Morgenausgabe »s.Zch,g Berliner VolkSblatt Oonnersiag 25. August 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Jentvawvsatt der Sozialdemokratischen Partei Deutschland� Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 sternspr.: Dönhoff(A 7) 292—297. Telegrannn-Zldr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwaris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto; Berlin 37 333.— Bankkonto: BankderArbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.V.u.DiSc.-G«s., Depostteni., Jerufalenrer Str. KS/KS. I Twütto zum Recht! Regierung in selbslgeschaKener ueriegenheil. Das erste Berliner Sondergerichtsurteil hat einen zwanzigjährigen jungen Menschen, der k o m m u» n i st i s ch e r Sympathien verdächtig ist, mit einer Zuchthaus- strafe von 10 Jahren getroffen, während der einzige Ange- klagte von der anderen Seite, ein junger National- f o z i a l i st, als Freigesprochener den Gerichtssaal verlassen konnte. Der Kommunist wird beschuldigt, einen Schuß abgegeben zu haben, der glücklicherweise niemanden getroffen hat, der Nationalsozialist soll einen Trommelrevolver weggeworfen Oer„Angriff" verboten. Wegen Beschimpfung Popens und Anreizung zum Ungehorsam. W\t der Berliner Polizeipräsident milleill. ist das national- sozialistische Berliner Organ„D e r A n g r i s s" wegen Leschimpsung und böswilliger Verächtlichmachung des Reichstanzier» in der Rlitt- wochnummer und wegen Anreizung zum Ungehorsam und zur Auflehnung gegen die Staatsgewalt in den beiden lehten Rummern mit sofortiger Wirkung bi» einschließlich Zt. August diese» Zahre» verboten worden. haben, aus dem ein Schuß abgegeben worden war. Dafür hatte der Staatsanwalt 9 Monate Gefängnis beantragt. Zweifellos hat also der Nationalsozialist mehr Glück ge- habt als der Kommunist. Die Richter sind in freier Beweis- Würdigung zu dem Urteil gekommen, daß der eine schuldig ist, der andere nicht. Ein Rechtsmittel außer der Wieder- aufnähme des Verfahrens, die nur unter ganz besonderen Umständen auf schwierigen Wegen in Gang zu setzen ist, gibt es nicht. Die Serie der Schreckensurteile, an deren Anfang wir jetzt stehen und deren erste Etappen durch die Ortsnamen Brieg, Beuthen und Berlin bezeichnet werden, hat in der Notverordnung vom 9. August ihren Ausgangs- punkt. Diese NotverordnungzwingtdieRichter, über Angeklagte, deren Schuld sie für erwiesen halten, Strafen von ganz grauenhafter Höhe zu ver- hängen. Die Regierung selbst scheint starke Zweifel zu hegen, ob die vor zwei Wochen unter ihrer Verantwortung erlassene Notverordnung wirklich in ihrer ganzen Schärfe durchgeführt werden kann. Sie zeigt keine Neigung, das fünffache Todes- urteil vollstrecken zu lassen, zu dessen Verkündung sie die Beuthener Richter durch ihre Notverordnung vom 9. August gezwungen hat. Die Regierung selbst ist durch dieses von ihr erzwungene Urteil in eine geradezu furchtbare Lage gekommen, denn einerseits schreckt sie aus begreiflichen Gründen vor der Voll- streckung zurück, andererseits aber kann sie keine Gnade üben, ohne den Anschein zu erwecken, als hätte sie vor den schamlos frechen Drohungen der Hitler und Goebbels kapituliert. Niemand kann der Regierung ihre Verantwortung ab- nehmen, niemand kann ihr den Weg aus dem Wirrsal weisen, in das sie geraten ist und zwangsläufig geraten muhte von dem Tage ab. an dem sie der SA. ihr Dasein und ihre Uniformfreiheit wiedergab. Eines aber muh an- gesichts dieser beispiellos verworrenen Situation immer und immer wiederholt werden, daß eine Korrektur der Wirkungen der Notverordnung vom 9. August durch die Re- gierung nur dann denkbar und überhaupt irgendwie zulässig ist. wenn sie nach allen Seiten hin gleichmäßig erfolgt. Wie notwendig eine solche gleichmäßige Korrektur ist, zeigt gerade der Berliner Fall. Würde das Beuthener Urteil korrigiert, das Berliner aber nicht, so würde sich ergeben, daß ein n i ch t e i n m a l bewiesener Schuß in die Luft in Berlin ungefähr ebenso hart bestraft würde wie in Beuthen ein vorsätzlich begangener, feiger und bestiali- sch e r M o rd! Ja. es ließe sich sogar denken, daß die Ver- urteilten von Beuthen bei einer entsprechenden Entwicklung Reue Krawalle in Beuthen. Nöhm und Heines pfeifen auf Verbote! Reuthen. 24. August.(Eigenbericht.) 3m verlaus des Mittwoch boten die Rationalsozialisten alle» aus, um neue Unruhe unter der Bevölkerung hervorzurufen, was ihnen auch zum Teil gelang. Bereits in den frühen Morgenstunden durchzogen st arte uniformierte SA.- Trupps die Straßen. Beim Eintreffen des Bolivianers R ö h m. der im Austrage Hitlers die verurteilten besuchte, demonstrierten sie vor dem hauptbahnhof, später mehrere hundert Personen stark vor dem Gerichtsgebäude, wo troh Demonstrationsverbots Röhm in Anwesenheit der Polizei eine Ansprache hielt, in der er erklärte, daß da» Urteil nicht vollstreckt würde. 3n den Mittagstunden wurde es in den Straßen der Sladt etwas ruhiger, während in den Abendstunden die Rationalsozialisten ein Extrablatt verbreiteten, in dem sie die ihnen verratene Absicht. sämtliche verurteilten Im Lause der Rächt nach dem Zuchthaus iu Groh-Strehlih zu bringen, unter neuen Gewaltandrohungen zur Kenntnis brachten. Mittels Lastaulos, durch Motorräder und Radsahrerkolonnen zogen sie die SA. in Beuthen zusammen. Unter diesen befinden sich immer mehr Trupps aus dem benachbarten Riederschlesien. Die sorlgesehlen Unruhen in Reuthen haben das Wirtschaftsleben der Stadt bereits schwer geschädigt. Besonder» klagt die gesamte Kausmannschasl, daß die Geschäfte völlig zum Erliegen gekommen sind. Zahlreiche Käufer aus dem benachbarten Ost oberschlesien blieben völlig aus. wie wir erfahren, sind von Handel und Gewerbe Schrille bei der Regierung geplant, um die baldige Wiederherstellung der Ruhe zu fordern. 3n Sleiwik kam es im verlause de» Mittwoch ebenfalls zu öffentlichen Demonstrationen der zusammengezogenen SA. 3n den Mittagstunden befehle sie die Vürgersteige der Hauptstraßen und bildete dort eir regelrechtes Spalier. Später bei der Abfahrt Röhms und des An- walts Luelgebrune wurde sie am Bahnhos zusammengezogen, hier demonstrierte sie regelrecht und marschierte dann in geschlossenen Trupp» durch die Hauptstraßen in da» Innere der Stadt. Die Bevölkerung, die in überwiegender Mehrheit nicht nationalsozialistisch ist, fühlt sich durch den wachsenden Terror der SA. außerordentlich beunruhigt und fürchtet das schlimmste, wenn nicht bald gegenüber den SA.-Hausen durchgegrissen wird. Die aus Beunruhigung hinzielenden Raziaklionen werden offensichtlich planmäßig organisiert und von Feme- Heine» geleitet. Nazis demolieren das Volkshaus. 3n den Abendstunden des Mittwoch kam es wieder zu großen nationalsozialistischen Zusammenrottungen vor dem Landgerichtsgebäude. Starke Trupps zogen um das Gebäude und forderten die Freilassung der verurteilten. Die Polizei griff dann ein, zer- streute die Ansammlungen und räumte die Beuthener Hauptstraßen mit dem Gummiknüppel. Die Rationalsozialisten hallen während der Ansammlungen in den Straßen mehrere Schaufensterscheiben zertrümmert. Eine starke Gruppe drang zum Volkshaus vor, wo sie die Tür ein- schlüge n und 1(5 Fensterscheiben einwarfen. der politischen Verhältnisse alsbald wieder die volle Freiheit gewinnen, ja vielleicht nach berühmten Vorbildern die Bänke des Parlaments schmücken könnten, während der arme Junge in Berlin, der den Kommunisten nahestehen und einen Schuh ohne weitere Folgen abgegeben haben soll, im Zuchthaus ver- faulte! Die Eröffnung solcher Perspektiven zeigt, daß es weniger eine Frage des Buchstabenrechts als eine Frage der Politik-ist, was zu allerletzt aus den Urteilen der Sonder- gerichie werden soll. Was geschehen würde, wenn die Natio- nalsozialisten die ganze Macht erlangten, darüber kann ja kein Zweite! bestehen, das kann man jeden Tag in der yational- sozialistischen Presse ausführlich lesen. Dann wird keinem Nationalsozialisten, der einen Andersdenkenden tötet, ein Haar gekrümmt werden, die NichtNationalsozialisten aber, die dann noch wagen, sich zu wehren, werden ganz einfach an die Wand gestellt werden. Trotz der ungeheuren Stimmen- zahl, die die Nationalsozialisten bei den letzten Wahlen auf sich vereiniat haben, wird man nicht annehmen können, daß ein wesentlicher Teil des deutschen Volkes— von den kriminell Veranlagten abgesehen— einen solchen„Rechtszustand" wünscht. Wer aber vor solchen Konsequenzen zurückschreckt, der wird mit uns Sozialdemokraten den anderen Weg gehen müssen, nämlich den Weg, der zu Recht und Gerech- tigkeit und Menschlichkeit zurück führt. Kommt in absehbarer Zeit die Sozialdemokratie zu entscheidendem Einfluß im Staate, dann wird es ihre erste Pflicht sein, den� die Kerkertore zu öffnen, die ungerecht oder zu hart bestraft worden sind. Es gibt heute keinen anderen Weg, dem Recht und der Gerechtigkeit wieder zur Geltung zu verhelfen, als die Stärkung derSozialdemokratischen Partei! Denn der Weg nationalsozialistisch-kommunistischer Amnestie- gesetze dürfte angesichts der augenblicklichen Arbeitsunfähig- keit und Entmachtung der Parlamente im Reich und in Preußen für absehbare Zeit versperrt sein. Es läßt sich heute auch nicht mehr gut vorstellen, daß etwa die Kommunisten für die sofortige Freilassung der SA.-Leute stimmen könnten, die ihren Parteigenossen in Potempa bestialisch ermordet haben, und daß die Nationalsozialisten als Gegenleistung für die Straflosigkeit von„Rotmord" stimmen könnten. Die Kommunisten werden praktisch auch damit nichts er- reichen, daß sie in den Parlamenten Anträge auf sofortige Freilassung linksgerichteter Verurteilter einbringen. Eine Wendung kann nur herbeigeführt werden durch einen Um- schwung der politischen Machtverhältnisse. Für ihn muß bis zur äußersten Hingabe jeder arbeiten und kämpfen, dem es mit dem Willen, das Unrecht der Sonder- gerichtsbarkeit zu beseitigen, ernst ist! „Kameraden." Das ist Hitlers Kameraderie. Zu dem Telegramm Adolf Hitlers an die Beuthener Verurteilten, die er„seine Kameraden" nennt und seiner unendlichen Treue versichert, schreibt unsere ober- schlesische Parteizeitung: Hitler spricht in einem Telegramm an die in Beuthen wegen Mord Verurteilten diese an:„Meine Kameraden". Schöne Kameraden sind das! So der wegen Anstiftung zum Mord und wegen dabei bekundeter gemeiner Gesinnung zum Tode und lebenslänglicher Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte ver- urteilte L a ch m a n n. Dieser„Kamerad" Hitlers war noch vor zwei Jahren Kommuni st, vor einem Jahr schrieb er sich an der Spitze einer Zentrums-Mitgliederliste ein und wurde dann vor einigen Monaten Nazijünger. Er ist der I u st i z kein unbeschriebenes Blatt. In seiner Eigenschaft als Gemeinde- Vorsteher hat er sein Amt wiederholt mißbraucht. Er war der typische Dorftyrann. Selbst, sein Verteidiger Luetgebrune mußte zu- geben, daß er den Alkohol liebt« und im Süss wilde Reden führt«. Dies nicht nur, er war auch ein unanständige» Rauhbein. Der Raushandel gehörte zu seiner zweiten Natur. Wenn er gut gelaunt war, schloß er zur Abwechslung mit seinen kommunistischen Nochbarn Freundschaft und soff mit chnen. So Halle er noch am Tage vor der Mordtat mit dem Ermordelen Pielrzuch zusammen gezecht! Ein seiner Kamerad für Hitler. Wir haben nichts dagegen einzuwenden, daß der große Adolf chn für sich reklamiert! Ein zweiter feiner Kamerad Hitlers ist der Verurteilte föräupner, den auch die Nazipresse während des Prozesses als eine besondere Perle in der Hitler-Krone würdigte. Gräupner ist der Typus eines Landsknechtes. Er hatte an dem Soldatsein im Kriege nicht genug, ebensowenig an den ober� schlesischen Abstimmungskämpfen. Auf welcher Seite er während dieser stand, ist in den Verhandlungen nicht bekannt geworden. Als es in Oberschlesien mit der täglichen Schießerei aus war, ging er zum„Erbfeind" und wurde französischer Fremden- l e g i o n ä r! Dort beging er nach einigen Jahren eine Straftat und wurde abgeschoben. Heute ist er wieder„Soldat bei Hitler" und führte die SA.-Kolonn« nach Potempa. Wer Gelegenheit hatte, im Beuthener Schwurgerichtssaal das Benehmen aller Angeklagten zu beobachten, konnte über deren Gefühlsroheit nur entsetzt sein. Sie sind aber jetzt durch die Kamerad- schaftserklärung Hitlers rehabilitiert. Es gibt noch rohere Burschen in Deutschland, als die Potempaer Mörder." Man muß diese„germanischen Edelmenschen" wirklich bei Licht betrachten, um zu oerstehen, warum auch der Stahlhelm und der„Königin-Luise-Bund" für sie bei Reichsregierung und Reichspräsidenten um— Gnade winseln! Kameraden— in der Tat! Lahusen-Anwali für die Mörder. Die Ausreden Luetgebrune«. München, 24. August.(Eigenbericht.) Der Verteidiger der SA.-Mörder von Potempa, Rechtsanwalt Dr. Luetgebrune, erhob in einer Unterredung mit dem Bericht- erstatter des„Völkischen Beobachter" schwere Vorwürfe gegen das Beuthener Gericht. Er sagte, man werde den Eindruck nicht los, daß ein Verdachtsurteil ergangen sei in der unbewußten Erwartung, daß die Gnadeninstanz schon die schwersten Folgen der fünffachen Hin- richtung abwenden müsse und werde. Verdachtsurteil nennt er den Urteilsspruch, weil nach seiner Behauptung gar nicht geprüft worden sei, ob die in die Wohnung des ermordeten Pietrzuch eingedrungenen SA.-Banditen auch die Absicht hatten, ihr Opfer zu ermorden. Im Gegensatz zu Hitlers hysterischem Geschrei sagt Luetgebrune, daß nicht den Gesetzgeber, also nicht die Notoerordner die Schuld an dem Urteil treffe, sondern daß die ganze Verantwortung und alle Folgen die Richter des Sondergerichts allein zu tragen hätten. Der Verdacht, daß es der Nazileitung nicht so sehr um die fünf verurteilten Opfer ihrer systematischen Mordhetze als vielmehr um die mordpropagandistische Ausschlachtung der Todesurteile zur neuen Aufputschung der Massen zu tun ist, geht aus dem weiteren Aus- spruch Luetgebrune? hervor, daß der Gnadenweg gar nicht in Frage komme. Es handele sich um einen Iustizskandal, so daß er es von seiner Seite ablehnen müsse, den Gnadenweg zu beschreiten. Luetgebrune will statt dessen das Wiederaus» nahmeoersahren betreiben, weil angeblich Beweismittel dafür beigebracht seien, daß der ermordete Pietrzuch ack Abend des 9. August zwischen 10 und 11 Uhr mit 12 Kommunisten einen SA. Mann mit Waffen überfallen habe, während bei Gericht behauptet wurde, Pietrzuch habe bereits um 8 Uhr im Bett gelegen. Warum dem sonst in allen juristischen Gewässern heimischen Lahusen-Anwalt die Erkenntnis, daß Pietrzuch am Vorabend seiner Ermordung SA.-Leute„überfallen" habe, nicht schon früher ge- kommen ist, sagt er nicht. Ein politisches Kind aber muß sich doch lagen, daß das ein für die Prozehführung außerordenllich wichtiges Faktum sein müßte. So liegt die Annahme nahe, daß der„Ueber- fall" nachträglich erfunden wurde, um die Mörder moralisch zu entlasten. Die aufgeregte Diskussion über die Fortentwicklung der Regie- rungspolitik im Reich und in Preußen, die noch vor zwei Tagen die Spalten des„Völkischen Beobachter" füllte, ist mit einem Schlage verstummt. Mit richtigem Instinkt hat sich die Propaganda auf den Richterspruch von Beuthen gestürzt. In vollen vier Seiten des Hitler-Organs wird eine bisher noch nie dagewesene Haßflut übei? das Land geschüttet. Sogar ein« oberbayerische Kammer- fensterltragödie, bei der ein junger Nazimann sein Leben einbüßte, wird zum Beweis für die verfolgte Unschuld der aufbouwilligen Kräfte von Potempa herangezogen. Lediglich der Russe Rosen- b« r g bemüht sich nebenher, das Thema Regierungsbildung wieder vorsichtig in Gang zu bringen und die Machtansprüche der Hitlerei erneut anzumelden.„Eine Staatsautorität"— so schreibt er— „gibt es für Herrn von Papen deshalb nicht zu verteidigen, weil kein Staat mehr da ist, sondern nur eine Kulisse. Um«inen Staat zu schaffen, muß die Kulisse fallen und der Nationalsozialismus als organisierter Volkswille das Fundament der Zukunft bilden." Bomben auf dem Dorfe. Sprengstoffanschlag im Kreise Landsberg. Landsberg a. d. w.. 24. August. In der vergangenen Nacht riß ein starker Kanonenschlag, der wahrscheinlich von einem Spengkörper oder einer Bombe herrührte, die Bewohner des Dorfes G e n n i n aus dem Schlaf. Der Abschlag richtete sich gegen das Grundstück des Maurers Siepelt. An einem 2 Meter hohen Bretterzaun war der Sprengkörper nieder- gelegt worden. Der Zaun ist vom Luftdruck auf eine Länge von 3 Meter niedergerissen worden. Ein dahinter stehender massiver Stall wurde eingedrückt. Am Wohnhaus wurden an zwei Fenstern die Scheiben samt dem Fassungsholz demoliert. Am gegen- überliegenden Wohnhaus gingen vier Fensterscheiben in Trümmer. Bereits vor einigen Tagen wurde im Nachbargarten eine Drohschrift an den Sohn des Siepelt und daraus im eigenen Garten ein bombenähnlicher Gegenstand gefunden. Handgranaten gegen Finanzamt. Cosel, 24. August. Gegen das hiesige Finanzamt wurden in der vergangenen Nacht .o>ei zusammengebundene Stielhandgranaten geschleudert, die in den Vorgarten des Finanzamtsgebäudes fielen, dort aber nur geringen Schaden anrichteten. Durch den Luftdruck wurden neun Fenster» scheiden zertrümmert. Personen wurden nicht»er letzt. Das französische Marineministerium erklärt zu den Zestungs- ' riikeln über ein verheimlichtes U-Boorunglllck. es sei überhaupt kein derartiger Unfall vorgekommen. Das U-Boot„Argo" habe lediglich längere Tauchfahrten unternommen, die alle ohne jeden Zwischenfall zur vollen Zufriedenheit der Marinebehörtxn verlausen seien. Das Boot sei bereits wieder in Dienst gestellt. Zuchthausurteil in Berlin. Das erste Ltrieil des Berliner Gondergerichts. Das Berliner Sondergericht Verbündete unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor T»lk gestern nachmittag in seiner ersten Verhandlung folgendes Urteil: Der 20 Jahre alte Sausdiener Paul Schmidtte wurde wegen schweren Landfriedensbruchs zu 10 Jahren Zuchthaus unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt, der 25 Jahre alte nationalsozialistische Arberter Franz Bickel wurde von der Anklage des unbefugten Waffenbesitzes freigesprochen. In der Begründung des Urteils, das im Zuhörerraum Be- weguug auslöste, ging Landgerichtsdirektor Tolk zunächst auf die von Rechtsanwalt Dr. Litten angezweifelte Existenz» berechtigung des Sondergerichts ein. Die Existenzberechtigung des Sondergerichts fei durch die Nowerordnung des Reichspräsidenten begründet, die zweifellos rechtsgültig fei. Der Vorsitzende oer- wies auf die einschlägige Reichsgerichtsentscheidung, nach der kein Zweifel an der Rechtsgültigkeit der Notoerordnungen aufkommen könne und wonach das Son-dergericht zuständig sei. Dr. Tolk ging dann auf die Prozeßmaterie selbst ein und betonte, daß der Ange- klagte Schnüdtke durch die übereinstimmenden Aussagen der nationalsozialistischen Zeugen nach Ansicht des Ge- richts überführt fei, an der Zusammenrottung in der Proskauer Straße in der Nacht vom 14. zum IS. August teilgenommen und ge- schössen zu haben. Diese Zusammenrottung erfülle die Tatbestands- Merkmale des schweren Landfriedensbruchs. Das Gericht habe ent- gegen den Ausführungen des Verteidigers den Aussagen der nakionalsozialistischen Zeugen vollen Glauben geschenkt. Es spreche nichts dafür, daß sich die Nationalsozialisten etwa verab- redet hätten, den Angeklagten Schmidtke zu Unrecht zu belasten. Aus diesem Grunde mußte(!) er zu der durch die Notverordnung ein- gesetzte Mindest strafe von 10 Jahren Zuchthaus wegen schweren Landfriedensbruchs verurteilt werden. Der Angeklagte Bickel mußte(!) freigesprochen werden, weil er mir durch die Aussage eines Zeugen belastet worden sei, der ihn aber nur nach der Kleidung, nicht aber sonst wiederzuerkennen glaubte, so daß die Möglichkeit einer Personenverwechslung nicht ausgeschlossen sei. Anklaqe einer Mutter. Der z« 10 Jahren Zuchthaus verurteilte Angeklagte Schmidtke erlitt dann, als seine Mutter an die Anklage- bank herantrat, um sich schluchzend von ihm zu verab- schieden, einen hochgradigen Erregungsanfall und wollte sich nicht abführen lassen, so daß ihn vier Justizwacht» meister mit Gewalt fortschleppen mußten. Tie Mutter des Angeklagten jammerte laut: „Mein armes Kind, mein armes Kind, ich gehe nicht allein nach Hause, ich laß mich überfahren. Mein Kind ist ja ganz unschuldig. Wenn es einen Gott gibt, darf er das nicht zulassen. Das ist Ge- rechtigkcit» das ist das Vaterland." Der Verteidiger des Angeklagten Schmidtke und einige andere Personen mußten die schluchzende und am ganzen Körper zitternde Frau beruhigen und hinansgeleiten. Auch auf dem Korridor brach die Mutter in immer neue Rufe der Verzweiflung aus. Der freigesprochene Nationalsozialist Bickel, gegen den der Haftbefehl aufgehoben wurde, wurde noch im Laufe des Nachmittags aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen.— Zu irgendwelchen Kundgebungen vor dem Gericht kam es nicht, da die Polizei alsbald dafür sorgte, daß sich die Zuhörer zerstreuten. Zu gleicher Zeit. Zur gleichen Zeit wie das Sondergericht verhandelte auch das Schöffengericht Berlin-Schöneberg zum zweitenmal gegen drei Nationalsozialisten, die am Abend des 6. März in der Nähe des Halleschen Tors Mitglieder des Reichs- b a n n e r s und der Arbeiterjugend überfallen und mißhandelt hatten. Die Aussagen der Belastungszeugen waren eindeutig und glaub- Haft; in diesem Sinne lauteten auch die Ausführungen des Staats- amvalts, der gegen zwei der Angeklagten drei Monate Gefängnis, im dritten Falls Freispruch beantragte. Als die Beweisaufnahme bereits zu Ende war, erschien, hakenkreuzgeschmückt, der Bcrteidiger der Angeklagten. Er hielt folgendes klassisch« Plädoyer: „INeine Herren! Zch weiß zwar nicht, was vorgefallen ist: aber soviel steht fest, daß die Angeklagten keinen bösen Willen hatten und daß die Angeklagten getan haben, was ein deutscher Mann immer tut: Sie haben als Kerle dagestanden." Das Gericht schien der gleichen Meinung zu sein: es sprach die „Kerl e" frei. Landgenchtsdirektor Ziegel meinte, zwar bestehe der Verdacht, daß die Nazis angefangen hätten, da sie in der Uoberzahl gewesen seien— aber die Schuld sei deshalb nicht erwiesen, weil ihre Belastungszeugen einer gegnerischen Partei angehörten und deshalb nicht unparteiisch seien. Im ersten Saale— Vorsitz Tolk— sind Zeugen nur einer gegnerischen Partei so glaubhast, daß man daraufhin einen unmündigen Menschen auf zehn Jahre ins Zuchthaus(ohne Rechtsmittel) schickt. Im andern Saale— Vorsitz Ziegel— sind die Zeugen aus der gegnerischen Partei so parteiisch, daß die Schuldigen frei aus- gehenl Eine Rechtsprechung, die sich gewaschen hat! Auch in Württemberg. Stuttgart, 24. August.(Eigenbericht.) In Ulm wurde im Juli dieses Jahres der 56jährige sozialdemokratische Stadtrat und Redakteur der„Donau-Wacht", Goehring, von einem SS.-Mann und mehreren SA.-Leuten angerempelt, unter gröblichsten Beschimpfungen eine Straße entlang verfolgt, mit schweren Stiefeln tn den Oberschenkel getreten, ins Gesicht und an den Hinlerkops geschlagen und wiederHoll schwer mißhandelt. Täter war der SS.-Mann Moeder. früherer Reichswehrwachlweifter und versorgongsanwärter. Das Amtsgericht lllm sühnte seine Straftaten mit einem Strasbesehl aus Zahlung von-- 25 Mark! Am gleichen Tage gab es in einer auderen Ulmcr Stadtgegend einen Zusammenstoß zwischen Reickisbanncraagehörigen und dcm SA.-Mann Broig. Dabei hatte der SJjährlge Reichsbannermann kroll dem Braig einen hieb mit dem Stock verseht, kroll be- hauptele, Lraig habe ihm vorher einen Stoß gegen die Brust ge- geben, was vraig aber bestritt, kroll wurde wegen des Stockhiebes zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und gleich in Haft beHallen. Auch ein Zeuge namens Roth wurde wegen de» Verdachts. Braig an dem gleichen Abend auch einmal geschlagen zu hoben, sofort in Haft genommen. Man vergleiche diese Arteile des gleichen Amts» g e r i ch t» und man wird einen Begriff davon erhalten, was gewiffe Juristen für„Gerechtigkeit" halten! Ganoven-lZhre! Warum SA.-E>turm 81 meuterte. Eberswalde. 24. August.(Eigenbericht.) Zm Sturm S1 der Eberswalder SA. ist eine Meuterei aus- gebrochen. Zahlreiche SA.-Lcule verweigerten ihren Führern die Gesolgschast. Der Sturm wurde von der Parteileitung aufgelöst. Er soll, wie es heißt, oeu gebildet werden. Hierzu erfahren wir: In Eberswold« sind zwei SA.-Stürm« untergebracht, der Sturm 64 und der Sturm 81. Bereite vor meh» reren Wochen ist es zwischen den Mitgliedern des Sturmes 81 und der Parteileitung zu schweren Differenzen gekommen, die damit endeten, daß etwa ein Dutzend SA.- Leute aus- geschlossen wurde. Neuerdings ist es nun wieder zu heftigen Zusammenstößen zwischen Sturm und Parteileitung gekommen. Diese Differenzen sollen, wie man erfährt, dadurch hervorgerufen worden sein, daß die Partei den SA.-Mann Gösch, der vor wenigen Tagen vom Eberswalder Schöffengericht wegen schwerer Erpressung zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war, und den Truppen- führer S ch i m a n f k I, der wegen schweren Einbruchdiebstohls bei dem Stahlhelm verhaftet und gegen den ein Verfahren ein- geleitet wurde, aus der Partei ausschließen wollt«. Die SA.-Leute, unter denen sich verschieden« mit mehrjährigen Zucht- hausstrafen(aber natürlich nicht aus politischen Motiven) befinden, wollten das jedoch nicht zugeben und drohten mit Gehorsams» Verweigerung. Als der Sturm 81 nun zu einer Uebung zusammen» treten sollte, blieb der größte Teil der SA.-Leute der Uebung fern. Sie stellten an die Parteileitung ein Ultimatum, bei dessen Nichterfüllung sie„losschlagen" wollten. Daraufhin wurde der Sturm aufgelöst. Auch innerhalb der Parteileitung in Eberswalde selbst ist es zu schweren Differenzen gekommen. Der gemäßigte und der radikale Flügel der Partei und der SA. streiten sich augenblicklich um den Po st en des obersten Führers im Eberswalder Bezirk. Zu einer Einigung ist es bisher nicht ge- kommen, vielmehr versuchen der bisherige Führer und drei Unter- führer sich gegenseitig„durch schlagende Beweise" von ihrer Un- fähigkeit und Irottelhastigkeit zu überzeugen. Guilbeaux vorm Kriegsgerichi. Enthastung verweigert. Paris. 24. August.(Eigenbericht.) Der pazifistische Schriftsteller Henri Guilbeaux, der seinerzeit wegen Hochverrats zum Tode verurteilt wurde und sich jetzt in Pari» gestellt hat, stand am Mittwoch zum ersten Mal« vor dem Kriegsgericht, zunächst aber nur zur Feststellung seiner Personalien und Verlesung der Anklageschrift. Die eigentliche Ver» Handlung wird erst in drei Monaten beginnen. Für die Zwischenzeit hatte der Angeklagt« die provisorische Freilassung be- antragt, was ihm jedoch„angesichts der Schwere seiner Straf- taten" oerweigert wurde. Einen besonderen Grund für diese Weigerung sah das Gericht darin, daß Guilbeaux 1918 als Beamter der russischen Sowjetregierung russischer Staatsbürger geworden ist. Aus einer Kaschistenboifchast. Gesandter von gerügtem Angestellten überfallen. Reval. 24. August. Der italienische Gesandte In Estland, Graf Tosti, Herzoo von Dalminuta, wurde von dem Kanzleibeamten dieser Gesandtschaft, Ferraris, in den Diensträumen überfallen und durchRasier- mesferschnitte im Gesicht ernst, ober nicht lebensgefährlich verletzt. Der Gesandt« hatte Ferraris ernste Vorhaltungen gemacht, da Ferraris einer Angestellten der Gesandtschast eine Ohrfeige versetzt hatte. Im Gespräch stürzte sich Ferraris auf den Gesandten. Ferraris, der italienischer Staatsangehöriger ist, aber nicht zum diplomatischen Korps gehört, wurde von der eslländischen Polizei verhaftet. Die Llnruhen bei Katiowih. Hungernde Arbeitslose wüten gegeneinander. Kaktowih. 24. August. Die Nachrichten über schwere blutige Ausschreitun- gen in Agneshütte sind weit übertrieben. Schon seil Monaten hatten arbeitslose Bergarbeiter zwischen Hohenlohehütte und Josephs- darf Kohle, die nicht tief liegt, eigenmächtig gefördert und in den umliegenden Ortschaften oerkauft. Die Polizei hatte den Austrag er- hatten, dies« Notschächte zu sperren und den Kohlenverkauf zu unterbinden. Der Betrieb auf diesen Notschächten hatte jedoch schon so großen Umfang angenommen, daß die Polizei dagegen machtlos war. Am Dienstagnachmittag kam es min zwischen einheimischen und auswärtigen Arbeitslosen bei dem Kohlenabbau zum«trett und schließlich zur Schlägerei. Die Arbeitslosen gingen mit Schaufeln und Hocken aufeinander los. Dem herbei- gerufenen Ueberfallkommando gelang es, die streitenden Parteien auseinanderzubringen. Bei der Schlägerei wurde ein Arbeitsloser an der Hand schwer verletzt. Ein anderer wurde in einen Schacht geworfen und erlitt mehrere Knochenbrüche. Zahlreiche Arbeit»« läse wurden leicht verletzt. Am heutigen Morgen oersuchten einzelne Gruppen der Arbeitslosen, die Förderung der Kohle wieder auf- zunehmen. Die Polizei hott« jedoch da» Gelände umstellt und ließ niemanden hii�u. Rechtsanwalt Freister! Das Musterexemplar eines Volljuristen. Mne besondere Zierde der nationalsozialistischen Landtags- fraktion in Preußen ist der Abgeordnete Rechtsanwalt Freister. Dieser Abgeordnete, dessen Name stets mit dem schmutzigen Antrag gegen die Ehre der Frau des ehemaligen Vize- Polizeipräsidenten Weiß befleckt bleiben wird, ist der Vorsitzende des Rechts-Untersuchungsausschusses im Preußischen Landtag, des söge- nannten Zarnow-Ausschusses. In dieser Eigenschaft hat sich Herr Freisler jetzt einen Willkürakt geleistet, der auch in der parlamentarischen Geschichte der Nationalsozialisten seinesgleichen sucht. Herr Freisler hat den Ausschuß für den 2. und 3. September nach Beuthen einberufen, damit er sich dort an Ort und Stelle m i t dem Todesurteil des Beuthener Sondergerichts befassen soll. Mit der den Nationalsozialisten eigenen Unverschämtheit setzt sich Herr Freisler über alle verfassungsrechtlichen und geschäftsordnungs- mäßigen Schranken, die dieser Einberufung entgegenstehen, hinweg. Wie die übrigen Fachausschüsse, erhält auch der Zarnmv-Aus- schuß seine Aufgaben vom Landtagsplenum überwiesen. Er hat sich mit bereits abgeschlossen en Justizfällen, für die eine Landtagsmehrheit eine Untersuchung als notwendig erachtet, zu befassen. Freisler kommt es aber gar nicht daraus an, unter Um- stärtben auch in ein noch schwebendes Verfahren einzugreifen. In der Sitzung des Preußischen Landtages vom 27. Mai dieses Jahres verlangte der„Vollfursst" Freisler, daß der Landtag ohne jede Sachkenntnis nur auf ein von ihm verlesenes Telegramm hin zwischen den Anträgen des Staatsanwalts und der Urteilsfällung des Schwurgerichts in der Hückeswagener Mordsache eingressen solle. Dieser würdige„Rechts- Vertreter" erklärte damals mit überlaufender Pathetik, daß soeben der Staatsanwalt Zuchthausstrafen von 7 bis 9 Jahren gegen„gänz- lich unschuldige Nationalsozialisten" beantragt habe, die nur„in Notwehr gehandelt" hätten. Aus diese Angaben hin, die bereits 24 Stunden später durch das Gerichtsurteil glatt widerlegt wurden, sollte der Landtag durch eine Demonstration einen Druck auf das Schwurgericht vor der Urteilsverkündung ausüben. Man braucht sich nicht auszumalen, was nach diesem schönen Austakt ein zur Gewohnheit werdendes Eingreifen der National» soziallsten in schwebende Verfahren für Folgen in der Recht- sprechung nach sich ziehen müßte. Es würden dann nur noch Urteils gefällt werden, bei denen es nach dem Patentvorfchlag des nationaffozialistischen Oberstaatsanwalts von Steinäcker nur aus die Gesinnung und nicht auf die Tat ankommt. Uebrigens sind wir neugierig zu erfahren, wer von den Aus- schußmitgliedern ohne Beschluß des Ausschusses dem Ruf nach Beuthen Folge leisten würde! Bayern für die Verfassung. Held hat«6 Pape» und Gayl verdeutlicht. München, 24. August. Die bayerische amtlich« Pressestelle teilt mit: Ministerpräsident Dr. Held hatte in Berlin eine Aussprache mit Mitgliedern des Reichskabinetts über die Frag« der Reichsresorm. Die Aussprache war oeranlaßt durch die Rede des Reichstnnen- Ministers auf der Versassungsfeier 1932, worin die Reichsregierung ihren Entschluß ankündigte, alsbald ein« Verfassungs. und Reichsrcform in Angriff zu nehmen. Die Forderungen Bayern, verlangen vor allem, daß eine Reu- ordnung der verfassungsrechtlichen Verhältnisse nur auf dem unbestrittenen Boden des Rechts angebahnt wird. Die„Bayerische Staatsztg." berichtet Einzelheiten der Unter- redung. Danach hat Dr. Held zum Thema Reichsreform, besonders zu den Bestrebungen nach Beseitigung des Dualismus zwischen dem Reich und Preußen die Vorbehalte im einzelnen erläutert, die vom süddeutschen Standpunkt aus berücksichtigt werden müßten. Er hat nachdrücklich betont, daß die bayerische Staatsregierung keinesfalls irgendeiner Maßnahme zustimmen werde, die sich nicht streng im Rahmen der Reichsverfassung halte, und er hat ferner betont, Bayern könne im Reichsrat an der Lösung des preußischen Problems nur unter der vor- aussehung aktiv mitwirken, daß die von Bayern für erforder- lich gehaltenen verfassungsmäßigen Garantien für die süd-' deutschen Länder in vollem Umfange geschaffen werden. Die Anschauungen der bayerischen Staatsregierung seien in einer vertraulichen Denkschrift zusammengefaßt, die dem Reichskanzler und dem Reichsinnenminister überreicht und auch den anderen süd- deutschen Regierungen sowie der sächsischen Regierung von München au» unmittelbar zugestellt worden ist. Der bayerische Ministerpräsident habe schließlich keinen Zweifel daran gelassen, daß die bayerische Regierung sich auch in bezug auf den Reichstag nicht in der Lage sehen werde, irgendeiner Maßnahme, die mit der Verfassung nicht in Einklang stehen sollte, ihre positive Zustimmung zu geben. Gorguloff irrsinnig. Die Gerichtsärzte gegen Hinrichtung. Paris, 24. August.(Eigenbericht.) Die Gattin des Präsidentenmörders Gorguloff hat in einem Antrag an den Justizminister die Revision des Prozesses gefordert unter' der Begründung, daß Gorguloff im Gefängnis inzwischen vollkommen irrsinnig geworden sei. Die französische Liga für Menschenrechte verlangt in einer Eingabe an den Präsidenten dT Republik die Begnadigung des Mörders aus dem gleichen Grunde. Die drei Acrzte, die im Prozeß zum großen Teil noch die volle Verantwortlichkeit des Mörders betonten, haben in einem Schreiben an d«n Verteidiger Gorguloffs erklärt, der Geisteszustand des Mörders habe sich in der Haft so verschlimmert, daß man von vollständigem Wahnsinn sprechen könne. Zwei dieser Aerzte de- tonen, vor ihrem Gewissen nicht verantworten zu können, wenn Gorguloff trotzdem hingerichtet würde. Unter Spionagebeschuldigung verhaftet wurden in Konstanza (Rumänien) zwei Molrosen des deutschen Dampfers„R ü r n- b e r g". der vor zwei Tagen aus Odessa nach Konstanza ge- kommen ist. Adolf darf nach Wien. Das Wiener Naziblott berichtet, daß der Ministerrat beschlossen hat, �Hitler die Einreisebewilligung für den yj. und 18. S:p:ember zum Parteitag zu erteilen. Der Boykottausruf gegen Danzig ist entsprechend dem neuen Danzig-Polen-Abkommen vom polnischen Westmartenverein zu- rückgezogen worden. Ja, Hitler, das ist was anders! „Halt! Halt!- Go war das nicht gemeint!" WirtschastlicheKatastrophenpolitik? Zum Personenwechsel im �eichswirtschastsministerium. In den Aemtern des Reichswirtsclsaftsministeriums sind Veränderungen erfolgt, die von höchster wirtschafts- Politischer Bedeutung zu sein scheinen. Der bisherige Staatssekretär Dr. Trendelenburg hat dem Reichspräsidenten seinen Rücktritt erklärt und ist verabschiedet. Sein Nachfolger ist ernannt. Es ist Gehcimrat Schwarzkops, Direktor der Landeskreditkasse in Kassel, im alten System Re- gierungsrat im Reichsnnanzministerium. In Trendelenburg sst die deutsche Handels- und Wirffchastspolitik vor der Durchsetzung der Autarkietendenzen verkörpert. Schwarzkopf war der persönliche Referent des deutschnationalen Kriegsfinanzmimstcriums Dr. H elf strich. Schwarz köpf dürste auch heule der Deutschnationalen Partei noch angehören. Weiter: Zurückgetreten ist ebenfalls Ministerialdirektor Josten, der Leiter der K a r t e l l st e l l e im Reichswirffchasteministerium und Referent auch für schwcrindustrielle Kartellpreissragen und entsprechende Untersuchungen bei den Eisen- und Kohlenoerbänden. Daß Ministerialdirektor Dr. Posse, bisher v e r o n t- w o r t l i ch e r Leiter der deutschen Handelspolitik und Vertreter Deutschlands bei allen wichtigen internationalen Wirtschaftskonferenzen und bei allen Handelsoertragsverhandlungen, aus seinem Amte ausscheiden will, wird behauptet und scheint nicht un- wahrscheinlich. Der jetzige Reichswirtschajtsminister Dr. Warm- bald hat diese aus dem Reichswirffchaftsminssterium ausscheidenden Exponenten der bisherigen wlrtschajls- und handelspolitischen Tradition jedenfalls auch nicht-halten wollen. Das sind Tatsachen.. Ueber die Gründe dieses Personalwechsels liegen keinerlei amtliche Erklärungen vor. Anscheinend offiziös berichtet die„Telegraphen-Union", daß Meinungsverschieden- Helten zwischen dem Minister und seinem Staatssekretär be- standen haben, die ober Nicht die Richtung der in der Wirffchafts- Politik zu beschreitenden Wege, sondern nur das Ausmaß und das Tempo der beabsichtigten Maßnahmen betreffen. Autarkietendenzen würden nach wie vor im Reichswirtschaftsministerium abgelehnt. Diese Erklärung besagt nicht viel, denn Autarkietendenzen war- den auch bisher schon vom Reichswirtschaftsministerium zum Teil mitgemacht, und es genügt, daß Meinungsverschiedenheiten über Ausmaß und Tempo bestanden. Wir hören auch von Möglichkeiten rein persönlicher Gegensätze zwischen dem Minister und seinem ersten Gehilfen, doch gibt es hierfür keinerlei Kontrolle. Die meisten Zeichen sprechen aber dafür, daß in dem durch- geführten Personalwechsel«in Systomwechsel in den Grundlinien der Wirtschastspolltik sich ausprägt. Trendlenburgs Rücktritt, Jostens Abgang und Posse» Amtsmüdigkeit treffen mit der Taffache zusammen, daß Reichs- kanzler von Papen am Sonntag auf einer agrarischen Tagung in Münster sein Wirffchaftsprogramm bekanntgeben will. Das ist kein Zufall. Don diesem Programm wird gesagt, daß es die F ö r- derung der Landwirtschaft bis zur enffcheidenden Um- stellung der deuffchen Wirffchastspolitik auf die Binmenmartt- orientierung vorsieht. Es wird weiter gesagt, daß zugunsten der Landwirtschaft auch generelle Zinssenkungsmaß- nahmen geplant feien, wie sie vom Reichssandbund und auch vom Deutschen Landwirrschaftsrat verlangt worden sind und in der Linie der Politik Hugenbergs liegen. Vom Reichswirtschastsminister Warmbold ist bekannt, daß er kein starker Mann ist und seine engen Bindungen an die Landwirtschaft(Stickstosfsyndikat und Stickstosfindustrie) in seiner Tätigkeit nie verleugnen konnte. Daß i» dieser Richtung liegende Wünsche der Schwerindustrie und der Croßchemie in der Kartell- stelle des Reichswirtschastsministeriums einen gewissen Wider- stand gefunden hätten, halten wir für sicher. Warmbold wird den Anforderungen, die an ihn gestellt worden sind und die der Tradition des Reichswirffchaftsministeriums zuwiderlaufen, kaum genügend Widerstand haben entgegensetzen können oder wollen. Wenn daher auch persönliche Gegensätze und Meinungsverschieden- heilen zur Erklärung der Rücktritte herangezogen werden, so haben diese persönlichen Differenzen eben ihr« Ursache in sachlichen Differenzen. Der Charakter der Streitfragen ist für die zukünftige deutsche Wirtschaflsenlwickiung schlechthin lebenswichtig. Wenn die deutsche Wirffchafts- und Handelspolitik grundsätzlich bis zur vorwiegenden Binnenmarkt- orientierung geändert«erden soll, wenn man an eine generelle Zinssenkung im Interesse der Landwirtschaft ernsthast denkt, dann steht für die deutsche Oeffentlichkeit da» Zeichen auf Groß- a l a r m. Daran würde auch dadurch nichts geändert, daß im Rahmen dieser Ziele gewisse planwirtschaftliche Tendenzen mit ver- folgt werden würden. Die„Deutsche Tageszeitung", das Blatt der Junker, schreibt zum Rücktritt Trendelenburgs:„Wir würden das Verschwinden dieses Staatssekretärs, der zuzeiten dank seines starken Rückhalts in der Industrie stärker als sein Chef sein dürfte(!), begrüßen als ein hoffnunggebendes Signal für ein« neue nationale Handsls- und Wirtschaftspolitik." Eine nachhaltige Förderung der deutschen Wirtschaft, die Heilung der gemeinsamen Rot, könne nur von inney heraus, in erster Linie von der Land- Wirtschaft her, betrieben werden." Diese Begleitmusik ist deutlich genug. Die gesamte oerarbeitende Industrie, alle Politiker von Augen- maß und Eharakter, fast die gesamte Wirffchoft kämpfen gegen die Tendenzen, die von der Regierung Papen offenbar verfolgt werden. In de» Weltwirtschost scheint sich ein Umschwung zum Besseres anzubahnen! Es ist eine Lebensfrage für Deutschland— es wurde schon unendlich viel versäumt in dieser Richtung—, den Anschluß an einen beginnenden weltwirtschaftlichen Umschwung gut vor- bereitet zu suchen. Jede Arbeitsbeschaffung bleibt Wahnwitz, wenn sie nicht dieser Vorbereitung des Anschlusses an eine weltwirffchaft- schaftliche Besserung dient. Wenn die Reichsregierung vollendete Tatsachen schaffen würde, mit denen der Kurs der bisherigen Wirt- schofts- und Handelspolitik nicht nur ausnahmsweise, sondern ganz grundsätzlich verlassen wird, dann würde sie wirtschaftliche Karastrophenpolitik betreiben. Sie stützt sich heut« besten- fall» auf die Deutschnationale Partei, d. h. auf ein knappes Fünf- zehntel des Reichstags. Gerade daraus sollte sie ihre Absichten, bevor Tatsachen geschaffen werden, mindestens zur öffentlichen Dis- kussion stellen I Ganjurjo vor Gericht. Todesstrafe beantragt. Madrid, 24. August. Die Führer des jüngsten Monarchistenputsches standen heute vor ihren republikanischen Richtern. Der Hauptangeklagte, General S a n j u r j o- Sevilla, gab zu, den Aufstand schon vor länger als einem Monat beschlossen zu haben. Als Grund behauptete er fort- gesetzte Verleumdungen des Heeres, über die in allen spanischen Garnisonen, namentlich in Sevilla, starke Erregung geherrscht habe. Er habe bereits vor anderthalb Monaten beim Kriegsminister mündlich dagegen protestiert und ihm mitgeteilt, daß die Armee sich durch gewisse Aeußerungen, die der I u st I z m i n i st e r in einer öffentlichen Kundgebung getan hätte, beleidigt fühle. Von der Vorbereitung einer Revolutionsbewegung in Madrid habe er zufällig Kenntnis erhalten und sei daraufhin am 19. August in Begleitung seines Sohnes und Adjutanten abgereist. Sanjurjo leugnete jegliche Verbindung zwischen den Aufstands- bewegungen von Madrid und Sevilla. Er wollte auch über die Teilnehmer der Bewegung keine genauen Angaben machen können. Der Generalstaatsanwalt beantragte gegen General Sanjurjo die Todes st rafe und gegen die drei übrigen Angeklagten lebenslängliches Zuchthaus. * Die Verhandlung gegen General Sanjurjo und die übrigen drei Angeklagten verlief sehr ruhig. Der Staatsanwalt legte dar, daß sich die Angeklagten der vollendeten Militärrebellion schuldig gemacht hätten, für die das Strafgesetz nur die Todes- strafe kenne. Sanjurjos Verteidiger versuchte nachzuweisen, daß es sich nicht um eine vollendete Militärrebellion handelt, da die Ereignisse ohne Blutvergießen abgelaufen seien. Es komme höchstens lebenslängliche Hast in Frage. Das Gerichtsgebäude wird außer- ordentlich st a r k bewacht. In Sevilla sind neuerdings zahlreiche Verhaftungen vorge- nommen worden, darunter des früheren liberalen Abgeordneten La Borbolla. der gegenwärtig der Radikalen Partei angehört. Neuer Offiziersputsch rasch liquidiert! „Information" berichtet aus Madrid, daß in der Provinz A l a o a von Offizieren eine neue Aufftandsbewegung vor- bereitet, jedoch im Keime erstickt worden sei. Unter den Der- hasteten soll sich der jüngste Sohn Primo de Riveras, ein Fliegerhauptmann, befinden. Neuordnung �deutschen Wirtschast l�eserat des Genoffen Reichel auf dem Meiallarbeiter-Verbandsiag. O. Sch. Dortmund. 24 August. Der dritte Verhandlungstag des Deutschen Metollarbeiter- Verbandes begann mit einem instruktiven Referat des Verbands- Vorsitzenden Genossen G. Reichel über das Thema: Die Neuordnung der deutschen Wirtschast mit besonderer Berücksichtigung der eisenschassenden Industrie. Reichel stellte einleitend das starke Wachstum der Produktions- mittel in der Welt und die Leistungssteigerung der Landwirtschast fest, dem eine gleiche Zunahme der Absatzmöglichkeiten nicht gegenüberstehe. Daraus ergibt sich ein Widerspruch, wie die Wirtschaftsgeschichte der Menschheit keinen ähnlichen kennt. Schornsteine rauchen nicht mehr, Maschinen stehen still und die köstliche Frucht der Felder wird wieder vernichtet. Die Maschine, statt den arbeitenden Menschen reichlich mit Bedarfsgütern aller Art zu oersorgen, droht ihn zu zerschlagen Nach Leo chausleiter sind die Maschinenkräfte in P8 ausgedrückt in dem kurzen Zeitraum von 1913 bis 1928 in Amerika von 96 auf 162 Millionen— 90 Proz., in Europa von 94 von 13S Millionen— 50 Proz., in der übrigen Welt von 31 auf 93 Mil- lionen— 200 Prvz. gestiegen. Innerhalb Europas beträgt die Steigerung in England und Deutschland je 80 Proz., in Frankreich 145 Proz., im übrigen Europa 100 Proz. Die Maschinen aus Menschenkräfte umgerechnet ergibt einschließlich der tätigen Menschen eine Steigerung des Kraftwertes in Europa oon 650 auf 1100 Millionen— 70 Proz.: in Amerika von 500 auf 2200 Mil- lionen— 340 Proz., in der übrigen Welt von 750 auf 1400 Mil- lionen— 96 Proz. Die Menschheit, die in langer Zeit einen unermeßlichen Reich- tum in Produktionsmitteln entwickelt hat, ist der Sklave blindwirken- der gesellschaftlicher Kräfte geworden. Die Technik ermöglicht theoretisch einen hohen Stand der Arbeits- und Menschenkultur, die Menschheit aber darbt und hungert. 25 bis Z0 Millionen Menschen in der Welt sind arbeitslos und auf kümmerliche Fürsorge ange- wiesen. Mißernten und epidemische Krankheiten sind durch Wissenschaft und technischen Fortschritt überwunden. Der vom Kapitalismus auf die Spitze entwickelte Krieg, der organisierte Menschenmord aber ist geblieben. Kapitalismus und Weltkrieg sind die Ursachen der gegen- wältigen Not. Das muß besonders hier im industriellen Gerzen Deutschlands scharf betont und die verleumderischen Angriffe der Unternehmerpresse auf die Arbeiterbewegung zurückgewiesen werden. Das Unternehmertum an der Ruhr fetzte sich stark für die militärische Rüstung ein und nach Kriegsausbruch für feine Verschärfung. Die gegenwärtige reaktionäre Bewegung wird ideell und materiell vom Ruhrkapitalis- mus unterstützt. Auch nach der Aechtung des Krieges als Verbrechen an der Menschheit verschlingt der Militarismus jährlich 900 Mil- lionen Pfund Sterling— 18 Milliarden Mark, die dem Wiederaufbau der Wirtschaft, der Linderung der Rot entzogen werden. Die Auswanderung als Abflußkanal für stark wachsende Völker i st verstopft. Von 1816 bis 1922 sind aus Europa 40 790 000 Menschen ausgewandert, davon 4,5 Millionen aus Deutschland— 45 000 im Durchschnitt pro Jahr. Der jetzt zwangs- läufige Verbleib der überschüssigen Bevölkerung in Deutschland, be- lostet mit dem Zugang von 2 Millionen Arbeitskräften aus dem Mittelstand und der Rentnerschicht infolge der sozialen Umschichtung durch Krieg und Inflation, den deutschen Arbeitsmarkt außerordent- lich. Dazu die Abschließung der Länder durch Zölle und Einfuhrverbote, die Erschwerung des chandels unter den Völkern durch den Währungszerfall in 25 Ländern der Welt. wie stehen mitten in der gewaltigsten wirtschaftlichen, staatlichen und sozialen Revolution oller Zeiten. Neue Wirtschaftsformen drängen sich zwangsläufig aus dem morsch und abbaureif gewordenen Kapitalismus hervor. Selbst das größte Konzernunternehmen, geschweige denn die Einzelunternehmung— und mag auch der Tüchtigste an der Leitung stehen— vermag den Kampf in dem wirtschaftlichen Wirrwarr der Welt allein nicht zu bestehen. Er braucht die Hilfe des Staates und nimmt sie auch in Anspruch. Mehr und mehr tritt der Staat an die Stelle der privaten Unternehmung. So war es bei der Bankenstützung, dem Russen- geschäft, der Osthilfe für die Landwirtschaft, bei Gelsenkirchen, beim Schiffsbau, der Schiffahrt, der oberschlesischen Hüttenindustrie u. v. a. Bisher aber hat der Staat nur die Konkurse verhindert, also pleiten sozialisiert. Dabei kann und darf der Staat nicht stehen bleiben, wenn er nicht selbst unter die zermalmenden Räder kommen will. An die Stelle gelegentlichen Eingreifens � muß konstruktive und planvolle Wirlfchastspolitik treten. Diese Forderung erheben wir insbesondere im Namen der Millionen Arbeitsloser, die dauernder wirtschaftlicher Not und seelischer Pein überantwortet bleiben, wenn nicht eine Umstellung der Wirtschaft erfolgt und bald praktisch wirksame Hilfe für sie kommt. Die deutsche Eisenerzeugung ist zurzeit mit 34 Proz., die Maschinenindustrie mit 30 Proz. ihrer Leistung von 1929 beschäftigt. Selbst wenn sich die Wirtschaftslage der Welt in nächster Zeit etwas bessern sollte, werden wir in Deutschland noch für längere Zeit mit einer Arbeitslosigkeit von mehreren Millionen Menschen rechnen müssen. Staat und Wirtschaft würden auch weiter unpro- d u k t i v arbeiten und mit einer uneinlösbaren Hypothek belastet. Dringend notwendig ist die Anpassung der deutschen Eisenpreise an die Weltmarktlage und damit eine Stärkung des Wettbewerbs des Maschinenbaus am In- und Auslandmarkt. Durch die Eisen- z ö l l e. deren Abbau angesichts der Entwicklung des Weltmarkts zur Zeit nicht erfolgen kann und durch die Absperrung des Zuflusses ausländischen Eisens auf den deutschen Markt, wird der deutsche Innenmarkt im Durchschnitt jährlich mit 100 Millionen Mark belastet. Eine Liebesgabe des Staates an die Eisenherren. Durch die starke Preisdifferenz für Eisen- und Stahlerzeugnisse zwischen Inland und Weltmarkt(Stabeisen ab Antwerpen zur Zeit 44 M., ab Oberhausen 110 M.), wird die Ausfuhr hochwertiger Fertigwaren gehemmt und unterbunden. Durch eine wirtschaftlich bessere Betriebsführung und vernünftige Preisgestaltung für Stahl- und Halbfabrikate können 200 000 bis 300 000 Menschen mehr allein in der deutschen Metallindustrie beschäftigt werden. Die Monopolherrschast der Kartelle muh gebrochen werden. nicht durch die Zerschlagung der Kartelle, sondern durch ihre Ueber- führung in eine höhere Wirtschaftsform. Der Kapitalismus hatte ein Jahrhundert lang die Führung. Was hat er erreicht? Er hat planlos ungeheure Maschinenkräfte entwickelt: er hat die von den Gewerkschaften im Verein mit vorbeugender Sozialpolitik und Arbeitshygiene erwirkte Lebensverlängerung um 10 bis 15 Jahre durch die dauernde Ausschaltung der älteren Arbeiter aus dem Pro- duktionsvrozeß entwertet und zerschlagen. Er hat die Menschheil in ein entsetzliches Blutbad verstrickt, eine Welt in Trümmer geschlagen. Cr weiß keinen anderen Ausweg als politische und wirtschaftliche Diktatur, Beseitigung der in langer Entwicklung errungenen Volks- rechte. Das führt zum Bürgerkrieg, notwendigerweise auch zu einem noch viel entsetzlicheren Krieg als der letzte. Dorthin wollen wir nicht zurück. Wir wollen vorwärts, in eine neue bessere Zeil, die Lebens- räum und Lebensfreude für alle bietet. Der Einwand der Gegner der Gemeinwirtschaft, daß nur die persönliche Initiative des Unternehmens allein wirtschaftlichen Erfolg und technischen Fortschritt verbürgt, galt höchstens für eine längst zurückliegende Zeit, aber nicht mehr für die Gegenwart und die Zukunft. Der Redner verweist auf die städtischen und staatlichen Elektrizitäts- werke, die sicher jeden Vergleich mit privaten Werken aushalten. Und hat nicht Professor Haber aus reinem Forschungsdrang der Menschheit das Geschenk der Gewinnung des Stickstoffes aus der Luft gegeben, das uns 20 Tonnen Getreide aus einer Tonne Stickstoff spendet und die Völker instand setzt, durch den Krieg verlorengegangenen Boden aus der Luft zu ersetzen. Zum Schluß verweist der Redner auf die dem Verbandstag vorgelegten Richtlinien für die Verstaallichnng der Eisenindustrie, die die Zustimmung des Verbandstaoes fanden. Er schloß mit den Worten: Das kapitalistische Wirtschaftssystem versagt für die Neuordnuno der Produktion und des Güteraustausches in der Welt. Unfähig, die Menschheit aus der Sackgasse wieder herauszuführen, hat es zur Seite zu treten und neuen Kräften die Führung zu überlasien. Für die Arbeiter sind rauchende Schornsteine und stampfende Maschinen, wenn sie wieder voll in Betrieb gesetzt sind, noch keine Kultur. Zu wirklichen Kulturgütern werden sie �rst, wenn sie ihres Ausbeutung?- und Kapitalcharakters entkleidet und ausschließlich Diener der schaffenden Menschheit sind. Mensch und Maschine, die im Kapitalismus nicht für, sondern gegeneinander arbeiten, müssen durch kollektive Kräfte zur höheren Form der Gemeinwirtschaft ver- einigt werden. Dann steht jedem Menschen ein eiserner Diener zur Seite. Die Verlustquellen der Wirtschaft versiegen. Not und Elend hören auf. Aus dem Reich des Zwanges und den Niederungen der Kultur steigt die Menschheit zur Freiheit und Menschenwürde empor. Dem Sozialismus gehört die Zukunft, ihm weihen wir unsere ganze Kraft! Auch dieses Referat benutzte die völlig unbedeutende Opposition, um sich bemerkbar zu machen. Sie brachte eine mehrere Seiten lanlze Entschließung ein, in der die Politik des Verbandsvorstandes a I s Jllusionspolitik bezeichnet und die Abkehr von dieser Politik gefordert wird. Genosse Reichel hielt der Opposition entgegen, daß nirgendwo eine realere Politik getrieben wird als in den Gewerkschaften, nirgends aber auch eine größere Illusionspolitik als in den sogenannten„revo- lutionären" Organisationen. Die oppositionelle Eni- schließung fand nicht die notwendig« Unterstützung. Der Verbandstag trat dann in die ernsteste Verhandlungsperiode ein, in die Beratung der Anträge zur Sanierung der Ver- bandsfinanzen. Der Kassierer, Genosse Schott, legte die Notwendigkeit der Aenderung der Bestimmungen über die Unter- stützung der Erwerbslosen dar. Seit dem Beginn der Krise hat der Metallarbeiteroerband 34 Millionen Mark mehr aus- gegeben als eingenommen. Der Verbandsvorstand schlägt eine Staffelung der Be» zugsdauer der Erwerbslosenunterstützung nach Beitragsjahren vor. Die Bezugsdauer soll nicht mehr generell 15 Wochen betragen. sondern je nach der Zugehörigkeit zur Organisation 7 bis 12 Wochen. Die Karenzzeit zum Wiederbezug von Erwerbs- '. o s e n u n t e r st ü tz u n g bat der Verbandsvorstand von 72 auf 92 Wochen z u erhöhen. An der Höhe der Erwerbslosen- Unterstützung soll nichts geändert werden. Bei allen anderen Unter- stützungszweigen, mit Ausnahme der Umzugs- und Reiseunter- stügung, die etwas gekürzt werden sollen, ersuchte der Verbands- vorstand die Delegierten, oon Aenderungen Abstand nehmen zu wollen. Für den Fall, daß in der Zeit bis zum nächsten Verbands- tag die finanzielle Lage der Organisation dringende Maßnahmen zur Bilanzierung oon Einnahmen und Ausgaben erforderlich machen sollte, erbat der Verbandsvorstand die Vollmacht, zufamnieu mit dem Erweiterten Beirat diesen notwendigen Beschluß fassen zu dürfen. Nach längerer Debatte in der gestrigen Nachmittagssitzung wurde di«s« Ermächtigung erteilt, und auch die Vorschläge zur Neuregelung der Erwerbslosen-, Reise- und Umzugsunterstützung wurden angenommen. Der aus jedem Derbandstog wiederkehrende Antrag auf Ein- führung der Verhältniswahl fand auch hier in Dortmund keine Zustimmung. Oie Kehrseite der Tarifauflockerung. Wie stehts mit der Auflockerung der Kartellpreise? Ueber die Beratungen der Reichsregierung zur Tarifauslockerung und zur Reform der Sozialversicherung weiß der„Deutsche" zu be- richten: Soweit sich die Lage jetzt überblicken läßt, bestehen für die Tarisauflockerung drei Vorschläge. Während der eine Vor- schlag im wesentlichen eine Aufgliederung der T a r i s- gebiete nach räumlichen und fachlichen Gesichts- punkten vorsieht, und zwar zuerst für 2ö groHe Tarifverträge, enthalten die anderen Pläne gewisse Grundlagen für eine werkseitige Abdingbarkeit des Tarifs. Diese beiden Pläne unterscheiden sich nur durch die Art der Sicherungen, die in der Form der verschiedensten Auflagen erfolgen sollen. Bei diesen Auflagen geht die Reichsregierung von dem Ge- danken aus, daß, wenn man schon den Arbeitnehmern eine gewisse Lockerung der Unabdingbarkeit zumutet, man auch den Werken, die diesen vorteil für sich in Anspruch nehmen wollen, ebenfalls eine Lockerung ihrer Bindungen von den kortellvorjchriften und den Be- ftimmungen ihrer Konvention auferlegen muß. In diesem Zusammenhang ist beachtlich und auch auf die Reichs- regierung nicht ohne Eindruck geblieben, daß im Gegensatz zu früheren Anregungen nunmehr zahlreiche größere Unternehmungen sich gegen eine zu weitgehende Auslockerung des Tarifvertrages ausgesprochen haben. Auch einige Arbeitgeberverbände der mittleren und kleineren Industrien haben ähnliche Gedanken zum Ausdruck gebracht, denn sie befürchten durch eine solche Auflockerung eine Verschiebung der Konkurrcnzbedingungen. Aus diesem Grunde wird wohl so schnell nicht die Entscheidung hierüber fallen, da gerade dieses Gebiet sehr sorgfältig durchberaten werden muß. Schiedsspruch für die Maßschneiderei. Lohnabbau um 12,6 Prozent. Für die Maßschneiderei wurde nach schwierigen Ver- Handlungen in Dresden von drei Unparteiischen unter dem Vorsitz von Professor Dr. B r a h n ein Schiedsspruch gefällt, der einen Abbau der Löhne um 12,6 Proz. vorsieht. Auch sollen in der Städtegruppierung einige Aenderungen eintreten. Der Schiedsspruch ist ein Versuch der Unparteiischen, nach dem Scheitern der Verhandlungen in der Schlichterkammer eine Brücke zwischen den beiden Parteien zu schlagen. Ob dieser Versuch gelingt, hängt von der Stellungnahme der Mitglieder auf beiden Seiten ab. Bis zum 31. August muß die Erklärung der beiden Parteier» vorliegen. Das Ziel der Arbeitgeber war ganz offenkundig, von jeglicher tariflichen Bindung loszukommen. Ander« lassen sich ikue unge- heuerlichen Forderungen nicht erklären. Sie wollten erstens eine generelle Lohnkürzung von 2 0 Proz., zweitens Versetzung von etwa 70 Städten in eine niedrigere Städtegruppe, was für zwei Fünftel der Beschäftigten eine weitere Lohnkürzung oon etwa 8 Proz. bedeutet hätte, und drittens Kürzung des Heim- arbeiterzuschlogs von 10 auf 5 Proz. Alles in allem also eine Lohnkürzung von 20 bis 35 Proz. Bei einem solchen Abbau- Wahnsinn war. naturgemäß von vornherein eine Verständigung der Parteien ausgeschlossen. Die Arbeitnehmer müssen sich bei ihrer Stellungnahme zu dem Schiedsspruch sehr nüchtern die Konsequenzen ihrer Entscheidung überlegen. Für die Maßschneider steht die Tarifordnung auf d e m S p i e l. Arbeitsbeschaffung. Wie die Gewerbebüudler sie auffasseu. Der Gewerbebund Brandenburg tagte am Dienstag in Berlin, um zum Arbeitsbeschaffungsprogramm seine Forderungen geltend zu machen. Es ist nicht die Bedeutung dieses Bundes, die uns veranlaßt, seine Forderungen zu erwähnen, sondern die in diesen Kreisen herrschenden Auffassungen, von denen ihre Forderungen ausgehen, die der Syndikus des Bundes geltend machte. Anstatt der in Aussicht gestellten 335 Millionen Mark müsse mindestens eine Milliarde flüssig gemacht werden, durch eine schritt- weise Erweiterung des Zahlungsmittelumlaufs. Der Schwerpunkt sei aus die Steigerung der Lebenskraft der kleineren und mittleren Betriebe zu legen. Eine Bezuschussung von Hausreparaturen und Umbauten oon Wohnungen sei besonders wichtig. Der von der oldenburgischen Regierung(!> gewählte Weg, durch teilweisen Hauszins st euererlaß 50 Proz. des Repa- raturaufwandes zu finanzieren, führe wirksamer zum Ziel. Die Hauptforderung sei der Steuer- und Sozial- lastenabbau zugunsten der Privatwirtschaft. Zunächst sei ein Abbau des alle Rentabilität gefährdenden Satzes der Umsatzsteuer von 2 Proz. zu fordern, ferner die herabsehung der Abgabe zur Arbeitslosenhilfe auf das Maß der früheren Krisenlohnsteuer. Weiter seien grundsätzlich Einsparungen am Verwaltungsapparat not- wendig bei den Zentralinstanzen. Vor allem sei der Apparat der Reichsfinanzverwaltung durch wirksame Steuervereinfachung ener- gisch und schnell zu verringern. Schließlich gehörte zur Ankurbe- lung der Privatwirtschaft auch die mindestens zeilweise Abkehr von dem System der Tariflöhne. Eine verschärfte Kontrolle auf Nebenverdienst würde schon heute ergeben, daß viele angeblich Erwerbslose für einen nichttariflichen Lohn arbeiteten. Nur eine Regierung, die grundsätzlich vom Wert der freien Wirtschaft überzeugt sei, sei befähigt, die Not zu lindern. In der Diskussion wurde mit Nachdruck betont, daß keine Arbeit beschafft zu werden brauche, da sie da sei. Man müsse nur den Unternehmern durch Herabsetzung der Steuerbelastung und „vernünftige Regelung der Lohnsrage" die Möglichkeit geben, die Arbeiten in Angriff zu nehmen. Die Herrschaften, die noch die letzten Reste der Kaufkraft der großen Masse vernichten möchten, sind sehr im Irrtum, wenn sie davon eine Belebung der Klein- und Mittelbetriebe erwarten. Aus einer Razi- Fleischerei. l?ur Nazis alles da- für iverlauferiuneu mchts. Ein strammer Anhänger der Nazis ist der Inhaber der Fleischerei L. R o st u. C o., dessen Geschäfte sich in der Invaliden- straße 117, in Schmargendorf, Luije-Viktoriastraße 53a, und in der Westfälischen Straße 72 in Halensee befinden. Seine acht Fleischer- gesellen, die in der Werkstatt arbeiten, erscheinen nur in Nazi- uniform zur Arbeit. Rost, der nebenbei noch Guts- besitzer in Liebenwalde ist, hat dort auf seinem Schloß vor mehreren Wochen ein Gratisessen für 1000 arbeitslose Nazis veranstaltet. In einer Sportpalastkundgebung der Nazis hat R. 100 belegte Stullen für arbeitslose Nazis gestiftet. Wollte Herr Rost tatsächlich zur Linderung der Arbeitslosigkeit beitragen, dann müßte er nur tfie tariflich festgelegte Arbeitszeit einhalten, wodurch mehr Arbeitsplätze für Fleischergesellen und Verkäuferinnen geschafft werden. Pünktliche Gehaltszahlungen gibt es nicht. Die zwölf Ver- käuferinnen erhalten alle vierzehn Tage eine Abschlagszahlung von 10 M. auf ihr Gehalt. Bei jeder Verkäuferin sind rückständige Ge- Haltsansprüche von einem Monat und mehr vorhanden. Ver- käuferinnen, die sechs Jahre dort beschäftigt sind, ebenso lang- jährig beschäftigte Gesellen, haben noch niemals den ihnen zustehen- den tariflichen Urlaub erhalten. Die Gewährung der zwei halben freien Tage nach dem Tarifvertrag für Verkäuferinnen wird eben- falls verweigert. Das sind nur kleine Beispiele dafür, wie Arbeitnehmer von nationalsozialistischen Arbeitgebern behandelt werden. Wenn jetzt schon das Gehalt auf Stottern bezahlt wird, werden im„Dritten Reich" die Beschäftigten bei solchen Arbeitgebern nur fürs Essen arbeiten müssen. Gegen dieses„System" werden die Arbeitnehmer sich mit allen Mitteln wehren müssen. ji�Freie Gewerkschafts-Iugend Berlin Heute, Donnerstag, 25. August, um 19% Uhr, tagen die Gruppen: Südosten: Jugendheim Reichcnbcrger Str. 66. Politisch-satirischer Abend.— Tempelhos: Jugendheim Ln«eum Germaniastr. 1—6. Der Zu- gang ersolgt durch den Eingang Götzstraße, auf der hinteren Seite der Schule. „Geschlechtslranlheiten und Bolksgesundhcit.-— Moabit: Jugendheim Lehrter Straße 18—19. Moabit singt neue Lieder.— Staaken: Jugendheim 17. Volks» schule, Gartenstadt, Kirchplatz, EndhaltkZlelle Autobus 31. Hcimbesprechung. Berbandsbuchkontrolle.— Schönhauser Tor: Jugendheim Ticckstr. 18. Diskussion über„Unsere Stellung zur Religion".— Landeberger Platz: Jugendheim Diestelmagerftr. 5..Lehrlingsrecht."— Lichtenberg: Jugendheim Dosseftr. 22. „Die Prohibitionsfraac."— Rcu-Lichtenberg: Jugendheim Guntcrstr. 41. Lustiges Allerlei.— Osten: Jugendheim Frankfurter Allee 307, Lönszimmer. „Gewerkschaften und RGO."— Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotendurgcr Str. 2. Die Iungens haben das Wort.— Ziöpenick: Jugendheim Grünauer Str. z sRahe Vhf. Spindlerskeldj. Bunter Abend.— SchlesisMes Tor: Jugendheim Manteuffelstr. 7.„Siegreich woll'n wir..."— Wir spiele» ab 18 Uhr: Zugendgruppe be» Deutsche» Bekleidungsarbeitcr-Verbanbes: Treptower Wiese Nr. 8.— Zugcndtresscn Brandenburg: Meldet die Teilnehmer. Iuqeupqruppe des Zeutralverbaudes der Augestellteu yp/f Heute. Donnerstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Norden: Jugendheim Lortzingstr. 19. Aussprache:„Unsere Arbeit in den komme». — Die„Freie Angestclltenbank e. G. m. n. H." tagt heute von 194— 22 Uhr im Berbandshaus.— Spiele im Freien ab 18 Uhr Sportplatz Tiergarten.— Plaketten für die Antikriegslundgebung am 3. September im. Volkspark Reh» berge zum Preise von ZV Pf. find im Jugendsekretarra» zu haben. Nr. 599* 49.Iabrgang 1. Beilage des Vorwärts Vonnersiag, 25. August 4952 Die Toten an die Lebenden: Die Niobe-Katastrophe muß geklärt werden. Die Beisetzung für die Opfer de»«Jtiobe'-Unglütf» ist beendet. Da» Schiff ist gehoben, besichtigt, untersucht. Run hat die Oessent- lichkeit da» Recht und die Pslicht, Antwort zu verlangen aus die entscheidende Frage: war die Katastrophe wirklich onvermeid- bar, also höhere Gewalt? Oder wäre sie bei grötzerer see- männischer Kenntnis und grötzerer seemännischer Vorsicht zu vermeiden gewesen? Die Einzelheiten zur Beurteilung dieser Frage sind bisher der Oeffentlichkeit nicht unterbreitet worden. Es ist höchste Zeit, daß dies jetzt geschieht. Denn nach dem dürftigen Material, das bisher über den Verlauf der Katastrophe veröffentlicht worden ist, wäre es mindestens möglich, daß Unkenntnis oder falscher„Schneid" die Schuld an dem Tode so vieler junger Menschen trügen. Kein Führer eines Segelschiffes, dem nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Mannschaft anvertraut ist, kann sich daraus heraus- reden, daß er die tatsächliche Gewalt einer Gewitterbö vorher unterschätzt habe. Die Stärke einer Gewitterbö ist nur in den seltensten Fällen mit einiger Sicherheit im voraus abzuschätzen, es ist vielmehr fast stets mit der Möglichkeit eines orkanartigen, durch seine Plötzlichkeit doppelt gefährlichen Windstoßes zu rechnen. Mit Recht wird deshalb jedem jungen Segler eingeschärft, daß er bei aufziehender Gewitterwand entweder Segel zu bergen und vor Anker zu gehen hat oder bei größerem Vertrauen in die eigene Kraft wenigstens Sturmsegel zu setzen hat oder daß er, wenn er sich zu beidem etwa im Rennen nicht entschließen kann, mindestens die gesamte Mannschaft an Deck und nach Luv zu beordern hat. Eine„Wetterkatastrophe", von der vorgestern der Chef der Marine gesprochen hat, und„höhere Gewalt", gegen die seglerische und seemännische Kunst ohnmächtig ist, kann nur in zwei Fällen anerkannt werden: wenn ein Schiff unter Vollzeug ohne jedes vorherige Anzeichen plötzlich von einer Bö oder Windhose gepackt wird, der es unter Vollzeug nicht gewachsen ist. oder wenn eine sich vorher ankündigende Bö so stark wird, daß das Schiff weder unter Sturmsegeln noch beiliegend(also z. B. unter halber Motor- kraft dem Wind entgegen auf der Stelle treten) sie abzuwettern vermag. Möglich, daß bei dem„Niobe"-Unglück einer dieser beiden Fälle vorlag— aus den bisherigen Veröffentlichungen geht es aber jedenfalls nicht hervor. Und deshalb sollte die Marineleitung im allseitigen Interesse sofort eine detaillierte Darstellung der Kata- strophe, ihrer Ursachen und insbesondere der zu ihrer Abwehr ge- trossenen Maßnahmen geben. Für den Seemann zerfallt die Totalfrage nach der Vermeid- barkeit des Unglücks, also nach der Schuld der Führung am Unglück, in eine Reihe von Einzelfragen, die bisher noch nicht oder wenigstens noch nicht mit genügender Klarheit beant- wartet sind: 1. Welche Zeit lag zwischen dem Aufziehen des Gewitters und dem Einsetzen der Bö? 2. Welche Segel wurden während dieser Zeit geborgen? Welche standen noch beim Einsetzen der Bö? Gerefft oder unge- refft? 3. Für welche Windstärke war diese Besegelung geeignet? 4. Wie war der Kurs des Schiffes vor der Bö? ö. Wurde durch rechtzeitige Kursänderung dem zu erwartenden Räumen(breiteren Einfallen) der Bö, das dem Führer aus Theorie und Praxis bekannt sein muhte, Rechnung getragen? Oder fiel die Bö dwars(quer) ein? 6. Gab der Führer nach dem Einfallen der Bö das Kommando zum Luven oder zum Abfallen? 7. Warum war bei der zu erwartenden schweren Gewitterbö nicht die gesamte Mannschaft an Deck? 8. Waren nicht nur die Niedergänge, sondern auch die Luken geöffnet? Die Europaflieger in Paris. Weitere Landungen. Massot ausgeschlossen. pari», 24. August. von den Teilnehmern am Europarundflug trafen am Mittwoch der Deutsche h i r t h um 10.36 Uhr und der Tscheche Kieps um 10.23 Uhr in Orly ein. In der Gesamtwerlung liegen die beiden Polen Z wirko und Kar pinski an erster und zweiter Stelle. Ihnen folgen p o ß an dritter, der Schweizer A r e H an vierter. hirth an fünfter, I unck an sechster und M o r z i k an siebenter Stelle. Der Sporlausschuß des Aeroklubs von Frankreich hat den Europaflieger M a f f 0 t wegen feines unsportlichen verhalten» für die Dauer von drei Iahren ausgeschlossen. Im Laufe des Mittwochnachmittag trafen aus dem Flughafen Orly der Pole Giedgowd um 13.15 Uhr, Stein um 13.18, C u n 0 um 14.49 Uhr, Osterkamp um 15.11 Uhr, Änderte um 16.03 und Pasewaldt um 16.11 Uhr ein. Das schlechte Wetter, das zwischen Lyon und Stuttgart herrscht, hat eine Reihe der Teilnehmer am Weiterflug gehindert. Die polnische Maschine 0 1, die in Lyon aufgegeben hatte, ist in direktem Flug wohlbehalten in Orly eingetroffen. Ein Schaden am Fahrgestell hat den Führer veranlaßt, aus die weitere Teilnahm« zu verzichten. Die gehobene„Niobe" zwischen den Hebeschiffen. Wir wiederholen: die Oeffentlichkeit hat ein Recht, Ant- wort auf diese Fragen zu verlangen, damit sie sich selbst ein Urteil darüber bllden kann, ob die Katastrophe vermeidbar war oder nicht, ob insbesondere alle Vorsichtsmaßnahmen, zu denen ein verant- wortungsbewußter Seemann und Kapitän beim Annahen einer in ihrer Stärke nicht abzuschätzenden Gewitterbö verpflichtet ist, recht- zeitig getroffen waren oder nicht. Es wird damit zugleich die weitere Frage beantwortet werden, ob die Auswahl und die segle- rische und seemännische Ausbildung der Offiziere, denen die Führung eines Schulschiffes anvertraut wird, in der deutschen Marine aus- reichend ist oder nicht. Aenderungen in der Giaaisloiterie. Anzahl der Lose um 300000 herabgesetzt. Seit einiger Zeit macht sich in der Preußisch-Süddeutschen Staatslotterie bemerkbar, daß ein bedeutend geringere Anzahl Lose als früher abgesetzt werden. Während bis zum Jahre 1930 bei jeder Ziehung die volle Zahl der Lose— 800 000 Stück— abgesetzt werden konnte, ging der Vertauf seit 1931 ständig zurück, so daß bei der letzten Ziehung über 300000 Lose unverkauft blieben. Die Verwaltung der Staatslotterie hat sich aus diesem Grunde entschlossen, eine wesentliche Herabsetzung der Losanzahl vorzunehmen. Die Anzahl der Lose wird auf 500 000 herabgesetzt, das entspricht übrigens etwa der Zahl vor dem Kriege. Zu einer Herabsetzung des Lospreises konnte man sich allerdings nicht ent- schließen, trotzdem man sich in interessierten Kreisen gerade davon einen besseren Absatz oersprach. Die Staatslotterie glaubt jedoch, daß die Herabsetzung des Lospreises, die eine wesentliche Verwinde- rung der Gewinnchance mit sich bringen mühte,, keinen größeren Anreiz bedeuten würde und die Nachteile für alle Beteiligten die Vorteile bei weitem überwiegen würden. In Zukunft wird aller- dings, da 300 000 Lose wegfallen, nicht mehr in zwei Abteilungen gespielt werden, fondern nur noch in einer. Der Gewinnplan bleibt im Prinzip derselbe, der Prozentsatz der Gewinne zu den Losen wird sich nicht verändern. Vor allem hofft man mit dieser Maßnahme, die zum ersten Male bei der 41. Ziehung in Kraft treten wird, die sogenannten Lagergewinne zu beseitigen. Diese Gewinne auf unverkaufte Lose, die also der Staatslotterie selber zufallen, haben sehr zur Verärgerung des Publikums beigetragen. Sie sind jedoch bei dem bestehenden System der Lotterie unver» weidlich,, sobald Lose unverkauft bleiben. Nach der Einführung de» neuen Planes hofft man, wieder alle Lose abzusetzen und so auch alle Gewinne dem Publikum zuzuführen. Landkreise an Reichsregierung. Unzureichende Entlastung durch die Notverordnung. Der Präsident des Deutschen Landkreistages. Dr. von S t e m- pel, wurde bei der Reichsregierung vorstellig, um über die Auswirkungen der letzten Notverordnung in den Landkreisen hinzu- weisen. Er betonte dabei die Gefahren, die für die Finanzen der Landkreise dadurch entstehen, daß die Notverordnung nicht d i e Entlastung gebracht habe, die man von ihr erhoffte. Entgegen der in der Oeffentlichkeit und auch in den maßgeben- den Regicrungskreisen vertretenen Auffassung, daß die Wohlsahrts- Hilfeverordnung vom 14. Juni 1932 den Landkreisen den Ausgleich ihrer Haushalte in nennenswertem Umfange ermöglicht habe, muß der Landkreistag an Hand zahlreicher Berichte aus allen Teilen Deutschlands feststellen, daß die Finanzentlastung der ländlichen Be- zirksfürsorgeverbände durch die Juni-Notverordnung völlig unzu- reichend ist. Die durch die Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge besonders stark belasteten Landkreise bedürfen dringend weiterer Hilfe. Darüber hinaus muß durch Erhöhung der Reichsmittel und Aenderung des Verteilungsschlüssels denjenigen Landkreisen geholfen werden, die— wie z. B. in Preußen durch die Uebertragung des Gemeindeanteils an die Krifenfürforge— entgegen den Absichten der Reichsregierung eine erhöhte, über die Reichsdototionen vielfach hinausgehende, neue finanzielle Belastung erfahren haben. Hinzu kommt, daß die Zahl der Wohlsahrtserwerbslosen in den Landkreisen, und zwar auch in rein ländlichen Gebieten selbst in den Sommermonaten, in denen man mit Rücksicht auf die Erntearbeiten einen Rückgang der unterstützten Zahl erhofft hatte, weiter stark zugenommen hat. Velg'sche und französische Schüler in Verlin. Die„Deutsche Liga für Menschenrechte" hat, trotz der politischen Schwierigkeiten, es ermöglicht, daß auch in diesem Jahre der Austausch deutscher, belgischer und französischer Schüler durchgeführt worden ist. Insgesamt wurden 120 deutsche Schüler nach Belgien und Frankreich ge- schickt und es kamen etwa die gleiche Anzahl Belgier und Franzosen nach Deutschland zurück In Berlin wo sich 60 Belgier und Franzosen befinden, hat man die Möglichkeit gehabt, den Schülern öffentliche Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Als Abschlußveranstaltung findet in der Karl-Marx-Schule eine Aufführung eines kleinen Theaterstückes statt, das von einer jungen Vorkämpferin für den Frieden verfaßt und von jungen Austauschschülern selbst gespielt wird. Das Orchester der Karl-Marx-Schule wird ebenfalls mitwirken und Oberstudiendirektor Karsen wird in dieser, am Sonnabend, dem 27. August, stattfindenden Veranstaltung die jungen Schüler begrüßen. Gefängnisurteil gegen die Tänzerin. Marianne Winkelstern soll 5000 Mark Buße zahlen. Die verkehrsableilung des Schöffengerichts Berlin-Milte ver- urteilte die Tänzerin Marianne Winkel st ern wegen fahr- lässiger Tötung des Ingenieurs Rudloff zu drei Monaten Gefängnis und den kosten des Verfahrens. Gleichzeitig wurde jedoch der Angeklagten eine Bewährungsfrist von drei Iahren gegen eine Buße von 5000 Mark an die Staatskasse bewilligt. Das Gericht stellte fest, daß die Geschwindigkeit der Angeklagten erheblich höher als 40 Kilometer gewesen sein müsie. Mit dieser Geschwindigkeit durch«ine belebte Straße und sogar über eine Kreuzung zu fahren, bedeute schon an sich eine Fahrlässig- k e i t. Besonders verpflichtet, ihre Geschwindigkeit herabzu- mindern, sei die Angeklagte gewesen, als sie gesehen habe, daß Fuß- gänger den Fahrdamm überschritten. Notwendig wäre zur Ver- meidung eines solchen traurigen Unglücksfalles eine Schritt- gefchwindigkeit gewesen, denn Autofahrer müßten sich immer be- wüßt sein, daß sie sich in einem für Pasianten gefährlichen Werk- zeug auf der Straße bewegen. Trotz aller Milderungsgründe hätte das Gericht eine Freiheitsstrafe verhängen müssen, da bei einem Vergehen, bei dem ein Menschenleben zu Tode kommt, eine Geld- strafe nicht den Strafzweck erfüllen würde. Staatlicher Raitensänger. Die thüringische Regierung stellte einen Rattensänger staatlich an, da er sich durch besonders tüchtige Leistun- gen ausgezeichnet hatte: es war iym gelungen, in kurzer Zeit mehr als 10 000 Bisamratten zu fangen und zu töten. Cxmissions- Tragödien. Widerstand gegen Gerichtsvollzieher und Polizei. Dem Schnellgericht wurde gestern der Erwerbslose Oskar G. vorgeführt, der als Anführer einer Demonstration zur Verhinderung einer Exmission von der Polizei festgenommen worden war. Am Sonnabend vergangener Woche sollte in der R 0 st 0 ck e r Straße 40 ein Mieter zwangsweise von. Gerichtsvollzieher aus seiner Wohnung entfernt werden, weil er längere Zeit mit der Miete im Rückstand war. Der Angeklagte hielt auf den Höfen der benach- borten Häuser Ansprachen, in denen er die Bewohner aufforderte, sofort herunterzukommen und die Exmission unmöglich zu machen. Tatsächlich sammelte sich auch eine große Menge an, so daß der Gerichtsvollzieher und die wenigen anwesenden Polizeibeamten zunächst machtlos waren und die Amtshandlung nicht durchführen konnten. Der Angeklagte wurde wegen Aufforderung zum Wider- stand gegen die Staatsgewalt trotz feiner bisherigen Unbestraftheit zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Gestern Nachmittag ereignete sich in der B e r g st r a ß e 5 6 in Neukölln ein ähnlicher Fall. Dort sollte ein Mieter exmittiert werden, worauf sich von dem benachbarten Arbeitsnachweis eine größere Gruppe Arbeitsloser noch der Wohnung begab, um die Ex- Mission zu verhindern. Als das herbeigerufene Ueberfallkommando die Ansammlung zerstreut hatte, konnte der Gerichtsvollzieher seines traurigen Amtes walten. Autobusunglück in Tirol. Ein Toter, zwanzig Verletzte. Innsbruck, 24. August. Auf der Reschenbachstraße bei Mals ereignete sich ein schweres Autobusunglück, das ein Menschenleben und 20 Ver» letzte forderte. Ein Württemberger Autobus aus Ravensburg mit 21 Fahrgästen kam über den Reschenbach-Paß ge- fahren, um noch vor Abend Meran zu erreichen. Auf der jäh ab- fallenden Strecke bei Sankt Vallentin auf der Heide bemerkte der Wagenführer, daß die Bremse versagte. Kaltblütig lenkte er den schweren Wagen gegen einen Allecbaum, in der Hoffnung, dieses Hindernis werde den unvermeidbaren Sturz über die Straßen- böfchung aufhalten. Der Autobus knickte den starken Baum um und stürzte dann am Straßenrand um. Alle Fahrgäste wurden herausgeschleudert. Einige kamen unter das Auto zu liegen. Wie durch ein Wunder blieb der Chauffeur unverletzt. Vier der am schwersten oerletzten Personen mußten in das Spital nach Mals eingeliefert 'er wichhgsten Röhren j�Q�ypn u. PenNioöen) ____ werden. Dort ist der 21 Jahre alte Paul Schmid aus Ravens- bürg gestorben. Die übrigen drei Schwerverlegten befinden sich in Lebensgefahr. Zehn weitere Schwerverletzte kamen in das Krankenhaus nach Meran, die übrigen sieben Personen wurden mit nur leichten Verletzungen nach Bozen gebracht. /VsrfchristLmZßigesBadezeitg� Was Verkäufer und Käufer fagen. Die Zwischenspiele übereifriger Sittlichkeitsapostel in Uniform, die in den legten Tagen bekannt geworden sind, haben weder Bade- noch Kauflust des badefreudigen Berliners gehemmt. Eine Umfrage m den einschlägigen Geschäften hatte übereinstimmend das Ergebnis, daß der Verkauf an Badeanzügen in der bisherigen Ver- arbeitung keineswegs aufgehört hat. Im stillen mag sich ja vielleicht niancher Verkäufer von Badeanzügen die Hände reiben, daß ihn der LOL-Ruf der bedrohten öffentlichen Moral erst am Saisonende er- reichte. Wer weiß, wie sich die Brachtsche Badezensur zwei Monate früher ausgewirkt hätte. Vielleicht hätten sich damals verschiedene Fabrikanten verpflichtet gefühlt, dem Preußischen Ministerium des Innern vorschriftsmäßige Muster zur gefälligen Prüfung vorzulegen und die Kundenfirmen durften die Riesenaufträge an vorschrifts- widrigem Badezeug wohl bezahlen, die Ware selbst jedoch sauer ein- legen. So kam man noch mit heiler Haut davon. Nur die Austräge für das nächste Jahr, die auf Grund der vorgelegten Muster berests jetzt getätigt werden, muß man stoppen. Inzwischen zerbrechen sich Erzeuger, Verkäufer und Käufer den Kopf darüber, was man denn eigentlich unter einem„anstößigen Badeanzug" versteht; einzig und allein die Dreieck-Badehose ließe sich als ein allzu luftiges Be- kleidungsftück bezeichnen, doch dämmerte diese Erkenntnis nicht etwa erst mit den augenblicklichen Zensurschwierigteiten. Als Beispiel dafür mag dienen, daß das Strandbad Wannsee in seiner mehrfach angeschlagenen Hausordnung schon von jeher das Baden mit Dreieck-Hosen verbietet. Daß die Badeoerwaltung bei einer Besucherzahl von 3l)— 40 000 Menschen nun nicht jeden einzelnen auf diese vorschriftswidrige Bekleidung untersuchen kann, liegt klar auf der Hand. Ein derartiges Verbot kann immer nur ein allgemeines sein, doch ist die Badeverwaltung damit der Oeffentlich- keit gegenüber ihrer Verpflichtung auf Wahrung des Anstände« nach- gekommen. Wie Direktor C l a j u s vom Strandbad Wannfee weiter erklärt, wurde in seinem Vadebetrieb schon immer auf Ordnung und Sitte gehalten. Jeder Angestellte des Bades ist ermächtigt, Personen in fragwürdiger Bekleidung zurechtzuweisen und auf Abstellung des Uebelftandes zu bestehen. Die Badezensur ist naturgemäß das Thema des Badestrandes. Jeder hofft, daß Vernunft bei den maßgebenden Stellen die Ober- Hand behält uttd nicht die heilkräftige Wirkung des Badens und Sonnens durch eme kurzsichtige, ganz unzeitgemäße Moralschnüffelei aufgehoben wird. Gchlechie Verkehrsverhälinisse. Bor geraumer Zeit hat sich der„Vorwärts" schon einmal die Beschwerden von Interessenten zu eigen gemacht, daß die Verkehrs- Verhältnisse auf den Straßenbahnlinien SS und 98 nach Baumschulenweg unerträglich seien. Die seinerzeitige Bitte auf Abhilfe zeitigte auch teilwcisen Erfolg. Wir haben uns aber jetzt auf erneute Beschwerde davon überführen müssen, dasz auch der nun oermehrte Straßenbahndienst im Hochsommer nicht ausreicht, weil diese beiden Linien in der Hauptsache von Badelustigen der östlichen Freibäder benutzt werden. Zu jeder Tageszeit sind alle Bahnen überfüllt. Abends und morgens müssen mehrere Bahnen vorbeigelassen werden, weil nicht einmas auf den Trittbrettern mehr Platz ist. Muß das sein? Es wäre zu wünschen, daß die BVG. auch diesem Saisongeschäft Rechnung trägt und für eine gute Be- förderung der badelustigen Berliner Sorge trägt. Auch den Verkehr auf der Linie 3(Großer Ring), die stets ohne Anhänger fährt und deshalb zu jeder Tageszeit über- füllt ist, könnte die BVG. einer geneigten Prüfung unterziehen. Der unruhige Fleischmarkt. Weiter hohe Kieinhersdeisprelse trotz sinkender VSehpreise. Für den kommenden Herbst stehen in Berlin eine ganze Reihe großer Lohnbewegungen bevor. Die Unternehmer machen sich weiter die riesige Erwerbslosigkeit zunutze und verlangen abermals außer- ordentliche Senkungen der Lohnkosten. Aber in allen Gewerkschafts- Versammlungen betonen die Arbeiter, daß bereits jetzt schon der Druck aus die Lebenshaltung unerträglich geworden ist. Denn den geringen Preisnachlässen für Brot und Kartoffeln steht in Berlin die empfindliche Fleischteuerung gegenüber. Es kommt hinzu, daß auch am Gemüsemarkt in absehbarer Zeit die Tage der Fülle vorüber sein werden, so daß die Zubereitung eines preiswerten Mittagbrots für die Masse der Groß-Berliner Hausfrauen immer schwieriger wird. Ende Juli setzte die Fleischteuerung ein. In bedenklichem Um- fange ließen plötzlich die Zufuhren an den Schlculztoiehmärkten nach, die Preise zogen sprunghaft an und im Kleinhandel hatten Anfang August die Preise für die marktgängigen Fleischsorten überall den Stand von 1 Mark erreicht oder beträchtlich überschritten. Innerhalb knapper vierzehn Tage waren den Hausfrauen Preissteigerungen von 20 bis 30 Prozent aufgebürdet worden. Wie stark der Austrieb von Schweinen zu den Schlachtviehmärkten gesunken war, er- sieht man deutlich aus folgenden Zahlen: im Juli 1932 wurden auf den etwa 39 bedeutendsten Schlachtviehmärkten nur 360 000 Schweine aufgeliefert gegenüber noch 444 000 Schweinen im Juli 1931. In den letzten Wochen ist der Auftrieb aber wieder etwas stärker ge- worden, da die Landwirtschaft den günstigen Preisstand auszunutzen versuchte. Sofort warnt daher ein Organ der Agrarier vor allzu großer Belieferung der Märkte, indem es schreibt:„Die Landwirte sollten daher den Markt nicht plötzlich mit Schweinen überschütten, ohne, wie schon früher betont, zu lange mit den schlachtreifen Tieren zurückzuhalten." Trotz dieser Warnung sind aber inzwischen die Schlachtviehpreise gesunken. Schweine der Klasse C(oollfleischige Tiere von 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht) kosteten pro Zentner Anfang August noch 47 M Mitte August jedoch nur noch 44 M. und Ende August sogar nur noch 43 M., also ein Mckgang um beinahe 10 Proz. Ebenso hat sich bei den Schafen der Klasse 13(ältere Mosthammel, mittlere Mastlämmer und gut genährte Schafe) der hohe Preisstand vom Anfang August nicht gehalten, von 32 M. pro Zentner sind die Preise hier auf 29 M. zurückgegangen, also auch ötwa um 10 Proz. Das gleiche ist bei Ochsen und Kühen zu verzeichnen, nur die Kälber konnten weiter im Preise anziehen. Man sollte annehmen, daß diese rückläufigen Viehpreise sich nach einiger Zeit auch dem Kleinhandel mitteilen. Denn anziehende Viehpreise müssen bekannllich die Berliner Hausfrauen bereite am nächsten Tage bei ihren Einkäufen im Fleischerladen mitbezahlen. Aber nach wie vor behalten die Kleinhandelspreise am Fleischmarrt ihren außerordentlich hohen Stand. Die beteiligten Kreise stecken erst noch einmal ein paar Wochen lang einen Sondergewinn ein und inzwischen spricht man bereits wieder von„energischen Maß- nahmen am Viehmarkt": die Biehpreise werden wieder steigen, nur von der Zeit der sinkenden Preise hat die Hausfrau wie immer nicht das geringste verspürt. Muberkownns gesprengi... Zahlreiche Lleberfälle vor der Aufklärung. vom Raubdezernat des Berliner Polizeipräsidiums wurde eine berüchtigte Räuberkolonne gesprengi, aus deren Konto zahlreiche lleberfälle im Besten Perlins kommen. Die Kriminalkommissare Rebe und Dr. Kaklolinsky sielen heute morgen In die Bohnung der Männer ein und überraschten diese noch in den Betten, Sie wurden festgenommen und aufs Polizeipräsidium gebracht. Die drei Täter find der 27 Jahre alte Georg Sommer, der 30 Jahre alte Artur L u s ch k e und der 24 Jahre alte Otto Stellermann. die in der Scharrenstraße in Charloltenburg Unterschlupf gesunden hatten. Den drei Räubern werden verschiedene lleberfälle zur Last ge- legt, wie u. a. der Ueberfall, der sich in der Nacht zum 9. Juli im Grunewald auf ein Pärchen abspielte. Sie zwangen damals die beiden, ihr Auto zu verlassen, beraubten sie und fuhren mit dem Wagen davon. Weiter kommen sie in Frage für den Ueber- fall auf die Ta n k st e l l e in der Kolonnenstraße 31s in Schöneberg und für den Ueberfall auf einen Kaufmann in der Fasanen» st r a ß e, der sich in der Nacht zum 10. Juli ereignete. Der vierte Ueberfall wurde von ihnen am 14. August kurz vor Mitternacht auf der Ehaussee gleich hinter O n k e l< T o m s- H ü t t e auf den 26 Jahre alten Heinz Pickard aus Friedenau ausgeführt, der mit seiner Braut auf einem Motorrad von einem Ausflug heimkehrte. Die Bande hatte zu Freunden mit ihren„Erfolgen" geprahlt und sich auch dadurch verraten. Bei einer Gegenüberstellung mit den Ueberfallenen wurden sie wiedererkannt. Der Veranstaltung„Arbeitslose Künstler für die Berliner Er- werbslosen" haben sich solgenöe namhafte Darsteller zur Verfügung gestellt: Helen« Weigel, Julia Markus, Georg W. Manfred, Aler- ander Eranach, Paul Bildt, Erich Weinert, Hans Weidt mit Tanzgruppe. Kollektiv erwerbsloser Schauspieler und viele andere. Dies« Veranstaltung findet am 27. August um 15 Uhr im Garten von Schultheiß-Patzenhofer, Hasenheide 22— 31, Manns Gefellschaftshaus, Reinickendorj-Ost, Hauptftr. 32, statt. Der Eintrittspreis beträgt nur 20 Pf. Karten bei Bothe u. Bock und an den Theaterkassen von Wertheim. Im Rahmen dieser Veranstaltung findet auch ein« Ver- losung statt._ 220000 preußische Gchmetierlinge. Bayern braucht sie zu wiisenschastlichen Versuchen. Bayern ist ja auch heute noch nicht— oder vielleicht heute weniger denn sonst— von Preußen entzückt. Aber plätzlich braucht es uns dringend. Richtiger, das bayrische chemische Staats- laboratorium in München braucht preußische Schmetter- linge, und zwar 200000 Kohlweißlinge und 20000 Zitronenfalter zur Fortsetzung seiner wissenschaftlichen For- schungen über das Flügelpigment(Farbstoff). Da diese Schmetter- linge in so großer Anzahl nicht in Bayern zu erlangen sind, hat sich das Laboratorium an das preußische Kultusmini st erium gewandt und um eine Anweisung an die Schulbehörden gebeten, die Sammlung dieser Schmetterlinge zu fördern. Die Schulkinder sollen für je fünf Kohlweißlinge und je einen Zitronenfalter einen Pfennig erhalten. Wenn wir auf diese Weise 200 000 der gefräßigen Kohlweißlinge loswerden, so wäre das erfreulich. Bedenflicher sieht es schon bei den keineswegs mehr so häufigen hübschen Zitro- nenfaltern aus. Und wenn nun dieser Cchmetterlingsmassenmord einsetzt, ist dann nicht die Gefahr vorhanden, daß so nebenbei Tau- sende von andern schönen Faltern gefangen wer- den, von denen wir keineswegs mehr so viele haben, daß wir dem Fang gleichgültig gegenüberstehen könnten. Die verschiedenen Naturschutzorganisationen sollten scharf aufpassen, damit sie hernach, wenn es zu spät ist, nicht wieder die allmählich etwas peinlich wir-. kende Rolle auszuüben haben, sentimentale Klage über das „Schwinden der heimischen Tierwelt" anzustimmen. Die Beilfche Krankheit. Die sogenannte Weilsch« Krankheit, die in Binnengewässern durch die in den Mund von Schwimmern geratenden flüssigen Ausfcheidungen von Ratten überrragen wird, führte in Dordrecht zu sieben Erkrankungen. Aus Rotterdam werden elf Ertrankungen gemeldet; ein Fall oerlief tödlich. Knui BiaBftsiiKS Frasettsfes. (Schluß.) Ich war um zehn Dollars reicher; Gott sei Dank, es gab doch auch glückliche Tage im Leben! Den ganzen Winter über hatte ich mich über Brust und Rücken mit einer Schicht Zeitungen wattiert gegen den schneidenden Wind; bei jeder Bewegung knarrte ich in der unangenehmsten Weise, und die Kameraden hatten ihren Spaß mit mir. Nun sollte es unter anderem zu einer Pelzweste von wundersamer Dichte reichen! Wenn dann die Kameraden das nächste Mal kämen und sich an mich heranmachten, um zu hören, wie ich knarrte, so würde ich es nicht dulden... Ich mache zwei, ich mache drei Touren zur Stadt; nichts geschieht. Als ich eben zum vierten Male von der Cottage- station abfahren wollte, stieg eine junge Dame auf und nahm Platz in Tbe grip. Sie trug ein braunes Pelzkostüm. Als ich zu ihr nach vorn kam und ihre Zahlung in Empfang nahm, sah sie mich mit dem ganzen Gesicht an. Sie war sehr jung und schön, die Augen tief un'chuldig und blau. Äermste, es steht Ihnen ein großer Schrecken bevor, dachte ich; aber Sie haben gewiß einen kleinen Fehltritt begangen, und nun sollen Sie Ihre Strafe haben. Jedenfalls werde ich Sie mit Wonne behutsam in die Apotheke tragen. Wir rollten der Stadt zu. Don meiner Plattform bemerkte ich, daß der Führer plötzlich mit der Dame zu sprechen begann. Was konnte er chr zu sagen haben? Es war ihm außerdem nicht gestattet, sich während des Dienstes mit den Passagieren zu unterhalten. Zu meiner großen Verwunderung sehe ich, daß die Dame sich sogar einen Platz näher an den Führer heransetzt, und da steht er nun an seiner Maschine und Hort gespannt zu, was sie sagt. Weiter rollen wir in die Stadt hinein, halten an und lassen Leute einsteigen, halten an und setzen Leute ab, alles geht seinen Gang. Wir nähern uns der Monroestraße. Ich denke bei mir: der exzentrische junge Mann hat sich seine Stelle klug ausgesucht, die Monroeecke ist eine still« Ecke, wo man ihn kaum stören wird beim Hinabsteigen in den Schacht. Und ich denke weiter, daß ich dann und wann die Leute der Straßenbahngesellschaft in diesen Schächten habe stehen und ausbessern sehen, was da unten in Unordnung geraten fein mochte. Aber sollte es einmal einem Arbeiter einfallen, in dem Loch stehen zu bleiben, wenn der Zug darüber fuhr, er würde schlecht und recht um mehrere Zoll kürzer werden; die Gabel, die von The grip aus zu dem Kabel hinabführte, würde seinen Kopf vom Halse trennen. Da Monroe die nächste Straße war, ging ich nach vorn auf The grip. Weder der Führer noch die Dame sprachen jetzt. Das letzte, was ich bemerkte, war, daß der Führer nickte, als sei er mit sich über etwas ins reine gekommen, dann starrte er geradeaus und fuhr mit voller Geschwindigkeit drauf zu. Und es war doch der große Pat, der Irländer, den ich. als Führer hatte. 8lack her a bit, sagte ich im Jargon zu dem Führer. Das heißt: Fahr ein bißchen sachter. Ich sah nämlich einen schwarzen Punkt mitten auf dem Geleise, es konnte ein Menschenkopf sein, der aus dem Loden herausragte. Ich sah mir auch die Dame an, sie hatte die Klugen auf denselben Punkt geheftet und griff hart an ihren Sitz. Schon ist sie besorgt eines möglichen Unglücks wegen, dachte ich: was wird sie tun, wenn sie sieht, daß es ihr eigener Mann ist, der sterben will! Der große Pat jedoch verlangsamte die Fahrt nicht. Ich rief ihm zu, es feien Menschen in dem Bassin— keine Aende- rung. Wir sahen jetzt deutlich den Kopf, es war der tolle junge Bursche, der in seinem Loch stand, das Gesicht uns zu- gekehrt. Da setzte ich die Pfeife an den Mund und ließ ein starkes Haltesignal ertönen; Pat fuhr mit gleicher Geschwin- digkeit; in einer Viertelminute mußte ein Unglück geschehen. Ich schlug an die Glocke, sie läutete, und dann sprang ich nach vorn und ergriff die Bremse. Doch es war zu spät, kreischend fuhr der Zug über den Schacht, bevor er zum Stehen kam. Ich sprang ab; ich war verstört und besann mich nur darauf, daß ich einen Mann angreifen sollte, der Widerstand leisten würde. Aber ich bestieg gleich wieder The grip und hatte überhaupt an keinem Fleck Ruhe. Auch der Führer war wie verstört, er fragte ohne Sinn und Derstand, ob Leute in dem Schacht gewesen seien, und wie es habe kommen können, daß er nicht anhiell. Die junge Dame rief: Fürchter- lich! Fürchterlich! Ihr Ge cht war blutlos, und krampfhaft hielt sie sich am Sitze fest. Aber sie wurde nicht ohnmächtig, und kurz darauf stieg sie ab und ging ihrer Wege. Es sammelten sich viele Leute an; wir fanden den Kopf des Verunglückten unter dem hintersten Wagen, fein Leib stand noch in dem Schacht; die Eabel der Maschine hatte ihn unter dem Kinn erfaßt und seinen Kopf mitgerissen. Wir schafften den Toten vom Geleise weg, es kam ein Konstablcr hinzu, der ihn fortbringen sollte. Der Kcnstabler schrieb auch viele Namen auf, und m i r konnten alle Paffagiere bezeugen, daß ich geläutet und gepfiffen und zuletzt zur Bremse ge- griffen hatte. Uebrigens hatten wir Straßenbahnleute selbst unserem Büro Rapport zu erstatten. Der große Pat bat mich um mein Messer. Ich verstand ihn falsch und sagte, das Unglück sei ohnehin groß genug. Da lächelte der große Pat und zeigte mir seinen Revolver zum Zeichen, daß es ihm an einer Waffe nicht fehle, und daß er das Messer zu keinen Dummheiten brauchen wolle, sondern zu ganz anderen Din- gen. Als er das Messer erhielt, sagre er mir Lebewohl: nun könne er nicht länger im Dienst bleiben; es tue ihm leid, aber ich müsse selber meinen Zug bis zur Endstation führen, da werde man mir einen anderen Fahrer geben. Und er erklärte mir, wie ich's anzufangen habe. Das Messer müsse ich ihm überlassen, sagte er, er wolle in einen ruhigen Hausflur gehen und da seine Uniformknöpfe abschneiden. Damit ging er. Es war nichts machen, ich mußte selbst zur Station fahren; es standen jetzt mehrere Züge hinter mir, die nur darauf warteten, daß ich von der Stelle komme. Und da ich von früher ein bißchen Uebung mit der Maschine hatte, lief es ohne Unfall ab... Eines Abends zwischen Weihnachten und Neujahr war ich dienstfrei und schlenderte durch die Stadl. Als ich an einen Bahnhof kam, trat ich einen Augenblick ein, um mir den gewaltigen Berkehr da drinnen anzusehen. Ich ging bis ganz auf einen der Perrons hinaus und schaute mir einen Zug an, der abfahren sollte. Plötzlich ertönt mein Name, ein lächelnder Mann steht auf einem Wagentritt und ruft mich an. Es war der große Pal. Es dauerte eine Weile, bis ich ihn erkannte. er steckte in feinen Kleidern und hatte sich den Bart abnehmen lassen. Mir entfuhr ein kleiner, erstaunter Schrei. Pst, nicht so laut! Wie ist die Affäre eigentlich abge- laufen? fragte Pat. Wir sind vernommen worden. Man sucht dich. Pat sagte: Ich reije in den Westen. Was hat man hier vom Leben? Sieben, acht Dollars in der Woche, aber davon viere zum Unterhalt. Ich nehme mir Land, ich werde Farmer. Versteht sich, ich habe das Geld dazu. Wenn du mitkommen willst, wollen wir uns drüben bei Frisco Land suchen. Ich kann nicht weg. Eben denk ich dran: hier ist dein Messer. Schönen Dank. Nein, siehst du, das Leben bei der Straßenbahn hat keine Zukunft. Ich habe drei Jahre gedient und bis jetzt nie Ge- legenheit gehabt, die Sache an den Nagel zu hängen. Der Zug pfiff. Ja, adieu, sagte Pat. Hör mal, wieviel hast du von dem Mann bekommen, der überfahren wurde? Zehn Dollars. Soviel Hab ich auch bekommen. Na, er war eigentlich ein ehrlicher Zahler. Aber die Frau war tüchtiger. Die Frau? Die junge Frau, ja. Ich habe ein kleines Geschäft mit ihr gemacht. Es kam ihr nicht an auf ein-, zweitausend, denn sie wollte den Mann loswerden. Wenn ich jetzt ein leichteres Leben anfangen kann— geschieht's von ihrem Geld«. Das Land erleide! einen scneden van 25 Mtiüoneo ioeüüing. Wien. 24. August. E'.n riesiger Anleiheflandal, durch den das Bundesland Ober- üfierreich um einen Betrag von etwa 2 5 Millionen Schilling geschädigt worden ist, ist seht durch die Berhastung von Zwei der hauptschuldixen in ein entscheidendes Stadium getreten. Die Wiener Staatsanwaltschasl hat den ehemaligen spanischen Generalkonsul in Oesterreich. Sommerzienrat Karl Egon Alma, und seinen Bruder Dr. Frih Alma verhaftet. Dagegen ist es dem Haupt des velrügerkonsoctiums, einem dritten Bruder, dem Bankier Dr. Hans Alma, gelungen, sich rechtzeitig ins Ausland in Sicherheit zu bringen. Den drei Brüdern Alma, außer denen in die Angelegenheit noch eine ganze Reihe anderer Personen verwickelt ist, wird vor- geworfen, durch geschäftliche Untreue und Veruntreuungen den genannten Schaden für das Land Oöerösterreich herbeigeführt zu haben. Außerdem sollen sie durch strafbaren Leichtsinn den Konkurs ihres Bankhauses veranlaßt haben. Nähere Einzelheiten über die Vorgeschichte der sensationellen Verhaftungen sind aus einem ausführlichen Bericht des Finanzreferenten des oberöst-r- reichischen Landtags, Landeshauptmann Dr. Schlegel, bekannt geworden. �Beziehungen zu Morgan.' Im Januar des Jahres 1323 erschien der flüchtige Bankier Dr. Hans Alma beim Landeshauptmann und teilte mit, daß er durch seinen Vater persönliche Beziehungen zu dem New-Iorter Bankhaus Morgan, Livermoore u. Co. habe und daß mit diesem Bankhaus Verhandlungen um«inen Kredit für Oesterreich im Tang« seien. Später ist dann auch tatsächlich eine Anleihe für Oberösterreich zustande gekommen. Dieses Geschäft haben dann die Brüder Alma ostenbar zu den betrügerischen Mani- pul at Ionen ausgenutzt, die für das Land ein Verhängnis wurden und schließlich zu dem im Tange befindlichen Strafverfahren führten. Dabei ist es kaum begreiflich, daß man bei den verantwortlichen Stellen in Oderösterreich nicht schon viel früher Kenntnis von diesen Verfehlungen erhielt und daß die Almas sie bis zum End« des Jahres 1931 geheimzuhalten verstanden haben, önsgesaml waren von Dr. Alma bei vier Aew-Zorker Großbanken, sechs kleineren Firmen in New Zork sowie bei einem Londoner Bankhaus Der- pslichtunaen in höhe von 1,5 Millionen Dollars eingegangen worden, für die oberösterreichische Dollarobligalionen im Werke von 5 313 000 Dollar verpsändek wurden. Weder über die direkten Derpslichtungen noch über die Verpfän- düngen hat Dr. Alma dem Lande Mitteilung gemacht, obwohl er zu all diesen Geschäften nicht bevollmächtigt worden war. In langen Verhandlungen gelang es dem Vertrauensmann, die Banken von einer Exekution zurückzuhalten, so daß wenigstens das Schlimmste verhütet werden konnte. Trotzdem wird der Schaden, den das Land Oberösterreich erleidet, auf ungefähr 23 Millionen Schil» l i n g geschätzt, wobei die beträchtliche Schädigung des österreichischen Kredits noch nicht einmal berücksichtigt ist. Gold vom Meeresgrund. Ein Drittel der„Egypte�-Ladung gehoben. Der italienisch« chebedampfer„Artigüo* hat wieder für 18l4 Millionen Frank Goldbarren und Silber in England abge- liefert, die er aus der Stahlkammer der gesunkenen „E g y p t e' geborgen hatte. Die„Artiglio" ist am Mittwoch nach Brest zurückgekehrt und wird die Arbeiten in den nächsten Tagen wieder aufnehmen. Bisher ist etwa ein Drittel der Gold- ladung der„Egypte" gehoben worden. Ein Mensch will ins Gefängnis. Menschen in 7tot und Verzweiflung wissen nicht aus noch ein. Georg W. ist 21 Jahre alt, arbeitslos, elternlos. Aber er konnte das Betteln nicht lernen. Und eines Tages hatte er selbst das nicht zusammengebettelt, was er zum Uebernachten brauchte. So ging er durch die Straßen und wußte nicht, was anfangen. Vielleicht hätte er auf einer Bank Schlaf finden können. Wenn aber der Schupomann ihn antrifft! Lieber nicht. Und wieder ging er durch die Straßen, ohne Hoffnung auf einen Ausweg. Sollte er morgen wieder betteln und übermorgen wieder betteln? Wäre da nicht schon das Gefängnis besser? Es ist ja gar nicht so schrecklich, das Gefängnis. Der Monat, den er vor mehreren Jahren wegen eines schweren Diebstahls zu verbüßen hatte, war schnell herum. Nur anfangs war es sehr einsam. Und schnell war der Entschluß gefaßt. Er ging an ein Schokoladengeschäft heran, schlug die Vitrine ein, holte Schokolade für 2 M. heraus, aß sie auf, begab sich zur Polizei und meldete selbst von dem Einbruch, den er be- gangen hatte: er möchte be st rast werden. Und da er nun unbedingt bestraft werden wollte, tat ihm das Gericht den Gefallen und gab ihm einen Monat Gefängnis. Die soziale Ge- richtshilfe wird sich seiner nach Verbüßung der Strafe annehmen. Ein zweiter Fall: Der Mann ist 37 Jahr« alt, von Beruf Reklamechef am Zirkus. Solange die Zirkusse gut zu tun hatten, konnte er sich über Arbeitslosigkeit nicht beklagen. Er reiste durch Deutschland, durch Europa, war bald bei diesem, bald bei jenem Zirkus beschäftigt. Ein Reklamechef ist keine unwichtige Persönlich- keit. Seine Arbeit tat er mit Liebe, sie machte ihm Spaß, und wenn dann der Zirkus voll war, so glaubte er, dies seiner eigenen Tüchtigkeit zuschreiben zu dürfen. Und er verstand sich aus Reklame. Seine Zeugnisse sind ganz vortrefflich. Die Zirkusse gehen aber pleite, einer nach dem anderen— die Menschen haben heutzutage kein Geld mehr— die Reklamechefs werden allmählich arbeitslos. Auch dieser siebenunddreißigjährige wurde es— was half es, daß er noch eine Forderung von 300 M. hatte. Sie war doch nicht einzukassieren. Der Abstieg vollzog sich bei ihm sehr schnell. Sein Domizil wurde das Männerheim. Das Uebernachtungsgeld bettelt« er sich zusammen. War es mehr, als er für Schlafen und Essen brauchte, so trank er sich Mut an. Das geschah nur selten. Er ver- stand sich auf die Reklame besser, als auf das Vetteln: war zu bescheiden und ging nur allzu oft leer aus. Als er eines Tages vergeblich bald den einen, bald den anderen angesprochen hatte, packte ihn die Wut, und er tat etwas, was er sonst nie getan hätte, er schraubte Türschilder ab. Und weil er sich auch darauf nicht oerstand, wurde er festgenommen und wurde vor den Richter gebracht. Er erhielt drei Wochen Gefängnis wegen Diebstahls. Eine Bewährungsfrist wurde ihm in Aussicht gestellt. Vom 18. September ab ist Ihm wieder Arbeit versvrochen worden. Hoffentlich wird ihm seine Strafe dabei nicht im Wege sein. Jahrmarkt des Kindes. Unter diesem Titel hat das Auguste-Biktoria-Hau» zur Be- kämpfung der Säuglingssterblichkeit zugunsten seines Freibetten- fonds in sämtlichen Räumen des Berliner Zoo ein Wohltätig- keitsfest veranstaltet. Aerztliche Wissenschaft und soziale Fürsorge. bildende Kunst, Industrie und Technik haben hier Nützliches und Schönes zusammengetragen, werbend für den Gedanken: sorgt für die Gesundheit des Kindes! Es sieht nämlich, wie Gsheimrat Dr. B u m m. früherer Präsident des Rsichsgefundheitsamtes, wie auch der Leiter des Hauses, Prof. Dr. L a n g st e i n, ausführten, nicht allzu günstig um die gesundheitliche Beichasfenheit der neuen Generation aus. Gewiß, es wurden in der Bekämplung der Säug- lings> und KleinkindersterbUchkeit ganz außerordentliche Erfolge erzielt, man hat sogar einzelne Kinderkrankheiten, wie beispielsweise den sommerlichen Brechdurchsall. fast ganz aus der Welt geschafft: aber was wissenschaftliche und technische Fortschritts im Laufe eines Viertels ah rhu ndertz aufgebaut haben, das droht die wirtschaftliche Verelendung wieder zunichte zu machen. Der immer weiter fort- schreitende Crnährungsmanzel in Verbindung mit einer reduzierten öffentlichen Fürsorge" bringen ernstliche Gefahr für den kinWichm Organismus, und es muß alles daran gesetzt werden, daß das Ge» sundheirsbarpmeter nicht noch weiter fällt. Jn�diesem Sinne ist die Veranstaltung auch vor allem oolk-belehrend gehalten: durch wisien- schaftliche Vorträge, durch Bilder und statistisches Material vermittelt sie den Müttern viel Wissenswertes: in einer Sonderschau „Mutter und Kind" zeigt der Verein Berliner Künstler ein« Reihe schöner Bilder, on„Geräten" des Zcntralinstituts für Erziehung uitt» Unterricht können Gesthicklichkeitsprüfungen vorgenommen werden: pir di« Kinder gibt es Kasperletheater, Rollerrennen, Kleinautorennen und Kinldermodenschau. Im Beisein von Vertretern der Staats- und Landesbehörden, der Aerzteschaft, der Fürsorge, der Schwestern- verbände, Schulbehörden und vieler anderer interessierter Organi- sationen wurde die Ausstellung eröffnet. Verlangt die sozialistische presse! Wir erhalten folgende Zuschrift: „Ich bin Kaufmann(Vertreter), bin oft tagelang nicht in Berlin und kaufe mir mein« Zeitungen unterwegs. Da ist es mir wiederholt auf- gefallen, daß auf manchen Bahnhofsbuchhandlungen der„Vor- wärts" entweder„ausverkauft" ist oder gegenüber den anderen Zeitungen sehr versteckt und schlecht placiert oder überhaupt nicht ausgehängt wird. Ich habe jedesmal energisch dagegen protestiert, halte es aber auch für no:wendig, daß sich die jeweiligen sozialdemo- kratischen Ortsorganisationen darum kümmern, ob das Zentralorgan der Partei ausliegt. Aber auch die übrige republikanische Presse, die der Zahl nach weit geringer ist als die reaktionäre, trift bei diesen Zeilungshändlern wenig oder gar nicht in Erscheinung. Die B a h n» Hofsbuchhändler sind zu strengster politischer Neutralität verpflichtet, wie übrigens auch die Zeitungshändler auf der Berliner U-Bahn. Man sollte also in solchen Fällen niemals ein eindringliches und energisches Machtwort an die betreffenden Ver- käufer scheuen. Man sollt« sich aber auch die Firma bzw. den Buch- Händler nennen lassen und dann die kleine Mühe nicht scheuen, einen Beschwerdebrief an sie zu schreiben. Ich selber bin zwar nicht organi- sterter Sozialdemokrat, aber ich wünsche, daß die sozialdemokratisch«, entschieden republikanische Presse, die sich für Ruh« und Ordnung, für Verfassung und soziale» Recht einsetzt, unter allen Umständen auf den Zeitungsständen der Reichsbahn gebührend in Er- fcheinungtritt. Das ist nicht allein Sache der Behörde und der Organisationen, sondern jedes einzelnen Käufers." ersten und zweiten Kurfusabend. Weitere Auskunst, auch über Fortschrittskurse in Verkehrs- und Debattenfchrift, erteilt Otto Wenghoefer, Vorsitzender, Velten i. d. M.. Wilhelmstr. 10s. Englisch— Französisch— Richtiges Deutsch. Ansang September be- ginnen neue Sprachenkurse sür Anfänger Heß, W. 50, Spichernftr. 10, Gartenhaus Nürnberger Play). Anmeldungen ber, täglich 17— 20 Uhr. Siedlungsinteressentensohrt nach Fehrbellin. Die Anmeldungen zur Teilnahme an der Fahrt von Siedlunasintercssenlen nach Fehrbellin am pergangenen Sonntag waren aus Leserkreisen des„Borwärts so zahlreich, daß einer ganzen Anzahl abgeschrieben werden mußte. Die„F e h r- belli n"-Havelländtsche Siedlungsgesellschaft veran- stallet daher nochmals an einem der kommenden Sonntage eine kostenlose Besichtigungsfahrt und bittet unter Hinweis auf die Anzeige in der vor- liegenden Ausgabe um schriftliche Meldungen mit Angabe der Personenzahl. Keine Hiilerei bei Zunh. Zu unserer Notiz„Hitler-Koffee und Zahncreme'(„Vorwärts' Nr. 397) sendet uns die Firma Zuntz sel. Witwe eine Erklärung, in der sie betont, daß sie parteipolitisch stets völlig neutral eingestellt sei. Da diesem Schreiben nach die eidesstattlichen Versicherungen der Angestellten aus der Filiale in der Leipziger Straße beigekügt sind, denen zufolge sie sich während der Ge- schäftszeit jeder politischen Aeußerungen entbalten hätten, haben wir keinen Grund, die Aufrichtigkeit dieser Mitteilung irgendwie in Zweifel zu ziehen und die an den van uns zitierten Fall geknüpfte Warnung„Merkt es euch, Reoublikaner' aufrecht zu erhalten. Wie unser Gewährsmann versschert, ist der von ihm glossierte Gruß un- zweifelhaft«riolgt. Doch wir wollen gern annehmen, oaß er rein zufällig ausgeführt wurde, ohne daß die beireffende Angestellte sich seiner Bedeutung in diesem Augenblick bewußt war. Pflege und Ernährung des Säuglings. Am Donnerstag, dem 23. August, beginnt im Auguste-Lictoria-Haus, Charlottenburg, Frankstraße 3(Rincibahnhcf Westend), ein Kursus für Mütter und Mädchen, in dem alles das praktisch und theoretisch gelehrt wird. was«in« Frau von der Pflege und Ernährung des Säuglings wisien muß. Der Kursus umfaß: 4 Doppelstunden jeweils Donnere- tags von 3 bis 5 Uhr. Die Cinschreibegebühr von 8 Mark ist im Aufnahmebüro der Anstalt zu entrichten. Die Berwallunasakadernle Verlin veranstaltet in der Zeit vom 3. bis 8. Oktober 1932«inen Kursus über die Neugestaltung der Arbeitslosenhilfe. Zur Erörterung werden besonders interessierend« Gegenwartsfragen gelangen wie: Die Wirt- schasts- und Finanzlage im Hinblick auf das Arbeits- losenproblem: die Aufgaben der Reichsanstalt bei der Arbeitslolenversicherung und Krisenfürsorge: die Selbsthilfe gegen die Arbeitslosiokeit: freiwilliger Arbeitsdienst und das Problem der Arbeitsdienstpsliebt ufw. Die Vorträge werden wie immer von führenden Praktikern und Theoretikern aebalten. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an die Geschäftsstelle der Verwaltung«- akademie, Verlin W. 8, Charlottenstraße 50/51, Fernruf: A 2 Flora 3322/23.— Die Verwallungsaka dem i e Berlin teilt weiter mit, dnft in der Zeit vom 10. bis 13. Oktober 1932 di« 4. kommunal- wissenschaftliche Wache stattfindet. Im Vordergründe dieser Woche stehen die Finanzfragen ReichskurzschrifRurse sür Apfönger beginnen im Arbeiter- Stenograph enoercin Groß-Berlin in der Woche vom 3. bis 11. September in fslgsndsn Bezirken: Ro r d o st e n: Schul« Senefebderstr. 6, Montag 3. September: Norden: Schul« Schul- stratze 33. Dienstag, 6. September: Südwesten: Schule. Gnei- senäustr. 7, Dienstag, 6. September; Südosten: Schul« Reichen- bsrger Straße 67, Donnerstag, 8. September; Osten: Schule Litauer Straße 18. Donnerstaa, 8. September: Charlotten- bürg: Schule Oranienstr. 31/32, Dienstag, 6. September: Schöneberg: Schule Feurigstr. 57. Donnerstag, 8. September: Lichtenberg: Schul« Lückstr. 63, Donnerstag, 8. September; Neukölln: Jugendheim Steinmegstr. 34, Donnerstag, 8. Sep- tember. All« Kurse besinnen 1334 Uhr. Anmeldung erfolgt am Allgemeine Wetterlage. 24. Aug. O va � f P�25\~ 1 rwr qSOMlS&t-i iSG-- i-Tt-SchiH 'iSwolksnlcs,® heikar,® hsibbsdsekr ____ Ji® wolkig,•badeckt® Hege w-GrauiwIn � R IS£'--��-■Schna6Sitoboi,TiGewift9c@'firinil3tiile In Deutschland herrschte am Dienstag ein recht einheitlicher Witterungscharakter, und zwar war es fast allgemein trocken, wolkig und ziemlich kühl. Die Temperaturen stiegen meist kaum bis 20 Grad Gelsius. Nur am oberen Rhein erhob sich das Thermometer bis auf 24 Grad Celsius. Das westliche Hochdruckgebiet dehnt sich zur Zeit langsam nach Südskandinaoien aus. Damit wird sich das Wetter in unserem Bezirk weiter bessern. Nachts dürfte es jedoch zunächst noch sehr kühl sein. * Wetteraussichten für Berlin: Trocken und vielfach heiter, nachts sehr kühl, am Tage wieder ein wenig wärmer, schwache Winde aus nördlicher bis östlicher Richtung.— Für Deutschland: Ueberall weitere Wetterbesserung, nachts allgemein sehr kühl, am Tage Tem- peraturen besonders in West-, Mittel- und Süddeutschland ansteigend. Parteinachrichten Sinsenvungen für dzeie Rubrik sind Berlin SW 68. Liudenftratze Z Groß-Berlin ', Ü-l» cn da»®«jtrfs)et«tartat l. Los. 2 Sctgpen rcutä.)u richt-» Arbeiisgemeinschaf! sozialdemokratsscher Lehrer u. Lehrerinnen. Bezirksgruppe Berlin. Heute, im U Parteimitgliedsbu Sezirksgruppe Sitzung Im Lölluischeu Eumuasium, Illset strotze. Autweis: Beginn aller Veranstaltungen ldV£ Uhr, so f-rn keine besondere Zeitangabe! 2. Stute. Der Ep ortverein Moabit veranstaltet am Eonnabend, 27., und Eonntag, 28. August, auf dem Spouclatz Tiergarten ein Herbstsportiest. Im Anichluß an die Eonntagaveranstaltung findet ein Kabarett der„Volks» biihne" mit natijfolgcnoem Tanz im großen Saal de« Tiergarten-Hofe« statt. Erwachsene zahlen fltr di« Veranstaltungen an beiden Tagen r» Pf. Zuaenbliche und Erwerbslose 20 Pf. Eenassenl Besucht di« Veranstaltung unserer Sportler. Stärkt die„Eiserne Front!" «. Sims. Freitag, 26. August, engerer«reisvorstand bei Strepp, Plan. ufer 75— 76. 13. fite;«. Der Sport, und Sviellursuo für alle erwerbslosen Jugendlichen des Kreises findet Montag und Donnerstag von»—12 Uhr auf dem Sportplatz in Lichtenrode, Halker-Zeile, statt. Es können(ich auch weibliche Jugendliche daran beteiligen. Spielgeräte stehen zur Verfügung. Weg dorthin ist: Lichlenrader Chaussee bis zur Haltestelle der Straßenbahn Grimmstraße, von hier 2 Minuten bis zum Sportplatz. Die Leitung ist vom Lugendamt des 13. Bezirks dem Kartell fllr Arbeitersport und Körperpflege übertragen worden. 14. Kreis. Di« Abteilungen werden gebeten, die Fahnen schnellsten» im Partei- büro abzurechnen. 5. Abt. Heute bei Lukaschewsti, Deorgenkirchstr. 3«, Funltionärlonferenz. 11. Abt. Freitag, 23. August, bei Niederstraß, Emdener Str. S2, Zahlabend. „Unsere Forderungen im neuen Reichstag", Referent I. P. Mayer. Treffpunkt Frauenveranstallungen. 14. Skrei». Heute Funktionärinnensttzung an bekannter Stelle. 133. Abt. Heute Ausflua nach dem Sportdentmat tn Grünau. 13tzt Uhr auf dem Marktplatz Bismarckstratz«. Arbeiksgemeinschafk der kinderfreunde Groß-Berlin. Kreuzbcrg, Abt. Süden: Jungfalken leben Montag Heim Wasser. torstr. 4 von 17W— Iflv- Uhr. Nestfalken jeden Donnerstag Heim sMl Urbanstr. 137 von 17—1» Uhr. Alle Falken jeden Mittwoch von niliB 17—1» Uhr In der Dieffenbachstratze. ,t"5 Schön eberg: Helkerfitzung im Lindenhof um 1SZ4 Uhr, Jugendheim. Steglitz, Abt. Albrecht, und Friefcnstraße: Helfervcrfammlung am Freitag 18 Uhr im Heim Albrechtfti. 47. Fricdrichehain: Heute, 20 Uhr. Kretshelferverfammlung, Mllhlenstr. 50. Falken, welche an diesem Sonnabend an einer Autofahrt zum Uedersee teil- nehmen wollen, melden ssch bis Freitag, 20 Uhr, im Heim Diestelmeyerstr. 5— 6. Kosten 1,20 M, Eltern 2,20 M.— Landsberger Platz: Sonnabend Abfahrt zum Ueosrfee löu Uhr Landsberger Platz. Alle Teilnehmer erscheine» Freitag, 18 Uhr, im Heim Di-stelmeverstratze., Kreis Neukölln: Vollversammlung der RF morgen, Freitag, um 17v$ Uhr, im Vorlragssaal Kanner Straße. Alle RF.-Gruppen sind verpflichtet, daran t-ilzunehm-n.— Abt. Kurt Eisner. Jungfalken: Am Freitag um 17 Uhr tn der Schule am Hertzbergplatz.— Abt. Juagaall: NF. unb JF. morgen irm 17 Uhr KMS- UÄ Sterbetafel Oer Groß-Berliner Partei- Organisation Am Mokitag verstarb unser lieber Genosse Hermann Otto, Wilhelm- straße 14, im CO. Jahr. Einäscherung Freitag, i2 Uhr, Terichtstraße. t3. Abt. Unser Genosse LittorFrieveistam Montag verstorben. Ehr« seinem Andenken! Einäscherung om Freitag, 26. August, lOZH Uhr, im Krema- torium Gerichtstraße. Um rege Beteiligung wird gebeten. „Haarglanz" adstringiert das Haar, d.h. er zieht das vom Waschen aufgequollene Haar schnell wieder zusammen, sodaß es glatt und fein, straff und elastisch wird.„Haarglanz" erhalten Sie mit jedem weißen Beutel Schwarzkopf-Schaum- pon, dem milden Haarpflegemittel und auch mit dem hochwertigen, kosmetisch wirksamsten Schwarzkopf-Extra. Für Blondinen.Extra-Blond die authellende Spezlal-Sortel jW Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubril nur an das Jugendselretariat Berlin SÄ 68, Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe rechts. Abteilungsleiter, gebt umgehend das Septemberprogramm abl BV.. Sitzung heute Ah-, BA-Sitzung 19� Ahe. heute, Donnerstag, 20 Uhr. auf morgen, Freitag.— Hum- — Norden: Spielen 18 Uhr im Uhr im Schillcrpark.— Andreas» Brommnstr. 1:„Das Kommunistische Manifest".— Hasenheide: Wassertorstr. 4, IZs� Uhr: Heimabend,— Kottbusscr Tor: Urbanstr. 167:„Jugend und Sozialgesetzgebung".— KSpenickcr Viertel: Manteuffelstr. 7:„Wie bis. kotiere ich mit einem Gegner?"— Südwesten: Heim Lindenstr. 4(nicht Sport- platzl).— Schöneberg III; Hauptftr. 15:„Völlerbund und Krieg".— Westend: - r.._.........-■■-•——— ginnow-Wald. Reichs. Tegel: Schöneberger Str. tz: Spielabend. Platz RA.: ass:' Werde beziri ten Genossen Werdcbezirl Irl Webding: Kusammenkunft aller an der Spielgrupp« interessier- Pank- Ecke Wiesenstraße, ISlb Uhr. Irl Prenzlauer Berg: Alle Genossen um 26 Uhr zur Sprechchor- ' fallen aus.— §robe im Altersheim Danziger Str. 62. llorgen Vorst Werbebezi Gruppe mutz ger Str. 62, oraen Vorstandssitzung, Werbe bezirl Neukölln: Mädel-Aktivgruppe: 20 Uhr Stcinmetzstr. 114, Jede Gruppenabende Baracke I, 26 Uhr. vertreten sein.— Der„Querschnitt" probt pünktlich 16� Uhr «bendort. Werbe bezirk Rcinickendors: Spieltruppe„Galgenvögel": Probe für alle in Tegel, Schöneberger Str. Z, pünktlich 26 Uhr. Vorträge, Vereine und Versammlungen »Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". G e I ch» s t» st e 1 1 e: Berlin S. 14, Sebastianstr, 37—38 Hol 2 Tr Wilmersdorf(Iungbanner): Freitag, 26. August, 26 Uhr, Jugend. heim Wilhelmsaue 123, Zimmer 3. Die ausgefüllten Formulare für die Werbeaktion sind mitzubringen.— Adlershof(Kameradschaft): Freitag, 26. August, 20 Uhr, Mhgliederversammlung im Berkehrslokal Katerbaum, Sedanstr. 3. Vorstandsmitglieder � Stunde früher. Tagesordnung wird dort bekanntgegeben. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht.— Neukölln-Britz, I. Kameradschaft: Freitag, 26. August, 26 Uhr, Gambrinus, Kaiser-Friedrich-Str. 86. Aamrrabschaftsvrrsammlung i» Sozialistischer Esperanto-Bunb. Sonntag. 28. August, ist Gautrefsen>n Potsdam. Tagungsort: Pollshaus, Augustastratze. Beginn pünktlich 6 Uhr. Erscheinen aller Genossen Pflicht. Gäste sino herzlichst willkommen. Die Ber- liner Radler tressen sich um 6 Uhr Berliner Ecke Scharnweberstraße in Remicken- dors. Auch die Kinder, welche mit dem Rad- kommen.— Gruppe Zeulrum! Freitag, 26. August, 194 Uhr, im Mctallarbeiterverbandshaus, Linienstr. 83—86 (Eingang Elsässer Straße). Demo: legado kaj tradukado. Iudimdualpsycholcgischc Gruppe. Dr. Erich Unger spricht über„Max Schelers philosophische Anthropologie, Mensch und Kosmos" am Montag, 26, August, um 26 Uhr, im Klubhaus am Knie, Berliner Str. 27. Gäste will- kommen. English Eircl«„Perieoerance". Heute um 21 Uhr im Bräu-StLbl, Reue kleine Hütte, N. 65. Mllllerstr. 176, am Weddingplatz. Englisch- Borträge und Diskussion. Gäste willkommen. Dcntschc Liga für Menschenrechte. Ortsgruppe Norden: Montag, 26. August, 26>� Uhr, in den Arminius-Sälen, Berlin NW. 21, Bremer Str. 72, Vereins- zimmer 1 Trcvvc, Mitgliederversammlung. Thema:„Aktuelle Taaesfragen".— Ortsgruppe Mitte: Dienstag, 36. August, 26 Uhr, in Landrees Weißbicrstuben, Berlin, Reue Friedrichstr. 38a, Mitgliederversammlung. Thema:„Die politische Lage". Theater, Lichtspiele usw. ftaats fe Theater staatsoper unter den Linden Wiederbeginn der Sptelseit Donnerstag, 1. September, 20 Uhr: Slzllianbche Vesper Dirigent: Kleiber de Strozzi. Rnziczka, Wfttriseh, Groftmann, List, Abendroth Beginn des Vorverkaufs: Sonntag, 21. August, bei den bekannten Verkaufsstellen. staatliches Schauspielhaus Wiederbeginn der Spielzoit Sonnabend, 27. Angnst, 20 Uhr: E g m o n I Otto, Franck, Koppenhötcr, Mflthcl, Betke, Mlnettl Beginn des Vorverkaufs: Sonntag, 21. August, bei den bekannten Verkaufsstellen Siadi.Opcr Cbarlotienburg Bismarckstraße 34 Donnerstag, 25.Aug. Turnus i DerMaöour Bindernagel, Amerling. Zador, Husch. Köttera.G, Anfang 20 Uhr Ende gegen 23 Uhr SCAtt ngi.su.aviühr LüCILLE PfißE Clalre Waldoft usw. plAza -.Theater Im™ Admiralspaiast Täglich 8% Uhr Gitta Upar Katharina TheateriVestens Täglich 86. Uhr ■Ue Seults. Bht. 1 lelihardMiiszeilerg.: I Kabalen. Liebe senlmlllier mit langjähriger Erfahrung möglichst per sofort gesucht. Angebote unuB.230 an die„Vorwärts"- Hauptexpedition. in Dreimäd erlhaus 8 Uhr 15. Floro 3434. Rsnihen«rL Taps& Tempo, ReraosComp. 4 Richys, Sealtiel, M.& C. Mayo Levanda, Hunter& Bobette »v.uhr CflSlllfl-THEflTER � � Lothringer Strafte 47. iiiiitmmiminniiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiitiitiiiiimmiiitiinmittimin Berlin wird wieder lachen! Ab morgen Freitag Annemarie das kleine Tanzmädel Volksoperette.— Musik von Gilbert Vorher ein bnnter Teil. Preise 6.56 M., 0,75 M. und 1,— M. Auch fttonntag; abend. Schiller (irolmansir. 70/71 SteinpL(C 1) 6715 A.b L September tlgliob 8 Uhr ..Die versunkene Glocke" zur Feier d. 70.Ge- burtstages von Gerhart Hauptmann Rose- Theater init Fmktirtir Straii 132 Iii. Wiidurl E 7 3427 8J0 Uhr Herzdame Gartenbühne 530 Uhr Renzert n. Variete FrämtBBSiati HEUTE 3y UHR GRUNEWALD HÜRDEN-RENNEN VOLKSBÜHNE EV. 29. Angnst bis 4, September Werbeverstellungen im Theater am BUlowplatz, tägl. 8x Uhr Geld ohne Arbeit Komödie In 3 Akten von Colantuoni und Stemmle Regie; Günther Stark Karten für alle Piütxe WM Ml« einschließlich Zettel und Garderobe•*' lri O Vorverkauf: Theaterkassen Tiete.Kadewe, Geschäftsstelle der Volksbühne. Linienstr 227, Theaterkasse MdrtlaUMeM Adiiunä! Sditang! Verwaltungsmitälieder l Freitag, den 26. Auaust, keine Sitzung der Mittleren Ortsvrrwaltnng Die Auszahlung der Liqntdationsgclder erfolgt di» ISV, Uhr. Aditond. Banansdilüöer! Da die Kollegen Bauanschläger immer noch um Anerkennung des Tariivertrages kämpfen, geilen nur die Kollegen zur Arbeit betechligt. die im Besitze einer von der Verwaltungsstelle de» Deulschen Mi' lallardeiter-Derbandcs(Urich-Eckert) unter' schriebenen Ausweiskarte sind. Ol« Ortrverrvaktnng. Ihren Drlaub im schönen Thüringer Walde im herrlichen Erzgebirge in stimmungsvoller Heidelandschaft im märkischen Seengebiet in den Heimen derADEFE Allgemeine DeutsüieGesellsdialt für Ferien- nnd Ertiolnnosheime ra.B.H. SitzJena,Marienstr.4— Prospekte gratis ■■ Genossen finden freundl. F93rZe Ausnahme, gute Verpst M WWG»�» Pension 3 M bei 5 Mahlzeiten. keine Nebenkost Schön. Rosengart. m anschtieß. Liegewiese nahe Tannenwald. Ueillrll» störgss. Uß.'tlstzllßssn l«> öessss. Oecttfier Metallariieiter-Verbanii VerwaltangMlellc Berlin Todes-Anzeigen Den Milgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Albert Streblo� geboren l. Juli 185S, am 22. August gestorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag. den 25. August 14>/, Uhr, von der Leichenhalle des Heiiand-Friedhoies in Piötzensee aus stmL Am 22. August starb unser Kollege, der Dreher Richard Borchardi geboren 21 Januar 1383. Die Beerdigung findet Freitag, den 26. August, 15 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhoss in Lübars aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. Die OrtSTcrwaUang. Danksagung. Hetzlichen Dank allen, besonders Herrn Dietrich vom DMB. die un- serem lieden Gntschiasenen Joseph Pohl letzte Ehrung und uns ihre Teilnahme erwiesen haben. P. Pohl nebti Kindern zur die herzliche Teilnahme bei der Trauerseier unseres lieben Batet», Schwieger-, Droßvalers, Bruders, Schwager» und Onkels bmisi Hempei sagen wir allen Verwandten, Freun- den und Bekannten, besonders den Genossinnen und Genossen der 2L Abteilung nnd dem Redner, Genossen Roth, unseren herzlichen Dank. Die tranernden HinterölleDenen iMelieileuienileriiWt das beliebte Ostseebad westlich Rügen. 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August 1932 On ber heutigen Vormkttagsziehung wurden Gewinn« über 499 M. gezogen 4 Gewi an» in 10000 M. 2457B1 381226 6©clvirme jn 6000 M. 196885 269842 369142 . 24«ewmv. ii 3000 M. 67801 102379 127347 166165 173327 176603 187905 230679 232961 260427 296143 382114 62«-winv- iu 2000 W. 1397 5320 7260 12233 24702 84129 86348 88402 128245 143860 146232 151316 166646 221086 231607 238744 266809 262472 267031 275859 283938 305679 355078 359544 362917 363785 36381 1 376578 379458 398254 399044 106 Sewinn« in 1000 M. 1088 7140 10429 31419 49809 82817 72004 77331 7835695934 101343 103224 116964 122285 133006 163198 166100 172153 184219 136835 188079 138534 205694 206453211060 212340 2261 71 233939 240431 254352 257764 273629 314631 315136 315611 323147 325219 342413 342797 346423 346429 349963 353669 357135 364021 371466 372301 381363 385637 386851 287337 291260 294134 168 Bcmimt ,n 500 7861 12096 13926 21497 25372 34210 39590 40350 42984 47448 49948 50403 60984 54708 59040 62291 67646 8310783671 94369 102480 103425 116336 117490 124319 128096 128533 130083 136754 139588 139808 141864 145709 149347 149463 154457 161879 171046 171909 185337 188107 188866 192119 194616 198024 204391 209396 218760 221292 221362 223898 239501 243623 246006 247977 249273 250721 262207 262905 272577 273253 276862 278657 289114 302284 305677 316750 317181 324972 325061 333523 339842 345877 346895 352460 355052 372203 376175 379167 381399 386296 392100 397980 Sn der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinn« über 400 M. gezogen 2(Sewinn« in 25000 M. 161 791 4 Gewinne ju 10000 M. 166308 373019 10»«Winne»n 5000 M. 45513 93966 152342 243685 332663 22 Sewinn- in 3000 M. 21012 22309 34356 122798 178413 185384 204188 284405 336001 368642 377494 38»«Winne in 2000 M. 8954 14388 39221 60398 62583 63645 72115 73638 37572 93606 169978 133390 225706 262147 262215 296526 310310 369812 373003 90 Sewinn«>n 1000 M. 18508 20925 36679 33275 43448 47433 49350 5001 0 60575 70056 79430 97483 1 07 1 47 1 1 3856 1 1 4537 1 25330 140216 150129 153381 153441 202150 213074 223176 242653 262834 267724 268221 273723 279116 281456 296034 296519 304318 321071 332148 337660 342060 346092 350136 357351 370695 376254 385638 394135 399835 132«-Winne ,u 500 M. 8835 12832 42343 44358 46396 46578 46922 51363 52964 61875 83017 70825 71037 73461 65701 37133 107010 103943 110539 111439 114377 116050 117465 123271 139616 146199 150559 153007 156739 159808 163179.167878 168429 134592 201902 213806 233553 236072 250069 251338 253302 257063 275764 278626 281281 286019 290246 303533 313287 314723 322828 323725 326575 326721 337290 345906 350739 361955 366823 368173 372621 373297 374088 375847 381440 384026 Im Gswinnrade verblieben: 3 Prämien je zu 500000, 100 Schlußprämien zu je 3000, 2 Ärwinne zu je 200000, 2 zu j« 1000 0, 4 zu je 75 WO. 4 zu je 50000, 16 zu je 25000, 104 zu ie 10000, 232 zu je 5000, 4ÖÖ zu je 8000, 1454 zu je 2000, 2934 |u je 1000, 4964 zu je 500. 14938 zu je 400 M. 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Tatsachen zur russischen Ernährungskrise. Der stürmische industrielle Ausbau Sowjetruhlands macht planmähige Ersolge aus der Agrarsront zu einer Lebenssrage. vie hosfnungen der Sowjetunion wurden in diesem Jahre noch nicht erfüllt. Die Ergebnisse der russischen Frühjahrsaussaat veröienen größte Aufmerksamkeit: Weil es von ihnen abhängt, ob die IM Millionen der Sowjetunion genug zu essen haben, weil an ihnen Erfolg und Mißerfolg der Kollektioisierung abzulesen ist und weil der Ausfall der russischen Ernte auch den Umsang der russischen Ein- und Aus- fuhr bestintwt. Die Rußlandoufträge für Deutschland stehen in engem Zusammenhang mit der Weizen- und Roggenernte in den Dörfern der Ukraine und Sibiriens. Die Berichte des Volkskommissariats für Landwirtschaft in der Sowjetpresse sind leider immer dürstiger geworden. Es fehlen alle Vergleiche mit dem Vorjahr, vielfach werden nur absolute Zahlen genannt, dann wieeder nur Vrhaltnis>zahlen, und es kostet ziemliche Muhe, die Entwicklung der russischen Landwirtschaft in den beiden letzten Jahren zu erkennen. Diese beiden Jahre sind aber die Jahre, in denen die Kollektwen zur herrschenden Betriebssorm geworden sind. Die fol- genden Ziffern geben das Resultat einer Durcharbeituna der Tages- zeitungen in den entsprechenden Perioden der Jahre 1930 bis 1932. Der Plan für die Herbstsaat 1931 wurde nicht erfüllt. Wurden bis zum 1. November 1930 von den bäuerlichen Wirtschaften, Kollektwen und Einzelwirtschaften 33,4 Millionen Hektar bebaut, so waren es bis zum 1. November 1931 nur 34,1 Mil- lionen Hektar. Die Staatsgüter vermochten den Verlust nicht aus- zugleichen. Die gesamte Saatfläche blieb um mehr als eine halbe Million Hektar hinter jener der Vorjahre zurück. Die Frühjahrssaatkampagne begann in diesem Jahr bedeutend früher. Die Witterung war ungleich günstiger. Die Oe- genden, welche 1931 unter der Dürre gelitten hatten, waren nach den offiziellen Angaben mit Saatgut aus anderen, besser gestellten Ge- bieten versorgt worden. Die Zahl der landwirtschaftlichen Maschinen hat sich ansehnlich vermehrt. Die chemischen Betriebe lieferten mehr Kunstdünger als 1931. Es waren alle Voraussetzungen für einen schnellen und erfolgreichen Verlauf der Kampagne gegeben. So schien es. In W i r k l i ch k e i t ist das Ergebnis wenig befriedigend. Vielerorts ist es schlecht, in manchen Gegenden muß man es sehr schlecht nennen. Die gesamte Anbaufläche betrug 1. Juli.. Millionen Hektar ISZI 1932 97,03 96,68 Prozent der Planerfüllung 1931 1932 97,0 94,5 Der Plan für 1932 sah eine Anbaufläche von 102 Millionen Hektar vor. Er konnte nicht erreicht werden. Wenn man sich begnügte, nur die Gesomtziffern der beiden Jahre zu vergleichen, wäre das Ergebnis zwar unbefriedigend, ober doch nicht allzu schlecht zu nennen. Anders wird es, wenn man die einzelnen Kul- turen und Gebiete betrachtet. Gerade die Brotkulturen stehen am schlechtesten. Weizen war angebaut(in Millionen Hektar): 15. Juni 1930.............................. 23,7 1931.............................. 25,0 1932.............................. 21,6 In keinem der großen Weizengebiete. Baschkirien(östliches Wolgagebiet) ausgenommen, wurde der Stand des Vorjahres er- reicht. In Kasakstan(südlich vom Ural) sank die Fläche von 3 aus 2 Millionen Hektar, in Sibirien von 4.6 auf 3.8. im Ural von 2,6 auf 2,1. Besondere Beachtung verdient die Entwicklung in der Ukraine: Hier waren am 15. Juni 1930 mit Weizen besät 3,3 Millionen Hektar, 1931 noch 2,3. 1932 ober nur noch 1.2 Millionen Hektar. Der Rückgang im Anbau von Gerste wurde nicht aufgeholt. Bon 7 Millionen Hektar sank die Fläche aus 6,2 im Jahre 1931 und blieb 1932 auf dem gleichen Stand, Die Hafer saat dagegen ist noch viel weiter zurückgegangen. Sie machte 1930 noch 17,9 Millio- nen Hektar aus, um sich 1931 auf 16,1 und 1932 gar auf 13,9 Mil- lionen Hektar zu vermindern. Ein Sinken ist auch bei M a i s zu beod- achten, wenngleich kein so starkes: von 3,9 auf 3,8 und 3,6 Millionen Hektar. Mit Hirse waren am 15. Juni 1930 5,1 Millionen Hektar bestellt gewesen, am 10. Juni 1932 5. Buchweizen war von 1930 bis 1931 von 2 auf 1 Million Hektar zurückgegangen; es fehlen Angaben für dieses Jahr. Die Kartoffel anbaufläche ist eben- falls kleiner geworden: sie ging von 5,8 im Jahre 1930 auf 5,2 Mil- lionen Hektar im Jahre 1932 zurück. Die Anbaufläche von Weizen. Gerste, Hafer. INois. Kartoffeln und Hirse ging in zwei Jahren von 63,3 aus 55,4 Millionen Hektar oder um 12,5 Proz. zurück. In der gleicheu Zeit nahm die Bevölkerung um 4.7 Proz. zu. Die technischen Kulturen hotten sich 1931 sehr gut entwickelt. Auch hier ist 1932 ein Stillstand oder nur geringer Fortschritt, zum Teil sogar ein Rückschritt zu beobachten. Die Zunahme des Sonnen- blumenonbaus erklärt sich durch den Rückgang in der Viehwirtschaft, den dadurch austretenden Mangel an tierischen Fetten und die Notwendigkeit, in dem Pflanzenöl einen Ersatz zu schaffen. Er betrug 1931 4,5, 1932 5,1 Millionen Hektar. Mit Zucker- rüben waren 1932 1,6 gegen IL Millionen Hektar im Vorjahr bestellt. Auch Flachs wurde etwas mehr angebaut. Die Hanf- kulturen verkleinerten sich ein wenig. Die Baumwoll- fläche ist heuer kleiner als im Vorjahr. Es ist, vorausgesetzt, daß keine weiteren Verschlechterungen des Wetters«intreten, mit einer Mittelernt« zu rechnen, was den Ertrag pro Hektar betrifft. Denn die seinerzeit gehegten Hosfmingen, daß der Hektarertrag infolge besserer Boden- bearbeitung, Düngung usw. sich rasch vergrößern wird, hat man inzwischen aufgegeben. Der ursprüngliche Fünfjahresplan hatte mit einem Hektarertrag von 10,3 Doppelzentner Getreide, 190 Zuckerrüben, 13,4 Baumwolle, 3,9 Flachs gerechnet. Die Koniroilziffern für 1932 wünschten«nt- sprechend 8,5, 145, 8,7 und 2,6 Doppelzentner. Sie sind nicht an- nähernd zu erreichen. Das ergibt sich aus einem Vergleich der Hektarerträge von 1913 mit denen der letzten Jahre. Es ist zu beachten, daß 1913 kein Traktor über die Felder fuhr, daß es keine Maschinen-Traktoren-Stationen gab, die ganze Wirtschaft rückständig und primitiv war. Ertrag pro Hektar in Doppelzentnern. ISIS 1230 IS31 1032 19ZZ (pto Debiatinc= 1,0923 ha)(1. Plan)(2 Plan) Zuckerrüben..... 175 112 81 190 145 Baumwolle..... 10.6 7,0 5,3 13,4 8,7 Es ist übrigens zu beachten, daß die ursprünglichen Schätzungen sich bei schärferer Ueberprüfuno immer als übertrieben herausstellen. Im Februar war der Hektarertrag 1931 mit 7,5 Doppelzentner an- gegeben worden: Osfinsky stellt(„Pravda" vom 3. Juli) fest, daß er bloß 6,8 war. Ein„kleiner Unterschied": 73 Millionen Doppel- zentner! Die Kollektivisieruna hat demnach die Erwartuna°n, die in sie gesetzt wurden, bis fetzt noch nichterfüllt. Die An- baufläche ist im Zurückgehen, die Hektarerträgnisse sinken. Zwar schreitet die Maschinisierung sort, aber die Massenschlachtungen haben der Landwirtschast so viel Zugkraft geraubt, daß es Jahre dauern wird, bis der Traktor da? fehlende Pferd voll ersetzen w'rd. Die Konfiskation eines übergroßen Teiles der Ernte hat den Anreiz zur Er- Weiterung der Wirtschaft vielfach ertötet. Die Mängel in der Arbeiter- organisation der Kollektiven, die Schwierigkeit, den russischen Bauer. der bis jetzt seine Wirtschast nach seinem Willen geführt hat, an Akkordarbeit zu gewöhnen, die Zerstörung de? alten gesellschaftlichen Gefllges, ohne daß das neue wenigstens in den Grundzügen vor- geformt gewesen wäre, da? olles hat bewirkt, daß die unleugbaren Vorzüge kollektiver Bodenbearbeitung sich bis jetzt nach nicht aus- wirken konnten. 0. dl. Die Arbeitsbeschaffung. Oer Umfang der?ieichSbankhilfe. Nach der„Frankfurter Zeitung" hat die Reichsbonk es abgelehnt, anders als durch genaue Prüfung der Einzelprojekte der Arbeits- bofchaffung sich an der Finanzierung zu beteiligen. Es sei daher nicht nur keineswegs sicher, daß die Summe von 207 Mil- lionen, soweit die Reichsbank in Frage kommt, wirklich erreicht werde, vielmehr kann im Gegenteil heute schon gesagt werden, daß dies bestimmt nicht der Fall sein wird, weil die Reichsbank«inen Teil der Projette von vornherein abgelehnt hat. Di« 207 Millionen, die die Reichsressorts in Vorschlag gebracht hatten, setzten sich aus folgenden Posten zusammen: Für die Gleiserneuerung der Reichsbahn sollten 23 Millionen, für den Straßenbau 40 Millionen, für die landwirtschaftliche Sied- l u n g ebenfalls 40 Millionen, für M e l i o r a t i o n e n 20 Millio- nen, für den Wohnungsbau 30 Millionen, für den Rügen- d a m in 18 Millionen, für den freiwilligen Arbeitsdienst 20 Millionen, für die A b w r a ck- A k t i o n 12 Millionen und für den Bau von Heringsloggern 4 Millionen bereitgestellt werden. Es handelt sich dabei zum großen Teil nur um die E r w e i t e- rung von Arbeiten, für die bereits früher Mittel zur Ver- ftigung gestellt und die Formen der Durchführung gefunden worden waren. So sind in den im Juni für die Arbeitsbeschassung bereit- gestellten 135 Millionen 60 Millionen für den Straßenbau und 25 Millionen für Meliorationen enthalten. Der Rest ent'iel damals auf den Vau von Wasserstraßen, der jetzt nicht erweitert wurde. Für die Erweiterung des Straßenbaues hat die Reichsbank bisher keine feste Zusage erteilt, bekanntlich erfolgt die Finanzierung in der Weif«. daß die Unternehmer Wechsel auf die Gesellschaft für öftentliche Ar- beiten ausstellen, die von einem unter Führung der Reichskredit- gesellschaft stehent-en Pankenkonsartium dirigiert werden. Es muß vorerst abgewartet werden, ob dieses Konsortium, das noch nicht end- gültig gebildet ist, der Erweiterung zustimmt. Vermutlich wird man übrigens den Straßenbau im Rohmen der 40 Millionen teil- weiss durch andere ähnliche Arbeiten ersetzen, die eigentlich in das Gebiet des Wasserbaues fallen. Es wird damit gerechnet, daß einige Talfperrenbauten und ein Wasiernersorgungsprojekt � für Mittelsachsen in diesem Rahmen erledigt werden können. Dadurch würde sich nicht nur eine bessere lokale Verteilung der Mittel ergeben, sondern auch eine Erleichterung für die Reichsbonk, Rediskont, zusagen zu gewähren, da in diesem Falle Zweckverbände und gemifchtwin- � schaftliche Gesellschaften als Kreditnehmer eingeschaltet werden könnten." Sanierung der premag. Aber im lausenden Jahre neuer Verlust zu erwarten. Die Preßluftwerkzeug- und Maschinenbau A.-G. „Premag", Berlin-Oberschöneweide, weist für das Ge- fchäftsjohr 1931 einen neuen Verlust von 0,37 Mill. M. aus, so daß sich der Gesamtoerlust aus 0,58 Mill. M. erhöht. Die Verwal- tung schlägt ein« Sanierung vor in 0er Weise, daß die Stamm- aktien im Verhältnis 2 zu 1 und damit das Gesamtkapital von 1,7 aus 1 Mill. M. herabgesetzt werden. Der Ucberschuß des Buchge- minus über den Verlust und ein Teil des Reservefonds werden zu � Sonderabschreibungen auf Anlagen und Vorräte verwandt. In oer Bilanz haben sich die Forderungen von 0.5 auf 0,35 Mill. M. ermäßigt. Davon sind aber nur der kleinere Teil (0,1 Mill. M.) Wavenforderungen: der Hauptbetrag von mehr als 0,2 Mill. M. stellt Forderungen gegen ehemalige Vor- standsmitglieder dar. Woher diese Forderungen stammen und ob nicht große Ausfälle bei ihnen zu erwarten sind, wird nicht gesagt. Di« Vorräte sind, im wesentlichen infolg« der Al schrei- Hungen, von 0.9 auf 0,7 Will. M. zurückgegangen. Aus der Passiv- seit« erscheinen Darlehen mit 0,33 Mill. M. fast unverändert. Merk- würdigerweise sind Anzahlungen von Kunden von 0,3 auf OL Mill. M. gestiegen, ein Umstand, der für gewöhnlich als Zeichen steigender Umsätze zu werten ist. Aber für da? lausende Geschäfts- jähr ist mit Sicherheit ein neuer Verlust zu erwarten. houptgemeinschaft de, Deutschen Einzelhandels Die Hwipt- gemeinschaft des Deutschen Einzelhandels beruft auf den 20. Sep- imber nach Berlin eine Mitgliederversammlung ein, auf der vor allem Organijationsfragen besprochen werden. Die Reinigung im Gtahltrust. Jetzt heißt es aufpasten! Es dürfte tatsächlich so sein, daß die Beauftragung des Herrn von Flotow vom Bankhaus Hardy u. Co., der Reichsregierung über die Gelfenkirchen-Angelegenheit zu berichten, zugleich die Einleitung der Sanierung der Vereinigten Stahl' werke A.-G. bedeutet. Man beobachtet in den letzten Tagen Kursbewegungen bei den Stahlwerksaktien nach oben, und wenn auch am Mittwoch wieder ein kleiner Rückgang auf 165L Prozent eintrat, so scheinen doch die Interessenten zu Holsen, daß die Sa- nierung der Vereinigten Stahlwerke aus einer günstigeren Grund- läge erfolgen wird, als sie im bisherigen Kurse zum Ausdruck kommt. Die Vereinigte Stahlwerke-Verwaltung dementiert zwar das Vorhandensein bestimmter Saniernngs- und Kapitalzusammen- legungspläne, aber sie macht doch schon für ein den privaten Groß- aktionären günstiges Zusammenlegungsverhältms gute? Wetter, in- dem sie sagt, daß angesichts der Anleiheverschuldung von 483 Millionen Mark dos heutige Aktienkapital von 725 Millionen Mark kaum tiefer zusammengestrichen werden dürfte. Das wäre natürlich«in außerordentlich fettes Geschäft für die Herren Thyssen, Otto Wolff usw., aber ein außerordentlich schlechtes für Reich als Großaktionär, das schließlich ollein für eine vernünftige Sanie« rung verantwortlich ist und unbegrenzt neue Mittel zur Verfügung stellen müßte. Die Oeffentlichkeit wird wachsam sein müssen, da- mit der Steuerzahler und der Staat bei der Stohlvereins-Sanierung nicht betrogen werden. Die Bbwrackhilse. 40 Prozent der deutschen Flotte werden verschrottet. Die Reichsregieruno hat jetzt 12 Millionen Mark für die syste- m a t i s ch e Kapitalvernichtung durch Abwracken van 400 000 Tonnen Schiffsraum zur Verfügung gestellt und die B e d i n g u n- gen für die Gewährung des Reichszuschusses betannt gemocht. Danach kann bei Verschrottung eines Schiffes dem Reeder eine Beihilfe von 30 Mark je Bruttoregistertonne gezahlt werden. Es muß sich um Schiffe handeln, die seit dem 1. Januar 1930 un- unterbrachen in einem deutschen Seeschisssregister eingetragen und im Eigentum de? Antragstellers waren. Ferner müssen die Schiffe vor dem l. Jan u ar 1913 von Stapel gelaufen, also 20 Jahre alt und älter sein. Das Abwracken muß auf einer dcut- jchen Werft erfolgen. Da etwa 10 Proz. der deutschen Flotte verschrottet werden, ent- fallen auf die Hapag und den N o r d l l a y d etwa je drei Mil- lionen Mark. Etwa vier Millionen Mark kommen auf die Mittel- und Kleinreedereien und die Trampschifjahrt. Man reäinet damit, daß 240000 Tonnen Schrott anfallen werden. Zur Uebcrnahme dieser Mengen hat sich ein K o n s o r t i u m aus drei Schratthändler- firmen gebildet, die einen Preissturz am Schrottmarkt verhindern wollen. Daß es sich nickst etwa um unbrauchbare Schiffe handelt, die auf diese Weise zum alten Eisen gemacht werden, zeigt am besten die Erklärung der N c p t u n- G e s e l l s ch a f t in Bremen, daß sie sich an der Adwrackaktion nicht beteiligen werde, da ihre Schiffe noch alle in bestem Zustande seien. Wenn auf keine andere Weise erträgliche Verhältnisse in der Weltjchiffahrt herzustellen sind als durch diese systematische Kapitalvernichtung auf Kosten der Steuerzahler, dann ist das dos schlimmste Urteil über das kapital!» stische Wirtschastssyslem. Uebrigens ist es sehr zweifelhast, ob andere Länder dem deutschen Beispiel folgen werden, ob also eine Besserung in der Lage der Weltschifsahrt sich einstellen wird. Ledermdustrie 4S34. <�eringeproduktionsschrumpfung/Ausfuhrhandelbehaup