Morgenausgabe Wöchentlich 7» Ps, monatlich S,2B M. (booon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3.97 M. einschließlich 80 Pf. Poslzeitungs- und 72Pf.Postbestellge. bühren. Auslandsabonnement 5,85 M. pro Monat; für Länder mst ermäßig- tem Druckfachenporto«,85 M. » Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anfpruch der Abonnenten auf Erfaß. Erfcheinungsweifeund Anzeigenpreife siehe am Schluß des redaltionellen Teils. |P-f> � Berliner Volksblatt (Sonntag 2S August 1932 Groß-Äerlm 15 Pf. Auswärts 20 Pf. fr v L Ä m. M Jentralorgan der«Sozialdemokratischen Oartei DeMWlmM®3' Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Kernfpr.; Dönhoff(�7)292— 297. Telegramm»Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: BerIinZ7ö3e.—Battrionto:BanrderArbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.u.Disc.»Gef., Deposttenk., Jerusalemer Str. Kö PS. kester Lsgsn pspsnrsgisi'ung»n«, Usksnki's«! rllr arbsiterreekts und Sozialismus! Heute verkündet Herr von P a p e n, Chef des Kabinetts der Barone, in Münster fein Wirtschaftsprogramm. Morgen fährt er mit Meißner, Schleicher und G a y l nach Neudeck zu Hindenburg. Uebermorgen um 1 Uhr tritt der Landtag zusammen, zwei Stunden später soll sich der neue Reichstag konstituieren— um in der nächsten Woche wieder aufgelöst zu werden. Und dann? „Sie verdanken Ihre Existenz dem langjährigen Opfer- ringen todesmutiger SA. gegen internationales Unter- Menschentum", telegraphierte der Sturm 36 am 23. August der Regierung Papen. Der Sturm 36 hat recht: die Regie- rung Papen verdankt ihre Entstehung einzig und allein den Nationalsoziali st en!„Je mehr Nazis im Reichstag, desto mehr Barone in der Regierung"— der Sturm 36 bestätigt es. Heute nennt die Nazipresse die Regierung Papen eine Regierung der finstersten Sozialreaktion. Aber diese Regie- rung der Sozialreaktion, diese Klassenherrschaft des Großbesitzes, verdankt ihre Existenz den betörten Pro- leten von der SA. Sie ist die Frucht der nationalsozialistischen Wahlsiege. Sie war unter ausdrücklicher Billigung Hitlers gebildet worden. Sie wollte eine Regierung der„nationalen Konzentration" sein und sich auf die sogenannten„aufbau- willigen Kräfte" von rechts stützen. Mit vollem Recht hat die sozialdemokratische Wahlpropa- ganda Adolf Hitler für die berüchtigte Hunger-Notoerord- nung verantwortlich gemacht. Sie hat die Politik der„nalio- nalen Konzentration" als eine Politik der sozialen Reaktion demaskiert und damit ihre offene Fortsetzung unmöglich ge- macht. Die Stürme rebellierten, und am 13. August hatte der tolerierfreudige Osaf nicht mehr den Mut, zu seinen Worten zu stehen. * Papen und Schleicher, Meißner und Gayl haben die Pflicht, dem Reichspräsidenten zu sagen, daß die Regierung Papen unmöglich geworden ist. Sie hat den alten Reichstag aufgelöst mit der Begründung, daß er dem Willen des Volkes nicht mehr entspreche. Der neue Reichstag, der dem Willen des Volkes entspricht, wird mit Neunzehntel- Mehrheit der Regierung Papen sein Mißtrauen aussprechen. Ist das geschehen und bleibt die Regierung dennoch, dann ist die Verfassung nur noch ein Fetzen Papier. Die Arbeiterklasse hat alle Ursache, die Entwick- lung der nächsten Tage mit der schärfsten Aufmerksamkeit zu verfolgen. Es geht jetzt um die Freiheitsrechte, die sie sich in jahrzehntelangen Kämpfen erobert hat, um die Rechte ihrer Presse, ihrer politischen und gesellschaftlichen Organisation, um das allgemeine, gleiche Wahlrecht! All das ist heute be- droht und warum? Hauptsächlich aus zwei Gründen: Erstens weil die sogenannten Nationalsozialisten der schwärzesten Reaktion in den Sattel geholfen haben, und zweitens weil das Proletariat gespalten ist. Heute rächt es sich, daß weite Arbeiterkreise den Wert derDemokratie und des parlamentarischen Systems für ihren Freiheitskampf nicht erkannt haben. Wer aber könnte heute noch an ihm zweifeln? Gerade die Feinde der Arbeiter- klasse beweisen dadurch, daß sie ihren Ansturm gegen die Demokratie und das parlamentarische System richten, den Wert einer freiheitlichen Verfassung für das Pro- letariat. * Die Sozialdemokratie steht gegen die Regierung Papen in schär st er Opposition. Alle gegenteiligen Behauptun- gen sind dummer Schwindel. Die Sozialdemokratie fordert den Rücktritt der Regierung Papen und ihre Ersetzung durch ein neues Reichskabinett, das den Willen hat. wieder ver- fassungs mäßige Zustände herzustellen. Damit ist nicht verlangt, daß sich die neue Regierung an den Buch- staben der Verfassung klammern soll, aber es ist verlangt, daß sie den Willen haben soll, im G e i st der Verfassung zu regieren. Jeder Regierung, die die Rechte des arbeitenden Volkes mißachtet, sei sie deutschnational, nationalsozialistisch oder was immer, wird die Sozialdemokratie im schärfsten Kampf gegenüberstehen. Das Wirtschaftsprogramm, das Herr von Papen heute verkünden will, ist das Programm einer dünnen Herren- schicht. Das bleibt auch dann wahr, wenn es gewisse äußer- liche Konzessionen an den Sozialismus machen sollte. Die dünne Herrenschicht hat auf keinen Fall das arbeitende Volk mit Wirtschaftsprogrammen zu beglücken, sie kann nur eines zum Glück des arbeitenden Volkes tun, nämlich schleunigst abdanken. Dem Wirtschaflsprogramm der regierenden Barone hat die Sozialdemokratie das Wirtschaftsprogrammdes Proletariats und des Sozialismus entgegen- gestellt. Sie fordert Verstaatlichung der Schlüsselindustrien und der Großbanken, Planwirtschaft im Interesse des schaf- senden Volkes, tiefgreifende Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Jetzt müssen sich alle Arbeiter hinter diese Forderungen stellen. Genug des törichten Streites! Einigkeit tut not! -d Auch die kommunistischen Arbeiter müssen jetzt einsehen, daß es so wie bisher nicht weitergeht. Sie sind der Meinung, daß die Sozialdemokratie in der Vergangen- heit falsch gehandelt hat, wir sind der entgegengesetzten Mei- nung, aber das ist heute alles ziemlich gleichgültig. Haupt- fache ist, daß die Arbeiter nicht weiter gegeneinandergehetzt werden. Das geschieht aber, wenn der Streit der Meinungen in persönliche Verdächtigungen ausartet und wenn man die Sozialdemokraten, weil sie sich erlauben, anderer Meinung Sozialismus uns« Dal! vis SOiisIcismolcfStisctisri SssstisrUwui-fs über den Umbau der Wirtschaft, Arbeitsbeschaffung und Arbeitszeitverkürzung sowie für Aufhebung der Notverordnungen des Herrn von Papen haben die einmütige Zustimmung aller Werktätigen gefunden. Im Reichstag, und, wenn dieser arbeitsunwillig, außerhalb des Parlaments, werden die sozialdemokratischen Forderungen nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden. Die ganze notleidende Menschheit muß verstehen lernen, daß sie an der Seite der Sozialdemokratie zu stehen hat. Es gibt kein Ruhen und Rasten, bis die sozialdemokratischen Forderungen Wirklichkeit geworden! Darum, Genossinnen und Genossen, aktiviert die Massen! Die sozialistische Offensive wird eingeleitet mit einem Uber ganz Berlin zur Verteilung kommenden Extrablatt am Freitag, dem 2., und Sonnabend, dem 5. September. Es darf niemand fehlen! Jetzt erst recht! Der Bezirksvorstand. zu sein als das ZK. der KPD., als„Sozialfaschisten",„Ar- beiterverräter",„Söldlinge der Bourgeoisie" usw. beschimpft. Das ist ein Luxus, den sich die Arbeiterklasse heute nicht mehr leisten kann! Man kann gewiß über dies oder jenes verschiedener Meinung sein. Aber daß z. B. unter der Regierung Hermann Müller für die Arbeiterklasse ein ganz ande- rer Wind geweht hat als unter der Regierung Papen, dürfte heute auch kein kommunistischer Arbeiter bestreiten. Gleich- viel, lassen wir die Vergangenheit, denken wir an die Zukunft! Soll die Zukunft dem Proletariat gehören, so muß das Proletariat einig sein. Im gemeinsamen Kampf gegen die Papen-Regierung und den Nationalsozialismus, der ihr zur Herrschaft verholfen hat, im gemeinsamen Kampf für die sozialistischen Forderungen der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion kann das Proletariat diese Einigkeit finden. Meinungsverschiedenheiten mögen erlaubt sein, Stänkereien, Hetzereien, persönliche Verdächtigungen nicht! Der Reichstag wird höchstwahrscheinlich schon in der nächsten Woche aufgelöst. Vielleicht wird es dann notwendig sein, zunächst erst dafür zu kämpfen, daß überhaupt wieder zu verfassungsmäßiger Frist gewählt wird! Dann aber gilt es, alle Kräfte für eine Volksvertretung einzusetzen, die ar- beitsfähig ist und im Interesse des schaffenden Volkes Positives leistet. Das wird sie nur können, wenn die Sozialdemokratie in ihr stark ist. Dem Herrn von Papen, der heute sein Wirtschaftspro- gramm verkünden will, sagen wir: Er und seine Regierung haben kein Recht, an der deutschen Wirtschaft herumzu- experimentieren! Sie haben k e i n R e ch t, gegen den Willen einer Neunzehntelmehrheit im Amt zu bleiben! Ihr Bleiben wäre eine Revolution von oben. Es hat aber noch keine Revolution von oben gegeben, der nicht über kurz oder lang eine Revolution von unten gefolgt wäre! Die strengen Winter sind es, die kurz regieren. Je schärfer sich der Charakter der kapitalistischen Klassenherrschaft ent- hüllt, desto näher steht sie dem Sturz., Wer kommt nach ihr? Die Arbeiterklasse, wenn sie einig ist! 200 000 streifen! Kampf der Textilarbeiter in Manchester. Manchester, 27. August. Mit dem Ablauf der Anküudigungsfrist hat heute mittag der allgemeine«treik in der Textilindustrie von Lancafhirc begonnen. Rund 266 666 Weber stehen in dem größten Arbeitstampf, den Gngland feit dem gi- gantifchcn Kohlcnstreik im Jahre 1626 erlebt hat. Auch der«pinnerverband, dem 236 666 Textilarbeiter angeschlossen sind, beschloß am«onnabend, innerhalb der nächsten zehn Tage eine T t r e i k a b st i m m u n g zu ver- anstalten. Fleisch für die Armen. Sozialdemokratie fordert Verbilligungsaktion. Die sozialdemokratische Fraktion im Preußischen Landtag hol folgenden Antrag eingebracht: „Die steigende Tendenz der F l e i s ch p r e i s e läßt es dringend geboten erscheinen, von Reichs wegen sich um die F l e i f ch v e r- sorgung der minderbemittelten Bevölkerung zu kümmern. Um diesen großen Bevölkerungskreis wieder am Frisch- sleischverbrauch teilnehmen zu lassen und dadurch zugleich auch den -Fleischabsatz zu heben, beantragen wir: Der Landtag wolle be- schließen, den Reichskommissar zu ersuchen, seinen Einfluß bei der Reichsregierung dahin geltend zu machen, daß ab 1. September 1332 wieder die Frischfleischverbilligungsaktion in Kraft gesetzt wird." Bracht und der Landtag. Kommissar-Regierung brüskiert Gemeindeausschuß. Ueber den Beschluß des Gemeindeausschusses des Preußischen Landtags äußerte sich der kommissarische Innenminister Dr. Bracht dem Chefredakteur des WTB. gegenüber dahin: Die so gut wie einstimmige Ablehnung der Mahnahmen der kommissarischen Staatsregierung über die Zusammenlegung von Landkreisen und die Aufhebung von Amtsgerichten habe ihn in keiner Weise überrascht. Schon in wesentlich ruhigeren Zeiten seien die Aenderungen von Gemeinde- und Kreisgrenzen beim Par- lament auf fast unüberwindliche Schwierigkeiten gestoßen. Er er- innere nur an die unerhörten Kämpfe wegen des Umgemeindungs- gesetzes im rheinifch-westfälischen Industriegebiet im Jahre 1S29. Von einer wesentlichen Benachteiligung der Bevölkerung könne keine Rede sein. Am Orte der aufgehobenen Amtsgerichte, deren Richter und sonstiges Personal nicht mehr voll zu beschäftigen gewesen seien, würden in Zukunft Gerichtstage abgehalten, die der Bevölkerung fast in allen Fällen den Weg zum neuen Gerichtssitz ersparten. Was den Publikumsoerkehr mit den Landratsämtern anlange, so seien die allenthalben erhobenen beweglichen Klagen darüber, daß die Kreiseingesesienen nunmehr zum Teil sehr viel weitere Wege zum Landratsamt hätten, maßlos übertrieben. Es werde dabei übersehen, daß das Landratsamt nicht soviel „Laufkundschaft" habe, wie dies von den Gegner der Reform be- hauptet werde und daß die Einzelfälle im wesentlichen bei den kreisangehörigen Gemeinden und Städten bearbeitet werden. Im Zeitalter des Kraftwagens hätte sich im übrigen die Praxis heraus- gebildet, daß der Landrat über alle wichtigen Fragen, an denen er als staatlicher Beamter oder als Leiter der Selbstverwaltung mitzuwirken habe, an Ort und Stelle mit den Beteiligten ver- handele. Die Zusammenlegung von Kreisen, deren Zuschnitt im Zeit- alter des Telephons und der modernen Verkehrsmittel eben zu klein sei, sei der erste und notwendige Schritt für eine Derwaltungsreform gewesen. Rechtlich habe sich die kommissarische preußische Staatsregierung vor folgender Situation befunden: Die Notverordnungen des Herrn Reichspräsidenten vom 24. August 1931 und vom 6. Oktober 1931 hätten den Landesregierungen das Recht und die Pflicht auferlegt, alle zur Aus- gleichung der Haushalte erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Auf dieser Grundlage habe dann die frühere preußische Regierung bereits am 23. Dezember 1931 die Verminderung der Zahl der Landkreise und die Aufhebung von 60 Amtsgerichten grundsätzlich angeordnet und zwar mit Wirkung vom 1. Oktober 1932 ob. Dieses Programm fei indesien von ihr nicht mehr durchgeführt worden und daher habe die kommissarische preußische Regierung vor der Entscheidung gestanden, entweder mit diesen Sparmaßnahmen Ernst zu machen oder die Sparverordnung der früheren preußischen Regierung insoweit aufzuheben, zum mindesten die Durchführung über den 1. Oktober 1932 hinaus zu ver- schieben. Da die in den Fachministerien bereits vorbereiteten Maß- nahmen über die Zusammenlegung von Landkreisen und Amts- gericht im wesentliche» das Richtige getroffen hätten, so seien sie zum letztmöglichen Zeitpunkt in Kraft gesetzt worden. Unebenheiten. insbesondere bezüglich der Grenzziehung im einzelnen, ließen sich immer noch ausgleichen. An eine Aufhebung dieser Maßnahmen im ganzen sei nicht zu denken. Er halte es auch für ausgeschlosien, daß irgendeine künftige preußische Regierung, die von Verantwortungsgefühl getrogen fei. sich dazu entschließen würde. Auch ein Beschluß des Landtags würde die kommissarische preußische Staatsregierung von der Erkenntnis der Notwendigkeit der Maßnahmen nicht abbringen und sie zu einer Aushebung der Verordnungen nicht veranlassen können. Schwarzbrauner Verhandlungen zwischen Nazis und Zentrum. Gemeindewahlen in Sachsen. Dresden, 27. August.(Eigenbericht.) Wie wir erfahren, finden in ganz Sachsen am 13. November die Gemeindewahlen statt. Die Meldung wird auf Anfrage von der Regierung bestätigt. Die„Telegraphen-Union" bringt folgende Meldung, die mit Nachrichten aus anderen Quellen weitgehend überein- stimmt: Obwohl von feiten der Nationalsozialisten wie auch von feiten des Zentrums über die Verhandlungen zwischen beiden Parteien offiziell noch nichts verlautet, wird in unterrichteten Kreisen versichert, daß man sich bezüglich der allgemeinen politischen Linie grundsätzlich be- reits geeinigt habe. Diese Einigung beziehe sich so- wohl auf Preußen wie auch auf daS Reich. Selbst über die Person eines etwaigen Kanzlers sei eine Eini- gung erzielt worden, die aber vorläufig noch nicht ge- i nannt wird. Der Name Brüning wird neuerdings wieder für das Außenministerium genannt, das ihm nach seinem Ausscheiden als Kanzler bekanntlich der Reichs- Präsident schon zugedacht hatte, das aber Brüning da- mals unter der Kanzlerschaft von Papens abgelehnt hatte. Man spricht jetzt ernstlich von einer Kombination Schleicher— Brüning— S t r a ß e r. Bezüglich des Reiches liegen die Tinge so. daß be- kanntlich der Reichspräsident den Reichskanzler zu ernennen hat. Es würde also darauf ankommen, Reichs- Präsident und Reichsregierung, sobald die zwischen Ratio- nalsozialisten und Zentrum vereinbarte Grundlinie dies eben ermöglicht, umgehend wissen zu lassen, daß der Reichstag eben doch nicht arbeitsunfähig sei, sondern daß eine Mehrheit vorhanden sei, die bereit wäre, einen durch das Vertrauen des Reichspräsidenten ernannten Kanzler Parlamentarisch zu unterstützen. Es würde sich also auch in diesem Falle um keine Koalition, sondern wieder um eine Präsidialregierung handeln. Man scheint damit zu rechnen, daß aus einer solchen Sachlage möglicherweise Reichskanzler von Papen von sich aus die Konsequenzen ziehen würde. Im übrigen legt man offensichtlich Wert darauf, die Grundlagen für eine Parlamentarische Zusammenarbeit ohne Kampfeinstellung gegenüber den tragenden 5iräften der jetzigen'Regierung zu schaffen. Was Preußen angeht, so hört man, daß die Ver- Handlungen noch nicht abgeschlossen sind, doch besteh« Aussicht darauf, daß man sich auf eine neutrale Persön- lichkeit als Ministerpräsidenten einigen könne. Man nennt hier den Namen Goerdeler— offenbar in der Hoff- nung, auf diese Weise auch den Deutschnationalen ent- gegen zu kommen. Goerdeler gilt übrigens durchaus als ein Verfechter der Aufhebung des Dualismus zwischen Preußen und dem Reich. Der preußische Ministerpräsident könnte bei einer Neubildung des Reichskabinetts, wie sie von Zentrum und Nationalsozia- listen demzufolge angestrebt wird, als Reichsminlster auch im Reichskabinett vertreten sein. Da die Verhandlungen zwischen Nazis und Zentrum mit der größten Heimlichkeit geführt werden, läßt sich der innere Wert solcher Meldungen nicht ohne weiteres erkennen. Grober Unfug ist jedoch das Geschwätz von einer„Gewerk- en- ung schaftsregieruna", der auch führende Gewerkschafter, die poli- tisch in der Sozialdemokratie organisiert sind, zugehören sollen. Einer schwarzbraunen Bürgerblockregierung geg über wäre für die Sozialdemokratie die Oppositionsstellv von selbst gegeben! Ivos fährt zu Hindenburg. Am Montag werden der Reichskanzler, der Reichsinnen- minister und der Wehrminister bei dem Reichspräsidenten in Neudeck eintreffen. Es steht fest, daß auf der Konferenz, der auch Staatssekretär Meißner beiwohnt, außer dem Wirt- schaftsprogramm auch noch weitergehende Pläne erörtert Die nationale Konzentration- ' werden, besonders solche, die sich auf das Verhältnis zum Reichstag und auf das n a ch der Reichstagstagung beziehen. Die Gerüchte über weitreichende Angriffe auf den Kern der Weimarer Verfassung erhalten jetzt wieder neue Nahrung. � In diesem Zusammenhang ist besonders interessant, daß das ' Zentrum einen Vertreter— wahrscheinlich den Abg. I o o s— nach Neudeck entsenden wird, um den Reichspräsi- denten, der sich von der politischen Zentrale fernhält, über die Möglichkeiten zu informieren, durch Verhandlungen zwischen Zentrum und Nazis eine, wenn auch beschränkte, Arbeits- fähigkeit des Reichstags zu schaffen. Oer Weg des Zentrums. Stuttgart. 27. August.(Eigenbericht.) Unter der Ueberschrist:„W as will das Zentrum?" ver- öffentlicht das Landesorgan des württembergischen Zentrums am Sonnabend einen längeren Artikel, der, wie es selbst sagt, den Sinn einer etwaigen Zusammenarbeit zwischen Zentrum und Nationalsozialisten auszcigen soll. Ob die Versuche zur Herbeiführung einer solchen Zusammen- arbeit von Erfolg sein werden, lasse sich noch nicht sagen. Die Ver- Handlungen gingen weiter, und«s sei noch keine Möglichkeit oerbaut. Vor allem habe sich„die praktische Form der Zu- sammenarbeit" zwischen den beiden Parteien zur Stützung einer Regierung noch nicht herausgebildet. Doch dürfe es heute schon als seststehend betrachtet werden,„daß es zu keiner Koalitionsregierung alten Stils kommt". Diese werde schon durch die Verschiedenheit der inneren Einstellung beider Parteien zum Parlamentarismus verhindert. Es sei ausgeschlossen, daß sich die Nationalsozialisten mit der Er- scheinungsform des Parlamentarismus seit 1918 abfinden. Das Zentrum hingegen hoste, daß der„Anschauungsunterricht", den die Regierung Brüning bezüglich des Parlaments und seiner Rechte gegeben habe, auch die künftige Einstellung befruchten werde. Auf jeden Fall gehe dos Zentrum davon aus, daß eine Zusammenarbeit von Zentrum und Nationalsozialisten im Reich unter einem ähnlichen Regime erfolgt wie unter Brüning. Die starke Position, die in den letzten Jahren dem Amt des Reichspräsidenten zugewachsen ist, brauchte nicht beseitigt zu werden, soweit nicht die unerläßlichen Rechte des Parlaments und die Vorschriften der, Reichsverfassung davon berührt werden. Der Artikel wendet sich sodann lebhast gegen die In den letzten Tagen in gegnerischen Blättern geäußerte Unterstellung, daß das Zentrum bei seinem Bemühen um ein« Verständigung mit den Nationalsozialisten„nur aus Machtstreben" handele. Es hält dem entgegen, daß diese Aenderung der Taktik für das Zentrum, dessen scharfe Kampfesstellung zu den Nationalsozialisten bekannt sei, „eine ganz ungeheuer schwere Belastung" wäre. von der noch nicht gewiß sei. wie es sie ertragen werde. „Um einer Machtposition willen nimmt man nicht alle die Wagnisse und Gefahren in kauf, die im Gefolge eines Zu- sammenarbeiteus mit den Nationalsozialisten austreten würden." Di« jetzig« Regierung dürfe unter keinen Umständen durch das Fehlen einer parlamentarischen Mehrheit zu r e i n d i k- tatarischen Maßnahmen getrieben werden.„Angesichts dieser Gefahren fühlt die Zcntrumspartei ihr Verantwortungs- bewuhtsein aufs stärkste angesprochen", zumal nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Hitler und der Reichsregierung kein anderer Weg mehr offen geblieben und es sehr gewagt sei, alles auf die eine Karte„Präsidialregierung mit dem Vertrauen des Herrn Reichspräsidenten" zu setzen. papen antwortet Kerrl. Preußenregierung fühlt sich nur dem Reichspräsidenten verantwortlich. Herr von Papen hat jetzt das Schreiben des Landtagspräsidenten Kerrl, in dem dieser auf die Jnnehaltung der Versassung(II) drängte, beantwortet. Herr von Popen legt in seinem Antwortschrelben nochmals Nach- druck aus die Versicherung, daß die kommissarische Preuhenregierung sich für ihre Handlungen nur dem Reichspräsidenten und nicht demPreußischenLandtagverantwortlich fühlt. Herr von Papen gibt zu,„daß das Fehlen einer dem Landtag verant- wortlichen Regierung in Preußen ein höchst unerwünschter Zustand ist", für dessen Beseitigung die Voraussetzungen jedoch noch nicht gegeben(?) seien. Das von Herrn Kerrl gewünschte Eingreifen des Reichspräsi- denten in der Richtung, die Aenderung der Geschäftsordnung des Landtages durch Notoerordnung für nichtig zu erklären, lehnt Herr von Papen gleichfalls ab. Hier sei vielmehr für die beteiligten preußischen Stellen der Weg über den Staatsgerichtshof gegeben. Man darf gespannt sein, was Herr Kerrl, der Tolerierer des Papen-Kabinetts und neue Hüter der Verfassung, nach dieser Ab- fuhr nunmehr unternehmen wird. oder:„grundsätzlich neue Ari der Staatsführung'�. Die Wahl des Reichstagspräsidenten. Kommunisten wollen für einen Sozialdemokraten stimmen. Die Telegraphen-Union meldet: In Uebereinstimmung mit der kommunistischen Reichstags- fraktion hat der Zentralausschuß derKommunistischen Partei einen Beschluß gefaßt, der sich für die Ausschaltung der Nationalsozialisten bei der Wahl des Reichstagspräsidiums einsetzt. Die Kommunisten werden im ersten Wahlgang für ihren eigenen< Kandidaten stimmen. Sollte in diesem Wahlgang der national- sozialistische Kandidat durch das Verhalten des Zentrums nicht ge- wählt werden, so wollen die Kommunisten im zweiten Wahlgang ihre Stimme für den sozialdemokratischen Kan- d i d a t e n abgeben, um die Wahl eines Nationalsozialisten zum Reichstagspräsidenten zu verhindern. In dem Beschluß wird weiter gesagt, daß die Kommunistische Partei durch diese Maßnahme nicht im mindesten ihren Kampf gegen die Führer der Sozialdemokratie abzuschwächen gedenke. „Alts Kameraden." Pieirzuch-Mörder Gräupner ein Insurgent und französischer Spion. Beulhen, 27. August.(Eigenbericht.) In der Potempaer Mordtragüdie versuchen die Nationalsozialisten die Mordbuben zu Helden zu stempeln, indem sie behaupten, dah hier„nur ein früherer Insurgent" erledigt sei. Statt gerichtlicher Strafen oerdienten die SA.-Männer den Dank des Vaterlandes. Abgesehen von der damit bekundeten politischen Vertierung gefährden die Nazis durch diese Argumentation auf das schwerste die ober- schlesischen Interessen. Erklärt man die in den Abstimmungskämpsen für Polen eingetretene Bevölkerung in Deutschland für v o g e l s r e i, werden die polnischen Nationalisten keinen Augenblick zögern, die sehr starke deutsche Minderheit in Ostoberschlesien genau so unter Terror zu setzen. Unsere deutschen Brüder jenseits der Grenze müßten dann zu Tausenden für die Sünden diesseits der Grenze büßen. Man braucht in diesem Zusammenhang nur an den Wahlterror und die Jnsurgentenübersälle in Birkenfeld und Golassowitz zu erinnern, um davor zu warnen, das Los der Deutschen in Pilsudski-Polen noch mehr zu erschweren. Jetzt aber ist der ebenso abstoßende wie gefährliche Helden- schwinde! der Nazis geplatzt. Hitlers Kamerad Gräupner, ein Hauptbeteiligter bei der Ermordung des Arbeiters Pietrzuch, SA.- Held und Grenzlandmärtyrer, ist ein alter Insurgent. Gräupner war im Jahre 1319 bereits auf polnischer Seite zu finden. 1923 kam er in Friedenshütte zu dem deutschen Selbstschutz und betätigte sich dort als Lockspitzel in Diensten der französischen Besetzungstruppe. Er verriet den Franzosen sämtliche Abwehraktionen des Friedens- hülter Selbstschuhes. Als kurz vor der Abstimmung, am 2. März 1320, der Selbstschutz eine Sicherung der deutschen Wahlinteressen plante, wurde diese durch Gräupner den Franzosen verpfiffen, die daraufhin eine Anzahl Kämpfer für die deutsche Sache verhaftete und zu schweren Kerker- strafen verurteilte. Zu gleicher Zeit verriet Gräupner ein deutsches Waffenlager, das von den Franzosen ausgehoben wurde. Hierbei wurde Gräupner entlarvt Innerhalb des Selbstschutzes wurde beschlossen, an Gräupner wegen fortgesetzten Verrats e i n F e m e u r t e i l zu vollziehen. Gräupner flüchtete aber rechtzeitig zu den Polen und kämpfte als Znsurgent gegen die deutschen Oberschtesier. Bei dem Abzug der französischen Besatzungstruppe ging er mit dieser und trat in die Fremdenlegion ein. Bor einigen Jahren kehrte er aus der Fremdenlegion zurück und ist heute Hitlers Kamerad und Nationalheiliger der SA.I Wir können Herrn Hitler zu diesem Edelexemplar des Dritten Reiches nur gratulieren! Märtyrer- Fabrikation. Geplatzte Lüge des„Völkischen Beobachter". München, 27. August.(Eigenbericht.) Eine lehrreich« Illustration dafür, wie die Nazipresse den sogenannten„Rotmord" konstruiert, ist eine Kammersen st er- t r a g ö d i e, die sich am 2. Mai d. I. in Icking in Oberbayern zutrug und bei der der nationalsozialistische Dienstknecht Hilz ums Leben kam. Ohne den Schatten eines Beweises machte der „Völkische Beobachter" und die mbrige Nazipresse aus der Ange- legenheit einen„Rotmord" und erhob erst kürzlich in einem blut- rünstigen Artikel über eine ganze Seite hinweg schwerste Vorwürfe gegen Polizei und Justiz, daß sie die kommunistischen Mörder unbehelligt läßt. Nun wird amtlich mitgeteilt, daß gegen acht Teilnehmer an dem seinerzeitigen Raufhandel seit 19. Mai gerichtliche Vor- Untersuchung schwebt und daß sich der Haupttäter nach wie vor in Haft befindet. Ausdrücklich wird festgestellt, dah für einen plan- mäßigen Ueberfall aus politischen Beweggründen die Untersuchung bisher nicht den geringsten Anhaltspunkt ergeben habe. Der den Ausgangspunkt des Raufhandels bildende Streit sei nicht politischer, sondern rein persönlicher Natur gewesen. „Tage der Hoffnung." Friedenskundgebungen in Frankreich. Paris, 27. August.(Eigenbericht.) Große Friedenskundgebungen französischer pazifistischer Jugend unter dem Namen„Tage der Hoffnung werden in den internationalen Ferienlagern, in kleinen und größeren Stäb- ten veranstaltet. Fast immer waren sie mit den Hauptideen oder Betätigungen der Menschheit, Arbeit, Gesundheit usw. verbunden. In Paris gab es Gedenkfeiern für den Arzt und Forscher P a st e u r und den Philosophen Pascal. Sonntag findet die Woche mit einer großen Festversammlung und einer Lagerfeier in dem inter- nationalen Iugendlager Bierville ihren Abschluß. « Aus Genfer Meldungen über Zustimmungserklärungen zur Verlängerung des Rüstungsfeierjahres wird man an dessen Bestehen erinnert. Di« vielen Nachrichten von Stapelläufen neuer Kriegsschiffe, von der Konstruktion eines— springenden Tanks und fast geräuschlos schießender Geschütze haben einen das beinahe ver» gesien lassen. -» Die Regierung der Republik Panama hat chre aus einer Dampfjacht bestehende Kriegsmarine zur öffentlichen V e r st e i g e- rung ausgeschrieben. Mindestpreis 30 000 M. Die Dampfjacht wurde 1926 zur Bekämpfung von Unruhen erworben. polnische Zustizreform. Richterprivileg aus zwei Monate beseitigt. Warschau, 27. August. Eine Nowerordirung des Staatspräsidenten hebt für die Zeit vom 27. August bis 31. Oktober 1932 die verfassungsmäßige Im- munität der polnischen Richter auf. In dieser Zeitspanne sollen sämtliche polnischen Richter auch ohne ihr Einverständ- ni» auf andere Posten oder in den Ruhestand versetzt und Gerichtsprästden.en sowie deren Stellvertreter wieder zu«infachen Richtern ernannt werden können. Unter dem Pilsudski-Regime hat bereits vor Jahren der Iustizminister Ca r eine solche Verordnung erlassen, und nach ihrer Aufhebung durch den Sejm wurde sie ganz einfach neu erlassen. Offenbar ist sie längst außer Kraft getreten. Was man aber von der polnischen Justiz, besonders gegen U k r a i n er, in letzter Zeit gehört hat, kann ebensowenig wie die rasche Blutarbeit der Standgerichte begründen, warum die regierende Oberstenclique mit ihren Richtern un- zufrieden sein sollte... Zwei Ukrainer siandrechtlich erschossen. Warschau, 27. August. In Krzemjenjec in Wolhynien wurden am Dienstag frühmorgens zwei Ukrainer, die vom Ausnahmegericht wegen Spionage zum Tode verurtellt wurden, erschossen. In den nächsten Tagen soll vor dem Ausnahmegericht dortselbst eine weitere Prozeßverhandlung gegen neun Personen statt- finden, die gleichfalls unter der Anklage der Spionagetätigkeit stehen. Mosleys SA. Hanswursterei eines Exsozialisten. London. 27. August. Sir Oswald Mosleys„Neue Partei" wird, einer Mel- dung des„Daily Herald" zufolge, demnächst mit der Aufstellung von Sturmabteilungen beginnen und in ganz England eine saschistische Propaganda entfalten. Mosley kehre in ein oder zwei Wochen vom Kontinent zurück, um die nötigen Vor- bereitungen zu treffen. Er werde dann auch die endgültige Stellung- nähme der Partei zu der I u d e n f r a g e festlegen. Die Mitglieder der Sturmabteilungen, die zum Schutze von Parteioersammlungen gegen kommunsstische Störungen bestimmt seien, sollten schwarze Hemden tragen. Die Absicht, das Hakenkreuz als Partei- zeichen einzuführen, sei wieder fallen gelassen worden. USA. protestiert in Japan. Tokio, 27. August. Der amerikanische Botschafter suchte das Auhenministertum auf, wo er eine längere Unterredung hatte. Es heißt, dah der Bot- schafter dem japanischen Außenminister U s ch i d a die Stellung seiner Regierung zu dessen Rede und den japanischen Absichten in der Mandschurei auseinandergesetzt habe. Dem Vernehmen nach soll der Botschafter keinen Zweifel darüber gelassen haben, daß die amerikanische Regierung gegen das japanische Vorgehen in der Mandschurei noch formell Einspruch erheben wird. Man bezeichnet die japanisch-amerikanischen Beziehungen als außer- ordentlich gespannt. Der Antikriegskongreh in Amsterdam hat etwa 2000 Teil- nehmer aus allen größeren Ländern der Welt. Dem Präsidium gehören u. a. Henri Barbusse, der Präsident des indischen Kongresses Patel, Klara Zetkin an. Unter den Begrüßungsrednern war auch der greise Patel. Sondergericht und Schöffen. Eine'Zuschrift der Iustizpressestette. Die Justizpressestelle Berlin schreibt uns: „3n Nr. 399 des„Vorwärts" vom 26. August d. I. wird das Urteil des Sondergerichts gegen Schmidtke und Bickel einem Urteil des Schöffengerichts Schöneberg gegen drei Na- tionalsozialisten gegenübergestellt. In dem Bericht über das letztere Urteil wird es so dargestellt, als wenn nach den Worten des Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor Ziegel, die Angeklagten allein deshalb freigesprochen worden seien, weil„die Belastungszeugen einer gegnerischen Partei angehörten und deshalb nicht unparteiisch seien." Dies ist nicht zutreffend. Das Gericht kam zu dem Freispruch, weil der Zeuge der Nationalsozialisten und der Zug der Reichs- bannerleute nur zufällig an einer Straßenkreuzung sich begegneten und nicht erwiesen war, daß sich die ganze Gruppe der National- sozialisten oder einzelne Teile derselben zusammenge- schlössen hatten, um Gewalttätigkeiten zu be- gehen, es also an dem für eine Verurteilung wegen Land- friedensbruchs erforderlichen Tatbestandsmerkmal der zu- sammengerotteten Menschenmenge fehlte. Abgesehen von dieser Begründung des Freispruchs erklärte der Vorsitzende nur erläuternd zur Beweisaufnahme, daß ein ob- jektiver Tatzeuge nicht vorhanden gewesen sei. Jeder der Angeklagten wurde nämlich nur von je einem anderen Zeugen des Reichsbannerzuges belastet. Einer dieser Zeugen hatte in der Verhandlung seine belastende Aussage in wesentlichen Punkten eingeschränkt, nachdem bereits einige Zeit vorher von einem anderen Gericht unter völlig anderer Besetzung zwei weitere wegen des gleichen Vorfalls Angeklagte freigesprochen werden mußten, weil auch diese Angeklagten von nur je einem Zeugen belastet wurden, und auch diese Zeugen in der Verhandlung ihre wesentlichsten Belastungen zurückgenommen hatten. Unter diesen besonderen Umständen hat das Gericht die Bs- lastung durch nur je einen Zeugen einer gegnerischen Partei als ausreichendes Beweismittel nicht angesehen." Wir geben diese Zuschrift wieder, obwohl sie an dem Kern unferer Darstellung vorübergeht. Im Sondergericht hatten nur Nationalsozialisten den Angeklagten belastet, der zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Im Schöffengericht belasteten Reichsbannerleute— vielleicht infolge der zeitlichen Entfernung etwas weniger bestimmt als früher die angeklagten Nationalsozialisten. Diese Belastung reichte aber für das Schöffengericht nicht aus, weil, wie die Justizpressestelle selbst sagt,„ein o b- jektiver Tatzeuge" fehlte. Die Reichsbannerleute erschienen deshalb als nicht„objektiv". Uns scheint das eine Bestätigung unserer Auffassung zu sein. Es geht auch ohne Zuchthaus! Wahlnachttange in Württemberg Stuttgart, 27. August.(Eigenbericht.) In der Wahlnacht vom 9. zum 10. April waren in der Stuttgarter Vorstadt Hedelfingen Kommunisten und National- sozialisten, die beiderseits als Plakatschutz tätig waren, aufeinander- gestoßen. Dabei hat der 61jährige Kommunist Gräter einem der Gegner mit einem Messer an der linken Brustseite eine Stichwunde beigebracht. Auch die anderen Nationalsozialisten wurden von den Kommunisten durch Schläge mißhandelt. Die Anklagebehörde hatte deshalb gegen sieben Kommunisten einen Prozeß wegen erschwerten Landfriedensbruchs in Tateinheit mit gemeinschaftlich verübter gefährlicher Korperver- letzung ausgezogen. Die Beweisausnahme vor der Großen Straf- kammer Stuttgart ließ die Vorgänge jedoch teilweise in wesentlich anderem Lichte erscheinen, so daß selbst der Staatsanwalt anerkennen muhte, daß die meist älteren Kommuni st en sich durch das Benehmen der jungen Nationalsozialisten provoziert fühlen mußten. Das Gericht ließ deshalb auch die Anklage wegen Landfriedensbruch fallen und verurteilte den Hauptangeklagten Gräter wegen Körperverletzung zu 10 Monaten, einen zweiten zu ä, einen dritten zu 3, zwei weitere zu je 1%, einen sechsten zu 1 Monat Gefängnis und sprach den siebenten frei. Krawall im Bergarbeiierdorf. Die Negermuttsr darf nicht reden. Brüssel. 27. August.(Eigenbericht.) Die Mutter der zwei wegen angeblichen Sittlichkeitsverbrechens an einer Weißen in USA. zum Tode verurteilten Negerburschen, die dieser Tag« in dem Dorf Gilly bei Eharlcroi im Volkshaus in einer Versammlung der Bergarbeiterfrauen sprechen sollte, wurde bei chrer Ankunft in Gilly oerhaftet. Bei der Ueberführung der Negerin zur Polizeiwache versuchten hunderte Frauen die Fest- genommene und ihren Dolmeffcher zu befreien. Drei Berg- arbeiterfrauen, die sich besonders für ihre Freilassung«insetzten, wurden verhaftet. Die Negerin, die ohne Einreise- erlaubnis nach Belgien gekommen war, dürste wieder über die Grenze geschafft werden. Bekämpft Arbeitslosigkeit Raucht Fonmen- Handarbeiü ■ZIGARREN Edbältlict)»o«4-000 Berliner Z/cjarren'öeschäften *«*ttr Zieger Mcutcr BrioUcnbergcr Wir 2fr Tabakmeister, die wir eis einfache Tabakarbeitet unsere Laufbahn begonnen haben, haben unsere Kenntnisse vereinigt, um die Noch«md Noch Zigarre aus hochwertigen Tabaken zu schaffen. OCH& NOCH sind Formen- HANDARBEIT s Zigarrea "HBüTallei�Baiinhö�v 3ACOBI ZIGARREN FABRIKEN- GEGR. 184 2 Hiidarfmangan HAMBURG . BERLIN- MANNHEIM Eupen-Malmedy. Belgische Propaganda und deutscher Kulturkampf. Nicht minder als im Osten hat die Grenzziehung im Westen schwere Ungerechtigkeiten geschasfen. Die Annektionen der ausge- sprachen deutschen Kantone Eupen-Malmedy und St. Vtth durch Belgien sieht auf der Landkarte beinahe harmlos aus. In Wirklichkeit wird dort ein erbitterter Kamps um die Erhaltung des Deutschtums von allen Bewohnern ohne Unterschied der Partei mit oller erlaubten Energie geführt. Der treibende Faktor dieses Kampfes ist aber der Wirtschaftskampf der angrenzen- den Länder. Belgien hat 1926 seine Währung stabilisiert, aber seit 1939 ist es in den Katastrophenstrudel der Weltwirtschaftskrise mit hinein- gerissen. Bis dahin nahm Aachen die belgische Einfuhr auf. Ein besonderer Vorzug für das Gewerbe und den Kleinhandel E u p e n s war der Valutaunterschied. Die deutsche Preis- fenkung von 1939 kehrte den Warenverkehrsweg völlig um. Da- öurch, daß das Preisniveau in Aachen wesentlich tiefer liegt als in Eupen, verliert die Eupener Geschäftswelt ihre Kunden, die lieber nach Aachen gehen, und seit 1931 gibt es Arbeitslosigkeit auch in Eupen. Während die Einflußnahme Belgiens auf Groß- industrie, Kleinhandel und Gewerbe Eupens bisher nicht gelungen ist, hat die Landwirtschaft den Anschluß an den„Belgischen Boerenbond" gefunden, zumal diese Organisation deutschen Bauern Kredite vermittelte und die Regelung des An- und Verkaufs der Landprodukte in die Hände nahm. Die deutsche Aus- gäbe des Bundesorgans„Der Bauer" wird von fast allen Land- wirten des Kreises Eupen gelesen. Wesentlich günstiger ist augenblicklich die tage des Kantons Walmedy, in erster Linie dank der ausgeglicheneren Wirtschofts- struktur. Am ungünstigsten ist die Loge des Kantons St. Vith, der fast vollständig landwirtschaftlich besiedelt ist. Oer„Boerenbond" hat hier wie in Walmedy keinen Einfluß. Von der„großen" deutschen Politik sind die drei Kantone nicht betroffen. Um so wichtiger sind ihnen die Wahlen, besonders zum Provinziallandtag. Da es fraglich ist, ob in der kommenden Periode die Brüsseler Kammer einen deutschen Vertreter haben wird, soll wenigstens versucht werden, einen Deutschen in den Provinzial- landtag zu entsenden. Hierfür kommt der Vorsitzende des Heimat- bundes, H. D e h o t t a y. am ehesten in Frage. Diesem Heimatbund gehören Mitglieder aller Parteirichtungen an. Die belgischen Jnter- essen werden in erster Linie von der„Union catholique", vom . Boerenbond" und vom„Bund der Kriegsbeschädigten" vertreten. Die„Union catholique" baut in Eupen ein eigenes Geschäftshaus. Der„Boerenbond" hat überall Stühpunkte, von denen aus die Propaganda zugunsten Belgiens unternommen wird, so daß augenblicklich das gesamte ehemalige deutsche Gebiet von einem lieh von be- ischen Vertrauensleuten beobachtet wird. Die dritte Organisation, die im Sinne Belgiens arbeitet, ist der„Bund der Kriegsbeschädigten". War schon früher in der Mit- gliedschaft dieses Bundes die Meinung vorhanden, daß bei einer Rückgabe Eupen-Malmedys an Deutschland die Kriegs- beschädigtenrente gekürzt würde oder gar verloren ginge, so haben jetzt die Agitatoren durch die P a p e n- Verordnung u n w i d e r- legliches Material für diese Propaganda! Belgien zahlt bereits Renten für Kriegsbeschädigte bei einer Erwerbsbeschränktheit von 19 Proz.! Der belgischen Beeinflussung wirkt die deutsche Kulturarbeit entgegen, so gewährt z. B. das Aachener Theater den Mitgliedern des Heimatbundes eine S9prozentige Preisermäßigung. Von dieser Vergünstigung wird fleißig Gebrauch gemacht. Der Gesamteindruck, den man heute in den drei Kantonen bekommt, ist der, daß die Bevölkerung überwiegend deutsch ein- gestellt ist. Daran hat der terroristische Schwindel der belgischen Behörden bei der„Volksbefragung" vom 24. Juli 1929 nichts ändern können. knt? Röhl. Groß-Berlin einfcnöungm für tiefe■Subtil find f B e t M n Sffl 68, Sinöenftroije 3, ftet» an bos SJcjitlefefretarial i. Stf. 2 Trevpen rechts, zu richten Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer u. Lehrerinnen, Kreisgruppe Berlin-Köpenick. r-j. 30. Auauft, ab 20 Uhr, im Gemeinschaftszimmer der wclt. nchen Schule Köpenick, Freiheit 15, 1. Stock, gimmcr 9, Ausspracheabend über da« Thema: Lehrerschaft und Sozialdemokratze. Einführendes Referat Gen. Tornow. Mitgliedskarten mitbringen. Quartalsabrechnung. Beginn aller Veranstaltungen 19� Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 13. Kreis. � Alle Genossen und Genossinnen werden ersucht, sich heute am Werbesportfest in Lichtenrade tu beteiligen. Eintritt zum Svortplah ist frei. Weg dorthin mit der Strasienbahn 99 nach Lichtenrade, Haltestelle Grlmmstraße, von dort 2 Minuten Fußweg. 17. Kreis. Genosse Wilhelm Grabow vollendet heute in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. 10 Jahre arbeitet Gen. Grabow für Partei und Gewerk- schaft. Wir begrüßen unfern Alten herzlichst und wünschen, ihn noch recht lange im Befreiungskampf für das Proletariat zu sehen. 20. Krels. Eine Handtasche mit Mitgliedsbuch der Partei auf den Namen Gertrud Kasupke ist verloren gegangen. Sollte das Buch irgendwo auf- tauchen, so ist es anzuhalten und dem Bezirkssekretariat abzuliefern. Montag, 2g. August. 18. Kreis. 20 Uhr Kreisvorstandssißung. 57. Abt. Pünktlich 19'/» Uhr Abteilungsvorstanb und Gruppenleiter beim Genossen Richter. Dienstag, 30. August. 3. Jtcci« Atbeiietwohlfahri. Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder, 15 116t, im Seim Tiliiter Straße HS. Die Konferenz des britischen Welt. rcichs in Ottawa. Referent I. P. Mayer. Unterhaltungsteil Gen. Lutz. Saedrich. 12. Kreis. Kreisvorstandslißun« an bekannter Stelle. Erscheinen aller!?unk. tionüre ist Pflicht. Mittwoch, 3i. August. 7. Kreis Charlotlcnburg. Gemeinsame Sißung des erweiterten Kreisvorstandes und der Bezirksverordnetenfraktion im Zugcndbeim, Rosinenstr. t. S. Kreis. AI Uhr Eigun« des Krcisvorstandes mit den Abteilungsleitern an bekannter Stelle. 8. Abt. Zusammenkunft iiingerer Parteimitglieder bei Dobroblow, Swine» Münder Straße II. Antikriegsabend. Referent Oswald Zienau. 2Z. Abt. 20 Ubr Borstandssißung bei Grunwald, Kameruner Str. 19. 24a. Abt. Mitgliederversammlung im Sermannsbain zwischen Carmen-Evlva» Stmße und Drunselweg. Unsere Forderungen im neuen Reichstag. Referent wird in der Versammlung bekanntgegeben. 25. Abt. Im kleinen Saal Saalbau Friedrichshain Mitgliederversammlung. Unsere Forderungen im neuen Reichstag. Referent Bruno Lösche. Wahl des Abteilungsleiters. 4«. Abt. In der Schulaula Görlißer Str. öl Mitgliederversammlung. Unsere Forderungen im neuen Reichstag. Referent wird in der Versammlung bekanntgegeben. öS. Abt. 20 Ubr Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder im Rankehaus, Raukeftr. 4. Die nächsten Aufgaben der Partei. Referent Dr. Mar Wolfs. 77. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Gesellschaftsbaus des Westens, Souvtstr. R. Unsere Forderungen im neuen Reichstag. Referent Emil Barth. 72a. Abt. 20 Uhr bei Thiele 2. Abend der Arbeitsgemeinschaft für die jüngeren Parteimitglieder. Referent Gen. Söpfncr. 98. Abt. 10 Ubr Mitgliederversammlung in der Schule Mariendorfcr Weg. Unsere Anträge im neuen Reichstag zum Umbau der Wirtschast. Referent wird in der Versammlung bekanntgegeben. 99. Abt. Bei Becker, Elzausseestr. 97, Mitgliederversammlung. Unsere Forde- rungen im neuen Reichstag. Referent wird in der Versammlung bekannt» gegeben. 129. Abt. 20 Ubr im Türkischen Zelt, Breite Str. 14, Mitgliedetversammlung. Unsere Forderungen im neuen Reichstag. Referent Dr. Richard Mischler. Donnerstag, 1. September. 3. Kreis. 16 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder an bekannter Stelle. Innenpolitische Information. Referent Gottlieb Reese. 7. Kreis. Die Mitglieder der Iugcndlommisston nehmen o» der Konferenz über Arbeitsdienst und freiwilligen Arbeitsdienst im Jugendheim Rosinen- straße 4 teil. 12. Kreis. Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder 15V> Uhr in der Schule Steglitz, Friesenstraße. Bor und nach dem 20. Juli. Referent Ernst Lildebrandt. 108. Abt. Sitzung aller Funktionäre bei Marx früher Klose, Rahlsdorfer Straße l. 142. Abt. 13 Uhr bei Beck am Flugplatz Borftaudssttzuiig mit den SPD.-Mit» gliedern der Arbeitslolensiedlung Waldessaum.„Organisatorischer Aufbau der Partei in der Siedlung Waldessaum. Areikag, 2. September. Z. Kreis. Bildungsausschuß-Sitzung bei Ewest, Große Frankfurter Str. 30. Frauenveranstaltungen. Montag, 29. August. 4. Abt. Der Fraueuabend im Auqust fällt aus. ö. Abt. Im Rosenthaler Hof, Rosenlhalcr Str. 11—12. Unsere Forderungen im neuen Reichstag. Referentin Hennv Iaduczvnski. 7. Abt. Bei Feldmann, Ehausseestr. 29. Sozialiftische Lebensreform. Referentin Genossin Mover. 8. Abt. Bei Richert, Steinmetzstr. 36a. Ernstes und Heiteres. Bortragende Margarete Walkotte. 11. Abt. Bei Scholz. Levetzowstr. 21 Ecke Iagowstraße. Politik im Einkaufs- korb. Referentiii Gcnosftn Bielke. 18. Abt. Bei Sachse, Lindower Str. 26. Unsere Forderungen im neuen Reichs. tag. Referent Dr. Schümann. 19. Abt. Im Konferenzzimmer der rote» Schule Gotenburger Straße. Unsere Forderungen im neuen Reichstag. Referent Heinz Löwi. 20. Abt. 20 Uhr bei Wende, Koloniestr. 147. Karl Liebknecht und Rosa Lurem» bürg. Referent Dr. Mar Schütte. 38. Abt. Der August-Frauonabend fällt aus. 40. Abt. Bei Förster, Dreibundslr. 11. Bor und nach dem 20. Juli. Referent Friedrich Elchlepp. 41. Abt. Bei Schult, Mariendorser Straße 5. Unsere Forderungen zur Lind«» rung der Not. Referentin Else Michaelis. 42. Abt. 20 Ubr bei Höhlke, Bergmannftr. 69. Du und deine Umwelt. Referent Dr. Wolter Groß. 44. Abt. Bei Ewald, Ekalitzer Str. 126. Unsere Forderungen zur Linderung der Rot. Referent Alfred Malkwitz. 40. Abt. Die Werbcveranstaltung im August fällt wegen de» Burgfrieden» aus. Nächster Frauenabend 26. September. 47. Abt. Kaffeekochen im Boiksoark. Treffpunkt 14 Uhr Kottbuifer Tor Ecke Admiralftraße. 69. bis 72. Abt. Der Frauenabend am 29. August fällt aus. 79a. Abt. 20 Uhr an bekannter Stelle. Unsere Fordenlngen im neuen Reichs. tag. Referent Hans Bauer. 82. Abt. 20 Uhr bei Schellhase, Ahornstr. 15a. Referentin Susanne Räder» Großmann. 91. Abt. 16 Uhr Koffeekochen in der Waldschänke Volkspark Neukölln. Rczita. turnen der Genossin Friede! Hall. Die Genossinnen treffen sich 14'/- Ubr Fontane. Ecke Flugbafenftraßc. Käste willkommen. 93. Abt. Im Jugendheim Kanner Str. 42. Die Frau im politischen Kampf. Referentin Dr. Elsbeth Weichmann. 95. Abt. In der„Glasballe", Inb. Horn, Lermonnstr. 199. Was haben die Frauen nun zu erwarten? Referent Dr. Hans Cohn. 97. Abt. Bei Kutzki, Leinestr. 1, Antikriegsabend. Vortragender Hans Fuhr- mann. 98. Abt. Bei Teich. Knefebeckstr. 135. Kommt die Arbeitsdienstpflicht? Referent Gustav Weber. 102. Abt. AFA-Sof im Tivoli, Reue Krugallee 39. Unsere Forderungen im neuen Reichstag. Referentin Lisa Albrecht. 106. Abt. Im Waldkater, Etubenrauchstraße Ecke Kaifer-Wilhelm-Straße. Was baden die Frauen»u» zu erwarten? Referentin Luise Köhler. 119. Abt. 20 Ilbr bei Schade. Normannen Ecke- Ruschestraßc. Unsere Forde» rungen im neuen Reichstag. Referent Dr. G. Eberlein. 127. Abt. 20 Uhr bei Krämer, Snermond- Ecke Degner straße. Streifzüge durch den Orient. Referentin Erna BUstng. 139. Abt. Im Jugendheim Schäneberger Str. 3. Kulturreaktion. Referentin Maria»tische. 140a. Abt. 16'- Ubr Kaffeekochen bei Schulz, Dorfaue. 19 Uhr Vortrag der Genossin Dr. Frida Alexander. Bevölkerungspolitik im Dritten Reich. Diensiag, 30. August. 56. Abt. 20 Ubr bei Liersch, Kantftr. 62. Unsere Forderungen im neuen Reichstag. Referentin Martha Lehmann. 94. Abt. Bei Kuhfeld, Eelchower Etr. 20. Unsere Forderungen im neuen Reichstag. Rcierenti» Susanne Räder-Großmann. 101. Abt. Bei Döhling, Kiefholz. Ecke Elsenftroße. Forderungen der Sozial- demokratie im neuen Reichstag. Referentin Nora Henke. 137. Abt. 20 Uhr im Bollshaus, Scharnweberstr. 114. Unsere Forderungen im neuen Reichstag. Referent Paul Bernstein. Mittwoch, 31. August. Arbeitsbeschaffung. Referent 90. Abt. 20 Ubr bei Schabeiko. Weichelstr. 5. Gen. Furtwängler. 120. Abt. 20 Uhr bei Tempel, Prinzenallee 45. Das schwer erziehbare Kind. Referent Dr. Eberlein. 131. Aol. Die Frauengruppe ladet um 1o Uhr zum g-müllecheu a-tuaiumeiueui mit Aaffeckochen im Lokal Wandel. Schloßpark, ein. Gäste willlommen. 143. Abt. 15 Uhr Kafscekochen bei Iarijiü, Waidmannslust, nurst-Bismarck. Straße. Genossinnen der Rachbargruppe» sind eingeladen. Donnerstag, 1. September. 22. Abt. Im Raiskeller, Limburger Straße. Unsere Forderungen zur Linde- rung der Not. Referent Gottlieb Reese. 136. Abt. 29 Uhr Diskunerabend in der Baracke Lindauer Straße. Bezirksausschuß sür Arbeiterwohlsahrt. 2V. Kreis Reinickendorf. Die am 29. August vorgesehene Siiumg des erweiterten Kreisoorsiundes wird verschoben. Sie findet am Montag, o. September, 20 Ubr, im Jugendheim Reiuickendorf-Qst. Lindauer Strane. ttart. ArbeUerbUdungsschute. Der Ferienknrfus, der in der Keit vom 3. bis 10. September in Bernau von der Arbeirerbildungsfchule aus stattfinden sollte, muß leider wegen zu geringer Teilnahme abgesagt werden. SoziaUsiische Studentenschaft. Unsere Ferienarbcit beginnt Anfang September. Erste Veranstaltung, 5. September, 20 Uhr. im..Bund", Aibrechtstt. 11, Gth. 2 Tr. Gen. Reg.-Rat Dr. Muhle: Die politische Lage und die Aufgabe der Eoi'.aldcmokrattc. Montag, 5. September, 18 Ubr. wichtige �unktionärkonfeienz im Bund.� eille Geno.sen, die im Winter-Semester nach Berlin kommen, melden sich zur Vermittlung von Wobnungen im Volksstudentenbeim. Luisenstr. 19. Tel.: DL Norden 1300. Arbeitsgemeinschast der kindersreunde Groß-Berlin. Die für Mittwoch angesetzte S-lscroolloersammlung im Bezirksamt MeWMM Kreuzberg wird verschoben. Der neue Termin wird durch die Presie Jff.SW bekanntgegeben.— Heiser D-rs III tresfen sich zur Wochenendmhrt MMMnUl am 3. und 4. Sepieinder am„Gedenkstein Ucöctfce". Autoiahrer immm melden sich sofort schriftlich bei I. Hauch. RO. 55, Grell str 72. ÄIN» WMM und Rückfahrt bei 12 Teilnehmern l,80 M., bei mindestens 30 Teil- nehmern 1,50 M. Trefspunkr am 3. September Bhf. Prenzl. Allee. Mitte, Abi. Motteotti: Montag. 29. August, 17>- Uhr, außerordentliche Voll- Versammlung aller Falkcn. Erscheinen Pflicht. Alle RF.-Helser im Kreisheim. Unsere Winterarbeit. Ebenda Ausgabe von Bastelmaterial an alle Abteilungen.— Abt. Landsberger Platz/ Montag und Mittwoch Sportplatz für alle. Dienstag Iungfalken, Donnerstag Restiguen, Freitag Role Falken im Heim. Sonnabend, 3. September, Fahrt. Nestfallen nach Erkner, 55 Pf.! Iungfalken Rüdersdorf, 80 Ps.i Rote Falken Petershagen, 80 Pf. Kreuzberg! Achtung, Abteilungsleiter! Am Mittwoch beginnt unser Singe. kreis um l7>4 Uhr im Heim Urbanstraße. Wir proben für unleren Eltern- abend, macht eure Falken darauf aufmerksam. Die anderen Neigungzgebiete beginnen nrch! am 7., sondern am 21. September. Alle Nestfalken, die im Lager waren, kommen am Montag, 29., von 17—19 Uhr, im Heim Porckstr. 11, zusammen. tag, 6. September, Mitgliederversämmlung um 17 Uhr im Heim Dorsstraße sIung. und Nestfolken>, 20. Kreis: Kreishelfersitzung Montag, 29. August, 20 Uhr, Jugendheim Wittenau, 12. Kreis Steglitz. Abt. Albrechtstraße: Dienstag, 17 Uhr. Heim Albrecht- straße.— Abt. Ariesenstraße: Mittwoch, 17 Uhr, Schule Friesenftraße.— Abt. Lichterselde: Mittwoch und Freitag, 17 Uhr. Südfront.— Abt. Lankwitz: Diens- tag und Donnerstag, 17 Uhr, Schule Schulstraße. Neue Kinder immer will» kommen. Kreis Neukölln: Heute beteiligen wir uns an dem Kinderfportfest der Arbeitersportler um 14 Uhr aus dem Sportplatz Sonnenallee. Eintritt frei.— Iungfalkenhelfer morgen, Montag, um 18 Uhr, im Kreisheim Ganghoferstrahe, wichtige Besprechung. Der Falkenrat tagt morgen, Montag, um 17:,!, Uhr, im Kreisheim, Alle Gruppen müssen vertreten sein,— RZ.-Sruppen: Am Diens- tag um 17 Uhr findet eine Vollversammlung in der Karl-Marx-Schule statt.— Gruppe Kurt Eisner, NF.: Am Dienstag treffen wir uns um 16 Uhr am Hertzbergplatz.— Gruppe Quelle: NF,.Treffpunkt zur Bollversammlung um 16 Uhr Hermannstraße. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 92. Abt. Unsere Genossin Herta Brüller, Kaiser-Friedrich-Str. 77, ist am 25. August verstorben. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung Montag, 29. August, 17 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten.__ Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Der„Vorwärts" erschein! wochenlägiich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage..Volk und Zeit". Anzeigenpreise: Die einsp a lt. Millimeterzeile 30 Pf., Reklamezeti« 2.— M» „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wart 20 Pf. lzuiässig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort>0 Pf. Rabatt laut Tarif. Warfe über is Buchstaden zählen für zwei Wort«. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 26 Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile IS Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wochentäglich von SVj bis>7 Uhr Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung»ich! ge- nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Vietot Schiff! Wirtschaft:®. Klingelhöfet! Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Herbert Lcpäre: Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwäris-Verlag G. m, d. H., Berlin. Druck: Borwäris-Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. So.. Berlin£53. 68. Lindenstraße 3 Hierzu 3 Beilagen. Theo Maret, D 6. Wedding 1309. Nr. 405• 49 Iabrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonntag, 28. August 4 932 Am vergangenen Mittmoch mar Fischzug in Stralau. Von diesem Fischzug ist nur noch der Name geblieben. Denn seitdem von Köpenick bis Spandau dicht an dicht die Schlote der Fabriken qualmen, verlohnt es sich nicht mehr recht, die Netze auch nur vom Holz zu nehmen. Statt Plötzen und Barsche würden Konservenbüchsen und Sprungfedern eine gar zu spärliche Beute sein. Auch der Rummelsburger See vermag in dieser Hinsicht keine Ausnahme zu machen; mas er an Fischlein hergibt, ist dürftig genug. So wird schließlich kein Geheimnis verraten, wenn der Bierverkauf auf jenem alljährlich neu galvanisierten Jahrmarkt in Straulau wichtiger ist als der Fischzug. Dabei ist die Lage der rings um Berlin übrig gebliebenen Fischer eine ganz eigenartige: sie können längst nicht so viel Fische aus dem Wasser holen, wie der Markt jeden Tag verlangt. Schiffe werden abgewrackt, Kohlen auf Halde und Kaffee ins Meer gesdiüttet, Getreide und Baumwolle bleiben unverkäuflich., aber im Berliner Marktbericht für Süßwasserfische ist Woche um Woche zu lesen, daß beim Zander die Anfuhr so gering war, daß es sich kaum lohnte, den Preis zu notieren, die Zufuhr an Hechten den Bedarf nicht zu decken vermochte, Aale waren wieder so knapp, daß die Nachfrage nicht zu befriedigen mar, an Plötzen war im Handumdrehen der Markt geräumt, an Barschen mar das Kaufinteresse wohl stark, aber wenig Ware da und abermals haben die Bleie nicht im entferntesten ausgereicht, um die Töpfe der Berliner Hausfrauen zu füllen. Das ist merkwürdig und auffällig gleichermaßen. Wir wollen uns deshalb zu dem Alten Fischer von Pichelsdorf ein wenig auf die Bank vorm Haus setzen. Das Privileg von Um die Zeit, als Christoph Columbus Amerika entdeckte, als Peter Henlein in Nürnberg die erste Taschenuhr konstruierte, als Albrecht Dürer die Aetzkunst und Galilei gleich Mikroskop und Ther- mometer zusammen erfand, als die erste Nähnadel und die erste Echreibseder den Weg in die Welt antraten, um jene Zeit erhielt die Familie Neuendorf aus Pichelsdorf bei Spandau vom damaligen brandenburgischen Kurfürsten die Fischereigerechtsamkeit zwischen Spandau und Ketzin. Bis aus den heutigen Tag hat sich dieses Privileg vererbt, sein Inhaber ist heute der 73 Jahre alte Fischer Wilhelm Neuendorf. der Junggeselle blieb und der deshalb sich den Hecht selber braten mutz, wenn er mittags vom Fischsang heimkehrt. Die Urkunde über das Privileg kann Herr Neuendorf nicht herzeigen, weil sie wohlverwahrt im Tresor der Spandauer Fsscherei-Societät liegt, aber die Vereinsnadel im Sonntagsanzug des alten Herrn zeigt neben den Buchstaben F. T. P.(Fischerei- Societät Tiefwerder-Pichelsdors) stolz die Jahreszahl 1S15. Eine ehrwürdige Angelegenheit. Dennoch ist in blanke Münze umgerechnet eine Fischerei- gerechtsamkeit gar nicht von so überwältigendem Wert! als einige Havelfischer unlängst die ihre abgaben, erhielten sie für die Aufgabe dieses Rechts bare 2500 Mark. Davon könnten die Alten selbst bei sparsamster Lebenshaltung nicht allzulange existieren, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, dah fast alle Fischer Eigner wertvoller Wassergrundstücke sind, die, sofern sie nahe genug an Berlin liegen, durch Vermietung von Bootsständen eine einiger- matzene Rente abwerfen. Aber selbst wenn jemand zwischen Röhns- darf und Schwanenwerder Tag und Nacht fischen wollte, er würde wohl nicht mehr ausreichend Brot für Frau und Kind zusammen- bringen. Dazu ist das Wasser der Havel und besonders der Spree zu schlecht geworden, beizeiten sind die Fische fortgezogen, und wer sie heute haben will, der muh seinen Fischerkahn mit einem Außen- bordmotor bewehren und von Spandau bis Paretz 3l) Kilometer weit den Hechten nachjagen. Gist für die Kische. Der alte Herr Neuendorf war um halb sechs Uhr morgens los- gefahren. Bei Gatow erwischte er ein paar Hechte und um 12 Uhr war er wieder in Pichelsdorf.„Sehen Sie mal— sagt er— ich muh doch schon um 10 Uhr aushören mit Fischen. Um diese Stunde kommen die Menschen da oben aus ihren Zelten, dann springt alles ins Wasser, oder sie holen ihre Boote vor und verjagen mir natürlich die Fische. Das ist eine Zucht mit den Zelten!" Dann mutz der alte Herr selber lachen, er schlägt sich mit der Rechten auf den Schenkel und wiederholt, während ihm die Tränen vor Lachen über die Backen kullern, nur immer:„Nee, hören Sie uff, da hausen nun die Leute drinne!" Der schlimmste Feind der Fischer ist aber die Zn- dustrie. Rücksichtslos ist das Schilf abgeschnitten worden, in dem die Fische ihre Laichplätze hatten, die Flußufer wurden kanalisiert und von Tag zu Tag wurde das Wasser schlechter, weil alle Abwässer der Fabriken in die Flüsse gepumpt wurden. Zentnerweise starben die Fische und erst als die Fischer nach langem Prozessieren durch- setzten, daß die Fabrikabwässer erst über eine Kläranlage zu laufen haben, wurde der Vergiftung des Spreewassers Einhalt getan.„Was habe ich— sagt Herr Neuendorf— bei Schwanenwerder für Bleie rausgeholt. Bis oben waren die Zober voll Fische. Bis an einem einzigen Wintertag 1875 es vorbei war mit allen Bleien. Damals stand noch das Eis, aber von Berlin kam Tau und Regen. Aller Dreck von Berlin wurde mitgeschleppt, er kam unter das Eis und die Bleie erstickten. Armlang waren die Bleie, als wir sie tot aus dem Wasser holten und seitdem sind die Bleie auch für immer ver- schwunden. Das Wasser war damals so verseucht, dah ich die Fische in dem Havelwasser nicht mehr von Lindwerder nach Pichelsdorf gekriegt hätte, ich mußte erst zu einem Brunnen fahren und mir klares Wasser holen, damit sie mir nicht unterwegs krepierten." „Na und heute?— fährt der alte Fischer fort— Wenn ich heute die Netze aus dem Wasser ziehe, ist es, als hätte ich sie in Oel gestippt, so beschmiert sind Hand und Netz. Aber die Fische wollen gutes Wasser haben, in Benzin und Oel gedeihen sie nicht. Sehen Sie, wir setzen nun jedes Jahr Fische ein, um den Bestand einiger- maßen zu halten. Diese Fische lassen wir uns durch die Societät von den Fischzuchtanstalten kommen. Aber diese kleinen Fische, die in Rudeln umherschwimmen, sind dumm. Jeden Tag werden einige von den Schrauben der Motorboote erwischt und erschlagen. Erst in diesem Jahr haben wir wieder Aale, Hechte und Schleie eingesetzt, im vorigen Jahr Krebse."—„Wie stehts mit den Aalen?"—„In diesem Jahr nicht gut, weil wir einen zu milden Winter hatten. Wenn es ein gutes Aaljahr werden soll, muh das Eis bis zum Frühjahr stehen, dann ein warmer Frühling mit Hochwasser folgen, dann gibts auch Aale. Im vorigen Jahr haben sie allerdings im Frei- wasser neben der Spandauer Schleuse die Aale noch zentnerweise herausgefischt. Merkwürdigerweise sehen wir auch von unseren aus- gesetzten Krebsen nichts, hin und wieder, daß man mal einen im Netz hat. Gott und früher, als in der Havel noch Fische waren, da haben wir die Krebse wieder ins Wasser geschmissen." Die Fischfrauen vom Gendarmenmarki. Nachmittags geht Herr N. seine Fische verkaufen, er hat einen Kreis ständiger Abnehmer. Die lebendfrischen Hechte würde ihm auch jeder abnehmen. Früher war der Fischoerkauf ungleich schwie- riger. Der alte Herr lacht wieder:„Da wurde noch aus dem Wil- helmsplah in Eharlottenburg oder am knie schwer gehandelt. Da ging es nicht nach Pfunden, sondern nach Gerichten. Das dauerte aber erst eine Weile, ehe die Frauen dann die sechs Dreier für ein Gericht Fische herauslangten. Dann gingen sie erst noch mal weg und schimpften auf uns, bis sie schließlich wieder kamen sind die Fische doch nahmen. Nein, damals fuhren wir die Fische bis nach Spandau an die Berliner Chaussee. Dann hatten wir kleine Hundewagen und zogen damit die Fischbottiche nach Char- lottenburg. Wir machten dann gleich wieder zurück, denn das Hau- dein war Sache der Frauen. So bequem war das damals nicht, nach Berlin zu kommen. Die Heerstraße, über die heute der ganze Verkehr geht, gibt es erst seit 1910. Und vordem ging alles über Ruhleben an Bock und Zibbe vorbei. In den siebziger Jahren aber sind wir mit unseren Fischen von Pichelsdorf nach dem Gendarmenmarkt in Berlin gefahren. Na, das war ein Theater, kann ich Ihnen sagen! Da sind wir von Pichelsdorf abends um 10 Uhr losgefahren. Damals machten Spree und Havel noch viele Bogen, so daß wir zum Morgengrauen in Berlin waren. Jetzt mußten die Fische aber erst von der Spree zum Gendarmenmarkt geschleppt werden, dos war ein ziemliches Ende und um sechs Uhr herum ging dann der Markt los. Nicht wie heute erst um acht. Wir Männer fuhren übrigens gleich wieder nach Pichelsdorf zurück und die Frauen kamen mittags mit den Schmargen- dorfer Bauern zurück. Die Wiesen, die Sie hier zwischen Tiefwerder Her Endkampf der Europaflieger 25 Europaflieger in Staaken— Heute 300 km Luftrennen 3m weiteren verlauf der Rachmitlagsslunden landeten nach und nach die übrigen noch ausstehenden Europaflieger, und zwar die Deutschen p o ß und Enno aus klemm, die Franzosen D u r o y o n und L e i r e aus Pole; und die Tschechen Kalla und k l e p s auf Praga, so daß damit 24 Europaflieger das Ziel erreicht haben. Als 25. wurde der Franzose N i c o l l e erwartet, der mit seiner schwächeren Maschine das„rote Schlußlicht" des Feldes bildete. -i> Den Abschluß des Wettbewerbs bildet am heutigen Sonntag das großeLuftrennenübereineetwa 300 Kilometer lange Strecke, die von Berlin über Frankfurt a. d. O. und Dobrilugk-Kirchhain nach Berlin zurückführt. Der Start erfolgt in Staaken um 15.15 Uhr, worauf die Teilnehmer an dem Rennen Tempelhof überfliegen, wo dann das Ziel dieses zur Feststellung der Höchstgeschwindigkeit dienenden Lustrennens liegt. Die Wettbewerb-leitung hat inzwischen die Punktzahl zum größten Teil ermittelt. Daraus ergibt sich, dah der polnische Flieger Zwirko die Führung hat mit einer Gesamtpunkt- zahl von 416. Dann flogt der Deutsche P o ß, der den inter- nationalen Rundflug 1930 als zweiter beendete mit 411 Punkten. Dritter ist Wolf H i r t h mit 410 Punkten, zwei Punkte weiter zurück liegt der Schweizer Fretz, der ebenfalls wie die bisher genannten Deutschen ein Klemmflugzeug führt. Der Endkampf im Höchst- geschwindigkeitsflug am Sonntag dürfte sich wahrscheinlich zwischen diesen Piloten abspielen, da der Sieger der beiden vorhergehenden Europaflüge mit 404 Punkten an fünfter Stelle liegt, eine Spann«, die er kaum noch ausgleichen dürfte. Eher ist es möglich, daß Wolf Hirth, der das schnellste Klemmflugzeug führt— es ist mit dem Motor seines Bruders Helmuth Hirth, des bekannten Vorkri«gs- sliegers, ausgerüstet—, seine Punktzahl noch aufholen kann. Auf jeden Fall dürste der morgige Schlußakt des diesjährigen inter- nationalen Rundfluges ein außerordentlich interessantes Ereignis werden. »«ttkselorn baarenz gereinigt und|"� Pf. gewaschen, Pfund von an Stand Betten graurot Inlett, mit grauer Füllung, 4 A95 1 Oberb., 1 Unterb., 1 Kliien. zus.»w Fertiges Oberbett rot oder rotrosa Inlett, federdicht, mit weichen chinesischen*>A90 Entenfedern, 130 x 200.... Fertige Inlette Oberbett Unterbett Kissen 335 28S 1os graurot gestreift.. rot oder rotrosa.., •cht türkischrot..... 640 1075 Ueberlaken kräftiger Linon, mit Hohlsaum �50 garniert, ca. 150X250.... 3 Oberbettbezug kräftiger Linon, zum Knöpfen, A65 ca. 130 X 200......... Bettlaken Dowlas, mit Hohlsaum, ca. A50 140X220.......... A Handtuch Gerstenkorn, mit farbiger«fA Kante........... IT Pf. 285 525 175 795 29S Jetzt Betten reinigen! Aufarbeitung von Daunendeckenl Schlafdecken welch, mollig, moderne Karos, A95 mit Bandeinfassung..... � rein Kamelhaar, 4050 140X190......... 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Nun stellen Sie sich vor, alles, was an frischen Fischen nach Berlin kam, brachten entweder die Spandauer oder die Köpenicker Fischer. Ja, ja, damals war das Fischen noch ein Geschäft. Heute dagegen sind die Seesische schneller in Berlin als wir mit unseren und da es den Landwirten nicht besonders geht, fangen auch die noch zu fischen an und holen das bißchen, was in der Havel an Fischen geblieben ist, heraus." 22 Jahre Zuchthaus. Urteil im Berliner Sondergerichtsprozefj Püschel und Genossen. Die Allee der Leiden. Betrachtungen eines Erwerbslosen. Ein Erwerbsloser schreibt uns: Infolge der Reichstagswahl waren 14 Tag« Stempelferien. Die waren reichlich verdient, nach 2K Iahren des Stempelngehens. Um ein Haar hätte man fast vergessen, daß der Stempeltag schon wieder heran war. Dem es just passieret, wohnt, wie so viele andere, in Steglitz, und muß zum dortigen Arbeitsamt noch der L i n d e n st r a ß e wandern. Also schnell die Birkbuschstrahe, Schützenstraße entlang, erste, zweite Querstraße... Nanu, hier muß sie doch sein!? Er fragt einen Anwohner.„Ja", sagt der,„Lindenstraße?— Hier ist sie ja! Aber die heißt jetzt Leyden-Alleei"— Leyden-Allee?! Nach kurzem Dank für die freundliche Aufklärung knüpft sich daran dies« Betrachtung des Erwerbslosen. Irgendeine Persönlich- keit der städtischen Verwaltung muß doch mangels anderer Sorgen, oder während des Sommerurlaubs— man hatte ja selbst Stempel- serien— den weittragenden Entschluß gefaßt haben, die Steglitzer Lindenstraße in Leyden-Allee umzutaufen. Wieviele nach mir werden noch die Lindenstraße suchen? Aber wie wenig zweck- entsprechend in ein solches Bemühen in unserer Zeit der Sparsamkeit. Denn die vielen kleinen Geschäftsleute in der ehe- maligen Lindenstraße müssen daraufhin ihre Stempel und Briefköpfe ändern lassen. Jedem Bries und Umschlag wird jetzt der„Leydens-Stempel" aufgedrückt. Eine Allee— man denkt dabei an unsere Siegesallee oder etwa weiter an die Herrenhauser Allee in Hannover— ist die Lindenstraß«, slias Leyden-Allee, keineswegs, sondern nur eine kleine, enge Vorstadtstraße. Also keine sehr sinngemäße Bezeichnung. Was ist nun unter„Leyden" zu verstehen? Die holländische Stadt Leyden? Oder der englische Dichter John Leyden? Oder der berühmte Mediziner. Professor Ernst von Leyden? Ich nehme das Letzte als richtig an. Professor von Leyden war von 1876 bis 1907 Leiter der ersten medizinischen Klinik in Berlin, und verfaßte Arbeiten über Rückenmark-, Gehirn- und Nervenkrankheiten, sowie ein Buch über den Starrkrampf. Wenn man nun all diese Leiden etwa mit dem Arbeitsamt in Im Prozeß Püschel und Genossen vor dem Berliner«ondergericht wegen des Feuerüberfalls auf den Polizeioberwachtmeister Kottowski vom 16. August erfolgte gestern die Urteilsverkündung. Die Angeklagten Püschel und Uopper wurden wegen Aufruhrs. Nöti- gung und versuchtem Totschlag zu je zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, die Angeklagten tlieichardt und K l ü h wegen Aufruhrs zujeeinemJahrZucht- Haus. Tie Angeklagten Pabst, Kurt und Holzer wurden freigesprochen. Bei der Urteilsverkündung kam es im Gerichtssaal wieder zu Kundgebungen der Empörung: die 22jährige Schwester des Angeklagten Püschel, die schon gestern bei dem Strafantrag einen Nervenzusammenbruch uno Schreikrampf erlitten hatte, brach in laute Pfuirufe aus und mußte aus dem Saal geführt werden. Die Mutter des Angeklagten Püschel sank o h n m ä ch t ig in die Arme ihrer anderen Tochter. Landgerichtsdirektor Toll führte in der Urteilsbegründung aus, daß Püschel uns K o p p e r unzweifelhaft überführt seien, auf einen Polizeiwochtmeister geschossen zu haben. Den Alibibeweis des Kopper, der eine Reihe von Zeugen dafür bestellt hatte, daß er zur Zeit der Ausschreitungen in der Weißenburger Straße am 16. August an einer Geburtstagsfeier teilgenommen habe, hielt das Gericht für mißglückt. Dagegen wurde hinsichtlich der Angeklagten R e i ch a r d t und K l ü h der Beweis, daß sie selbst geschossen hatten, für nicht erbracht erachtet, so daß sie nur wegen Aufruhrs bestraft wurden. Nach der Urteilsbegründung begann die Mutter des Angeklagten Püschel wieder laut zu schreien, so daß drei Justizwachtmeister schließlich die um sich schlagenoe Frau aus dem Saale bringen mußten. Die Frau des Angeklagten Kopper verfiel auf der Straße in Schreikrämpfe. Ab Montag zwei Gondergerlchte in Berlin. Da eine ganze Anzahl von verfahren wegen politischer Aus- schreitungen auf Grund der Notverordnung gegen den politischen Terror vor das Sondergericht kommen, ist das bisher unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor T o l k eingesetzte Sondergericht in der nächsten lvoche so überlastet, daß ab Montag ein zweites Sondergericht in Moabit zusammentreten muh. Es werden also in der nächsten Mache im Neuen Sriminalgerichlsgebäude zwei Sondergerichte nebeneinander verhandeln und sich in die Arbeit teilen. Als Vorsitzender des zweiten Sondergerichts ist Landgerichts- direktor Dr. M a r s ch n e r in Aussicht genommen. Als Vertreter der Staatsanwaltschaft dürfte als Mitarbeiter des Dezernenten für die Sondergerichte, Oberstaalsanwalt Dr. Sturm, Staatsanwalt- schaftsrat Dr. Mittelbach ausersehen werden, der srüher in politischen Prozessen vor dem Schnellgericht fungierte, wie die Verteilung der in der nächsten Woche anstehenden Sondergerichtsprozesse auf die beiden Sondergerichte erfolgen wird, steht bisher noch nicht end- gültig fest. der Leyden-Allee in Zusammenhang bringt, so findet man ganz sicher, daß der Starrkrampf diejenige Krankheit ist, unter der das Arbeits- amt am meisten leidet. Das Wort ist am Platze: Erwünschte Arbeit ist der Leiden Arzt. Nach alledem wäre auch die Bezeichnung„Leidenallee"— die Allee der Leiden— zeitgemäßer gewesen, als„Leyden-Allee". Hiermit schließt die kleine Betrachtung eines Erwerbslosen, unter Osfenlassung der Frage, was für ein„Leyden" gemeint ist. Benzinexplosion in der Badestube. Zwei Frauen beim Kleiderreinigen schwer verleht. Durch unvorsichtiges hantieren mit Benzin wurde gestern im hause Passauer Str. Z4 wieder ein schweres Unglück angerichtet. In der Badestube ihrer gemeinsamen Wohnung in der Passauer Str. 34 waren gegen 16 Uhr die 66 Jahre alte Frau Luise S t r u p a l und die 30jährige Charlotte Buschmann mit dem Reinigen von Kleidungs st ücken beschäftigt, wozu Benzin verwandt wurde. Offenbar durch die Flamme des Gasbadeofens wurden die Benzindämpfe, die sich in dem kleinen Raum ange- 1 200 Schulkinder in 300 Autos Freudenfahrt nach Wandlitzsee liebet 300 Autobesitzer haben aus eine öfsentliche Auf- sorderung hin der Schulverkehrswacht für einen ganzen Nachmittag ihre wagen zur Verfügung gestellt. Diese seit fünf Jahren bestehende Organisation, die vom Rektor Hauer geleitet wird, schult die Sinder für die sichere Bewegung im Großstadt- verkehr. Die 1200 Kinder der Oberklassen, die gestern für die Autofahrt ausgewählt wunden, haben zum allergrößten Teil noch keine Autofahrt gemacht. Es sind ausschließlich Kinder aus den Schul«,, der Innenstadt, je 600 Jungen und Mädchen, die in diesem Jahre während der großen Ferien zu Hause bleiben mußten und noch keinen größeren Ausflug in diesem Sommer machen konnten. Die Sammelstelle am L u st g a r t e n bot schon heute mittag um 1 Uhr ein Bild der größten Ordnung, und das Verladen der Kinder in die Autos ging schnell vonstatten. Neben einem großen modernen P o st o m n i b u s sah man zwei Ueber- landautos der Berliner Verkehrsgesellschaft. Im übrigen be- teiligten sich fast nur private Wagen, die von den Besitzern selbst gesteuert wurden. Sie waren fast alle mit Fähnchen, Luftballons und zum Teil auch mit Blumenkränzen geschmückt. Nicht weniger als 60 Aerzte erschienen mit ihren Wagen, daneben viele Rechtsanwälte und Schauspieler. Das Programm für die Fahrt war recht umfang- reich. Es ging zunächst nach F r a n z ö s i s ch- B u ch h o l z, wo für die 1200 Kinder eine Kasseelafel gedeckt war: dann weiter zum W a n d l i tz s e e. Hier hat der Schauspieler Fritz Kampers in seinem Wochenendhaus den Kindern«ine Ueberraschung bereitet. Ueber Lanke und Biesenthal sührt die Fahrt dann nach Bernau und schließlich über Malchow und W e i ß« n s e e nach Berlin zurück. Wo es den Kindern besonders gefiel, wurde Station gemacht, und im Walde oder an einem See ließen sich die Kinder die guten Dinge schmecken, die olle Autobesitzer ihren kleinen Gästen zugedacht hatten. Dabei bot sich dann auch Gelegenheit, den be- sonders wißbegierigen Kindern die Maschinerie der Autos zu er- klären. Auch da» dient zur Verstärkung des Sicherheitsgefllhls und damit den Ausgaben der Schulverkehrswacht. Abends um 7 Uhr traf die ganze Ausflugsgesellschaft wieder im Lustgarten ein. Von den Erfahrungen, die mit dieser ersten Kinderautofahrt gemacht wurden, wird man für spätere Wiederholungen profitieren. Denn das steht schon heute fest: Diese Autokinderfahrten werden zu einer ständigen Einrichtung werden zur Freude der Kinder und der Großen, die sich In den Dienst der Sache stellen. Jedenfalls ist es ein gutes Zeichen, daß bei dieser ersten Kinderfahrt sich viel mehr Autos eingestellt hatten als angemeldet wareü. sammelt hatten, zur Entzündung gebracht. Plötzlich erfolgte eine heftige Explosion und durch die hervorschiehende Stichflamme wurden die beiden Frauen schwer verleht. Glücklicherweise gelang es den Verunglückten, die Flammen durch Ueberwerfen von Decken zu ersticken. Häusbewohner wurden durch die Hilferufe der Frauen aufmerksam und riefen die Feuerwehr. Mit schweren Brandwunden wurden die Verletzten ins Achenbach-Krankenhaus überführt. piloi Gabriel freigesprochen. Das Unglück von Johannisthal. Der Pilot Wilhelm Gabriel wurde gestern von der Ferienstrafkammer des Landgerichts ll von der Anklage der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung freigesprochen, da ihm eine Schuld an dem folgenschweren Flugzeugabsturz. durch den eine Arbeiterin getötet und acht verleht wurden, nicht nachgewiesen werden konnte. In der Verhandlung hatte der Angeklagte angegeben, daß er mit aller Vorsicht geflogen sei, und nicht, wie die An- klage angenommen hatte, einen Looping über der Fabrik versucht habe. Ueber dem Flugplatz Johannisthal habe er eine Zielfahrt mit stehendem Propeller unternommen, bei der er durch besondere ungünstige Luftoerhältnisse ins Trudeln kam, so daß er das Flugzeug nicht mehr rechtzeitig auffangen konnte. Daß er lediglich über dem Flugplatz geflogen fei, beweise die Tatsache, daß ein Kissen, das während des Sturzes aus dem Flugzeug fiel, auf dem Flugplatz gefunden wurde. Die Zeugen konnten nicht mit Be- stimmtheit sagen, ob das Flugzeug, das sie in mehreren Metern Höhe gesehen hatten, einen freiwilligen Looping begonnen hatte, oder ob es unfreiwillig ins Trudeln gekommen war. Der Staatsanwalt hielt eine Fahrlässigkeit des Piloten für erwiesen und beantragte ein Jahr Gefängnis. Das Gericht stellte in seinem freisprechenden Urteil fest, daß der Absturz des Flug- zeuge» wahrscheinlich aus«inen seltenen Unfall zurück- zuführen sei, mit dem der Pilot nicht rechnen konnte. Gechzigjähnger töiei seine Familie. Fünf Todesopfer im niedergebrannten Haus. Am Sonnabendmorgen ereignete sich in krolowiec, kreis Pleh, eine furchtbare Familientragödie. Der ehemalige Gemeindevorsteher des Ortes, der bOjährige Johann Cmiel, erschoß in seinem Schlafzimmer seine Ehefrau, seinen Sohn und seine beiden Töchter. Nach der Tat schaffte Cmiel die Leiche» aus den Boden und steckte den Holzbau in Brand, hieraus e r s ch o h e r s i ch s e l b st. Aus die Schüsse hin eilte» die Nachbarn hinzu, doch war keine Hilfe mehr möglich. Da» Haus brannte völlig nieder. In den rauchenden Trümmer» fand man die verkohlten Leichen der Familienangehörigen. Ueber die Beweggründe, die Cmiel zu dieser furchtbaren Tat veranlahlen. ist noch nichts bekannt. I ZW verkündet das Nahen des Herbstes.— Vorsorgliche Frauen denken schon jetzt an wärmere Kleidung, die sie in unermeßlicher Fülle an unseren Lägern finden. Unübertreffliche Billigkeit bei hervorragender Qualität ermöglicht jedem vorteilhaftesten Einkauf. ItlodeCCßCeidet uslflänieC für alle gesellschaftlichen Zwecke in unObereebbarer Autwahl. Vorzügliche Qualitäten der StOtfe, modernste Linien und Formen und außerordentlich niedrige Preise zeichnen diese Meisterschöpfungen aus. Gebilde von so aparter Schönheit sieht man sonst nur in Maksalons, in denen das Mehrfache unserer Preise gefordert werden T&glicher Eingang von Neuheiten der Herbst- u. Wintermode! � Sportmäntel volle a. kamelhaarartigen Stoffen, reich gesteppt. Revers, Aer- melautschlig..eanz auf vor- nehmemFut- ter. Seiten taschen und Stcppaürtef, in all Gr nor 25: Winter- Mäntel allerArten, auch für •türkste Figuren In allerrelcliat. 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Ein Kriminalbeamter hatte aus der Straße einen elegant gekleideten Mann gesehen, namens I h l e, von dem er wußte, daß der Mann darauf ausging, zugereiste Ausländer unter dem Vorwand eines Iuwelenkaufes zu neppen. Er beobachtete in unmittelbarer Nähe des Mannes noch zwei andere. Der Kriminalbeamte holte sich Unterstützung durch einen Schupo und wollte zur Fe st nähme schreiten. Als er aus die Gruppe der Männer zuging, ergriffen die beiden anderen Leute die Flucht, während Jhle gleich festgenommen werden konnte. Nunmehr spielte sich ein eigenartiger Vorgang ab. Die beiden Begleiter Jhles, die erst geflüchtet waren, kamen schlendernd wieder heran und sahen neugierig zu, welchem Schicksal Jhle entgegen ging. Die Beamten griffen aber die beiden aus der Menge der umstehenden Passanten heraus und nahmen sie fest. Ein Ueberfallwagen brachte die drei Nepper zum Polizeipräsidium, lzier wollten sie sich natürlich nicht kennen. Di« Praktiken dieser Leute sind aber bei der Kriminal- Polizei zur Genüge bekannt. Man brauchte nur an das Polizei- a u t o zu gehen und die Hand zwischen die Lederkisien zu schieben, um sofort ein Lederetui hervorzuziehen, in dem sich eine ganze Anzahl von Glasbrillanten befanden. Mit diesen Dingern operierten die Gauner. Sie suchen die Bekanntschaft von Ausländern zu machen und legen dabei insbesondere Wert auf Amerikaner. Sie reden lange hin und her, bis es ihnen gelingt. dem ahnungslosen Opfer minderwertige Ringe usw. aufzuschwatzen. Auf diese Weise ist erst kürzlich ein Amerikaner um 300 Dollar ge- schädigt worden. Als man nach dem schon erwarteten Fund in dem Polizeiauto den Wagen noch weiter durchsuchte, fand man auch noch«ine Lupe, eine Pinzette und ähnliche Dinge, die die Betrüger bei ihren„Geschäften" zu benutzen pflegten. Schwere Verkehrsunfälle. Hauptursachen: Lieferautos und Motorräder. Im Laufe des gestrigen Nachmittags ereigneten sich wieder zahlreiche schwere Verkehrsunfälle. In der Müller- st r a ß e wurde der 25 Jahre alte Radfahrer Willi Petermann aus der Edinburger Straße von einem Lieferauto über- fahren. Mit einem Schädelbruch wurde P. ins Kranken- haus gebracht.— Vor dem Hause Andreasstraße 61 wurde der 26jährige Radfahrer Karl Schneider von einem Motorradfahrer angefahren und zu Fall gebracht. Sch. stürzte so unglücklich, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt. An der Kreuzung Boxhagener Straße und Gryphiusstrahe im Osten Berlins stießen zwei Lieferautos zusammen. Ein Fahrzeug wurde durch die Wucht des Anpralles umgeworfen. Der Führer des einen Wagens, ein S7 Jahre alter Friedrich Baum, erlitt schwer« Arm- Verletzungen.— An der Eecke Nonnendammallee und Rohrdamm in Siemensstadt wurde ein Motorradfahrer von einem Lastauto ge- rammt. Das Rad wurde zertrümmert und der Fahrer schwer o e r l e tz t. Der Verunglückte wurde durch die Feuerwehr ins Paulinenkrankenhaus transportiert. Blitz in der Kirche. Die zum Rittergut B i l l b e r g e(nahe Stendal) gehörige Kirche wurde durch Blitzschlag eingeäschert. C&w&otäe ÄaKÄk V.e\piiqer DeatsdiefitallaMeMaiiil Montag, den 20. Unguff. abends 6 Ahr, im Parterresaal des ve» bandshanses. E.säfser Skr. SS-SS, Eingang B Brandien-Versammiang der Bau- u. Geidsdiranksdilosser Tagesordnung 1. Bericht der Branchenleitung. 2. Stellungnahme zur Kündigung des Tariiveürages. 3. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. Kollegen! Da die Unternehmer uns den Manleltarif aelllndigt haben und uns eine weitere Verschlechierung des Arbeits. oerhältnifles zumuten, ist es notwendig. dah jeder Kollege zu dieser Dersammlung erscheint. Die Ortaverwallung. Mir Buttergroßhandlung Filialen in allen Stadtteilen Pfänderversteigerung. Die in den Monaten Oktober, Ro vember, Dezember lSZl versetzten Pfänder kommen, mweit sie nicht erneuert worden sind, zur Versteigerung: Bei Abteilung II, Elsassir Str. 74 vom Montag, dem S. September tg8.> ab S Uhr, in der Reihenfolge; Fahr räder pp.. Kleider, Pelzwerl. Wäiche; Bei Abteilung 1, Iägerltr.(54. vom Montag, dem IS. September>ss.>, ab s Uhr. in der Reihenfotae: Juwelen, Dold- und Sildersachen, Kristall, Fahr- räder. Degenstände der Optil, Kleider, Petzwerk, Wäsche. Fllr verfallen- Pfänder, welche erst noch dem Auklionsdeginn erneuert oder ein- Ct werden, muh bestimmungsgemäh ionsgebllhr berechnet werden. Staatliches Leiharnl. iriB6tß®peUae®» Hons, vermittelt die uolKsbühne L u. Jedes Mitglied erhält jährlich 10 bis 11 Vorstellungen im Tb. am BOlowpiatz Ibis 2 Vorstellungen in der Staatsoper Nachmittagsabteilungen mit 6 Vorst, im Th. am Bülowplatz(Sonntag nachm.) und 1 Oper Auf Wunsch«tet« auch 2 Vorstellungen im Schiller-Theater Charlottenburg Vorstellungsbesu ch auf allen Plätzen 1.50 Mark Nachmittags-Vorstellungen 1.10 M.:: Opern-Vorstellungen 2.50 M. Keine Vorauszahlungen. Auslosung der Plätze vor jeder Vorstellung Zahlreiche Sonderveranstaltungen(Musik, Tanz, Kabarett) Ohne Mitgliedschait in der Volksbühne E. V. ferner Abonnements lür 10 Vorstellungen des Theaters am Bülowplatz. Feste Plätze nach eigener Wahl. Vorparkett: 5,-, 4,50 u. 4,- M(Kasse: 8-, 7,-, u.6,- M); Parkett: 3.50, 2,70, 2,- u.1,80 M (Kasse: 5.-, 4,-, 3,- u. 2,50 M); 1. Ring; 4,-, 3,50, 2,70 u. 2,- M(Kasse; 6,-, 5.-, 4,- u. 3,- M); 2. Ring: 1.80 M(Kasse: 2,50 M); Vorausbezahlung der beiden letzten Vorstellungen. Bei sofortiger Bezahlung sämtl. 10 Vorstellungen 5% Rabatt. Aus dem Spielplan: THEATER AM BÜLOWPLATZ STAATSOPER Gogol: Der Revisor/ Hauptmann: Die Ratten/ Pagnol: Fanny/ Hay: Das Neue Paradies/ Zuckmayer: Schinder- hannes/ Raimund; Alpenkönig und Menschenfeind I Shakespeare: Maß für Maß/ Castonier: Die Sardinenfischer/ Joachimson und Schiffer(Musik von Spolianski): Das Haus dazwischen/ Ebermayer und Mann; Prof. Unrat/ Kunst 1. Leitung: Heinz Hilpert In Hauptrollen: Hans Albers/ Gurt Bois/ Eugen Klöpfer/ Otto Wermcke Jacob Tiedtke/ Ernst Karchow/ Eihard Siedel/ J. Almas/ Paul Verhoeven/ Artur Mainzer/ Käthe Dorsch/ Camilla Spira/ Brig. Horney/ Käte Haack/ Maria Fein/ Lotte Stein/ Genia Kurz usw Wagner: Der fliegende Holländer/ Mozart: Cosi fan tutte/ Verdi: Rigoletto/ Der Maskenball/ Falstaff/ Die Sizilianische Vesper/ Schillings: Mona Lisa/ Mas- cagni: Cavallena rusticana/ Leoncavallo: Bajazzi/ Joh. Strauß: Eine Nacht in Venedig/ Wiener Blut usw. SCHILLER-THEATER Hauptmann: Die versunkene Glocke/ Wellenkamp: Theres geht vorüber/ Wal- lace u. Roth: Platz oder Sieg/ Stolz: Wenn die kleinen Veilchen blühn/ Shakespeare: Der Widerspenstigen Zähmung/ Corrinth: Hallo! nur Mut/ Ein Berliner Volksstück mit Musik u.a.m. Prospekte und Anmeldungen in KW Zahlstellen u a. bei sämtlichen Theaterkassen der Firma Tietz. im K.d. W., in der Volksbühnen- Buchhandlung Köoenicker Straße 68, sowie in der Hauptgeschäftsstelle, C 25, Liniensnaße 227(Th. a. Bülowplaul D I Norden 2941.— Abonnementsbestellungen ausschließlich im Abonnementsbüro, C 25. Linienstraße 227. D I, Norden 2944 m WWW S t'4 rf,;-.'5- WP-WZ -75' M):-.-yjjt&x'f, Verkauf soweit Vorrat. Mengenabgabe vorbehalten Wollkleider für Damen, einfarbig und gemustert........... Stuck Nachmittagskleider für Damen, aus guten � Qualitäten....... Stuck w p fff Damen-Mäntel reine Wolle, moderne fäk Machart............ Stück g M Damen-Kostüme aus guten reinwollenen dfl Qualitäten....... Stück B M Turbanmützen für Damen,«ehr ffk modern......... 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Die 23- und 24jährigen Vettern Otto und Bruno Weißte hatten erfahren, daß ihr gemeinsamer Onkel eine SOjährige Frau®. kannte, die ihm öfters kleine Geldbeträge geliehen hatte. An diese Frau wandte sich nun zunächst Otto Weihte, der sie zuerst um kleine Unterstützungen bat und der schließlich größere Beträge zur Errichtung einer Existenz von ihr forderte unter der Drohung, daß er sie sonst b l o ß st e l l e n und ihre Beziehungen zu seinem Onkel in den Zeitungen veröffentlichen werde. Es müßte schon ein tolles Skandalblatt fein, das so etwas veröffentlicht! Nachdem Frau G. dem Neffen ihres Bekannten nach und nach 1000 M. gegeben hatte, kam es schließlich zum Zerwürfnis. Nunmehr tauchte Ottos Vetter, Bruno Weißte, unter falschem Namen bei Frau G. auf und ließ sich von ihr erzählen, was für einem Erpresser sie in die Hände gefallen sei. Auf ihre Klagen schlug er ihr vor, daß er den Erpresser durch seinen Ringverein, den Geselligkeitsverein„Treubund" umbringen lassen wolle. Dazu gab Frau G. Geld her. Wenige Tage darauf kam Bruno Weißte mit verbundenem Arm zu ihr und berichtete, er habe Otto am vergangenen Abend in einer dunklen Straße nach hartnäckigem Kampf„um die Ecke gebracht". Er sei dabei schwer verwundet worden und müsse jetzt ins Ausland fliehen. Frau G. gab dem„Mörder" 1500 M. Bald darauf bekam sie aus dem Ausland Briefe des Flüchtlings, in denen sie unter immer neuen Ausreden zur Sendung weiterer Geldmittel aufgefordert wurde, sonst würde er nach Deutschland ausgeliefert und ihre Rolle bei diesem Morde bekannt werden. Inzwischen mengte sich in Berlin der angebliche Vorfitzende des Ver- eins ein. Weißte schrieb im Namen des Vereins an Frau G. Drohbriefe mit der Aufforderung, dem Vereinsbruder das Wort zu halten. Endlich hatte Frau G. ihre letzten Gelder fort- gegeben. Sie offenbarte sich nunmehr ihrem Sohne und nahm ihn mit, als der„Mörder", der heimlich nach Berlin gekommen sein wollte, sie zur Aushändigung weiterer 3000 M. treffen wollte. Der Sohn veranlaßte die Festnahme von Bruno Weißte und von dem„ermordeten" Bäcker Otto Weißke. Der Staatsanwalt beantragte gegen die beiden Erpresser, die bisher nur mit Geldstrafen vorbestraft waren, die Höchststrafe von je fünf Iahren Gefängnis. Das Gericht verurteilte beide Angeklagten wegen fortgesetzter gemeinschaftlicher versuchter und vollendeter Erpressung zu je zwei Jahren Gefängnis unter Aufrechterhaltung des Haftbefehls. Arbeiislosigkeit und Miewerirag. Mehr Rücksichtnahme erwünscht. Ms der Zug der Wohnungsexmittierten kein Ende nechmen wollte, trat jene Verordnung ins Leben, die unter gewissen Bedingungen eine Aufhebung der mehrjährigen Mietverträge für rechtsgültig erklärte. Aber nicht alle konnten Nutznießer dieser Ver- günstigung werden und so nehmen Zank, Haß und Jammer kein Ende. Ist der Mieter an jenem Punkte angelangt, wo er eins ich nicht mehr ein und aus weiß, dann appelliert er an des Vermieters menschliche Rücksichtnahme, aber leider fast stets mit negativem Erfolg. Der einzelne hat fein eigenes, trauriges Schicksal vor Augen und wenn er das der Baugesellschaft vor Augen führen will, dann steht er vor verschlossenen Türen, vor tauben Ohren: man verweist ihn kurz und nüchtern auf den Rechtsweg. Die Baugesellschaften wiederum erklären, daß dieses traurige Einzelschickfal sich in ihren Häusern so und so oft wiederholt, und daß sie daher außerstande sind, Gnade für Recht ergehen zu lassen. Unter den allzu vielen Bedauernswerten, denen ein unverschuldetes Schicksal Das Lied in der Notzeit Die Wirtschaftskrise lastet auch auf den Gesangvereinen Bis in die letzten Winkel des gesellschaftlichen Lebens wirkt sich die verheerende Wirtschaftskrise lähmend ans. Selbst Organisationen, wie Gesangvereine, von denen man annehmen sollte, daß sie unmittelbar nicht so ohne weiteres mit der Krise in Zusammenhang zu bringen wären— denn was soll den Menschen hindern, ein Lied zu singen— leiden stark unter dem Tiefstand der Wirtschaft. Der Grund ist sehr einfach: breite Schichten der Mitglieder find arbeitslos. Dadurch werden selbst größere Ar- be i t e r- G esa n g v e re i n e in der unbedingt notwen- digen Uebungsarbeit behindert. Um das künstlerische Niveau eines Vereins zu halten, muß man mindestens einmal in der Woche mit den aktiven Sängern üben. Das mag noch angehen, wenn sich das Rekrutierungsfeld eines Vereins Über einen begrenzten Wohnbezirk erstreckt, dann brauchen die arbeitslosen Sanges- genossen kein Fahrgeld, um zur Uebungsstunde zu kommen. Es gibt aber eine ganze Reihe von Vereinen, deren Mitglieder zwischen Bernau und Nowawes, zwischen Spandau und Friedrichshagen verstreut wohnen. Hier ist die Uebungsarbeit ungemein erschwert: die Vorstände sind gezwungen, ins Vereinssäckel zu greifen und den arbeitslosen Mitgliedern Fahrgeld und ein paar Groschen Zehrgeld zu geben. Man muß weiter berücksichtigen, daß große Arbeiter-Gesangvereine mit ihren hohen Mitgliederzahlen ihre Uebungsftunden nicht in Vereinszimmern von vorstädtischen Gast- wirtschaften abhalten können. Wenn wöchentlich 150 bis 200 übende Sangesgenossen zusammenkommen, braucht man einen Saal. Aber Säle bedeuten gleichzeitig Verzehr und so hat man heute vielfach den Uebungsbetrieb in Schulaulen verlegt, die nicht so hohe Äieten und Ausgaben verursachen. Auch im Konzertbetrieb haben sich Einschränkungen als notwendig erwiesen. So war es in guten Zeiten bei den führenden Arbeiter-Gefangvereinen Brauch, im Jahr mindestens zwei große offizielle Konzerte mit künstlerischem Programm und dazu noch mehrere Gartenkonzerte mit vorwiegend unterhaltendem Programm zu veranstalten. Heute müssen die verantwortlichen Funktionäre sehr umsichtig bei der Veranstaltung von großen Konzerten sein, denn ein eventuelles Defizit könnte die künstlerischen Bestrebungen des Vereins nur noch mehr erschweren. Auf der anderen Seite mutz man aber— das trifft besonders auf Berlin zu— schon ein recht gutes Programm bieten, um Massen zu fesseln. Gute Pro- gramme jedoch erfordern wiederum hohe Ausgaben, man muß sich Solisten sichern, die, wenn sie auch nicht mehr so hoch im Kurse stehen wie einst, doch immerhin bezahlt sein wollen. Das belastet von vornherein den Etat und wenn man sich früher über das gute Gelingen, sagen wir eines Konzertes in der„Neuen Welt" keine allzu großen Sorgen machen brauchte, dann ist dies heute schon ein Risiko, ob bei der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit noch Tausende von Gästen dem Ruf des Vereins Folge leisten. Daran ändert auch die Verlegung der Konzerte von Restaurationsbetrieben in die eigentlichen Konzertsäle nichts, denn was die Gäste hier einsparen, müßten sie meist an erhöhten Eintrittsgeldern draufzahlen, da die Mieten für die Konzertsäle immer noch unverhältnismäßig hoch find. Verschiedene Vereine haben aus dieser unsicheren Lage insofern einen Ausweg gefunden, indem sie gemeinsam Konzerte ver- anstalteten, ohne mit einem Defizit abschließen zu müssen. Am schwersten sind aber die Konzertreisen betroffen worden. So machte beispielsweise die„T y p o g r a p h i a" seiner- zeit ihre große Reise Dresden— Prag— Brünn— Wien— Salzburg— Innsbruck— München, wo überall Konzerte gegeben wurden. Man hatte dazu eine besondere Sängerkasse, in die jeder Teilnehmer wöchentlich 1 Mk. zahlte. Dazu kamen Konzert-Ueberschüsse, Honorare für das Singen im Rundfunk und auf Schallplatten laufend in die Sängerkasse, so daß den aktiven Sängern auf solchen Reisen ein annehmbarer Zuschuß und den Arbeitslosen das ganze Reisegeld gezahlt werden konnte. Heute aber muß mit den Vereins- vermögen so haushälterisch umgegangen werden, daß man im großen und ganzen aus die Veranstaltung von Konzertreisen wird verzichten müssen. Was unter derartigen widrigen Umständen die Krise einreißt, muß deshalb der Idealismus der Sangesgenossen so gut es geht zu überbrücken versuchen. Das sind besonders die Arbeiter-Gesang- vereine ihrer Stellung in der Oeffentlichkeit schuldig. ihr bißchen Heim raubte, ist auch ein älterer kaufmännischer A n g e st e l l t e r, der vor mehr als einem Jahre seine Stellung verlor. Solange er dazu in der Lage war, zahlte er pünktlich seine Miete; dann versagten über all der Trostlosigkeit gänzlich seine Nerven, er konnte wohl die Bedingungen einer Mietvertragslöfung auch nicht so recht erfüllen, aber er klammerte sich mit der letzten Kraft an seine vier Wände. Man sollte ihn wohnen lassen, er würde auch weiterhin die Miete aufbringen, bloß die lange vertragliche Bindung könne er nicht auf sich nehmen. Briefwechsel und Gerichts- akten wuchsen und wuchsen, die Gesellschaft beharrte auf ihrem ver- traglichen Recht, der Mann mußte die Wohnung räumen. Und weil er die Kündigungsfrist nicht eingehalten hatte, muß er auch jetzt noch, wo er bereits aus der Wohnung heraus ist, die rückständige Miete bezahlen. Wenn nicht anders, dann eben auf dem Pfändungswege.„In mein Haus kommt kein Gerichts- Vollzieher, das weiß ich", ruft der erregte Mann; bei ihm kämpfen Zahlungswillen mit Zahlungsunfähigkeit, er ist einer von denen, die sich solche Sache sehr zu Herzen nehmen. Vielleicht mehr, als sie überhaupt wert ist. In Fällen, wo die unverkennbare Zahlungs- abficht vorliegt, ließ sich das rücksichtslose Vorgehen bestimmt sehr oft vermeiden. ISö Luftstunden! Die amerikanischen Fliegerinnen Louise Thaden und Frances Marsalis beendeten einen Flug von 196 Stunden Dauer. Der bisherige Frauen-Weltrekord im Dauerflug belief sich auf 123 Stunden. Oer Lteberfall im Vorortzug. Oer Täter zu 2% Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Raubüberfall, der am 17. Juni abends im Vorortzug von Lichterfelde-Ost kurz hinter dem Bahnhof Porckstraße von dem stellungslosen Chauffeur Sell aus den Reichsbahnober- inspektor Scholz aus Berlin verübt worden war, fand sein Nach- spiel vor der Dritten Großen Ferienstrafkammer des Landgerichts II. Sell, der mit Scholz sich allein im Abteil befand, war plötzlich aus- gesprungen und hatte versucht, sein Opfer mit einer Gaspistole, die die Form eines Füllfederhalters hatte, zu betäuben. Der Beamte setzte sich jedoch erfolgreich zur Wehr, überwältigte den Angreifer und übergab ihn aus dem Potsdamer Ringbahnhof der Polizei. Sell wurde wegen versuchten schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu 2V2 Jahren Zuchthaus verurteilt. Klcingartenscha» in Köpenick. Um auch in diesem Jahre der großen Oeffentlichkeit wieder einen Einblick in Zwecke und Ziele der Kleingartenbewegung zu geben, um wieder zu zeigen, welche ungeheuren Werte in den Kleingärten geschafft werden, veranstalten sämtliche dem Bezirks- verband Köpenick e. V. angeschlossenen Kleingartenvereine auch in diesem Jahre am 2 8. und 2 9. August im Weltrestaurant Hirschgarten, Berlin-Köpenick, eine Kleingartenschau. die heute von 13 bis 22 Uhr und am Montag, dem 29. August, von 9 bis 20 Uhr geöffnet ist. WERTHEIM Leipziger Str. KSnigstr. Rosenthaler Str. Moritzpiatz% I Ein besonders billiger Posten Emaille- u. Aluminium-Geschirr mit kleinen Fehlern Alle Arbeiter und Angestellte haben das Recht auf Befreiung von der Mitgliedschaft bei einer Pflichtkrankenkasse(#5l7RVO.) durch Ubertritt zur Kranken- u. Sterbekassefürd� (Lichterfelder Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige V. a. G.) Auskunft und Prospekte kostenlos und unverbindlich durch die Hauptverwaltung: Berlin N 24, Oranienburger Straße 67 DtMOS• 49 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonntag. 28� August 4932 Das Rätsel von Münster. Was wird Papen heute über sein Wirtschastsprogramm erzählen? Heute beginnt eine tolle Woche für Deutschland. Politisch und wirtschaftlich weiß kein Mensch, was sie bringen wird. Jedenfalls wird der Reichskanzler von Papen heute in Münster vor den westfälischen Bauernvereinen, also vor einem landwirtschaft- lichen Zuhörerkreis, eine Rede über sein Wirtschastsprogramm halten, und diese Rede wird um 12 Uhr auf alle deutschen Sender übertragen, so daß jeder Rundfunkhörer Popens Weis- heit teilhaftig werden kann. Es hat noch selten ein so groszes Geheimnis gegeben wie um dieses Wirtschastsprogramm. Nicht einmal die Staats- sekretäre und die Sachreferenten haben an den Beratungen des Reichskabinetts teilgenommen, in denen es verhandelt wurde. Aber das Geheimnis zu wahren, wäre auch ohnedies nicht schwer gs- wesen. Wußte doch offenbar die Reichsregierung selbst bis gestern mittag noch nichts Endgültiges darüber, was sie wollte. Daß nichts über die Pläne bekanntgeworden ist, hängt sicher zum großen Teil damit zusammen, daß eben alles möglich ist und daß man von der Regierung Papen auch so gut wie alles erwartet. Es ist aber vielleicht gut, daß die Rundfunkhörer von dem großen Rätselraten wissen, das in der deutschen Presse in den leisten Tagen veranstaltet worden ist und was man alles diesem Kabinett adliger Minister ohne Volksauftrag zutraut. Ganz groß sind die Erwartungen für die Arbeits- beschaffung geworden. Statt von 300 Millionen wie bisher spricht man jetzt von 2000 bis 3000 Millionen Mark, die für die Arbeitsbeschaffung aufgebracht werden sollen. Aufgebracht durch eine Vermögensabgabe, nicht mehr durch eine Zwangs- anleihe. Bei dieser Vermögensabgabe sollen aber— man höre und staune oder staune auch nicht!— alles Industrie- und Landwirtschaftsvermögen von der Abgabe befreit sein. Dann soll ein besonderer Kommissar für Arbeitsbeschaffung bestellt werden. Der Arbeitsdienst soll auch auf über Fünf- undzwanzigjährige ausgedehnt werden. An die A r b e i t s d i e n st- Pflicht soll man auch heranwollen. Grundsätzliche autarkische Handelspolitik soll gewollt sein. Selbst von der Einführung einer Binnenwährung wird gesprochen. Und schließlich traut man sogar dieser Regierung, die Industrie und Landwirtschaft von der Vermögensabgabe befreit, eine Verstaatlichung von Banken und Schlüsselindustrien zu. Man spricht von neuer schärferer Auslese der Unter- stützungsberechtigten. Man spricht von einer Ersetzung des Tariflohns durch einen betrieblich zu vereinbarenden Lohn! Für die Landwirtschaft wird ganz besonders viel er- wartet. Für alle land- und volkswirtschaftlichen Erzeugnisse soll es Beschränkungen für bestimmte Einfuhrmengen geben. Diese Kontingente sollen schließlich einer staatlichen Bewirt- s ch a f t u n g unterstellt werden. Bei der erwarteten Zins- senkungsaktion streitet man darüber, ob eine ganz generelle Zinssenkung gemacht wird oder eine persönliche in jedem einzelnen Fall zwischen Schuldner und Gläubiger mit Einigungsämtern! Die Schwerindustrie endlich hofft, daß dasselbe Kabinett, dem man die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien zutraut, eine Reprivatisierung fEntstaatlichung zugunsten der Privat- Wirtschaft) staatlicher Jndustriebeteiligungen wie bei der Gelsen- lirchener Vergwerks-Gesellschaft und beim Stahloerein durchführt. Ein Durcheinander von Möglichem und Unmöglichem, Sinnvollem und Sinnlosen, wie man es sich kaum toller vorstellen kann. Aber, wie gesagt, ein solches Rätselraten spricht nur dafür, daß man der jetzigen Reichsregierung alles zutraut. Schließlich ist sie auch selber schuld: Sie hat ja so meisterhaft geschwiegen. Das eine kann man sicher sagen: Popens Rede wird alle die enttäuschen, die ein wirkliches, in Einzelheiten begründetes Wirt- lchaftsprogramm erwarten. Wir werden viele Verbeugungen vor der Landwirtschaft erleben, wir werden starke, nationale Töne hören, aber es werden sicher nur ganz allgemeine Versprechungen gemacht werden. Einmal geht es nicht anders, weil bestenfalls nur Grundlinien festliegen, und zum anderen ist es auch nicht die Art dieses Kabinetts, der Oeffentlichkeit, wie es sich in einem modernen Staatswesen gehören würde, vor der endgültigen Festlegung auf ein Programm Gelegenheit zur Diskussion der Regierungsabsichten zu geben. Sicher steht auch das andere fest: die Arbeiterschaft darf sich von diesem Wirtschastsprogramm, auch wenn es mit imponierenden Ziffern austreten würde, nichts versprechen. Denn man kann von einer Regierung, die sich dem Volk notfalls nicht verantwortlich fühlt, die aus Adeligen besteht und im übrigen eine gottgewollte Sendung zu erfüllen hat, kaum erwarten, daß sie sich in erster Linie der volkswirtschaftlichen Vernunft sowie den Grundsätzen der Gerechtigkeit und Billigkeit wirklich verpflichtet fühlt. Mr guie Laune gesorgt! Schnell noch einige Zollerhöhungen vor der Münsterrede. WTB.-Handelsdienst will wissen— im Reichsgesetzblatt ist die entsprechende Verordnung noch nicht erschienen—, daß noch vor Abschluß der Beratungen über das eigentliche Wirtschastsprogramm der Reichsregierung eine Reihe von neuen Zollerhöhun- gen bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen beschlossen worden ist. Es sind noch keine ganz erschütternden Sachen, um die es sich handelt. Aber wenn der Reichskanzler von Papen heute vor dem Landwirte- Parlament in Münster gleich mit einem kleinen Bukett von Zoll- erhöhungen auftreten kann, so sorgt das sicher für gute Stimmung. Die Zollverschärfungen betreffen Gurken, Fruchtsäfte, lebende und geschlachtete Gänse, flüssiges Ei- gelb, Eiweiß, zum Genuß geeigneten und nicht geeigneten pflanzlichen Talg und einen Verwendungszwang für In- l a n d s w e i n e, für die Wermuth-Weine und Essigweinindustrie. Der erhöhte Gurkenzoll von 30 Mk. soll jetzt auch in der Zeit von Mitte September bis Mitte April gelten, um die frühen d e u t- schen Treib Hausgurken besser abzusetzen. Der Zollsatz für Fruchtsäfte mit mehr als 20 Proz. Zucker wird auf 60 Mk. je Doppelzentner verfünffacht zugunsten des Obstbaus und der Fruchtsaftindustrie. Wichtiger und auch für den Konsumenten empfindlicher fühlbar sind die Maßnahmen bei den Gänse n. Der erhöhte Zoll von 36 Mk. je Doppelzentner für lebende Gänse, der bisher von Mitte Oktober bis Ende März galt, wird bis 30. Juni verlängert, was die Gänsemästereien zwingen wird, die jungen zu mästenden Gänse mehr in Deutschland zu kaufen. Der Zollsatz für geschlachtete Gänse wird einheitlich von 55 auf 75 M. der Doppel- zentner erhöht, was den Gänsezüchtern höhere Preise ver- sprechen soll, deren Erreichung freilich an der Absatznot scheitern wird. Erst wird der Rohstoff, dann das Fertigprodukt verteuert. Die Zeche soll der Konsument zahlen. Um die deutsche Eiererzeugung zu fördern, wird den Konditoreien, die eingeführtes flüssiges Eigelb verwenden, der Zoll von 8 auf 65 Mk. je Doppelzentner erhöht, und das bisher zollfreie Eiweiß wird mit 50 Mk. je Doppelzentner in Zukunft oerzollt. Sogar der erst kürzlich geschaffene Obertarif(Kampfzölle) wird in diesen beiden Fällen verdoppelt. Der Butter will man durch die erste Höherverzollung von Margarinestoffen zu besserem Preis oerhelfen. Auch hier sind es noch keine ganz großen Aktionen (2 Mk. je Doppelzentner sllr zum Essen nicht geeigneten pslanzlichen Talg und Verdoppelung des bisherigen Zwischenzolls auf 2,50 Mk. für pflanzlichen Talg zur Herstellung von Margarine), aber der Anfang wird gemacht. Die Seifenindustrie bleibt von den Zöllen frei. Es ist zu erwarten, daß diese Ankündigung sich bewahr- heitet. Bevor die große handelspolitische Aktion kommt— wenn sie kommt, siehe oben!—, hat man schnell noch alles in unserem Zolltarif durchsucht, was eine Zollerhöhung erlaubt, ohne daß Handelsverträge gebrochen werden. Aber in Münster werden diese Dinge sicher willkommen geheißen. Geheimabreden beim Brotpreis. Oer preiskommiffar schreibt uns.— Weitere Preissenkung? Sehr viele Leute wußten sicher nicht, daß es noch einen Preis- kommissar gibt. Aber er lebt wirklich noch, wenn er auch nicht mehr Goerdeler heißt, der Ende Februar wieder abtrat, sondern v. Baltz. Dem„Reichskommissar für Preisüberwachung", das ist sein Titel, hat nun unsere Kritik der offiziellen Brotpreispolitik vom 23. August nicht gefallen(„Der Brotpreis geht zurück"), in der wir sagten, daß trotz der Senkung der Mehlpreise sechs Wochen lang zur Senkung der Brotpreise nichts geschehen sei. Er hat uns einen Brief mit der Bitte um eine Berichtigung geschrieben, der für die Oeffentlichkeit aber so interessant und aufschluß- reich ist, daß wir ihn gerne im vollen Wortlaut wieder- geben. Der Brief lautet: In der zweiten Beilage des„Vorwärts" vom 23. August 1932 ist unter der Ueberschrist„Der Brotpreis geht zurück" eine Darstellung gegeben, die den tatsächlichen Verhältnissen nicht durchaus entspricht, wobei ich jedoch zugebe, daß Ihnen die Zu- sammenhänge nicht ohne weiteres bekannt sein konnten. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie loyalerweise eine Richtigstellung ver- anlassen würden. Der Reichskommissar für Preisüberwachung hatte bei steigenden Getreide- und Mehlpreisen im Frühjahr dieses Jahres mit dem„Germania" Zentraloerband deutscher Bäcker-Jnnungen eine Vereinbarung getroffen, in dem Sinne, daß weitere Brot- Preissteigerungen, zu denen das Bäckergewerbe nach der Spannen- festsetzung an sich berechtigt gewesen wäre, im Interesse der Konsumenten unterbleiben sollten. Die Bäcker übernahmen damals einen Teil der Steigerung zu eigenen Lasten, hierfür wurde dem Germania Zentraloerband eine entsprechende Erholungssrist bei späterhin sinkenden Mehlpreisen, etwa während der Erntezeit, zugesagt. Diese Zusage des Reichskommissars für Preisüber- wachung mußte selbstverständlich gehalten werden. Bereits am 10. August 1932 hat der Reichskommissar für Preisüberwachung dem Germania Zentralverband mitgeteilt, daß diese Erholungssrist spätestens Ende August ablaufe und nach diesem Termin die vereinbarte Spannenberechnung für die Brotpreisbildung durch- geführt werden müsse. Der inzwischen eingetretene weitere scharfe Rückgang der Getreide- und Mehlpreise veranlaßte die Bäckerinnungen nach einer Besprechung mit den Vertretern des Zentraloerbandes im Reichsernährungsministerium am 19. August 1932— in der aus den oben dargestellten Gründen seitens des Reichskommissars für Preisüberwachung kein alsbald wirkender Druck auf die Preis- bildung ausgeübt werden konnte—, zu einer höchst anerkennens- werten vorläufigen Senkung ihrer Preise, wenn auch nicht, wie Sie richtig errechnen, sogleich um den vollen rechnungsmäßig möglichen Betrag. Der Reichskommissar sllr Preisüberwachung wird für die Durchführung nach dem 1. September 1932 Sorge tragen. Im Auftrage: gez. von Baltz. Dieses Schreiben des Reichskommissars ist in der Tat aufschluß- reich. Eine der Oeffentlichkeit unbekannt gebliebene Ver- einbarung mit den Berliner'Bäckerinnungen war es also, die solange die Brotverbilligung verhinderte. Wäre es nicht Pflicht des Reichskommissars gewesen, dies« Abrede schon im Frühjahr, als sie getroffen wurde, zu veröffentlichen? Zweitens gibt der Reichskommissar nicht nur die volle Be- rechtigung der sozialdemokratischen Kritik zu— unsere erste Forderung einer Brotpreissenkung erfolgte nämlich am 5 August, am 10. August schrieb der Reichskommissar an die Bäcker—, er stellt Hübsche farbige Herbst- modelle, auch Lack- ipangen m. Trotteurabs. lubaäonj'j JVerka'lti Praktische Straßenschuhs in braun u. schwarz Rindbox, gefällig gearbeitet Strümpfe in künstlicher Waschseide.... 0.78 Herren-Socken in modernen Dessin*.. 0.48 MAN NA- Präparate zur Schuhpflege Groß-Leistungen i. d. Preislagen: 1" 2" 3" 4" 5" 6M 7" In allen anderen Berliner Filialen Serientage auch fest, daß unsere Rechnung vom 23. August richtig war, daß das 2i4-Kilo-Brot noch um 2 Pf. billiger sein müßte, also nur 40 statt 42 Pf. kosten dürfte, wenn der Mehlpreis dem Getreide- preis angepaßt wäre. Drittens stellt der Preiskommissar in Aussicht, daß er nach dem 1. September für die den Getreidepreisen angepaßten Mehl- und Brotpreise sorgen wolle. Wir nehmen dieses Versprechen entgegen und erklären gern, daß wir mit diesem Ergebnis unserer Brotpreiskritik zunächst zu- frieden sind. Wir sind aber nicht der Meinung, daß dann nichts mehr geschehen könnte. Die Weizen- und Weizenmehlpreise sind auch stark gesunken. Es ist anerkannt, daß bei den Preisen für Weizengebäck von Straße zu Straße, fast von Laden zu Laden die tollsten Unter- schiede bestehen. Die Bäcker fahren nicht schlechter, sondern besser, wenn sie dazu angehalten werden, auch beim Weizengebäck den niedrigst möglichen Preis zu kalkulieren oder die Stücke entsprechend größer zu machen, so, wie es den gesunkenen Weizen- und Mchlpreisen entspricht. Ihr Umsatz steigt dann bei anderen Waren, oder der Schneider, Schuster, Tapezierer in der Nachbarschaft kann bei ihnen mehr kaufen, weil das am Brot oder in der Schrippe Ersparte diesen wieder mit Schuh-, Kleidungs- oder Möbelreparaturen zugute kommt. Der Reichskommissar sollte also nicht so be- scheiden sein und sich auch um die Schrippen kümmern. Heute Leipziger Messe. Die Schicksalsfrage: Kommen die Ausländer? Heute beginnt in Leipzig die Herbstmesse. Sie ist zwar nicht so bedeutungsvoll wie die Frühjahrsmesse, denn die Technische Messe mit chrer riesigen Werbung für deutsche Maschinen fällt im Herbst aus, aber sie hat die größte Bedeutung für das W e i h n a ch t s- g e s ch ö f t und für den Verkauf fast aller Hauerat» und sonstigen Konsumgüter, die in Deutschland hergestellt werden. Die Ausstellerzahl ist begreiflicherweise niedriger als sonst, und um die Stände hat man sich diesmal lange nicht so gerissen wie sonst. Aber die ganze Welt hat jetzt die Hoffnung auf eine Konjunkturbelebung, die Läger sind in der ganzen Welt weitgehend geräumt, und es müßte für Deutschland gute Chancen zum Ver- kaufen geben. Aber es gibt zwei bittere Wenns: Einmal hat sich Deutschland in vielen wichtigen Abnehmerstaaten durch seine agrarische Abschließungspolitik unbeliebt gemacht, und große Käufer wie Dänemark und Holland und andere Nordstaaten werden sicher nur in Leipzig kausen, wenn sie sich ganz besondere Borteile versprechen. Außerdem haben die meisten Staaten chrerseits durch Zollerhöhungen ihre Industrien geschützt, so daß die in Deutschland gekauften Waren die dortigen Zölle überspringen müßten. Das wird nicht immer einfach sein. Das zweite große Wenn— und dessen Wirkung darf man leider nicht unterschätzen— ist der nicht gute Ruf, in den Deutschland wegen seiner innerpolitischen Unruhen gekommen ist. Terror und Sondergerichte sind keiner Messe günstig. Daran wird auch die Aenderung der Devisenvorschriften leider nicht viel ändern, mit denen man den Ausländern das Kaufen in Deutschland erleichtert hat. Ausländische Alt- und Sperrguthaben in Deutschland sollen für ausländische Käufer frei- gegeben werden. Und mit der Tschechoslowakei ist vereinbart, daß sich die beiden Länder bei der Zuteilung von Zahlungsmitteln sür Messekäufe gegenseitig wohlwollend behandeln. So sehr wir der Leipziger Messe den größten Erfolg wünschen, um der Erhöhung der Beschäftigung unserer Industrie willen, so wenig kann man für Leipzig sichere Hoffnungen haben. Heringezoll und Arbeitsbeschaffung. Selbst zum Hering reicht'S nicht mehr! Zum Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung Papen soll auch der Bau von Heringsloggern gehören. Einverstanden, könnte man sagen. Das schafft Arbeit für die kleinen Werften und dann Mehrbeschäftigung von Fischern. Aber die Sache hat einen auch von uns schon mehrfach be- sprochenen Haken. Die deutsche Heringsfischerei arbeitet teurer als die ausländische, und sie erhält schon seit Jahren, da- mit sie am Leben bleibt, neben einem Z o l l s ch u tz von 3 M. vom Staat eine Fangprämie von 2 M. für jedes Faß Heringe. Jetzt soll der Zoll auf 9 M. je Faß erhöht werden, damit— nach Fernhaltung der Einfuhr— der Heringsfang gesteigert und mehr Fangprämien gezahlt werden können. Da aber selbst, wenn die neuen Heringslogger gebaut werden, noch weit mehr als die Hälfte des deutschen Heringsoerbrauchs eingeführt werden muß, verteuert natürlich jede Zollerhöhung alle Kleinhandelspreise für Heringe. Bisher waren wir es, die immer wieder darauf hinwiesen, daß jede Verteuerung der Lebensmittel nicht nur die Interessen der Verbraucher, sondern letztlich die Interessen der Produktion schädigt, da jede Preissteigerung zu einer Absatzoerringerung führt. Jetzt wird aber sogar von der„Berliner B ö r s e n z e i t u n g", die jeden Autarkiewahnsinn mitmacht, bei einer Besprechung des vom Reichsernährungsministerium herausgegebenen Jahresberichts über die deutsche Fischerei 1931 zugegeben,„daß auch die Einfuhr von Salzheringen, dieses volkstümlichsten konsumsisches, e'ne rückläufige Bewegung aufweist; es scheint, als ob die Bevölkerung nicht einmal mehr in der Lage ist, dieses billige Nahrungsmittel bezahlen zu können".(!) Sollte auch diese Feststellung noch nicht genügen, um die Regie- rung von der Torheit— nicht zu reden von der Ungerechtigkeit— ihrer Heringszollpläne zu überzeugen? Aber spielen Vernunft- gründe und Gerechtigkeit heute in Deutschland überhaupt noch die entscheidende Rolle? Gewinne bei Ullstein. Die Ullstein A.-G. Berlin weist für das Geschäftsjahr 1931 einen Rohüberschuß von 9,33(im Vorjahre 19,75) Millionen aus. Demgegenüber erforderten Handlungsunkosten 5,11(5,79) Millionen und Steuern 1,23(2,18) Millionen Mark. Nach Abschreibungen von 2,38(1,43) Millionen ergibt sich einschließ- lich 36 102 Mark Bortrag ein Reingewinn von 665 172 (1 369 951) Mark. Im Vorjahr wurde eine Dividende von 19 Proz. verteilt. Wochenprogramm de Sonntag, 28. Angust. 6; Gymnastik. 6.20: Aus Hamburg; Hafenkonzert. 8: Für den Landwirt. 8.55: Morgenfeier. 10.05: Wettervorhersage. 11: Aus Frankfurt a. M.t Goethe- Gedächtnisfeier. 12.30: Mittagskonzert. 14: Elternstunde. 14.30: Kinder- Stunde. 15: Gottfried KSIwel liest eigene Dichtungen. 15.30: Nachmittags- konzert. 16.30: Unterhaltungsmusik. Als Einlage: Eintreffen der Europaflieger vom Rennen des Internationalen Rundflugs, 18: Automobilist, Radfahrer und Fußgänger. 18.25: Klaviermusik. 18.55:„Zu Goethes Geburtstag". Eine literarische Stunde. 19.50: Sportnachrichten. 20: Biasorchesterkonzert. 20.40; Musik zu Goethes Singspielen. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach; Tanzmusik. Montag, 29. August. 6: Gymnastik. 6.20: Aus Gleiwitz: Frühkonzert 11.30: Aus Hannover: ScbloBkonzert. 12.30; Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15,20: Hausfrau und Küche. 15.40: Aus dem Leben großer Virtuosen. 16.05: John Locke zum 300. Geburtstage. 16.30: Chopin-Konzert. 16.55: Schumann-Konzert. 17.15: Richard-S'rauß-Konzert. 17.30: Jugend- Stunde. 17.50: An der deutschen Ostgrenze. 18.15: Mandolmenorchesterkon- zerL 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Felix Langer liest eigene Prosa. 19.35: Die Reisestunde. 20: Aus Breslau: „Rübezahls Streiche". Heitere Hörszenen. 21.10: Kammerorchesterkonzerl. 22.15: Politische Zeitungsschau. Anschließend: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach; Tanzmusik. Dienstag, 30. August. 6: Gymnastik. 6.20: Aus Hamburg: Frühkonzert. 11.30: Aus Königsberg: Mittagskonzert. 12.40: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert 15.20: Der Pilzreichtum unserer Wälder, 15.40 Reiz und Reizbarkeit. 16.05: Nordische Lieder 16.30: Die deutschen Kolonien in Trans- kaukasien. 16.55: Unterhaltungsmusik. 18: Doktor Ueberau erzählt. 18.25: Bücherstunde. 18.55; Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Volkslieder. 19.40: Sigismund von Radecki liest eigene Uebersetzun- gen. 20: Orchesterkonzert. 20.45:„Bertin kehrt heim." Eine Berichtsfahrt vom Rand der Weltstadt in ihre Mitte. 21.30: Orchesterkonzert. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Mittwoch, 31. August. 6: Gymnastik. 6.20; Frühkonzert. 9: Von der Deutschen Well«; Schulfunk. 11.30: Aus Dresden; Mittagskonzert. 13.30: Wettermeldungen für den landwlrt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20; Abenteuerliche Kanureise. 15.40: Die Unsichtbaren am Theater. 16.05: Aus Stettin; Hörbericht von Deutschlands größtem Heringsmarkt. 16.30; Nachmittagskonzert. 17.30: Jugendstunde. 17.50: Das musikalische Magazin. 18.35: Großstadtverwaltung in drei Kontinenten. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Eine Viertelstunde Technik. 19.25; Interessantes aus der Straflustiz. 19.55: Mittellungen des Arbeltsamtes. 20: Tanz und Unterhaltung 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.20: Aus Wien: Abendkonzert. Donnerstag, 1. September. 6: Gymnastik 6.20: Aus Leipzig: Frühkonzert. 11.30; Aus Breslau: Mittagskonzert. 12.40: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplatlen- Konzert. 15.20: Streifzug durch Oesel. 15.40: Aus dem Scheidungsrecht der Kulturstaaten. 16.05; Vulkane unter Gletschern. 16.30: Kammermusik. 17.30: Kinderkalender. 17.50: Schwarzarbeit. 18.15: J. E. Poritzky liest eigene Skizzen. 18.30: Biasorchesterkonzert. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Autarkie oder Weltwirtschaft. 19.33: Programm der Aktuellen Abteilung. 20: Aus dem Stadttheater Stettin;„Auftakt zur kommenden Spielzeit". 21.15: Gesellschaftsreisen mit der Arche Noah. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Aus Köln: Nachtmusik. Freitag, 2. September. 6: Gymnastik. 6.20: Frühkonzert. 11.30: Solistenkonzert. 12.30; Wettermeldungen für den Landwirt 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Erziehung und Strafe. 15.40: Des Deutschen Sehnsucht nach dem Süden. 16.05: Von der Rennbahn Iffezheim; Das Hauptereignis der Internationalen Rennwoche in Baden-Baden. 16.30: Jugendstunde. 16.50: Golf— ein zukünftiger Volkssport. 17.15: Unterhaltungsmusik. 18.25: Wegweiser ins Wochenende. 18.30: Dichtungen von Hanz Schwarz. 18,45: Das neue Buch. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19: Die Stimme zum Tag. 19.10: Chorgesänge. 19.30: Potsdam. Preußontum und preußischer Stil. Ein Hörwerk in Staffelberichten. 21t Worüber man in Amerika spricht. 21.15: Sinfoniekonzert. 22.25: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Aus London: Tanzmusik. Sonnabend, 3. September. 6: Gymnastik. 6.20: Aus Königsberg: Frühkonzert. 11.30: Aus Königs- 5 Berliner Rundfunks. berg: Mittagskonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt 14: Schallplattenkonzert 15.20; Junge Generation. 15.40: Gerhart Hauptmanns Märchendramen. 16.05: Populäres Orchesterkonzert. 18: Für den Siedler und Kleingärtner. 18.15: Cellomusik. 18.50: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Ein Weg aus der Theaterkrise? 19.35: Erzählung der Woche. 20: Aus Köln: Eine fröhliche Rheinfahrt. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach; Tanzmusik. Königswusterhausen Sonntag, 28. Angust. 6: Aus Berlin: Gymnastik. 6.20: Aus Hamburg: Hafenkonzert. Ab 5: Uebertragung aus»Berlin. II: Aus Frankfurt a. M.; Goethe-Gedächtnisfeier. 12.30: Aus Berlin: Miltagskonzert; 14: Elternstunde 14.30: Dichterstunde. 15; Stunde des Landes. 15.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. Als Einlage; Programm der Aktuellen Abteilung(aus Berlin). 16,30: Unterhaltungsmusik (aus Berlin). Als Einlage; Eintreffen der Europaflieger vom Rennen des Internationalen Rundflugs(aus Berlin). 18: Aus Leipzig: Bericht von der Eröffnungsfeier der Hans-Breuer-Jugendherberge in Schwarzburg. 19.30: Das Singen nach dem neuen Gesangbuch Deutschlandsender: 19: Aus Königsberg: Serenaden im Hofe des Königsberger Schlosses. 20: Aus Frankfurt a. M.: Vorspruch zu„Iphigenie auf Tauris'. 20.15; Aus Frankfurt a. M.;„Iphigenie auf Tauris", Schauspiel von Goethe. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten 22.30: Aua Frankfurt«. M.: Nachtkonzert. Montag, 29. Angnst. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Berlin; Nachmittagskonzert. 17.30: Das Gesicht der modernen Zeitung. 18: Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 18.30: Spanisch für Anfänger, 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Aktuelle Stunde. 19.30: Stunde des Landwirts. 21.30:„Aus Werthers Leiden" von Goethe. Deutschlandsender: 20: Aus London: Richard- Wagner-Konzert. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 30. Angnst. 16: Falsche Berufsromantik. 16.30: Aus Leipzig: Nachmittagskonzert 17.30: Bücher zur Wirtschaftskrise. 18: Musikalische Hörübungen. 18.30: Die Bedeutung des Russengeschäftes für die deutsche Wirtschaft. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Die Stunde des Beamten. 19.30: Vorschau auf das Septemberprogramm der Deutschen Welle, 19.40; Viertelstunde Funktechnik. 20: Herr Doktor, darf Ich heiraten? Ein Lehrspiel. Deutschlandsender: 22.30; Aus Hannover: Instrumentalkabarctt Mittwoch, 31. August. 16: Pädagogischer Funk 16.30: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30: Sprachwissenschaft als lebendige Kraft unserer Zeit. 18: Gutes und Schlechtes Im Liede. 18.30: Volk ohne Jugend. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 20.20: Aktueller Vortrag. 19; Deutschlandsender: Aus Salzburg: „Fidelio", Oper von Beethoven. Anschließend Uebertragung aus Berlin Donnerstag, 1. September. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30: Reste deutscher Kulturtätigkeit auf den Karolinen. 18; Entwicklungsströmlingen der zeitgenössischen Klaviermusik. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 13.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Stunde des Landwirts. 19.30: Wegweiser durch die Zeit 19.50: Dcutscblandsender; Vom Deutschen Eck zum Rittersturz: Koblenzer Abend. 21: Aus Köln: Uraufführung:„Das deutsche Vaterunser." 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Freitag, 2. September. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Leipzig; Nachmittagskonzert. 17.30: Seelenleben und Seelenführung. 18: Neuschöpfungen Im Pflanzenreich. 18.30: Wirtschaftliche Selbsthilfemaßnahmen in Deutschland. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 3. September. 16: Aegyptische Papyri erzählen. 16.30: Aus Hamburg: Nachmittags- konzert. 17.30: Viertelstunde für die Gesundheit 17.50: Das schöne Mecklenburg. 18.05: Musikalische Wochenschau. 18.30: Der ewige Harlekin 18.53: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Englisch für Anfänger. 19.26: Das deutsche Dorf im Mittelalter. 19.45; Stille Stunde. 20.10: Deutschlandsender: Aus Leipzig: Podium der Heiterkeit von Mozart. 22.65; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Uebertragung aus Berlin. DRunöfunf auf Kurzwellen. Ziemlich ungläubig liest man seit einiger Zeit, daß durch den Kurzwellenteil, der in manchen neuen Empfängern enthalten ist, der direkte Empfang fern-östlicher und amerika- nischer Stationen möglich sei. Auch das Abhören der europäischen Kurzwellensender der einzelnen Länder, der sogenannten Weltrundsunksender, erweckt großes Interesse. Wie steht es aber wirklich damit? Besser, als man erwarten konnte. Trotzdem jetzt doch sehr große Luftstörungen vorhanden sind, konnten wir in Berlin in den letzten Abenden Scheneciady sehr laut empfangen. Zu jeder Tageszeit gelingt der Empfang von ungefähr sechs Kurzwellen- scndern im Wellenband 19 bis S5 Meter Es ist nun natürlich nicht so, daß man den fernen Kurzwellensender gleich so gut hört wie einen Lokalsender, denn auf Kurzwellen hat man die gesürchteten„Selektio-Fadings", welche durch Fading-Kompen- lation nicht beseitigt werden können. Als Empfänger mit einer sehr hohen Empfänglichkeit ist der neue R E I C O- Transatlantic- Empfänger nach den Gesichtspunkten des Kurzwellenempfangs auf- gebaut. Man kann ihn als den Empfänger mit den umsassendsten Hörmöglichkeiten bezeichnen. Daß er neben dem Kurzwellenteil auch alle übrigen modernen Einrichtungen eines Groß-Fernempfängers besitzt— Tonblende, Lautstärkerregulierang, vollgeeichte Skala, Fading-Kompensation, Exponential-Röhren und Bandfilter—. ist ebenso selbstverständlich wie die Tatsache, daß die hohe Selektivität hauptsächlich auf die Verwendung von vier ultra-selektiven Kreisen zurückzuführen ist. Man kann mit diesem Zweikreisempfänger tzenau so gut wie mit einem Vierröhrengerät Europa hören. 39 europäische Stationen, die auf einer beleuchteten, genauest abgestimmten Skala namentlich aufgeführt sind— und der Preis von 98 M.—, machen die REJCO-Europa zu einem idealen Gerät. Vierzig Jahre Conrad Tack in Berlin. Die Tack-Filialen Andreas st raße und Potsdamer Straße bestehen jetzt 49 Jahre. Beide Filialen entstanden zu der Zeit, als die Firma Tack dazu überging, ihre Erzeugnisse durch eigene Verkaufsstellen dem. Verbraucher zuzuführen. Heute besitzt die Firma Tack in Berlin 22 Filialen und in ganz Deutschland 149 Ver- kaufsstellen. Das Stammhaus in Burg kann ebenfalls im übernächsten Jahre aus das ö9jährige Bestehen zurückblicken. Es entwickelte sich aus kleinsten Anfängen zu einem Betrieb, der heute 4999 Arbeiter und Angestellte beschäftigt und täglich 25 999 Paar Schuhe an seine 149 eigenen Verkaufsstellen zum Versand bringt. Die Firma Tack bringt sowohl in den beiden Jublläumsfilialen als auch in allen übrigen Berliner Filialen ab 27. August Sonder- angebote.____ Ah 1. September mied»„Gncoms Sadibühne*. Nach einer Pause nun vier Monaten eröffnet Erich Earow in sein» Lachblione am Welnbergsmeg ad 1. September die neue Saison. Das ganze Haus ist völlig neu auegestattet, eine Neuordnung der EiSpIätze in fast amphithcatralischer Form gestattet allen Besuchern den gleichen freien Blick auf die BstHne. Ein gänzii-b neues Pro- gramm mit zehn V a r i e t«. Sensationen, sämtlich neu für Berlin, und mit Erich Earow in der Hauptrolle seiner neuesten Originallomödie leitet die Spiel- zeit 1032/83 ein. Alle Preise haben eine zeitgemäße Senkung erfahren. Ecwinnauszug S. Klasse 39. Preubisch-Süddeulsche Slaals-Lotterle. Ohne Gewähr Nachdruck verboteil Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gcsallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Rummer in den beiden Abteilungen l und II 17. Ziehungstag 27. August 1932 In der heuligen Dvrmittagsziehung wurden Gewinne über 499 M. gezogen 2«etnltrne»n BOOOO NN. 336568 4 Betninne ju 5000 M. 47927 233098 16 Sewinne ,u 3000 M. 111661 130948 188400 238552 248579 278394 284006 316642 50 Beu-inn- in 2000 Nl. 3636 6516 22469 42114 51883 53309 56977 771208225396170 102713 126350 157990 159112 178050 200891 230961 266740 329040 347031 358590 359234 372062 379051 394696 102 Gewinne zu 1000 M. 9933 16304 23093 25300 31061 34250 89635 62603 66772 69326 74771 74938 98135 103112 103261 104141 105610 107410 109441 115769 121035 132634 142304 146491 154192 159004 171197 171330 180357 193677 203339 213270 235334 235949 259110 260432 273061 276023 286617 237066 287781 333227 339348 343302 353932 353452 363137 364163 368063 370633 399119 1 76 Sewinne ,n 500 M. 1 929 1 0004 24859 33405 33574 34431 36422 3721 9 43310 44133 47039 50424 51494 53513 57763 59334 66475 67554 76065 91276 94166 100236 101335 105752 113181 123787 128457 133096 1 35993 141180 144702 146581 151490 158699 160851 168009 171739 175606 182508 182629 187037 209692 210482 210483210678 215712 215733 217500 221561 222062 222510 228342 245935 255458 255844 257747 262572 265244 265494 268928 271141 273653 280641 281496 286859 297898 299509 304650 307218 303060 310931 314658 318555 318923 319527 330560 339351 355302 367496 370178 370798 375477 378115 335376 391925 392605 395545 396275 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Cctninne zn 10000 M. 94961 8 Gewinne ju 5000 M. 72334 146658 249503 365681 14 Gewinne zu 3000 M. 1925 21773 41003 149093 339234 387865 393242 43 Betninne ju 2000<31. 3739 14069 34683 55386 68248 64177 73746 94000 95520 99465 108183 149784 170687 175135 193318 198382 206531 253820 268815 270946 280609 288697 331522 338387 66 Gewinne>n 1000 M. 8677 13159 21141 30497 31755 41549 46605 43975 59445 73642 93331 96296 1 1 0289 1 1 1 430 1 1 91 06 1 33979 134080 157899 158531 163107 165195 172142 186663 192359206694 226040 235065 243429 264477 275941 233740 293512 322163 329214 341011 349293 353225 364643 374543 376077 387374 393701 396583 154 Gewinne>u 500 M. 993 11313 12381 19764 29333 30731 33326 39527 52149 61143 62365 73627 77703 79273 79644 85859 89344 90054 92740 94119 97914 100342 103731 106348 109930 115532 126382 128355 162772 163229 163587 164533 173755 17677? 136932 193037 193687 196713 193563 209159 210632 213469 223232 227561 233541 238683 256848 270334 270712 270730 278237 278293 2784:0 278508 278598 284122 289378 290553 293051 295902 298535 302323 305394 309927 314654 319897 325253 332585 335684 341639 349344 359722 363829 363856 366687 370898 394963 Im Gewinnrads verblieben: 2 Prämien je zu 500000, 100 Schlußprämien zu je 3000, 2 Gewinne zu je 200000, 2 zu je KXK) 0, 2 zu je 75)00, 2 zu je 50000, 16 zu je 25000, 83 zu je 10000, 190 zu je 5000, 402 zu je 8000, 1144 zu je 2000. 2378 zu je 1000, LSöO zu je 500, 11938 zu je 400 M. 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Eröffnung Donnerstag, I.Sept. 9 Uhr Erstaufführung Wunder um Verdun Dram.Dichtungvon Hans Chlumberg Regie: Karl Heinz Martin. Kassenpreise von 0.60 M. bis 11.50 M Cpihe Np 2 Orthesfersessell�. ... uud wieder dcMMu* Viabz! Keine Einschreibegebühr— Freies Programm— Freie Garderobenabgabe— 12 Vorstellungen im Jahr('6 musi- kalisdie Werke, 6 Scbau- und Lustspiele)- Keine Verlosung der Plätze, sondern feste Ltammsitze nach freier Wahl— Vorstellungen für Abonnenten sind: v. Montag bis Sonnabend 8.15 Lhr, Sonntag 5.30 und 8.30 Uhr. Preise pro Vorstellung: Von 0.50 bis 1.75 M. Zahlungsbedingung: Es ist immer nur 1 Vorstellung im voraus zu bezahlen; also bei der Eintragung die am Abend der 1. Vorstellung die 2., usw. BUrostunden im Rose-Brettl tägl.(außer Sonntags) durchgehend von 10—7 Uhr Die eingesandten Anmeldungen werden in der Reihenfolge des Posteinganges bearbeitet. Sie können sich Ihren Platz selbst aussuchen! Die Spielzeit 1932/33 Abonnements- Preise: i I.Orchester-Sessel nur M. 1.75 ! II. Orchester-Sessel nur M. 1.50 j i. Proszeniums-Sessel nur M. 1.25 ; II, Proszeniums-Sessel 2. Reihe nurM. 1.— i II. Proszeniums-Sessel i 3. und 4. Reihe nur M. 0.70 > I.Parkett Sessel nur M. 1.— i 11. Parkett nur M. 0.75 III. Parkett nur M. 0.60. , I. Rang-Sessel Mitte nur M. 1.40[ I. Rang-Sessel Seite nur M. 1.— f ! I. Rangbalkon(ausgezeichnete' Mittelplätze) nur M. 0.90 � I. Mittel-Rang nur M. 0.30 einschließlich Programm und Garderobe L- * Keine Einschreibegebühr! (bis 31. August) wird am 26. September mit der Komödie von Carl Zuckmayer:„Der Hauptmann von Köpenick" eröffnet NEUE WELT Gr. Extrakonzert des Berliner Baarzorchesters unter Leitung des Obermusik- meisters BAARZ Bunte Bühne *# Tanz ch Berlin ZUID MlStiner- Keller manchen EXrn9atr. im KScause Hotel Cxcelsior Ein9an Anhalter Mr. gang Anhalter Str. Eigentümer Curt Elechner Selbstbedienung V2 Ltr. 0,48 Vi 0,95 Direkter Bezug I. 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Gilgi ist ein erfahrenes Mädchen. Sie �ennt Männer und die jeweiligen Wünsche und Nichtwünsche, die sich hinter dem Ton ihrer Stimme, ihren Blicken und Bewegun- gen verbergen. Wenn ein Mann und Chef wie Herr Reuter mit unsicherer Stimme spricht, ist er verliebt, und wenn er verliebt ist, will er was. Früher oder später. Be- kommt er nicht, was er will, ist er erstaunt, gekränkt und ärgerlich. Seit einiger Zeit schon ist die dicke Luft zwischen ihr und Herrn Reuter. Jetzt ist die Sache reif. Kollegin Müller hat erzählt, daß Frau Reuter ver- reist ist. Das beschleunigt den Gang der Handlung. Gilgi überlegt. Sie hat keine Lust, mit Herrn Reuter ein Verhältnis anzufangen, und sie hat keine Lust, sich ihre Stellung bei ihm zu vermurksen, sie eventuell zu verlieren. Er ist ein guter Chef. Er bezahlt Ueberstun- den, nutzt seine Angestellten nicht aus, ist freundlich und angenehm. Gilgi hat schlech- tere Chefs gehabt. Sie antwortet Herrn Reuter höflich auf feine Fragen und beschließt, begriffsstutzig zu bleiben, solange es eben geht. Ob sie heute mit ihm zu Mittag essen könne? Sie hätte leider so wenig Zeit. Herr Reuter bittet, und Gilgi verspricht, ihn nach Geschäftsschluß um zwei Uhr im„Schwerthof" zu treffen. Allzu starker Widerstand würde sie vielleicht we- Niger harmlos erscheinen lassen, als sie möchte. Ein paar Stunden später sitzt Gilgi mit Herrn Reuter im„Schwerthof". Sie sind beim Kaffee. Herr Reuter raucht die erste Zigarette. Er zeigt Gilgi Bilder von seiner Frau und seinem Kind nach Art von Ehe- männern, die unter leichten Gewissensbissen bereit zur Untreue sind.„Eine entzückende Frau", lobt Gilgi. Herr Reuter raucht die zweite Zigarette. Die Bilder von Frau und Kind sind in die Brieftasche zurückgewandert. Er redet viel. Gilgi sagt hin und wieder ja und nein. Herr Reuter raucht die dritte Zigarette und erwähnt beiläufig, daß er sich mit seiner Frau nicht so fabelhaft unterhalten könne wie mit ihr.„Aaach?" macht Gilgi.„Ja", sagt Herr Reuter und streicht ein paarmal über ihren Handrücken.„Wie jung Sie sind, ich könnte Ihr Vater sein. Kindchen." Er er- wartet heftigen Protest. Gilgi lächelt nur unschuldsvoll, und Herr Reuter legt sich das Lächeln zu seinen Gunsten aus. Er raucht die vierte Zigarette. Plötzlich überkommt ihn das Bedürfnis, sich unglück- lich zu fühlen. Seine Ehe ist ganz und gar nicht gut. sein Leben ist verpfuscht, man ist ein alter Trottel, festgefahren in einem Krämerberuf. Er arbeitet mit Bitterkeit, Selbstironie und leichtem Pathos. Bei:„man müßte mal raus aus allem" wirft er sich in die Brust, daß die Schulternähte krachen, und bestellt anschließend zwei Liköre. Gilgi lehnt es ab, bereits mittags Alkohol zu trinken. Herr Reuter raucht die fünfte Zigarette. Seine Hand verirrt sich auf Gilgis Knie und wird von Gilgi sanft entfernt.„Ich fühle mich so allein, könntest du mir nicht ein wenig gut sein, Kind?" Sie könnte ihn ganz gut leiden, sagt Gilgi und betrachtet ihn mit jenem nachsichtigen Mitleid, das Frauen für Männer empfinden, deren Aufmerksamkeit ihnen gleichzeitig lästig und schmeichelhaft ist. Herr Reuter will die sechste Zigarette an- zünden, als Gilgi erklärt, gehen zu müssen. Rein, sie kann nicht mehr bleiben, keine Mi- nute mehr. Um vier Uhr hat sie englischen Unterricht.„Sie sind ein strebsames Mäd- chen", findet Herr Reuter enttäuscht und an- erkennend. Ja. sie wird morgen im„Domhotel" mit ihm zu Abend essen. Gilgi ist freundlich, nett und entgegenkommend. Sie hat ihren Plan fertig. Der Kellner kommt, und Gilgi be- steht darauf, ihr Mittagessen selbst zu be- zahlen. Sie setzt ihren Willen durch, verab- schiedet sich von Herrn Reuter und hinterläßt in ihm das angenehme Gefühl,„um seiner selbst willen" geliebt zu werden. Ein paar Minuten später telephonierte sie mit Olga. „Guten Tag, Marzipanmädchen, ich möchte gern, daß du zu mir kommst, heut' abend so gegen elf, Hab' bis dahin zu arbeiten." „Gern Gilgi", tönt Olgas runde, freund- liche Stimme,„ist was Besonderes?" „RL. gar nicht. Möcht' dich nur um'ne kleine Gefälligkeit bitten." „Na, sag doch gleich, was ist." Olga ist so neugierig, Olga will immer gleich alles wissen. „Wart' man bis elf, Olga. Wiedersehn." „Wiedersehn." Wie nett, daß man Olga hat. Olga ist die bunteste Farbe in Gilgis Leben. Und wenn sie nicht solchen Widerwillen gegen das Wort Romantik hätte, könnte man sagen: Olga ist die Romantik für Gilgi. Sie freut sich auf Olga. Aber vorerst darf nicht an sie gedacht werden. Die Stunde Lachen heut abend um elf muß man sich erst verdienen. Gilgi sitzt in der Berlitz school.„Lernt fremde Sprachen!" Gilgi lernt spanisch, eng- lisch, französisch. Drei Stunden hinterein- ander. Ihr schwirrt der Kopf von fremden Worten, als sie endlich in ihrem kleinen Mansardenzimmer auf der Mittelstraße an- gelangt ist. I to be happy... sous les toits de Paris... der trockene Unterricht in fremdsprachlicher Handelskorrespondenz löst sich in blumigen Schlagermelodien. I Tvant to be happy... Gilgi wirft begehrliche Blicke auf den breiten, weichgelegenen Diwan. Sie ist ein bißchen müde, so sie... nur eine halbe Stunde...? Keine Zeit. I �vant to be happy... Gilgi dreht das Grammophon auf. Tauber als Kolapastille, Ich küsse Ihre Hand, Madame... Sie holt aus dem Schrank einen Samowar und kocht Tee. Zieht Jumper und Rock aus, hängt sie säuberlich an den Türhaken und streift einen gelbseidenen Kimono über. Hier ist sie zu Hause. Dieses Zimmerchen hat sie gemietet, Olga um ungestört arbeiten zu können. Sie be- zahlt es, und es gehört ihr. Die Wände hat sie mit braunem Rupfen bespannen lassen. Die Möbel: Diwan, Schreibtisch, Schrank, Stuhl hat sie allmählich Stück für Stück ange- schafft. Alles ist eigenst erworbener Besitz. Die kleine Erika-Schreibmaschine und das Grammophon sind mit Ueberstunden verdient worden. Sie zieht von neuem das Grammophon auf: es geht alles vorüber... Hat man's nicht zu was gebracht Man wird es noch weiter bringen. Sie setzt sich an den Schreib- tisch, stützt den Kopf mit dem kurzen, brau- nen Haar auf die Hände und tut eine Zi- garettenlänge lang gar nichts. Ueberlegt ein bißchen: zwolfhundert Mark hat sie bis jetzt gespart. Noch ein Jahr weiter und sie wird auf drei Monate nach Paris fahren, drei Monate nach London und drei Monate nach Granada. Vielleicht allein, vielleicht mit Olga. Fahren wird sie. Alles ist genau aus- gerechnet und beschlossen. Wenn man drei fremde Sprachen perfekt kann, ist man gegen Stellungslosigkeit wohl so ziemlich gesichert. Vielleicht wird sie auch eines Tages über- Haupt nicht mehr aufs Büro gehen. Sie hat noch andere Möglichkeiten. Hat ein Talent, Kleider zu entwerfen und zu nähen wie bald keine. Wenn die kleine Dame Gilgi abends ausgeht, sehen ihr Männer und Frauen nach, und wenn sie erzählte, sie kaufte bei Damm oder Gerstel— man würde ihr's vielleicht glauben. Dabei ist alles selbst gearbeitet. Sie besitzt drei Abendkleider, von denen keines mehr kostet als zwanzig Mark. Vielleicht wird sie später mal in Paris oder Berlin ein kleines Modeatelier aufmachen, vielleicht, vielleicht— ach, sie ist noch jung, und außer Ehe, Filmschauspielerin und Schönheits- königin zieht sie jede Existemmöglicbkeit in Betracht.(Forts, folgt.) Qerharl fflerrmann Woflar/ 3)ie QeSchichte einer Woche: 3>ie Stiere von Avignon In Avignon, unweit von Paris, finden noch immer Stierkampfe statt. Sie sollen jetzt ver- boten werden. Anlaß dazu gaben das Opfertum und die Heldentat eines alten Mannes. „Also," wiederholt Monsieur Chatalon flüsternd seine Anweisungen,„vorerst unauffällig auf dem Marktplatz umherspazieren, damit der Gendarm nichts merkt. Wenn der Zug mit den Tieren heran ist, das große Plakat hoch. Zugleich den Sprechchor; erst„Erbarmen mit den Tieren!" dann„Nieder mit den Stierkämpfen!" Ich gebe die Zeichen..." Monsieur Chatalon überblickt die Seinen. Es ist ein recht winziges Häuflein, zumeist Frauen. Seit die große Demonstration damals in der Arena nur zu einer fruchtlosen kleinen Anfrage im Parlament, hingegen zu empfindlichen Polizeistrafen geführt hat, und seit die Geschäfts- weit von Avignon sich scharf für die Stierkämpfe ins Zeug gelegt hat, weil sonst eine Wirtschaft- liche Schädigung der Stadt zu befürchten sei— seither hat sich der weitaus größte Teil seiner Anhänger verlaufen. Aber Monsieur Chatalon gibt den Kampf nicht auf, den er seit dreißig Jahren führt. Es geht nicht um den Umsatz der Geschäfte, mögen die Sonderzüge aus Paris ein- gestellt werden— es geht um das Recht der Tiere, der Pferde, denen die Bäuche aufgerissen werden, der Stiere, die langsam zu Tode ge- martert werden— und es geht um die Ehre Frankreichs, dessen Schild nach Monsieur Chata- lons Meinung durch solche Barbarei befleckt wird. Die tapferen und klugen Greisenaugen überblicken noch einmal den alten, schönen Platz, auf dem heute die Ehre Frankreichs gerettet werden soll durch eine kleine, schwache Schar. Man wird demonstrieren, es ist das einzige, was bleibt. Man wird Gelächter ernten, das darf nicht mürbe machen. Es soll sein. Es muß sein. Monsieur Chatalon sieht nun die lange Straße hinunter, welche die Menschen vom Bahnhof zur Stadtmitte führt, und die Tiere vom herben Grasduft der Weiden zum süßlichen Blutdunst der Arena: von der Weite der Freiheit zur runden Enge der Schlachtstätte.... Es ist viel Sonne auf dieser Straße. Sie gleißt hell in den Schau- fenstern der Geschäfte, die nach der Meinung ihrer Inhaber nur vom raffinierten Hinmorden unschuldigen Viehs existieren können. Sie schimmert etwas matter auf vier zottigen Schilden, die schwankend die Straße herauf- kommen. Das sind sie— das sind die breiten Stirnen der vier Stiere, die vom Bahnhof kommen. Menschen, die einkaufen wollten, unterbrechen ihren Weg, kehren um, gehen auf den Bürger- steigen rechts und links mit dem kleinen Zuge mit, tauschen ihre Meinungen aus über Stärke und vermutliche Kampflust der Tiere, die mit starken Ketten aneinandergefesielt sind, alle vier in einer Reihe, und sich bereitwillig von je einem Knecht zu jeder Seite leiten lassen. Oft suchen die möchtig mahlenden Mäuler vergeblich zu schnappen nach den aberhundert Fliegen, die sie quälen— bald werden es die spitzen Pfeile der Banderilleros sein, die sie ins Fleisch stechen... Nun sind sie heran, betreten den Platz, schneller eigentlich, als Monsieur Chatalon es erwartet hatte. Schon schallen Spottrufe aus der Menge. Sie gelten dem alten Monsieur Chatalon. Er ist für Avignon längst eine komische Figur.„Da ist ja unser kühner Toreador!" höhnt es.„Los, tapferer Chatalon, stich sie ab!"„Ist es wahr, wir haben gehört, du könntest kein Blut sehen, wie...?" Es sind Kinder unter den Rufenden. Der alte Mann zuckt zusammen wie unter einem Schmerz. Aber dann hebt er die Hand. Und zwei Männer heben zwei Stangen. Zwischen den Stangen spannt sich, über einen Meter hin, ein Band: „Die Grausamkeit der Stierkämpfe schändet die Ehre Frankreichs! Was ist wichtiger: der Profit der Krämer oder die Ehre der Nation?" Man liest es und lacht. Die Stiere wenden ein wenig die mächtigen Häupter und glotzen.„Siehst du, Chatalon," ruft es,„die Bullen lesen es auch! Sie sollen auch antworten!" Chatalon hebt nochmals die Hand. Da heben sich zehn, zwanzig Hände, das sind die tapferen Hände seiner Getreuen, da rufen zehn, zwanzig mutige Stimmen im Chor:„Erbarmen mit den Tieren!" Das Rufen, das Lachen verwirrt die vier Stiere. Sie stampfen unruhig mit den mächtigen Beinen, sie werfen die Häupter zurück, sie bleiben stehen, zerren nach hinten. Die beiden Knechte fluchen. Ein paar ängstliche Frauen weichen zurück. Ein Gendarm nähert sich. Aber Monsieur Chatalon hat schon zum zweiten Male die Hand gehoben, hinauf zu dem riesigen Plakat, das zu schwanken beginnt, weil der Gendarm die Träger zurückdrängt. Und der Sprechchor ruft:„Nieder mit den Stierkämpfen, nieder mit den Stier---" Das andere erstickt ein gellender Schrei... Der mächtige Bulle zur Linken hat einen Satz ge- macht, scheu geworden durch das schwankende Plakat. Der führende Knecht liegt am Boden. Als er wieder ausspringt und nach dem Halteseil fassen will, ist die Kette gerissen, die das Tier an Wer ist Gilgi? „Gilgi, eine von uns", Irmgard Keun't Roman, der jetzt im„Vorwärts" erscheint, wird bereits durch die Paramount Film A.-G. verfilmt. Die Hauptrolle der Gilgi spielt Brigitte Helm, die Olga wird von Jessie Viregh verkörpert. Für die Darstellung von Herrn und Frau Krön sind B i e n s f e I d und Helene Fehdmer gewonnen worden. Wie der„Vorwärts" in der gestrigen Abend-Ausgabe berichtete, hat der Innenregisseur des Films, Johannes Meyer, einen schweren Autounfall erlitten, bei dem insgesamt sechs Personen verletzt wurden. Die Herstellung des Films wird dadurch nicht unterbrochen, da der Regisseur auf der Heimfahrt nach Vollendung der letzten Innenaufnahmen verunglückte. die drei Todesgefährten bindet. Die Zentimeter- starke Kette ist gerissen wie Zunder... Die Men- fchen fliehen schreiend in die Türen der Häuser. Aber nur wenige finden Platz in den Haus- gängen, dann sind die verstopft. Die übrigen' hängen vor den Türen wie Trauben... Der Stier stampft, die Kopfsteine dröhnen, als wollten sie splittern unter der Wucht der stampfen- den Säulen aus Knochen und Horn und Fleisch. Der Schweif schlägt mächtig, die Nüstern schnau- den, die Augen blinzeln klein und tückisch in die Sonne. Der Knecht sucht noch einmal das Seil zu fassen, wird weggeschleudert, flieht in die Menge. Die drei noch Gefesselten werfen sich gegeneinander, auseinander, brüllend— bald wird auch diese Kette reißen, nun muß auch dieser Knecht sich drücken... Die Menschen sind noch immer zu Trauben geballt, es wagt sich keiner zu lösen und allein zu fliehen, dumpf herrscht der Trieb zum Gefährten, zur Gemeinfchaft, fchreiend drängen sie, treten, schreien, lockendes Ziel dem Tier... Der Gendarm hat den Revolver frei. Er schießt. Er trifft irgendwo in den Berg aus Fleisch, nutzlos. Aber der Stier heult auf, der Knall macht fein Blut rasen. Er wendet sich dem Menschenklumpen zu, vor dem der Gendarm steht. Er senkt den gewaltigen Kopf, es sieht aus, als trügen die Vorderfüße einen Felsbrocken, zum Schleudern bereit. Waagerecht steht die Schärfe der weit ausladenden Hörner. Waagerecht sticht diese Schärfe auf den Menschenballen zu, waage- recht in Höhe der Menschenbrust, waagerecht und schnell.... Ein paar Sekunden: dann geschieht es, dann find Fleischfetzen da und Stöhnen und Sterben... Aber dort, mitten auf dem kurzen Weg zwischen Stier und Menschenballen steht plötzlich ein Hin- dernis. Ein Mensch. Ein alter Mensch... Weicht, wie das Tier auf ihn zustampst, seitwärts aus, langsam und lockend. Das Tier läßt sich ab- lenken, stürmt zur Seite, los aus den einsamen Feind. Und in Monsieur Chatalon, der da vor der Bestie steht, wehrlos, allein und schon sehr alt, geht Seltsames vor. Zweimal erst hat er Stier- kämpfe gesehen: einmal, als er den Entschluß faßte, solche Kämpfe zu verhindern, und zum anderen Mal bei jener Demonstration. Er hat nicht den Degen des Matadors, den er dem Stier in die Kehle stechen kann, nicht das wallende Tuch, mit dem er den Stier ablenken kann. Er hätte auch keine Freude an diesem Kampf, keinen Sinn dafür, wenn er selbst Tuch und Degen hätte. Cr hat nur Ekel davor, Ekel und sich selbst, seinen alten, langsamen Körper, und seine Berantwor- tung für diese wimmernde Menge Hilflosigkeit. Aber er handelt wie ein Matador, wie ein Espada. Er bleibt stehen, bis der heranrasende Stier Zentimeter vor ihm steht. Dann biegt er blitzschnell aus— der Turm aus Fleisch und Horn rast weterweit vorbei, vorüber... Sdjon hat Monsieur Chatalon sich gewendet. Seine hellen Augen haben den neuen Angriff des Tieres scharf gesehen. Seine rudernden Arme lenken es wiederum von den anderen ab. Dann steht«e £olar fflolland: O/lflC kein �Begräbnis wieder. Weicht wieder aus, im letzten, im aller» letzten Augenblick... Brüllen ist über dem Platz. Der Gendarm hat die gefesselten drei Stiere zusammengeschossen, ehe sie sich losreihen konnten. Sie wälzen sich auf den Steinen, ihr Blut schäumt. Türen öffnen sich, Menschen strömen in Häuser, die kühl und sicher sind und Schutz geben. Leer wird der Platz. Nur der Stier llberrast ihn, kämpft seinen Kampf mit dem Feind, der sein Freund ist... Der Gendarm hat seine paar Reoolverkugeln verschossen. Die Straße herauf, die eben die Stiere kamen, knattert ein Polizeiauto. In einer halben, einer viertel Minute wird es hier sein. Hilfe für Monsieur Chatalon! Aus den Fenstern hängen die Menschen. Schreien, winken. Monsieur Chatalon soll sich in dies Haus flüchten, in jenes Haus. Die Tür ist auf. Flieh, Chatalon, flieh! Aber Monsieur Chatalon darf die Augen nicht von dem Stier lassen. Muh lausen, stehen, aus- weichen. Muh immer mehr reizen die Kampfwut des Stiers, im Herzen die Sehnsucht, ihm Frieden zu geben. Und doch werden die alten Beine schwach, und der Schweiß beißt in den Augen, und die Sonne blendet. Jetzt rast der Stier wieder heran, mit verdoppelter Wucht. Jetzt bieg Chata- lon noch einmal aus. Jetzt donnert der Stier viele Meter weit vorbei... Da gönnt sich Monsieur Chatalon einen Blick, einen einzigen Blick über den Platz. Der ist leer von Menschen. Nur drei tote Stiere und der eine lebendige, und dort das Polizeiauto, Monsieur Chatalon kann, will fliehen. Aber seltsam: wie er laufen will, taumeln die Beine. Er stolpert ein paar Schritte. Ver- wickelt sich in etwas. Es ist das Plakat, sein Pla- kat, das da auf dem Pflaster liegt. Monsieur Cha- talon stürzt, wälzt sich auf den Steinen. Ein Fels- block donnert herein, ein Felsblock mit zwei nadel- scharfen, mächtigen Spitzen und zwei schmalen Schlitzen, welche Augen sind, waagerecht, nur schräg nach unten... der Felblock wälzt sich gegen ihn, stößt zu, springt wieder auf— Monsieur Chatalon fliegt durch die Luft, gegen die Mauer, ein blutiger Ballen... Dann eine Serie von Schüssen. Stumm bricht der Felsen zusammen... Nach Tagen erwacht Monsieur Chatalon. Alles ist weiß um ihn, alles ist weiß an ihm, fein ganzer Körper ist ein Verband. Aber er werde durchkommen, sagt der Arzt. Monsieur Chatalon sieht den Arzt ängstlich fragend an. „Ja/ antwortet die Schwester,„der Stier» kämpf ist abgesagt. Es wird wohl auch keiner wie- der stattfinden. Sie dürfen ruhig wieder schlafen, Monsieur Chatalon!" Monsieur Chatalon möchte nicken, aber der Verband sitzt zu fest, es wird nur ein geruhiges Senken der Lider. Das verwundete Gesicht lächelt. Er weiß noch nicht, daß er ein Held ist. Aber er weiß, daß er es geschafft hat. Nach dreißig Jahren Kampf erst, aber doch noch. Wirklich, nun kann er schlafen. Schlafen und lächeln im Schlaf... Jltte Spmehdichhing Wer immer will die Wahrheit sagen, Wird kleinen Lohn vondannen tragen. * Neid und Messerwetzen Soll oft die Tat ersetzen. * Di« Reichen lädt man zu dem Tisch Und bringt ihn' Wildpret, Fleisch und Fisch Und tut ohn End mit ihn' hofieren, Derweilen der Arme steht vor den Türen. * Wer sich wird unter die Kleie mischen lasten, Den werden die Schweine fressen und fassen. * Wer will der Wahrheit Beistand leisten, Der hat Berfolger doch am meisten. Otto-Ernst Schneider war kein Mensch, an dem man aus politischem Interesse Ober» oder Unter- Menschentum hätte typisch feststellen können; er war ein Mensch wie jeder andere auch. Beruflich Ansager im Rundfunk, abwechselnd Vorleser, Aus- rufer od«r Stimmungsmacher für das Traumheer der Millionen Seelen da hinter dem Funkhaus, zur Elegie, scherzhaften Heiterkeit oder brüllenden Lachtobsucht, wie es gerade das Programm er- forderte. In diesem Verkehr mit der Volksseele hat er sich jene gewiss« Geistigkeit zu eigen ge- macht, die das Prosaische des Vorgang« vermindert und ihm die typisch funkisch-menschliche Atmo- sphäre verleiht. Wenn er während der Tanz- musik ein neues Stück mit dem begeisterten Ausruf einleitete:„Tanzt Bajazzis, denn die Regierung plant neu« Steuern... Oh, Monna Vanna...", dann war er sich des Verständnis- vollen Beifalls da draußen im Irgendwo bewußt. So war er, und so siegte er in geistiger und körperlicher Eleganz, gepflegter Figur, mit glatt nach hinten gestrichenem Blondhaar über unauf- dringlich zurückweichender Stirn.„Trinken wir noch ein Schüppchen, trinken wir noch ein Schüppchen— jawohl, und wenn auch Gift drin ist... haha— was wollen Sie? Ich Hab keins rein getan. Also: Das war in Schöneberg... alles tanzt mit!"... So tat er seine Pflicht, und diese nährt den Mann schlecht und recht. Auch seine Lebens- geschichte wäre hiermit beendet, wie bei so vielen; leider aber ist man nicht nur Marionette des Berufs, sondern zuweil«n auch Privatmensch, und ist man es nicht freiwillig, so macht einen das Schicksal eineL Tages dazu. Zufällige Umstände führten den pflichtgetreuen Rundfunkansager in eine erlebnisstarkc Nähe der dunklen Welt außer- halb seines Mikrophons; er oerliebte sich in ein Mädchen, das sich ihm als Tochter«ines Arbeits- losen offenbarte und unverhofft in die Nöte dieser Familie hineinzog. Wo man seine Seele sich erst mit der Not eines Menschenkreises hat belasten lassen, da sieht man sie an allen Ecken und Enden den neugierig gewordenen Augen buhlerisch winken: im Bekannten- und Freundeskreis, auf allen Straßen, an den Wohlfahrtsämtern, die man bisher nicht beachtet, in den Zeitungen, die man bisher nur aus Rennotizen hin durchgelesen hatte; selbst die Geruhsamkeit in Schneiders Elternhaushalt«rwies sich als zweifelhaft. Die Welt hatte in Otto-Ernsts Augen ihr bisher ver- borgenes Inneres nach außen gewendet, und diese Welt war es, die mit tausend Lautsprechern an seinem Munde hing. Cr ging umher, wie einer, der der Welt Leiden auf sein« Schultern genom- m«n hat. Diese Angelegenheit durch einen Bruch mit der Geliebten zu„bereinigen", brachte er nicht zustande, und fühlte die Not sich auch im eigenen Herzen festsetzen. Sein Berus verlor plötzlich den neutralen, möchte sagen: technischen Charakter. Wenn er ins Mikrophon Marktberichte, Tagesnachrichten und Programmsolgen sprach, sagte er dies« Worte nicht mehr in ein gleichgültiges, dunkles, un- definierbares Nicht« und All hinaus, sondern sah die Hörer, Männer, Frauen, Kinder, Gesunde, Kranke, Sterbende, Fette, Hungernde, Verzweifelte, Gehetzte, Verbrecher und Ahnungslose in ihr«n sozialen Schicksalszellen vor sich. Es war nicht mehr Masse, sondern es waren Millionen von Einzelmenschen wie er, und die bei weitem größte Mehrzahl von ihnen in die gleiche körperliche und seelische Not geschlagen, wi« die Nächsten in seinem Liebes- und Verwandtenkreis. Oft packte ihn der Taumel, wenn er zur Mittagsstunde den Hun- gernden belanglose Börsenzahlen darbieten und abends nach dem Bericht eines Mordüberfalls vielleicht den ahnungslosen Hinterbliebenen des Ermordeten Tanzmusik offerieren mußte. Diese pathologische Konstruktion sentimentaler Kraß- heiten steht im Widerspruch zur öfsentlichen Auf- gäbe seines Berufs, doch er stand unter dem Bann des seelischen Erlebnisses, ohne der Mann zu sein, der seine Erkenntniste in tattische, wir- kungsoolle Handlungsfolgerungen umsetzt. Das Mikrophon vor ihm wurde zum Feind der Menschheit. Die Katastrophe erreichte ihn an einem be- sonders unglücklichen Tag, als die durch lahrelange Not entkräftete Mutter seiner Geliebten im Sterben lag und ein jüngst errungener Freund am Vortag einem politischen Terrorakt zum Opfer gefallen war. Das Tagesprogramm hatte seine Nerven bereits aufs äußerste erregt: im Mittags-Schallplattenkonzert seichteste Dudelei, wi« sie schon vor Jahrzehnten aus den damaligen Grammophontrichtern gegröhlt hatte, dazwischen obligate Marschmusik; zur Erheiterung und Ver- dauungserleichterung„fürs Volk", das um seine Existenz unter Blutopfern ringt und kaum etwas zu verdauen hat; nachmittags einige Vorträge von beleidigendem Optimusmus derer, die sich noch die Not der andern leisten können; am Abend im ersten Programm Marschmusik, Studentenliedcr und Kinderkriegsliederpotpourri. Greisenhaft schlich er vom Mikrophon fort, um es den Klängen der Fanfaren freizugeben. Ihm war zumute, als hätte er einen fluchwürdigen Verrat an denen Volkmar: Sine Sc/i/cbiiiiijf Statt Blumenkohl und Erbsen zog John Bieson auf seinem kleinen Besitz s«tte Regenwürmer. Für die Angler in San Franziska. Denn in dem felsigen Sandboden Kalisorniens gedeihen keine Würmer und man hat drüben keine Zeit, erst stundenlang nach einem guten Köder zu suchen, also hausierte Charles Palmboom, der Vertreter des Regenwurmfarmers, mit seinen kleinen Holz- kistchen auf den Angelplätzen, in jedem Kistchen befanden sich etliche Dutzend Regenwürmer in feuchtem Sand, zwei Kistchen kosteten einen halben Dollar. Aber das Geschäft ging flau, da die Gärtner- jungen der ganzen Umgebung die Wurmpreise drückten und scharfe Konkurrenz machten. John Bieson kam nicht auf seine Rechnung und wollte die Regenwurmfarm um jeden Preis verkaufen. Nun wurde eines Tages Mr. Frank Miller, Besitzer eines 20-Cent-Warenhauses und nebenbei leidenschaftlicher Angler, durch ein Würmer- kistchen des John Bieson in heftige Aufregung verfetzt. Palmboom hatte es eigenhändig ge- öffnet, um Mr. Miller davon zu überzeugen, daß die Würmer frisch feien, er hatte dabei die oberste Sandschicht entfernt und hielt plötzlich mit einem überraschten Schrei ein Goldkorn zwischen den Fingern. Ein mattgelbes, großes Goldkorn! An diesem Sonnabendnachmittag stellte Mr. Miller das Angeln ein und hatte eine längere Unterredung mit Palmboom. Und Palm- boom war mit diesem Wochenende zufrieden, denn er erhielt 50 Dollar Schweigegeld und einen dringenden Auftrag auf 20 Würmerkistchen. Die Kistchen wurden Montag prompt geliefert. Miller und Valmboom machten sich sofort mit einem Sied über den Sand her und fanden nicht weniger als 47 Goldkörner! Miller oerbrachte eine schlaflose Nacht und fuhr am nächsten Morgen zur Regenwurmsarm hinaus. begangen, die in Krieg, Revolution und Straßen» terror geblutet, feit Jahren in Hunger. Verzweif- lung und Elend, arbeitslos und in persönlicher und familiärer Zerrüttung gelebt haben; er fühlte die sterbenden, hungernden, schreienden Menschen sich mit unsichtbaren, krallenden Händen in seinen Rücken einbohren, vor sich sah er in dem Sterbe- bett die Mutter seiner Geliebten... Man rief ihn zur Ansage des volkstümlichen Abendkonzerts, er wollte gerade den Mut finden, den auf ihn gerichteten Gesichtern der Hörer die verlogene Phrase von der Volkstümlichkeit des kommenden Konzerts zuzusprechen, da erahnte er aus den Bewegungen Umstehender, daß er ans Telephon gerufen wurde, irgendwie assoziierte sich in ihm die Ahnung, daß die Frau von ihrem sozialen Schicksal ereilt worden sei, und er verlor die Besinnung. Babbelle wirr dumme Worte ins Mikrophon, wie:„Meine Damen und Herren— wenn Sie selbst sich noch in einem Tanzsaal lachen sehen, so genügt Ihnen ein Blick auf die Straßen, auf die Wohlfahrtsämter, in die Zeitungen, um fest- zustellen, daß wir inmitten eines großen Fried- Hofs stehen... Sie und ich. wir stehen vor Mil- lionen von Gräbern, blumengeschmückten, offenen und eben abgesteckten... es ist ein feierlicher Augenblick, wenn man weiß, wieviel Menschen wir bereits unter die Erde gebracht haben— und wieviel ihnen nachfolgen werden... morgen kommen wir alle dran... Sie und ich... viel- leicht heute schon... schauen Sie in ihre Brot- büchse, und finden Sie sie leer— dann ist es so weit... ziehen Sie sich das Totenhemd über... es ist für jeden so weit.. wir beginnen deshalb mit der Grabmusik, wie sie bei Heldenbeerdigungen üblich ist: Als erster hören Sie den Hohenfried- berger Marsch..." Wieviel er wirklich ins Mikrophon gesprochen hat, wieviel überhaupt übertragen worden ist, weiß man nicht. Man trug einen Toten hinaus. Fand zu seinem Mißvergnügen bereits einen Mann anwesend, der die oden Sandflächen ein- gehend besichtigte und, wie Miller mit eigenen Ohren hörte, 5000 Dollar für die Farm bot. Doch John Bieson lehnte glatt ab. Der Mann bot 5500, Bieson lehnte weiter ab und ließ den Mann gehen. Jetzt trat Mr. Miller auf den Plan. Erklärte, daß er schon längst Interesse für die Regenwurm- zucht gehabt hätte, daß er sich eine kleine Würmer- farm zulegen wolle und sich die Sache 6000 Dollar kosten lasse. Bei 10 000 Dollar wurden sie handelseinig. Miller schrieb einen Scheck und zahlte ferner an Palmboom eine Provision von 1000 Dollar. Die Regenwurmfarm wurde zwei Tage später von Miller übernommen. Er ließ die Würmer in ihren Mistbeeten unbarmherzig eintrocknen und begann mit seinen zwei Söhnen sofort die Goldsuche in jener Sandgrube, aus der Bieson den Sand für die Würmerkistchen genommen hatte. Sie schufteten tagelang ohne den geringsten Erfolg. Nicht das kleinste Goldkorn war zu sehen. Nach einer Woche tauchte nun ein Vertreter der Fa. Brothers Walker auf. Gold und Silber en gros. Und jetzt erfuhr Mr. Miller zu seinem Schrecken, daß John Bieson vor 14 Tagen einige kleine Käufe in Goldkörnern mit der Fa. Walker abgeschlossen habe und daß noch eine Restzahlung von 30 Dollar ausständig sei.--- Miller raste sofort zur Polizei. Von Bieson und Palmboom war keine Spur mehr zu finden. Der Mann, der 5500 Dollar für die Farm bot. wurde ausfindig gemacht. Es war ein arbeits- loser Chauffeur, der 10 Dollar für seine Rolle als Käufer erhalten hatte. Seither kauft Miller an jedem Sonnabend die Würmer bei einem Gärwerjungen. Seine Regen- wurmfarm hat ein Italiener um 380 Dollar erstanden. Geiitschöi' Ifietallarbelter- verband. Am 25. Ausiist verstarb unser Freund und Kollege, der angestellte liauskassierer Karl Wenzel Im Alter von 63|ahren In treuer PtlichterfQllung hat er stets das Beste für seine Organisation hergegeben, und verlieren wir in Ihm einen treuen Freund und Mitarbeiter. Die Einäscherung findet am Dienstag, dem 30 August, 16 Uhr, im Krematorium Baumschulen- we? statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Dankisajgang: Süt die oielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden meine» geliebten Mannes Hermann Otto tage ich allen Freunden und Befannten. den Genossen der 89. Abt. und den Mitgliedern des Dewerlschaftsdundes herzlichen Danf. krau Ann» Otto Berlin EM M. Ailheimfir 14, Von der Reise zurück Dr. med. n. Brann Facharzt für Beinleiden Berlin N 24. F r i e d ric hsir a$c 108 ioii nr r; dann aber kauen, es ist gesund und billiger Doms Kautabak ist der„Best o" Versuch macht klug I DeutKlm Metallarbeiter-VM Ver waltaDgwtelle Berlin Todes- Anzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mechaniker Max Qott geboren 9. Oktober 1878, am 25. August gestorben ist Die Beerdigung findet am Montag, dem zu. August IS»/. Uhr. oon der Leichenhalle des Gethfemane-Kirch» Hose» in Nordend au» statt Am 26. Auguft starb unser Kollege, der Kernmacher «Julius Tarach geboren 2 Januar 1868, Dte Giniischerung findet am Diens- tagl dem 3» August, 14 Uhr, im Krematorium Gerichtstrahe statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird ermattet. vi« OrtSTcrwaUnag. Danksagung Allen Genossinnen und Genossen der 44. Adtg. der SPD. und Bekannten, weiche an, der Ginäscherungsseier unserer»eben Mutter Klara ttütsdher tetlgenommen haben, herzlichen Dan!. Cbarlotte Ladolph Max Lndolph Die Beisetzung der Aich« findet am Montag, ll'/s Uhr, in Baumschulenweg statt, Von der Notse surdcki Zahnarzt Dr. Ewald Fabian HohenaollerDdam m 191. Zmariftd« Zahnarzt Dr. Grünewald 1*1 iiiler»dralle 13 OanKMlaiiS Für die vielen Beweise herzlicher Teil- nahm» beim Hinscheiden meiner lledin Frau, unserer Mutter und Droßmuiter Helene Hiob sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. MOI« Hlob und Bakeuuuler I Große Traurind-Fabrik- verkauft direkt an Private fugenlose Trauringe garantiert massiv, vollkarätlg 1 Ring 333 gestemp. nur s.so bis 7.»o Mk. 1, 585, leicht s-„ 1, 585, mittel»1.50„ I_5S5_ schwer 15.75, 1, 900, leicht 15.50, ..i«l• 900. Wittel»o.so„ Katalog gratis 1,900, schwer»7.—„ HandzlsellGrlo Tranrlnne, eratkl. Anstahinng, enoira billig aaramteschem. Gravieren gratis aolon z. Mitnanman lt. ArtliieriosiraRe 30 f. Passauet Jlr. 12 . Koitbusser Damm 2 Ges. geschlitzt Hermann Wiese IN DEN KLEINEN ANZEIGEN STEHT ES GESCHRIEBEN MAN GUT, BILLIG UND PREISWERT KAUFEN KANN Anzeigenannahme: Vorwärts Vertag GmbH., Berlin SW 68, LindensFr. 3. Fernspr.: Dönhoff 292-297, alle Vorwarts-Stadlflilalen oder durch alle Annoncen-Expeditionen. Verlagsvertreterbesuch sowie Spezialofferten, Anzeigenkalkulation und Probjenummern kostenlos und unverbindlidi. Im„Flaschenzug" durchs Moseltal Im Volksmund heißt die M o s e l t a l b a h n, bei der die Weinkarte als Fahrplan gilt, der„Flaschenzug". Aber auch solch luftige Sommerreise auf der Plattform des Flaschenzuges hat seine Reize. Langsam verläßt der Zug den Bahnhof Bullay. Die Lokomotive bimmelt ganz aufgeregt, es klingt wie die höfliche Bitte um Vorsicht. An der Brücke geht es vorbei, über die Straße, dann ist die freie Strecke da. Das Tempo steigert sich, lustig rattern die Räder, die Bimmelei hört auf. Von drüben grüßt die Marien- bürg ins Moseltat. Das alte Merl schiebt sich diesseits heran. Am Fuße seines weitgedehnten Weinberggeländes geht die Fahrt entlang. Die Eisenbahnbrücke zwischen Bullay und dem schönen Alf weicht immer weiter zurück. Schließlich ist sie in der Tiefe des Talbogens verschwunden. In Zell ist Kirmes. Hinter der Station dringt von Karussell und Schiffsschaukel das Forte der Drehorgeln. Das kleine und große Volk im Lande der schwarzen Katz ist strahlender Festtags- laune. Bim, bim, bim, es geht weiter. Drüben spiegeln sich die alten Häuser von Kaimt in den Fluten. Vor uns öffnet sich ein neuer Talbogen Briedel, weiter geht? eine neue Talschleife entlang und zum zweiten Male wird drüben die Marienburg sichtbar. Langgestreckte Weinberge folgen zur Rechten, es sind die guten Lagen von Burg und Enkirch, von Traben und Trarbach, den beiden Schwesterstädten, die die Mosel trennt und dennoch wieder verbindet. In weitem, sanftem Bogen folgt die Bahn dem Moseluser, hält kurz in Wolf und dann dem alten Reichsdorf C r ö v gegen- über, bevor sie sich am Fuß der Ruine des Wolferklosters nach Süden wendet. Immer wieder schieben sich neue Bilder in dos Blickfeld, saubere, kleinere Dörfer mit freundlichen Fachwerk- Häusern, grüne, rebenbestandene Hänge, weite Wälder, Burgen und Schlösser aus den Bergen. In den Userwiesen zwischen Reil und Kövenich stelzen sogar Fischreiher durch das Riedgras. Als der Zug vorbeipoltert, erstarren sie zu sonderbaren, grotestkomischen Gestalten, die an bizarre Weidenstrünke erinnern. Auf dem Fluß treiben geruhsam kleine, bunte Paddelboote. Ihre Insasien sonnen sich in beschaulicher Untätigkeit. Einer hat sogar aus seinem Koffer- apparat einen fanatisch-rhythmischen Niggersang aufgelegt, der mit seinem grellen Tongebilde die ganze still-beschauliche Landschaft in die Luft zu sprengen droht. Inzwischen haben sich wiederum weinstockbestandene Ufer her- angeschoben. Drüben sind es die Lagen von Kinheim und U e r z i g und diesseits die von Erden, Rachtig, Z e l t i n g e n, Graach und Bernkastel. Namen von Klang und Gehalt! B e r n k a st e l ist jetzt da, die Stadt des berühmten Bernkastler Doktors. Dort wird der Gegenzug von Trier abgewartet. Lang- scm schiebt er sich in den Bahnhof. Nun ist die Strecke frei und die Fahrt geht weiter. Durch Andel, Mülheim, Braune- b e r g, das ehedem Dusemond hieß, durch Filzen und Wintrich. Drüben wandert L i e s e r vorbei. Hinter seinen kleinen Häusern öffnet sich das Liesertal mit seinem großen Wein- berggelände. Kesten folgt und schließlich am Fuß eines vor- drängenden Berges Minheim. Hier beschreibt das Tal eine neue Schleife, wir halten in Niederemmel. Drüben dehnt sich P i s p o r t am Ufer hin, umgeben von seinen berühmten Lagen. Es folgen Dhron und schließlich Neumagen, das Noviomagus der Römer, die Sommerresidenz der römischen Kaiser. Heute sieht man dem Ort nicht mehr an, daß er im Altertum ein wichtiger Handels- und Stapelplatz war. Der Zug rattert weiter nach Trittenheim. Von hier auswärts hat die Landschaft ein anderes Gesicht. Längst beherrscht der Weinstock nicht mehr ausschließlich die Ufer- hänge. Feld, Wald und Obstkulturen sind jetzt in der Ueberzahl. Der Boden schimmert rötlich, als bereite er langsam auf die phantastisch geformten roten Sandsteinfelsen über Pallien, zwischen Pfalzel und Euren, vor. Es folgen Longuich, Kirsch, Kenn und drüben Issel, Schweich und Quint. Felder breiten ihre bunten Rechtecke, Obstbäume stehen langgereiht im Schmuck ihres Blätter- und Früchtemantels. Trier schickt seine ersten Häuser entgegen, die Fahrt ist zu Ende. Das 16. Spielfest der Berliner Volksschulen findet am Mittwoch, dem 7. September, auf den Spielwissen des Treptower Parks statt. Es wird durchgeführt von der Turn- Vereinigung Berliner Lehrer unter Mitwirkung aller Fachoereine der Berliner Lehrer und Lehrerinnen. Es liegen Meldungen von nahezu 200 Knaben- und Mädchenschulen mit 449 Mannschaften, also 5000 Schülern der oberen Klassen vor. Nahezu 1000 Spiele werden durchgeführt. Allein an dem Mann- schaftsdreikampf im Lauf, Wurf und Sprung beteiligen sich 1500 Knaben und Mädchen. Er beginnt um 8.30 Uhr. Von 12.20 bis 1.30 Uhr finden die Eilbotenläufe für etwa 70 Mannschaften statt. Darauf folgen die Spiele bis um 5 Uhr. Die Knaben spielen um den Wanderpreis der Stadt Berlin und um den Preis des Berliner Lehrerverbandes, die Mädchen um die Fahne des Berliner Oberbürgermeisters. Sondervorführungen und die Sieger- ehrung beschließen die Veranstaltung gegen 0 Uhr. Genossin Julie Fischer, Köpenick, Dahlwitzer Straße 35, die Frau des vor sechs Jahren verstorbenen Geschäftsführers der Vorwärts- Buchdrucker«! und Reichstagsabgeordneten Richard Fischer, begeht heute in geistiger und körperlicher Frische ihren 75. Geburtstag. Allgemeine Wetterlage. 27. Aug. 4932, abds. jätü* /MV" */ dr ■wolkanlocO Mtar.OMbedeckt •Mldg,*bedectt*RegMi&GrMptln »»» I 1 1 1.....'Wacht«, Am Sonnabend wurde es im größten Teil Deutschlands noch wärmer als am Vortage. In Mittel- und Südwestdeutschland er- reichten die Temperaturen vielfach sogar über 30 Grad Eelsiu». Nur der äußerste Nordwesten des Reiches lag im Bereiche etwas kühlerer Winde, jedoch blieb es auch hier überall trocken. Aus der Rückseite des über der deutschen Ostsee befindlichen Tiefs dringen jetzt kühlere ozeanische Luftmassen südostwärts gegen das stark erwärmte Deutsch- land vor. Da sich aber das Ostseetief rasch ostwärts weiterbewegt und der englische Hochdruckausläuser nach Osten nachzufolgen scheint. so dürft« das Wetter auch innerhalb des kühleren Luftkörpers nicht unfreundlich sein. «- wetteraussichlen für Berlin: Etwas kühler, wechselnd wolkig ohne wesentliche Niederschläge, jedoch leichte Gewitterneigung, mäßige nordwestliche bis westliche Winde.— Für Deutschland: In der südlichen Hälfte Deutschlands warmes, zeitweise heiteres Wetter ohne wesentliche Niederschläge, im nördlichen Deutschland kühleres und wolkiges Wetter, an der Ostseetüste leichte Niederschläge, sonst nur strichweise Gewitter._ Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Ke, ch iM I»»- Ii»: Berlin S 14 Seboftionftt 37-38 Hol 3 Tr Tiergarten lOrt-nerein)! Montag, z«. August, 20 Uhr, Bollver. sauimlung im Restaurant Pagenhoser. Turm- Eck« Slromstratz«. Referent Kamerad Gebhardt. Mitgliedabuchkantrolle— Pren, lauer Berg: Alle Spartlcr treljen sich Montag» um Ä> Uhr in der Zurnhalle, Dienstags, Donners- tags um IS Uhr und Sonnabend» um ll Uhr auf dem Soortplatz. Alle« muß zur Stelle sein.— Fricdrichshai»(Vartruvp): Mittwoch, 31. August, lOTJ Uhr, Jugendheim Ebertnstr. 12.— ReukSlln.Bri», 1. Sameradschaft, 2. Zug: Montag, 2S. August. 20 Uhr Zugverlommluna im Lokal Jahn, Weserftr. 41.— Bortrupn: mm*■- luti. iflvh""|• Referenten- Zusanrnienh nnR! Montag, den 29. August, pünktlich 19 K Uhr, Im groben Saal des„Gewerksdiaftshauses", Engelufer 24/25: Vortrag des Genossen Dr. Rinnep über: „Die Anfrage und Gesefzenlwfirfe der sozialdemokrafischen Reiclisfagsfrakflon" Parteimitgliedsbuch und Einladungsschreiben sind mitzubringen und am Saaleingang zwecks Kontrolle vorzuzeigen. Oer Beslrksvorstand. SoziaüftischeArbeiterjugendGroß-Verlln Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugends-lretariat Berlin EW KS. Lindenstraße 2, vorn 1 Treppe rechts. VolksbShnenmitglieberl Für die bis zum 10. d. M. eingereichten Mitglieds. karten bzw. Neuanmeldungen können die neuen Mitgliedskarten abgeholt werden. Abteilungsleiter, gebt sofort das September. Programm abl— Die Plaketten„Jugend gegen Krieg" müssen am Mittwoch, spätestens aber am Freitag, dem 2. September, abgerechnet werden. Plaketten, die bis zum 2. Sep. tember nicht abgerechnet werden, gelten als verkauft und werden nicht mehr zurückgenommen. heule, Sonnkag. Schönhauser Vorstadt: Heimabend IS Uhr Schönfließer Str. 7. Morgen, Montag. 20 Uhr. Scwerkschastshaus: Köpcnicker Str. 2g: Mitgliederversammlung.— Hansa: Bochumer Str. 8b: Liederabend.— Moabit l: Waldenserstr. 21: Lustige« Monatsende.— Moabit II: Bremer Str. 70: Schallplatten.— Sportpalast: Genthiner Str. 17:„Unsere Stellung zur Bündischen Jugend�.— Humboldt. walder Platz II: Schönlanier Str. 11, Baracke k: Kurzreferate.— Falkplatz I: Eonnenburger Str. 20: Kompfliederabend.— Falkplatz II: Sonnenburqer Straße 20:„Die Ueberwindung des Faschismus".— Humannplatz: Gleimstr. 33: „Krieg gegen Sowjetunion?"— Nordosten n: Danziger Str. 62; Lustiges Monatsende.— Schönhauser Borstabt: Eonnenburger Str. 20: Spaziergang durch Alt-Berlin.— Andreasplatz RF.: Rrommnftr. 1:„Das Kommunistische Manifest".— Friedrichshain: Diestelmenerstr. ö—«:„Der neue Reichstag".- Warschauer Viertel: Sportplatz Fricdrichshain.— Warschauer Viertel RF.: Sportplatz Friedrichshain.— Lallesches Tor: Porckstr. 11:„Verfassung und Arbeiterklasse".— Kottbusser Tor: Urbanstr. 1K7: Brettspielabend.— Luisen- stäbt: Wassertorstr. 4: Lustiges Monatsende.— Eharlottenburg-Sstd: Spree- Nraße: Arbeitsgemeinschaft.— Baumschulcnwcg: Spielen in der Königsheide.— Pankow RF.: Kifstngenstr. 4S: Lustiges Monatsende.— Arnswalder Platz U: Echönlanker Str. 2, Baracke k:„Die neue SPD.-Reichstagsfraktion und ihre Anträge". «erbebezirk Tempelhof. Spielaemrinlchast„3 Pfeile": Heim Sötzstr. 20, Probe. Bollzählig erscheinen, die Rollen sind da. Vriefkasten der Redaktion. 60. Sie können 1., Ihren Untermietern kündigen: 7 Vi Pro,.- H. 47. WU...___________________..... z., n° aus Zahlung der rückständigen Miete verklagen und 3. die Räumung». klage erheben. Die Fahlungs. und Räumungsklage kann auf dem Gericht zu Protokoll gegeben werd-n. Vom Wohlfahrtsamt müssen Sie sich aber vorher ein Armutszeugnis ausstellen lassen, da Sie sonst vorschußpflichtig sind. Mittwoch, 31. August, l»Vb Uhr, Heimabend im Jugendbeim Bergstr. 2g.— Bohnsdors. Grünau, Zungbanner: Unser« regelmäßigen Zusammenkünfte finden jetz! Dienstag- am 20 Uhr im Jugendheim Wachtelstr. 1 statt. K Bund Entschiedener Schulresormer. Am Dienstag, 30. August, UU Uhr, in der Auausto-Schul«, Elßholzstr. 34—37, Dr. Litwin(alt Gast) über Thema„Dostojewski und Goethe". Die„Einsa".SiedlungegeIellsch