BERLIN Freitag 26. August ISZ2 Redaktion u. Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.Z Tel. A7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis f ü r b e i d° A u s g a b- n 75 Pf. pro Woche, 8,25 M. pro Monat(davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 8,87 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebühren. Anzeigenpreis: Sie Ifplt. Willi. meterzeile SO Pf. »i« Rellamezeil« tostet 2 Wart. Rabatten. Tarif. 10 PI Nr. 402 B 196 49. Jahrgang F Vsiiinliellsz fi'eisiei'-niesiei' �llslkmlnislvnllm MMN VUIPiVSstUSst Ii« Al1>M-a««I>«8« Tas preußische Justizministerium gibt bekannt: Ter Vorsitzende des 19. Ausschusses des Preußischen Landtages hat mit Schreiben vom 21. August dem preußischen Justizministerium die Einberufung des � Ausschusses zum 2. und 3. September nach V e u t h e n zur Nachprüfung des Verfahrens vor dem Tvndergericht bei dem Landgericht Beuthen in Zachen Rottisch und Genossen mitgeteilt und u. a. um Ueberlassung deS Schwurgerichtssaales in Beuthen, um Bereitstellung der Verurteilten zur Vernehmung vor dem Ausschuß und um Aus- händig ng der Akten des Strafverfahrens ersucht. TaS preußische Justizministerium hat mit Schreiben vom 2K. August an den Vorsitzenden des Ausschusses er- widert, daß es aus rechtlichen Gründen nicht in der Lage sei, dem Grsuchcnzu entsprechen. Tic Nach- Prüfung des Verfahrens beim Sondcrgcricht in Beuthen in Sachen Rottisch und Genossen würde eine Ausdeh- n u n g der dem Ausschuß vom Landtag übertragenen Auf- gaben bedeuten, zu der der Ausschuß nicht befugt ist. GS komme hinzu, daß die angekündigte Untersuchung einen Gingriff in die Unabhängigkeit der Gc> richte bilden würde und daher im Hinblick auf Artikel 192 der Reichsvcrfassung unzulässig sei. Nazi-Negierung in Thüringen. Oer Drang zur Machtkrippe. Weimar, ZK. August.(Eigenbericht.) Am Areitagvormittag hat der neugewählte Thüringer Landtag eine neue Regierung gewählt. Die Nationalsozialisten haben den Landbündlern. wie aus einer Erklärung des Londbundführers hervorgeht, einen ZNinister und zwei Staatsräte angeboten. Die Landbündler haben das Angebot jedoch abgelehnt und wollen den Nationalsozialisten die volle Verantwortung für die Regierung überlassen. Der Landbund entsendet nur einen Vertreter als Staatsrat in die Regierung. Als vlinister wurden gewählt: der Gauleiter der Nationalsozialisten für Thüringen Abg. S a u ck e l als Znnenminifter. Abg. w ä ch t l e r(Natsoz.), Volksschullehrer, als Volksbildungsminister. Abg. VI a r s ch l e r(Natsoz.), handlungs- gehilfe, als Finanz- und wirtschaslsminister. Als Staatsräte wurden gewählt: Abg. Dr. Weber(Natsoz.). Landgerichtsrat in Weimar, der ehrenamtlich das 3ustizminislerium verwallen soll: Abg. Zunghans(Natsoz.), Landwirt: Amtsgerichlsrat Dr. Meister(Natsoz.) und der hauptgeschästssührer des Landbundes M a ck e l d e i. Die Wahl crsolgle mit den Stimmen der Nationalsozialisten, Deutschnationalen und Landbündler. Der Volksparteiler wihmann enthielt sich der Stimme. Sozialdemokraten und Staats- Partei stimmten dagegen. Die Kommunisten fehlten, weil sie ausgeschlossen sind. Oer Weg ins Dunkle. Papen reist nach Neudeck. Die Eindringlichkeit, mit der gerade die Zentrumspresse vor Verfassungsexperimenten warnte, läßt den Ernst der Lage erkennen, in die unser Land von unverant- wortlichen Kräften hineinmanövriert worden ist. Die politi- schen Klubisten, die heute in hoher Politik geschaftlhubern. wissen freilich nicht genug der Ratschläge zu erteilen, um auf jeden Fall zu einem Verfassungsbruch mit allen möglichen Konsequenzen zu treiben. Besonders geschäftig ist dabei das Organ der Schwer- industrie in freiwilliger Gefolgschaft Hitlers, die„DAZ.". Sie gibt immer neue Tips, wo zuerst der Meißel angesetzt werden müsse, um das Mauerwerk der Verfassung zu zertrümmern. Jetzt weiß man zu berichten, daß Herr von Papen am Mon- tag nach Neu deck in Ostpreußen fahren wird, um mit dem R e i ch s p r ä s i d e n t e it zu konferieren. Er soll, so wird versichert, vom Reichspräsidenten sich das Dekret zur Auflösung des Reichstags unterzeichnen lassen. ganz als od dieser Kanzler, ohne vom Reichstag anerkannt zu werden, überhaupt ein sachliches Recht— wir reden nicht vom formalen— zur Auflösung des Reichstags hätte! Reben dem Auflchungsdekret will sich Papen— wenn Wirtschafts-Experimente Vor schwerwiegenden Eingriffen der Regierung Das Reichskabinett wird im Laufe des heutigen Tages in Dauersitzungen das Wirtschaftsprogramm verabschieden, das Herr von Papen am Sonntag in einer program- matischen Rede vor den westfälischen Bauernvereinen ver- künden will. Allen bisherigen Verlautbarungen nach sind in dem Wirtschaftsprogramm Maßnahmen einschneidend st er A r t vorgesehen. Nicht allein auf dem Gebiete der Arbeits- beschaffung, sondern auch im Tarifwesen, dem Arbeitsrecht und nicht zuletzt auf finanz- und handelspolitischem Gebiete sind schwerwiegende Eingriffe in das Wirtschafts- leben zu erwarten. Wir fragen: Woher nimmt das Kabinett Papen die Berechtigung, noch jetzt ein wirtschaftspolitisches Pro- gramm umfassendster Art aufzttftellen? Dieser Regierung, die sich nur auf eine hauchdünneSchicht des Besitz- bürgcrtums stützt, wird in wenigen Tagen von der überwältigenden Mehrheit der Volksvertretung das Miß- trauen ausgesprochen werden. Das Kabinett Papen maßt sich die Durchführung einschneidendster wirtschaftspolitischer Maßnahmen an, es hat aber nur noch eine einzige Aufgabe zu erfüllen: sich dem Reichstag zu stellen und abzutreten. „Kommissar sür Arbeitsbeschaffung." Im Zusammenhang mit der Unterredung, die am Donnerstag führend« Persönlichkeiten des Reichsvcrbandcs der Deutschen I»- dustrie mit dem Reichskanzler hatten, berichtet der„Berliner Börsen- Courier", daß man entgegen den ofsiziellen Versicherungen, daß kein Rückfall in planwirtschaftliche Tendenzen zu erwarten sei, in Kreisen der genannten Wirtschastsführer offenbar gegenteilige Befürchtungen habe. Das Blatt fährt fort:„Es verlautet, die Regierung erwäge, das große A r b e i t s b e j ch a f f u n g s p r o g r a m m, das Land- rat Dr. G e r e k e, der zum Reichskommissar sür Arbeitsbeschassung ausersehen ist, entworfen hat, entweder durch eine drei- prozentige Vermögensabgabe oder durch eine drei- prozentige Zwangsan leihe zu finanzieren. Auf der Grund- läge von zusätzlichem Geld soll die Wirtschaft in einem solchen Maße angekurbelt und steucrkräftig gemacht werden, daß infolge der zu erwartenden starken Geldrückflüsse zur Reichsbank und zu den Staatskassen keine Jnslationsgcsahr entstehen würde." Von zuständiger Stelle wird darauf hingewiesen, daß über den Inhalt der Besprechungen zwischen dem Reichskanzler und den In- dustrieführern völliges Stillschweigen vereinbart worden ist. Aus der Meldung des„Börsen-Courier" könnten daher keinerlei Schlüsse auf den Gang der Besprechungen oder aus die Pläne der Neichsregicrung gezogen werden. Hansestädte gegen Reichsregierung. Autartiepläne gefährden die Wirtschast. Hamburg, 26. August.(Eigenbericht.) Die h a n s e st ä d t e machen gegen den Autarkiekurs der amtlichen deutschen Wirtschaftspolitik scharf Front. A>n Donnerstag trat das Präsidium der Hamburger Handelskammer zusammen, unr gegen die Wirtschaftspolitik des Reiches Stellung zu nehmen. Die Bremische Handelskammer hat bereits in ausführlichen Darlegungen gegen die Autarkiepolitik, die Wirtschaft, Handel und Schiffahrt gefährde, protestiert. Für heute ist der„Ehrbare Kaufmann", die Gesamtorganisation der Hamburger Wirtschast, die sonst nur Ende des Jahres zusammentritt, zu einer außerordentlichen Protestoersammlung einberufen. die freiwilligen Moniteure des Verfassungsbruchs recht haben — sogar Vollmachten für eine Wahlreform von Hindenburg geben lassen. Man kann nur annehmen, daß diese Mitteilungen keinen sachlichen Untergrund haben. Denn die Verantwortung, die die Regierung mit der Ausführung solcher Pläne übernehmen würde, ist so groß, daß sie alle Folgen einschließen würde. Aufgepaßt, Herr Schleicher! Nationalsozialisten drohen papen mit der Reichswehr. Der nationalsozialistische„Westdeutsche Beobachter" ver- öftentlicht unter der Ueberschrift„Papen, der Eremit" einen Auftatz, in dem u. a. ausgeführt wird: Herr von Papen dürfte sich doch darüber klar sein, daß es in Deutschland nur zwei starke Aktiva für die politisch« Gestaltung der Zukunft gibt: den Nationalsozialismus und die Reichswehr. Vor dem Volke und der Geschichte hat es Herr v. Papen zu verantworten, daß er im entscheidenden Augenblicke den Ruf der Nation nicht gehört hat und die beiden Mächte, die zusammengehörten, wenig st ens vorübergehend, in zwei Lager trennte. Die Gründe dieses Vorgehens mögen vielgestaltig sein, sie operieren aber wieder mit der stagnierenden Au- torität des Reichspräsidenten und leugnen die blut- vollen Gesetze des deutschen Werdens. Es ist unmöglich, daß Herr v. Papen die Entwicklung zum neuen Staat hindert, er kann sie nur aushalten. Denn die Wasser zwischen Nationalsozialismus und Reichswehr waren ohnehin nie tief. Es werden eben andere Wege beschritten werden müssen, um das Recht des Nationalsozialismus auf die Macht in Deutschland erneut anzumelden.... Wer, wenn nicht die Nationalsozialiste», hat den Weg, der zum 20. Juli führte, mit seinem Blute gedüngt? Hinter dem Hauptmann, der die roten Machthaber aus ihren Aemtcrn vertrieb, stand unsichtbar die gewaltige braune Armee Hitlers. Das war vor Tische: noch Tische las mans plötzlich anders. Wer wollte es also Hitler verdenken, den Weg zur Macht mit neuen Bundesgenossen, die sich seiner Führung unter- werfen wollen, erneut zu beschreiten.... Soviel steht jedenfalls fest: Herr v. Papen geht einen schweren Gang, dessen Ende vielleicht näher liegt als es in feinen Träumen schien. G r o e n e r hat die nationalsozialistische Zersetzungs- arbeit in der Reichswehr bekämpft und die SA. verboten. Schleicher hat das Verbot der SA. wieder aufgehoben und durch feine freundschaftlichen Verhandlungen mit R ö h m und Hitler den Eindruck hervorgerufen, als sei die Unter- stellung der Reichswehr unter nationalsozialistisches Partei- kommändo ein Frage der nächsten Zeit. Folge davon ist, daß jetzt öftentlich durch die Presse der vom Reichspräsidenten er- nannten Regierung mit einer Meuterei der Reichs- wehr gedroht wird! Dafür also muhte Groener fallen? Wäre Groener schadenfroh, er könnte sich über den Er- 'folg der Schleicher-Politik die Hände reiben. Aber die Dinge sind doch zu ernst, um bei einem verantworttingsbewußten Mann solche Gefühle aufkommen zu lassen! Popens programmrede. pariser Voraussagen. Paris, 26. August.(Eigenbericht.) Die Sonntagsrede des Reichskanzlers in Münster, in der die Beschlüsse des Kabinetts bekanntgegeben werden sollen, wird i>- Paris mit großer Spannung erwartet. Man glaubt, der Kanzler werde in dieser Rede, mit der er weiter seine Methode, den Reichs- tag durch den Rundfunk zu ersetzen, befolge, nähere Auskünfte über seine außen- und innenpolitischen Absichten geben. Außenpolitisch erwartet man vor allem Aufklärungen über das Reichswehr- Programm. Jnnerpolitifch glaubt man voraussehen zu können, daß von Pape» sich immer mehr auf Diktatur einstelle. Auf die Dauer, so meint der„Petit Parisien", könne umnöglich die Exekutive ewig mit der Legislative Versteck spielen. Man werde den Rubikon überschreiten und der Verfassung Gewalt antun. Der Versuch, das Wahlgesetz und die Verfassung durch U r a b st i m» mung zu ändern und den neuen Reichstag wieder aufzulösen, verlängere lediglich die Sackgasse, bringe aber keinen Ausweg. Der„Matin" glaubt in der Tasache, daß Staatskommissar Bracht jede Rechenschaftsablcgung über seine Geschäftsführung vor dem Preußischen Landtag ablehne, einen Beweis dafür zu sehen, daß die Diktatur in Deutschland bereits eingerichtet sei. „Ende der Gtaatsautorität!" Mord und Mörderverherrlichung in der nationalsozialistischen presse. „Das Ende der S t a a t s a u t o r i t ä t", so über- schreibt die nationalsozialistische„Pommersche Leitung" ihre Betrachtungen über die Vorgänge in Beuchen. Man wird ihrem Urteil— wenn auch aus anderen Gründen— vollkommen zustimmen müssen, wenn man sieht, wie sich die nationalsozialistische Presse tagtäglich mehr in eine hysterische Verherrlichung der Beuthener Mörder hineinsteigert. Da schildert z. B. ein Journalist, dem man Gelegenheit zum Besuch in den Mörderzellen gegeben hat, in der„Natsoz. Korresp." seine Eindrücke in der folgenden Weise: Im Vordergrund die große bange Frage: „Was wird denn nun?"—„Männer, macht ihr euch etwa Sorgen?"— Da schnellen sie von den Sitzen hoch und fassen mit strahlenden Mienen an die Taschen:„Nein, Herr Professor(gemeint ist der Rechtsver- treter), Sorgen machen wir uns keine!" Und das sollen„Mörder" sein? Prächtige Kerls, diese SA.- und SS.-Männer. Einer wie der andere stramm und stark, treu und ungebrochen. Freude und Wehmut zugleich rieselt dem Besucher über den Rücken. Das sollen Mörder sein, diese wackeren Männer? Das sollen Blutbestien sein, die aus feigem Uebermut und reiner Mordlust den polnischen Insurgenten Pietrzuch umlegten? Nein und abermals nein! Sie sind sich keiner Schuld bewußt und freudig bewegt, wie Kinder bei einer Bescherung, lassen sie sich Liebesgaben, Blumen, Zigaretten und Eßwaren in die Hände drücken, verbeugen ssch dankend, rütteln und schütteln die Schultern der Besucher und sind curf geweckt, bis wieder eine Kunde kommt, die alle Heiterkeit durch harten Schlag oerscheucht. kommen wir aber nun bald los?" „Abwarten, Jungens!" Sie schlagen befehlsgemäß die Hacken zusammen.„Zu Befehl, sawohl, wir warten!" Das Ziel dieser Propaganda ist nicht nur Erlaß der Todesstrafe, sondern Freiheit von jeder Strafe. Ganz offen proklamiert Alfred Rofenberg im„Völkischen Beobachter" das Recht auf Mord, indem er schreibt: Als der Weltkrieg ausbrach, fiel der französische Pazifist Zaukes durch ein Attentat. Der Mörder wurde später vom Gericht frei- gesprochen. Unseren objektiven Zurislen standen die Glatzen zu Berg« ob dieses..Skandals". Frankreich aber hatte in seinem Lebensinteresse gehandelt. Die Internationale der nationalistischen Mörder mar- schiert. Während wir uns in unauslöschlicher Liebe und Ver- ehmng vor dem Andenken des großen Sozialisten und Menschenfreundes Iaurös verneigen, drückt Alfred Rosenberg dem Vieh Villain den Kranz auf das Haupt. Sie find ein- ander wert! Spionageprozeß in Berlin. Zuchthausurteil im Kammergericht. Die Justizpressestelle teilt mit: Der erste Strafsenat des Kammergerichts verurteilte den polnischen Staatsangehörigen Bruno K n i b b a wegen versuchten Verrats militärischer Geheimnisse zu- gunsten Polens zu vier Jahren Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit der Polizeiaufsicht. Knibba hatte versucht, geheimzuhaltende Nachrichten über die Grenzverhältnisse zu sammeln, um sse an die polnische Nachrichtenstelle weiterzuleiten. Bluttat im Grunewald. Erst die Freundin getötet, dann Selbstmord. Eine furchtbare Bluttat spielte sich in den frühen Morgenstunden gegen 4 Uhr auf der Heerstraße an der Ecke der Rominlener Allee im Grnnewald ab. Dort erschoß der ZZ Zahrc alte Kaufmann Herbert Kohn aus der Aschassen- burger Straße seine Braut, die 2S Zahre alle Hildegard Marx, und brachte sich dann selbst einen tödlichen Kopsschutz bei. ver Vorgang wurde von eiuem Passanten, der die Heerstraße heraufkam. beobachtet. Es spielte sich jedoch all?s so blitzschnell ab. daß der Mann die Tat nicht mehr verhindern konnte. Der Passant, ein Kaufmann aus Spandau, kam zu dieser Zeit über die Heerstraße. Zn einiger Entfernung sah er. wie flch— dicht an der Ehaussee— ein junges Mädchen ins Gras legte und gleich daraus ihr Begleiter, ein Mann ausgangs der Zwanzig, neben ihr niederkniete. Zm nächen Moment zog der Mann eine Pistole und richtete den blinkenden Laus aus dem Kops des Mädchens. Der Augenzeuge des Borgang», der sich da abspielte. ahnte Entsetzliches und eilte herbei. Es war aber schon zu spät. Ein Schuß krachte und dos Mädchen sank zurück. Dann richtete ihr Begleiter die Pistole auf sich und schoß sich eine Kugel in den Kops. Beide waren sofort tot. Der Kaufmann alarmierte jetzt die nächste Polizeistalion. von der sich sofort einige Uniformierte und auch Kriminalbeamte an den Tatort begaben. Ein hinzugerufener Arzt tonnte nur noch den Tod konstatieren. Aus vorgefundenen Abschiedsbriefen geht her- vor, daß der Mann das Mädchen mit seinem Einverstäitdnis getötet hatte. Das Motiv zu dem nächtlichen Drama dürfte Liebeskummer sein. Der bisherige Aufenthaltsort des Mädchens ist noch nicht bekannt. Man vermutet, daß sie von außerhalb zugereist war. Bei dem toten Mann handelt es sich um eiüen 3S Jahr« alten, in London geborenen Herbert Kehn,«inen englischen Staatsange- hörigen. Die Leichen wurden beschlagnahmt und in» Schauhaus gebracht. Sieben vor Linier Anklage des Landfriedensbruchs und versuchten Totschlags Das Berliner Sondergericht begann heute unter starkem Andrang die auf zwei Tage angesetzte Ver- Handlung wegen des Feuerüberfalls auf den Polizeiober- Wachtmeister Kottowski, der am 16. August in der Weißenburger Straße verübt wurde. Wegen Land- friedensbruchs und versuchten Totschlags haben sich sieben Angeklagte zu verantworten, und zwar der Zljährigc Arbeiter Walter Püfchel, der ftsijährige Steinsetzer Arthur R e i ch a r d t, der LSjährige Arbeiter Arthur K o p p e r, der ZSjährige Kaufmann Pabst, der 41jährige Arbeiter Paul Kurt, der 24jährige Fensterputzer Josef H o l z e r. der öster» reichischcr Staatsangehörigkeit ist und nur besuchsweise sich in Verlin aufhielt, und der 26 Jahre alte Arbeiter Werner K l ü h. Von den Angeklagten, die von Justizrat Dr. Johannes Werthauer und Rechtsantvalt Markus« ver- teidigt werden, sind Püschcl, Rcichardt, Kopper und Klüh bereits wegen politischer Vergehen vorbestraft. Sämt- lichen Angeklagten wird öffentliche Zusammenrottung und Aufruhr zur Last gelegt, Püschel, Reichardt und Kopper außerdem versuchter Totschlag und Vergehen gegen die Schußwaffenbestimmungen. Am 16. August versah der Polizeioberwachtmeister K o t t o w s k i vor einem nationalsozialistischen Derkehrstokal in der Weißen- burger Straße 67 Dienst. Gegen Yil Uhr sammelte sich nach Darstellung der Anklage plötzlich«ine Gruppe Kommuni st en. Als der Beamte das Uebersallkommando alarmieren wollte, traten ihm zwei Kommunisten in dem Vorganen eines benachbarten Lokals entgegen, griffen ihn an und schlugen auf ihn ein. Der Be- amte gab daraufhin einen Schreckschuß ab, worauf aus der Menge auf ihn 20 bis 30 Schüsse abgefeuert wurden, die fast sämtlich fehlgingen, nur einer durchschlug das Hosenbein des Be- amten, ohne ihn jedoch selbst zu verlegen. Die heutige Verhandlung begann mit der Vernehmung des Hauptangeklagten Püschel, der die ihm zur Last gelegten Straftaten bestritt und behauptete, von der entgegengesetzten Seite der Straße gekommen zu sein, wo sich nicht die Demonstranten befanden. Er selbst habe plötzlich 3 Meter von sich entfernt einen ihm unbekannten Schützen gesehen, der mehr- mals aus einer Pistole feuerte. Aus Angst, selbst getroffen zu werden, sei er in das dem nationatsoziaiistischen Lokal gegenüber- liegende Haus Weißenburger Str. 20 geflüchtet, wo er später fest- genonnnen worden sei. Der Angeklagte erklärte im übrigen, daß er nicht Mitglied der KPD. sei, sondern lediglich mit ihr sympathisiere. Vors.:„Haben Sie gewußt, daß am 16. August überall in Berlin auf Veranlassung der KPD. Demonstrationen statt- sinden sollten?" Angeklagter: Nein, das habe ich nicht ge- wüßt, erst nach meiner Verhaftung habe ich davon ersahren. Ich wußte auch nicht, daß eine„Antifaschistische Kampswoche" angesagt war." Weiter bekundete Püschel, daß er sehr zurückgezogen lebe, und nur wegen der großen Hitze an dem betreffenden Tage die Wohnung verlassen habe. Vors.:„Haben Sie mit Kopper und Klüh, die in dem gleichen Hausflur wie Sie festgenommen wurden, gesprochen und etwa gesehen, daß Klüh bereits ein« Schußoerletzung hatte, und daß ihm Kopper gerade einen Verband anlegen wollte?" A n- geklagter:„Nein, ich habe mich gar nicht darum gekümmert und auch nicht gesehen, was Klüh für eine Verlegung hatte." Im übrigen versicherte der Angeklagte, daß er noch nie eine Pistole in der Hand gehabt oder besessen habe. Er sei als Kind ein Iahr erblindet gewesen und könne auch heute noch außerordentlich schlecht scheu, also gar nicht sch'.chen. Vors.:„Sie haben aber früher bekundet, daß Sie inmüten der Schützen gestanden hätten und heute behaupten Sie das Gegenteil?" Angeklagter:„Das muß ein Hörfehler bei der Vernehmung gewesen sein." Der zweite Angeklagte Reichs rdt, der Funktionär der Roten Hilfe ist, b e st r i t t ebenfalls, sich an der Demonstration und an der Schießerei beteiligt zu haben. Der Angeklagte K o p p e r bekundete, zu der fraglichen Zeit überhaupt nicht auf der Straße, sondern gerade bei seinem Schwiegervater zu Besuch gewesen zu sein. Der Angeklagte Pabst behauptete, ebenfalls nicht demonstriert zu haben, er betätige sich überhaupt nicht politisch. Er will in die Menschenmenge hineingeraten sein, als bereits die Schießerei im Gange war, worauf er in das Haus Weißenburger Str. 21 geflüchtet sei. Hier habe er einen Verletzten Kommunisten vor- gefunden, dem er einen Verband anlegte. Auch P a b st bestrick jede strafbare Handlung. Gieinwürfe auf das Gondergenchi. Gegen 11 Uhr nachte ereigneten sich am Neuen Kriminalgerichts. gebäude in Uloabit, in dem seit drei Tagen das Sondergericht ver- handelt, politische Ausschreitungen. An der Ecke der Rathenower und Turmstrahe wurden gegen das Gerichts- gebäude zwei faustgroße Steine geschleudert, die zwei Fenster- s ch e i b e n im Erdgeschoß zertrümmerten. Die Wurfgeschosse waren in weißes Papier eingewickelt, aus dem die Worte standen:„Nieder mit den Sondergerichten. RFV. lebt." Die Täter, die aus Fahrrädern an dem Kriminalgerichl vorbeifuhren und dabei die Steine warsen, sausten nach der Tat wieder davon und konnten vor Ankunft der im Gebäude stationierten wache in der Dunkelheit unerkannt entkommen.— Sonst blieb es In der ver- gangenen Nacht in Verlin im allgemeinen ruhig, und es wurden nur sieben Personen wegen geringfügiger politischer Delikte Zwangs- gestellt. Verfahren gegen Reichsbanner Geheime polizeiliche Ermiitelungen im Gange Die„Berliner Bolkszeitung" veröffentlieht heule ei« Geheimschreiben des Polizeipräsidenten von Berlin an alle preußischen Landeskriminalstellen, das dazu an- getan ist, größtes Aufsehen zu erregen. In dem Schreiben erklärt der Polizeipräsident, daß ihn der Herr Minister des Innern beauftragt habe, für das ganze Staatsgebiet über das Reichsbanner zu berichten. wir geben im folgenden die wilteilungen im Wortlaut wieder: Die Berichterstattung über die Reichsbanneroerhältnisse soll nach vorgeschriebenen Richtlinien und bis spätestens zum S. September erfolgen. Bei sämtlichen Namensnennungen sind, wenn irgend möglich, die genauen Personalien und die Wohnung an- zugeben. Reichstags- bzw. Landlagsabgeordnele find besonders zu bezeichnen." Dann folgen die Richtlinien, in denen ousgeforderl wird, über die Grenzen der einzelnen Gaue, Kreise, Ortsoereine. Bezirke. Ab- teilnngen. Kameradschaften, hammerschasten und über die Bildung»- arbeit zu berichten. Znsbesondere sind die Vorsitzenden und Führer, Kassierer und Schrisisührer, Sekretäre, Schuhsportleiter, Zugendleiter mit Straße und Hausnummer namhaft zu machen! Zn den Ortsvereinen sind die Führer des aktiven Reichsbanners zu ermitteln, serner die Zahl in den einzelnen Bereinen und die Stärke der Schuhformationen, ihre Ausrüstung(Unisorm, wassen, Spaten usw."). Die Lager etwa vorhandener Veileidungsdepots und ihre Bestände sind anzugeben.„Sind die Schuhsormotionen militärisch organisiert?" Und weiter wörtlich: „Sind Waffenlager bekannt: g. f. sind für diese Genehmigungen erkeilt(Depotscheine)?(Anzahl und Art der Waffen.) Sind Spezialsormaiionen vorhanden?(Rad-, Srasi- fahrer, Flugzeugführer. Sauikäker. Aerzte, Nachrichten- dienst.)" Besonderes Znteresse zeigt Herr Bracht für die hammerschaften. hier werden die Fragen bis ins kleinste aufgegliedert: „Zn welchen Betrieben bestehen hammerschaften? Ausbau der hammerschasten. Stärke der einzelnen hammerschasten. hammerschaslssührer. welchem Arbeiterverbande gehören die hammerschasten an? Bestehen Beziehungen zwischen hammerschasten und kommu- nistischen wehrorgaoisotioneu? Am interessantesten sind die beiden letzten Punkte der in dem Schreiben aufgeführten Richtlinien: Sie lauten wörtlich: „lX. a) Zahl der gegen wilglieder des Reichsbanuers in der Zeit vom 1. Znni bis ZI. August d.?. eingeleiteten Strafverfahren und der erfolgten Berurteilungen wegen 1. unbefugten wasfenbeiitzes, 2. B erbrechen und Vergehen wider da» Leben. 3. Widerstand gegen die Staatsgewalt. 4. verbrechen und vergehen wider die öffenttich« Ordnung. b) Anzahl der Fäll«, in denen auf Grund des s 17 der ver- arduung des Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 17. Znni 1932 gegen Mitglieder des Reichsbanners in der Zeit vom 1. Zuni bis 31. August d. Z. verhängt worden ist. X. Besondere Beoba6)lungen(insbesondere über die Einheit». sronibestrebungen)." * Dieses Geheimschreiben des Berliner Polizeipräsidenten wirst ein grelles Schlaglicht ouf den neuen Kurs, der unter den Kommissaren in Preußen gesteuert wird. Schon fest Wochen entwickeln gewisse Regierungsstellen einen verdächtigen Eiser gegen das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und mit dem Geheimschreiben des Herrn Welcher werden jetzt Hochnot- peinliche Verhöre der Organisation angefordert, die überhaupt leine vereinsrechtliche Grundlage besitzen. Will der kommissarische Innenminister Dr. Bracht das Reichs- banner in Preußen etwa unter Ausnahmebehandlung stellen? Ader sind die gleichen Fragebogen auch für den Stahl- Helm und die Sturmabteilungen der Nazis vorge- gesehen? In einem solchen Fall müßten die Auskünfte allerdings sehr interestantes Material zutage fördern, denn die militärisch auf» gezogene SA. und SS-, die heute nicht einmal mehr getarnte Aus» bildungskurse für Gaskampf und Hebungen am Maschinen» g e w e h r— wie kürzlich auf Gut Harnetop— abhält, würde die Fragesteller zweifellos befriedigen. Kann doch die SA. nicht nur mit Stolz auf spezialisierte Stoß- trupps, auf ausgebildete Bomben- und Hondgranatenwerfer, auf motorisicrie Transport- und Streiftommandos, sondern sogar aus Fliegerstaffeln hinweisen. Bei dem Reichsbanner, das niemals seinen Charakter als eine ausgesprochene republikanische Schutzarganisation verleugnet hat, wird Herr Bracht weder bei der Wasfcnsuche noch bei der„Eni- hüllung" militärähnlicher Organisation Glück haben. Er würde der staatlichen Autorität einen ungleich größeren Dienst er- weisen, wenn er sich mst dem gleichen Eifer um die SA. und SS. kümmern würde Hier wäle auch ein vielversprechender Erfolg zu erwarten. Eine halbe Million verschobene Devisen. Spnt-Weber und sein polnischer„Trompeter". Die weiteren Ermittlungen der Berliner Zollsahn» dungs stelle zum Fall„Sprit-Weber" und Genossen haben er- geben, daß es sich bei seinen vevisenschiebunzen um Beträge von insgesamt mehr al» eine halbe Million Mark handelt. Hermann Weber dürste als Haupt eines internationalen?.on- fortiums anzusehen se'u, das die Devisen fast ausschließlich nach Holland verschoben hat. Gegen Weber und drei Komplizen. einen Polen namens Trompeter und einen Amerikaner, ist vom vernehmungerichler inzwischen Haftbefehl erlassen worden. Die Verhandlungen Rußlands mit Frankreich lNichtangristspakt. Petroleumgeschast, Zarcnschulden) und den USA. �Anerkennung und Zarenschutden» haben nach einem Vortrag des Außenkommissar» L i t w i n o f f die Billigung des Politbüros, d. h. der bosichewistischen Parteileitung, erhalten. Atomzertrümmerung Asue Versuche im Hochspannungslaboratorium der AEG. Die Versammlung Deutscher Naturforscher und A e r z t e, die größte, angesehenste und bedeutendste Wissenschaft- liche Wanderoersammlung, die vor 11t> Jahren begründet worden ist, wird in diesem Jahre zum 92. Male tagen, und zwar vom 25. bis 29. September in Wiesbaden und Mainz. Aus diesem An- laß waren die Vertreter der Presse zu einer Vorbesprechung im Hause der Technik in den Räumen der AEG. geladen, wo der ständige Sekretär der Gesellschaft, Prof. Dr. R a s s o w- Leipzig, über die allgemeine Bedeutung der Versammlung sprach, und der Leiter ihres Pressebüros, �Mas- pharm. Robert P l o h n- Berlin, die technischen Vorbereitungen für eine gute Berichterstattung aus- einanderfetzte. Die AEG. hatte sich der Einladung angeschlossen, um den Vertretern der Presse die Erzeugung und Anwendung äußerst schneller elektrisch geladener Teilchen zur Atomzertrümme- r u n g vorzuführen. Dr. B r a s ch führte zunächst aus, daß von dem Element Radium verschiedenartige Strahlen ausgesendet wer- den, mit denen zuerst Rucherford die Zertrümmerung der Atome einiger Elemente gelang; aber von diesem seltenen Element exi- stieren auch heute in der ganzen Welt nur etwa 599 Gramm, und kein deutsches wissenschaftliches Institut verfügt über mehr als hoch- stens 1 Gramm Radium. Es ist aber möglich, in Vakuum- Entladungsröhren mit Hilfe hoher Spannungen die vom Radium ausgesandtsn Strahlen, die sogenannten Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlen, ebenfalls zu erzeugen und ihnen noch eine bedeutend höhere Geschwindigkeit zu erteilen und dadurch stärkere Wirkungen zu erzielen. Die nötige Spannung von 8 bis 19 Mil- lionen Volt versuchten die deutschen Forscher Brasch, Lange und Urban, der bei den 192K begonnenen Versuchen leider ver- unglückte, zunächst dem Blitz zu entnehmen und errichteten zu diesem Zweck eine antennenartige Anlage auf dem Monte Generoso in den Alpen, mit der sie auch Spannungen von etwa 15 Millionen Volt erzielten. Später stellte ihnen die AEG. ihr H o ch s p a n- nungs-Laboratorium zur Verfügung, das mit Spannun- gen bis zu 2.4 Millionen Volt betrieben wird, und in welchem jetzt eine Anlage im Bau begriffen ist, durch welche mit Span- nungen bis zu 19 Millionen Volt gearbeitet werden soll. Die Forscher sind dadurch unabhängig von den Launen des Wettergottes geworden. Mit der Höhe der Spannung wächst die Geschwindigkeit der in den verschiedenen Strahlen fliegenden elektrisch geladenen Tell- chen, und damit erhöht sich sehr erheblich ihre Wirkung. Den eng- tischen Physikern C o ck k r o f t und W a l t o n ist es bekanntlich in Rucherfords Laboratorium in Cambridge schon bei Spannungen von nur 125 999 Volt gelungen, Lithium und einige andere leichte Elemente zu zertrümmern, jedoch nur mit sehr geringer Ausbeute, da bei solcher Spannung immer nur erheblich weniger als jeder milliardelste Atomkern zur Zertrümmerung kommt. Die deutschen Forscher erhielten mit ihren weit höheren Spannungen erheblich größere Ausbeuten bei der Atomzertrümmerung, und es gelang ihnen neuerdings sogar neben der Zertrümmerung leichtatomiger Elemente wie Lithium, Beryllium, Bor, Natrium, Aluminium auch die des schweren oder hochatomigen Bleies mit verhält- nismäßig großer Ausbeute. Der Wert dieser Versuche, die weiter fortgesetzt werden, liegt nicht sowohl in einer eventuellen praktischen Nutzbarmachung der inneren Atomenergie, der gegenüber sich Brasch recht skeptisch ver- hält, und auch nicht in der ganz entfernten Aussicht der künstlichen Goldgewinnung— wäre sie unter Aufwendung geringer Mittel möglich, so würde übrigens das Gold im Werte sehr erheblich sinken und seinen Nutzen, als allgemeiner Wertmesser zu dienen, verlieren—, der Wert der Versuche liegt vielmehr in der Steige- rung unserer Erkenntnis vom Aufbau der Materie, in den wir recht interessante Einblicke gewinnen Das legte auch den Gedanken nahe, die biologische Wirkung der schnellen Kathodenstrahlen zu prüfen, worüber ebenfalls viel- fache Versuche angestellt worden sind und fortgeführt werden. Ueber diese berichtete Dr. Stefan Beck vom Krebsforschungs-Jnstitut. An Tieroersuchen zeigte sich, daß krebsartige Ge- s ch ü l st e in der Tat zum Schwinden gebracht werden können, doch muß man sehr vorsichtig bei der Dosierung der Strahlen sein, da sie auch auf das gesunde Gewebe zerstörend wirken und der Schaden dadurch leicht größer werden kann als der Nutzen. Beim Menschen konnte deshalb bisher auch noch keine Erprobung der Wirksamkeit dieser durchdringenden Kathodenstrahlen vorgenommen werden, und wir sind noch weit davon entfernt, diese Strahlen etwa zur Heilung von Krebs anwenden zu können. Mindestens noch ein Jahr wird vergehen, ehe wir zu sagen vermögen, ob und wie eine Anwendung dieser Strahlen auf den Menschen möglich sein wird, und falls eine Heilwirkung festgestellt wird, werden noch weitere fünf Jahre Forschungsarbeit nötig sein, um festzustellen, ob eine endgültige Heilung eingetreten ist. Die Anwesenden begaben sich dann in Auws der AEG. nach deren Hochspannungslaboratorium in Obcrschöneweide, wo die Herren Brasch und Lange die Apparatur näher erläuterten und eine Reihe glänzender Versuche vorführten. Dr. Bruno Bordiardt. »pathologische Politik." Deutliche Worte aus Bayern. Die Press,- der Bayerischen Volkspartei zeichnet sich in diesen Tagen wieder einmal durch eine herzerfrischende Sprach« aus, die beweist, daß man sich am allerwenigsten in Bayern durch die blutrünstigen Drohungen aus dem Münchener Braunen Haus imponieren läßt. Die„Äugsburger Postzeitung" schreibt: „Nur eine vertierte Generation kann Mord als Bagatelle behandeln. Ohne Sondergericht hätten unseres Erachtens die Täter von Po- tempa wie gewöhnliche Mörder abgeurteilt werden müssen. Zwei Milderungsgründe gibt es für sie: Erstens waren sie betrunken und zweitens sind ihre Mhrer die wahrhaft Schuldigen, darunter derselbe Mann, der so zynisch vom Köpserollen geredet hat." Die in Nürnberg erscheinende„Bayerische Volks- zeitung" bezeichnet Hitlers Ausruf als„Pathologische Politik" und schreibt unter anderem über die angeblichen„399 toten Märtyrer der NSDAP.":„In Zahlenspielereien war Adolf Hitler immer groß, aber was geht uns das angebliche Masiaker an, das NSDAP. und KPD. untereinander anrichten? Sie haben sich Wechsel- seitig in einen Blutrausch hineingehetzt, dem selbst die Polizei nicht mehr Herr werden kann. Es scheint wirklich, als ob Adolf Hitler es wagen wollte, das Sondergerichtsurteil von Veuthen trotz seiner formal gerichtlichen Korrektheit, die nur eine Bitte um Milde, aber keine Drohungen mit Revolution gestattet, zum Ausgang einer Machtprobe �u machen. Das ist pathologische Politik. Was wird uns die staatsmännische Laufbahn dieses von Cäsarenwahn befallenen Mannes bringen?" Weiter zieht die „Bayerische Volkszeitung" Vergleich« zwischen Brieg und Beuthen und weist ausdrücklich darauf hin, daß die Vorgänge von Ohlau zum Teil eine Folge der Aushebung des Uniformverbotes und der Freigabe der Straße für politische Demonstrationen waren! Wir halten uns auch nicht für befugt, noch einmal die Schilldfrags aufzurollen. Doch eins muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß jene Duldung und Tolerierung, jene Unterstützung des Rechts- radikalismus sich verhängnisvoll auswirkten, daß die Verantwort- lichen dafür auch einen großen Teil der Schuld auf sich zu nehmen haben. Zu dem Beuthener Urteil sagt das Blatt:„Hier suchen wir die wahren Schuldigen, nicht bei den Verhetzten, aus die nunmehr der gerechte strafende Arm der Justiz niederschlug, sie sind die verhetzten Opfer der wirklichen Schuldigen, jener Führer nämlich, die in Wort und Schrift das Faustrecht erklärten. zur rücksichtslosen Beseitigung der politischen Gegner aufriefen, stets davon sprachen, das„Köpfe rollen", daß man legal bleibe, aber doch aushänge, daß man abrechne und so lange aufhängen werde, bis die Krähen sie verzehrten. Diese wahren Schuldigen hätte eigentlich das Urteil treffen müssen." Zusammenfassend erhebt die„Bayerisch« Volkszeitung" unter Berufung auf das einmütige Urteil der Wellpresse über die jüngsten Vorgänge in Deutschland die Forderung:„Zurück zur Brüning-Linie". Uebrigens hatten auch die bürgerlichen liberalen„Münchener Neuesten Nachrichten" die Kundgebung Hitlers als unbegreiflich bezeichnet und ihre Zurückweisung durch die Reichsregierung für nicht eindeutig genug erklärt. In einem Berliner Bericht hatte das gleiche Blatt die Begnadigung zum mindesten des Anstifters Lachmann als nicht wahrscheinlich bezeichnet. Die Begnadigung Ganjurjos. Proteststreik der Zadustriearbeiter. Madrid über Paris, 26. August. General Sanjurjo wurde von seiner Begnadigung gestern abend in dem Augenblick verständigt, als er in Gesellschaft seines Sohnes das Abendessen einnahm. Sein Sohn, Hauptmann Sanjurjo, hatte die Nacht bei seinem Vater im Gefängnis verbracht. Hauptmann Sanjurjo, der vor einiger Zeit bereits seinen Abschied als Offizier genommen hat, ist Bankbeamter in Barcelona. In den Wandelgängen der Kammer wird von der Möglichkeit gesprochen, daß heute, insbesondere in den Städten, in denen die Gewerkschaften über großen Einfluß verfügen, also in Saragossa, Valladolid,' Sevilla und Valencia, der G e n e r a l st r e i k ausgerufen werde, um gegen die Begnadigung Sanjurjos zu protestieren. � In Gijon und Saragossa sind vier höhere Offiziere und in San Sebastian zwei höhere Offiziere verhaftet worden. Außerdem sind in Gijon 119 Mann polizeiliche Verstärkungen aus Barcelona angekommen. Oie Protestwelle. Madrid, 26. August. Die Begnadigung Sanjurjos hat starke Erregung hervor- gerufen. In O r d u n a veranstalteten gestern die Kommunisten eine Protestkundgebung, wobei(!) eine Person getötet und mehrere verletzt wurden. In Barcelona planen die Gewerk- schaften für Montag einen 24stündigen Proteststreik. Sanjurjo wird wahrscheinlich heute aus dem Mllitärgefängnis in Madrid zur Verbüßung seiner lebenslänglichen Zuchthausstrafe nach dem militärischen Straflager von Mahon auf den Balearen übergeführt werden.. Der Ministerpräsident bereitet zwei Gesetzentwürfe vor. welche die Reorganisation derJustiz und des Außenminifteriums zum Gegenstand haben. Auch soll die Regierung Ausnahme- maßnahmen erwägen, um in Zukunft all« Aufstand�bewegun- gen zu unterbinden. «- Erzherzog Karl o. Habsburg und Bourbon ist in Barce- lona verhaftet worden, als er in seinem Automobil vor einem großen Cafe hielt. Vorübergehende bemerkten dos königliche Wappen an den Türen des Wagens und benachrichtigten die Polizei.__ Schüler von Schülerin erschossen. Wenn Kinder scharf schießen... Warschau� 26. August. Auf dem Schießplatz von Z a m o s c in Kongreßpolen ereignete sich bei einer Scharfschießübnng von Schülern und Schülerinnen des Ortsgymnasiums ein schweres Unglück. In dem Augenblick, als die Schülerin Kwiatkowska einen Schuh abfeuerte, lief zufällig vor dem Schießstand ein Gymnasiast vorbei, der. am Hinterkopf ge- troffen, mit einem Aufschrei zu Boden sank. Als man ihn aufhob, war er bereits tot. Abstur; eines französischen Mili'örfliegers. Bei Chartres stürzte heute nachmittag ein Militärilugzeug ab. Der Apparat ging in Flammen auf. Die beiden Insassen, ein Hauptmann und ein Unter- leutnant, verbrannten. Mensch und Tier. Photowettbewerb im Zoo. Das Verhältnis des Menschen zum Tier wäre reicher und richtiger, wenn alle Menschen gut beobachten könnten. Um nun zum genauen Betrachten der Tiere anzuregen, veranstallete der B e r- liner Zoo einen Photowettbewerb, bei dem stder Liebhaberphotograph, selbst der mit allerbilligstem Apparat, Unterschieds- los zugelassen war. Bon den 1425 eingesandten Bildern gelangten »Der wahre Jacob" ist wieder da! 1374 zur Ausstellung. Am meisten interessierten sich die Photo- graphen für Roland, den Sec-Elefanten, von dem nicht weniger als III Bilder zu sehen sind. Bei den Hagenbeckschen Wettbewerben sind die Stellinger See-Elefanten auch immer die beliebtesten Objekte. In Berlin stehen an zweiter Stelle die Elefanten, die 197nval, und an dritter Stelle die Pinguine, die 84mal aufgenommen wurden. Man gliederte den Wettbewerb in drei Gruppen, von ihnen wurden die reinen T i e r st u d i e n am reichsten beschickt, an zwetter Stelle steht das Motiv„M e n s ch u n d T i e r", während mit„Landschaft und Tier" die Amateure nicht viel anfangen konnten. Bei den Raubtieraufnahmen hat allgemein das Gitter große Schwierigkeiten bereitet. Man sieht nicktt nur das übliche zer- fchnittene Bild durchs Gitter, sondern auch Schatten Wirkungen, die die Tiere ganz eigenmächtig in der Zeichnung verändern. Bei einer Kamelaufnahme l'Mi gegen sind die Gitter architektonisch vorzüglich verwandt. AngeiWm fallen elliche Bilder auf, die einen gewissen Humor in sich tragen; da sieht man einen Elefanten, der den Rüssel und einen Menschen, der den Arm lang ausstteckt, also zwei Greif- organe: man erblickt das Nilpferd nur als Maul aufgenommen, eine Raubtierpranke hinter dem Gitter wie zum Gruß erhoben, und einen Pinguin, der aufmerksamst das Schild betrachtet, das jedes Füttern durch das Publikum verbietet. Die ersten Preise erhielten für Tierstudien Heinrich Kirchenberger, Berlin-Steglitz, tauchende Pinguine(bei denen ein gitter Moment blitzschnell erfaßt ist): Mensch und Tier Agni B i e n e k, Charlottenburg.(Kind mil einem Kapuzineraffen auf der Schuller): Landschaft und Tier: Kurt Kotsch. Berlin-Neu- kölln,(Boot auf dem Ententeich). Die außer Konkurrenz auf- gehängten großen Aufnahmen von Dr. Lutz Heck erschlagen schon rein technisch alle Amateure. e. b. Berlin teilt mit- Hamburg sendet. Aus der Programmarbeit der Berliner Funk- stunde werden einige bemerkenswerte programmtschnische Aende- rungen mitgeteilt. Peginnend mit Sonntag, dem 28. August, wird die Tanzmusik um Mitternacht schließen: nur Sonnabends soll sie bis 1214 Uhr nachts fortgeführt werden. Zweimal wöchentlich sollen nach 12 Uhr nachts wertvolle Darbietungen verbreitet werden, die auch über den Kurzwellensender gehen werden: die Ansage erfolgt in deutscher, englischer und spanischer Sprache. Sportnachrichten über weniger wesentliche Veranstaltungen sollen fortfallen. Neben Hörspielen lebender Autoren soll die Pflege der Klassiker mehr als bisher durchgeführt werden. Das Wichtigste ist den Hörern die Frage, wie der Rundfunk seiner Pflicht zur geistigen Aktualität nachzukommen gedenkt. In den hier erwähnten Bekanntgaben der Funkstunde ist von„Ak- tualität" überhaupt nicht die Rede.„Uebertragung des Stahlhelm- tages", Parade des Preußsntums" find für Sonntag angekündigt; wem das noch nicht zeitoerbunden genug ist— und es ist wahr- haftig sehr zeitverbunden—, dem wird man vielleicht, falls Herr Bracht nicht Anstoß nimmt,«inen Bortrag über„Moderne Körper- pflege" bewilligen. Hamburg sandte am Donnerstag einen Hörbericht„Kraft und Schicksal der Landschaft", der in literarischen Ausschnitten Moor- Sandland und Halligen und ihre Menschen anschaulich machen wollte. Zwischen Musik standen drei ausführliche Zitate, zu breit sür dieses Mosaik, das sie auflösten, statt es zu bilden. Das war zu bedauern, da der Grundstoff in Ton und Wort gut war. Unter den Autoren für diese Stunde war im Programm auch Alfons P a q u e t genannt; in der Sendung fiel er aus. Weil er seiner politffchen Einstellung nach den säbelrasselnden Nattonalisten fernsteht?— lz. Oos Hohlmaß der llrzeit. In Schwechat bei Wien fand man bei Grabungen eine Reihe von Tongejäßen, deren Alter in die mittlere Bronzezell, aljo etwa 1599 Jahre vor unserer Zellrechnung, verlegt wird. Unter den Stücken befanden sich zwei kleine zylinderförmige Gefäße von ver- schiedener Größe. Ihrer Form nach entsprechen sie den noch heute bei den Bauern Oesterreichs im Gebrauche befindlichen Milch-Meß- gesäßen. Der Wiener Prähistoriker Dr. Friedrich W i m m e r stellte mit den Gefäßen Versuche an, bei denen es sich ergab, daß das kleinere davon 89 Kubikzentimeter, das größere 169 Kubikzentimeter, also genau das Doppett« faßt. Da 89 Kubikzentimeter gerade den Fassungsraum der normalen menschlichen Mundhöhle ausmachen und von jeher die Maße für den allgemeinen Gebrauch nach den Ber- Hältnissen gewisser Äörpertelle(Spanne, Elle, Fuß) geblldet werden, glaubt Wimmer auch in diesen Gefäßen ein Maß gefunden zu haben. Für diese Annahme spricht auch der Volksmund mif seinem Ausdruck „eine Handvoll" oder(im niederösterreichischen Weinland)„ein Maul- voll Wein". Schließlich ist die zylindrische Form der beiden Gefäße bei den sür den allgemeinen Gebrauch bestimmten Tontöpfen der Bronzezeit ganz ungebräuchlich. Es spricht also sehr viel für die Annahme, daß man es bei dem Funde von Schwechat tatsächlich um urgeschichtliche Hohlmaße, wie sie bisher noch gänzlich unbekannt waren, zu tun hat. Die Gefäße find im Niederösterreichrjchen Landes» mufeum von Wien aufgefüllt worden. Der Kuli als Vorbild Skandalöses Gutachten aus einer Berliner Amtsstube Ganz so wie während des Krieges beglücken auch heute wieder fragwürdige Vertreter der ärztlichen Wissen- s ch a f t das Volk mit allerhand Hungcrrezeptcn. Im Welt- krieg war das Blutbad als Stahlbad für das deutsche Volk gepriesen worden, Dörrgemüse als Medizin verschrieben und Kohlrüben- marmelade als ebenso gut wie Milch für die Säuglinge empfohlen worden. Und heute? Ein Gutachten des Stolistischen Amtes der Stadt Berlin will wissenschaftlich nachweisen, wie hoch die Kosten für einen notdürftigen Haushalt, d. h. für einen Unterhalt find, der die Existenz des Lebens und die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit gewährleistet. In den letzten Jahren hieß es, dem Körper müßten möglichst viel Vitamine zugeführt werden, jetzt behauptet man zur Ab- wechslung das Gegenteil. Das Gutachten jagt, daß bei der üblichen gemischten Kost Vitamine in ausreichender Menge vorhanden seien. Was unter dieser üblichen gemischten Kost zu verstehen ist, wird in dem Gutachten im einzelnen dargelegt. Bei schwerer Muskelarbeit könne eine Ernährung angemessen sein, die fast ausschließlich aus Gemüse, Brot, Reis und Kartosseln bestehe. Wenn ein schwerakbeitender Handwerker, z. B. ein S l e i n- Hauer, 1800 Gramm Roggenbrot und l2Z Gramm Käse zu sich nehm«, dann enthalte diese Ernährung alles, was zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit notwendig sei. Das Gutachten oerweist auf den japanischen und chinesischen Kuli, der sich von Reis und wenigen Zusätzen ernähren könne und dessen Leistungsfähigkeit der Europäer bewundere. Der Verbrauch von Butter, Eiern, Obst und Fleisch— besagt das Gutachten weiter— müsse eingeschränkt werden, weil diese Lebensmittel einen nur notdürftigen Unterhalt zu sehr verteuern, und dafür müssen in erster Linie Schmalz, Margarine, Nährmittel, Kartoffeln und Gemüse berücksichtigt werden. Insbesondere könne bei vorwiegender Muskelarbeit der Berdrouch von Fleisch, Gemüse und Nährmitteln weiter eingeschränkt und dafür der Brot- und Kartoffelverbrauch erhöht werden. Was die Wohnung betreffe, so müsse dem unverheirateten Mann eine Schlnfftelle genügen. Besondere Ausgaben für Heizung und Beleuchtung seien im allgemeinen nicht in Rechnung zu stellen. Man könne sie nicht unter den Begriff des notdürftigen Haushalts fallen lassen. Für eine Arbeiterfamilie müsse eine Einzimmerwohnung als üblich und standesgemäß selbst bei Vorhandensein mehrerer Kinder betrachtet werden. Das Gutachten schließt ab mit einer Mark- und Pfennigrech- nung. Danach soll ein unverheirateter Mann, der körperlich schwere Arbeit zu leisten hat. sofern er bei seinen Angehörigen lebt, für die Ernährung mit einem Betrag von 6g Ps. pro Tag auskommen. Wenn er bei fremden Leuten wohnt, wird«in Betrag von 1,21 M. für ausreichend erachtet..Knaben über 14 Jahre sollen ebenfalls für die Ernährung mit 69 Pf. auskommen, während sür Mädchen im selben Alter 62 Pf. als genügend bezeichnet werden. Für Kin- der im Alter von 9 bis 14 Iahren werden 52 Pf. und für Kinder unter 9 Iahren 34 Pf. als ausreichend erachtet. Derselbe Betrag sür Erwachsene wird für alle sonstigen Ausgaben— also für Kleidung, Wäsche, Körper- und Gesundheitspflege, Bildung. Erholung, Sozialversicherung, Steuern, Verbandsbeiträge usw.— alz aus- reichend bezeichnet. Das Gutachten ist nicht veröffentlicht worden. Das war oas beste, was das Statistische Amt der Stadt Berlin tun konme: denn es kann ja nicht seine Aufgabe sein, die Stidt Verlin bei der Bevölkerung in Mißkredit zu bringen. Daß die Fresser gezogen werden, ist ein bekanntes Wort des Volksmundes, aber in diesen Tagen der Massen- und Dauerarbeitslosigkeit hat dieses Wort doch recht wenig aktuelle Bedeutung. Fastenpredigten sind im übrigen aber von jeher nur als elende Heuchelei und als dreiste Heraus- forderung betrachtet worden, wenn die Predige? nicht selbst mit dem guten Beispiel vorangingen. Die Herrschaften, die Deutschland im Zeichen des Hungers er- neuern wollen, müssen sich, wenn sie ernst genommen werden wollen, dazu bequemen, ihre Hungertheorie an sich selbst zu erproben. Man sollte diese Herrschaften dazu zwingen, einige Monate schwere körper- liche Arbeit zu verrichten und dabei von Reis, Kartoffeln und trocken Brot zu leben und im übrigen mit ihrer Familie in einer Einzimmerwohnung ohne Heizung und Beleuchtana zu kampieren. Sie wären dann von ihrer Hungertheorie schnell kuriert. Kamps gegen Willkür. Vuchdruckeraussperrung bei Dreitkopf Zt Härtel. Die Belegschaft der Firrna Breitkopf& Härtel, einer der größten und bekanntesten Buchdruckereien Leipzigs, befindet sich seit einigen Tagen in einem schweren Abwehrkampf. Sie wurde zwecks Abbaus der Leistungslöhne um 5 0 Prozent gekündigt, und, als sie dieses Ansinnen wegen der erst im Februar erfolgten 30- bis 40prozentigen Kürzung der übertariflichen Ver- dienste ablehnte, unter Verletzung der tariflichen Kündigungsbestim- mungen entlassen. Alle Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts sind an der II»Nachgiebigkeit der Firmenleitung ge- scheitert. Die Finna Breitkopf ä? Härtel hat den Kampf durch ihr un- soziales Verhalten hervorgerufen. Es handelt sich hier nicht um einen wilden Lohnkampf, wie in einem Teil der bürgerlichen Preise gemeldet wird, sondern um«inen berechtigten Abwehrkampf gegen den abermaligen Abbau der schon sehr geringen Leistungslöhne. Di« Firma sucht in auswärtigen Tageszeitungen„Arbeits- willige": sie wird aber kaum welche finden. Trotz der schlechten Arbeitsmarktlog« werden die Arbeiter des Buchdruckereigewerbes ihren ausgesperrten Kollegen und Kolleginnen nicht in den Rücken fallen, sondern den Zuzug nach Leipzig fernhalten. Im Hasen von Gibraltar ruht die Zlrbeit jetzt vollständig, da auch die spamschen Kohlenträger, die sich zuerst geweigert hatten, sich dem Streik angeschlossen haben. Arbeiierakiivität in Neuseeland. Kamps gegen Verelendung und Lohndruck. Auch Neuseeland, die Insel mit dem hohen Lebensstandard und den guten Arbeitsbedingungen, ist von der Weltwirtschafts- krise ergriffen worden. Dort treten die Lohnherobsetzungen, die Verschlechterung der Lebenshaltung und die wachsende Arbeits- losigkeit ebenfalls immer stärker hervor. Zur Abwehr dieser Ge- fahren haben die bedeutendsten Gewerkschaften Neuseelands eine Aktion zur Einigung und zum gemeinsamen Abwehrkampf aller Arbeiter Neuseelands eingeleitet. Auf einem zu diesem Zwecke von der New Zealand Alliance of Labour, der Föderation der Ge- werkschaftskartellc sowie den Verbänden der Staatsangestellten in Wellington abgehaltenen Kongreß auf d«?n 110 Delegierte 149 Or- ganisationen mit ungefähr 90 000 Mitgliedern vertraten, wurden folgend« wichtige Beschlüsse gefaßt: Vereinheitlichung der Bc- wegung durch Gründung von Landesorganisationen in allen Industriegebieten, die in einer Londeszentrale zusommen- zusasscn sind. Energische Abwehr aller von Unternehmer- und Regierungsseite unternoinmenen Versuche, die Löhne zu kürzen. Kampf gegen die Zerstörung des inneren Marktes durch Herab- setzung der Kaufkraft der breiten Massen. Einsetzung eines pari- tätijch zusammengesetzten staatlichen Arbeitslosenkomitees. Austeilung des Großgrundbesitzes und Ansiedlung von Arbeitslosen. Ausarbeitung eines Planes ausgedehnter staatlicher No t st a n d s a r b e i t c n. Aufbau einer Industrie zur Verarbei- tung der heimischen Rohstoffe. Arbeitszeitverkürzung (5 Tage ä 7 Stunden) zwecks Wiedereinstellung von Arbeitslosen in die Betriebe. Organisierung der Arbeitslosen in einem nationalen Verband, der von den bestehenden Landesver- bänden und den Arbeitslosen geleitet werden und örtliche Unter- obteilungen bilden soll. Auf finanziellem Gebiet schlug die Konferenz die sofortige Ausgabe von Schatzscheinen im Betrage von 15 Millionen Pfund vor, die in fünf Iahren auf Grund einer Arbeitslos i g- kcitssteuer zurückbezichlt werden sollen. Ferner sprach sie sich für die Errichtung einer Zentralbank aus, die über die Währung und die Emissionen des Staates eine absolute Kontrolle ausüben soll. Ohne neue Anleihen im Auslände aufzunehmen, sollen olle verfügbaren Mittel zur Durchführung öffent- licher Arbeiten verwendet werden. Außerdem wurden noch zahlreiche Forderungen zur Sanierung der öffentlichen Finanzen Neuseelands aufgestellt und der Regierung viele Anregungen Handels- und wirtschaftspolitischer Art gegeben. Oefsentliche Feuerversicherung im 3uli. Der Verband öffentlicher Feuerversicherungsanstalten meldet, daß bei den angeschlossenen Zlnstalten die Zahlungen für Brandschäden von 6,6 Mill. M. im Juni auf 7,8 Mill. M. im Juli gestiegen sei. Die Zahl der Schadcnssälle sei mit 6888 Schäden im Juli dieses Jahres höher als im gleichen Monat des Vorjahres(6490 Schäden) gewesen. Im laufenden Jahre seien bis Ende Juli insgesamt 51,7 Mill. M. für Brandschaden ausgezahlt worde», gegenüber 8,7 Mill. M. zur gleichen Zeit des Vorjahres. Ivctter für Berlin: Heiter, wettere Erwärmung, auffrischende, südöstliche Winde.— Für Deutschland: Im Westen und Südwesten Gewitter, schwül, im übrigen Deutschland beständig mit weiter an- steigenden Tagestemperaturen. „Bolk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Berantwortl. für die Redaktion: Rich. Ber»st-i», Berlin: Anzeiz-n: Vit« Hengft. Berlin. Berlaa: Vorwärts Verlagnftrh ohne Xamen mit W. Krauß. H. Thimigr, 51. Hard \V. 5, 7. 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 ühr Odeon, Potsdamer Str. 75 An der Pallasstraße. Das Lird einer Xarht mit Jan Kiepura. Hajjda Schneider. Fritz Schulz Für Jugendliche freigegeben! W. 5, 7, 9 ühr S. 3. 5, 7. 9 Uhr Tarmstraße 12 Wilsnacker Str. 63, Frau LehmannM Töchter mit Hansi Xiese. Hertha Thiele, Fritz Kampers W. 5, 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 ühr Alexanderstraße 39-40 i Passago| .lonny stiehlt Europa mit Harry Piel, Dary Holm, Alfred Abel. Jugendliche haben Zutritt Den ganzen Tag geöffnet S. ab 3 Uhr > Untor don iliMioii fc Die Kamera Unter den Linden 14 W. 5. 7. 9 ühr S. 3. 5, 7. 9 Uhr Xeuaufführung: Die neuen Herren mit Albert Prejean. Regie: J. Feyder— Tonwochc Bio-Lichtspiele Hackescher Markt 2-3 Sensations-Groteske: Es ffeht um alles— Marco, der Clown, der große Zirkusfilm Ah 12 ühr mittags U Frladrlchstadt> Franziskaner GeorgenstraDe(Ecke Friedrichslraiie) 9. 12. 3. 6. 9 Ehr Lüsen auf Rügen 10.30, 1.30. I 30 7.30. 10.30 Ehr I»». I-Ied einer\aeht mit Jan Kiepura, JSaüdaSehneider Keneite Ton-BUd-Reportarc Primas-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margarclenetr. Uraufführung! Zwei fflücklicbe Tage mit Ida Wüst. Ciaire Rommer, Paul Hörbijter W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr S. 3.15, 5.15. 7.15, 9.15 Uhr > Sfldwnatnn p Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1. W. ab 5.30, S. ab 3.30 Großtonfilm: Ja, treu ist die Soldatenliebe mit Fr. Scholz — Fidcle Razzia Kitrfürtt w- 7- 9- Sbd- S|s- 5' 7. 9 ILUTIUTM 3tg. 3 Uhr: Jgd.-Vorst. Dorfstraüe 22. Ecke Berliner Straße Ja. treu ist die Soldafenliebe mit Ida Wüst. Fritz Schulz— — Tonbeiprogramm Tivoli Täglich 5. 7, 9. Slgs. 3 Uhr: Juccndvorstcll Berliner Straße 97 Tonfilm: Johann Strauß mit Jlichael Holmen. Lee Parry. Hörbiger— Jugendliche Zutritt. U MaiinnJorT�"� M„ /; Mariendorfer W. 7. 9, iriUmljl Tonlichtspiele S. 5. 7. 9 Chausseestr. 305. Tonfilm: Zwei glückliche Tage mit Ida Wüst— Das Jllllionen- testament Alhambra Variete Tonfilm Hauptstraße 30 Eine Stunde mit dir mit Chevalier— Bühne: 5 Ladiesingers — Helprogrammm Titania Schöneberg Hauptstr. 49 W. 5, letzte 9 Uhr S. ab 3 ühr Frau Lehmanns Töchter mit Hansi Niese, Kampers— Ton beiprograrom— Tonwoche Kronen-Lichtspiele Titania-Palast mÄsoü. Steglitz. SchJoßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Dritte Woche: Teilnehmer ant wortet nicht. Ein sensationeller Kriminalfall mit Dorothea Wieck. Gustav Gründgens. Gustav Dießl. Oskar Sima. Truus van Alten g Zehlendore-Mitt«> 7«/» Beginn tägl. 5, 7. 9 Uhr Cieil stg. 3 ühr JugendvorsleU Polsdamer Str. 56. Frau Lehmann* Töehter mit H. Xie.e. Thiele. Kampers— Beiprogramm �""chTlottenbura � Germania-Palast Charloltenburg. Wilmersdorf er Str 53 54 Das Lied einer Vacht mit Jan Kiepura."tfagda Schneider. Fritz Schulz Jugendliche haben Zutritt W. 5. 7, 9 Uhr S. 3. 5, 7, 9 Uhr Kant-Lichtspiele Kantstr 54(ao der Wilmersdorier Str.) Eine Stunde mit dir m..�1. Chevalier, Jeanette.Tfardonald. W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 Uhr A triam RheinslraBe 65 Beg. 7. 9 Uhr. Sonnt. 5, 7. 9 ühr Der Sieger mit Hau» Alber» Ijäthe v. JTa JT—&t. Tonhatpr. Schlüter-Theater W-i�v Schlülcrstr. 17 Stg. 3 ühr: Jugd.-V. Brand in der Oper mit Fröhlich. Gründgens. J.\ovomn — Lachendes Leben(Ist Nacktheit unsittlich?) Wochen l. 7. 9*4 ü. Stg. 6, 7. 9�4 ü. Kaiserallee. Ecke Berliner Straße Uraufführung! Strafsache van Geldern mit E. Richter. Paul Richter, E. Brink. L. Waldmüller. F. Kampers. Falken stein. C. Lilien— Gut. Tonbpr. ■ Meat.lt» Artashof Perleberger Str. 29 nädrhen rum Heiraten mit Renate tlüller— 3 Tage Liebe mit Käthe Dorsch • SOCan V Theater am Moritzplatz W 6. 8,45 Ihr. 5. ,d 4.30 ühr Frou Lehmanns Töchter mit Hansi Xi-se. Fritz Kampers — Flucht ron der Teufeleinsel mit Ronald Colmann Luisen- Theater 1; Zd Vu. Reichen berger Str. 34. Das Lied einer"Sucht mit Jan Kiepura. HagdaSchneider Großes Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt W. 6.30 U., Stg. 5 ü. Filmeck Am Görlitzer Bahnhof Zwei glückliche Tage mit Paul Hörbiger. Cläre Rommer Ferner; Die Xacht der Versuchung mit Werner Fütterer. Elsa Brinck Stella-Palast Köpcnickcr Straße 12— 14 Das Tlillionentestament mit Chart. Anders, Job. Riemann Bühnengastspiel; Paul Godwyn und sein Orchester Jugendliche haben Zutritt Sonntag 4 Uhr: Paul Godwyn Sonderkonzernt mit anschließender Filmvorführung Kleine Preise Jugendliche haben Zutritt Deatsch-Ämerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beg. 4.45 Uhr �lensch ohne\amen mit Werner Krauß. �1. Bard. Thimig— Großes Beiprogr. W Haukölln M Mercedes-Palast Äs9 8; Hcrmannstr. 212 Goldfieber mit Tom Jlix— Gr Tonbeipr.— Bühne: Negerfilmstar Brody mit seiner Negertruppe Jugendliche haben Zutritt Stern, Hermannstraße 49 Wochentags ab Klz Sonntags ab 4 Uhr Ja, treu ist die Soldafenliebe mit Fritz Schulz, Ida Wüst— Tonbeiprogramm Kukuk Wochentags ab 6� Sonntags ab 3 Uhr Kotlbusscr Damm 92 Das Jlillioncntestament mit Joh. Riemann, Chart. Ander Jugendliche haben Zutritt i Troptow j Treptow-Sternwarte Sonnabend 8 Uhr, Sonntag 4. 6, 8 U. Rivlera. Provence, Bretagne und Paris, Reisefüm. Osten Germania-Palast s! abVu.' Frankfurter Allee 314 Johann Strauß. K. u. K. Holbaü- direktor mit Michael Bohnen. Lee Parry. Paul Hörbiger. Gretl Theimer Auf der Bühne; Ein Traum im Puppcnladen Tanzspiel von E. Äolkow Jugendliche haben Zutritt! Lana-Palast Gr Frankfurter Str. 121. Johann Strauß mit.�1. Bohnen. Parry— Bühne: Herbert und Schiller. Mnsikakt— Tonwochc Schwarzer Adler Ju"«1» W. 5. 7. 9 ühr. S. 3. 5, 7. 9 Uhr Frau Lehmanns Töchter mit H. Niese— Besserer Herr gesucht mit Szakall— Tonwocbe Primus-Palast soÄb s'u. Am Hermannplatz, Urbans tr. 72/76. Der Hexer(nach E. Wallace) mit Fritz Rasp— Goldfieber mi4 Tom Jfix EU-_ Wochentags ab 61? LXCelSlOT Sonntags ab 4 l hr Kaiser-Friedrich-jjiraße 191 J». tren ist 4fe Soldatenliebe mit Fritz Schulz. Ida Wüst— Toobei Programm Vikto ria- Theater sc5 Frankfurter Allee 48 Tonlustspiel; Ja, treu ist die Sol- datenliebo mit Fritz Schulz, Tiedtke. C. Spira— Beiprogr. W Heu-llchtenberg T| Kosmos-Lichtspiele Lückslr. 70 W»47. 9 Uhr Sig 5. 7, 9 Übt Gr. Toulu-tsoiel' Jo. treu Ist dje Seldetenliobe rm! Fr. ichuln, Csm. Spira— Woche— Belpr. Kino Busch ÄÄ S SJ Alt-FriedrichsfeMe 3. T on w oc he Ein toller Einfall mit Willy Fritsch. Hosy Rarsony— Gr. Tenbelprogrsmin— Tonwoche Nordosten ,Elysium" ÄT ■Wochenl. ab 6% Uhr. Sonnt, ab 4 Uhr Eine Stunde mit dir m. JI. Chevalier— Das.Hillionentesta- ment mH Charl. Ander Flo ra-Lichtspiele ÄTT Wochig. 5, 7, 9 Uhr, Stg. ab 3 Uhr Das Lied einer\achi mit Jan Kiepura— Gr. Tonvorprogr. Volks-Kino Königstadt Schönhauser Allee 10/11 Wochtgs. 6.45, 9, Slgs. 4.45. 7. 9 Uhr Da* Lied einer\arbt mit Jon Kiepura, Jl.Sehncider, Sehulz. I. AVUst— Orchester— Woche Jugendliche haben Zulriltl Norden Alhambra KÄ38, W. S. 7. 9 Uhr 5tg. 3. 5. 7. S Uhr Frau Lehmanns Töchter mit Fr. Kampers, Hertha Thiele, Hansi Xiese Pa "* o w i Palast-Theater Breite Str. 21a W. 7 u. 8.30 Uhr Sonntags ab 4 30 Uhr Tom rechnet ob mit Tom Mix Der Prinz von Arkadien mit Liane Haid. Forst Titln Ii Wochenl 7. 9 ü JIVOU sbd u Sonnt. 5 ü Berliner Straße 2/ Jan Kiepura sagt m Das Lied einer Vacht (Beilage Freitag, 26. August 1932 Bträtaii %älauiqa8e Jti[ofvfäfL 9 Von Gurken, Gras und Wenden Reportage aus dem Spreewald Von Erich Grisar Die Professoren beweisen uns auf Grund von Funden, die gs- macht wurden, daß der Spreewald schon vor drei oder vier Jahr- taufenden bewohnt gewesen ist. Bestimmt ist er bewohnt seit der Völkerwanderung, denn seit dieser Zeit sitzen die Wenden, die das Gebier heute noch bewohnen, auf ihrer Scholle. Mancherlei Ausein- aird�rsetzungen hat es in diesen anderthalbtausend Jahren gegeben. Fürsten sind gekommen und gegangen. Aus Heiden sind Christen geworden(die sich aber ein gut Stück heidnischen Aberglaubens be- wahrten), und aus freien Bauern wurden Sklaven. Heute sind die Bewohner des Spreewaldes freie Bürger des deutschen Staates. Niemand verwehrt ihnen, wo immer sie wollen, zu verhungern, aber wenn sie leben wollen auf der Scholle, auf der sie seit Jahr- taufenden leben, dann tun sie gut, den Boden des Spreewaldes zu bearbeiten, wie ihn schon ihre Väter bearbeitet haben. Sie können Gurken züchten oder Zwiebeln, mit dem üppig wuchernden Gras der Spreewaldwiescn können sie die fetten Ochsen füttern, an denen andere sich gütlich tun, während sie sich mit den im Spree- wald sprichwörtlichen Flohkotreletts und Läuserippchen begnügen, aber die Hauptsache ist, daß sie den zwei Grafen, denen fast der ganze Spreewald gehört, pünktlich ihre Pacht bezahlen. Ist die Pacht hoch? Die Parzelle Grasland kostet im Jahr 4l>— 50 M. Die Parzelle hat 5— 6 Morgen. Ein Bauer mag nachrechnen, ob das hoch ist. Immerhin sollte man glauben, i»er Graf zu Lhnar, dem allein Morgen Spreewalbwiescn gehören, die ihm also, da das etwa 300ll Parzellen sind, im Jahr zwischen 200 00» und 2.50 000 M. Pacht ein- bringen, sei ein reicher Mann, aber das ist ganz und gar nicht der Fall. Denn als die Gemeinde Lübbenau ihn für das von ihm bewohnte Tchlost zu 0000 M. Hauszinsstcuer veranlagte, sah er sich außerstande, eine solche Summe aufzubringen und er zog aus. Jetzt wohnt er auf einem anderen seiner Schlösser und das Lübbe- nauer Schloß ist ein Museum geworden, das, statt Geld zu kosten, nun also noch Geld einbringt. So arm sind die Grafen in der Republik und wenn die Spree- waldbauern in schlechten Iahren für ihre Ochsen und Kälber nicht genug erzielen, um ihre Pachtschuld abtragen zu können, dann schimpfen sie natürlich nicht auf den armen Grafen, der nicht mal seine Hauszinssteuer bezahlen kann, sondern auf die Regierung. Und weiß Gott, sie haben recht damit, denn es wäre längst Pflicht der Regierung gewesen, den armen Grafen die Sorge um ihre un- bewohnten Schlösser und das von ihnen nicht selbst bebaute Land abzunehmen. Reben dem Grasbau und der einschlägigen Viehzucht betreiben die Ssireewälder Gemüsebau. Und zwar begünstigt der wasser- reiche Boden vor allem solche Gemüse, die viel Feuchtigkeit brauchen, und so hat sich denn der Spreewälder schon vor Jahrhunderten aus die Zucht von Gurken, Meerrettichen, Zwiebeln und nochmals Gurken eingestellt. Ueberall auf den Bahnhöfen und in den Gast- wirtschaften des Spreewaldes bekommt man die schmackhaften, zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Zentimeter langen Gurken angeboten und allerorten sieht man Kinder und Fremde in die saftigen Gurken hineinbeißen, so wie man die Menschen anderswo in heiße Würstchen oder Bananen hineinbeißen sieht. Aber nicht nur im Spreewald ißt man die mit Salz und Dill vorzüglich zubereiteten Gurken, die ganze Welt ißt sie. In Lübbenau und Betschau gibt es große Einlegereien, die jeden Herbst Hunderte von Arbeitskräften damit beschäftigen, die auf den Feldern geernteten Gurken in alte Weinfässer, mit denen große Hofstücke bedeckt sind, einzulegen und sie später aus den Lagersässem in kleinere für den Export bestimmte Fäßchen um- zufüllen. Die Unzugänglichkcit des Gebietes, das heute noch in wesent- lichen Teilen nur im Kahn zugänglich ist, hat viel dazu beigetragen, daß Sitte und Sprache der Ureinwohner des Spreewaldes sich bis aus den heutigen Tag erhalten haben. Heute noch gibt es rund 3 0000 wendisch sprechende Spreewälder. Nament- lich im Süden, der vom Fremdenverkehr weniger berührt ist, lernen die Kinder heute noch eher wendisch sprechen als deutsch, das ihnen erst in der Schule beigebracht wird. Hier hat man auch noch Gc- keaenheit, die prunkvollen H o ch z e i t s a u s z ii g c zu sehen und wer Sonntags morgens nach Vetschau oder Burg kommt, kann die Wcndinnen, die auf blanken Rädern zur Kirche fahren, in ihrer reichbestickten Tracht bewundern. In der kleinen Wendenkirche Vetschaus, die unmittelbar neben der deutschen Kirche liegt, mit der sie de» Turm gemeinsam hat, wird noch heute zweimal im Monat wendisch gepredigt. Ist ein Besuch im Sprcewald schon durch seine solkloristischen Eigenheiten interessant, so gehört eine Kahnfahrt durch den Spreewald zu den schönsten Dingen, die die Natur dem Menschen geben kann. Die unerhörte Naturnähe des Gebietes, das mit Ausnahme der 16 künstlichen Fließe, die zur Zeit Friedrichs des Großen den 386 natürlichen Fließen hinzugefügt wurden, um Hochwassergefahren zu vermindern, sich heute noch in dem Zustande darbietet, in dem es sich schon vor tausend Jahren dem Wenden, der es auf ungefügem Ein- bäum durchfuhr, darbot, die wohltuende Stille, die kaum einmal durch das Hämmern eines Spechtes, den Balzruf einer Kronen- schnepse oder das Locken eines Brachvogels unterbrochen wird, machen eine solche Fahrt zu einem Gleiten ins Elpsium. Sanft und ohne Erschütterung gleitet der Kahn über das Wasser. An Büschen vorbei, die so nahe sind, daß man die Insekten, deren stahlblauer Panzer in der Sonne glänzt, mit de�r Hand von den Blättern nehmen könnte, auf denen sie sitzen. Schlanke Libellen schweben vor uns her und streiken sekundenlang die blanke Flut, deren Spiegel der langsam vorwörtsgleitcnde Kahn sonst durchteilt. An toten Armen kommen wir vorüber, deren Wasser mit den teller- großen Blüten weißer und gelber Seerosen bedeckt ist. Erlen säumen die User und lassen ihre brombeergroßen Samenkügelchen aus das Wasser fallen, das sie fortspült und an freien Uferstellen anpflanzt. Vom Ufer her ertönt das Dengeln mähender Bauern. Heugeruch weht über das Wasser. Manchirol gleitet ein G r a� k a h n still vorbei. Dann nimmt uns der Hcchwald aus. Helle Sonnensleckcn unterbrechen das dunkle Grün feieilicher Bäume, deren Laubkronen. von hohen Stämmen getragen, iibir uns zusammenwachsen wie ein dichtes Dach. Plötzlich unterbricht der übermütige Aufschlag eines Ruders aus das Wasser, mit dem zwei Bootsleute sich begrüßen, wie ein Pistolenschuß die Stille, die so tief und so sehr Symbol eines niegekannten, niegeahnten Friedens ist, daß schon der Gedanke daran, daß ein Motorboot sie mit seinem Geknatter stören könnte, wie ein Vergehen gegen die Natur erscheint. Aber ist der Gedanke einmal da, ist auch die Frage schon gestellt, und aus ists mit dem Frieden. Was eben noch Symbol einer ungebrochenen Natur schien, ist plötzlich nichts anderes als der Ausdruck einer vom Er- werbssinn gehemmten Zivilisation, die uns ihren Schlachtruf„V e r- boten" in die Ohren knallt. Vorboten? Wieso verboten? Und dann erfährt man, daß die einheimischen Bewohner des Spreewaldes, die einmal eisrige Fischer waren, Wasserrecht haben und die Perwendung von Motorbooten nicht gestatten, weil sie den Frieden stören würden, der die Fremden in den Spree- wald lockt. Außerdem würde der starke Wellenschlag der Motorboote die Ufer ausspülen und zudem den 1800 Mitgliedern der Fährmannsvereine, die davon leben, daß sie im Sommer die Fremden durch den Spreewald schieben, das Brot nehmen. Das klingt alles in allem gar nicht so unvernünstig, ober wie ist es, wenn plötzlich irgendwo ein Arzt gebraucht wird? Der muß sich ebenfalls schieben lassen. Uebrigends erfreuen die Sprcewälder sich einer ausgezeichneten Gesundheit. Rheuma ist so ziemlich ihre einzige Krankheit und wenn sie um die siebzig, fünf- undsiebzig herum den Arzt brauchen, eilt es nicht mehr, denn zum Ausstellen des Totenscheines kommt er immer noch zurcchi. Nicht nur Arzt und Feuerwehr, auch die Po st muß auf die Erleichterung ihres Dienstes durch die Kraft des Motors verzichten. Die beiden Postboten des Gebietes müssen ihren Kahn jeden Tag über eine Strecke von 25 Kilometer schieben. Im Winter, wenn die Fährleute im Hochwald Holz schlagen, oder das Eis sägen, mit dem die Berliner im Sommer ihre Weiße kühlen, legen die Postboten die gleiche Strecke auf Schlittschuhen, oder wenn das Eis noch nicht hält, im Kahnschlitten zurück, der sowohl schwimmt als gleitet. Nicht selten versackt so ein Postbote aus seinem Postgang mitsamt der ganzen Post. Aber außer, daß im Jahre 1919 mal ein Postbote er- trunken ist, ist alles immer gut abgegangen. Es ist Abend geworden. Der hohe Wald liegt lange hinter uns. Aus den Wiesen rechts und links steigen dünne Schleier, die den Blick verhängen, sanfte Nebel. Mit leisem Glucksen nähert sich der Kahn der Absahrtsstelle. Da hallt plötzlich die Musik einer Dreh- o r g e l über das Wasser und schon gleiten wir an einem blinden Musikanten vorbei, der unter den Büschen des Ufers in seinem Kahn sitzt und mit der einen Hand seine Orgel dreht, während er uns mit der anderen Hand den offenen Hut hinhält. Aber mein Bootsführer ist zu träge, an den Orgelmann heranzufahrcn, und so kommt der Arine um sein Schcrslein, auf das er schon der Kuriosilät wegen ein Anrecht hat, denn wo sonst in der Welt bekommt man Bettler zu sehen, die sich im Kahn an ihre Opfer machen? Nicht mal in Venedig gibt es das, der Stadt der Gondeln und der Bettler. Auch dazu muß man in den Spreewald fahren Frankreichs Hägen berg Presse und Parfüm— Coty in Nöten? � Von Egon Larsen Wie man aus Paris hört, bedroht die Wellkrise nun auch den Presse- und Parfum-Napoleon, den Reaktionär und Deutschen- frcsser Francois Coty. Sein Blatt„Ami du Pcuple" wird wahrscheinlich eingehen. „Mit Presse und Geld beherrscht man die Welt"— diese nicht gerade erschütternde Wahrheit stammt aus dem Munde eines gewissen Herrn Spoturno, geboren 1874 in Ajaccio aus Korsika, der Heimat Napoleon Bonaportes. Aber so ist der ganze Mensch: im Grunde ungebildet, aber bauernschlau: unwissend, aber großschnäuzig: unkultiviert, aber mit sicherem Instinkt dafür, wie geschäftliche und politische Propagandaaktionen durchgeführt werden müssen. Hatte Napoleon den Marschallstab schon als Kadett im Tornister, so fühlte Monsieur Spoturno das Rutenbündel des Diktators bereits als kleiner Parfumeur in seiner wohlriechenden Hand. Diese recht ein- seitige geistige Verwandtschast des kleinen mit dem großen Korsen war es, die Frangois Josephe Spoturno in die Legende von seiner wirtlichen Abstommung von Napoleon umdichtete— zu einer Zeit allerdings, als ihm bereits die publizistischen Mittel zu' dieser und anderen Wahrheitsverbesserungen zur Verfügung standen; als er nicht mehr ein gewisser Spoturno, sondern der bekannte Coty war. Wann und warum diese Namensänderung stattfand, mögen be- flissene Biographen deuten. Tatsache ist, daß Spoturno plötzlich als Coty in Paris auftauchte, den Anschluß an die besitzenden Kreise geschickt vollzog, indem er intime Beziehungen zu der einen Hälfte eines Glasindustriellen-Ehepaares anknüpfte, und mit talentiert entworfenen Parsümflaschen sein erstes Kapital erwarb. Damit gründete er 1904 die Parfümfabrik Coty, deren Fabrikate— dank Aufmachung und Reklame— sich bei den Damen der oberen und mittleren Klassen in guten Geruch zu setzen ver- standen. Der Krieg bedeutet für Coty, wie nicht anders zu erwarten, in erster Linie die Chance für ein ganz großes Geschäft. Und Coty nützt sie aus. Wieviel er an Kriegslieserungen aller Art verdient haben mag, läßt sich ahnen, wenn man die Höhe seiner Steuer- schulden erfährt: 1920 verlangt das Pariser Finanzamt von Coch die Zahlung von acht Millionen Frank Kriegsgcwinnsteuer! Er kämpft heldenmütig um sein Geld und bringt es schließlich auch fertig, die Steuerschuld auf die Hülste herunterzudrücken. Aber Kriegs- und Parsümgeschäft genügen dem geltungsbe- dürftigen Korsen nicht. Sein Ziel ist seit jeher, Einfluß aus die politische Entwicklung zu gewinnen Der Napolconsimmel ist ein Stück seiner Persönlichkeit, seine Weltanschauung folgerichtig ch a u v i n i st i s ch- h o ch k a p i t a l i st i s ch- r e a k t i o n ä r. Als er Geld im Sock spürt, juckt es ihn, die Hand nach den gutgehenden Fabriken der öffentlichen Meinung Frankreichs auszustrecken. Sein erster Griff ist nicht der schlechteste. Seit 1917 bemüht er sich, den nationalistischen„F i g a � o" auszukaufen. Vier Jahre lang widersetzt sich der Verlag, erst 1921 gelingt es Coty, die Aktien- Majorität des„Figaro" zu erwerben. Hat ihn der Name des Blattes, seiner eigenen Branche so verwandt, besonders zäh in diesem Kamps gemacht? Die nächste Etappe in Cotys politischer Lausbahn ist das P a r- l a m e n t. Im Juli 1923 wird er mit 397 gegen 391 Stimmen in den französischen Senat auf Korsika als Ersatzmann gewählt. Kein erhebender Wahlerfolg— wenn man weiß, daß Coty dafür mehr als acht Millionen Frank ausgegeben hat, und daß zudem der Senat einige Monate darauf die Wahl annulliertc, weil„u n. zulässige Beeinflussungen" von Seiten Cotys herausgekommen waren... Die Parfumfabriken florieren unterdessen weiter. Coty wird Milliardär und kann es sich leisten, seine publizistische Macht weiter auszubauen. Im Januar 1928 kauft er die katholisch-natio- nalistische Zeitung„L e G a u l o i s" und verschmilzt sie bald daraus mit dem„Figaro". Fünf Monate später, am 1. Mai 1928, führt Coty den Hmiptfchlag: eine neue Zeitung, der„A m i d u P e u p l e", beginnt zu erscheinen. Schon der Titel ist eine Persidie.„Ami du Peuple",„Volts- freund", hieß die Revolutionszeitung, die Marct 1789 gründete, um seinen Kamps für Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit mit den Waffen des Geistes unterstützen zu können. Jetzt trägt ein chaiwinistifches, erzreaktionäres Boulevardblatt, herausgegeben von einem Parfüm- fabrikonten, diesen stolzen Namen. Den tollsten Streich leistete sich aber Coty, als er den Verkaufspreis des Exemplars auf 10 Centimes— etwa anderthalb Pfennig!— festsetzte, während olle anderen französischen Tageszeitungen 25 Centimes kosten. Es war von vornherein klar, daß Coty bewußt zusetzte, um einen möglichst breiten Leserkreis für seine politischen Anschauungen zu finden, die natürlich vom Parsümgeschäft finanziert werden und ihm dafür dienen mutzten. Eine linke Pariser Zeitung berechnete, daß Coty an jeden ständigen Leser jährlich 100 Franken draufzahlt — also 80 Millionen insgesamt, denn die Auflage dieses Blattes schnellte infolge seiner Billigkeit und des Sparbedürfnisses der Franzosen sofort auf die phantastische, nie gekannte Höhe von 800 000 Exemplaren hinauf! Ein Prozeß, den Coty mit dem französischen Berlegerverband führte, nachdem dieser seine Verkaufs- stellen für das unlauter wsttbewerbende Blatt gesperrt hatte, endete mit einem Siege Cotys, der noch 1,8 Millionen Frank Schaden- ersatz zugesprochen erhielt. Allerdings ein schwacher Trost für Coty, der zu ungefähr der gleichen Zeit vom Steuergcricht z u fünfeinhalb Millionen Mark Strafe verurteilt wurde, weil er die Profite seiner inzwischen gegründeten amerikanischen, rumänischen, italienischen, brasilianischen Zweigfabriken an seine Holding-Gesellfchast in der steuerfreien Schweiz verschoben hatte. Mit ungeheurer Energie und ebensolchen Summen baute Coty nun an seinem Pressekonzern weiter. Als Wochenbeilage trat der „Salut public" an die Seite des„Ami du Peuple", das Leib- organ des„Syndicat du Salut public", einer Liga von einem Halbdutzend nationali st ischer Kleinbürger- und Kriegervereine, dem„Stahlhelm" nicht unähnlich. Es er- schien eine Abendausgabe des„Ami du Peuple", die ein jährliches Defizit von etwa 12 Millionen Frank hat. Dazu kommen noch vier weitere Pariser Blätter, die in Form von Gratifikationen und Subsidien von Coty abhängig, an Coty anhänglich gemacht wurden: die royalistische„A c t i o n s r a n y a i s e", hinter der die gleich- namige Chauoinistengruppe steht; das militaristisch-saschiftische „Journal des Debats"; die beiden reaktionären Zeitungen „La Presse und„La P a t r i e". Ferner eine Unzahl kleinerer Prooinzzeitungen; in sranzösischen Linkskreisen wird die Zahl der von Coty abhängigen Blätter auf insgesamt 100 geschätzt. Es ist das Bild eines französischen Hugenberg-Konzerns, das wir hier wiederfinden. Hier wie dort rücksichtslose Ausnutzung finanziell schwacher Organe, um sie dem hochkapitalistischen Nationa- lismus dienstbar zu machen: hier wie dort das kostspielige Bemühen, die breite Masse für wirtschaftlich-politische Reaktion zu gewinnen, sie mir allen Mitteln abzulenken von ihrem Kampf um die Freiheit. Dementsprechend unterscheiden sich auch die publizistischen Methoden beider Konzerne nur durch ihre umgekehrten Vorzeichen. Ist es hier der„Erbfeind", der an allem schuld ist und den friedlichen Bürger durch Wasfengerafsel erschreckt, so ist es dort der„B o ch c". In der Tat kommt dieses böse Wort seit Kriegsende nur mehr in den Coty-Blättern vor. Gelegentlich versteigt man sich(im Coty- Blatt„Vingtieme Siede") zu folgendem Satz:„Deutschland hat über der Welt die beiden stirchtbarsten Geißeln entfesselt: den Krieg und den Kommunismus." Oder man„beweist"(im„Figaro") unter Berufung auf die altdeutschen Götter, auf Luther, Fichte, Marx und Lassalle, der deutsche Geist sei von jeher auf Zerstörung und Massen- mord aus gewesen. Hier wie dort ist natürlich der Hauptseind, verbündet mit dem Gegner über dem Rhein, der S o z i a l i s m u s, die Demokratie. Ständig wurden und werden die Männer der Linken van Briand bis Painleve, von Leon Blum bis Hcrriot mit Kübeln von Dreck Cotyscher Produktion beworfen, als Idioten und Feiglinge, Schmarotzer und Vaterlandsverräter beschimpft. Die Niederknüppe- lung des Freiheitsgedankens wird meist im gleichen Atemzug gc- fordert wie die Knebelung Deutschlands. Sprächen und schrieben sie nicht verschiedene Sprachen— man käme auf den Gedanken, die beiden Geistesbrüder diesseits und jenseits der Grenze seien Söhne eines Daters. » Ist die Nachricht aus Paris nicht verfrüht, dann sieht es so aus, als gehe dem Korsen langsam der finanzielle Atem aus. Der „Ami du Peuple", der für zwei Sous pro Exemplar feit über vier Jahren sein gefährliches Gift verspritzt, hat wohl schon eine allzu große Lücke in den Parsümprofit gerissen. Wankt Cotys Thron? Fühlt er sich unsicher inmitten seiner Garde von Detektiven, die ihn in seiner Zimmerslucht im Hotel Astoria bewachen müssen, da er sich auf seinen eigenen Schlössern nicht mehr geborgen glaubt? Die Welt verkneift sich mehr und mehr die süßen Düfte aus Cotys Parfümerie: die Krise hat mit Rouge und Puder, Schminke und wohlriechenden Wässern ein wenig aufgeräumt. Vielleicht räumt sie zugleich auf mit der Produktion übelriechender Druckerschwärze, damit die Luit reiner und klarer werde zwischen den beiden Kulturvölkern Europas. Europaflug vor dem Abschluß Letzte Etappe Paris— Göteborg— Berlin Paris. 26. August. Die 25 Teilnehmer am Europa-Rundflug sind heule früh zwischen 6 und 6.32 Uhr vom Alugplah Orly aus zur letzlen Etappe ihres Rundfluges, die nach Berlin sührt, gestartet, während des Starts drohte ein Gewitter, das jedoch erst zum Ausbruch kam. als sämtliche Alieger unterwegs waren. Als erster startete der Pole Z w i r k o um 6 Uhr, mit dem sich gleichzeitig auch der Deutsche Seidemann in die Luft erhob. Die übrigen deutschen Teilnehmer starteten in folgen. der Reihenfolge: hirth um 6.04 Uhr, Stein um 6 08 Uhr. Marienseld um 6.l2 Uhr, Poß und Lusser um 6.16 Uhr. Zunck, Osterkamp und Pasewald um 6.22 Uhr, von Massenbach um 6.24 Uhr und Cuno und Marzik um 6.28 Uhr. Bon 6.44 bis 6.47 Uhr haben sämtliche Teil- nehmer den ersten Teil der heutigen Etappe, nämlich Orly— Deau- v i l l e, zurückgelegt. Um 6.44 Uhr kam als erster der Deutsche Seide- mann in Deauville an. Rotterdam. 26. August. Die ersten Teilnehmer am Europa-Rundflug trafen, von Deau- ville kommend, heute vormittag auf dem hiesigen Flughafen ein. Als erster landete um 9.07 Uhr der Deutsche E e i d e m a n n, der um 9.21 Uhr wieder startete. Seidemann will versuchen, noch heute Berlin zu erreichen. Als Zweiter ging der Pole Z w i r k o um 9.16 Uhr nieder, der um 9.32 Uhr weiterflog. Von 9.23 bis 9.36 Uhr landeten nacheinander die Deutschen Stein, Marienfeld, von Massen- bach, Hirth und der Pole Karpinski. Die Witterungsverhältnisse sind überaus günstig. Dortmund, 26. August. Der deutsche Europa-Rundflieger Sei demann, der, wie ge- meldet, um 9.21 Uhr in Rotterdam aufgestiegen war, ist auf dem hiesigen Flugplatz gelandet. Ohne zu tanken, stieg Seide- mann Wiederaus. Er erklärte hier noch einmal, daß er noch heute abend in Berlin sein will. Die 216 Kilometer lange Strecke von Rotterdam nach Dortmund hatte der Flieger mit einer Stundengeschwindigkeit von 199 Kilometer zurückgelegt. * Roch 2700 Kilometer, und dann haben es die Europaflieger geschafft. Nach dem Ruhetag in Paris ist heute früh der Start zur letzlen 2400 Kilometer langen Etappe erfolgt, über Deauville, Rotter- dämm, Dortmund, Hamburg, Kopenhagen, Eöteburg, Kopenhagen, Hamburg, Berlin-Staaken, an die sich am Sonntag die 300 Kilo- meter lange Geschwindigkeitsprüfung auf dem Dreiecks- kurs Staaken— Frankfurt(Ober)— Kirchhain— Tempelhof anschließt. Leider ist ein genauer Ueberblick über die gegenwärtige Ge- samtlage nicht möglich. Die Punktberechnungen für die zwischen den einzelnen Zwangslandeplätzen erzielten Durchschnittszeiten sind noch nicht fertiggestellt, und so muß man sich auf mutmaßliche Schätzungen verlassen, wenn man feststellen will, wie die Chancen stehen. Natürlich kann man sich nur an die Spitzengruppe der 25 Bewerber halten. Diese setzt sich aus Grund einer ungefähren Uebersicht aus dem Polen Z w i r k o, einem ehemaligen deutschen Fliegerunteroffizier, sowie den Deutschen Poß, Morzik, Hirth und Cuno zusammen, die etwa gleichwertig zusammenliegen. Zwi- schen diesen wird nun auch, falls keine unvorhergesehenen Zwischen- fälle eintreten, die Entscheidung fallen. Die von den Deutschen be< nutzten Klemm- und Heinkel-Maschinen haben bisher bestes Zeug- nis für ihre ausgezeichneten Flugeigenschaften abgelegt, so daß es ihren Führern gelingen sollte, auch auf der letzten Strecke das für eine günstige Punktbewertung nötige gleichmäßige, nicht allzu schnelle Tempo«inzuhalten. Von größtem Interesse ist auch der anschließende Geschwindigkeitsslug, der den Führern Gelegenheit gibt, die volle Geschwindigkeit ihrer Maschinen ausspielen zu lassen. Der Start zu dieser Prüfung erfolgt am Sonntagnachmittag 3� Uhr. Mit dem Eintreffen der Flieger auf dem Flughafen Tempel- Hof ist gegen 4� Uhr zu rechnen. Ac&eäec-'fuß&ait Fußballklub Nord gegen Eiche 4:4 Wenn man ein Spiel sehen will, wo sich der einzelne Spieler als Sportler betätigt, dann muß man zu den Arbeitersportlern gehen. So und ähnlich lauteten die Aussprüche der mehr als 2000 Zuschauer auf dem Exerzierplatz in der Schönhauser Allee, die dem Kampf zwischen Nord und Eiche- Köpenick beiwohnten. Schon nach fünf Minuten gelang es den Nordleuten, den ersten Trefser einzusenden. Eiche blieb aber nicht müßig, son- dern griff unentwegt an. Die Erfolge blieben auch nicht aus. Bis 10 Minuten vor der Pause lautete das Resultat 1: 3. Nach dem Wechsel waren die Nordleutc die tonangebenden. Die Köpenicker vermochten kaum, sich der ständigen Angriffe zu erwehren. Bald war Nord auch bis auf 3:3 heran, als Eiche den vierten Treffer buchen konnte. Schon glaubte alles an den knappen Sieg der Köpenicker, da schoß auch Nord den vierten Treffer kurz vor dem Abpfiff. Mit Unentschieden trennten sich die Mannschaften unter dem Beifall der Zuschauer. * Hansa 31 gegen Bau mschulenweger Sportverein. Sonntag, 28. August, Reinickendorf-Ost, Berner Straße. 1. Mann- schaft 5 Uhr, drei Männermannschaften.— Schülermannschaft: Sonnabend, 27. August, gegen Weißensee, Platz Christianiastraße, 6.30 Uhr.— Im Serienspiel treffen sich am Sontuag Adler 08 und Fortuna in der Kissingenstraße. Bei der Gleichwertigkeit beider Mannschaften ist ein guter Spieloerlauf zu erwarten. Serienspiel Vorwärts-Wedding gegen Eintracht-Reinickendorf in der Christianiastraße. AFC.„Vorwärts" W e d d i n g sucht für die zweite und dritte Mannschaft zu Sonntag Spiele auf eigenem Platz. Eil- angebote heute abend ab 20 Uhr unter D 6, 7319. £in Bade� und Spieitrcfien Die dem Kartell für Arbeitersport und Körperpflege, Zehlendorf, angeschlossenen Gruppen kommen am S o n n t a g, dem 28. A u g u st, zu einem Bade- und Spieltreffen am Großen Fensteran der Havel zusammen. Zwanglose Stunden sollen dazu beitragen, die Zusammengehörigkeit unter der Mitgliedschaft der verschiedenen «sparten zu fördern. Turner, Paddler, Schwimmer und Segler wer- den zeigen, daß sie in der Lage sind, ihre Freizeit sinnvoll und fröh- lich zu gestallen. Mit dieser Zusammenkunft leitet das Zehlendorfer Kartell gleichzeitig auch eine neue Werbung für die Ziele des Ar- beitersportes ein, und allen Freunden des Arbeitenports sei nahe- gelegt, sich im Lause des Sonntag am Großen Fenster einzufinden. rtiterme�en im I. Krei» Bei der Fahrt am 4. September ist folgendes zu be- achten: Sonderzug und Mittagessen fallen weg. Wir treffen uns im Stadtbahnzug ab Schlesifchen Bahnhof 7.15 Uhr nach Potsdam. (Jeder steigt ein, wo er Anschluß hat.) Weiterfahrt von Potsdam nach Wildpark: 8.16 Uhr.(Bis Wildpark Karte lösen.) Ab- marsch von Wildpark: 8.45 Uhr. Der Weg geht am Templiner See emlang nach Caputh. Mittagessen in Capuch(Preis 1,10 M.). Für Festabzeichen, Uebersetzen und Dampferfahrt usw. ist ein Fest- beitrag von 80 Pf. zu zahlen. Die näheren Angaben sind in der nächsten Rümmer des B.-B. Arbeitersport zu beachten. Der Vorstand: Hermann Stanislaus. Arbetlsgemeinschaft des Arbeiter-cichtbild-Bundes Berlin. Sonnabend, 27. August, 17 Uhr, Besichtigung des Flughafens. (Eintreffen der Europaflieger.) Rundflug 4 M. Treffpunkt: Haupteingang. Eintritt 10 Pf. FTGB. Bezirk Süden. Zum Sportfest in Lichtenrade find fol- gende Treffpunkte festgesetzt: 8A, Uhr für die Dreikämpfer, alle an- deren Genossinnen und Genossen 11� Uhr bei Tietz am Halleschen Tor. Bezirk Osten: Sonntag, 28. August, Bezirkstreffahrt nach dem Krossinsee. Treffpunkt für die Wanderer: 6� Uhr, Frucht-, Ecke Madaistr. Lestung: Genosse Bock. Paddler und Radfahrer treffen sich auf der östlichen Seeseue an der Motorbootsstation zwi- schen Wernsdorf und Ziegenhals.— Die Männerabteilung übt ab 1. September wieder Dienstags und Frestags in der Turnhalle Straßmannstr. Pätzer Sonnenheide. Sonnabend, 27. Au- gust, 2014 Uhr: Bericht zur Lage, anschließend hellerer Abend. „Spork, Spiel und Spaß" betllell sich das Kinderfest des Volkssport Neukölln-Britz am kommenden Sonntag auf dem Spielplatz in der Sonnenallee. Ab 14 Uhr wird sich ein ab- wechslungsreiches Programm abwickeln, das nicht nur den Kindern, sondern auch den Ellern viel Freude machen dürste. Der Eintritt ist frei, die Kafieeküche ist— bei anerkannt niedrigen Preisen— geöffnet. Kreisregatta der Freien Ruderer und Kanusahrer. Die Spielausschußsitzung hat den Beschluß gefaßt, für die Kreisregatta am 4. September eine Umlage von den Vereinen zu er- heben. Den Vereinen ist über die Höhe des Betrages Mllteilunz zugegangen. Soweit die Zahlung noch nicht erfolgt ist, muß der Betrag umgehend an Gen. Heinrich Höhl, Berlin-Johannisthal, Friedrichstr. 31, abgeführt werden. Postscheck: Berlin 130312. Auch im Herbst gastlich geöffnet 400 Naturireundehäuser warlen! Der Urlaub für Arbellnehmer ist gewiß die größte und schönste Errungenschaft der modernen Arbeiterbewegung, aber wie wird dem Arbeiter noch immer eine richtige Freizeitnutzung erschwert? Die Masse der Gaschofbesitzer hat noch nicht gelernt, den Bedürfnissen des Wanderers mit kleiner Börse Rechnung zu tragen, so war es eine Naturnotwendigkeit, daß die Wanderorganisation der Schaffen- den zur Selbschilfe schritt. Der Bau von Wander- und Ferienheimen wurde vom Touristenverein„Die Naturfreunde" auf der ganzen Linie auf- genommen und so gefördert, daß in drei Jahrzehnten 400 Natur- freundehäuser errichtet werden konnten. Der Verein ist dabei von der einzig richtigen Voraussetzung ausgegangen, daß es nicht seine Aufgabe sein dürfe, nur im Hochgebirge Untertunftshiuten und Schutzhäuser zu erbauen, sondern daß es eine mehr als dankens- werte Arbeit sei, auch in der Heide und den Mittel- gebirgen solche Heime als Stätten der Erholung für das schaffende Volk zu errichten. Diese Entwicklung steht in der Geschichte der deutschen Wanderoereine einzig da. Dazu kommt der Umstand, daß die Mehrzahl der Heime nicht etwa unter Aufwen- dung großer Geldmittel von Handwerkern erbaut wurden, sondern daß die Mitgliedschaft selbst Hand anlegte, um manches Heim von den Grundmauern bis hinauf zum First selbst zu errichten. In den letzten fünf Jahren ging das Bestreben dahin, Heime zu errichten, die auch längeren Ferienaufenthalt, die notwendige Bewegungsfreiheit und Bequemlichkeit boten. So sind sie entstanden die Ferienheime in den Voralpen, am Bodensee, in der Schwäbischen Alb, im Altmühl- t a l, auf den Höhen des S ch w a r z w a l d e s, in den festen- starrenden Tälern der Fränkischen Schweiz, im Spessart und Taunus, im rheinischen Land und in der einsamen Eifel, im Bergischen Land, im Teutoburger und Weserbergland, im Harz und in der norddeutschen Tiefebene, am Nordsee st rand und an der O st s e e, im Thüringer Wald, in Sachsen und im Schlesierlande, in der deutschen O st m a r k und im Riesen- und Erz- und Fichtelgebirge und nicht zuletzt in der schönen, sonnigen Pfalz. Aber auch die Alpen weisen eine Reihe von Natur- freundehäuser» auf, die in der Lage sind, wertvolle Stützpunkte bei Bergfahrten abzugeben.— Interessenten wenden sich um Auskunft an die Reichsleitung der Natursreunde, Nürnberg-W., Sünderbühl st raße 5, die auch aus An- fordern einen reich illusttierten Prospekt kostenlos zusendet. Wer sich für Ferienheime in Südbayern interessiert, verlange Pro- spekt besonders über Auskunft vom Gau Südbayern des T.L.„Die Naturfteunde", München, Pestalozziftt. 40/42, Zimmer 18a. ßäUzi todb: TaUäeu de* Die nächsten Fahrten der Führersektion des T.-D. „Die Naturfreunde" finden am 28. August und am 3. und 4. September statt. Am 28. August von Frohnau nach Meißners- Hof. Tresfpunkt: 7 Uhr, Bahnhof Frohnau. Führer: Gen. Stropf'. Am 3. und 4. September: Wochenendfahrt mit dem „Baldur" zum lledersee. Abfahrt: 3. September, 18 Uhr, Spandau, Lindenufer: Ankunft Lehnitzsee gegen 211- Uhr(Ueber- nachtung). Der Baldur legt an der Kaiserwegbrücke, nahe lledersee, an. Der Fahrpreis beträgt für Hin- und Rückfahrt mit Ueber- nachtung 2 M. Anmeldungen in der Geschäftsstelle des Touristen- Vereins„Die Naturfreunde", N. 24, Johannisstr. 14/15. Gäste willkommen. Freie Sezier Wanolee. Start zum Bade, und Spieltreffen mit dem Kartell für Arbeitersport und Körperpflege am Großen Fenster Sonntag, 12�. Uhr, ad Bootöplatz. Sämtliche Mitglieder beteiligen sich an der Fahrt. Arbciter-TnrU' und Sportbund, 1. Kreie. Groß-Berliner Bereine kommen Montag, 29. August, 20 Uhr, in der Kreisgeschänsstelle, Slsässer 6tr. Lv—dki, zu einer Besprechung zusammen. Vertretung des Vereins unbedingt erroröernch. FSB. Saxonia 28 sucht für Sonntag, 28. August. Spiele für 2 Männer- Mannschaften. Angebote ab IS� Uhr unter Bineta D 5 1130. ASB. Schöneberg-Friedenan 07. Der Treffpunkt zu Sonnabend für das bundesoffene Sportfest in Moabit ist 17 Uhr am Eingang des Tiergartensport- Platzes. Sonnraa. Uhr, Eingang Tiergartensportplatz. Dienstag, 30. Au- gust, Handballspielersitzung um 10 Uhr Sportplatz Rubensstraße. FTGB. Am Sonntag, dem 2«. August. Vadepartie der Kinder nach Grünau. Treffpunkt 12 Uhr am Sportdenkmal. Gemeinsames Baden, Kaffeetüche usw. BSV. Fortuna. Achtung. Lokalwechsel! Unsere Sitzungen finden jetzt jeden Freitag bei Bogdanowitz, Gberswalder Str. 35, statt. Schüler 18 Uhr, Jugend 19 Uhr, Senioren 20 Uhr. Aufnahmen in jeder Sitzung. eBuch Jacques Jlayiev: 3)er Jriede in Gefahr! Jacques K a y f e r, der erst kürzlich im Namen der fran- zösischen„Jungradikalen" für eine gemeinsame Regierung der Partei H e r r i o t s mll unserer französischen Bruderparlei«ingetreten ist, veröffentlicht im Verlag Gallimard, Paris, ein Buch:„La paix en peril"(Der Friede in Gefahr!), das in Deutschland wegen seiner mutigen und klugen Haltung sehr beachtet werden sollte. Solange das Problem des Verhältnisses von Aleutschland und Frank- reich im Brennpunkt der europäischen Politik, ja der Weltpolitik steht, wird dies Buch aktell sein,(Welcher deutscher Verlag wird das Werk den deustchen Lesern zugänglich machen?) Jacques Kayser entwirst eine Geschichte des Kampfes um die Be- friedung Europas, eine Geschichte, die dramatischer ist, als sie je von einem Dichter hätte erfunden werden können. Von Wilsons 14 Punkten über das Versailler Friedesdiktat, der Station der Ruhrbesetzung, des Abkommens von L o c a r n o geht der lange und schwere Weg derer, die für und gegen die Befriedung Europas gekämpft haben. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis von Deutschland und Frankreich, dem Jacques Kayser ein besonderes Kapitel widmet. Frankreich, so fordert der Verfasser, muß aus seiner Zrückhaltung heraustreten und einen Schritt vorwärts tun, und zwar muß dieser Schritt zugleich das wirtschaftliche und politische Gebiet betreten. Die Abrüstungs'rage steht im engsten Zusammenhang mit dem Reparationsproblem. Wenn auch Jacques Kayser vielfach die deutsche Situation richtig deutet, z. B, macht er ganz ausgezeichnete Bemerkungen über das Verhältnis der deutschen Jugend zur Republik, so ist es überaus seltsam, daß ein so kluger und mutiger Politiker die Panzerkreuzer- bauten mit Deutschlands wiederholt erklärter Unfähigkeit, Repa- rationen zu zahlen, in Zusammenhang bringt, Wer trotz aller Schwierigkeiten müssen die Hindernisse einer europäischen Befriedung überwunden werden, wenn anders die europäische Kultur nicht im Chaos der Barbarei vernichtet werden soll,„Die Kräfte des Friedens, die aus dem dunklen Schoß der Völker geboren werden, müssen füll weiter wachsen, damll die Welt anstatt einer Summe von Vaterländern oder gegeneinander gerich- teter Interessen zu einer wirtlichen Solidaritär der Menschen wird, einer Solidarität, die frei von ökonomischen Fesseln ist und das Rationalistische besiegt hat." Mll diesen Worten schließt Jacques Kayser sein Buch, dessen echt humanistisches Pathos in diesen Tagen besonders wohltuend wirkt. dl. Rundfunk am Abend Freitag, den 26. August 1926 Berlin: 16.03 Der Typ des Sportlieblings(G. Gorta- towski). 16.30 Nadimittagskonzert. 17.30 Die mittelalterliche Stadtrejjublik(Dr. W. Zucker). 17.35 F. Taut; Eigene Prosa. 18.23 Das neue Buch. 18.35 Der Hörer und sein Apparat (Obering. O. Nairz, Dr. E. Nesper). 18.50 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Von der bildenden Kunst(Dr. E. Cohn- Wiener). 19.20 Um das Proviaztheater(Intendant H. Meißner). 19.40 Vom Eintreffen der Europa-Flieger in Staaken. 19.55 Wegweiser ins Wotheneude. 20.00 Volksinstrumente und Chöre. 21.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Streichquartette. 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen: 16.00 Pädagogische Bücherstunde. 16.30 Aus Leipzig: Nadimittagskonzert. 17.30 Reform des Theaters(C. Hotzel. L. Müthel). 18.00 Cello-Sonaten (P.Hermann). 18.30 Was liefert der deutsche Wald der deutschen Wirtschaft?(Oberförster Raab). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Aktuelle Stunde 19.13 Wiss. Vortrag. 21.15 Aus Frankfurt a. M.;„Das Frankfurt des jungen Goethe"(Hörfolge). 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..Volksfunk", monatl. 96 Pf. durm alle„Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. ffaals Theaicr staaisoner unter den linden Wiederbeginn der Spielxeü Donnerst ag, 1. September, 20 Uhr: Slzlilaolsche Vesper Ulrigenl: Kleiber de Siroui. Rozicxke, WlUrUdi, Oro�maDB, LUt, Abendroib Beginn des Vorverkaufs: Sonntag, 2l. August, bei den bekannten Verkaufsstellen. Staatliches Schauspielhaus Wiederbeginn der Spielzeil Sonnabend, 17. August, 30 Uhr: E g m o n t Otto, Franek, Koppeabdfer, MOlbel. Belke, Mine i Ii Beginn des Vorverkaufs: Sonntag, 21. August, bei den bekannten Verkaufsste ien EM.-stBetten liuderb. Palmar. ChaluL. an lad«, TaUa Bätog tr* KaemebaUahrtt enhlmSl PLAZa Hat Mlet. Bat, sijtt,stin.2,s.iui. BtlalinjMurtilerg.: Kabale u. Liebe Groimansir. 70/71 StcinpL(C 1) 6715 Ab 1. September täglich 8 ühr .vis versunkene Glocke" zur Feier d. 70.Ge- burtstages von Serhart Hauptmann BETRIEB ,■*% KEMPIHSKI1 smdtaOper Charlottenburg Bismarckstraße 34 Freitag, 26. August Turnus I Die Banditen Pfahl» Eismeer. Bargwiakel. Längen a. G, Kandl, Nikolaiewa a-G., EgCnlauf Anfang 20 Uhr Ende gegen 23 Uhi Rose- inealer rml« frutfnrtir StnB« 132 tel. Vtidsei E 7 3422 SJO Uhr Herzdame ttnrtenbttbne 5.30 Uhr Konzert b. Variete| FltUlllBQSlUft Är d Uhr IS. Flora 3434. Banfflcn cri. �Miabant! e. sonatas I* 2 Varsicll p. 4 u.«.13 Uhr. 4 Uhr klilne Preise Reraos Comp-, Vier Richys Mayo's, Sealtiel, Levanda usw. ... nngetrübte Freude von der ersten d. zur letzten Nummer... w. a. A. 4. 8. •v4uhr CASIHO- THEATER Lothringer Strafe 37. ntfmmnitinuiiiimiiuiniiMniminnufuitiiiniiiiMiuUMUMn Berlin kann wieder lachen I JSnnemarie das kleine Tanamfidel t/olksopereite— Musik von Oilbf1 Vorher ein bunter Teil. Preise 0.50 M. 0,75 M. und M. Jedes Stg. nadiii. 4 Uhr die ganze fwstg. zu kl ft. original- Beiema Patentmatratzen/ Ruhenenen Couchs mit Betema-Feßerung Patent-Drehbett CD.R.P.) ein Griff I ein Bett, sowie das neue Holzbett mit Belcma-Federung sind volltcommen «ei«oscfaIo.l- Kein Einliefen. Fe» tebwertte Belattang. Ueberau erhaltl 20 Jahre Garantie. ueri. FWomutwtt.-Puüpfli, aoppoftitr. M