Morgenausgabe Nr. 402 A 201 49. Jahrgang Wijchenllich 75 PI. munatltd) 3.25 M (baoon 87 Pf, monatlich für Fusteü lung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 2.87 M. einschließlich so Pf. Postzeiwngs- und 72 Pf. Postdestellge- bllhren. Auslandsadonnement 5.SS-Dl vro Monat: für Lander mit ermäßig. tem Druckfachenporto«.SS M Set Auslall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Erfaß. ErfcheinungsweifeundAnzeigenpreife stehe am Schluß des redaktionellen Teils f. Berliner Volksblatt Dienstag 30 August 1932 Groß-Äerlin IT Vf. Auswärts 1Z pf. Jentvalovgan der sozialdemokratischen Partei DeutschläKW Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Rernspi.; Dönhoff(A 7) 292— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin Z? 536.— Bankkomo: Bankder Arbeiter. Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.u.Dizc.-Ges., Deposttenk., Jerusalemer Str. Kö/KS lieiMlsg legen liögiKI'UNg KsscKIsunigts Präsidentenwahl und— Wettrennen nach Neudeck. Abgesagte Nadauszenen. Reichstagseröffnung ohne Skandal?! In dem noch ziemlich leeren Reichstagogebäude kur- sierte gestern ein unwahrscheinliches Gerücht: es hiest, die heutige Eröffnung des neugewählten Parlaments werde sich— in zivilisierten Formen vollziehen! Das würde sowohl dem bisherigen Brauch wie den Ankündi- gungen in der Nazipresse widersprechen; hatte diese doch angekündigt, gegenüber der Alterspräsidentin Clara Zetkin werde„die nationale Würde" gewahrt werden. Federmann weist, was damit gemeint ist! Angesichts der veränderten politischen Situation legen jedoch die Haken- kreuzlcr Gewicht darauf, dast sich der Reichstag schleunigst konstituiert. Mit dem Zentrum sind sie zunächst soweit einig, dast ein Nationalsozialist— man spricht von Stöhr— präsivent werden soll, und sie brennen darauf, diese Machtposition zu beziehen. Tarum wollen sie, sagt man, die Amts- führung der kommunistischen Alterspräsidentin ruhig über sich ergehen lassen. Da natürlich auch die ltommu- nisten ihrer greisen Genossin die Arbeit nicht erschweren wollen, hält man einen suhigen Reichstagsbeginn fiir möglich. Sonst war es üblich, das Präsidium am zweiten Tag zu tvählen. Tiesmal soll das gleich am ersten geschehen, weil Nazi und Zentrum die„Arbeitsfähigkeit des Hauses demonstrieren wollen. Tem wird die sozialdemokratlsche Zieichstagsfraktion wohl kaum widersprechen. Ueber ihre Stellung zur Wahl selbst wird sie heute vormittag beschliesten. Selbst- verständlich wird sie nicht für einen Nazi als Präsidenten stimmen. Lb sie L ö b e oder ein anderes Fraktionsmitglied für den Posten des ersten Bizepräsi- deuten zur Verfügung stellt, wird sie heute entscheiden. �steichstagspräsidium nach Neudeck. Das getvählte Reichstagspräsidium soll, wenn es nach den Plänen des Zentrums geht, sofort auf die Bahn ge- seht werden, um nach Neudect zum Reichspräsidenten zu fahre». Auf ihn soll eingewirkt werden, dast er wenig- stenS so lange keine Auflösungs vollmacht erteilt, als nicht die Arbeitsunfähigkeit des Reichstags erwiesen ist. Auf diese Weise soll Zeit gewonnen werden, um die schon sehr weit gediehenen Verhandlungen zwischen Nazis und Zentrum zum Abschlust zu bringen. Schon taucht in unbestimmten Umrissen der Schatten einer Kanzlerschaft F r i ck auf! Fi» Landtag, wo heute um 1 Uhr der Sturm gegen die kommissarische Bracht-Regierung losgeht, spricht man von einem Ministerpräsidenten Goerdeler. £b diese Verhandlungen zum Ziel führen werden, ist freilich noch ungewist. Denn so recht Nazis und Zentrum mit ihrer Kritik an Pape» haben, so recht hat auch dieser mit seinem Urteil über die geplante schwarzbraune .Koalition: sie wäre ein Bündnis, geschlossen in der Ab- sicht, den Bundesgenossen zu vernichten. Cs ist schwer zu entscheiden, wo die gröstere Gefahr liegt: in der Papen- Regierung oder in einem Einrücken der Nazis in die Regierung auf dem Wege der Koalition. Ein Annäherungsversuch Hitler-papen-Gchleicher in Form einer„rein gesellschaftliche» Zusammenkunft" hat gestern auch stattgefunden, aber, wie glaubwürdig verlautet, zu keinem Erfolg geführt. Dazu ist die Feind- schaft, die von enttäuschter Liebe kommt, eben noch zu frisch. Tagegen ist die Abneigung gegen die„schwarzen Marxisten"— das sind die Herren vom Zentrum— merklich abgeflaut, man verhandelt, wie es heistt, mit B r ü- ning, Stcgerwald und Perlitius in den ver- bindlichsten Formen. Zugleich stellt sich heraus, dast die viel misthandelte Weimarer Verfassung zur Zeit nichts als Freunde hat. Nicht nur die Regierung beruft sich auf ihre Grundsähe, auch die Nazis sind beflissen, sie vor jeder Verlehung zu schützen. Gott erhalte„das S h st e m"! Für uns gilt, gleichviel, ob die Präsidialregierung bleibt oder die Bllrgerblockregierung kommt, unver- ändert die Parole: schärfste sozialdemokratische Opposition! Das Herrenprogramm. Lohnsenkungen für die Arbeiter- Steuergeschenke für die Unternehmer.- Wirtschasts- und finanzpolitische Abenteuer. Voll k'rltZ! Naphtali. Von der Regierung Papen-Schleicher, die ihre Existenz der Naziwelle in Deutschland verdankt, und deren einzige Stützen Generale, Junker und Jndustriebarone sind, konnte man auf dem Gebiete der Sozialpolitik und der Wirtschafts- Politik nichts anderes als ein hundertprozentig reaktionäres Programm erwarten. Trotzdem bekennen wir freimütig, daß vor der Rede des Reichskanzlers in Münster unsere Phan- tasie nicht ausgereicht hat, um sich den Grad des sozial- reaktionären Charakters und den Grad des wirtschaftlichen Dilettantismus auszumalen, aus dem das Programm, mit dem diese Regierung vor den Reichstag und vor das Volk tritt, zusammengemischt ist. Viele Punkte in dem Papen-Programm mögen noch reichlich unklar und verworren erscheinen, aber der tragende Grundgedanke ist klar; er lautet: Alle Lasten den Ar- beitern. Lohndruck bis an die Grenze des Existenzminimums(wobei niemand weiß, wie tief sich diese Grenze in den Köpfen der Regierung und der sie beratenden Unternehmer ausmalt). Beseitigung des Tarifrcchts und organisierter Anreiz zum Lohndruck. das sind die eindeutigen Angriffe auf die Rechte der Ar- beiterschaft und auf ihre soziale Lage, die durch neue Not- Verordnungen bevorstehen sollen. Die Tariflöhne sollen will- kürlich herabgesetzt werden können in allen den Fällen, in denen Betriebe in ihrer Weiterexistenz bedroht sind. Der „Nachweis" für diese Bedrohung wird in einer Krisenzeit vor Schlichtern, deren Grundeinstellung die Förderung des Lohndrucks ist, von unendlich vielen Unternehmungen geführt werden. Aber das ist nicht die einzige Form, in der man den Lohnraub organisiert. Man führt darüber hinaus im Inter- esse der Mehreinstellung von Arbeitern ein Prämiensystem für Neueinstellungen ein. Für jeden neu eingestellten Ar- bester sollen dem Unternehmer aus einem Fonds von 7lK) Millionen Mark Schuldverschreibungen des Reichs, die für künftige Steuerzahlungen in Zahlung genommen werden, 400 M. jährlich zur Verfügung gestellt werden. Der Unternehmer, der solche Mehreinstellungen vornimmt, wird also Lohnsubventionen erhalten, auch wenn es sich gesamt- wirtschaftlich nicht um zusätzliche Arbeit, sondern nur um die Verlagerung von Arbeit von einem Betriebe auf den anderen handelt. Gleichzeitig aber wird der Arbeitgeber, der mit dieser Subvention mehr Arbeitskräfte einstellt, b e r e ch- t i g t werden, den Tariflohn zu unterschreiten, und zwar werden die Tariflöhne innerhalb bestimmter Gren- zen in einem um so größeren Prozentsatz er- mäßigt, je größer die Vermehrung der Beleg- schaft ist. Das ist ein ausgeklügeltes System der Prämiierung des Lohndruckes und der Verhetzung der Arbeiterschaft unterein- ander, weil jede Neueinstellung in einem Betriebe nun un- mittelbar zur Lohnminderung der bisher schon beschäftigten Arbeiter führen soll. In dieser Zerstörung des Tarifrechts und in diesen organisierten Methoden des Lohnraubs liegt das Kernstück des ganzen Papen-Programms, darüber darf und wird sich die Arbeiterschaft nicht täuschen lassen. auch wenn andere komplizierte und phantastische Teile des Programms unter der angenehmen, aber deshalb noch keineswegs richtigen Ueberfchrift von der Arbeitsbeschaffung und der Ankurbelung der Wirtschaft erscheinen. Es ist des- halb nur selbstverständlich, daß die Gewerkschaften in ihrem Telegramm an den Reichspräsidenten einer solch„beispiellos unsozialen Politik" den schärfsten Kampf ansagen. Wie aber steht es mit den Maßnahmen zur B e- kämpfung der Arbeitslosigke't, die die Regie- rung vorsieht? Arbeitsbeschaffung dura) Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten ist von allen Sachverständigen als Not- wendigkeit erkannt. Die Gewerkschaften haben sie gefordert, die Sozialdemokratie hat Gesetzentwürfe zur Inangriffnahme und Finanzierung solcher Arbeiten dem Reichstag vorgelegt, der Reichswirtschaftsrat hat ein ausführliches Gutachten über die Art der in Angriff zu nehmenden Arbeiten vorgelegt. Das entscheidende Problem schien nur bisher das Maß und der Weg für die Finanzierung solcher von der öffentlichen chand einzuleitenden Mehrarbeiten. Die Regierung Papen hat über die bekannten bescheidenen Ansätze hinaus all diese Formen der Arbeitsbeschaffung durch öffentliche Aufträge im Hintergrund verschwinden lassen. Sie präsentiert dafür einen ganz neuen Weg. Ihr macht nicht mehr die Frage Sorge, ob man zur Finanzierung eine freie Anleihe auf- nehmen kann, ob man den Weg der Zwangsanleihe oder Vermögensabgabe aufnehmen kann, um die nötigen Mittel für die Belebung durch öffentliche Aufträge zur Verfügung zu stellen, sondern sie hat sich eindeutig für ein privatkapita- listisches, den Unternehmern allein Nutzen versprechendes Experiment entschieden. Man will nicht Abgaben oder Belastungen von den Reichen erheben, um Arbeit in Gang zu bringen, sondern man will das gleiche Ziel da- durch erreichen, dast man ihnen Geschenke Prä- sentiert. Für gewisse Steuern, die als besonders produktions- hemmend gelten, die Umsatzsteuer, Grundsteuer, Gewerbe- steuer und Beförderungssteuer, soll denjenigen, die die Steuern in der Zeit vom 1. Oktober 1932 bis 1. Oktober 1933 abführen, ein Teil zurückgegeben werden in der Form von S t e u e r a n r e ch n u n g s s ch e i n e n, die in den Rech- nungsjahren 1934 bis 1938 auf alle Reichsfteueru und Zölle Wahlrechlsändewng durch Volksenischeid? Kein Spiel mit der Verfassung! In der Presse ist jetzt die Behauptung aufgetaucht, die Regierung plane einen Volksentscheid auf Wahlrechtsänderung. Die Reichsversassung gibt der Regierung überhaupt nicht das Recht, den Voltsentscheid anzurufen. Dieses Recht hat der Reichs- Präsident und ein Teil der Stimmberechtigten, der Reichsrat kann in einem Fall das Verlangen nach einem Volksentscheid aussprechen, wenn nämlich der Reichstag entgegen dem Einspruch des Reichsrats eine Verfassungsänderung beschlossen hat. Der Reichspräsident kann zwar den Volksentscheid anordnen, er hat aber kein Recht zum Ge- setzesr>orschlag. Der Reichspräsident kann den Volksentscheid an- ordnen über ein vom Reichstag beschlossenes Gesetz, anstatt es zu verkünden mit einer Frist von vier Wochen im Normalsall, mit einer Frist von drei Monaten, wenn der Reichstag entgegen einem Ein- spruch des Reichsrats mit Zweidrittelmehrheit beschlossen hat. Er kann ein Gesetz dem Volksentscheid unterbreiten, dessen Verkündung aus Antrag eines Drittels des eRichstags ausgesetzt ist. wenn ein Zwanzigstel der Stimmberechtigten es beantragt. Aber nie kann er einen eigenen Gesehentwurs von sich ans dem Volksentscheid unterbreiten. Die Gesetzesinitiative steht für den Volksentscheid nur einem Zehntel der Stimmberechtigten zu, das ein Volksbegehren nach Vorlegung eines Gesetzentwurfs stellen kann. Und wenn es in der Reichsoerfassung heißt, über den Haushaltsplan, Abgabengesetze und Besoldungsordnungen kann nur der Reichspräsident den Volks- entscheid anordnen, so erweitert das nicht feine Funktion für diese Gesetze, sondern schließt sie lediglich vom Volksbegehren aus. In einem Fall kann der Reichspräsident den Volksentscheid auch an- ordnen, wenn es sich nur um einen Gesetzes teil handelt, wenn über diesen eine Meinungsverschiedenheit zwischen Reichstag und Reichsrat besteht. In allen diesen Fällen wird das Volk zur Entscheidung über Gesetzesbeschlüsse des Reichstags aufgerufen, da die Gesetzesvorlage des Volksbegehrens zunächst an den Reichstag geht und dem Volks- entscheid nur zu unterbreiten ist, wenn der Reichstag sie nicht un- verändert angenommen hat. Der Wille des Reichstags wird da- durch besonders geschützt, daß seine Beschlüsse vom Volksentscheid nur aufgehoben werden können, wenn sich die Mehrheit der Stimm- berechtigten an der Abstimmung beteiligt. Für die Wahlrechtsänderung läßt die Reichsverfassung also nur den Weg der Vorlage eines Gesetzentwurfs im Reichstage oder das Volksbegehren. Sollte die Regierung zum Beispiel die ihr nahestehenden Organisationen, Stahlhelm oder Deutschnationale Volkspartei, zu einem Volksbegehren veranlassen und sollte, was nach den letzten Wahlen unwahrscheinlich ist, das Volksbegehren die Einzeichnung von einem Zehntel der Stimm- berechtigten erzielen, so müßte der Gesetzentwurf zunächst dem Reichstag zugeleitet werden. Der Reichstag muß während des Verfahrens also vorhanden sein. Und weiter: die Reichsverfassung enthält das allgemeine gleiche, geheime, direkte Wahlrecht aller Männer und Frauen über zwanzig Jahre nach den Grundsätzen der Ber- hältniswahl. Die Abschaffung des Wahlrechts für die noch nicht Fünfundzwanzigjährigen, das Mehrheitswahlrecht sind Verfassungsänderungen, ebenso wie heute die Aus- schließung der Unterstützungsempfänger vom Wahlrecht die Auf- Hebung des allgemeinen Wahlrechts bedeuten würde. Räch der Reichsverfassung bedürfen Versassungsänderungen durch Volksentscheid der Zustimmung der Mehrheit der Stimm- berechtigten. Sie ist heute bestimmt nicht für den Ausschluß der Zwanzigjährigen vom Wahlrecht zu erreichen. Zudem hätte die verfassungstreue Bevölkerung, solange die Bindung an die Mehrheit der Stimm- berechtigten besteht, jederzeit die Möglichkeit, einen oktroyierten Volksentscheid zu sabotieren. Von der qualifizierten Mehrheit ab- sehen, hieße den Volksentscheid lächerlich und der Oktroyierung der Wahlrechtsänderung durch Verordnung ähnlich machen. Da die Reichsverfassung genau bestimmt, unter welchen Formen ein Volksentscheid und eine Verfassungsänderung durchgeführt werden können, so wäre selbstverständlich eine Abänderung der Bestimmungen über den Volksentscheid oder gar des Wahl- rechts mit Artikel 48 nach Wortlaut und Sinn der Reichs- Verfassung ein Verfassungsbruch. Nach der Verfassung gibt es also einen Volksentscheid, an- geordnet durch die Regierung, überhaupt nicht, angeordnet durch den Reichspräsidenten nur nach vorheriger ordentlicher Gesetzgebung, auf Volksbegehren auch nur nach Beschluß des Reichstags, be- dürfen Verfassungsänderungen durch Volksentscheid der Zustimmung der Mehrheit der nach der Reichsverfassung und den geltenden Gesetzen Wahlberechtigten. Wer demgegenüber so tut, als ob entscheidend sei, ob das Verhältnis- oder das Mehrheitswahlrecht besser ist, hat vom Wesen des Verfassungsstaates keinen Hauch verspürt. Wer einer Regie- rung solche Grundsrage der Verfassung überlassen will, kann ihr keinen Widerstand entgegensetzen, wenn sie das allgemeine gleiche Wahlrecht antastet. Beim Mehrheitswahlrecht ist für die Arbeiter- klasse die Wahlkreiseinteilung entscheidend. Soll sie beim Volks- entscheid in einen Gesetzentwurf, zu dem es nur ein Ja oder Nein gibt, gepackt werden oder einer Ausführungsverordnung der Re- gierung überlassen werden? Die. Frage stellen heißt die Antwort geben! Die Wahrung der Rechte der Arbeiterklasse, die uns an- vertraut sind, verlangt die Jnnehaltung der Reichsverfassung. Allen Plänen und Andeutungen gegenüber sei einstweilen diese Fest- stellung gemacht: Die Bestimmungen der Reichsverfassung sind in dieser Frage einwandfrei klar. Niemand kann zweifeln, was der Verfassung entspricht und was Verfassungsbruch ist. Heckwig Wadienheim. mit Ausnahme der Einkommensteuer in Zahlung gegeben werden können. Es soll sich dabei um ISlll) Millionen Mark handeln, die den Charakter von Anteilscheinen des Reichs da- durch erhalten sollen, daß die Summen, die den steuerzahlen- den Unternehmern geschenkt werden, auch noch vom Reiche verzinst werden! Durch diese Hingabe von Schatzscheinen des Reiches soll den Steuerzahlern eine Kreditgrundlage geschaffen werden, von der man erwartet, daß sie die Hereinnahme und die Durchführung neuer oder bisher zurückgestellter Aufträge für den„aufgestauten" Erhaltungsbedarf ermöglichen wird und dadurch neue Arbeitskräfte in den Arbeitsprozeß einführen sollen. In der gleichen Form dieser Steuerrechnungsscheine von etwa 1500 Millionen Mark werden weitere 700 Mil- lionen Mark als Lohnsubventionen mit dem oben geschilder- ten Recht des Lohndrucks zur Verfügung gestellt. Sicher ist hier» daß die Unternehmer Steuerge- schenke und Subventionen von 2,2 Milliarden erhalten. Vollkommen unsicher ist dagegen, ob und in welchem Umfange diese Geschenke zur E i n s cha l- tung neuer Arbeitskräfte in den Wirtschaftsprozeß führen. Denn die Auffassung, daß es im gegenwärtigen Zeitpunkt einen großen aufgestauten Bedarf für die Erhal- tung oder Erweiterung von Produktionsanlagen überhaupt gibt, ist zum mindesten außerordentlich problematisch. Was der Wirtschaft fehlt, ist nicht der ausgebaute Produktions- apparat, sondern sind die Aufträge für den Ver- brauch, durch die dieser Produktionsapparat ausgenutzt werden kann. Der Massenverbrauch aber wird durch das neue Lohndruckprogramm, das man wie zum Hohne als „Ende der Deflationspolitik" bezeichnet, nur noch weiter ge- drosselt. Dabei bleibt noch die Frage offen, inwieweit überhaupt diese Schatzscheine des Reiches, die man Steueranrechnungs- scheine nennt, geeignet sein können, einen wirklich auftreten- den zusätzlichen Kreditbedarf zu finanzieren. Möglich, daß bei den Banken ein gewisser Spielraum für ihre Aufnahme vorhanden ist, möglich, daß die Reichsbant den Spielraum durch Lombardierung etwas erweitert. Unmöglich wird es jedenfalls sein, einen Betrag, der auch nur annähernd die Gesamtheit dieser den Unternehmern geschenkweise über- lassenen oder als Subventionen gegebenen Steueranwei- sungen in Betriebsmittel umzuwandeln, wenn man nicht außerordentliche, die Währung gefährdende Ma- nipulationen damit vornehmen will. Diese äußerst ungewissen und im Ausmaß sicherlich sehr beschränkten Ankurbelungschancen werden aber bei dem von der Regierung Papen gewählten Weg erkauft mit einem finanzpolitischen Abenteuer, das man nur mit einem Ritt über den Bodensee vergleichen kann. In einem Augenblick» in dem die Deckung des Finanzbedarfs schon für das laufende Haushalts- jähr überaus ungewiß erscheint» verfügt man großzügig durch gescheukweise Hingabe an steuer- Pflichtige Unternehmer über 2,2 Milliarden des Steueraufkommens in den folgende« Jahre«. Das ist eine Spekulation auf die schnellen Auswirkungen eines erhofften, aber leider in keiner Weise gesicherten Wirt- schaftsaufschwunges auf die öffentlichen Finanzen, die mit einer gesunden Finanzpolitik nicht mehr das geringste zu tun hat. Auf die Frage der rechtlichen Z u l ä s s i g ke i t des hier vorgesehenen Weges, auf die Frage der Gefahren der Markt st örungen durch das System der Subventio- nierung von Neueinstellungen, auch wenn sie nur auf Kosten von Minderbeschäftigung an anderen Stellen gehen, wollen wir im Augenblick ebensowenig eingehen, wie auf die Frage des komplizierten technischen Apparates, den man für dieses verfälschte Ankurbelungssystem benötigen wird. Alle diese Pläne tragen den Charakter des Abenteurer- tums und des wirtschaftlichen Dilettantismus. Nur in einem sind sie klar. In der Vertretung des privatkapitalistischen Unternehmerprinzips, in der Schaffung der Handhaben für rücksichtslosen Lohndruck und Drosse- lung der Massenkaufkraft. Wenn die Reichs- regierung für das von ihr geplante Verordnungswerk eine einheitliche Ueberschrift sucht, so wäre vom Standpunkte der Ehrlichkeit nur die Parole„Eigennutz geht vor Ge- m e i n n u tz" zu empfehlen. Für die Arbeiterklasse, für Gewerkschaften und Sozial- demokratie gibt es gegen dieses provokatorische Programm der Sozialreaktion nur eine Parole: Schärf st enKampf! Jetzt brüllt die nationalsozialistische Presse: ,L e r- malmende Lohnsenkungen! Finsterste Re- aktion!" Wem wir diese zermalmenden Lohnsenkungen. diese finsterste Reaktion verdanken, das hat der SA.» Sturm 3l) klar und deutlich ausgesprochen, als er am 24. August der Regierung Papen telegraphierte: „Sie verdanken Ihre Existenz dem langjährigen Opferringen todesmutiger SA. gegen internationales Untermenschentum." Die Arbeiterklasse und alle Volkskreise, die unter der Sozialreaktion unmittelbar und mittelbar zu leiden haben werden, werden dieses Bekenntnis, wem sie die Barons- regierung verdanken, nicht vergessen. Nachschrift der Redaktion: Die Frage der rechtlichen Zulässigkeit der mit den Steueranrech- nungsscheinen beabsichtigten finanzpolitischen Mani- pulation dürfte in den weiteren Erörterungen eine sehr bedeutsame Rolle spielen. Der gegenwärtige Reichstag wird kaum bereit sein, die Rechtsgültigkeit des von der Regierung beabsichtigte« Steuergeschenkes an- zuerkennen. Ob ein künftiger eher bereit sein wird, die von Herrn von Papen ausgegebenen Papiere als vollgültige Steuerzahlungsmittel anzuerkennen» ist zum mindesten höchst zweifelhaft. Statistik des Elends. Kommentar zu einer Kanzlerrede- Aus der amtlichen preußischen Molkereistatistik für den Monat Juni 1932 entnehmen wir folgende Fest- stellungen: linier dem Druck des fchwindeuden Einkommens ist der Frlschmilchverbrauch im Durchschnlil Preußens um 16,2 Proz. gegenüber dem Vorjahr zurückgeblieben. 3n den Provinzen mil starker Zntmstriearbeiier- bevölkerung ist der Rückgang des Milchkonsums aber bedeutend stärker. 3n der Rheinprovinz beträgt der Rückgang 17.2 Proz., in Oberschlesten 2Z.2 Proz. Der Floschenmilchabsah, also der Absah an hochwertiger Milch, beträgt jetzt nur noch zwei Drittel des Absahes von ISZl. Ein besonders katastrophaler Absahschwund zeigt sich in den Großstädten. In Brandenburg und Berlin verringerte sich der Flaschenmilchabsatz um 70 bzw. 46 Proz. t Schleswig- Holstein, der Lieferant für Hamburg,- Altona und kiel, konnte nur noch 28 Proz. der Vorjahrsmenge absehen. Den Kommentar der Reichsregierung zu diesen er- schütternden Angaben über die Verelendung hat Papen in seiner Münsterrede gegeben. Er heißt: neuer systematischer Lohndruck und Steuergeschenke für die Privatwirtschaft. Oeutschnationaler Notschrei. Hilfe, die Nazis?- Aufräumungskommandos und Schädlingslisten. Dem Hugenbergschen„Tag" wird aus deutsch» nationalen Kreisen geschrieben: Es ist möglich, daß die Führer der NSDAP, das nicht wollen und nicht wissen, das ändert aber nichts an der Tatsache, daß Führer von SA.- und SS.-Trupps sich mit großen Worten als Aufräumungskommandos brüsten, die nach„L i st e n" mit den„Schädlingen" Schluß machen werden. In neuerer Zeit kann man in diesen Kreisen Urteile über den Reichspräsidenten, über Regierungsmitglieder und über nationale Führer hören, die einem die Haare zu Berge stehen lassen... Merkwürdig! Solange es nur Marxistenköpfe waren, die rollen sollten, hatte man nichts dagegen einzuwenden! Jetzt aber, wo es heißt, die Deutschnationalen seien noch schlimmer als die Marxisten, entringt sich der bedrängten Vrust der gepreßte Schrei:„Herr Hitler, das geht zu weit!" Die„Kameraden" wüten weiter. Hitlers Edelmenschen veranstalten lleberfälle Schwerin, 29. August.(Eigenbericht.) Im Nazi-Paradies Mecklenburg-Schwerin wurden in der Nähe von Malchin 29 Reichsbannerleute auf dem Heimwege von einem großen Trupp SA.- und SS.-Leuten mit Beilen, Messern und Knüppeln überfallen. Der Reichsbannerführer Vierk wurde schwer verletzt. Auch mehrere andere Reichs- bannerleute erlitten Verletzungen. In Gadebusch kam es zu einer Straßenschlacht zwischen SS.-Leuten und Arbeiter- s p o r t l e r n. 39 bis 35 SA.-Leute marschierten den Arbeiter- sporllern, die in kleinen Trupps von einem Stiftungsfest kamen, entgegen und übersielen sie. Von der SS.-Führung wurde der Befehl zum Angriff gegeben, und die Mordlust der braunen Mannen wurde von den Führern durch den Ruf gesteigert:„Feste druff! Haut die Lumpen!" Fünf Arbeitersportler sind zum Teil schwer verletzt. Obwohl die Täterschaft nicht zweifelhaft ist, hat die Polizei noch keine Verhaftungen vorgenommen. Wie fängt man Marxisten? SpO.— schwieriger Fall. KpO.— leichte Beute! Im„Völkischen Beobachter" untersucht Günter Adam, wie man von den 13 Millionen marxistischen Wählern etwas für die NSDAP, gewinnen kann. Dabei kommt er zu folgen- dem Ergebnis: Die SPD. steht und fällt mit den freien Gewerkschaften. Die etwa vier Millionen freien Gewerkschaftler und ihre Familien- angehörigen sind der größte Teil der SPD.-Wähler. In diesen Ge- werkschasten sind vornehmlich die älteren, gelernten Arbeiter organi- siert, die zum Teil schon seit Jahrzehnten ihren Verbänden angehören. Die Gewinnung dieser Areigewerkschafller für den Rational- sozialismus wird die schwerste Ausgabe sein. Die kommunistischen Wählermassen bestehen zum ollergrößten Teil aus Erwerbslosen und den jüngeren, noch im Betrieb stehenden, vornehmlich ungelernten Arbeitern. Das Schwanken der tom- munistischen Wählerzahlen bei der ersten und zweiten Reichspräsi» dentenwahl sowie bei der Preußen- und Reichstagswahl zeigt uns, wie gering die organisatorische Kraft der Kommu- nistischen Partei ist, und auf wie schwachen Füßen die kom- munsstischen Phrasen stehen. Es wird uns Rationalsozialisten bedeutend leichter fallen, einen Kommunisten zu werben als einen Sozialdemokraken. Ein Kompliment, das sich die KPD. hinter den Spiegel stecken kann! Und der Mann, der es macht, spricht aus Erfahrung!_ Ohne Hitler kein papen! Nationalsozialistisches Schuldbekenntnis. Zur Rede Papens in Münster wird von nationalsozia- listischer Seite wörtlich folgendes ausgeführt: Herr von Papen verkennt hier seine„autoritative Stellung" etwas. Ohne die Vorarbeit Adolf Hitlers säße Herr von papen heute nicht im Sessel des Geichs- kanzlerö? wenn Herr von Papen gegen die roten Bonzen Preußens vorgehen konnte, dann nur. weil der Ratlonalsozialismus ihm den Boden rein stimmungsmäßig im Volke bereitet hat. So zu lesen im„Freiheitskampf", amtlicher Tageszeitung der NSDAP., Eau Sachsen, Nr. 202, vom 29. August.„Je mehr Nazis im Reichstag, desto mehr Barone in der Regie- rung. Je mehr Barone in der Regierung, desto mehr Lasten für das Volk", so sagten sozialdemokratische Aufrufe zur letzten Wahl. „Ohne Hitler kein Papen!" bestätigt jetzt die national- sozialistische Presse.___ Der Reichsleiter des Kampfbundes gegen den Faschismus ver- hastet. Der ehemalige Bezirksleiter der KPD. in Württemberg, Schlaffer, der in seiner Eigenschaft als Reicksleiter des Kampfbundes gegen den Faschismus vorubergehenid in Stuttgart weilte, ist am Sonnabend dort verhaftet worden. Ueber die Gründe der Per, hastung war keine Auskunft zu erlangen� Den Verleumdern auf den Kerfen. Crispien und Oittmann gegen schamlose Verdächtigungen. Die Genossen Arthur C r i s p i e n und Wilhelm D i t t» mann werden von der nationalistischen Verleumdungs» kumpanei mit besonderer Aufmerksamkeit beehrt. Sie hatten gegen eine besonders bösartige Verleumdung der Wochen- schrift„Fridericus" bereits eine saftige Berichtigung geschickt. Das Sudelblatt hielt die Verleumdung aber frech aufrecht. Darauf erhielt es jetzt die folgende neue Berichtigung: In Nr. 33 des„Fridericus", 4. Augustausgabe 1932, veröffentlichen Sie unter der Ueberschrist„Crispien und Dittmann" einen Artikel, in dem Sie unsere Berichtigung vom 15. August d. I. ab- drucken und die alten sowie neue unwahre Behauptungen ausstellen. Sie lassen Herrn Karl Felsen seine unwahren Behauptungen über unseren angeblichen Besuch im amerikanischen Spionagebüro in Chaumont im Jahre 1917 wiederholen und ihn dazu behaupten, wir hätten uns mit falschen Pässen und unter falschem Namen vor- gestellt. Wir erklären nochmals, daß wir niemals in Chaumont waren, nie mit Spionagebüros in Verbindung gestanden haben und setzen hinzu, daß wir nie mit falschen Pässen unter falschem Namen im Auslande gewesen sind. Wir stellen außerdem fest, daß wir uns von der sozialdemokratischen Redakteurkonferenz im September 1914 in Berlin ab während des ganzen Krieges überhaupt nicht gesehen sowie keinerlei Beziehungen miteinander unterhalten haben und daß erst vom Märzparteitag der USPD. 1919 ab, wo Crispien in den � Borstand der USPD. gewählt wurde, dem Dittmann bereits seit 1917 angehörte, unsere nähere Bekanntschaft und gemeinsame politische Zusammenarbeit datiert. Sie behaupten wahrheitswidrig, Dittmann habe„es verstanden, während des ganzen Krieges als unabkömmlich durchzuhalten". Dittmann wurde 1915 zum Kriegsdienst eingezogen und stand bei einer Landsturm-Pionierparkkompagnie in Ielowka vor Dünaburg. Sie behaupten, Dittmann habe in der ersten Berichtigung die „Dummheit" begangen, das„Geständnis" zu machen, Delegierter des Internationalen Sozialistenkongresses in Marseille 1925 gewesen zu sein. In Wahrheit hat Dittmann damit nur einen jederzeit aus dem Kongreßprotokoll feststellbaren Tatbestand erwähnt, den zu oerheimlichen er nie eine Ursache hotte. Sie behaupten, Dittmann habe„in der zweiten Instanz des sogenannten Magdeburger Prozesses genau das Gegenteil von dem beschworen, was er in der ersten Instanz mit feierlichem Eide be- kräftigt hatte". Es hat nie eine zweite Instanz des Magdeburger Prozesses gegeben und Dittmann hat nie das Gegenteil dessen be- schworen, was er vorher unter Eid ausgesagt hatte. Sie behaupten, Dittmann habe bestritten,„die Matrosen- meuteret mit angestiftet zu haben, obwohl der kriegsgerichtlich zum Tode verurteilte und durch Erschießen Hingerichtete Matrose Reich- pietsch ebenso das Gegenteil behauptete, wie es der mit Reich- pietsch gemeinsam zum Tode verurteilte, aber begnadigte frühere Oberheizer Sachse noch heute tut". Die Unwahrheit dieser Be- hauptung hat der vierte Unterausschuß des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Reichstags in seiner vom Admiral Brüninghaus und vom Grasen Eulenburg mitgefaßten Resolution vom 1. März 1928 mit folgenden Worten festgestellt: „Ein Beweis dafür, daß führende Persönlichkeiten der USPD. die Absichten der Matrosen gekannt und gebilligt oder die Matrosen zu ihren Handlungen angereizt hätten, ist nicht er- bracht worden. Die in Frage kommenden Mitglieder der USPD. sowie die vor dem Ausschuß vernommenen Führer der Bewe- gung haben bestritten, daß ihre Handlungen von der USPD. oeranlaßt worden seien, ebenso der erschossene Matrose Reich- pietsch noch nach seiner Verurteilung zum Tode." Sie lassen Felsen behaupten, Crispien habe in Chaumont„da- mit geprahlt, es sei ihm ein leichtes, sich selbst für zwei Wochen von seiner Truppe zu entfernen, wenn er nur über genügend Geldmittel verfüge". Weder in Chaumont, wo er niemals ge- wesen ist, noch irgendwo anders hat Crispien eine solche, seine militärischen Vorgesetzten als korrupte, bestechliche und käufliche Subjekte diffamierende Aeußerung getan. Berlin, den 29. August 1932. Arthur Crispien. Wilhelm Dittmann. Die dreisten Verleumdungen entspringen der Spekula- tion, die Sozialdemokraten würden vor den Gerichten in kurzer Zeit vogelfrei sein, wie das offen in dem Artikel aus- gesprochen wird. Der große Enthüller des„Fridericus" sucht der auf der Hand liegenden Frage, weshalb er e r st jetzt, 14Iahre nach demKriege, mit seinen Behauptungen herauskomme, damit zu begegnen, daß er Angst gehabt habe, durch die„marxistisch beeinflußten Regierungen in eine Kerkerzelle gebracht" zu werden!„Nun aber kommt der Tag", setzt er bezeichnenderweise hinzu. Aber er vergißt zu sagen, warum er nicht schon 1917 im Kriege, wo er doch keine Angst vor„marxistisch beeinflußten Regierungen" zu haben brauchte, die Strafverfolgung von Crispien veranlaßt habe, wie es doch feine Pflicht war, wenn an seinen Behauptungen wirklich etwas Wahres wäre. Mit dieser Unterlassung beschuldigt er sich selber eines schweren Verbrechens. Wie gemeingefährlich die systematische Verleum- dungskampagne ist, erhellt weiter daraus, daß der a n g e b- liche Gewährsmann des„Fridericus" nunmehr auch den Genossen Dr. B r e i t s ch e i d— der ebenfalls zum Kriegsdienst eingezogen war— beschuldigt,„mehrfach persönlich im amerikanischen Spionagebüro vorgesprochen und ungeniert und regelmäßig in den Geschäftsräumen der Deut- schen Sozialrevolutionären Partei in Paris(offenbar ein Phantasieprodukt) verkehrt" zu haben. Wann endlich wird der Reichskommissar Dr. Bracht der Aufforderung der Genossen Crispien und Dittmann ent- sprechen und im öffentlichen Interesse gegen diese Verleum- düngen einschreiten? Oder liegt kein öffentliches Interesse vor, wenn bekannte Politiker fortgesetzt der ungeheuerlichsten Verbrechen im Kriege beschuldigt werden? Sollen Sozial- demokraten wirklich vogelfrei sein? Immerhin...! -Glut des Bürgerkriegs austreten"- schön gesagt! Aber wär'S nicht besser gewesen, sie gar nicht erst brennen zu lassen? Abschied im Reichstag. l�öbe verabschiedet sich vom Reichstagspersonal. Reichstagspräsident L ö b e, der mit dem Zusammentritt des neuen Reichstags sein Amt als Präsident niederlegt, versammelte am Msntag nachmittag die Beamten und Angestellten der Reichs- tagsverwaltung um sich und verabschiedete sich von ihnen mit einer kurzen Ansprache. Cr dankte zunächst seinen Mitarbeitern für ihre treue Hilfe und fuhr dann fort:„Ich habe meinerseits versucht, stets ein gutes Einoernehmen zwischen uns herzustellen, uns als einen Körper ouszufassen, der an einer gemeinsamen Auf- gäbe wirkt, nicht in dem Verhältnis von Vorgesetzten und Unter- gebenen, sondern von Mitarbeitern an einer gemein- s a m e n A u f g a b e. Es gereicht mir zur besonderen Freud«, daß es mir während meiner Amtszeit gelungen ist, manche kleinen Fort- schritte sür diejenigen zu erzielen, die es am nötigsten hatten, eine Sicherung ihrer Existenz herbeizuführen, so daß sie nicht alljährlich das Gespenst der Entlassung und der Arbeitslosigkeit bedrohte. Wir trennen uns nicht gänzlich: ich bleibe als Abgeordneter hier und wir werden uns noch weiter begegnen. Ich wünsch« deshalb, daß wir weiter zusammenarbeiten können, ich möchte sagen, in der normalen Weise, wie es bis vor einigen Jahren möglich gewesen ist. Im übrigen wünsche ich jedem einzelnen von Ihnen Wohlergehen für Ihr weiteres Leben." Der Direktor beim Reichstage, Geheimrat Galle, sprach dem scheidenden Präsidenten den Dank des Personals aus. Er erinnerte daran, daß gelegentlich außerordentliche dienstliche Anfor- derungen an Beamte und Angestellte des Reichstags gestellt worden seien und daß sie sich seit zehn Iahren auch ein« wesentliche Be- schränkung ihrer Lebenshaltung hätten gefallen lassen müssen. Wenn trotzdem jeder gern seinen Dienst getan habe, so nicht allein in dem erhebenden Bewußtsein, an hervorragender Stelle der Reichsver- waltung arbeiten zu können, sondern auch weil Präsident Löbe ein Beispiel unermüdlicher Hingab« gewesen sei. Trotz außerordentlicher geschäftlicher Inanspruchnahme habe der Präsident sür alle ein freundliches Gehör gehabt, die mit Beschwerden zu ihm kamen, er habe mit Freundlichkeit und Nachsicht gelegent- liche Versehlungen gerügt. Das alles werde ihm unvergessen sein. Galle schloß mit den ausrichtigsten Wünschen für die Gesund- heit und die weitere Tätigkeit des Präsidenten Löbe, dem die Be- amten und Angestellten ein herzliches„Auf Wiedersehen" nachriefen. Adolf I. empfängt. Gelöbnis der Razifraktion im„Kaiserhof". Wie Wilhelm II. einst den Reichstag im Weißen Saal, so empfängt jetzt Wolf I. bei jeder Reichstagseröffnung seine Fraktion im„Kaiserhof". Dort erschienen gestern die 239, und nach einer Huldigungsrede Fricks nahm der oberste Führer höchstselbst das Wort zu einer seiner beliebten Schwätzereien, in der er nochmals versicherte, daß der Sieg absolut gesichert und nur noch eine Frage der Zeit sei, der er niemals mit mehr Ruhe und Zuversicht entgegengesehen habe als heute. Weiter führte Hitler aus: Wenn er die Haltung einzelner Persönlichkeiten der Regierung auch zu würdigen wisse, so hätten sie doch alle außer einem (Schleicher! D. Red.) nur ihren Namen einzusetzen. Hinter der NSDAP, stünden aber 14 Millionen mit grenzenlosem Vertrauen (immer noch? D. Red.). Wenn man diese Selbsteinschätzung— wie Papen— als Zügellosigkeit bezeichne, so nehme die NSDAP, diese „Ueberheblichkeit" vor der Geschichte auf sich. Zum Beuchener Urteil sagte Hitler unter anderem:„Wer für Deutschland kämpft und lebt und stirbt, hat alles Recht: und wer sich gegen Deutschland wendet, hat gar kein Recht." Die Fraktion der 239 werde ein Beispiel grenzenloser Disziplin geben, ganz gleich, auf welcher Ebene sie fechten werde, kapitulieren werde sie nicht. In dieser Art ging es weiter, bis am Ende pflichtschuldig der Begeisterungssturm einsetzte. Dann legten der Fraktions- führer Frick und nach ihm jedes Mitglied das Gelöbnis in die Hand des Führers,„in unverbrüchlicher Treue und alle- zeit wie ein Mann hinter ihm zu stehen". TU. sagt:„Denkwürdige Sitzung!" Zentrum gegen papen. Eine Entschließung der Reichstagsfrattion. Die Zentrumsfraktion des Reichstags nahm am Montag einstimmig eine Entschließung an, in der die Richtlinien gebilligt werden, die am 11. August von den Abgeordneten Ivos und Bolz dem Reichskanzler vorgetragen worden sind. Im Verfolg dieser Haltung fand auch die Sonntagsrede des Reichs- kanzlers in Münster über die Bemühungen des Zentrums grund- sätzliche Ablehnung. In einer dazu angenommenen Entschließung heißt es wörtlich: „In der klaren Erkenntnis, daß jede Regierung, ohne Mehrheit und Vertrauen in der Volksvertretung zu besitzen, notwendiger» weise auf eine abschüssige Bahn kommen muß, arbeitet die Zentrumspartei, unbekümmert um Drohungen und Einschüchterun- gen, ihrerseits mit an der Schaffung einer Regierung, die sich auf ein« klare Mehrheit des Parlaments stützen kann und gewillt ist, mit ihm zusammenzuarbeiten, geleitet von dem Ge- danken, daß es verfassungsmäßig unmöglich und für das Reich verderblich ist, eine Reichstagsauflösung nur deswegen zu befürworten und vorzubereiten, weil der gegenwärtigen Regie- rung die Mehrheit versagt bleibt." Auch die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtags trat am Montagabend zu einer Sitzung zusammen, in der vor ollem auch die koalitionspolitische Lage in Preußen er- örtert wurde. Abg. Dr. Graß berichtet« über den Stand der mit den Nationalsozialisten geführten Koalitionserörterungen, die entgegen der ursprünglichen Annahme am Montag noch nicht zum Abschluß kamen, vielmehr am Dienstag fortgesetzt werden sollen Die Aussprache der Zentrumsfraktion soll gleichfalls am Dienstag weitergehen. Bsjchlüss« wurden bisher nicht gefaßt. Orei Iabre für ein Menschenleben! „Untermensch" wird„ESetmenfch" und erschießt früheren Parteifreund' Flensburg, 29. August. In dem Prozeß vor dem Flensburger Sondergericht wurde am Montagnachmittag das Urteil gegen den früheren K o m m u- n i st e n, jetzigen Nationalsozialisten Kurdzel aus Wessel- buren gesällt. Kurdzel wurde wegen Totschlags an dem Kommuni st en Wiese zu einer G e f ä n g n i s st r a f e von drei Jahren sowie zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. In der Urtellsbegründung heißt es u. a.: Kurdzel- Tat sei vor dem Erlaß der Notverordnung zur Terrorbekämpfung begangen worden. Außerdem habe das Gericht nicht Mord, sondern Totschlag als Affekthandlung angenommen. Der Staatsanwalt hatte die Tat des Kurdzel als„feig und gemein" bezeichnet und zwölf Jahre Zuchthaus bean- tragt. An diesem Antrag gemessen, ist der jetzige„Edelmensch" sehr billig davongekommen. Schießerei in Eharlottenburg. Mehrere Verletzte.- Razilokal ausgehoben. In der Rönlgenstraße in Eharlottenburg spielte sich kurz vor INilternacht eine wilde Schießerei zwischen Rational- sozialislen und Kommunisten ab. Mehrere an der Schießerei Beteiligte wurden schwer verletzt und durch das Städtische Reltungsamt ins Westend-Krankenhaus übergeführt. Als da» alarmierte lleberfall- komando in der Röntgenftraße eintraf, hatten sich die Ralionalsozla- listen in ihr dortiges verkehrslokal zurückgezogen. Die Sommu- nisten halten die Flucht ergrissen, und es war ihnen gelungen, im Dunkel der Seilenstraße zu entkommen. von der Polizei wurde das Raziverkehrslokal durch- sucht und dabei wurden zwei geladene Pistolen und mehrere Stich- sowie Hiebwaffen gefunden. Z5 anwesende Rational- sozialisten, zum größten Teil SA.-Leule, wurden festgenommen und der Politischen Polizei im Polizeipräsidium übergeben. Die Ramen und die Parteizugehörigkeit der Verlehlen stehen zur Stunde noch nicht fest. Zinssenkung für Auslandskredite. R e w P o r k. ZS. August. Die amerikanischen Gläubiger Deutschlands haben den Zinsfuß für 200 Millionen Dollar von insgesamt 400 Millionen Dollar kurz- friftiger Kredite von 6 Proz. aus 5 Proz. herabgesetzt. Ost und West vom Pazifik. USA. und die Anerkennung der Sowjetunion. London. 29. August. Dem„Times"-Korrespondenten in Washington zufolge erwägt das Staatsdepartement eine ursprünglich von R a d e k in Ge- sprächen mit amerikanischen Militär- und Marinesachverständigen in Genf gemachte Anregung, wonach die Vereinigten Staaten eine Kommission nach Sowjetrußland schicken sollen, um die Frage der Anerkennung der Sowjetregierung zu prüfen: seiner- zeit sei der Anregung kein besonderes Gewicht beigelegt worden: aber jetzt hätten ihr die Ereignisse im Fernen Osten größere Bedeutung gegeben. In Genf habe die USA.-Delegation den Sowjetoertretern erklärt, daß, falls Sowjetrußland die Dritte Internationale preisgeben würde, die Vereinigten Staaten zur Anerkennung bereit seien. Die Frage des beschlag- nahmten amerikanischen Eigentums in Ruhland und die Frage der Bezahlung der Kerenski-Anleihen hätten keine Bedeu- tung mehr. Ruhland habe geantwortet, daß die Sowjetregierung keine Propaganda in USA treiben werde, aber eine Ab- schasfung der Kommunistischen Internationale sei unmöglich. Der Anschlag auf den Tarifvertrag. Ausgelockerte„Ausgestaltung" zu weiterem LohnSruck. In seiner Rede am Sonntag sagte Herr v. Papen u. a.: �„Die Reichsregiernng beabsichtigt, dos T a r i f r e ch t und das Schlichtungswesen in seinem wesentlichen Inhalt auf- rechtzuerhalten. Was sie aber immer wieder betonen muß, ist die Erwortung, daß die Beteiligten ihre Verhältnisse mehr als bisher im Wege freiwilliger Selbstbestimmung ohne staatliche Mit- Wirkung und ohne Bevormundung ordnen. Es ist in erster Linie ihre Aufgabe, die Tarifverträge so auszuge st alten, daß die Nachteile, die mit einem zu weit gehenden Tarifschematis- mus notwendig verbunden sein müssen, verschwinden, der wertvolle Kern des Tarifgedankens, den ich in der Sicherung der E x i- stenzgrundlage des Arbeitnehmers, in der Ber- Hinderung unlauterer Lohnkonkurrenz und vor allem in der ar- beitsgemeinschastlichen Zusammenarbeit der beiderseitigen Ver- bände sehe, erhalten bleiben." „Unsere Tarifverträge sind vielfach immer noch zu starr und nehmen aus die besonderen Verhältnisse der einzelnen Gebiete. Be. triebe und Arbeilnehmergruppen nicht gebührend Rucksicht." Der Gedanke einer kollektiven vertraglichen Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, zumal auf einen längeren Zeitraum, be- gegnete anfänglich in den Gewerkschaften starkem Widerspruch. In Zeiten guter Konjunktur kann der Arbeiter zur Rot auch ohne Ta- rifvertrag auskommen. Di« tarifliche Bindung wird als Hindernis empfunden die Löhne zu erhöhen, die Arbeitsbedingungen zu ver- bessern. Allein die Erfahrung hat gelehrt, daß der Arbeiter bei schlechter Konjunktur einer gewissen Sicherung seiner Arbeitsbedingungen bedarf, damit i die Löhne nicht allzusehr herabgedrückt, die erlangten Verbesserungen nicht vollständig wieder verloren gehen. Den umgekehrten Standpunkt nimmt der Unternehmer ein. Bei schlechter Konjunktur ist für ihn der Tarifvertrag ein Hemmnis, das ihn an der volle» Ausnutzung des Ueberangebots an Arbeitskräften zurückhält, wogegen er bei günstiger Konjunktur vor plötzlichen unerwarteten Lohnforderungen und den damit ver- bundenen Weiterungen gesichert und in seiner Kalkulation nicht be- nachteiligt ist. Wenn die Schwerindustriellen dennoch in der Borkriegszeit vom Tarifvertrag nichts wissen wollten, so lediglich deshalb, weil damit die Anerkennung der gewerkschaftlichen Organisation verbunden war, wozu die Herren sich nicht herablassen wollten. Zudem glaubten sie sich auch in der Hochkonjunktur den Gewerk- schaften gewachsen, um deren Forderungen auf Lohnerhöhungen durch Aussperrung begegnen zu können. Der Tarifvertrag beseitigt nicht etwa den Gegensatz zwischen Arbeitnehmer und Unternehmer, er ist vielmehr ein befristeter Waffen still st andsvertrag im gewerkschaftlichen Kampfe. In dem Inhalt der Tarifverträge verkörpert sich das jeweilige Machtverhältnis der Bertragskontrahenten in wirtschaftlicher und organisatorischer Beziehung. Ze besser die Arbeiterschaft einer 3n- dustrie oder eines Gewerbes gewerkschaftlich organisiert ist. um so günstiger werden ihre Lohn- und Arbeitsbedingungen auch im Ta- rifvertrag sein und umgekehrt. Die kollektiven Vereinbarungen der Arbeitsbedingungen müssen natürlich in vertraglicher Form festgehalten, in ein gewisses Schema gebrocht werden. Der Vorwurf des Tarisschematismus kann sich nicht wohl gegen die vertragliche Form des Tarifvertrags wenden, er wendet sich gegen seinen Inhalt. Dieser Bor- wurf wird gewöhnlich von den Unternehmern erhoben und zwar jeweils dann, wenn ihnen irgendeine Bestimmung des Vertrages nicht gefällt. Möglich auch, daß den„prinzipiellen" Ta- rifvertragsgegnern, den Außenseitern, die durch die Erklärung eines Tarifvertrages als allgemeinverbindlich mit von ihm ersaßt werden, die eine oder andere Festlegung oder„die ganze Richtung" nicht gefällt. Davon abgesehen ist der allgemeine Vorwurf des Tarif- schematismus hinfällig. Die Tarifverträge sind meist das Er- gebnis von Kompromissen. In dem einen Punkte muß die eine Vertragspartei nachgeben, in dem anderen Punkte die andere Partei. Bei der vielfach jahrzehntelangen Tarifvertrags- Praxis der an dem Abschluß beteiligten Unterhändler der Ge- werkschaften und der Arbeitgeberverbände werden in den Tarif- Verträgen alle Verhältnisse berücksichtigt. Sollte es vorkommen, daß in irgendeinem Tarifvertrag diese oder jene kleinbetriebliche Be- sonderheit nicht genügend beachtet wird, dann könnte dies nur dar- auf zurückzuführen sein, daß die Unternehmer zu den Verhandlungen mehr juristisch geschulte als fachlich beschlagene Unterhändler hinzuziehen. Möglich, daß auf diese Weise ein Fehler unterlaufen kann. Bis zur nächsten Tariserneuerung wäre er auch herausgefunden und würde abgeändert. Damit wäre auch der Vorwurf der Starrheit der Tarifverträge abgetan. Doch wenn Herr v. Papen erklärte, „unsere Tarifverträge sind vielfach immer noch zu starr", dann mühte man genau wissen, was darunter zu verstehen sein soll. Die Tarifverträge sind selbstverständlich dazu da, um wie jeder andere rechtmäßige Vertrag eingehalten zu werden. Verträge, die jeder so auslegen und handhaben könnte, wie es ihm gerade in den Kram paßt, wären Kautschuk und keine Ver- träge, Zankäpfel, um die der Streik kein Ende fände bis sie be- seitigt sind, das Kind mit dem Bade ausgeschüttet ist. Soviel steht fest, daß der Vorwurf gegen die Tarifverträge, sie seien vielfach zu st a r r, nicht von den Arbeitnehmern erhoben wurde. Dieser Vorwurf scheint mehr aus die Oberbürger- m e i st e r zurückzugehen, die die Stillegung von Betrieben zu ver- hüten suchten, um ihren Gemeinden Unterstützungsausgaben zu er- sparen. Das gute Herz für das Gemeinwohl in allen Ehren, allein es gcht nun einmal nicht, daß ein Tarifvertrag beiseite geschoben, den Arbeitern unauskömmliche Löhne aufgezwungen werden, nur um einen Betrieb über Wasser zu halten, der aus diese Weise jede Konkurrenz unterbieten und Austräge für andere Werke an sich reißen kann. Das hieße dann ein Loch mit dem andern zudecken oder doch das Gespenst der Stillegung von einem Orte fort nach einem anderen zu verjagen. Wenn die Unternehmer jederzeit mit Stillegung ihrer Betriebe drohen, die Jndustriegemeinden in Furcht ver- setzen und sie so vor ihren Wagen spannen können, um tariflich geltende Lohnsätze über den Haufen zu werfen, dann ist der Grund- gedanke des Tarifvertrages hinfällig geworden. Fällt nach dem staatlich erzwungenen Lohnabbau auch noch der tarifvertragliche Schutz der Lohnarbeiter vor der Untergrabung de»- gekürzten Tariflöhne, dann wird damit die ganze Tariffrage in den Reihen der Arbeiterschaft neu aufgerollt. Sollten die Tarifverträg« auf Grund solcher Vorwürfe„aus- gestaltet" werden, dann könnten sie für die Arbeitnehmerschaft sehr leicht ihren bisherigen Wert verlieren. Zugegeben, daß auch der Kern der Tarifverträge wertvoll ist, doch nicht der an sich immerhin bittere Kern ist es, der die Tarifverträgs wertvoll macht, sondern die Frucht. Die G e st a l- t u n g der Existenzgrundlage ist es, die für die Arbeitnehmerschaft in dem Ringen um annehmbare Tarifverträge zum Ausdruck kommt und deren Sicherung der Tarifvertrag bewirken soll. Die Existenzgrundlage des Arbeitnehmers ist ein umstrittener Begriff, über den sich die Auffassungen derer, die sich einer vorzüglichen oder doch guten Existenzgrundlage er- freuen, und die Auffassungen der von der Hand in den Mund lebenden Arbeitnehmer wohl nie in Einklang bringen lassen. Die Vertreter der Gewerkschaften der Arbeitnehmer sind bei der angekündigten„Ausgestaltung" der Tarif- vertrüge nicht gehört worden. Ob die Vertreter der Unter- nehmer dazu offiziell gehört wurden oder nicht, spielt für sie keine Rolle, da ihre Interessen zweifellos weitgehende Berücksichtigung erfahren sollen. Wohl dem Staate, der mit dafür sorgt, daß die Existenzgrund- läge des Arbeitnehmers nicht auf das Kuliniveau herabgedrückt wird. Fühlte der Staat sich jedoch stark dem privatkapitalistischen Unternehmertum verbunden, das bemüht ist,„den Lohnfaktor" auf das Allerniedrigste herunterzuschrauben, dann muß die Arbeit- nehmerschast sich mit aller Macht dagegen wehren. Die Voraussetzung dazu ist für sie der festere Zusammenschluß in der gewerkschaftlichen Organisation. pressestimmen zur Tarifauslockerung. Die„Vossische Zeitung" schreibt: „... Mit der Auflockerung des Tarifrechts kommt die Re- gierung den Forderungen der Industrie außerordentlich weit entgegen, weiter als das Programm es notwendig machte. Die Einstellung neuer Arbeiter wird doppelt prämiiert. Einmal mit einem Steuererlaß— aus dem Wege der Verordnung— von 400 M. im Jahr, und dann durch einen Einbruch in den Tariflohn, der nach dem, was man bisher gehört hat, außerordentlich tief zu gehen scheint..." Das„Berliner Tageblatt" bemerkt(in seinem Handels- teil) nur kurz: „... Auch die Durchlöcherung des Tarifrechts, auf die später noch einzugehen wäre, ist nicht ungefährlich. Hier kommt es ebenfalls vor allem auf die Durchführung an." Der„Deutsch e" meint: „Die Reichsregierung beabsichtigt", so sagt der Kanzler,„das Tarifrecht und das Schlichtungswesen in seinem wesentlichen In- halt aufrechtzuerhalten." Das ist ein bemerkenswertes Zuge- ständnis. Wir können uns aber denken, daß die Aufrechterhal- tung unter U m st ä n d e n für die Arbeitnehmer viel o p f e r- reicher ist, als die völlige Beseitigung des Tarif- und Schlich- tungswesens, durch die dann auch die Arbeitnehmer ihre Hand- lungsfreiheit wiedergewinnen würden. Denn es ist durchaus möglich, daß mit Hilfe der staatlichen Schlichtungsinstanzen den Arbeitnehmern Tarife aufgezwungen werden, die nur noch wert sind, daß man sie zertrümmerte. Die Reichsregierung hat auch hier noch erst zu zeigen, was hinter ihrem Programm steckt. Wir hoffen aber, daß sie nicht mehr die Zeit findet, den von ihr durch die Kanzlerrede vorgezeichneten Weg zu gehen." Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" berichtet aus einer Unterredung mit dem Reichskanzler nach seiner Rede in Münster. Auf die Frage, ob es der Regierung nicht als u n- soziales Verhalten ausgelegt werde, wenn sie auch dem noch in Arbeit stehenden Arbeitnehmer Lasten auferlegt(das heißt neue Lasten zu den jetzigen Lasten. D. Red.), habe Papen ge- antwortet: „Unsozial ist heute der, der die Arbeitsmöglichkeiten ver- mindert." Durchaus richtig sei das Wort(das Hugenberg geprägt hat):„Sozial ilt, wer Arbeit schafft." Nach wie vor bleibt das Tarifrecht bestehen zum Schutze gegen Lohn- ausbeutung und zur Abwehr etwaiger Willkür der wirtschaftlich Stärkeren. Eine solche Willkür ist nach wie vor absolut ausgeschlossen." Die Botschaft hören wir, doch uns fehlt der Glaube. Durch eine Verkleinerung der Tarifbezirke und durch Tren- nung nicht zusammengehöriger Berufsgruppen könne man Arbeit- geber und Arbeitnehmer einander näher bringen. In solchen nach regionalen Gesichtspunkten und Berussarten gegliederten Tarif- bezirken und Tarifgebieten sei es leichter möglich, die Interessen der am Wirtschastsprozeß Beteiligten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.„Dieser gerechte Ausgleich der Interessen ist ja die Kardinalfrage der Wirtschaft überhaupt." Entlassungen bei der BVG. NGO.-Leute, Nazis und Gelbe tragen dazu bei. Im Bereiche des U-Bahn-Betriebes der BVG. sollten Anfang Mai 80 Fahrkartenausgeberinnen entlassen werden. Der Arbeiterrat der BVG. versuchte die Entlassungen zu vermeiden, indem aus der Grundlage weiterer Arbeitszeitverkür- z u n g verhandelt wurde. In der Verhandlung des Arbeiterrats Anfang Juni hat die R G O., wie üblich, sich gegen die Arbeitszeitverkürzung ausgesprochen und einen Lohnaus- gleich bei etwaiger Arbeitszeitverkürzung verlangt. Unter dieser Bedingung konnte keine Arbeitszeitverkürzung vereinbart werden, da die Direktion der BVG. darauf nicht eingeht. Durch wiederholte Verhandlungen gelang es, Entlassungen hin- auszuschieben, bis man plötzlich die Entlassungen aus- gesprochen hat, ohne weitere Verhandlungen mit dem Arbeiter- rat. Es wurden 48 Fahrkartenausgeberinnen ent- lassen, davon haben 44 Einspruch eingelegt. Unter den Ein- spruchsberechtigten befand sich die übergroße Mehrzahl in einer bitteren Notlage. Das veranlaßte den Arbeiterratsvorsitzenden, in einer erneuten Arbeiterratssitzung den Arbeiterrat nochmals zu befragen, ob er ihn nicht ermächtigen wolle, die vereinbarte Arbeitszeitverkürzung zu vereinbaren, um die wiedereinstellung der eutlassenen Fahr- tartenausgeberinnen herbeizuführen und die weiteren Entlassungen zu verhindern. In der entscheidenden Sitzung des Arbeiterrats haben RGO., Nazis und Gelbe gegen 14 Stimmen der Freigewerkschaster sich er- ncut gegen eine Arbeitszeilverkürzung ausgesprochen. Die Vertreter des Reichsoerbandes der Christlichen haben sich der Stimme enthalten. Nachdem der Arbeiterrat eine solche Entscheidung gefällt hat, blieb dem Vorsitzenden nichts weiter übrig, als die Tarif- Parteien zu bitten, eine Vereinbarung zu treffen, um nicht die Entlassenen hilflos aus der Straße zu lassen. Trotz dieses un- sozialen und unkollegialen Verhaltens der Gelben, RGO. und Nazis versucht man, gegen den die Interessen der Gekündigten wahr- nehmenden Vorsitzenden des Betriebsrats mit Lüge und Entstellungen und einer wüsten Hetze vorzugehen. Wenn auch nicht verkannt werden darf, daß die Einkünfte der Fahrkartenaus- geberinnen schon auf ein solches Mindestmaß herabgedrückt sind, daß weitere Herabsetzungen durch Arbeitszeitverkürzung ihre Lage un- erträglich erscheinen lassen, stellen die Freigewerkschaster trotzdem die Solidarität aller Arbeitenden an die Spitze ihrer praktischen Handlungen und lassen sich auch durch Lüge und Entstellungen unserer Gegner nicht davon abbringen Gesundheitsgefahren werden größer. Die Gefundheifsfürforge wird abgebaut Brutalität, nur Brutalität kann den ungeheuren Wider- spruch ertragen, dem wir zur Zeit auf dem Gebiete des Gesund- heitswesens begegnen. Auf der einen Seite ftitastrophaler Absturz der Volksgesundheit, auf der anderen Abbruch der' Wohlfahrt durch falsche Sparsamkeit. Die Einrichtungen der vorbeugenden Gesundheitsfürsorge werden rücksichtslos beseitigt. Mütter- und Schwangerenberatungsstellen gehen ein. Die Zahl der Schulärzte, die ohnedies unzureichend war, ist erheblich eingeschränkt worden. Trinker- und Psychopalhensürsorge gibt es kaum mehr. Schulspeisungen und Schulbäder sind eine Seltenheit geworden. Die Krllppelsürsorge ist dem Mangel an öffentlichen Mitteln zum Opfer gefallen. Kranken- und ähnliche Anstalten sind in großer Zahl geschlossen worden. Die nicht geschlossenen Krankenhäuser stehen, im Reichsdurch- schnitt gesehen, zu 25 Proz., die Heil- und Pflegeanstalten zu etwa 2 5 Proz. leer. Die Gesundheitsfürsorge wird abgebaut und die Gefahren der Dolksgesundheit steigen. Die Entbehrungen auf dem Gebiet der Ernährung und Wohnung zeigen immer üblere Folgen. Viele Krankheiten wie Kreislaufstörungen, Mandel- und Rachenentzün- düngen, Furunkel, Krätze, Entzündungen der Harnorgane, Krebs und andere bösartige Neubildungen, Lungenentzündungen, Magen- geschwüre, Gelenkrheumatismus usw. sind um etwa 20 Proz. g e- st i e g e n. Die nichtvenerischen Krankheiten der weiblichen Ge- schlechtsorgane haben sich verfünffacht. Die Fehlgeburten halten Schritt mit der steigenden Arbeits- losigkeit. Die Krankheiten des Nervensystems haben sich ver- s ü n f f a ch t. Beim Alkoholismus ist eine Steigerung um 6 0 Proz. zu verzeichnen. Schnaps- und Nikotinvergiftungen sind ja bekannte Begleiterscheinungen der Unterernährung. Die Leiter der besten deutschen Krankenanstalten— sie alle bekunden, daß der Ernährungszustand der Neuaufgenommenen heute wesentlich schlechter ist, und daß die damit zusammenhängen- den Krankheitserscheinungen zahlreicher und ernster geworden sind. Lohnkürzungen der pfälzischen Textilarbeiter. Ludwigshafen, 29. August. Mit Wirkung vom 15. August ermäßigen sich die tariflichen Normalstundenlöhne in der pfälzischen Textilindustrie weiter, und zwar für den Arbeiter in der Höch st alters stufe von 58 auf 55 Pfennig, für die Arbeiterin von 41 auf 38,5 Pfennig. In einigen Orten der Pfalz liegen die Lohn- sätze unter diesen Normallöhnen. Die neue Lohnrege- lung gilt zunächst bi» 28. Februar 1933. Oer englische Weberstreik. Noch'iZv Ovo Streikende. Manchester, 29. August. Während des Wochenendes verhandelten die Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Textilindustrie in den einzelnen Betrieben mit dem Ergebnis, daß am Montag eine Anzahl Fabriken wie gewöhn- lich eröffnet wurden. In einigen Fällen einigte man sich örtlich über die Lohnkürzungen, in anderen Fällen ließen die Arbeitgeber die Mitteilung über die Lohnsenkung nicht an- schlagen. Die Gewerkschaften rechnen für heute mit 130 000 Streikenden. 3n Dänemark ist die Arbeitslosenzahl in der legten Woche wiederum um fast 3000 gestiegen. M-Isc-Hammerlchaft-versammlung Sonntag, September, 10 Uhr, in Vogels Fcstsiile», Brllltenstr. 2.„Politische Situation und die Auf» gäbe» der Hammerschaften", Referent Max H e.y d e m a n n, M. d. L. Eintritt nur gegen Vorzeigung des Einladungsschreibens. BVG., Hauptlager, Grängel. Mittwoch, 31. August, 13 Uhr, Frak. tionsversammlung bei Schulz, Oranienburger Straße, am Bahnhof Wittenau. Unsere Forderungen zur Linderung der Not. Der Referent wird in der Versammlung belanntgegeben. tFrete Gewerkschafts-Zugend Berlin t- Heute, Dienstag, 30. August,»l'i Uhr, tagen die Gruppen: Gewerk» lchastshaus: Jugendheim Gewerkschaftshaus, Engclufer 24—23. Unter» Haltungsabend.— Steglih: Jugendheim Flemmingstr. 14b. Eine Stunde Wirtschastsgeschichte.— Spandau-Wilhelmstadt! Jugendheim, Sportplatz See- buraer Stratzc. Jugend im Gefängnis.— Panlow: Jugendheim Kissingen» stratze 48, Zimmer 3. Unsere Stellung zur Religion und Kirche.— Treptow: Jugendheim Elscnstr. 3. Unsere Mädels gestalten den Abend.— Schöneweide: Jugendheim Hasselwerderstraße lMäd» chenschule, im Keller). Liederabend.— Wir spielen ab 18 Uhr: Sudostkreis: Sportplatz Am Urban.— Rordkrcis: Sportplatz Humboldtham.— Nordost- kreis: Sportplatz Eantianftraße, Platz 2c. §�ugenvgruppe des Lentralverbandes der Angestellten Heute, Dienstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Gesund- drunnen: Jugendheim Schönstcdtstr. l. Der Kamps im Fernen Osten— leine wirtschaftlichen und politischen Hintergründe.— Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Kurzreferate.— Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 18—1». Ausspracheabend.— Hente, ab 20 Uhr, Sprcchchorprode in der Turnhalle Ba» ruthcr Sir. 20.— Spiele im Freien: Ab 20 Ubr in Köpenick, Eiche.Sportvlatz, Eck- Achenbachstraße, ab 18 Uhr Sportplatz Rchberge.— Plaketten für die Anti- Kricgsknndgebnng am 3. September im Volkspark Rehberge zum Preise von 20 Pf. sind im Iugendsekretariat zu haben. Der„Vorwärts" erscheint wochenläglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgade für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Anzeigenpreise: Die e i n sp a I t. Millimererzeile 30 Pf„ Retlamezetle a.— M, „kleine Anzeigen" das fettgedruckt- Wort ao Pf.«zulässig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt laut Tarif. Wort- Uber IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Mtllimeterzeile a» Pf. Familienanzeigen Millimeterzeile>6 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von S>/, bis>7 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich tüi Politik: Victor Sch'ff; Wirtschutt:». Klingelhös-r! Vewerlschastsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Lepdre; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt; Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag D. m. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdruckeret und VerlagsanftaU Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstraß- i Hierzu 2 Beilage». Nr. 407• 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Dienstag, 30. August 49ZZ Schupo in höchster Bereiischan. Landtag und Ratchstag stark geschützt.- Sicherung der Innenstadt. Wie immer an großen Parlamentstagen wird auch heute die Berliner Schutzpolizei der Innenstadt ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Das wird heute, wo der Landtag um 13 Uhr, und zwei Stunden später der Reichstag um 13 Uhr zusammentreten, in ganz be- sonderem Maße der Fall sein. Tie Umgebung des Reichs- tags wird in der üblichen Weise durch eine Polizei- kette besonders gesichert sein. Tas gleiche gilt für die Straßen um den Landtag. In beiden Fällen untersteht die Leitung der Absperrungsmaßnahmen dem Polizei- kommando Gruppe Mitte der Schutzpolizei. Für eine gewisse Zeit besteht höchste Bereitschaft, um auf alle Fälle gegen etwaige Störungen, die von rechts- oder linksradikaler Seite kommen können, gerüstet zu sein. Der Polizeikordon um- faßt in erster Linie die Bannmeile. Neben den bekannten Schildern, die die Grenze des Bannkreises in allen Stadtteilen an- zeigen, werden verstärkte Schupoposten überall eingesetzt. Bom Reichstag bis zum Landtag werden außerdem Polizei- Patrouillenwagen und berittene Schupopatrouillen fort- während die Straßen unter Beobachtung halten. Diese Polizeimaßnahmen erscheinen in Anbetracht der politi- schen Hochspannung als durchaus notwendig. Die Polizei wird in keinem Falle unerlaubte Ansammlungen oder Demonstrations- versuche dulden. Man wird alles daran setzen, um ähnliche tur- bulente und beschämende Szenen, wie sie bereits wiederholt von den Nationalsozialisten in der Umgebung des Reichstages und Land- tages entfesselt worden sind, zu verhüten. Wieder gehen, wie vor einiger Zeit, im Publikum die Gerüchte von einer Konzentration der Hitler-Gardisten und einen„Marsch auf Berlin" um. Man geht offenbar nicht fehl in der Annahme, daß diese Gerüchte von den Hakenkreuzlern selbst in durchsichtiger Weise ausgestreut werden, um Unruhe zu schaffen. Die Berliner Polizei versichert, für alle Eventualitätten gerüstet zu sein. !Nelchsiags-Tribünenkarten vergriffen. Wie vom Büro des Reichstags mitgeteilt wird, sind zur heutigen Eröffnungssitzung des Reichstags sämtliche Tribllnenkarten oergriffen. Auch an der amtlichen Kartenausgabestelle des Reichstags werden morgen keine Karten mehr zu haben sein. Es werden daher Zutritt zum Hause nur Personen finden, die bereits im Besitz von Tribünenkarten oöer von amtlichen Ausweisen zum Betreten des Reichstagsgebäudes sind. Gtraßenjagd hinter Autodieb. Echüsse auf die Verfolger. Im Berliner Westen spielte sich gestern abend eine aus- regende Jagd hinler einem flüchtenden Autodieb ab. Nach längerer Verfolgung konnte der Täter gestellt und der Polizei übergeben werden. An der Ecke Pariser und Emser Straße stand gestern abend einige Zeit ein unbewachtes Privatauto. Die Gelegenheit machte sich ein Autodieb zunutze. Der Täter hantierte längere Zeit an dem Auto, ehe es ihm gelang, den Wagen in Fahrt zu bringen. Das seltsame Verhalten des Mannes hatte die Aufmerksamkeit eines Chauffeurs erregt, der ein Stück weiter mit seinem Auto hielt. Gerade als der Chauffeur auf das Auto zugchen wollte, gab der Fremde Gas und fuhr in rasender Fahrt davon. Kurz entschlossen nahm der Mann die Verfolgung des Flüchtlings auf. Nach wilder Jagd durch mehrere Straßen holte der Chauffeur den Dieb ein. Als der Bursche erkannte, daß es für ihn kein Entkommen mehr gab, sprang er aus dem Wagen, zog eine P i st o l e und feuerte auf seinen Verfolger zwei Schüsse ab, die ihr Ziel verfehlten. Inzwischen waren Passanten auf den Vorfall aufmerksam ge- worden. Es gelang ihnen, im Verein mit dem Chauffeur den be- waffneten Autodieb festzunehmen und ihn einer Polizei st reife zu übergeben. Der Täter wurde zur nächsten Wache gebracht, wo er Angaben über seine Person verweigerte. Die Kriminal- Polizei hat die weiteren Ermittlungen aufgenommen. Das Ende einer Einbrecherbande. Anerkennung für das Lleberfallkommando„Messestadt". Vor kurzer Zeit bemerkten Bewohner einer Grunewaldvilla, daß sich Einbrecher Zutritt verschasft hatten. Das alarmierte Ueberfallkommando rückte an: die Täter waren unter Zu- rücklassung ihrer Beute im Werte von 19 009 M. aber geflüchtet. Die Beamten nahmen nun«ine systematische Durchstreifung des Gelänöes vor und es gelang ihnen unter schwierigen Umständen, in der Dunkelheit zwei bewaffnete Mitglieder der Banbe zu stellen. Durch die Festnahme der beiden Täter kam die Kriminalpolizei auf die Spur der übrigen Mitglieder der Bande, die das Grüne- waldgebiet monatelang unsicher und reiche Beute gemacht hatte. Der kommissarisch« Polizeipräsident Dr. M e l ch e r hat den Be- amten des Ueberfallkommandos„Messestadt", den Oberwachtmeistern L ö f f l« r und S a a l f r a n k sowie den Wachtmeistern Steinte, Iankowski, Kohlsaot und Reedwisch für ihre erfolg- reiche Arbeit seine besondere Anerkennung ausgesprochen. Polizeiwachtmeister Paul K r e g von der Bereitschaft Tegel erhielt eine Belobigung, weil er zwei mit Pistolen bewaffnete junge Burschen, die in ein« Butterhandlung eingedrungen waren und die Kasse rauben wollten, unter schwierigen Verhältnissen festnahm. Schließlich erhielt noch Polizeioberwachtmeister O e h l k e vom 43. Polizeirevier«ine Anerkennung des zur Zeit amtierenden kom- missarischen Polizeipräsidenten wegen tüchtigen und unerschrockenen Verhaltens im Dienste. Ueberfall auf finnische Lappo-Dank. Auf die finnische Lappo- Sparkasse in Helsingfors wurde am Montag früh ein dreister Ueberfall verübt Als die Kassiererin am Morgen die Räume der Bank öffnen wollte, wurde sie von einem Räuber übersallen und bewußtlos geschlagen. Dem Räuber gelang es, mit der Kasse, die insgesamt 300000 finnische Mark enthielt, zu entkommen. Llnangenehme Funtsreunde. Ausstellung als Magnet für Taschendiebe. Die groß« Anziehungskraft der am Sonntag beendeten Funk- a u s st e l l u n g auf ausländische Besucher, die eigens nach Berlin gefahren waren, um die Errungenschaften der deutschen Radio- industrie kennenzulernen, hat sich auch auf fremdländische Gäste einer anderen„Branche" ausgewirkt. Ihr Interesse war allerdings nicht auf die Empfangs- und Sendeapparate und„drahtloses" Fern- sehen gerichtet, sondern vielmehr auf die Brieftaschen des Ausstellungspublikums. Die Kriminalpolizei, die auf diese geschäftstüchtigen Reisenden gerechnet und einen besonderen Ueberwachungsdienst eingerichtet hatte, konnte am 20. August einen äußerst rührigen Vertreter dieser Zunft, einen 32jährigen Polen Emanuel Messer, festnehmen und gestern dem Schnellgericht vorführen. Der Angeklagte, der in Deutschland und fast allen anderen Ländern des Kontinents erheb- liche Strafen erhalten hatte und in dieser Beziehung beinahe mit seinem Namensvetter Mackie Messer aus der Dreigroschenoper konkurrieren konnte, war nur wegen der Funkausstellung nach Verlin gekommen. In den Räumen der Ausstellung fiel er jedoch den Beamten bald auf, so daß seine Festnahme erfolgte. Der Dieb wurde zu 1 Jahr und 6 Monaten Zuchthaus verurteilt, um ihm vor Augen zu führen, daß die auf der Funkausstellung bewunderten „Sperrgitter" und„Sperrkreise" auch eine unangenehmere Be- deutung haben können. Zeichen der Zeit. Einer, der wieder ins Gefängnis will. Um wieder ins Gefängnis zu kommen, hatte der Arbeitslose M r z y k eine Scheune bei Werneuchen angesteckt. M. stammt aus Beuthen und obgleich er deutscher Staatsangehöriger ist, beherrscht er die deutsche Sprache so schlecht, daß er hier als Pole angesehen wurde und keine Arbeit fand. Aus Verzweiflung hierüber legte er den Brand an, um im Gefängnis Unterkunft zu finden. Auf Grund seiner schweren Vorstrafen verurteilte tue Ferienstrafkammer des Landgerichts II den Angeklagten Mrzyk wegen Brandstiftung zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte nahm die Strafe sofort an. Berlins Flucht vor der Hitzewelle Freibad im Teltowkanal In diesen sommerlichen Tagen, die uns eine Tropenhitze bescherten, hat die Zahl der Freibadfreunde immer mehr zugenommen. Die lange Arbeitslosigkeit hat es Dielen unmöglich gemacht, eines der vorbildlichen Freibäder aufzusuchen, die die Stadt Berlin an ihren Seen errichtet hat. So wird denn jedes Wasser zu einem Freibad, das ohne Gefahr benutzt werden kann. Selbst im Innern der Stadt entwickelt sich zuweilen an den„Gestaden der Spree" ein lustiger Badebetrieb. Das ist auch für die Zuschauer ein Gaudi. Niemand stört sich an diesem großstädtischen erfreuenden„Badebetrieb". Auch an den Ufern des Telfowkanals hat sich ein richtiges Badeleben entwickelt. Es fehlt dabei weder an den Zeitungs- und Limonadenoerkäufern, noch an Bäckerjungen und den Männern mit den warmen Würstchen. Ueberall, wo sich Menschen versammeln, wird es irgendeinen geben, der eine Verdienstmöglichkeit wittert und ausnutzt. Zur Beruhigung des Herrn Dr. Bracht sei auch noch mitgeteilt, daß die Badenden sehr „moralisch" im Sinne der bekannten Notverordnung sind. Alles ist mit vorschriftsmäßigen Badekostümen bekleidet, und es gibt keinen, der„Anstoß" nähme. Nur die ganz Kleinen werden als ■'im neutral betrachtet. Und auch das ist ein ganz gesunder Zug im Volke. Im übrigen kann man hier seine Erfahrungen sammeln, wie das Volk zum Nacktbaden steht:„Wenn wa alleene warn, würden wa ohne die olle Badehose ins JVassa jehn. Aba so jeht det ja nidi." Das denken die meisten und handeln danach. Herr Bracht kann ruhig sein... doitZufio* tUtteäfaßUngamaake,? lüeil festsieht p daß die stets gleichbleibende Güte. Frische und aromatische Mischung unserer unübertrefflich ist. Um dieser gulen MseM-Cigeretle weiterhin ihre anerkannte Qualität zu. erhalten, müssen wir auf Zugaben in Form von Werlmarken, Gutscheinen oder Stickereien verzichten. UJerJuno raucht, genieQt in vollen Zügen! «.»HP» Der Selbstmord des Richters. Die Tragödie des Lübedeer Amtsgerichtsrates. Zum Selbstmord de, Eolmetle-Prozeh-Vorsihenden Dr. wibel— wir haben in der Abendausgabe bereit, dar- über berichtet— werden noch folgende Einzelheilen mitgeteilt: Dr. Wibel hatte sich bei Hamburger Verwandten aufgehalten und erschien am Sonnabendnachmittag in einem bekannten Hotel am Hauptbahnhof, um sich ein Zimmer zu mieten. Er ging dann noch einmal fort, kehrte nach kurzer Zeit zurück und ließ sich im Hause nicht wieder sehen. Die Zimmermädchen klopsten wiederholt am Sonntagmorgen an seine Tür, schöpften aber erst am Nach- mittag Verdacht. Als die Leitung des Hotels die Tür aufbrechen lieh, fand man Wibel erschossen auf, die Pistole in der Hand. Wahr- scheinlich war der Tod bereits am Sonnabendnachmittag eingetreten. Der Schuß ist nicht im Hotel gehört worden. Von einer Verwandten Dr. Wibels wird versichert, daß dieser keinerlei Anzeichen geistiger Störung gezeigt habe. Er sei ruhig wie stets gewesen. Sonnabend- mittag habe er das Haus, wie gewöhnlich, zu einem Spaziergang verlassen. Selten hat ein Prozeß so sensationell in den Kreisen der Wissenschaft gewirkt, wie der Lübecker Prozeß gegen zwei Aerzte, in dem juristische Fragen zeitweise zurücktraten, weil man sich über den rein medizinischen Tatbestand nicht einigen konnte: selten hat auch ein Prozeß soviel Opser gefordert, soviel Tra. g ö d i e n verursacht, wie dieser furchtbare Kampf verzweifelter Eltern um ihr Recht und angesehenster Wissenschaftler um Calmette. Der Tod 76 unschuldiger Kinder lastete schwer auf den Schultern der Richter, von denen man restlose Ausklärung und Gerechtigkeit in einem Fall verlangte, über den sich Autoritäten stritten und der die ganze Welt außer Atem hielt; in der gespannten Atmosphäre der Verhandlungen kam es immer wieder zu den erregendsten Ent- ladungen der Leidenschaften, von denen der plötzliche, merkwürdige Selbstmord des Rechtsanwalts Dr. Lißner, eines der Verteidiger von Deycke, eine der beängstigendsten war. Nun hat auch der Vor- sitzende des mit größter Verantwortung belasteten Gerichts zur Waffe gegriffen. volei' der zuchlhaus-uerordnung. Unpolitische scniagorei vor dem sondergericht- Furchtbare zuenthausstraten. Die furchtboren Aolgen der Bestimmungen der Notverordnung gegen polltischen Terror vom 9. August 1932 zeigte eine Verhandlung, die gestern vor dem Sondergericht I Berlin gegen den 28 Zahre alten Schlosser Richard Reimann und den 31 Zahre alten Schmied Blax S I e s a n s t i wegen Widerstandes, tätlicher Beamtenbeleidigung und Körperverletzung durchgeführt wurde. Bei diesem Prozeß handelte es sich um eine Angelegenheit ohne jegliche politische Hintergründe. Die beiden Angeklagten haben in der Trunkenheit strafbare Handlungen begangen, die gewiß nicht zu billigen sind. Sie hatten eine ausgedehnte Bierreise unter- i.ommen, die in einer Eisdiele in Königswu st erhausen ihr vorläufiges Ende fand. Reimann verspürte plötzlich die Neigung. mit einem Bauarbeiter Wolf Skat zu spielen. Dieser meinte aber, das schicke sich in einer Eisdiele nicht. Es kam zur Schlägerei, auf der Straße prügelte man sich weiter. Nun griss der Nachtwach- beamte K i ß n e r ein und forderte Reimann auf, nach Hause zu gehen. Der weigerte sich und griff dem Beamten an die Uniform. Dieser schlug mit dem Gummiknüppel, eine neue Keilerei war im Gange, an der sich auch Stefanski beteiligt haben soll. Der Beamte sagte aus, durch einen Schlag an den Kopf betäubt und mit den Füßen getreten worden zu sein. Vor Gericht erklärten die beiden Angeklagten, daß sie sehr stark getrunken hätten und sich auf Einzelheiten nicht mehr besinnen könnten. Staatsanwaltschmstsrat Wagner beantragte auf Grund der Notverordnung gegen den Angeklagten Reimann ein Jahr und eine Woche Zuchthaus und gegen den Angeklagten Stefanski ein Jahr Zuchthaus, wobei er betonte, daß bei derartig ab- schreckenden Urteilen die Ruhe sicherlich bald wieder hergestellt werden würde. Es ist freilich unerfindlich, was die Straftat der beiden angetrunkenen Arbeiter mit der Wiederherstellung der äsfent- lichen Ruhe und Ordnung zu tun hat. Sie aber stellt auch nach der Begründung, die der Notverordnung vom 9. August durch die Reichsregierung von Papen gegeben wurde, den einzigen Zweck der hohen Strafbestimmungen dar. Da» Sondergericht unter Vorsitz von Londgerichtedirektor Tolt verurteilte Reimann zu einem Jahr und einem Tag Zuchthau» und Stefanski zu einem Jahr Zuchthaus. Der Vorsitzende be- tonte dabei, daß die Notverordnung mildernde Umstände ausschließe, weshalb auch in diesem Falle aus Zuchthaus erkannt werden mußte. Wetter seien die Gerichte durch Ministerialverfügungen angewiesen, keine Strafaussetzung zu gewähren. Die Angeklagten wurden sofort abgeführt. Ihre Frauen, die im Zuhörerraum saßen, brachen in Weinkrämpfe aus. * Das Urteil, das zwei Menschen ins Zuchthaus schickt, deren Straftat in anderen Zeiten mit höchstens einigen Monaten Gefäng- ni« bestraft worden wäre, stützt sich formal einwandfrei auf die Bestimmungen der Verordnung vom 9. August. Die Sozialdemokratie hat den politischen Terror immer auf das schärfste bekämpft. So ist auch die Zahl der Angeklagten auf Grund der Notverordnung vom 9. August, die der Eisernen Front angehören, sehr gering. Meistens handelt es sich um Nationalsozialisten und Kommunisten. Die Notverordnung ist ein« Folge der Politik der gegenwärtigen Reichsregierung, die durch Wiederfreilassung der SA. die Zustände, unter denen wir leiden, hervorgerufen hat. Aufgabe der Sozialdemokratie wird es sein, wenn ihr durch den Volkswillen wieder der Einfluß zuerteilt worden ist, den sie zu einer Aenderung der unhaltbaren Zustände braucht, so furchtbare Urteile, wie das gestern gefällte, zu revidieren! Erntesegen im Drachland. Die Köpenicker Kleingärtner stellen aus. Wenn Riesenkohlköpfe und Kürbisse, saststrotzend« Birnen und prall« Tomaten, leuchtende Dahlien und die anderen Spätsommer- blumen den Ausstellungstisch der Kleingärtner zieren, so liegt hinter diesem gärtnerischen Erfolg«ine lange Kette mühevoller Arbeit. Des Kleingärtners Arbeit birgt einen zähen Kampf gegen viele feindliche Elemente: da ist zuerft der Boden, meist ödes, sandiges Brachland, dem es den Ertrag abzutrotzen gilt, und dann der magere Geldbeutel: da hieße es, viel und richtigen Dung kaufen, Pflanzen, Bäumchen und was eben zu solch kleiner Landwirtschaft unbedingt dazu gehört. Aber wie soll man das machen bei der knappen Unterstützung? Da find beispielsweise von den rund 1999 Köpenicker Kleingärtnern gut 49 Proz. erwerbs- los. Da heißt es eben die Beine in die Hand nehmen, um sich all das, was sein muß, irgendwo zusammenzukratzen. Gut« Ka- meradschast unter den Kolonisten ist vonnöten, und so hilft man sich gegenseitig mit dem Wenigen aus, das man hat, tauscht die Sämlinge, damit nicht alle 1999 Mann dasselbe pflanzen. Die Obstbaumfrage ist auch ein Kapitel Finanztechnik: erstmal hat man Der Film„Kameradschaft" den jeder Genosse und jede Genossin gesehen haben muß, wird im Planetarium in derZeit vom 30. August bis einschl. Sonntag, dem 11. September, gespielt. „Kameradschaft" behandelt ein deutsch- französisches Bergwerksunglück. U. a. spielt Fritz K a m p e r s mit. Im Bezirksausschuß für sozialistische Bildungsarbeit, Llodenstr. 3, 2. Hof, 2 Treppen, gibt es Vorzugskarten zu 50 Pf., Erwerbslose 26 Pf. Da der Film vom Spielplan abgesetzt ist, bitten wir die Genossen, für „Kameradschaft4' Im Pianetarium tüchtig Propaganda ru machen und Vorzugskarten anzufordern. die dazu gehörige 1,75 M. nicht und dazu noch die ständige Angst des Heruntermüstens vom Land, so daß man nie weiß, ob man im nächsten Herbst noch abernten kann. Auch der Torfmull ist ein großes Sorgenkind. Da springt der Bezirksverein ein, der die nötigen Bedarfsartikel einkauft und es dem einzelnen so möglich macht, seinen Torfmull in wöchentlichen 59-Pf./e Uhr, im Krematorium Gerichtstratze flati. Rege Beteiligung wird erwartet. Nachruf Am 21. August starb unser Kollege, der Dreher Otto Boettcher geboren 8 April 1913. Die Beerdigung hat bereit» statt» gefunden. Ehre ihrem Andenken! »In Ortsverwaltanil. Oonneraiua. tisn 1. September 1932, abends 2 Ahr. Im Slhungsfoal It de» verdandshoufes. Eingang B, ElfSsfer Strasze 86 88 Brandien-Versammliiirt aller in der EUenkonslraktlon, Signal- bau. Fahrstuhl- und Aulzueban beschäftigten Kollegen sowie aller Monis ure und HeUcr aof Bauten nnd erwerbslosen BranebenangebSrtgen Tagesordnung 1. Bericht vom Verbau dstag In Dort» mund, 2. Branchenangelegenhettem 8, Verschiedenes, Ohne MUgltedsbuch tein tzutritt. E» ifi Pfitchi aller Kollegen, an dieser Versammlung teilzunehmen, vonaerstng. den 1. September 1952, abend» 2 Ahr, im Slhnngasanl Ii des verbandshanies, Eingang B, ElfSsfer Strohe 88-88. Brandien-Versammlung der Hupfersditniede Tagesordnung! Branchenangelegenheiten. Ohne Mitgliedsbuch kein tzutritt, Es ist Pflicht aller Kollegen, an dieser Versammlung teilzunehmen, Die OrtsverwaUnng, eisu �Betten is» Kladerts, Polst«, CbalMt, an Mon-Tolia Katsioc(ML ElsaamSbaUabrfk Sohl OiflJ Vereinigung der Ortskrankenkasse der Buchbinder und verwandten Gewerbe mit der Ortskrankenkasse für das Buchdruckgewerbe zu Berlin Das Oderverstch erungsamt Berlin bat durch Entscheidung vom 24, Mai 1332 die Bereinigung der obengenannten Kassen gemäß den Beschlüssen der Borstände und Ausschllsse beider Kassen mit Ivirtnng vom I.Oktober 1952 ausgesprochen, Am gleichen Tage tritt die vom Oderversicherungsamt Berlin genehmigte 81 Satzungsänderung in Kraft, Geändert find die jfe 1, 56 und 71.§ 1, Absatz I, erhält folgende Fassung: „Die Kasse führt den Namen„vris- krantentassc de» Buchdruckaewerbes, der Buchbinder und verwandten Gewerbe zu Berlin*. Sic besteht für die im§ 165, Abs, I RBO, bezeichneten Personen, soweit sie beschästigt find: 1, im Buchdruckaewerbe, 1 im Buchbindergewerbe, 8. mit der Ber- ferttgung von Alben. Mappen, Eime, Partefemlles und Ledcrgaiantericwaren und 4, mit der Berfcrtigung von Karton- nagen- und Galanteriewaren, soweit solche unter den Begriff von Buchbtnderarbeii sollen" Die Geschäftsräume der vereinigten Kaffe befinden sich Berttn S 14, Alexandrtnen- itraße 44, Nähere Informationen erfolgen durch Rundschreiden. ver Vorstand der Ortstrantenkasse sür das vuchdrnitgewerbe zu Berlin. Richard Lenz Alfred Eksträm Vorfitzender Schriftführer. 8cIwerIiori|r- — aber doch gut hören Möchten Sie da« wieder 7 Wollen Sie Ihrem Beruf ungehemmt nachgehen, an allen Freuden von Wort, Ton und Musik wieder teilnehmen? Sicherlich I „Original- Akustik" mit seinem neuen Tontilter-Mikro- fon und dem Ooldknopfhörer, kleiner als ein Pfennig, bringt Ihnen das grolle Geschenk wieder hören zu können, Fordern Sie Prospekt D 16. 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Hosianna an der Börse. pleite in Leipzig.— Skepsis im Ausland.— Die Fragezeichen des Wirtschafisprogramms. Die Antwort der Berliner Börse auf Popens Wirts 6>asts- Programm" ist eindeutiger, als es jede wirtschastliche Kritik vermöchte. Obwohl zunächst hinter der ganzen Ankurbelung nichts steht als ein propagandistischer Optimismus und ein weiterer Abbau der in- ländischen Kaufkraft, hat ein Sturm des Publikums an der Börse eingesetzt, das Aktien kauft. Bis zum Börsenschluß sind die Kurse ununterbrochen gestiegen. Die Großbanken mußten Material zur Verfügung stellen— das Angebot war zu knapp—, um nicht kleinere Zuteilungen gegenüber der Nachfrage (Repartierungen) vorzunehmen. Die wichkigsien Käufer kamen aus Rheinland-Wesifalen mik der ausdrücklichen Begründung, daß die Montanindustrie in großem Umfange Steuererstattungsscheine bekommen werde. Die Hoffnung, daß dort auch in größtem Umfang die Schlichter von ihrer Vollmacht der Lohn- senkung Gebrauch machen werden, trug dazu bei. Einige Beispiele für Kurssteigerungen: Mannesmann stieg um 4, Rheinstahl um 3, Stahlverein um 2. Gelsenkirchen um 3, S l ö ck n e r um 4, Ilse Braunkohle um mehr als 7, Rheinische Braunkohle um fast ö. Kali-Westeregeln gewann ö, ZG. Farben 3. Oberkoks 4 Proz. Die AEG. erHöhle ihren Kurs um 2%, die G e s- sürel um S. Siemens-Schuckert gewannen 5, Siemens u. halske 6, Günther Ouandls Akkumulatoren sogar 7 Proz. Selbst die Aktien des Maschinenbaues, der Autoindustrie und der Textilindustrie zogen stark an. Berlin-Karlsruher um 5, Bayerische Moloren um ö und Stöhr um fast 10 Proz. Diese Kurssteigerungen sind verständlich. Die 1 5<1 lZ M i l- l i o n e n Steueranrechnungsscheine sind ein sicheres und gänzlich glattes Geschenk. Auf dieser Grundlage läßt sich spekulieren. Die Lohnsenkungen werden von dieser Regierung durchzuführen versucht werden. Sie werden im Kurse einfach eskomptiert. Die S p e k u- lation steigt in vollem Umfange ein, das Risiko tragen ja nur die, die zuletzt wieder aussteigen, und die deutsche Gesamt- Wirtschaft! Der öffentliche Kredit— der Staat blecht ja nur— wird auf der Börse denkbar schlecht bewertet. Die seswerzins- lichen Papiere haben die Aufwärtsbewegung auf der ganzen Linie nicht mitgemacht. Wenn man ein« wirtschaftliche Erholung er- warten würde, so hätte mindestens die durch Lausanne begünstigte Aoung-Anleihe steigen müssen. Leicht gestiegen sind aber nur In- dustrieobligationen. Die öffentlichen Anleihen, Goldpfand- briefe, Kommunalobligativnen haben eher verloren als ge- wonnen. Wie sehr alles in Berlin auf reine Spekulation gestimmt ist, zeigt auch ein Blick auf die Leipziger herbst- messe. Der erste Tag war eine offene Pleite. Die Verkäufe er- reichten kaum die Hälfte der vorjährigen Messe. Wir berichteten gestern schon, daß Ausländer fast gar nicht eingetroffen sind. Von wirklichem Optimismus scheint in der Wirtschaft keine Spur vor- Händen zu sein. Die Meinung des Auslands. Als charakteristisches Beispiel für die Beurteilung der Maß- nahmen im Ausland sei die Auffassung der Londoner City wiedergegeben, hinsichtlich der finanziellen Durchführung und der Erfolgsmöglichkeiten des Arbeitsbeschaffungspro- gr a m m s herrschen in London die größten Zweifel. Man er- innert an die Parallele in den Vereinigten Staaten, wo ebenfalls zweifelhafte Kreditaktionen und neuerdings auch Lohnkürzungen eine entscheidende Rolle spielten. Man erkennt aber auch in den Lon- doner Finanzkreisen ganz deutlich den Widerspruch zwischen der offen sozialreaktionären Tendenz und der politischen Grund- stimmung in Deutschland, die sozialistisch und nicht privat- wirtschaftlich ist. Das nächste, was man erwartet, ist eine bedeutende Verschärfung der sozialen und politischen Spannungen in Deutschland. Das Reer derFragezeichen Illusion und Wirklichkeit im Programm. Das ganze Papensche Wirtschaftsprogramm ist auf die hoff- nung der produktiven Initiative derselben Privatwirtschaft gestellt, deren vollständigem Versagen ein so beispielloses Versacken der Volikswirtschaft zu danken ist, wie wir es heute festzustellen haben. Nur einige wenige problematische Dinge wollen wir in folgendem herausgreifen: Es sollen 2200 Millionen Mark Steuergeschenke und staatliche Lohnsubventionen gewährt werden. Der Etat erleidet jährlich von 1934 bis 1938 Ausfälle von mindestens 312 und möglicherweise von 462 Millionen Mark. Die 312 Millionen sind absolut sichere Verluste. Wenn die Ankurbelung nicht zündet, wer zahlt dem Staat das Defizit? Wenn die Subventionen einfach geschluckt und unproduktiv ausgegeben werden, wer sorgt dann für die Unter st ützung der Arbeitslosen? 1569 Millionen gehen jedenfalls als Geschenk an die Wirt- schast. Das soll gewiß allmählich geschehen, nämlich im Lause eines Jahres. Wenn sie im Kassenschrank der Unternehmer bleiben, wozu dann die Geschenke? Wenn sie wirklich voll zu Krediten werden, wo liegen dann die Grenzen für die Mit- Wirkung der Reichsbank? Die Reichsbank kann nur dann unbedenklich mittun, wenn die Ankurbelung in kleinem Umfange zündet. Zündet sie in großem Umfang, und die Konjunktur zieht gleichzeitig an, woher holt dann die Reichsbank die Gelder, die sie zur Konjunkturfinanzierung braucht? Wird man dann, wenn man billige Kredite braucht, den Diskont wieder er- hohen? Wenn die Steuersubventionen zu Aktienkäufen verwendet werden, wird die Lombardsähigkeit der Anrechnungsscheine einfach dazu führen, daß die R e i ch s b a n k S�p ekulationskäufe auch an den Börsen finanziert? Kausen sich die begünstigten Unter- nehmer Autos oder sonstige Luxu-gegenstände mit den Steuer- Vergünstigungen, soll es dann auf einmal gleichgültig sein, ob die 'Verwendung der Gelder nur zu konsumtiven Zwecken erfolgt? Die 1866 Millionen sollen bei den Unternehmern die Kosten senken, dazu kommen 766 Millionen bei der Mehreinstellung von Arbeitern. Nützt man die Kostensenkung aus, produziert man mehr, etwa für den Export, dann wird das Ausland den Fall des Dumpings konstruieren. Wird unsere Handels» xolitik dadurch gewinnend Die 1S06 und 766 Millionen sollen die Unternehmungen kredit- würdiger machen. Viele Unternehmungen müßten heute noch ver- schwinden, weil sie nicht kreditwürdig zu machen sind: bei vielen, und zwar den größten, fehlt heute noch die finanzielle Bereinigung. Wenn nun die technische und finanzielle Be- reinigung in demselben Maße unterbleibt— die Vergangenheit spricht fast nur von solchen Erfahrungen—, wenn mit anderen Worten die V e r l u st q u e l l e n in der Wirtschaft nicht beseitigt, sondern durch Faulheitsprämien relativ vergrößert werden, woher holt man dann den Mut, von einem Ende der Krise zu sprechen und von einem Ende der Deflation? Keinerlei Garantie ist in dem neuen Wirtschaftsprogramm da- für gegeben, daß zusätzliche Arbeit und zusätzliche Aufträge wirklich in Erscheinung treten. Wo ist denn der von der Re- gierung genannte Anlagenbedarf bei der gleichzeitig nicht bestritte- nen Ueberkapazität? Die Auffüllung der L ä g e r wäre auch auf normalem Wege erfolgt. Dazu braucht man keine Steuer- subvention. Rur die öffentliche Arbeitsbeschaffung, wie wir sie gefordert haben, hätte wirkliche Garantien für das hereinkommen zu- faßlicher Aufträge gewährt. Jetzt redet man von einem 2-Milliarden- Programm. Diese zwei Milliarden stehen auf dem Papier. Bestenfalls sind die bisher wenigstens zum großen Teil finanzierten 3S6 Mil- lionen für überwiegend öffentliche Aufträge Realität. Von den zwei Milliarden ist vollständig offen, ob sie nicht zum größten Teil verschleudert werden. Dagegen sind heute fast alle Garantien gegeben für die ge- planten Lohnsenkungen, das heißt für eine neuerliche Drosselung des Inlandsmarktes und eine neuerliche Verringe- rung der bisher schon vorhandenen Aufträge. Wenn bei Mehreinstellungen die Löhne gesenkt werden, wenn bei den unzäh- ligen heute„bedrohten" Betrieben vom Schlichter Lohn und Ge- halt bis zum Existenzminimum gesenkt werden dürfen, dann wird die Deflationspolitik in größtem Maßstabe fort- gesetzt. Nur mit einer falschen Definition des wirtschaftlichen Begriffes Deflation läßt sich so operieren, wie es die Reichsregie- rung tut. Statt von steigenden Kosten bei sinkenden Umsätzen zu sprechen, einem Widerspruch, den man nur durch relative Steige- rung des Volkseinkommens lösen kann, spricht die Regierung von dem Widerspruch in der Industrie zwischen Ausgaben und. Ein- nahmen. Das ist entweder eine lächerliche Binsenwahrheit oder eine Irreführung der öffentlichen Meinung. Richt von einem Ende der Deslationspolitik kann hier die Rede fein, sondern nur von einer verschärften Fortführung der schlechtesten und gefährlichsten Seiten der Rotverordnungspolitik, die die Vergangenheit zutage gefördert hat. Oer zweite Tag in Leipzig. Nachdem der Eröffnungssonntag den bekannten stärkeren Be- such, aber sehr schlechte und kleine Geschäfte gebracht hatte, gab es auf der Leipziger Herbstmesse gestern gegenüber dem Sonn- tag sogar noch einen Rückschlag. Die Herbstmesse ist in erster Linie Verkaufsgelegenheit für Einrichtungs- und Verkaufs- gegenstände, deren Absatz ausschließlich von der Kaufkraft der Massen abhängt. Es will darum einiges besagen, wenn berichtet wird, daß an allen Messeständen eine lebhafte Erörterung des Wirtschaftsprogramms der Reichsregierung statt- fand, wobei die vielen Unklarheiten in der Beschaffung der Mittel zur Arbeitsbeschaffung besonders denjenigen Wirtschaftskrisen Anlaß zu mancherlei Kritik gaben, die bei den wirtschaftlichen Experimenten der letzten Jahre meist die Leidtragenden gewesen sind. Also auch in Leipzig wird der rosenrote Optimismus der Reichsregierung nicht für berechtigt gehalten. EineReichsregierung, die spekuliert Das Hexen-Einmalems der Papen- Politik/ Von Kuri Heinig. Seit einiger Zeit wird in Deutschland mit„Silber- streifen" gehandelt. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" predigt Wirtschastsoptimismus und das Institut für Konjunktur- forschung gibt der Reichsregierung Unterricht in theoretischem Zeich- nen von Wirtschaftskurven. Man muß den Plan der augenblick- lichen Reichsregierung von allem Beiwerk befreien und im befonde- ren auch von dem Zaubernebel, den Herr von Papen um sein« einfachen Erkenntnisse der Tatbestände macht, sonst bleibt er unverständlich. Wie ist der einfache Tatbestand? Infolge der ständig schlechter werdenden wirtschaftlichen Verhältnisse sind auch die Reichsfinanzen dauernd in größere Schwierigkeilen gekommen. Auf der Einnahmeseite meint man, sei nichts mehr möglich, auf der Ausgabeseite, im besonderen bei der Sozialgesetz- gebung, weiter zu streichen, hält man im Augenblick nicht für zweck- mäßig. So hat man, um den Haushaltsplan 1932 zu balancieren, die Einnahmen zu hoch eingeschätzt. Ein im letzten Moment vorgenommener Abstrich von 119 Millionen Mark konnte erst in den jüngst vergangenen Wochen in schwerem Kampfe mit den einzelnen Ministerien, zumindest erst mal auf dem Papier, durch- geführt werden. Wesentliche Steuereingänge sind weiter rück- l ä u s i g. Kleine Besserungsanzeichen werden dabei felbstverständ- lich optimistisch bewertet. Das ändert nichts daran, daß für den Haushaltplan 1932 mit einem Defizit zu rechnen ist. das etwa zwischen 799 Millionen und einer Milliarde ge- schätzt werden kann. Dazu kommt, daß die Reichsregierung auch daran denken muß, ihren 12S-Millionen-Kredit zurückzuzahlen und daß die Altanleiheauslosung Ende dieses Jahres auch diesmal erheb- lich« materielle Ansprüche an das Reich stellt. Aber das Anterneherium erklärt, es könne erst dann wieder pro- duzieren, wenn die Steuerlasten geringer würden und die Löhne weiter gesenkt werden. Die sozialpolitischen Abbauforderungen sind vor kurzem erst mit einer erheblichen Abschlagszahlung fürs erste einmal beglichen war. den. Mit den Löhnen ist es für die Reichsregierung von ihrem Standpunkt aus nicht schwierig, denn hier sind die Lasten oder richtiger die Kosten von dem dritten, also von dem Arbeiter und Angestellten zu zahlen. Schwieriger ist die Erfüllung der Unternehmerforderungen bei den Steuern. An einen Abbau ist aus den erwähnten Gründen zur Zeit nicht zu denken. So suchte man einen Ausweg, man fand ihn in einer spekulativen Kombination zwischen Konjunkturpolitik und Artikel 48 der Reichsverfassung. Wenn es wahr ist, was die privatkapitalistischen Spatzen in allen Ländern von den Dächern pfeifen, dann stehen wir auch in Deutschland am Tiefpunkt der Krise. Der Geldmarkt ist flüssig, die Börse eskomptiert, das heißt nimmt die bessere Konjunktur voraus dadurch, daß die Kurse steigen. Außerdem haben in Deutschland die Privatkapitalisten zur Reichsregierung von Papen mehr Zutrauen, als sie zu Herrn Brüning hatten. Deswegen kamen kühne, spekulativ veranlagte Leute auf die Idee, daß wir jetzt in Deutschland im psychologisch richtigen Augenblick für eine Konjunkturwende seien. Die Urckernehmer werden produzieren, wenn sie weniger Steuern zahlen müssen, sie werden Arbeitslose einstellen, wenn die Löhne weiter herabgedrückt werden, man muh ihnen nur ein Geschenk machen! Die Wirtschaststheoretiker meinen, daß wir von 1934 an sicher wieder so gute Konjunktur haben werden, daß das Reich so viel Steuern einnimmt, daß es dann Industrie, Handel und Grundbesitz die Steuern wird ermäßigen können. Hier zeigt sich die eigentliche Kühnheit der Spekulation der Reichsregierung. Sie gibt auf rund 2 Milliarden Steuern, die sie in den Iahren von 1934 an nicht einnehmen will, heute den Steuerzahlern sogenannte Steueranrechnungsscheine. Aber das wären nur Fetzen Papier, wenn sie der Unternehmer nicht verkaufen könnte. Er soll sie oerkaufen können. Er soll sie aber auch, wenn er sie behalten will, beleihen, also lombardieren dürfen. Er darf sie auch aufheben, dann kann er von 1934 an damit Steuern zahlen. Was aber so als geniales Zauberkunstflückchen erscheint, ist in der Welt der realen Konjunkturwirkungen recht klein. Tropfenweise, vom Anfang Oktober dieses Jahres an, sollen diese Steueranrechnungsscheine bei der Bezahlung von Steuern für bestimmte Teilbeträge dieser Steuern ausgehändigt werden. Die materielle� Wirkung bei den Banken, auf der Börse und darüber hinaus in der Wirtschaft kann also erst zaghaft in den letzten Monaten dieses Jahres beginnen. Mit dem Abbau der Löhne werden es die Unternehmer wahrscheinlich etwas eiliger haben! Aber die Reichsregierung glaubt an ihr eigenes Zauber- werk. Sie meint den echten Stein der Weisen gefunden zu haben, sie hofft, daß die Konjunkturforschung die Wahrheit spricht — kurz, sie ist der Ueberzeugung, schon die Ankündigung ihrer Maßnahmen wird die Wirtschaft beleben. Unsere Ueberzeugung ist, daß die Unternehmer sehr gut zu rechnen verstehen und den ihnen gebotenen Vortejl voll auszu- schöpfen verstehen werden— wenn der Plan überhaupt in Funktion tritt. Vor seiner Verwirklichung liegen noch einige Zwirnsfäden. hier fei daran erinnert, daß im vorigen Zahre die Reichsschuldenverwaltung sich geweigert hat, dem Kabinett Brüning solche Schuld- Zertifikate auszustellen, die aus Kreditermächtigungen stammten, die sich die Regierung selbst auf Grund des Artikels 48 der Reichsver- safsung gegeben hatte. Sowohl die Deutschnationalen wie ihre gelehrigen Schüler, die Rationalsozlalisken, liefen mit Erfolg Swrm gegen die damlige Reichsregierung. Das Kabinett Brüning sah keinen anderen Ausweg als die Legalisierung ihrer Kreditbedürfnisse, die durch ein besonderes Kreditermächtigungsgesetz kurz vor der Austösung des Reichstages erfolgte. Reichskanzler von Papen hat in seiner Rede in Münster aus- drücklich erklärt, daß die ganze Ausstattung der Steueranrech- nungsscheine sie zu einem Reichsdarlehen mache. Dazu bedarf es aber aus den eben erwähnten Tatbeständen heraus eines ordentlichen Gesetzes des Reichstages, oder aber sagen wir es höflich, einer„Umgehung" der Reichsverfaffung. Im ganzen ist es so, daß die derzeitige Reichsregierung auf gute Konjunktur spekuliert und hofft, daß die Privatkapitalisten mit ihr mitgehen, also mitspekulieren. Und man meint, daraus könne Beschäftigung für einige Millionen Erwerbslose erwachsen. Die Phantasie der großen Spekulanten ist immer erstaunlich. Aber mit der Kenntnis der Grundgesetze der Wirtschaft und positiver Ge- staltung hat das nichts zu tun. Spekulation ist eine Frage des Glücks, aber nicht der Politik. Falsche Gerüchte um Dr. Luther. Die Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Rücktritt des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther entbehren, wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, jeglicher Grundlage. Luther ist mit dem gegenwärtigen Wirtschafts- Programm der Reichsregicrung, wie wir wissen, voll einverstanden. Die holländischen Heringsreedereien und Exporteure sind bei ihrem Außenministerium wegen der drohenden Erhöhung des d e u t- fchen Herings zolls vorstellig geworden. Es wurde ihnen gesagt, daß der niederländische Gesandte in Berlin sich bereits seit Wochen mit der Angelegenheit beschästige, der auch die holländische Regierung ihre vollste Aufmerksamkeit schenke. Vorübergehende Stilleguno des Eisen- und Stahlwerkes hoesch. Das Eisen- und Stahlwerk Hoesch, Köln-Neu-Essen, gibt bekannt, daß es wegen Auftrags in angels gezwungen sei, den gesamten Betrieb vorübergehend stillzulegen. Die Stillegung erstreckt sich für die Zeit vom 27. August bis zum 3. September einschließ- lich. Bisher waren nur immer einzelne Betriebe gezwungen, bis zu 14 Tagen auszusetzen. Riesengewinne an deutschen Anleihen. In einem Bericht des Forschungsinstituts der amerikanischen Börsenmakler wird festgestellt, daß die amerikanischen Bankiers an den seit 1923 in den USA. auf- gelegten deutschen Anleihen über 69 Millionen Dollar netto verdient hätten. Ein Anleihebetrag von 994,3 Millionen Dollar, das ist die Hälfte der Gesamtsumme, sei jetzt noch in amerikanischen Händen. Die vor dem Senatsausschuß zur Untersuchung der Kapitalanlagen im Ausland gemachten Angaben von Bankiers über diese Gewinne seien vielfach irreführend gewesen. Nr. 407' 49. Jahrgang 2» �$0#�3 0 1�1� � 1*� 0 Dienstag, 30 August 1032 Gemütszucker nicht vertragen, mein 5)crr — also! „Prost!"—„Prost!" Klink-klink. Herr Reuter hält Gilgis Hand. Man sollte nicht soviel reden, man sollte jetzt... nicht mehr soviel reden. So viele Leute um einen 41 UHAVOHUHS Sie holt aus der Schreibtischschublade einen Haufen beschriebener Blätter hervor, ein Heft und ein zerknufftes Buch: Ierome „Rdrse msn in a boat". Daraus übersetzt sie ins Deutsche, nur so, zur Uebung vor- läufig. Möglich, daß ihr's später mal gelingt, sowas für Geld zu machen. Gilgi schreibt. Schreibt, liest, streicht durch, schreibt— bis Olga kommt. Hübsche Olga, schöne Olga! Das nüchterne Arbeitszimmerchen riecht plötzlich nach Som- mergarten, und Gilgis hartes, kleines Ge- sich wird weicher und jünger. Glückliche Olga! Ein gut gelaunter lieber Gott hat ihr einen Sektkorken an die Seele gebunden. Mag kommen, was will, Olga geht nicht unter. Sie hat die lustigsten blonden Haare, das weichste, blühendste Blondinengesicht. Sie hat die unbekümmertsten Augen, graublau mit frechen, kleinen Pünktchen in der Iris. Sie hat die faulen, räkelnden Bewegungen einer kleinen Haremsfrau und den Verstand eines jüdischen Essayisten. Sie ist an nichts und niemanden gebunden, ist das unabhängigste Wesen, das Gilgi sich denken kann. Sie de- wundert Olga, obwohl sie weder die Möglich» keit noch den Wunsch hat. ihr je zu gleichen. „Willst du Tee, Marzipanmädchen? Aepfel, Mandarinen, Bananen? Hab alles da." Wie hübsch du aussiehst, Olga! Gilgi bringt das Kompliment nicht über die Lippen, sagt statt dessen:„Wieder Forbflecke auf der Bluse! Wie ekelhaft schlampig du bist!" Olga liegt auf dem Diwan und spielt mit einer Mandarinenschale:„Ich muß mich jetzt mächtig ranhalten, im Frühling kom- men die Amerikaner nach Berlin." „Soo", macht Gilgi betrübt. Olga wird also im Frühling in Berlin sein, und dann wird sie reisen, hierhin, dorthin, wer weiß, wann sie wieder nach Köln kommt. Augen- blicklich kopiert sie für eine amerikanische Familie ein paar Gemälde aus dem Wall- raff-Rtchartz-Museum. Nebenbei malt sie für ein Kino auf der Hohestraße Brüllplakate. Olga malt alles, was man will. Ob sie eine große Künstlerin ist, kann Gilgi nicht be- urteilen. Olga selbst sagt nein. Möglich, daß sie recht hat. Wenn sie Geld braucht, arbeitet sie, wenn sie Geld hat, reist sie. Oft allein, manchmal nicht allein. „Du wolltest mich doch um was bitten, Gilai?" „Ja. Du mußt mir einen Mann ab- nehmen." „Ist er nett?" „Bessere Konfektionsware— nichts für dich." „Was soll ich dann mit ihm?" „Er ist mein Chef, ist verliebt. Wenn er merkt, daß ich ihn nicht mag, Hab' ich muffige Luft auf dem Büro. Du mußt ihn von mir ablenken." „Na ja. Wenn er aber in dich verliebt ist, wird er sich doch von mir nicht..." Gilgi macht ihr weltweisestes Gesicht. „Der ist nicht speziell in mich, der ist an und für sich verliebt in der letzten Zeit— ganz allgemein. Ich bin Zufallsobjekt, eine Einbildung..." „Die wer'n wir ihm austreiben." Olga schiebt heimlich einen Apfeltitsch hinter den Diwan.„Wie sollen wir's dann machen?" Gilgi erklärt Olga kurz ihren Plan, Olga ist einverstanden— nur:„Werd' ich ihn denn auch wieder los?" „Ach, Olga!" Gilgi schwingt sich auf den Schreibtisch,„du bist doch viel mehr Dame als ich— nein, nicht weil du schon fünfund- zwanzig bist— an und für sich. Bei dir wird einer nicht gleich so brenzlich wie bei mir kleinem Mädchen, außerdem kannst du nach vierzehn Tagen Abreise vortäuschen." Olga macht eine Handbewegung, die aus- drücken soll, daß sie sich einer derartigen Si- tuation bis zum Ueberdruß gewachsen fühlt, Irgendwo in Köln liegt Herr Reuter (Strumpfwaren und Trikotagen engros) im frauenverlassenen Ehebett, leidet an Schlaflosigkeit und am Um-zehn-Iahre- jünger-sein-Gefühl. Hab ein kleines, brau- nes Mädchen— rührend, wenn man denkt, wie föne Kleine sich nach einem sehnen mag... Im Mansarden zimmer in der Mittelstraße stellt Gilgi das Grammophon an, Olga legt die Platte auf:... wenn du mal in Havai bist, und wenn... Beide finden das Thema Reuter nicht interessant genug, um noch eine Minute länger darüber zu sprechen. Am Sonntag sitzen Gilgi und Herr Reuter zusammen im„Domhotel". Gilgi hat das Gefühl, zu Abend gegessen, Herr Reuter das Gefühl, soupiert zu hoben. Sie trinken Haut-Sauternes. Von Glas zu Glas ver- kleinern sich Herrn Reuters schwärzliche Korinthenaugen um Millimeterbruchteile. Gilgis kleine Brüste zeichnen sich deutlich unter dem taubenblauen Samtkleid ab und überzeugen Herrn Reuter, daß Gilgi„die" Frau ist, die ihn versteht. Er sagt es und glaubt, was er sagt. Er breitet sein Innen- leben vor ihr aus wie eine offene Skatkarte. So ist er. Gilgi nimmt zur gefälligen Kenntnis, höflich und mäßig interessiert. Armer Idiot, wenn du ein Junger wärst. brauchte man keine Zeit mit dir zu ver- lieren. Hör auf, nicht soviel Lyrik, paßt nicht zu deinem Pickel am Kinn. Warum kann man nun nicht sagen: gib nichts aus, wenn's nichts einbringt, steck kein Gefühls- kapital in ein aussichtsloses Unternehmen. Kann man nicht sagen. Armer Alter, deine Mischung barockmerkantil verträgt kein glattes Nein. Also! Schließlich kommt's mir einzig auf mich an, nicht wahr? Auf die hundertfünfzig Mark, die ich monatlich bei dir auf dem Büro verdiene, auf ungestörte Arbeit. Bei meiner Arbeit kann ich Ihren Merr Meuler finde! Olga fchlin. f rolvdem fUfrl fie ihn, detui Qllght kleine braune Jfand Ifl feiai unerreichbar weil fori. herum. Ja, wenn man bedenkt, daß sie alle Strümpfe brauchen und Trikotagen, dann muß man sie nett finden und gern hoben, aber wenn sie nicht hier säßen und trotzdem Strümpfe und Trikotagen brauchten— man fände sie noch viel netter. Kellner sind üble Zeiterscheinungen, wenn sie rumstehen und nichts zu tun haben.„Haroba(Herr Ober), noch'ne Flasche!" Gilgi überhört die Auf- forderung Herrn Reuters, ihn du zu nennen, am Ende soll sie nachher auch noch Friedrich zu ihm sagen. Eine Dame geht suchend an den Tischen vorbei. Eine schöne Dame, eine leuchtende Dame.„Eine Bekannte", haucht Gilgi. Höchste Zeit, Olga! funkt sie r.lit dem linken Auge. „Guten Abend, Fräulein Krön." „Guten Abend, Fräulein Jahn. Darf ich bekannt machen..." „Sehr angenehm", lügt Herr Reuter. „Mit Bekannten verabredet— nach dem Theater— nach nicht da— so peinlich—" Olga macht hilflose Augen, ihre Marzipan- finger streicheln zärtlich'den teuren Fehpelz, von dem erst die dritte Rate bezahlt ist.„Ja, wenn Sie..." Gilgi ist sichtlich ratlos, ent- täuscht, verlegen.„Wenn Sie solange hier Platz nehmen wollen", kommt Herr Reuter zu Hilfe. Er ist Kavalier. Nicht gern. „Wenn ich darf! Handelt sich ja nur um einen Augenblick." Olga sieht Herrn Reuter unendlich dankbar an. Er hilft ihr aus dem Mantel. Er ist Kavalier. Nicht ungern. Er merkt, daß andere Männer ihn beneiden, als Olga sich an seinen Tisch setzt. Angebot er- höht die Nachfrage, Herr Reuter findet Olga schön. Trotzdem stört sie ihn, denn Gilgis kleine, braune Hand ist jetzt unerreichbar weit fort.(Fortsetzung folgt.) 3>r.3truno äSorchardi: SH(iS C 111*11 Of Cfcda§ die 9iraft des Feuers Cs sind gerod« 100 Jahre her, daß ein ernster in sich gekehrter junger französischer Ingenieur in Paris im blühenden Alter van ZK Jahren der tückischen Chalera erlag, die damals Europa heimsuchte. Außer in den engeren Fachkreisen ist dieser ganz hervorragende Forscher fast unbekannt gebliebeen, man denkt bei dem Namen C a r n o t meist an seinen Neffen, den 1894 von einem Fanatiker er- mordeten Präsidenten der französischen Republik, und an seinen Dater, den Schöpfer der Heere der großen Revolution und Organisator ihrer Siege. der auch unter dem Konsul Napoleon Kriegs- minister war, jedoch als strenger Republikaner bei der Errichtung des Kaisertums sich aus dem öfsent- lichen Leben zurückzog, aber später, bei der Inva- sion der Alliierten in Frankreich, seinem Vaterland seine Dienste wieder anbot. Sein Sohn S a d i ieilte die politische Ueberzeugung des Vaters, als Louis Philippe, der die Nachkommen der Renolu- tionshelden zu gewinnen suchte, ihn als den Sohn des großen Carnot in den Pairs-Stand erheben wollte, lehnte er diese Ehrung ab, da die Annahme bei seiner gänzlichen llnbekanntheit eine Anerkennung des Prinzips der Erblichkeit bedeuten würde, dos er als Republikaner in gleicher Weise bekämpfen müsse, wie sein verstorbener Vater es getan. Sadi Carnois Interessen waren hauptsächlich der Arbeitsleistung der Dampfmaschinen und der Arbeitsleistung durch Wärme über- Haupt zugewendet. Die einzige von ihm selbst (im Jahre 1824) nerössentlichte Schrift:„lieber die bewegende Kraft des Feuers" oder in mo- derner Ausdrucksweise:„Ueber die Arbeits» leistung durch Wärme", enthalt das sog. Car- notsche Prinzip, das die Grundlage der Weiter- «ntwicklung der Thermodynamik bildet und als zweiter Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie allgemein bekannt ist. In seiner einfachsten Form besagt es, daß die von einer Dampf- Maschine geleistete Arbeit der aus dem Kessel in den Kondensator übergeführten Wärmemenge proportional(entsprechend) ist, oder allgemeiner, daß durch Wärme nur dann Arbeit geleistet wer- den kann, wenn gleichzeitig ein Temperaturaus- gleich erfolgt, indem Wärm« von einem wärmeren zu einem kälteren Körper überströmt. Earnot, der damals noch in der Anschauung von »er stofflichen Natur der Wärme befangen war, verglich treffend die Arbeitsleistung durch Wärme mit der durch Wasser; wie dieses nur beim Fließen oder Fallen von einem höheren Zu einem tieferen Niveau Arbeit leisten kann, so die Wärme nur beim Uebergang oder Fallen von höherer zu tieferer Temperatur. Die Gedanken Earnots fanden bei seinen Zeitgenossen nicht das Verständnis und die Be- achtung, die sie verdienten. Fast ein Vierteljahr- hundert verging, ehe die Thermodynamik an sie anknüpfte und Sadi Carnot als ihren Be- gründer anerkannte. Aber Earnots Gedanken reichten noch erheblich weiter Er beschäftigte sich auch mit der Natur der Wärme und rang sich von der damals üblichen Anschauung los, welche die Wärme als«inen Stoff betrachtete. Als die größte wisienschaftliche Tat des 19. Jahrhunderts auf naturwissenschaftlichem Gebiete wird mit Recht die Aufhellung des Verhältnisses von Wärme und Arbeit, die Entdeckung ihrer Gleich- artigkeit gepriesen, die zu dem Gesetz von der Er- Haltung der Kraft führte oder, wie man heut« sagt, Gesetz von der Erhaltung der Energie. Als seine Begründer werden vor allem Robert Mayer genannt, der im Jahre 1842 den klaren Gedanken aussprach und auch das Verhältnis zwischen einer Wärmeeinheit und ihrer Arbeits- leistung berechnete, das sog. mechanische Aequi- valcnt der Wärme, und Hermann Helm- h o l tz, der in umfassender Weise fünf Jahr« später das allgemeine Gesetz entwickelt«, ohne übrigens die Arbeiten Mayers zu kenne». Weder Mayer nach Helmholtz fanden sofort Verständnis und Anerkennung, später jedoch wurden widerliche Streitigkeiten darüber geführt, wem das Verdienst der ersten Entdeckung ge- bühr«. Aber im Jahre 1878 gab der Bruder von Sadi Carnot dessen Schrift van 1824 neu heraus und verösfentlichte zugleich seine bis da- hin unbekannt gebliebenen Tage- b ü ch e r. und da zeigt« sich, daß der 46 Jahr« zuvor gestorbene Carnot bereits ganz klare Bor- stellungen vom Wesen der Wärme, von ihrer Gleichartigkeit mit mechanischer Arbeit, von ihr als einer Form der Energie gehabt hatte, daß er auch bereits das mechanische Wärmeäquivalent zutreffend berechnet und eine Reihe von Versuchen angegeben hatte, die später in fast genau der- selben Form von Joule, Hirn und anderen Begründern der mechanischen Wärmetheorie aus- geführt worden sind. E r n st Mach sagt in seinen Prinzipien der Wärmelehre: „Der Fall Carnot ist außerordentlich lehr- reich für jene, welche es für unmöglich hallen, daß derselbe Gedanke in verschiedenen unabhängi- gen Köpfen zugleich entsteht," und er fügt hinzu: „Wie sehr würde sich doch die heute gültige Ruhmesbilanz verschoben haben, wenn Carnot einige Jahre länger gelebt hätte, und wenn seine durch 46 Jahre verschollenen Gedanken früher bekannt geworden wären!" Sadi Carnot war leider nur ein kurzes Erdendasin beschieden. Sein Schicksal zeigt mit voller Deutlichkeit, wie wenig die allgemeine wissenschaftliche Entwicklung von einem einzelnen abhängt, wie olle zu lösenden Fragen sich aus dem gesamten Zustand einer Wissenschaft ergeben und wie rein zufällig es ist, mit welchem Namen die schließliche Lösung verknüpft wird. Aber die dankbare Nachwelt ehrt mit Recht das Andenken der Männer, die sich um den Fortschritt bemüht haben, und deshalb nimmt auch Sadi Earnot, dieser seltene und einzigartige Genius, der die tiefsten Probleme seiner Zeit weit vorauseilend gelöst hat, einen Ehrenplatz in der Geschichte der Wissenschaft ein. Vir hu Vfeilbui: cZtvei auf Wauderfchaft An ollen schwarzen Brettern, deren er Hab- Haft werden konnte, hatte der Werkstudent es bereits versucht, aber es war ihm bisher nicht gelungen, sein Skelett abzustoßen. Das Skelett war ein Geburtstagsgeschenk, das der Werk- student einem begeisterten Onkel verdankte. Und Otto, der Neffe, hing mit einer zärtlichen Liebe an dem Knochengerüst. Er wußte die saubere Arbeit zu schätzen, die bei der Präparation ge- leistet worden war; liebevoll schweiften seine Augen oft in die Ecke der Stube, wo die hübsche Kostbarkeit stand. Er wohnte zu dieser Zeit bei einem alten Herrn, der gern einen trank, Junggeselle war und Humor besaß. Humor genug, um das Skelett in der Ecke zu tolerieren, aber zu wenig, um Otto in seiner Stube zu dulden, als sich zu den zwei rückständigen Monatsmieten die dritte summierte. „Machen Sie. daß Sie rauskommen", schrie der alte Herr, hochrot im Gesicht,„Sie und das Gerippe da!" Der Rausschmiß war so überraschend ge- kommen, daß jede seelische Vorbereitung für das schwere Geschäft des Zimmersuchens fehlte. Da- her machte er an den Türen keinen günstigen Eindruck, die Wirtinnen mit gutem Blick merkten schon durch'? Sehlach, was los war, und pfiffen unsichtbar ihre Absage hindurch. Andere, die so- weit gingen, zu öffnen, hefteten ihre Berliner Augen mißtrauisch auf das lange, seltsame Paket und fragten:„Was für ein Ding is denn det?" „Eine Männerleiche", war Otto jedesmal versucht, zu antworten. Aber umschreibender- weise sagte er dann:„Ein Modell!" Mit ihrem merkwürdig sicheren Instinkt für zahlungsfähige und nicht ganz normale Herren lehnten sie ab. Sie wollten ihn mit seinem Modell gar nicht erst in die Stube hineinlassen. Schließlich merkte Otto, daß sein Mißerfolg daher kam, daß er sich immer noch in einer relativ zu vornehmen Gegend befand. Otto nahm eine entschiedene Schwenkung vor, und in dem Stadtteil, den er nun schwitzend erreichte, fand er bald eine kleine Stube dicht unterm Dach bei einem Ehepaar, das selbst nichts hatte und daher keine Veranlassung fand, neugierige Fragen zu stellen. Das Skelett wurde, sobald die Wirtin hinaus war, in dem Schrank einquartiert, der morsch und gebrechlich in der Ecke mehr saß als stand. Den Schlüssel zog Otto ab. Als er nach- mittags die Bude verließ, um sich nach einer Gelegenheit umzusehen, wo es in der Nähe etwas Warmes zu essen gäbe, grüßte er mit einem traurigen Blick den Schrank, in dem das Unglück- liche Beingerllst, von Licht und Lust abgesperrt, in seiner armseligen Stellung hockte. Er hatte nicht mit der Tatsache gerechnet, daß zu einem Schrank mitunter der Schlüssel eines anderen Schrankcs den Eingang findet, und daß manche Schranktüren sich, vermöge ihres hohen Alters ohne Schlüssel, einfach mit einge- klemmten Fingerspitzen öffnen lassen, ferner hotte er nicht den Umstand beachtet, daß Frauen zu cinhundertundein Prozent neugierige Leute sind. Als er nach Hause kam— das heißt, er kom eben gar nicht bis„nach Hause": vor der Wohnungs- tür stieß er gegen etwas Hartes, das er als seinen Handkoffer identifizierte. Im trüben Licht seines Feuerzeugs sah er neben dem Koffer, bleichschimm�rnd, mit gesenktem 5)aupt, da» Skelett. Ein Zettel lag ihm zwischen den Knochen- fußen. Aus diesem stand zu lesen, daß er, Otto, die Schlüssel vor die Tür zu legen und im übrigen mit seiner Leiche abzuziehen habe, fall» ihm sein Leben lieb sei. Die Polizei wohne gleich um die Ecke, und den Umgang mit Lustmördern lehn« man ab... Oben durch dos hagere Paket sah der wackelnd« Kopf hindurch. Es war Nacht. Otto nahm das Schmerzenskind auf den Arm und trug es hinunter. Wo sollte er hin? Er verbrachte die Stunden in einem Torweg, wo man ihn unge» schoren ließ. In irgendeiner Stelle seines Gemüts saß ein chaß gegen den Onkel, der zum Dank für die genossenen Vergnügungen in der Friedrichstodt mit diesem Stück Unglück von einem Skelett aufgewartet hatte. Der Onkel, ein erfahrener Mann— hätte er dies Schicksal nicht vorhersehen müssen? Aber dann gingen Ottos Finger wieder beruhigend und liebkosend über den schlechteingewickelten armen Burschen, der neben ihm im Torweg hockte und mit ihm auf den Morgen wartete. Ehe das Licht in den Straßen war, trug Otto seine Last zum Schlesischen Bahnhof. Ein ehemaliger Mensch, auch wenn er nur au» Knochen besteht, hat noch. immer sein hübsches Lebendgewicht. Einmal sah Otto eine Frau sich bekreuzen und davonrennen. Der Kopf sah wieder oben durch die Verschnürung heraus. Der Mann an der Gepäckannahmestelle wußte nicht, ob es statthaft sei, Skelette in Aufbewahrung zu nehmen. Als Otto ihm die Versicherung gab, mit dem Skelett nach Oppeln reisen zu wollen, er- klärte er sich einverstanden. Furchtlos nahm er das Paket entgegen. Otto war nun endlich soweit, daß er sich von seinem Liebling trennen wollte. Er schlug«ine Anzeige an den verschiedenen schwarzen Brettern an, die ihm, als Studenten, zur Verfügung standen. Wenn er dos kostbore Studienobjekt fortgeben mußte, sollte es ihm wenigstens zu einem möblierten Zimmer verhelfen.„Skelett zu verkaufen. Billig. Fünfzig Mark"— stand in den folgenden Wochen an den schwarzen Brettern zu lesen. Während dieser Zeit schlug sich der Werkstudent mit kleiner Arbeit in Laubenkolonien frierend und hungernd durch. Dos Skelett ober faß immer noch wahlbehütet in der Aufbewah- rung der Reichsbahn unter der Aufsicht de» tapferen Beamten. Endlich erklärte sich jemand zum Kauf bereit. Es war kein Mediziner, kein Anatom, kein Maler— sondern ein Philosoph, der viele Jahr- zehnte sein Interesse an der Politik gefunden hatte und sich nun durch den Anblick der Ver- gänglichkeit zu höheren Gesichtspunkten hinauf- führen lassen wollte. Cr handelte den Preis von fünfzig auf fünfundzwanzig Mark hinunter. Aber er gab auf Verlangen das Versprechen ab, daß er das Skelett stets ordentlich und menschlich be- handeln werde IVIlly ZKnepler-ltlen: Qeoqraphie... Eben von einer Reise zurückgekehrt, traf ich einen ehemaligen Schulkollegen, von dem mir als besonderes Kennzeichen nur noch erinnerlich war, daß er in der Schulzeit stets eine unglaubliche Vorliebs für Geographie an den Tag gelegt hatte. Ich glaubte also, ihm Interessantes zu berichten, indem ich ihm erzählte, daß ich fünf Tage in Berlin und acht Tage in Paris gewesen war. „Aber", fügte ich noch hinzu,„das versetzt dir wohl nicht den Ausschlag der Verblüffung: dir hätte wohl nur eine Reise nach U e b e r s e e imponiert!" „Eine Reise nach U e b e r s e e". begann mein Kollege die Konoersation,„hätte mir wenig imponiert, da ja Uebersee ebenso wie Huf- schlag nicht weit von Oesterreich entfernt sind, nämlich zwischen Salzburg und München-, impo» niert hätte mir dagegen deine Reise nach B e r- l i n, sofern« du damit die Stadt dieses Namen» in den Vereinigten Staaten von Nordamerika gemeint hättest! Aber sag' doch, was spricht man in Paris über uns Wiener?" „Ach", sagte ich,„unsere Heimatstadt genießt dort den besten Ruf: viele Franzosen sagten mir: ..Ob. j'irais volnntjer-m�llt ä Vionnfl!' „Na ja." antwortete mein Kollege,„das wäre ja ganz schön, aber ich fürchte, der Franzose, der von V i e n n e spricht, meint eher Vienn« sIserel, Bienne-en-Vol oder Vienne-la-Ville, die olle drei in Frankreich liegen!" „Nach dem lärmenden Pariser Ausentholt," sagte ich, um vom angeschlagenen Thema abzu- kommen,„hätte ich mich am liebsten wie ein Dachs vergraben, darum fuhr ich nach Süd- frankreich und an die Riviera a u ch." „Du hast ganz recht," antwortete mein Kollege, „D o x ist allerdings eine Stadt in Südfronkreich und Auch ebenfalls: aber es liegt keineswegs an der Riviera!" „Weißt du"— ich machte einen neuerlichen Versuch, von seinem Steckenpferd hinunterzu- steigen—,„Paris gefällt mir ja wirklich sehr gut, nur entbehre ich unsere Wiener Mehlspeisen: ich esse so gerne irgendeinen süßen Kuchen. aber meine Frau sagt, in Paris wäre über alle Maßen das Mehl teuer!" „Höre einmal." begann mein Gesprächspartner, „du oergewaltigst da die Geographie in uner- härter Weise: nicht genug an dem, daß es in Deutschland einen Ort namens Süßen und einen namens Kuchen gibt, die sogar recht nahe bei einander liegen, so vergißt du, daß Mehltheuer wo anders, nämlich im Vogt- land liegt." ..... und so fuhr ich denn nach Wien zurück," sagte ich,„dort ist wenigstens da? Wasser billig und gut." „Da hättest du von Frankreich nicht so weit fahren müssen," bekam ich zur Antwort,„denn W a s s e r b i l l i g ist bekanntlich eine Stadt in Luxembourg!" „Ohne Spaß," fuhr ich unbeirrt fort, um doch einmal von etwas anderem zu sprechen,„du ahnst nicht, wie schlecht in manchen Stationen Frank- reichs das Wasser ist: einmal hatte ich auf der Reise großen Durst, daß ich alle Engel aus den Tosten de? himmlischen Klavier«? herum- klimpern hörte, und als in der nächsten Station der Zug in die Holle fuhr, ging ,ch zum Brunnen, und siehe da..." „Verzeihe, wenn ich dich unterbreche," fiel w'r mein Kollege ins Wort,„ober ich muß da wieder ein bißchen geographische Ordnung machen: statt Klaviere? meinst du wahrscheinlich C l o- viere», doch da? liegt merkwürdigerweise nicht in Frankreich, sondern in Italien: daß Halle eine Stadt in Deutschland ist, weißt du wohl ohnedies: daß ober Zug und Brunnen zwei Orte in der Schweiz sind, hast du wohl nicht be- dacht!" „Weißt du," sagte ich ungeduldig,„es mag ja schwer sein, solche geographischen Kenntnisse zu erlangen, aber ich finde, derartige Scherze passen höchstens nach Krähwinkel an der Kräh- winklerbrücke!" „Nur keine Phantasienamen erfinden wollen!" replizierte mein Kollege.„Erlangen in Deutschland ist ja hinlänglich bekannt, aber du dürftest nicht wissen, daß auch Krähwinkler- brücke in Deutschland, und zwar an der Wupper gelegen ist!" „Hol' dich der Teufel," schrie ich, denn meine Geduld war zu Ende,„suche dir für deine Späße eine andere..." „Würzen, wolltest du wohl sagen," fiel er mir in» Wort,„und Würzen ist auch eine Stadt in Deutschland," rief er mir nach, indes ich eiligst die Flucht ergriff! EtntcnOungcn für diele Rubrik ftnd B c c I i d SB 68. Liudeuftratzr a. parieinachrichten für Groß-Berlin ftels an da» Bezirisletretartal !. Kot. 2 Trevveu recht», ju richte» Beginn aller Veranstaltungen 19� Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! ——«tdWBI�B Dr. Broeker.— Iugeudkommissioll. Wir beteiligen uns am Mittwoch an dieser Sitzung. 15 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder ijn Jugendheim Rosinenstr. 4. Aussprache über die Aenoerungen der Ver. 2d. Kreis. Donnerstag, 1. September, 15 Uhr. Zusammenkünfte erwerbsloser Parteimitglieder an folgenden Stellen: Reinickendorf. Ost in der Schule Hoppestraße. Vortragender: Genosse Klewitz: Reinickendorf.Dest auf dem Außenspielplatz, Vortragender: Theo Maret; Wittenau und Tegel im Reichsbannerbootshaus Tegel, Vortragender: Dr. Wolfgang Herbert. 28. Abt. Sämtliche Be�irksführer holen sich Mittwoch Informationen von Bartelt oder Rechenberg. 2. Gruppe: Zahlabend. Achtung! Reue? Lokal: Boadanvwitz, Eberswalder Str. 35. 34. Abt. Mittwoch, 31. August, 19 Uhr, Vorstandssitzung Cadiner Straße. 39. Abt. Mittwoch, 31. August, Funktionärsitzung. 53. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt in diesem Monat kommenden Mittwoch aus. Mittwoch, 31. August, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder im Iägerheim, Wildenbruchstr. 81. Kreuz und guer durch Europa. Referent: Genosse Salingrs. Die übrigen Parteimitglieder sind ebenfalls eingeladen. »5. Abt. Mittwoch, 31. August, 20 Uhr, Vorstandssitzung mit Biertelführern bei Keil, Prinz.Handjerp.Gtr. 38. 99z. Abt. Mittwoch, 31. August, 20 Uhr, Zusammenkunft' jüngerer Partei. Mitglieder in der Halle am Hufeisen. Organisierung und Führung eines Wahlkampfes. Referent: Genosse Eckhardt. 104. Abt. Mittwoch, 31. August, 20 Uhr, Sitzung aller Funktionäre an be. kannter Stelle. 11». Abt. Die Kassierer werden gebeten, umgehend die Lifte für die Frei. heitsopfer beim Genossen Groppler abzuliefern. 127. Abt. Mittwoch, 31. August, 20 Uhr, Funktionärversammlung bei Schiebe. Jrauenveransialkungen. »Z. B6t. Mittwoch, 31. August, 814 Ukir, treffen wir UN» Il-Buhn Raten. Nraße ,ur Besichtigung des Botanischen Sortens. 11«. Abt. Donnerstag, 1. September, IBVj Uhr. bei Schwarzer. Lichtenberg, Gabriel.Max.Str. 16. Unsere Forderungen zur Linderung der Not. Refe» rent: Hon» Lehnert. 122. Abt. Unser heutiger Frauenabend fSllt aus. Näheres wird noch bekannt. gegeben. 123. Abt. Donneretag, 1. September, 20 Uhr, bei Hübner, Wilhelm. Ecke Bahn. bofstraKe. Unsere Forderungen zur Linderung der Not. Referentin: Maria Lehmann. Bezirksausschuß für Sozialistische Bildungsarbeii. Wir bitten dringend um Abrechnung der Freidenkerkarten, da die Karten wegen der Steuer abgerechnet werden müssen. Arbeilsgemeinfchafl der kinderfreunde Groß-Berlin. MpSjfM?} Schiineberger Foiteuseftl Alle eingeladenen Kreise haben sosort »MMWV«Pi-Imannschasten(wie Handball, Aälterball, Barlauf unb-ine DM.ÄN S Mannschaft sür-ine 10 mal öo.Meter.Pendelstafette) zu melden. Einsendungstermin ist der 6. September. Alles ander- er. AAM'HG fahren die Kreise schriftlich auf dem Faltcnfest. Achtung! Für einige Kreise liegen noch immer„Sozialistische mJ—' Erziehungen'� in der Geschäftsstelle. Steglig. Freitag, 18 Uhr, Kreishelfersmung im Heim wie bisher. Treptow. Die nächste Krcishelfersttzung findet am Donnerstag, dem 1. Itmbex, im Iugendhelm. Ernststr. 18, statt. Beginn 20 Uhr. Abt. Köpenick. Mittwoch, 18 Uhr, im Jugendheim Dahlwitzer Stroh« Vollversammlung aller Falten. Erscheinen aller, auch der Nestfalten, ist Pflicht. Anschließend spielen wir im Wald. Sep. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 83. Abt. Genossin Emma Ohnesorge, Neukölln, Pslügerstr. 23, ist ver. starben. Ehre ihrem Andenken. Die Trauerfeier findet am Donnerstag, dem 1. September, 1514 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Um reg« Teilnahme wird gebeten. 3«. Äbt. Unser Genosse Karl Wenzel, Neukölln, ist am 25. August per- starben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Dienstag. 38. August. 18 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. W Sozialistische Arbeiten'llgend Groß-Verlin Einsendungen sür diese Rubrik nur an das Iugendsetretociat Berlin SW 88 Lindenftraße 2, vorn 1 Treppe rechts. Falteuappell! Alle Mitglieder erscheinen am letzten Gruppenabend vor dem Lugendtag in Fallenklust. Fahnen und Transparente werden ebenfalls zum Gruppenabend mitgebracht. Voltsbühncnmitglicder! Für die bis zum 18. August eingereichten Mit- gliedslarten bzw. Neuanmeldungen können die neuen Mitgliedskarten ab- geholt werden. Abteilungsleiter! Seht sofort da» September. Monatsprogramm ab. Die Plaketten„Jugend gegen Krieg" müssen am Mittwoch, spätesten» aber Frei. tag, 2. September, abgerechnet werden. Plaketten, die bi» zum 2. Sep. tember nicht abgerechnet werden, gelten als verlauft und werden nicht mehr zurückgenommen. Die Gruppenabende sür die Bezirl« Tiergarte», Sedding, Prenzlauer Berg, Reiuickeudorf und Pankow fallen am Freitag, dem 2. September aus. Alle Ge> nassen beteiligen sich on der Generalprobe für die Schlußkundgebung om Sonn- abend, dem 3. September. heule. Dienstag, ZO. August. 19 1/2 Uhr: Arbanaplatz! Elisabethkirch str. 13. Tagespolitik.— Roseuthaler Vorstadt: Tieckstr. 18. Tagespolitik.— Bruanenplatz: Pank. Ecks Wiesenstraß«. Tages. Politik.— Sesundbruaaea I: Gotenburger Str. 8. Politische Zeitungsschau.— Gesundbrunnen Ii: Koloniestr. 8. Unser Aktionsprogramm.— Humboldthain: Graun. Ecke Lortzingstraße. Die Arbeiterschaft im Kamps um die Macht.— Norden: Lorhingstr. 13. Mitgliederversammlung.— Schillerpark: Schöning. struße 17. Unser Kampf gegen den Faschismus.— Wedding: Willdenowftr. o. Lustige, Monatsende.— Wedding-Nord: Turiner Ecke Seestraße. Die faschistische " m Deutschland.— Aruimxlatz: Sonnend urger Str. 28. Demoiratt» oder Diktatur.— Aruswaldce Platz: Schönlanker Str. II. Demokratie und Diktatur.— Balkan: Mandelstr. 2. Politisch- Satire.— Falkplatz I: Funk- tionärsttzung beim Gen. Pallas, F. 17.— Sohenschönhansen: Dingelstädter Straße. Lichtbilderabend.— Nordosten 1: Danziqer Str. 82. Unsere Arbeiter. sührer.— Deißensee: Spielen aus der Rennbahn.— Hasenheide: Wassertorstraße 4. Krieg gegen Rußland?— Rcichenberger Viertel: Reichenberger Straße 88. Tageapolltik.— Südwest: Lindensir. 4. Tagespolitik.— Friedenau: - j fo.Jj). Hauptstr. 15. er Monatsrückblick.— Eharlottenburg-Rord: Kaiserin-Auaufta-Allee 37b. Liederabend.— Westend: Sportplatz Westend. G«. schichte der Arbeiterbewegung.— Steglitz It Albrechtstr.«7. Bunter Abend.— Lichterfelde: Albrechtstr. 14a. Mitgliederversammlung.— Zehlendors-Dahlem: Badeabend.— Neu Tempelhos: Schule Dintgensstraß«. Der Faschismus in Italien.— Britz: Hannemannstr. 41. Erlebnisse in Rußland. 2. Teil.— Neukölln 1: Sander- Ecke Hobrechtstraße. Wahlarbeit auf dem Lande.— Renköll» II: Eteinmetzstr. 34. Bunter Abend.— Neukölln M: Steinmetzstr. 114. Tagespolitik.— Reuki Steinmetzstr. n IV: Kanner Straße. Gegenwartsausgaben der TAI. — Reutölln IX: Schule Mariendorfer Weg. Astronomische Fragen.— Ren kölln XI: Flughafenstr. 68. Lustige» Monatsende.— Köpenick I: Alt« Dahl witzsr Str. 15. Liederabend.— Friedrichsfeld«: Au ipenick II: Grünauer Str. 5. Leleabend.— >i«le.— Karlshorst: Treskowallee 44. Politischer Mo- natsrückblick.— Reu-Lichtenberg: Svortabend.— Lichteuberg-Rord: Sport. abend, Normannenplatz,— Hermsdori: Roonstraße. Die Vorkämpfer des Sozialismus,— Karow: Frundsbergftr. 3. Bunter Abend.— Rcinickendorf-vst: Lindauer Straße. Bunter Abend.— Tegel: Schöneberger Str. 3. Tagespolitik. — Wittenau: Besuch der Gruppe Lübars.— Pankow II: Kifsingenstr. 48. Fahrtenberichte. , üG&ERTH �c> � URAUFFÜHRUNG HEUTE b4!l�rVTTHl TÄGLICH SONNABEND UND SONNTAG 5 UHR ZU RH I„ VORVERKAUF 12-2 UND AB 4 UHR TEL 67 PALLAS 857» Staats TUenlcr staassoper unter den linden Wiederbeginn der Spielzeit Donnerilag, 1. September, SOUbr; Sizlüanische Vesper Dirigent: Kleiber de Strozzi. Ruziczka, Wittritch, Grogmann, List, Abendroth Vorverkauf täglich bei den bekannten Verkaufsstellen. Staatliches Schauspielhaus Dienstag, den 38. August 20 Uhr Die Räuber SlädLOper Charlonenbum Frauenhofer 0231 Dienstag, 30. August Anfang 20 Uhr Die Banditen Dirig.: H U Müller Pfahl, Nikolaiewa, Eisinger, Burgwin- Lingen. Kandl, Egenlauf kel, uoiKsnanne mstw am boiowpi 29. log. Iiis(. Stptimtur SV. Uhr VerbivorsteliuDp »Geld ohne Ardeit" KoiBilii von Colntoogl Alle Pifitze sinsdiLCinlenilxu. Zettel (HuslDsung dir Kart«) 0,50 M. Vorverkauf Tietz, KdW. Abends: Theaterk IMes Mer Weidendamm 328! ErOlfnung Donnerstag, I.Sept. 8 Uhr Erstaufführung Wncder am Verdoa Dram.Dichtungvon Hans Chlumberg Reg»; Karl Heinz iartin. Kassenpreise von 0,50 M. bis 11.50 M ngi.Bu.8>/iUiir LUCILLE PAGE Ciolre Waldoff gtw. PLAZA S«.1",SIji,Z.U14U. \nr noch J Tage! Kabale and Liebe 5 c H i lle r Grolmanstr. 70/71 Öteinpl(0 1)«715 Ab 1. September täglich 8 Chr ..Die versunkene Glocke* zur Feierd.70.Ge- burtstages von Osrhart Tlauptmsnn il.imiffi Theaterd.Westens Täglich «>/« Uhr Riilanl Tauber in Dreimäderl- haus Rose-Theater Sreh Fmkfnrtir Strsli 132 TtL Wtidnil l 7 3412 8.30 Uhr Herzdame ClartenbUhne 5.30 Uhr Konzert d. Variete FrüdllDBSluIi -Theater im— Tnmtratspaiasf Täglich 8% Uhr Bltta Atpar in Katharina Parteigenossen finden freundl-Aufn., reich i. Verpflegung. öMahlzeilen, im. 3.— p.Tag. Garten, Liege- wiese direlt a. Hause, Schwimmbad; nahe Wald und Bahn. Gllstav Zickfeld Burlehaasen(Harz) bei Seesen. W,nNsr -Garten- « Übt U. Flora 3434. Baudien e«. Taps& Tempo, RemosComp. 4 Richys, Seal fiel, M.& CMayo Levanda, Hanter& Bobette USW. »v.ubr CASII10- THEATER Lothringer Strafe 57. Berlin kann wieder lacben! Jlnnemarie da» kleine TanzmSdel Volksoperette.— Musik von Oilbort Vorher ein bnnter Teil. Preise 0,50 M, 0,75 M. und 1,— M. Jeden Stg. uttzm. 4 Diu die ganze Vnntg. n kl Pr. Stettiner Sänger Reichsballen-Theater Merkur 116.1247. Dir.MeheL Eröftnungsuopgteliuns am 2. Septembor, 8.15 Uhr Segafig nidun. 3.30(emäl Pr.) Kinder der LandstraB« (Liederspiel) Freibad krumme lianke, Bortlatr Barleski mit tat Herren: Meisel. Britton. Ginrd. Breov. Bomblat, Cartts. Jason. Ptoh. ein Piaakin. Stethli. Saposk Volkstümliche Fr. Voirerk. 11-2. 5-9 IL von 0.50 bi» 2.25 M- BETRIEB*»k kempihskiM Harz. Genossen finden freund!. Aufnahme, gute Berpfi. Pension 3 M bei 5 Mahl- zelten, keine Nebentoft Schön. Rosengart. m. anschlleß. Li-gewiese nahe Tannenwaid. Heinrldi Karges. BarrletiauseB bei Seesen. Bekanntmachung. Sur Grund der Artikel I und IV der Dritten Verordnung Uber die Aufwertung der Ansprüche aus Pfanddrie'en und «chuldoerschreldungen tandschastlicher>rtlterichaftllch-r> Kredit- anftalten, von Stadtschanen. Psanddriesämtern usw. vom 22. Marz 1328(Preußische Geietzsammlung S. 40 ff.) und de» Satzung»nachlrages vom 24 Juli 25. Sepiember 1328 wird da» Berliner Pfandbrief-Amt mit Genehmigung der Ausfichtsbehörde an die Inhaber von Anieilscheinen zu den auf Grund der vor- genannten Bestimmungen ausgegebenen b°tztgen Berliner Gold- planddriesen(Serie A> au» dem Barbestände der für die Neuen Berliner Pfandbriefe alter Währung gebildeten Nelttcilung». Masse 0,36 v. H. des Goldmartbetrages der Pfandbrteie aus- schulten Aus den Anteiischein zu einem Soldpfandbriesz-rtifikat von 20 SM entfallen daher 0 38 GM einem Goldpsandbrief 25 50 100 200 500 1C00 2000 (i,45 0,30 1,80 S.60 9,- 18.- Das Berliner Pfandbrief-Amt«ordert hiermit die Inhaber von Anteilscheinen zu den oben näher bezeichneten Berliner Goldpfanddriefzertisskaten bzw. Doldpfanddrielen am, den zweiten Ratenschein von vorgenannten Anteilscheinen zum l. Ostoder 1332 einzureichen, um dagegen nach Prüfung den daraus entfallenden Vardeirag in Einv ang zu nebmen Bei Einreichung mehierer Rrncnscheine ist ein nach Buchstabe» und Ziummcrn arithmetisch geordnete» Verzeichnis der Ralenicheine detiutUgen. Die Einreichung der Ratenscheine hat a) beim Berliner Psandbriei-Amt. IV 3. Eichhornür. 5, d) bei der Berliner Eiadtschaits-Bant, Attiengesellschast, W 9, Eichhornstr 5, zu crf» gen Bei Auehändigung ist das Amt zur Prüfung der Legitiinalion des Einreichers derechiigt aber nidii veipssichtet. Berlin, im Auguii i-32. Das verlinoe Pfandbrief. Ame. I. B.: D reg er.