auf den Kranz. Anja packt schon ihre Sachen.., Parzellenkäufer in Not Angezahltes Land, das ihnen nicht gehört Es mehren sich, verursacht durch die schwere Wirtschastskrisis, die auch die Terrain- und Parzellierungsgesell- schaften in sehr erheblicher Weise betroffen hat, in beängstigender Weise die Fälle, in denen gerade in Grotz-Berlin und seiner Um- gebung die Käufer von Parzellen schwere Verluste erleiden. So mancher, der geglaubt hat, seine sauer verdienten Spar- graschen nicht bester anlegen zu können als durch den Kauf eines Stückchen Landes, sei es, um sich dort ein Siedlungshaus zu bauen, sei es, um es zu einem Wochenendaufenthalt zu benutzen oder auch nur, um seinen Gemüfebedarf auf diese Weife eindecken zu können, ist bitter enttäuscht worden. Nicht eindringlich genug kann daher allen denen, die Parzellen zu erwerben beabsichtigen, vor Augen gehalten werden, daß zwischen dem Kauf einer Parzelle und dem Kauf irgendeiner beweglichen Sache, mag es sich um Möbel, Kleidungsstücke oder ein Auto han- dein, rechtlich die gewaltigsten Unterschiede bestehen. Wer eine be- wegliche Sache kauft, erwirbt regelmäßig das Eigentum durch Kauf und Uebergabe. Bei einem Grundstück ist aber nicht nur erforder- lich die notarielle oder gerichtliche Beurkundung des Kaufvertrages, sondern auch die Auflassung des Grund st ücks und die Eintragung des Käufers im Grundbuch. Erst mit der erfolgten Eintragung geht das Eigentum auf den Käufer über. Anzahlung verloren? In zahllosen Fällen haben nun die Parzellenfirmen die Käufer veranlaßt, schon bei Kaufabschluß und bald nachher(meistens in Raten) Zahlungen auf den Kaufpreis an sie zu leisten. Dies be- deutet aber in vielen Fällen ein Risiko. Denn wird der Verkäufer zahlungsunfähig, ist er insbesondere nicht in der Lage, die verkaufte Parzelle von den aus ihr ruhenden Hypotheken zu entlasten und demgemäß für die lastenfreie Auflassung und Umschreibung ins Grundbuch auf den Käufer zu sorgen, so hat der Käufer den Verlust seiner Anzahlungen zu befürchten. Es Hüft ihm auch nicht das geringste, wenn er nachweisen kann, daß er oftmals seit Jahr und Tag Besitzer der gekauften Parzelle ist, auf ihr Bauten ausgeführt«md brachliegendes Land in höchste Kultur gebracht hat. Der chypochekengläubiger, dem die Parzellierungs- gesellschaft seine Forderung nicht auszuzahlen imstande ist, kann gleichwohl die Zwangsversteigerung betreiben, und der b e- dauernswerte Käufer verliert seinen Besitz. Na- türlich behält er seine Forderung auf Rückzahlung des gezahlten Kaufpreises und Erstattung der von ihm sonst gemachten Aufwen- düngen gegenüber dem Verkäufer, von dem aber in einem derartigen Falle regelmäßig nichts zu holen sein wird. Die Parzellennummer. Nun wird in der Mehrzahl der Fälle es auch dem einwand- fteiesten Parzellenverkäufer nicht möglich sein, zugleich mit Abschluß des Kaufvertrages Auflassung und Eintragung des Käufers im Grund- buch zu bewirken. Fast immer liegt die Sache so, daß ein größeres Ge- lände, das dem Verkäufer entweder selbst gehört oder das er als Bevollmächtigter des Eigentümers zur Parzellierung bringt, zu diesem Zwecke in zahlreiche Einzelparzellen geteilt werden muß. Diese Einzelparzellen erlangen im Rechtsstnne erst dadurch eine selbständige Existenz,'daß sie nach Vermessung durch einen vcr- eideten Landmesser von den Katasterämtern sortgeschrieben, d. h. mit einer selbständigen Parzellennummer ausgestattet werden, so daß sie nach Verkauf und Auflassung auf ein für den Käufer neu zu bildendes Grundbuchblatt übertragen werden können. Diese Vermessungsarbeiten und Fortschreibungsverhandlungen nehmen längere Zeit in Anspruch, chinzu kommt, daß in den meisten Fällen auf dem zu parzellierenden Gelände Hypotheken zu- gunsten Dritter haften. Regelmäßig ist mit diesen Hypo- thckengläubigern ein Abkommen getroffen, daß sie bei Verkäufen einzelner Teilgrundstückc gegen prozentual festgelegte Abzahlungen die einzelnen Grundstücke aus der Haft entlassen müssen. Die Vor- aussetzung für eine pfandfreie Umschreibung des Grundstücks ist aber, daß die verkaufte Parzelle eine neue katasteramtliche Bezeich- nung erhalten und in gehöriger Form(notariell oder gerichtlich beglaubigt) der Gläubiger die Pfandentlassung erklärt hat. Dies alles erfordert auch in denjenigen Fällen, in denen es sich um einwandfreie und solvente Verkäufer handelt, eine gewisse Zeit. Kein Wunder daher, daß zwischen Kaufabschluß und Eintragung des Käufers im Grundbuch sehr oft ein halbes Jahr oder mehr vergeht. Der Käufer will aber, wenn er sich schon zum Kauf entschlossen hat, sein Grundstück möglichst sofort übergeben erhalten, und der Verkäufer will möglichst bald in den Besitz der Anzahlung und der weiteren Kaufpreisraten gelangen. Wie lassen sich diese Wünsche nun ohne schwere Gefährdung der Interessen des Käufers erfüllen? Anzahlung auf Sperrdepot. Dies ist nur dadurch möglich, daß die Zahlungen des Käufers nicht zur freien Verfügung des Verkäufers geleistet werden, sondern auf ein S p e r r d e p o t gelangen, sei es bei einer Großbank oder öffentlichen Sparkasse, sei es auch bei einem Notar, so daß die Auszahlung dieses Depots erst erfolgt, wenn der Ver- käufer seinen vertraglichen Verpflichtungen, dem Käufer das Eigen- tum an dem Grundstück zu verschaffen, ordnungsgemäß nach- gekommen ist. Will der Verkäufer schon vorher in den Besitz der Zahlungen gelangen, was zum Beispiel wirtschaftlich für ihn nor- wendig sein kann, um Kosten, die ihm durch den Aufschluß des Geländes entstehen, hieraus bezahlen zu können, so muß er eine einwandfreie Sicherheit für seine Vertrags- «rfüllung leisten. Es wird einem wirklich solventen Verkäufer keineswegs unmöglich fein, gegen eine entsprechende Sicherheits- leistung seinerseits eine Bankgarantie zu beschaffen. Er wird auch in solchen Fällen gegen mäßige Prämie die Haftung einer Kredttoersicherungsgesellschaft abzuschließen in der Lage sein. Wenn sich diese Grundsätze im Parzellengeschäft allgemein durch- setzen würden, würde die heute für den Käufer leider vielfach be- stehende, überaus beklagenswerte Unsicherheit in Wegfall kommen, und es würden nicht so zahlreiche Personen den Verlust ihrer Spar- groschen zu beklagen haben. Jedenfalls dürfte ein Verkäufer, der nicht auf die Forde- rung, den Käufer einwandfrei zu sichern, einzugehen bereit ist, von vornherein verdächtig erscheinen, so daß es sich empfiehlt, von einem Geschäftsabschluß mit ihm lieber abzusehen. Reditsaiwalt und Notar Dr. Fritz Weinberg. CinlenDungen für Diele Rubril find © e s ii n Säß SS, LwDenftr-be 3. Groß-Derlin stets»r das Bezirissetretarmt Z. Hol, S Trevpea--echt», zu richte« Unverhoffies Wiedersehen. Sin Oieb fühlte sich allzu sicher. Es kommen doch immer wieder Dinge vor, die man. wenn sie einem einer erzählt, einfach nicht glauben würde. Fährt da also am Freitag ein junger Kaufmann aus Neukölln hinaus an den Müggelsee, um ein erfrischendes Bad zu nehmen. Anzug und Wäsche hat er fein säuberlich zusammen- gelegt und am Strand so geborgen, daß er vom Wasser aus die Sachen im Auge behallen konnte. Nun ist der Badende fertig, steigt aus dem Wasser und will sich anziehen... Nichts da, sein Zeug Ist weg. Alles Suchen hilft nichts. Was soll er machen? Er geht in ein Restaurant und bittet, ihm mit einigen Kleidungsstücken aus» zuhelfen. Das geschieht auch. Der junge Mensch sährt, traurig über seinen Verlust und über so viel Heimtücke eines Mitmenschen, nach Berlin zurück und macht sich auf den Weg zum Polizeirevier am Kreuzberg, um dort Anzeige zu erstatten. Und wie er nach- denklich die Straße entlanggeht, da sieht er, wie ihm— sein ge- stohlener Anzug entgegenkommt, getragen von einem fremden jungen Mann. Und zwar sehr stolz, sehr herausfordernd und sehr sechst- bewußt getragen. Denn was kann einem schon paisieren, wenn man mit einem geklauten Anzug unter vier Millionen Menschen spazieren geht. Der Kaufmann hält den jungen Mann an. es kommt zu einem Wortwechsel und der junge Dieb tritt mit dem Bestohlenca den Gang zur Polizei an. Da stellt sich heraus, daß der jetzige Träger des- Anzugs«in entlaufener Fürsorgezögiing war, der dem Kaufmann die Sachen am Strand gestohlen hai'e. Begnadigung abgelehnt. Das Gnadengesuch des wegen angeblicher Blutschande an seineu löchlern zu llahren Zuchthaus verurteilten Amlsvorflehcrs Zrenzel aus Bornim bei Potsdam wurde abgelehnt. Das in der Oeffentlichkeit ausführlich diskutierte Urteil der ersten Instanz war von der zweiten, unter Landgerichtsdirektor hellwig, prinzipiell be- stätlgt worden. Der Angeklagte selbst bestritt von Anfang bis Ende jede Schuld. Die Kritik der Oeffentlichkeit basierte indes nicht ans der lleberzeugung von Zrenzels Unschuld, sondern aus dem fragwürdigen werte der Beweisaufnahme und der dadurch geschaffenen Unsicher- heit. Die ältere Tochter Zrenzels halte alle belastenden Vorwürfe zurückgenommen. Zur die Hysterie der jüngeren Tochter Gertrud aber, deren Aussagen das Gericht folgte, hatte die Zeit vor der Verhandlung und auch die Verhandlung selbst eine großen Teil der Sachverständigen manchen Beweis geliefert. Gegenwartsfragen der Wirtschaft und Währung. Aus dem Programm der Deutschen Welle übernimmt, wie die Funkstunde mitteilt, die Funkstunde einen Vortrag von Reichsbankpräsident Dr. Luther, der am Mittwoch, dem 24. August, vormittags von 11 bis 12 Uhr anläßlich der 6 8. Aenossenschaftstagung in Dortmund über das Thema„Gegenwartsfragen der Wirtschaft und Währung"' sprechen wird. Beim Sommersest des 20. Kreises m Tegel ist eine schwarze Aktentasche verloren gegangen sowie ein Paket mit Frei- heitspfeilen gefunden worden. Die Gegenstände sind abzu- holen bzw. abzugeben bei Rex, Reinicken>dorf-West, Antonien- straße 10 a. Der Brotverbilligungsaktion hat sich auch die Aschinger-A.-G. angeschlossen und mit Wirkung vom gestrigen Montag den Preis für ein Dreipfunobrot von 54 auf 50 Pf. ermäßigt. IWSozialMAeNbetterjugendGroß-Verlm Einlendunaen Mr diese Rubrik nur an das Iugendsekreiariat Berlin EW 68. Lindenstrahe 2. vorn 1 Trenpe reSts. Bbieilungsleiter, rechnet bis Mittwoch, 80. August, die Plaketten„Jugend gegen Krieg" ab! Plaketten, die bis spätestens Freitag, 2. September, nicht ab. gerechnet werden, gelten als verkauft und werden nicht zurilckgenammen. heule, Dienstag. 20 Uhr. ilrkoaavlatz! Elisabethkirchstr. IS-„Wir senden".— R-senthaler Borstadt: Tieckstr. 18: Humoristischer Abend.— Brunenplatz: Pank- Ecke Wiesenstrake: „Kirche, Religion und Sozialismus".— Gesundbrunnen l: Koloniestr. 8: „Wirtschaftsprogramm der NSDAP."— Gesundbrunnen II: Koloniestr. 8: Schallplattenabend.— Humboldthain: Graun- Ecke Lorgingstraße:„Sacco und Bänzetti".— Aorden: dortzingstr. IS:„Programm der NSDAP."— Schiller- park: Schöningstr. 17: Ausspracheabend.— Wedding: Willdenowstr. S:„Wirt- schaftsgeschichte".— Wedding-Rord: Turiner Ecke Seestraße:„Entwicklung de» Kapitalismus".— Wedding RF.: Turiner Ecke Seestraße:„Unser Partei- Programm".— Arnimplatz: Sonnenburger Str. 26:„Die Taktik der Gewerk- schaften".— Arnswalder Platz l: Schönlanker Str. 11, B. 6:„Was will und was leistet die SAJ.'l"— Balkan: Mandelstr. 2:„Der itallenifche Faschis- mus".— Hohenschänhausen: Dingelstädter Straße:„Geschichte der Arbeiter- beweaung".— Helmholtzplatz: Kastanienallee 81:„Tagespolitik".— Nordosten I: Danziger Str. 82, B. 8: Antikriegsabend.— Weißensee: Spielen auf der Renn- bahn.— Hasenbeide: Wassertorftr. 4: Liederabend.— Reichenberaer Biertel: Retchenberger Str. 68:„Krieg und Sozialismus".— Südwest: Lindenftr. 4: Ib-Minuten-Referate.— Friedenau: Offenbacher Str. 8»: Fragekastenabend.— Schö-eberg Rff.: Hauptstr. 15;„Freikörperkultur".— Schöneberg I: Hauptstraße 15:„Eine Reichstagssitzung�- Eichkamp: Westend:„Geschichte der Arbeiterbewegung".— Eharlottenburg: Rostnenftr. 4:„Das Arbeitsbeschaffungs, Programm des ÄDGB. und die anderen".— Eharlotteaburg-Rord: Kaiserin- Todesopfer des sächsischen Kletiersports. Rathen(Sachs. Schweiz). 22. August. Am Sonntagnachmittag stürzten beim Klettern am sogenannten Gansfelsen im Basteigebiet zwei junge Dresdner, und zwar der 22jährige Hans H i l l m a n n und der 34jährige Emil Leuterig. aus beträchllicher Höh« ob und blieben mit schweren Schädel- und Knochenbrüchen tot liegen. Die beiden Leichen wurden von Beamten des Forstamts Hohenstein geborgen und nach der Leichenhalle Königstein gebracht. Britz: Hanemannstr. 4l. Kousumleller:„Erlebnisse in Rußland".— Reu- Tempelhos: Wintaensftraße(Schulbarack«):„Faschismus in Italien und sein Sieg".— Reukölln I: Sander. Ecke Hobrechtstraße: Fahrtenberichte.— Reu- löllu It: Steinmetzstr. 94;„Tagespolitik".— Neukölln M: Steinmeßstr. 114: „Warum Arbeitsdienst?"— Neukölln IV: Kanner Straße:„Segenwartsauf. gaben der TAI."— Neukölln 15: Schule Mariendorfer Weg:„Gewerkschafts- fragen".-- Neukölln 51: Flughafenstr. 88:„Demokratie oder Diktatur?"— Schöueweid« N: Spiel und Sport an der Wuhlheide. Treptow: Spielen Wiese VI.— Köpenick I: Grünauer Str. 5: Flagekastenabend.— Köpenick II: Dahlwitzer Str. 15:„So ist der Krieg— gewesen".— Friedrichsfelbe: Außen- spiele.-- Karlshorst: Treskowallee 44:„Mit dem Keppelin um die Erde".— Reu-Lichtenberg: Sportabend.— Lichienterg-Rord: Sport. Rormannenplatz.--- Hermsdort: Roonftraße: Arbeitsgemeinschaft.— Karow: Frundsbergftr. 6:„Das Kommunistische Manifest".— Reinickeuhorf-Sst: Linbauer Str. l: Politische KeitungSschau.— Tegel: Schöneberger Str. 8: Miigliederperfammlunq.— Wkttenau: Hauptstr. 18: Fahrtenerlebnisse.— Pankow rl: Görfchftr. 14: Werbe. abend.— Buchholz: Schule: Schallplottenabend. Werbebezirk Weste»: Morgen, Mittwoch, 26 Ubr pünktlich, Mitgliederper. sammlung in Eharlottenburg. Roünenstr. 4:„Russtsche Revolution 1665—1617". Werbebezirk Wedding: Alle Gruppenleiter geben bekannt: Donnerstag, 25. Auaust, Zusammenkunft aller an der Spielaruppe interessierten Genossen im Seim Ponk. Ecke Wiesenstraße. 16'h Uhr: Freitaa. 28. August. Ueben der Tambourkapelle 1614 Uhr im Schilleipark. Alle snielsähigen Genossen mit In- strumenten erscheinen. Sonnobend. 27. August, 18 Uhr, Sprechchorprobe, Lütticher Straße. Derbabeziri Prenzlauer Berg: Donnerstag, 25. August. 26 Uhr, Sprech- chorprobe, Danziger Str. 82. Beginn aller Veranstaltungen 19)4 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 7. Kreis. Die für heute vorgesehene Sitzung des engeren Vorstandes fällt aus. 26. Kreis. Donnerstag, 25. August, 15 Uhr, Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder an folgenden Stellen: Reinickendorf-Ost in der Schule Hoppestraße:„Monopolkapitalismus", Referent Hans Lehnert. Reinicken- dorf.West: Außenspielplatz:..Unsere Forderungen im neuen Reichstag", Referent Dr. Walter Groß. Wittenau und Tegel im Reichsbanner-Doots- Haus:„Unsere Forderungen im neuen Reichstag", Referent Genosse Börner. 1. Abt. Mittwoch, 24. August, pünktlich 26 Uhr. Zahlabend bei Klement, Sophienstr. 8.„llnfer Kampf nach der Wahl", Referent Genosse Iohansen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 8. Abt. Mittwoch, 24. August, Iahlabende in den bekannten Lokalen. 8. Ab». Heute Funktionärkonferenz an bekannter Stelle. 88. Abt. Heute nach der Mitgliederversammlung Sitzung de« Abieilungs- Vorstandes._„. 39. Abt. Mittwoch, 24. August. Funktionärsitzung. Abrechnung aller Marken. 42. Abt. Mittwoch. 24. August, Mitgliederversammlung in Kletus Festsälen. Referent Bruno Lösche.. 68. Abt. Mittwoch, 24. August. Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder tn der Lesehalle Nogat- Ecke Ilfestraße. Referent Genosse Schrop?. 166. Abt. In diesem Monat fällt die Mitgliederversammlung am Mittwoch aus. 114. Abt. Mittwoch, 24. August, 1. Gruppe, Zahlabend bei Franz Koring, Friedrich-Karl-Str. 84.„Unser Kampf nach der Wahl.— Forderungen der Sozialdemokratie im neuen Reichstag", Referent Ernst Neumann. 128./12S. Abt. Mittwoch, 24. August, 20 Uhr, Funktionäre des Arbeitskreises im Türkischen Zelt. Arauenveranstqltungen. 18. Kreis. Heute im neuen Sportheim. Rennbahnstraße, aus dem Rennbahn- gelande, 18 Uhr Kaffeekochen. 26 Uhr Borirag des Genossen Faust:„Was versteht man unter Marxismus?" 6ä. Abt. Donnerstag, 25. August, 20 Uhr, hei Diedrich, Dorfstraße. Vortragende Mriede Wollmann. 188. Abt. Am Mittwoch, 24. August, folgen wir der Einladung der Hohen- neuendorker Genossinnen und fahren 18.26 Uhr ab Bahnhof Hermsdorf zum Kaffeekochen dorthin. Unser nächster Frauenabend findet am Freitag, 6. Sevtember, statt. Teltow. Donnerstag, 25. August. 26 Uhr, Seehof(Waldfchsößchen), Frauen- abend. Genosse" Schuler spielt Lieder zur Laute. Teltower Genossinnen treffen sich um 19tz1 Uhr Ruhlsdorfer Platz. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrt. 8. Kreis Weddlng. Fachgruppe Iugendwohlfahrt: Freitag, 28. August, 26 Uhr, im Verwaltungsgebäude, Müllerstr. 146—147, Zimmer 421, Referat des Genossen Studienrat Elfchlipp über„Freiwilliger Arbeitsdienst, Arbeitsdienst- Pflicht. Selbsthilfemaßnahmen der Arbeiterschaft für erwerbslose Jugend". Abi. Biesdorf. Die Biesdorfer Genossinnen treffen sich heute nach der Be- stchtigung des Altersheimes Biesdorf mit den Genossinnen ous Prenzlauer Berg zu einem gemütlichen Beisammensein im Parteilokal. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Berlin. Das Zeltlagermaterial muß am Sonnabend, 27. August, zwischen 15 und 1» Uhr abgeholt werden. Helferausweise als Legitimation nicht vergessen. Die Fundsachen liegen ab morgen, Mittwoch, in der Getchäsisstelle ans. Kreuzberg, Abt. Süden: Alle Falken kommen heute, Dienstag, Wk von 17—19 Uhr nach der Diessenbachstraße, Mitgliederversammlung. Neukölln: Heute Sporttag auf den Plätzen Eonnenallee und im Stadion, Sportforum. In der Eonnenallee um 17 Uhr, im Stadion um 18 Uhr. Am Freitag, 26. August, im Vortragssaal Kanner Straße, findet um 171� Uhr die Vollversammlung der RF. statt. In allen Gruppen heute ansagen. Abt. Lichtkämpfer: NF. heute um 17 Uhr im Heim Bergstr. 29, IF. und RF. Sonnenallee. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 44. Abt. Unsere Genossin H i l t s ch e r. Retchenberger Str. 8, ist gestorben. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung heute, Dienstag, 28. August, 14 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Zahlreiche Beteiligung erbeten. Vorträge, Vereine und Versammlungen Polizeisportperein Berlin c. I., Abt. Einheitskurzschrift. Regelmäßige Uebungsabende an allen Wochentagen, außer Sonnabends, von 19Zb— 2114 Uhr, im Polizeischulgebäude, Hannoversche Str. 28—86, 2. Stock, Zimmer 16. An. fänger-, Fortbildungs. und Redeschriftkurse. Auch iilr Zivile. Der nächste An- fängirkursus beginnt Anfang September. Gebühr für Mitglieder 2,56 M. Freie Nationale Schnlerschasi, Gruppe Berlin-Nord. Am 24. August, 17 Uhr, spricht Dr. Otto ffriedländer im„Bund", Albrechtstr. 11(nahe Bhf. Friedrich. straßel, Uber„Wir stellen vor: Papen, Schleicher, Gaul". Gäste willkommen. Sprachklub„The English Speakers". Heute um 21 Uhr im Nordwest-Äasino, RW. 87, Alt-Moabit 55(nahe Eotzkowskyorllcke). Englische Borträge und Dis- kussion. Gäste willkommen. Lonjfello'.v English Uehating Club, Bülowstr. 104. Mittwoch abend. 814 Uhr, spricht Dr Walter Briggs über:„The an of translating." Gäste willkommen. Detteraussichken für Berlin. Weiterer Temperaturrückgang, wechselnd bewölkt mit einzelnen Regenfällen, mäßige westliche bis nordwestliche Winde.— Für Deutschland. In ganz Deutschland weitere Abkühlung mit einzelnen Niederschlägen: im Süden anfangs noch schwül und vielfach Gewitter. 25 Krankheiten durch— falsches Sitzen. Darauf hat kürzlich ein französischer Arzt aufmerksam gemacht. Er meint, daß die Nerven im Sitzfleisch durch das Eitzen zusammengedrückt werden. Durch diesen. Nervendruck stellen sich leicht Entzündungen, Neuralgien und andere Krankheitserscheinungen ein, deren Zahl er eben auf 25 angibt. Man sieht daraus, daß die Menschen recht haben, die regelmäßig etwas für ihre Gesundheit tun. Das kann man übrigens in recht zuverlässiger Weise mit Knoblauch, den es in der richtigen Zubereitung als Zinsser-Knoblauchsaft gibt. Geruch, und geschmacklos, aber von gleicher Wir- kung sind Zinsser-Knoblauch-Tabletten oder Zinsser-Knoblauchöl-Kapseln. Bitte beachten Sie die Anzeige von Dr. Zinsser, Leipzig, in der heutigen Ausgabe unseres Blattes. Die Lösung de« großen Rätsel- dieser Tage ist gefunden! Es gibt ein Mittel gegen die Hitze der Hundstatzel Es heißt: Frische Luft, ein lühler Trunk und fröhliches Lachen. Alles dies bietet den Berlinern der große Der- gnügungspark„Traumland" in Schönholz. /c/i bin 86 Jahre alt! und nehme Zinsser-Knoblauchöl-Kapseln mit bestem Erfolg gegen langjährige Magenbeschwerden (Krämpfe), nachdem alle anderen Mittel versagt hatten. Knoblauchöl-Kapseln dürfen in meinem Haushalt nicht mehr fehlen. 63749 Emil Fischer, Rechnungsrat, Leipzig, Ferdinand-Rhode-Str. Daraus geht hervor, daß auch alle, die aus verschiedenen Gründen eine Knoblauchsaft-Kur nicht durchführen können, jetzt die Möglichkeit haben. dieses so wichtige Mittel zur Erhaltung der Gesundheit zu verwenaen. jetzt kann jeder Knoblauch saft einnehmen, denn Zinsser-Knoblauchol-Kapseln sind völlig geruchlos und stoßen auch nicht auf, da sich die Sapsein nicht schon im Magen, sondern erst im Darm lösen. Zinsser-KnobSauchsaft hat sich bewährt bei zu hohem Blutdrucke, Arterienverkalkung, Herzbeschwerden. Asthma, Hämorrhoiden. Leber- und Gallenbeschwerden, Verdauungsstörungen, Rheumatismus und allen Stoffwechsel- Störungen, Zinsser-Knoblauch-Tabletten und-Kapseln Schachtel 3,— Mk- Knoblauchsaft, Flasche 5 Wochen ausreichend, 3,— Mk. In Apotheken vorrätig. Zinsser-Knoblauchsaft auch in den meisten Drogerien. Verlangeu Sie ausdrücklich,.Zinsser" und achten Sie auf den„Zinsser-Kopf". Bietet man Ihnen eine Nachahmung an, so bestellen Sie direkt bei "Df.d&M&i&f'J?.... a&.iÄÄeifmg, 75 Unser Engros- Auslieferungslager. Berlin C 25, Prenzlauer Straße 20. Tel. Kupfergrabeo 2274. weist, auf Wunsch Verkaufsstellen gern nach. 60 000 Anerkennungen über Zinsser-Hausmittel. Um ein paar Semmeln ZKleinerSilm aus dem Xeben/ Ton Siefan ZPollaifchek Vor dem Richter steht der zweiundvierzigjährig« Arbeiter Wilhelm Breitenfurt. Er steht blaß, unterernährt aus, die Wangen sind hohl, die Augen haben verräterischen Glanz. Er ist angeklagt, seit Monaten Gebäck, t»s der Bäckerlehrling am frühen Morgen vor die Wohnungstüren legt(ohne anzuklingeln, denn das würde die Herrschaften vorzeitig wecken), gestohlen zu haben. Der Richter, ein noch jüngerer Mann, unterstreicht abwechselnd mit einem roten und einem blauen Bleistift Stellen im Akt. Er ist gestern ein wenig zu spät schlafen gegangen, der Film war wirklich nicht gut gewesen und es ist aufreizend, den kitschigen, gestellten Reichtum zu sehen, wenn man tagsüber wahrnehmen muß, wie dos Leben wirtlich ist. Seit einiger Zeit bekam er auch immer mehr Urteile von den oberen Behörden umgestoßen, es war ärgerlich. Dazu noch dies« häuslichen Szenen, erst gestern, ach, lieber gar nicht daran denken. Er ertappte sich, daß er recht unaufmerksam gelesen hatte, noch einmal überslog er den Akt, so, jetzt war er im Bilde. „Also was ist's, bekennen Sie sich schuldig?" „Sa-" „Warum haben Sie das getan?" „Sch habe Hunger gehabt", sagte der Angeklagte.„Seit zwei Jahren bin ich ohne Arbeit, ich bin verheiratet, wir haben drei Kinder, auch die Frau kann nur ab und zu eine Kleinigkeit ver- dienen, mit Wäschewaschen und so. Aber auch das wird immer seltener." „Ja", sagte der Richter.„Ja, das mag wahr sein. Es steht auch im Akt. Aber deswegen dürfen Sie doch nicht stehlen." „Ich weiß." Der Mann sah zu Boden, der Richter auch. Was war da zu tun? Man könnt« unwiderstehlichen Zwang annehmen und frei- sprechen. Aber würde die Oberbehörde nicht wieder dos Urteil auf- heben? Man könnte auch bedingt verurteilen. Nein, das ginge nicht, es lag ja die wiederhatte Strafhandlung vor. „Was soll ich also mit Ihnen machen?" Des jungen Richters Stimme klang gequält. „Einsperren." „Aber Sie haben doch Weib und Kinder zu Hause? Wer soll für die sorgen? Sie möchten sich es leicht machen, sich es im Kri- minal gut gehen lassen und die Familie— he, was soll aus der werden?" Und dabei dachte der Richter an die häuslichen Szenen, die sich jetzt häuften, und vor seinen Augen entstanden Bilder: Eisenbahn, Speisewagen, Gebirge, Hotels, schön« Frauen, das Meer... „Ich weiß nicht, Herr Richter. Ich habe genug. Ich kann dos alles nicht mehr mitansehen. Wenn Sie mich nicht einsperren, muß ich doch wieder stehlen gehen, damit meine Leute zu essen haben." Der Angeklagte hatte stoßweis« gesprochen und sah starr aus das Bild des gekreuzigten Jesus. „Richtig", sagte der Richter und dachte: Laß ich ihn frei, muß er wohl oder übel wieder stehlen gehen, sperr ich ihn ein, muß seine Frau stehlen gehen. Der Teufel soll das alles holen. Es ist ja ohne- dies olles zwecklos. Ich kann mir nicht alle Urteile revidieren lasten, man führt ja oben Statistik. Der Vorstand ist mir auch nicht gut gesinnt, seit dieser letzten Affäre vom Samstag. Himmelherrgott, jetzt habe ich schon eine halbe Stund« mit dem Fall verloren und dabei habe ich heute noch achtzehn Verhandlungen. Der Richter wurde ungeduldig, plötzlich erhob er sich, setzte dos Barett aas und sprach das Urteil: Zwei Monate Gefängnis. Dieses Urteil wird wohl kaum ausgehoben werden, das wird den Bonzen da oben endlich doch recht sein, dachte er, als er schon sitzend die Begründung sprach. Dennoch hatte er ein unruhiges Gefühl, als der Schriftführer die neu« Strafsache aufrief... 3)er Kod auf der föühne Sine Vheaiergefchichte/ Ton Wartin 0. Sarncrh Ein Schauspieler, der in des Wortes tatsächlicher Bedeutung mit dem Tode im Herzen spielte und hinter der Szene starb, während auf der Bühne gesungen wurde, war der Charakterkomiker Carl Birnbaum am ehemaligen Hoftheater in Stuttgart. Sieben Jahrzehnte sind seit diesem wahrhaft tragischen Ereignis vergangen. Carl Birnbaum war vormals als Darsteller am kurfürstlichen Hostheater in Kassel engagiert, wo auch seine Tochter, eine hübsche Blondine, wirkte. Hinter dem Rücken des Vaters knüpfte der� Sohn des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel mit der Tochter des Komikers Beziehungen an. Das Paar floh nach England, um sich dort miteinander trauen zu lassen. Als der Kurfürst von der Liaison seines Sohnes ersuhr, ließ er Birnbaun, bei Nacht verhasten und samt seiner Familie aus dem Lande weisen. Birnbaum suchte um eine Audienz nach: der Kursürst ließ ihm antworten, für Hunde und Komödianten habe er einen Stock, aber keine Worte! Birnbaum stand völlig mittellos da, bis er durch Verwendung einer Schauspielerin ein Engagement am Hostheater in Stuttgart erhiell, indes der junge Fürst und das Schauspielerkind die Flitter- wochen in der Schweiz aus Kosten des bürgerlichen Voters, des Komödianten, oerlebten. Ohne Gels war Friedrich Wilhelms Sohn vom Hofe in Kastel geflohen, und Birnbaum mußte den letzten Rest seiner Habe verpfänden, um die Existenzmittel jür den fürstlichen Schwiegersohn auszutreiben— bis dieser eines Tages des Schau- spielerkindes überdrüssig wurde und reuig an den Füßen des Kurfürstenstuhles die Gnade seines Vaters erbat, während die junge Frau, die sich Mutter fühlte, mit dem Tode im Herzen in das Vaterhaus nach Stuttgart zurückkehrte. Dort starb sie. An der Ostseite der Umfassungsmauer des Cannftätter Friedhofes erhebt sich über einem Hügel ein Grabstein mit der Inschrift: Augusta, Gemahlin Seiner Durchlaucht des Fürstin Friedrich Wilhelm von Hanau, geborene Birnbaum, geboren am 9. November 1837, ge» starben am 29. Juni 1862. Birnbaum gab dem Bildhauer den Austrag, auf der Rückseite des Grabsteines das Wort„Gemordet" einzumeißeln; allein die Behörde verbot die Ausführung, und so hat man einen goldenen Stern eingeprägt und darunter:„Wiedersehen!" Der Kurfürst von Hessen sandte an Birnbaum einen Geld- betrag. Birnbaum schickte ihn zurück mit dem Bemerken:„Ich bin bürgerlicher Abkunft und oerkaufe weder das Leben, noch verkaufe ich den Leichnam meines Kindes!" Kurze Zeit darauf starb auch die Frau des Komikers. Das Auge noch naß von den Tränen um Weib und Kind, sollte Birnbaum in der Erstaufführung von Laubes.Larlsschülern" die Rolle des Sergeanten Bleistift spielen, jener armen, gemarterten Untertanenseele, in welcher Birnbaum ein Stück seines eigenen, verpfuschten Daseins sich widerspiegeln sah. Er fühlte sich krank, unsagbar elend, gebrochen an Leib und Seele. Aber die Pflicht rief, und Birnbaum betrat die Bühne. Das Rampenlicht übte seine magisch« Gewalt aus auf den alten Komödianten. Das war nicht der müde, schwer leidende Mann, der da sprach: es war die Stimm« des gepeinigten Menschenkindes, aus dessen Innern man Töne oernahm, die aus einem gemarterten Herzen kamen. Nachdem Birnbaum-Bieistift auf der Bühne die Erzählung seiner Leidens- geschichte beendet, brach das Publikum in stürmischen Beifall aus. Der arme Komödiaut trat mm der Szene ab und sank mit einem Stetolulion Sonfelruffifcher lllodebilderhoi In der Sowjetunion bereitet sich gegenwärtig eine fried- liche Revolutton vor— eine Revolution der Mode. Ein Wettbewerb soll gänzlich neue Kleidertypen— eine proletarische Mode— schaffen. Währenddessen hoben die Führer der Bewegung damit begonnen, die S t o f f m u st e r zu revolutionieren. Die alten .hourgeorsen" Dessins sollen so rasch wie möglich durch proletarische. Propagandazwecken dienende Muster ersetzt werden. Etwa 3999 neue Dessins sind bereits in letzter Zeit in fowjettustifchen Fabriken hergestellt worden, fast durchweg für den Fünfjahrsplan dienend. Zahnröder, elektrische Glühlampen, Trak- toren und andere landwirtschaftliche Maschinen, Aerovlane, Zeppeline, Gasmasken und rote Soldaten haben die Blumen, karrierten Muster, die Iagdszenen und geometrischen Figuren der Vergangenheit verdrängt. Auch Kostüme. Fenstervorhänge und Polsterüberzüge müssen das ihre zum Ausbau des Sozialismus beitragen. Die mit der Ueberwachung der Stoffmuster betraute Kommission hat unzweideutig wissen lasten, daß sie P r o p a- gandadessins braucht und keinerlei Wert auf Symbole und Allegorien legt Die aus den Stoffmustern zu ziehende Lehre muß auf den ersten Blick einleuchten. Und die Auslagen der Moskauer Kooperativläden füllen sich bereits mit den„politisch gemusterten" Stoffen. Junge Damen in Kostümen, deren Muster für Industtialisierung, Kollek- tivierung oder nationale Verteidigung begeistern sollen, sind längst keine Seltenheit mehr. Die Modekommisston hat festaestellt. daß die Propogandadessins bei der jüngeren Generation weit größeren Anklang als bei der älteren finden. Es ist wohl auch leicht ver- ständlich, daß die im alten Regime aufoewalblene Russin vor dem Gedanken zurückschaudert, in einem Kleid zur Kirche zu gehen, das mit Abbildungen atheistischer roter Soldaten übersät ist oder auch nur ein Kostüm zu tragen, das mit jugendlichen Kommunisten, Traktoren oder Gasmasken bemustert ist. Zu den farbenprächtigsten Dessins gehört eins, auf dem eine Kamelkarawane und daneben ein auf den Schienen der Turksibeifenbahn fahrender Zug abgebildet sind. Im Hinter- grund strahlt eine gewaltige ausgehende Sonne, die an die auf der japanischen Flagge dargestellte gemahnt. Das ganze ist in leuchten- den roten, blauen, grünen, purpurnen und braunen Farbtönen aus- geführt und darauf berechnet, zentralosiatische Augen gefangenzu- nehmen. Der Beschauer soll durch die immer wiederholte Szene angeregt werden, sich über die Vorteile moderner Transportmittel Gedanken zu machen. Unter der primitivsten Bauernbevölkerung wird ein Muster verbreitet, auf dem. ebenfalls in leuchtenden Forben, verschiedene landwirtschaftliche Maschinen bei der Arbeit und ein Dorfladen mit der Aufschrift„Ländliche Kooperative" dar- gestellt sind. Eine türkische Importfirma bestellte jüngst ein großes Quantum derart bemusterter Stoffe mit dem Vorbehalt, daß die Aufschrift über dem Laden wegzubleiben habe. Die russischen Handelsvertreter waren einverstanden und der Handel wurde ab- geschlosten. Schon Lenin stellte die Elektrifizierung in den Mittelpunkt des Aufbavprogramms. So ist selbstverständlich, daß sich unter den etwa 3999 neuen Dessins viele..elektrizitätsbewußte" finden. Schablonisierte elekttische Glühlampen. Transformatoren, Hochspannungsleitungen und Zickzackblitze sind auf zahlreichen Dessins in mannigfachsten Kombinationen zu sehen. Am seltsamsten berührt uns wohl ein rotweißblaues Dessin, das von der Voll- endung des Fünfjahrplanes der Elektrisizierung in zweieinhalb Jahren berichtet. Elektrische Glühlampen sind hier zwischen Ziffern gemengt, die die Geschichte der Programmdurchführung erzählen. Die Industrialisierung im ollgemeinen wird durch schablonisierte Austchrei zustimmen, lind wahrend ii« Karlsschüler bei Tdbak und Punsch froh und mild da? Räuberlied:„Ein freies Leben führen wir" sangen, riß unerbittlich hinter den Kulissen der Lebens- fgden eines bedauernswerten Märtyrers. Ein Schlaganfall hatte sein Dasein beendet. Birnbaum hatte, bevor er die Bühne betrat, seine Rechnung mit dem Leben abgeschlossen. Er wollte, von der Szene gehend, selber den Tod suchen. Aus seinem Schreibtisch sand man zwei mit Bleistift geschriebene Zettel folgenden Inhalts:„Morgen, am Tage nach der ersten Aufführung der„.Karlsschüler", wird man meinen, hoffentlich rosäi und tödlich zerrissenen Leichnam auf den Eisenbohy- schienen zwischen Feuerbach und Kornwestheim finden. Ich bitte um ein stilles, einfaches Grob an der Seite meines geliebten Kindes. Es bedarf keiner Inschrift!" / Der Inhalt des anderen Zettel? lautete:„Kurfürst von Hessen- Kassel! Den Thron hast Du durch Gott«? Gnade erhalten. Das Leben vieler ist Dir anvertraut:— und Du spielst mit diesen Leben, die. gezahlt, und über die Du einst Rechenschaft geben mußt. Verzweifle einst, so wie ich verzweifelt!" Woher kommen die Opanken? Sine Plauderei für Neugierige/ Ton TtiW.dlbreciii Die Opanke, der FlechHchuh. beherrscht die sommerliche Straße. Woher die große Mode? Das Wort Opanken ist serbisch, denn die Heimat der Opanken sind die südslawischen Länder: Rumänien, Serbien, die Herzogowino und Bosnien. Dort bezeichnet Opanke ein« biegsame Ledersandale, die durch Riemen über dem Fuß zu- sammevgezogen ist. Die Herstellung ist ganz einfach: von dem ffilch geschlachteten Tier wird ein Stück Haut über einen dem Fuße ähnlichen Holzblock gespannt und durch Riemen festgebunden. Räch dem Trocknen behält das Leder seine angenommene Form bei. Im Jahre 1924 kam eine Firma in Agram und dann ein« wettere in Wien auf den Gedanken, Opanken als Schuh für die Damenwelt herzustellen. Bald darauf stellten auch schon die großen Schuhfabriken in der Tschechoslowakei Opanken her und lieferten sie als ausgesprochene Luxusschuhe in das Ausland, besonders nach Amerika. Die Opanken mußten mit der Hand geflochten werden, denn das Oberleder des Schuhes setzte sich aus geflochtenen, schmalen Lederriemen in den verschiedensten Farben zusammen. Da die Schuhe in Amerika mehr als 29 Mark kosteten, wurde die Opanke damals noch kein Volksschuh. In den Iahren 1939 und 1931 begann auch«ine große deutsch« Schuhfabrik in der Pfalz mit der Herstellung von Opanken. Aller- dings verwendete sie nicht die geflochtenen Obsrlederteile, sondern ganze Stücke, die in mehr oder minder geschmackvoller Art durch- löchert waren. So stellte sich die Herstellung bei weitem billiger. Der Export besonders nach Amerika und Nordafrika machte zunächst die Hälfte der hergestellten Ware aus. Aber schon hatte auch bei uns die Idee eingeschlagen. Die Maschinenfabriken in Pirmasens, der deutschen Schuhmetroppl«, brachten Hilf? Maschinen zur Her, stestimg der Opanken heraus und nun war die Fabrikation noch der 3ileMer en/ Ton ffialph TD. SSarnes �Tloskau Zahnräder, Spindeln, Rauchfänge, Fabriken und ähnliches versinn- bildlicht. Aeroplane mit dem Sowjetstern stellen eins der beliebtesten Stoffmuster dar. Aber auch andere Dessins, wie Zeppeline, marschierende rote Sölden und verschiedene Gasschutzmittel, haben Anklang gefunden. Ein erst kürzlich fertiggestelltes Dessin erzählt die Geschichte des letzten japanifch-chinesischen Konflikts. Es handelt sich vor allem um Baumwollstoffe, die mit diesen Dessins bemustert sind: es gibt nur zwei oder drei in Crepe cie Chine. In den Moskauer Kooperativläden kosten die neuen be- druckten Stoffe 1 Rubel 12 Kopeken bis 6 Rubel der Meter. Aus alldem darf ober niemand den Eindruck gewinnen, als beabsichtigten die Sowjetbehörden etwa, die russischen Frauen zum Tragen von mit Gasmasken oder roten Soldaten bemusterten Stoffen zu zwingen. Bekleidungsartikel aller Art sind in der Sowjetunion so knapp, daß niemand daran denkt, irgendwelche Stoffe wegen ihres Dessins zu verbieten— es fei denn, es wären auf ihnen marschierende Soldaten kapitalistischer Staaten abgebildet oder sie wären mit dem Motto„Nieder mit den Bolschewiken!" versehen. Die überwiegende Mehrzahl der russischen Frauen trägt noch immer Stoff« mit den alten konventionellen Dessins oder in den auf der ganzen Welt üblichen Farben. Denn die neuen Muster kommen erst jetzt in erheblicheren Mengen auf den Markt. Di« Männerkleidung mit den Symbolen der neuen Ordnung zu schmücken, ist übrigens bis jetzt auch nicht einmal versucht worden. Aber nicht nur der Revolution der Frauenmode, sondern auch der der M ä n n e r k l e i d u n g sollte der vom Forschungsinstitut der Konfektionsindustrie der USSR. veranstaltete große Wettbewerb dienen. Die 289 Zeichnungen, die das Institut aus allen Teilen der Sowjetunion erhielt, find eben jetzt im Moskauer Park der Kultur und Erholung ausgestellt. Wie zu erwarten war, wirken einige Modevorschläge phantastisch und lächerlich. Nur einige wenige sind wirklich neu und interessant und könnten die Grundlage für eine neue„Sowjetmode" der nahen Zukunft bilden. Achtzehn Ent- würfe wurden vom Forschungsinstitut versuchsweise gebilligt. Der eine der beiden Modevorschläge für Frauen, die das In- stitut besonders interessierten, schlug einen�w eiten geschlitzten Rock vor, der an unsere Strandpyjamas erinnert, würde er nicht nur bis zur halben Wade reichen. Dieser hosenähnliche Rock wird als für die Zwecke der emanzipierten Russin, die Männerarbeit verrichtet und männlichen Sport betreibt, besonders geeignet er- achtet. Die zum Kostüm gehörige Jacke weicht von der bei uns üblichen kaum ab. Der zweite Entwurf schlägt vor, daß die Frau in derselben Kleidung arbeiten und Sport betreiben soll. Bluse, Rock und Hose sind in einem Stück gearbeitet. Wenn die Trägerin aus dem Büro oder aus der Fabrik auf den Sportplatz kommt, soll sie den Rock aufschürzen und seinen Saum mit Knöpfen an die Bluse in der Höhe der Achselhöhlen befestigen. Ein Gürtel soll besseren Sitz schaffen. Dieses neue Kostüm wurde jedoch von einem namhaften russischen Arzt scharf kritisiert. Er hält es für äußerst ungesund, den Rocksaum, auf dem sich tagsüber in der Fabrik, im Büro und auf der Straße Staub und Schmutz angesammelt haben, so zu befestigen, daß er in die unmittelbare Nähe des Mundes und der Nase der Trägerin gelangt. Andere Teilnehmer der Modekonkurrenz schlugen die losen, wallenden Gewänder der Griechen und Römer als neue proletarisch« Mode vor, während einige die Rückkehr zur russischen Volksttacht des 17. und 18. Jahrhunderts befürworten. Man kann sich vor- stellen, daß solche allzu„rückschrittliche" Modereformen nicht gerade den Beifall des Forschungsinstituts fanden. (Autorisierte Uebersetzung»on Leo Aorten.) billiger. Zahlreiche leistungsfähige Schuhfabriken in Pirmasens, in dem großen Schuhfabrikdorf Hauenstein und in Dahn und eine Fabrik außerhalb der Pfalz, in Köln, stellten sich teilweise auf die Ferttgstellung von Opanken um und alle Hände hatten voll zu tun, um die Bestellungen erfüllen zu können. Betrachten wir den Werdegang der Opanke. Zu der Sohle wird gewöhnlich die Haut des Halses genommen, da dieser Teil besonders lange Faseqn hat, so daß beim Umwölken der Sohle an den Seiten das Leder nicht bricht. Da die Opankensohle elastisch ist, wird sie bei weitem nicht so stark abgenützt wie?ie Sohle irgend- eines anderen Schuhes. Das Leder wird nun eingeweicht, kommt in die elektrisch geheizte Form einer Maschine, ejn Druck und schon ist das Leder an den Seiten emporgewalkt. Vor kurzer Zeit mußte dies noch mit der Hand gemacht werden. Ein fleißiger Arbeiter brachte es im Tage nur auf S9 bis 69 Paare; die Maschine dagegen liefert täglich gitt 1999 Paare. Dann wird der Rpnd gerade geschnitten und in gleichmäßigem Abstände werden kleine Löcher eingestoßen, durch die spoter der Lederriemen geilochten wird. Inzwischen hat der Zuschneider aus Roßchevreoux, Lackleder oder kräftigem San- dalenleder die einzelnen Teile des oberen Schuhes ausgeschnitten, sie durch Löcher verziert und die Stepperin nähte die einzelnen Teile und Teilchen zusammen. Schafleder wird als Futter oerwandt. Die nächste Arbeit, dos Zusammenflechten der Sohle mit dem Oberleder ist ausschließlich Handarbeit. Aus allen Dörfern der Umgebung kommen die Frauen und Mädchen und holen sich die H.imarbeit. In kurzer Zeit breitete sie sich über große Teile der Pfalz aus und oerttieb die größte Not aus den Dörfern des Pfälzer Waldes. Beim Flechten wird der Schuh über einen Leisten ge- spannt, dann wird mittels Nadel und Ahle ein Z bis 4 Millimeter breites farbiges Lederriemchen zwischen Sohle und Oberleder schön verflochten. Eine geschickte Arbeiterin kann in acht Stunden zehn Paare siechten.» Ist die Heimarbeit beendet, w'rd die Opanke wieder in die Fabrik gebracht, eine Stahlgelenkstüge eingefügt und die starke Brandsohle eingepappt. Appretieren, Bügeln, ein letzter Schliff und die Opanken begeben sich auf die große Reise noch— Deutsch- land, da die Ausfuhr, bisher das Hauptgeschäft,— es lebe dre heilige Autarkie!—, durch die Zollschwierigkeiten fast ganz zum Erliegen gebracht wurde. Der„Bonrärts" erscheint wrchentiiglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Absndausgade für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Adenb". Illustrierte Senntagsbeilage..Bali und Zeit". Anzetgenpreil«: Di« einspalt. Millimeterzeile so Pf„ Retlamezelle 2.— M» „Kleine Anzeigen" das fettgedruckt- Wort 20 Pf.(zulässig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wart io Pf. Rabatt laut Tarif. Warte über i» Buchsraben zähle» für zwei Worte. Arbeitsmarit Millimeterzeile 2S Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile 18 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lmdenstraße S. wochentäglich von SV, bis 17 Uhr. Der B-rlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nshmer Anzeigen vor! Perantwartltch für Poiitii: Bictar Schiff! Wirtlchuft: S Klingelhöser! Gewerkschaftsbewegung: I. Stsiarr: Feuilleton: Herbert Lcp.-re: Lokale» und Sonstiges: Friß Aarstädt: Anzeigen: Otto Hengst: sämtlich in Berlin. Berlaa: Borwärts-Perlag S. m. b. H.. Berlin. Druck: Larwärts-Buchdruckeri« und Berlagsanstalt Paul Einger u. To.. Berlin TW. 68, Liudenitrast«|> «uiz» 3 Beilagen. Er. 395• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 23. August 4932 Der Brotpreis geht zurück. Die Verbilligung könnte größer sein.— Ltnd die Schrippen? Seit Monaten war eine Senkung des Brotpreises in ganz Deutschland eine Forderung, die sich aus der Entwicklung der Ge- treide- und Mehlpreise von selbst ergab. Der Roggenmehlpreis war seit Ende Mai durchschnittlich um 3 bis 4,50 M. pro Doppelzentner gesunken. Die Roggenpreise selbst waren noch stärker zurückgegangen. An einer ordnungsgemäßen Anpassung der Mehlpreise an die Roggenpreise hat es gefehlt; sonst hätten die Mehlpreise noch niedriger stehen müssen. Es wäre Pflicht der Regierung P a p e n gewesen, auf eine entsprechende Senkung des Brotpreises zu drücken. Aber sechs Wochen lang hat die den Junkern zuliebe lebende Regierung Papen nichts getan. Die sozialdemokratische Presse hat auf die Notwendigkeit der Brotpreissenkung hingewiesen und eine Brot- verbilligung oerlangt. Bor etwa acht Tagen wurden in Frankfurt am Main und in Königsberg die Brotpreise etwas herabgesetzt; jetzt ist das auch in Berlin geschehen. Der 2�-Psund-Preis wurde von 45 auf 42 Pf. gesenkt. Man wird sogen können, daß in der Brotprcissrage nach dem Borgehen Berlins das Eis jetzt für ganz Deutschland gebrochen sein wird. Man muß ober auch feststellen, daß die Regierung Popen keinerlei Verdien st an diesem Resultat hat— man hat nichts darüber gehört, daß sie etwa die Berliner Bäcker.zu ihrem Schritt oeranlaßt hätte— und daß neben der anzuerken- nendcn Initiative der Bäcker, die allmählich auch er- kennen, daß sie mit der Kaufkraft der Massen leben und sterben, die Sozialdemokratie allein ein Verdien st an der jetzigen Senkung der Brotpreise für sich in Anspruch nehmen darf. Man muß gleichzeitig aber die Frage aufwerfen, ob die jetzige B. rot Preissenkung genügt. Und nach dem jetzigen Stand der Dinge muß man diese Frage m i t n e i n be- antworten. Einmal ist inzwischen eine weitere Senkung der Roggen- preise erfolgt. Nimmt man die Berliner Roggen m e h l Notierungen als Grundlage und rechnet man für die Bäcker die ausreichende und bisher übliche Bruttoverdienstspanne von l4 Pf. je Kilogramm Brot, so müßte der Berliner Preis für 12Ss> Gramm Brot nicht bei 42, sondern höchstens bei 41 Pf. liegen. Soviel hätten die Bäcker schon zugestehen sollen. Da aber auch die Mehlpreise nicht genügend gesenkt worden sind— was nicht die Schuld der Bäcker, sondern der Mühlen ist—, hätte vom Mehlpreis her den Bäckern noch eine weitere Senkung um 1 Pf. ermöglicht werden müssen, so daß das 2�-Psund-Brot bei den jetzigen Getreidepreisverhältnissen keinesfalls mehr als 40 Pf. kosten dürste. Es ist aber noch weiteres zu beachten. Der Mensch lebt nicht von Roggeübrot allein; es werden auch Schrippen usw. gegessen. Die Rohstofskosten für 1 Kilogramm Weizengebäck sind seit Juni von 33 auf 26 Pf. gesunken, also recht beträchtlich. Die Böcker rechnen mit der an sich schon ziemlich hohen Brutto- verdienstspann« von 38 Pf. je Kilogramm Weizengebäck. Legt man diese Spanne von 38 Pf. zugrunde, so könnte der jetzige Kilo- grammpreis für Weizengebäck von 7 3 auf 64 Pf. gesenkt werden, also immerhin um ein Achtel. Aber bisher ist von einer Verbilligung des Weizengebäcks oder von einer oll- gemeinen Vergrößerung der Schrippen noch nichts bekanntgeworden. Die Not in Deutschland ist so groß, der Psenni� wird gegen- wärtig so gründlich in der Hand umgedreht, bevor man ihn aus- gibt, daß die Forderung einer Preissenkung für Weizengebäck im Gesamtinteresse nur zu gerechtfertigt ist. Sie liegt aber auch im Interesse der Bäcker selbst. Die Senkung der Brotprcise wird sich schon in stärkerem Einkauf von Brot und Weizengebäck geltend machen. Kann der Verbraucher auch nach an Weizengebäck sparen, so wird der Bäcker von anderen Waren mehr absetzen; und ist es nicht der Bäcker, dann ist es der Schuster, der Schneider oder ein anderer Kleinhändler. Deutscher Genossenschaffstag. Oer Rachfolger Steins.— Preußenkasse und Dresdner Bank. In Anwesenheit von Reichsbankpräsident Luther und Vertretern der preußischen Regierung— Reichswirts chastsminister Warmbold mußte wegen Regierungsgefchäften absagen— wurde in Dortmund der 68. deutsch« Genossenschaftstag am Sonntag eröffnet. Nach den offiziellen Reden bemerkte der neue Präsident der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse(Preußenkasse) Dr. Helfferich, daß die Genossenschaften Krifeiigejahren verhältnismäßig gut bestanden hätten. Schwierigkeiten seien in erster Linie durch Rot- obhebungen, nicht aber durch Mißtrauensabhebungen entstanden. Die Preußenkasse kenne nur eine Richtlinie, den» Mittel- stand in Stadt und Land nach Kräften zu helfen. Hoffentlich wird Dr. Helfterich, der neue Präsident der Preußenkasse, dazu wirklich in der Lage sein. Nach den Personalverönderungen der letzten Zeit darf man daran erhebliche Zweifel haben. Das Hauptreferat erstattete der in einer geschlossenen Mitglieder- Versammlung zum Nachfolger des bedeutenden früheren General- onwalts Dr. Stein gervählte Anwalt Dr. Long. Die Osthilfe sei eine schwere Gefahr für manche Genossenschaften gewesen. Die Reichsregierung müsse Borsorge treffen, da es nicht angängig sei, daß den Genossenschaften aus der Ost Hilfe Berluste auf- gebürdet würden. Die Vereinheitlichung von Preußenkasse und Dresdner Bank sgenossenschafllichc Abteilung) zu einem Zentralinstitut der Genossenschaften sei mit allen Mitteln zu erstreben. Eine gesetzliche Schuldenabwertung in genereller Form sei scharf abzulehnen. Die gewerblichen Kreditgenossenschaften hätten sich im ganzen als k r i s e n f e st erwiesen. Wenn im Jahre 1031 dem gesamten Kreditgeschäft 243 Millionen Mark entzogen worden seien, so sei die Finanzierung zu vier Fünfteln durch Einschränkung der Kreditgewährung von den Genossenschaftsbanken selbst, also aus eigener Kraft, erfolgt. Lang gab zu, daß in den ersten Monaien 10 3 2 die Lage kritisch geworden sei. Einzahlungen seien überhaupt nur noch in ganz geringem Umfang gemacht worden, und unter Reichsgarantie mußten Mobilisierungskredite aufgenommen werden. Die vom Reich zur Verfügung gestellten 28 Mil- lionen Mark hätten die Flottmachung der Genossenschaften außer- ordentlich erleichtert. Die Warengenossenschaften des Verbandes(Ende 1031 noch 1681 gegen 1738 im Vorjahr) verzeichnen einen Umsatzrückgang von 1186 auf 1023 Millionen Mark, der aber in erster Linie auf die Preissenkung zurückzuführen sei. Auf der Tagung der Baugenossenschaften sagte Dr. Weber, der Verbondsdirektor des Hauptverbandes deutscher Baugenossenschaften, daß mit der E i n st e l l u n g der b i s h e r i- gen öffentlichen Wohnungspolitik die Baugenossen- schaften vor den Beginn einer neuen Periode ihrer Geschichte gestellt seien. Das äußere starke Ausblühen des Baugenossenschaftsivesens sei mit erheblichen Nachteilen verbunden gewesen, denen durch die Gemeinnügigkeitsverondnung vom 31. Dezember 1031 begegnet wurde. Die Mieirückslände nehmen bei vielen Baugenossenschaften einen bedenklichen Umfang an. In ihrer überwiegenden Zahl seien die jetzt bestehenden Baugenossen- schaften wirtschaftlich durchaus gesund. Direktor Wildermuth von der Deutschen Bau- und Bodenbank stellte fest, daß von den rund 17,3 Millionen Haushaltungen in Deutschland auch gegenwärtig noch immer rund 1,2 Millionen auf eigene Woh- nung verzichten müssen, obwohl seit 1010 mit einem Woh- nungszugang von 2.8 Millionen Wohnungen gerechnet werden könne. Die Abhängigkeit des Wohnungsmarktes von der Geld- und Kapitalmarktlage sei durch die Notverordnung vom Dezember 1031 mit ihrer Zinsherabsetzung besonders fühlbar geworden, da langfristiges Geld zu den damals festgelegten Sätzen heute so gut wie nicht zu bekommen sei. Da öffentliche Mittel der Bauwirtschaft nichi mehr zur Verfügung stehen, verdiene die Förderung der vor» städtischen Kleinsiedlung, für die 73 Millionen Mark zur Verfügung gestellet werden sollen, um so größere Beachtung. Die Grundsätze von Ottawa. England in der Kessel der Ottawa-Steuern. Auf der Schlußsitzung der englischen Reichskonferenz in Ottawa sind zwölf Abkommen unterzeichnet worden, sieben zwischen Großbritannien und den einzelnen Dominions und fünf unter den Dominions. Wenn diese Abkommen im einzelnen auch voneinander abweichen, so enthalten doch alle die folgenden Grundsätze: England verpflichtet sich, die im Zollgesetz von 1032 festgesetzte Z o l l f r e i h e l t für die Wareneinsuhr aus den Dominions über den 15. November hinaus zu verlängern. Ferner verpflichtet sich England, auf die Einfuhr von Weizen und Kupfer neue Zölle einzuführen, sowie die Zölle auf Eier, Butter, konservierte Früchte usw. zu erhöhen. Den allgemeinen Wertzoll von 10 Pro- zent auf die Wareneinfuhr darf England nur im Einver- nehmen mit den Dominions herabsetzen. England sichert den Dominions im allgemeinen einen Vorzugszoll von 15 Prozent zu; im Einzelfall beträgt der Vorzugszoll 20 oder auch 10 Prozent. Die freie Einfuhr aus den Dominions sür Eier, Butter, Ge- slügel, Käse usw. wird auf drei Jahre zugesichert. Die Abkommen, die sofort in Kraft treten, haben eine Lauszeit von fünf Iahren und können nach deren Ablauf mit sechsmonatiger Frist gekündigt werden. England hat erreicht, daß die wichtigsten Dominions. Kanada, Neuseeland, Australien und Südafrika die jetzige Borzugsbe- Handlung englischer Waren beibehalten. Ferner gilt für die englische Einfuhr im Prinzip der Grundsatz des Konkurrenz- z o' l e s, d. h.. daß die Zölle der Domions im allgemeinen nur so hoch sein sollen, daß der Unterschied zwischen den Erzeugungs- kosten der Dominions und den Erzeugungskosten in England aus- geglichen werden. Die Fleischeinfuhr nach England wird k o n- tingentiert; dabei erhalten Neuseeland, Australien und Süd- asrika Borzugsrechte. Kanada darf bis zu 214 Millionen Zentner Speck und Schinken zollfrei nach England einführen. Zollfreiheit hat Kanada auch für feine Mehleinsuhr erlangt. Ferner hat England sich verpflichtet, die Zölle auf Holz nicht ohne Zu st im- mung Kanadas herabzusetzen. Am wesentlichsten in dem Ab- kommen mit Kanada ist die Klausel über das Dumping. Durch diese Dumping-Klausel soll vor allem die Einfuhr S o w j e t r u ß- l a n d s nach England getroffen werden. Die scharfen Maßnahmen gegen eine Dumpingeinfuhr sind dann anzuwenden, wenn einer der Vertragsstaaten(also auch, wenn Kanada allein!) überzeugt ist, daß ein zwischen England und Kanada ausbedungener Vorzugszoll durch die„staatliche Handlung einer ausländischen Macht unwirk- sam" gemacht wird. Die Erleichterungen, die Kanada sür die englische Waren- einfuhr zugestanden hat, bedürfen noch der Feststellung im einzelnen; sie sollen sich auf 220 Positionen der Zolliste erstrecken. Im Ab- kommen zwischen Indien und England hat das Mutterland die Ab- nähme einer größeren Menge von indischer Baumwolle zugesagt. Indien hat dafür die Borzugsbehandlung für die eng- tischen Wareneinfuhr versprochen/ h'.e im allgemeinen 10 Prozent ausmachen soll., Das Ergebnis von Ottawa, entspricht in keiner Wst.'st den Erwartungen. Der Gedanke einer„Großraumwirtschaft" war von Ansang an in den Hintergrund gi-treten infolge der Tatsache, daß in hartnäckigster Weise um einzeln« und kleinste Positionen ge- feilscht wurde. Der„Dailp Herald", das Organ der englischen Arbeiterpartei, stellt als einzig sicheres Ergebnis der Konferenz fest, daß ein Steigen fast aller Lebensmittelpreise folgen werde. Ein liberales Blatt charakterisiert das Ergebnis von Ottawa dahin:„Großbritannien stimmt einer Verteuerung der Lebensmittel zu— Millionen von Haushalten werden unmittelbar durch die Ottawa-Steuern berührt." Ende des Kahn-Konzerns? Oer Streit um den Kaufpreis sür das Mebewerk. Zwischen Richard Kahn und der Richard Kahn G. m. b. H. einerseits und der Vereinigte Kugellagerfabri- k e n A.-G.(der deutschen Tochtergesellschaft des schwedischen Kugel- lagertrusts) andererseits schwebt seit vier Jahren ein Prozeß um den Kaufpreis des Riebewerks. In Oem Prozeß ist jetzt in erster Instanz ein Teilurteil ergangen, das Richard Kahn zur s o f o r t i- gen Barzahlung von 2,1 Mill. M. verurteilt. Der Verurteilte hat sofort Berufung eingelegt. Wenn er auch der festen Ueberzeu- gung ist, daß er den Prozeß schließlich gewinnen wird, so kann die Folge der Bollstreckung dieses Urteils das End« des Richard Kahn- Konzerns bedeuten. Di« Richard Kahn G. m. b. H. besitzt in der deutschen Werk- zeugmaschinenindustri« eine überragende Stellung, da ihr die Aktienmehrheiten an der Deutsche Nilswerke A.-G., an der AWG.(Allgemeine Werkzeugmaschinen A.-G), an der Schnellpressen- fabrik A.-G. Heidelberg und an der Maschinenbau A.-G. vormals Ehrhardt u. Sehmer gehört. Diese Unternehmen sollen aber fi n a n- ziell völlig unabhängig von der Kahn G. m. b. H. sein, so daß sie selbst von einem Konkurs der Holding-Gesellschast unberührt blieben. Ein solcher Konkurs würde nur den Uebergang der Aktienmajorität in andere Hände mit sich bringen. Uebrigens hat die Kahn G. m. b. H. ihren Aktienbesitz, soweit sie ihn in- zwischen nicht verkauft hat, vollständig gegen Bankkredite v e r- pfändet. Die Vorgeschichte dieses Pro.zesses wirft ein grelles Licht auf die Machtkämpfe der Kapitalisten. Jeder erinnert sich nach, daß der schwedische Kugellagertrust im Jahre 1928 gegen Richard Kahn und Direktoren des Riebe-Werkes Strafanzeige wegen Werk- spionage erstattet hatte, die zu einem großen Skandalprozeß in Stuttgart führte. Dieser Prozeß fand ein vorzeitiges Ende dadurch, daß der schwedische Kugellagertrust während der Verhandlungen das Riebe-Werk für einen Preis von 6,7? Mill. M. kaufte. Bekanntlich hat der schwedische Kugellagertrust in Deutsch- lond das Monopol in der Fabrikation von Kugel- und Wälz- lagern erreicht, nachdem er alle deutschen Werke bis auf eins auf- gekauft und zum größten Teil st i l l g e l e g t hat. Um die Konkurrenz des Riebe-Werks ausschalten zu können, bezahlte der Schwedentrust dieses Werk, das einen Sachwert von 4,6 Mill. M. hatte, mit dem Kampfpreis von 6,75 Mill. M. Der Schwedentrust behauptet jetzt, daß der Sach- wert des Riebe-Werks erheblich ni e d r i g e r gewesen sei und daß daher auch der Ueberpreis für Ausschaltung der Konkurrenz(Kahn darf sich 10 Jahre lang nicht in der Kugellagerindustrie betätigen) z u h o ch gewesen sei. Das Gericht hat jetzt Kahn zur Rückzahlung von drei Vierteln des Ueberprcises verurteilt. Die Vollstreckung des Urteils wird Richard Kahn sein Ver- mögen, das im wesentlichen in den Anteilen seiner G. m. b. H. besteht, kosten. Da Kahn die persönliche Bürgschaft für etwa 6 Mill. M. Kredite der G. m. b. H. und einiger Tochtergesellschaften übernommen hat, sieht sich die Kahn G. m. b. H. gezwungen, mit ihren Gläubigern in Verbindung zu treten. Schwierigkeiten werden sich auch bei kleineren Tochtergesellschaften, aber nicht bei den oben aufgeführten Werkzeugmaschinenunternehmungen, ergeben. Wenn das Urteil also in späteren Instanzen nicht revidiert werden sollte, wird es mit der Machtstellung Richard Kahns zu Ende sein. Die Messe in KönigsSerg. Ein Naziprasident gibt Extravorstellung. Am Sonntag wurde in Königsberg in offiziellen Begrüßungs- ansprachen von örtlichen, Reichs- und preußischen Vertretern die 20. Deutsche Ostmesse eröffnet. Durch die Existenz des Korridors ist die Ostmesse nie ganz ohne politischen Beigeschmack gewesen. Das Vorherrschen des Iunkerelements in der gegenwärtigen Reichs- regierung betont diesen politischen Beigeschmack nach der innen- politischen Seite. Aber auch wirtschaftlich ist sür die deutsche Gesamt- wirffchast dieser vorgeschobene Posten von Bedeutung, denn sowohl die Beschickung der Ausstellung durch die Oststaaten als auch der direkte Einkaui der Oststaatenhändler in Königsberg kommen der Gesamtwirtschaft zugute. Diese Bedeutung der Ostmesse kam in den offiziellen Reden deutlich zum Ausdnick. Für die Reichsregierung bracht« der Reichsinnen mini st er Freiherr von Gayl neben der Versicherung, daß die Reichsregierung mit Preußen gemeinsam an der Erhaltung der ostpreußischen Wirtschast arbeite, noch die Ueber- raschung mit, daß Preußen und das Reich für die Milderung von Unwetterschäden zugunsten Ostpreußens ein« Finanz- Hilfe beschlossen hätten, die zunächst sür die Aufräumungsarbeiten und die Beschafsung von Saatgut in Wirksamkeit treten soll. Neben Freiherrn von Gayl sprach auch Dr. Bracht, der Reichskommissar von Preußen. Der nationalsozialistische Präsident der Ostpreußischen Landwirtschastskammer, Freiherr von Butlar, be- nahm sich, wie man das von Nationalsozialisten nicht anders er- wartet. Er glaubte bemerken zu sollen, daß Reklame für deutsche landwirtschaftliche Erzeugnisse eine Groteske und der deutschen Land- Wirtschaft unwürdig sei. Als er schließlich ein nationalsozialistisches Wirtschaftsprogramm entwickelte, überspannte er selb st die Geduld der o st preußischen Zuhörer und Freiherr von Butler erntete mehr Heiterkeit als ernsthafte Zustimmung. Die Messe selbst zeigt eine sehr starke Beteiligung. Das 80 000 Quadratmeter große Ausstellungsgelände ist voll besetzt. Rußland ist durch eine besondere Ausstellung vertreten. Aus Danzig, Memel; Litauen und Lettland sind zahlreiche Einkäufer erschienen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß schon die Königsberger Ostmesse von dem gegenwärtig die ganze Welt durchziehenden wirtschaftlichen Optimismus für ihre Geschäfte profitiert. 3,65 Milliarden Mark Steuerausfälle. Die Vereinigten Staaten melden für das am 30. Juni abgelaufene Rechnungs- jähr'hlgenüber dem Vorjahr einen Steuerausfall von rund 870 Mil- lionen"I'kllor oder rund 3,65 Milliarden Mark. Das Auskommen ist von 2,�3 auf 1,.?6 Milliarden Dollar gesunken, wovon nur 1,06 gegen 1,?6 Milliarden Dollar im Vorjahr auf die Einkommen- steuer entfallet. Der Ausfall geht also fast vollständig auf die Einkommenstellei. Metallarbeiter-Verbandstag. Die Begrüßungen und der Gefchästsberichi. 8d>. Dotfmuub, 22. August.(Eigenbericht.) Nach der Eröffnungsansprache des Genossen Reichel gab der Viirgerrneister Dortmunds, Genosse Hirsch, seiner Freude über die Abhaltung des Verbandstages in Dortmund sowie seiner Ver- bundenheit mit der Arbeiterbewegung Ausdruck. Es folgten dann die Begrüßungsansprachen der Vertreter befreundeter in- und aus- ländischer Organisationen. Es sprachen der Vorsitzende des Inter- nationalen Metallarbeiteroerbandes. Genosse I l g« Bern, Genosse K j a e r b ö l- Kopenhagen als Vertreter der skandinavischen Organi- sation, Genosse G a l a n t u s- Poris für die französischen und belgischen Metallarbeiter, Genosse van Hattem- Amsterdam für die holländischen Metallarbeiter, Genosse Buschmann- Düssel- dorf für die deutschen freigewerkschaftlichen Angestelltenoer. bände, Genosse Müller- Berlin vom Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Genosse Graßmann vom ADGB. Als Kongreßleiter wurden gegen vier Stimmen die Genossen Reichel- Berlin, Schmidt- Dortmund und S t r o b e l» Chemnitz gewählt. Im Mittelpunkt der Montagnachmittagssitzung stand der Geschäftsbericht des verbandsvorsihenden. Genossen Brande». „Zwischen den Verbandstaaen von Berlin und Dortmund liegen zwei Jahre, die an Schwere für die Gewerkschaften in der Per- gangenheit kaum überschritten werden. Die Hoffnung der Mensch- heit, daß das Jahr 193) den Tiefstand der mit der Krise ver- bundenen wirtschaftlichen Zerrüttung bringe, dem dann spätestens 1932 der Wiederaufstieg folgen würde, hat sich nicht erfüllt. Die industrielle Weltproduktion, 1928 mit 199 angenommen, ging im Juni 1932 auf 67 zurück. Die Industrien aller tänder zusammengenommen produzieren seht 19 Proz. weniger als 1913, obwohl seitdem die Weltbevölkerung um 12 Pro;, gestiegen ist. Die Produktionsmittelindustrien, zu denen in erster Linie die M e tallindustrie gehört, sind dabei am härtesten betroffen. Während die Erzeugung der Textilindustrie z. B. nur um 13 Proz., die der Kohle um 39 Proz. sich senkte, betrug der Rückgang bei Eisen und Stahl 53, bei Maschinen 33, bei Kraftfahrzeugen 79 und bei Schiffen sogar 99 Proz. Wurde 1939 noch von einer Kon- junkturkrije gesprochen, so 1931 nicht mehr. Die Ueberzeugung, daß es eine schwere Krise des kapitalistischen Systems selbst ist, hatte alle wirtschaftlich denkenden Menschen erfaßt. Das kapitalistische System hat die Fähigkeiten verloren, von sich aus die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Es ist immer mehr zum Hemmnis der Wirtschaft geworden.(Soweit der Redner sich auf den gedruckt vorliegenden Rechenschaftsbericht bezog, verweisen wir auf dessen Besprechung in Nr. 383 des„Vorwärts'. D. Red.) Zusammenfassend sagte Brandes: Der ganze Tiefstand zeigt sich darin, daß im Dezember 1931 insgesamt 921 999 Metallarbeiter Arbelt suchten, von dea Mitgliedern des DMv. 41.6 proz. voll- erwerbslos und 32,3 Kurzarbeiter, d. h. nur noch 26,1 proz. voll beschäftigt waren. Von den wichtigsten Bewegungen nach dem Berliner Verbands- tag nenne ich den Streik der Berliner Metollarbeiter. Die Gesamt- aussperrung der Metallarbeiter Bielefelds, die Gssamtaussperrung der Metallarbeiter in Hannooer, dke Aussperrung in der bayerischen Großstadtmetallindustrie und den Streik in sechs Großbetrieben Breslaus. Ferner im neuen Jahr: der Kampf der Leipziger Kollegen sowie die Bewegung der Werftarbeiter. Bis zum Oktober 1939 verhinderten wir den Lohnabbau, auch bis April 1931 war er sehr gering. Unter dem Ansturm der Scharfmacher„überzeugten" sich auch Brüning und Stegerwold von der Notwendigkeit des Lohn- abbaus. Es find zwar auch die Preise für den Lebensunterhalt nach dem amtlichen Index von Ende 1929 bis zum Januar 1932 um 29 Proz.. d. h. etwa im gleichen Verhältnis wie die Löhne, ge- sunksn. Der Index berücksichtigt aber nicht dos Mehr an Steuern und Sozialbeiträgen für die Arbeiter, auch nicht die Kurzarbeit, die dos Einkommen der Arbeiter bis zur Unerträglichkeit senkt, wenn auch die Stundenlöhne noch gekürzt werden. Die Arbeilerinneu sind noch schwerer getroffen.. Infolg« der relativ stärkeren Zunahme in den Konjunkturjohren und des verhältnismäßig geringeren Rückganges in den Kriegs- jähren wächst der Anteil der Frauen an der Belegschaft der Metall- industrie. So ist j. B. der Anteil der Arbeiterinnen in der Elek- troindustrie von 1927 bis 1931 von 33,8 auf 37,3 Proz. gestiegen. Ausgesprochene Männerarbeit wird in ausgesprochene Frauenarbeit, Männerakkorde werden in Frouenakkorde verwandelt mit der üblichen Lohnerspornis von 39 bis 49 Proz. Nur die Hebung der Frausnlöhne kann der wachsenden Gefahr der Verdrän- gung von Männern durch Frauen entgegengesetzt werden. Voraus- fetzung bleibt ein besseres Organisotionsvsrhältnis der Arbeiterinnen und ihre aktivere Beteiligung im Verbandsleben. Noch besteht das große Tarifgebäude der Gewerkschaften, dieses Hindernis eines völligen Lohnabsturzes. Die Scharfmacher wollen es zerstören.„Die Unternehmer müßten in der Lohngestaltung frei werden, der Grundsatz der Unabdingbarkeit der Tarisoerträge fallen, lediglich Lohnrichtsatze dürften aufgestellt werden." Wenn die Unabdingbarkeit aufgegeben wird, ist der Tarifver- trag praktisch erledigt, und damit ist ein Schlag gegen die Rechts-! stellung der� Arbeiter in Staat und Wirtschaft geführt, der nicht nur tiefgehende Folgen für die Arbeiter, sondern auch für die Wirtschaft und für den Staat haben müßte. Bei der Arbeitszeitregelung weisen die Unternehmer auf die Tatsache hin, daß jetzt weniger als 49 Stunden gearbeitet wird. Sie wollen damit unsere Forderung auf eine gesetzliche Festlegung ablehnen. Dagegen wenden wir uns mit aller Schärfe,«oll wenigstens der größte Teil der Arbeitslosen beim Anziehen der Wirtschaft wieder in die Betriebe zurückkehren und aus ihrem Jammer befreit werden, dann darf kein Betrieb eine Arbeitszeit von 49 Stunden überschreiten. Auch in Deutschland wird versucht, eine Optimiswuswesie zu erzeugen' Allen voran die Blätter der Schwerindustrie und des Finanzkapitals. Wir sehen vorerst nur die 514 Millionen Arbeitslosen, die von den Arbeitsämtern erfaßt werden, wozu ober noch etwa 2 Millionen kommen, die von jeder Unterstützung ausgeschlossen, ober arbeitslos sind. Der Ausfall an Massenkaufkraft, der durch die brutale Kürzung der Papen-Not- Verordnung eintritt, ist erst im Anfang August wirksam geworden. Die Arbeitslosigkeit wird steigen, wir stehen vor einem Hungerwinter. der alle bisherigen übertreffen wird. Die Kundgebung der Papen- Regierung war die offene Kriegserklärung an die gesamte Arbeiter- klasse und die von der organisierten Arbeiterschaft geschaffenen sozialen Einrichtungen. Und ihre Notverordnung vom 13. Juni, dieser brutale Abbau der Unterstützungen für Arbeitslose wie für lnternehmer, die Sozialrentner und Kriegsoerletzte, unter gleichzeitiger Belastung der Lohn- und Gehaltsempfänger, aber Entlastung der Un hat unsere Voraussage über die Folgen eines Sturzes der Brüning- Regierung in schlimmster Weise bestätigt. Den Gewerkschaften wird vorgeworfen, ihre Politik sei falsch gewesen Sie haben sich auf die Demokratie gestutzt, der Staat verteidigt, statt rücksichtslos Über die Interessen dieses Staates die außerparlamentarischen Machtmittel einzusetzen Sie vergessen oder wollen nicht sehen, daß wir mit dieser Politik einen Aufstieg bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise erreicht haben. Was soll der Hinweis auf das russische Beispiel? Rußland ist ein Agrarland mit reichen Bodenschätzen. Und das was sich in Rußland unter ungeheurer Ausbeutung der Arbeiter voll- zieht, ist kein Sozialismus. Es ist eine mit Hochdruck be- triebene Entwicklung eines Agrarlandes vom Frühkapitalismus zum Hochkapitalismus, betrieben durch eine Diktatur, die keine Diktatur des Proletariats ist. Die deutsche Arbeiterklasse hat nicht das Zeug zum Hungern und Ausbeutenlassen, wie die russische. Ueber dos sozialistische Ziel sind wir einig. Die Voraussetzung für seine Erreichung ist die politische Macht. Wir wollen sie erreichen durch Gewinnung der Köpfe. Dazu brauchen wir den Kampfboden der Demokratie. Sie ist nicht Selbstzweck, wohl aber eine sicherere Me- thode als Putsch und Bürgerkrieg. Denn alles Gerede über General- streik läuft letzten Endes doch auf die Entfachung des Bürgerkrieges hinaus. Die Taktik der SPD. ermöglicht dem Hakenkreuz seine heuchlerische Märtqrerstellung. Ebenso sinnlos ist das Geschrei nach dem General st reik. Auch in Italien hat man solange gestreikt, bis diese Waffe völlig obge- stumpft war, die Gegner die Abwehr gelernt hatten. Körperliche Abwehr und Arbeitsoerweigerung müssen letzte Mittel im politischen Ringen sein. Unsere Ankläger denken an eine Abwehr durch einen als Revolution bezeichneten politischen Gewaltakt. Möglich, daß er eines Tages unvermeidbar wird. Ist es aber für die aufsteigend« Arbeiterklasie nicht nötig, die ungeheure Revolution zu beachten, die durch die wirtschaftlichen Umwälzungen und durch die gesell- schaftlichen Umschichtungen der Gegenwart sich vollzieht, die unbe- dingt für den Aufstieg der Arbeiterklasse arbeiten? Daran» erklärt sich die Stellung der Gewerkschaften, und die Zeit wird lehren, daß sie richtig gehandelt haben. Wir haben in Deutschland nur desKalb mit dem Faschismus als politischen Faktor zu rechnen, weil der Bolschewismus den Boden bereitet hat. Durch die ewigen Revo- lutionsspielereien von Moskau aus in Szene gesetzt und durch die Diskreditierung der Arbeiterbewegung werden große Massen der Reaktion in die Arme getrieben Die furchtbaren Erfahrungen der Krise hellen die Köpfe auf, sie arbeiten letzten Endes für den domo- kratischen Sozialismus, besonders wenn die Arbeiter einig sind. Wagt auf unserem verbandslag ein Delegierter gegen uns den Vorwurf, daß die Gewerkschafken die Einheitsfront verhindern? Fort mit der Gewalt der Katastrophenpolitik! Fort mit der Ver- leumdung und Zerstörung der Arbeiterorganisationen! Her mit einer wirklich ehrlichen Einheitsfront. Die Front der Kopf- und Handarbeiter, der wertvollste Teil jeder Gesellschaft. Sie hat Schandgesetze erlebt und zerbrochen, sie hat Blut- und Eisenmenschen gestürzt, sie hat Größenwahnsinnige weggefegt! So hat sie gekämpft für die Freiheit, für die die Besten aller Nationen, wenn es fein mußte, ihr Leben geopfert haben, weil ein Leben ohne Freiheit, ein Leben in Knechtschaft nicht lebenswert ist. Heute sehen wir wieder, wenn es fein muß unser Leben ein. denn ßnechlschaft ist für die deutsche Arbeiterschafk unerträglich. Brandes schloß. Die Gegenwart ist ernst und schwer. Brutal wird die Krise ausgenutzt, brutal verteidigt die Bourgeoisie ihre Herrschaft, brutal versucht sie. die Arbeiterklasse niederzuhalten Ich denke mit Empörung an die Urteile in letzter Zeit, Klassen- urteile unerhörtester Art. Auch hier in Dortmund. Die Arbeiterschaft wird daraus lernen. Die Zeit wird kommen, wo sie die Folgerungen daraus ziehen wird. Die Willkür und Ungerechttg- keit der" Bourgeoisie ist das Zeichen thres Endes. Die Flucht der Bourgeoisie zu Hiller ist das Eingeständnis ihres Bankrotts Der Glaube an die eigene Kraft ist verloren Dos Hakenkreuz mit den gebrochenen Enden ist ein richtiges Symbol für eine un'crgehende Ordnung. Fest und unzerstörbar ist der Block der organisierten Ar- beiterschast, ist der DMW Getragen von dem großen Zukunsts- glauben und von der Siegeszuversicht, ist sie erfüllt von dem Be- wußtsein ihrer großen geschichtlichen Aufgabe, endlich der Arbeit— dieses kostbarsten Gutes jeder Notion— in Staat und Wirtschaft zur Herrschaft zu oerhelfen. Mögen die Verhandlungen zeigen, daß die deutschen Metollarbeiter an der Spitze stehen und kämpfen werden." Im Anschluß an die mit großem Beifall aufgenommenen Aus- führungen des Genossen Brande? erläuterte Genosse Schäfer den gedruckt vorliegenden Kassenbericht für die Zeit seit dem letzten Verbandstag, der in der Oeffentlichkeit schon die ihm gebührende Beachtung gefunden Hot. Hervorgehoben sei von den ungeheuren finanziellen Leistungen de? Deutschen Metall- arbeiterverbandez nur noch, daß seit dem dritten Quartal 1929 bis zum Schluß des zweiten Quartals 1932 rund 193 Millionen Mark an Sozialunterstützungen ausgezahlt worden sind. Genosse Schäfer gab der Befriedigung des Gesamtvorstandes darüber Ausdruck, daß nicht ein einziger Antrag auf Beseitigung der sozialen Unterstützungseinrichtungen gestellt worden ist, womit dokumentiert wird, daß die Notwendigkeit dieser Einrichtungen von allen Verbandsmitgliedern anerkannt wird Es folgten dann die Berichte des Verbandsous- schuffes und der Schriftleitung der„M e t a ll- arbeiterzeitung" durch die Genossen W e i ß i g- Frankfurt am Main und Fritz Kummer- Berlin. Die Debatte über den Geschäftsbericht des Genossen Brandes beginnt Dienstagvormittag. Abwehr von Aazifrechheit. Keine Pflichtverletzung des Betriebsrots. In den Wochen vor der Reichstagswahl erschienen öster 29 bis 39 Mann starke Kolonnen von uniformierten und nichtuniformierten Nazijünglingen vor dem Postamt in der Pfalzburger Straße 42, um Flugblätter an den Mann zu bringen. Es wurde dazu die Zeit gewählt, wo die im Postamt Beschäftigten zur Arbeit kamen. Mit der gröhien Zudringlichkeit, ja sogar untqr körperlichen Belästigungen wurden den Arbeitern und Angestellten die Nazislug. blätter aufgedrängt. Wer die Annahme verweigerte, der wurde beschimpft.„Dich werben wir uns merken!"—„Du roter Hund, du kommst als erster dran!"—„Mit der roten Pest werden wir aufräumen!"—„Ausräuchern werden wir euch!"— Mit solchen und ähnlichen Rüpeleien warfen die Braunjacken um sich. In der Belegschaft des Postänätes taucht« der Gedanke auf, daß gegen diese Nazifrechheit etwpz»mternommen werden müßte. Der Gedanke wpx� 5VS£?*!jfct durch die Verteilung eine» Flugblattes, SVl'ches unter Hinweis auf bekannte Gewalttaten von National- sozio listen, und das provokatorisch« verhalten der Alugblattverteiler vor der Post die Belegschaft zu t'iner Versammlung einladet, welche Maßnahmen gegen diese; Treiben beraten sollte. Unter- zeichnet war das Flugblatt von Zwei Betriebs. atsmitgliedsrn der Post und dem Arbeiterratsvorfitzeibden eines Privatbetriebes, der in dem Postgebäude Arbeiten ausführen läßt. Die Poftbehörde, die zum Schutz ihrer Arbeiter und An- gestellten vor Belästigungen durch die Nazis nichls zu tun für gut fand unternohm aber eine Aktion gegen die beiden in ihrem Betriebe beschäftigten Unterzeichner des Abwehrflugblattes. für deren Entlassung sie die Zustimmung des Arbeitsgerichts beantragte wegen angeblicher Verletzung der Betriebsrats- pflichten durch ein„politisches" Flugblatt, das geeignet fei, die Ruhe im Betriebe zu stören. Die Kommer 38 des Arbeitsgerichts hat den Antrag der Postbehörde abgewiesen mit einer Begründung, in der u. a. gesagt wird: „Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme steht fest, daß sich vor dem Postgrundstück Uebergrifse durch nationalsozialistische Flugblatt- Verteiler ereignet hoben, so daß im Hinblick aus Ueberjalle, die— wie gerichtsbekannt ist— an anderen Stellen stattgefunden hoben, eine gewisse Erregung unter der Arbei'erschost durchaus begreiflich war. Wenn man das Verhalten der Flugbiattunterzeichner richtig würdigen will, darf man diese besonderen Verhältnisse nicht außer acht lassen. Man darf insbesondere nicht übersehen, daß dos aus ihre Veranlassung oerbreitete Flugblatt in einer Zeit abgefaßi worden ist, wo die politischen Leidenschaften oußerordenllich erregt waren und daß— was die Form des Flugblattes betrifft— auch in der nationalsozialistischen Presse Ausdrücke wie„Rote Word- banditeu".„Rotmord" und dergleichen ständig gebraucht werden." Ferner führt die Urteilsbegründung aus, die Unterzeichner des Flugblattes hätten zwar ihre Betriebsratspflicht ver- letzt, indem sie unter Hinweis auf ihre Betriebsratseigenschast auf das politische Gebiet übergriffen, aber eine Gesährdung des Betricbs- fricden» sei nicht erfolgt. Unter Berücksichtigung der gesamten Um- stände des Falle? könne die Unterzeichnung des Flugblattes nicht als gröbliche Pflichtverletzung im Sinne des Z 39 BRG angesehen werden. 3RGO. unterstützt die Textilbarone. Statt geschlossener Abwehrkampf Verleumdung der „Jieformisien". Die Kommunisten übertreffen in der gegenwärtigen Tarif- bewegung in der sächsischen Textilindustrie alle ihre bis- herigen Lügenleistungen. Sie scheuen im Kampfe gegen den Textilarbeiterverband und die„Reformisten" vor keiner Gemeinheit und Verleumdung zurück. Um ihrer ausgetrockneten Parteimühle wieder etwas Wasser zuzuführen, treiben sie ein frivoles Spiel mit der Existenz von Zehntausenden sächsischen Textil- arbeitern. Was kümmert es diese verantwortungslosen RGO.- Helden, daß sie mit ihren Versuchen, die Einigkeit und Geschlossen- heit der Textilarbetterjchast bei der Abwehr der wahnwitzigen Unternehmerlohnraubpläne zu stören, die Geschäfte der Unternehmer zu besorgen? Togtäglich werden Funktionäre des Textilarbeiterver- bandes, die jahrzehntelanginder Arbeiterbewegung tätig sind, von RGO.-Leuten beschimpft und verleumdet. Die Textilbarone hoben in der RGO. einen treuen Bundesgenossen bekommen und freuen sich, daß sie so gut van den Kommunisten unterstützt werden. Trotz der osrroerilichen Quertreiberei der Kommunisten wird die RGO. in der Textiiarbetterschost keinen Fuß sasjen, dafür sorgt der gut disziplinierte und geschulte Funktionärkörper. Selbst Kam» munisten rücken von dem Treiben der RGO- Führer" ab. In einer stark besuchten Mitgliederversammlung des Textil- arbeiteroerbandes in Leipzig, in der auch Kommunisten zum Wort« kamen, wurde zu den Lohnabbau der sächsischen Textilbarone Stellung genommen. Folgende Entschließung wurde ein- stimmig angenommen: „Die Mitgliederversammlung des Textilarbeiteroerbonde» in Leipzig, nimmt mit größter Entrüstung von den unverschämten Forderungen der sächsischen Textilunternehmer Kenntnis. Die Ber- jammlung lehnt ganz entschieden jede weitere Derjchlechterung der Elendslöhne der jächsijchen Textilarbeiterjchajt ab. Der Verbands- leitung und der Lohnkommission erklärt die Versammlung erneut ihr volles Vertrauen. Die Anwesenden versprechen, daß sie sich mit allen Kräften dafür einsetzen werden, daß alle Matznahmen, sie zur Abwehr der wahnwitzigen Unternehmerpläne angeordnet, einig und geschlossen von den Textilarbeitern durchgeführt werden. Empört verurteilen die Versammellen das schändliche Treiben der RGO. und Kommunisten. Mit den blödesten und gemeinsten Lügen und Der- leuwdungen wird versucht die Geschlosienheit der Textilarbeiters chast in den Betrieben zu stören. Damit besorgen sie ganz klar und deut- lich die Geschäfte de? reaktionären Unternehmertums. Damit zc- fährden sie ihren parteipolitischen Geschästchen zuliebe die Existenz von Zehntousenden sächsischer Textilarbeiter. Das ist gemeiner Verrat an der Arbeiterklasse." Die Sparmaßnahmen in Preußen. Zu unserer Notiz über die Sparmaßnahmen in Preußen in der Sonntagnummer schreibt uns der(Zentralverband der A n- g e st e l l t e n: „Die Erklärung der kommissarischen preußischen Regierung, daß sie nicht beabsichtige, aus Anlaß der Zusammenlegung von Land- kreisen Entlassungen vorzunehmen, bezieht sich leider nur auf die st a a t l i ch e n Angestellten bei den Landrotsämtern. Be- züglich der Angestellten bei den kommunalen Kreisver- w a l t u n g e n wurden keine Zusicherungen gegeben. Die Zahl der kommunalen Kreisangestellten ist aber bedeutend g r ö ß e r als die Zahl der staatlichen Landrotsangestellten Es mutz deshalb die Sorge des Landtags sein, sich der zum Teil seit vielen Jahren beschäftigten Kreisangestellten anzunehmen und von der Regierung zu verlangen, daß sie Maßnahmen zum Schutze dieser Angestellten trifft."_ ver nächste Internationale Bergorbeiterkongreß findet in der Zeit vom 13. bis 17. S e p t e m b e r 1932 in London statt. »�reie Gewerkschafts-Iueend Berlin Heute, Vienetag, 23. August, um 19Vj Uhr, tagen die Grupv-n: Eewert- schasrshaus,-nftedtstc. f. Zstarvm Ard-itcrspart?"— sttüteniMrz'. Suq.ndiikim«Siintetfit. 44. Srnt.r Lt.end.—»arbrncft.- Su-tandhcim Lcstrter Straß« 1K— 19 PolittsH-latirtfchsr Abend. Bcrtrcgend« Tbea Mar-t.— Heu»« ab 29 Uhr S?r«chHarproSe in der Turnl>aste Bärmb-r Ltr A.—£•?>«!« 'tn Freien ab 20 ilht in ftöp«ntd,„SiÄe'.Spcttplaß, Ecke Ach-nbachstraße, ob 13 Uhr Lportvlatz-stehbergs.— Plakettru jür die Antikriexatuubgebullg am 3. September im ZZoIk»park Ziehbeige zum Preise pan 20 Pf. stnb'.M Juzenp. ietrelarial lu haben.