10 Pf. flr. 406 B 195 49. Jahrgang BERLIN Mntag 29. August 1932 Redaktion u. Expedition! Verlin SW 68. Lindenstr.3 Tel. �7 Dönhoff 2S2— 287 Anzeigenpreis: Di» lsplt. MM» meterzeile 30 Pf. Die Rellamezetle lostet 2 Mari. Rabatte n. Tarif. Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis fstrbeideAusgaben7Z Pf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat(davon 87 Pf. monatlich fiir Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 6« Pf. Postzeitungs» und 72 Pf. Postbestellgebühren. rapen uwen Aröeiierrechte Dilettantische Plane zur„flnKurheiung der unnschar Gewerkschaften an Hindenburg Protest gegen Popens Gozialmaßnahmen Es ist ein Programm des Verfassungsbruchs, das Herr von P a p e n gestern in Miinster entwickelt hat. Ein Mann, der vom ganzen deutschen Volke abgelehnt wird, vermißt sich, Pläne zu entwickeln, die nur in Iahren durch- geführt werden können und die er unter Abwehr„aller Störungen durch Parteien" zu verwirklichen gedenkt. Was heißt das anderes, als daß der ganze Umbau des Staates und der Wirtschaft unter Ausschaltung des Reichs- tags vorgenommen werden soll!? Herr von Papen bringt es dabei noch immer fertig, sich auf„die Grundsätze der Verfassung" zu berufen. Aber der erste Grundsatz der Verfassung, den er zu beachten hat, lautet, daß ein Kanzler, dem der Reichstag das Vertrauen entzieht, zu verschwinden hat. Will Herr von Papen diesen Grundsatz mißachten, so hat er kein Recht, sich auf die Ver- fassung zu berufen. Die Pläne, die er gestern entwickelt hat, sind welt- und volksfremder Art. Sie werden die verheißene Ankurbelung der Wirtschaft nicht bringen. Aber wären sie ebenso sozial gerecht, wie sie sozial ungerecht sind, und wären sie ebenso genial wie sie dilettantisch sind— der Versuch, sie dem Volke mit Gewalt aufzuzwingen, wäre dennoch zum Scheitern verurteilt! Diese Pläne, zu deren Mundstück sich Herr von Papen gemacht hat, sind mit umgekehrtem Vor- zeichen bolschewistisch. Sie sind der Bolschewismus des Großkapitals, sie stellen den Versuch dar, einem Volk, das um seine Meinung nicht gefragt wird, eine Reform der Wirtschaft aufzunötigen. Je weiter dieser Versuch fort- schreitet, desto gewisser werden die Klassenkämpfe in Deutsch- land von dem Boden der Legalität abgedrängt werden. Wer zuletzt diktiert, diktiert am besten! Die Rede des Reichskanzlers hat gezeigt, wie weit die Zerstörung der Verfassung bereits fortgeschritten ist. Der fanatische Kampf des Nationalsozialismus gegen das „System", auf der anderen Seite die kommunistische Miß- achtung der Verfassungsrechte als Mittel des Klassenkampfes haben zu einer Verwirrung geführt, deren Nutznießer die äußerste Politische und soziale Reaktion ist. Der Versuch des Zentrums, gemeinsam mit den nationalsoziali- stischen Feinden der Verfassung wieder zu ver- sassungsmäßigen Formen des Regierens zurückzukehren, ist ein wenig aussichtsreiches und gefährliches Experiment. Heute reist Papen zu Hindenburg. um von ihm die Auf- lösungsorder zu erbitten. Erhält er sie, so ist damit die äußerste Grenze dessen, was noch als verfassungsmäßig gelten kann, erreicht. Wird aber dann nicht binnen sechzig Tagen wiedergewählt, dann ist der Verfassungs- b r u ch vollzogen. Auch der Reichspräsident, von dem Herr von Papen seinen Auftrag hat, ist an die Verfassung ge- bunden. Wer dem Reichspräsidenten den Rat erteilt, gegen die Verfassung zu handeln, begeht ein Verbrechen am Staat! * D«n Wortlaut der Rede geben wir auf der dritten Seite. Strafantrag gegen Hitler. Wegen Beschimpfung der Ohlauer Beichsbannerverurteilten Der Verteidiger der Ohlaucr Reichsbannerleute. Rechtsanwalt Dr. Braun- Magdeburg, wird im Auftrage seiner Mandanten gegen Adolf Hitler und die Verbreiter seines Ausrufes Strafantrag wegen Beleidigung stellen. Hitler hat die Ohlauer Angeklagten als Mörder bezeichnet. obgleich niemand dieser Reichsbannerleute wegen Mord. Tot» schlag oder auch nur wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang angeklagt oder bestrast wurde. Es soll Adolf Hitler vor Gericht der Unterschied zwischen Ohlau und Reuthen vor Augen gesuhrt werden. Die Vorstände der freien Gewerkschaften und Angestellten- verbände haben heute mittag folgendes Telegramm an den Reichspräsidenten abgesandt: Rcichspräfidcnt von Hindenburg, Ncudeck. E'rklnrungen des Ncichskanzlers in Münster über die Abstellten der Rcirtisregicrung bedeuten die tat- sächliche Beseitigung des vcrfassungSniäßig garan- tiertcn Tarifrcchtcs und eine einseitige Bereicherung der Unternehmer auf Kosten der Arbeiter und Angestellten. Tic Gewerkschaften appellieren an den Herrn Reichspräsidenten, einer solch beispiellos unsozialen Politik die Zustimmung zu versagen und die verfassungsmäßigen Rechte der Arbeiter und Angestellten zu schützen. Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes. Vorstand des Allgemeinen freien Angestellten bundes. Widerstand der Gewerkschaften In gewerkschaftlichen Kreisen sind, wie wir hören, die Pläne des Herrn von Papen mit einem Gemisch von Erstaunen und Empörung ausgenommen worden. Man ist erstaunt darüber, daß ein Reichskanzler über sozialpolitische t mit so wenig Sach- Verständnis redet, und man ist zugleich empört darüber, daß eine winzige Minderheit, die das ganze deutsche Volk gegen sich hat, in die schwer erkämpften Arbeiterrechte in so brutaler Weise einzugreisen gedenkt. Mit größter Skepsis wird der Plan ausgenommen, Neuein- stellungen von Arbeitern mit einer Prämie von 400 Mark zu belohnen. Man weist darauf hin, daß aller Voraussicht nach Die Regierung Papen hält sich auch, obwohl ohne Auslrag vom Volk, zu den tiesgreisendsten w i r t s ch a s t s- und s o z i a l p o l l» tischen Maßnahmen für besugl. Der Reichskanzler hat in den Mittelpunkt seiner Ankündigungen Mahnahmen zur Heber- Windung der Wirtschaftskrise, zur Beendigung der Deflation gestellt. Schält man das Wesentliche heraus, so ist die Reichsregicrung von der Idee geleitet, durch steuerliche Entlastung und durch Abbau von Tariflöhnen der privatwirtschast solche Anregungen zu geben, daß bei dem seht oder bald erreichten Tiefpunkt der Krise diese Erleichterungen der Wirtschast zu einer Ausdehnung der Industrie» austrüge führen und parallel mit der erwarteten allgemeinen Wirt» schaftsbelebung ein starker allgemeiner Wirtschaftsausschwung ein» treten kann. Der Kernpunkt ist die Ausgabe von Steueranrechnungsfcheincn an Steuerzahler. Die vom 1. Oktober 1932 bis zum 30. September 1933 gezahlten Umsatzsteuern sollen zu S0 Proz., Gewerbesteuern zu 40 Proz., Grundsteuern zu 25 Proz., Beförderungssteuern(Reichsbahn und andere Verkehrsmittel) zu 100 Proz. den Steuerzahlenden in Steuer- anrechnungsscheinen wieder zur Verfügung gestellt werden. Die Scheine werden von den Finanzämtern bei der Steuerzahlung aus- gestellt. Sie können bei der Zahlung von Steuern in den Jahren allen möglichen Schiebungen Tür und Tor geöffnet sein wird. Es würde eine Kleinigkeit sür Unternehmer sein, sich dahin zu verabreden, daß einer von ihnen die ent- lassenen Arbeitskräfte des anderen aufnimmt, um sich dafür eine Prämie von 400 Mark pro Kopf jährlich zu sichern! Innerhalb der bestehenden Konzerne zumal wäre eine derartige Umgruppierung auf Kosten der Steuerzahler eine ganz einfache Manipulation. Auch den> Gedanken, eine Minderung der Löhne ein- treten zu lassen als Belohnung für Einstellung neuer Arbeitskräste stehen die Gewerkschaften durchaus ablehnend gegenüber. Sie verweisen auf die Gefahr, daß nach diesem geplanten neuen System der neu eingestellte Kollege den Arbeitern als ein Minderer ihres Lohnes erscheinen würde, als einer, der den schon Beschäftigten ein Stück von ihrem Brot wegnimmt. Starke Widerstände der Belegschaften gegen ein derartiges System seien ganz unvermeidlich. Was Herr von Papen über die Starrheit der Tarife und ihre notwendige Lockerung gesagt hat, betrachtet man in Gewerkschaftskreisen als eine Sammlung gefährlicher und bedenklicher Schlagworte. Die vielfach behauptete Starrheit der Tarife ist gar nicht vorhanden, vielmehr sind die Tarife in der ausgiebigsten Weise gegliedert und allen örtlichen und Branchenverhältnissen an» gepaßt. Das Schlagwort von der nötigen Lockerung des Tarif» wesens ist nach Meinung weiter gewerkschaftlicher Kreise nur zu dem Zweck erfunden, um die Rückkehr zum sogenannten freien Arbeits- verlrag zu ermöglichen, der den Arbeitnehmer als den Schwächeren, zumal in Krisenzeiten wie den gegenwärtigen, in eine völlige hoffnungslose Lage bringt. Aus all dem geht hervor, daß die Gewerkschaften— und wir nehmen an, das gilt für die Gewerkschaften aller Richtungen— den Plänen des Herrn von Papen schärfsten Widerstand entgegenzusetzen entschlossen sind. 1934 bis 1938, also in fünf Jahren in Zahlung gegeben werden. Sie können aber auch als Kreditunterlage benutzt werden. Die Reichsbank hat sich bereit erklärt, die Steueranrechnungsscheine als lombardsähig, d. h. beleihungsfähig zu erklären. Wenn die Empfänger der Scheine Geld zur Ausdehnung ihrer Produktion oder zur Verbesserung ihrer Industrieanlagen benötige», dann sollen die Banken auf diese Scheine hin Kredit gewähren können, und wenn die Banken dabei die Reichsbank in Anspruch nehmen, so wird die Reichsbank den Banken Lombardkredite auf die Scheine zur Ver- fügung stellen. Für die Zukunft als Steuergeschenk gedachte 1500 Millionen Mark sollen so für die Arbeitsbeschaffung von der Privatwirtschaft her in Wirksamkeit treten. Das große Fragezeichen ist, ob nicht auch diese Steuererleichterungen einfach als Subventionen betrachtet werden, die die Begünstigten in ihren Kasscnschrank hineinlegen, ohne daß daraus eine Belebung der Wirtschast folgen wird. Daß der Reichsbankpräsident mitmacht, braucht keine Garantie gegen inflationsähnliche Wirkungen zu sein. Eine Kredit- erweiterung tritt sicher ein, wenn die beabsichtigte Wirkung von den Unternehmern unterstützt wird. Aber wenn die hier eingesetzte Trumpfkarte, nämlich die Belebung der Wirtschaft von innen, und die Ankurbelung der Weltkonjunktur nicht sticht, dann erfolgt mindestens eine außerordentlich schwere Gefährdung der öffentlichen Finanzen. Wilde Wirischastspläne Die Regierung der Barone beim Experimentieren Gelbstmord des Calmetie-lZstichters Amtsgerichtsrat Or. Wibel iot ausgefunden Vas Reich zahlt nämlich auch noch eine oierprozentige Ver- zinfung für die Steueranrechnungsscheine, derart, daß, wer 193 l Steuern mit den Scheinen bezahlt, statt 190 Mark 194 Mark an- gerechnet bekommt und im Jahre 1935 statt 109 Mark 108 Mark. Es wird für 1934 derart mit einem Steuerausfall von 312 Millionen im Minimum und von 4ß9 Mil- lioncn Mark im Maximum gerechnet. Zum zweiten erhofst man von der P r ö m i i e r u n g von Mehrein st ellungen von Arbeitern eine starke Entlastung des Arbeitsmarktes. Der zugrundeliegende Gedanke ist, daß aus der Ersparung von Unterstützungen Zuschüsse zum Lohn gezahlt werden können. Das Gefährliche dabei ist die Frage, ob Auf- träge zur Mehreinstellung überhaupt hereinkommen, und daß auch hier der Unternehmer Subventionen erhält. 709 Mil- lionen Mark, ebenfalls in der Form der Steueranrechnungsscheine, werden den Unternehmern zur Verfügung gestellt, wenn sie nach- weisen, daß sie im Vergleich zum vorhergehenden Jahre entsprechend mehr Arbeiter eingestellt haben. 400 Mark sollen für jeden mehr eingestellten Arbeiter jährlich aus diesen 700 Millionen Mark dem Unternehmer zur Der- sügung gestellt werden. Technisch ist die Sache so gedacht, daß für 39 Stunden Arbeit der normale Lohn gezahlt wird, daß für die 30. bis 40. Stunde ein niedrigerer Lohn gezahlt wird und daß, wenn ein Unternehmer beispielsweise 25 Proz. seines früheren Belegschaftsstandes mehr einstellt, daß dann für die 39. bis 49. Stunde für die Gesamt- belegschast eine Prämie von. 50 Proz. des Lohnes ihm ausgezahlt wird, so daß die Gesamterleichterung seiner Lohnsumme ungefähr 12X Proz. betragen dürfte. Man nimmt dabei an, daß die gesamte bezahlte Lohnsumme steigen und damit die gesamte Kaufkraft der Arbeitenden erhöht werden muß. Die dritte Maßnahme, die freilich geradezu toll anmutet, ist die Verordnung eines Notrechtcs für die Senkung der Löhne in allen Fällen, in denen Betriebs in ihrer Weiterexistenz bedroht sind. Die Schlichter sollen ermächtigt werden, wenn von den Unter- nehmern der Nachweis der besonderen Bedrohung geführt wird, die Tariflöhne herabzusetzen, ohne daß gesetzlich eine untere Grenze vorgesehen ist. Die Löhne sollen in diesem Falle nur nicht unter das Existenzminimum herabsinken. Gegenwärtig ist in Deutsch- land kaum ein größerer Betrieb vorhanden, der nicht von sich aus erklären würde, er fei in Not und dem der„Nachweis" nicht ge- lingen würde, daß für ihn die Tariflöhne herabgesetzt werden müßten. Auf Kosten der Arbeiter und Angestellten soll hier durch Lohnraub eine Bereicherung der Unternehmer durchgeführt werden, die sozialpolitisch geradezu das Tollste an Ungerechtigkeit darstellt und wirtschaftspolitisch geradezu widersinnig ist. Es ist einfach ein wildes, in der Kühnheit nur durck) Leichtsinn übertroffenes Experiment, das hier im Namen der Wirtschafts- ankurbelung in Szene gesetzt wird. Wenn die Karte nicht sticht, daß die Unternehmer von ihren auf drei verschiedenen Wegen ihnen zugeführten Subventionen den Gebrauch machen, daß sie Aufträge erteilen— und diese Karte kann nicht stechen, wenn man gleichzeitig die Kaufkraft des Inlandes, wie beabsichtigt, senkt, und wenn die Weltkonjunktur nicht in kurzer Zeit sich bessert—, dann kann das sogenannte Wirtschaftsprogramm der Papen-Regierung zu den furchtbarsten Ergebnissen führen. Es ist nur auf billigen Optimismus gestellt und nur aus den Willen, der Privatwirtschaft in jeder Form Subventionen zu geben! Schlechte Herbstmesse. Sie Folgen des Terrors.- Keine Ausländer. Die ersten Eindrücke von der Leipziger TNefse stehen schon fest. Sämtliche Messen berichten von schlechten Geschäften. Eine leichte Ausnahme ist nur für die Texlilmesse festzustellen. Die Ausländer find so gizt wie vollständig weggeblieben. Das ist nicht nur die Folge davon, daß in der Handelspolitik die bekannten Beschränkungen be- stehen, sondern selbstverständlich auch das Ergebnis der bürgcrkrlegs- ähnlichen Zustände, die in Deutschland geherrscht haben. Ein Land, in dem einseitiger Terror geduldet wird, muß notwendig auch ein schlechtes Auslandsgeschäft finden und die Ausländer fernhalten. Bomben in Friedenskundgebung. Gelehrige Hitlerschüler in Frankreich. pari», 29. August.(Eigenbericht.) 3m internationalen Ferienlager der Roten Falken in Droveil hielt am Sonntag die Sozialistische Partei eine große Friedenskundgebung ab. Ucber 20 000 Personen waren erschienen. Einige Silometer von Draveil entfernt hielt der katholische 3ugcndsührer Marc Sangnier eine Friedenskundgebung ab. Eine Abteilung der chauvinistischen Radautruppen der Action Franzaise warfen von einem Automobil au» mehrere Bomben und Spreng. körper unler die versammelten katholischen Zerienkinder. Räch der Havas-Agentur brach unter den Anwesenden eine Panik aus. Zehn Personen wurden verletzt, darunter vier Kinder, die ziemlich schwere Verletzungen davontrugen. Rachspiel zur Memelwahl. Krach im Kreistag. Mcmel. 27. August. Der im Juli neugcwähltc Memeler Kreistag trat heute zu seiner ersten Sitzung zusammen. Notionallitauische Anträge wollten die Wahl für ungültig erklären, weil viele Personen nicht mehr in die Wahllisten aufgenommen worden seien. Gemeint sind die Taufende neu eingebürgerten Großlitouer, die eigen» für diese Wahl zu Memelländern gemocht worden waren. Der Kreistag lehnte die Anträge ab, besonder» unter Hinweis darauf. daß die Wahl schon für den 16. Februar ausgeschrieben worden war, jedoch erst im Juli erfolgte, weil das Putschdirektorium S i m a i t j s die Wahl hinausgeschoben hat. Der Antrag, dem litauischen Landrat Simonaitis wegen jener Wahlmache das Mißtrauen auszusprechen, wurde vom Vorsitzenden— eben diesem Simonaitis— nicht zugelassen! Darauf machte die Mehrheit den Kreistag beschlußunfähig. 3n Taschkent(Ttirkestan) sind, laut Moskauer„Prawda", vier Bauern hingerichtet worden, die stäi als Kulaken in die Verwaltung der Kollektivwirtschasten eingeschlichen und zu deren Nachteil sich bereichert hätten. Hamburg, 39. August. Ter Vorsitzende im Lübecker Valmette-Prozeß, Amts» gcrichtsrat Dr. Wibel, hat am Sonnabend in einem Hamburger Hotel Selbstmord begangen,-die näheren Umstände sind noch nicht bekannt. Tr. Wibel hatte be- kanntlich nach Beendigung des Ealmette-Prozesses einen Nervenzusammenbruch erlitten, der seine Ucberführung in eine Klinik notwendig gemacht hatte.(?r soll bereits im Februar Selbstmordabsichten geäußert haben. Der Selbstmord des Aintsgerichtsrates Dr. Wibel. des Vorsitzen- den im Lübecker Calmette-Prozeß, rollt eine Fülle von Problemen Chaufseur erhängt aufgefunden Mordkommifsion untersucht/ Verbrechen nicht ausgeschlossen Ein Leichensund, der am Sonnlagvormttiog im Hause Badensche Straße 15 in Mlmcrvdors gemacht wurde, beschästigl gegenwärtig die INordkommission. 3n der Wohnung einer Frau Linke, die zur Zell verreist ist, wurde gegen 11 Uhr der Z0 Jahre alle Ehousseur Horst V a l l n e l in seiner Kammer erhängt ausgefunden. Da den Tod de» Manne» rätselhafte Umstände begÄilen, wurde die Der- llner Mordinspektion bcnachrichtlgl. die die Kriminalkommissare Dr. Bartsch und Dr. S ch u l tz e entsandte. In der Wohnung der Frau L. wohnte seit geraumer Zeit der 30 Jahre alte Chauffeur Horst Ballnet, der Fahrer bei der Krastag ist. Gegen 5 Uhr in der Frühe hatte er seinen Wagen aus dem Depot abgeholt und damit etwa 15 Kilometer zurückgelegt. Dann suhr er nach Hause und ließ die Taxe auf der Straße stehen. In den Margen- stunden— gegen S Uhr— kam ein« Ilntermieterin, die gleichfalls bei der Frau L. mit noch anderen Personen dort wohnt— nach Hause und hörte den Chauffeur bis gegen 7 Uhr in der Küche hantieren. Um 11 Uhr, als man die Kammer öffnete, fand man ihn dann NN einer großen Leiter erhängt auf. Im Munde stak ein Taschentuch. Ein sosort herboigerusener Arzt konnte nur noch den Tod feststellen. Die Revierpolizei benachrichtigte die Mordkommission. Die Unter- suchung durch den Gerichtsarzt hat vorläufig noch keine Klärung er- geben können. Lm Beit vom Blitz erschlagen. Nichtgeerdeter Radioapparat als Todbringer. Königsberg, 29. August.(Eigenbericht.) Wie aus heidemanlen gemeldet wird, ging in der Nacht zum Sonntag über dem Ort ein starkes Gewitter nieder. Ein Blitz- strahl fuhr durch die Radioanlage in das Haus des Fischers Schirr- mocher und tötete dessen 20jährigen Sohn, der in der Näh« des nicht geerdeten Radioapparates schlief. Die Fischerehe- leute, die sich im gleichen Zimmer befanden, blieben wie durch ein Wunder unverletzt. Mütter setzen ihre Kinder ab. Dramatische Protestaktion auf dem Wohlfahrtsamt. Flensburg. 29. August. Bei der Auszahlung der neuen gekürzten Unterstützungssätze an die hiesigen Wvhlsahrtserwerbslosen machte sich unter den Empsän- gern große Unruhe bemerkbar. Es kam zu Ansammlungen vor dem Wohlfahrtsamt, die ein polizeiliches Eingreifen erforderten. Später begaben sich einige Frauen von Erwerbslosen in das Gebäude des Wohlfahrtsamtes und setzten dort ihre Kinder ab mit der Erklärung, daß sie diese bei den neuen Unterstützungssätzen nicht mehr ernähren könnten. Im ganzen blieben 12 Kinder aus dem Wohl fahrt?- amt, deren Mütter sich schnell wieder entfernt hatten. Acht Kinder konnten ihren Eltern wieder zugeführt werden. Die übrigen vier wurden vorläufig in das Kinderheim gebracht. Funkindustrie zufrieden. Das Ergebnis der 9. Großen Deutschen Funkousfiellung. Der gestrige letzte Sonntag der Funkaus st ellung brachte noch einen Besuch von rund 25000 Personen: damit hat die Ge- samtbesuchsziffer 175 000 Personen überschritten. Der Besuch aus allen Teilen des Reiche» und aus dem Auslands war außerordentlich stark. Die geschäftlichen Ergebnisse der ausstellenden Firmen sollen die mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Loge nicht zu hoch geschraubten Erwartungen übertrosfen haben. Die Empfangsapparateindustrie hat gute Verkaufserfolge erzielt: so daß die Herstellerfirmen auf lange Zeit hinaus ausreichend beschäftigt sind. Auch die Laut- sprecherindustrie und die Herstellerfirmen von Zubehör- und Einzel- teilen haben günstige Verkaufsergebnisse aufzuweisen. polizeibeamter in SiemenSstadt verunglückt. In der Motardstraß« in Siemensstadt ereignete sich in den heutigen frühen Morgenstunden«in Verkehrsunfall, bei dem«in Schupobeamter schwer verletzt wurde. Polizeihauptwochtmeistcr K e tz n e r, der in der Göbelstraßs in Siemensstadt wohnt, befand sich mit seinem Fahrrad auf dem Wege zu seiner Dienststelle. In der Motardstroße wurde der Beamte von einem Lastzug überholt. Der Anhänger de? Fahrzeugs geriet plötzlich ins Schleudern. Keyner wurde mit seinem Rad zu Fall gebracht und er stürzte so unglücklich, daß er schwere Verletzungen erlitt. Der Verunglückte fand im Wcstendkrankenhaus Aufnahme.— Gegen 4 Uhr früh stieß der 33 Jahre alle Motorradfahrer Arnolo Brüll aus der Kleiststr. 31 mit einer Autodroschke zusammen. B. wurde mit schweren Ver- letzungen ins Zlchenbach-Krankenhaiis übergeführt. Wieder Tränengasbomben gegen ein Kaufhaus. Duisburg. 28. August. Am Sonnabendnachmittag wurden Tränengasbomben in die Ge- schästsräume eines in der Münzstraße neu eröffneten Einheitspreis- Geschäfte» des Tietz-Konzerns geworfen. Unter den im Loden be- findlichen Personen entstand große Unruhe, und viel« Käufer ver- ließen panikartig das Geschäft. Durch den Vorsall mußte der gesamte Geschäftsbetrieb annähernd eine Stunde unterbrochen werden. Die polizeilichen Ermittlungen find im Gang«: soweit festgestellt ist. ist niemand zu Schaden gekommen, auf. Die Begründung des Lübecker Urteils und damit die End- aussertigung stehen noch aus. Unmittelbar nach Beendigung des Prozesses hatte Dr. Wibel bekanntlich eine» Nervenzusammenbruch erlitten und mußte ein Sanatorium aussuchen. Er sollte seinen Dienst beim Amtsgericht Lübeck am 15. September wieder ausnehmen. Durch den Tod des Vorsitzenden kann per Schlußstrich unter da» Prozeßcrgebnis nicht mehr gesetzt werden, ist auch eine VerHand- lung vor der Berufungsinstanz unmöglich gemacht. Eine Neu- aufrollung des Mammutprozesses erscheint deshalb unumgäng- lich. Der ganze Riesenapparat wird noch einmal in Gang gesetzt werden müssen, um die schwierige Materie neu zu durchdringen. Leider werden auch damit die unschuldigen Opfer der Lübecker Tragödie nicht wieder zum Leben zurückcrweckt. Tod beim Bergsteigen. Bolle-Oirektor in der Sächsischen Schweiz tödlich verunglückt Dresden. 29. August.(Eigenbericht.) 3m Rastencr kletlergebiet in der Sächsischen Schweiz stürzte am Sonntagnachmiltag gegen IS Uhr der 34 Jahre alle Direktor R« e ß. der Leiter der bekannten Berliner Milckzsirma Bolle. tödlich ab. Plehrere Berliner Bergsteiger wollten den kleinen Wehlturm ersteigen. Der Führer hatte den schwierigsten Teil bereits hinter sich gebracht. Als drlllcn holte er den Direktor am Seil noch. An der senkrechten Felskante rutschte Reetz au», wodurch er au» der locker sitzenden Schlinge herausrulschle und etwa Z0 ki» 40 Meter «es in den Mehlgrund stürzte. Der Tod dürste aus der Stelle eingetreten sein. Die Leiche wurde durch Samariter geborgen. An, gleichen Felskegel ereignete sich am Sonntagvormsttag ein schwerer Unsall. Ein junger Bergsteiger stürzte etwa 25 Meter tief ab. Er muhte mit Rippenbrüchcn und schweren inneren Ber- legungen ins Krankenhaus gebracht werden. Deutsche Kriegerleichen aufgefunden In Reuil-sur-Marne sind die Leichen von 13 deutschen Soldaten, die 1918 gefallen sind, entdeckt worden. Sie tonnten aus Grund gefundener Papiere und Erkennungsmarken identifiziert werden. »Graf Zeppelin" wieder nach Amerika unterwegs. Friedrichshofen. 29. August. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" ist am Montagsrüh um 6.02 Uhr zu seiner fünften diesjährigen Südamerikafohrt aufgestiegen. Die Fahrt war wegen der ungeklärten politischen Lage in«üdamerika um 14 Tage verschoben worden. Dr. Eckener hat die Führung des Luftschiffes! Das Luftschiff führt über 100 Kilogramm Post mit. England und das Gchleicherprogramm. Arankreich bestreitet englische Zustimmung. Pari». 29. August.(Eigenberuht.).. In einer amtlichen Meldung aus London dementiert dos Havaz-Büro nochmals aufs entschiedenste, daß die englische Regierung die deutsche Militärsorderung anerkannt habe. Ergänzend dazu erklärt der„Petit-Parisien", daß ein derartiger Entschluß der eng- lichen Regierung nicht vorliegen könne, schon weil Deutsch- land seine Forderungen noch gar nicht vorgelegt habe. Im übrigen aber sei die englische Regierung„fest entschlossen, sich genau an die Verpflichtungen des französisch-englischen Kon» s u l t a t i v p a k t e s zu halten und keinerlei E n t f ch l ü s s e zu fassen, ohne sich vorher mit der französischen Regierung ins Einvernehmen gefegt zu haben". & Eine ritisch-französifche Besprechung leitender Minister wurde aus der Insel Jersey abgehalten. Kleine Diebe. Sie werden immer gefaßt und immer bestrast. Ein 32jähriger Arbeitsloser, noch nicht bestrast, begeht einen Einbruch in der Auslieserungsstelle einer Auckerwarensabrik. Was hat den unvorbestraften Wann zu seiner Tat veranlaßt? Er hatte die übliche Wohlfahrtsunterftügung. Seine Frau ver- diente wöchentlich 11 Mark in einer Papierfabrik. Dos 9 Monate alte Kind mußte zu den Schwiegereltern. Wer hätte es sonst zu Hause gepflegt? Aber auch der Schwiegervater ist arbeitslos. So muß die Pflege des Kindes bezahlt werden. Die Kochstube tostet 15 Mark. Und eines Tages fordert der ältere Arbeitslose einen Neunzehnsohrigen, der in demselben Hause wohnt wie seine Eltern, aus, mit ihm einen Einbruch in der Auslieserungsstelle der Zucker- sabrik zu begehen. Man nimmt Keks, Schokolad« und etwas Zucker- wert mit, im ganzen im Wert« von 130 Mark. Auch der junge Bursche bekommt davon etwas ab. Der Verdacht der Täterschast fällt auf ihn. Er wird festgenommen, gesteht und verrät den anderen. Aus dem Boden findet man noch fast die ganz« Ware. Der Mann hatte davon immer wieder Kleinigkeiten, einige Keks und etwas Schokolad«, entnommen und sie seinem Kinde gebracht. Der Minderjährige wird vom Jugendgericht abgeurteilt. Der Mann erhält 3 Monate Gefängnis. Ein junger Tischler, früher selbständig, hat seine Werk- statt verloren, ist von der Frau geschieden und lebt bei den Ellern. Er bekommt mit ihnen Streit, muß die Wohnung verlassen, verlien mit der Wohnung der Eltern auch den Mut. Natürlich könnte er betteln, er oersteht es ober nicht und versucht sich auf andere Weise zu helfen. Mit Hilst eines Rohrs öifnet er«in?luto, in dem zwei Köster stehen. Im selben Augenblick wird er gesaßt. Er bekommt 1 Monat Gefängnis. Die Bewährungsfrist wird von dem Ergebnis der Ermittlungen abhängig gemacht. Die soziale Gerichts- hilf« will ihm Helsen. Aber wie? Sie wird ihm in erster Linie Wohnungsgeid geben, damit er sich eine Schlafstelle mieten kann. Erst dann erhält er Anspruch auf Wohifahrtsunterstützung. Eine katholische Universilät In kowno sollte am Sonntag eröstnet werden, wa» aber im letzten Moment verboten wurde. Berbotszrund soll sein, daß der Regierung weder für das wissenschaftliche Niveau noch für das geplante Programm das Erforderliche unterbreitet worden ist. Stalin wieder in Moskau. Stalin ist nach einem mehrwöchigen Urlaub aus feiner kaukasischen Heimat wieder in Moskau»ingettosten. Programmrede vor Bauern Die Pläne der Barons-Regierung Die Rede, die Reich»kainler von Popen am Sonntag auf einer lagung der weftsälischen Bauernvereine hielt, hatte im wesentlichen folgenden Inhalt: Die jetzige Reichsregierung will den Grund legen für einen Reu-bau des deutschen Staates. Sie, die westfälischen Bauern, und ich. wir sind keine Revolutionäre und wir sind nicht Reaktionäre. Wir sind dienende Glieder in einer von Gott gegebenen Ordnung. Unsere konservative Gesinnung beruht im Glauben an Gott.(Beifall.) Die Pflege christlicher Erziehung in Familie und Schule muß des- halb am Anfang einer jeden Staatspolitik stehen� aus ihr entwickelt sich das Verantwortungsbewußtsein des einzelnen gegenüber der Gesamtheit. Die Staatsgewalt muß stark und unabhängig sein, damit von ihr Gerechtigkeit ausgehen kann und alle Ordnungen der Gesellschaft, der Selbstverwaltung und der Wirtschast an ihr einen festen halt sinden können. Den Urteilen in O h l a u und B e u t h e n ist von rechts und von links ein Tturm gegen die gleichmäßige Handhabung des Rechts gefolgt. Beide verlangen, den politischen Gegner außerhalb der Volksgcmeinjchast und außerlMlb des Rechts zu stellen: im politischen Kampf sollen Totschlag und Roche erlaubt, der Gegner vogelfrei sein. Objektivität gilt als Schimpf. Sollher Verwilderung der politischen Moral entgegenzutreten, ist die Pflicht der Staats- gewalt. Ich kenne kein Recht, das nur das Kampsmittel einer Klasse oder einer Partei ist. Das ist eine marxistisch« Aus- sassung, die ich ablehne, auch wenn sie von Rationalsozialisten ausgesprochen wird (lebhafter Beifall), denn sie schlägt jeder deutschen und christlichen Rcchtzauffassung ins Gesicht. Ich bekenne mich zu dem Glauben an ewige Rechtsnormen, au» denen auch der altpreuhischc Grundsatz gesorint ist: Jedem das Seine. Es ist die Tradition Preußens von seinen großen Königen her, daß nur der zur Führung einer Ration zugelassen werden kann, der sich freiwillig in ihre Gesetze einordnet, Die Ziigcllofigkeit, die au» dem Ausruf de» Führer» der nalionalsozlalislischen Bewegung spricht, paßt schlecht zu den Ansprüchen aus die StaaUsllhrung. fBiCifall.) Ich gestehe ihm nicht das Recht zu. die Minderheit in Deutschland, die seinen Fahnen folgt, allein als die deutsche Nation anzusehen und alle übrigen Volksgenossen als Freiwild zu be- handeln. Wenn ich heute gegen Hitler und für den Rechtsstaat, für die Volksgemeinschaft und für eine autoritäte Staatsführung eintrete, so verfolge ich und nicht er, das Ziel, das Millionen seiner Anhänger im Kampfe gegen die Parleiherrschast, gegen Willkür und Ungerechtigkeit jahrelang mit heißem herzen herbeigesehnt haben. Diese Regierung bat vom ersten Tage an da» Ziel versolgt, der großen vaterländischen Freiheitsbewegung, deren historisches Verdienst um Deutschtand jedermann anerkennen muß. den Weg zur positiven Mitarbeit am Reubau de» Reiche» varzu- bereiten. Ich kann nicht glauben, daß diese deutsche Freiheitsbewegung sich auf die Dauer in bewußten schroffen Gegensatz zu den Fielen einer Regierung stellen wird, deren Gedanken nur und ausskistietzlicki auf Deutschlands Zukunft gerichtet sind. Soll der Hader deutschen Blutes, der uns in den entscheidenden Stunden der Geschichte schon so oft um den Aufstieg und die Sammlung der Nation betrogen hat, auch heute stärker sein als unser Wille zu einer gemeinsamen nationalen Sammlung? Wenn man die Stimmen hört, die anläß- lich der Urteile in Ohlau und Benlhen sich erhoben, müßte man e» iast glauben. Ick) greife der Entscheidung über das Schicksal der fünf zum Tode Verurteilten nicht vor. Die preußische Staats- regicruug wird sie, unbeirrt von politischen Anwürfen, nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit treffen. Aber ich sage zugleich: Di« Anerkennung des gleickzen Rechts, das für alle deutschen Staatsbürger gilt, werbe ich nötigenfalls erzwingen. Ich bin fest entschlossen, die schwelende Glut des Bürgerkriege» auszutreten und den Zustand politischer Unruhen und politischer Gewalttaten zu beenden. Damit wendet sich der Reichskanzler zu den politischen Tage«- fragen: Nach den harten Erfahrungen langer Jahre nützt einseitige hilf« der Londwirlschait wenig, da ihr Schicksal mit dem der deut- schen Gesamtwirtschast untrennbar verbunden ist. Erst« Voraussetzung für Belebung der Gesamtwirtschast ist Förderung de» Binnen- Marktes. Der Gedanke der Autarkie ist abzulehnen; denn Deutschland könne nicht auf seine Weltwirtschaftsbeziehungen ver- zichten, und es muß die Arbeitsgelegenheit, die der Auslandsmarkt auch heute noch bietet, ausnutzen. Aber die Grundlagen der Cr- nährung muß im Binnenland« sichergestellt werden. Beschlüsse für eine dafür erforderliche maßvolle Regelung der Einsuhr sind bereits gefaßt. Zur Bekämpfung der ungeheuren Not, die aus der Schrumpfung der Wirtschaft und der unaufhaltsam fortschreitenden Deflation her- vorgegangen fei, mutz zunächst dies« Deflation beendet werden durch grundsätzliches herumwerfen des Steuers. Der Wiederaufbau der deutschen Wirtschast fall nach salzenden Grundsähen ersalgen: Die Währung darf nicht gefährdet werden. Die Mark darf nicht abgewertet werden. Getreu den Grundsätzen konservativer Staats- führung ist die persönliche private Initiative zu stärken. Alle Ein- griffe in die Sphäre der Privatwirtschaft lehnt die Reichsregierung ab. Wo der Staat in den letzten Jahren Anteile an Privatbetrieben iibernomm«» habe, müsse der Allgemeinheit nicht nur die Lasten, sondern auch die Früchte der Arbeit zufallen skine besondere staatliche Ueberwachung wird zu diesem Zwecke eingesetzt werden. Auch die GeHalter in diesen Betrieben werden herabgesetzt. ver Kanzler ging dann aus daz hauptprablem, die vekämpsung der Arbeitslosigkeit«In: Di« bereits eingeleiteten Matznahmen zux Arbeitsbeschafiung werden nicht aus dem Auge gelassen werden Darüber hinaus aber ist die Regierung entschlossen, im großen Rah- wen den Versuch zu machen, durch«ine Belebung der Privatwirtschaft zur Neueinstcllung von Arbeitskräften und zur Verminderung der Arbeitslosigkeit zu gelangen. Als erster Schritt dafür soll der ge- samte Produktionsapparat instand gesetzt werden. Dadurch finden die mittleren und kleineren Betriebe Beschäftigung. Die Beschaffung dieses Betrages erfolgt unter Mitwirkung der Rcichsbank durch Ausgabe van Stcueranrechnungscheinen. au» denen in den Jahren)S34 bis 1938 alle Reichssteuern bezahlt werden können, und zwar handelt es sich hier um eineinhalb Milliarden. 790 Millionen Steueranrechnungsscheine werd«n solchen Unternehmungen zur Verfügung gestellt, daß sie mehr Arbeitskräfte als bisher beschäftigen. Für jeden Rcueingestellten wird ein Betrag von 499 M. für ein Jahr gegeben. Auf diese Weife tännen 134 Millionen Arbeiter neu eingestellt werden. Wird dieser Betrag voll ausgenutzt, so werden Millionen Arbeiter mehr«ingestellt lverden können. Um die Wirtschaft sofort in Gang zu bringen, mutz das Prablem auch von der Seite der Ar- beit angepackt werden. Es wird deshalb den Arbeitgebern gleich- zeitig ein Anreiz zur Streckung der Arbeit durrt) Verteilung auf möglichst viele Arbeiter gegeben. Dlan wird den Arbeitgeber ermächtigen, wenn er mehr Arbeits- kröste einstellt, den Tortflohn in einem gewissen, genau um- grenzten Umfange, der nicht unter dem Exlstenzmintmum liegen darf, zu unterschreiten, und zwar werden die Toris- töhne Innerhalb dieser Grenzen in einem um sa größeren prazentsah ermäßigt, je größer die Vermehrung der Beleg- schaft ist. Der Lohn wird aber nicht in gleichem Ausmaß ermäßigt werden dürfen, wie die Belegschaft ansteigt, damit die Gefamtlohnsumm« nicht nur erhalten bleibt, sondern sich sogar noch erhöht. Ich bin mir bewußt, daß diese Maßnahme den jetzt beschäftigten Arbeitern Opfer auferlegt, aber diese Opfer gehen zugunsten der heute Arbeits- losen. Das Tarifrecht uns das Schlichtungswesen beabsichtigen wir in seinem wesentlichen Inhalt aufrechtzuerhalten. Wir«rwarten aber, daß die Beteiligten ihre Verhältnisse wehr als bisher durch frei- willige Selbstbestimmung ahne staatliche Mitwirkung und ohne Be- vormundung ordnen: es ist ihre Aufgabe, die Tarifverträge so aus- zugesta'ten, daß die Rachteile eines zu weitgehenden Tarifchemaiismus verschwinden und der wertvolle Sern erhalten bleibt. de» ickz in der Sicherung der Existenzgrundlage, in der Verhinderung unlauterer Lohnkankurrenz und vor allem in der arbeitsgemein» schaftlichen Zusammenarbeit der beiderseitigen AerbänS« sehen muß. Unsere Tarifverträge sind vielfach immer noch zu starr und nehmen auf die besonderen Verhältnisse der einzelnen Gebiete, Betrieb« und Arbeitergruppen nicht gebührend Rücksicht. Der Reichskanzler betont dann sein besonderes Interesse für die Erhaltung oer Produktionsstätten, wosür im Verordnungswege Vorsorge getroffen werden wird, da die Beteiligten versagt haben. Alle oben angekünd'gten Maßnahmen dienen zunächst nur einer Uebccgangszeit und werden deshalb aus 12 Monate befristet. Von der Wiederbeschäftigung von 1 bis 2 Millionen Arbeits- losen wird nach des Kanzlers Meinung die Lage der Landwirtschaft außerordentlich gebessert werden. Veredelungsprodukte wie Fleisch stellt Deutschland genügend her, sie können deshalb durch Zölle nicht mehr entscheidend geschützt werden. Die.thebung der Kaufkraft wird die Preise steigen lassen. Weiter kündigt der Reiäzskanzlcr Vorwärtstreibung pxivat- wirtschaftlicher Zinssenkung und eine Diskantsenkung an. Weitere Mitteilungen über organischen Um- und Neubau des Staats-»nd Wirtschastslebens kündigt er für den R ei ch s t a g an. Bracht hat in Preußen verwaltungsresormen durchgeführt, die zum Teil schau seit mehr als 29 Iahren erwägen worden find. Nach einer Verteidigung der Aufhebung von 58 Landkreistn, wovon übrigens viele Provinzen, wie z. B. Westsalen, nicht betroffen sind, und von 99 Amtsgerichten, erklärt von Papen, daß eine Ver- waltungerefarm an fzaupt und Gliedern dieser Tage vain „preußischen Staatsministerium" verabschiedet werden wird. Sie wird die Dappelarbeit von Ober- und Regierungspräsidenten be- seitigen und auch die Zentralinstanzcn verkleinern, die Finanzen und die Selbstverwaltung resornneren. Mit der Beseitigung de:. Dualismus zwischen Reich und Preußen und der preußischen „Reform an Haupt und Gliedern" sieht Herr von Papen den Beweis erbracht, daß„diese Regierung— mehr als jede andere in de» letzten 14 Iahren— gewillt ist, zu handeln". Für den akademischen Nachwuäis soll zwischen höherer und Hochschule ein praktisches Jahr zwischengeschaltet und danach die Zahl der Studenten dem Bedarf der Berufe angeglichen werden. Es geht nicht länger an, daß jährlich mehr als 19 999 Hochschulabsolventen für immer der Hoffnung beraubt sind, einen Beruf zu finden. Zum Schluß wiederholt der Reifhskanzler die schon zu Beginn dargelegte äiristlich-konservative und überparteiliche Staatsauffassung. Der Verfassungsgrundsatz, daß die Staatsgewalt vom Volke ausgeht, so fährt Papen fort, kann nicht bedeuten, daß dies« Staatsgewalt dem toktiswen Spiel der Parteien i ni Parlament a» s g e- liefert werden soll, And wenn heule von einer Koalition zwischen Zentrum und RSDAP. gesprochen wird, an die ich nicht glauben kann, weit sie dem ganzen antipartamentarischen Bekenntnis der Rational- soziatisten widerspricht, so wäre der geheime Grundgedanke solcher Koalition doch nur der, daß die eine Partei die andere zu vernichten wünscht. Erträgt die Rot des deutschen Volkes in dieser Stunde wirklich noch ein solches Kulissenspiel? Aus der anderen Seite denken wir nicht an eine Abweichung von den Grundgesehen der Verfassung oder gar an einen Wechsel der Staatsform. Die Verfassung selbst hat in der Institution des R e i ch s p r ä s i» deuten dem Spiele der Parteien gegenüber den ruhenden P o l gesäiassen, den Pol, an dem die einheitliche und unabhängige Führung der Staatsgeschäste verankert ist. Von dieser zugleich autoritären und demokratischen Gewalt, die sich uns in der Person unseres Reichspräsidenten von hindenburg dar- stellt, hat die Reichsregierung die Rechtfertigung und den Auftrag ihres Wirkens. Kein Kolumbus Von Popen nichts Neues stecke äiutn 5C&. fießuntAtaq am 19» Clugust Das 18. Jahrhundert wird mit Recht das Jahrhundert der Auf- klärung genannt. Die englischen und sranzäsischen Philosophen haben der Herrschaft des Verstandes in allen Dingen des Lebens damals die Bahn bereitet, und sie haben durch die Ideen der Toleranz, der Gcistesfreiheit, des ewigen Forschens nach der Wahrheit an Stelle einer für Immer gültigen Offenbarung die gesamte geistige Arbeit seit jener Zeit bis auf den heutigen Tag vorbereitet. Nicht so klar ist das Allgemeinwissen unserer Zeit vom 17. Jahrhundert, dem Jahrhundert des llebergonges aus dem Mittelalter in die Neuzeit, Diese sängt ja nicht nur mit. Kolumbus und Luther an, sondern ebenso sehr mit de» Imperialisten des 17. Jahrhunderts, mit Crom- well und Ludwig XIV., mit den Ideen vom Toleranzstaat«, mit dem vorurteilsfreien Denken der Descartes, Spinoza und-~ Locke. Spinoza und Locke, im gleichen Jahre(1S82) geboren, führen eine neue Zeit des Denkens und sogar der Politik herauf. Wir erkennen die Bedeutung Lackes am besten au» einem Ver- gleich mit früheren Zeiten. Bis dahin hatte man überhaupt nicht nach der Art de» menschlichen Erkennen» gefragt, hatte also auch sein» Fehlerquellen übersehen. Man hatte immer nur gefragt, wie man die göttliche Offenbarung richtig auslegen könne, die in irgendeinem Buche, der Bibel oder dem Koran, niedergelegt war. Und man hatte sich bi» aufs Blut wegen der richtigen Auslegung bekämpft und sich tausendfach deswegen gegenseitig aufs Schafott geschickt. Nun kommt, natürlich nicht ganz wie ein Blitz aus heiteren, Himmel, sondern schon geistig vorbereitet, ein Mann wie Locke und untersucht den Prozeß des Denkens und Erkennens. Er fragt, wann unsere Urteil« den Anspruch machen dürfen, stichhaltig zu sein. Er sagt, die göttlich« Offenbarung könne nur so weit anerkannt werden, wie sie mit den Erkenntnissen unserer Vernunft überein- stimme. Der alte Satz:„Ich glaube, weil es absurd ist", findet in ihm den schärfsten Gegner. Cr wirft also den menschlichen Verstand zum Richter über die göttliche Offenbarung aus, und damit hat er den Prozeß eingeleitet, der über Voltaire, Ludwig Feuerbach, Karl Marx zu den freien Denkern der Neuzeit führt. Lackes bekanntester Begriff ist der der lakula rasa, der leeren Tafel. Er nimmt an, daß der Mensch im Kindesalter ohne söge- nannte eingeborene Idee» seinen Lebensweg antrete, und stellt sich damit in Gegensatz zum gesamten früheren Denken. Man hatte immer behauptet, der Schöpser habe jedem Menschen bestimmte Charaktermerkmale eingeprägt, die unausweichlich fein Denken und Wollen bestimmet. Ebenso habe jeder Mensch gewisse religiöse und sittliche Grundvorstellungen, denen er sich nicht entziehen könne. Locke ist„Empirist", dos. heißt: Erfahrungswissenschostler, Die Um- weit, die ersten Eindrücke, die ersten Vorstellungen bestimmen noch ihm das Denken jedes einzelnen, das dann folgerichtig sich weiter entwickelt. An einem Punkte ist nun Locke in seinen Toleranzideen nicht konsequent. Cr hatte selbst eine Frömmigkeit mehr allgemeiner Art; er stand den Quäkern nahe. Daher wollte er die Toleranz nicht auf die Atheisten ausdehnen. Er hielt die Gottesleugner anscheinend für asoziale Elemente. Das war natürlich unlogisch. Denn wenn der Atheismus aus Ueberzeugung hervorgeht und dem Erkenntnis- triebe dient, dann muß er doch gerade nach den Prinzipien Lockes toleriert werden. Ein Mann wie Nietzsche hätte in der menschlichen Gesellschaft, wie sie sick. Locke denkt, keinen Platz. Ueber diese Gesell- schast hat sidj nun Locke allerlei sehr gute Gedanken gemacht. Er lehnt den macchiaoellistischen Diktaturstaat seines Zeitgenossen Hobbes (in dessen berühmter Schrift„Leviathan") ausdrücklich ab. Er be- hauptet, der Staat sei durch die sreie Uebereinkunft seiner Mitglieder zustande gekommen. Hier ist er ein direkter Borläufer Rousseaus. Und wenn man auch heute die Ding« nicht mehr so einfach ansieht, so gehörte doch damals großer Mut und ein sehr freier Sinn dazu, das auszusprechen. Locke war Demokrat durch und durch. Der Fürst steht unter dem Gesetz. Revolution ist berechtigte Notwehr des Volkes. Locke selbst war staatsmannisch häufig tätig, und so konnte er aus unmittelbarer Anschauung schöpfen. Dr. Haus Hartmann. Ter Philharmonische Chor �Begründer: Sicgfrieb Otfi») begebt im kommenden Winter die Feier seines äOjähngeil Bestehens. Als Fuknläums- konzert wird unter Leiiung des General Musikdirektors OttoKlemPerer die bf- M o l l- M e Is e don Bach onsacfiibrt. E.> iolat im zweiten Konzert die M> 1 1 a f o l c n> n i s von Beethoven. Tic Proben unter Leitung Klcmpcrer? haben begonnen. A n m eldungen singender und zuhörender Mltatieder sind z» richten an di« Geschästsstell« des Philhgrmoniichen Chors: Berun NW. 87, Holstciner User Ist. Studierende haben besondere Vergünstigung. Werblich« Fortbildung, turse. Tie Werkabteilung an der Kunstgewerbe. und Handwerkerschule der Stadt Berlin in Berlin O., Andreasstr. J— 2. peranstaltet vom i. Oklober an wiederum Abendkurst, die jederniann zugänglich sind. Borlesuna mit liehungen:„Tie Einfuhrung in die kauf- männischa Werbung". Tipl.-Hdl. Gras. Beginn: l. Oktoder. Praktikum sür Fortgeschrillene:„Tas Wcrbewcrk eines Grogbetricbes" TlPl.'Kaui- mann Wienköttcr. Beginn: st. Oktober. Tie Kurie finden von ist bis 21 Uhr im Hörsaal 41 der Kunstgewerbe- und Handwerkerschul« statt. Jede Vortrags- reihe kostet 4 M. Eintrittskarten werden bei Beginn der ersten Vorlesung im Geschästszimmer der Kunstgewerbe- und Handwertoschule autgegebe», Gewerkschafter unbeliebt? Rigoroser Abbau im Schiller-Theater. Die Leitung des«chiller-Theaters in Charlottenburg geht ab 1. September vom Staat auf einen Privatunternehmer über. Die neue Direktion hält es offenbar für die beste Einführung, wenn sie von vornherein zu erkennen gibt, daß sie keinerlei soziales Verständnis für die Arbeiterschaft hat. Anders kann man nämlich ihr Pcrhalten gegenüber den Stannnarbeitern des Schiller-Theaters nicht erklären. Von den 38 ständigen Theater- arbeitern, die teilweise schon jahrzehntelang in diesem Theater tätig sind, will die neue Direktion nur sechs übernehmen, weil ihr die übrigen ungeeignet für den Theatcrbetrieb erscheinen. Diese „Begründung" mutet um deswillen sehr seltsam an, weil unter den „ungeeigneten" Arbeitern, die nicht übernommen werden sollen, alle Gewerkschaftsfunktionäre sowie die Mitglieder des bisherigen Betriebsrates sich befinden. Nach dieser Bekundung ihrer antisozialen E i n st e l l u n g war es auch kein Wunder mehr, daß die Direktion dem Gesamt- verband den Abschluß eines Haustarifes anbot, der für den ge- lernten Bühnenarbeiter einen Stundenlohn von 83 Pf. vorsah, während in allen anderen privaten Berliner Theatern auf Grund einer mündlichen AbmachuiKj zwischen dem Gesamtverband und dem Verband Berliner Bühnenleiter ein Stundenlohn von 94,1 Pf. gezahlt wird. Als dieses Angebot von den Gewerkschafts- Vertretern zurückgewiesen wurde, zeigte sich, wie eng bereits die Fäden zwischen dieser neuen Direktion und dem Verband Berliner Bühnenleiter geknüpft sind. Es folgte von dieser Organisation zuni 39. September die Kündigung des Rahmentaris- Vertrages für die gesamten Bühnenarbeiter der privaten Berliner Theater. Die Direktion des Schillertheaters sollte also allem Anschein nach mit ihrem Haustarifentwurs für den Unter- nehmerverband Vorspanndienste leisten. Die Berliner Bühnenleiter sollen sich hüten, mit dem Feuer zu spielen. Die Stimmung unter den Bühnenarbeitern ist äußerst er- bittert. Diese Erbitterung ist auch zu verstehen, wenn man sich vor Augen hält, wie kümmerlich z. B. die Nähsrauen bei einem Stundenlohn von 50 Ps., die Schneiderinnen bei 6014 Pf. Stundenlohn und die Kassenportiers bei einem Stundenlohn von 7014 Pf. leben müssen. Die Bühnenarbeiter, die an ihre noch unorganisierten Kollegen den dringenden Appell zum Schließen der gewerk- schastlichen Kampfesreihen richten, sind jedenfalls nicht gewillt, eine Verschlechterung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen kampslos hinzunehmen. Die Arbeiter tragen das Risiko. Eisen- und Stahlwerk Hoesch legt acht Tage still. Dortmund, 29. August. Das Eisen- und Stahlwerk choesch, Köln-Neu-Essen, gab bekannt, daß es wegen Auftragsmangels gezwungen sei, den gesamten Betrieb vorübergehend stillzulegen. Die Stillegung erstreckt sich sür die Zeit vom 27. August bis zum 5. Septeinber einschließlich. Bisher waren nur immer einzelne Betriebe gezwungen, bis zu 14 Tagen auszu- setzen. Internationale des Postpersonals. Gegen die Politik des Lohnabbaue«!. £u;ern. 29. August. In den gefaßten Entschließungen wurde u. a. festgestellt, daß die niedrige Kaufkraft der Arbeitenden ein Faktor der Wirtschaftskrise sei und daß die Herabsetzung der Bezüge des Personals eine weitere Einschränkung der Nachfrage nach Gütern u>d Arbeitsleistungen mit sich bringen, die dazu beitragen, die Krise zu oerschärfen. Der Kongreß verurteile deshalb die Politik des Lohnabbaus. Die eigentlichen Berufsfragen erstreckten sich u. a. auf die Frage der Dienstbcsörderung, die grundsätzlich nach dem Dienstalter- Prinzip vorzunehmen sei. In bezug auf die hygienische Frage in den Post-, Telegraphen- und Telephonbetrieben ersucht der Kongreß die angeschlossenen Organisationen gemeinsam mit ersten Ingenieuren und Architekten, die Probleme der Berufskrankheiten, der Ilebermüdung, der frühzeitigen Abnahm« der Kräfte infolge des Dienstes zu studieren. Ferner wird dafür eingetreten, dem Problem des Personal- Nachwuchses größte Sorgsalt angedeihcn zu lassen. Was die Rationalisierung und ihre Auswirkungen innerhalb der Post-, Telegraphen- uitd Telephonbetriebe anbetrifft, soll die bereits begonnene Materialsammlung durch das Internationale Selretarial Wien fortgesetzt werden. Zum belgischen Bergarbeiterstreik. Nach den Auslassungen der Zechenbesitzer können ihnen die Streikenden keinen größeren Gefallen tun, als weiterzustreiken. Während des siebcnwöchigcn Streiks hätten die Haldenbeständ« sich von 4 Millionen Tonnen im Juni aus 3,ö Millionen im Juli vcr- ringert, da die Produktion von 1,8 Millionen aus 738 990 Tonnen gesunken sei. Im August erwarte man noch günstigere Ergebnisse und rechnet damit, daß gewisse Kohlensorten, die knapp sind, im Preise steigen. Auch die Aktien stiegen im Kurse. Ist das richtig, dann ergibt sich die Frage, ob das Unternehmer- tum es nicht daraus anlegt, den Streik hinauszuziehen. Die Regie- rung wird in diesem Spiel erneut eingreifen müssen, wenn sie der Ncubelebung einer allgemeinen Generalstreikbewcgung vorbeugen will. Abbruch des Warschauer Beamtenstreits. Warschau, 29. August. Der vor drei Tagen ausgebrochcne Streik der Warschalter städti- schen Beamten und Angestellten ist heute früh abgebrochen worden, da die Stadt sich durch Lombardierung eigener Wertpapiere Geldmittel zur Auszahlung eines Teils der Gehaltsrückstände der Streikenden beschaffen konnte. Textilarbeiterstreik auch in Melbourne. Gegen eine Lohnkürzung van 15 Proz. sind 3509 Textilarbeiter in den Streik getreten. Die Unternehmer haben 13 Proz. Kürzung gefordert, um 714 Proz. durchzusetzen. Ihr dahingehender„Per- mittlungsvorschlag" wurde in einigen Bezirken in der Umgebung von Melbourne angenommen. 266 723 Arbeitslose in Frankreich wurden nach der amtlichen Statistik am 29. August gezählt, was einer Abnahme von etwa 2090 gegen die Porwoche gleichkommt. Sanjurjo ist bereits im Militorstrafloger von Dueso eingetroffen. Er wurde zunächst ärztlich untersucht und muhte dann die Straf» jltngstracht anlegen. Rundfunk der Woche Die Front der Hörer Der Artikel„Streik oder Mitarbeit", der vor einer Woche an dieser Stelle erschien, hat uns zahlreiche Zu- f ch r i f t e n eingebracht. Nicht alle erklären sich mit uns cinver- standen.„Weshalb noch warten?" fragen einige Leser: wir erleben doch, wie von Tag zu Tag der Rundfunk nationalsozialistischer, arbeiterfeindlicher wird.„Ich habe abbestellt, und die meisten meiner Bekannten haben es auch längst getan", heißt es in einem dieser Briese. Da der Schreiber zwar seinen Namen, nicht aber die genaue Adresse angegeben hat, möchten wir ihn an dieser Stelle bitten, sieh auf jeden Fall der Front der werktätigen Rund- funkhörer anzuschließen und auch sein? Bekannten dazu zu veranlassen. Kosten entstehen dadurch nicht. Die Front werktätiger Rundsunkhörer ist im Rahmen der Eisernen Front gebildet, um durch einen Massenaufmarsch den Rechten der Arbeiterschaft am Rundfunk Geltung verschaffen zu können. Um ihr beizutreten genügt es, eine Erklärung, daß man bereit ist, alle entsprechenden Kampfmaßnahmcn zu unterstützen, mit Namen, Wohnort und genauer Adresse zu unterschreiben und an den Arbeiter-Radio-Bund, Berlin SW. 61, Gitschiner Straße 93, zu senden. Es gilt, diese Front zu stärken, wenn man ein wirkungsvolles Vorgehen gegen den heute den Nazis und Militaristen preisgegebenen Rundfunk wünscht. So sehr es zu verstehen ist, jiaß viele verärgert und empört schon heute ihren Rundfunk abmelden möchten, so muß doch immer wieder betont werden, daß nur jene, die Rundfunk- Hörer bleiben, den Kampf gegen die Reaktion tatkräftig mitführen können, gegen die Reaktion, die sich ja leider nicht nur i m Rund- funk, sondern vor allem auch durch ihn breitmachen will. Das muß heute klar erkannt werden: der Rundfunk sott als systematisches Erziehungsmittel eingesetzt werden, um das Boll, um die Mütter, um die Fugend unmerklich im Ungeist der Reaktion und des Militarismus umzubilden. Der nationalsozialistische Vortragsbrei, den Pg. Scholz feit seiner Regierung als Reichsrundsunkkommissar in die Sendeprogrannne strömen ließ, spielt zwar für die beabsichtigte Gehirnverkleisterung keine unwichtige, aber doch eine nebensächliche Rolle. Er ist sozu- sagen eine Konjunkturströmung. Herr Regierungsrat Erich Scholz entfaltete ja bekanntlich sein nationalsozialistisches Herz erst unter der Rcgierungssonne, die dieser Blüte besonders üppiges Gedeihen verhieß, und es floß vor Gesinnung über. Bei ungünstigerer Jahres- zeit wird sich das wieder geben. Man könnte sich sogar denken, daß eines Tages ein Personenaustausch aus dem Pasten des Rcichsrund- funkkommisfars statlfindet. Das würde allerdings das Einkommen des Herrn Scholz von 49 099 auf etwa 12 990 Mk. im Jahr ver- mindern, sonst aber weiter keine schädlichen Folgen für ihn haben, da er sich in weiser Voraussicht seine Beamtenstellung als Regierungsrat offen gehalten hat. Die Regierung könnte ihn also im Notfall„opsern", ohne ihm allzu wehe zu tun. Es ist wichtig, diese Zusammenhänge zu betrachten, wenn man den Umbau, der im deutschen Rundfunk jetzt vor sich geht, richtig be- urteilen will. Der Nationalsozialist Erich Scholz war«ine Kon- Zession an die„a u f b a u w i I l i g c n K r ä f t e", die die Frei- herrenregierung zu stützen versprochen hatten. Die ungeschickt betonte Parteizugehörigkeit zu den Nazis mag dem Vorgesetzten des Reichs- rundfunkkommissars, dem Reichsinnenminister Freiherr» v. G a y l, schon aus taktischen Gründen nicht immer sympathisch sein: die kaschierten, substanzlosen Vorträge des Pg.s, für die das Mikrophon augenblicklich eine recht ergiebige Futterkrippe geworden ist, dürsten ihn kaum interessieren. Die überstürzten, allzu lärmend betriebenen Herauswürfe politisch unliebsamer Persönlichkeiten aus dem Rund- sunk-..Tendenzbetrieb" werden bereits wesentlich geräuschloser vor- genommen, erst recht die Hereinnähme der erwünschten, die kaum noch hör- und sichtbar erfolgt. Man hat nach der Eroberung des Rundfunks ziemlich rasch gelernt, daß Lautlosigkeit auf diesem Ge- biete die klügere Taktik ist. Dagegen werden wir wahrscheinlich sehr bald eine geräuschvolle Kulturwelle vom Rundsunk seben. Vorläufig wenigstens nicht„Kul- tur", sondern Kultur ohne Anführungsstriche. Wir haben es ja dazu. Zwar nicht erst seit heute uns morgen. Aber die Zeit für die Kulturpropaganda ist reif. Unter ihrem Schutze läßt sich der Rund- sunk, wenn man es einigermaßen geschickt anstelh auf die Gleise von vorgestern schieben und dort feststellen, ohne daß die Mehrzahl der Hörer es merkt. Steht er erst dort, so kann man in ihn ein- und ausladen was man will, kann ihn mit nationalsozialistischer Geistesarmut oder mit für den Gebrauch des Volkes leicht beaibeitete» Kulturgütern füllen. Die eigentliche, die gehaltvolle Substanz dieser Fracht wird immer Reaktion und Militarismus sein. Wir müssen der Regierung und vor allem dem Reichsrundsunkkommissar dankbar sein, daß sie in der ersten Eile sich nicht die Zeit nahinen, das Licht der Oeffentlichkeit abzublenden. Wer irgend Augen und Ohren ofsen hielt, hat bereits genug erfahren Aber viele Menschen sind leider sehr schlechte Beobachter Viele Hörer sind heute weit mehr darüber verärgert, daß ihre persönlichen Bs- dürfnisse und ihre eigene sozialistische Gesinnung von den Rundsunk- Programmen zur Zeit so völlig mißachtet werden, als entrüstet über die umfassende Polksverbildung. die mit seiner Hilfe in die Wege geleitet wird. Diese Volksvcrbildung gilt es zu ocriolgen. Immer breitere Kreise, alle die unausmerk- samen, gedankenlosen Hörer, müssen sich ihrer bewußt werden. D-zu wird sie kein NichtHörer bringen, der nur noch in allgeineinen Wendungen seiner Unzufriedenheit an den Rundsunkprogrammen Ausdruck geben kann, fondern nur jener, der kritisch die täglichen Darbietungen verfolgen und ihren Sinn mit anderen Hörern durch- sprechen kann. Die Dinge liegen ja selbst heute nicht so. daß etwa das ganze Rundfunkprogramin in Bausch und Bogen zu verdammen wäre. Es gibt so viele neutrale Darbietungen, sür die man an maßgebender Stelle gern die wirkungsvoUsten. gefälligsten Formen sucht. Daß dabei nicht immer viel herauskommt, liegt sicher nur an den schwachen Kräften, die zum großen Teil Folge oder Wirkung des Großreinemachens sind. In diesem Punkt kann der Hörer unbesorgt sein: solange w-r nicht gerade eine Nazidiktatur haben, wird alles mögliche getan werden, den Schaden zu bessern. Man wird sogar noch mehr tun: man wird die Volksttimlichkeit liebevoll pflegen, oder jedenfalls das, was ein großer Teil des Volkes noch darunter versteht: gefühlvolle oder unausregend erheiternde Unterhaltung und sanft bildende Vorträge. Diese„volks- tümliche" Richtung ist bereits deutlich erkennbar eingeschlagen worden. An sich wäre dagegen nicht allzuviel einzuwenden: erst recht nichts gegen die ihrer Natur nach nicht zeitgebundenen, wertvollen kulturellen und künstlerischen Veranstaltungen. Doch hinter allem schieben sich heute in möglichst sicherer Deckung die Reaktion und der Militarismus ins Volk. Welchen Sinn hat es, n-e»n wir, die wir gegen diese geheimen Kräfte durch unsere sozia- listische, gewerkschaftliche Schulung gefeit sind, durch einen Hörerstreik das Feld räumen? Die Arbeiterschaft, die einen geistig gesunden, lebendigen Rundfunk will, ist heute ohne Zweifel unter den Rund- funkhörern die Mehrzahl: die Arbeiterschaft, die imstande ist, den heute vor den Mikrophonen mit allen möglichen lebendigen Zutaten gespielten Jllusionsakt als faulen Kulissenzauber zu erkennen, ist, das muß gesagt werden, zur Zeit noch in der Minderheit. Nur der Wissende kann sie aufklären. Es ist bereits an dieser Stelle betont worden, daß ein Hörerstreik heute einen empsindlichen wirtschaftlichen Schaden für das Reich bedeuten würde: noch aber könnte dieser Streit zu einem empfindlicheren geistigen Schaden sür das deutsche Volk, für das Ansehen des deutschen Volkes in der Welt werden. Denn nun erst könnten sich völlig ungehindert Reaktion und Militarismus auf der drahtlosen Welle tummeln. Jeder ein.zclnc Hörer hat die Macht und die Pflicht, diesen Kräften Einhalt zu gebieten: als Einzelgänger vermag er nicht viel zu erreichen, wohl aber, wenn er als Glied wirkt der großen prole- tarischcn Gemeinschaft, die er werbend vergrößern helfen muß. Dez. 1. Abt. Unser lieber Genasse Julius Tarach. Gartenstr. 7, ist nach längerem Leiden verstorben. Ehre seinem Andenken. Ein- äscherung Dienstag, 30. August. 1314 Uhr, Krematorium Gericht- straße. lim rege Beteiligung wird gebeten. 46. Abt. Frauenabend heute, 1914 Uhr, bei Chwilkowski, Wrongelstr. 67. Thema:„Unsere Forderungen— Verminderung der Not." Reserentin Ruth Schulze-Gevernitz. Wetter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig, wenig veränderte Temperaturen, leichte nordöstliche Winde.— Für Deutschland: Im Westen, abgesehen von Morgennebeln, vielfach heiter und am Tage wärmer, im übrigen Deutschland walkiges Wetter ohne wesentliche Temperaturänderung und ohne bemerkenswerte Regenfälle. Berantwortl. silr die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin! Anzeigen: Ott» Hengst, Berlin. Berlaa: Vorwärts Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstr.? Hierzu 1 Beilage. Tiieatsl', Lichtspiele usw. S ff&als ta Theater Staatsoper Unter den Linden Wiederbeginn der Spielzeit Donnerstag, 1. September, 20Uhr; Slzllianische Vesper Dirigent: Kleiber de Strozzi. Rnziczka, Wittriscfa, Gro�mann, List, Abendroth Vorverkauf täglich bei den bekannten Verkaufsstellen. staatliches Schauspielhaus Montag, den 29. August Geschlossene Vorstellung 20 Uhr Eg mont plAza Xnr noch 3 T a(f e! Kabale und Liebe Rose- Theater Orah frulftrtir Str»!« 132 Iii. Wiidiul l 1 3422 8.30 Uhr Herzdame OartenbUhne SJO Uhr Renzert u. Variete FraAUigslolt SlüdLOper Charlottcnburg Frauenhofer 0231 Momag, 29. August Voiksvorstellung Kein Kartenverkauf Anfang 20 Uhr Die Banditen Dirig.: H U.Müller Pfahl, Nikolaiewa, Eisinger, ßurgwin- kel, Lingen, Kandl, Egenlauf STnfecate im A Vorworts slchcru Erfolg! W'nteäi. • Garten- ü Uhr 15. Flora 3434. RaoOien en. Taps& Tempo, RemosComp. 4Richys, Sealtiel.M.&C.Mayo Levanda, Hunter& Bcbette •v.uvr CASIflO- THEATER � Lothringer Strohe 37. iiiiiiiiiiiMiimiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiimiii Berlin kann wieder lachen! Annemarie das kleine Tanzmädel Volksoperette— Musik von Gilbert Vorher ein bunter Teil. Preise 0.50 M, 0,75 M. und 1,— M. Jeden Stg. nedim. 4 Uhr die ganze Vorstg. 211 kl. Pr. «WM ResfauW Berlins Montag, 19. August nadimUiagt 3 Uhr uoiKsDQhne Theater am BUlouipi. 29.(ug. bis 4. September 8'/. 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Pllsator am Halleschen Ter der'/a Liter 30 Pf. föellage Montag, 29. August 1932 MUrntÜ dox ItoYUHxs�i Wa& hi HuituxM&cke Jyic TetnicfiiuMg dei(Sfrauhaubeb in dbcMau! Die Verkehrung aller Begriffe ist in dieser erfreulichen Zeih als Folge des allgemeinen Krieges gegen Vernunft und Menschlichkeit, so weit gediehen, daß man sich an den einfachsten Beispielen klar- machen muß, was„K u l t u r b o l f ch e w i s m u s" ist. Ein Schlag- .wort natürlich, das jede Partei in anderem Sinne gebraucht. Soll es aber überhaupt einer Vorstellung entsprechen, hinter der Tatsachen stehen, so muß man es wohl als kulturzerstörend, als Negation echter Werte, interpretieren: nicht aus logischer Konstruktion(denn Bolsche- wismus ist doch wohl nicht gleichbedeutend mit„Zerstörung"), son- deern aus volkstümlicher Empfindung heraus. Nun soll sich ein umstrittenes Werk wie das D e s s a u e r Bau- h a u s mit diesem zwar unlogischen, aber nicht ganz unklaren Begriff auseinandersetzen. Die Reaktionäre der Dessauer Stadtverordneten- Versammlung haben mit genügender Majorität die Aufhebung des Bauhauses zum t. Oktober beschlossen. Ihr wahrcH Motiv kann nur der Glaube gewesen sein, damit ein„kulturbolschewistisches Zentrum" zu vernichten, wie ja in der Tat seit Jahr und Tag in ihrer Presse zu lesen stand. Untersuchen wir also, was das Bau- Haus war und was es geleistet hat. Es wurde 1319 von dem Architekten Walter G r o p i u s im Auftrag des Thüringer Staates an Stelle der Weimarer Kunftge- werbejchule eingerichtet, die ein Werk Henry van de Veldes mar. Es sollte dessen Tradition in einer gewandelten und strengeren Be- deutung fortsetzen: sein Sinn war,"den allseitig gebildeten Künstler auf der Grundlage des„Baues" zu erziehen, als einen schöpferischen Menschen, der die Kunst allseitig begriff und aufzubauen verstand, der aus tiefster Kenntnis und Beherrschung der Natur und ihrer organischen Formen eine neue und naturhafte Tektonik erlernte und ebenso imstande war, Gebäude aus ihrem Zweck heraus zu errichten, wie sie mit Wandbildern sinnvoll zu versehen, sachliche Möbel aus zeitgemäßen Materialien(Stahl und Glas z. B.) zu konstruieren, schöne Gewebe und Gefäße aus Naturstoffen zu be- reiten, wie Bilder zu malen oder Tanz und Schauspiel aus der Be- wegungsfunktion des Menschenkörpers zu entwickeln. Daß dieses Programm erstillt wurde, soweit es ein kaum vier- jähriger Versuch erlaubte, bewies die erste Ausstellung in Weimar im Spätsommecr 1923, die jedem unvergeßlich sein wird, der sie gesehen hat. Aber ez regten sich schon damals feindselige Kräfte, denen alles Neue und Zukunftsreiche ein Greuel war, und zwei Jahre später wurde das Bauhaus aus Weimar ver- tr i e b e n. Aber Gropius und die Seinen fanden in Dessau, dank der energischen Initiative des einsichtsvollen Oberbürgermeisters, eine neue Heimstätte. Hier ensttanden die großartigen Bauten der Schule, der Meister- und Schlllcrhänser, die 1926 bei ihrer Ein- weihung die Bewunderung der ganzem Welt erregten und Anlaß wurden, daß man fortan die ganze„funktionalistische" Bauart als „B a u h a u s st i l" bezeichnete. Obwohl nun hier im geichen Geiste weitergearbeitet und immer bessere Resultate, vor allein in der Weberei, Möbelbau und Innen- cinrichtung erzielt wurden, fand das Bauhaus keine Ruhe. Gropius verließ sein Werk, um sich in Berlin ganz seinen architettonischen und Siedlungspläncn zu widmen: politischer Radika- lismus fand in unziemlicher Weise und leider unterstützt von einer schwachen Direktion Eingang, störte das sriedliche Einvernehmen von Schülern und Meistern und bot der nie rastenden Reaktion in Dessau den Vorwand zu heftigen Angriffen. Als dann 1930 Mies v a n d e r R o h e die Leitung übernahm und das Bauhaus von kommunistischen Auswüchsen reinigte, war es schon zu spät. Die Gegner aller modernen und selbsterzieherischen Kultur ruhten nicht mehr, bis sie das hoffnungsvolle Werk gründlich zerschlagen konnten— was vor einigen Tagen geschehen ist. Daß radikale Schülerocreinigungen nicht identisch sind mit der Idee und der Tatsache des Bauhauses, müßte jedem Einsichtigen klar sein. Hier ist etwas Bedeutsames und Hoffnung s- volles vernichtet worden: und mir scheint, diese Zerstörung, und nicht die positive Leistung des Bauhauses muß man„kultur- bolschewistisch" nennen. Die Bandalentat der Dessauer Ortsgewal- tigen liegt auf der Linie der kulturzerstörcnden Tätigkeit unseres sogenannten Faschismus. Ob das Bauhaus in Berlin oder an anderer Stelle seine Auserstehung seiern wird, steht dahin: es wäre zu hoffen, aber ich fürchte, es wird nicht sein. ?aul F. Schmidt. Goethefeier in Krankfurt a. M. Eine Friedensrede Gerhart Hauptmanns. Ztanksurk a. IN., 29. August.(Eigenbericht.) Mit einer Feier in der Frankfurter Paulskirche und der Ueber- gäbe des Goethe-Preises an Gerhart Hauptmann fand die große Frankfurter Goethe-Gedächtniswoche ihren Abschluß. In der Pauls- kirchc begrüßte Oberbürgermeister Dr. Landmann den Dichter Gerhart Hauptmann und Reichsinnenminister von Gayl, der als Vertreter der Reichsregierung und der Länderregierungen erschienen war. Dieser führte aus:„Es ist selbstverständlich, daß die Regierung des Deutschen Reiches, gleichviel welch politisches Antlitz sie tragen mag, sich zu dem größten Dichter und geistigen Gestalter ihres Volkes bekennen muß und daß sie in vorderster Reihe derer zu stehen hat, die Goethes Geist heute huldigen. Wir sind uns klar darüber, daß die Kultur eines Volkes niemals durch amtliche Maßnahmen einer Regierung, niemals durch Gesetz und Paragraphen erweckt, geleitet und zu bestimmten Stufen gebracht werden kann. Die Reichsregie- rung wird inmitten des Lärms und der geistigen Verwirrung unserer Tage im Geiste Goethes ihren Aufgaben gerecht werden." Dann sprach, mit minutenlangen Hochrufen begrüßt, G e r h a r t Hauptmann die Huldigung für Goethe:„Darin liegt der Sinn des Festes, das wir in dieser Stunde feiern: Bodenständig von einer herrlichen Scholle ausgehend verbreiten wir uns mit dem grenzen- losen Geiste Goethes über die ganze Mcnschenwclt und empfinden, erhaben über alle Kleinlichkeit und Erbärmlichkeit: Es ist e i n Himmel, der sich über die Erde spannt, es ist eine Erde, die wir bewohnen, e i n Herz, das in allen Menschen schlägt. Kultur, geistiger Ueberfluß, geistiges Schenken an all«. Menschlichkeit, Humanität, verstehende Liebe, überall ist es, was wir zu dieser Stunde im Zeichen Goethes seiecn, im Zeichen Goethes, im Zeichen des Friedens" Mehr als 100 M» Menschen hatten sich äm Sonnabendabend zu einem Volksfest am Main zusammengesunden, um die sestliche Be- leuchtung der einzigartigen Silhouette der Stadt Frankfurt und ein großes Feuerwerk zu bewundern. Am Sonntagvormittag erschien trotz strömendem Regen Zeppelin" über der Stadt, zog zahlreiche Kreise und warf riesigen Lorbeerkranz über dem Geburtshaus Goethes ab. „Graf Zwei Tage Rundfunk. Militärfilmreklame, Goethe und ein Scherz. Ein Herr namens Wolf Zell er trat am Sonnabend vor das Mikrophon der BerlinerFunkstunde. Man brauchte nicht lange hinzuhören, um zu erkennen, daß seine dunklen Ergüsse über„A r b e i t e r m y t h o s" aus dem nationalsozialistischen Phrasenschatz für Rundfunkredner gespeist wurde», der ja nicht gerade reich ist, dafür aber sich mit allem, außer mit geistiger Sub- stanz mühelos oerbindet. Und von geistiger Substanz war in diesem unheimlichen Seelenkleister nichts zu spüren. Sehr viel ernster zu nehmen waren die Ausführungen FranzKöppens in der Reihe „10 Minuten Film" Die zehn Minuten sollten Stimmung machen für den n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch- m i l i t a r i st i s ch c n Film und darüber hinaus für den Militarismus überhaupt. Herr Franz Köppen verstand sein Werk. Unter dem Schutz einiger trcsfcnder kritischer Wendungen unternahm er seinen Vorstoß: für Ausrüstung. für die Verbreitung dieser Gesinnung durch die netten kleinen Kurz- filme der neugegründeten ,.P a t r i a"- G e s e I l s ch a f t, die. wenn uns nicht alles täuscht, liebevoll vom Reichswehr mini st erium genährt wird. Am Sonntag feierten wir Goethes Geburtstag. Die aus Frankfurt a. M. übernommenen ofsiziellen Veranstaltungen waren teils schön, teils nützlich zu hören. Eine literarische Stunde„Z u Goethes Geburtstag", die von der Funkstunde veranstaltet wurde, verlief daher merkwürdig lahm, trotz einer verhältnismäßig guten Stosfauswahl. Aber die meisten Sprecher waren teils schlecht gewählt, teils unzureichend vorbereitet. Am Abend wurden aus Königsberg auf den Deutsch- landsender klassische Serenaden übertragen. Da sich darunter für preußische Militärmusik nicht gut ein Platz finden ließ, wurde wenigstens in den erläuternden Zwischensätzen die eigenartige„Be- lehrung" untergebracht, daß die gerade Fortsetzung dieser volks- tümlichen Musik in den— heutigen Militärmärschen zu finden sei...!__— lz- Deutsche BauaussteNung in Rußland Am 13. September wird in Moskau eine'Ausstellung z e i t g e n ö f j i j ch e r deutscher Architektur eröffnet, die anschließend in. Leningrad und Charkow, wahrscheinlich auch in Tislis gezeigt werden wird. Zusammengestellt ist sie im Austrag der Deut- schen Kunstgemeinschast und in Verbindung mit der Leipziger Bau- messe von Dr. Alfred Kuhn, der schon wiederholt gute Aus- stellungen deutscher Kunst im Ausland zusammengebracht hat. Es fehlt, von P o e l z i g und T e s s e n o w bis zu den Jüngsten, wie L u d e w i g und Z w c i g c n t h a l, kaum eine Name von Be- deutung: und neben den Photos und Plänen und einigen Modellen wird eine Sonderschau der Leipziger Baumesse über die moderne Bautechnik und die Materialien unterrichten: Lichtbild- und Filmoor- träge sollen das Wirken unserer Bauindustrie schildern. Da durch die Berufung von Ernst M a y und mehrerer anderer namhaster Archückten die deutsche Baukunst bereits aufs vorteilhafteste in Ruß- land eingejührt ist, kann man von dieser vorbildlich organisierten Schau nur das Beste sür die Wirkung unserer Architektur erhoffen. Es wäre zu wünschen, daß man unsere gesamte gegenwärtige Kunst derart überall im'Ausland propagieren möchte. p. C- sch. Theater billiger als Kino. Am 2!>. August beginnt die Volksbühne mit ihrer zweiten Terie von Werbevvrstellungeu. die bis zum 1.-oeptember reicht. Zur Ansstihrnng gelaugt die Komodie von Cvlantuvni und Stcmmle „«cid ohne Arbeit", Regie: Güntber Stark Ticsc Wcrbcanssiibrinigcn sind icdermann auf alle» Plätzen siir ölt Pf. zugänglich, Zettel und Kleiderablage eo»,, o„v4„**\nrtvXo,,„„„„„in» doch so, daß Verwandte und Vekannte frei. Die Karten werden ausgelost nebeneinander sitzen können. Die n buhne betragen 1,30 M. ic normalen Aufsübrungsbeitröge der Volks- Ver§£tsmng&ßoH(jiiäi 1861 £inc zeitgemäße Crinnelung von(D.fp.Wlaycr Ueber die Heeresvorlage war es zwischen der preußischen Regierung und dem preußischen Abgeordnetenhaus zu einem schweren Konslikt gekommen. Der Landtag mit einer überwiegenden fortschrittlichen und liberalen Mehrheit stand der Neuordnung des preußischen Heeres oppositionell gegenüber: die oppositionelle Mehr- heit lehnte die dreijährige(statt der seitherigen zweijährigen) Dienst- zeit ab und ersuchte die Regierung, die versucht hatte, die Mehr- kosten der Hceresvorlage auf andere Etatsposten zu verteilen, den Etat in allen Einzelpositioncn zu spezifieren. Die Regierung sah keinen Ausweg mehr und erklärte am 8. März 1862 ihren Rücktritt. König Wilhelm I. nimmt aber den Rücktritt des Kabinetts nichr an und löst den Preußischen Landtag auf. Erst dann wird ein neues Kabinett ernannt, in dem füns Konservative als Minister sitzen. Die„Neue Aera" ist zu Ende. Der Kampf um die Heeresvorlage geht weiter. Das bisher vom Landtag bewilligte Provisorium wird vom Budgetausschuß des Parlaments abgelehnt. Die Regierung beruft sich aus eine Lücke in der Verfassung, sofern keine Einigung zwischen Parlament und Regierung zustande kommen könne. Der König ist zuin Widerstand entschlossen. Am 16. September 1862 lehnt der Landtag mit 273 gegen 68 Stimmen den ersten Titel des Provisoriums ab. Der Kriegsminister von R o o n schlägt dem König die Berufung Bismarcks als preußischen Ministerpräsidenten vor. Der preußische Gesandte in Paris, Herr von Bismarck, wird am Nachmittag des 22. September vom König im Schloß Babels- bcrg empfangen. Bismarck hat in seinen..Gedanken und Erinnerun- gen" jene denkwürdige Unterredung mit Wilhelm I. aufgezeichnet. Der König war zur Abdankung entschlossen.„Ich will nicht regieren, wenn ich es nicht so vermag, wie ich es vor Gott, meinem Gewissen und meinen Untertanen verantworten kann. Das kann ich aber nicht, wenn ich nach dem Willen der heutigen Majorität des Landtags regieren soll, und ich finde keine Minister niehr, die bereit wären, meine Regierung zu führen, ohne sich und mich der parlamentarischen Mehrheit zu unterwerfen. Ich habe mich deshalb entschlossen, die Regierung niederzulegen und meine Abdikationsurkunde(Abdankungsurkunde), durch die angeführten Gründe motiviert, bereits entworfen." Bismarck erklärt dem König seine Bereitschaft, in das Mini- sterium einzutreten: er sei gewiß, daß Raon mit ihm bleiben werde und er zweifle nicht, daß die weitere Vervollständigung des Kabinetts gelingen werde, salls andere Mitglieder sich durch seinen Eintritt zum Rücktritt bewogen fühlen sollten. Nach dieser Er- klärung stellte der König Bismarck die Frage, ob er bereit sei. als Mini st er sür die Militär reorganisation einzutreten und dann, nach Bismarcks zustimmender Antwort, die weitere Frage, ob er die Reorganisation des Heeres auch gegen die Majorität des Landtags und dessen Beschlüsse vertreten wolle. Bismarck bejahte auch diese Frage und Wilhelm erklärte nunmehr, es sei seine Psticht, mit Bismarck die Weiterführung des Kampfes zu versuchen und nicht abzudanken. Bismarck nimmt diese Situation zum Anlaß, seine grundsätzliche Staatsauffassung in knappster Form zu umreißen:„Es gelang mir, ihn(den König) zu überzeugen, daß es sich für ihn nicht um Konservativ oder Liberal in dieser oder jener Schattierung, sondern um königliches Regiment oder Paria in entshcrr- fchaft handle, und daß die letztere unbedingt und auch durch eine Periode der Diktatur abzuwenden sei. Ich sagte:„In dieser Lage werde ich, selbst wenn Eure Majestät mir Dinge befehlen sollten, die ich nicht für richtig hielte, Ihnen zwar diese meine Meinung offen entwickeln, aber wenn Sie auf der Ihrigen schließlich beharren, lieber mit dem Könige unter- gehen, als Eure Majestät im Kampfe mit der Parlamentsherrschaft im Stiche lassen." Diese Ausfossung war damals durchaus lebendig und maßgebend in mir. weil ich die Negation und die Phrase der damaligen Opposition für politisch verderblich hielt im Angesicht der nationalen Aufgaben Preußens und weil ich für Wilhelm I. persön- lich so starke Gefühle der Hingabe und Anhänglichkeit hegte, daß mir der Gedanke, in Gemeinschaft mit ihm zugrunde zu gehen, als ein nach Umständen natürlicher und sympathischer Abschluß des Lebens erschien." Der neue Ministerpräsident stieß in der preußischen und deutschen Öeffcntlichkcit auf ein Maß von Ablehnung und Feind- schaft, das beispiellos war. Am Tage der offiziellen Ernennung Bismarcks wurde die ganze Heeresvorlage mit überwältigen- der Mehrhe i t, gegen 11 Stimmen, gestrichen. Was tut nun Bismarck? Er zieht den ganzen Etat für das Jahr 1863 zurück und erklärt im Landtag, daß der Etat nur mit der gleichzeitigen Verabschiedung eines Gesetzes über die militärische Dienstpflicht möglich sei Bismarck weicht also der oppositionellen Mehrheit aus. In der Ausschußsitzung der Etatskommission wird der Fuchs jedoch gestellt. Er dürfe sich nicht auf eine Lücke der Verfassung berufen, ein Etat müsse vorgelegt werden Es sei die Aufgabe der Regierung, die ver- sassungsmößigen Instanzen: Landtag, Herrenhaus und Regierung, in Einklang zu bringen. Bismarck erwidert gereizt: es gebe Wichtigeres als solche doktrinären innerpolitischen Auseinander- setzungen.„Die großen Fragen der Gegenwart", erklärt er,„werden nicht durch Reden und Parlamentsbeschlüsse gelöst werden, sondern durch Blut und Eisen!" Der autoritäre Machtpolitiker hat in jäher Aufwallung die Maske gelüftet— durch ganz Deutschland geht ein Ausschrei des Entsetzens. Der König, auf Besuch in Baden-Baden, kehrt sofort nach Berlin zurück. Sein Ministerpräsident sängt ihn in kluger Voraus- ficht in Jüterbog ab. Der König, ist verstimmt und unsicher, was er tun soll. Soll er Bismarck entlassen, wie ihm in Baden ein- geflüstert wurde? Der König und Bismarck sitzen allein in einem Abteil erster Klasse. Düstere Worte sagt der König:„Ich sehe ganz genau vorvus, wie das alles endigen wird. Da vor dem Opernplatz, unter meinen Fenstern, wird man Ihnen den Kopf abschlagen und etwas später mir." „Et apres, Sire? Und dann, Majestät?" erwiderte Bismarck verhalten. „Ja, apres, dann sind wir tot!" gab der König zur Antwort... „Eure Majestät sind in der Notwendigkeit, zu fechten, Sie können nicht kapitulieren, Sie müssen, und wenn es mit körperlicher Gefahr wäre, der Vergewaltigung entgegentreten."„Je länger ich in diesem Sinne sprach, desto mehr belebte sich der König und fühlte sich in die Rolle des für Königtum und Vaterland kämpfenden Offiziers hinein." Schon vor der Ankunft in Berlin, so berichtet Bismarck in seinen Lebenscrinnerungen weiter, geriet der König„in eine heitere, man kann sagen fröhliche und kampflustige Stimmung..., die sich den empfangenden Ministcrn und Beamten gegenüber auf das unzweideutigste erkennbar machte." Bismarck blieb. Das Preußische Herrenhaus indes lehnt den ihm vom Landtag überwiesenen Etat ab und stellt unter Zustimmung des Minister- Präsidenten den im Landtag zurückgezogenen Regierungsetat wieder her. Wie nicht anders zu erwarten, erklärt der Landtag das Ver- fahren des Herrenhauses für ungesetzlich. Die Tatsache des offenen Verfassungsbruches war gegeben. Bismarck vertagt den Landtag auf unbestimmte Zeit und erklärt, auch ohne ordnungsgemäßen Etat zu regieren! Wenn sich Bismark auch späterhin bemüht hat, den Bruch, den diese Handlung damals und später im preußischen und deutschen Ver- iassungslebcn hinterlassen hat, zu verkitten, es gelang ihm nie. Die Erinnerung an die Konfliktzeit blieb lebendig und keine deutsche Regierung wird es je wieder wagen dürfen, ähnliche Wege zu gehen, wenn sie nicht eine Gefahr heraufbeschwören will, die Bismarck damals, während der Konfliktzeit, Freunden gegenüber in die Worte kleidete: „Mir scheint, als oh es möglich fei, daß dieser Staat schon dem Untergang geweiht ist..." Polen Sieger im Europaflug Poss und Morzik belegten 2. und 3. Platz Wie zu erwarten, ist der Pole Zwirko mit 481 Punkten Tieger imX Sek..— Zugcndrennen über Z Kilometer: 1. Ludwig 2 Min. 33-- Sek.: 2. Münch 2 Min. 39 Sek.— Iugendrennen iPunktefahren) über ö Kilometer: 1. Münch 20 P.: 2. Langmeier 10 P.— Punktefahren fHauptklasse) über 6 Kilometer: l. Unser 20 P.: amei Runden zurück: 2. Lüdtke 12 P.; 3. Dietrich S 33.— Seschicklichkcitöfahren über 5 Kilometer: L Dietrich 0 Straf. punkte: 2. Schubert I Strafpunkt.— Mannschaftsrennen über 10 Kilometer: 1. Sachtleben-Herzog 25 P.; 2. Rindflcifch-Unger 15 P.; 1 Runde zurück: 3. Ludtie-Nitschke 7 P.— Achter. Farbcnrcigcn: Bezirksmeister Ortsgruppe Steg- litz. 15 P.: 2. Ortsgruppe Schönebera, 41,5 P.; 3. Ortsgruppe Charlottenburg,' 44 Punkte.— Bierer.Kunftreigen, Klasse B: Bezirksmeister Ortsgruppe Schöne- berg.— Scchser-Schulreigen: Bezirksmeister Ortsgruppe Stegich.— Bierer- Stcucrrohrrcigen: Bezirksmeister Ortsgruppe Steglitz.— Eincr-Aunstfahren: Ählbcrg- Caputh 14,42 P.— Sechscr-Einradrcigen: Bezirksmeister Ortsgruppe Rowawes.— Awcier-Radvolospiel Steglitz— Oberschöneweide 4: 3 für Steglitz.— gweier-Radballfpiel Steglitz— Schöncbcrg 7:4 für Steglitz.— Dreier-Radpolospiel Steglitz— Oberschöneweide 3:2 für Steglitz.— Dreier-Radballspiel Rowawes— Schöncbcrg 2:1 für Rowawes._ Steher-- W eltmeisi erschaft in Rom am Montag Am Sonntagnachmittag gingen in Rom und Umgebung mit starken Regeniällen verbundene Gewitter nieder, die sich bis zum Abend hinzogen. Unter diesen Umständen war natürlich an die Austragung des Endlauies zur Steher-Weltmeifterfchaft über 100 Kilometer nicht zu denken, und so wurde dos Rennen, an dem Sawall, Möller, Paillard, Linart und Lacquehay teilnahmeberechtigt sind, um 24 Stunden, mif Montagabend 9 Uhr verlegt. Hertha BSE. schlägt Tennis-Borussia. Bei dem Verbandspokal- spiel der bürgerlichen Fußballer gewann der Altmeister Hertha- BSC. gegen seinen alten Rivalen und diesjährigen Verbandsmeister T e n n i s- B o r u s s i a mit 5:2, nachdem die Tennis-Borussen be- reits mit 2: 0 in Führung lagen. Die„!Uaturfreunde".Laldursahrt nach dem Uedersee ist ausverkauft. Die gleiche Fahrt findet noch einmal am 24. und 25. Sep- tember statt. Abfahrt am Sonnabend, dem 24. September, 17 Uhr, Spandau, Lindenufer: Ankunft in Lehnitzsee gegen 20K Uhr(Ueber- nachtung). Weiterfahrt am Sonntagmorgen und Ankunft gegen 9 Uhr an der Kaiscrwegbrücke, in der Nähe des Uedersees. Rückkehr gegen 21 Uhr am 25. September in Spandau. Der Fahrpreis beträgt für Hin- und Rückfahrt einschließlich der Uebernachtung 2,50 M. für die 2-Bett-Kabinc, 2 M. für die Mehrbettkabine. An- meidungen in der Geschäftsstelle des Touristenvereins„Die Natur- freunde", N. 24, Johannisstraße 15, Tel. V I 4177. Gäste willkommen.* ftuHdesbcuc l/eceiuc ieäeu u*ä: FSS«. Bezirk Stralou: Dienslog, 30. Sugust, Borst-nbssttzupg bei Bollrn- dach. All. Stralau 9. Brainn 20 Uhr,_ Biljkt Buch: Montaq, 20. August, 20 Uhr. Bczirkzvorstandssitzung bci Göpfcrt. Dicnstag. 3o. August, 20 Uhr, Zrauenlurncn, Schule Lindcr.hofstratzc. Donnerstag. l! September, Eröffnung des Jugendheims Schul- Lindenhofstraßc. Hierzu sind alle Interessenten der Klnderfreunde, SAJ. und �TEB. h?r�licbst eingeladen. Gleichzeitig beginnt an diesem Abend im Jugendheim der Technikerkursüs der Sportler. Freitag treffen sich alle aktiven Mitglieder der„Eisernen Front", ausgerüstet mit einer Turn- Hose, m der Turnhalle. Weitere Anweisungen dortselbs». *** SuHballtlub sRormonniö sucht zur Vervollständigung seiner Frauen- Handballmannschaft und Iugendfußballmannschaft noch einige Spielerinnen und Spieler. Interessenten melden sich Mittwochs 19 Uhr beim Training auf dem «portpla� Normannen. Ecke Ruschestraße oder Freitags 2v Uhr bei Hugo Wegner, Frankfurter Allee. Rundfunk am Abend Montaö, den 19. August Berlin: 16.05 John Locke(Privatdozent Dr. H. Kuhn). 16.30 Klaviermusik. 16.55 Lieder. 17.30 Aus der guten alten T ußballzeit(G. Fischer). 17.50 An der deutschen Ostgrenz.e (Dr. F. Lotichius).)S.I5 Mandolinenordiesterkonzerf. 18.5.} Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 F. Langer: Eigene Prosa. 19.35 Reisen im Herbst (Dr. h. Marchs). 20.00 Ans Breslau: Rübezahls Streiche (hritere Hörszenen). 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 KammTorchesterkonzert. 22.15 Politische Zeitungsschau (Dr. J. Räuscher). Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 17.30 Das Gesicht der modernen Zeitung(P. Steinborn). 18.00 Musizieren mit unsichtbaren Partnern(Dr. H. Just). 18.30 Spanisch für Anfänger(Gertrud v. Fvseren, Dr. F. Armesto). 18.55 Wetterbericht. l0.CO Aktuelle Stunde. 19 30 Stunde des Landwirts. 20.00 Aus London: Konzert, 21.30 Aus„Werthers Leiden" von Goethe(F. Kayüler). Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im ,A olksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„\orwärts"-Boten oder die Postanetelten,