Morgenausgabe Nr. 392 A 196 49.Iahrgang Wöchlntltch 78 Pf, monatlich 3,25 M. (davon 87 Pf. monatlich fiir Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,S7 M. einschließlich soPf. Poilzeitungs- und 72 Pf. Postbestellge- dllhren. Auslandsabonnement 8, SS M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 4,65 M. Pei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten aus Erlag Erscheinungsweise und Anzeigenpreise stehe am Schluß des redaktionellen Teils Mittwoch 24, August 1932 Groß-Äerlin 10 Z>f. Auswärts �5 pf. Berliner Voltsblatt Jentralovgan der«Sozialdemstratischen Partei DeutschlanW Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 gcrnspi., Tönbofs(k T) 292— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 87 536.—Bankkonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. S, Dt.B.u.Diic.-Ges., Deposttenk., Jerusalemer Str. KS'SS, gegen Wen Heines droht weller- Hoch Keine Enischeidung Die Re'ichsregierung erläßt gemeinsam mit der kommissa» rischen preußischen Staatsregierung die folgende Kundgebung: „Gezwungen durch Gewalttaten im innerpolitischen Kampf, welche das Ansehen des Reiches aufs schwerste gefährdeten, hat der Herr Reichspräsident aus Vorschlag der Reichsregierung die schärfsten Strasen gegen den politischen Terror oerhängt. Mit dem Augenblick, in dem diese Verordnung in Kraft getreten ist, muß sie gleichmäßig gegen jedermann, der Recht und Gesetz verletzt, ohne Ansehen der Partei oder der Person Anwendung finden. Die Reichsregierung wird nötigenfalls alle Machtmittel des Staates einsetzen, um den Vorschriften des Rechts unparteiisch Geltung zu verschaffen und wird nicht dulden, daß sich irgendeine Partei gegen ihre Anordnungen auslehnt. Ebensowenig wird sich die preußisch« Staatsregierung durch politischen Druck in der Pflicht- mäßigen Prüfung beeinflussen lassen, ob sie ihr Begnadigungsrechl im Falle der Beuthener Todesurteile ausüben kann. Die leidenschaftlichen vorwürfe, die in der Oefsentlichkeit gegen diese Urteile erhoben worden sind, sollten sich gegen die Urheber der blutigen Ereignisse und nicht gegen die Slaalsgewalt richten. die im Interesse der Gesamtheit zu so scharfen Maßnahmen greisen mußte. Die Reichsregierung wird jedem Versuch, die Grundsätze des Rechtsstaates zu verfälschen und die politischen Leidenschaften zu erneuten Ausschreitungen aufzustacheln, zu be- gegnen wissen." Feme-Heines heizt weiter. Er besucht die Mörder und kündet ihre Freilassung an? veuthen, 23. August.(Eigenbericht.) Die Stadt ist noch immer durch starke Polizeikräste außerordentlich gesichert. In den A b e n d st u n d e n fuhr Feme- Heines in Begleitung von tiner großen Anzahl Nationalsozia- listen, die auf L a st a u t o s herangebracht wurden, auf dem Bahnhof-Vorplatz vor und hielt dort eine öffentliche Ansprache(Demonstrationen sind bekanntlich unter„Burgfrie- den" verboten! Red. V.), in der er der Menge unter Drohungen gegen das Gericht und die Regierung mitteilte, daß er sich jetzt zu den Verurteilten begebe, um ihnen die Grüße der Nationalsozialisti- schen Partei und das Versprechen zu übermitteln, daß diese nicht eher ruhen würde, bis die Verurteilten ihre Freiheit wieder- erlangt haben würden. Die Regierung würde es nicht wagen, auch nur ein Urteil vollstrecken zu lassen. Tatsächlich erlangte er in Ge- meinschast mit dem Verteidiger Zutritt zum Gefängnis. In dem oberfchlefischen Industriebezirk sind noch immer mehrere hundert auswärtige Nationalsozialisten, besonders aus Breslau, untergebracht. In G l e i w i tz kam es in den Vormittagsstunden zu einem U e b e r s a l l der Breslauer SA. auf politisch Anders- denkende. Demonstrationen in Breslau. Breslau, 23. August. Nachdem es bereits am Dienstagnachmittag in der Innenstadt zu Demonstrationen gegen das Beuthener Sondergerichtsurteil ge- kommen nxir. wobei die Polizei vom Gummiknüppel Gebrauch machte und acht N at i o n a kl o z i a l i st e n festnahm, wiederholten sich am Abend d'e Protestkundgebungen. Eine große Menschenmenge zog durch die Straßen und rief:„Gebt uns unsere Kameraden frei! Nieder mit dem Schandurteil von Reuthen. Nieder mit der Papen- Regierung." Die Polizei nahm bei der Auflösung des Zuges mehrere Zwangsgestellungen vor. Goebbels zensiert Hitler. Er streicht blutrünstige Stellen aus dem Aufruf des„Führers". Es ist bemerkenswert, daß der„Angriff" in seiner Wieder- gäbe des H> t l e r s ch e n Aufrufes einige der explosivsten Stellen fortläßt, insbesondere die Sätze, die den Reichskanzler von Papen persönlich beleidigen sollen. Da der Text des Aufrufs zualeick in M ü n-b e n ausgeaeben wird, lästt sich diel« Zensur, die Goebbels über seinen allerhöchsten Kriegsherrn ausübt, genau kontrollieren. Während im„Angriff" nur von„Objektivität" des Kanzlers gesprochen wird, heißt es bei Hitler:„Herr von Papen, Ihre blutige Objektivität kenne ich jetzt" Während der„Angriff" nur verheißt, daß die nationalsozialistische Bewegung mit der Regierung fertig werden würde, spricht Hitler von der„Regierung der Hin- richtung unserer Mitkämpier" Schließlich streicht der „Angriff" folgenden Satz vollkommen:„Herr von Papen hat seinen Namen mit dem Blut nationaler Kämpfer in die deutsche Geschichte eingezeichnet." Vor Tische las maus anders. „Völkischer Beobachter" zur Verkündung der Todes« Verordnung. Die Beuthener Todesurteile waren die ersten, die auf Grund der verschärften Strafbestimmungen der Notverordnung vom g. August erlassen wurden. Es ist nützlich, angesichts der Wut- ausbräche des„Völkischen Beobachters" an das Siegesgeheul zu«rinnern, das das Blatt sofort nach dem Bekanntwerden dieser Notverordnung anstimmte. „Endlich einAnfan g", so schrieb der„Völkische Beob- achter" am II. August.„Endlich hat sich eine Reichsregierung entschlossen, dem Treiben dieses Untermenschentums die Faust zu zeigen. Wir müssen nunmehr aber auch erwarten, daß die neuen Bestimmungen nicht nur aus dem Papier stehen. sondern mit voller Schärfe angewandt werden. Wenn diese Lumpen endlich an die Wand gestellt werden, wird auch rasch wieder die Sicherheit der Straße hergestellt sein. Selbstverständlich können auch diese endlichen Maßnahmen der Reichsregierung nur als ein Anfang gewertet werden." Im weiteren forderte das Blatt damals die sofortige Verhaftung und Aburteilung von Parteifunktionären, die konzentrische Aus- räucherung der Mordviertel und die Unterbringung verdächtiger und intellektueller Anstifter in Konzentrationslagern. Natürlich meinte das Hitler-Organ damit nicht die Mordbuben im eigenen Lager, wie es überhaupt planmäßige Methode der Nationalsozialisten ist, immer nur von den eigenen Opfern, nicht aber auch von den Mördern in den eigenen Reihen zu sprechen. Göring drahtet nach Beuchen. �4 Millionen Wähler solidarisch mit den Mördern. Hauptmann Göring, Hitlers engster Mitarbeiter, hat an die Mörder von Potempa folgendes Telegramm geschickt: „In maßloser Erbitterung und Empörung über das Schreckensurteil, das Euch betroffen hat, gebe ich Euch, Käme- roden, die Versicherung, daß unser ganzer Kampf von jetzt ab Eurer Freiheit gilt. Ihr seid keine Mörder, Ihr habt das Leben und die Ehre Eurer Kameraden verteidigt. Für Eure Familien überweise ich heute 1000 Mark, die mir Freunde zur Verfügung gestellt haben. Bleibt aufrecht! 14 Millionen der besten Deutschen haben Eure Sache zu der ihrigen gemacht." Hat Herr Göring kein Gefühl für die Schmach, die er den 14 Millionen Hitler-Wählern antut, wenn er diese von sich aus mit den Mördern von Potempa solidarisiert? Oer richtige Mann am Platze. Nazi-Freisler nach Beuthen gefahren. Der Vorfitzende des Rechtspflege-Untersuchungsausfchusses des Preußischen Landtags(Zarnow-Ausschuß), der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. F r e i s l e r- K a s s e l, hat sich unmittelbar nach der Sitzung des Vorstandes der nattonalsozialistifchen preußischen Landtagssraktion am Dienstagnachmittag nach Beuthen begeben. Gegebenenfalls soll der Untersuchungsausschuß— nach der Absicht der Nationalsozialisten, die im Ausschuß allerdings nicht die Mehrheit haben— das Urteil und seine Begründung in Beuthen an Ort unh St« II»«ach»rüi»o. Keine Beruhigung? Die Gegensähe verschärfen sich. Es ist schon gestern hier gesagt worden, daß die Unter» redung der Genossen Wels und Stampfer mit dem Reichskanzler von Papen und dem Preußenkommissar Dr. Bracht höchst unbefriedigend verlief. Obwohl am 13. August die Grundlagen der Regierungspolitik zusammen- gebrochen sind und obwohl der Parteioorstand am 17. August gegen die systematische Verfolgung sozialdemokratischer Be- amter schärfste Beschwerde erhoben hat, fährt die Regierung fort, im preußischen Laden nach ihrer bisherigen Art zu wirtschaften. Das Vorgehen gegen sozialdemokrati- s ch e Beamte wird einmal parlamentarisch-demokratisch mit dem Schwingen des Pendels nach rechts erklärt— dann erinnert man sich seiner„Ueberparteilichkeit" wied'er und ver- sichert, man verfahre nur mit Rücksicht auf die Qualifikation ohne Ansehen der Partei. Daß man mit solchen einander widersprechenden Argumenten die Erbitterung über ge- schehenes Unrecht nicht mildern kann, versteht sich von selbst. Was die letzten Urteile der Sondergerichte betrifft, so scheint es, als ob die maßgebenden Regierungs- kreise ganz unter dem Eindruck der deutschnationalen Presse stünden, die für O h l a u und P o t e m b a die Gleichung „Mord— Mord" erfunden hat. Dieses deutschnationale Presseurteil zeugt aber von Oberflächlichkeit und Leichtfertig- keit in der Beurteilung allerernstester Dinge. In Potemba ist ein schlafender Mann aus dem Bett geholt und in bestiali- scher Weise ermordet worden. In Ohlau hat sich eine Schlägerei, die von SA.-Leuten begonnen worden war, bis zu einer solchen Wildheit gesteigert, daß zwei Nationalsozia- listen dabei ums Leben kamen. Den verurteilten Reichs- bannerleuten ist nicht nachgewiesen, daß sie den Tod dieser beiden Menschen gewollt oder ihn herbeizuführen geholfen hätten— im Gegenteil spricht alles dafür, daß sie den Todes- erfolg nicht gewollt hatten und überzeugt waren, sich in einer Abwehraktion zu befinden. Die Verurteilten von Brieg sind keine Mörder, die von Beuthen, die Hitler seine Kameraden nennt, sind es! Zwischen Potempa und Ohlau ist nicht einmal ein Ver- gleich möglich, geschweige denn eine Gleichstellung. Wenn wir für die Opfer der Sonderjustiz von Brieg eintreten, so tun wir das, um ungerecht Verurteilten beizustehen. Wir haben niemals den Grundsatz aufgestellt, daß Leuten bestimmter Ge- sinnung das Totschlagen Andersgesinnter erlaubt sein soll, diesen Grundsatz zu vertreten bleibt das unangefochtene Privileg der nationalsozialistischen Presse. Der„Angriff" be- gnügt sich keineswegs damit, das Beuthener Urteil zu hart zu finden, er greift die Richter vielmehr heftig an. weil sie überhaupt verurteilt haben und versteigt sich dabei zu dem Satz: Ein polnischer Insurgent, ein kommunistischer Hochverräter obendrein hat heute kein Recht, den Schutz deutscher Staatsautorität sür sich zu beanspruchen. Damit bekennt sich der„Angriff" mit schöner Offenheit zu der Auffassung, daß die Nationalsozialisten das Recht haben sollen, jeden totzuschlagen, dessen Gesinnung ihnen nicht gefällt. Aus dieser Auffassung ist der Mord von Potempa zu erklären, sind die anderen zahllosen Morde und Mordversuche zu erklären, die von Nationalsozialisten begangen worden sind. Aus dieser Auffassung erklärt es sich, daß Hitler sich nicht scheut, Meuchelmörder seine Kameraden zu nennen, und daß Pgs.. die von den ordentlichen Gerichten wegen viehischer Mordtaten rechtskräftig verurteilt worden sind, die Bänke der Parlamente schmücken dürfen. Weil wir wissen, daß die Verurteilten von Brieg aus einer ganz anderen, menschlich viel anständigeren Gesinnung gebändelt haben, darum treten wir sür sie ein und werden Brieg unl Stellungnahme Z Die Bundespressestelle des Reichebanners nimmt zu den Sonder- gerichtsurteilen von Brieg und Beuthen in nachstehenden Aus- führungen Stellung: Mit tieser Erschütterung und erbitterter Enttäuschung hat das freiheitliche Deutschland das Urteil des Sondergerichts in Brieg vernommen, das Mitglieder des Reichsbanners mit schweren Zucht- Haus- und Gefängnisstrafen belegte. Das Urteil macht den völlig mißglückten Versuch, den Vorgängen während des blutigen Sonn- tags in Ohlau gerecht zu werden: es ist überdies von einem Sondergericht gefällt worden, das nach unserer festen recht- lichen Ueberzeugung, zugleich nach dem Gutachten namhafter Juristen, nicht zuständig war, da die Ohlauer Vorgänge sich einige Wochen vor Erlaß der Notverordnung über die Sonder- gerichte abgespielt haben. Es ist ein anerkannter Rechtsgrundsatz, daß jedes Vergehen nur nach den Gesetzen geahndet werden darf, die zur Zeit des Vergehens bereits gültig waren. Wir sehen uns daher erneut genötigt, folgendes festzustellen: Bei einem Zusammenstoß, dessm letzte und eigentliche Ursache der beispiellose national- sozialistische Terror in Schlesien ist, haben die nationalsozialistischen Provokateure und Terroristen er- fahren müssen, daß auch der freiheitlich gesonnenen Bevölkerung einmal die Geduld reißt. Mit nicht zu schildernder Geduld haben unsere Kameraden in Schlesien, wo der berüchtigte Fememörder Heines Führer der SÄ. ist, aber auch in übrigen Teilen des Reiches, Verleumdungen, Beleidigungen aller Art, gewalttätige An- griff« auf Leib und Leben feit Jahr und Tag über sich ergehen lassen. Zn knapp zwei Monaken sind nicht weniger als 20 Reichsbanner- kameraden von nationalsozialistischen Mördern ums Leben gebracht worden. Wir werden es daher nicht dulden, daß der klare Sachverhalt v e r- wischt wird. Die Zusammenstöße in Ohlau sind erst dann erfolgt. als nach grundlosen, aus reiner Willkür hervorgerufenen Ueberfällen der Nationalsozialisten auf republikanische Arbeiter sich die ge- peinigte, bis aufs Blut gereizte Bevölkerung dieser Stadt z u Handlungen der Notwehr und der Vergeltung hat hinreißen lassen. Es ist hinreichend bekannt, daß die Bundes- führung des Reichsbanners jede ungesetzliche Handlung von Kameraden des Reichsbanners mißbilligt, aber wir glauben, dem leidenschaftlichen Gefühl von Millionen von Volksgenossen Ausdruck zu geben, wenn wir sagen, daß die Zeit vorbei sein muß, wo sich Republikaner widerstandslos und schutztos abschlachten lassen müssen. Das Urteil von Ohlau geht offenkundig an wesentlichen Punkten des Tatbestandes, vor allem aber auch an äußeren und > Beuchen. !S Reichsbanners. inneren Zusammenhängen und an der verzweifelten Stimmung einer sich schutzlos fühlenden Bevölkerung glatt vorbei. Wir sind sicher, daß dieses Urteil eines unzuständigen Sonder- gerichtes niemals als Recht anerkannt werden wird. Die vor kurzem gegründete Gefangen»n- und Verwundetsnhilse des Reichsbanners wird den Verurteilten und ihren Angehörigen treu zur Seite stehen. Wir werden außerdem kein Rechtsmittel unversucht lassen, um das unerträglich« Urteil des Brieger Sondergerichts abzuändern. Das um so mehr, als keiner der Reichs- bannerleute wegen Angriffen auf Leib und Leben politischer Gegner verurteilt worden ist. Die unerhörten Strafen sind im Gegenteil wegen Landfriedensbruchs verhängt worden. Fast zu gleicher Zeit hat das in Beuchen tagende Sondergericht fünf Todssurteile gegen nationalsozialistische Mörder gefällt. In einem Teil der Presse wird versucht, die Vorfälle in Ohlau und in Potempa aufeine Stufe zu st eilen. Diesen Versuchen gegen- über ist zu erklären: In Ohlau kam es während der Wahlzeit, unter der Siedehitze allgemeiner Erregung, zu den bekannten Zusammen- stößen. Sie waren unmittelbar hervorgerufen durch Ueberfälle nationalsozialistischer Demonstranten auf Arbeitersportler. In Potempa dagegen drangen nationalsozialistische Mörder in das Haus eines schlafenden Arbeiters und ermordeten den Wehrlosen und völlig Ueberraschten in seinem Bett. Dem Mord in Potempa waren keinerlei Demonstrationen oder sonstige politische Aktionen voraus- gegangen. In Ohlau war es im Derfolg einer allgemeinen Schlägerei zu Verletzungen mit tödlichem Ausgang gekommen, in Potempa war es ein planmäßig, mit Absicht und voller Ueberlcgung durchgeführter Mord an einem Schlafenden. Die furchtbare Bluttat wird zudem in ihrer rechtlichen und politischen Bedeutung durch die erschreckende Tatsache überboten, daß der Fememörder Heines den Versuch gemacht hat, entgegen den klaren Bestimmungen de» von der Reichsregierung verordneten Burgfriedens durch Massentransporl der SA. das Sondergericht in Beuthen unter den Druck der Straße »u setzen. Wer angesichts dieses klaren Sachverhalts die Fälle von Ohlau und Potempa als gleichwertig betrachten will, übernimmt die volle moralssche Mitverantwortung für die Flut furchtbarer politischer Derbrechen, die seit Bestehen der nationalsozialistischen Bewegung das politische Leben Deutschlands vergiftet haben. Abschließend weisen wir darauf hin, daß der Herr Reichsinnen- minister vom Reichsbanner rechtzeitig aus die Folgen aufmerksam gemacht worden ist, die durch die Wiederaufhebung des SA.-Berbots notgedrungen entstehen mußten. wir nicht aufhören, für die Wiedergutmachung des Unrechts vonBriegzu wirken. Die gegenwärtige Regierung hat die SA. wieder ge- stattet in der Hoffnung, sich dadurch die Unterstützung der Nationalsozialisten zu sichern. Das Ergebnis ist, daß sie von den Nationatlsozialisten noch ärger beschimpft wird als irgendeine Regierung vor ihr. Sie hat den Nationalsozialisten zuliebe den Reichstag aufgelöst. Das Ergebnis ist ein Reichs- tag, der gleich wieder aufgelöst werden soll, weil er eine destruktiv gesinnte Mehrheit hat und arbeitsunfähig ist. Neue Reichstagsauflösung bedeutet entweder— wenn nicht binnen uvei Monaten wiedergewählt wird— den offenen Staatssireich oder aber den vierten Wahlkampf in diesem Jahr, für manches �Zand sogar den fünften! Das Experiment der letzten drei Monate hat gezeigt, daß jede deutsche Regierung, die nicht gewillt ist, vor dem politi- schen Verbrechertum zu kapitulieren, gegen rechts kämpfen inuß.-Aber wie kann man gegen rechts kämpfen ohne Unter- stützung von links? Die gegenwärtige Regierung hat sich durch die Wiedergestattung der SA., durch ihre Kriegs- erklärung an den„Wohlfahrtsstaat", durch ihre antisozialen Maßnahmen, durch ihre Gewalthandlungen gegen die preußi- schen Minister und sozialdemokratischen Beamten die schärf sie Gegnerschaft der Sozialdemokratie und aller republikanisch gesinnten Bevölkerungskreise zuge- zogen. Sie stützt sich allein auf den Reichspräsidenten, der in ihr erstaunlicherweise immer noch eine„überparteiliche Präsidialregierung" zu erblicken scheint, und auf die de- waffnete Macht. Sie wird, wenn sie eines Tages ver- schwindet, das Volk noch unglücklicher, innerlich noch blutiger zerrissen zurücklassen, als sie es bei ihrem Amtsantritt ge- funden hat. Für die Arbeiterklasse aber gilt es, sich zu kom- menden Kämpfen von unerhörter Schwere und Schärfe be- reitzuhalten. Oem Ausland grauset's. Entsetzen über Deutschland. Amsterdam. 23. August.(Eigenbericht.) Zu dem Beuthener Urteil schreibt der bürgerliche Amsterdamer „Telegraph", daß es für jeden objektiv denkenden Menschen gerecht und notwendig erscheint. Kein einziges nationalsozialistisches Blatt wisse sich angesichts der Taten der Berurteilten zu dem Standpunkt einer höheren Moral zu erheben und Adolf Hitler habe sich durch sein Telegramm an die Verurteilten mit den Mördern identifiziert. Wenn auch die Vollstreckung der Beuthener Urteile unwahrscheinlich sei, so müsse doch die Mord- seuche in Deutschland endlich ausgerottet werden. Wenn die Hitlerianer wegen dieses Urteils gegen die Regierung Sturm liefen, so würden sie die öffentliche Meinung des Auslands keinesfalls auf ihrer Seite haben. Das sozialdemokratische ,3 1 t Volk" erklärt, die Vernichtung dieses Urteil» wäre eine Tat der Menschlichkeit. aber eine Handlung der Tyrannei, wenn die Regierung nicht gleichzeitig auch da» Ohlauer Urleil aushöbe. Auch die Zurückziehung der Notverordnung, worin dieses Urteil seine Begründung säude, würde einen Akt der Menschlichkeit darstellen, würde aber den Hitlerschen Mördern einen F r e i b r i e t ausstellen. Bon Papen habe die Wahl zwischen der Rolle eine» Werkzeugs und eines Feindes Hitler», aber in beiden Fällen läge in seiner Entscheidung der Keim eines blutigen Bürger- t r i e g e s. Der„Neue Rotterdamer Courant" zieht aus einer ein- gehenden Schilderung des Sachverhalts die Konsequenz, daß man für die Beuthener Mörder auch nicht die ge> ring st e Sympathie empfinden könne, nachdem der Prozeß ihre feige Gemeinheit an das Licht gebracht habe. Schließlich aber seien die verwilderten Menschen rechts wie links in Deutschland nicht eine Schuld der Republik, sondern des verlorenen Spiels des großen Krieges. Die Verwilderung und Entartung des politischen Kampfes in Deutschland sei durch diesen Prozeß scharf beleuchtet worden, aber wenn jetzt dem Terror der Unterwelt der Terror der Behörden gegenübergestellt werde, so müsse man auch außerhalb Deutschlands den Auswirkungen dieses Terror» der strafenden Gerechtigkeit besorgt entgegensehen. Da» Spiel mir der Todesstrafe, so unvermeidlich es auch wäre, sei immer ein gewagtes Spiel. Gumbel amisenisehi. Erfolg eines nationalistischen RachefeldzngeS. Gegen den als Pazifisten bekannten außerordentlichen Honorar- Professor Dr. Gumbel, der an der Universität Heidelberg über Statistik las, wird seit Iahren ein ununterbrochener Klein- krieg der Nationalisten aller Grade geführt. Nachdem frühere Disziplinarverfahren negativ verlaufen waren, haben die Nazi- studenten neuerdings einen wüsten Rummel gegen Gumbel veran- staltet, weil Gumbel in Anknüpfung an die Kohlrübenzeit des Weltkriegs geäußert haben soll, ein Denkmal des Kriegs müßte die Kohlrübe als Symbol des Hungers und der Not darstellen. Die planmäßigen Kundgebungen gegen den Statistiker Gumbel haben nun den Senat der Universität und die philosophische Fa- kultät so stark beeindruckt, daß sie beim badischen Ministerium bean» tragt haben, Gumbel die Lehrbefähigung zu entziehen. Und— das ist das tollste!— das badische Ministerium hat diesem Antrage stattgegeben! Gumbet scheidet also aus dem Lehrkörper aus. Clara Zetkin wird präsidieren. Abreise aus Moskau angekündigt. Die Reichstagsabgeordnete Frau Clara Zetkin wird, wie die kommunistische Presse berichtet, in den nächsten Tagen aus Mos- kau abreisen, um an dem Antikriegskongreß in Amsterdam leilzunehmen. Bon Amsterdam will Clara Zetkin nach Berlin reisen, um hier als A l t e r s p r ä s i d e n t i n den Reichstag zu eröffnen. Geht es wieder los? Anschlag auf einen NeichSbannerführer. Königsberg, 2Z. August. Zn dem königsberger Borort Tannenwalde wurde eine mit Explosionsstoff gefüllte Flasche gegen das Schaufenster des Konsumvereins geworfen. Da die Einschlagstelle sehr hoch liegt. besteht der Berdacht, daß der Anschlag gegen da» Fenster eines darüber wohnenden Reichsbannermanne» und Schufosührer» in lannenwalde gerichtet war. Geht Trendelenburg? Protestaktion gegen die Autarkiebestrebungen. Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, beabsichtigt der Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium, Dr. Trendelen. bürg, seinen Rückiritt«inzureichen. Es war schon langt kein Geheimnis mehr, daß Dr. Trendetenburg mit den Autarkie- bestrebungen der neuen Regierung ganz und gar nicht einverstanden war. Die Rücktrittsabsicht ist ganz zweisellos als eins Protestaktion gegen die neuen Pläne der Regierung zur verschärften Ein- fuhrdrosselung aufzufassen. Staatssekretär Dr. Trendelenburg hat lange Zeit nach dem Ausscheiden von Dr. Curtius und Warmbold das Wiutschasts- Ministerium geleitet. Dr. Trendelenburg, hatte nie aus seiner Meinung ein Hehl gemacht, daß ein gesunder Außenhandel für das Gedeihen der deutschen Wirtschaft eine Lebensnotwendig- keit ist Sie konnten zusammen nicht kommen. Koalitionsgespräche mit Hindernissen. Die Soalttionsbesprechungen zwischen Rationalsozialisten und Zentrum, die für gestern angesetzt waren, sind abermals oerlagt worden, und zwar gleich bis Ende dieser Woche. Als Grund für diese neue Vertagung wird die Sitzung des nationalsozialistischen Fraktionsoorstandes angegeben. Angeblich soll es von der Entscheidung des nationalsozialistischen Fraktionsvor- stände® abhängen, ob dann Ende dieser Woche die Koalitions- besprechungen mit dem Zentrum fortgesetzt werden. Die Tatsache, daß die Nationalsozialisten von einem zum anderen Male die Verhandlungen mit dem Zentrum über eine Rs- gierunAsbildung vertagen lassen, läßt jedenfalls darauf schließen, daß sie sich über ihre weitere Taktik durchaus noch nicht Im klaren sind, und daß die Aussichten einer Einigung jedenfalls bisher nicht größer geworden sind. Die BraunschweigerTerrorakte Nazi-Abgeordneter und mehrere E>L>.-Iübrer schwer belastet Die Bundespressestelle des Reichsbanners meldet: Wie wir aus Braunschweig erfahren, hat der Gauvorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold wegen der Sprengstoffattentate in der Wahlnacht gegen das Botshaus des Reichsbanners, die Woh- nung des Oberbürgermeisters und die Konsumfiltale gegen fünf Nationalsozialisten aus der Stadt Braunschweig Strafanzeige gestellt. Unter den fünf Nationalsozialisten befindet sich der national- sozialistische Landtagsabgeordpete Rechtsanwalt Alpers- Braunschweig. Wie sich jetzt herausstellt, sind diese Sprengstoff- attentate durch die Führung der SS. organisiert und durchgeführt. Am Sonntag, dem 31. Juli, morgen» 9 Uhr, wurde die SS. im Restaurant Holzgarten zusammengezogen. Der Führer, Rechts- anwalt Alpers, zog zuverlässige und ältere SS.-Leute heraus, darunter«in« Anzahl Unterführer, und schickte diese Leute nach Hause mit dem Austrag, nachmittag» in Räuberzivil im Holzgarten wieder zu erscheinen. An dieser Eivteilung waren außer Zlllper» ein persönlicher Adjutant Strage und ein. SS.-Mami Busch, der zum Stabe gehört, beteiligt. Gegen Abend wurde dieses Kommando durch den Rechtsanwalt Alpers in kleinere Gruppen aufgeteilt und mit besonderen Aufträgen versehen. Vier Gruppen von je 4 SS.-Leuten, einem Führer und einem Chauffeur, erhielten gegen 2 Ms Uhr nachts den Auftrag, aus einem vorläufig noch unbe- kannten Unterkunftsraum in der Stadt Braunschweig Spreng» körper abzuholen und endlich gegen 3 Uhr nachts zu gleicher Zeit die Anschläge am Bootehaus, der Wohnung des Oberbürger- Meisters und der Konsumfiliale durchzuführen. Die vierte Gruppe hatte offenbar den Austrag, die Stadt abzufahren und zu prüfen, ob die Lust rein war. Die Terrorgruppe, die das Sprengstoff- attentat auf das Bootshaus ausgeführt-hat, wurde kurz vor 3 Uhr nachts vor dem Gebäude der Allgemeinen Krankenkasse beobachtet. Führer dieser Gruppe war der Student Otto Rabach. Außer ihm wurde der SA.-Mann Georg Kolan erkannt. Im Laufe des heutigen Tages wird der Gauvorstand des Reichsbanners außer diesen fünf SS.-Leuten eine wettere Anzahl Nationalsozialisten, u. a. auch die Chauffeure, die die Sprengkörper gefahren haben, zur Anzeige bringen. Am Montag, dem 14. August, war die gesamte SS. zur Be- sichtigung auf dem Exerzierplatz angetreten. Im Anschluß daran wurden die an den Anschlägen beteiligten SS.-Leute zusammen- gezogen und ihnen durch einen Unterführer, der vorher mit dem Rechtsanwalt Alpers gesprochen hatte, Verhaltungsmaß- regeln bei polizeilichen und gerichtlichen Verhandlungen erteilt. Dieser Unterführer schreckte nicht davor zurück, jedem eine Kugel in Aussicht zu st eilen, der etwas von den Anschlägen ver» raten würde. Ltltimatum an München. Veseitigung des Oefiziks oder(Staatsaufsicht. München, 23. August.(Eigenbericht.) Der Haushaltsplan der Stadt München für 1932 wies bei seiner Aufstellung im April einen Fehlbetrag von IS, 3 Millionen auf, der trotz aller Bemühungen bis heut« nicht abgedeckt werden konnte. Nunmehr forderte die Kreisregierung von Oberbayern als Aufsichtsbehörde den Stadtrat ultimativ auf. mit allen Mitteln auf die Abglcichung des Boranschlages hinzuwirken. Dem Stadtrat wird eine letzte Frist bis zum 20. September gesetzt. Sollte ihm, was wohl auch der Fall sein wird, bis dahin die Balancierung des Etats immer noch nicht gelingen, so wird die in der bayerischen Ge- meindeordraing vorgesehene Staatsaufsicht über München angedroht. Spekulation im Sowjetreich. Eine Begleiterscheinung des freien Handels. Die Sowjetregierung hat, worauf wir schon hinwiesen, die Lebensmittelversorgung der Stadt- und Industriebevvtterung dadurch zu bessern gestrebt, daß sie— bereits im Mai— den Bauern freien Verkaus ihrer Produkte gestattet hat. Wie bei der NEP., der„neuen Wirtschaftspolitik" vor mehr als zehn Jahren, treten auch jetzt wieder üble Begleiterscheinunzen aus. Letzthin hat die Sowjetregierung ein drakonisches Strafgesetz gegen Diebstähle an gesellschaftlichem Eigen- tum und an Transportgütern erlassen Dazu kommen jetzt,, wie die Sowjetagentur meldet, durchgreifende M a ß.n a b m e n Zur Beseitigung der Spukulation. Spekulanten und Zwischenhändler werden nach diesem Beschluß für s ü n s bis zehn Jahre in Sammellagern eingesperrt. Eine Am- n e st i e komm: für sie nicht in Frage. In dem Regierungsbescklnh wird auf die Verfügung vom 20. Mai d. I. hmgcwicsen, die den Handel der Kollektivgüter, Kollektivbauern und Einzelbauern regelte und Maßnahmen zur»nterbindmig siden Zwlf-benhandels und des Epekulantenunwcsen-,. ille die Arbeiter>nd' Bauern schädigten, vorsieht. Gleichwohl hätten sich M der jüngzren Zeit die Spekulationen besonders mit Artikeln de» Massenbedarfs gehäuft. Oesterreichs Lausanne-Pakt. Mit 2 Stimmen Mehrheit verabschiedet. Wien, 23. August. Der Nationalrat hat nach längerer lebhaster Aussprache den Einspruch des Bundesrats gegen das Lausanner Protokoll zurück- gewiesen, und zwar mit 82 gegen 80 Stimmen. Dafür stimmten die Christlichsozialen, der Landbund und Teile des Heimatblocks, dagegen die Eroßdeutschen, die Sozialdemokraten und die frondierenden Heimwehrler. Ein großdeutscher Antrag, den Beschluß des Nationalrates vor der Beurkundung durch den Bundespräsidenten einer Volksabstimmung zu unterziehen, wurde mit dem gleichen Stimmenverhältnis abgelehnt. Im Nationalrat ist als Ersatzmann für Dr. Schober(groß- deutsch) Abg. Grabenhofer(Landbund) aus dem Burgen- land erschienen. Vor der Entscheidung über Lausanne sprach für die Sozialdemokraten Abg. G l ö ck e l, serner Rednsr der Großdeutschen und der Dissentierenden zwei Heimwehrler. Die Debatte verlief wieder unter fortgesetzter Unruhe und Zwischenrufen, an denen sich auch Bundeskanzler Dr. Doli- suß beteiligte: es gab heftige Zusammenstöße, besonders zwischen Christlichsozialen und Sozialdemokraten. Abg. Göckel machte dem Bundeskanzler bzw. der Regierung die heftigsten vorwürfe, daß sie sich der Erpressung und Terror- akte schuldig gemacht hätte, um unter Ausnutzung der tief bedauerlichen Todesfälle der letzten Zeil, ferner durch Machen- schaflen im Aalle vinzl die Mehrheit für Dausanne zu erreichen. Als Göckel fragte:„Haben Sie gar kein Empfinden, Herr Bundes- kanzler, wie unendlich unwürdig dieser Stimmen» s ch a ch e r ist", erhob sich gegenüber dem Beifall der Sozialdemo- kraten ein Sturm der Christlichsozialen. Unter fortdauerndem Lärm erklärte G l ö ck e l auf einen Zwischenruf, daß die Sozialdemokraten die Macht und die Verantwortung übernehmen würden, wenn sie bei Neuwahlen die Mehrheit erhalten. Er schloß: Arithmetisch kann die Regierung heute noch siegen, moralisch aber erleidet sie eine Niederlage. Die Sozialdemokratische Partei hat einen Aufruf erlassen. In dem es u. a. heißt:„Der Verlauf der Tagung war bestimmt durch die völlige Aufläsung der politischen Front der Bourgeoisie.' Dieses reaktionäre Regime muß niedergerungen werden: es ist im Verlauf dieser Tagung schwer erschüttert worden. Eine doppelte Aufgabe steht vor uns. Das große Deutsche Reich ist von einer Flut der Reaktion schwer bedroht. Unser kleines Land liegt zwischen dem Faschismus in Italien, der Henkerdiktatur in Ungarn und dem von der faschistischen Gegen- rcvolution schwer bedrohten Deutschen Reich. Auf diesem unseren Boden den Angriff des Faschismus abzuwehren, dem arbeitenden Volk den demokratischen Kampfbodcn zu erhalten. der im Deutschen Reich bedrohten Demokratie und der deutschen Arbeiterbewegung in unserem Lande ein Asyl der Freiheit zu erhalten, das ist unsere Mission. Darum bleibt die Verteidigung der Demokratie, der Schutz der demokratischen Verfassung der Republik unsere wichtigste Aufgabe." Komintern-pilsudski-polizei. Dunkle Affären in Polen. Warschau, 23. August.(Eigenbericht.) Die Kommunistisch« Partei kann in Polen nur illegal be- stehen. Man erfährt deshalb nur selten etwa« über ihre inneren Zustände. Einige sensationelle Ereignisse'in Warschau werfen�LIcht aus die Arbeitsmeihoden der polnischen Kommunisten. Seit einiger Zeit erhielt die Warschauer Politische Polizei anonyme Zuschriften, die die vielsagende Unterschrist „A s e w ll." trugen und über die Geheimtätigkeit führender pol- nischer Kommunisten berichteten. Aus Grund dieses Materials gelang es der Warschauer Polizei, zahlreiche langgesuchte kommunistisch« Parteifunktionäre festzunehmen. Die Nachforschungen nach „Asew II." blieben trotz eifrigster Bemühungen erfolglos. Bis das Rätsel unter dramatischen Umständen seine Lösung erfuhr. Beim Chef der Warschauer Politischen Polizei meldete sich dieser Tage ein Mann, der in äußerster Erregung erklärte, daß e r„Asew 11." sei; er bat um Schutz vor den ihn verfolgenden Kommunisten. Er heiße Nikolaus Baranow und fei Mitglied des kommunistischen Parteiauischussei. Was hatte ober Baranow zum Verrat an seinen Parteige- nossen bewogen? Darüber sagte er aus, er sei als Vertrauensmann der Komintern nach Warschau geschickt worden, um die Der- Hältnisse in der KPD. zu überwachen. Sehr bald habe er bemerkt, daß zahlreiche führend« polnische Kommunisten die Ihnen aus Moskau zu- fließenden beträchtlichen Beträge für sich selbst verwandten. Cr berichtete darüber nach Moskau, beschloß aber, Inzwischen sofort auf eigen« Faust zu hanteln, um die Ehrenmänner unschädlich zu machen, was eben durch die Denunziation an die Polizei geschah. Die schnell aufeinander folgenden Verhaftungen riefen unter den Kom- munisten eine Panik hervor, bald kamen sie jedoch dahinter, wer der Denunziant war und in einem eiligst einberufenen geheimen Parteigericht wurde gegen Baranow das Todesurteil gefällt. Am selben Abend wurde V. noch von zwei Kommunisten in einen hinter der Stadt gelegenen Wald gelockt wo er einen dritten Kom« nninisten bemerkte, den er al«'Vollstrecker der Todes- urteile des Parteigerichts kannte. Er glaubt« sich bereit, ver- loren. Im letzten Augenblick gelang e, ihm jedoch, sich loszureißen, in«in vorüberfahrendes Auto zu springen und zu entkommen. Cr wagte es aber nicht, nach Haufe zurückzukehren und sah sich schließlich gezwungen, bei der Polizei Schutz vor— seinen Partei- genossen zu suchen. Die Affäre dürfte noch nicht abgeschlossen sein. Aus Moskau sind inzwischen aus aller Heimlichkeit neue Vertrauens- männer nach Warschau gekommen, die mit„eisernem Besen" unter den Funktionären der KPD. aufräumen sollen. Die erste Folge davon ist. daß sich nun massenhaft bei der polnischen Polizei Kommunisten mit anscheinend nicht ganz reinem Parteigewissen melden, die Schutz— vor den Moskauer Sendlingen suchen. Gtaatsdiener werden geprügelt Die Tagung des Verbandes der polnischen Unterbeamten hat die Zustände enchüllt, denen sie im Dienst unterworfen sind. Ein- stimmig wurden zwe, Entschließungen angenommen, von denen die eine sich gegen die Ausnutzung der Unterbeamten durch ihre Vor- gesetzten für private D i e n st l e i st u n g e n. die ander« gegen das Schlagen der Unterbeamten durch ihre Vorgesetzten wendet. — Das Krakauer sozialistische Organ„Naprzod"(Vorwärts) bemerkt hierzu, daß offensichtlich das Prügeln der Unterbeamten im polnischen Staatsdienst allgemein üblich geworden sein müsse, wenn sich mich der Verband' der unter dem Einfluß der Negierungspartei steht, entschlossen hat, dagegen össentlich zu protestieren. Das polnische Diktaturregime wird seinen Beamten das wohl auch nicht versprochen haben, als es die Macht übernahm... Der Gämann. �6er Haß sät, wird Gräberkreuze ernten-- Oer Weg des Empire. Das Ende der britischen Reichskonserenz. Dondon, 23. August.(Eigenbericht.) Di» Reichskonferenz in Ottawa schloß im Halbdunkel, denn am Tage der Schlußsitzung wußte vi« Oefsentlichkeit nicht, was in den wochenlangen Verhandlungen beschlossen worden war, abge- sehen von einigen Grundlinien, die während der Besprechungen be- sonders viel Ausmerksamkeit aus sich zogen, aber vielleicht nicht ein- mal da» wichtigst« sind. Um so leichter fiel es den Staatsmännern, die sich noch einmal nach allen Seiten hin äußern muhten, der Adresse des Königs, den Leitartikeln der von wohlwollendem Patriotismus überfließenden Zeitungen im Empire, in diesem Dämmerschein die so wohlbekannten Redensarten von der Einigkeit des Empire, seiner festeren wirt- schaftlichen Verknüpfung, gleichzeitig aber auch die Versicherungen vom Interess« an der Weltwirtschast nochmals bis zu schimmerndem Hochglanz aufzup0lier«n. Und wenn im Scheinwerferlicht der Schlußszene der kanadische Premier, der feine schauspielerische Be- gabung fortwährend bewiesen hat. bei der Unterzeichnung des legten Dertrags-den-FüllfederhoUer gerade Mr. Chamberlain, dem Sohn de» Erfinders des Empire-Freihandele, zur Unterschrift in die Hand drückte— statt Mr. Baldwin, der die übrigen Berträge für Englano unterzeichnet halte so tonnten die Zuschauer um so eher vergessen, daß sie gor nicht wußten, w a s da eigentlich unterzeichnet wird Es ist also unmöglich, schon ein Urteil abzugeben über Trag- weite und Wirkungsweise des Konferenzergebnisses für den Welt- Handel. Eins läßi sich aber mit ziemlicher Vestimmlheik sagen: der von England zu Beginn der Konserenz ausgesprochene wubfch, die Verdichtung der Handelsbeziehungen innerhalb des Empire möge durch Senkung der Zollbarrieren zwischen Reichs- teilen und nicht durch Ihre Erhöhung gegenüber der Außen- well erreicht werden, ist nicht erfüllt worden. Die Schutzinteresien der verschiedenen Industrien im Empire haben sich als der stärkste Machtfaktqp auf der Konferenz erwiesen. Die paraphierten Verträge bedeuten also keine Lockerung der Fesseln, in denen d«r Welthandel seufzt— es s«i denn, daß ihr Vorhandenlein bei den bevorstehenden Verhandlungen mit nicht- britischen Staaten zu einem Abbau der Zollschranken führen wird. Dafür aber gehen— auch das läßt sich schon zur Beurteilung des Ergebnisses sagen— diese Pröfer«nz>.n Innerhalb de» Empire sehr viel weniger weit, als die Empire«nthusiasten gehofft und erwartet hatten und als selbst diejenigen, die heute in den höchsten Tönen den Erfolg der Konserenz preisen, voraussahen. Die Weltvertnüpfung der Empirestaaten hat sich, wie erwartet, bestätigt. Immerhin ist genug vereinbart worden, um den Delegationen zu erlauben, von einem Erfolg der Empirekonserenz zu sprechen. Zu einem„Erfolg" aber war man von Anfang an enlschlossen, war vor allen Dingen England enlschlossen, dessen Delegation daher, wie die Dominions wußten, am wenigsten einen ergebnis- losen Abschluß der Konferenz mit nach Hause bringen durfte, das infolgedesien wirklich der„selbstloseste" Partner war und dessen Regierung dank ihrer parlamentarischen Mehrheit der Bevölkerung am ehesten Opfer zugunsten des Emptrehandels zuzumuten wagte. Solch« Opser werden denn auch der englischen Bevölkerung auf- erlegt: ob der Vorteil, �er daraus den überseeischen Produzenten er- wächst, wirklich in einem gesunden Verhältnis zu ihnen steht, sei dahingestellt. Empireweizen soll eine Zollpräferenz von 2 Schilling pro Quarter genießen: bei Hammelfleisch, das al» Bolksnahrungs- mittel in England eine viel größere Rolle spielt als aus dem Kon- tinent, soll eine Einfuhrquote die Dominions in nöch nicht be- kanntem Ausmaß begünstigen Aber England hat durch da« geringe Ausmaß dieser Konzesstonen und auf anderem Felde seinen Grund- satz, die Handelsbeziehungen mit fremden Ländern nicht ernsthaft zu gefährden, aufrechterhalten: es hat besonders der kanadischen Zumutung, seinen Handel mit Rußland radikal zu unterbrechen, wirksamen Widerstand entgegengesetzt und sich nicht mehr als die Formel abringen lassen, handelspolitisch einzuschreiten, wenn mit Dominionprodukten konkurrierende Einsuhr aus fremden Ländern von diesen staatlich aus künstliche Weise gefördert würde. Von den übrigen Vorteilen, die England den Dominions gewährt hat, ist wahrscheinlich die bisher schon eingeräumte, in Ottawa bestätigte zollfreie Einfuhr von allen Waren, die sonst dem zehnprozentigen „Fiskolzoll" unterliegen, am wichtigsten. Da» sachliche Ergebnis der Konferenz sind also eine Reihe von Handelsverträgen zwischen selbständigen, zum großen Teil sehr schutzzöllnerisch eingestellten Staaten und. wie vorauszusehen war, durchaus nicht die Enistehung eine« neuen gewaltigen Wirtschaflsbereiches, der aus Autarkie abzielt. Die Verknüpfung von Empirestaalen mit Ländern außerhalb de» Empire und die häufige Divergenz zwischen den Interessen der Reichsteile untereinander ist auf der Konferenz immer wieder zum Ausdruck gekommen und hat vorsichtigere Leute in England schon bald nach Beginn der Unterhandlungen dazu veranlaßt, ihre Er- Wartungen erheblich herunterzuschrauben, was ihnen große Ent- täufchungsn erspart hat. Auch Tonart und B e r h a n d l u n g s m o d u s auf der „Aamllienversammlung" rechtfertig« diese Bezeichnung nur. wenn man anerkennt, daß Aamilienmitglieder, die miteinander verhandeln, auch oft genug vor allem aus ihren privat- vorteil bedacht sind. ja vielleicht sogar Verhandlungsmethoden anwenden, vor denen sie einem NichtMitglied der Familie gegenüber zurückschrecken würden. Herr Bennett, der Premierminister des Gastgeberlandes, der von Anfang an die Führung an sich zu reißen bemüht war, hat sich jedensalls nicht gescheut, seinem Temperament freien Laus zu lassen, und er spielte ie nach Bedarf die Rolle ein§s versöhnten Kindes, eines störrischen Maultiers und einer gekränkten Schönen. Er war der unzuverlässigste Verhandlungepartner und nur die altenglische Geduld eines Mr. Baldwin konnte seiner Technik gegenüber ver- handlungswillig bleiben. Kanadas letzte Forderung auf Aussperrung der russischen Ein- fuhr nach England wurde mit einer der berühmten Formeln abgefunden, die aus Konferenzen immer der letzte Ausweg sind. Jedenfalls: der äußere Verlauf der Konferenz hat ebensosehr wie ihr sachliches Resultat erwiesen, daß von der wirtschaftlichen Seite her nicht zu viel erwartet werden darf für die Verknüpfung des Empire. Ein Dominionvertreter hat, etwas überspitzt, geäußert: „Die einzig« Möglichkeit, das Auseinanderfallen des Empire zu verhüten, ist, derartige Konferenzen zu vermeiden wie den Leibhastigen." Aufstand in Brasilien. Gao-paulo-Anhänger in der Hauptstadt niedergekämpft. London, 23. August. Am Montag ist in Rio de Janeiro eine Revolte von An» hängern der Aufstimdischen des Staates Sao Paulo ausgebrochen. Die Regierung hat das Standrecht verhängt und nach scharfen Straßentämpfen, bei denen mehrere Personen getötet wurden, den Ausstand vorläufig niedergeschlagen. Teile der M a» r i n e sind zu den Aufständischen übergegangen, während die Armee regierungstreu blieb. Das Gesäsiiftsleben ist vollkommen lahmgelegt. Der Ausstand kam zum Ausbruch, als ein Kundgebungszug durch das Zentrum der Stadt marschierte,«n dessen Spitze die Flagge der Aufständischen des Staat«? Sao Paulo getragen wurde. Bor dem Arbeitsministerium gingen zwei B o m b e n in die Lust, doch wurde niemand verletzt. u�egierungeisieg in Gao Paulo. Rio de Zaneiro, 23. August. Die Regierungstruppen haben Victorino Carmillo nördlich von Bury nach 3 7 st ü n d i g e r Schlacht, an der 10 000 Mann Re- gierungstruppen beteiligt waren, besetzt. Die Aufständischen von Sao Paulo haben sich in nördlicher Richtung zurückgezogen. Wilder Kohlenabbau. pilsudski'polizei erschießt Arbeitslose. Kattowih, 23. August. In der Nähe der Agnes-Hütte bei Bittkow kam es zwischen den dort„wilden Abbau" treibenden Arbeitslosen und der Polizei zu blutigen Zusammenstößen. Eine große Polizei- truppe in Stahlhelmen mit Gewehren sperrte da» ganze Gqlände und vertrieb die Arbeitslosen aus den Notschächten. Die Ar- beitslosen setzten den Polizeibcamten verzweifelten Wider- stand mit Aexten und Keilhammern entgegen, mußten aber der Uebermacht der Polizei weichen. Nach den bisherigen Mitteilungen sollen mehrere Arbeitslose getötet, andere verletzt worden sein. Die Unruhe dauert noch immer an. Die Polizei hat dos Gelände noch nicht verlassen. Ranmond poincart, der ehemalige Präsident der Republik und mehrfach« Ministerpräsident, ist wieder in den Senat gewählt worden. A.Verbandstag der Metallarbeiter Generaldebatte und Entschließung zum Vorstandsbericht Dortmund, 23. August. Der Verbandstag erörterte am Dienstag in der Stellungnahme zum Vorstandsbericht vor allem die Fragen der Einheitsfront, des Arbeitsdienstes, der Arbeitszeitverkürzung und der Arbeits- beschaffung. Die O p p o s i t i o n, die sich schon am ersten Tage zahlenmäßig auf sechs Köpfe beschränkt sah, befleißigte sich einer sanften Tonart. Auch Z i e g l e r- Breslau konnte nicht umhin, zu betonen, daß alles Einigende in den Vordergrund gestellt werden müsse. Von vielen Seiten erfuhr die Taktik der KPD. allerschärf st e Kritik. Schon bei den Reden der Opposition kam es zu stür- mischen Hinweisen aus der Versammlung, daß die Taktik der RGO. und vor allem die Taktik der KPD. in den Parlamenten den ar- beiterfeindlichen Kräften Vorschub leiste. Viele Diskussionsredner wandten sich gegen die Verhetzung der Arbeiterschaft durch die kommunistische Führung. Unter Bezugnahme aus Vorgänge im Hagener Bezirk wurde die Möglichkeit betont, mit den kommu- nistischen Arbeitskameraden in einer Einheitsfront örtlich zusammen- zustehen. Die Hetzer und Verderber sähen in der Führung. Es wurde wiederholt nachdrücklich unterstrichen, daß ein aussichtsreicher Kampf gegen die Arbeiterfeinde nicht von oppositionellen Sekten, auch nicht vom Lenin-Bund, geführt werden könne, sondern nur von den großen kampferprobten freigewerkschaftlichen Organisationen. Der Vorwurf der Opposition, daß der 20. Juli in Preußen den Generalstreik hätte auslösen müssen, wurde mit dem Hinweis auf die parlamentarische Haltung der KPD. gegen die Regierung Braun- Severing beantwortet. In der Arbeitsdienstfrage wurde schärfst« Ueberwachung der örtlichen Vorgänge durch die Ortsausschüsse des ADGB. gefordert und empfohlen, nicht abseits zu stehen, sondern sich an der Leitung und Entwicklung des Dienstes den nötigen Anteil zu sichern. Auch hierbei wurde die verschwommene Haltung der KPD. gebrandmarkt. Für die Verkürzung der Arbeitszeit setzte sich der Kongreß mit allem Nachdruck ein. Gelinge es nicht, die Löhne wieder zu erhöhen und die Arbeitszeit zu verkürzen, könne die Arbeitslosenfrage nicht gelöst werden. Von einer Seite wurde der Leerlauf in der gewerk- schaftlichen Arbeit kritisiert und eine Rationalisierung in der Gewerk- schaftsbewegung in Richtung der Jndustrieverbände, Vereinheit- lichung der Beiträge und der Unterstützungssätze gefordert. Genosse Brandes stellte in seinem Schlußwort fest, daß an dem Geschäftsbericht des Vorstandes so gut wie keine Kritik geübt worden ist. Was an allgemeiner, gewerkschafts- politischer Kritik vorgetragen wurde, sei entweder auf Mißverständ- nisse zurückzuführen oder auf die ablehnende Grundeinstellung der betreffenden Diskussionsredner zur Sozialdemokratischen Partei, der treuesten Mitkämpferin der freien Gewerkschaften. Genosse Brandes ging noch einmal scharf gegen die O u e r- treibereien der sogenannten„Opposition" vor und richtete an die Delegierten den dringenden Appell, ungeachtet der politischen Auffassungen des einzelnen alle Kräfte zum gemeinsamen Kampf gegen die Reaktion«inzusetzen. Der Verbandstag billigte dann gegen vier Stimmen ein« Entschließung zum Vorstandsbericht, in der es heißt: Das kapitalistische System hat die Herrschaft über die Güter- erzeugung und-Verteilung auch in Deutschland völlig verloren. Die kapitalistischen Wirtschaftsführer ziehen nicht die wirtschaftlich selbst- verständliche Folgerung, daß das kapitalistische System abgewirlschaslet hat und einer neuen Wirtschaft, die längst im Werden begriffen ist, Plag machen muß. Zur Unterstützung ihres Kampfes gegen die Arbeiter unterhält und finanziert die Bourgeoisie die faschistischen Organisationen. Es war und ist Pflicht der Verbandsleitung, alle Maßnahmen zu unterstützen, die der Sicherung der mit der Demo- kratie verbundenen Rechte und Freiheiten und der Demokratie selbst dienen sowie die Machtergreifung des Faschismus verhindern. Um den Kampf gegen den Faschismus und die Sozial- reaktion möglich st wirkungsvoll zu machen, rust der verbandslag alle Metallarbeiter und-arbeiterinnen Deulschlands auf, sich im DMD. zu vereinigen und damit unter schärfster Ablehnung aller Spaltungsversuche und Einheitsfroutmonöver der KPD. und RGO. die tatsächliche Einheitsfront der Ardeiter in den Gewerkschaften zu bilden. Der Verbandstag fordert die Aufhebung aller Maßnahmen, die die Lebenshaltung der Massen heruntergedrückt und durch Lohnabbau, brutale Kürzung der Unterstützungen für Arbeitslose, Invaliden-, Unfall- und Kriegsrentner sowie durch Steuer- und Zollerhöhungen die Massenkaufkraft noch mehr ge- drosselt, die Wirtschaft schwer geschädigt und die Arbeitslosigkeit wie das Elend noch gesteigert haben. Er verurteilt aufs schärfste die Vergrößerung der Spanne zwischen Männer- und Frauen- lohn durch den amtlichen Lohnabbau und die infolgedessen zu- nehmende Verdrängung der Männerarbeit durch billigere Frauen- arbeit. Er verlangt die sofortige Durchführung der von den Spitzen- organisationen der Gewerkschaften beantragten und vom Reichstag beschlossenen Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung. Zu diesem Zweck erhebt er erneut die Forderung auf gesetzliche Festlegung der Fünftagewoche, der 40-Stunden-Woche. Der Verbandstag lehnt die Einführung einer Arbeitsdienstpflicht ab. Beim freiwilligen Arbeitsdienst, der gegen den Willen der Gewerkschaften verordnet worden sei, müsse unbedingt Sicherheit bestehen für die Freiwilligkeit des' Dienstes, für Mit- bestimmung der Gewerkschaften in den örtlichen und zentralen Körperschaften, strengste Beschränkung auf solche Arbeiten, die als regulär wirtschaftliche nicht in Frage kommen, für eine höchstens sechsstündige tägliche Arbeitszeit an fünf Wochentagen, für angemessene Entschädigung unter billigster Anrechnung der Kosten für Unterkunst und Verpflegung, für Sicherung de« gesetzlichen Arbeitsschutzes und völlige Koalitions- und Versammlungsfreiheit. Der Verbandstag brandmarkt das unverschämte Verlangen ins- besondere der N o r d w e st g r u p p e des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller, wonach der Wahnsinn des Lohnabbaus fort- gefetzt, die Tarifverträge zerschlagen, das S ch l i ch t u n g s- w e f e n und die Sozialversicherung beseitigt werden sollen. Das Schlichtungswesen verliere für die Gewerkschaften seinen Sinn, wenn es in wirtschaftlichen Krisenzeiten nur die Interessen der Unter- »ehmer berücksichtige. Dann würden die Metallarbeiter auch ohne das Schlichtungswesen im Kampfe ihre Lohn- und Arbeitsbedin- gungen zu gestalten wissen. Einen Angriff auf die sozialen und wirtschaftlichen Grundrechte werde die Arbeiterschaft mit den schärf- sten Mitteln beantworten. Bei der Beratung der fast 150 Anträge, die zum Vor- standsbericht gestellt waren, erlebte die kommunistische Opposition einen blamablen Reinfall. Es entspann sich eine länger« Debatte über zwei Anträge, in denen Entsendung einer aus Betriebsarbeitern und erwerbslosen Verba-ndsmitgliedern bestehende Studien- kommisfion nach Sowjetrußland verlangt wird. Ein Befürworter dieser Anträge, der Geschäftsführer von Halle, wurde vom Genossen Urich-Berlin daran erinnert, daß er einmal einem ähnlichen Antrag zugestiinmt hat, als er noch Delegierter der ört- lichen Berliner Generalversammlung der Metallarbeiter war. In diesem Antrag wurde gefordert, daß sich die Studienkommission der Berliner Metallarbeiter einen eigenen Dolmetscher mit- bringen und sich die Reiseziele in Rußland selb st wählen könne. Auf die Genehmigung dieser Reise, die bei der russischen Regierung nachgesucht worden ist, warten die Berliner Metallarbeiter noch heute. Der Antrag wurde vom Verbandstag nach längerer Debatte abgelehnt. Pellkartoffeln und Hering. Was Llniernehmer aus dem Betrieb herausholen. Von Alexander dem Großen erzählen die Geschichtsbücher, daß er auf seinem Zug nach Persien in der Gluthitze der Wüste das Wasser, das man ihm zum Trunk anbot, in den Sand goß, weil für die Mannschaften keines da war und er es in d�x Stunde der Not nicht besser haben wollte als seine Soldaten. An diese Geschichte muß man immer wieder denken, wenn man sieht, wie jetzt das Volk i m neuen Kurs mit einer Hungerpolitik durch die Not- zeit hindurchgeführt werden soll. Von den kleinen Geistern, die heute das große Wort führen, wird die Durchhungerungsparole gepredigt. Die Propa- gandisten dieser Parole aber— nicht zuletzt die, die unter den Fahnen Adolf Hitlers marschieren— denken nicht im Traum daran, mit Pellkartoffeln und Hering vorlieb zu nehmen, und selbst die Unternehmer, die sehen, daß ihre Arbeiter hungern und denen diese hungernden Arbeiter leid tun, halten es lieber mit Jacobus Schncllpfeffer, der gemeint hat:„Selbst essen macht f e t t," und manchmal geben sie das in einer schwachen Stunde sogar ganz freimütig zu. Das zeigt folgendes interessante Reiseerlebnis eines„Gewerkschaftsbonzen": „Eine zehnstündige Bahnfahrt bei 32 Grad Celsius im Schatten gehört nicht zu den größten Annehmlichkeiten im Leben. Um so weniger, wenn einem eine langatmige Lohnabbaurede eines gut- bezahlten Unternehmervertreters am Ankunftsort bevorsteht. Meine Reisegefährten sind drei Damen im vorgerückten Alter, anscheinend kleine Geschäftsfrauen oder Beamtenwitwen mit mittlerer Pension, die in Ferien reisen. Sie haben die Nachsaison gewählt, weil dann die Ferienpension um 50 Pf. pro Tag billiger ist. Dann eine vierte Dame. Ende der 30, pusselich rund, die ich als Geschäftsfrau taxiere. Mir gegenüber fitzt ein gesunder, gut genährter Herr, etwa Mitte der fünfziger Jahre, dem das Geschwafel der Damen über die Hitzewelle anscheinend schon über ist, denn er trommelt mit seinen kurzen, dicken Fingern den Friedericus-Marsch auf seinen Knien. Ich schätze: Textilfabrikant— Handschuh, Strümpfe, Buckskin, oder Baumwolle, was weiß ich. Einfach, aber sehr geschmackvoll gekleidet, also ein Mann in guten Verhältnissen. So gemütlich können nur dicke Menschen dreinschauen. Von der Hitzewelle kommen die vier Damen auf die Herstellung von Kaltschalen und Saisonschluß-Ausverkäufen, auf Bracht? neue Badehosenmodelle, und dann wird die Aussprache über die Wirt- s ch a f t s k r i s e allgemein! Jetzt sind wir alle sechs ernst zu nehmende Bolkswirtschaftskenner. Di« vollschlanke Geschäftsfrau erweist sich als Anhänger des neuen Systems. Sehr bestimmt meint sie:„Hätte das deutsche Volk sich nach dem Kriege an Pellkartoffeln und Hering gehalten. dann stände es heute besser um uns." Bei dieser weisen Bemerkung schaue ich unwillkürlich schmun- zelnd mein Gegenüber an, dem ganz augenfällig Pellkartoffeln und Hering unbehaglich sind. Da er in mir dasselbe vermutet, flüstert er mir hinter der Hand zu:„Warum nicht, wenn's ihr schmeckt, ich möcht was anderes." In dem Augenblick, wo ich der pusselich runden Geschäftsfrau bissig antworten will, kommt der Zugkellner mit Platz- karten für das Mittagessen, und unsere Geschäftsfrau nimmt eine Karte fürs große Essen zu 3 Mark, ohne Bedienungsgeld und Ge- tränke. Das wirkte so drollig und überzeugend, daß ich eine Ant- wort für überflüssig hielt. Mein Gegenüber wurde nun zutraulich und erzählte mir in der offenherzigsten Weise manches über fein Geschäft:„Man muß sich jetzt auch einschränken. Der Betrieb wirft nicht mehr viel ab: ich lasse schon seit einiger Zeit kurzarbeiten mit einem Drittel meiner früheren Belegschaft. Gut ist, daß ich mich nach dem Kriege gleich umgestellt habe und ein anständiges Gehalt für meine Tätigkeit im Betriebe vorwegnehme. Auch dieses habe ich anstandshalber um etwas gekürzt. Meine Leute verdienen infolge der Kurzarbeit keine 1000 Mark mehr im Jahr. Das tut mir direkt leid, denn ich habe sehr fleißige Arbeiter, die wie der Teufel im Akkord arbeiten. Ich war aber leider gezwungen, die Akkordsätze auf weniger als die Hälfte zurück- zusetzen. Persönlich hat man allerlei Verpflichtungen, der Sohn studiert in München, ist ein lebenslustiger Bengel, braucht aber jeden Monat mehr Geld, meine Frau zahlt ihm ganz bestimmt hinter meinem Rücken noch etwas extra. Eine Tochter will jetzt heiraten, kostet Geld, das muh auch aus dem Betrieb herausgeholt werden. „Gott verdamm mich, was kann man machen?" Die Klagen erwecken meine volle Aufmerksamkeit und nach und nach erfahre ich, daß das Gehalt für den Betriebsinhaber 22 Proz. der Gesamllohnfumme aufmacht. Meine Bemerkung:„Wenn das aber Ihre Arbeiter mal gelegentlich erfahren, dann machen die aber Krach," bringt mir die Gegenäußerang:„Sie sind gewiß kein Kauf- mann, sonst müßten Sie wissen, wie solche Beträge verbucht werden." Ich schaue darauf verdutzt zum Fenster hinaus und denke darüber nach, warum bis jetzt noch keine Behörde auf den Ee- danken gekommen ist, hier nachzuforschen, ixnd warum auch unsere Volkswirtschastler diesen Punkt nie berühren. Ob der jetzige Arbeits- minister das nachholen wird, und ob das Finanzamt... Aber das geht zu weit. T)sr Berliner Arbeiismarki. 6il4v82 Menschen suchen vergeblich Arbeit. In der Zeit vom 1. bis 15. August war nach dem Bericht des Landesarbeitsanits Brandenburg in den Provinzen Brandenburg und Grenzmark Pojen-Wescpreußen eine Abnahme der Arbeitsuchenden um 3014 Personen zu verzeichnen, in Berlin dagegen eine Zunahme um 7139 Personen. Die Gesamtzahl der 789 979 Arbeitsuchenden zu Anfang des Monats hat sich damit um 4125 aus 794 104 erhöht, in Berlin von 606 943 auf 614 082 Per- sonen. Trotz der in Berlin eingetretenen Steigerung der Zahl der Arbeitsuchenden hat die Zahl der in der A r be i t s l o s e n v e r- sicherung unterstützten Berliner einen Rückgang von 90 9 57 auf 81 796 erfahren. Auch in der K r i s e n s ü r s o r g e ist die Zahl der in Berlin Unterstützten geringer geworden: sie ging von 153 284 auf 152 979 zurück. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen in Berlin ist jedoch von 256 867 aus 265 570 gestiegen. Die Zunahme um 8703 bleibt aber noch um 763 hinter dem Abgang von 9466 Arbeitslosen- und Krijenunterstützten zurück. Insgesamt steht also dem Zuwachs von 7139 Arbeitsuchenden nur eine Z u- nähme von 763 Unter st ützten sin der Wohlfahrt) gegenüber. Lohnkonflikie der Gatiler undTapezierer Die Elendskonjunkwr wird zum Lohndruck ausgenutzt. Im Laufe dieses Sommers ist bei den Berliner Sattlern und Tapezierern die Arbeitslosigkeit auf 70 Proz. der Berufsangehörigen gestiegen. Es war deshalb nicht weiter zu verwundern, daß die Unternehmer sich diesen betrüblichen Um- stand nach Kräften zunutze machten. Die von ihnen gestellten Ver- schlechterungsanträge waren teilweise userlos. So.wollten in einem Falle die Lsderwarenfabrikanten nur noch einen Stunden- lohn von 73 bis 83 Pf. zahlen. Als sie damit infolge des energischen Widerstandes des Sattler-, Tapezierer- und Portefeuiller- verbände? nicht zum Ziele kamen, ging eine bestimmte Unternehmer- gruppe sogar so weit, aus dem Arbeitgeberverband auszutreten, um auf diese Weise die tarifvertraglichen Bin- düngen zu sprechen. Auch die Berliner Tapezierer hatten mit ihren beiden Unternehmergruppen verschiedene scharfe Konflikte aus- zutragen. Wie Genosse P i n k o w s k i auf der Funktionärversammlung der freigewerkschaftiich organisierten Sattler, Tapezierer und Porte- feuiller für das zweite Quartal, die am Dienstag im Gewerkschafts- Haus tagte, berichtete, setzte der Schlichtungsausschuß den von den Unternehmern gekündigten Manteloer trag wieder in Kraft, wobei allerdings einige Abstriche beim Urlaub in Kauf genommen werden mußten. Dagegen konnte der mit der Tapeziererinnung bisher lausende Mantelvertrag noch nicht wieder neu abgeschlossen werden, da die Jnnungsmeister nach wie vor erklären, daß sie in der gegenwärtigen Zeit kein Geld für etwaige Urlaubsansprllche ihrer Arbeiter hätten. Die Urlaubs- frage war auch beim Neuabschluß eines Mantelvertrages i n d e r Karosseriebranche der hauptfächlichste Streitpunkt. Am schärfsten aber wurden wohl die L i n o l e u m l e g e r de- rannt. In dieser Branche wollten die Unternehmer bereits im Herbst 1931 nur noch 1 Mk. Stundenlohn zahlen, zu einer Zeit, als die Linoleumleger noch 1,60 Mk. in der Stunde verdienten. Auch im letzten Quartal versuchten die Unternehmer, nur noch 1 Mk. zu zahlen, aber auch diesmal machten sie ihre Rechnung ohne die trotz der furchtbaren Krise erhaltene Kampfkraft der Sattler und ver- wandten Berufsangehörigen. Anschließend gab Genosse Osten einen ausführlichen Bericht über den Stuttgarter Verbandstag des Sattlerverbandes. Zu den Beschlüssen des Verbandstages wird eine besondere Funktionär- Versammlung Stellung nehmen. Der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten besteht jetzt 20 Jahre. Aus diesem Anlaß hat die Ortsgruppe Berlin zu Freitag um 20 Uhr eine Werbeveranstaltung mit Kabarett im „Deutschen Hos", Luckauer Straße 15, getroffen. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf., für Erwerbslose 10 Pf. t $mc Gewerkschafts-ZugenS Berlin Heute, Mittwoch, 24. August, um 19� Uhr, tagen die Gruppen: Süd- westcn: Jugendheim Porästr. 11cute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Schönhauser torftabt: Jugendheim der Schule Kastanienallee 8l. Kurzrelerate.— Rordost I: Jugendheim Danziger Str. 82(Baracke Z).„Sinn und Zweck der Freikörperkulturbewegung."— Rcinickendors: Jugendheim Lindauer Str. 2 (Baracke). Air lesen aus dem Buch„Bub und Model".— Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerftr. 81. Liederabend.— Köpenick: Jugendheim Dahlwitzcr Straße 15(Gasanstalt am Bahnhof Köpenick). Stegreifspiele.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1— t, Ecke Kanner Straße.„Die Zwangläufigkeit der Wirtschaftskrisen im Kapitalismus."— Südost: Jugendheim Mauteukkcl» straße 7. Leseabend.— lZchöncberg: Jugendheim Hauptitr. 15(Hofgebäude, Sachsenzimmer).„Was geht in der Welt vor?"— Charlottenburg: Jugend heim Spielhagcnstr. 4. Arbeitsgemeinschaft:„Die Geschichte der Gewerkschaften" <1. Abend).— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Wir üben zur Antikriegs» Veranstaltung.— Die Bcrüchrrungsgesellschast„Sorgenfrei"?l.»G. tagt heute von 18—18 Uhr im Bcrbandshaus. Zimmer 24.— Spiele im Freien ab 18 Uhr Sportplatz Humboldthain, Sportplatz Weißensee, Feld 5, und Sportplatz Fried. richshain.— Plaketten für die Antikricgslundgebnng am 8. September im Bolkspark Rchberge sind zum Preise von 20 Pf. im Jugendsekretariat zu haben. Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage„Boll und Zeit" Anzeigenpreise: Die ein sp alt. Millimeterzeile 30 Pf., Reklamezetle 2.— M, „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf.(zulässig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über(6 Buchstaben zählen für zwei Worte. Ardeitsmarkt Millimeterzeile 28 Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile 18 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße z, wochentäglich von B'/t bis 17 Uhr Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeiacn vor' Verantwortlich tlli Politik: Victor Sch'fli iilirtichait s. Klingrlhöfer; Gewerklchaitsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton: Herbert Lepdee: Lokales und Sonstiges: Fritz»arstädt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag S. m. d. H. Berlin. Druck: Vorwärls-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Eo.. Berlin SW. 88, Lindenstraße 1 Hierzu 2 Beilagen. Nr. 597» 49. Jahrgang H. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 24. August 4952 Die PcIscheKs vor der Niederlage. Sensationelle Stellungnahme des Ersten Staatsanwalts. 3n der Dievstagver Handlung im Caro-Vetichet-Prszetz kam es zu einem bedeukfameu Awifchensall. Der Erste Siaals- anmalt ZSger Äußerte sich im Zujammenhayg mit einem von Rechts- anmalt Alsberg, dem Verteidiger Earos. gestellten Remeisantrag in einer weife, die mohl den Zufammenbrnch der Anklage gegen Caro vermuten läßt. Franz P e t f ch e k wurde Dienstag weiter vernommen und er- klärte, daß er die Protokolle über die Zwangsvollstreikung gegen Coro einem tschechischen Journalisten zugeleitet hotte, der mit einem Bulgaren verschwägert ist. Dieser Bulgare sei nun- mehr bei den bulgarischen Behörden und Zeittingen vorstellig ge- worden, um die von Caro bekleideten Stellen in Bulgarien zu erschüttern. Geheimrat Caro gerät bei dieser Bekundung in starke Erregung und erklärt, daß Spitzel der Petscheks fortgesetzt angeblich belastendes Material mÄ> Schmähschriften den bulgarischen Zeitungen angeboten hätten. Das bulgarische Ministerium ließ, ihn, Caro. jedoch trotzdem in Amt und Würden. Als Präsident der bulgarischen Handelskammer fei es ihm gelungen, Deutschland eine Vormacht st ellung in wirtschaftlicher Beziehung zu verschaffen. Gegen diese Vormachtstellung Deutschlands liefen die Tschechen an und die Petscheks benutzten diesen Umstand, um auch gegen Caro vorzugehen. Franz Petschek bestreitet nach wie vor. daß sein Vater von diesen Dingen gewußt habe. Caro erklärt dagegen, daß alle Petscheks von der bulgarischen Sache gegen ihn unterrichtet wären. Trotzdem das Leben Jgnaz Petscheks angeblich künstlich erhalten werde, arbeite er doch immer gegen Caro. Rechtsanwalt Alsberg: „Herr Zeug«, Sie bringen immer nur die Korrespondenz, die Ihnen paßt. Wir verlangen aber auch die Vorlegung des Beweismateriols, das auf die Detettivgeschichten Bezug nimmt, und stellen einen diesbezüglichen Beweisantrag." Unter großer Bewegung des Auditoriums erhebt sich jetzt der Erst« Staatsanwalt Jäger und> lehnt diesen Antrag mit der Bemerkung ab, daß bei dem äugen- blicklichen Stand des Prozesses eine Schuldde« Angeklagten Caro nicht mehr festzustellen sei. Im Verlaufe der weiteren Verhandlungen bekundet« Geheimrat Caro. daß er im Jahre lSM zweimal anonym Flugblätter zu- gesandt erhielt, worin er, Caro, des Hoch- und Landes- verrat», de» Verrats militärischer Geheimnisi« an Frankreich usw. beschuldigt wurde. Die beigefügten Begleitschreiben, die schwere Beleidigungen enthielten, waren„Die Antikorrupte n" unter- zeichnet Das erste Flugblatt mit den schweren Angriffen war dann an mehreren Stellen der Stadt, an Straßenbahnmasten, U-Bahn- Höfen usw. angeschlagen. Er beaufttagt« daraus den Detektiv F a b e r mit der Untersuchung dieser Angelegenheit. Faber besuchte den Detektiv A n g i e r, der nach einigem Zögern eingestand, daß er seinerzeit in der Flugblatt-Assäre usw. gegen Caro tätig gewesen sei. Unter den Notizen des Angier befand sich auch ein« Skizze des Caroschen Hauses mit Angabe der einzelnen Türen und der genauen Konstruktion ihrer Schlösser. In dieser Zeit wurde, wie Geheimrat Caro angibt, einmal eine Mappe mit Dokumenten aus seinem Schreibtisch entwendet. Darauf wurde der Zeuge Angier vernommen, der seine An- gaben im unverfälschten Berliner Jargon machte. Er bezeichnet sich als Werkagent für Industriebetriebe und bekundet, daß er die Flugblätter gegen Caro seinerzeit auf Verlangen Sierings versaßt und angeklebt hätte und auch die anonymen Briefe an den Angeklagten versandt hätte. Für seine Gesamttätigkeit habe er etwa 2500 bis 3000 M. erhalten. Als die Sprache aus die abhanden gekommenen Dokumente des Geheimrats Caro kam, verweigerte der Zeuge die Aussoge über diesen Punkt. Franz Petschek bestritt energisch jede Beteiligung an den vor- gebrachten Dingen. Der Zeuge blieb jedoch auch auf Vorhalttingen des Vorsitzenden bei seinen Bekundungen.— Di« Verhandlung wurde schließlich auf Donnerstag vertagt. Ein König verhaftet! Fünf Tage lang beherrschte er Albanien. Bon der Berliner Kriminalpolizei wurde gestern aus dem Stralauer Blaß in der Röhe des Schlefischen Bahnhofs ein aus Dessau wegen kleinerer Betrügereien gesuchler Mann erkannt und festgenommen. Es ist der 60 Jahre alte aus Düsieldorf gebürtige Otto Witte, hinter den«in Steckbrief geschickt worden war. Als man auf dem Alexanderplatz seine Personalien überprüfte, erfuhr man erst, wer der Festgenommene war: Otto Witte hat einen kühnen Abenteurer- streich vollbracht, indem er sich im Jahre 1913 in Albanien a u f S Tage zum König ausrufen ließ! Wittes Lebenswandel ist auffallend reich an Sensationen. Er wurde als Sohn eines Schaustellers geboren uttd betättgte sich schon als Kind als Arttst. Mit 9 Iahren ttat er als Löwenbändiger in einem Zirkus auf. Zwei Jahr« später vollbrachte er gewagte Zauberkunststücks. Bald darauf lernte er auf einem Trip«inen geheimnisvollen Inder kennen, einen Fakir, von dem er das Zaubern und das Schwertschlucken erlernt«. Die Jahre vergingen. Aus dem Kind wurde sin junger Mann, der sich als Arttst m der ganzen Welt umherttieb. Als es in den Iahren 1911 und 1912 auf dem Balkan wieder losging, waren diese Länder der geeignete Schauplatz neuer Betätigung. 1913 kam er nach Albanien. Bei seinem dortigen Aufenchalt erfuhr er. daß Albanien vor der Krönung eines Königs stand. Dieser Monarch war der ttirkische Prinz H a l i m Eddin. Witte los damals die Zeitungen ganz genau und erfuhr daraus, wann der neue König in Tirana eintreffen sollte. W. war der Meinung, daß er ebenso gut zum König gewählt werden könnte und führt« jetzt folgenden sensattonellen Streich aus: er besorgte sich eine fabelhafte Uniform, fälschte Ankunftstelegramme und er- schien in Tirana als der neue König von Albanien. Man empfing ihn mit allem Pomp, feierte ihn ganz groß und ahnte nicht, daß es«in Abenteurer war, der ganz Albanien narrte. Als nunmehr der wirklich erwählte König von Albanien eintraf, ließ chn W. von seiner Polizei verhasten. Alsdann wurde es ihm doch zu brenz- lich, und er verschwand. Wieder folgten abenteuerlich« Jahre. Nach Kriegsende kam er zurück nach Deutschland. Zuletzt hielt er sich in Desiau auf, dann fuhr er nach Eberswald« und wurde gestern am Sttalauer Platz festgenommen. W. konnte seine zunächst recht unwahrscheinliche Erzählung durch offizielle Papier« und Zeitungsausschnitte von damals bis aufs kleinste belegen. Er wird jetzt nach Dessau-ausgeliefert. König Ottos Besuch im Altersheim. Ein Augenzeuge berichtet uns über das immerhin nicht alltäg- lich« Erlebnis: Abends gegen 10 Uhr erschien in dem Männerheim Stralauer Platz 1 ein nobel gekleideter älterer Herr und wollte da übernachten, angeblich, um auch dieses„Milieu" einmal kennenzu- lernen. Er erzählte dem Heimleiter und den erstaunten Insassen, daß er der ehemalige König von Albanien sei und als solcher 1913 kurze Zeit regiert habe. Tatsächlich zeigte er richtiggehend ge- stempelte Pässe und Ausweise, so auch ein Bild, das im„H a m- burger Fremdenblatt" von ihm erschienen war mit der Aufichrist:„Ein ehemaliger König von Albanien". Ebenso hatte er Photographien bei sich, auf denen er inmitten einer Anzahl albanischer Offiziere, die mit Orden übersät sind, dargestellt ist. Di« Aufregung im Männerheim war natürlich groß, denn nicht jeden Tag kommt in solch ein Heim ein König, und wenn es auch nur ein Exkönig ist. Nach Einnahme einer Erbsensuppe und nach ausgiebigen Erzählungen über feine Regierungstätigkeit in Albanien legte der Exkönig seine müden Glieder zum Schlummer nieder. Dann aber wurde Seine Majestät in früher Morgenstunde diesem Milieu wieder enttissen— und dem Polizeipräsidium zugesührt. Uebrigens hat König Otto seinen Lebensunterhalt in den letzten Iahren haupfiächlich durch den Verkauf von eigenhändig unterzeichneten Lichtbildern auf provinziellen Ber- gnügungsplätzen bestritten. Europaflieger Güster abgestürzt. Sein Begleiter getötet, er selbst erheblich verleht. Rom, 23. August. Der Europarundslieger Bittorio S u st e r, Zlalien, ist gegen mittag, unweit der Wendemarke Albenga an der Rordwestküste Italiens mit feiner Maschine abgestürzt. Suster wurde verletzt. Sein Begleiter, der Journalist Achilli Antonibon, fand den Tod. lieber die Ursache liegt noch keine Meldung vor. Man nimmt- an. daß es sich um einen Alügelbruch Handell, wie schwer die Berlehung Susters ist, ist nach nicht bekannt. Suster nahm bereits am ersten Europarundflug im Jahre 1929 teil und klassifizierte sich unter den Besten. 1931 be- teiligte er sich am zweiten Italienrundflug. Wieder ein Ltnhold am Werke. Sittlichkeitsverbrechen an einer Elfjährigen. Ein Sittlichkeitsverbrechen wurde gestern von einem unbekannt entkommenen Täter an einem 11jährigen Schulmädchen in der SSnigsheide bei Baumschulenweg verübt. Die Schülerin Johanna B. befand sich aus dem Heimweg nach ihrer Wohnung in der Kolonie„Ziegenzrund" bei Baumschulenweg in Begleitung einer Schulfreundin, mit der sie Zigarettenbilder aus- tauschte. Ein junger Bursche sprach die beiden Mädchen an und wollte ihnen angeblich die noch sehlenden Bilder schenken. Er lockte die kleine Johanna an sich und ging mit ihr in die Königs- Heide, wo er sie im Walde vergewaltigte. Durch das Schreien des Kindes wurde ein Fußgänger aufmerk- sam. Als er in das Gebüsch trat, wohin der Unhold sein Opfer ge- schleppt hatte, rannte der Täter davon und hielt seinen Verfolger mit Pistole von der weiteren Verfolgung ab,' so daß er entkam. Kvtul Hamsuns Frauensleg. Ich war Straßenbahnschafftier in Chikago. Zuerst war ich auf der Halsted-Liifie angestellt, einer Pferdebahn zwischen Stadtzentrum und Viehmarkt. Wir vom Nachtdienst waren alles andere eher als geschützt auf dieser Linie wegen aller der fragwürdigen Leute, die den Weg zur Nachtzeit passierten. Wir durften auf niemand schießen und niemand töten, weil die Stroßenbahngesellschaft gegebenenfalls ersatzpflichtig wari ich meinesteils hatte auch keinen Revolver und mußte darum meinem Stern vertrauen. Uebrigens, ganz wehrlos ist man selten: So hatte ich den Schwengel der Bremse, der sich im Nu abnehmen ließ und ein treffliches Hilfsmittel abgab. Das heißt, mehr als einmal habe ich seiner nicht bedurft. Im Jahre 1886 stand ich all« Weihnachtsnächt« hinter- einander auf seinem Straßenbahnwogen, ohne daß etwas vorgefallen wäre. Es kam ein großer Trupp Irländer vom Viehmarkt her und befrachtete meinen Wogen ganz und gar, ste waren besoffen und hatten Flaschen bei" sich, grölten nach Noten und wollten nicht recht ans Zahlen heran, trotzdem wir schon angefangen hatten zu fahren. Sie hätten der Gesell- schaft nun wieder ein ganzes Jahr long, abends und morgens, fünf Cent gezahlt, sagten sie, und nun sei Weihnachten, und da wollten" sie einmal nicht zahlen. Sie war gar nicht so unsinnig, diese Auffassung: ober sie frei durchzulassen wagte ick nicht, aus Furcht vor den„Spionen", die im Dienste der G.'sellfchaft standen und über die Ehrlichkeit der Schaffner zu wachen hatten. Ein Konstobler stieg auf Er stand ein paar Minuten da, sagte ein paar Worte über Weihnachten und das Wetter und sprang dann wieder ab. weil wir so schwer be- laden waren Ich wußte recht wohl, daß auf ein Wort an den Konstabler alle Passagiere ihre fünf Cent hätten zahlen müfien: ich sagte aber nichts Warum haben Sie uns nicht angezeigt? fragte einer. Ick hielt das für überflussig, er- widert« ich, ick habe es ja mit Gentlemen zu tun. Itarauf singen ein paar an, mich herzlich auszulachen: ein paar aber hielten es mit m,r und fanden einen Ausweg, ind-m sie für olle zahlten. Zur nächsten Weihnacht war ich auf die Eottage-Lin>e gekommen. Das war ein großartiger Wechsel. Ich hatte jetzt einen Zug von zwei, manchmal dr«' Wagen, die durch ein unterirdisches Kabel getrieben wurden; das Publikum in diesem Stadtteil war vornehm, und ich mußte meine Fünfer in Handschuhen einsammeln. Zum Ersatz fehlte hier alle Spannung, und man wurde es bald müde, diese Villen- menschen anzusehen und anzuhören. Ein kleines Erlebtes war mir dann doch vorbehalten für Weihnachten 1887. Am heiligen Abend fuhr ich am Vormittag meinen Wagen zur Stadt hinein: ich hatte damals Tagesdienst. Ein Herr steigt auf und fängt ein kleines Gespräch mit mir an; mußte ich in die Wagen hinein, so wartete er, bis ich auf die hinterste Plattform, wo mein Platz war, zurückkam, und nahm dann das Gespräch wieder auf. Er war um die dreißig herum, blaß, trug einen Schnurrbart und war sehr vornehm gekleidet, aber ohne Ueberrock, trotzdem es ziemlich kalt war. Ich biy von zu Hause fortgefahren, wie ich ging und stand, sagte er. Ich wollte meiner Frau zuvorkommen. Weihnachtsgeschenke, bemerkte ich. Ganz recht! antwortete er und lächelte. Es war aber ein seltsames Lächeln, eine Grimasse mit dem Munde, ein nervöses Feixen. Wieviel verdienen Sie? fragte er. Es ist das keine ungewöhnliche Frage im Pankeelande, und ich gab also an, wieviel ich verdiente. Wollen sie zehn Dollars extra verdienen? fragte er. Ich sagte: Ja. Er nahm seine Brieftasche heraus und reichte mir ohne weiteres die Banknote. Er bemerkte, er habe Vertrauen zu mir. Was soll ich tun? fragte ich Er verlangte, meinen Zeitplan zu sehen, und sagte: Sie fahren heut« acht Stunden? Ja Auf einer Ihrer Touren sollen Sie mir einen Dienst leisten. Hier an der Ecke der Monroestraße kommen wir über einen Schacht, der zu dem unterirdischen Kabel hinunterführt. Es ist ein Deckel über dem Schacht: diesen Deckel hebe ich ab und steige ihnunter. • Sie wollen sich das Leben nehmen? Nicht ganz. Aber so tun will ick Aha! Sie sollen Ihren Wagen anhalten und mich aus dem Lach heraufschaffen, auch wenn ich Widerstand leiste. Das soll geschehen. Ich danke Ihnen. Ich bin übrigens nicht geisteskrank, wie Sie vielleicht annehmen Ich tue das alles meiner Frau wegen, sie soll sehen, daß ich mir habe das Leben nehmen wollen. Ihr? Frau wird dann also in meinem Zuge sitzen? Ja Sie wird in Tbe grip sitzen. Ich stutzte. Tds grip war ber Wagen, auf dem der Führer stand und lenkte: er war offen und ohne Wände, es war kalt darin während des Winters, und niemand setzte sich dann hinein. Sie wird in Tbe grip fahren, wiederholte der Mann. Sie hat es in einem Brief an ihren Liebhaber versprochen, heute darin zu fahren und ihm ein Zeichen zu geben, wenn sie kommt. Ich habe den Brief gelesen. Gut. Aber ich muß Sie daran erinnern, daß Sie den Deckel möglichst rasch von dem Schacht abnehmen und ohne Aufenthalt hinuntersteigen. Sonst wird uns ein neuer Zug einholen. Wir fahren in Zwischenräumen von drei Minuten. Ich weiß das alles, entgegnete der Mann. Der Deckel wird gelöst sein, wenn ich komme. Er ist schon jetzt in diesem Augenblick geläst. Noch eins: Wie können Sie wissen, welchen Zug Ihre Frau benutzt? Darüber bekomme ich telephonisch Nachricht. Ich habe Leute, die ihre Schritte lenken. Meine Frau wird ein braunes Pelzkoftüm tragen, Sie können sie leicht erkennen— sie ist sehr schön. Wenn sie ohnmächtig werden sollte, so schaffen Sie sie in die Apotheke an der Monroeecke. Ich fragte: Haben Sie auch mit meinem Führer gesprochen? Ja, sagte der Mann. Und ich habe ihm die gleiche Summe gegeben wie Ihnen. Aber ich juill nicht, daß ihr zwei miteinander spaßen sollt über die Sache. Ihr sollt gar nicht davon reden. Nein. Sie postieren sich auf Ttw grip, wenn Sie sich der Monroestraße nähern, und halten gut Ausguck. Sehen Sie meinen Kopf über dem Schacht, so geben Sie das Haltezeichen, und der Zug kommt zum Stehen. Der Führer wird Ihnen helfen, mich zu übermannen und aus dem Schacht hervorzu- ziehen, wenn ich auch behaupte, sterben zu wollen. Ich dachte ein wenig über das Ganze nach und sagte: Mir scheint, Sie hätten Ihr Geld sparen können und keinen in Ihr Borhaben einzuweihen brauchen. Sie hätten einfack in das Loch hmunterstsigen können. Du großer Gott! rief der Mann, angenommen, der Fuhrer bemerkte mich nicht! Sie bemerkten mich nicht! Niemand! Sie haben recht. Wir sprachen nach von diesem und jenem, der Mann fuhr bis zur Endstation mit, und als mein Zug umkehrte, fuhr auch er mit zurück An der Ecke der Monroestraße sagte er: Da ist die Apotheke, in die Sie meme Frau bringen sollen, wenn sie ohnmächtig wird. Dann sprang er ab.(Schluß folgt.) Beisetzung der Niobe-Toten. Eine würdige Gedenkfeier in Kiel. kiel. 23. August.(Eigenberichl.) Heute nachmittag saud hier inmitten des viereckigen Platzes auf dem Garnisonfriedhos die Trauerfeier für die Opfer der„3l i o b e" statt. Zu ganz kiel sind die Flaggen aus halbmast gefehl. Von Zypressen umkränzt, liegen die Grabstätten der Toten, die aus dem gesunkenen Schiffe gehoben wurden. Zwei der wenigen Geretteten hielten vorne bei der Grabstätte die T o t e n w a ch t für ihre gebliebenen Kameraden. Die anderen Geretteten standen unter dem Altar. Die Behörden des Reichs, der Wehrmacht, des Landes Preußen und der Stadt Kiel und ihrer Nachbarkreise waren vertreten. Unter den zahlreichen Abordnungen sah man die Delegationen der Sozialdemokratischen Partei und dem Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Der Reichspräsident war durch den Chef der Marineleitung, Admiral Dr. R a e d e r, vertreten. Nachdem der Geistliche gesprochen hatte, nahm er das Wort. Er sagte u. a.:„Die ganze Nation, das ganze deutsche Volk hat in einer Zeit der inneren Zerrissenheit und Parteistreitigkeiten einmütig sich an unsere Seit« gestellt in auf- richtiger Trauer und verständnisvollem Mitempfinden. Wir haben in diesem Augenblick tiefster Trauer das gesunde, warme Herz des deutschen Volkes schlagen hören." Mit dem Deutschland- Lied fand die Totenfeier ihr Ende. Die Trauerseier wurde durch alle deutschen Sender übertragen. Trauerfeier auch in Berlin. Gestern nachmittag ist auch in Berlin ein Opfer der„Niobe"- Katastrophe zur letzten Ruhe geleitet worden: Auf dem Südwest- friedhof in Stahnsdorf wurde der junge Sanitätsanwärter Jürgen G u t j a h r in feierlichem Begräbnis beigesetzt. Der Ehrendienst wurde durch eine Kompagnie der Reichs- wehr versehen, Marineleitung, Marine-Sanitätskorps und zahl- reiche Verbände waren vertreten. In der mit Palmen und Lorbeer- bäumen geschmückten Kapelle standen Angehörige der Reichswehr und der Marinevereinigung Wache. In der Trauerrode spiegelte sich das junge Leben, das so bald ausgelöscht wurde, wider. In den Wäldern um Stahnsdorf hat der Tote den fröhlichsten Teil seiner Jugend verlebt, und auf den märkischen Seen und Flüssen unter- nahm er seine ersten Schiffsfahrten. Nach der Einsegnung der Leiche ließ die Reichswohrkapelle«inen Trauermarsch erklingen, der Leichenzug bewegte sich zum Grabe, „Ich hatt' einen Kameraden" ertönte. Dann desilierten die Vertreter von Wehrmacht, Behörden und Verbänden in langem Zuge an der offenen Grabstätte vorbei. Oer Knabenmorö von Kalkensee. WaS die Vernehmung des Bruders ergab. Die Bluttal an dem 16 Zahre allen Kurl Schöning aus der Krossener S l r a ß e in Lichtenberg wird von der ZTCordkommission mit dem größten Eifer uatsrfuchl. Bisher ist zwar eine ganze Anzahl Anhaltspunkte gefunden worden, doch haben sie alle noch kein positives Er- gebnls gehabt. Der Bruder des Ermordeten, der Maler Werner Schöning, ist, wie bereits berichtet, in Halle gefunden worden und hat sich sofort nach Berlin begeben. Von der Mordkommission ist er am Dienstagnachmittag über alle Einzelheiten verhört worden. Kurt Schöning, der Ermordete, hatte sich ihm ost anvertraut. Der Heitere entsonn sich wohl verschiedener Einzelheiten, die sein Bruder ihm erzählt hatte, er konnte auch Angaben darüber machen, wo Kurt zu verkehren pflegte. Doch hat er seinen Bruder vor drei Wochen das letzte Mal gesprochen. Es ist daher sehr wohl möglich, daß Kurt die verhängnisvolle Bekanntschast erst nach diesem Zusammen- treffen gemacht hat. Die Nachforschungen, die sich mit den Angaben des Bruders befassen, sind vorläufig noch nicht abgeschlossen. Völlig unklar ist ein weiterer Fund am Tatort. Hier entdeckten die Beamten«in Stück brapnes Packpapier, auf dem einmal in Rot- schrift und einmal mit Tinte das Wort„P a g e" geschrieben war. Was für einen Zusammenhang das mit Kurt haben soll, ist noch unerfindlich Kurt Sch war vor mehreren Monaten, als er aus der Schlosserlehre entlaufen war, einmal Page in einem Lokal im Westen Berlins, aber nur für ganz kurze Zeit. Dann gab er dies« Stellung wieder auf. Oachstuhlbrand in der Blücherstraße. In dem Hause Blücher st raße 27(Ecke Bärwaldstraße SS) kam es kurz nach 17 Uhr zu einem umfangreichen D a ch st u h l» b r a n d, der sich bei dem ziemlich heftigen Winde rasch über die gesamte Dachfläche ausbreitete, so daß auch die umliegenden Gebäude ernstlich gefährdet erschienen. Die Feuerwehr Hafenplatz rückte auf 2. Alarm mit drei Zügen an und versuchte zunächst mit zwei Rohren des Feuers Herr zu werden. Da aber der Wind auffrischte und außerdem das Feuer in den von der Hitze ausgetrockneten Holzbalken reichliche Nahrung fand, fetzte man noch ein weiteres Rohr ein. So gelang es sehr bald, die Flammen einzukreisen. Das auf dem Dachboden brennende Gerümpel erschwerte durch die starke Verqualmung Provokateure an der Arbeit Adam persönlich— Der Herr in der Straßenbahn—„Z. b. V." Die Lioröen der Hungerkreuzler haben zwar eine unerhörte Erbitterung in allen Kreisen des schaffenden Volks zur Folge gehabt, mehr und mehr jedoch liegt jedoch der Fluch der Lächerlichkeit auf den jungen Burschen, die sich dazu hergeben, die Schutztruppe des Kapitals zu bilden. Gerade der Berliner mit seinem sprichwörtlichen Mutterwitz kann natürlich an dieser Erscheinung nicht ohne einige passende Ehrenbezeugungen vorbeigehen. Die alle Weisheit von der Lächerlichkeit, die tötet, macht sich hier bemerkbar. Man stelle sich einen Berliner Arbeiter vor, der vor einem Porträt Hitlers steht, das sich im Schaufenster eines Braunen Ladens befindet. Ganz versunken steht der Berliner da. Kommt ein trutziger SA.-Mann hinzu. Stellt sich neben den Arbeiter. Der sagt plög- lich, wie in Gedanken:„Das ist Herr Adam persönlich!" Und, als der andere glaubt, einen leicht Schwachsinnigen vor sich zu haben, fährt unser Freund fort:„Na, jewih doch, wie ick sage, Adam per- sönlich! Det is nämlich so, junga Mann: Der da verspricht doch das Paradies im Dritten Reich. Aber bekanntlich haben im Paradies nur zwei Menschen gelebt! Adam und Eva! Wer dem seine Eva ist, ist ja noch nicht raus! Aber sehnse mal, der weih jenau, warum er das Paradies vaspricht. Weil er nämlich genau weiß, daß er, wie Adam, der einzige sein wird, der im Paradies lebt, wenn er fein Drittes Reich zurechte hat."... Man sieht: der Berliner, der sich ja keineswegs mit den Livreen abgefunden hat und nicht abfinden wird, hat nichtsdestotrotz seinen grimmigen Humor behalten... Anders aber sieht es bei den getarnten Kapitalsöldnern aus. Bei den livrierten Lakaien weiß man doch wenigstens auf den ersten Blick, wes Geistes Kind sie find. Wer aber vermag hinter einem seriösen, spießbürgerlichen Herrn mit Schmerbauch und Monokel an der Notleine, der in der Straßenbahn gemütlich sein Hugen- bergsches Spießerblatt liest, die drei ominösen Buchstaben„Z. b. V." zu oermuten?!„Z. b. V." heißt bekanntlich im Jargon derer von Hitlers Gnaden„zu besonderer BerwenduNg"! Und nur, wenn man weih, daß hinter dieser Spitzmarke sich eine große Anzahl von Horchern, Spitzeln und Provokateuren in Zivil verbirgt, begreift man den Zorn des Monokelmannes über den ihm gegenüber sitzenden Arbeiter, der das Organ der Sozial- demokratie liest. Nur, wenn man weih, wie diese Achtgroschenjungs gedrillt find, begreift man die plötzliche Fühlungnahme mit den Strahenbahnnachbarn, die wütenden Blicke, die boshaften Bemer- kungen, das künstliche Sichsteigern in eine Wut... Aber aus- gerechnet in dieser Straßenbahn hatte der Hetzer keinen Erfolg. Die Leute, um deren Zustimmung er buhlte, blickten starr an ihm vor- bei. Der Monokelmann war für sie Luft. Und als der Arbeiter mit einem raschen Ruck die Zeitung �zusammenfaltete, und den Diener seines Herrn scharf unter die Lupe nahm, hielt der es angebracht, schleunigst zu verschwinden. Es war auch wirklich höchste Zeit. Die Fahrgäste zeigten wenig Neigung, sich die bösartigen Phrasen länger anzuhören!!! Zahlreiche solcher notorischer Achtgroschenjungs treiben unter der Ma-ke des Biedermannes ihr Spiel mit dem Feuer! Man sieht sie in Lokalen, wo sie jovial die Stammgäste ins Gespräch ziehen, in Parkanlagen und vor den Zeitungsfilialen. Hütet euch vor ihnen! Sie sind keine Gegner, sie sind ge- tarntes Gesindel, sind unterste Unterwell, politisches Ungeziefer... Hitler-Kaffee und-Zahncreme. Der Faschisiengruß bei Zunh. Die großen Geschäfte und Fabrikationsunternehmen sind be- greiflicherweise bemüht, Kunden aus allen Kreisen der Bevölkerung zu werben. Falls die Unternehmungen republikfeindlich eingestellt sind, so oerbergen sie es nach Möglichkeit vor ihren repu- blikanisch gesinnten Käufern. Das Warenhaus Rudolf Hertzog hat sein schwarzweißrot dekoriertes Flaggenschaufenster schon seit langer Zeit abmontiert, da die Kunden, die es anlockte, wahrscheinlich jene bei weitem nicht aufwogen, die es abstieß. Wenn man allerdings unverhofft zu einer Unterhaltung kam, die im Kaufhaus zwischen den Angestellten stattfand, so wußte man sofort, daß Republikaner in diesem Geschäft nichts zu suchen hatten. Jetzt hat es, laut Inserate in nationalistischen Zeitungen, eine„Braune Abteilung" für die Ausrüstung von SS.» und SA.-Männern eingerichtet. Da es immer noch Republikaner gibt, die über die wahre Gesinnung dieses Unternehmens im unklaren sind, ist es notwendig, überall für entsprechende Aufklärung zu sorgen. Auch in dem Kaffeegeschäft von Zuntz sel. Witwe scheint man auf republikanische Kundschaft keinen Wert mehr zu legen. In der Verkaufsstelle in der Leipziger Straße grüßt die Verkäuferin am Kuchenbüsett ihr« Gesinnungsfreunde mit dem Hillergruß, was schwerlich pröglich wäre, wenn nicht mindestens ihre Mitangestellten oder die Firma die damit ausgedrückte Republilfeindlichkeit teilten. Merkt es euch, Republikaner! Wir wollen uns auch die Zigarettenpackungen ein wenig an- sehen. Da ist in der letzten Zeit eine Haussee in heldischen Em- blemen, Bezeichnungen, Uniformbildern entstanden. Wer keine Freude an diesen nationalistisch-militaristischen„ritterlichen Spielen" hat, beweise es dadurch, daß er die so angebotenen Erzeugnisse nicht kauft. Heute, wo die republikanische Gesinnung überall abgebaut wird, ist es wichtig, darauf zu achten, wer von dieser Chance Ge- brauch macht. Wir wollen daran denken und es nicht vergessen, auch wenn bei unfreundlicherem Wetter für Monarchisten wieder der Republikaner angezogen wird. die Arbeiten der Wehr, die, mit vier Sauerstoff-Geräten ausgerüstet, den Flammen nunmehr auch vom Dachs aus zu Leibe rückte. Nach langer Arbeit gelang es endlich den Wehrleuten, das Feuer endgültig zu löschen. Die Aufräumungsarbeiten sind zur -Zeit noch im Gange. Soweit sich die Lage überblicken läßt, ist der Sachschaden nicht unerheblich. Moiorboot in Flammen! Oer Bootsführer springt ins Wasser. Aus dem Pichelsee bei Pichelsdorf ging gestern an einer Tankstelle ein Motorboot in Flammen auf. Wir erfahren hierzu: Der Führer des 14 Meter langen Motorbootes„Marie Luise" tankt«. Plötzlich schlugen ihm aus bicher ungeklärter Ursache die hellen Flammen entgegen, und nach noch nicht einer Minute brannte das Boot in seiner ganzen Ausdehnung. Sofort fing auch die Kleidung des Bootsführers Feuer. Er sprang ins Wasser und kam an Land, erlitt aber starke Brandoerletzun- gen. Das brennende Boot trieb jetzt herrenlos herum, und die herb«igerufene Feuerwehr von Spandau hatte Mühe, das Feuer abzulöschen. Erst nach anstrengender Arbeit gelang es, das Feuer einzukreisen und zu löschen. Der verletz» Bootsführer wurde mit einem Privatwagen ins Krankenhaus gebracht. Die Motorjacht gehört dem englischen Votschaftsattachä Mr. P. A. Graves und wurde vollständig vernichtet. Der 4<)jährige Bootssühr«r Hermann Nadolny aus der Herschel- straße S in Charlottenburg erlitt bei dem Versuch, das Feuer zu löschen, so schwere Brandwunden an Kopf und Händen, daß er im Westend-Krankenhaus untergebracht werden mußte. Genossin ZNathilde vleweg, Neukölln, Ziethenstraße 71, begeht herite, 24. August, ihren 7ö. Geburtstag. Trotz chres hohen Alters beteiligt sich unsere wackere Genossin noch jetzt an allen Partei- Veranstaltungen. Schon in der Zeit des Sozialistengesetzes hatte sie mit ihren Kindern schwer leiden müssen, denn den(Ehemann, Genossen Julius V i e w e g hatte man nach Magdeburg ausgewiesen. Hanussen muf$ blechen. Aber er hat es nicht vorausgesehen. Das Arbeitsgericht Berlin beschäftigt« sich unter Vor- sitz von Amtsgerichtsrat Burghardt mit einer Klag« gegen den Hellscher Jan Erik Hanussen, die ein früherer Angestellter Kümmel gegen ihn angestrengt hatte. Den Beklagten müssen dies- mal seine hellseherischen Fähigkeiten im Stich gelassen haben, denn sein Sekretär lchme einen vom Vorsitzenden gemachten Vergleichs- Vorschlag ab, worauf dann die Verurteilung auf Zahlung oon 150 Mark erfolgte. Der Kläger war in der Expedition der von Hanusien heraus- gsgchenen Zeitschrift„Der Hellseher" beschäftigt. Im Juli wurde er mit achttägiger Kündigungsfrist entlassen, worauf er Klage auf Zahlung von 71X1 Mark mit der Begründung einreichte, daß er Angestellter gewesen sei und aus diesem Grund« eine monat- liche Kündigungsfrist genieße. Ferner verlangt« er die Bezahlung einer großen Anzahl von lieberstunden. Hanussen, der durch seinen Sekretär vor dem Arbeitsgericht oertreten wurde, sprach dem Kläger die Eigenschaft eines kaufmännischen Angestellten ab und berief sich darauf, haß K. wohl zuerst Ingenieur, dann aber einfacher Zeitungs- Händler gewesen fei und auch in der Expedition nur untergeordnete Arbeiten verrichtet hätte, so daß man chn nur als Arbeiter, oder im Höchstfalle als— kaufmännischen Lehrling bezeichnen könnte. Der Kläger konnte aber durch den als Zeugen vernommenen Leiter der Expedition das Gegenteil nachweisen. Zur Frage der Uederstunden erklärte der Kläger, er habe- häufig von morgens bis nachts gearbeitet, und bei dem Austreten Hanussens in der Scala für drei Tage Sonderarbeit nur eine G r a t i- fikation von 3,5(1 Mark erhallen, wovon noch 2 Mark Fahrgeld abgegangen seien. Den Einwand, daß er seine Ueberstunden früher hätte geltend machen müssen, beantwortete der Kläger mit dem Hinweis, daß er dann wohl sofort endgültig entlassen worden wäre, zumal er in den fünf Monaten seiner Tätigkeit bei der Hanussenschen Zeitschrift nicht weniger als fünfmal eine Entlassung erhalten habe, die dann aber immer wieder zurückgenommen wurde. Im übrigen erwähnte Kümmel vor Gericht, daß er gor nicht wisse, warum er eigentlich entlassen worden sei. Vielleicht liege der Grund darin, daß er polnischer Staatsanzehörig- keit und mosaischen Glaudens sei. Das Arbeitsgericht wies den An- spruch auf Nachzahlung der Ueberstunden ab und oerurleille Ha- nussen, das Gehalt für die fünf Wochen nachzuzahlen, da der Kläger Angestellter mit monatlicher Kündigung gewesen sei. Blüten und Blumen. Erntefeste in den Kleingartenkolonien. Wenn die Blumenmauer die Wohnlaube ganz zu verdecken beginnt und an den Obstbäumen die reifenden Früchte sitzen, dann ist Hochsommer im Kleingarten und man feiert das Erntefest. In Köpenick, auf dem Tempechofer Ostfeld, in den Rehbergen und am Breitenbachplatz, überall hat die Natur üppig ihre Gaben verteilt. Und wenn man auch nicht gleich, wie die Kolonisten „Junge Eiche" an der Köpenicker Landstraße, mit einer Pracht- dahlienschau von etwa 220 verschiedenen Sorten aufwarten kann, so blüht und reift es doch überall, an allen Ecken und Enden. Die Blumenfreund« haben ihre helle Freude an den prächtigen Spät- rosen, an den schlanken, vielfarbigen Gladiolen, an Dahlien, Astern und Chrysanthemen. Die praktischer denkenden Obstliebhaber schütteln mit viel Erfolg den dichtbesetzten Pflaumenbaum, beißen mit Bedacht und Kennergeschmack in den saftigen Pfirsich, der in diesem heißen Sommer besonders gut gereift ist und delektieren sich bereits in Gedanken an der saftstrotzenden Bergamotte und Marie- Luise-Birne.„Nu sehen Sie sich bloß meine prächtigen Tomaten an", meint Mutter voll Stolz und präsentiert ein paar kerniger, blutroter Paradiesäpfel, die, in solcher Ausführung, ihren Namen wirklich zu recht trogen.„Meinen Sie, daß Sie solche Früchte irgendwo zu taufen kriegen?"„5s ja gar nicht möglich, denn die Leute müssen sie des Versandes wegen ja schon in halbreifem Zustande abnehmen, während meine hier bis zur vollen Reife droben bleiben." Und die Frau hat recht, das sind Prachtexemplare, wie man sie— wenigstens zu erschwinglichen Preisen— wirklich nicht für Geld bekommt. Den wahren Wert des öbstlichen Sommer- segens weiß vor allem die Jugend zu schätzen, die dafür sorgt, daß Pfirsiche und Pflaumen nicht in den Himmel wachsen, sondern beizeiten heruntergeholt werden. Und wenn man sich am Tage nach dem Erntefest die Obstbäume genau besieht, dann wird man— außer den noch allzu herben Birnen und Aepfeln— nicht mehr viel Eßbares darauf entdecken. Die Wilmersdorfer Kolonisten von„Kissingen", die während der Schulferien etliche kleine Feriengäste in Kost und Quartier hatten, erhalten Dankesbriefe von den Eltern, wie gut sich Maxe erholt hat und wie Erna der unvergeßlichen Morgen- stunden gedenkt, wo sie, frisch aus dem Bette, sich zuerst Johannis- beeren holen durfte. Sonnabend und Sonntag wimmelt es in den Laubengärten von Gästen, die dann abends mit Blumenstrauß und Obstkörbchen bewaffnet, heimwärts ziehen. Der Pflanzerverein Kamerun e. V. veranstaltete am Sonntag, dem 21., und Montag, dem 22. August 1932 beim Vereins- wirk Otto Grunwald, Kameruner Str. 19, eine Blumen- und Kleintieraus st ellung, verbunden mit einer sehr lehrreichen Schau von Objekten über Schädlingsbekämpfung und Vogelschutz, die Kollege Rudy Gregor vom Gartenbauausschuß des Bezirks hergerichtet hatte. Der Vorsitzende des Vereins, Kollege Th. Wanzke, hielt d!« Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung. Um den an- liegenden Schulen Gelegenheit zu geben, die Ausstellung zu besuchen, wird sie auf allgemeinen Wunsch bis Donnerstag, den 24. August. verlängert. Bürgermeister von Cbicaqo im Rathans. Der Bürgermeister von Chicago Anton I. Cermak hat am Dienstagmittag dos Berliner Rachaus besucht, wo er in Vertretung des beurlaubten Oberbürgermeisters Dr. Sahm von Bürgermeister Dr. Elsas empfangen wurde. Im Mogistratssitzungssaal hielt Bürger- meister Elsa? unter Benutzung der dort aufgehängten statistischen Tabellen einen kurzen Vortrag über die schwierige Finanz- und Wirtschaftslage Berlins und behandelte besonders das Problem der Arbeitslosigkeit. Den amerikanischen Herren wurde dann noch der Stadtoerordnetensitzungssaal und der Festsaal des Rathauses gezeigt. Z entgegenksütmen Immer wieder die gefährlichen Sommerwege Die vor kurzem herausgekommene neue Kraftfahrzeugverord- nung bringt über das Ausweichen von Fahrzeugen beim Vor- handeirsein von Sommerwegen Neuerungen, die für jeden Kraftfahrzeugführer von Wichtigkeit, aber bei weitem noch nicht ge- nügend bekannt sind. Ist schon das Begegnen von Personenkraftfahrzeugen auf un- seren verhältnismäßig schmalen Straßen eine nicht ganz ungefähr- liche Sache, wenn sich ein Sommerweg an der Seite befindet, nach der ausgewichen werden muß, so ist das Begegnen mit Last- z ü g« n und Omnibussen, oder sogar das Begegnen dieser untereinander oftmals als eine lehr gefährliche Angelegenheit zu betrachten. Zahlreich find die Fälle, in denen Kraitfahrzeugführer beim Einsinken in den weichen Sommerweg die Gewalt über das Fahrzeug verloren haben und gegen öchausieebäume oder in-graben gefahren sind. Die erheblichen Kosten, die entstehen, wenn vor- handene Sommerwege ebenso befestigt werden, wie der übrige Teil der Straße, lassen in nächster Zeit eine Beseitigung der Sommerwege noch nicht wahrscheinlich erscheinen, ob- wohl die Durchführung dieser Maßnahmen bereits beschlossen ist. Die neuen Vorsckriften über das Verhalten beim Vorhandensein von Sommerwegen(§ 23a KVO.) sind gewissermaßen Ersatz für die verhinderte Durchführung von Wegebauarbeiten. Bestehen geblieben ist der Grundsatz, daß beim Begegnen mit anderen Fahrzeugen oder, wenn Fahrzeuge überholen wollen, nach rechts auszuweichen ist. Ausnahmen sind jedoch vorgesehen, wenn Omnibusse, die im öffentlichen Verkehr von Personenkrastfahrlinien stehen, oder Kraftfahrzeug« von mehr als E>,5 Tonnen Gesamtgewicht beim Ausweichen vor anderen Fahrzeugen auf den Sommerweg kommen würden. Die Fahrer dieser Fahrzeug« sind von dem Rechtsausweichen be- freit; sie müssen das Fahrzeug aber anhalten. Das entgegenkommende Fahrzeug hat dann links an dem haltenden Wagen vorbei, also durch den Sommerweg zu fahren. Bei Be- gegnung von gleichberechtigten Fahrzeugen oder in Zweifelsfällen verbleibt es bei dem Grundsatz des Rechtsausweichens. Ist ein Vorbeifahren dann nicht möglich, muß dasjenige Fahrzeug um- kehren oder rückwärts fahren, dem dies nach den jeweiligen Um» ständen am leichtesten fällt. Beim Zusammentreffen von Kraft» o m n i b u s s e n, die im öffentlichen Verkehr einer Personenkraft- fahrlinie benutzt werden, mit Lastkraftwagen dürfen erster« stets die Fahrt fortfetzen. Die' neue Vorschrift ist eine Auflockerung bisher starrer Bestim- mungen, den tatsächlichen Erfordernissen des Verkehrs Rechnung tragend. Fahrzeugführer, die sich von hinten einem auf der Mitte der Landstraße haltenden Fahrzeug nähern, müssen fortan damit rechnen— und das ist sehr wichtig—, daß in der eigenen Fahrtrichtung gesehen, Fahrzeuge auch auf der rechten Wegseite hervorkommen können. Es ist daher be- sonder« Vorsicht geboten! Bei Betrachtung der neuen Vorschrift des Z 23a KVO. ergibt sich eine Lücke in der Verordnung. Das Ausweichen nach rechts ist nicht nur Grundsatz beim Begegnen mit anderen Fahr- zeugen, sondern es gilt auch, wenn andere Fahrzeuge überholen wollen. Sehr oft ist es zu beobachten, daß sich hinter einem Om- nibus oder hinter Lastkraftwagenzügen eine Kette von anderen Kraftfahrzeugen ausgestaut hat, die nicht vorbei können, weil das an der Spitze liegende große Fahrzeug nicht auf den Sommerweg will oder auch nicht kann, der Raum ein Ueberholen auf der linken Seite nicht zuläßt und das Rechtsüberholen verboten ist. Sinn- gemäß den neuen Vorschriften über das Begegnen müßte in der- artigen Fällen auch das Rechtsüberholen zulässig sein. In vielen Fällen geht es tatsächlich nicht anders, und es wird in der Praxis auch bereits so verfahren. Solange dies in der Vsr- ordnung über den Kraftfahrzeugoerkehr jedoch nicht ausdrücklich festgelegt ist, die Fahrer, juristisch betrachtet, auch nicht damit zu rechnen haben, daß Fahrzeuge unter besonderen Umständen rechts überholen können, ist eine derartige Fahrweise gefährlich. Wer ge- zwungen ist, so zu fahren, soll es mit allergrößter Vorsicht tun. Hoffentlich trägt die nächste Novelle zur Kraftfahr» zeugverordnung auch diesem Erfordernis des Fahrverkehrs Rechnung. Jamilienflug über den Ozean. Vater, Mutter und zwei Töchter. New Jork. ZZ. August. Die Fliegerfamille Hutchinson, die heute nach England abgeflogen ist, besteht aus Vater, Mutter und zwei Töchtercheo. Außerdem befinden sich an Lord des Flugzeuges ein Pilot, ein Bordmonteur, ein Junker und ein Photograph. Die Besatzung zählt also acht Personen. Die Flucht des Muttermörders Thielecke. Wie die I u st i z p r e s s e st e l l e mitteilt, ist das Entweichen der Strafgefangenen Neuhaus-Thielecke und Wischnewsky aus der Irrenbeobachtungsabteilung des Gefängnisses Plötzensee, in die Ge- fangene aus Grund ärztlichen Gutachtens aus den Strafanstalten zur Beobachtung übergeführt werden, nach den bisherigen Ermittlungen nur durch die Nachlässigkeit einiger Beamten ermöglicht worden. Die betreffenden Beamten sind Inzwischen abgelöst und Straf- und Disziplinarverfahren sind gegen sie eingeleitet worden. In dem Ver- fahren soll auch nachgeprüft werden, wie es den beiden Gefangenen trotz der sonst sehr strengen Bewachung möglich war, Zutritt zu dem Geräteraum zu erlangen, wo sie sich einen Nachschlüssel angefertigt haben. Die Fahndung nach den beiden ent- wichenen Verbrechern hat bisher zu keinem Erfolg geführt. Allem Anschein nach ist die Ehefrau des Muttermörders Thielecke von der Flucht ihres Mannes unterrichtet gewesen und hat ihm sogar dabei irgendwie geholfen, denn eigenartigerweise hat Frau Th. seit Sonntag mit mehreren Koffern ihre Berliner Wohnung mit un- bekanntem Ziel verlassen. Zwei Tage Sonöergericht. Das Berliner Sondergericht, das am 24. August zu seiner ersten Verhandlung zusammentritt, wird nicht nur den politischen Zusammenstoß in der Proskauer Straße aburtellen, wobei ein Kommunist Schmittke wegen schweren Landfriedensbruchs und ein Nationalsozialist Franz Bickel wegen unerlaubten Fülzrens einer Schußwaffe angeklagt sind, sondern es werden weitere Fälle politischer Delikte verhandelt werden. Aus diesem Grunde sind bis jetzt zwei Verhandlungstage für das Sondergericht an- beraumt worden, da noch einige größere Fälle von der Staats- anwaltfchaft zur Aburteilung überwiesen werden sollen. Außerdem wird heute Mittwoch in Moabit gegen die bekannte Berliner Tänzerin Marianne Winkel st ern verhandelt werden, die im März d. I. den Ingenieur Rudolf in der Kantstraße überfuhr. Am Freitag. 26. August, steht vor dem Sondergericht um>416 Uhr Verhandlungstermin in der Strafsache F i s ch e l und Genossen an. Fischel und zwei weiteren Angeklagten wird versuchter Totschlag an einem Polizeabeamten in Tateinheit mit schwerem Landfriedensbruch, vier weiteren Angeklagten einfacher Land- friedensbruch zur Last gelegt._ Vermieter sticht auf Mieter ein. In der Kolonie st roße 39 kam es gestern Abend zu einem Zusammen st oß zwischen Vermieter und Mieter, der einen blutigen Ausgang nahm. Der 27jährige Arbeiter Karl Meier war mit dem 49jährigen Kaufmann Arthur T r a y p y n s k i, bei dem er wohnt, in einen Streit geraten, der sich um eine Miete- frage drehte. Die Auseinandersetzung wurde so lebhaft, daß die Polizei herbeigerufen werden mußte. Es stellte sich heraus, daß Traypynski auf Meier mit einer Schere eingedrungen war. Dabei hatte Meier mehrere Stiche in Brust und Rücken bekommen, so daß er in ärztliche Behandlung gegeben werden muhte. Traypynski wurde festgenommen aber wieder ent- lassen, da er erklärte, in Notwehr gehandelt zu hoben. Ein unbekannter Selbstmörder. Im Walde von Birkenwerder wurde am Donnerstag die Leiche eines noch unbekannten Selb st mörders gefunden, der sich anscheinend mit Zyankali oergiftet hatte. Der Mann war etwa 5S bis 60 Jahre alt, 1,66 Meter groß. bartlos und Halle nur unvollständiges Gebiß. Er war bekleidet mit graugestreifter Zwirnhose, grauer Joppe und blauer Tuchwests. Neben dem Toten wurde eine blaue Schirmmütze gefunden. Die Leiche wurde ins Schauhaus gebracht. Allgemeine Wetterlage. 23.Aug.1S32,abcls. sZ [Gwolkenlos,® heiler. O Kalb bedeckt i8wo!ki9,®bedeckt»RegsaAGraup8lii 'SchnefesNebel.ltGewiltecl�WuidsHlle Unter dem Einfluß kühler nördlicher bis nordwestlicher Wind« wurde es am Dienstag in ganz Deutschland noch kühler als am Vortage. Nur im Süden und Südosten des Reiches sowie am oberen Rhein stieg das Thermometer noch bis 22 Grad Celsius. Im übri- gen Deutschland wurde dagegen als mittlere Höchsttemperatur nur wenig über 20 Grad Celsius beobachtet. Dabei kam es östlich der Elbe vielfach zu Regenschauern, die stellenweise 4 Millimeter Niedek- schlag brachten. Im Südwesten und Süden dagegen blieb es, ab- gesehen von geringfügigen Gewitterstörungen, trocken. In den nächsten beiden Tagen wird unser Bezirk weiterhin in dem kühlen nördlichen Luftstrom liegen, der an der Ostseite des englischen Hochs südwärts fließt, so daß es ziemlich kühl bleiben wird. Da jedoch gleichzeitig der Einfluß des Hochs auf unser Wetter zunimmt, so dürfte es allmählich etwas freundlicher werden. * Mekteraussichlen für Berlin: Ziemlich kühl, zeitweise auf- heiternd, nur vereinzelt leichte Schauer, mäßige bis frische nördliche Winde.— Jür Deutschland: In West- und Nordwestdeutschland Wetterbesserung: in Mittel» und Ostdeutschland ziemlich kühl, wech» selnd bewölkt und besonders im Nordosten noch einzelne Schauer. Im übrigen südlichen Deutschland weitere Abkühlung mit vereinzelten Gewittern. Kpvrt. Trabrennen zu Ruhleben. Laetitia-Revneii. 1. Etüde(Ch. Mills); 2. Mithridates; S. Irene Fordes. Toto: 22:10. Pla«: 18, 16. 82:10. Ferner liefen: Xtzlograph, Mailand, Irmgard, Aschenbrödel, Mally, Fda S., Palette, T-Strahl. Mars-Renücn. 1. Mister Vorth i'W. Kraus); 2. Tausendkünstler; 3. Jnschollah; 4. Debora. Toto: 528: 10. Platz: 105, 19, 15, 24: 10. Ferner liefen: Isa Toddinaton, Quäker, Petersilie. Annemirl, Dina«Lay, Quivila, Donia, Felsbura, Agnes St., Grasdlume, Weihdorn. Preis von Heid«. 1. Arioxist(W. Kraus); 2. Mahde: 8. Delila. Toto: 214: 10. Platz: 84, 22, 49: 10. Ferner liefen: Mustapha. Hennann Nmers, Leid-Gardc-Husar, Corvs-Vruber, Fasan, Parole, Puvpi, Kavalla. Preis dou Travemünde. 1. Maimorgen fJ. Frömmingl; 2, Champignon; 3. Satan; 4. Srmchild. Toto: 27: 10. Platz: 14, 15, 15, 21: 10. Ferner liefen: Darier, Sieomunb, Kantate,'Ali, Celano, Charmant, Diba, Donald, Jlex. Tornzieher, Kerrigaa fr., Lustiges Mädchen. Feuer, auber-Reniiem 1. Anirag lW. Seilmann): 2, Tonstantin FriSco: 3. Morgan: 4. Sanko. Toto: 37: 10. Platz: 14. 15 27, 17; 10. Ferner liefen: Dattel, Blauslrumpf, Perseus, Edelmeister, Costa Rica, Chklam«, Fanina, ASmodi. Internationaler Flieger-Preis. 1. Bandit iW Heitmann): 2. Don Foss: Z. Eilvaplana. Toto: 38:10. Platz: 17. 14, 40: 10. Ferner liefen: ffloitfricb, Cordula. Carol, Miß W., Nerv, Calumet Aster. AristideS-Renucn. 1. Fides tCh. Mills); 2. Mirahelle: 3. Edgar. Toto: 25: 10. Platz: 18, 14, 47: 10. Ferner liefen: Matv«, Mark Aurel, Faida, Tifra. Doppelwette: Ariodist— ilatrag 1741: 10. eintenDungen für Diefe Rubrik sind £ e* 1 i 8 SW 68. Lindenstraße 3. parteinachrichien Groß-Berlin stets aa da» Beztrrslereerarial i. Lot, 2 Trevvea--«cht», zu richte» 4. Kreis. Freie Schulgemeinde. Donnerstag, 25. August, 19i:. Uhr, Schule Dauzigrr Str. 2Z, Mitgliedcruer» sammlung. Vortrag:„Die Schulpolitik ia der Vergangenheit, Gsgeumart und Zukunft». Referent Genosse Bausch. Diskussion. Verschiedene». Zu Beginn der Versammlung Spiele» des Marsches„Eiserne Front". Beginn aller Peranstaltungen lttlh Uhr. sofern keine besondere Zeitanaabc! 14. Kreis. Donnerstag, 25. August, Funktioniirinnensitzung an bekannter Stelle. s. Abt, Donnerstag, Lö. August, bei Lukascheski, Georgenkirchstr. 87, 48. Abt. Heute, iS'ch Uhr, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder, Cchlestsche Straße 42.„Unsere Forderungen im neuen Reichstag", Rcserent Heinrich Jakubowicz. 92. Abt. Heute Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder im Iägerheim, Wildenbrnchstr, 81.„Wo steht die deutsche Wirtschaft", Referent Dr. Alfred Braunthal. 95. Abt. Unserer lieben Genossin Mathilde Viemea, Neukölln, Ziethenstr. 71, zu ihrem 75, Geburtstage die besten Glückmünfche. Loffentlich ist ihr noch ein langer, froher und gesunder Lebensabend beichieden. 9«. Abt. Heute Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder in der Lesehalle Nogat, Ecke Llsestrahe.„Demokratie und Klassenkampf", Referent Genosse Schrapp. Arauenveranstalkungen. 77. Abt. Die Genosssnnen treffen sich heute zum Ausflug nach Spandäu-Karls- lust(Löbell) 14 Uhr Nollcndorfplatz, Haltestelle der Linie 154. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrl. 13. Kreis Tempelhol, Mariendorf, Marlenfeld«, Lichtenrade. Freitag, 28. August, 19s4 Uhr, Tcmpclhof, Dorfstr. 42 I, Sidungozimmcr 1, Sitzung der Arbeiterwohlfahrt. Genossin Ida Goctze spricht über„Arbeiterwohlfahrt und Hauspflege". 28. Kreis Reinickendorf. 188. Abt.: Donneretag, 25. August, 28 Uhr, Baracke Lindauer Straße. Sitzung der Arbeiterwohlfahrt. lZ7. Abt. Die Arbeiterwohlfahrtsfitzung findet nicht, wie festgefetzt, am Freitag, sondern am Donnerstag. 25, August, 29 Uhr, im Volkshaus Schorn- weterstraße, statt. Arbeiisgemeinschafk der Sinderfreunde Orojz-Berlin. Krcislritcrsitznna Freitag, 28. August, ,19� Uhr, in der Geschäfts- f stelle, LIndcnstr, 2. y Kreutberg! Achtung, Abteilungsleiter! Wir beginnen mit unseren ■ ir Neigungsgruvpen für Falken nicht am 7,, sondern am 21. Septem- li ber, Vorbesprechung der Bastelhelfer Dienstag, 8. September, '20 Uhr, im Heim Porckstr. 11. Helfer, welche an den anderen Rei- gungsgeblcten teilnehmen, werden gesondert zusammengerufen. Lichtenberg, Abt. Karlshorst: Alle Fallen sind Montags und Donnerstags im Jugendheim Karlshorst um 17l/h Uhr. Turnhose mitbringen. ArciK Köpenick: Karten für die Dampferfahrt sind wieder zu haben. Wir haben noch ein Motorboot bestellt.— Mandolincn- und Gitarrespieler der Kinderfreunde üben am Freitag. 28. August, von 17—10 Uhr, gemeinsam mit der SAJ., im Jugendheim Grünauer Str. 5, zur Dampferfahrt.— Gruppa Köpenick! Heute müssen alle gelrlagerteilnehmcr Ins Jugendheim Dahlwitzer Straße kommen.— Am Donnerstag beteiligen wir uns am Kaffeekochen der Frauen auf dem Sportplatz„Elche". Treffpunkt Dahnhof Köpenick um 14>4 Uhr. Mnsslinstrumente mitbringen.— Sonntag. 28. August, Dampferfahrt mit der SAJ. nach Möllenhorst. Die bestellten Karten müssen am Mittwoch abgeholt werden.' Sterbetafel der Groß«Berliner Partei-Organisation 28. Abt. Am Sonnabend verstarb nach langer Krankheit Genossi Kurt G e i t n e r, Ehoriner Str. 81, im Alter von 22 Jahren. Ehre feinem An» denken! Bestattung Dannerstag, 25. August, 15zh Uhr, Dcthlcmane. Kirchhof, Nordend. 48. Abt. Unser Genosse Peter WIsnewskt ist am 20. August ver. sterben, der seit 80 Jahren der Partei angehörte und auch seit dieser Zeit „Vorwärts". Leser war. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. SozialistischeArbeitmugendGroß-Verlm Einlendungen für diese Rubrik nur an das Jugcndl-kretariat Berlin SD 88. Lindenstraß» i. vorn 1 Treppe rechts Abteilungsleiter! Rechnet bis Mittwoch, 81. August, die Plaketten„Jugend gegen Krieg!" ab: Plaketten, die bis spätestens Freitag, 2. September, nicht abgerechnet werden, gelten als verkauft und werden nachher nicht mehr zurück. genommen.— Abteilungen, die noch Plaketten wünschen, bzw. noch nicht abgeholt haben, können noch Plaketten bekommen,— Gebt das September- Programm abl heule, Mikwoch, 20 Uhr: Gesundbrunnen RF.: Kolonicstr. 8:„Tagespolitik".— Humannplatz! 18 Uhr Spielen auf dem Exer.— Baltenplah: Sportplatz Ftziedrichdhain.— Petersburger Viertel: 18 Uhr Sportplatz Friedrichshain.— Stealauer Viertel: Spiel und Sport, Treptow, Wiele l.— Warschauer Viertel: Sportplatz Fried- rlchshain.— Warschauer Viertel RF.! Sportplatz Friedrichshain.— Spandau: Lindenufer 1:„Grundlagen des Marrismus".— Adlershof: Bismarckstr. 1: Schallplattenabend.— Bohnsdorf: Wachtelstr. 1:„Jugend und Verfassung".— Falkcnbcrg: Gutshof:„Wie ist der sozialistische Olnkbau Deutschland» möglich?" — Fricdrichshagcn: Frtedrichftr. 87: Luftiger Lichtbilderabend.— Kaulsdorf: Adolfftr. 25: Heimspiele.— Lichtcnberg-Mitt«: Cchnrnweberstr. 22:„15 Jahre Sowjewnion".— Ren-Lichtenberg: Gunterstr. 44: Lieberabend.— Lichtenberg. Nord: Gunterstr. 44:„Sexuell- Fragen".— Mahleüors: Melanchthcnstr. 88: „Sozialistische Erziehung und Freikörperkultur".— Reinickeadors-West: Seidel- straße 1:„Bursche und Mädel in der Gemeinschaft". Werbebczirt Wetten: Mitaliederoerfammlung, Charlottenbura, Rossnenstr. 4, pünktlich 28 Uhr. Thema:„Russisch- Revolution von 1005—1017", Referent De- nosse R, Abramowitsch. Werbcbc,irk Pr nzlaucr Berg: Morgen, Donnerstag, Sprechchorprobe, Dan- ziger Str. 82, 20 Uhr. Werbebezirk W-dding: Morgen, Donnerstag. Zusammenkunft aller an der Spielqrupv« interessserten Genossen Pank, Ecke Wiesenstraße, lOxi. Uhr. Werbcbezirk Schöneberg: Freitag WV.-Vorstandssitzung mit Bildungs» obleuten, 20 Uhr, Hauptstr. 15.__ Vorirage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold". Geichält» stelle: Berlin E. 14. Eebaftionstr. 87—38 Hot 2 Tr. Eharlotteuburg, Kameradschaft: Donnerstag. 25. August, 20 Uhr, Kameradfchaflsverfammlung bei Reimer», Wilmersdorfer Str. 21. Arbeiter- Samariler-Vund e. V., Kolonne Berlin. Geschäftsstelle: RO. 48, Iostystr. 4. Telephon: E 3 Königstadt 5440. Armbinde Nr. 1248 und Ausweis Nr. 1284 sind verlorengegangen und werden hiermit für ungültig erklärt. Finder werden gebeten, dieselben nach oben angegebener Adresse abzuliefern. Reichskurzschriftverei» Verlin-Moabit. Donnerstag von 20—22 Uhr An- fänger-, Fortgeschrittene., Redeschrift-Lehrgänge, 172. Gemeindeschule, Bremer Straß« 18—17. Auskunft bei H. Gagern, Berlin NW. 21, Wicl�fstr. 21. Ärombeermarmelade in to Minuien. Die Brombeerernte ist in diesem Jahre außerordentlich groß. Di« sorgsame Hausfrau sollte sich aus diesem Ueberfluß für'die Wintermonats Reserven bilden, in denen das Obst sich nur auf wenige Sorter» beschränkt und noch immer zu erheblichem Teil aus dem Ausland eingeführt werden muß. Ein erprobtes Rezept, bei dessen genauer Anwendung sich die Hausfrau keine Sorgen zu machen braucht, daß womöglich die Marmelade nicht fest oder durch Schimmel vernichtet wird, ist folgendes: 4 Pfund Brombseren werden zuerst gewaschen, dann das Wasser gründlich abgeschwenkt und die Früchte von Stiel, Blum« und den daran haftenden inneren grünen Zapfen befreit. Nun zerdrückt man sie gründlich im Koch- topf und bringt sie mit 4 Pfund Zucker(aber keinesfalls weniger) — kein Walser beifügen— unter leichtem Rühren auf möglichst scharfer Flamme zum Kochen(abschäumen). Nachdem es durch und durch brausend kocht, läßt man 16 Minuten(nicht kürzer) unter Rühren gründlich durchkochen, rührt nach Verlauf dieser Zeit eine Normalflasche Opekta zu 86 Pf. in die kochende Masse, läßt nochmals einen Augenblick aufwallen, nimmt den Topf vom Feuer und füllt sofort in Gläjer- � Staad * TKealcr staatsoper unter den Linden Wiederbeginn der Spielreil Donnerstng, 1. September, 20Ubr: SlzlUanlsche Vesper Dirigent: Kleiber de Stroixi, Rnztczka, WUtrlxb, Gro�mann, LUt, Abendroth Beginn des Vorverkaufs: Sonntag, 21. August, bei den bekannten Verkaufsstellen. staatliches Schauspielhaus Wiederbeginn der Spielxeii Sonnabend, 27. August, 20 Uhr: E g m o n I Otto, Franck, KoppenbSfer, MOthel, Belke. Mlnelti Beginn des Vorverkaufs: Sonnlag, 21. August, bei den bekannten Verkaufsstellen. Wintei. • Garten' » UAr 1 5. Fh... 3434. Baumen eru Taps& Tempo, RemosComp. 4Richys, Sealtiel.M.&C.Müyo Levanda, Hunter& Bobette $lädi.0per Cbarlottenburg BismarckstraBe 34. Mittwoch, 24.August Turnus 1 DieEntflitirnng aus dem Serall Berger. Eisioger, Ludwig, KaudL Gombert Guttmann Anfang 20 Uhr Ende nach 22.30 Uhr Uta Sem«. Bor. |5UiS,Stjs.2,5,8t3B, I Relolarilt.liistcnlerg.: (Kabale u.Liebe _ Theater im. Aflmiralspaiasf Täglich 8% Uhr Gitta Alpar In Katbarina TheateriWestens Täglich 8'/o Uhr Mni laober in Dreimäd erlhaus 5 c h i II e r Grolmanslr. 70/71 StelnpL(0 1) 6715 Ab L September täglich. 8 Ohr „Die versunkene Glocke" zur Feier d. 70. De- bartetaite» von Gerhart Hauptmann T h e a Fe r Rose-Tbeater Groll Fraatlirlir Sitali 132 Ttl. Woiduol E 7 3422 8.30 Uhr Herzdame C�artenbttbue 530 Uhr Konzert n. Variete rrmniBBsiun Parzelle Gelegenheit. Quo- bratmetcc 1LS, Verf. Rudow.Bettbustr.S5. partstgennszen linden freundl. Aufnahme, reich!. Verpflegung, fünfMahl- zeiten, pro Tag 3 M. Garten, Liegewiese direkt am Hause, nahe Wald u. Bahn Gustau Zickfeld Harriehausen(Harz). sommeririsciie im Wcatbarz, Gebirgsg.(Bahnst.). Gäste finden frdl. Aufnahme u. beste Verpfl.(norddtsch. Küche) Pensionspr 3,25 M.. fünf Mahlz., keine hl eltenkosten Karl Koch, Harriehatuen 103, bei Seesen. sv, uhr CflSIHO- THEATER"/.vd' Lothringer Strafe 37, null ii iiiiiiiinuiinniiiiiii•■■im iiiniiiiiiiiniiiiiiiiBiMiiiMMHituii Berlin wird wieder lacbeni Ab Freitag, den 26. August Annemarie du kleine Tanzm&del Volksoperette.— Musik von Gilbert Torher ein b unter Teil. Preise 0,50 M., 0,75 M, und 1,— M. Auch Sonntag abend. MMN BETRIEB /d A K'EMPIHSKIl� ihren BrlaoD im schönen Thüringer Walde im herrlichen Erzgebirge in stimmungsvoller Heidelandschaft im märkischen Seengebiet In den Heimen derADEFE r Atlgemeine DeutsdieGesensdiaft für Ferien- und Erholunostieline m.b.H. Sitz Jena, Marienstr. 4— Prospekte gratis Das am 20. August 1932 erfolgte Hittscheiden unseres geliebten Cehnes und Bruderä, des npi.(stadtinspeftets Kurt Geitner zeigen in tiefet Trauer, um still« Teilnahmt bittend, hiermit an Familie Panl Geitner. Die Beerdigung findet am Donnerstag. dem 25. August, nachmittags Z>/o Uhr, oon der Leichenhalle des Deldsemane-Friedhoses. Niederschon» Hausen-Nordend aus statt. MuM Metallarbeiter-VeM Verwaltungssielle Berlin Todes-Anzeigen Den Milgliedern zur Nachricht, daß unser Aollege, der Klempner Kicker«! Broher geb. 25. Januar 1872, am 19. August gestorben ist Die Einäscherung findet Mittmoch, den 24. August. 13 Uhr, im Kremalo- rium Gerichistraße statt. Am 21. August starb unser Kollege, der Ardeiter Kau! Paech geboren 16. September 1874. Die Einäscherung findet Mittwoch, den 24. August, 17 Uhr, im Krematorium Gerichistraße statt Ferner starb am 22. August unser Kollege, der Schlosser Fritz Wunderlich geboren 11. März 1892.• Die Einäscherung findet Freitag, den 26. August, 12t/, Uhr, im Krematorium Gerichistraße statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 16. August starb unser Kollege, der Zaunanssteller Heinrich Bonatz geboren t November 1877. Ferner starb am 18. August unsere Kollegin, die Arbeiterin Hedwig Goed geboren 27. Januar 1884. Ehre ihrem Andenken! Die Beisetzungen haben bereits stattgesunden. Die Drl»verwolltn»g. Zurück: Dr. Adolf Glaser wwhs\ve«öeflupcft% uolKsbuhne L U. Jedes Mitglied erhält jährlich 10 bis 11 Vorstellungen im Tb. am Bülowpiatz 1 bis 2 Vorstellungen in der staatsoner Nachmittagsabteilungen mit 6 Vorst, im Th. am Bülowpiatz(Sonntag nachm.) und 1 Oper Aof Wunsch stet» euch 2 Vorstellungen im Schiller-Theater Charlottenburg Vorstellungsbesuch auf allen Plätzen 1.50 JEmwIk Nachraittags-Vorstellungen 1.10 M.:: Opern-Vorsfellungen 2.50 M. Keine Vorauszahlungen. Auslosung der Plätze vor jeder Vorstellung Zahlreithe Sonder Veranstaltungen(Musik, Tanz, Kabarett) Ohne Mitgliedschaft in der Volksbühne E. V. ferner Abonnements für 10 Vorstellungen des Theaters am Bülowpiatz. Feste Plätze nach eigener Wahl. Vorparkett; 5,-, 4,50 u. 4.- M(Kasse: 8-, 7,-, u.6,- M); Parkett: 3.50, 2,70, 2,- u. 1,80 M (Kasse: 5.-, 4,-, 3,- u. 2,50 M); 1. Ring: 4,-, 3,50, 2,70 u. 2,- M(Kasse: 6,-, 5.-, 4,- u. 3,- M); 2. Ring: 1.80 M{Kasse: 2.50 M); Vorausbezahlung der beiden letzten Vorstellungen. Bei sofortiger Bezahlung sämtl. 10 Vorstellungen 5% Rabatt. THEATER AM BÜLOWPLATZ Gogol: Der Revisor/ Hauptmann: Die Ratten/ Pagnol: Fanny/ Hay; Das Neue Paradies/ Zuckmayer: Schinderhannes I Raimund: Alpenkönig und Menschenfeind/ Shakespeare: Maß für Maß/ Castonier: Die Sardinenfischer/ Joachimson und Schiffer(Musik von Spolianski): Das Haus dazwischen/ Ebermayer und Mann: Prof. Unrat/ KönstU Leitung: Heinz Hilpert In Hauptrollen: Hans Albers/ Curt Bois/ Eugen Klopfer/ Otto Wernicke/ Jacob Tiedtke/ Emst Karchow/ Erhard Siede!/ J. Almas/ Paul Verhoeven/ Artur Mainzer/ Käthe Dorsch/ Camilla Spira/ Brig. Horney/ Käte Haack/ Maria Fein/ Lotte Stein/ Qenia Kurz usw. Aus dem Spielplan: STAATSOPER Wagner: Der fliegende Holländer/ Mozart: Cosi fan tutte/ Verdi: Rigoletto/ Der Maskenball/ Falstaff/ Die Sizilianische Vesper/ Schillings: Mona Lisa/ Mas- cagni: Cavalleria rusticana/ Leoncavallo: Bajazzi/ Joh. Strauß: Eine Nacht in Venedig/ Wiener Blut usw. SCHILLER-THEATER Hauptmann: Die versunkene Glocke/ Wellenkamp: Theres geht vorüber/ Wal- lace u. Roth; Platz oder Sieg/ Stolz: Wenn die kleinen Veilchen blühn/ Shakespeare: Der Widerspenstigen Zähmung/ Corrinth: Hallo! nur Mut/ Ein Berliner Volksstück mit Musik u. a. m. Prospekte und Anmeldungen in 200 Zahlsteilen, u. a. bei sämtlichen Theaterkassen der Firma Tietz, im K. d. W., in der Volksbühnen- Buchhandlung, Köpenicker Straße 68, sowie in der Hauptgeschäftsstelle, C 25, Linienstraße 227(Th. a. Bülowpiatz), D 1, Norden 2944.— Abonnementsbestellungen ausschließlich im Abonnemementsbüro, C 25, Linienstraße 227, D 1, Norden 2944 Die große Funkillustrierte für das schaffende Volk VOLKSFUNK Reich illusfrierter Textteil, mit großem Europaprogramm Erscheint wöchentlich, 48 Seiten stark, in Kupfertiefdruck VOLKSFUNK Einzelnummer 25 Pfennig— monatlich 96 Pfennig (SetDhraansiog 5. Klasse 39. Preubilch-Süd deutsche Ssaafs- Lotterte. Ohne Gewähr' Nachdruck verbofen Auf fed« gezogen« Rmnmer sind zwei gleich hohe Gewtnue gefalle», und zwar je einer«uf die Lose gleicher Nummer in den beiden Ableiwugen l und II 13. Ziehungstag 23. August 1932 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Sewin-e z» 25000 M. 124632 2 Gewinn« jn 1 0000 M. 59031 14 s-winne zu 5000 W. 48437 117446 161631 209969 243545 291258 304130 1 4»ewinne m Z000 M. 100749 1116B2 114292 132367 264188 371556 393876 64 Gewinn« ,n 2000 M. 1466 6410 25833 43119 48856 132870 140243 151441 167125 176641 188509 200442 202205 212S66 219583 229532 230421 243183 279256 2375S3 290890 295591 310187 311619 321333 327066 331793 333377 366404 369830 379665 383161 76 Gewinne zu 1 000 OH. 5281 11593 12707 16254 16811 24857 41699 52940 70446 85276 126433 133730 133892 141453 152084 155104 161321 161890 167493 176014 179869 181018 186860187253 191083 193117 206264 208569 229369 252122 265094 278000 279856 291948 295757 351100 370751 395104 168»«Winne m 500 M. 17584 24591 30750 32078 35021 40890 42366 48105 46854 47815 54768 55624 64065 65393 76007 86834 89735 105777 113773 117230 118111 125300 127535 137286 139657 140501 144730 152322 161288 179751 136104 191585 1S2343 185094 203049 204654 205392 207273 210404 217021 226120 228161 242028 243178 247774 250930 252889 253276 254315 282084 267338 271923 272531 276361 276753 277593 277803 231774 237349 288657 302733 306179 307527 308251 313031 314141 319920 229597 330720 322484 236886 333303 341547 346233 255774 356017 261 186 367668 270168 377163 289293 391505 291829 294819 In der heutige» Nachmittagsziehung wurden Eewiune über 460 M. gezogen 6 Gewinn« ,n 10000 M. 190746 266437 226090 6 Gewinne zn 5000 M. 113075 282687 285726 l 2 Gewinne zn 3000 W. 14731 113665 121303 209614 293906 372505 42 Gewinne zu 2000 32. 21014 22624 36221 52314 137299 140212 143061 148373 151099 153918 189506 194873 211022 232706 259930 288396 323256 243772 270037 370899 335032 84 Gewinne zn 1000 32. 4177 20710 25827 32771 71157 71209 73510 36383 96030 101702 104308 107319 123890 124840 149273 175482 176991 183399 185663 187502 199176 208663 219956 223245 230853 233747 247304 256168 263237 265228 269679 276741 293979 294911 308275 312546 351981 377102 377990 381959 394639 397020 154 Gewinne zu 500<32. 5449 6117 15068 15794 16269 23360 26161 28244 40353 42831 47998 48346 49209 54694 34SS2 35396 SSI 09 89447 91440 92254 96042 107733 108775 112554 115253 132626 138830 140355 148836 149853 151851 157275 162372 167496 173358 178950 179626 183708 183728 201855 210012 211058 211993212262 212748 214025 218123 221389 225230 226069 228582 231 168 249427 267345 271702 285158 286965 292501 297611 311397 312415314910 320851 321091 321587 323628 326531 328018 334811 341851 343817 361866 364231 376800 387819 393791 399783 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien je zu 500000, 100 Schlußprämien zu je 3000, 2 Gewinne zu je 200000, 2 zu ie 100000, 4 zu je 75000, 4 zu je 50000. 18 zu je 25000, 112 zu je . 10000, 248 zu je 5000, 542 zu je 3000, 1554 zu je 2000, 3160 ' zu je 1000, 5962 zu je 500, 15952 zu je 400 M. 25 MMlionon Arbeftslase tn der ganzen Weltl In Deutschland allein Ober 6 Millionen! Welch« Summe von Bend, Not und Brauen, aber auch von heldischer Abwehr sich in(fiesen Sphreckensziffem verkörpert, das erlebst Du Tag fDr Tag In Deiner nächsten Umwelt Lies mm auch den ersten wahrhaftigen Arbeitslosen roman Albert Klaus Die Hungernden Ein erschütterndes Bekenntnis aus unserer Zeit und gegen unsere Zettl Geschrieben von einem, der selber seit Jahren arbeitslos ist 205 Seiten. Ganzleinen. Preis 4.30RM(Mitglieder Sonderpreis) Verlag Oer Bücherkreis GmbH, Bertin Zu beziehen durch: Der Bücherkreis G.m.b.H. Berlin SW. 61, Belle- Alliance- Platz 7 — Grone TraurHig-Fa&rilf verkauft direkt an Private fugenlose Trauringe garantiert massiv, voUkarStig 1 Ring 333 gestemp. tmr 4.50 bis 7.50 Mk. I° ,-:-— I 1 1 Katalog gratis i Haodziseliette Trauringe, erstkl. Ausfütuung. enoun billig Garantiescnein. Gravieren gratis soton z. Riiinehmen N. ArtlileriesiraEo 30 W. Passauer Str. 12 S. Rounasser Damm 2 Ges. geschfitzi Hetionn Wiesel. 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Et hat, nachdem im Dationalrat zuerst mit 8t gegen 80 Stimmen der Vertrag angenommen, nachdem im Dundesrat gegen eine Mehrheit von 5 Stimmen der Vertrag abgelehnt worden war, den von der Verfassung vorgesehenen„Beharrungsbeschtuh" gefaßt, der den Einspruch des Bundesrats wirkungslos macht. Di« österreichische Sozialdemokratie hat zu- sammen mit den Großdeutschen und Teilen des gespaltenen fteimat- blocks vergeblich dagegen angekämpft, daß um den Preis einer für die österreichischen Bedürfnisse viel zu geringen internationalen An- leihe die politische und wirtschaftliche Bewegungsfreiheit Oesterreichs besonders gegenüber Deutschland auf Jahrzehnte hinaus unmöglich gemacht wird. Es ist wahrlich so, daß Oesterreich, das durch internationale Verträge fast lebensunfähig gemocht worden ist, nur, um noch am Leben bleiben zu können, jetzt in schwerste internationale Zinonzsesseln gezwungen worden ist. Unter den Wirkungen des Lausanner Protokolls wird das gesamte österreichische Volk und insbesondere die österreichische Arbeiterschaft zu leiden haben: denn die wirtschaftlichen Vorteile, die die Lausanner Anleihe mit sich bringt, sind außerordentlich gering- fügig im Verhältnis zu den wirtschaftlichen und politischen Nach- teilen, die Oesterreich aus dem Uebereinkommen erwachsen. Die Regierungen Englands, Italiens, Frankreichs und Belgiens gewähren Oesterreich eine Anleihe von 300 M i l- lionen Schilling(nominell 180 Millionen Mark). Dabei steht es noch nicht fest, ob Oesterreich die ganzen 300 Millionen Schilling wirklich erhalten wird. Es ist auch unwahrscheinlich, ob der Anleiheerlös vor Mitte November zur Verfügung stehen wird. Oesterreich steht es nicht frei, über den Anleiheerlös zu verfügen, sondern es ist streng an die B e d i n g u n g e n des Lausanner Pro- tokolls gehalten. Dieses Protokoll aber sieht vor, daß 100 Millionen Schilling sofort von der Nationalbank zur Abzahlung einer gleich- hohen Schuld bei der B a n k von England zur Verfügung gestellt werden müssen. Diese 100 Millionen waren bei dem Zu- sammenbruch der österreichischen Creditanstalt, als Frankreich an die Gewährung desselben Darlehens politische Bedingungen stellen wollte, von der englischen Arbeiterregierung kurzfristig zur Ver- fügung gestellt worden. Weitere 90 Millionen Schilling müssen a n d i e BIZ. zurückgezahlt werden, die mit diesem Betrage auf die kommende Anleihe einen dreimonatigen Vorschuß gewährt hotte. Tatsächlich garantiert ist bisher nur ein Betrag von insgesamt 230 und nicht 300 Millionen Schilling, so daß insgesamt nur noch 40 Millionen nach den Rückzahlungen an die Bank von England und an die BIZ. zur Verfügung stehen. Selbst wenn aber der frei- bleibende Betrag nach Vollzahlung des Anleiheerlöses 110 Millionen Schilling ausmachen wird, so wird dieser Betrag kaum dazu aus- reichen, daß Oesterreich die Rückstände aus dem jetzt schon ein halbes Jahr wirksamen Auslandsmoratorium auf die ausländische Schuld wird zahlen können. Die einzige positive Wirkung des Lausanner Ueber- einkommens besteht in einer teilroeisen Umwandlung kurzfristiger in langfristige ausländische Schulden und in der Möglichkeit, einen Teil der aufgelaufenen Zinsrückstände zu bezahlen. Kein Gedanke daran— was für Oesterreich lebenswichtig gewesen wäre, daß die Anleihe auch nur zu kleinen Beträgen zur Auffüllung des öfter- reichischen Devisenvorrats und damit zur Stützung der Schilling- Währung dienen wird: kein Gedanke daran, daß zur Besserung der österreichischen Wirtschaftsoerhältnisse aus dieser Anleihe auch nur ein Groschen zur Verfügung stehen wird. Den kaum nennenswerten wirtschaftlichen Vorteilen stehen ungeheuerliche politische Delastungen gegenüber. Oesterreich mutz sich eine ausländische Kontrolle gefallen lassen. Die Nationalbank erhält einen ausländischen Be- rater, ebenio die österreichischen Bundesbahnen. Aus der Kontrolle der österreichischen Bundesbahnen ergeben sich schwere sozial- politische Rückwirkungen: denn wenn, wie erwartet, die Bundesbahn nach dem Gutachten der schweizerischen Sachverstän- digen saniert wird, dann werden d'e Gehälter und Löhne, die ohnehin sehr niedrig sind, abgebaut, was nicht ohne Fernwirkungen bleiben wird. Unbillig ober und geradezu tragisch sind die poli- tischen Bedingungen. Oesterreich hat auf 20 Jahre darauf verzichten müssen, irgendeine engere Bindung mit Deutschland einzugehen und sei es auch nur eine wirtschaftliche. Dabei ist Oesterreichs wirtschaftliche Lage ver- zweifelt. D'e von Frankreich geförderte EmbezieKuna Oesterreichs in eine Donausöderotion Hot wenig Aussicht auf Verwirk- lichung: die Vorteile für Oesterreich wären daraus auch nur sehr gering. Einwal ist die wirtschaftliche Lage der südöstlichen Staaten Europas so katastrophal, dab sie als Abnehmer von österreichischen Industrieprodukten nicht in Betracht kommen, zum anderen ist auch von Praferenzverträgen nicht viel zu erwarten. In Oesterreich selbst ist dos Budget noch nicht saniert. Immer noch ist der Komplex der Creditanstalt nicht bereinigt. Die Sanierung der Bundesbahn ist auf den Herbst verschoben. Der einzige Weg aber, der Oesterreich aus die Dauer helfen könnte, der engere wirtschaftliche Anschluß an Deutschland, der mit der Beseitigung der Gebretsbeschrön kling auch einen gesunden Waren- und Kapitalaustausch ermöglichen würde, ist verschlossen. Die österreichische Sozialdemokratie hatte Recht, wenn sie diesen unwürdigen und Oesterreichs Lebenskraft aus die Dauer nur hemmenden Vertrag, der bestenfalls aus ein halbes Jahr Luft schafft, aufs schärf st e bekömpste. Daß es zu diesem Vertrage aber kommen konnte, ist nicht zuletzt auch eine Folge der durch die Wirtschaftskrise geschwächten Stellung der Arbeiterklasse in Europa: denn weder hätte eine von der Arbeiterschast geführte österreichische Regierung sich auf einen derartigen Vertrag ein- gelasien, noch hätte England, wenn die Arbeiterregierung noch an der Macht wäre, Frankreich bei diesem Vertrage Hilfsdienste geleistet. Oiskontsenkung in Wien. Unter Berufung auf die Annahme des Oausanner Anleiheproto- kolls hat die österreichische Tlalionalbank den Diskont von 7 auf b Prozent gesenkt. Beweise gegen die Autarkie. Die Gtodt ernährt das Land.- Fast �0 Millionen Deutsche leben von der Ausfuhr. Seit einiger Zeit— leider sehr spät— rühren sich auch die Wisienschaft und die Unternehmer gegen den Autarkiewahnsinn. Vor allem bemüht man sich, die tatsächlichen Beziehungen zwischen Industrie und Landwirtschast an Hand exakten Materials klarzustellen. Das geschieht ausführlich in dem wichtigen S a m m e l- werk„Deutsche Agrarpolitik"(Verlag Reimar Hobbing), das kürzlich von der Friedrich-List-Gesellschaft herausgegeben wurde. Wir greisen aus dem Beitrag von Direktor Lange vom Derein Deutscher Maschinenbauanstalten die Tabelle über die Gliederung des industriellen Absatzes in den Wirtschaftsjahren 1924/25 und 1930/31 heraus, die ein Bild von der Bedeutung der einzelnen Ab- nehmerkreife für den deutschen Jndustrieabsatz gibt. Absahgliederung der industriellen Reinproduktion Es handelt sich in beiden Iahren um die industrielle Rein- Produktion, das heißt um den Gesamtproduktionswert der Industrie nach Abzug aller Vorleistungen anderer Wirtschafts- zweige(wie Rohstoffe aus dem Ausland und aus der Landwirtschaft, Verkehrsleistungen usw.). Die Tabelle zeigt, daß die A u s s u h r von weit überragender Bedeutung für den In- dustrieabsatz geworden ist: sie nahm im Jahre 1930/31 nicht weniger als 35,5 Proz. der Iichustrieproduktion auf. An zweiter Stelle steht die Industrie selbst: erst an dritter Stelle folgt die Landwirtschaft mit noch nicht 20 Proz. Sie hat zwar ihren Anteil von 1924 25 bis 1930 31 um 3 Proz. oder nur um 0,3 Milliarden Mark erhöht: dabei ist aber zu berücksichtigen, daß die gesamte landwirtschaftliche Reinproduktion in der gleichen Zeit von 9,45 aus ll.04 Milliarden Mark oder um fast 17 Proz. ge- stiegen ist. Darüber noch ein Wort weiter unten. Die Untersuchung von Lange wird im„Maschinenbau" (1932. Heft 14) für das Kalenderjahr 1931 fortgeführt. Die Bedeutung der Ausfuhr ist noch gestiegen. Die gesamte deutsche Aussuhr belief sich im Jahre 1931 auf 9,45 Milliarden Mark. Rechnet man den Anteil der ausländischen Rohstoffe von diesem Betrage ab — denn der Wert der Rohstoffe ist ja Einkommen des Auslandes, nicht des Inlandes—, so ergibt sich eine Nettoausfuhr von 7.8 Milliarden Mark. Davon entfallen 5,48 Milliarden auf die Industrie, 0.54 Milliarden auf die Landwirtschaft und 0,78 Mil» liarden auf Großhandel und Verkehr. Setzt man diese Werte in Beziehung zum Reinproduktionswert der betreffenden Wirtschaftskreise, dann ergibt sich: Zm Zahre 1SZ1 entfielen van den Gesamteinkommen der Industrie Zö.4 Proz. auf die Ausfuhr, van dem Einkommen der Landwirtschast 5,3 Proz. und van dem Einkommen von Großhandel und verkehr 10,1 Proz. Von der Gesamtzahl der in diesen Wirtschostszweigen B e> s ch ä s t i g t e n muß der gleiche Prozentsatz, wie er für das Ge- famteinkommen ermittelt wurde, für die Ausfuhr beschäftigt gewesen sein. Danach ergibt sich: Für die Ausfuhr arbeiteten in der Industrie 4,10 Millionen, in Industrie, Landwirtschaft, Großhandel und Ver- kehr zusammen 4,37 Millionen Erwerbstätige. Für die Frage, wieviel Deutsche im Jahre 1931 von der Ausfuhr lebten, ist aber zu berücksichtigen, daß ein Teil der Arbeits- losen hinzuzurechnen ist: denn die Gesamtzahl aller Arbeitslosen muß auf Kosten aller Beschäftigten ernährt werden(Versicherungs- beitrüge, Krisensteuer usw.). Dadurch erhöht sich die Ziffer der von der Zlussuhr Lebenden um rund 500 000 aus etwa 5 Millionen. Dazu sind die Familienangehörigen zu rechnen. Man kommt dann zu dem Ergebnis, daß 9,7 Millionen Deutsche— fast jeder sechste Deutsche— im Jahre 1931 von der Aussuhr lebten. Nun ist in dem oben genannten Sammelwerk von B r a m- st e d t, Direktor des Statistischen Reichsamts, an Hand eines neuen und umfassenden Materials unwiderleglich festgestellt worden, daß der landwirtschaftliche Absah von der industriellen Beschäftigung unbedingt abhängig sei, daß aber ebenso unbedingt feststehe, daß der Industrie- absatz nicht von der landwirtschaftlichen Kon- j u n k t u r abhänge. Der Industrieexport habe heute erhöhte Be- deutung. gerade in seiner Eigenschaft„als mittelbare Stütz« für unsere Landwirtschaft". Denn die Industrieabhängigkeit des land- wirtschaftlichen Zlbsatzes ist es, die den Preissturz für londwirtschaft- liche Veredelungsgüter erzwungen habe, im Gleichmaß mit der sinkenden Kaufkraft der Industriebevölkerung. Macht man den Industrieexport unmöglich, dann drosselt man die industrielle Kauf- kraft weiter und schließlich ist die Landwirtschast, vor allem die bäuerliche, am schwersten betroffen- Daraus ergibt sich die Wahrheit des paradoxen Satzes: Di« Stadt«rnahrt das Land! Ein Slaylverems-Kommissar? Oas Gelsenkirchen-Geschäst und die papen-liegierung. Die Regierung Papen hatte sich bisher gegenüber dem noch unter dem Kabinett Brüning durchgeführten Kauf der Aktien der Gelfenkirchener Bergwerks-A.-G., der bekanntlich zugunsten von Friedrich Flick 100 Millionen Mark Reichsgslder kostete, t o t- gestellt. Aus der ersten Ankündigung, das Reichskabinett wolle ein« besondere Kommission zur Untersuchung der Gelsenlirchen- Transaktion einsetzen, ist nichts geworden Auch die weiter auf- getretene Behauptung, daß in der Person des ehemaligen Reichs- bankpräfidenten Dr. Schacht ein Reichskominissar für die Gelsen- kirchen-Angelegenbeit eingesetzt werden sollte, dem zugleich auch die Sanierung des Stahloereins anzuvertrauen wäre, hat sich verflüch- tigt. Jetzt kommt ein« Meldung, die übrigens von den Behörden bestätigt zu sein scheint, nach der ein aktives Interesse der Papen-Regierung sichtbar wird. Nach dieser Meldung soll Herr von Flotow vom Bank- haus Hardy u. Co., das bei dem Erwerb der Gelsenkirchen-Mehrheit zugunsten des Reiches führend tätig war, als Vertrauens- mann des Reiches zunächst in den Aufsichtsrat der Gelsen- kirchener Bergwerks-A.-G. eintreten und fernerhin mit der Dorberei- tung der Sanierung des Stahlvereins betraut werden. Die„Deutsche Bergwerkszeitung" begrüßt mit einer gewissen Genug- tuung, daß das Reich bei seiner Einflußnahme sich auf die im Aktienrechi gegebenen Möglichkeiten beschränken werde. Wir finden, daß diese„Beschränkung" noch längst keine Ausschöpfung der Möa- lichkeit des Aktienrechts ist. Das Reich besitzt heute die volle Mehr- heit der Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G. und damit auch die Herr- schaft über die Vereinigte Stahlwerke A.-T. Logisch wäre, daß das Reich sofort die Majorität im Aujfichtsrat von Gelsenkirchen und vom Stahlverein verlangt und besetzt hatte: ebenso auch, daß das Reich viel energischer, als es bisher geschehen ist, auf die finanzielle Sanierung des Stahlvereins oedrängt hatte. Es ist ein wirtschaftlicher Skandal, daß die Same- rung des Stahlvereins noch immer nicht in Angriff genommen ist, nackdem die Spatzen längst von den Dächern pfeifen, daß der Stahl- verein finanziell bewegungsunfähig geworden ist. Es war wirkl'ch höchste Zeit, daß die Sozialdemokratie die Verstaatlichung der Schwerindustrie gefordert hat. Es wäre zu wiinschen, daß mit dieser Verstaatlichung sofort ernst gemacht würde, weil dann die Sanierung des Stahloereins eine einfache Folge der?luseinander- setznngen bei der Verstaatlichung wäre. Die Neichsregisrung läßt sich nur berichten! TU. meldet scheinbar offiziös: In der Presse ist behauptet worden, die Reichsregierung habe den Geheimrat von Flotow zum Reichslreuhänder für Gelsenkirchen ernannt. Dazu wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, von Flotow habe lediglich von der Reichsregieniug den Auftrag erhalten, einen Bericht über die innere Lage bei Kelsenkirchen zu oerfassen. Knegspaienschasten. Wie kommen die Patenkinder zu ihrem Geld? Zlus Leserkreisen werden wir aus Verholtnisse aufmerksam ge- macht, die viele Zehntausende von Kriegspaten bzw. deren Eltern angehen, und die das Interesse des Reichsausfichts- amtes für Prioatversicherung erwecken müßten. Zu den ausge- werteten Versicherungen gehören auch die sogenannte» Kriegs- potenschoftsversicherungen, für deren?lbschwß». a, die H a m b u r g- Mannheimer Versicherungs A.-G. in Hamburg tättz war. In einem Rundschreiben dieses Jahres ist den Berechtigten von dieser Gesellschaft mitgeteilt worden, daß ihre Ansprüche zwar zu Recht bestünden, daß die Ansprüche aber nur von der Stelle geltend gemacht werden können, die sich rm Besitz der Versicherungs- scheine befindet. Dies sei in der Regel der Kriegspate. Di« Ge- sellschaft sei aber nicht berechtigt, über die Person des Kriegspoten Angaben zu machen, da es diesen selbst vorbehalten sei, sich mit dem versicherten Kinde bzw. desien Angehörigen in Verbindung zu setzen. Dieses Verhalten der Ge- sellschaft hat zur Folge, daß die Berechtigten, die sehr vielfach gar nicht wissen, wer der Kriegspate ist, nicht zu ihrem Gelde kommen können. Betroffen sind natürlich meist arme Leute. Auf der anderen Seite kann kein Mensch bestreiten, daß die Berechtigten einen Anspruch darauf hoben, zu erfahren, wer der Krieaspate ist, wenn dieser sich nicht selber meldet. Ein allgemeines Interesse ist hier zweifellos nicht zu bestreiten und die Notwendigkeit scheint uns gegeben, daß das Reichsaufsichtsamt für Privat- Versicherung sich der Sache annimmt. Neuordnung bei Lvar Kreuger. Die Schwedische Zündholz-A0 Meier ein großer Aufwand von allem Möglichen er- forderlich wäre usf. Die Kosten wären so hoch, daß ihre Wiedereinbringung bei der schlechtesten Absatzmöglichkeit illusorisch ist. Wir stellen nur leichtfaßlich« Themen in 300 Meter Läng« her. Ich war ernüchtert— nein, ich war, wie man am Sterbebett einer guten Idee eben ist. Und dachte: Kultur kann eben gegen die Beine der Lilian Haarweh pder der Marlen« Embritchswerkzeuq nicht antreten. Mit Uitterextremitäten wird doch mehr Geld verdient als mit Ideen. Vielleicht läßt auch du dem Gehirn einmal in die Stiefel ruffchen. Der blödeste Mriitärstumpfsinn bringt vollere Kassen als ein wirklich guter Kulturfilm, der als Spielfilm aus- gestattet reiches Anschauungsmaterial in der Form fesielnder Unter- Haltung geben würde---- Zwei neue Exposes wurden der Schreibmaschine abgerungen. Auch sie fanden den Weg zu mir zurück. Begleitschreiben 1: Unser Programm ist bereits für über ein Jahr aufgestellt. Meine Anfrage: Wann können am besten neue Expose« vorgelegt werden? Antwort:--? Begleitschreiben 2: Unser Programm ist bereits für längere Zeit festgelegt. Solche Filme, wie die von Ihnen vorgeschlagenen, können nur dann gemacht werden, wenn die darin vorkommende» Länder zur Herstellung dazubezahlen. Meine Anfrage: Wann können andere Exposes vorgelegt werden? Antwort:--? Da sagte ich ergrimmt zu mir: Also, für blöde und kitschige Bei- filme ist Geld genug da. Aber für Kultur?— Nee— N nich— Zuzahlen! Warum hat mir mein Papa nicht eine Tausendmarkscheinpresie in die Wiege gelegt? Ich hätte dann so schön Kullursilmauior werden können! Wenn eine Fabrik auf der Zappelleinwand Reklame machen will, und dafür ein Stück Geld übrig Hot, dann wird daraus ein Kulturfilm. Wenn ein halbes Dutzend Fremdenverkehrsoereine das Hotel„Zum gelbkarierten Rhinozeros" im Film zeigen will, dann wird ein Stück Landschaft vergewaltigt und das nennt man dann Kulwrfttm. Ader wenn ein Stück deutscher Kultur mit ollen film techmschen Möglichkeiten Leb«» werden soll, wenn die G«g«n:vori sehen soll, wie sie wirklich geworden ist.— dann zahl zu, denn so etwas ist nicht.zu verwerten! Verwertung ist alles! Kunst?— Wie, bftte?— Kunst...? Will das Bolk wirklich diesen Kitsch, mit dem es im Kino über- füttert wird? Die Kassenenolge beweisen es scheinbar. Nein! Nein' Die Kassenersolge wären b'\ wirklich volkstümlicher Kunst noch viel größer! Aber Es traut sich niemand von den Zelluioiddompteuren an etwas Neues heran, es muß alles schön in den ausgesahrenen. beinabe toten Geleisen weiterlaufen, und wer etwas Neues bringt. der hat heute keine Chance! Besonders dann nicht, wenn er die Fackel der Kultur in der Faust trägt und nicht mit Starbeinen jong- liert! Wer will, daß die Filmschlange Kultur verdaut, der füttere sie erst mit Moneten! Ich hotte einmal eme Idee. Di« Id-'e, daß der Film Kuldir- zwecken dienen soll. Ich bm kunert. Will mich jemand vom Gegemeil überzeugen? Di« Exposes stehen zur Verfügung'