Morgenausgabe Nr. 401 A 198 49. Jahrgang WSchentlich 78 PI. monatlich 3,25 M. (davon 87 Pf. monatlich für Anstel» lung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug Z,S7 M. einschließlich SO Pf Postzeitungs» und 72 Pf Poftbestellge» bühren. Auslandsabonnement S,S5 M. vro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto«.88 M. Del Ausfall der Lieferung wegen höherer(Bemalt desteht lein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Erschetnungswetse und Anzeigenpreis« siehe am Schluß des redaktionellen Teils. P, Vi erlin er Voltsblatt Freitag 26. August 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Jentralovgan der Sozialdemokratischen Kartei DentschlaBW Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 gernspr.: Dönboss(A T) 292— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwäris-Verlaa G. m. b. H. PostfcheckkoMo: Berlin 37 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.u.Disc.-Ges., Depositenk., Jerusalemer Str. 65/66 Gewerkschaft«ndMgierung Gegen falsche Gerüchte. Wehrhoheit? Realpolitik in der Abrüstungsfrage! Es gehört nun einmal zu den Eigenarten der„grund- sätzlich neuen Staatsführung", daß das deutsche Volt über die Auffassungen und Absichten seiner Regierenden in den großen Problemen der in- und ausländischen Politik zumeist a u f dem Umwege über die englische, die amerikanische oder die französische Presse informiert wird. So darf man sich darüber nicht wundern, daß man zum ersten Male durch eine Meldung der französischen Havas-Agentur davon er- fahren hat, daß Deutschland in den nächsten Tagen durch seine Botschafter in Paris und London das Problem der deutschen„W e h r h o h e i t" aufrollen wird. In diesem Falle beruhte diese Mitteilung zwar nicht auf einem der neuerdings beliebten Interviews, sondern offenbar auf einer diplomatischen Indiskretion; aber entscheidend ist, daß diese Ankündigung von deutscher Seite nicht offiziell dementiert worden ist. Das Echo, das diese Havas-Nachricht in Frankreich, und übrigens auch in England, erweckt hat, ist nicht gerade ver- heißungsvoll. Regierungsoffiziöse deutsche Blätter. trösten ihre Leser damit, daß man, besonders was Frankreich angeht, auf diesen Sturm der Entrüstung gefaßt gewesen sei, und daß im übrigen die Stimmung in den Vereinigten Staaten und namentlich in Italien die deutschen Wünsche viel ruhiger und objektiver betrachte. Bezüglich Italien mag das ohne weiteres zutreffen, aber man sollte nachgerade be- griffen haben, daß die Aeußerungen der Zustimmung und der Aufmunterung, die in der faschistischen Presse Italiens in den meisten Problemen den deutschen Forderungen zuteil werden, uns praktisch noch nie etwas genützt haben und daß Mussolini im entscheidenden Augenblick die deutsche Diplo- matie immer im Stich läßt, weil ihm an einem erträglichen Verhältnis mit Frankreich doch weit mehr gelegen ist als an einem abenteuerlichen Schutz- und Trutzbündnis mit Deutsch- land. Und was die Vereinigten Staaten anlangt, so kann man nicht eindringlich genug vor der Illusion warnen, als ob sich die Regierung und die öffentliche Mei- nung in Amerika für irgendwelche Schritte und Bestrebungen einsetzen werden, die nicht eindeutig im Sinne der Ab- rüstung liegen. Wer von den USA. eine Unterstützung irgend- welcher Pläne erwartet, die auf eine Angleichung der deut- schen Rüstungen nach oben hinauszielen, für den wird es ein böses Erwachen geben, wenn er darauf irgendwelche Hoff- nungen setzt. Der Gedanke, England von Frankreich in dieser Frage entscheidend trennen zu können, ist nicht weniger ver- fehlt. Es ist ja gerade der Sinn und der Zweck jenes Kon- sultativpaktes gewesen, den Paris und London im letzten Stadium der Lausanner Konferenz abgeschlossen haben, eine Einheitsfront vor allem in der Abrüstungsfrage gegenüber dem nationalistisch regierten Deutschland zu bilden. England mag die deutschen Forderungen dazu benutzen, einen stärkeren Druck auf Frankreich im Sinne der Abrüstung aus- zuüben, es wird sich aber bestimmt nicht zum Anwalt dieser Forderungen machen: das zeigen schon deutlich die zwar be- sorgten, aber keineswegs freundlichen konservativen Presse- stimmen, die die Berliner Havas-Meldung kommentieren. Das deutsche Rüstungsproblem ist und bleibt also in erster Linie eine deutsch-französische Angelegenheit. Im Reichswehrministerium scheint man das wohl begriffen zu haben und deshalb wurden ja unverbindliche Vorverhand- lungen zwischen deutschen und franDsischen Militärsachver- ständigen in Genf bereits eingeleitet. Allerdings, wie es scheint, ohne besonderen Erfolg. Indessen gibt es zumindest eine Kategorie von Franzosen, die den deutschen„Umbil- dungs"wünschen nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber- stehen: das sind— wen wird es wundern?— die französi- schen Rüstungsindustriellen, die Morgenluft wittern, nachdem sie lange Zeit unter dem Alpdruck der internationalen Abrüstungspropaganda gestanden haben. Zwischen dem.,Comit«i des Forges" und der deutschen Stahl- industrie laufen zwar wenig sichtbare, aber um so festere Fäden, die wiederum zu den Generälen und Regierungen beider' Länder führen. Das allein erklärt schon, warum selbst die nationalistischen Blätter Frankreichs einer Aussprache mit Deutschland über die deutschen Forderungen nicht grundsätz- lich ablehnend gegenüberstehen, allerdings schon jetzt einen ganzen Katalog von Gegenforderungen formulieren, zu denen die Auslösung aller militärischen Verbände, die Jnternationalisierung der Luftschiffahrt und natürlich auch ein„Ost-Locarno" gehören. Die Unterhaltung verspricht dem- nach sehr lebhaft zu werden, nach außen— und nach innen! Seit Tagen geht die kommunistische Presse, an der Spitze die „Rote Fahne", mit„Enthüllungen" über eine im Entstehen be- grisfene Einheitsfront von Leipart bis Straßer hausieren. Mit eiserner Stirn erklärt man im Karl-Liebknecht-chaus und bei Münzenbergs, daß der Plan zur Bildung eines Kabinetts Schleicher— Straßer— Stegerwald fix und fertig und die Tolerierung dieser Regierung durch Sozialdemokratie und Ge- werkschaften beschlossene Sache sei. Zu diesem Unfug nimmt die„G e w e r k s ch a s t s z e i t n n g", das Organ.des Allgemeinen Deutschen Gewerkschasisbundes. in ihrer neuesten Vummer. die Ende dieser Woche herauskommt, Stellung. Sie weist zunächst darauf hin, daß die Sozialdemokratie bereits Beschlüsse gefaßt hat, die an ihrer oppositionellen Stellung zu seder Rechtsregierung-feinen Zweifel zulassen, und betont dann mit aller Deutlichkeit: „wir erklären nachdrücklichst, daß der ADGB. allen Kombinationen über RIachtbildungen an der Spitze des Reiches absolut fernsteht und an Verhandlungen über die Bildung einer neuen oder die Umbildung der gegenwärtigen Regierung unbeteiligt ist. wenn wir die Art der Anteilnahme des ADGB. an der Gestaltung der politischen Führung im Reiche kennzeichnen wollen, so müssen wir seslstellen, daß der ADGB. nur von dem einen Bestreben geleilet ist. seine Unabhängigkeit von jeder Regierung, wie immer fie beschaffen sei. in vollem Umfange sicherzustellen." Llm Trendelenburg und Posse. Echwarzkopf.der neueMann imNeichSwirtschastsministerium Ueber die Gründe des Rücktritts des Staatssekretärs Dr. Tren- delevburg wird„von zuständiger Stelle" folgendes mitgeteilt:„Im Ziele der Wirtschaftspolitik bestand zwischen dem Reichswirtschasts» minister und dem Staatssekretär volle Uebereinstimmung, über das Tempo und die Art der Aktivierung der Wirtschaft jedoch bestanden Schwierigkeiten. Der Reichswirtschaftsminister tritt für unverzüg- liche Durchführung der Maßnahmen ein, die zu einer Behebung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten und zu einer Ankurbelung der Wirt- schaft führen werden." Diese Mitteilung ist so inhaltsleer wie möglich. Die Oeffentlich- keit kann mit dieser Erklärung gar nichts anfangen. Wir fordern nach wie vor, daß Reichskanzler und Reichswirtschaftsminister sich nicht durch Erklärungen vor dem agrarischen Jnteressentenkongreß in Münster festlegen, bevor sie durch Bekanntgabe ihrer wirtschafts- politischen Absichten die öffentliche Meinung zu diesen Absichten kennengelernt haben. Die Mitteilung, daß auch Ministerialdirektor Posse aus seinem Amte scheiden werde, ist inoffiziell dementiert worden. Darf Passes Verbleiben in dem Sinne aus- gelegt werden, daß ein grundsätzlicher Systemwechsel in der Wirt- schafts- und Handelspolitik nicht erfolgt? Der Nachfolger Trendelenburgs, Generaldirektor der Lan- deskreditkasie Schwarzkopf in Kassel, ist bereits ernannt. Er ist 48 Jahre alt, war 1915 bis 1916 einer der engsten Mitarbeiter des deutschnationalen Kriegsfinanzministers Dr. H e l f f e r i ch, hat sich am Ausbau der Kriegswirtschaft beteiligt, war durch Ballin nach dem Krieg im Vorstand der deutschen Levantelinie, dann General- Schon jetzt läßt sich allerdings feststellen, daß die deutsche Oeffentlichkeit durch Schlagworte aus Ziele festgelegt wird, die schlechterdings unerfüllbar sind und übrigens, wie es scheint, gar nicht von der Reichsregierung erstrebt werden. Dazu gehört z. B. der Ausdruck„W e h r h o h e i t". Wenn dieses Wort einen Sinn hat, so doch nur den einer völligen Souveränität, also Selbständigkeit und Handlungsfreiheit, Deutschlands auf diesem Gebiete. Wenn wir recht unterrichtet sind, sind die Pläne des Reichswehrministers von Schleicher viel konkreter, begrenzter und auch real- politischer als dieses nationalsozialistische Schlagwort. Sonst hätte es ja auch gar keinen Sinn, mit den Franzosen überhaupt verhandeln zu wollen, denn eine hundertprozentige Rüstungsfreiheit wird Deutschland schon im Hinblick auf das zahlenmäßige Uebergewicht seiner Bevölkerung und auf seine industrielle Uebermacht nicht gewährt werden. Schleichers Bestrebungen gehen offenbar nur dahin, die deutsche Reichs- wehr durch eine kürzere Dienstzeit und durch ein größeres Ergänzungskontingent sowie auch durch eine entsprechende, mit den Armeen anderer Staaten vergleichbare Bewaffnung ausbauen zu können. direktor des vorläufigen Reichswirtschaftsrates und ab 1924 General- direktor in Kassel. Lndustrieführer beim Reichskanzler. Am Donnerstag empfing Reichskanzler von Papen eine Reihe von Jndustrieführern, u. a. die Herren Krupp von Bohlen und Halbach, Geheimrat Bosch und von Siemens. Die Besprechungen galten dem Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung. Bracht gegen Freister. Das Gespräch mit Kerrl. Der stellvertretende Reichskommissar für Preußen, Dr. Bracht, hat am Mittwoch den Razi-Präsidenten des Preußischen Landtages, Kerrl, in seiner Dienstwohnung aufgesucht, um mit ihm das Ver- hälMis der kommissarischen Regierung zum Landtag zu erörtern. Die„Kommissare" stehen auf dem Standpunkt, daß sie nur dem Reichspräsidenten, nicht aber dem Parlament verantwortlich seien. Wie man hört, hat Bracht diese Auffassung auch bei Kerrl ver- treten, aber hinzugefügt, daß sie selbstverständlich nichts an der Tatsache ändere, daß die Regierung gewillt sei, mit dem Landtag in entgegenkommender Weise zusammen zu arbeiten. Die Regie- rung habe selbst über die Form dieser Zusammenarbeit zu ent- scheiden, also z. B. auch darüber, ob die Verhandlungen zwischen Regierung und Parlament auf schriftlichem Wege vor sich gehen sollen oder ob Regierungsvertreter zur Aus- kunfterteilung in die Landtagssitzungen kommen. Weiter wurde auch die Einberufung des Iustiz-Untersuchungsausschusses nach Beuthen erörtert. Bracht hat dabei grundsätzliche Be- denken gegen die Reise des Ausschusses zum Ausdruck gebracht und auch dagegen, daß der Untersuchungsausschuß jetzt schon in die Angelegenheit eingreifen will, während das Wiederaufnahmever- fahren schon angekündigt ist. Neuer Vorstoß der Sozialdemokraten im Verfassungsstreit. Inzwischen nimmt der Verfassungsstreit zwischen der sozialdemokratischen Fraktion des Preußischen Landtags und dem Präsidenten Kerrl seinen Fortgang. Kerrl hat sich über den An- trag, den Landtag zum 16. August einzuberufen, selbstherrlich hin- weggesetzt und die Einberufung erst zum 39. August vorgenommen. Nachdem bereits die Klage beim Staatsgerichtshof schwebte, hat er dann nach Leipzig mitgeteilt, daß durch die von ihm angeordnete Einberufung die sozialdemokratische Klage gegenstandslos ge- worden sei. Diesem Manöver ist die sozialdemokratische Fraktion jedoch mit einem neuen Schriftsatz begegnet, in dem sie darlegt, daß die Ein- berufung des Landtags zum 39. August als Erfüllung des Rechts- a n s p r u ch s der sozialdemokratischen Fraktion gemäß Art. 17 Abs. 3 der preußischen Verfassung nicht angesehen werden könne. Die Wahl dieses Tagungstermins durch den Präsidenten müsse als unrechtmäßig und in Verbindung mit dem Antrag der Sozial- dcmokratcn im Aeltestenrat als verfassungswidrig be- zeichnet werden. Die sozialdemokratische Erklärung ersucht den Staatsgerichtshof um die Herbeiführung einer Entscheidung, wo- nach der Präsident verfassungsmäßig verpflichtet gewesen sei, dem am 3. August gestellten Verlangen eines Fünftels der Landtagsmitglieder auf Einberufung des Parka- ments zu entsprechen. Man wird zu diesen einzelnen Forderungen— ebenso zu den angekündigten Gegenforderungen der Vertragsmächte— noch öfter Stellung zu nehmen Gelegenheit haben, sobald sie öffentlich zur Diskussion stehen. Aber schon jetzt sei hier auf einen grundsätzlichen Punkt hingewiesen: der diplo- matische Kampf, den Deutschland zu führen gedenkt, wird ein so schwerer sein und berührt so viele Probleme der Innen- und Außenpolitik, daß er nur dann Aussicht auf Erfolg hat, wenn das deutsche Volt in seiner großen Mehrheit Ver- trauen zu. der Regierung hat, die in seinem Namen ver- handelt. Eine Regierung, von der das Ausland von vorn- herein weiß, daß sie im eigenen Volk nichts oder fast gar nichts hinter sich hat. wird und kann auf diesem Gebiet gar nichts erreichen. Damit ist schon gesagt, daß wir die Regie- rung von Papen für nicht geeignet halten, derartige schwierige Probleme erfolgreich zu lösen. Man komme uns auch nicht mit dem Argument, das wir schon zu Beginn der Lausanner Konferenz hörten und das man abermals gegen- über dem Ausland durchklingen läßt: daß in diesen Fragen das deutsche Volk einmütig sei. Das ist einfach n i ch t w a h r I Die Nationalsozialisten z. B. verstehen unter „Wehrhoheit"' etwas ganz anderes als die sorgsam abgesteckten Pläne von Schleichers, und was die Arbeiterklasse betrifft, wird sie sich schwer hüten, gerade in solchen Problemen, die übrigens nicht nur außenpolitischer Natur sind, eine Blankovollmacht denen zu geben, die sich eingestan- denermaßen nur auf die Macht der Bajonette stützen und die bisher den Beweis dafür schuldig geblieben sind, daß sie diese Macht wirtlich unparteiisch anzuwenden gewillt und fähig sind! Führender pariser Politiker besucht Papen und Schleicher. Paris, 25. August.(Eigenbericht.) Wi« Havaz aus Berlin meldet, ist am Donnerstag der fran- zöstsche Abg. Fribourg, der Berichterstatter für Mitteleuropa in der auswärtigen Kammerkommission, in Berlin zunächst von dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt von B ü l o w, dann vom Reichskanzler v o n P a p e n und schließlich vom Reichswehrminister von Schleicher empfangen worden. Die Unterhaltungen drehten sich um die„wichtigsten deutsch-französischen Problem«, insbesondere die Frage der militärischen Gleichberechtigung". Die Be- sprechungen seien„von dem lebhasten Wunsch nach gegenseitigem Verständnis für die besondere Lage jedes der beiden Länder ge- tragen" gewesen._______ Der Staat der Reichen. Kapitalistische Offenherzigkeiten über nationale Gefühle. In der„Deutschen Bergwerks-Zeitung", dem Organ der Schwer- industrie, wird ein holländischer Wirtschaftsbrief veröffentlicht, der sich stark mit innerpolitischen deutschen Fragen beschäftigt und der einige Sätze enthält, die für das Nationalgefühl dieser„ausbauen- den Kräfte" so kennzeichnend sind, daß sie einer breiten Oessentlich- teit nicht vorenthalten bleiben dürfen. Der Amsterdamer Mitarbeiter der Bergwerkszeitung spricht von den Plänen, das W a h l r e ch t zu ändern und ein Oberhaus einzu- setzen. Dabei wird nicht nur gesagt, daß das Wahlrecht der Jugend- lichen sich nicht bewährt habe, sondern auch, daß das Stimm- recht der Unterstützungsbedürftigen einen unberech- tigten Einfluß gewonnen habe, und dann heißt es weiter: „Die neuen Herren wollen hierin eine Neuordnung: da keine gesetzliche Mehrheit dafür zu finden sein wird, so wird, wie das preußische Herrenhaus durch Kabinettsorder entstand, eine Not- Verordnung die Veränderung bringen. Wenn nun die Arbeiterschaft, der kein denkender Mensch die Mitarbeit am Staat nehmen will, darob klagt, so muß hier eine Wahrheit gesagt werden: Man regiert kein Common�vesltK, kein Reich, kein„Rijk" gegen die Besitzenden, nur zugunsten der wirtschaftlich Schwachen. Mit dem gemeinsamen Belang am Besitz fällt das wichtig st e Band(im Original gesperrt. D. Red.), das die Einwohner eines Zollgebietes umschlingt. Noch einige Jahre, dann wären Industrie, Händel und Hausbesitz nicht mehr in der Lage gewesen, die notdürftigsten Steuern aufzubringen, die das Staatsleben in seiner heutigen Form verlangt. Wir sagten schon vor einigen Monaten, daß das Häuflein der Besitzenden, das fort- während angezapft wurde, immer dünner würde. Wenn nun wieder das Reich von den„Reichen" regiert wird, so haben sie von vornherein mit minder Mißtrauen seitens der außerhalb der Regierung stehenden zu kämpfen, als wenn das Reich von Besitzlosen oder fast Besitzlosen betreut wird." Wir wollen nicht bezweifeln, daß es In diesen Fragen auch holländische Pseffersäcke geben mag, die ebenso denken wie deutsche Schwerindustrielle. Nationale und staatliche Zusammengehörigkeit wird für sie zur Gemeinsamkeit der„Einwohner eines Zollgebietes", und das wichtigste Band, das die Nation zusammenhält, ist„der ge- meinsame Belang am Besitz". Hier wird es brutaler als sonst üblich ausgesprochen, daß das Kabinett der„nationalen Konzentration" den Staat der Reichen aufbauen will. Gegenüber dieser unverhüllten Klassenstaatsideologie, die das Blatt der Schwerindustrie als„Wahrheit" verkündet, wird die Arbeiterschaft nicht aufhören, für einen Staat zu kämpfen, der das gemeinsame Band der Nation nicht in Besitzbelangen, sondern in sozialer und kultureller Gemeinschaft erbkickt. Dazu gehört frei- lich ein Reich, das nicht von den„Reichen" regiert wird, sondern auf dem Boden der Demokratie von den Vertretern aller arbeiten- den Kräfte der Nation. Alierspräsidentin: Clara Zetkin. Formelle Erklärung der kommunistischen Fraktion. Die kommunistische Reichstagsfraktion hat dem Präsidenten Löbe jetzt formell mitgeteilt, daß als ältestes Mitglied des neuen Reichstags die kommunistische Abgeordnet« Frau Zetkin am 30. August zur Eröffnung des Reichstags erscheinen und die Funk- tionen der Alterspräsidentin ausüben werde. Nie„�ote Fahne" verboten. Auf die Dauer von acht Tagen. Der Polizeipräsident von Berlin hat die„Rote Fahne" für die Dauer von acht Tagen bis einschließlich 2. September, ebenso wie die im gleichen Verlage erscheinenden Kopfblätter und etwaige Ersatzzeitungen, verboten, Das Verbot gründet sich auf den Artikel am Donnerstag über die erste Verhandlung des Sondergerichts, in dem schwere Vorwürfe gegen die Reichsregierung erhoben werden. Gkagerrakskandal in Halle. Beim Einzug einer Reichswehrabteilung. halle, 25. August.(Eigenbericht.) Den Einzug einer Abteilung des Artillerieregiments 4 in Halle benutzten heute die Nationalsozialisten zu lärmenden Kundgebungen und Anbiederungen an die Soldaten, ganz nach dem Muster der Skagerrakdemonstration am 31. Mai in Berlin. Auch in Halle mußte die Schupo mit dem Gummiknüppel gegen die.Lameraden" der Mörder von Potempa vorgehen. Schließlich mußte sogar berittene Polizei eingesetzt werden, um di« Straßen von den Hakenkreuzdemonstranten zu säubern. Zahl- reiche Demonstranten wurden oerhaftet. „Du Lump, mach dich fertig!" Morddrohungen gegen Genossen Frölich. Weimar, 25. August.(Eigenbericht.) In der Nacht zum Donnerstag um 11� Uhr wurde der Reichs- tagsabgem:dnete Frölich, der auch Vorsitzender der sozialdemo- kratischen Landtagssraktion in Thüringen ist, in seiner Privat» Die GA.-polizei in Finow. Beginn des Eberswalder Landfriedensbruchprozeffes. Eberswalde, 25. August.(Eigenbericht.) Wie bereits gemeldet, begann am Donnerstag vor der Großen Strafkammer in Eberswald« der Prozeß wegen der am Wahltage in Finow erfolgten politischen Zusammenstöße. Nachdem zur Nachmittagssttzung für den spurlos v« r- fchwundenen Schöffen ein anderer herbeigeholt worden war, wurde die Verhandlung, zu der sich mehrere hundert Zuschauer eingesunden hatten, eröffnet. Einer der Angeklagten, der viel- genannte SA.- Führer Schimanski, gegen den wegen schweren Einbruchsdiebstahls und verbotenen Waffenbesitzes meh- rere Verfahren schweben, hat sich der Verhandlung durch die Flucht entzogen. Gegen ihn wurde Hastbesehl erlassen. Nach der Vernehmung der Angeklagten, die sich durch die Aus- sageoerweigerung einzelner Nationalsozialisten oft recht dramatisch und schwierig gestaltet«, haben sich die Vorgänge am letzten Wahl- tage in Finow wie folgt zugetragen: Etwa 15 Reichsbannerleute, die kurz nach Mittag in kleineren Gruppen friedlich an der Geschäfts- stell« der Nationalsozialisten vorbeimarschierten, wurden plötzlich von 25 SA.-Männern angegriffen und mit Schlagringen, Tot- schlägern und Brechstangen bearbeitet, so daß. mehrere Reichsbannerleute schwer verletzt wurden. Als die Finower Bevölkerung, die sich inzwischen vor dem nationalsozialistischen Parteihause angesammelt hatte, gegen die schießwütigen Nazis«ine drohende Stellung einnahm, gaben die SA.-Leute aus ihrem Lokal etwa 10 bis 15 Schüsse ab, durch di««in völlig unbeteiligtes löjähriges Mädchen durch einen Steckschuh lebensgefährlich verletzt wurde. Die Finower Polizei, gegen die ein Verfahren wegen ein- feitiger Amtsausübung schwebt(einzelne Beamte sollen damals bereits Mitglieder der NSDAP, gewesen sein) und ein größeres Landjägeraufgebot, das aus Bad Freienwalde herbeigeholt worden war, säuberten die Straße. Erst eine halbe Stunde später wurde aus Veranlassung des Reichsbanners eine Durchsuchung der Geschäftsstelle der NSDAP, vorgenommen, wobei 6 Schußwaffen, Schlagringe und Totschläger gesunden wurden. Später wurden in der Wohnung des Finower SA.-Zührers nochmals mehrere Schuhwasfen vorgefunden. darunter eine geladene Armeepistole. Um vorzutäuschen, daß die Schüsse von der Straße aus von Reichsbannerleuten abgegeben worden fein sollten, haben die Nationalsozialisten, wie in der Heu- tigen Verhandlung sestgestellt wurde, auf ein im SA.-Lokal stehendes Fahrrad einen Schuß abgegeben, der den Rahmen des Rades demolierte. Inzwischen hatten die Nationalsozialisten von Eberswalde Ver- stärkung erhalten; sie richteten in den Straßen Finows einen regel- rechten Patrouillendienst ein, verhafteten Reichsbannerleute unter Duldung der Polizei, sperrten sie in das SA.-Lokal ein, mihhandel- ten sie in bestialischer Weise und maßten sich Polizeibefugnisse an. indem sie Passanten auf der Straße festnahmen, nach Waffen durch- suchten und Feststellungen über Personalien und Parteizugehörigkeit vornahmen. Die Staatsanwaltschaft, die daraufhin mehrere Tage lang in Finow Ermittlungen anstellte, erhob Anklage wegen schweren Landfriedensbruchs, Vergehen gegen die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 14. Juni, Waffen- mißbrauchs, Freiheitsberaubung, Amtsanmaßung, schwerer Körper- Verletzung. Der erste Verhandlungstag war fast ausschließlich mit der Der- nehmung der 14 Angeklagten ausgefüllt. Die als Zeugen ver- nommenen Polizeibeamten und Landjäger bestätigten in vollem Umfange den der Anklage zugrunde gelegten Tatbestand. In der Freitogsitzung sollen die ärztlichen und Schießgutachten abgegeben werden. Daraufhin soll die Vernehmung der 42 Zeugen beginnen. „Brechung der Zinsknechtschast." Aus den Geheimnissen der Hitlerei. Bekanntlich ist die Brechung der Zinsknechtschaft das Herzstück im ganzen nationalsozialistischen Parteiprogramm. Wie sehr dem „Völkischen Beobachter" dieses Herzstück am Herzen liegt, zeigt der „Bayer. Kurier" an«inigen Beispielen. Der Zinsfuß darf nach nationalsozialistischer Lehre und Fvr- derung 4 Proz. nicht übersteigen. Es ist nun interessant zu beob- achten, welche Verzinsung im„Völkischen Beobachter" von national- sozialistischen Parteigenossen angeboten wird. So heißt es in Nr. 63 vom 4. März 1931: Pg. sucht v. Privathand 1500.— RM. Verzinsung 10 Proz., auf ein Jahr gegen Hypothek. Sicherheit. Ängeb. unter 22 353 an den«V. B." In Nr. 14 vom 14. Januar 1931 bringt der„Völkische Beob- achter" das nachfolgende Inserat: Pächter eines führenden nationalen Restaurants in Großstadt Mitteldeutschlands, verschiedene Säle für Ver- iammlungen und Festlichkeiten, Konferenzzimmer usw.. Umsatz ständig im Steigen, sucht stillen Geldgeber mit 5000 RM. Zahle 4 Proz. über übliche Dankzinsen. Angeb. von Privatgebern aus nationalen Kreisen er- bitte ich unt. Nr. 21 787 an den„V. B." Da wird der„Völkische Beobachter" nicht müde, fortwährend über di« wucherischen Bankzinsen loszuziehen, um dann selbst 4 Proz. über die üblichen Bankzinsen durch Parteigenossen an nationale Kreise anbieten zu lassen! Es scheint, die nationalsozialistischen Parteigenossen kennen ihre Pappenheimer zu gut und wissen, daß von ihnen nur dann etwas zu haben ist, wenn ihnen 4 Proz. über di« üblichen„Wucherzinsen der jüdischen Banken" angeboten werden. Die Nr. 46/47 vom 15./16. Februar 1931 des„Völkischen Beobachter" enthält nachstehendes Inserat: Pg.. alter Frontk., Beamter, sucht 800 RM. Darlehen geg. Rückzlg. v. 1000 RW. in monatl. Raten von je 100 RM. v. I. Juli 1931 ab. Sicherh. in Lebensvers. 3500 RM. Vermittlung unnütz. Angeb. u. P. G. 22182 an den„V. B." In 14� Monaten zahlt dieser Nationalsozialist um 25 Proz. mehr zurück, als er Darlehen bekommen will. Die Verzinsung st e l l t s i ch a l s o a u f 2 0, 6 P r o z.(!) Es lebe die Brechung der Zinsknechtschaft! In Nr. 67/68 vom 8./9. März 1931 lesen wir im„Völkischen Beobachter" abermals ein Inserat, in welchem ein Parteigenosse um ein Darlehen von 900 M. ersucht„gegen volle Sicherheit und best« Referenzen. Ich zahle am 1. Februar 1932 1 10 0 M. zurück." Zn 320 Tagen zahlt dieser Parteigenosse um ein viertel mehr zurück, als er bekommen will. Das heißt, er verzinst das Dar- lehen von 900 W. zu 25 Proz. Und das nennt der„Völkische Beobachter" Brechung der Zinsknechtschaft, denn sonst könnte er derartige Inserate nicht veröffentlichen! Daß er es nur des Geldes wegen tut, können wir doch nicht gut annehmen. In Nr. 74'75 vom 15./16. März 1931 veröffentlicht der„Völkische Beobachter" das folgende Inserat: 3000— 5000 RM. sucht e. Pelztierfarm(Pg.). Sicherh. i. Nerzen, Nutrias. Rückzahlg. 1932. Gewinnbeteili- gung od, 30 Proz. Verzinsung. Ofs. unt. V. S. 1136 an Jnvalidendank Annoncen-Expedition, München. In derselben Nummer ersucht ein nationalsozialistischer Ge- schästsmann um 500 M. gegen monatliche Ratenrückzahlung von 50 M.„bei bester Verzinsung". In Nr. 10 vom 10. Januar 1931 regt sich der„Völkische Be- obachtcr" im Textteil riesig darüber auf, daß jüdische Ramsch- g e s ch ä f t e blühen, während das Volk hungere. 20 Proz. des Umsatzes als Reinoerdienst findet das nationalsozialistische Haupt- blatt geradezu als unerhörte wucherische Ausbeutung. Im I n- s e r a t e n t e i l aber„sucht ein nationalsozialistischer Geschäft»- mann Vertreter für seine gangbaren Haushaltartikel und Neu- heiten und bietet 200 bis 300 Proz. Verdien st an". Das heißt, der Vertreter kann die vom nationalsozialistischen Lieseranten übernommenen Haushaltartikel zwei- bis dreimal teurer verkaufen, als er sie bezogen hat. Selbstverständlich muß auch der Lieferant noch seinen Profit machen, so daß die Ware vielleicht fünf- bis sechsmal teurer an den Käufer gelangt, als die Erzeu- gungskosten ausmachen. Und das nennt sich nationalsozialistische Wirtschaftserneuerung! Man hat wahrhastig den Eindruck, daß die Nazisozi vor allem deswegen so sehr gegen die Juden poltern, weil sie allein die Geschäfte übernehmen wollen, die bisher die Juden besorgt haben. Wird das deutsche Volk von nationalsozialistischen Wirtschaft»- menschen ausgewuchert, so muß es sich das nur zur Ehre an- rechnen, denn diejenigen, welche es zum Weißbluten bringen, sind ja keine Juden! wohnung telephonisch angerufen. Der Anrufer fragte Frölich, ob e» stimme, daß bei ihm am„Schönen Blick"— das ist die Straße, wo Frölich wohnt—„etwas los" sei, und ob er ihm Leute als Be- schützer schicken solle. Auf die Rückfrage, wer der Anrufer sei, lautete die Antwort:„Grube im Volkshaus". Frölich antwortete dann: „Hier ist nichts los. Es sind zwar vorhin ungefähr 30 Mann hier vorbeimarschiert, sonst ist nichts los." Der Anrufer fragte wieder: „Soll ich Ihnen Leute schicken?", worauf Frölich mit einem Nein antwortete. Der Anrufer wurde nun gemein und sagte durchs Telephon: „Du Lump, mach Dich fertig, in einer Viertelstunde sind wir oben.— Die Schufo haben wir bereit» abgefangen." Frölich erkundigte sich sofort beim Postamt, von welcher Stelle dieser Anruf erfolgt sei. Er erhielt die Auskunft, daß der Anruf von einem Automaten aus erfolgte. Don dem Vorgang hat Frölich sofort die Polizei in Kenntnis gesetzt Es handelt sich offensichtlich um ein nationalsozialistisches Manöver, das den bekannten Sozialdemo- traten in eine Falle locken sollte. Dullerjahn-prozeß. Am 25. Oktober findet vor dem Reicks- g« r i ch t in Leipzig die Wiederaufnahmeverhandlung gegen den wegen angeblichen Landesverrats zu 15 Jahren Zuchthaus ver- urteilten Lageroerwalter Bullerjahn statt. Neuwahlen zum französischen Senat sind auf den 16. Oktober festgelegt. Die Senatoren werden für neun Jahre gewählt, aber alle drei Jahre ist Ersatzwahl für«in Drittel des Senats: diesmal in den Departements, deren Namen mit den Buchstaben K bis O einschließlich beginnen, also in den Departement» Garonn« bis Oise. Gowjeirußland und die Juden. Eine plumpe Fälschung. Nationalsozialistische Zeitungen, unter ihnen der„Völkische Beobachter", drucken ein Flugblatt ab, das in einigen Teilen Deutschlands vor der Wahl ohne Namensnennung und ohne den pressegesetzlichen Bestimmungen zu entsprechen, verteilt wurde. In diesem Flugblatt sordert ein« angebliche„Jüdische Glaubens- gemeinschaft Deutschlands" die jüdischen Wähler aus, ihre Stimme für die K o m m u n i st i s ch e Partei abzugeben. Das Flugblatt ist, wie uns der„Centroloerein deutscher Staats- bürger jüdischen Glaubens" mitteilt, eine grobe Fälschung. Schon die Statistik, mit der der jüdische Anteil an der Sowjet- regierung aufgezeigt werden soll, weist auf die Herkunft dieser Fälschung hin. Seit mehr als zehn Jahren werden diese erfundenen Zahlen: 406 jüdische von 503 Regierungsmitgliedern Sowjet- rußlands von judenfeindlicher Seit« oerbreitet. In einer gründlichen und auf vielseitigen Nachforschungen beruhenden Darstellung hat Dimitri Bulaschow in seiner im Jahre 1922 erstmalig erschienenen Schrift:„Bolschewismus und Judentum" auf Seite 14 festgestellt, daß es in Rußland nicht 22. sondern nur 18 Volkskommissariate gegeben habe und daß unter den 18 Volkskommissaren nur zwei Juden— Trotzki und Dowgolewski— gewesen sind. Weiterhin stellte Bulaschow fest, daß die Zahl„503 russische Kommissare" ganz willkürlich herausgegriffen ist. In Rußland führt nämlich jeder Beamte den Titel„Kommissar", und unter den Hunderttausenden Kommissaren, die es in Rußland gibt, wird man sicher auch die von dem Flugblatt angegeben« Zahl von 406 jüdischen Kommissaren auftreiben können. Eine Organisation, die sich„Jüdische Glaubens- gemeinschaft" betitelt, gibt es nicht. Mit Rücksicht auf die zahllosen Terrorakte, die durch verhetzte Menschen auf deutsche Juden oerübt werden, hat der Centraloerein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens den Sachverhalt dieses plumpen Wohlmanövers dem Reichsmnenmmister übermittelt und gebeten, die Voraussetzung einer amtlichen Auflageberichtigung zu überprüfen. Die ganz« VeröfsentUchung hat selbstverständlich keine ander« Unterlage als die Absicht, die Juden zu oer- d ä ch t i g e n. Todesurteil in Madrid. Aber der Verurteilte begnadigt. Madrid, 25. August. Das große Kriegsgericht hatte den Anführer der Meuterei von Sevilla, General Sanjurjo, wegen Hoch- Verrats zum Tode verurteilt, den General Garcia del Arranz zu lebenslänglichem Zuchthaus und den Lbcrst Esteban Jnfantis zu zwölf Jahren Zuchthaus. Der Sohn des Hauptangeklagten. Hauptmann Justo Sanjurjo, wurde freigesprochen und aus der Haft entlassen. Der Verteidiger hat ein Gnadengesuch beim Ministerium eingereicht.. Das Todesurteil umgewandelt. Präsident Zamora hat die gegen General Sanjurjo verhängte Todesstrafe in lebenslängliche Kerkerstrafe umgewandelt. Frankreich für Begnadigung. Paris, 23. August.(Eigenbericht.) Das Todesurteil gegen Sanjurjo hat in Paris tiefste Bestürzung hervorgerufen, obwohl es eigentlich nicht unerwartet kam. In den Pariser politischen Kreisen tritt man aufs lebhafteste für den ver- urteilten General ein und sucht die spanische Regierung zur Milde zu stimmen. Wie die Radio-Agentur berichtet, soll der franzö» fische Botschafter in Madrid sogar schon bei der spanischen Regierung vorgesprochen haben, um die Begnadigung Sanjurjos zu erwirken. Er soll dabei geltend gemacht haben, daß der General Inhaber des Großkreuzes der französischen Ehrenlegion sei und daß die französische Regierung ihm heute noch Dank schuldig zu sein glaube für seine Rolle als Oberkomman- dierender der spanischen Marokkoarmee bei dem Rifaufftand Abd-el-Krims.(Der Schritt des Botschafters wird in Paris de- mentiert. Red.) Die Republik ist wachsam. Barcelona über Paris, 23. August,(chavas.) Bei Untersuchungen wegen der m o n a r ch i st i s ch e n Pläne wurde auf einem Acker bei Sabadell ein sunkelnagel- neues Flugzeug vorgefunden, das anscheinend von den Monarchisten benutzt werden sollte. Der Eigentümer des Flugzeuges wurde verhaftet, ebenso mehrere Bewohner von Moya, wo 14 G e- wehre gefunden wurden. Koalitionsgroieske in Nraunschweig. Oeutschnationale suchen Hilfe bei Gayl. Braunschweig, 23. August.(Eigenbericht.) Die Deutschnationalen des Landes Braunschweig haben den Reichsminister von Gayl gebeten, die geplante S e l b st s ch u tz- organisation derRationalsoziali st en nicht zu ge- n e h m i g e n. Die braunschweigischen SA.-Leute, die täglich auf eine Ver- wendung im Polizeidienst warteten, sind sehr empört, daß sie noch nicht'gerufen worden sind Um die Koalition nicht zu gefährden, hatten die braunschweigischen Deutschnationalen den Eindruck ent- stehen lassen, als ob sie mit dem sogenannten Selbstschutz der Nationalsozialisten einverstanden seien, so daß die SA. die Ein- berusung jeden Tag erwartete. Jetzt scheint aber selbst den Deutsch- nationalen vor ihren Koalitionsfreunden unheimlich geworden zu sein. Waffensuche am falschen plah. Ergebnislose Aktionen gegen Reichsbanner. Frankfurt a. M., 23. August.(Eigenbericht.) In den letzten Tagen haben bei verschiedenen Angehörigen des Reichsbanners und der Sozialdemokratischen Partei Haussuchungen nach Waffen stattgefunden. Diese Durchsuchungen, die von der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums vorgenommen wurden, sind ergebnislos verlaufen. Die Emsigkeit, mit der die preußische Polizei unter dem neuen Regime Waffensuche bei dem Reichsbanner und der Sozialdemokra- tischen Partei abhält, ist all« Anerkennung wert. Rur sind dies« Bemühungen in 99 von 100 Fällen völlig ergebnislos. Wir können den jetzigen Polizeimachthabern in Preußen nur empfehlen, einen Bruchteil dieser Energien auf die Durchsuchung von SA.-Kasernen und Braunen Häusern zu verwenden. Ihre Suchmannschaften würden bestimmt nicht mit leeren Händen heim- kehren. Propagandaleiter demoliert Fenster. Im Kraftwagen eines Naziabqeordneten München, 25. August. Durch Steinwürfe aus einem Kraftwagen wurden heute nacht zwischen II und 12 Uhr Schaufenster der Münchener Neuesten Nach- richten zertrümmert. Der zur Tat benutzte Kraftwagen ist auf den nationalsozia- listischen Landtagsabgeordneten Wagner eingetragen. Nach dieser Richtung hin wurden, wie die Polizeidirektion mitteilt. Erhebungen eingeleitet, die zur Festnahme des Propagandaleiters des Gaues München der NSDAP., des Referendars Otto Nippold führten, der sich für die Tat als verantwortlich erklärte. Die nationalsozialistische„Hestische Volkswacht" verboten. Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau hat die in Kassel er- scheinende nationalsozialistische„Hessische Bolkswacht" mit sofortiger Wirkung bis einschließlich 3 0. A u g u st verboten. Don Indern ermordet wurde ein britischer Beamter der Bengal- Nagvur-Eisenbahn in seinem Bungalo. Zwei Diener wurden unter dem Verdacht der Tat verhaftet. Wahlpflicht In Chile ist gesetzlich eingeführt worden Bei Nicht- erfüllung drohen Geld- bzw. Gefängnisstrafen. Oer Avantageur. Hiller hc$ Luehjebrone bchm�nn Kamerad Lachmann:„Een kleener Mord un man rickt jleich mang die jermanischen Cdelmenschen." Kreis und Dreieck. Nach den Wahlen in Rumänien. Wer war es, der unlängst den Mund gehörig vollnahm, sein Kabinett werde dauern? Herr v. P a p e n? Aber nicht doch! Nicht von Deutschland, von Rumänien geht die Rede, und Professor I o r g a. Präsident der Bukarester Regierung von„Fachleuten", war es, der zu Jahresbeginn zu einem Ausfrager des„Berliner Tageblatt" also vernehmen ließ:„Opposition? Dergleichen haben wir kaum. Alle Angriffe gegen uns lassen sich einem Sturm im Wasserglase vergleichen." So forsche Sprache stand dem Chef eines Ministeriums wohl an, das, durch die Laune eines nach dem persönlichen Regiment schielenden Königs zur Macht berufen, die Aufgabe hatte, durch stramme„Führung" und eine„Politik der starken Hand", und wie immer man so etwas, auch in Rumänien heißt, die„Partei- Wirtschaft" und den„P a rla m e n t s k r a m" zu beschämen. Das Kabinett, dessen Kopf und Faust der starknervige Argentoianu war, nahm auch einige Anläufe, die folgen der furchtbaren Wirtschaftsnot zu lindern, vor allem eine K o n v e r- tierung der drückenden bäuerlichen Schulden, aber als Jorga fast mitleidig über den oppositionellen„Sturm im Glase Wasser" spottete, trieb seine Regierung in Wirklichkeit schon hilflos auf morscher Planke im brandenden Ozean der Wirtschaftskrise. Was stand unter dem Anprall dieser entfesselten Fluten noch fest? Katastrophaler Preissturz der Erzeugnisse, von denen, wie von Getreide, Holz und Erdöl, dos Land lebt, um 20, um 30, ja um 30 Prozent, allgemeine Absahstockung, 3400 Tonnen Petroleum täglich aus den Bohrlöchern schießend, die nicht abzusehen waren, die Speicher von Braila bis zum Dach gefüllt mit unverkäuflichem Mais! Auch in der Industrie ArbeilslosigkeU aller Ecken und Enden: unverdächtige Schätzungen nehmen 267 00p Arbeitslose an, das sind 33 Proz. aller in Industrie, Handel und Gewerbe beschäftigten Arbeiter und— nichts von einer Arbeits- losenoersicherung! Endlich eine Finanzkrise sondergleichen: während von den 24 Milliarden Lei des Staatsbudgets der Zinsen- und Anleihe- dienst fast sieben Milliarden verschlingt, sickerten und tropften, statt zu fließen und zu strömen, die Staatseinnahmen nur, weil das arme Land die Steuern nicht mehr aufzubringen vermag: statt sechseinoiertel Milliarden des Voranschlags im ersten Quartal 1932 knapp drei Milliarden! Als nicht nur den Staats- beamten, sondern auch den Offizieren aller Grade, ganz wie einst in der selig entschlafenen Türkei Abdul Hamids, das Gehalt durch Monate und Monate nicht ausgezahlt werden konnte, erkannte selbst der wohlgemute König Carol II., daß Mathäi am letzten sei, und als ein niederschmetternder Bericht des französischen Finanzsachverständigen Rist nachwies, daß an den finanziellen Schwierigkeiten Schlamperei und Lumperei sämtlicher verflossenen Regierungen ein gerüttelt Maß Schuld trage, verschwand das„überparteiliche" Kabinett der„starken Hand" blitzschnell und ruhmlos in der Vers'ung. Vorläufig gab damit der König auch seinen Diktaturplänen den Abschied. Notgedrungen betraute er die letzthin von ihm schmählich davongejagte Bauernpartei(Nationalzaranisten), die immerhin noch die meisten Anhänger im Lande hat, mit der Regierung, und in ihrem Namen schrieb Herr Bajda-Vojevod für den 17. Juli die Parlamentswahl aus. Falls man die brutale Verhinderung kommunistischer Kandidaturen und andere Aus- fchreitungen der Staatsgewalt übersieht, waren es insofern„freie Wahlen", als nicht wie unter fast jedem früheren Regime die Wähler mit den Kolben der Gendarmen je noch dem zu den Urnen getrieben oder von ihnen ferngehalten wurden. Aber die Hochstimmung, mit der Rumänien vor vier Jahren zum erstenmal in seiner Geschichte ohne Behördendruck wählte und sich mit niederwuchtender Mehrheit für die Nationalzaranisten ent- schied, ist dahin. Nicht nur die tropische Hitze, sondern auch die politische Teilnahmslosigkeit lieh viele Wähler zu Hause bleiben: sie hatten alle großen Parteien am Ruder gesehen und von jeder nur bittere Enttäuschung erfahren. So betrug die Wahlbeteiligung gerade 30 Prozent, und wenn 1918 auf die Ratio- nalzaranisten fast 80 Proz. aller Stimmen fielen, so diesmal nur etwas über 40 Proz. Aber da, eine Erbschaft Bratianus, dos ISZS eingeführte soschistische Wahlgesetz, das einer Partei mit 40 proz. der Stimmen ohne weitere» die Hälfte der Man- date zuspricht, während sie sich in die andere Hälfte mit den übrigen Parteien nach dem Verhältnis der Stimmzahl teilt, brachte ein Mehr von sage und schreibe 9000 Stimmen über 40 Proz. der Bauernpartei 192 Mandate ein: sie verfügt über ins- gesamt 274 von 387 Sitzen. Unter Vajda-Voevod atmet denn schon ein parlamentarisches Kabinett der Nationalzaranisten, dessen Pro- gramm: weitere Konvertierung der bäuerlichen Schulden, Einhalt der Zwangsversteigerungen, Beschaffung von Krediten für die Land- Wirtschaft, Bankenkontrolle, Ueberprüfung der Vermögens ehemaliger hoher Beamter und Würdenträger, nicht so übel klingt, aber die Erfahrungen mit dem Ministerium M a n i u, des Parteifreundes von Vajda, haben gezeigt, daß auch die Bauernpartei nur mit Wasser kocht und' vieles nicht besser macht als ihre„bürgerlichen" Vorgänger, und die durch die Wirtfchastskatastrophe aufgeworfenen ökonomischen und sozialen Probleme sind so dringend und drohend, daß vielleicht auch ein Herkules versagte. In einem Land mit Analphabeten auf Schritt und Tritt bedarf jede Partei stach mehr als anderwärts eines ganz einfachen Zeichens, das sich den Wählern einprägt; die Nationalzaranisten haben den Kreis, die Sozialdemokraten das Dreieck. Vor den Wahlen wäre es beinahe wie 1928 zu einem Bündnis zwischen Kreis und Dreieck gekommen, aber die Verhandlungen über das Wahlkartell zerschlugen sich, da die Nationalzaranisten die sozialdemokratische Forderung Zusicherungen in der Frage der Einführung der Arbeitslosenversicherung und der Ab» änderung des faschistischen Wahlgesetzes nicht bindend genug anerkannten. So zog die sozialistische Partei allein in die Wahlchlacht. Wenn sie 101 063 Stimmen gleich 3,38 Proz. aller abgegebenen, auf sich vereinigte und derart ihre sieben Man- date behaupteie, war das angesichts der politisch abstumpfenden Wirkuirg der Krise kein so schlechtes Ergebnis. Mit Recht sagte nach den vorletzten Wahlen, die für die Arbeiterpartei ungefähr das gleiche Resultat ergaben, einer der führenden rumänischen So- zialisten, Wg. Grigorovici:„Hunderttausend sozialdemokrati- sche Stimmen bedeuten in einem Land wie Rumänien viel. Sie beweisen, daß es hier aufgeklärte, vernünftige Menschen gibt, die ein Ziel und Programm haben und ohne Gewaltstreiche und schwere Erschütterungen vorwärtsschreiten wollen." Wer anders angesehen, sind 3,38 Proz. der Stimmen recht wenig. Gelingt es dem Dreieck nicht, das Dorf zu erobern, und geht es in der langsamen Gangart weiter wie bisher, wird noch in Jahr und Tag die rumänische Sozialdemokratie nicht einmal einen Bruchteil des Einflusses haben, der ihr zum Besten des zer- rütteten Landes und des verelendeten Volkes gebührte. Hsmaim Wendel. Bauernkrieg in ltGA. Tränengas gegen Lieferstreikposten. Council Bluffs(Iowa, USA.). 23. August. Der Lieferstreik der Farmer beginnt bedrohliche Maße anzunehmen. Die Behörden sind an einigen Stellen mit Tränen- gasbomben gegen die Streikenden vorgegangen. Die Farmer oer- langen Preiserhöhung ihrer Produkte, und um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, haben sie beschlossen, die Siädie gänzlich von der ländlichen Zufuhr ab- zusperren. Auf den Landstraßen stehen S t r e i k p o st e n, die all« Lieferungen von Landwirten anhalten und vernichten. Aus diese Weise wollen sie die Preise so steigern, daß, wie sie sagen, ihre schwere Arbeit wenigstens halbwegs bezahlt wird. Den Milch preis haben sie schon aus das Doppelte gebracht. Ursprünglich ist dieser Bewegung von den Behörden eine gewisse Duldung zuteil geworden. offenbar deshalb, weil die P r ä s t d e n t f ch a f t s w a h l in die Nähe rückt und man sich der guten Stimmung der ländlichen Be- völkerung versichern wollte. Diese anfängliche Begünstigung ist aber sehr rasch geschwunden, nachdem sich die öffentliche Meinung in den Städten sehr scharf gegen die Farmer gewandt hat und t» auch verschiedentlich zu Zusammenstößen gekommen war. Ausklang derMetallarbeitertagung Anträge auf Abänderung des Statuts. V. 8cK. Dortmund, 25. August.(Eigenbericht.) Der Verbandstag der Metallarbeiter nahm Donnerstagvormittag die Einzelberatung des Statuts und die Beschluhfassung über die zahlreichen Anträge auf Abänderungen des Statuts vor. Um eine Wiederholung der Zellenbauerei der Kommunisten durch die Nationalsozialisten zu verhindern, die der Gewerkschaftsbewegung ebensosehr geschadet wie dem Unternehmerwm genützt hat, waren mehrere Anträge an den Verbandstag gerichtet worden, in denen eine Aenderung des Statuts dahingehend verlangt wurde, daß Mitgliedern der NSDAP, oder der NSBO. ohne weiteres der Eintritt in den Metallarbeiterverband verweigert oder ihr Aus- schluß ohne Ausschlußverfahren vorgenommen wird. Der Verbands- tag stimmt« den Anträgen in dieser Form nicht zu, aber nicht etwa aus Sympathie für die Zellenbauer vom Hakenkreuz. Es wurde vielmehr«in Antrag des Vorstandes angenommen, der den Beitritt von Mitgliedern einer Vereinigung ausschließt, deren Bestrebungen oder deren Betätigung im Widerspruch zu den im Verbandsstatut umrissenen Verbandszielen steht. Auf welche Ver- einigungen dies« Bestimmungen anzuwenden sind, soll der Vorstand in Uebereinstimmung mit dem Verbandsbeirat bestimmen können. Ein anderer Antrag gibt dem Vorstand die Möglichkeit, ohne Boruntersuchung Mitglieder von gewerkschaftsseindlichen Organisationen auszuschließen, wenn sie der Aufforderung, aus diesen Organisationen auszutreten, nicht nachgekommen sind. In diesen Anträgen sind solche gewerkschaftsseindlichen Vereinigungen nicht namhaft gemacht, um etwa sich neubildende oder die Richtung ihrer Betätigung ändernden Vereinigungen jeweils rechtzeitig erfassen zu können. All« Anträge, die generell die Aufnahme von Arbeitslosen in den Metallarbeiterverband verlangten, wurden aus dem Grunde abgelehnt, weil schon nach den jetzigen statutarischen Bestimmungen der Vorstand die Möglichkeit hat, arbeitslosen Metallarbeitern, die aus begründetem Anlaß dem Verband vor ihrer Arbeitslosigkeit nicht beitreten konnten, den Beitritt zu gestatten. Beachtenswert ist die Annahme eines Antrages des Vorstandes, wonach Ortsverwaltungen, die Grundbesitz pachten, verpachten, erwerben, verkaufen oder sich an Gewerkschaftshäusern oder ähnlichen Unternehmungen beteiligen wollen, die Genehmigung des Vorstandes«inholen müssen, damit ungünstige Geschäfte ver- hindert und die Verbandsgelder besser als bisher gesichert werden. Eine längere Debatte wurde entfacht durch einen H a m- burger Antrag, der für die Ortsverwaltungen, die nach dem Hauptstatut alljährlich in Mitglieder- oder örtlichen Generalver- sammlungen gewählt werden, eine zweijährige Amtszeit verlangt. desgleichen auch für die örtlichen Mtglieder- bzw. Generalversamm- lungen. Der Antrag will die Amtszeit der Ortsverwaltungen mit der zweijährigen Amtszeit des Haupworstandes in Uebereinstim- mung bringen. Der Antrag stieß auf den geschlossenen Wider- stand der Berliner Delegierten und vieler anderer Delegierter. Komisch wirkte es jedoch, als die Anhänger der Diktatur, die kom- munistische Opposition, gegen diese„Vergewaltigung der Demo- kratie" eintraten. In namentlicher Abstimmung wurde der Antrag mit 214 gegen 63 Stimmen abgelehnt. Alle Anträge an den Verbandstag müssen in Zukunft von einer Mitglieder- oder Vertreterversammlung gestellt werden. In einem weiteren Antrag wurde die Streichung der Bestimmung verlangt, wonach vor dem Einreichen eines A n- träges auf Arbeitsein st ellung an den Hauptvorstand die gesetzlichen und tariflichen Schlichtungsinstanzen angerufen sein müssen, wenn der Verbandsvorstand diese Ver- pflichtung für eine Bewegung nicht ausdrücklich aufgehoben hat. Der Antrag wurde abgelehnt. Der Verbandsvorstand erklärte dazu, daß er von dem Recht, die Verpflichtung zum Anrufen der staatlichen Schlichtungsinstanzen aufzuheben, noch weit mehr als bisher Gebrauch machen wird, weil diese Znslanzen in Zukunft offenbar nur noch gegen die Arbeiterschaft entscheiden wollen. Hinsichtlich der Neuregelung der Gehälter der Perbands- ange st eilten hatte der Verbandsvorstand den Delegierten eine Vorlage unterbreitet, die eine Herabsetzung der Gehälter auf 7 5 Proz. der in Karlsruhe beschlossenen Sätze vorsah. Die Rech- nungskommission machte aber den Vorschlag, die von dem Ver- bandstag in Karlsruhe schon zweimal stark herabge- setzten Gehälter auf 86 Proz. der Karlsruher Sätze zu senken. Der Verbandstag lehnte nach längerer Debatte den Vor- schlag der Rechnungstommission mit 153 gegen 115 Stimmen in namentlicher Abstimmung ab und nahm die Vorstandsoorlage an. Das große Vertrauen der erdrückenden Mehrheit der Verbands- delegierten zu den höchsten Funktionären ihrer Organisation, das während der ganzen Tagung bei der Behandlung aller Fragen zum Ausdruck kam, zeigte sich auch in erfreulicher Weise bei der Wahl des Vorstandes. Die Wahlkommission schlug die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes, der Schriftleitung und des Vorsitzenden des Verbands- ausfchusses vor: diesem Vorschlag stimmte der Verbandstag fast e i n st i m m i g zu. Die Bestimmung des Tagungsortes für den nächsten Verbandstag wurde dem Verbandsvorstand und dem er- weiterten Beirat überlassen. Viktor Stein- Wien dankte namens der ausländischen Dele- gation dem DMV. für die Gastfreundschaft. Im Metallarbeiter- oerband erblickten die ausländischen Metallarbeiter ein Unterpfand ihres Aufstieges. Unter stürmischem Beifall rief Stein im Hinblick auf die Genfer Beschlüsie für Oesterreich aus:„Zeht erst recht Anschluß an Deutschland, und zwar aus proletarischem Slassen- interessek" Reichel schloß mit einem Aufruf an die Metallarbeiter zu aktiver Arbeit den Verbandstag. Mit dem Freihsitsruf nahmen die Delegierten Abschied. Reichspost will sparen. Oer Gesamtverband zeigt wie sie sparen kann. Die vom Reichspostministerium geplante Einziehung einer Brief» und Paketzustellung ist in der Presse weitgehend erörtert worden und in ihren Grundzügen bekannt. Trotz der Mit- teilungen amtlicher Stellen, daß„noch nichts endgültig entschieden" sei, werden die Einsparungsarbeiten bei den einzelnen Verkehrsämtern mit allem Nachdruck betrieben. Wie dem Gesamwerband der Arbeitnehmer der öffentlichen Be- triebe, der freigewerkschaftlichen Organisation des Postpersonals, von einzelnen Postämtern gemeldet wird, werden schon jetzt, in Vor- aussicht der für den 2l>. September vorgesehenen Einschränkung der Briefzustellung die Zustellreviere neu eingeteilt. Ferner stellt man die Listen für die zur Entlassung gezeichneten Posthelfer aus, und zum Teil verlangt man sogar schon die Zu- stimmung der Betriebsvertretung zur. Kündigung der überzähligen Kräfte. Wenn irgendwo noch Zweifel darüber be- standen haben sollten, daß es der Deutschen Reichspost mit der Be- triebseinschränkung voller Ernst ist, so werden sie allein durch diese Nackricktcn beseitigt. Der Gesamwerband hat sich daher veranlaßt gesehen, dem Mini- sterium den gewerkschaftlichen Standpunkt zu dieser Angelegenheit in ein« r Eingabe klarzulegen. Nach ausführlicher Darlegung der Sachlage fordert er vom Reichspostministerium Maßnahmen auf finanziellem und personalpolitischem Gebiete, die sowohl eine Deckung der zu erwartenden Minderemnahmen als auch eine Ent- lastung der schwierigen Personalverhältnisse bieten. Der Gesamt- verband ersucht das Ministerium, die aus der GeHalls- und Lohnkürzung an das Reich abzuführende Summe von 131 RUllionen Rlark der Deutschen Reichspost zum Ausgleich des eigenen Haushalls zu sichern. Der Etat der Post wäre auch bei einer Mindereinnahme von 126 Millionen Mark mehr als ausgeglichen, wenn die DRP. die genannte Summe für den eigenen Beoarf verwenden würde.- Die Sparmaßnahmen wären dann überflüssig— 10 060 postHelfer könn- tn im Betrieb ble'ben. Im Postbetriebsdienst wird noch immer bis zu 51 Stunden wöchentlich gearbeitet. Bei einer Zahl von 6 Millionen Arbeitslosen und der drohenden weiteren Entlassung von schätzuugs- weise 16 666 Posthclfern ist das durchaus unerträglich. Der Gesamt- verband hat daher für diesen Dienstzweig vorerst die Herabsetzung der Arbeitszeit auf 48 Stunden wöchentlich für Beamte und Loh lempsänger gefordert. Die Durchführung dieser Maßnahme ist um so dringender notwendig, als im Telegraphenbau schon seit Jahr und Tag nur 45, in neuester Zeit sogar nur 46 Stunden wöchentlich gearbeitet wird. Die Altersgrenze für die Pensionierung der Beamten .st auf das 65. Lebensjahr festgesetzt. Das Perso--.il der DRP. ist zum großen Teil überaltert. Es würde die Perwi-alverhältnisse weitgehend entlasten, wenn die Lebensaltersgrenze für die Pensionierung der Beamten aus das 60. Lebensjahr herabgesetzt werden würde. Der Gesamtverband hat in Anbetracht der drohen- den Entlassung von Posthelfern um die entsprechende Herabsetzung der Altersgrenze ersucht. Diese Forderungen des Gesamtorbands erfüllen, heißt p r a k- tische Arbeitsbeschassung tre>en. Rund 16 666 Post- Helfern droht die Entlassung und damit das graue Elend der Ar- beitslvsigkeit, wenn das Reichspostminilter' nn sich nicht endlich ent- schließt, seine Abbaumaßnahmen aufzugeben und neue Wege zu be- schreiben, wie sie der Gesamtoerband vorgeschlagen hat. Lohnabbau ohne Ende. Der Schlichtungsausschuß in Koblenz fällte für die mittel- rheinische Metallindustrie einen Schiedsspruch, der sür die verschiedenen Arbeiterkategorien einen Abbau um 2, 3 und 4 Ps. bringt..— Für die Textilindustrie des Bezirks D ü r e n- E u s- k i r ch e n kam eine freie Vereinbarung zustande, wonach ab 1. Sep- tember eine Lohnkürzung um 6 Proz. eintritt. Wann wird endlich einmal mit dem Lohnabbau Schluß gemacht werden? Verhandlungen im englischen Textilkonflikt. Die Weber hasten am Generalstreikbeschluß fest. London, 25. August. Die Vermittlungsverhandlungen zur Beilegung des drohenden Weber st reits in Lancashire wurden am Donnerstag in Manchester während des ganzen Tages fortgesetzt. Ein Fortschritt wurde insofern erzielt, als ein aus fünf Fabrikanten und fünf Ar- beitern bestehender Ausschuß eingesetzt wurde, der über die Frage der W i e d e r e i n st e l l u n g der während der Lohnstreitig- teilen entlassenen 3666 Weber verhandest. Die Unter- nehmer verpflichteten sich, keinerlei neue Kräfte zu beschäftigen, bevor die entlassenen Weber wieder eingestellt sind. Die Forderung der Unternehmer, den für Sonnabend angekün- digten G e n e r a l st r e i k bis zum Abschluß der Vermittlungs- Verhandlungen zu verschieben, wurde von den Webern ab- gelehnt, ebenso wie der Vorschlag, die Lage nach 6 Monaten von neuem in Erwägung zu ziehen. Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Oer Streit im englischen Verkehrsgewerbe. London. 23. August. Der Landesvollzugsausschuß der Transportarbeiter-Gewerkschaft befaßte sich mit der kritischen Lag«, die durch die A b st i m m u n g oer Omnibusangestellten gegen eine Herabsetzung der Löhne und Aenderung der Arbeitsbedingungen entstanden ist. Eine offizielle Abstimmung über einen Streik ist noch nicht vorgenommen worden, aber die Stimmung dafür ist so stark, daß man mit einer Mehrheit rechnet. Während die Gewerkschaftssührer zur Mäßigung raten, hat die Belegschaft von acht Garagen einen Feldzug zugunsten eines Streiks begonnen. Der Vollzugsausschutz hat ein besonderes Komitee er- nannt, das sich mit der Entscheidung befasien soll. »�reie Gewerkschafts-Zugend Berlin teutk, Freitag, 26. August, um 1914 Uhr, tagen die Gruppen: Freiheit: ugendheim Waffertorstr. 9 lBerufsschult).„Wir wahrt die Jugend ihre Rechte?'-— Ilharlottcnburg: Jugendheim Spreestr. 30.„Die Stellung der Frau im Recht."— Rordring: Jugendheim Schule Eonnenburger Straße 20. Liederabend.— Neukölln: Jugendheim Treptower Str. 96.„Rechte und Pflichten des Tarifvertrages."— Hermannplag: Jugendheim Sanderstr. II, Ecke Hobrechtstraße.„Der Umbau der Wirtschaft.— Da- Wirtfchaftsprogramm der iSewerlfchaflen."— Zeppclinplag: Jugendheim Turiner Ecke Scestraßc. „Die Frau als Doppelverdiener."— Reintckcndorf.Dst: Jugendheim Lindauer Straße lBarackcn). Alfred Gutheit kommt nach Reinickendorf.— Adler»hof: Jugendheim Adlcrshof, Bismarckstr. 1. Heiterer Abend.— Prenzlauer Berg: Jugendheim Eleimstr. Zö.„Die Arbeit der Kriminalpolizei.'— Wedding: Jugendheim Willdenowstr. ü, 2 Treppen, Zimmer 11.„Wie diskutieren wir mit unseren Gegnern?"— Flughafen: Jugendheim Schule Rtariendorfer Weg 69/70. „Wie unterscheidet sich der Sozialismüs vom Kommunismus?"— Wir spielen ab 18 Uhr: Nordostkreis: Weißcnfeer Stadion, Bufchallcc. @Zuaendqruppe des �entralverbandes der Anqestellten Heute, Freitag, finden folgende Veranstaltungen statt: Südwest: Jugendheim Porckitr. 11(2. Hof, Quergebäude 1 Tr., Zimmer 50). „Wenn einer eine Reife tut, dann kann er was erzählen"(Kurzreferate).— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Antikriegsabcnd.— Dir Brrlincr Druckerei- und Verlagsgefellschaft m. b. H. tagt heute von 20— 22 Uhr im Jugendheim Edertnstr. 12.— Die Potsdam-Rowaweser Verkaufszeutral« G. m. b. H. tagt heute von 20—22 Uhr in der Berufsschule Rowawes, Wich- grafstraße.— Spiele im Freie»: Ab 18 Uhr Sportplatz Rchberge. Sportplatz Schönhauser Allee(Einsame Pappel), Platz 2b, Polkspark Neukölln(Rodel- bahn), Treptower Park, Wiese 7, und Stadion Spandau-Hakenfelde.— Photo» gruppe von 1914— 22 Uhr im Ortsbiiro, Hcdcmannstr. 12, Zimmer 24. Wir ziehen Bilder auf.— Plaketten sür die Antikricgskundgebung am Z. September IM Bollspark Rehberge zum Preise von 20 PI sind IM Iugendsekretariat zu haben. ver„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montag, einmal, die Abendausgabi für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Anzeigenpreise: Die einspalt. Millimeterzeile zo Pf„ ReNamezetle 2.— M. „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf.(zulässig zwei fettgedruckte Worte) sedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über 1S Buchstaben zählen für zwei«orte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 25 Pf. Familienanzeigen Millimeterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8»/i bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft:».»ljngelhöfer! Gewerkschaftsbewegung: S. Steiner: Feuilleton: Herbert Lep(re: Lokale, und Sonstiges: Fritz«arstädt; Allzeigen: Ott, Hcngst; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerek und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin EW. 68. Lindenstraß« 1 Sie-,» 2 Beilagen. WERTHEIM Zusendung von 5M an. Obst, Gemüse w. leichtverderbliche Artikel werden nicht zugesandt Billige Lebensmittel Fris 26. August 1 932 8o»onloa lil« Schöffen ausgewä Vorbereltungsarbelten für die Voiksgerlchte Niö�t nux mt Amtsblatt der Stadt Berlin, sondern mich aus den Litfaßsäulen wird die Auslegung der Urlisten der zu Schössen und Geschworenen geeigneten Personen bekannt gemacht. Die für viele immer noch unerklärliche Auswahl der Schöffen erfolgt für Berlin in der nachstehend erläuterten Weise. Bisher wurden jeweils im Oktober des lausenden Jahres für das nächstfolgende Jahr durch einen Ausschuß von Vertrauensleuten die Auswahl der auf jedem Berliner Amtsgerichtsbezirk entfallenden Schössen vorgenommen. Dabei haben sich die Vertrauensleute an die ihnen vorliegenden Listen zu halten, die wieder, wie es jetzt durch die Bekanntmachung des Oberbürgermeisters geschieht, auf Grund der Urwahllisten durch die gemeindlichen Bezirkswahlämter ausgefertigt werden. Da es nun in einer Riesenstadt wie Berlin unmöglich wäre, alle Jahre unter 4 Millionen Einwohnern die als Schöffen geeigneten Personen auszuwählen, so hat man den Ausweg gefunden, in der Reihenfolge des Alphabets jährlich olle die Straßen zu nehmen, die mit demselben Buch st oben beginnen. Für diese Straßen werden auf den Wahlämtern die Urlisten mit den Personen, die in diesen Straßen wohnen, aus- gezogen und aus diesen Listen haben die Vertrauensleute die ihnen geeignet erscheinenden Personen vorzuschlagen, bzw. zu wählen. Gewählt werden können jedoch nur solche Personen, die deutsche Reichsangehörige und nicht schwer vorbestraft worden sind. Weiterhin können nicht gewählt werden Personen, die noch nicht das SO. Lebensjahr erreicht haben, die zur Zeit der Ausstellung der Urliste noch nicht zwei volle Jahre ihren Wohnsitz in der Gemeinde haben(dieser Umstand ist besonders wichtig) und die wegen geistiger oder körperlicher Gebrechen zu dem Amt ungeeignet sind. Männer und Frauen sind gleichwahlberechtigt. Durch ver- schiebene ministerielle Erlasse ist auch darauf hingewiesen worden, daß bei der Ausmahl darauf geachtet werden möge, daß auch die Arbeiter zu dem Amt der Schöffen herangezogen werden müssen. Im Interesse einer guten Voltsrechtspflege liegt es nun, daß bei der Auswahl darauf geachtet wird, daß die Erwählten auch imstande sind, ihre Ueberzeugung den Richtern gegenüber geltend zu machen. Das fetzt keineswegs, wie oft angenommen wird, große juristische Gelehrsamkeit voraus, die ja durch die Richter vertreten wird, sondern weit eher die Fähigkeit, den Gedanken der Mensch- lichkeit, des sozialen, wirtschaftlichen und psychologischen Der- ständnisses dem starren Recht entgegenzusetzen. Jeder Schöffe wird einmal in die furchtbare Situation kommen, daß ihm der Richter «inen scheinbar unerbittlichen und klaren Paragraphen entgegenhält. Dann hat der Schöffe das Recht und die Pflicht, den gelehrten Richter eindringlich zu befragen, ob es keinerlei Milderungsgründe etwa aus den Bestimmungen eines anderen Gesetzes gibt. Und der Richter muß auf diese Frag« ein- gehen. Der Schöffe ist also im wesentlichen dazu berufen, den gesunden Menschenverstand, das menschlich-foziale Moment gegen das starre Buchstabenrecht gellend zu machen und so zu einer Milderung des Urteils, wo es dem Schöffen angebracht erscheint beizutragen. In diesem Jahre waren alle Straßen, die mit dem Buchstaben L begannen, an der Reihe. Für das kommende Jahr 1933 und, durch Notverordnung verfügt, auch sogleich für das Jahr 1934, diesmal also für zwei Jahre, werden Schöffen ausgewählt, die in den Straßen wohnen, die mit den B u ch ft a b e n T, U. V, W, 'X und Z beginnen. Wer also in den genannten Straßen wohnt, im übrige» die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt und weiterhin überzeugt ist, daß er wohl imstande ist, das Ehrenamt eines Schöffen auszuüben, der lasse sich in seinem Bezirkswahlamt die oder einige für die Auswahl der Schöffen vorhandenen Ver- trauensleute nennen und teile ihnen schriftlich seinen Wunsch und seine Eignung zum Amt eines Schöffen mit. Die erste Voraus- setzung jedoch ist, daß dies« Personen auch in den Ur- listen stehen. Die Urlisten liegen bis Montag, den 29. August, einschließlich, und zwar an den Wochentagen von 9 bis 2 Uhr, am Sonntag, dem 23. August, von 19 bis 12 Uhr in den städtischen Bezirkswahlämtern aus. Gegen die Richtigkell der Urliste kann innerhalb der einwöchigen Auslegungsfrist, also bis spätestens Montag, dem 29. August, bei den zuständigen Bezirksämtern schriftlich oder in den Auslegestellen zu Protokoll Einspruch erhoben werden. Wer also zwei Jahre ununterbrochen an einer Stelle seinen Wohnsitz Hot, nicht schwer vorbestraft worden und von geistigen und schweren körperlichen Gebrechen verschont ist, der muß in der Liste stehen. Wenn er dann trotzdem nicht gewählt wird, so ist das niemandes Schuld, denn in Wirklichkeit sind ja viel mehr Wahlberechtigte vorhanden, als gewählt werden können. Aus diesen wird ohne Ansehung der Person und des Berufes ausgewählt. jedoch in der Weise, daß möglich st all« Berufe ver- treten sind. Auf die Ansetzung der erwählten und bestätigten Schöffen zu den einzelnen Gerichtsverhandlungen haben die Ver- trauensleute keinerlei Einfluß: sie erfolgt von den Gerichten selber Die gesetzlichen Grundlagen für die Wahl und das Amt eines Schöffen sind einzusehen im Gerichtsverfassungsgesetz vom 1. April 1924, Vierter Titel. 28 bis 58, Schöffengerichte, enthalten u. a. bei Pofener, Strafprozeßordnung. * Genossinnen und Genossen, die in Straßen von Groß-Berlin mit den Anfangsbuchstaben T, U, D, W, 1 und Z wohnen und gewillt sind, das Amt eines Schöffen und Geschworenen zu über- nehmen, werden gebeten, sich umgehend bei ihrem Kreis- oder Abteilungsleiter zu melden. Letzter« leiten die Adressen sofort dem Bezirkssekretariat zu. Ausgeschlossen vom Amt eines Laienrichters sind schwer vorbestrafte, angeklagte, entmündigte oder geistig minderwertige Personen. Ferner sollen nicht berufen werden: Rechtsanwälte, Richter, Abgeordnete. Aerzte und solche Personen, die die öffentliche Wohlfahrt in Anspruch nehmen. Aufregende Exmittierung. Das lleberfallfommando muß eingreifen. Die Genthiner Straße wurde gestern durch eine Ex- mittierung in Ausregung versetzt. Der Widerstand eines Mieters gegen sein« Ausweisung aus der Wohnung konnte erst durch das Ueberfallkommando der Schutzpolizei aufgehoben werden. Im chause Genchiner Straße 29 wohnte bis gestern der Bäcker- meister Hermann P. Er war feit längerem mit der Miete im Rückstand. Der Vermieter hatte deshalb seine Exmission erwirkt. Als aber gestern der Gerichtsoollzicher mit vier Polizeibeamten vor der Wohnung erschien, stieß er auf eine festverschlossene Tür. Meh- rere Aufforderungen, zu öffnen, blieben unbeantwortet. So gingen die Beamten dazu über, die Tür mit Stoßstangen gewalffam zu öffnen. Der Mieter seinerseits wandte alle Kraft an, um das Vor- haben der Beamten zu vereiteln. Erst nach vieler Mühe kam der Gerichtsoollzicher mit seinen Gchilfen zum Ziel. Run aber, nach Aufbrechung der Türfüllungen, entdeckten sie, daß der Eingang in- zwischen mit Schränken dicht verrammelt war. Hinter ihnen stand der Bäckermeister mit zwei schußfertigen Pistolen. Jetzt alarmierte der Gerichtsvollzieher das Ueberfall- kommando, und mit feiner Hilfe konnte der renitente Bäckermeister festgenommen werden, ohne daß es zum Schießen kam. Er wurde mit seiner Frau, die beim Widerstand geholfen hatte, aufs Polizei- Präsidium gebracht. Auf der Straße hatte sich inzwischen eine große Menschenansammlung gebildet, die erst nach längerer Zeit durch die Polizeibeamten zerstreut werden konnte. Der Backermeister steht übrigens seit einigen Jahren unter dem Schutz des Verrückten-Paragraphen 51. Außerdem ist er Anhänger der Hakenkreuzpartei. 13 Oachstuhlbrande in 2 Tagen. Rrandstistung oder Hitzewelle? Die vergangene Woche war m Berlin besonders reich an Dach- st u h l b r ä n d e n: In der Zeit vom 18. bis 23. August wurde die Feuerwehr nicht weniger als dreizehnmal wegen Dachstuhlbrandes alarmiert! In mehreren Fällen sah sich die Feuerwehr veranlaßt, die Kriminalpolizei zu Rate zu ziehen, da der Verdacht der Brandstiftung sehr nahelag. Bei anderen Bränden konnte die Ursache nicht festgestellt werden, doch wird angenommen. daß die Hitzewelle der letzten Woche nicht unwesentlich zur hohen Zahl der Brände beigetragen hat. Oachstuhlbrand in Charloiienburg. In der Kaifer-Friedrich-Strahe 91 in Ehar- l o t t« n b u r g gab es gestern einen Dachstuhlbrayd, der gefährliche Ausmaße anzunehmen droht«. An der Vorderfront des Hauses brannte plötzlich aus bisher nicht festgestellter Ursache der Dachstuhl in ganzer Breite. Die schleunigst alarmierte Feuerwehr halte große Mühe, den Brand einzukreisen. Erdbeben auf den Philippinen. Taufende von Menschen obdachlos New Dork. 23. August. Nach Meldungen au« Manila wurde die nördliche Philippkneninsel Luzvn von einen« schweren Erdbeben heimgesucht. Besonders stark wurde die an der Westküste gelegene Hafenstadt Jan Fernando betroffen. Hunderte von Häusern find eingestürzt. Tausende von Einwohnern irren obdachlos umher. Tie Erdstöße waren so stark, daß der Erdbebenmesser versagte. „Ich kriege Geld aus China!" Ein Velrüaer lebt 3 Monate lang auf Kredit. Gestern wurde in einem Hotel in der Eity ein Hotel- belrügcr in der Person des Zg Zohre alten Dänen Olaf B. festgenommen, der es serliggebracht hatte. 5 INonate in Berliner Hotels zu leben, ohne auch nur einen Pfennig zu bezahlen. Der Däne mar im April nach Berlin gekommen und hotte sich hier in einem Hotel eingemietet. Er erzählte, daß fein Ge!d knapp sei und daß jeden Tag eine ganz große Geldsendung aus China für ihn eintreffen müsse. Er erklärte nämlich daß er die chinesische Arme« mit Stahlwesten beliefert habe und daß die Absenkung des Geldes dafür nur durch die Wirren in der Man- djchurei eine kleine Verzögerung erleide. Man glaubte ihm aufs Wort und gab ihm Kredit. Nach 4 Wochen war der Betrüger verschwunden und tauchte in einem anderen Hotel auf. Er mieder- holte dasselbe Manöver, wechselte dann wieder das Hotel und fand lchließlich einen anderen„Dreh". Er erklärte jetzt, daß er Opium und Kokain nach China liefere und bereitete sich damit selbst da« Verhängnis vor. Seine Erzählung kam zu Ohren der Dienst- stelle V 8, deren Beamte sich den Mann näher ansahen und ihn festnahmen. Die Geschichte mit dem Opium war natürlich Unsinn, daiür entdeckte man aber, daß es der Mann fertig gebrocht hatte, fünf Monate in Berlin zu leben, ohne auch nur einen Pfennig zu bezahlen. „Gprit-Wsber" wieder verhafiet. Im Verdacht großer Oevifenfchiebungen. Der 38iährige Kaufmann Hermann Weber, der unter dem Namen„S p r i t- W e b e r" durch eine große Betrugsangelegenheit im Jahre 1924 sehr bekannt geworden ist, wurde durch Beamte der Berliner Zollfahndungs stelle festgenommen. Es besteht der dringende Verdacht, daß„Sprit-Weber" gemein- fam mit ausländischen Helfershelfern Devisenschiebungen begangen hat, deren Wert in die Hunderttausende geht. Außer„Sprit- Weber" wurden noch einige Holländerund Amerikaner verhaftet, die an den Schiebungen beteiligt fein sollen. Max Schütte. Zu seinem TS. Geburtstag. Am 26, August feiert Genosse Dr. Max Schütte, der sehr vielen Berliner Genossen als Redner bekannt geworden ist, seinen 75. Ge- burtstag. Schon als junger Student hatte er sich der Sozialdemo- kratie angeschlossen. Er erlebte in stärkster innerer Bewegung die dramatischen Debatten des Ausnahmegesetzes. Weit über fünfzig Jahre gehört er unserer Partei an, und das begeisternde Feuer für den Sozialismus, das er in jungen Jahren empfing, ist bei ihm selbst im hohen Alter nicht erloschen. Gerade zur vorwärtsstürmen- den Jugend fühlt sich fein jung gebliebenes Herz mächtig hingezogen, an sie hat er zahlreiche Ansprachen gerichtet, in denen nicht ange- lernte- Wissen, sondern ureigenste Lebenserfahrungen zum plastischen Ausdruck kamen. Schütte blieb der Partei während der schärfsten sozialistengesetzlichen Verfolgung treu. Er wurde auch in die hoch- notpeinlichen Untersuchungen eines Breslauer Geheimbundsprozesses verwickelt. Aus seinem Lehrerberuf ist er durch hinterhältige Polizei- schnüffeleien und verleumderische Denunziationen förmlich hinaus- schikaniert worden. Noch im Mannesalter bezog er zur Lervoll- ftändigung seiner volkswirtschaftlichen und staatswissenschaftlichen Kenntnisse die Leipziger und Münchener Universität. Mehr als 36 Jahre widmete er sich in Berlin als sozialistischer Volkspädagoge — die Volkserziehung war ihm innerer Beruf— der Propaganda des sozialistischen Gedankens. Und auf diesem Gebiete erblühten ihm. dem so universell gebildeten Genossen, die schönsten Erfolge. Mögen ihn— dem immer noch lehrenden Volkserzieher— noch viele, ihn innerlich befriedigende Erfolge erfreuen! •"nfe ' v-' die beliebteste Cigarefte, denn sie gewährleistet dank ihrer hohen Qualität einen vollen Genuß, Gerade weil sie höchsten Gegenwert an edlen Tabaken bietet, müssen Zugaben in Form von Werl' marken, Gutscheinen oder Stickereien ausgeschlossen bleiben. „Strandgut" der Weltstadt Schätze auf dem Grund und am Strand märkischer Gewässer Nicht nur die Reichsbahn und die BVG., nicht nur die großen Kauf- und Worenhäufer, auch die modernen Frei- und Strandbäder müssen ihre eigenen Fundbüros haben und von einem solchen soll hier die Rede sein. Der Leser wird fragen: Was kann man denn eigentlich in einem Bad verlieren, wo man ja seine Sachen meistens den Garderoben überläßt. Nun, es wird eine ganze Masse verloren und vergessen. In erster Linie am Strand, chier werden im allgemeinen Badehofen, Bandeanzüge, Handtücher vergessen, alles Gegenstände, die man nach Benutzung zum Trocknen ausbreitet oder auf Papierkörbe hängt und dann in der Eile des Aufbruchs am Abend achtlos hängen oder liegen läßt. Noch beliebter sind zweifellos die Garderobenhallen. Hier läßt Vater seine Unterhosen, Mutter ihren Unterwäsche, die Tochter ihre Halskette oder Armbanduhr liegen. Sogar Stiefel bleiben stehen, so daß man sich fragt, wie dies« Leutchen eigentlich nach Hause kommen, wenn sie nicht gerade Badeschuhe mithaben. Es kommt auch vor, daß den Leuten im allgemeinen Gedränge an besonders heißen Tagen die Schuhe von Langfingern entwendet werden: dann suchen sie Hilfe im Fundbüro und nach Möglichkeit werden ihnen vor- banden« Schuhe gegen Sicherheit ausgeliehen. Aber auch eine ganze Anzahl anderer Dinge werden verloren. So liegen, wenn man so sagen darf, wahre Schätze aus dem Grund des Wassers: Brillant- ringe, Armbänder, Trau- und Verlobungsringe, Brillen, ja selbst ein ganzes Gebiß aus Gold, das nach Angaben des Verlierers den stattlichen Preis von 500 Mark gekostet hat, wurde gefunden. Im Sande des Strandes vergroben fand man in einem der großen Berliner Strandbäder gut ein Dutzend Uhren, das Dreifache an Ringen, unzählige Schlüssel usw. Auf den Bänken der Anlagen bleiben meistens Handtaschen liegen, die, wenn sie nicht allzu viel Geld aufweisen, abgegeben werden. Mitunter kann man sogar richtige kleine Szenen erleben. Kommt doch da neulich eine Frau aufgeregt in das Fundbüro ge- stürzt und fragt:„Hat man bei Ihnen nicht einen kleinen Hand- koffer abgegeben? Den habe ich vermutlich im Autobus stehen lassen.* Auf die verneinend« Antwort des Angestellten, daß bei ihm nichts abgegeben sei, fängt die Frau an zu weinen und fragt um Rat. Auf Anraten des Angestellten geht sie zur nahegelegenen Autobushaltestelle und wartet den von ihr benutzten Autobus ab, bestürmt den Schaffner, der aber auch noch nichts bekommen hat, geht dann selber in den Wagen und sieht nach— sie hatte auf der vordersten Bank hinter dem Ehauffeur gesesien—, siehe da, der Koffer steht wirklich da. Sie kam dann eiligen Schritts ins Büro, öffnete den Koffer und atmete erleichtert und glücklich auf, als sie festgestellt hatte, daß von ihren 370 Mark nichts fehlte. In einem anderen Falle ließ eine Frau eine Handtasche auf einer der Bänke, die in den Anlagen des Bades stehen, liegen. Inhalt: SM Mark bares Geld und ein Brillantring. Wieder ein anderer Fall, der von Vergeßlichkeit der meisten Menschen zeugt: Ein Taschentuch, eingewickelt darin 3M Mark, im Walde beim Lagern liegen gelassen. Auf die Frage, warum sie, eine ältere Frau, denn so viel Geld mit sich herum schleppe, antwortet sie: „Das ist mein Geld, das ich mir mühsam erspart habe, lind da ich in Potsdam zur Erholung bin und das Geld der Sicherheit wegen nicht in meinem Zimmer liegen lassen wollte, habe ich es mit- genommen. In beiden Fällen konnten den Eigentümerinnen die ver- lorenen Gegenstände leider nicht zugestellt werden. Wahrscheinlich haben die Finder das Geld auch gut gebrauchen können. Daß sie sich aber im Sinne des Gesetzes wegen Fundunterschlagung, und im Bad selber wegen Nichtfügens im Sinne der Hausordnung strafbar machen, wird den Findern wohl nicht klar gewesen sein. § 14 der Hausordnung lautet: Gefundene Gegenstände sind dem Bademeister, der Kasse oder dem Fundbüro abzugeben. Sind die gefundenen Gegenstände bis zum Schluß der Saison nicht abgeholt, so wird damit nach den gesetzlichen Bestimmungen verfahren. Auch die Telephonzellen sind ein Verlustplatz: dort werden in den meisten Fällen Portemonais liegen gelasien. Zum Schluß sei noch eine nette kleine Begebenheit er- zählt, die sich wirklich zugetragen hat. Mit anderen Fund- fachen wird eines Tages eine Herrentaschenuhr eingeliefert. Einige Tage später kommt ein Schreiben eines Badegastes an das Fund- büro, in dem der Vertierer dem Fundbüro angibt, seine Taschen- u h r sei in einer der Garderabenhallen verlorengegangen bzw. ihm „von einem Angestellten gestohlen* worden. Er betonte, daß seine Uhrtasche zugeknöpft gewesen sei und er die Uhr unmöglich beim Anziehen habe verlieren können. Da die Uhr aber, wie gesagt, schon gefunden worden war, wird dem Verlierer höflich aber eindringlich in einem Antwortschreiben klar gemacht, daß die Angestellten ehrlich sind und er die Uhr verloren habe: sie war auf dem Gang von einem anderen Badegast gefunden worden und der Verlierer wurde gebeten, sich seine Uhr abzuholen. Dos war, wie gesagt, im Juni. Jetzt, Ende August, hängt die Uhr noch im Fundbüro! Und so könnte man weiterhin noch mancherlei von der Ver- geßlichkeit und der Unaufmerksamkeit der Menschen in einem Bade erzählen. Weitete Sondergerichtsurteile Hohe Strafanträge, denen zum Glück nicht stattgegeben wird Das Berliner Sondergericht hielt gestern noch eine weitere Verhandlung ab. Der 2l> Jahre alte Hans K l a n n und seine Mitangeklagten, der 3Sjährige Frist Bär sowie der 2Sjährige Hermann Bürde, sind wegen Landstiedensbruchs, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Aufreizung angeklagt. Dem Angeklagten Klann wird vorgeworfen, daß er am Abend des 12. August zwei junge Mädchen, die der Bis- marck-Iugend angehören, wegen ihrer politischen Ueberzeugung be- lästigt hat. Als die Frau des Installateurs Müller sich schützend vor die Mädchen stellte, soll er sich zunächst entfernt haben. Nach einiger Zeit kam eine Reihe von jungen Leuten und versuchte, in die Wohnung des Installateurs Müller einzudringen. Unter diesen Personen soll sich auch der Angeklagte Klann befunden haben. Der Angeklagte bestreitet ganz entschieden, sich an diesen Vorgängen be- teiligt zu haben. Er sympathisiere zwar mit den Kommunisten, ge- höre aber nicht der KPD. an. Der nächste Angeschuldigte, Bär, soll seiner Festnahme durch die Beamten des Ueberfallkommandos stör- ken Widerstand entgegengesetzt haben. Er bekundet, daß er, als er sah, wie der Angeklagte Klann festgestellt wurde, gerufen habe: „Hans, ich bin Zeuge, du bist von dem Nazi-Müller denunziert worden". Darauf sei er gleich verhaftet worden. Widerstand da- gegen, so bekundet er, will er nicht geleistet haben. Der dritte An- geklagte Bürde, der wegen Aufreizung angeklagt ist, bekundet, daß er dem verhafteten Klann die Hand zum Abschied auf den Ueberfall- wagen herauf gereicht hätte und dabei„Rotfront" gesagt hätte. Das Ehepaar Müller, die als Zeugen gehört werden, wollen den Angeklagten Klann unter dem Haufen, der ihren Laden bedrohte, erkannt haben. Auch die als Zeugen geladenen Polizeibeamten be- lasten die beiden anderen Angeklagten Bär und Bürde. Bär hätte seiner Festnahme starken Widerstand entgegengesetzt und die Be- amten schwer beschimpft. Durch den Ruf des Bürde„Rotfront" sei die um das Ueberfallauto herumstehende Menge erst alarmiert worden, die dann ebenfalls in laute Rufe und Verwün- s ch u n g e n gegen die Beamten ausbrach. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Wagner beantragt darauf gegen den Angeklagten Klann wegen versuchten einfachen Landfriedensbruchs in Tateinheit mit versuchtem schweren Hausfriedensbruch acht Mo- nate Zuchthaus, gegen Bär wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt sechs Monate Gefängnis und gegen Bürde wegen Auf- reizung vier Monate Gefängnis. Das Urteil des Sondergerichts fiel erfreulicherweise wesenllich milder aus. Die Verhandlung gegen Klann wurde auf Montag vertagt, um die Angelegenheit durch weitere Zeugenvernehmung zu klären, Bär wurde wegen Austeizung und Widerstandes zu fünf Wochen Gefängnis verurteilt, während Bürde frei- gesprochen wurde, da das Gericht den.,Rotfront"-Ruf nur als demonstratives Verhalten, nicht ober als beabsichtigte Auf- reizung wertete. In vierter Instanz freigesprochen. Endurteil zum Fall Paul Seibt. Zum vierten Male befaßte sich die Strafkammer mit dem Fall des 2l>jährigen Schlächters Paul Seibt, der im vorigen Jahr bei den Unruhen am Bülowplotz, die sich dort am Tage, bevor die Polizeihauptleute Anlauf und Lenk von unbekannten Tätern er- schössen wurden, abgespielt hatten, festgenommen wurde. Seibt war bei diesen Unruhen von einem Polizeibeamten an- geschossen worden. Die Verwundung war so schwer, daß er sein Schlächterhandwerk nicht mehr ausüben kann. Zu gleicher Zeit wurde sein Freund durch einen Schuß tödlich getroffen. Seibt war damals unter Anklage gestellt worden, weil er, bevor er selbst durch einen Schuß getroffen wurde, einen Polizeibeamten tätlich angegriffen haben sollte. Das Schöffengericht Berlin- Mitte hatte ihn aber damals von dieser Anklage freigesprochen, da der Angeklagte unwiderlegt angegeben hatte, daß er lediglich die Gummiknüppelschläge eines Polizeibeamten abgewehrt und keinen angegriffen hätte. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft oerurteilte die Strafkammer Seibt aber wegen Aufruhrs zu sechs Monaten Gefängnis, da er sich in einer zusammengerotteten Menschenmenge befunden hatte, die gegen Polizeibeamte gewalttätig wurden. Auf die Revision des Angeklagten hin hob das Reichs- gericht dieses Gefängnisurteil auf, da es nicht ge- nügend aufgeklärt sei, ob sich der Angeklagte freiwillig oder un- freiwillig in der Menschenmenge ausgehalten habe. Vor der Ferien st rafkamm er des Landgerichts I gab nun der Angeklagte an. daß er auf dem Nachhausewegs vom Baden in die Menschenmenge hineingezogen worden sei und daß es ihm dann unmöglich gewesen sei, wieder hinauszukommen, bis er durch den Schuß getroffen wurde. Da er sich vorher bei d c i Reichs- wehr gemeldet hätte, habe er nicht die geringste Veranlassung gehabt, sich durch die Beteiligung an Unruhen seine Karriere zu gefährden. Auf Antrag des Staatsanwalts sprach die Ferienkammer den Angeklagten endgültig frei, da er nach dem Ergebnis der Bs- weisauinahme gegen seinen Willen in die Unruhen hineingeraten sei. Gturm um Caro-petschek. Oer Prozeß soll noch mehrere Monate dauern. Zm Caro-Petschek- Prozeß kam es gestern zu beispiellosen S l u r m s z e n e n. Es gab ein Quartett von Schreienden. Insultierenden und protestierenden. Als Geheimrat Caro eine lange Liste von Personen verlas, die von den Petfcheks gegen ihn eingesetzt seien, sagte Iustizrat Drucker ironisch:„Sie vergessen in ihrer Liste dos Kommergericht und das Landgericht III. die das Verfahren gegen Sie eröffnet haben. Wenn das Landgericht Sie vorher gesehen haben würde, dann würden Sie hier nicht auf freiem Fuß sein." Coro(erregt aus- springend und mit der Faust auf den Tisch schlagend):„Das ist zuviel, das kann ich nicht mehr aushalten! Prof. Dr. Alsberg: Und wenn Jgnaz Petschek als Zeuge hierher gekommen wäre, dann wäre er wegen Meineids verhaftet worden.(Anhaltende große Bewegung.) Erster Staatsanwalt Jäger(ebenfalls erregt): Es ist doch ein starkes Stück, was hier von Iustizrat Drucker behauptet wird. Die Beschlüsse des Kammergerichts und des Landgerichts bezweckten, Geheimrat Caro Gelegenheit zu geben, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu entkräften. Und ich kann hier ruhig erklären, daß wahrscheinlich Caro diesen Saal als Unschuldiger verlassen wird.(Lautes Bravo! im Zuhörerraum, worauf der Vor- sitzende mit Räumung des Zuhörerraumes droht). Iustizrat Dr. Drucker(zum Staatsanwalt): Sie haben sich ja ihre Urteils» fähigkeit mit der Einstellung des Verfahrens gegen Caro selbst ob- gesprochen. Erster Staatsanwalt(in steigender Erregung): Solche Angriffe gegen die Staatsanwaltschaft stellen wirklich den Gipfel dar. Ich lehne es ab. Herrn Drucker hier noch zu überzeugen. Von mir aus können Sie sagen, was Sie wollen. Nach einer Pause verlas dann der Vertreter des Nebenklägers Dr. Petschek eine lange Liste neuer Beweisanträge, in der schließlich die Vernehmung von weiteren rund SO Zeugen verlangt wird. Der Vorsitzende, der bei Beginn der Verlesung seufzend fest- gestellt hatte, daß man dann noch mindestens einen weiteren Monat verhandeln müßte, mußte nach Beendigung des Vortrages bekennen, daß zur Bewältigung dieser neuen Zeugenvernehmungen mindestens zwei bis drei Monate erforderlich fein würden. Nach weiteren Auseinandersetzungen wurde die Verhandlung aus den heutigen Freitagvormittag oertagt. * Die Iu st izpress« stelle Berlin teilt uns unter Bezug- nähme auf den Wortlaut einer Ueberschrift zu dem Bericht über den Caro-Petschek-Prozeß mit:„Ein Prozeß, der dem Staat Hundert- tausende kosten kann" folgendes mit:„Die Annahme, daß dieser Prozeß dem Staat große Kosten verursachen könnte, ist unzutreffend. Wird der Angeklagte oerurteilt, so hat dieser die Prozeßkosten zu tragen. Bei einem Freispruch fallen nach fj 471 Abs. 3 in Verbindung mit§ 472 der Strafprozeßordnung dem Antragsteller die Kosten des Verfahrens sowie die dem Beschuldigten erwachsenen notwendigen Auslagen zur Last. Nur Ist das Gericht ermächtigt, den Antragsteller von der Tragung der Kosten ganz oder teilweise zu entbinden. Da die vernommenen Zeugen fast ausnahmslos von einer der Parteien gestellt sind, so sind auch dem Staat bisher an Zeugengebühren kaum Auslogen entstanden.* Wieder ein„Tliobe". Opfer geborgen. Die Marine st ation der Ostsee teilt mit: Heute um 16.3S Uhr wurde westlich des Fehmarnbelt-Feuerschiffes durch das Torpedoboot„W o l f" die Leiche des mit der„Niobe" unter- gegangenen Kapitänleutnants Siegsried Heinrich Engel aus Königsberg i. Pr. geborgen. Kavag'Oiretior Mädje ins Gefängnis. Frankfurt a. IN.. 25. August. Der im Fooag-Prozeh zu drei Jahren Ge- f ä n g n i s oerurteilte Direktor M ä d j e aus Berlin(Versicherungs- betrug), war bisher aus Gesundheitsrücksichten von der Strafhaft oerschont geblieben. Mädje wurde jetzt vom Gcrichtsarzt als Haft- fähig erklärt und zur Strafverbüßung festgenommen. ICO>.Om/U.W/Ute� BUTTER, FETTE, EIER diverse käse wurstwaren frisch-fleisch weine, spirituos. Bassain-Reis.......... Pfd. 0.16 Graupen........... an Pfd. 6.23 Linsen.................. Pfd. 0.15 Wien. Ausz.-Mehl....Pfd. 0.26 Hartaries-MakkaroniPfd. 0.34 Eier-Bandnudeln..... Pfd. 0.35 Eier-Fadennudeln....Pfd. 0.44 Tafelöl............... an Itr. 0.75 Gebr. Gerste.......... Pfd. 0.20 Gutsbutter............. Pfd. 1.06 Molkereibutter........ Pfd. 1.20 Tafelbutter I........... Pfd. 1.28 Allerf. Markenbutter. Pfd. 1.32 Margarine, Cocosfe» 3 Pfd. 0,88 Bratenschmalz........ Pfd. 0.46 Griebenschmalz...... Pfd. 0.50 Frische bulg. Eier..10 Stck. 0.66 Frische russ. Eier..10 Stück 0.58 Faustkäse........... 5 Stdc. 0.20 Harzer Käse.ca. i Pfd.-Pak. 0.25 Camembert, vollf., Schacht. 0.18 Briekäse, vollf........ Pfd. 0.58 Tilsiter'/, fett, 35%....Pfd. 0,65 Steinbuscher, vollfett..Pfd. 0.66 Pdamer o. Holländer vollf. Pfd. 0.66 Limburger, vollf....... pfd. 0.72 Bayr. Schweiz., vollf. an Pfd. 0.95 Fleischwurst............ pfd. 0.68 Hausm. Leberwurst..Pfd. 0.88 Jagdwurst............. Pfd. 0.90 Wiener Würstchen..Pfd. 0.95 Bln. Mettwurst........ Pfd. 0.98 Schlackwurst i. Fettdorm an Pfd. 0.98 Cervelat u. Salami...Pfd. 1.15 Thür. Knackwurst..... pfd. 1.22 Schinkenspeck........ Pfd. 1.26 Suppenfleisch...... an Pfd. 0.48 Gehackfes............ Pfd. 0.48 Goulasch............... Pfd. 0.68 Rückenfett, bratfertig..Pfd. 0.68 Schw.-Schinken m. B..Pfd. 0.78 Schw.-Kamm u.Schuft Pfd. 0.90 Kaßler mild........ an Pfd. 0.88 Schmorfl. o. Kn. gesp. an Pfd. 0.78 Kalbsroulade......... ptd. 0.93 GEFLÜGEL UND WILD KONFITÜREN RÄUCHERWAREN FRISCHE FISCHE DIVERSES OBST Frkf. Apfelw. 10 Ltr. 3.80, I Ltr. 0.42 Bowlenwein 10 Ltr, s.50, Ltr. 0.58 Johannisb.Heidb.lOLtr.6.50, Ltr. 0.68 Tarragonao.Werm, 10 L 9.50, L. 1.00 Samos.Malaga 10 ltr. 10.50, ltr. 1-10 Douro-PortweinlO Ltr. 1T.50, Ltr. 160 Niersteiner. io ltr. 3.5J, Ltr. 0.90 Alter Korn...... i Ltr. m. Fl. 3.20 AlKoholfroier Apfelsaft-.m. Fl. 0.88 G E M U S E Gänse, gefr........ an Pfd. 0.38 Wolgahühner...... an Pfd. 0.55 Rehblätter.......... an Pfd. 0.70 Wildschweinrücken a. Pfd. 0.88 Hirschkeule........ an Pfd. 0.84 Bestellungen über 5 Saure Drops.......... Pfd. 0.60 Milchkeks.............. pfd. 0.70 Teegebäck-Misch. I..Pfd. 0.96 Schokol.-Kokosflodcen.. Pfd. 0.75 Schokol.-Sortiment4Taf). 0.50 Mark unter F 6 Baerwald Seelachs o.K........ an Pfd. 0.14 Kabeljau o. K...... an Pfd. 0.14 Rotbars............. an Pfd. 0.14 Kabeljaufilet....... an Pfd. 0.18 Leb. Aale........... an Pfd. 0.70 Fettbücklinge.......... Pfd. 0.18 Fleckheringe.......... Pfd. 0.38 Schellfisch.............. Pfd. 0.24 Räucherheringe...... stek. 0.12 Räucheraal%«./, Pfd. 0.88 0012 werden prompt erledigt• Mengenabgabe vorbehalten e Verkaut soweit Vorrat. Pflaumen............... 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Durch prnktische Ber- suche lernt die Schülerin die Ausommenseßung der Pflanzen des Küchengartens kennen und die Bedeutung der einzelnen Stoffe für unsere Ernährungsweise: im weiteren Berfolg wird oann die Roh- rungsaufnahme und ihre Verwertung im menschlichen wie auch im tierischen Körper studiert. Dient die Kenntnis unseres Körpers und seiner Funktionen dem Kapitel Gefundheitslehre, so kommt die Wissenschaft von der körperlichen Zusammensetzung des Tieres wiederum dem späteren Fleischeinkauf zugute. Reben den prakti- schen Küchenkenntnissen wirst aber auch ,chie große Wäsche" zergliedert: es wird die Wirkung der verschiedenen Waschmittel auf die verschiedenen Gewebe ausprobiert und auch die Waschmittel selbst werden wiederum auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht. Außerdem wind auch noch stie Kleiderfrage im praktischen Sinne er- kelerenten-lmsmmealiiiaN! Montag, den 29. August, pUnkldch 19 h Uhr, Im groben Saal des„Gewerksdiaftshauses", Engelufer 24/2S: Vortrag des Genossen Dr. Rlnnep über: „Die Anfrage und GesefsenMrfe der sozialdemoKralischen RelchsfagslraHflon" Parteimifgliedsbuch und Einladungssdrreiben sind mitzubringen und am Saaleingang zwecks Kontrolle vorzuzeigen. Der Bezirksvorstand. örtert, das heißt die Leistung der einzelnen Stoffgewebe hinsichtlich ihrer Wärmeausnahmefähigkeit. In Zeichnungen, Statistiken und Aufsätzen haben die Schülerinnen ihre erworbenen Kenntnisse nieder- gelegt und es ist staunenswert, was diese Bierzehn- bis Sechzehn- jährigen bereits für eine Grundlage an praktischem Wissen besitzen. Diese wertvolle pädagogische Arbeit, ein Verdienst stes Raturwissen- schaftlers Dr. Ziegelmeyer, der dem Lehrkörper der Schule angehört, hat auch bereits feine Würdigung gefunden: als erste Berliner Schule wurde die Luise-Okto-Peters-Schule vom Institut für Völkerpädagogik in Mainz aufgesordert, ihre Arbeiten dort zur Ausstellung zu bringen. Die Ausstellung ist von 8— 1 und van 16— 19 Uhr ge> öffnet. Sport. Rennen zu Grunewald. Grunewaid-Hiirdcnrenncn. 1. Wotan iWolff): Z. Maiennacht: 3. Mar- kolf. Toto: 15: Ist. Drei liefen. Preis von Schildhorn. 1. Ramfes iWolffl: 2. Esparsette; 3. Suhle. Dolo: 38: 10. Platz: 17, 17: 10. Ferner liefen: Rote Nelke l4.), Nebel» hexe. Jisbo. Preis von Wonnsee. 1. Mussolini(Zehntischl; 2. Progrcß: 3. Garn» btinu*. Toto: 18: 10. Platz: 12, 21, 16; 10. Ferner liefen: Ma-eotte(4.1, Peiracava, Lampos' Sohn, Metullus, Leidensweg, Habgier, Hagebutte. Stadion-Jaadrennen. 1. Carlo(Ostermannl: 2. Sesam: 3. PriatnoS. Toto: 82: 10. Platz: 29, 91, 35; 10. Ferner liefen: Coblenz(4.1, AlbiS, Glückskind, Gala. Preis vom Ttähensee. 1. Gonip(M. Schmidil: 2. Ti: 3. Lsiade. Toto: 28: 10. Plap: 16, 16:10. Ferner liefen: Priester(4.1, Pelagon. Preis vom Schwielowsec. 1. Verräter(R. Schmidil: 2. Hamlet: 3. Schwede. Toto: 67: 10. Platz: 25. 14: 10. Ferner liefen: Rogou>4.1, Heureka lauKgebr. r Preis vom Pismarckturm. 1. Tilvius iL. Schmidtl: 2. Fatime: 3. Loe: 4. Ledon. 3oto: 41: 10. Platz: 16, 33, 32, 23: 10. Ferner liesen: Avorne, Henriette, Amonenwarte, Polaschin, Morgenwind. Crcolin, DratiSlavia, Lvsonder. Wunderblume. Doppelwett«: Mussolini— Gemo 85: 10. parteinachrichfen�Msur Groß-Berlin! Vorträge, Vereine und Lersammwngen Einsendungen kür diese Rudrit find Berlin 2D 68. Lindenstrntz« Z. stet»»» dn» Beztrkssekretartat Z. Hos, 2 Trenne» recht», zu richte» Vereinigung sozialdemokratischer Juristen. Iwaaglose gelelliae znsnwmenkunft am Sonnabend. 27. August, tri,. Ude, im Tase-Zieftaurant»rumme Lanle, Berli»-z«hlend»rs,�Alsenftr. tZ9(S Minu- ten vam llntergrundbabnhos grumm« Laake»der lS Minuten vom bahuhas gehlendors-West. Um sahlreühen Besuch wird gebeten. INN' nnser S. B. Die Portion Sasfee wird»um ermäßigten Preis von 6« PI. geiielert. Den für uns reservierten Plag(vermutlich Terrasses bitte» wir evtl. bei der Scschäst», leitnng aus de» Rawe» unserer Bereinigung ,» ertrage». Beginn aller Veranstaltungen 1Ss4 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 48. Abi. Eonnabend von VlVi— 20 llhr Abrechnung in der Wohnung des che- nassen Marth. 138. und 143. Abt. Am Sonntag. 28. August, macht die Jüngerengrupv« gemeinsam mit der SAZ. einen Ausflug nach dem Mühlenbecker See. Treffpunkt: Hermsdorf, Berliner Eck« Wetsbachstraß», 8 Uhr. Recht zahl» reiche Beteiligung wird erwartet. Bezirksausschuß für sozialistische Bildungsarbeit. Die Kreise werden gebeten, die noch restlichen Freidenkerkarten abzurechnen. Arauenveraustallungen. 45. Abi. Am Montag, 2g. August, treffen sich die Genossinnen bei Vieler, Altes Eicrhäuschen(Treptow). Gemütliches Beisammensein mit Zloffee- kochen. Arbeitsgemeinschaft der stinderfteunde Grost-Berlin. I Heute, l»ttz Übe, Borstand« sttzung in der Geschästsstell«. I zeltlag-rhelser Darf J: Die Hcjferfabrt findet oerabredungsgematz Sonnabend, 27. August, roch Brieselang statt. Tresfpunkt der Ms Berliner H-lser l?'? Uhr Lehrter Bahnhos, die Spandauer Genossen > W müssen um lg Uhr in Brieselang sein. Unkosten IM. .'M, Kreutberg, Abt. Süden, Wassertorstrahe: Jung- und Rot» Falken : Sonnabend. 27. August. Zeltfahrt nach dem Heidesee. Treff. punkt 15 Uhr Prinzen- Ecke Eitfchincr Straße. Unkosten 80 Ps. ä...,. ittitgg, ist Vollversammlung der RF. um lltH Uhr Treff. Kreis Reuköllu: Heute Die Arbeitersportler laden zu Sonntag ein zu einem Sportfest in der Sonnen. alle«. Alle Falken und Eltern, die sich an dem«inderfportseft beteiligen wollen, finden sich um 14 Uhr in der Eonnenallee ein. Eintritt frei.— Abt. Lichttämpscr: IF.: Wir sind heute im Heim Bergstr. 2g. Buch: Sonntag. 28. August, Treffpunkt zur Dampferfahrt«tzj, Uhr Bahnhof Buch. Abfahrt 6.54 Uhr bis Putlißstraße. Sterbetafel der Groß«Berliner Partei«Organisation 1». Abt. Am Sonntag. 21. August, starb durch Freitod unser lieber Genosse •v.rmann G i» s e. Krünthaler Str. 36. Ehre-seinem Andenken! Di« Ein. Sicherung lindet am Sonnabend. 27. August, 171tz Uhr, Gerichtstroß», statt. Rege Beteiligung erwartet der Abteilungsvorstand. 3g. Abt. Am Montag verstarb unser lieber Genosse Hermann Otto, Wilhelmstr. 14. im 6g. Jahre. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Freitag, 12 Uhr, Gerichtstraße. W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an da, Jugendsekretariat Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vor» 1 Treppe rechts. Abteilungsleiter, gebt sosort das September- Programm ab!— Di» Plaketten„Jugend gegen Krieg" müssen am Mittwoch. 31. August, oller. spätestens om Freitag. 2. Sevtember, abgerechnet werden. Die Plaketten, die om Freitag nicht abgerechnet werden, gelten als verkauft und werden nachher nicht mehr zurückgenommen. heule. Zreilag. 20 Uhr: Arfonaplaß: Elisabethkirchstr. l«:„Schutzpolizei".—«ewertschaftsha»»: Kopenicker Str. g2: Kampktiederabend.— Rasenthaler Vorstadt: Tleckstr. 18; Leseabend.— Hansa: Bochumer Str. 8d:„Tagespolitik".— Moabit I: Wal- denserstr. 20: Bücherbesprechung.— Moabit ll: Bremer Str. 70: Aussprache. abend.— Tportpalaft: Genthiner Str. 17: Liederabend. Instrumente mitbringen.— Gesulldbeunnen II: Koloniestr. 8:„Betriebsrätegesetz".— Hum- dotdihaiN! Funktionäroerlammluna. Schule Putbusscr Straße.— Arnjmplatz: Sonnenburgcr Str. 20: Bunter Abend. Morgen Funktionarversammlung. Ort wird heute bekanntgegeben.— Arnswalder Plötz I: Schönlanker Str. 11, B. 6: ..."-r-----'—"—*■------ ��„Tagespolitik".— der Satire".— - Helmhaltzplag: ..........,..._____.„ Rorbvfte» I: Dan» .iiget Str. 62, B. 3:„Eindrücke aus Dänemark".— Wcißenlee: Easeler Sir. 2: Bericht von Paris.— Anbreaspla» t: Brommvstr. 1;„Die Funktion der Ge» wcrkichostcn in der Dirtschastskrise'.— Baltcnplatz: Tilstter Str. 4— 5;„Volks. Herrschaft oder Diktatur?"— Frankfurter Viertel: Frankfurter Allee 307: ..Ardeiisdiensipslicht".— Friedrichshain: Diestclmeyerstr. 5—6: Arbeitsgemein. schaft.— Petersburger Viertel: Ebcrtgstr. 12:„Pergesellschastung in der Ratur".— Stralaucr Viertel: Gaßlerstr. 61:„Reue, aus dem Bezirk Fried- richshain".— Warschauer Viertel: Litauer Str. 18:„Politische Satire".— Warichauer Viertel RF.: Litauer Str. 18:„Was wir wollen".— Luiscnstadt: Wassertorstr. 4, lrn Uhr:„Wie diskutiere ich mit Nazi?"— Friedenau: Offen. bocher Str. 5a: Pollstanzabend.— Schäuclweg I NF.: Hauptstr. 15:„Wie enl. stand die Arbeiterbewegung?"— Schanebcrg II: Hauptstr. 15:„Das Berufs- lchulwefen".— Eichtamp: Schule Larchcnweg:„Klassenkämpfe in den letzten "n Jahren".— Eharlottcnbura: Rosincnstr. 4:„Unsere Grupvenardeit".— Eharlottcndnrg.Süd: Pcstalozzistroße: Bunter Abend.— Spandau. Jüngere: Lindennier l: Heimabend.— Siemcnsstadt:„Revolution oder Eoolution?" II. — Britz: Hannemannstr. 41: Arbeitsgemeinschaft.— Neukölln I: Sander. Ecke Hobrech'.straße: Funktionäroersammlung.— Neukölln II; Sportplatz.— Nen» Inllu III: Sportabend. Platz 6.— Rcnkolln IV: Eportabend.— Renkölln IX: Marlendorfer Weg:„Tagespolitik".— Neukölln XI: Sportabenb.— Baum- lchulenweg: Ernststr. 16: Arbcitsgemeulschaft.— Schöncweide N: Berliner Strohe 31- Mitaliederoersammluna.— Treptow: Elsenstr. 3:„Proletarische Literatur".— Babnsdors: Wachtelstr. l; Liederabend.— Falkenberg: Bade- abend.— Friedrichshagen: Kabn fahrt.— Köpenick I: Grünauer Str. 5: Sozialistische Jugendintcrnotionole".- Köpenick II: Badeabenb.— Friedrichs- selbe: Gunterstr. 44: Warum wird in den Erziehungsanftalten nach aepriigelt?" - Karlsharft' Treskowallcc 44: Buchbesprechung.— Kaulsdars: Advlfftr. 25: 215". Lichtenbera Mitte: Scharnweberstr. 22: Gesellschaftsspiele.— Neu- Lichtenberg: Gunterstr. 44:..Konsumaenossenlchaft und ihre Bedeutung".— Lichtenbcrg.Nord: Gunterstr. 44: Literaturabend.— Lichtenberg.Nordwest: Dossestr 22:„Kirche, Religion. Soziatismus".— Mahlsdors: Spiel und Sport. Äermsdors: Soielobend.— Karow: Frundsbergstr. S:„Italien".— Reinickendorf. Ost: Lindauer Str. l: Heimabend.-- Reinickenbors-West: Seidel. vraße l: Kamplliedcrobend.— Wittenau: Hauptstr. 13:„Wie weit soll und rann die SA?, modernisiert sein?" Wrrbebeiiek«edbina. Tomdourkopelle: Der Uebungsabend fällt ans. Sonntag wird nicht gespielt. Werdedeziri Prenzlouer Berg: Boritondssttzung 20 Uhr Danziger Str. 62. Barpcke l. Werd-dezirt Schäuebcrq: Porsiond-sitzuiig mit den Bildungsobleuten, 20 Uhr. Hauptstr.>5 Werbet»«, iri Tettawlaual: Miigl'ederverlammlung. Lichterlelde. Albrecht. snaße 14», 20 Uhr. Thema:„Politisch- Loge", Reserent Theo Thiele. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Goftr. Geschäfts st eilt: Berlin S. 14, Sebastionstr. 37-38. Hot 2 St Oberschöveweide sAameradschaft): Sonnabend, 27. August. 20 llbt, Aameradschastssitzung bei Trompter. Funktionäre 19 Uhr.— Wedding. Ortsverein: Unser Kamerad Hermann Giesel, Grünthaler Str. 36. ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Sonn. abend. 27. August, 17� Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Antreten sämtlicher Kameraden in Bundeskleidung um 17 Uhr. Deutsche Gesellschaft für Pilzkunde. Am Sonnabend. 27. August, in die Reubabelsberger Forst. Ab Potsdamer Fernbahnhof 14.55 Uhr, an Neubabels. berg 15.29 Uhr. Führung: Herr Arndt.— Am Sonntag. 28. August, an den Liepnitzsee. Ab Stettiner Borortbahnhof 8.42 nach Bernau. Führung: Studien- rat Hennig. Gäste willkommen. Arbeitsgemeinschaft für Forstschuß und Raturkunde e. V. 193. Arfo- Wanderung: Sonntag. 28. August. Pilzwonderung durch die Wälder von Rüdersdorf. Führung: Studienrat Dr. Rägldr. Treffpunkt pünktlich 9� Uhr an der Haltestelle der Elektrischen Straßenbahn nach Kalkberge in Friedrichs- Hägen(nahe Bahnhof». Fahrt bis zur Endhaltestelle in Kalkberge. Wanderung über Alvenslebenbruch entweder zum Stienißsee oder nach Möuenhorst. Rück- kehr etwa um 5 Uhr. Mitglieder 29 Pf., Gäste 39 Pf. Deutscher Arbeiter Abstiuenteu-Buud, Bezirksgruppe Schiller�ark. Montag. 29. August. 29 Uhr. in der Gaststätte Uferstr. 5,.Zusammenkunft. Tagesord- nung:„Neuzeitliche proletarische Lyrik" sGenosse Lietzmann). Gesellschaft für Volksbildung. Wanderung durch Moor und blühende Heide — Strausberg— Gamengrund— Tiefensee— am Sonntag. 4. September. Karten durch die Geschäftsstelle der Gesellschaft für Bolksbrldung, Berlin NW. 49, Lüneburger Str. 21. Vereinigung der 28. August. 18 Bleier über das Republikanische Rednerfchule. Mitglieder republikanischer Organisationen und Sympathisierende können an Rednerkursen unentgeltlich teilnehmen. Ein Unkostenbeitrag für drei Monate(.? M.) ist im voraus zu entrichten, von dem erwerbslose Teilnehmer befreit sind. Geeignete, politisch gebildete Bewerber wollen Anmeldungen richten an Herbert Grams, Berlin S., Fichtestr. 39. Die Uebungsabend? finden regelmäßig jeden Montag statt. Ein erstmaliger Besuch, Montag. 29 Uhr, Restaurant„Alter Askonier", Anhaltftr. 11, ist unverbindlich. Schritt um Schritt, das ist das Motto, unter dem am Sonntag, dem 4. September, das ly. Iugendmerbefest der Gruppe II und III der Trep- tower-Kleingärtner lBezirksverband Reukölln-Treptow) im Treptower Park (Wiese 4. an der Parkstraße' stattfindet. Tiefes Jugendsest zeigt die Ge- staltungsmoglickkeiten der Leibesübungen im Schrebergarten. Das spielende Kind wird mit seinen einfachen Freuden alle ergötzen. Programm 10 Pf. der Freunde von Religion und Völkerfrieden. Sonntag, Uhr, spricht in der Trinitatiskirche, Eharlottenburg, Pfarrer Thema„Von der Dankbarkeit". Allgemeine Wetterlage. 2S./Wg.433S, Owol kenlos, O hsitar.O halb bedeck! 9 wolkig, dbedecki-RegeiuJjraupeln «SchMe�Nebel,W5ewStec@Wn tember bis 11. Oktober 0. I. statt. Der Gesamtpreis Berlin— Lugano— Berlin inklusive voller Verpflegung in gutbürgerlichen Häusern beträgt 155 M. Eewinnauszug 5. Klaffe Zg. Preußtsch-Süddeutjche Staats-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hebe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleichet Nummer in den beiden Abteilungen I und II 15. Ziehungstog 25. August 1932 In der Heuligen Bormiltogsziehung wurden Gewinne über 4gg M. gezogen S Gewinn« ,0 10000 M. 282W2 302233 371201 16 Gewinne?u 5000 311. 24131 37891 55625 69258 97597 115866 280432 283094 6 Gewinn, ,» 3000 M. 71129 257401 287881 66©ewirm» zu 2000 DI. 65728 74117 84717 38254 110806 111116 1 1531 3 147549 143553 157121 176467 193673 207731 210253 215032 242337 256417 257363 258617 259075 275803 297134 315232317382 332149 350742 362231 366563 371673 385323 393207 397194 399834 100 S-winne ,u 1000 M. 6091 23035 32690 37066 41123 41763 50353 61352 81837 84533 89004 90954 95561 97636 119646 121627 127152 129406 130693 140361 146063 157584 161072 175661 177630 173311 180619 132773 188056 138245 196853 219575 235666 242623 243563 243949 259261 230000 298333 317849 319073 323580 344422 345367 354433 365150 363331 373563 373302 339039 1 76©cwmne ju 500 an. 4571 5569 6622 12900 14725 25960 29888 30272 38929 39723 45355 46709 51312 57413 68562 69607 70832 32318 35472 36468 88942 95132 95757 95394 100904 103790 112692 116260 118530 129459 I296S5 130332 131877 139360 144205 149113 150842 152330 169264 172602 173833 176813 181375 181553182197 13651 5 197733 200443 207989 207990 203752 209139 211261 214328 216643 223331 223358 241199 25IS73 259703 265933 274676 277617 2781 10 236545 234383 236553 300337 301312 312311 318333 323133 325420 332333 333034 348204 343303 351 560 354373 355753 360479 362743 367027 367303 370435 378122 333673 331673 In der Heuligen Nachmstlagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2©ewrniie zu 75000 M. 279931 2©«Winne zu i 0000 M. 49753 2 Gewinne zu 5000 M. 77039 14©-Winne IN 3000 W. 165071 203111 232385 240133 244511 255935 313532 44 Sewinne ,u 2000 911. 26433 40562 74203 77003 120648 131431 161111 175337 1370� 136330 206363 216421 226533 243005 257530 232160 344117 3469(17 343464 363311 371303 394747 1 13©»Winne ,n 1000 an. 7119 10552 11296 15110 17841 22463 25753 28033 41333 50076 60305 62204 65741 35175 36232 31304 33373 33333 35424 33267 103463 117343 120135 122551 123203 125323 133198 145325 145330 156373 161151 173315 133310135345 205725 217392 223306 235747 255735 256332 261734 266369276077 273774 234247 232302 295051 310453 310335 313973 324544 334136 337337 342645 350470 351333 365319 373943 339064 1 24 Gewinn» ,n 500 an. 1430 2050 3035 10410 11935 25651 31325 35176 33532 42330 51281 55201 63742 67647 67365 70442 75979 76153 39673 33567 34725 103749 123223 130076 157550 157323 159341 166357 176534 177730 196805 203733 230731 237683245472 270342 278532 27501 1 276723 232455 299330 300576 305073 305334 307313 303411 312377 313003 317425 322140 327111 331437 335301 337375 343505 343523 331893 370124 374303 377433 335233 337043 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien je zu Zggggg, IM Schlußprämien zu fe 30gg, 2 Gewinne zu je 200000, 2 zu je 1000 g, 2 zu je 75100. 4 zu je 50000, 10 zu je 2'>000, 90 zu je 10000, 214 zu je 5000, 470 zu je 3000, 1344 zu je 2000, 2740 zu je 1000, 4004 zu je 500, 13922 zu je 400 M. 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Etwa fünf Milliarden Reichsmark öffentliches Kapital imd in Form von Hauszinssteuerhypocheken verschiedenster Art(im- mittelbare Kapitalhergabe, Kapitalverbürgung mit Zinsoerbilligung) in der Zeit von 1924 bis 1932 im Wohnungsneubau investiert worden. Im Reichsdurchschnitt gerechnet dürften gegenwärtig 13 Proz. aller in Benutzung stehender Wohnun- gen in Neubauten vorhanden sein. Die jährliche Wohnungspro- duktion ist von 1924 bis 1930 ununterbrochen gestiegen, sie er- reichte In den Iahren der Bauhochkonjunktur etwa 300 000 Neuwohnungen mit einem Gestehungspreis von sicherlich 3 Milliarden Reichsmark, umgerechnet die hinzutretenden Investierungen für Leistungs- und Verkehrsbauten aller Art. Ein gewaltiger Teil der deutschen Kapitalbildung(vielleicht ein zu großer!) hat für den Wohnungsbau Verwendung gefunden. Gleichzeitig mußte natürlich die in so besonderem Maße konjunkturbegünstigte Bauindustrie selbst eine wesentliche Expansion durchmachen, insbesondere ihren Maschinenpark, der zum Teil erst bei dieser Großproduktion An- wendung finden konnte, entsprechend ausgestalten. Sieht man von der Frage ab, ob es in den Jahren der Hoch- konjunktur zweckmäßig gewesen wäre, in der Förderung der Bau- tätigkeit zurückhaltender zu sein und die Uebersteigerung des Unter- nehmungsteMpos zu drosseln, so ist es doch wichtig, sich mit der Frage zu befassen, in welchem Maße diese Neubauten durch den Sturm der jahrelangen Krise berührt und die Unternehmungen, die Träger dieser Bau- tä t i g k e i t gewesen sind, notleidend wurden. Gerade wenn man vom kaufmännisch-wirtschaftlichen Standpunkt aus die Bedeutung und Gefahr von Kapitalfehlleitungen der Konjunkturperiode beur- teilen will, muß man sich des dafür geeigneten Mittels bedienen— nämlich des Maßstabes der Insolvenzen und Zusammenbrüche. Es muß nun von vornherein betont werden, daß es schwer ist, einen zutreffenden Maßstab in diesem Falle anzuwenden, well z. B. Wohnungen, die unmittelbar von einer öffentlichen Körper- s ch a f t— sei es zur allgemeinen Nutzung, sei es für ihre Arbeit- nehmer— errichtet worden sind und deren finanzielle Ergebnisse durch den Etat der betreffenden Körperschaft gehen, bei der Beur- teilung ausscheiden müssen. Es ist keine derartige Untersuchung möglich, in diesen Fällen hieb- und stichfestes Material zu gewinnen. Bei unserer Beurteilung der Sachlage kann dies aber auch außer acht bleiben, da diese Bauten im Verhältnis zur Zahl der von Gesellschaften und Genossenschaften errichteten keine wesentliche Be- deutung haben. Wie sieht es nun mit diesen Wohnungen, die im allge- meinen von sogenannten gemeinnützigen Gesellschaften errichtet und bewirtschaftet worden sind? Das Urteil kann natürlich kein einheilliches sein, da die Ver- Hältnisse in den einzelnen Landesteilen und Bezirken stark von- einander abweichen und das Ergebnis außerdem in stärkstem Maße von der Art der Finanzierung und der geschäftlichen Fähigkeit der Leitung abhängt. Am schwierig st en haben sich die Verhältnisse dort gestaltet, wo im Zusammenhang mit einer aufblühenden Industrie in Gebenden geringer Besiedlung zahlreiche Neubauten errichtet worden sind(z. B. Merseburger Distrikt), in denen also in Zeiten der verschärften Krise jede andere Nachfrage vollständig entfällt. Aehnlich sind die Wirkungen in proletarischen Vierteln von Großstädten, insbesondere wenn— was vielfach geschehen ist— Typen des Wohnungsbaues gewählt worden sind, die nur in Zeiten günstigster Wirtschaftslage von Spitzenverdienern der Ar- beiterfchaft ermietet werden konnten und für die ebenfalls in der Zeit starker Einkommenminderung und Erwerbslosigkeit jede kaufkräftige Nachfrage anderer Bevölkerungsschichten, die nicht in die betreffenden Stadtgegenden ziehen wollen, fehlt. Sehr schwierig haben sich die Gesamtverhältnisse natürlich auch in einigen Gegenden des Reiches gestaltet, in denen die Erwerbs- losigkeit ungewöhnlich groß, der Anteil der übrigen kaufkräftigen Schichten klein und zum Teil auch besondere Um- stände der Finanzierung, der Bankarten mitgesprochen haben, nicht selten auch die erforderliche Energie der Leitung gegenüber dem Umsichgreifen der M i e t r ü ck st ä n d e fehlte. Diesen zahlenmäßig nicht unbedeutenden, aber doch das Bild keineswegs bestimmenden Fällen stehen jedoch in zahlreichen Städten gemeinnützige, genossen- schaftliche und gemeindliche Eesellschaflen gegenüber, deren krisenwidersiandskraft üoeraus bedeutsam, zum Teil geradezu verblüffend ist. Es sind dies in erster Linie die Unternehmungen, die bei ihrer Finanzierung auf ein ausreichendes Eigenkapital be- sonders geachtet haben(Frankfurt a. M.,!), die in Wohngegendsn bauten, deren Anziehungskraft auch während der Krise anhält(Ber- liner westliche und südliche Vororte), die auf eine gute Mischung ihrer Mieterschaft geachtet und eine sorgfältige personelle Auslese getroffen haben, die bei der Hereinnahme von Hypothekengeldern durch die inzwischen eingetretene Entwicklung begünstigt sind(hoch- verzinsliche Hypotheken mit geringem Agio, die aus der Zins- senkung überdurchschnittlichen Nutzen gezogen haben, Hypotheken, die mit Pfandbriefen oder Kommunalobligationen zu den niedrigen gegenwärtigen Kursen getilgt werden können), vor allem aber, deren Leitungen rechtzeitig auf geordneten Mieteingang und rigorose Drosselung aller laufenden Aufwendungen geachtet haben. Ihre Zahl ist nicht gering. Aus einer großen Reihe mir vorliegender Bilanzen und Berichte aus den verschiedensten Teilen des Reiches sehe ich, daß zahlreiche Unternehmungen dieser Großwohnungswirtschaft Mietrückstände haben, die nur 1, 2, 3 und 3 Prozent betragen, wobei ausdrücklich betont wird, daß ein großer Teil dieser Reste in kleinen und kleinsten Raten noch eingeht. Bei diesem Ergebnis— ebenso wie bei der Lage des Altbesitzes an Wohnungen— wird man natürlich die ungeheure Bedeutung unseres öffentlichen Unterstühungs- wesens für die Sicherflellung der Wielen nicht außer acht lassen dürfen; die Verhältnisse sähen für alle Hauseigentümer, für Hypothekenbanken und Steuerfiskus ganz anders aus, wenn die öfsentliche Fürsorge nicht alles täte, um den Menschen, sowell Umzug, Zusammenziehen und Abvermieten nicht möglich ist, durch ihre Hllfe die Wohnung zu erhalten! Unbeschadet dieser notwendigen Einschränkung wird man sagen können, daß bisher die Lage der Mehrzahl der Wohnungs- gesellschaften gesund geblieben ist, well die Opfer, die der Deutsche für eine gute Wohnung zu bringen berell ist, besonders groß sind und alle Kräfte angespannt werden, um— sowell dies nur irgend erreichbar ist— den Standard der Wohnung aufrechtzu- erhallen. Dazu kommt, daß die große Wanderung?- bewegung von der großen in die kleinere, aber modern aus- gestallete Wohnung, die sich in Verbindung mit den ununter- brochenen Einkommensoerschiebungen vollzieht, den Neubauten not- wendigerweise zugute kommt. Schließlich ist ein wichtiger Faktor die Tatsache, daß die fast voll- ständige Einstellung des Wohnungsneubaues in einer Zeit immer noch relativ zablreicher Eheschließungen erfolgt ist und die Nachfrage dieser Gruppe von Wohnungbegehrenden sich natürlich in erheblichem Umfange auf Neubauwohnungen erstreckt. Soweit daher vorübergehend selbst ein gewisses Leerstehen von Wohnungen eingetreten ist, wird es in Gegenden normaler Beoölke- rungsschichtung nur vorübergehend sein können und keinesfalls das Schicksal der Neubaugesellschaften entscheidend beeinflussen. Selbstverständlich muß jede Verschärfung der Wirtschaftskrise, jede weitere Senkung der Einkommen und Unterstützungen die Schwierigkeiten des Gesamthausbesitzes, also auch der Neubauoer- mieter, steigern und neue Zusammenbrüche hervorrufen. Zusammen- fassend wird man aber doch feststellen können, daß die Errichtung von Wohnungsgroßbauten und ihre Verwaltung in dieser Form sich — unbeschadet selbstverständlicher Einzelfälle des Versagens— be- währt hat und der Typ der Wohnungsbautätigkeit der Zukunft bleiben wird. Der Wohnungsneubau hat sich— im ganzen gesehen— als unerwartet krifenwiderftandsfähig erwiesen und seine Feuerprobe in dieser schwersten Erschütterung des Wirtschaftslebens zu einem erheblichen Teil gut bestanden. Von allen Kapitalfehlleitungen der Aufschwungsperiode 1924— 1930 wird jedenfalls der Wohnungsbau— soweit man sich berechtigt glaubt, ihn zu diesen Fehlleitungen rechnen zu müssen(was Ver- sasser für den größten Teil der Neubautätigkeit unbedingt ab- lehnt!)— die Krise am besten überstehen und noch Generationen heranwachsender Menschen durch die in ihnen ver- wirklichten Gestaltungsprinzipien zum Segen werden' Selbstverständlich wird es jedoch notwendig sein, aus den offen- kundigen Mängeln dieser Bauperiode zu lernen. Weit» gehende Anpassung an die voraussichtliche ständige Kaufkraft breiter Schichten wird immer wichtiger, ein je größerer Hundertteil des gesamten Wohnungsvorrats aus Neuwohnungen besteht. Niedrighaltung der Neben- k o st e n(Heizung, Warmwasser, Herd. Bad) ist ein wesentlicher Faktor für die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit der Mieter in der Krise. Sorgfältige Wahl der örtlichen Lage(Beliebt- heit der Wohngegend, Verkehrsmittel) ist von ott ausschlaggebender Bedeutung. Ausreichende Dotierung des Unternehmens mit veront- wortlichem Eigenkapital wird von der öffentlichen Hand, so- weit sie an der Finanzierung mitwirkt, mehr als bisher zur Voraus- setzung ihrer Hilfe gefordert werden müssen. Auch in der nächsten Zukunft behält das Problem des Klein- Wohnungsbaues feine grundlegende Bedeutung. Die Sa- nierung dermenschenunwürdigen Großstadtslums hat überhaupt noch nicht eingesetzt! Ohne öffentlich« Hilfe aber ist die Produktion von Kleinwohnungen nicht sicherzu- stellen, das haben die positiven und negativen Erfahrungen in allen Teilen der Welt(England, Amerika, Frankreich) gezeigt. Geht man an die Durchführung von Arbeitsbeschaffungspro- grammen heran, über deren finanzielle Begrenzcheit bei der deutschen Kapitalmarktlage und Devisensituation kein Zweifel be- stehen kann, dann dürfte jedenfalls der Wohnungsbau nach den Er- fahrungen der letzten Jahre zu den zweckmäßigsten, relativ rentabelsten und sozialpolitisch dringlichsten Aufgaben nach wie vor gehören. 24 MlliKden öffentliche Verschuldimg. Dafür sind jährlich-1409 Millionen Zinsen zu zahlen. Der letzte Wochenbericht des Konjunkturinstituts gibt Ziffern über Verschuldung und Zinslasten der öffentlichen Hand in Deutsch- land Die Verschuldung von Reich, Ländern und Gemein- den betrug am 31. März 1932 rund 24 Milliarden Mark. Die Zinslasten dafür sind auf rund 1,4 Milliarden Mark jährlich zu ver- anschlagen. Oeffenllich« selbständige Unternehmungen und Zweck- verbände hatten bei einem Schuldenstand von 3,1 bis 3,3 Milliar- den eine Zinslast von 330 bis 330 Milliarden Mark jährlich.-Der gesamte Zinsbetrag beträgt also jährlich ungefähr 1,8 Milliarden Mark oder 30 M. je Kopf der Bevölkerung. Von der gesamten Z i n s l a st entfallen auf die Gemeinden 637 Milliarden Mark oder 37 Proz., auf das R e. ch(trotz einer wesentlich höheren Schuldsumme— Aufwertungsschulden!) 33 Proz., die öffentlichen Unternehmungen 19 Proz. und die Länder 11 Proz. Beim Reich kommen mehr als ein Drittel des gesamten Zinsaufwandes auf alte aufgewertet« Anleihen. Bei der gesamten öffentlichen Hand erfordern die A l t s ch u l d e n(A u f w e r t u n g s- schulden) eine jährliche Verzinsung von rund 239 Millionen Mark oder 17 Proz der gesamten öffentlichen Zinslost. Der Rest von 1,2 Milliarden Mark kommt auf die rund 18,4 Milliarden betragende Neuverschuldung von Reich, Ländern und Gemeinden. Dem Nominalzins nach sind immer noch die Auslands- s ch u l o e n mit 6,2 Proz. am ni adrigsten, die mittel- und kurzfristi- gen Jnlondsschulden mit 6,9 Proz. am höchsten zu verzinsen. Auf d-s letzteren kommt eine Summe von rund 6 Milliarden Mark mit rund 400 Millionen Mark Zinsen jährlich. Der Durchschnitts- Zinssatz der Neuverschuldung betrug 1928 7,1. 1930 noch 7,3, 1931 nur 7,0, 1932 nur noch 6,4 Proz. Die Senkung im Jahre 1932 geht auf Kosten der Notverordnung vom Dezember 19 31, die den Zinssatz herabsetzte. Die Entlastung der öffentlichen Hand durch diese Zinskonoersion ist aber durch die Zunahme der Gesamtverschuldung selbst ausgeglichen worden. Das gilt nicht für die Gemeinden, die für 1932 nur noch 630 Millionen Mark flsgen 730 Millionen 1931 aufzubringen haben, also durch die Zins- senkung um 100 Millionen Mark tatsächlich entlastet worden sind. Wo sieht die Wirtschafi? Das Konjunktminstitut berichtet. Das Konjunkturforfchungsinstitut gibt einen Bericht über den Wirtschaftsverlauf in den einzelnen Industriezweigen, in dem betont wird, daß die Beschäftigung der Industrie in den letzten Monaten nahezu unverändert geblieben ist. Die Ernteerträge werden als„ü b e r d u r ch s ch n i t t- l i ch" bezeichnet. An eine Getreidepreisaufbesserung als Folg« „umfassender staatlicher Stützungsmaßnahmen" glaubt dos Kon- junkturforfchungsinstitut nicht. Hinsichtlich der niedrig liegenden Viehpreise wird eine teilweise Liqidation der seit 1924 wieder auf- gebauten Viehbestände befürchtet. In der industriellen Wirtschaft war während des zweiten Vierteljahrs die Produktionsgüterindustrie saisonmäßig leicht belebt, dagegen die Verbrauchsgüterindustrie, Folge des weiteren Lohnabbaus, weiter abwärts gerichtet. Im Steinkohlenbergbau haben Gewinnung und Beleg- schaft abgenommen; im Braunkohlenbergbau sind dagegen Rohkohlenförderung, Brikettherstellung und die Beschäftigtenziffer saisonmößig gestiegen. Die E i s e n i n d u st r i e war während des zweiten Vierteljahrs 1932 besonders durch die Russenaufträge merk- lich gestützt. Nach Aufarbeitung dieser Aufträge gehen Produktion und Beschäftigung wieder zurück. Dagegen ist die Produktion der Nichteisenmetallindustrie nicht mehr zurückgegangen. In der M a s ch i n e n i n d u st r i e halten sich die Jnlandsauf- träge seit Beginn des laufenden Jahres auf gleicher Höhe; dagegen sind die Auslandsaufträge— Russenaufträge!— gegenüber dem ersten Vierteljahr 1932 gestiegen. In der elektrotechnischen Industrie ist die Beschäftigung im großen und ganzen weiter ge- funken. Die Eisen- und Stahlwarenindustrie kann eine saisonmäßige Belebung des Inlandmarktes verzeichnen. Allerdings muh sie im Export Einbußen in Kauf nehmen. Der Autoabsatz war gering. Die Konkurrenz durch das gebrauchte Fahrzeug ist weiter gewachsen. Schlechte Exportergebniss« liegen auch sür die Papier industrie vor, während der Jnlandsabsatz der papiererzeugenden Industrie angestiegen ist. Der Baumarkt erhielt eine kleine Stütze durch die Siedlungsbautätigkeit und den Umbau von Großwohnungen. Eine verschärfte Anpassung an den verringerten Absatz scheint sich in der Glas-, der feinkeramischen, der Porzellan- und der Lederwaren- und Schuhindustrie zu vollziehen. Die Funkindustrie leidet unter gedrosseltem Export. Für den H o l z m a r k t wird festgestellt, daß sich teilweise der Preisrückgang verlangsamt hat. In der holzbearbeitenden Industrie verharrt die Geschäftstätigkeit aber immer noch auf einem tiefen Stand. Im Einzelhandel ist eine Verlangsamung des Preisrück- ganges festzustellen, die vorerst aber nur auf die Qualstät der Waren drückt. Umsatztätigkeit und Beschäftigung des Handwerks haben abgenommen. Die Saisonbelebung war geringer als im Vorjahr. Inlands- und Auslandsabsatz der T e x t i l i n d u st r i e ver- schlechterten sich. Allerdings hat die Preisbefestigung auf wichtigen Rohstoffmärkten den Druck auf die Lagerhaltung verringert. Pro- duktion und Beschäftigung dürften gegenwärtig den laufenden Konsum nicht decken. Aus diesem Grunde glaubt das Kon- junkturforfchungsinstitut an eine„vorübergehende Belebung". Wenn man das vom Konjunkturforschungsinstitut entworfene Bild auf einen Nenner bringen will, dann muß man feststellen, daß wir über die gewaltigen Kriseneinbrüche hinweg sind. Es sind immerhin Ansätze für eine nachhaltige Wirtschafts- belebung vorhanden. Notwendig wäre es aber, diese Ansätze auszu- bauen. Das könnte man an Hand eines umfassenden Arbeits- beschaffungsprogramms, wie es die Sozialdemokratische Partei in chren Reichstagsanträgen festgelegt hat. Es kommt alles darauf an, ob die gegenwärtige Regierung den Willen hat, die Mög- lichkeiten, die sich für eine Wirtschaftsbelebung bieten, auszunutzen. Krediwerbilligung? Günstige Lage der Reichsbank.- Stärkung des Devisen« Vorrats. Luchers guter Wille zur Kreditverbilligung, dem freilich noch internationale Bestimmungen entgegenstehen(ein Unter» schreiten des jetzigen Diskontsatzes von 8 Proz. ist bei geringerer als 40prozentiger Notendeckung gesetzlich nicht zulässig), wird durch den Reichsbankausweis vom 23. August gerechtfertigt. Di« Rückzahlung gewährter Kredite war wieder recht erheblich: die Ver» flüssigung des Geldmarktes setzt sich augenscheinlich in verstärkter Weise fort. Die Wechselbestände verringerten sich gegenüber der Vorwoch« um 133,6 auf 2779,9, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 20,8 auf 3,8 und die Lombarddarlehen um 14,4 auf 92,3 Millionen Mark. Das sind Tiefpunkte auf den Konten der Kreditgewährung, wie sie für die dritte Monatswoche in den letzten Monaten selten beobachtet worden sind. Die zinsfreien Einlagen der Bankkundschaft auf dem Girokonto haben sich gleich- zeitig um 14,3 auf 333,0 Millionen oermehrt. Der Notenumlauf ist ebenfalls auf einem Tiefpunkt an» gelangt. Er verringerte sich um 126,2 auf 3616,9 Millionen; der Umlauf von Rentenbankscheinen nahm um 7,7 auf 392,4 Mil- lionen ab. Der Gold- und D e v i s e n o o r r a t hat sich wieder erhöht. Die Goldbestände vermehrten sich um 3,0(russische Gold- käufe) auf 763,1. die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 7,0 auf 143,6 Millionen Mark. Die Notendeckung durch Gold und Devisen ist gegenüber der Vorwoche ebenfalls verbessert und zwar auf 23,2 gegen 24,0 Proz. Im gegenwärtigen Augenblick würde eine Diskontsenkung in der Tat die einer Wirtschaftsbesserung günstige Gesamtlage stimmungs- mäßig und materiell fördern. Es wäre zu wünschen, daß Reichsregierung und Reichsbank ihre Verhandlungen mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich(BIZ) bald zu einem gün- stigen, d. h. eine Diskontsenkung zunächst auf 4 Proz. ermöglichenden, Abschluß führen würden. Zum Mitglied des Reichswirtschaftsrates wurde Genosse Josef O r l o p p, Vorstandsmitglied im Gesamtverband, als Nachfolger des Genossen Johann Döring berufen. r*r\ /•"» i nrr- c*» i rv C\ä/Cm i/V7 JsSUNLICHT SEIFE JETZT 27 PF. BLOCKSTÜCK JETZT 23 PF. mm im PF. PACKUNG Tlr.�Oi• 49 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Freitag, 26. August 4932 JRMCAR1) KEUN Mmmmdjm Sie hält es fest in der Hand, ihr kleines Leben, das Mädchen Gilgi. Gilgi nennt sie sich, Gisela heißt sie. Zu schlanken Beinen und kinderschmalen Hüften, zu winzigen Modekäppchen, die auf dem äußersten Ende des Kopfes geheimnisvollen Halt finden, paßt ein Name mit zwei i. Wenn sie fünf- undzwanzig ist, wird sie sich Gisela nennen. Vorläufig ist es noch nicht so weit. Halbsieben Uhr morgens. Das Mädchen Gilgi ist aufgestanden. Steht im winter- kalten Zimmer, reckt sich, dehnt sich, reibt sich den Schlaf aus den blanken Augen. Turnt vor dem weitgeöffneten Fenster. Rumpfbeuge: auf— nieder, auf— nieder. Die Fingerspitzen berühren den Boden, die Knie bleiben gestreckt. So ist es richtig. Auf— nieder, auf— nieder. Das Mädchen Gilgi macht die letzte Knie- beuge. Streift den Pyjama ab, wirft sich ein Frottiertuch um die Schultern und rennt zum Badezimmer. Begegnet auf dem dunklen Flur einer morgendlich unordentlichen Stimme:„Aber Iilgi, mit nackten Füßen aufem eisijen Linoljum! Wirst dir noch'en Tod holen." „Morgen, Mutter", ruft Gilgi und über- legt, ob sie heute ausnahmsweise erst warm und dann kalt brausen soll. Fort mit der Versuchung. Ausnahmen gelten nicht. Gilgi läßt sich das eiskalte Wasser auf die mageren Schultern, den kleinen konvexen Bauch, die dünnen muskelharten Glieder prasseln. Sie preßt die Lippen zu einem schmalen, festen Strich zusammen und zählt in Gedanken bis dreißig. Eins— zwei— drei— vier. Nicht so schnell zählen. Langsam, ganz langsam: fünfzehn— sechzehn— siebenzehn. Sie zittert ein bißchen und ist wie allmoraendlich ein bißchen stolz auf ihre bescheidene Tapfer- keit und Selbstüberwindung. Tagesplan ein- halten. Nicht abweichen-vom System. Nicht schlapp machen. In der kleinsten Kleinigkeit nicht. Das Mädchen Gilgi steht vor dem Spie- gel. Zieht einen schwarzen Wildledergürtel über dem dicken, grauen Wolljumper fest zu- sammen, summt einen melancholischen Schla- gertext, ein Zeichen guter Laune, und be- trachtet sich mit sachlichem Wohlgefallen. Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände— good nihigt, good nihigt... Biß- chen Niveacreme auf die Brauen schmieren, daß sie schön glänzen, ein Stäubchen Puder auf die Nasenspitze. Schluß. Schminken gibt's nicht am Vormittag, Rouge und Lippenstift bleiben für den Abend reserviert. Reich mir zum Abschied noch einmal... Hat was Sympathisches so'n Spiegel, wenn man zwanzig Jahre ist und ein faltenloses. klares Gesicht hat. Ein gepflegtes Gesicht. Gepflegt ist mehr als hübsch, es ist eigenes Verdienst. Tiela— tatieta... Ueberlegender Blick in das nüchtern unpersönliche Zimmer. Weiß- lackierte Betlstelle. weißer Wäscheschrank, ein Tisch, zwei Stühle, friedvolle Blümchentapete und ein harmlos umrahmtes Genrebildchen, das— blaß und reizlos wie ein verlassenes Mädchen— endgültig verzichtet hat, aufzu- fallen. Man hätte ihn schon längst entfernen sollen, diesen sentimentalen Farbfleck. Gilgi hebt angriffslustig den Ann. Läßt ihn wie- der sinken. Ach. wozu? Mutter hat's ihr mal geschenkt, das Ding. Die würde gekränkt sein, wenn man's fortschmisse. Soll's hängen bleiben. Stört ja nicht weiter. Geht einen nichts an, das ganze Zimmer. Man wohnt ja nicht hier, schläft nur in diesem weißen Iungsrauenbett. Reich mir zum Abschied noch einmal die Hän... Drei Paar Waschleder- Handschuhe, zwei Kragen, eine Hemdbluse waschen. Gilgi rafft die Sachen unter den Arm, will ins Badezimmer. Die Tür ist ver- schlössen.„Einen Augenblick, Iilgi, kannst jleich rein", tönt eine rauhe Stammtisch- Männerstimme von innen. Gilgi wandert im Flur auf und ab. Und nur weil sie jetzt im Augenblick gar nichts anderes zu tun hat, denkt sie an Olgas Bruder. Netter Junge. Wie war noch sein Vorname? Weiß sie nicht. Geküßt hat er sie gestern abend im Auto. Heute reist er wieder ab. Schade? Ach wo. Aber nett war es gestern mit ihm. Lange hatte sie nicht mehr geküßt. Es ge- fällt einem so selten einer. Die Jahre der Wahllosigkeit zwischen siebzehn und neun- zehn sind vorbei. Der Junge war nett. Der Kuß war nett. Nicht mehr. Er brennt nicht nach. Gut so. Lärmend öffnet sich die Badezimmertür. Eine runde Gestalt in weißlichem Unterzeug stürzt an Gilgi vorbei und füllt den Flur mit einer Geruchwolke von Kalodermaseife und Pebecozahnpasta. „Morjen, Iilgi." „Morgen, Vater." Gilgi vergißt äugen- blicklich Olgas küssenden Bruder und befaßt sich hingegeben mit Lux-Seifenflocken, wasch- ledernen Handschuhen, Kragen und Seiden- bluse. Reich mir zum Abschied noch einmal die... Eine Viertelstunde später sitzt Gilgi im Wohnzimmer. Urweltmöblierung. Impo- santes Büfett, hergestellt um Neunzehnhun- dert. Tischdecke mit Spachtelstickerei und Kreuzstichblümchen. Grünbleicher Lampen- schirm mit Fransen aus Glasperlen. Grünes Plüschsofa. Darüber ein tuchenes Rechteck: Trautes Heim— Glück allein. Epileptisch verkrampfte Stickbuchstaben, um die sich veitstänzerische Kornblumen ranken. Können auch Winden sein. So was ist mal geschenkt worden. Für so was wurde mal„danke" gesagt. Ueber dem tuchenen Rechteck ein Monumentalbild: Washington. Er steht in einem schwankenden Boot, das sich mühsam einen Weg durch Eisschollen bahnt, und schwenkt eine Fahne von der normalen Größe eines Bettlakens. Bewundernswürdig. Nicht das Bild, sondern Washington. Mach das mal einer nach: in Gladiatorenhaltung, stolz und aufrecht in einem kleinen, stürm- bewegten Boot zu stehen und kühn zu blicken und eine Fahne von der normalen Größe eines Bettlakens zu schwenken. Washington konnte das. A.moriea. for ever. Germanv wants to see you. Deutschland, Deutschland über alles...'Wenn man will, kann man glauben, daß der linealgrade gemalte Washington ein Vertreter deutscher Heldenhaftigkeit ist. Frau Krön glaubt das. Sie hat das Bild geerbt. Washington, Ziethen, Bismarck, Theodor Körner, Napoleon, Peter der Große, Gneise- nau verschwimmen für sie zu einem. Sie weiß von einem soviel wie vom andern, nämlich nichts. Aber das Bild ist patriotisch, und darauf kommt es an. Deutschland, Deutschland...(Fortsetzung folgt.) Friedrich Schleiermacher(1768—1834) /, FL Kolonialwaren Konfitüren Schweinebaucho.B.Ptd 0,68 Hammelvorder- SlerEdenlOliener....... 0,65 Bassin-Reis..... Pfd. 0,16 Gef. Waffeln."jPfd 0,40 �.WRii?�chulterpM'0 74 ü6',5�....... Pfd. von 0.68 3lerBJckelh.lilüt!lberj..0,B5 Italienisch. Reis Pfd. 0,22 Frucht-Toffees V, Pfd. 0,38 S� nerchinkÄS Ka bskamma�., Pfd. 0.52 29e.- Senheimer Ldf.... 1,1 0 Bruchreis........ Pfd. 0.11 Bonbonmischung Sdweinekamm Ka b!koÄ pm"'' 0 M �'��,«1.15 1.75 HartweizengriessP.d.0.24.......■/.Vo.38 und Schuft, O.B.... Pfd. O.SO Gulasch xem!.cht.Pfd 0« RbeinplilLWeismillUr 0,58 Perlsago........ Pfd. 0,32 Knabbermand.■i�id 0X3 Kassler mild, Pfd. von 0,88 Rinderrou|adeF(d v 0i96 Cider ►üsserAp(eiw.,Ur. 0,65 Bruchmakkaroni Ptd. 0.34 Sandgebadcfst..Ptd 0.48 RjÄtf,;.;",«:»:«-«l'ÄfJISto« ISÄfT™"2 SÄKSTnÄSS SSÄÄÄS l.——.1 mit Backe......... Pfd 0,34 Euter........... 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Pfd. 0,66 Schweizer biyr....... Pfd von 0,95 Aherfelute deutsche Markenbutter..„„„....Pfd 1,32 Allerfelnste deutsch« Molkereibuffer..........Pfd 1,28 Molkereibutter........... Pfd 1,06 | Kokosfett oder Margarine..... Sm 0t88 1 Geflügel und Wiid Gänse frisch..., Junge Tauben Suppenhühner frisch, Pfd von 0,68 •Rehblätter.......... Pfd von 0,70 allen Häusern ausser Kettbuser Dom«, Brunnenstrasse, Andreassfrasse Pfd von 0,75*Wildkochfleiseh....Pfd von 0,24 Stück von 0,58'Spiesserblätter.... Pfd von 0,58 •Spiesserkeule...... Pfd von 0,84 •Spiesserrücken.... Pfd von 0,80 Wolgahiihnern SS gefroren......... Pfd von WjWl« Enten gefioren.,,. Pfd von 0,65 Toilette- u. Hausseifen Hochfeine Toilette-Seife giosses Badesiück 0,25 4 Stück 0,95 Kernseife garantiert reine, hell. gelbe BlegeL 2 Pfd. Frischgewicht 0,45 Lieget, 1 Pld Frischgewicht 0,23 reine weisse. lose � Seifenflocken ansffewog„ Pfd 0,45 Hertia Blütenweiss vorzügliches seUsiutigesWasoh- pulver 1 Paket 0,25 3 Pakete 0,70 Salmiak- Terp.-Seifenpulv.„ 3 Pakete 0.35 Scheuertücher m � � starte Qualitäten..,. Stück 0,20, 0,25 Tiebz Mtals Ife incaler staatsoper unter den Linden WiedcTbeglnn der Spielzeit Donnerstag, 1. September, ZOUhr s Slziiianisciie Vesper Dirigent: Kleiber de Strozzi. Rnziczk«, Wlttrisdi, GroBmann, List, Abendrotb Beginn des Vorverkaufs: Sonntag, 2l August, bei den bekannten Verkaufsstellen. StaatiiGhes Schauspielhaus Wiederbeginn der Spielzeit Sonnabend, 27. Angnsi, 20 Uhr: E g m o n I Otto, Franck, KoppenhAfer, MQtbcl, Belke, Mlnettl Beginn des Vorverkaufs: Sonntag. 21, August, bei den bekannten Verkaufsstelen im ÄEetten is» Eiderb., Polster, CbaieeL. an Jeden. TeüjL taloc frei. Beenmfib�labrik Sold CTbaad $täfU.Oper Charlottenburg flismarckstraSe>4 Freitag, 26. August Turnus i Die Banditen Pfahl, Eisinzer, BurgwiDkel. Lingena G, Kandl, Nikolaiewa a.G., Egenlauf Anfang 20 Uhr ende gegen 23 Uhi Schiller Crroimausir. 70/71 StcinpL(0 l) 6715 Ab L September tügllch. 8 Ohr ,,Oie versunkene Glocke" zur F eier d. TO.Ge- burtstsgec von Serhart Hauptmann oasm Tlgi.su.lv>Uhr LUCILLE PAGE Clalre Waldofl us«. —Theater im— Aflmlralsiia asf Täglich 8% Uhr Bitta älpar Katharina PI*ZA ■Ue Schlei. IM. 5i.Si»,Stji,2,5,8iäS. BdshirlMsu eilerg.: Kabalen. Liebe meateriLWestens Täglich 8>/. Uhr Ridiam Tauber Dreiraäderl- baus W.nte,, Garten dinns. Flora 3434. Baainn tri. soonaiiBnö n. Sonniao|e 2 Vnrsitllg. 4 n. 6.15 Uhr. 4 Uhr klein» Preise Remos Comp., Vier Richys Mayo's, Sealtiel, Levanda usw. ... nngetrtble Frende von der ersten b. znr letzten Nummer... W. a. A. 4. a BETRIEB.<»4 KEMPINSKlU.5 Rose- Theater Inli Fmkfirtu llnti 132 Iii. Iildnil E 1 3422 8J0 Uhr Herzdame GartenbUhne 5.30 Uhr KoiuertB.VBrietO frUllngsiatt soinmenrisciie Im Westbari, Geblrgsg.(Bahnst). Gäste finden frdl. Aufnahme u. beste Verpfl.(norddtsch Küche) Pensionspr 3,25 M, fünf Mahne, keine Nebenkosten Karl Koch, Harriebaasen 103 bei Seesen. Parteigenossen stnbeit TKunbLHufn., reichl. Verpflegung öMuhUetten. M 3.— p Tdg(Sutten, Siege. wiese birelt u Huuse. Sthminrntbub; nahe Dolo unb Bahn Gustav Zickfeld Bcrrteh lesen(Ben) bei Sees«. »v.uhr CASIHO- THEATER-üv»» Lothringer 5 trage 37. IIIMIKHtlllHUnilMMMMIilHIIIIIII Berlin kann wieder lachen) Jlnnemarie da« kleine Tanzm&del Volksoperette.— Musik von Gilbert Vorher ein bnnter Teil. Preise 0.30 M.t 0,75 M. und I,— M. Jeden Stj. nedm. 4 Dhr die gerne Innig, n kl. Pr. Setuflen, tummt an den Rhein! Pension Basquit Bacharach a. Lb., Auf der Mauer Sanze Pens. 4.— M. Päd im Hause Bim. m. Ariihst. 2.25 M. 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