Redaktion u. Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 ScL A7 Dönhoff 292—297 BERLIN Mnstag 25. August 1932 10 Pf. Nr. 396 B 193 49. Jahrgang Anzeigenpreis i Di- Isplt. SDWB- metetjelle S0Pf. Di- R-klamez-tl« lost-t 2 Marl. Rabatte n. Tarif. Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis f ü r b e i d e A u s g a b- n 7S Pf. pro Woche, z,2ö M. pro Monat(davon 87 Pf. monatlich fiir Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Ps. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebühren. Proiesisclipill der SPD RegierungserKiärungen wirken nicht beruhigend Das Echo von Beuchen (Stärkster Eindruck im Lnland und Ausland Ter sozialdemokratische Parteivorstand hatte durch Schreiben vom 17. August beim Reichskanzler von Pape» und dem mit der Vertretung der Geschäfte in Preußen beauftragten Oberbürgermeister Tr. Bracht gegen die gehäuften Maßregelungen sozialdemokratischer Beamter Beschwerde erhoben, lieber diese Beschwerde kam es heute in der Reichskanzlei zu einer Aussprache, an der auf sozialdemokratischer Seite die Reichstagsabge- ordneten Wels und Stampfer, auf feiten der Regie- rung Herr von Pape», Dr. Bracht und Staatssekretär Planck teilnahmen. Die sozialdemokratischen Vertreter erklärten, daß die fortgesehten Amtsenthebungen und Zur-Dispositions- Stellungen von Sozialdemokraten einer Infamierung der Sozialdemokratischen Partei gleichkämen und mit dem G e i st der V e r f a s s u ng in keiner Weise zu ver- einbaren seien. Auch bestritten sie der kommissarischen Preußenregierung die staatsrechtliche Legitimation zu einem derartigen Vorgehen. Die Vertreter der Sozial» demokratie brachten sodann auch die Sprache auf das unerhörte Zuchthausurteil von Brieg, das nur dadurch zustande kommen konnte, daß die Ange- klagten widerrechtlich ihrem ordentlichen Richter ent- zogen wurden. Zum Schluß der Aussprach« gab der Reichskanzler der Hoffnung Ausdruck, die Erklärungen der Regierung würden auf die Vertreter der Sozialdemokratie gewisser» maßen beruhigend gewirkt haben. Die sozial- demokratischen Vertreter erklärten jedoch, daß dies keineswegs der Fall fei. Todesurteile ohne Vollzug. Negierunq erörtert nur den-„Gnadenweg"! Zu der durch die Veulhener Urteile in der Oesfentlichkeit dis- kutierten Frage eines Gnadenversahrens wird vom preußischen Justizministerium darauf hingewiesen, daß auch aus das?er- sahren der Sondergcrichte die Strafprozeßordnung Anwendung finde. Danach kann eine v o l l st r e ck u n g de? Urteils erst erfolgen, wenn eine Ausübung des Gnadenrechles nicht stattgefunden hat. Für diese Ausübung find die Länderregierungen, in diesem Falle also die preußische Regierung, zuständig. Das verfahren geht so vonffatten, daß der Oberstaatsanwalt nach Einholung der Meinung des Generalstaalsonwalls seine Auffassung dem Beauftragten für Gnadensachen im Justizministerium mitteilt, der sich dann unter veisügung der Sondergerichtsenlschei- dung und einer Meinungsäußerung des sogenannten Gnadenanwalts (das ist ein örtlich zuständiger Rechtsanwalt des Bezirks, der in Gnadensachen seine Meinungsäußerung abgibt) an den Justiz- minister wendet. Zn der Ohlauer Angelegenheil wurde bemerkt, daß ein Gnadengesuch zur Einleitung eines Gnadenversahrens notwendig sei, während wegen der Todesurteile ein Gnadenverfahreu direkt in Gang geseht wird. Hitler telegraphiert nach Beuchen. „Eure Freiheit eine Frage unserer Ehre." Hitler hat an die zum Tode verurteilten Nationalsozialisten das folgende Telegramm gerichtet: „Meine Kameraden! Angesichts dieses ungeheuerlichsten Vlut- Urteils fühle ich mich mit Euch in unbegrenzter Treue verbunden. Eure Freiheit ist von diesem Augenblick an eine Frage unserer Ehre. Der Kampi gegen eine Regierung, unter der dieses möglich war, unsere Pflicht." Maultorh. Der stellvertretende Oberprösident von«ochsen Hot den sozial- demokratischen„Volksboten" in Zeig auf süni Tage verboten. Anlaß dazu bot ihm der Aussah des Blattes, der dem— Veriassungstag gewidmet war. Veriassungsortikel verfassungstreuer Blätter find heute Dinge, b« denen die gegenwärtig Regierenden besonders empfindlich werden. Das sünssache Todesurteil von Beulhen hat in der gesamten deutschen Presse ein außerordentlich starkes Echo gesunden. Auch die ersten Blätterstimmen, die aus dem A u s l a n d e schon vorliegen, lassen erkennen, daß das Urteil des Beulhcner Sondergerichtes auch jenseits der deutschen Grenzen großen Eindruck hervorgerufen hak. Die„Frankfurter Zeitung" schreibt zu den Todes- urteilen: Die Zubilligung mildernder Umstände ist durch die Terror- Verordnung untersagt, das Gericht kann also auf keine andere Strase erkennen, als es geschah. Eine andere Frage ist freilich, ob das Urteil vollstreckt werden muß. Die bloße Androhung der Todesstrafe für solche Bluttaten hat es zuwegegebracht, daß die politischen Ausschreitungen schwerster Art wie mit einem Ruck abgestoppt wurden. Die Tatsache, daß die Tat von Potempa nur eine bis zwei Stunden nach Inkrafttreten der Terrorverordnung geschehen sei, gebe, so meint das Blatt, dem Staate die Möglichkeit, mit der Statuierung eines Exempels noch zu warten. Das Blatt schreibt zum Schluß:„Wir, die wir aus prinzipiellen Gründen Gegner der Todesstrafe sind, fühlen uns deshalb um so mehr berechtigt, die Forden: ng zu erheben, daß man die fünf Nationalsozialisten begnadige. Sie sollen nicht straflos ausgehen. Man mag also bei der Bemessung der Zucht- hausstrase die Abscheulichkeit ihrer Tat berücksichtigen: hinrichten aber soll man sie nicht". Das Berliner Organ des Zentrums, die„German! a" erklärt: Mit den verschärften Strasbestimmungen habe die Regienmg den Kampf gegen den politischen Terror ausgenommen. Es scheine aber Leute zu geben, die die Verordnung gegen den politischen Terror nicht ernst genug genommen haben. Sonst wäre es unmöglich, daß das Urteil des Beuthener Sonder- gerichles troh seiner Strenge von nationalsozialistischer Seite zu einer Stimmungsmache gegen die Justiz benutzt wird. Die Leute, die dieses erste Todesurteil eines Sondergerichtes getroffen habe, hätten ganz genau wissen müssen, was ihrer wartete, als sie in der Nacht zum 10. August in die Wohnung des Kommunisten Pietrzuch in Potempa eindrangen und dort einen wehrlosen Men- schen der politischen Gesinnung wegen abschlachteten. Die Strasverschärfung der Regierung sei doch wahrhastig nicht über Nacht gekommen. Sie habe acht Tage vorher zur Diskussion gestanden. Die Richter des Beuthener Sondergerichtes hätten zu keinem an- deren Urteil kommen können als dem gestern gefällten, sofern die Autorität des Staates und des Rechtes überhaupt noch aufrecht- erhalten werden solle. Hugenbergs„Berliner Lokal-Anzeiger" deutet an, es bestehe die Möglichkeit des Gnadenantrages an das preußische Staatsministerium, also des Antrages aus Umwandlung der Todes- strafe in eine lebenslängliche oder mehrjährige Zuchthausstrafe. Ein solcher Antrag sei von dem Oberstaatsanwalt schon angedeutet wor- den, als er am Schluß seiner Anklagerede ausgeführt habe, daß nach seiner Auffassung das Urteil der„Gnade und dem Verständnis der Staatsregierung onheimzuftellen" sei. Die nationalsozialistische„Berliner Börsen-Zeitung" benutzt das Urteil von Beuthen zu einer wüsten Hetze gegen die Ohlauer Reichsbannerleute. Das Blatt schreibt, soweit es davon ent- fernt sei, die Untat von Potempa entschuldigen zu wallen, so sehr müsse es doch annehmen, daß das Urteil von Beuthen in dieser Härte nicht voll st reckt werde. Die Tat von Potempa sei politi- sche Rache an einem politischen Gegner. Die Tat könne also menschlich nicht schwerer beurteilt(!!) werden als die Mordtat der Durniok und Genossen in Ohla». Von den bürgerlichen Pressestimmen in Schlesien ist die Aeuße- rung des Zentrumsorgans„O b e r s ch l e s i s ch e V o l k s st i m m e" am bemerkenswertesten. Das Blatt schreibt:„Wenn das Beuthener Gericht zum Todesurteil kam, so steht man zwar erschüttert vor dieser harten Notwendigkeit, darf aber Achtung und Anerkennung einer Justiz nicht versagen, die in diesen erregten, leidenschaftlich aufgewühlten und von Drohungen erfüllten Zeiten den so strengen, ihr vom Gesetz bezeichneten Weg geht. Die wahren Schuldigen sind allerdings nicht die Angeklagten. Sie sind in den Kreisen derjenigen zu suchen, die die gegen- wärtige politische Verhetzung und Verwirrung unter das Volk gelragen haben. Aus keinen Fall aber darf das Urteil Anlaß sein, das Volk in eine neue Hetze zu treiben, die nur wieder Bürgerblut vergießen würde. Möge dieses Urteil das Fanal eines eindringlichen Appells sein, nun endlich Schluß zu machen mit den Bluttaten und dem latenten Bürgerkrieg." In nationalsozialistischen Kreisen ist die Erregung über das Urteil natürlich ungeheuer. Diejenigen, die nicht oft genug nach dem Henker rufen konnten, bezeichnen das Urteil als grauenvoll und un- erträglich, weil es ihre Leute getroffen hat. So schreibt Goebbels im„A n g r i f s":„Wird man in der Tat den Mut haben, die Köpfe dieser fünf jungen Männer auf den Block zu legen? Wird man wirklich hier ein Exempel statuieren, das in seinen Folgen und Aus- Wirkungen so grauenvoll und unerträglich ist, daß man es zu dieser Stunde noch gar nicht auszudenken wagt? Nichts liegt uns ferner, als uns mit Gewalttätigkeiten zu identifizieren. Wir haben keine Veranlassung, den Terror zu verherrlichen. Das aber erklären wir feierlich vor der Oefsentlichkeft des Landes und der ganzen Welt: diese Urteile dürfen nicht voll st reckt werden, diese Urteile sind ein Fau st schlag in das Gesicht des nationalen Deutschlands." In Paris hat die Nachricht von den fünf Todesurteilen in Beuthen große Ueberraschung hervorgerufen. Von dem neuen Kurs in Deutschland hatte man eine derart scharfe Justiz gegen SA.- Männer nicht erwartet. Der„Matin" fragt:„Soll der Abgrund zwischen Hitler und von Papen unüberbrückbar werden?" Havas meldet, die Reichsregierung werde wahrscheinlich von ihrem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch machen. Ein Ausruf Hitlers. Aufgeregte Ratlosigkeit. Adolf Hitler erläßt einen Aufruf, in dem er zunächst spalten- lang seine alten Redensarten von Novembsroerbrechern usw. wiederholt. Er behauptet dann, daß die Ohlauer Angeklagten mit geringen Strafen davongekommen seien, während„die Gerichte der Regierung des Herrn von Pape» fünf Nationalsozialisten zum Tode oerurteilt" hätten. Man werde jetzt oerstehen, warum er, Hitler, sich geweigert habe, in diese Regierung einzutreten. „Herr von Papen", ruft dann Hitler aus.„Ihre Ob. jektivität kenne ich nun!"(Als ob Papen den Sonder- gerichten ihre Urteile diktieren könnte! Red, d.„Vorwärts".) Und pathetisch ruft er dann aus:„Zum Henker nationaler Freiheitskämpfer eigne ich mich nicht". Angesichts des ungeheuerlichen Blut- Urteils gebe es nur Kampf.„Die Saat, die nun ausgehen wird, wird man künftig nicht mehr durch Sttase beschwichtigen können. Der Kampf um das Leben unserer fünf Kameraden setzt nun ein." Mit diesen Worten schließt der Aufruf einer aufgeregten Ratlosigkeit, Geifieskrankheii in der KpO. Vichts anderes zu tun, als blöde Lügen gegen die tSPO. zu erfinden? Nur mit äußerstem Widerwillen entschließen wir uns, gelegent- lich auch des kommunistischen Zenttalorgans, der„Roten Fahne", Erwähnung zu tun. Als ob sonst in der Welt nichts geschehen wäre, als ob es keine Popen-Regierung und keinen Faschismus gäbe, fährt dieses Blatt fort, seine Spalten mit schmutzigen Lügen gegen die Sozialdemokratte und die Gewerkschaften anzufüllen. Seine Er» findungen sind meist so plump, daß jeder denkende Mensch mit einem Achselzucken über sie hinweggehen muß— geschieht das aber, so wird daraus flugs„ein Geständnis" konstruiert und das dumme Zeug als nunmehr bewiesene Wahrheit ausgetischt. So liest man heute morgen in der„Fahne": Aber auch das Schweigen redet eine deutliche Sprache: Die Sprache der B e st ä t i g u n g. Sie wagen ihre Schleicher-Ver- Handlungen nicht zu leugnen, die Stampfer, Wels und Leipart. Noch einmal, ihr cherren Reformisten: Ihr habt am 18. August mit Schleicher eine Konferenz gehabt, in der ihr euch bereit erklärtet, ein Präsidialkabinett zu tolerieren. In dieser Konferenz wurde besonders über die Möglichkeit der Bildung einer Nazikoalition mit dem Zentrum von Ätraßer bis Stegerwald gesprochen. Am 18. August war keine Konferenz bei Schleicher, bei der ein Sozialdemokrat anwesend war. Ebensowenig hat bei Schleicher oder bei einem anderen Minister ein« Konferenz stattgefunden, bei der sich ein„Reformist" bereit erklärt hätte, ein Präsidialtabinett zu tolerieren. Niemals hat ein Minister direkt oder indirekt mit einem Sozialdemokraten über die Möglichkeit der Bildung einer Nazi- koalition mit dem Zentrum verhandelt. Es gibt keine Konferenz, keine Verhandlung, keine Sitzung, in der die Sozialdemokratie von ihrer Linie der s ch ä r f st e n Opposition gegen die Regierung Pape» auch nur um Haaresbreite abgewichen wäre. Einmütig und ohne Debatte ist in der Reichstagsfraktion die Einbringung eines Mißtrauensantrags gegen die Papen-Regierung als eine Selbst- Verständlichkeit genehmigt worden. An einer anderen Stelle beschäftigt sich die„Rote Fahne" mit den Anträgen der Sozialdemokratischen Partei über die Ber» staatlichung der Schlüsselindustrien. Aus dem drei Spalten langen Geschimpfe sei ein einziger Satz hervorgehoben: Der ganze„Sozialisierungs"- Betrug der SPD. dient der Stärkung des Finanzkapitals, dient der F e st i- gung der faschistischen Schleicher-Diktatur und der Durchsetzung ihrer Pläne und Absichten und wirkt für die Kräftigung des Faschismus. Ja, da hat man schon das Gefühl, es mit Geisteskranken zu tun zu haben! Oder kann es möglich sein, daß geistig Gesunde so frech und schamlos das Blaue vom Himmel herunter schwindeln? Das Treiben des kommunistischen Schmutzblattes ist ein öfsent- licher Skandal. Es ist eine wahre Schande für die Ar- beiterklasse, daß so etwas als„Arbeiterblatt" in der Welt herumlaufen kann! Hakenkreuz-Kgrüne Marxisten" Die neue Negierungsfront in Thüringen.— KpS.-Fraktion ausgeschlossen. Weimar, 23. August.(Eigenbericht.) Unter starkem Andrang von Zuhörern trat der n e u g e w ä h l t e Thüringer Landtag heute zu semer ersten Sitzung zusammen. Der Landtag setzt sich bekanntlich zusammen aus 15 Sozialdemokraten, lg Kommunisten, 1 Staatsparteiler, 26 Nationalsozialisten, 6 Land- bündkern, 1 Deutschen Bölksparteiler und 2 Deutschnationalen. Auf Vorschlag der Nationalsozialisten wählte der Landtag mit den Stimmen der Nationalsozialisten, Landbündler und Deulschnatio- nalen den Abgeordneten M a r s ch l e r(Natsoz.) mit 33 Stimmeil zum ersten Präsidenten. Zum eisten Vizepräsidenten wurde von der zweitstärksten Fraktion, den Sozialdemokraten, Abgeordneter B i e- ligk vorgeschlagen. Die Nationalsozialisten erklärten durch ihren Fraktionsvorsitzenden, daß ihre Partei keinen Marxisten wählen werde. Sie würden ihre Stimme nur einem Land- b ü n d l e r geben. Gewählt wurde als erster Bizepräsident der Landbündler v. Thümmel mit 33 Stimmen, Abgeordneter Bieligk (SPD.) erhielt nur 15 Stimmen der Sozialdemokraten und die Stimme des Staatsparteilers. Zum zweiten Vizepräsidenten wurde der Abgeordnete Hille(Natsoz.) mit 31 Stimmen gewählt. Zwei Landbündler haben nicht für Hille gestimmt. Abge- ordneter Bieligk erhielt nur 15 Stimmen. Hille ist bekannt geworden durch den Prozeß, den die Genossen C r i s p i e n und D i t t m a n n wegen Verleumdung in Hildburg- hausen gegen ihn geführt haben. Abgeordneter Frölich(SPD.) stellte fest, daß die Land- b ü n d l e r noch während des Landtagswahlkampfes von den Nationalsozialisten als die grünen Marxisten, als Ka- schemmenbrllder und Untermenschen(!) bezeichnet worden sind. Den Landbündlern würde es ergehen wie den übrigen bürgerlichen Parteien, sie würden für ihre Haltung von den Nazis aufgefressen werden. Die Kommunisten trieben ihre arbeiterverräterische Politik auch bei dieser Wahl fort. Sie schlugen für alle drei Präsidentensitze eigene Kandidaten vor. Zum Schluß der Sitzung gedachte der Präsident Marschler (Natsoz.) der Opfer der„Niobe": die Abgeordneten erhoben sich von ihren Plätzen, auch der kommunistische Abgeordnete Zimmermann erhob sich mit, er wurde aber von dem Fraktion?- Vorsitzenden der KPD. veranlaßt, sich wieder zu setzen. Marschler schloß daraufhin die ganze KPD.-Zraktion, auch den sehlenden KPD.-Abgeordneten, von der Sitzung ans drei Tage aus, weil durch ihr Verhalten die Würde des Hauses verletzt worden sei. In der Geschäftsordnung findet dieser Ausschluß keine Stütze. Am Freitag soll die Wahl der Regierung vorgenommen werden. Landbündler und Nationalsozialisten scheinen sich einig zu sein, die Regierung allein zu besetzen. Gorki und Ztadek unerwünscht. Holland verbietet ihre Teilnahme am Antikriegskongreß. Moskau, 23. August.(Tel.-A. der SU.) Der Sowjetdelegation hat die Regierung der Niederlande die Einreisegenehmigung zur Teilnahme an dem Amsterdamer Anti- kriegskongreß verweigert. Als Delegierte waren U. a. Gorki und R a d e k in Aussicht genommen. Sie haben an den Präsidenten des Antikriegskongresses, Henri Barbusse, das telegraphische Er- suchen gerichtet, die Einreisegenehmigung für sie zu erwirken. * Es handelt sich um den von Barbusse, Romain Rolland u. a. ein- berufenen Kongreß, dessen Abhaltung in der Schweiz bereits ver- boten worden ist. Wir haben bereits den polemischen Briefwechsel zwischen Fried- rich Adler und Romain Rolland mitgeteilt, aus dem hervor- ging, daß die Sozialistische Arbeiter-Jnternationale den Kongreß nicht beschickt, weil sie ihn als kommunistische Mache ansieht. Der mexikanische Gewerkschaftsführer Luis Morones, Indu- strieminister im ehemaligen Kabinett Calles, wurde im Staate Sinaloa wegen angeblichen Umsturzkomplotts verhaftet. Nach zweitägigen Riefendemonstrationen der orga- visierten Arbeiter des ganzen Landes wurde Morones wieder freigelassen. Zinn und Blut in Bolivien Oer Kriegsgrund in Zeniral-Südamerika Dem Glasgower„Forward" entnehmen wir folgenden Artikel des ehemaligen Lord-Geheimsiegelbewal)rers der bri- tischen Arbeiterregierung, Thomas John st on. über die kapitalistischen Hintergründe der Kriegsgefahr in Südamerika. Ich behaupte nicht, von den Herren, die die Bauernvölker von Paraguay und Bolivien an den Rand des Krieges gegeneinander gebracht haben, allzuviel zu wissen. Aber ich weiß einiges über ihre Finanztransaktionen in Bolivien und dieses Etwas wird in unserer diskreten, von Diskontbanken kon- trollierten Presse auch nicht einmal angedeutet werden. Paraguay ist eine dünn besiedelte Republik von 756 666 Einwohnern, deren Regierung 1876 866 666 Psund Sterling in London borgte: aber Paraguay erhielt nur 646 666 Pfund— die Londoner Bankiers und Börsenmakler versteiften sich auf eine Kommission von 166666 Pfund! Andere derartige Transaktionen gab es auf dem Londoner Spitzbubengeldmarkt 1871 und 1872. Die Gesamtsumme der Anleihen und Schulden Paraguays an London beträgt 3 666 666 Pfund, lind diese Anleihen muß Paraguay seit langem„Not leiden" lassen. Die Ilcberlaslung durch die Zinanzräuber war zu groß, viel Zu groß. Der einzige Finan�monn, der offen mit seiner Unterschrift über den bolioianisch-parogüayaniscksen Krieg in der englischen Presse schreibt, scheint Lord Luke of Pavenham zu sein. Lord Luke(vor seiner Erhebung zum Lord ein gewöhnlicher G. L. Iohnston) ist Vorsitzender der B o v r i l Limited. Er hat in Südamerika Interessen und schreibt in den„Times"(vom 5. August 1632) ganz selbstgefällig über„eine meiner Gesellschaften", die eine Dampferflotte auf dem Poraguayfluß besitzt. Was diese Bovril-Lordschaft sogt, und sicher mit Recht sagt, ist, daß„Kapital nur für nützliche Zwecke zur Berjügung gc- stellt werden soll". Er glaubt nicht, daß«ine neue Eisenbahn von Bolivien nach einem Hasen in Paraguay ein nützlicher Zweck wäre. Diejenigen, die Kapital investieren,„sollten auch etwas in dieser Sache zu sagen haben", meint er. Woraus wir schließen können, daß das Londoner Geld an Paraguaya-Vieh mehr interessiert ist als an Bolivien-Zinn. Aber wir eilen den Tatsachen voraus. Bolivien hat eine Bevölkerung von 3 666 666, die 1928 von amerikanischen Finanzleuten gnädig mit einer R ü st u n g s- a n l e i h e beschenkt wurde. In Amerika gab es eine beträchtliche Opposition dagegen, aber das Staatsdepartement billigte sie. Diese Anleihe ist notleidend, denn der Staatsschah von Bolivien ist hofsnuugslos zahlungsunfähig — aber die Munition ist im Lande. Bolivien hat die neuesten Errungenschaften der Mordindustrie. Bis 1968 gab es für ausländische Banditen in Bolivien keine Beute. Das Land war isoliert— beinahe unzugänglich— mit einer primitiven landwirtschaftlichen Bevölkerung, von der 85 Proz. Analphabeten sind. Aber es wurde in Bolivien Zinn gefunden und die amerika- nischc Finanz war sofort zur Stelle, um sich eine Monopolherrschast über das Zinnlond zu sichern. Die USA. sollen ein Drittel der Weltproduktion von Zinn verbrauchen, und zwar alles aus Bolivien stammende Zinn, alles aus den Amerikanern gehörenden Zinnminen, wo die rückständigen Bolioier sich für einen Hunger» lohn abrackern. Während der letzten zwanzig Jahre hat Bolivien Schulden von 56 666 666 Pfund aufgenommen. Es ist verpflichtet, diese Summe den Finanzleuten in der Wall Street zurückzuerstatten: Entgelt für diese Anleihen sind die amerikanischen Kapitalgesellschaften gehören- den Zinnminen und Eisenbahnen, die das Zinn an die Küste führen. Die amerikanische Finanz hat die Eisenbahnen. Und Bolivien hat die Schulden. 1926 borgte sich Bolivien für Eisenbahnen 7 Millionen Dollar zu 8 Proz. aus, die in 26 Iahren zurückgezahlt sein müssen. Aber die amerikanischen Finanziers waren berechtigt, diese Anleiheobliga- tionen zu 57� zu kausen und dann— was sie wirklich taten— bi Wall Street für 161 weiter zu verkaufen. Aber der Witz um Bolivien ist hier noch nicht zu Ende. Die amerikanischen Eisenbahnsirmen erhalten eine Million Dollar, wenn die Eisenbahn fertiggebaut ist: doch oh weh, als die letzte Schiene gelegt war, stellte sich heraus, daß die Eisenbahn so ver«. pfuscht war, daß das arme Bolivien eine weitere Million Dollar borgen mußt«, um die Linie betriebsfertig zu machen. Dann machte der bolivische Staat Bankerott und die amerika- nischen Finanzinspektoren wurden mit der Verwaltung des Staats- schatzes im Interesse der Obligationäre betraut. Und dann sagte man den Boliviern. daß sie sich Waffen verschaffen und für ihre Rüstungen von Wall Street Geld borgen sollten. Und jetzt... Krieg, brandroter Krieg. Die Bauernfarmen brennen und die Bauern sterben im Gran Chaco, damit die Zinngesellschaften ihre Produkte rascher und billiger an die Küste befördern können! Gewitterbö auf dem Werbellinsee. Em Berliner ertrunken. Durch eine Gewitterbö von einer Stärke, wie man sie aus dem Werbellinsee seit langem nicht mehr erlebt hat, wurde im Zeit- räum einer Minute die bis dahin ganz friedlich daliegende See- fläche zu wildem Aufruhr aufgepeitscht. Mehrere Boote kenterten. Die Insassen konnten olle gerettet werden. Nach zehn Minuten war der Sturm wieder vorüber. Leider hat der Werbellinsee aber vor dem Gewittersturm ein Opfer gefordert. In der Nähe des Forsthauses Spring wollte der 42jährige Schlächtermeister Wischnewski aus der Ansbach« Straße mit seiner Frau ein Bad nehmen. Er war erst kurze Zeit im Wasser, als er vor den Augen seiner Frau lautlos unterging. Wahrscheinlich ist er einem Herzschlag erlegen. Die Leiche wurde geborgen und ist in das Grimnitzer Schauhaus gebracht worden. abbo. Regie u. Titelrolle E. v. Sfroheira.— Beipr. — Tonnoche c Friedrlchstadt Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichstraßel 9, 12. 3. 6. 9 Uhr Be.erT. hat Buh" mit Fritz Uamper*. Paul Hörbiger 10.30. 1.30., 30. 7.3U. 10 30 Uhr So'n Windhund mit Max Adalbert Keueite Ton-Bild-Beportage Westen Primas-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretcnstr. Uraufführung! Zwei gslückliehe Tage mit Ida Wüst. Ciaire Rommer, Paul Hörbig:er W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Südwesten Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1.\V. ab 5.30, S. ab 3.30 Großlonfilm: Ja. treu ist die Soldarenliebe mit Fr. Schulz — Fidele Razzia Tempelhof Knrtnrtf w- 7' 9' Sbd- Sl«- 5' 7' nurfüTSl Stg. 3 Uhr: Jgd.-Vorst. Dorfslraße 22. Ecke Berliner Straße Das Tüllionentestament mit Charl. Ander. Joh. Riemann. — Tonbeiprogramm Tivoli Täglich 5, 7, 9, Stgs. 3 Uhr: Jugendvorstell Berliner Straße 97. Tonlustspiel: Frau I-ehmann. Töchter mit Hnn.i Xiene, Fritz Kampers— Tonbeiprogramm U"Mnriendorf Fr Mariendorfer W. 7, 9, Itia-Lil Tonliehtspiele S. 5, 7, 9 Chausseestr. 305. Tonlustspiel: Frau I-ehmann. Töchter mit llanai Niese, Fritz Kampers— Tonbeiprogramm W Schöneberg W Alhambra Variete Tonfilm Hauptstraße 30 Der Feldherrnhügrel mit J. Petrovich, Elga Brink— Besuch im Karzer Jugendliche haben Zutritt Titania Schöneberg Hauptsir. 49 W. 5, letrte 9 Uhr S. ab 3 Uhr Das Millionentestament mit Joh. Riemann, Chart. Ander — Tonbeiprogramm Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinstraße 65. Beg. 7, 9 Uhr. Sonnt. 5, 7, 9 Uhr Viktoria und ihr Husar mit Ivan Petrovich, Fr. Schuster — Heiprogsramm i Steglitz fc Titania-Palast sTÄm.Sü. Steglitz. Schloßstr 5. EckeGutsmuthsstr. Uraufführung: Teilnehmer antwortet nicht. Ein sensationeller Kriminalfall mit Doroth. �Tieck. Gustav Gründffens. Gustav Dießl, Oskar Sima, Truus van Alten T_/? Beginn tägl. 5, 7. 9 Uhr £i€li Stg. 3 Uhr Jugendvorstell Potsdamer Str. 56. Das Lied einer Kaeht mit Jan Kiepura, TVallburg:- Jugendliche haben Zutritt Charlottenburg Germania-Palast Charlottenburc. Wilmersdorfer Str 53/54 Das Lied einer Nacht mit Jan Kiepura. Hagda Schneider, Fritz Schulz Jugendliche haben Zutritt W. 5. 7. 9 Uhr Kant-Lichtspiele Kantstr. 54 Caa der Wilraersdorfer Str.) Das Lied einer Nacht mit Jan Kiepura. �(agda Schneider, Fritz Schulz Jugendliche haben Zutritt W. 5. 7. 9 Uhr Schlüter-Theater u, Schlüterstr. 17. Stg, 3 Uhr: Jugd.-V. Der Hexer(nach Wallacel.— Es war einmal ein Walzer mit Martha Eggereh J Wochent. 7. 9H ü. Atrium Stg 5. 7. 914 u Kaiserallee. Ecke Berliner Straße Uraufführung: Strafsache van Geldern mit E. Richter. Paul Richter. E. Brink. L. Weiß- müller, F. Kampers, Falken- Stein, C. Lilien— Gut. Tonbpr- Moabit A Wochent. ab 6 Uhr Artusnor Sonntags ah 3 vhr Berieherger Str. 29 Durchlaucht amüsiert sieh mit Kien Dett ers— Wer nimmt die Klebe ernst?— Tonwoche Süden y Theater am Moritzplatz W. 6, 8.45 Uhr. S. ab 4.30 Uhr Ariane mit El Berger. Rudolf Förster— Aus einer kleinen Residenz mit Lucic Englisch, Ida Wüst W Südosten W Luisen- Theater 1:'b Vu Reichenbcrgtr Str. 34. Edgar Wallace Kriminaltonfilra Der Hexer Ferner; Ronald Colraann in Di© Flucht von der Teufelsinsel Filmech Am Görlitzer Bahnhof Die grausame Freundin mit Anny Ondra Ferner Udels Flieger-Expeditionsfilm Fliehende Schatten Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast Köpenicker Straße 12—14 Werner Krauß in dem neuesten Großtoniilm Tfensch ohne Namen Dazu Bühnenschau Deatsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beg. 4.45 Uhr Frau Lehmanns Töchter mit H.\iese— Schritt und Tritt mit Fat and Pataehon Neukölln Mercedes-Palast s ab'su Hermannslr. 212. Eine Stunde mit dir m. Jl-Che- > alier. Jeanette Flacdonald. Regie: Lubitsch— Vampyr, Th. Dreyers myst. Tonfilm � Primus-Palast Lon'nt�h s'v. Am Herraannplatz, Urbanslr. 72/76. Jonny stiehlt Europa mit H. Plel— Gr. Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Treptow T rep to w-Sternwa rte Donnerstag 8 Uhr: Rlvicra. Provence. Bretagne und Paris. Eine Reise in Frankreich. Film Osten Germania-Palast ab B' S. ab 5 ü. Frankfurter Allee 314 Zwei Tonfilme; Der Rächer des Tong Ein nervenerregendes Erlebnis aus dem Chinesenvierlel San Franziskas Ferner Skandal in der Parkstraße mit Senta Söneland, Fr. Kampers Luna-Palast sonni�auhr Gr Frankfurter Sir. 121. Jonny stiehlt Europa mit H. Piel— 2 Tonlustspiele— Gr. Beiprogramm— Tonwoche Schwarzer Adler aTÄ W. 5. 7. 9 Uhr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr Razzia in St. Pauli— VI- Bu- rian: Wehe, wenn er losgelassen— Touwoch© M Meu-tlchtenberg M Kosmos-Lichtspiele Lückslr. 70. W.%7. 9 Uhr. Stg 5, 7. 9 Uhr Gr. Tonlustspiel: Frau Lehmanns Töchter mit Hansi Niese. Fritz Kampers.— Tonbeiprogramm Friedrichsfelde Kino Busch l uw Alt-Fricdrichsfeldc 3. Tonwoche Gitta entdeckt ihr Herz mit G. Alpar. Fröhlich— Beipr. Jugendliche haben Zutritt Nordosten „Elysium" ÄT Wochent. ab 6% Uhr. Sonnt, ab 4 Uhr Jonny stiehlt Europa mit 11. Piel.— Marco, der Clown Flora-Lichtspiele auÄ?" Wochl. 5.45. ca. 7. 8.45 Stg. ab 3 Uhr 2 Tonfilme: Ja. treu ist die Soldatenliebe mit Fritz Schulz. Der große Lubitsch- Film: Ein© Stunde mit dir W Norden> Alhambra oftos��o1.38* W. 5, 7. 9 Uhr Stg. 3, 5. 7. 9 Uhr Frau Lehmann» Töchter mit Fr. Kamper«, Hertha Thiele. Hansl Xic.e Pankow Vikto ria- Th eater Iv" Frankfurter Allee 48 Großtonfilm- Mensch ohne Namen mit Werner Krauß, Maria Bard.— Herbst in Sanssouci Palast-Theater Breite Str. 21a. W. 7 o. 8.30 Uhr Des groß. Erfolges wegen verlängert; 2 Tonfilme: Der Hexer mit Fritz Itasp.— Da» Liebealled mit Benat« MOIler, 6. Fröhlich föelloge Dienstag, 23. August 1932 SsvMpnd $fuUauA4a£& dßit IburasA ¥on der Not zur Freiheit...? Das Frauenproblem der tiegenwart Dr. Jlaria FaRbender: M** ist iBlcht wahr... Auf die Art. die Dinge und Vorgänge anzusehen, kommt es an. Sieht man sich etwas durch die rosarote Brille der Wunschphantasie an, so gewinnt man ein anderes Bild, als wenn man durch die klare durchsichtige Brille der Realität sieht. Männer und Frauen, ver- schieden bebrillt, haben das Frauenproblem der Gegenwart be- trachtet und zu lösen versucht. Alice R ü h l e- G e r st e l hat in ihrem Buche..Das Frauen Problem der Geqenwart, «ine psiichologischc Bilanz"(Verlag L. chinzel. Leipzig 1932), Wesen, Leben und Ausgaben der Frau in ihre» mannigfaltigen Erschcinungs- formen durch die Linse des psychoanalytischen Mikroskops studiert und gewagt, die Wahrhcil ohne beschönigende Tünche auszusprechen. Es ist nicht wahr, daß die Frau in der heutigen Gesellschast frei, gleichberechtigt, dem Manne ebenbürtig ist. Wahr ist vielmehr, daß sie trotz aller Errungenschaften der letzten Jabrzehnte in Wirk- lichkcit in der ganzen sogenannten zwilisierten Welt der Mensch zweiten Ranges ist. Die heutige Gesellschaft ist eine Männer- gesellschast. Alle wichtigsten Bestimmungen, Einrichtungen und Gesetze des öffentlichen und privaten Lebens werden nach den Maßen des männlichen Geschlechts gebaut. Körper, Geist, Seele und Leistung der Frau aus allen Gebieten werden nicht isoliert betrachtet und gcwertet, sie werden an den Eigenschaften und dem Wesen des Mannes gemessen und von da aus beurteilt. Für das gesell- schastliche Leben in seiner ganzen Stufenleiter wird der männliche Maßstab angelegt. Die Frau ist gesellschaftlich und psychisch „u n t e n"— beherrscht, bedrückt und benachteiligt. Ihre Lage ist mit der des Proletariats im Klassenaufbau der Gesellschast zu ver- gleichen. Der schwierige Weg des Menschen zweiter Klasse fängt schon im Mutterleibe an. Welche schwangere Mutter wünscht sich nicht einen Knaben, erst recht, wenn es das erste Kind ist!„Rur ein Mäd- ch c n!" heißt es oft enttäuscht. Die Jungen sind die Stammhalter, sie setzen die Familie fort. Die Erziehung der Mädchen ist„anders", denn die Mädchen sind eben keine Buben. Dieses„Anders" kenn- zeichnet die Kinderstube, die Schule überhaupt die Erziehung in unserer Gesellschast. Dieses„Anders" bedeutet im Psychischen schon eine Zurücksetzung— ein Minus— einen Stachel und gleichzeitig einen Anreiz, die Kräfte, an die die Umgebung nicht glaubt, zu entfalten, sich mit dem bevorzugten Geschlecht zu messen, ja sogar seine Leistungen zu überflügeln. Die Minderwertigkeits- Position, in die sie schicksalsinäßig hineinwächst, will die Frau überwinden. Dazu flehen ihr unzählig? psychische Wege offen. Welchen sie wählen wird, wird von ihrer individuellen, seelischen und sozialen Konstellation abhängen und nicht zuletzt von der Oekonomie und Dynamik ihrer psychischen Energien. Diese g e n e- relle Minderwertigkeitsposltion des ganzen Frauen- geschlechts bildet die Basis für den Aufbau des spezifischen Frauencharakters in all seinen Erscheinungsformen und Nuancen. Dies ist die Basis für den Start der Frau zu den ver- schiedensten Lebenszielen. Die Basis bestimmt im Großen das Ziel MimlerlähEuu»� Wie alljährlich in d«n Sommermonaten lesen wir auch zur Zeit in den Zeitungen, daß in verschiedenen Gegenden die spinale Kinder- lähmung aufgetreten ist. Einige wenige Fälle kommen natürlich auch in jedem Jahre in einer Großstadt wie Berlin vor. Die Heine- Medinsche Krankheit, wie sie nach den beiden Aerzten Heine und Medin auch genannt zu werden pflegt(weil durch deren Arbeiten das Verständnis für diese Krankheiten sehr gesördert wurde), gehört zu den unheilvollsten Infektionskrankheiten, von denen Kinder be- sollen werden. Besonders bedroht ist das Alter bis zu 3 Jahren, aber auch darüber hinaus, und selbst bei Erwachsenen kommen Erkrankungen vor: es ist in dieser Beziehung kein Unterschied zu allen diesen Infektionskrankheiten, die— wie z. B. Masern. Scharlach usw.— bei Erwachsenen seltener vorkommen als bei Kindern. Die Inkubationszeit beträgt S bis 1t> Tage: daran schließt sich eine Form der Erkrankung, die am ehesten mit einer Influenza zu vergleichen ist. Das Allgemeinbefinden ist stark gestört. Fieber bis zu 39 und 40 Grad wird gemessen, der Puls ist hoch und der Schlaf auffallend unruhig, trotzdem«ine große Schläjrigkeit vorherrscht, Lokale Erkrankungen sind Anginen, Verdauungsstörungen oder auch Bronchialkatarrhe, während Kopsschmerzen selten auftreten. Zu diesen untypischen Anzeichen, die noch kein sicheres Bild schaffen, tritt eine Berührungsempfindlichkeit, die außergewöhnlich ist. So- bald man an das Bett rührt oder wenn man die Patienten im Bett umlegen oder aufrichten will, schreien sie laut vor Schmerzen. Sie klagen auch über plötzlich auftretende krampfartige Schmerzen im Rücken und Gliedern und schwitzen anormal stark. Aber nicht diese Allgemeinerkrankung ist das Gefllrchtete, sondern oie Folgen, die da- nach austreten und sich in Lähmungen an Rumpf und Gliedern zeigen. Arme und das Gebiet der Hirnneroen werden seltener be- troffen als Beine und Seiten. Innerhalb weniger Stunden oder Tage ist oie Lähmung auf dem Höhepunkt angelangt und zeigt so- fort danach eine sichtbare Rückbildung. Ganze Glieder erlangen ihre Bewegungsmöglichkeit zurück, eine gewisse Anzahl von Erkrankung?- fällen heilen glücklicherweise ganz aus. Leider pflegt jedoch ein Teil der befallenen Muskelgebiete dauernden Schaden davonzutragen. Jeder von uns kennt blühende junge Mcnschenkinoer. die durch Lüh- mung eines Beins oder manchmal einer ganzen Seite sür ihr Leben gezeichnet sind. Ost werden die gelähmten Glieder atrophisch, o. h. die Muskeln entarten und werden schlaff und ollnn: sie magern zu- sehcnds ob, und die Modellierung verschwindet: es bleiben nur noch die Knochen und die Haut über dem Gliede bestehen. Für die Behandlung der Erkrankungen ist dringend allergrößte Schonung in jeder Beziehung notwendig. Allergrößte Ruhe muß herrschen, jede Ausregung mutz ferngehalten werden: jeder Wunsch der Patienten ist zu berücksichtigen, und die Anordnungen des Arztes — auch den Weg zum Ziel. Psychisches Ziel ist Bewältigung dieser Situation der Zweitrangigkeit. Die Wege sind mannigfaltig: Ein- fügung, Auflehnung, schroffer Protest, goldener Mittelweg. Die Form der psychischen Kompensation äußert sich als Charakter. Der Charakter bestimmt den Aufbau der Lebensgestaltung und Lebensführung. Derselbe Kampf findet seinen sozialen Ausdruck in der Frauen- b e w e g u n g. Auch hier ist die Aerfasserin kritisch. Sie läßt sich nicht von den Erfolgen der Frauenbewegung blenden. Sie beweist, daß die bürgerliche Frauenbewegung, aus dem Protest gegen die Männerherrschaft geboren, aber nicht konsequent genug, um über das spezifisch Weibliche hinweg zum Menschlichen zu gelangen, scheitern mußte. Die Frauenbewegung ging an der Unfähigkeit, die „weiblichen" und„männlichen" Tendenzen zu verschmelzen, zu- gründe. Die bürgerliche Frauenbewegung hat sogar die angczüch- teten Minderwertigkeiten und Einseitigkeiten der Frau heilig ge- sprachen. Sie ist, nachdem sie ihr Hauptziel, das Stimmrecht, er- reicht hatte, zu einem Fach- und Hausfrauenverein herabgesunken. Sie hat ausgehört eine Kampforganisation zu sein. Anders steht es um die sozialistische Frauenbewegung, die das große Ziel der Befreiung des Proletariats vor Augen hat Für sie ist die Befreiung des Proletariats mit der Befreiung der Frau identisch. In der sozialistischen Frauenbewegung gelingt die Verschmelzung der männlichen und weiblichen Tendenzen in einem llbergeschlecht- lichen Ziele. In der sozialistischen Zukunft„soll die Frau als Sach- crzeugerin und die Frau als Menschenerzeugerin gleichermaßen be- wertet und entlohnt werden." Von hier aus geht der Weg in die Zukunft. Heute kann die Frau im allgemeinen und von wenigen Ausnahmen abgesehen in der Männerherrschaftsatmosphäre weder als Mutter noch als produktive wertschassende Socherzeugerin zur wirklichen Geltung in der Gesellschaft gelangen. Die Lebensausgaben und Lebensführung der Frau werden genau geschildert und ihre Problematik aufgerollt. Das Problem der Liebe, der Ehe, der Mutterschaft, der Sexualität, der Weiblichkeit und der gegenseitige» Beziehungen der Geschlechter wird sachlich, mit Tat- sachenmaterial bereichert, erörtert. Ein bedeutender Abschnitt des Buches ist der Arbeit und dem Werk der Frau gewidmet. Wir gewinnen einen wunderbaren Ueberblick über alle Zweige und Arten der Frauenarbeit im Querschnitt aller sozialen Schichten: als Krönung und Zusammenfassung die Rolle der Frau in der Ge- sellschast. Dr. Ernirt Bergmann: IQs seheliit heute.. Von verschiedenen Seiten her hat die Wissenschast die Probleme der Frau angegrissen. Roch bevor die eigentliche Frauenbewegung der letzten Jahrzehnte eingesetzt hatte, war von der Seite der Altertumsforschung her ein entscheidender Schritt getan worden. Es war ein Zeitgenosse und auch Gesinnungsgenosse von Friedrich Nietzsche, der in tiefster Weise den Grund zur Erforschung des Problems der Frau gelegt hatte: I. I. B a ch o s e n wurde der sind peinlich genau zu befolgen. Drei Wochen strenge Bettruhe sind meist einzuhalten und eine Diät, die alle alkohol- und kossceinartigen Getränke vermeidet und für eine gute Verdauung unbedingt Sorge trägt. Unzwecknmßiges Verhalten dem Kranke» gegenüber kann Verschlimmerungen des Leidens hervorrufen. Medikamente werden so gut wie gar nicht gegeben. Man lindert die heftigen Schmerzen meist durch heiße Einpackungen. die heute, wo fast überall ein elek- irisches Heizkissen vorhanden ist, fast mühelos gemacht werden können. Der Lähmungsprozeß zeigt an, daß die Krankheit noch im entzündliche» Stadium ist: es werden also alle Behandlungsmetho- den, um die Lähmungen zu beseitigen, erst nach Wochen vorgcnom- men werden. Durch orthopädische Behandlung wird heute unendlich viel geholfen, und es empfiehlt sich besonders an kleinen Orten, wo das Nötige für diesen Zweck nicht vorhanden ist, die Kinder für eine Zeit in ein Krankenhaus zu geben oder zu einem Or'hoväden. da- mit nichts versäumt wird, was zur Heilung beitragen kann. Bei unermüdlicher Pflege und Berücksichtigung aller modernen orthopä- dischen Möglichkeiten hat man oft noch nach Monaten und einem ganzen Jahr erstaunliche Erfolge verzeichnen können. Für Patient und Behandelnde bedarf es oft unermüdlicher Geduld, bis das erste Anzeichen der Besserung sich zeigt. In keinem Falle darf man die gelähmten Glieder in Ruhe lassen: nur durch Massieren. Turnen usw. kann man z. B. die Beine wieder gehfähig machen. Sehr viel weiß man über die Entstehung der Erkrankung auch heute noch nicht. Es handelt sich wahrscheinlich um einen den Bäk- terien zuzurechnenden Erreger, der auf dem Lymphwege das Jen- tralnervensystem erreicht, so daß meist große Bezirke des Rücken- marks erkranken und so die geschilderten Lähmungen entstehen. Die Erkrankungen tauchen bald hier, bald da auf, ohne daß man sich erklären kann, warum hier nur ein paar Fälle vorkommen, wäh- rend anderswo fast epidemisch die Erkrankung um sich greift. In jedem Falle weiß man, daß durch Zwischenträger die Krankheit ver- breitet wird. Es ist im eigentlichen Sinne keine ansteckend« Krank- heit. Pfleger werden fast nie angesteckt. Erst durch Verschleppen der Erreger durch Dritte an andere Orte entwickelt sich aus der In- fektion wieder die Krankheit. Es scheinen gewisse Immunitätsver- Hältnisse eine Rolle zu spielen, deren Gesetzmäßigkeit wir leider noch nichr erkannt haben. Aus diesem Grunde müssen natürlich die Er- krankten strengstens isoliert werden, denn obgleich, wie bereits ge- sagt, die Gefahr unmittelbarer Uebertragung durch den Kronken im akuten Stadium nicht wesentlich ist. sind doch auch schon solche Ueber- tragungen beobachtet worden. Der Umgebung der bereits geheilten Kinder muß ober eins klar sein: ein« gewiss? Gereiztheit der Nerven. Weinerlichkeit, Unausge- ! glichenheit halten noch eine ganze Weile an, und man mutz mit j feinem Verständnis und psychologisch geschult alles vermeiden, was | zur Steigerung dieser Faktoren bestragen kann. Dr. Hess. Schöpfer einer Weltanschauung, die das Mutterrecht zur Grundlage der gesamten menschlichen Kultur machen wollte. Diese Bewegung findet gerade in der jetzigen Zeit wieder bedeutende Ver- trcter. An ihrer Spitze marschiert wohl der Leipziger Ilniversitäts- Professor Bergmann, dessen kürzlich erschienenes Werk„Er- kenntnisgeist und Muttergeist" ganz radikal in der gesamten„Welt- geschichte" nichts weiter als eine blutige Ausgeburt des zu Unrecht herrschenden männlichen Geistes sieht. Statt seiner sollte, wie bei zahlreichen antiken Völkern und auch heute noch bei manchen Natur- Völkern nachgewiesen, die Herrschast der Frau, besonders der Mutter, in allen Dingen des Staates und der Kultur herrschen. Es ist uuzweifelhast, daß hier außerordentliche Probleme aus- geworsen sind, die man nicht leichthin und von oben herab beiseite legen kann. Aber auf der anderen Seite darf auch nicht übersehen werden, daß die Vertreter des Mutterrechts(Matriarchat) dem Feh- ler der Ucbertreibung ihrer neuen Theorie nicht entgangen sind und häufig die Männerherrschast(Patriarchat) völlig ungenügend würdi- gen. Man kann doch unmöglich eine jahrtausendelange Entwicklung einfach sür unsinnig erklären, oder man müßte schon ganz außer- gewöhnlich starke Argumente dafür anführen: diese fehlen aber. Von ganz anderer Seite her sind die Grundprobleme der Frau zur gleichen Zeit ausgeworfen worden, nämlich von der modernen Psychologie, die sich nicht mit den historischen Fragen der alten Kulturen befaßt, sondern mit den Gegenwartsfragen des Menschen unserer Zeit und unserer Kultur. Diese Psychologie ist stark milieubedingt, wie das für jede praktische Wissenschast vom Mensche» unerläßlich ist. Man kann den Menschen nicht außerhalb des Rahmens seiner Umgebung betrachten, in seiner körperlichen wie in seiner seelischen Entwicklung ist er nur in seinem Milieu ver- ständlich. Die großen Veränderungen, ja Umwälzungen der wirt- schaftlichen und sozialen Struktur in den letzten Jahrzehnten muß- ten daher auch mit Notwendigkeit eine völlige Veränderung der Ge- samtstellung der Frau mit sich bringen. Besonders der Weltkrieg und die Nachkriegszeit brachten gewissermaßen von selbst einen starken Abbau der Männerherrschast. Die Frau, selbst zum Erwerb gezwun- gen, den Männern also wirtschastlich gleichgestellt, mußte nun auch die soziale und politische Gleichberechtigung auf allen Gebieten er- streben. Damit aber, und das ist das entscheidend Wichtige, mußte sich auch eine mächtige seelische Veränderung in ihr vollziehen. Früher wurde das junge Mädchen schon von früh auf zu einer minderwertigem Geschöpf erzogen. Die Herrschast des Mannes begann schon bei der Kindererziehung einzusetzen. Daß da- durch eine dauernde Suggestion aus die weibliche Psyche im Sinne einer völligen Unterlcgenheit gegenüber dem Mann bewußt und im- bewußt bewirkt wurde, ist zweifellos. Es gehörte in den Ansängen der Frauenbewegung, ja es gehört noch heute Mut und Unbeküm- mertheit der Frau dazu, auf allen öffentlichen Gebieten des Lebens tätig zu sein: jedes neue Gebiet, etwa der Richterstand, will gleich- sam erobert und gegen eine Mauer von Mißtrauen und Verachtung gehalten werden. Manche Psychologen gehen sogar so weit, die an- geblich geringere geistige Begabung der Frau auf einen Mangel an Uebung ihrer geistigen Fähigkeiten zurückzuführen. Wie ein Organ des Körpers, das nicht geübt wird, allmählich verkümmert, so wäre auch der Geist der Frau durch NichtÜbung im Lause der Jahr- hunderte verkümmert. Es läßt sich nicht leugnen, daß diese Auf- fassung manches für sich hat, sie wirkt vielleicht sogar bestechend. Das„schwache Geschlecht" wäre dann eine künstliche Züchtung! Tatsache ist jedenfalls, daß die Frau heute fast überall die glei- che» Tätigkeiten wie der Mann ausübt. Und sicher wird diese Ent- wicklung durch keine Reaktion der Welt rückgängig gemacht werden können. Sicher ist auch, daß die Frau im Durchschnitt fast überall dasselbe leistet wie der Mann, aus manchen Gebieten sogar mehr: man denke an die helsende Tätigkeit der Sekretärin oder die erziehende Tätigkeit bei Kindern. Soweit wären diese Probleme durch die Tatsachen geklärt. Es bleibt aber die große Frage offen, ob die überragende Leistung der Frau ebenfalls erreichbar ist. Der Einwand gegen die Frauenbewegung, daß noch niemals typische Gcnicleistungen von der Frau vollbracht worden sind, ist unzweiselhast auch bisher trotz aller Emanzipation nicht widerlegt worden. Hier also stoßen wir auf das Fundament der Frauenfrage, ob nämlich die Natur selbst mit der Verschiedenheit der Ge- schlechter nicht auch gewisse absolute Grenzen der Entwicklung und Leistung gezogen hat, absolut, weil sie eben im Biologischen selbst wurzeln. Es scheint heute, als ob die Frau selbst wieder instinktiv, nach außen wenig betont, nach innen um so stärker, den Anschluß an die- jenigen Ausgaben sucht, die ihr gerade die Natur als Geschlechts- wesen zuweist. Alles was mit dem Problem der Geschlechts- Zugehörigkeit, der Sexualität und dem Erotischen zusammenhängt, hat einen ausgesprochen konservativen Zug. Wohl hat die Ver- selbständigung der Frag auch hier nicht haltgemacht und in der For- derung nach Selbstbestimmunz über die eigene Person auch in dieser Beziehung die Linie der modernen Entwicklung fortgesetzt. Aber ge- rade da nun scheinen sich eben doch Grenzen der Freiheit, die dem Menschen durch die Natur gesetzt sind, zu zeigen. Es geht ein Stre- ben zurück zur persönlichen und sozialen Bindung, man hat die Freiheit gleichsam satt, der überwiegende und gesunde Teil unserer Bevölkerung sucht von selbst, wieder in die Grenzen der Natur zurückzukehren. In der Familie findet dieser natur- mächtige Zug sein« Form. Wir erkennen ihn nüchtern und statistisch an der zunehmenden Zahl der Eheschließungen in den letzten Jahren. Hier sucht die Frau als Gattin doch den Schutz und gleichsam die Herrschaft des Mannes, wenn auch diese letztere nicht mehr Formen einer Sklaverei wieder annehmen wird, die sie früher häufig hatte. Eine unzweifelhafte Ueberlegenheit aber wird die Frau in der Ehe eben aus dem Gebiet immer einnehmen, das ihr dos Biologische selbst zuweist, als Mutter. Das hat schon Bebel vor Iahrzehn- ten klar mit den Worten ausgedrückt:„Das Kind gehört zur Mut- ter." Wir sehen auch im heutigen Sowjetrußland, das fast alle Ge- setze aus diesem Gebiet abgeschafft hat, das Volk selbst sich unge- schriebene Gesetze geben, die Ehe durchaus aufrechterhalten und die absolute Freiheit zugunsten sozialer Bindung einschränken. In einem gerechten und naturgemäßen Ausgleich zwischen individueller Freiheit und sozialer Verpflichtung wird sicherlich die Lösung der Frauenfrage einmal stehen. Europaflieger auf dem Flug nach Paris Weitere Ausfälle auf der 1. Etappe In Erwartung der Europaslieger war der Flugplatz Littoriale bei Rom am Montag schon von vielen Schau- lustigen beisetzt. Kurz vor 8 Uhr wurde in weiter Entfernung ein winziger Punkt gesichtet, der sich schnell vergrößerte. Die Zuschauer mußten aber feststellen, daß es nicht die rote Breda-Maschine Colombos war, sondern der Deutschs Seidemann mit seiner Heinkel, dessen Landung für 7.S4 Uhr gebucht wurde. Neun Minuten später, um 8.