BERLIN Svnnadend 27. August 1932 Nedaktion u. Expedition: Berlin SW 68, Lmdenstr.S Tel. A7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Borwärts". Bezugspreis t>irbeideAusgaben7ZPf. pro Woche, Z,2Z M. pro Monat(davon«7 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 8,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitung-, und 72 Pf. Postbestellgebühren. 10 PI Ar. 404 B 192 49. Jahrgang Anzeigenpreis t Bit Ifplt. Milll. meterzeil» 80 Pf. Die ReNamezeil« lostet 2 Marl. Rabatte n. Tarif. U Das SDrengslottHomplolt Naziabgeordneier als AnfOhrer Kassel, 27. August. sErgenbericht.) Vor eruigen Wochen wurden in Kassel zwei Mit- glieder der NSDAP., der SS.- Führer Voigt und der S S.» M a n n Albert Häger wegen Wasfendiebstahl bei der Kasseler Schutzpolizei verurteilt. Beide Verurteilten blieben in Haft, da sie in einen Spreng- st o f f d i e b st a h l verwickelt waren. Dieser Sprengstoff- diebstahl ist jetzt aufgeklärt. Ter natioualsozia» listische Landtagsabgeordnete Verne, der neben dem früheren Polizeiwachtmcister Krick eine Hauptrolle im Waffendiebstahlprozetz spielte, zur Zeit sich aber in Tanz ig, also im— juristischen— Ausland aufhält, hat auch bei diesem Sprengstoffdiebstahl an führender Stelle mitgewirkt. Auf seinen Befehl wurde ein junger Ange» stellter eines in Ihringshausen befindlichen Spreng- stofflagers veranlaßt, 100 Pfund Spreng st off zu entwenden, der dann bei Nazigenosfen versteckt wurde. Dem Sprengstoffdieb wurde aber Angst, weil ihm das Versteck nicht sicher genug erschien, und er verlangte die Rückgabe des Sprengstoffes. Es fei dabei daran erinnert, daß im Waffendiebstahls- Prozeß auch der damalige Angeklagte Häger erklärt hatte, er wollte die Waffen zurückbringen. Das sei ihm jedoch von seinem Vorgesetzten Verne abgeschlagen wor- den. Am jetzigen Falle jedoch rückte Verne den Spreng st off wieder heraus, der dem Sprengstoff- lager wieder zugeführt wurde. Nachdem die Ermittlungen in dieser Angelegenheit so weit gediehen sind, daß Ver- dunkelungsgcfahr nicht mehr zu befürchten ist, wurde Häger auf freien Fuß gesetzt. Verne und Krick sind immer noch unerreichbar. Paris und Papen-Pläne Feig und gemein. Oer Staatsanwalt über Aazi-Praxis. Siel, 27. August.(Eigenbericht.) 3a dem in Heide stattsindenden Sondergerichlsprozeß gegen den Ttationalsoziolisten kurdzel, der beschuldigl wird, im Arühjahr 1932 in Aiestelburen den Kommunisten Wiese erschossen zu haben, beanlragte der Staatsanwalt wegen lotschlags l 2 3 a h r e Zuchthaus. Der Staatsanwalt hält den Angeklagten troh seines Leugnens für völlig überführt. Cr bezeichnet die Erschießung des Kommunisten Wiese als eine feige und gemeine Tat. Dos Urteil wird voraussichtlich am Montag in Flensburg verkündet werden._ Oer Mordschütze von Lützen. SA-Mann überführt. Königsberg, 27. August.(Eigenbericht.) Der an dem Reichsbannerführer Kohahn am 6. August in Löhen verübte Mord ist nunmehr aufgeklärt. Kohahn wurde ohne jeden Anlaß aus drei Schrille Entfernung niedergeschossen, als er vor dem Hause des Londarbeiterheims in Lützen stand. Dos verbrechen ist, wie amtlich festgestellt wird, von einem SA.- Mann begangen worden. Dieser leugnet zwar die Tat. kann aber aus Grund des beigebrachten veweismalerials als. überführt gelten. Zusammen mit elf weiteren Personen aus Lätzen und Umgegend, die fast durchweg der SA. angehören, war er gleich nach der Tat wegen Landsriedensbruch in Haft genommen worden. Studenten spielen Stahlhelm. Besuch bei Oldenburg und Hindenburg. Königsberg, 27. August.(Eigenbericht.) Durch Ostpreußen marschieren gegenwärtig Angehörige des Stahlhelm-Studentenringes Langemark in feldgrauen Uniformen und mit Stahlhelm ausgerüstet. Am Freitag marschier- ten sie nach Schloß Neudeck, wohin sie der Reichspräsident ein- geladen hatte. Am Tag zuvor hatten die Stahlhelmstudenten einen Skepsis und Kritik Paris, 27. August.(Eigenbericht.) Ministerpräsident herriot hat am Freitagabend im Quai d'Or- say über die deutschen Militärwünsche mit dem französischen Bot- schafter in Warschau und dem französischen Gesandten in Prag gesprochen. Der für Sonntag angesagten Erklärung des Reichswehrministers vor der Presse sieht man gespannt entgegen.(Gemeint ist ein Artikel v. Schleichers in der Zeit- schrift„heimatdienst". Red. d.„V.".) Das innerpolitische Reformprogramm v. Popens wird hier mit starker Skepsis beurteilt. Man glaubt nicht an «inen großen Erfolg der Zwangsanleihe. Die autarki- fchen Bestrebungen der Reichsregierung werden von der Pariser Presse scharf kritisiert, wenn nicht gar bespöttelt. Der„Petit Pa- riflen" erklärt, v. Papen dürfe sich nicht vorstellen, daß er diese Mahnahmen„heimlich und unbemerkt" durchführen könne. Der deutsche Außenhandel sei heute noch aktiv. Deutschland müsse da- gegen auf seine ausländischen Kunden Rücksicht nehmen und könne ihnen nicht jede Einfuhr nach Deutschland abschneiden. Gleichzeitig gehen in der Pariser Presse die Betrachtungen über die Krise in der Nazipartei weiter. Einige Blätter, so der „Matin", wallen wissen, daß Hitler einer Palastrevolu- t i o n seiner Unterführer zum Opfer gefallen sei. Die angebliche Zustimmung Englands. Paris, 27. August.(Eigenbericht.) Die private Meldung aus London, daß die englische Regierung die Begründung der deutschen Forderung nach Gleichberechtigung in der Wehrsrage voll anerkenne, wird hier in Paris mit äußer- stem Mißtrauen ausgenommen. Der Quai d'Orsay erklärt, daß er bisher keinerlei Bestätigung dieser Behauptung erhalten habe. Zwischen Paris und London ist in den letzten Wochen und Tagen ein reger Meinungsaustausch über diesen Gegenstand erfolgt, aller- dings nur in loser und unverbindlicher Form. Infolgedessen glaubt der Quai d'Orsay behaupten zu können, daß England keines- wegs so unbedingt zu dem Schleicher-Programm steht, wie jene Meldung glauben machen will. Die Wahrheit nach �5 Jahren. Die Menschenopfer der Generäle. Paris, 27. August.(Eigenbericht.) Im„Oeuvre" beginnt der Schriftsteller A l l a r d seine Schilde- rung der parlamentarischen Geheimverhandlungen über die Meu- tereien in der französischen Armee im Juni und Juli 1917. Es handelt sich um die Sitzung, in der die Absetzung der Generäle M a n g i n und N i v e l l e wegen der verunglückten Offensive vom 16. April am Chemin des Dames beschlossen wurde. Der Haupt- angeklagte war der nationalistische Wg. P b a r n e g a r a y, da- mals Leutnant. Er erklärte u. a.:„Mein ganzes Leben lang werde ich das blutige Bild vor Augen sehen: eine Viertelstunde nach dem ersten Angriff liefen die Kolonialtruppen hilflos und führerlos im wilde st en Trommelfeuer herum und wurden von feindlichen Maschinengewehren und unserer eigenen Artillerie zusammengeschossen. Um 6 Uhr morgens hatte die Schlacht begonnen, um 7 Uhr war sie rettungslos verloren. Von der blutgetränkten Erde erhob sich ein einziger Rache» schrei gegen die unvorsichtigen Generäle, die unsere besten Soldaten geopfert hatten." Hoovers Wahlprospeniy. Aber auch er für Arbeitszeittürzung Washington, 27. August.(Eigenbericht.) Bei der Eröffnung der Krisenkonserenz erklärt« Präsident hoover, seine Ueberzeugung sei, daß die größte Finanzkrise der Weltgeschichte nunmehr überstanden sei. Vertrauen und Hoffnung aus eine Besserung der Verhältnisse seien in der ganzen Welt wiedergekehrt und das sei auch der Grund für die Abhaltung dieser Wirtschastskonserenz. hoover setzte sich vor allem für„Ausweitung der K r e- dite" sowie für Kürzung der Arbeitszeit ein. Außer- dem forderte er möglichst weitgehende Verteilung der Ar» beitsgelegenheiten, um möglichst viele Arbeitslose wieder in den Produktionsprozeß einzureihen. Italien revolutioniert - aber in Eüdslawien. Belgrad, 27. August. Die hiesige Presse richtet heftige Angriffe gegen Italien, wobei sie behauptet, daß von Fiume aus Waffen, Munition und revolu- tionäre Flugschriften nach Südslawien geschmuggelt würden. Die Blätter veröffentlichen eine aus S u s a k, dem süd- slawischen Häfen neben Fiume, datierte gleichlautende Meldung, der zufolge die südslawischen Grenzorgane zwei Personen bei diesem Schmuggel ertappt hätten, und diese gestanden hätten, daß ihnen in Fiume mitgeteilt worden sei, sie brauchten keine Sorge vor dem italienischen Grenzsoldaten zu haben und müßten lediglich süd- slawische Patrouillen meiden: die Italiener seien i m Bilde und würden sie ungehindert passieren lassen. Weiter behaupteten die Belgrader Blätter, daß die Präfektur in Fiume den Führer der südslawischen Auslandsorganisation mit Karabinieri(Gendarmen) als Leibwächtern umgeben habe, um ihn gegen Angriffe zu schützen. Die Belgrader Presse wirft den italienischen Behörden vor, die revolutionäre Bewegung in Südslawien materiell überall und auf alle Weise zu schüren. Dies geschehe einheittich durch die Liefe- rung von Bomben, Waffen und Flugschriften sowie Verbreitung der Behauptung, daß die Unruhe in Südslawien großen Umfang angenommen habe. Die Besprechung bei Hindenburg. Auch Schleicher und Gayl fahren nach Neudeck. Außer Reichskanzler o. Papen werden auch Reichswehrminister v. Schleicher, Rcichsinnenminister v. Gayl und Staatssekretär Dr. Meißner Montagabend zum Reichspräsidenten nach Neudeck fahren. Es werden nicht nur das Wirtschaftsprogramm, sondern die ganze innerpolitische Lage und die im Zusammenhang mit der Reichstagstagung sich ergebenden Fragen beraten. Empfang in Deutsch-Eylau. hier wurden sie u. a. von dem Ehren- Mitglied des Stahlhelms, Kammerherrn v. Oldenburg- Janu- schau, begrüßt. Bei dieser Gelegenheit hat der olle Januschauer nach dem Bericht der Korrespondenz Ostpreußen des WTB., der später allerdings zurückgezogen wurde, folgendes gesagt:„Die preußische Königskrone liegt in der Weichsel, aus ihr muß sie herausgeholt werden." Sein Bekenntnis zum Monarchis- mus'gipfelt in den Worten:„Ohne deutschen Kaiser kein Reich und ohne König kein Preußen I", und er wünschte, daß hindenburg die Kraft erhalten bleibe, vorwärts zu gehen ob mit oder ohne Parlament, wahrscheinlich ohne! Sonntag:„etwas kühler"! Die Wetterprognose: Heiter- zeitweise wolkig und Gewitterneigung. Für den morgigen Sonnlag gibt der Amtliche Wetter. dienst folgende Prognose: Heiler, zeilweise wolkig und Ge- witterneigung, etwas kühler als am Sonnabend! In Berlin ist feit Freitag wieder ein erheblicher Tem- peraturan stieg zu verzeichnen. Gestern erreichte das Ther- mometer als Maximum 261-b Grad Wärme, heute zeigte die Queck- Verbote am laufenden Band Kritik am Gondergericht wird nicht erlaubt silbersäule bereits um 12 Uhr annähernd 29 Grad an, damit war aber noch keineswegs der Höchststand erreicht. Für die nächsten Tage scheint im großen und ganzen ein Fort- bestand der Schönwetterperiode, einige lokale Störungen aus- genommen, gewährleistet. Ueber dem östlichen Teil Mitteleuropas herrscht hoher Druck, und ein anderes kräftiges Hochdruckgebiet lagert über dem Ozean. Eine Tiefdruckrinne erstreckt sich von der Ziordsee über Frankreich und reicht bis zum westlichen Mittelmeer. Diese Druckverteilung bedingt für das Reich südliche bis südöstliche Winde. Aus Nordwestdeutschland werden leichte Regenfälle ge- meldet. Die Morgentemperaturen lagen fast, überall bei 19 und 20 Grad Wärme. Kultur der Mauersteine. Im Lande, wo das Hakenkreuz regiert. Dessau. Z7. August.(Eigenberichl.) Unter dem Schuh der Regierung Areyberg beginnt sich seht der nolionalsozialistische Terror auch im Lande Anhalt auszuwirken. Zn den frühen Morgenstunden des Sonnabend wurde das große Schaufenster des sozialdemokratischen„v o l k s b l a t l e s" in Dessau mit einem dicken Mauerstein zertrümmert. Die Täter erorissen die Flucht. Es konnte aber festgestellt werden, daß es sich um zwei uniformierte Nationalsozialisten handelte. Zn der vorhergehenden Nacht wurden in einem kommunistischen Parteilokal sämtliche Jenslerscheiben eingeschlagen und am Gewerkschastshau, die Symbole der Arbeiterschaft beschädigt. Arbeitsdienstschule. (Schöpferisches von einer Naziregierung. Schwerin, 27. August.(Eigenbericht.) Die»ationalsozialistische Regierung in Mecklenburg-Schwerin veröffentlicht am Sonnabend eine amtliche Pressemitteilung, in der sie Auffchluß darüber gibt, in welcher Form der 2l r b e i t s d i e n st i n Mecklenburg durchgeführt werden soll. Zunächst werde ein Schulungslager zur Ausbildung geeigneter Führer im Ar- beitsdienst eingerichtet. Dos Schulungslager soll in kürzester Frist eingerichtet und es soll eine Stamm- und Lehrabteilung für den Arbeitsdienst aufgestellt werden. In diese Lehrabteilung sollen nur Reichsangehörige im Alter von 19 bis 2Z Jahren ein- gestellt werden, und zwar unter der Voraussetzung, daß sie gesund sind, eine einwandfreie Führung nachweisen können und Lust zum Arbeitsdienst überhaupt haben. Nur in besonderen Fällen will man auch Verheiratete heranziehen. Nach den weiteren Mitteilungen der Regierung soll die Aus- bildung in der Lehrabteilung drei Monate dauern. In dieser Zeit wird den Teilnehmern des Lehrgangs freie Unterkunft und Verpflegung, freie Kleidung und ein tägliches Taschengeld in Aussicht gestellt. In den ersten Tagen des Sep- tember sollen in den verschiedenen Aemtern Mecklenburgs die W e r- Hungen der Leute für den Lehrgang beginnen. Die Ausführung der Regierungspläne soll in den Händen der Amtshauptleute, also der Landräte, liegen. Razi-Pech. Oer Lude Offenbach und die deutsche Tanzkultur. Die Nationalisazjalisten haben so ihre Sorgen. Wenn ihnen die Beschäftigung mit den Handgranaten einmal»inen Augenblick Zeit läßt, begeben sie sich sogar hin und wieder auf kulturelles Gebiet. In mehreren Nozi-Zeitungen, zum Beispiel im„Nationalsozialist" in Weimar, lassen sie jetzt den von der Berliner Funkstunde her bekannten Tanzlehrer Walter Earlo»(unzweifelhaft deutscher Name!) eine„nationale Tanzkultur" verkünden. Dabei macht dieser neue Kulturapostel folgende drei Vorschläge: 1. den deutschen Sporttanz, 2. den deutschen Step und 3. den Sechsviertelwalzer, der feinen musikalischen Ursprung in der Barcarole aus„Hoffmanns Erzählungen" hat. Damit leisten sich diese Deutschtümler wieder einen kostbaren Scherz. Denn die Musik zu„Hoffmanns Erzählungen" ist in dem sündhaften Milieu von Paris entstanden, und der sie schuf, war der— Jude Jogues O f f e n b a ch! Wir können asio feststellen, daß unsere Nationalsozialisten die„deutsche Tanzkultur" aus- gerechnet mit einem— um i» ihrer Sprache zu reden!—„j ü- dischen Machwerk" reformieren wollen. Daß sie dabei den englischen„step" nicht ins Deutsche über- setzen können, sei ihnen ebenso verziehen, wie die Empfehlung eines Sporttanzes, obwohl der Sport seinen Ursprung auch nicht im Teuto- lnirger Walde genommen hat, denn dessen Urbewohner„lagen auf Bärenhäuten und tranken immer noch eins". Wahrscheinlich wird nunmehr aber der Herr Carlos von den 'Nazis zum„S t a b s t a n z w a r t" ernannt werden, damit er die Reform des deutschen Tanzes vom Braunen Haus« aus endlich auch praktisch in Angriff nehmen kann. Edvard Bull gestorben. Ein Zührer der Arbeikerschoft Norwegens. � Oslo. 27. August. Der norwegische Politiker Professor Dr. Edvard Pull ist am Freitag im Alter von S2 Jahren gestorben. Bull war Führer der Sozialdemokratie und dann der Arbeiterpartei. Er bekleidete 1926 im Kabinett Hornsud die Stelle des Außenministers. Beitrag zur Funkreform. Ab und zu hörte man aus anderen Ländern, daß vermißte Personen durch Ausforderung im Rundfunk zur Meldung gebracht worden sind. Nun erfährt man, daß auch der deutsche Reichsrund- funk sich zur Zeugensuche hergibt, selbstverständlich nur, um der verfolgten Unschuld betzustehen— wie Lohengrin. Die Kunde von dieser Neuerung kommt aus Brünn, und es ist natürlich ein reiner Zufall, daß diese drahtlose Zeugensuche gerade im Interesse jener sudetendeutschen Aufbauwilligen erfolgt, die dort in der mährischen Hauptstadt eines Verbrechens gegen den Staat, begangen durch„Bolk»sport"-Tarnung, angeklagt sind. Dort eben teilte der Verteidiger laut dem Bericht der Hugenberg-Agentur TU, mit, dasi die am Dienstag durch den deutschen Rundfunk verbreitete Rundfrage nach dem Fahnenträger des SA.- Sturms 83 in Zittau vollen Erfolg gebracht hat. Der Fahnenträger hat sich bei dem Verteidiger am 24 vormittags telephonisch gemeldet. Es ist der Arbeiter Alfred Seiler aus Neugersdorf bei Zittau, also nicht der Angeklagte Jllig, den der Staatsanwalt auf der Photographie zu erkennen behauptet. Er trage die Fahne, so erklärte Seiler, seit 1929 und würde sie nie aus der Hand geben. Damit sei der Beweis erbracht, so sthrt» Der„Alarm", die republikanische Wochenzeitschrift, ist vom Berliner Polizeipräsidenten wegen eines Artikel» gegen das vhlauer Urteil auf fünf Wochen bis züm 30. September einschließlich— verboten worden. Verlag und Redaktion de» Plattes werden natürlich gegen das Vrbol veschwerd« einlegen. Das Blall hafte in einem Artikel:„Das Ohlauer Schreckensurleil", gesagt:„Die republikanische und linksstehende Bevölkerung ist geradezu als Freiwild der Willkür der Justiz preisgegeben", hierin, heißt es in der Begründung, liegt eine Beschimpfung und böswillige Der- ächllichmachung der Justizbehörden! ic Dieses Verbot des„Alarm" ist das dritte innerhalb weniger Tage, das sich gegen Kritik an Sondergerichtsurteilen richtet. Es scheint also, daß die Sonderjustiz in Zukunft als tabu — als unangreifbar und unverletzlich gelten föll. Das ist wohl auch ein Resultat der„grundsätzlich neuen Staatsführung?" Die Verbotspraxis stumpft sich nachgerade ab. Sie wird zur Alltäglichkeit und damit zu einer ernsten Gefahr für das Volks- bewußtsein, das noch immer den Begriff Pressefreiheit fest- hält. Deshalb muß man den Verbotsgrünben nachgehen und peinlich darauf achten, daß nicht in der polizeilichen Handhabung der Verbotsmöglichkeit die Dinge sich verwischen. Das„Berliner Tage- blatt" macht heute darauf aufmerksam, daß z. B. das Verbot der „Roten Fahne" auf einer sehr— weiten Auslegung des Textes beruhe, der den Anlaß zum Verbot abgab. Das„V.T." sagt dazu: Es handelt sich hier um eines der Zeitungsverbote, die ästen- sichtlich nicht nur den Sinn, sondern auch den Wortlaut der Presse- Notverordnung verletzen, und wir halten es für nötig, aus recht- lichen Gründen auf diese Tatsache hinzuweisen. In der zitierten Stelle aus der„Roten Fahne" ist gesogt, die Sondergerichte seien dazu bestimmt, „ein entscheidender Bestandteil des faschistischen Terrors gegen die Arbeiterschaft" zu werden. der Verteidiger aus, daß der Angeklagte zu Unrecht beschuldigt werde. Wenn der Staatsanwalt sich dieser Behauptung nicht an- schloß, sondern ganz im Gegenteil sie als durchaus unbewiesen erklärte, so kann das ja schließlich nicht wundernehmen— ist er doch ein Tscheche. Aber wer weiß, das Dritte Reich wird vielleicht — durch Rundfunk!— seine Auslieferung zu treuen Händen der Pgs Frank II und Freister fordern! Aus dem Zug gesießen. Lunger Mann von Mitreisenden hinausgeworfen. Schwerin. 27. August.(Eigenberichl.) Sin aufsehenerregender Vorfall ereignete sich am Sonnabend- vormittag in der Nähe der Ortschaft Bad kleinen. Do« wurde nach den Feststellungen der Fahndungspollzel der Reichsbahn am Frei- lagabend spät ein junger Mann, und zwar der Kellnerlehrling Hans Ulrich Mllh an, aus dem sahrenden Zuge von Mit- reisenden hinausgeworfen. Ts wird angenommen, daß die Täler drei Personen sind, mit denen Milhan in einen Streit geraten war. Milhan. der bewußtlos ausgesunden wurde, liegt zur Zeit noch schwer danieder. Er hat außer mehreren Rippenbrüchen auch eine Gehirnerschütterung davongetragen. Ein schießwüiiger Ehemann. Nächtliche(Schreckensszene in der Bergmannstraße. Die Bewohner des Hauses Bergmannstraße 8 am Äreuzberg wurden gestern abend durch eine Anzahl Schüsse in Schrecken gesetzt. In dem Hause war der 30 Jahre alle Hilfspostschaffner Friedrich R. aus der Arndsttrahe 29 vor der Wohnung eines Verwandten, um feine Frau aufzufordern, zu ihm zurückzukommen. Sie hatte ihn vor einigen Tagen verlassen. Man knallte ihm die Tür vor der Nase zu. In seiner Wut griff der Mann nach einer Pistole und feuerte fünf Schüsse durch die Tür, die glücklicherweise niemand verletzten. Zwischen dem Ehemann und seiner Frau war es häufig zu Streitigkeiten gekommen, die immer größere Ausmaße annahmen. grau R. entschloß sich daher eines Tages, ihren Mann zu verlassen und suchte Hilfe bei ihrem Schwager in der Bergmannstraße. R. ver- suchte wiederholt, seine Frau zur Rückkehr zu bewegen. Es mißlang ihm aber, In den gestrigen späten Abendstunden machte er nun nochmals einen Versuch. Kriegsbeschädigier gegen Kassenräuber. Mit einem(Schemel Verbrecher in die Flucht geschlagen. Chemnitz, 27. August. Aus die Siationskasse von Eibenberg�-Kemtau wurde gegen Mitternacht«in Raubüberfall verübt, der aber durch die Geistesgegenwart des diensttuenden Beamten abgewehrt werden konnte. Als der maskierte Räuder in den Dienstraum eindrang, trat ihm der kriegsbeschädigte Beamte mit einem Schemel ent- gegen, woraus der Räuber einen Reoolverschuß abgab, der glücklicher« weise sein Ziel verfehlte. Hierauf ergriff der Räuber die Flucht. ohne irgendetwas erbeutet zu haben. Oer Flugzeugabsturz in Iohannisihal. Oer Pilot vor Gericht.- Angeklagt wegen Fahrlässigkeit. Unter der schweren Anklage, durch Fahrlässigkeit bei einem Fluge mehrere Menschen getötet und verletzt zu haben, hat sich heute der Zgjährige Pilot Wilhelm Gabriel vor der Ferien- straftammer des Landgerichts II zu verantworten. Der Pilot stürzte am 3. Juni mit seinem Flugzeug in der Nähe des Flugplatzes Johannisthal ab. Das Flugzeug fiel aus ein Dach der T«:nmler- Werke und durchschlug es. so daß mehrere Fabrikarbeiterinnen in der Werkstatt schwer und zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Die Anklage wirft dem Piloten vor, daß ex unerlaubterwsise in einer geringen Höhe über der Fabrik ein Looping gemocht habe, bei dem das Flugzeug dann abgestürzt war. Der Angeklagte schildert« den Unglücksfall anders. Er wollte über d-m Flugplatz m einer Höhe von 300 Metern eine Art Segelslug, nämlich einen Langsamflug mit stehendem Propeller, unternehmen. Dabei sei dos In den Verbotsgründen dagegen wird behauptet, die „Rote Fahne" habe gesagt, die Sondergerichte seien nur zum Terror gegen die Arbeiterschaft bestimmt. Das ist ein ent- scheidender Widerspruch!... In jedem Falle aber liegt hier ein typischer Fall vor, in dem Kritik mit„böswilliger Verächtlichmachung" verwechselt wird Das kommu- nistische Blatt hat an der Tätigkeit der Sondergerichte Kritik geübt, es hat sie aber nicht„böswillig verächtlich" gemacht. Eine Ver- wechslung von Kritik, und Verächtlichmachung muß aber in der Verdotspraxis unter allen Umständen vermieden werden, da sonst in Zukunft jede, auch die anständigste Kritik ein Verbot nach sich ziehen könnte. Diese rechtlichen Ausführungen sind-sehr ernst zu nehmen, auch wenn sie mit bekannter Handbewegung alz„Unterstützung des Bolschewismus" erklärt werden sollten. Das hier Gesagte trifft auch zu auf die Begründung, die dem Verbot der kommunistischen Zeltung„Verlin am Morgen" beigegeben ist. Das Blatt hatte die Namen der Richter genannt, die das Sondergericht bildeten, das den jungen Hausdiener Schmidtke m i t s o f o r t i g e r R e ch t s t r a j t zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilte, und hinzuzefügt, diese Namen würden„für alle Zeit in das Gc- dächtnis der Berliner Arbeiterschaft eingehämmert sein". Darin er- blickt der Polizeipräsident„eine unverhüllte Anreizung zu Gewalt- tätigkeiten(!!), und in Ausdrücken wie„Schreckensurteil" usw. eine „maßlose Beschimpfung der Justizgewalt"! Gegen diese Art von Perbotsbegründung kann es nur ein- mütigen Widerspruch geben. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß der maßlos beschimpfende„Aufruf" Hitlers nach dem Beuthener Urteil nirgends zu einem Verbot der Naziblätter geführt hat, er- scheint die jetzt geübte Unterbindung der kommunistischen Kritik an Sondergerichten wirklich sehr weit hergeholt. Wir warnen da- vor, auf diesem Wege fortzufahren! Flugzeug über dem rechten Flügel ins Trudeln und aus der Richtung gekommen und er habe es nicht mehr rechtzeitig aufsangen können. Bei dem Ausschlagen aus das Dach habe er sich losgeschnallt und bei einem Sprung aus dem Flugzeug Hobe er sich selbst leicht oerletzt. Friedhof als Oiebeslager. Oer„Erholung" suchende Tafchendieb. Auf dem Elisabeth-Friedhof in der Wollantstraße in Pankow wurde gestern ein Dieb festgenommen, der schon Wochen hindurch von den Besuchern beobachtet und sogar auch einmal verfolgt worden war. Jedesmal, wenn der Mann zwischen den Gräbern auftauchte, war einer Besucherin die Geldbörse oder Havdtalche verschwunden. Gestern»Mich konnte man ihn erwischen und der Polizei übergeben. Es ist«in 25 Jahr« aller Jojef K. Der Di»b— ein Exhibitionist belästigte zudem Kinder, die den Friedhof besuchten. Vor kurzer Zeit war der Bursche nach einem Diebstahl einer Geldbörse verfolgt worden. Er sprang aber über eine Mauer und konnte entkommen. Als sich einer seiner Verfolger die Mauer genauer ansah, entdeckte er. daß dort einige Steine gelöst waren. Als er sie vollends herausnahm, entdeckte er ein regelrechtes Diebesversteck. Es lagen dort eins ganze Anzahl von Geld- börsen und Handtaschen, die der Bursche gestohlen und hier ver« wahrt halte. Sie war«» natürlich schon geleert. Gestern tauchte Josef K. wieder auf dem Friedhos aus. Einer seiner Verfolger von damals sah ihn und schlich sich durchs Gebüsch an ihn heran. Er hielt ihn sest und ließ durch den Friedhossaufseher Polizei holen. Akks dem Revier bestritt er die Diebstähle. Die Angaben der Zeugen belasten ihn aber schwer. Josef K. behauptete, daß er nur den Friedhos aufgesucht Hab«, um dort„Erholung" zu finden. Gprengstoffdiebstahl aufgeklärt. Vier Personen in Trier verhaftet. Trier, 27. August. Der Einbruchsdiebstahl in das Sprengstofflager einer Essener Sprengstoffabrik bei Zemmer, Bezirk Trier, ist nunmehr aufgeklärt worden. Die Polizei hat vier Personen v e r h a s t e t. Zwei Per- sonen. die ebenfalls an der Tat beteiligt waren, sind geflüchtet. Die Einbrecher hatten bei ihrem Einbruch 124 Pfund Ammonit und 104 Pfund Schwarzpuloer erbeutet. Diese Sprengstoffe wurden im Trierer Stadtwold vergraben und nunmehr von der Polizei ausgefunden. Bluttat an einem Greisenpaar. Von einem Knecht erschlagen. Aarau(Kanton Aarau), Z7. August. Et» 70 Jahre alter Landwirt in der Ortschaft Suhr wurde gestern beim Mähen von einem Knecht überfallen und erschlagen. Der Mörder begab sich dann in das Wohnhaus des Landwirts und schlug auch dessen 72 Jahr« alte Frau nieder, worauf er flüchtete. Die Frau wurde von Nachbarn blutüberströmt ausgesunden: ihr Zustand ist ernst. Sie konnte jedoch eine genaue Beschreibung des Täters geben, der später in einer Wirtschaft in Suhr festgenommen wurde. Bei seiner Vernehmung gab er an, er habe die Landwirts? ehelevte überfallen, um eine größere Summe Geldes zu rauhen, die der Landwirt aus einem Biehverkauf löste. Dos Geld habe er aber nicht gesunden. Großer Oachstuhibrand in Neukölln. In der letzte» Nacht wurde die Feuerwehr kurz nach 1Z Uhr nach der Kaiser-Friedrich-Straße 74 in Neukölln alarmiert, wo im Dachstuhl des Vorderhauses Feuer ausgebrochen war. Als die Feuerwehr an der Brandstelle eintraf, brannte ein Teil des Dachstuhls bereits lichterloh. Mit vier Schlauchleitungen und mehreren Rauchschutzgeräten wurde der Brand über eine mechanische Leiter und die Treppenhäuser bekämpft. Nach mehrstündiger an- gestrengter Tätigkeit war das Feuer gelöscht. Im Nordostseekanal wollte man am gestrigen Gluttag au? dem Kreuzer„Köln" gehört haben, daß auf dem passierenden französischen Dampfer„Cyudebec" geschimpft werde. Polizeiliche Vernehmung in der Holtenauer Schleuse har nichts ergeben. Der Franzose fuhr darauf nach Danzig weiter. Filmleute verunglückt. Autounglück in Dahlem- Wagen zertrümmert. kurz vor ZNitlernacht stießen aus der Kreuzung Cäcilien- Allee und Zm Dohl in Dahlem zwei Privalwagen mil großer Wucht zusammen. Beide Fahrzeuge wurden schwer beschädigt. Bei dem Unsall wurden sechs Personen verlehl. Unter den verunglückten besindel sich der Filmregisseur Meyer, der noch gestern spät abends die letzten Innenaufnahmen zu dem Film„Gllgi- im fjalcnseer Csa-Atelier mit Brigitte Helm In der Hauptrolle gedreht hatte. Gegen K12 Uhr oerließ Regisseur Johannes Meyer mil 'einer Frau und dem Aufnahmeleiter Walter Lehmann, dem Direktor Jlia S a l k i» d und einer Schauspielerin das Atelier in .Halensee. Auf dem Weg zur Wohnung Meyers, der in der Margaretenstraße in Lichterfelde wohnt, ereignete sich das Unglück Beim Passieren der Cäcilien-Allee kam aus der Seitenstraße in scharfer Fahrt ein anderes Privatauto heran, das nach den bisherigen polizeilichen Feststellungen von der 19 Jahre alten An- gestellten Ursula hennig gesteuert wurde. Die Wagen prallten heftig zusammen. Der Zusammenstoß erfolgte mit solcher Gewalt. daß Regisseur Mey�r und feine Frau aus dem Auto geschleudert wurden. Wahrend Frau M. mit unerhebliche,, Verletzungen davon- kam, blieb der Regisseur mit schweren Knochen- brüchen bewußtlos liegen. Die übrigen Insassen des Autos, der-tZsahrige Ausnahmeleiter Walter L e h m a«i n. Direktor S a l k i n d und Fräulein Anni Drechsler zogen sich Verletzungen und Gehirnerschütterungen zu. Die Fahrgäste des anderen Wagens, der Zchähnge Generalmanager Bobby 2ß ithmann aus der Dringend ruhebedürftig .Mir i< mie« vor mir.* Kaiserallee und die Führerin Anni hennig kamen mit leichten Wunden davon. Di« Verletzten wurden ins Stubenrauchkrankenhaus gebracht. Die Schuldfrage konnte bisher noch nicht einwandfrei geklärt werden. Die Unglücksaulos sind von der Kriminalpolizei beschlag» nahmt worden. Durch den Unglückssoll wird in der Fertig- stellung de. Film,„Gilgi* kein« Unterbrechung eintreten, denn die letzten Innenaufnahmen wurden gestern beendet. G» sind lediglich noch einige Außenaufnahmen zu drehen, so daß die Premiere im Oktober stattfinden kann. Oeuffche Lugenderziehung. Aufbauarbeit in der HitlenIugend. Dem Vraunschweiger„Volksfteunb" ist ein Rundschreiben der Hitler-Jugend in die Hände gefallen, au, dem hervorgeht, in welcher verbrecherischen Weise die Hitler-Jugcnd erzogen wird. In dem Rundschreiben, da, auch deutliche hinweise über die Taktik der ganzen Partei gibt, wird mitgeteilt, daß al« Gegner die Sozia» i i st l s ch e Arbeiterjugend, die kommunistische Jugend und das Zentrum angesehen werden müßten. Es wird dann u. a- gesagt: „Die Werbung für die Hitler-Jugend hat unter verschiedenen Gesichtspunkten zu geschehen, und zwar ungefähr nach dem Muster, Wir die Freiheit, die anderen die Knechte! Wir die Wahrheit, die anderen Lügner. Wir da» Leben, die anderen Sterbende. Im Kampsmonat werden Klebezettel oerteilt, und zwar nicht mit spieß» bürgerlichen Ausschriften wie„Kommt zu uns", sondern mit Texten wie:„hitler-Jungen, merkt euch die marxistischen Provokateure" oder„Tausendsältige Rache für jeden gemeuchelten hitler-Jungen" tVorschläg« können von jedem Hitker-Jugendmann gemacht werden). Die anläßlich der Winterosfensio« herauskommenden Flugblätter sind äußerst scharf gehalten. Sie greifen den Gegner in brutaler und ihren Taten entsprechender Weis, an und sind glänzend zur Verteidigung geeignet, da sie aus dem Rahmen des Alltäglichem herausfallen' Die Propagandaabteilnng wirb«Ine Reihe von Transparenten herstellen, die revolutionäre Aufschriften tragen sollen. Bildertransparente etwa nach folgendem Muster: Ein Hitler-Junge tritt mit geballten Fäusten einem aisttürmenden, m i t Dolch und Revolver bewaffneten SA I.» M�i n n entgegen und versetzt ihm einen unsansten Tritt in den hinter» teil. Die Parieipreis« wird scharfe brutale Angriffe auf Emzci- p-rsonen bringen. Wi, die Angrisse beschassen sein sollen, wird auch solgendermaßen angeordnet: Bei Angriffen aus Einzelpersonen muß daraus geachtet werden, daß diejenigen zuerst angegrisscn werden, die allerhand aus dem Kerbholz haben. Die Angritse richten sich immer nach der Schwere der Taten bzw. ihrer Verbrechen. Will man eine Person lächerlich machen, so greift man zu solgendem Satz, der hier lediglich als Veispiei angeführt werden soll: Thiele» mann, der größte Schaumschläger des Praunschweigischen Land- tags." Die Folgen dieser..Erziehungstätigkeit" an der Hitlsr- Jugend erkennt man daran, daß dem Redakteur und Abgeordneten Thielemann in den letzten Wochen dreimal hintereinander die Fensterscheiben eingeworfen wurden und daß man außerdem seine schwarzrotgoldene Fahne mit Säure zu vernichten suchte. DerRundfunk-ei Ltnfreiwillige Offenheit Der von dem nationalsozialistischen Reichsrundsuokkommissar dirigierte Rundfunk legt wert aus seine Anerkennung als Tendenz betrieb! Die Hörer hoben ihn zwar schon seil dem Beginn der Scholz-Diktalur al, solchen erkannt: immerhin ist es be- merkenswert, daß die Berliner Funkstund« durch ein sicher nicht billiges Z0 Schreibmaschinenseilen umfassendes Gutachten eines Uni- versilätsprofessors vor dem Arbeitsgericht sich selber als Tendenzbetrieb auszuweisen bestrebt war. Veranlassung dazu war die Klag? des ehemaligen Leiters der Aktuellen Abteilung, Dr. Kürschner, gegen die Funkstunde. Um dar- zutun, daß die Entlassung zu Recht besteht, legte der Vertreter der Funkstunde, Ober-Regierungsrat Dr. K a r st e n s« n, das Gutachten vor. Im Äetriebsrätegesetz heißt es nämlich, daß auf Betriebe, die politischen, gewertschastlichen, militärischen, konfessionellen, wissen- schaftlichen, künstlerischen und ähnlichen Bestrebungen dienen, die Einstellung eines Arbeitnehmers von seiner politischen, mili- tärischen, konfessionellen oder gewerkschaftlichen Betätigung abhängig gemacht werden kann, soweit die Eigenart ihrer Bestrebungen e» bedingt. Die Eigenart der deutschen Rundsunkbestrebungen bedingt heute. daran kann es allerdings keinen Zweifel geben, beschleunigte Eni- lassung aller, die nicht Nazis oder mindestens Nazi-Freunde sind. Man kann der Funkswnde nur dankbar sein, daß sie durch ihr offenes Bekenntnis zum Tendenzbetrieb für letzte Klarheit gesorgt hat. Ueberhaupt erwies sich diese Verhandlung vor den Schranken des Arbeitsgerichtes als überaus aufschlußreich für die Herrschast des nationalsozialistischen Reichsrundsunkkommissars. Am 10. August hat Dr. Erich Scholz diesen Posten an- getreten. Am 12. A u g u st brachten Pressenotizen die Mitteilung Dymow: Europa A.-G. Komödie. Erneuerung des Theaters wird ausgeschrien. Gerade, weil«, uns an den Kragen geht, materiell und geistig, verspricht der Dramatiker, er werde tief in sich hineinsteigen und aus noch größerer Tiefe der gedrückten Zeit das geheimnisvolle und vielleicht erlösende Seelenelement zutage bringen. Und nachdem er dos versprochen und uns mit aller Sehnsucht berauscht hat, kommt er mit einem nicht einmal erarbeiteten, sondern mit einem geschluderten Kitsch. Er ist also nur ein auegekochter Versprecher und Reklametrommler. der die gröbsten Schlägel rührt. Dymow hat bisher viele unter- haltende und auch zartere Prosa geschrieben. Im Gefolge der großen Russen beackerte er sein ergiebiges Rovellistentalent. Im Theater befriedigte er den feineren Geschmack der psychologisch Eingestellten. Aber diesmal ist er entsetzlich heruntergekommen. Dymow nennt sein Attentat gegen das bessere Theatergenre eine musikalische Komödie, aber auch der Titel soppt. Dymows musikalische Komödie ist nichts anderes als eine zusammen- gestümperte Revue ohne roten Faden, ohne Salz. Das Genre wird vollständig verdorben, und man ahnt, wie es weiter entarten wird, nachdem der witzige und angriffslustige Marcellus «chisser die Feder weggelegt hat. Kommerzienräte und Bankdtrek- torsn von allzu primitiver Geweinheit werden entlarvt und als Ehrengäste des Sanatoriums Moabit gefeiert. Die noblen Herren sind Aktionäre der Europa A.-G. Das ist ein Luxusrestaurant. Man soll also sehen, wi« sie dort protzen, soupieren und saufen. Selbst diese Entlarvung des Lasters wirkt nur lächerlich. Ebenso wirkt die bessere Menschheit auf der Bühn«, die als Kontrast der stet? Per- gnügten aufmarschiert. Ein verarmtes Edelfräulein, zur tugend» hasten Animierdame geworden, durchschaut den Schwindel zusammen mit dem»ohn des bankrottierenden, Bankiers. Dieser Sohn war »in Trunkenbold und Verschwender. Doch aus Liebe und Anständig- keit wirft er dem Papa die Hundertmarkschein« vor die Füße und er rettet sich in einen ehrenwerten Beruf. Cr verlobt sich sogar mit der tugendhaften Edeldam«. Dymow hat sich bei seiner skrupellosen Spekulation auf den schlechten G«ichmack und die Dummheit der Komödienbesucher mächtig verhauen. Es wäre ja gar nicht so tragisch, hätte er nicht den Mund so voll genommen und erzählt, daß er einer entarteten Kunst wieder aufhelfen möchte. Dann hat er noch erzählt: Nicht auf meinem Mist ist alle diese herrlich« Idee gewachsen, sondern Max Reinhardts Sohn, Gottfried. M Jahre alt. arbeitete in innigster Gemeinschaft mit mir. Er gab mir Inspiration, Mut und Motive. Kurz, ich, Dymow, war nur Schritt» und Librettowacher der Jugend, die beweisen kann, daß die Verkalkten endlich abzu» danken haben. Der Fall Gottfried Reinhardt, als Fall für das Jugendgericht milder zu behandeln, siegt viel einfacher als der Fall Dymow. Gottfried ist als Schauspieler sicher ein begabter Junge. Was er macht, macht er mit jener artistischen Altklugheit, die ein fixer Theaterjunge, der früh im Parkett saß, sich bald aneignet. Er hat das interessante Gesicht des Vaters, auch des Vater» sonore Stimme und schleppend« Bewegungen. Doch alles paßt«her zu einem Dreißigjährigen al« zu einem Jungen- GoUsritf» ist offenbar auf dem besten Weg,«in tüchtiger Schauspieler zu werden. Nur müßt« ein energischer Regisseur ihn erziehen, hier aber wird Gott» fried zum Regisseur und begnadeten Jdeeneinbläser ernannt, und e» entpuppt sich die ganz natürliche horizontlosigkeit und durchaus ver» ständliche Einfalt de» Knaben. Unt«r dreißig Mitwirkenden wird von dem Reklametambour Fräulein Kadidja Wedekind besonder» beräuchert. Man oergönne dem jungen Mädchen, da» fleißig Zeichenkunst studiert, die Anerkennung, daß ihr das Theaterspielen Vergnügen bereitet. Sie «st eine nette Dilletantin. Aber die„Komödie" ist ja kein Etablisse» ment für Familienunterhaltungen. dl»x Hockdork. Sie Volksbühne wirbt? Im Rahmen der gestrigen Werbeoeranstoltung des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bankangestellten anläßlich seines zwanzig» jährigen Bestehens fand die Bolksbühn« Gelegenheit, durch «in K a b a r e t t p r o g r a m m in eigener Sache für die neu« Saison zu werben. Der Sinn der Volksbühne steht und fällt mit der sozio» logischen Qualität ihrer Mitgliedschaft, und derartige Wcrbeoeran» staltungen in den Organisationen der arbeitenden Klasse dienen zur Aufrechterhaltung und Erweiterung ihrer sozialen Position. In wirkungsvoll abwechslungsreicher und bunter Folge wickelte sich das Programm vor vollbesetztem Saale ab. Willi Krüger mahnte in der Rezitation der„Theaterweisheiten" noch einmal in Lachen und Satire an den Zweck des Abends, ehe er die Bretter der Brettlkunst freigab: Barbara von Wussow tanzte Ausdrucksstudien im Sinne der Klamtschen Schule, unter denen die„Groteske" am sinnfälligsten wirkte; Rudol Koch-Riehl sprach„Reue Verse" und Ilse T r a u t s ch o l d sang moderne ernste und heitere Groß» stadtsong»(ob diese Art der da» angeprangerte Elend im Grunde in Tendenzbetrieb vor dem Arbeitsgericht von der Absetzung Dr. Kürschners, der auf Anfrage bei Direktor Knöpske die Erklärung erhielt, daß davon im Funkhans nichts bekannt sei. Am 13. August mittags anlaßlich einer Unter» redung über Programmsragen wurde sie Dr. Kürschner von Direktor Knöpske mitgeteilt. Als Grund der Entlassung wurde dem Betriebsrat angegeben: Der vom Reichsinnenminjsterium ernannte Reichsrundfunk. kommissar wünsche sie. Man muß Dr. Kürschner recht geben, wenn er dies« Erklärung als ausreichenden Entlassungsgrund nicht anzusehen geneigt ist. Der Betriebsrat ist, wie diese Verhandlung vor dem Arbeitsgericht er» kennen ließ, anscheinend rechtzeitig, aber ohne Erfolg gegen di« will» kürliche Kündigung vorgegangen. Die Hauptverhandlung, die dies« und verschiedene andere recht interessante Fragen zu klären haben würde, steht noch aus. Dem unbeteiligten Zuhörer bei dieser Vergleichsoerhandlung erscheint es jedoch sehr wahrscheinlich, daß die Funkstunde sich vor diesem Termin mit ihrem Kläger einigen wird. Jedenfalls vermied in dieser ersten Verhandlung der Vertreter der Funkstunde jede positive Aus- sage, die den Blick hinter die Kulissen des Funkhauses— und damit hinter die Kulissen des gesamten deutschen Rundfunk-Tendenz- betriebes— noch erweitert hätte. Er war entweder„nicht infor- miert" oder hatte„keine Vollmacht" und tat überhaupt alles, die Verhandlung unklar zu halten und einer beschleunigten Vertagung zuzuführen. Es wäre im Interesse weiterer Aufklärungen über den Rund- funkbetrieb allerdings außerordentlich erwünscht, daß die angesetzte Hauptverhandlung stattfindet. nur in kleinbürgerlicher Weise verzärtelnden und für Ohren und Vorstellung verlieblichenden Sparte der Brettlkunst ihre gewünschte Wirkung erzielt, ist fraglich): Wolfram Taubmann hatte in seinen Soloszenen die Lacher von vornherein auf seiner Seite, und daß die drei vom hausdichter Stemmte stammenden Sketsche. auf Momentanwirkung zugeschnittene psychologierende Situation, durch» schlagen würden, lag in der Möglichkeit ihres Stoffes. Durch das Ganz« schlängelte sich mit Liebenswürdigkeit. Heiterkeit und aktuellem Witz die Conference von Theo Maret. Die sonst noch freien Mi» nuten und Viertelstunden tauchte die Kapelle von Willi G r o h in einschmeichelnde Melodien und moderne Rhythmen. Ein solcher Abend muh wirken, weil er dazu da ist— und er hat gewirkt. 1. k. Bronnen macht Karriere. Llni> Stahlhelm zieht ins Funkhaus ein. Arnolf Bronnen alias Bronner, Parteigenosse des Reichs- rundsunkkommissars, der nach der Entlassung Dr. Arthur Kürschners zum Leiter der Aktuellen Abteilung der Funkstunde ernannt wurde soll jetzt Rundjunkintcndant in der Provinz, wie es heißt in Königsberg, werden. Sein Nachfolger ist vorau-sicht- sich ein Dr. hüb oll er, der bisher der Propaganda- leitung des Stahlhelm angehörte. Er hat bereits seinen Einzug in das Funkhaus gehalten. Annemarie im Cafino-Thea�er. hinterm Alex, hinterm Bülowplatz, in der Lothringrr Straß« unweit der Schönhauser Allee, inmitten der endlosen dunklen Straßenschluchten des Nordens(die länger wie dos Leben selber sind, mit Jlja Ehrenburg zu reden) leuchten die Lampen des Casino- Theaters, das seit vielen Iahren von Hans Berg geleitet wird. Da läuft jetzt eine Volksoperette von Okonkowski, Musik von Jean und Robert Gilbert,„Annemarie" geheißen. Eine„Volks- operette", die sich bei näherem hinsehen als Schwank mit ein- gelegten Couplets entpuppt; als alberner Schwank mit harmlosen Couplets, als harmloser Schwant mit albernen Couplets wenn man will, von Haus aus ein Rührstück für Kleinbürger— das ist aber schließlich olles gar nicht so wichtig: da das Zeug ja weder vor noch auf der Bühne ernst genommen, lediglich vielmehr als Spiel» grundlage, als Vorwand und willkommene Gelegenheit betrachtet wird.-gutberlinischen Klamauk zu machen. Das aber wird gründlich besorgt, hier spielt Berlin Theater, hier spielt Berlin sich selbst: Berlin, das frech und sentimental ist zugleich, Berlin, das sich so sehr liebt, so gerne selbst verulkt und das Verulken dann noch parodiert. Mit Kunst, mit diesen gehüteten Treibhausgärten des Westens, hat das alles nichts zu tun: das ist Berliner Vaudeoillc, ein« wildwachsend«(um nicht zu sagen wildgewordene) ganz richtig- gehende Berliner Pflanze. Solche Art zu spielen ist kollektive Angelegenheit. Die unbe- streitbare Unvollkommenheit des einzelnen wirb nur durch die voll- kommene Einheit des Spiel- und Publikummilieus erträglich. Um aber«in paar Namen zu nennen: Hans Berg, Ewald F ist er, Elfe Müller, Edith Litzek stehen in erster Reih«. Selten großer und herzlicher Beifall. w. Kleine Kunkschau. Am Freitag wurde vom Programm der F u n k st u n d e der Dortrag von Dr. Wolf Zucker über das Thema„Die mittel- alterliche Stadtropublik" abgesetzt. Weshalb auch wollte er nicht über Königreiche sprechen? Wer für den Ersatzvortrag kein Interesse aufbracht« und aus die Deutsche Welle umschaltet«. bekam auch hier eine unprogrammäßig« Darbietung. Doch sie war «in« ang«nehme Uebirraschung. Ein mit glücklichen Augen begabter Mensch bertchtite von einer Jtalienfahrt durch jene Gebiete, die einst Goeche durchreiste. Sprecher war Emil P i r ch a n. Noch eine kleine, zestsernc Darbietung war an diesem Tage be» achtenswert, der im Programm der Funkstunde nur zehn Minuten währende Vortrag von Dr. C o h n- W i e n e r, der unter dem nüchternen Titel'Aon der bildenden Kunst" die Land» schasten-Ausstellung im Kaiser-Friedrich-Museum besprach, nicht im Hinblick aus einzelne Gemälde, sondern auf den geistigen Ausdruck des Landschastsbildes, der sich an dieser Ausstellung stuisieren läßt. Auch di« Autorenstunde der Funkstunde vermittelte«ine sympathisch« Darbietung. Franz Traut los mexikanlsche Skizzen, die in flächenhafter Einfachheit das Fremde malen und doch unter den klaren Farben di« Tiefe ahnen lassen. Merkwürdig abg»hackt war übrigens der Schluß der zweiten Geschichte, die vielleicht«in offene» Romankapit«! war; die Abgrenzung war dann für diese Vorlesung nicht glücklich Mvähsi. Aus F r a n k f u rt übernahm der Deutschiandsender am Abend «ine Hörfolge von Adalbert B r i n ck„Das Frankfurt des j u n g e» G o e t he". Nach einem schwächlichen Auftakt gab ez einige recht wirksame Sz-nen, in denen in einfachen Gesprächen Menschen und Gesinnungen Gestalt gewannen, dann leider«inen in Inhalt und Ausführung dekorattv überladenen Schluß.— Ix. General und Leutnant. Das Todesurteil gegen Henri Guilbeaux. Henri Guilbeaux, der sich jetzt freiwillig in einen Unter- suchungsgefangenen des Pariser Militärgerichts verwandelt hat, ist van dem gleichen Gericht in Abwesenheit am 21. Februar 1919 zum Tode verurteilt worden. Die ganze Verhandlung dauerte damals— 10 Minuten und Guilbeaux erfuhr seine Verurteilung in Moskau durch ein Radiotelegramm, das ihm der Autzenkommissar Tschit scherin übergab... Warum das Todesurteil gesollt wurde, erzählt Egon Larsen, der Guilbeaux kurz vor seiner Abreise nach Paris in seiner Steg- litzer Wohnung besucht hat. In der Wiener„Arbeiter-Zeitung" be- richtet Larsen darüber: Ansang 1918 setzte in Frankreich eine unglaubliche Presse- kampagne gegen Guilbeaux' Zeitschrift„D e m a i n" ein. Gustave H e r v e, damals Herausgeber der„Guerre Sociale", wegen seines forschen Auftretens mit dem Spitznamen„Le gcneral" belegt, be- kommt von einem Unbekannten, der sich hinter dem Decknamen „L e l i e u t e n a n t" verbirgt, verschiedene Summen von einigen tausend Franken für Propagandazwecke. Die Begleitbriefe, voll von p a z i f i st i s ch e n Bekenntnissen, veröfsentlicht Herve. Die ganze Armee, in deren Reihen die politische Polizei den„Leutnant" vermutet, wird nach dem Hochverräter bespitzelst vergeblich. Selbst Herve kennt ihn nicht. Aber Guilbeaux lernt eines Tages in Genf einen gewissen Charles Hart mann kennen, einen Elsässer, sranzösischer und amerikanischer Staatsbürger, Konsul einer kleinen südamerikanischen Republik. Dieser hartmann wies sich durch Belege als jener„Leutnant" aus und bat Guilbeaux. nun das Geheimnis zu lüften. Guilbeaux war einverstanden und brachte die kleine Broschüre „Le general et le lieutenant" heraus, die die gesamte Korrespondenz Hartmann-Herve enthielt. Die sofortige Folge war die Anklage gegen Guilbeaux und Hartmann wegen H o ch v e r- r a t e s vor dem dritten Kriegsgericht in Paris und das Todesurteil gegen beide. Bor zwei Jahren wurde ein gewisser Charles Hartmann, ein Greis von 75 Jahren, im Elsaß verhaftet, als er nach fast sechzigjähriger Abwesenheit in sein Heimatstädtchen Nordheim zurück- kehrte. Man mußte ihn freilassen, als er beweisen konnte, daß er seine zweite Heimat, Amerika, jahrzehntelang nicht verlassen hatte. Die Affäre des„falschen Hartmann" erregte ganz Frankreich, und eine große Pariser Zeitung veranstaltete eine Enquete:„Wer ist eigentlich Hartmann?" Ohne Erfolg: das Hartmann-Rätsel ist bis heute ungelöst. Guilbeaux selbst behauptet: der Genfer hartmann war ein vom französischen Geheimdienst entsandter Lockspitzel, der nur die Ausgabe hatte, ihn zur verössenllichung jener Broschüre zu verleiten und so seine„Erledigung" durch ein rechtskräftiges Urteil zu ermöglichen. Nach jahrelangem Aufenthalt in der Sowjetunion kam Guil- beaux nach Berlin. Immer wieder quälte ihn die Frage, ob es richtig sei, sich den französischen Behörden zur Verfügung zu stellen. Jetzt endlich hat er seinen Entschluß gesaßt. „Ich werde mich auf eine lange Haftzeit in französischen Gefängnissen gefaßt machen müssen", erklärte Guilbeaux am Ende, „mein Fall muß erst noch einmal vors Kriegsgericht gebrocht wer- den, das sich wohl als unzuständig bezeichnen wird. Dann erst wird vor dem Geschworenengericht die Revisionsverhand- lung beginnen. Und ich glaube, daß mein Freispruch mit Sicherheit erfolgen wird." „Wenn aber das Todesurteil wider Erwarten bestätigt wird, Monsieur Guilbeaux?" Guilbeaux lächelt.„Dann wird ganz Frankreich für mich aufstehen." Braunschweiger Justiz. „Flugblatt ist eine Ersahzeitung." Das Amtsgericht Braunschwcig verurteilte am Donnerstag den Betriebsleiter Paul Schlösser und den Setzer Gudehus zu je drei Monaten Gefängnis. Die Verurteilten werden beschuldigt, während der Verbotszeit des„Harzer Echo" in Blanken- bürg eine Ersatzzeitung herausgegeben zu haben. Dos Gericht hat ein Flugblatt„Alarm", das Gudehus verantwortlich zeichnete, als eine— Ersatzzeitung angesehen. Von der Zeitung„Harzer Echo" sitzt bereits der Redakteur Salge im Gefängnis. Salge wurde wegen Aufreizung zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis oerurteilt. Nun sollen auch nach der Betriebsleiter der Druckerei und ein Setzer ins Gefängnis wandern. Gegen das Urteil werden selbstverständlich alle Rechtsmittel oerfolgt werden. Sonntag letzter Tag Funkausstellung. Die 9. Große Deutsche Funkausstelluna schließt am Sonntag, dem 28. August, abends 8 Uhr, endgültig ihre Pforten. Das Abendprogramm der Funkstunde wird auch an"diesem«onntag letztmalig in der Halle II dargeboten. Kommunisten auf Schleichwegen. Gefälschte Eintrittskarten zum Gewerkschaftskongreß. London, 27. August. In New Castle wurde ein kommunistischer'Anschlag aus den im nächsten Monat in New Castle stattfindenden englischen Gewerk- schastskongreß aufgedeckt. Es wurde festgestellt, daß eine große Anzahl von gefälschten Eintrittskarten ausgegeben und an Koinmunisten verteilt worden waren. Man beschloß daher, sämtliche Eintrittskarten für ungültig zu erklären und geheime Maß- nahmen zur Verhütung des'Anschlags zu treffen. Es wurde mit- geteilt, daß viele der beranntesten internationalen Kommunisten sich in letzter Zeit in der Nähe von New Castle aufhielten. Die Bankangestellien werben. Der Allgemeine Verband der Deutschen Bankangestellten besteht in diesem Monat 20 Jahre. Die Ortsgruppe Berlin nahm dieses Jubiläum zum Anlaß, in einer W c r b e v e r a n st a l t u n g ani Freitag im„Deutschen Hos" auch nicht sreigewerkschaftlich organi- sierten Bankangestellten die Bedeutung dieser Orgamsationsgründung vor Augen zu führen. Der Borsitzende und Milbegründer des Allgemeinen Verbandes der Deutschen Bankangestellten, E m o n t s, zog in seiner Begrüßungs- anspräche einen Vergleich zwischen der heutigen und der Zeit vor zwanzig Jahren. Damals wollten die Unternehmer die junge frei- gewerkschaftliche Organisation am Aufstieg hemmen, heute will man nicht nur den freigewcrkschastlichen Bankangestelltenoerband, sondern alle Organisationen der freiheitlichen'Arbeiter- und Ange- stelltenschast vernichten. Genau so wenig wie man damals die Be- wegung hemmen konnte, wird man sie jetzt zerschlagen können. Den künstlerischen Teil des Programms der Werbeveraustaltung bildete ein Kabarett der Volksbühne, das äußerst beifällig ausgenommen wurde. Der argentinische Gewerkschastsbund hat G e n e r a l st r e i k ausgerufen. Durch den«treik soll gegen«in Gerichtsurteil Protest erhoben werden, worin die Tätigkeit der Bäckervereinigung und des Syndikats der Taxcnchausseure für illegal erklärt wurde. In Melbourne fAustralien) streiken 3500 Textilarbeiter gegen eine von den Unternehmern vorgenommene Lohnkürzung um ISProz.____________' Rundfunk am Abend Sonnabend, den Z7. August 1932 Berlin: 16.05 Nakon7:ert. 17.00 Zehn Minuten Film(F. Koppen), t 8.00 Die Krzahlung der Wodie((!. BennN 18.23 Arbeiterraythos(W. Zellor). 18.55 Die Funkstnndo teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.13 Lieder und Balladen. 19.50 Zehn Minuten Sport (H. Hellweger). 20.00 Kabarett. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 16.00 Der Klabautermann und andere Gespenster und Spuk auf See(Konteradmiral a. D. Mahrholz). 16.30 Xus Hamburg: Xadimittagsknnzert. 17.30 Beim Zahnarzt(Dr. 11. Blum. Liselotte Rosen). 17.50 Hessisches Bergland(XX.lde). 18.05 Musikalische XVodiensdiau. 18.30 Der ewige Harlekin(Dr. J. Günther). 18.35 W etterbericht. 19.00 Englisch(Stud.-Rat W. Ohse. Lektor W.Mann). 19.30 Der politische Mensch(Dr. H. Hartmann). 19.50 Aus Nürnberg. Gustav- Adolf- Jastr 1032. 20.45 Aus Köln: Heiterer Abend. Wetter-,'Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Sonntag, den 28. August 1932 Berlin: 6,00 Gymnastik. 6.20 Aus Hamburg: Frühkonzert 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.20 Diesjährige Saatgutfragen(Dipl.-Landwirt B. Hußfeld). 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Aus Frankfurt a. M.; Goethe- Gedächtnisfeier(Ansprachen: Oberbürgerm. Dr. Landmann, Reichsinnenmin. Frh. v. Gayl. G. Hauptmann). 12.30 Mittagskonzert. 14.00 Zeitschriften für Kinder(Rektor H. Gieseler). 14.30 Kinderstunde. 13.00 G. Kölwel: Eigene Dichtungen. 15.30 Xachmitfagskonzert. 16.00 Von den Radweltmeisterschaften in Rom(B. v. Reznicek). 16.30 Unterhaltungsmusik. Einlage; Eintreffen der Europa-Flieger vom Rennen des internationalen Rundflugs(Dr. P. Laven, E. R. Dietzel. 18.90 Automobilist, Radfahrer. Fußgänger(M.Lenz). 18.23 Klaviermusik. 18.55 Zu Goethes Geburtstag(Literarische Stunde). 19.30 Sportnachrichten. 20.00 Blasorchesterkonzert. 20.30 Tages- und Sportnachrichten. 20.40 Musik zu Goethes Singspielen. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen: 14.30 H.W. Emier: Eigene Arbeiten. 13.00 Der deutsche Bauerngarten(Prof. K. Krause). 18.30 Das neue Singen nach dem neuen Gesangbuch(Pfarrer Kempff). 18.00 Aus Leipzig: Bericht der Eröffnungsfeier der H.-Breuer- Jugendherberge. 19.00 Aus Königsberg: Serenaden. 20.00 Aus Frankfurt a. M.: Xorspruch zu„Iphigenie auf Tauris"(Prof. Dr. E. Beutler). 20.13 Aus• Frankfurt a. M.: „Iphigenie auf Tauris" von Goethe. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.30 Aus Frankfurt a. M.: Nachtkonzert. Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. Theater der Woche Vom 28. August bis 5. September 1932 Volksbühne: Theater am«üloroploh; 29. August bis 4. September Werbevorstellung: Geld ohne Arbeit. Staals-Theaker: Staatsoper Unter den Linden: 1. Sizilianische Vesper. 2. Figaros Hoch- zeit. 3. Wiener Blut. 4. Othello. 5. Rigoletto. Stadtisckc Oper. Charlottcnburg: 29., 30., 4. Banditen. 31. Undine, 1. Fidelis. 2. Rigoletto. 3. Tosca. 5. Friedemann Bach._.— Staatliches Schauspielhaus: 28., 31., 3. Seppe vom Berge. 29., 1. Egmont. 30., 2., 4., 5. Die Räuber. Schiller-Theater: Ab 1. Die versunkene Glocke. Thealer mit festem Spielplan: Deutsches Theater: Ab I. Wunder um Perdun.— Rose-Th-uter: Bis 31. Herzdame. Ab 1. Aerzte im stampf.— Rose-Theater(Gartenbühne): Bis 31- .iruhlingsluft.— Mctropol-Thcater: Ab 1. Eine Frau, die meist was pe will. — Eafino- Theater: Annemarie.— Theater des Westens: Das Drelmaderlhaus. — Renaissance. Theater: Ganovenehre.— Theater im Admiralspalast: Katharina.— Wintergarten, Skala: internationales Bariet�.— Plaza: Bis 31. Kabale und Liebe. Ab 1. Der liebe Augustin.— Theater am Rollendorf» platz: Frühling in Heidelberg. Ikachmillagsvorstellungcn: Rose-Theater: 4. 15 u. 18 Uhr. Aerzte im Kampf.— Rose-Theater(Garten- bühne): Bis 31. Konzert und Bariet�.— Wintergarten: 28.. 3.. 4. Inter- nationales BarietS.- Skala: Internationales Variete.— Plaza: Bis 31. Kabale und Liebe. Ab l. Der liebe Augustin. Erstaufführungen der Woche: Donnerstag. Deutsches Theater: Wunder um Verdun.— Schiller-Theater: Die versunkene Glocke.— Metropol- Theater: Eine Frau, die weist was sie will.— Freitag. R o s e- Theater: Aerzte im Kampf.— Schauspielhaus Steglitz: Olnmpia.— Sonnabend. Staatsoper Unter den Linden: Othello. XHeralurführer für Jirlriebsirirle Der Verband Deutscher Diplomkaufleute e. D., Berlin, gibt zum erstenmal in der Reihe seiner wissenschastlichen Veröffentlichungen einen„Literaturs ührer für Betriebswirte"(Band 111 der Veröffentlichungen des Verbandes Deutscher Diplomkausleute e. V., bearbeitet von Diplomkaufmann Dr. Kurt S ch m a l tz, Pri- vatdozent Dr. T h a l h e i m, Privatdozent F. Scheel, Dr. Dr. Max Wolf, Dipl.-Hdl. W i n k l e r, 323 Seiten, Preis kart. 3 M-, Berlin 1932, Verlag des Verbandes Deutscher Diplomkaufleute e. V., Berlin W. 33, Potsdamer Straße 198) heraus und setzt damit die Arbeit, die das„Archiv der Fortschritte betriebswirtschaftlicher Forschung und Lehre" geleistet hat, fort, so daß der jetzt erschienene Literatursührer in der Hauptsache, mit einigen Ausnahmen, die Literatur von 1928 bis 1931 umfaßt. Von einer Besprechung der einzelnen Bücher ist abgesehen worden. Alle Disziplin, mit denen der Betriebswirt während seiner Studienzeit in Berührung gekommen ist, findet er sorgfältig ver> folgt. Den ganzen ersten Teil nimmt natürlich die„B e» triebswirtschaftslehrc" ein, die wiederum in eine„All- gemeine" und eine„Spezielle Betriebswirtschaft" zerfällt. Unter die„Spezielle Betriebswirtschaft" fällt z. B. die Industrie, das Bankenwesen und das Genossenschaftswesen. Da der Betriebswirt in der heutigen Zeit besonders wendig sein muß und sich nicht engstirnig nur mit seinem Betrieb beschäf- tigen kann, kann er nicht umhin, noch bei anderen Disziplinen«ine Anleihe zu machen. So umsaßt der z w e i t e Teil folgerichtig: B o l k s w i r t s ch a s t? 1 e h r e, Rechtswissenschaft, Tech- nologie und Wirtschastsgeographie. Während es sich im ersten Teil bei der Literaturouswahl nur um eine zeitliche Be- schränkung handelt, tritt hier die Schwierigkeit der Stofsauswahl, speziell für den Betriebswirt zugeschnitten, hinzu. Besonders kom- pliziert ist das große Gebiet der Rechtswissenschaft: was soll ein Betriebswirt z. B. mit dem römischen Recht, dem alten deutschen Recht oder gar mit der Rechtsgeschichte? Deshalb stehen auch das Handelsrecht, der gewerbliche Rechtsschutz, das Arbeitsrecht und das Steuerrecht im Vordergrund. Alles in allem ist die vorliegende Arbeit«in gelungener Ver- such, der es dem Betriebswirt, der rationeller als der Student ar- beiten muß, ermöglicht, unter Umgehung der Durchsicht der ein- zelnen Fachzeitschriftenjahrgänge, mit Hilfe eines guten Schlagwort- Verzeichnisses in denkbar kürzester Zeit«in Gesamtbild über die vorhandene Literatur einer speziellen betriebswirtschaftlichen Frage zu erhalten. Dipl.-Hdl. Gertrud Simon. Wetter für Berlin: Wechselnd bewölkt und wieder etwas kühler, leichte nach nordwestlichen Richtungen drehende Winde, etwas Ge- witterneigung.— jür Deutschland: Im Nordosten beständig und warm, im übrigen Reiche etwas Temperaturrückgang und vielfach Gewitterregen, im Nordwesten ziemlich kühles und veränderliches Wetter. Verantwortl. slli die Redaktion: Stich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Otto Hengst. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag®. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Eingsr& Co., Berlin S3B 68. Lindenstr. g Hierzu 1 Beilage. Mercedes-Palast Reukölln, Hermannstr. 212, spielt an Stelle des im gestrigen „Abend" angekündigten Programms den Tonfilm„Der Hexer", nach dem Roman von Wallaee. Theater, K Lichtspiele usw.* «aal» fe Theater staatsoper unter den Linden Wiederbeginn der Spielzeit Donnerstag 1. September, 20Uhr: Sizülanlsche Vesper Dirigent: Kleiber de Strozzi. Raziczka, Wittrlsch, Grotjmann, List, Abendroth Vorverkauf täglich bei den bekannten Verkaufsstellen. Staatliches Schauspielhaus Wiederbeginn der Spielzeit Sonnabend, 27. Angnst« 20 Uhr: E g m o n t Otto, Franck, Koppenhöfer. Möthcl, Belke, Mlnetti PLAZA Iahe Schlei, Bltf. 5e,8i5,Sljs.2,5,8!5a, lelihcmMnircalcrg.: Kabale a. Liebe BlumensDenden jeder Art liefert preiswert Paul Golletz »ormals Rotiert Meyer Marlannenstr. 3 F 8, Oberbaum 1303 Stadl. Oper Charlottenbure Bismarckstraße 34. Sonnabend, 27. Aug. Turnus I Rigoletto Berger, Zador, Cavara, Destal, Baumann Anfang 20 Uhr Ende 22 30 Uhr Schiller Grolmanslr. 70/71 SteinpL(C 1) 6715 Ab L September Irlich 8 Uhr „Die versunkene Glocke" zur Feier d.70.Ge- burtstaffes von Qerhart Hauptmann Rose-Theater Sreh Fnolfirtir Strati 132 TU. Wiiduil E 7 3427 8.30 Uhr Herzdame CartenbliUne 5.30 Uhr Konzen u.Varlete FrtmilBBSlOft Ä 4 Uhr ts. Flora 3434. Räumen an. Taps& Tempo, RemosComp. 4Richys, Sealtiel.M.&CMayo Levanda, Hnnter& Bobette usw. Sonnaliend n. Sonniao le 2 Vorstellg. 4 n. 6.15 Uhr. 4 Uhr Kleine Preise Berlins EMÄßetteniSÄ Kinderb., Polster, ChaiseL, an Jeden, Teü% Katalog frei. Eieenmöbelfabrüc Suhl(Thüji »v.uhr CASmO- THEATER Lothringer Strafe 37, iiiiiiiHmiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiitiiiMiniitiimwiii Berlin kann wieder lachen! Jinnemarie da* kleine Tanzmädel Volksoperette.— Musik von Gilbert Vorher ein banter Teil. Preise 0,50 M., 0,75 M. und I,— M. Jeden Stg. nadim. 4 Ulir die ganze Vantg. zu kl. 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Jtuguft 5n den ersten Maitagen des Jahres 1824, da Goethe und Eckermann, von einer Wagenpartie heimkehrend, der sinkenden Sonne entgegenfuhren, sagte Goethe mit heiterer Stimme:„Mich läßt der Gedanke an den Tod in völliger Ruhe, Denn ich habe die feste Ueberzeugung, daß unser Geist«in Wesen ist ganz unzerstör- barer Natur, es ist ein fortwirkendes von Ewigkeit zu Ewigkeit, es ist der Sonne ähnlich, die bloß unfern irdischen Augen unter- zugehen scheint." Oft genug, früher und später, in Dichtungen und in Gesprächen, hat Goethe diesen Glauben an die ewige Dauer der in ihm ver- einigten Kräfte wiederholt. Doch niemals wohl herrlicher und herrischer zugleich als am Abend des 4. Februar 1829, da er im schwarzen Staatsfrack, den silbernen Ordensstern auf der Brust, still aufgerichtet am Fenster seines Arbeitszimmers stand und davon sprach, daß die Natur verpflichtet sei, ihm eine andere Form des Daseins anzuweisen, sobald die jetzige seinen Geist nicht mehr auszuhalten vermöge. Eckermann, der diese Worte demütig anhörte, erbebte in seinem Innersten.--- Hundert Jahre nach Goethes leiblichem Tode können aus einer beliebigen Stunde des Jahres 1932 die folgenden Begebenheiten berichtet werden, die— wiederum unter vielen ähnlichen Inhalts— nach Belieben ausgewählt wurden: Der Minister für Notstandshilfe sitzt im Wintergarten seiner Dienstwohnung. Seine Haltung verrät anfänglich Nachdenken, dann Zweifel und schließlich Angst. In zwei Stunden wird im Porla- ment über das Programm für Landbesiedlung entschieden werden, das der Minister nach unermMichen Studien und nach erschöpfen- den Verhandlungen geschaffen hat. Er fand wenig Freunde, hin- gegen viele entschiedene Gegner. Seit Monaten schon wird er kritisiert, gewarnt und auch verunglimpft. Der Minister beharrte bei seiner Ueberzeugung, daß sein Plan für Millionen von«xistenzlos gewordenen Menschen die Rettung bringe. Indem er in dieser Stunde noch einmal alles überprüft, wird seine Gewißheit von neuem bestärkt. Die Angst jedoch davor, daß sein Plan abgelehnt werden könnte, wächst unbezwinglich und würgt den Mann wie eine Faust. Er- schöpfung droht ihn zu überwältigen, bevor er sich noch der Ent- scheidung stellte. Unstet wandern die Augen über die seltenen und mannigfach gefärbten Blüten zwischen den Doppelfenstern. Und auch die Ge- danken schweifen ab. Der Minister erinnert sich, daß heute die Goethc-Feiern stattfinden. Wortkarg hatte er sein Fernbleiben ent- schuldigt und für sich gedacht, daß Goethe zu feiern etwas für Leute sei, die keine ernsteren Sorgen hätten. Er überlegt sich«ine neue Verteidigung für einen der am heftig- sten bekämpften Punkte seines Programms. Doch jetzt weilt jemand im Raum... unsichtbar und auf ge- heimnisvolle Weise... jemand, der den Minister für Notstandshilfe, zwei Stunden vor der entscheidenden Parlamentssitzung, dazu zwingt, die Gedanken immer wieder und aufmerksamer auf ihn zu richten. In den„Wanderjahren" müssen sich Pläne befinden, die meinen Forderungen sehr verwandt sind, glaubt der Minister sich zu ent- sinnen. Und dann muß er des alten Faust gedenken, der sich— nach allen stürmischen Reisen durch die große, durch die kleine Welt — auf den Entschluß beschränkt, den Menschen neues Siedlungsland aus der Meeresanschwemmung zu schaffen. Ein Lächeln überrinnt die gequälten Züge des Mannes,— erst zag, dann kampsfreudig. Er schellt nach seinem Sekretär. Der vertraute Helfer vieler Arbeitsjahre kleidet fein Erstaunen über die hochgemute Stimmung des Chefs in eine Phrase der Bewunderung. Ja, es sei jemand bei ihm gewesen, dessen Besuch ihm sehr wohlgetan habe, erwidert der Minister geheimnisvoll und jagt leiser, das vermehrte Befremden des Sekretärs nicht beachtend: „... doch rufen von drüben Die Stimmen der Geister, Die Stimmen der Meister: Versäumt nicht zu üben Die Kräfte des Guten! Wir heißen euch hoffen!" Damit nimmt der Minister die Mappe unter den Arm, die das Programm für Landbesiedlung enthält, und geht mit straffen Schritten der Entscheidung entgegen.--- Zur gleichen Stunde klingelt Theodor Sommer, Prokurist der Holzgroßhandlung Philipp Zarnke, an der Flurtür seiner Nachbarin, der Frau Sanitätsrat Pflüger. Der Sanitätsrat war vor einigen Wochen einem Herzschlag erlegen. Die Witwe hatte sich so gefaßt, so ahne Klagen und Tränen bezeigt, daß manche der Kondolcnten, die eine untröstlich Weinende erwartet hatten, enttäuscht, wenn nicht gar entrüstet waren. Nicht so Prokurist Sommer, der an nahezu zwanzig Jahren neben den Pslügers wohnte. Er bangte um die Witwe und hatte täglich bei ihr vorgesprochen. Gestern jedoch hatte Sommer vergeblich geschellt und hatte schließlich einen Schlosser kommen lassen. Und später war es not- wendig gewesen, die Feuerwehr mit einem Sauerstosfapparat, einen Arzt und eine Pflegerin herbeizurufen. Erregt hüstelt der Prokurist, indem er darauf wartet, daß die Wärterin ihm öffne. Er fürchtet sich, Frau Pflüger wiederzusehen, fürchtet die Anklage in ihrem Blick. „Warum haben Sie mich denn nicht zu ihm gelassen?" jammert die Kranke tonlos.„Iaja, Sie haben's ja nur gut gemeint, lieber Herr Sommer!... Aber ich hielt es einfach nicht mehr aus. Diese Sehnsucht!... Im Anfang war ich ja wie gelähmt... aber jetzt war es nicht mehr zu ertragen!" Frau Pflüger kehrt sich zur Wand. Mit glutrotem Gesicht und ratlos an seinem Filzhut fingernd, sitzt der Prokurist auf seinem Stuhl. Er ist eine ehrliche Haut und versteht etwas von Maserungen und vom Fournieren. In einer beschwerten menschlichen Stunde jedoch das rettende Wort zu finden. nein, das ist ihm nicht gegeben. Ja. warum ließ ich sie denn nicht' Mit w-lchem Recht hielt ich sie zurück? Dann martert imed-r die Gegenfrage sein Hirn: Aber war es denn nicht einjoch meine Pflicht... meine Pslicht al? Ehristenmensch? Aergerlich. verweisend blickt dt« Pflegerm auf den Besucher, der da steif und stumm vor der Kranken sitzt und seinen Hut dreht. Herrn Sommers Gedanken sind wie Bienen. Ueberall suchen und tasten sie und vermögen sich doch nirgendwo festzusaugen. Von ungefähr fällt sein Blick auf die Zeitung, die am Bett liegt. Da ist von Goethe die Rede. „Goethe, hm, der hat doch soviel Schönes gesagt!" Abermals suchen die Bienen. Schulerinnerungen, angestrengt hervorgemüht: „Erlkönig, Egmont, Der Taucher?, Hermann und Dorothea, weiter, weiter... der Mann hat doch so treffende Sprüche geschrieben... all die vielen Zitate!" Von der Ungeduld, das rechte zu finden, wird der Prokurist bald verwirrt. Sein Hirn wird bleiern. Er entschuldigt sich und geht auf den Zehen hinüber in die Bibliothek des Sanitätsrats, findet den gesuchten Band und blättert mit zitternden Fingern. Dann kehrt er zu der Witwe zurück und bittet sie um Gehör. Mit der treuherzigen Betonung eines Schulknaben liest der Pro- kurist der Holzgroßhandlung Philipp Zarnke: „Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen, Das Ew'ge regt sich fort in allen, Am Sein erhalte dich beglückt! Das Sein ist ewig. Denn Gesetze Bewahren die lebend'gen Schätze, Aus denen sich das All geschmückt!" „Schön ist das... so weit..." meint die Witwe mit einem Lächeln des Dankes.„Goethe, nicht wahr?... Geben Sie doch ditte einmal." Draußen wischt Prokurist Sommer sich den Schweiß von der Stirn. Und drunten an der Eck« trinkt er ein Helles. Und findet es nicht widersinnig, den ersten Schluck auf das Wohl des Dichters zu nehmen, der schon so lange tot ist.--- Und abermals zur gleichen Stunde wird Erika Krüger in der achten Klasse von der Lehrerin aufgerufen und muh die erste Strophe des Gedichts„Die wandelnde Glocke" hersagen. Zur vierten Strophe wird Hertha Flieg aus dem Dösen geweckt. Die Lehrerin erfreut sich an dem Behagen, mit dem Hertha auf der Zeile verweilt:„Die Glocke kommt gewackelt". Und Lisc Scholz, wohl die kindlichste unter den Schülerinnen, die mitunter jedoch verblüffend altkluge Fragen hervorbringt, reckt den Zeigefinger und will wissen, ob der Dichter Goethe selbst noch ein Kind war, als er das von der wackelnden Glocke schrieb.--- So könnte noch von vielen berichtet werden, denen Goethe in jener beliebig ausgewählten Stunde begegnete. Denn er hat für nahezu alle menschlichen Schicksalsstunden das erfüllende oder lösende Wort gefunden. Und so lebt und wirkt er fort und fort, in zahllosen Entscheidungen zahlloser Männer und Frauen.— Ewige Dauer.— Das wohl am meisten bewegende Ereignis jedoch aus unserer Stunde soll nicht verschwiegen bleiben: Inmitten der Arbeitslosen, die mehr als eine Stunde in einem engen und muffigen Gang auf Abfertigung warten müssen, steht ein Mädchen, ausfallend schmächtig und blaß. Eine Frau will ihr den Platz halten, sie soll sich indessen draußen auf die Bank setzen.„Ach nein, danke, ich halte schon noch durch", gibt das Mädchen zur Ant- wort und blickt weiterhin ihrem Vordermann über die Schulter, einem abgebauten Handlungslehrling vielleicht, der aus einem ver- schmuddelten Hefte Gedichte liest. Der Handlungslehrling bemerkt die Blicke von hinten und kehrt sich seitlich ab. Dann wird er gewahr, daß nebenan jemand mit dem Nachbarn die letzte Zigarette teilt... schämt sich und stellt sich so, daß das Mädchen bequem mitlesen kann. Zuletzt läßt er ihr das Heft mit Goetheschen Gedichten bis zum nächsten Zahltage. Vergeblich erwartet er sie. Aber ein anderes Mädchen, wohl ihre Freundin, tritt mit dem Heft an ihn heran und sagt:„Immer wieder hat sie die Gedichte gelesen. Bis zuletzt. Und dies hier, das sei nun i h r Gedicht, hat sie gesagt." Die Freundin schlägt auf, dort wo ein Schnipsel Papier zwischen den Seiten liegt. Es ist Mignons Abschiedslied: „So laßt mich scheinen, bis ich werde, Zieht mir das weiße Kleid nicht aus! Ich eile von der schönen Erde Hinab in jenes feste Haus. Dort ruh ich eine kleine Stille, Dann öffnet sich der frische Blick, Ich lasse dann die reine Hülle, Den Gürtel und den Kranz zurück 'Mnnslürgen Weidlich: Amerika? Ogottogottl f Es ist nachts halb zwölf. Ich sitze in der Hochbahn und fahre nach Hause. Bis elf Uhr habe ich übergearbeitet. Fünf Stunden Kisten gepackt. Und dafür 7S Cents. Das ist nicht viel. Dennoch— der arme Kerl, der da neben mir pennt, würde es sicher ein Ver- mögen nennen. Wie heruntergekommen der aussieht! Die Stiefel sind mit Bindfäden zugeschnürt. Der Anzug ist voller Flicken. Und das Hemd, wie dreckig das ist! Kragen ist natürlich nicht vorhanden. Wer, sieh mal einer an, seine Melone, so alt sie auch ist, aber staubig— nein, das ist sie nicht. Und das Gesicht— ja, warte mal— der Kerl ist ja tadellos rasiert. Nanu?! An der 42. Straße wird's voll. All die Leute, die sich aus dem Broadway amüsiert haben. Du lieber Himmel, kann die Dicke aber drängeln!. Die quetscht mich doch tatsächlich gegen den annen Kerl. Daß er man bloß nicht aufwacht! Da!— da haben wir es schon! Er ist wach.„Verzeihen Sie nur", sage ich und sehe ihn an. Komische Augen hat er. So weit weg sind die. Vielleicht hat er gerade geträumt. Komischer Kerl überhaupt. Auf einmal fragt er mich:„Ich interessiere Sie wohl?" „Nun ja— allerdings— Sie fallen mir aus." „Sa? Ach! Ich falle Ihnen also aus? Das ist höchst bemerkens- wert. Sie, ein intelligenter Mensch, sagen..." „Nun aber mal langsam, langsam.. „Nein, lassen Sie's nur gut sein. Sie als intelligenter Mensch sagen, daß ich Ihnen ausfalle. Das ist eine sehr wichtige Fest- stellung für mich. Denn das beweist doch, daß ich mich nicht täusche, wenn ich behaupte, daß es bergauf geht mit mir." „Wieso? Das verstehe ich nicht. Das müssen Sie mir erklären." „Ja, sehen Sic, mir ist es schlecht gegangen, sehr schlecht. Kein Mensch hat mich mehr beachtet. Ich habe jahrelang nichts Ordentliches zu essen gehabt. Aber ich habe mir immer gesagt: nicht unterkriegen lassen, durchhalten, es werden bessere Zeiten kommen. Und jetzt— jetzt ist es soweit. Ich bin übers ärgste hinaus." „Das würde mich wirklich freuen. Aber woher wissen Sie das?" „Ganz einfach. Wohin ich komme, beachtet man mich. Wenn ich früher in ein Restaurant kam und um etwas zu essen bat, wurde ich sofort wieder hinausgewiesen. Heute ist das anders. Ich brauche nicht einmal mehr zu sragen. Man gibt mir immer etwas. In der 21. Straße habe ich ein richtiges Stammlokal. Dort darf ich sogar an einem Tisch sitzen, an einem richtigen Tisch wie die anderen Gäste auch. Und, so ost ich komme, kriege ich eine Tasse Kaffee und ein Stück Apfelkuchen. Neulich sogar mit Schlagsahne, weil man sich so über mich amüsiert hatte. Die Leute lachen über- Haupt sehr oft über mich. Darauf bauen sich auch meine Zukunsts- pläne. Denken Sie an, ein Barbier nennt mich direkt: Chaplin. Und weil ich ihm immer so viel Spaß mache, bekomme ich Rasieren und Haarschneiden für umsonst. Das sind doch alles Beweise, daß man Interesse an mir hat, nicht wahr?" „Ja, ja. Gewiß doch." So schäbig, so hoffnungslos elend sieht er aus, daß man ihn nicht mehr hinausweist. Weil man sieht, der kann wirklich nicht mehr arbeiten. Und man gibt ihm zu essen: Hier, komm, damit du nicht ganz auseinander sällst. Und er— er hält das für Interesse an seiner Person. Schmiedet Pläne. Und merkt nicht, daß die Leute über ihn nur lachen, weil sie sich darüber luftig machen, daß so ein Wrack noch Unternehmungsgeist haben kann. Ogottogott!— Und ich darf ihm seinen Glauben auch nicht nehmen, muß sagen: ja, ja: gewiß doch. „Sehen Sie einmal an! Also Sie geben mir darin recht. Das Ist doch wirklich sehr wichtig für mich. Jetzt glaube ich immer mehr daran, daß es vorwärts geht mit mir. Haben Sie neulich mein Bild in der Zeitung gesehen? Nein? Ja, denken Sie einmal an, ich bin photographiert worden und mein Bild hat in der Zeitung gestanden. Und dos will doch etwas bedeuten, wenn die Zeitung das Bild von jemandem bringt. Dann ist doch etwas besonderes an ihm, nicht wahr?" „Ja natürlich. Nein so etwas! Ihr Bild in der Zeitung!" Ja. das bedeutet schon etwas, allerdings.?lrmer Kerl! Warum steht er mich denn aus einmal so merkwürdig an? So prüfend? „Nun, was ist denn los?" „Ach, entschuldigen Sie bitte, ober— nicht wahr?— Sie sind doch Deutscher? Oh, wi« ich mich darüber freue! Ich bin nämlich auch Deutscher. Ja, vor 29 Iahren bin ich ausgewandert und bin nie wieder zurückgegangen. Ach Deutschland! Deutschland! Wissen Sie, wer meine letzte Erinnerung ist an drüben? Kainz. Josef Kainz.. Wie ost habe icst ihm zugejubelt! Ach, überhaupt— das Theater in Berlin, in Wien!" „Aber Menschenskind! Wenn Sie so ein Theaterenthusiast sind, was wollen Sie dann um Gottes willen hier in Amerika! Warum sind Sie denn nicht gleich zurückgegangen, als Sie merkten, hier war kein Vorwärtskommen für Sie?" „Nein, das wollte ich nicht. Ich war drüben Kaufmann ge- wesen. Der Berus paßte nicht zu mir. Da habe ich Schluß gemacht und bin nach hier gekommen, um etwas neues anzufangen. Und ein Zurück gab es da nicht. Erst wollte ich etwas werden." „Na ja, das ist ja sehr lobenswert. Aber als es nun nicht so klappte, wie Sie sich das gedacht hatten?" „Da war es zu spät. Ich hatte kein Geld mehr. Und zum Zurückarbeiten war ich zu schwach. Die Kapitäne nahmen mich nicht. So habe ich mich denn durchgeschlagen hier. Als Geschirr- Wäscher, Fensterputzer, Fahrswhlsührer— na Sie wissen ja wohl, wie das hier ist. Und später habe ich angesangen zu betteln. Was blieb mir sonst übrig?" „Sicher.— Nun passen Sie aber mal aus. Wenn Sie jetzt zurück wollen, dann geht das. Sie melden sich bei der Ein- Wanderungsbehörde. Und die sorgt dasiir, daß Sie nach Deutsch- land zurückkommen. Das kostet absolut nichts für jemanden wie Sie." „O nein. Das tue ich nicht, gerade jetzt, da es anfängt, mit mir vorwärts zu gehen. Nein, nein! Bedenken Sie doch, was ich in den 29 Jahren alles durchgemacht habe! Und ich habe es aus- gehalten. Habe dabei nicht den Verstand verloren. Sie habe ich doch sofort als Deutschen erkannt. Das ist eine sehr ernste Fest- stellung für mich. Ich kontrolliere mich nämlich sehr genau. Deswegen bin ich auch so sroh, Sic gctrossen zu haben. Denn Sie sind ein intelligenter Mensch und bestätigen mir, daß ich in allem, was ich von mir behaupte, recht habe." „Ja, das stimnit. Und ich bin überzeugt, daß Sie, wenn Ihre Energie nicht nachläßt, auch Ihr Ziel erreichen." Was soll ich ihm sonst sagen? Ich darf doch seine Illusionen nicht zerstören.„Nun müssen Sie mir aber noch verraten, worauf Sie eigentlich lossteuern." „Ach so— ja. Ich will natürlich zur Bühne. Als Komiker. Vielleicht auch zum Tonfilm. Das ist nur noch abhängig von meinen Zähnen. Die haben sehr gelitten in den 29 Jahren. Aber der Barbier— der ist nämlich auch gleichzeitig Dentist— will sie mir wieder in Ordnung bringen, sowie er Zeit dazu hat. Und sobald ich dann wieder nonnal sprechen kann, gehe ich..." „Augenblick mal, bitte." Ich kann das nicht mehr mit anhören. „Wir find schon an der 143. Straße. Ich muß bald aussteigen. Wollen Sie mitkommen und bei mir schlafen? Ich habe allerdings nur einen Schaukelstuhl sür Sie." „Das ist sehr liebenswürdig. Haben Sie vielen Dank. Aber ich schlafe heute nacht hier in der Hochbahn. Da kann ich dann morgen gleich am Pennsylvania Bahnhos aussteigen, wo ich mich immer wasche. Und außerdem, da ich hier nun schon 5 Cents ausgegeben habe, will ich die auch voll ausnützen. Morgen muß ich wahrscheinlich doch wieder in einem Hausflur schlafen: denn im Central Part ist es nur jetzt zu kalt. Und dann sind die Bänke da auch so unbequem. Jedesmal sünf Armlehnen! Wie soll man da mit seinen Beinen zurecht kommen!" „Gut, daß Sie mir das sagen. Da kann ich Ihnen einen Rat geben. In Höhe der 99. Straße, etwa in der Mitte des Central Parks, dort steht ein altes verlassenes Auto. Darin schläft es sich sehr bequem und man ist auch geschützt vor Regen. Sie müsse» nur früh hingehen, damit Sie der erste sind. Bis vor kurzem habe ich dort noch gehaust. Jetzt aber, seitdem ich regelmäßig arbeite, habe ich ein kleines Zimmer. Besuchen Sie mich doch gel«... Donner- weiter, hier ist ja schon meine Haltestelle. Da!— Do sind 79 Cent» für Sie. Vielleicht Helsen die Ihnen ein bißchen. Auf Wiedersehen! Alles, oll»? Gute!" Er winkt mir noch nach. Dann fährt die Hochbahn mit ihm fort. Run wird er die ganz« Rocht hin- und herfahren und— für 5 Cents schlafen. Menschenskind! Sport am Sonntag Acbeiiec-TufäuM Wird Adler 08 es schaffen? Bei den morgigen Fußballspielen hat A d l e r 0 8 den schwersten Stand. Auf dem Platz in der Kissingenstratze in Pankow erwartet Adler den Bundesneuling Fortuna 32. Schon im ersten Seriem spiel, das Fortuna gegen Hansa am letzten Somitag austrug, zeigte es sich, daß die Spigenoereine des zweiten Bezirks einen sehr starken Konkurrenten bekommen haben. Adler 08 führt bis jetzt noch ungeschlagen die Tabelle. Ob es so bleiben wird, soll sich morgen ent- scheiden. Fortuna wird ein äußerst flinker Sturm nachgesagt, der der Adler-Hintermannschaft harte Arbeit geben wird. Auf den Ausgang des Spiels darf man sehr gespannt sein. Das zweite wichtige Treffen sindet in der Christianiastraße auf dem Teutonia-W-Platz statt. Hier stehen sich Vorwärts- W e d d i n g und Eintracht-Reinickendorf gegenüber. Wenn man auch den Weddingern«ine kleine Ueberlegenheit zuschreiben muß, so wird sich Eintracht doch von der stärksten Seite zeigen.— Auf dem Dominicusplatz in Schöneberg spielt die Schöneberger Turnerschaft gegen den Spitzenreiter der Tabelle Teltow. Die Teltower werden sich nicht von der Führung verdrängen lassen. Weitere Spiele: Zum Sportfest in Stahnsdorf treten im Hauptspiel Wacker» Ltorlow und Kickers 31(früher Lichtenberg 2) an. Borher spielen noch Frieders» darf und Oberspree, sowie die unteren Mannschaften. Hovpegarten spielt gegen Frohe Stunde. Werlsee gegen Kogel. Elstal gegen Werder. Spandau 2Z gegen Staaken. Butab gegen Potsdam. Nowawes gegen Eintracht-Spandau. Fohrde gegen Freiheit. Nord gegen Grun-Weiß Lichtenberg auf dem Exerzier, Platz Schönhauser Allee. Lichtenberg 1 gegen Alemannia 22 in der Knnast- (trage, Bahnhof Stralau-Rummelsburg. Herta gegen Wilmersdorf. Wolters» darf gegen Fichte. Borwärts 31 gegen Luckenwalde ö.— Iugendmannschaftes: Teltow gegen Borsigwalde. Fortuna gegen Normannia. Nowawes gegen Wilmersdorf. Drewitz gegen Minerva. Schöneberg gegen Staaken.— Schüler» Mannschaften: Schöncberg gegen Fortuna. Eladow gegen Fortuna 2. Adler g-g»n Borwärts 31. Nowawes gegen Wilmersdorf. Saxonia gegen Normannia. Werlsee gegen Spandau. Pankow gegen Hansa 31. Lichtenberg 1 gegen Elstal. Beginn der Spiele: Erste Männermannschaften 17 Uhr. Borhcr spielen die unteren Mannschafte». Die Jugend» und Schulermannschaften beginnen um 10 bzw. 11 Uhr. Heute stehen sich im Gesellschaftsspiel im Neuköllner Sportpirk Platz 6Mineroa28 und derBaumschulcnwegerSport- verein 31 gegenüber. Beginn 17.30 Uhr. Ae&eiiez-Ua&J&cdt Von den Spielen am Sonntag wäre das Blitz- t u r n i e r von der FSV. Strausberg auf dem herrlich ge- legenen Sportplatz, Marienberge, hervorzuheben. Die Arbeiter- fportler bringen damit ihren Anhängern zur 700-Jahr-Feier etwas Besonderes. In spielerischer Hinsicht garantieren alle Spiele für guten Sport, denn Strausberg hat sich die Teilnahme von Eintracht- Mahlsdorf, FTGB.-Stralau, TSV. Kaulsdorf und FTGB.-Baum- schulenweg gesichert.— Unter der Beteiligung von FTGB.-Spandau, SF.-Falkensee, FTGB.-Lichtenberg und Kleingärtner Charlotten- bürg bringt die FT.-Nauen auf ihrem Platz ebenfalls ein Blitz- turnier zur Austragung. Beginn 13 Uhr. Sieger müßte die FTGB.- Lichtenberg werden.— Auf dem Platz an der Schönhauser Allee hat die F T G B.- N o r d o st die FT. Stettin und Pom- merendorf zum Rückspiel als Gast. Auf eigenem Plag sind Nordost unbedingte Vorteile einzuräumen, die einen anderen als 7:6- Sieg in Stettin bringen müßten.— In Altruppin erwartet der ATV. zu 11 Uhr die FTGB.-Hermsdorf zu einem Pflichtspiel, das er sicher zu gewinnen weiß.— Um 13.45 Uhr muß FT.- Hennig»drof gegen FT.-Friedrichsthal antreten. Das Spiel wird durchweg in Ueberlegenheit von Hennigsdorf stehen.— Der Tel- tower Berein hat sich die FTGB.-Buch verpflichtet und wird das um 16 Uhr beginnend« Spiel im Klassenunterschied gewinnen. Zweites Vorrundenspiel zur Bundes- meistersdiaft In Frankenthal in der Pfalz stehen sich am kommenden Sonntag im Vorrundenspiel die Freie Turnerschaft Pfeddersheim und Hannover-Hainholz gegenüber. Die gleiche Paarung, die vor zwei Jahren ebenfalls das Vorrunden- spiel bestritt. Damals konnte Hainholz erst das Protestspiel mit 4: 2 gewinnen und lief dann zur besten Mannschastsleiswng im Meisterschaftsspiel gegen Wien-Ottakring 5: 6 auf. Heute ist fest- zustellen, daß Hainholz die wuchtige und zu beachtende Mannschaft geblieben ist. Pfeddersheim hat sich in Geschlossenheit und Stärke bestens verbessert. Die Mannschast ist zur Zeit im besten Zug«, dies bewiesen zur Genüge die Kreis- und Verbandsspiele. Handballspieler nimmt die FTGB.-Bezirt Stralau noch in ihren Reihen auf. Interessierte Männer und Jugendliche werden gebeten. zu der am Montag, 29., 20 Uhr, bei Bollenbach, Alt-Stralou 8, stattfindenden Sitzung zu erscheinen. Ae&eiUc-J&iHÖs Grofjkampl in Spandau Auf den neuen Plätzen von Frei-Tennis-Spandau, im Grün- gürtel vor dem Spandauer Hallenbad, finden am heutigen Sonn- abend und ab Sonntag früh interessante Tenniskämpfe statt, an denen FT V.- Magdeburg, Tennis-Rot-Groß-Ber- lin, FTGB.- Norden und F T.- S p a n d a u mit ihren besten Kräften beteiligt sind. Im Männer-Einzel treffen Vorn- kampf-Magdeburg, Günther-FTGB., Müller-Fischer, Zenk und Büttner-Tennis-Rot aufeinander. Es wird harte Kämpfe und nur knappe Entscheidungen geben. Bornkampf hat durch sein wuchtiges Spiel ein kleines Plus. Ueberrafchungen sind aber durchaus mög- lich. Im Männer-Doppel dürft« Magdeburg die Sieger stellen, da ihr Spitzenpaar feit Iahren eingespielt ist und sich aus- gezeichnet versteht. Im Frauen-Einzel dürfte es Brinkmann- Tennis-Rot nicht besonders schwer fallen, um sich durchzusetzen. Das Frauen-Doppel ist nach der Papierform eine Angelegenheit von Tennis-Rot, wenn die neue Paarung Brinkmann-Krüger sich einigermaßen bewährt und die beiden Spielerinnen sich finden. Der Sieger im gemischten Doppel ist offen. Die Paare von Tennis-Rot und FTGB. sind zweifellos die stärksten in der Kon- kurrenz. Der Sieger wird aller Voraussicht nach von Berlin gestellt. Alles in allem sind nur gute Kämpfe zu erwarten, die den Erfolg in propagandistischer Hinsicht für das Arbeitertennis von vornherein gewährleisten. Wegen dieses Turniers findet nur ein Serientreffen statt. Es spielt in der Wexstraße(U-Bahnhof Hauptstraße Schöneberg) um 9 Uhr Tennis-Rot Westen I gegen Tennis-Rot Friedrichshain II. Dieses Treffen entscheidet über die Kreismeisterschaft in der V-Gruppe für Frauen. Die Friedrichshainer Spielerinnen find zweifellos gut, die Frauen von Westen verstehen jedoch zu kämpfen. keuer auf dem Motorboot Ein Wort zur Mahnung Der kürzlich gemeldete Brand einer der größten und schönsten Motorjachten, die auf den Berliner westlichen Gewässern fuhren, bringt die Gefahren in Erinnerung, die immer noch mit dem Betrieb eines Motorbootes verbunden sind. Der Verbrauch von Benzin, dieses leichtflüssigen und leicht- verflüchtigenden Stoffes, ist und bleibt eben gefährlich, und nur der ständige Umgang mit der Gefahr läßt sie kleiner erscheinen, aber nicht werden. Zur Vermeidung von Unfällen ist selbst- verständlich zunächst darauf zu achten, daß in der Nähe von Tankstellen oder anderen Lagerstellen von Benzin, dann aber auch beim Tanken selbst nicht geraucht werden darf, und daß kein offenes Licht oder Feuer in der Nähe ist. Wenn man sieht, wie leichtfertig Automobilisten beim Tanken sind, wie sie Vergaser- und Benzinkontrollen mit der brennenden Zigarre im Munde vornehmen, so darf man sich nur wundern, daß nicht mehr passiert. Genau so sieht es im Betrieb von Motorbooten aus. In den seltensten Fällen wird hier an den Tankstellen direkt aus dem Schlauch in den Tank Benzin nachgefüllt. Man füllt den Brenn- stoff erst in Kannen und aus diesen, je nach Bedarf, in den Tank des Bootes. Schon dabei geht meist eine gehörige Portion des leicht brennbaren Stoffes verloren. Beim„Tippen" des Vergasers vor der Inbetriebnahme, beim Betrieb selbst, dann wenn irgendwo Undichtigkeiten vorhanden sind— in allen diesen Fällen fließt Benzin aus und bleibt unten im Boot, in der„Bilge", liegen. Dazu kommen Oel- und Schmierfettreste, die sich ebenfalls an- sammeln. Selbst wenn der Motor nach unten durch eine Zink- manne abgeschlossen ist, fängt diese zwar die A b g ä n g e von allerlei brennbaren Stoffen auf, aber sie bleiben doch, im Gegensatz zum Auto, im Boot und �bilden hier einen ständigen Ge- fahrenherd. Wenn in eine solche Pfütze von Benzin-Oel-Fett auch nur ein Fünkchen eines Streichholzes fällt, ist das Malheur da, die Lustjacht oder das kleine, mit vieler Mühe erbaute Boot eines Handwerkers ist vernichtet. Benzin vergast, wie bereits be- merkt, unerhört schnell, in einem Boot mit unsauberer Bilge schwebt stets eine Wolke von Benzindüften, und dies« Wolke ist es, die noch gefährlicher ist als ein offener Benzinbehälter. Ein Funke des Anlassers oder des Zllndmagneten am Motor genügt, um Explosionen hervorzurufen, Explosionen, die durch nichts, weder durch Feuerlöschapparate, noch durch Lappen oder Sand, am wenigsten natürlich durch Wasser zu löschen sind. Explosionen durch Funken elektrischer Maschinen an Bord sind erwiesen, ja man hat in einem Falle sogar festgestellt, daß der durch das Fallenlassen eines Schraubenschlüssels auf den eisernen Fuß- boden eines Motorenraumes hervorgerufene Funke genügt hat, Benzingase zu entzünden. Beim Automobil sind diese Gefahren nicht so groß, weil die Abgänge leicht den Weg auf die Straße finden. Beim Motorboot bleiben aber alle Rückstände in der Bilge liegen und bilden hier eine ständige Gefahr. Deshalb kann nicht oft genug an alle Motor- bootfahrer die Mahnung gerichtet werden: Geht vorsichtig mit dem Brennstoff um, laßt ihn nicht überlaufen, sorgt für dichte Leitungen, macht die Bilge sauber, auch vom eingedrungenen Wasser, das Benzin und Fett auf seiner Oberfläche trägt, raucht nicht beim Tanken und bei Kontrollen, ver- meidet offenes Licht, benutzt vom Akkumulator abgezweigte Hand- lampen bei der Arbeit. Die Versicherungsgesellschaften setzen oben- drein im Schadensfalle den Zustand der Bilge in Rechnung und be- messen daran die Entschädigung und die Fahrlässigkeit des Be- sitzers! Arbeiterriiiger in Neukölln «Sparta"—„Alt-Wedding" ringen unentschieden In einem Freundschaftskampf im Ringen standen sich gestern die Staffeln der beiden bundestreuen Arbesterathleten-Vereine „Sparta" und„A l t- W e d d i n g" gegenüber. Das Treffen, das mit großer Härte geführt wurde, hätte für die Weddinger leicht mit einer empfindlichen Niederlage enden können, da der Kreismeister fast nur seine Ersatzleute entsandt hatte, die sich sehr ins Zeug legen mußten, um nicht Sparta einen Sieg zu überlassen. Die Neu- köllner sind bereits glänzend gerüstet. Diese erste Kraftprobe der beiden Vereine vor den Serienkämpsen endete dennoch mit einem Punktgleichstand(14: 14). Wedding gewann die erste Rund« nach einem wechselvollen Verlaus mit 8: 6 Punkten und Sparta konnte die Schlußrunde 8: 6 gewinnen. Der Spartaner H. Langer siegte in der ersten Runde über Schlickeisen-W. in der 5. Minute entscheidend, Sch. gelang es in der Wiederholung nicht, einen Gleichstand zu erzielen und mußte sich mit einem Unentschieden begnügen. Kluge-W. stellte sich selten zum Kampf, so daß A. Langer-Sp. nur zwei Unentschieden erreichen konnte. A. Münnke-W. bezwang den Federgewichtler Hüfsner-Sp. im ersten Kamps, die Rückrund« blieb trotz großer Anstrengung des Unterlegenen offen. P. Wittkamm-Sp. besiegte B. Münnke-W. in der 4. Minute, die kraftvoll geführte Rückrunde blieb offen. Im Mittelgewicht hotte A. Wittkamm-Zp. in Gast-W. einen gewandten Gegner, der die ersten zehn Minuten gut offen hielt, in der zweiten Runde mußt« G noch kurz vor Schluß eine Schulterniederlage hin- nehmen. Mit großem Tempo kämpften die beiden Anwärter auf einen Platz in der Städtemannschaft Bröckner-W. und Lorbeer-Sp. hart um den Sieg, B. konnte den halbschweren Gegner zwar im ersten Gang nach 5.45 Minuten besiegen, die Rückrunde endete aber mit einem Unentschieden. Der Schwere Nagel-W. siegte über den etwas leichteren Lutze-Sp. nach 6.35 Minuten durch Doppelnelson, die Schlußrund« endete ebenfalls mit einem Unentschieden. Kinder treffen in Luckenwalde. Die Luckenwalde? Tur- nerschaft veranstaltet heute, Sonnabend, 27. August, das jähr- liche Kindertreffen im Luckenwalder Turnerheim. Außer den in der dortigen Umgebung besindlichen Brudervereinen werden aus Berlin die Kinderabteilungen der FTGB.-Süden, des Volkssport Wedding und des ASKö-Britz der Einladung Folge leisten. Mit allen schon per Bahn und Auto eingetroffenen Kindern wird heute im Lucken- walder Turnerheim ein Elternabend stattfinden, während morgen Hand-Völkerballspiele und sportliche Wettkämpfe aller Kinder das Tagesprogramm ausfüllen. Das Resiteld des Europafluges auf dem Wege nach Staaken Nachdem gestern abend bereits die ersten Sireckenslieger Seide» mann, INarienseld und IN a s s e n b a ch den Flughasen Staaken erreicht hatten, steht heute noch dag Restseld der Flieger aus. mit dessen Eintreffen im Laufe des Tages gerechnet wird. Kopenhagen, 27. August. Zur letzten Teilstrecke des Europarundfluges starteten ab 6 Uhr morgens die Teilnehmer, die gestern hier übernachtet halten. Erster war Franz D ö t r 6. Er nahm Richtung auf Göteborg. Zwischen 6.20 Uhr und 6.42 Uhr sind S t e i n. V oß. P a s e wa l d, M o rz i k, Giedgowe, Karpinski, Zwirko und F r e g nach Hamburg gestartet: vorher mar der Franzose Nicolle nach Göteborg auf- gebrochen, von wo sich die fünf Flieger unterwegs nach Kopenhagen befinden, die dort übernachtet haben. Um 7 Uhr war nur noch Cuno in Kopenhagen. In Staaken, dem Zielplatz des Euraparundflugs, sind heute früh um 7.14 und 7.23 Uhr die beiden deutschen Flieger I u n ck und O st e r k a m p gelandet. Dann entstand eine Il�stündigc Pause, bis um 9.03 Uhr Wolf H i r t h(E 1) auf Klemm landete, dicht hinter ihm Stein(A 8) auf Heinkel um 9.07 Uhr. Der Sieger der vorhergehenden Europaslüge. M o r z i k. traf um 9.20 Uhr mit seiner Heinkelmaschine. serner um 9.33 Uhr P a s e wa ldt(C 4) auf Klemm, und als erster Ausländer um 9.54 Uhr der Pole Giedgowd(C 2) ein. Die bisherige Berechnung der erreichten Punktzahlen läßr be- reits erkennen, daß es auf jeden Fall zu einem sehr knappen Ende kommen wird, und daß nach dem am morgigen Sonntag erfolgenden Geschwindigkeitsslug nur wenige Punkte die Entscheidung zwischen Deutschland und Polen im Europaflug bringen werden. Weltrekord im Dauerschwimmen Fast 74 Stunden im Wasser Die Herner Schwimmerin Ruth Litzig hat den bisher von der Engländerin Mercedes Gleitze gehaltenen Weltrekord imjDaucr- schwimmen überboten. Während Miß Gleitze seinerzeit 72 stunden und 9 Minuten schwamm, ist Ruch Litzig 73 Stunden 47 Mi- nuten, also 1 Stunde und 38 Mimiten länger, ununterbrochen im Wasser geblieben. Der Veranstaltung wohnten fast 20 000 Zuschauer bei. Fräulein Litzig hat die Anstrengungen ausgezeichnet überstanden und befand sich nach dem Dauerschwimmen in bester körperlicher Versassung._ Ausländische Boxer in Deutschland Dänen kämpfen in Berlin Die deutschen Arbeiterboxer haben in den letzten Iahren zahl- reiche große internationale Erfolge erzielen können, besonders gute und schön« Kämpfe brachte die letzte Saison 1931/32. In den vielen in- und ausländischen Begegnungen wurden so stets neue Freunde gewonnen und zu Starts in Deutschland eingeladen und gern an- genommen. Die neue Saison 1932/33 bringt eine enorm große Zahl ausländischer Boxsportfreunde in fast allen großen deutschen Städten an den Start. Mannschaften aus England. Norwegen, Dänemark und sicherlich auch wieder französische Boxer be- reiten für Terminkämpse in Deutschland vor. Auch mit O e st e r- r e i ch s Kraftsportler sind Verhandlungen angebahnt. Die Kreise 8. 10 und 11 des Arbeiter-Achleten-Bundes Deutschlands erhallen eine kampfstarke Mannschast aus England zum Gegner, der erste Kampf findet in Bielefeld statt. Ein belgisches Box-rteam startet in den Kreisen 3, 9 und 18. Norweger kämpfen in Schlesien. Durch die großen Städte der Kreise 15, 7, 6 und 4(»erlin und Brandenburg) reist eine Mannschast aus Dänemark. Lokale, nationale und intsr- nationale Kämpfe bringen den deutschen Arbeiterathleten einen kampfreichen Winter. Auch die Heber und Ringer wollen in diesem Wettstreit nicht zurückstchen und werden bald von sich hören lassen. Die deutschen Arbeiterathleten waren die ersten, als es galt für die Verständigung der Völker zu ringen und mit den in der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Internationale vereinigten Ländern wieder in stiedlichen Wettkampf zu treten, und sie sind hierbei be- stimmt erfolgreich gewesen. Sportfest der Sammeischulcn des Weddings Die Sammelschulen des Weddings treffen sich mor- gen, Sonntag, auf den Spielwiesen des Volksparts Reh- berge. Die schulsportliche Veranstaltung, zu der auch Schulen anderer Bezirke freundlichst eingeladen sind, setzt sich aus einem Dreikampf, Gesellschaftsspielen, Staffeln und Gymnastik- und Tanz- Vorführungen zusammen. Der Dreikampf ist ein Mannschaftskampf der Knaben und Mädchen. Zur Mannschaft gehören zwölf Schüler oder Schülerinnen. Als Kampfübungen wurden Schlagballweitwurf, Weitsprung und 100-Meter-Lauf gewählt. Außerdem wird von den Knaben eine 15X8-Runden-Staffel und von den Mädchen eine 15X5v-Meter-Rundenstafsel gelaufen. Zu Spielen aller Art bieten die Spielwiesen des Volksparts reichlich Gelegenheit, so daß auch die Kleineren, die noch nicht in die Schranken des Wettkampfes treten, beim Spiel zu ihrem Recht kommen Gesangliche Darb.etun- gen eines Männerchors werden die Zuschauer ebenfalls erfreuen. Die Elternschaft ist herzlich eingeladen. Der Eintritt ist kostenlos. Das Fest beginnt mit dem Dreikampf um 13 Uhr. Die Spiele und Staffeln nehmen um 15 Uhr ihren Anfang, Vorführungen aller Art werden die Veranstaltung gegen 18 Uhr schließen. „Adols-huschke-Gedenken". Am Sonntag, dem 28. d. M.. am Sterbetag des am 26. August 1923 bei dem Radrennen„Rund um Berlin" gestürzten Rennfahrers Adolf Huschte, veranstaltet die Ortsgruppe Berlin der Deutschen Radfahrer-Union nun bereits zum vierten Male ein 5v-Kilometer-Bereinsmannschaftssahren. Erstmalig gelangt in diesem Jahre das Rennen auf der Strecke von Reinickendorf über Hermsdorf, Oranienburg noch Sachsen- hausen zum?ldo!f-Hufchke-Denkmal und zurück zum Austrag, welche Gelegenheit die aktiven Teilnehmer benutzen, um am Denkmal in Sachsenhausen einen Kranz niederlegen zu lassen. 23 Mannschaften haben ihre Meldung abgegeben, die in Abständen von drei Minuten ob 6.15 Uhr auf der Gras-Roedern-Allee das Startzeichen erhalten. UuMcUsiceue\Jezeü*t itiieu Freie Kann-Unia» Groß. Berlin«.«. Sonntag, 23. August, Arbeitsdienst für alle in Spandau, Motard- Ecke Sternselder Straße. »artcllbezirt 13, Tcmpclhos. Zum Sportfest in Lichtenrade müssen die am Dreikampf teilnehmenden Kcnoss-n um sib Uhr antreten. Alle anderen De» nossinnen und Genossen um 13 Uhr auf dem Sportplatz erscheinen. Frauen und Iungmädchen: Schmarre Hose und weißes Hemd: Männer: Bezirksklcidung. «rdeiter-Tnrn.»nd Sportbnnd, 1. greis, Iugendleiter. Die für Montag angekündigte Sitzung der?ugeudleitcr unserer Bcrcine in Berlin fäll: au» und sindet Mittwoch, 31. Auguit, in der Kreisgeschäftzstelle, Elsässer Str. 33, statt. Jeder Verein muß rcrtieten sein. ASV. Rot-Aeiß. Funktionärsitzuna Montag, 2S. August, bei Ufert, Gleim» straße, 20 Uhr. Alle Funktionäre müssen erscheinen. Sonntag Treffpunkt zunt Tiorgartensportfesl 11 Uhr Bahnhof Schönhauser Alle«.