Redaktion u. Expedition: iSerlin SW LZ, Lmdenitr.3 Lei. A.7 Dönhoff 292—297 BERLIN Aienstag 30. August 1932 10 Pf. 7!r. 408 B 199 49. Jahrgang Anzeigenpreis: Di« Ifvlt. MM- meterzeile SO Pf. DieReklamezeil« toftet 2 Mari. Rabatte n. Tarif. Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe de-„Vorwärts". Bezugspreis fürb-id-Ausgaben7ZPf. pro Woche, SLZ M. pro Monat(davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. P o st b e z u g 3,97 M. einschließlich K0 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellgebühren. liiimeniilli'i Will Papen-nan ueoereinstimmung auch mit den innerpontischen Planen Soldatenspiel im Reichstag Eröffnungssitzung nni Schnüren und Treffen— Braune„Kameraden" in Gala Amtlich wird mitgeteilt: Reichspräsident von Hinden- bürg empfing heute den Reichskanzler von Papcn, den Reichsminister des Innern, Freiherrn v. Gayl, den Reichswchrminister v. Schleicher zum gemeinsamen Vor- trag über die schwebenden Fragen der Innenpolitik, besonders das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung. Ter Reichspräsident erklärte feine Zustimmung zu den von der Reichsregierung geplanten, vom Reichs- kanzlcr in seiner Rede in Münster in de» Grundzügen bekanntgegebenen wirtschaftlichen und finan- z i e l l e n Maßnahmen. Ter Reichspräsident ersuchte den Reichskanzler, bei der Ausarbeitung der einzelnen Bestimmungen besonders darauf zu achten, daß die Lebenshaltung der beut- fchen Arbeiterschaft gesichert und der soziale Ge- danke gewahrt bleibe. Tie eingehende Besprechung der innenpoliti- fchen Lage ergab völlige Ucbereinstimmung zwischen dem Herrn Reichspräsidenten und der Reichs- regierung. Präsidentenwahl im Reichstag. Sozialdemokratie für Löbe/ Zentrum für Rationalsozialisten. Die sozialdemokratische RcichStagSfraktion beschloß, bei allen Wahlen deS Präsidenten, wie der drei Vize- Präsidenten für Paul Lobe zu stimmen. Da bei der Wahl deS Präsidenten daS Zentrum für den Nationalsozialisten eintreten wird, der Beschluß der Kommunisten aber nur dahin geht, im Falle einer Stichwahl für Lobe zu stimmen, ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß, wie im Preußischen Landtag, seht auch im Reichstag die sozialdemokratische Fraktion für die Vertretung im Präsidium ganz ausfällt. * Heute um 2 Uhr ist der Landtag zusammengetreten. um 3 Uhr der R e i ch s t a g. Schon vorher hat in N e u d e ck die Besprechung des Reichspräsidenten mit Schleicher, Papen und Gayl stattgefunden. Noch ehe Beschlüsse des Reichstags zustande gekommen sind, hat man in Neudeck Eventual- entschließungen gegen sie gefaßt. Die Diktatur des Besitzes gegen die Nichtbesitzenden soll durchgeführt werden gegen den Willen des Volkes, das kapi- talistische System soll seinen Raub- und Ausbeutungscharakter aufs neue erweisen. Deutschland soll eine neue Form der Klassendiktatur von oben erleben, die ein Maximum an politischer und sozialer Reaktion darstellt. Im Reichstag sitzen 222 Sozialdemokraten und K o m m u n i st e n, die dem Papen-Programm auf das schärfste widersprechen. Es sitzen im Reichstag aber auch noch 23Y Nationalsozialisten, und die antikapitalistischen Stim- mungen bei den Nationalsozialisten sind ziemlich stark. Hier allein schon ist eine Opposition, die über 450 Mitglieder von 608 zählt. Würde die Regierung Schleicher-Papen es wagen, ihr sozialreaktionäres Programm dem Volke aufzwingen zu wollen, wenn sie die Nationalsozialisten als wirkliche Oppo- sition gegen sozialreaktionäre Pläne bewerten würde? Sie weiß mehr von den Nationalsozialisten, als die Tatsache, daß die Hitler-Anhänger sich„Sozialisten" nennen. Sie ist nicht nur auf den Schultern der Nationalsozialisten und über sie hinweg ins Amt gestiegen, sie rechnet immer noch auf die Bundesgenossenschaft der Nationalsozialisten bei ihren reaktionären Anschlägen gegen das Volk und die Ver- fassung. Die Freiheit und die' soziale Gerechtigkeit in Deutschland sind auf einem Tiespunkt angelangt. Die Sozialdemokratie wird in schärfster Opposition gegen alle reaktionären Mächte um den Wiederaufstieg kämpfen! Die heutige Eröffnung des Reichstags kündigte sich schon zu früher Morgenstunde an. Trotz der durch die Presse ver- breiteten Mitteilung der Reichstagsverwaltung, daß alle Einlaß- karten zu den Tribünen langst vergeben seien, fanden sich doch zahlreiche politisch interessierte Leute ein, die durchaus noch in das Haus gelangen wollten. Sie mußten sämtlich wieder abgewiesen werden. In der Umgebung des Reichstags bildeten sich Gruppen, die die kommenden Ereignisse eifrig debattierten. Vor dem Portal 2, durch das die Abgeordneten das Haus betreten, hatte sich ein Heer von Photographen und Filmleuten aufgestellt, die ihre Apparate vor allem aus die bekannteren Mitglieder des Reichstags richteten. Gegen 11 Uhr nahm die Polizei Absperrungen vor, die diesmal aber keinen so großen Umsang annahmen wie bei früheren Reichstagseröff- nungen. Einzeln« Fraktionen hielten noch am Vormittag die letzten Be- ratungen ob. Die sozialdemokratische Fraktion trat um 11 Uhr zusammen. Ihre Arbeiten waren in der zweiten Mittagsstunde beendet. Um die gleiche Zeit trafen dann die Salz- steuersoldaten im Reichstag ein und besonders die neugewählten nationalsozialistischen Abgeordneten mochten sich eifrig mit den Ein- Der Aeltestenrat des Landtags, der um 1? Uhr zusammentrat. beschloh. den Beginn der heutigen Sitzung von 1Z Uhr auf 14 Uhr zu vertagen. Ferner beschloh der Aeltestenrat, dah der Landtag n u r a m heutigen Dienstag tagen soll, die nächste Sitzung wurde a u s den 21. September festgesetzt. was die Tagesordnung anbelangt, so beschloh der Aeltestenrat, den zweiten Punkt der heutigen Tagesordnung, der die Terrorakte der Nationalsozialisten in Ostpreuhen. Schlesien usw. be- trifft, von der Tagesordnung abzusehen. Die Beschlüsse aus Vertagung und Vermindung der Tagesordnung wurden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten, also mit den Stimmen der Tlationalsozialisten, der Deutschnalionalen und des Zentrums gesahl. Sie sind zweifellos von der Rücksicht auf die zur Zeit schwebenden Koalitionsverhandlungen diktiert. Bracht und der Landtag. Keine Teilnahme der kommissarischen Minister an den Verhandlungen. Der stellvertretende Reichskommissar Dr. Bracht hat seine Aus- fassung über die Stellung der kommissarischen Regierung gegenüber dem Preußischen Landtag schriftlich in der Weise festgelegt, wie er sie in seiner Aussprache mit dem Landtagspräsidenten Kerrl mündlich vorgetragen hatte. Das entsprechende Schriststück ist dem Landtags- Präsidenten zugegangen und wird voraussichtlich in den VerHand- langen des Aeltestenrates mit erörtert werden. Dagegen steht bisher nicht fest, ob der Landtagspräsident die Auszeichnungen des stell- vertretenden Reichskommissarz als Regierungserklärung dem Par- lament zur Kenntnis bringen wird. Sicher ist nur, daß der stellvertrentende Reichskommissar und die kommissarischen Minister an den Landtagsverhandlungen sich persönlich nicht beteiligen werden, wahrend uns das weitergehende Gerücht als über- trieben bezeichnet wird, wonach es überhaupt sämtlichen Regierungsvertretern untersagt worden sei. sich an der Vollsitzung des Landtags zu beteiligen. richtungen des Hauses, mit ihren Plätzen im Sitzungssaal und mit den Fraktionszimmern vertraut. Alle waren sie im„Paradeanzug" angetreten. Funkelnagelneu sahen die Uniformjacken aus, in hellem Gelb leuchten ihre Hemden. Besonderer Wert wird anscheinend auf die Rangunter schiede gelegt, die durch bunte Merkmale oder metallene Kinkerlitzchen kenntlich gemacht sind. Man rechnet damit, daß im Gegensatz zu den bisherigen Be- fürchtungen die e r st c S i tz u n g r u h i g verlaufen wird. Zwar haben einige nationalsozialistische Blätter noch gestern gegen die kommunistische Alterspräsidentin Klara Zetkin gehetzt, aber in der nationalsozialistischen Fraktion scheint die staatsmännische Erwägung die Oberhand gewonnen zu haben, die Amtsführung der greisen Frau nicht zu stören. Man wird also voraussichtlich auch einige parteipolitisch gefärbte Sätze ruhig über sich ergehen lassen. Um eine schnellere Abwicklung der Geschäfte herbeizuführen, erwägt man den Gedanken, zugleich mit dem Namensaufruf der Abgeordneten die Wahl des Präsidenten des Reichstags vor- zunehmen. Darüber wird wohl aber erst in der Sitzung selbst beschlossen werden. Schuh der Reichsiagsrechte. Lleberwachungsausschuß und Auswärtiger Ausschuß sollen sofort konstituiert werden. Da nach wie vor damit gerechnet wird, daß die Reichs- regierung bei de» Besprechungen mit dem Reichspräsi- dcnten in Rcudeck ihre Versuche zur sofortigen Auflösung des Reichstags fortsehen wird und da Bestrebungen bestehen, für diesen Fall auch die verfassungsmäßigen Ausschüsse auszuschalten, die nach einer Auflösung weiter- amtieren, so soll bereits in der heutigen Reichs- t a g s s i h u n g die Ernennung der Mitglieder des Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung und deS Auswärtigen Aus- s ch u s f e S erfolgen. Die sozialdemokratische RcichStagSfraktion entsendet in den UeberwachungSauSschuß die Abgeordneten Heimann, Hertz, Högner, Frau Juchacz, Lobe und Vogel, a!S Stell- Vertreter: Aufhäuser, Frau Bohm-Tchuch, Hildenbrand, Keil, Marum und Schreck; in den Auswärtigen Ausschuß die Abgeordneten Brcitscheid, CriSPien, Dittmann, Hilferding, Scheidemann, Stampfer und Wels, als Stell- Vertreter Landsberg, Leber, Roßmann, Taupe, Seger, Frau Sender und Sollmann. Schleicher baut um. Zunächst erörtert er den„Umbau der Reichswehr" theoretisch Unter der Ueberschrift„Um Deutschlands Sicherheit" befaßt sich Reichswehrminister von Schleicher in der Zeitschrift „Heimatdienst" mit dem Ergebnis des ersten Abschnitts der Ab- rüftungskonserenz und dem deutschen Anspruch aus Gleichbcrechti- gung. Er kommt nach langen Auseinandersetzungen über die Er- gebnislosigkeit jener Konserenz zu dem Schluß, den er schon in seiner Rundsunkrede zog:„Die deutsche Regierung hat aus dieser Entwicklung die einzig möglichen Folgerungen gezogen, indem Rur heute Landtag Rächste Tagung am 2-1. September- Die schwarzbraunen Koalitionsverhandlungen gehen weiter Soll das im Jteichslag auch jfo werden? Der Nazipräsident des Landtags von Mecklen- burg-Schwerin läßt auf dem Landtags-Gebäude fTtadttheater) in Schwerin neben der Landesfarbe die Hakenkreuzfahne hissen. Im Reichstag will das Zentrum heute einen Nazi- Präsidenten wählen helfen. Man muß sich also auch in Berlin auf Ueber- raschungen gesaßt machen. Auslandskrilik am papen-programm Bürgerliche Sachkenner urteilen anders als Börsenjobber sie die Entschließung vom 23. Juli ablehnte und ihre weitere Mit- arbeit in Genf von der vorherigen zweiselssreien Anerkennung des Grundsatzes der Gleichberechtigung abhängig machte. Sie ist damit den Weg nationaler Ehre und internationaler Gerech- tigkeit gegangen", und er fügt hinzu, daß er in vollem Einverständ- nis mit sämtlichen Kabinettsmitgliedern den Umbau der Reichs- wehr angekündigt habe, und fährt dann fort: Was den Umbau der Reichswehr anlangt, so hängt das Aus- maß einer Umorganisation in erster Linie vom Grad des Ab- rüstungswillens der hochgerüsteten Staaten ab. Deutschland beansprucht für seine Sicherheit nicht mehr und nicht weniger, als die anderen Mächte für sich fordern. Es ist bereit, auch in Zukunft an einer wirklichen Abrüstung mitzu- arbeiten, aber man darf die Geduld des deutschen Volkes nicht länger mißbrauchen. Dreizehn Jahre sind seit Gründung des Völkerbundes und seit dem Abschluß der Friedensverträge vergangen, während der Artikel 8 der Völkerbundsstatuten für die regelmäßige Nach- Prüfung und Berichtigung der Abrüstungspläne ein Höchstmaß von zehn Iahren setzt. Deshalb hat Deutschland seine Gleichberech- tigungsforderung jetzt nachdrücklich angemeldet als Prüfstein für de» guten Willen seiner Vertragspartner. Sie bezieht sich ebenso auf die grundsätzliche Frage der W e h r v e r- f a s s u n g wie auf die sogenannten A n g r i f f s w a f f e n, die bei den Sachverständigenberatunaen in Genf sich plötzlich in Verteidi- gungsmittel verwandelten. Wenn Unterseeooote, Flugzeugträger, Kriegsslugzeuge, schwere Geschütz« und Kampfwagen nur Mittel für die nationale Verteidigung sind, so kann man diese Waffen Deutschland nicht vorenthalten. Wenn andere Staaten ihre Landesgrenzen mit Wällen aus Eisen und Beton befestigen, mit welchem Recht will man diesen Schutz Deutschland versagen? Wir wollen keine Teilnahme am W e t t r ü st e n, schon weil unsere finanzielle Lage das verbietet. Wir fordern aber das Recht, unsere beschränkten Geldmittel so an» zulegen, daß sie einen günstigen Nutzeffekt für die Landesverteidi- gung bringen. Dos, sagt Schleicher zum Schluß, ist in kurzen Umrissen der Inhalt der deutschen Forderung nach gleichem Recht in der Wehrfrage und nach Wiedergewinnung der nationalen Sicherheit._ Jubel bei der Schwerindustrie. „Dafür hat die Schwerindustrie seit Jahren unermüdlich gekämpft." Die„Deutsche Bergwerkszeitung" schreibt in einem enthusiasti- schen Aufsatz zum Regierungsprogramm und gibt in zustimmenden Aeußerungen die Meinung des„Reviers" wieder; sie oerkündet, daß die Regierung durch diese Tat sich nahezu in allen Punkten für die wirtschaftlichen Forderungen der Schwer- i n d u st r i e, wie sie in der„Deutschen Bergwerkszeitung" erhoben wurden, durchgerungen habe.„Der kühne Wurf der Regie- rung", die Steuersenkungen entsprächen den alten Forderungen der „ABZ." auf radikale Steuersenkung. Im Revier möchte die Industrie nur»och die Jndustrieumlage und die Hauszinssteuer in die Steuer- geschenke mit einbezogen haben. Die Lockerung der T a r i f o e r- träge sei von der Ruhrindustrie in den Vordergrund geschoben worden! Allerdings ist die Schwerindustrie hiermit wie mit dem Lohnprogramm noch nicht voll befriedigt. Ihr Blatt schreibt: „Ob die Ausgabe von 700 Millionen Mark als Prämie für die Betriebe, die Arbeiter neu einstellen, genügen wird..., läßt sich noch nicht übersehen." Die„Bergwerkszeitung" faßt ihre Meinung wie folgt zu- sammen:„Das ist di« Politik, für welche die „Deutsche Bergwerkszeitung" seit vielen Jahren unermüdlich gekämpft hat" und meint abschließend:„Eine Regierung, die das fertig bringt, hätte über kurz oder lang das gesamte Volk hinter sich." Bisher hat diese Regierung der Barone allerdings nur die schlimmsten Scharfmacher, das kleine Grüpplein der reaktionären Wirtschastsgruppen, der Schlotbarone und der verkrachten Junker hinter sich, aber das Volk in höchster Erbitterung ge- schlössen gegen sich und ihr Wirtschastsprogramm. Börse bleibt fest. Die Steuergeschenke wirken nach wie vor anregend. Auf der heutigen Börse wurden die gestrigen Haussekurse voll gehalten und man erwartet für den Schluß der Börse weitere Kurssteigerungen. Die Steuergeschenk« in Popens Wirtschafts- Programm wirken weiter anregend, dos Publikum ist noch stark im Geschäft. Die leichten Schwankungen, die sich im Verlauf der Börse ergaben, dürsten sich aus Verkäufen zur Mitnahme von Gewinnen erklären. Daß man eine ruhige Reichstagseröffnung erwartet, festigte die Stimmung. Die Folgen einer Reichstagsauslösung werden gegenüber den privatwirtschaftlichen Vorteilen, die das Papenp o- gramm bringt, gering eingeschätzt. Pfandbriefe und Industrie- obligationen lagen im wesentlichen unverändert, fest verzinsliche öffentliche Werte tendierten eher nach oben. Reichswehrgefreiter niedergestochen. Zwei S.-A.-teute als der Tat verdächtig festgenommen. Magdeburg, 30. August.(Eigenbericht.) In Magdeburg wurde der Reichswehrgefreite Nie- m a n n von der 11. Kompagnie des 12. Infanterieregiments nach kurzem Wortwechsel mit einigen Personen durch mehrere M e s s e r st i ch e derartig verletzt, daß er in schwerverletztem Zustande ins Krankenhaus«ingeliefert werden mußte. Dort ist er am nächsten Tage gestorben. Im Verlauf der sofort aufgenommenen Ermittlungen wurde fest- gestellt, daß Niemann, der in Zioilkleidung war, kurze Zeit vorher in einem Lokal auf dem Breiten Weg gekneipt hatte und dabei mit einigen Personen in Streit geriet. Diese Streitigkeiten arteten schon im Lokal in Tätlichkeiten aus. Als Niemann das Lokal verlassen hatte, sind ihm zwei Personen, die an den Streitigkeiten beteiligt waren, nachgegangen. Einer von ihnen äußert« bereits im Lokal, daß man dem Niemann eins auswischen werde. Wegen Tatverdachts wurden zwei Personen festgenommen. Es sind die SA.-Leute August Müller und Otto Vogt aus Magdeburg. Sie geben zu, die Streitigkeiten im Lokal gehabt, bestreite» aber, dem Niemann die tödlichen Stiche beigebracht zu haben. Beide sind als Schläger und intime Freunde in Magdeburg bekannt, die an zahlreichen Uebersällen aus Andersdenkende beteiligt waren. Müller wurde regel- mäßig, wenn in Magdeburg Schlägereien zu erwarten waren, von den Nazis mit dem Auto aus seiner Wohnung geholt. Es ist auch bekannt, daß er oft seine eigenen Kameraden blutig geschlagen hat. wenn sie sich nicht seinem Willen fügten. Vogt, den man nie ohne Müller sah, ist dieselbe üble Marke. Auch er hat stets an Schlägereien und Schießereien in Magdeburg teilgenommen. Ein« ganze Reih« führender bürgerlicher Blätter des Auslandes äußert sich zu dem Wirtschaftsprogramm des Herrn von Papen in äußerst kritischer Weise. Die„Neue Züricher Zeitung", das maßgebende bürgerliche Wirt- schastsblatt der Schweiz, bezeichnet die Steuergeschenke an die „schaffenden Unternehmungen" als„ein raffiniert ausgedachtes, aber gefährliches Finanzexperiment". Das Blatt sagt weiter: Es muß auf die ungesunde Finanzpolitik hingewiesen werden, die darin liegt, daß das Reich Steuergeschenke verteilt, während der Etat bekanntlich bei weitem nicht balanciert. Die Re- gierung treibt mit ihrer Finanzpolitik ein gefährliches Spiel, dessen Ausgang durchaus ungewiß ist. Es kann schon heute gesagt werden, daß das Programm die Gefahr einer neuen Inflation durch Schaffung zusätzlicher kauf- krasi ohne entsprechenden Gegenwert in sich trägt. Die angekündigte„maßvolle Regelung der Einsuhr" paßt kaum in ein Programm der Krisenbekämpsung, wenn man des großen Teils der Bevölkerung gedenkt, der durch die Ausfuhr— die selbstverständlich auch leiden wird— ernährt wird." Abiehnuna in London. Die„Time s" schreibt:„Die Operation läuft auf die Aus- gäbe künftiger Einnahmen hinaus. Sie ist bezeichnender Weise den Plänen ähnlich, die die Nazis seit langem propagieren." Die Pläne zur Arbeitebeschafsung werden als finanziell nn- gesund und äußerst problematisch bezeichnet. „Daily Telegraf":„Dieses kostspielige Programm hat sehr viele zweifelhafte Seiten." „Morningpost" meint ironisch, daß Deutschland für derartige arbeiten(Instandsetzung und Ausbau des Produktionsapparates) wahrlich schon überreichlich Geld aufgewandt habe.„Die Finanzie- rungsmethoden erinnern an Börsentermingeschäste, die manchmal Erfolg haben, aber auch schiefgehen können." Zweifel in Paris. „Le Temps":„Vom wirtschaftspolitischen Gesichtspunkt müsien die in der Rede angeführten Grundsäge als höchst fragwürdig bezeichnet werden." „Petit Journal":„Das Programm der Regierung Papen ist gegen die Demokratie und die arbeitende Klasse gerichtet." Kritik der Neutra'en. In Holland wird das Papen-Programm gleichfalls über- einstimmend äußerst ungünstig beurteilt und sein rücksichtsloser In- teressentencharakter auch in der bürgerlichen Presse scharf kritisiert. „P o l i t i k e»"-Kopenhagen überschreibt seinen Bericht höchst Ein Toter in Eharlottenburg. Folgen der nächtlichen Schießerei. Die schwere Schießerei zwischen Nationalsozialisten und Kom- munisten, die sich, wie bereits im„Vorwärts" berichtet, kurz vor Mitternacht in der Röntgenstraße in Charlottenburg abspielte, hat außer zwei Verletzten ein Todesopfer gefordert. Der 23 Jahre alte Handlungsgehilfe Herbert G a t s ch k e aus der Gutenbergstraße 1 in Charlottenburg hatte einen Lungenschuß erlitten, an dessen Folgen er um 1,30 Uhr nachts starb. Der 34 Jahre alte Maler Theodor Kwiondkowski aus der Knobels- dorffstraße 27 trug zwei Oberschenkelschüsse davon und der 23jährige Bäcker Werner K a m m a n aus der Kaiser-Friedrich-Straße 22 zog sich einen Unterarmschuß zu. Der Tote und die beiden Verletzten gehören der SA. an. Bis jetzt konnte die folgenschwere Schießerei von der Politischen Polizei noch nicht geklärt werden. An dem blutigen Zwischenfall waren etwa 30 Hakenkreuzler und eben so viele Kommunisten beteiligt. Von beiden Seiten wurden elwa 20 Schüsse abgegeben. In dem Nazi-Verkehrslokal wurden mehrere geladene Pistolen und ein Dolch beschlagnahmt. 39 Nationalsozialisten wurden ins Polizei- Präsidium gebracht, im Laufe der Nacht jedoch wieder entlassen. Die Ermittelungen der Politischen Polizei gehen weiter. Großfeuer in Wilmersdorf. Die Feuerwehr wurde heule mitlag nach der holsteinischen Straße 2 Z alarmiert, wo im D a ch st u h l des Hauses Feuer ausgebrochen war. Bis zum Eintreffen des ersten Löschzuges hatten die Flammen so weil um sich gegcissen, daß Z. Alarm an die Haupt- seuerwehrwache weitergegeben werden mußte, woraus drei weitere Zugwachen an die Brandstelle eilten. Die Löschaklion gestaltete sich wegen der außerordentlich starken Derqualmung sehr schwierig, und bei Schluß des Blattes war das Feuer noch nicht eingedämmt. vielsagend mit der Ueberschrift:„Die reaktionärste Rede, di« ein deutscher Reichskanzler seit der Revolution gehalten hat." Sogar den Faschisten zu reaktionär. Selbst„Lavorro Fascista" spricht von reaktionärer So- zialpolitik. Im übrigen entdeckt die faschistische Presse in oen Finanzplänen Anklänge und Nachahmungen der faschistischen Fi- nanz- und Subventionspraxis— angesichts der bekannten zer- rütteten italienischen Finanzwirtschaft ein wenig schmeichelhaftes Lob. Das ist das Echo nichtverblendeter und nicht an de» Börsenhausse beteiligter Ausländer zu den ebenso oben- teuerlichen und dilettantischen wie reaktionären Plänen der Barons- regierung. Das kritische Alterspräsidium. Paris, 30. August.(Eigenbericht.) Die Börsenhausse auf die Programmrede von Popens hat das Ansehen des Kanzlers auch bei den börsennahen Politikern und Zeitungen in Paris erhöht. Diese Presse sagt, daß von Papen mit seinem Zwölsmonatsprogramm für lange Zeit seine Existenz g e- sichert habe. Die Unterredung mit Hitler hat hier zwar etwas überrascht, denn man wundert sich, daß die beiden überhaupt noch miteinander sprechen, aber der Mißerfolg der Aussprache infolge der allzu übertrieben politischen Forderungen Hitlers wird als selbstverständlich hingenommen. Der„Petit Parisien" glaubt aller- dings noch auf„einige politische Gefahren" aufmerksam machen zu müssen. Die kurze Tagung des Reichstages könne doch einige Ueber- raschungen bringen, wenn auch selbst die Hitlerleute vernünftig und gemäßigt aufträten und aus A n g st vor einer neuen Reichstagswahl darauf verzichten würden, die Alterspräsidentin Klara Zetkin anzupöbeln: diese werde wohl auch selbst eine Lobrede aus Moskau unterlassen. Frankreich in Sorge. Paris, 30. August.(Eigenbericht.) In der Eröffnungsrede sür den Generalrat des Departements Ardenncs befaßte sich Senator Hubert, der Vorsitzende der außen- politischen Kommission des Senats, in der Hauptsache mit den Er- eignissen in Deutschland.„Was wird aus der innenpolüsschen Gährung in Deutschland hervorgehen?", so fragte er.„Wenn es den Deutschen nicht möglich ist, sich für etwas zu einigen, werden sie sich schnell gegen etwas einigen. Dabei besteht die große Gefahr, daß schließlich Frankreich die Kosten der innenpolitischen Wirren in Deutschland tragen muß. Frankreichs Aufgabe ist also klar: äußerste Wachsamkeit, ständig auf der Hut bleiben, ohne seine Kaltblütigkeit zu verlieren." Die Mordsache Schöning. Ein Verdächtiger verhastet. Die Untersuchung des Mordes an dem 16 Jahre alten Kurt Schöning führte jetzt zur Festnahme eines Verdächtigen, der gleichfalls in den Kreisen des Ermordeten verkehrte Es handelt sich um einen jungen Mann, der sich bei seiner Vernehmung in zahlreiche Widersprüche verwickelte Der Festgenommene mußte zu- geben, daß er mit Kurt Schöning bekanntgewesen war. Er ist schon einmal wegen eines Sittlichkeitsverbrechens, allerdings nicht in Berlin, bestraft worden Bei seinem Verhör leugnete er jegliche Verbindung mit den Kreisen ab. in denen Kurt Sch. verkehrte. Ein Toier in der Spree gesunden. Aus der Spree bei Treptow in der Nähe des sogenannten Poetensteges wurde heute vormittag die Leiche eines Mannes ge- landet. Wie die Untersuchung der Leiche ergab, hatte der Tote an der rechten Schläsenseüe eine Schußoerletzung. Der Mann, der keinerlei Papiere in seinen Taschen hatte, ist etwa 32 bis 40 Jahre alt. Da mit der Möglichkeit eines Verbrechens gerechnet wird, ist die Mordkommission alarmiert worden. Der Tote ist ins Schauhaus gebracht worden. Panzerautos mit geschmuggeltem Tabak. Paris, 30. August.(Eigenbericht.) An der belgischen Grenze haben französische Zollbeamte am Montag zwei Panzerautomobile beschlagnahmt. Die beiden Wagen transportierten nicht weniger als 1200 Kilogramm ge- schmuggelten Tobak. Die vier Insassen der Wagen konnten rechtzeitig vor der Verhaftung fliehen. Tie Große Berliner Kunstausstellung im Schloß B-llevue«rössnet am Sonabend die zweite Abteilung ihrer diesjährigen Veranstaltung Es werden Aquarelle, Graphik und Klcinplastil gezeigt. Gegen Sie Gsnvsrgenchie. SozialSemokratis beantragt Aushebung der Notverordnung Die sozialdemokratische Reichslagesraklion hat beantragt, daß die Notverordnung des Reichspräsidenten gegen politischen Terror und die Verordnung der Reichsregierung über die Bildung von Sondergerichten vom g. August lSZZ ausgehoben werden. Die Verordnung des Reichspräsidenten gegen politischen Terror mit ihren drakonischen surchtbaren Strafandrohungen ist nicht not- wendig zur BekSmpsung des politischen Terrors. Vielmehr g e> nügen die bestehenden Ve st im in ungen des Straf- rechts und anderer Gesetze, wie z. V. des Sprengstofsgefetzes, vollkommen, um eine gerechte Verurteilung der Terroristen herbei- zuführen. Versagt hat bisher nicht das Strafgesetz, versagt habe« vielmehr die Gerichte in der Anwendung der Strafbestimmnngen gegen Terroristen von rechts her. Gegenüber Linksrodikalen, auch gegenüber den Reichs- bannerangehörigen, hat man bisher schon auf Grund des bestehenden Rechts furchtbar« Strafen ausgesprochen. Man denke nur an das Zuchthausurteil von O h l a u, das auf Grund des bestehenden Papen vorm Reichstag die<3 4• 40UIV Volksrechte oder Herrenrechte— Das ist hier die Frage. Rechts erging. Die Sozialdemokratie ist auch aus prinzipiellen Gründen stets ein Gegner der Todesstrafe gewesen und hält es deshalb nicht für begründet, jetzt die Todesstrafe anzudrohen. Die Verordnung über die Bildung von Sonder» g e r i ch l e n geht zurück auf eine Brüning-Notverordnung. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hatte seinerzeit schon beantragt, die Ermächtigung zur Bildung von Sondergerichten zu beseitigen. Infolge der Auflösung des alten Reichstags kam dieser Antrag aber nicht mehr zur Beratung. Tie Sondergerichte sind unnötig; sie sind aber vor allen Tingen in der Verordnung vom 8. August so eingerichtet, daß die Angeklagten vollkommen rechtlos gemacht worden sind. Beseitigung jedes Rechtsmittels, willkürliche Einschränkung der Be- weisaufnahme, Einschränkung der Verteidigung sind nur einige der wichtigsten Bestimmungen. Sie zeigen, daß es nicht hilft, an ein- zelnen Mängeln herumzudoktoren. Die Rechtsmittel der Angeklagten können nur dann wieder hergestellt werden, wenn die Sonder- gerichte überhaupt beseitigt sind. Aequaiorforschung aus der Lust. In Zürich werden in diesen Tagen Vorbereitungen für einen internationalen Aequatorrundflug zu wissenschaftlichen Zwecken ge- troffen Die Anregung geht aus von dem deutschen Afrikareisenden Paul G r a e tz. der Afrika bereits mehrmals im Auto und Motor- boot durchquert hat. Es ist vorgesehen, den Aequatorialstreifen mit sünf parallel in geeignetem Abstand fliegenden Flugzeugen in Etappen von je etwa SVO Kilometer zu überfliegen. Die Flugzeuge sollen aus einer Höhe von etwa SSOO Metern photogrammetrische Aufnahmen mittels Weitwinkelkamera machen Man hofft aus diesem Wege den genauesten Einblick in den Aufbau und die Gliederung der Aequatorzone zu gewinnen. Zur Vorbereitung des Unter- nehmens soll zunächst ein Komitee gebildet werden, in dem alle an dieser Forschung interessierten Wissenschaften, Geographie, Natur- forschung, Geodäsie usw. international vertreten sind. „Festung Gollnow" freigegeben Der Schriftsteller Ernst Friedrich, dem vergangenen Jahr wegen„literarischen Hoch- rerrats" eine längere politische Haft aus der Festung Gollnow ab- sitzen mußte, veröffentlichte über seine dortigen Erlebnisse ein Buch unter dem Titel„F e st u n g G o l l n o w" das sofort bei Erscheinen verboten und beschlagnahmt wurde. Er schildert speziell, wie er unter dem Terror der dort ebenfalls in Haft befindlichen Kommu- nisten leiden mußte und welches Herrenleben die kommunistischen „Märtqrer" führten. Das Werk ist nunmehr freigegeben worden. Der Arbeiterbildungsausschuß Breslau veranstaltet am Sonntag in Gegenwart des Dichters eine Gerhart- Hauptmann- Feier. In dem bemerkenswerten Programm sind vorgesehen: Chr. W Gluck' Ouvertüre zu„Iphigenie in Aulis"; Gerhart Hauptmann: ,Die armen Leute braucheu Bror"(aus:„Der Tod des Gracchus")(um>884),„Das Lied von unserem Jahrhundert"(aus: „Im Nachtzug)(um>887).„Wir leidend nicht mehr!"(aus dem Schauspiel:„Die Weber." 2. Akt)(1302), und„Till Eulenspiegel" (1928). Der Polkschor Breslau singt:..Beherzigung von Goethe" (I. Fr. Reichardt) und..Der Mensch ist frei!" von Schiller(Erwin Lendvai) Professor Otto Anthes-Liibeck spricht über Gerhart Haupt- mann Beethovens Ouvertüre zu.Prometheus" macht den Abschluß. »offc Gogols Leiter de! der statt. Em ganz ungeklärter Fall vor dem Gondergerichi Vor dem Sondergericht l Berlin wird heute gegen den Bauklempner Max Rothe und den 5trast- Wagenführer C a r o wegen versuchten Totschlags in Tat- einheit mit schwerem Landfriedenebruch und unbefugter Führung einer Schußwaffe verhandelt. Am 17. Juli kam es um Mitternacht herum in der Alten Jakob st raße zu einem Zusammenstoß zwischen National- s o z i a l i st e n und Andersdenkenden. Dabei sind Schüsse gefallen und der Nationalsozialist Schröder wurde so schwer verletzt, daß er noch in der gleichen Nacht seiner Verwundung erlag. Wer den tödlichen Schuß abgegeben hat. ist auch nach der Anklage- erhebung nicht festgestellt worden. Rothe aber wird beschuldigt, geschossen zu haben. Cr bestreitet dies mit Nachdruck und gibt folgende Darstellung: Rothe, der dem Reichsbanner angehört, ist an dem fraglichen Abend mit einem Kameraden in der Gegend seiner Wohnung spazieren gegangen. Es ging unruhig zu. Durch die Straßen zog eine Abteilung von 4 0 uniformierten Ratio- n a l s o z i a l i st e n. und in einem anderen Lokal taste eine kam- munistische Mieterversammlung. Rothe weiß nicht, wie es nach Schluß dieser Versammlung zu dem Zusammenstoß gekommen ist. Er ist, als er die Schüsse hörte, in ein Lokal in der Nähe gelaufen. Dort hat man die Tür geschlossen und erst dann freiwillig wieder geöffnet als Polizei kam. Ein Beamter erschien in Begleitung eines Nationalsozialisten und sagte:„Caro hat geschossen." Der Beamte (ragte, ob denn Caro da sei: der Nationalsozialist erwiderte, indem er auf Rothe zeigte:„Das ist Caro." Rothe bestritt, wurde aber festgenommen. Bei einer Leibesdurchsuchung fand man bei ihm keine Schußwaffe, aber eine Patrone. Für ihren Besitz gibt er eine harmlose und glaubwürdig klingende Aufklärung. Seine Vernehmung ergibt keinerlei Klärung der Vorfälle vom 17. Juli. Soviel aber erhellt schon jetzt aus dem Tatbestand der Anklage und der Ange- klaztenvernehmung, daß auch dieser Prozeß nicht zum wenigsten auf die Aushebung des Aniformvcrboles und die AZiederloslasiung der SA. zurück- zuführen ist. In der Gegend der Alten Iakobstraße, der Hollmann- und der Simeonstrahe sind im den 4 Wochen vor der Tat nicht weniger als viermal uniformierte Züge der Nationalsozialisten in einer Stärke bis zu 109 Mann hernmmarfchiert. Sie haben Andersdenkende bedroht, und auch Rothe ist wiederholt gesagt worden:„Dich machen wir auch noch fertig." Nach der wörtlichen Aussage des Angeklagten herrscht in der Bevölkerung dieses Viertels ständige Furcht, von den Naiionalsoziallsien überfallen und niedergeschlagen zu werden. Auch an dem Abend des 17. Juli wurde Rothe auf den ganzen Tumult erst aufmerksam, als er von einer Nebenstraße aus eine geschlossene Gruppe im Viarschschritt heranrucken hörte und laute Rufe vernahm:„SA. hierher, Straße frei, Fenster zu!" Der Beklagte Caro bestritt jede Teilnahme. Er hat einzig und allein seiner Schwester, die Arbeitersamariterin ist, einen von Nationalsozialisten verwundeten Kommunisten zugeführt. Das Zeugenaufgebot ist außerordentlich groß. Es sind nicbt weniger als 3 4 Personen als Zeugen zugegen. Der Nationalismus im Runkfunk Drohender Konflikt mit Dänemark Unter der Ueberschrist„Deutschlands Bruch des Abkommens wegen Verbots von Grenzpropaganda" weist in einem längeren Artikel„Politiken" auf die Abhaltung des Jahrestages des Schleswig-Holstein-Bundes in Cckernsörde Anfang September und auf die dabei zu haltenden Vorträge des Vorsitzenden des Bundes, I v e r s e n, und des Vertreters der deutschen Minderheit im Folkething. Pastor Schmidt- Wodder hin, deren Reden sich u. a. mit den Maßnahmen in Nordschleswig beschäftigen und über die norddeutschen Sender verbreitet werden sollten. Wie das Blatt bemerkt, bestehe zwischen der deutschen und der dänischen Rundfunkleitung ein mündliches Ab- kommen, das bisher beiderseits steht innegehalten worden sei, wonach Verträge, die Grenzfragen behandeln, nicht durch Rundfunk Arbeitet werden sollen. Die dänische Rundfunkleitung habe beschlmsen, bei der Reich srund funklcitung und der Norag an- zufragen, ob die in Eckernförde zu haltenden Vorträge von der deutschen Rundfunkleitung gutgeheißen seien. Die Anfrage habe nicht die Form eines Protestes: aber zeige es sich, daß die Vor- träge vom Reichsrundfunk gutgeheißen seien und deren Inhalt als Propaganda bezeichnet werden könne, werde dänischerseits protestiert und das bisher bestehende Abkommen als hin- fällig angesehen werden. „B e r l l n a s k e T i d e n d e" bemerkt gleichzeitig, daß kaum Aussicht auf eine Verhinderung der Einlegung der Vorträge bestehe. In gut unterrichteten dänischen Kreisen meine man, daß ein ganz neuer deutscher Kurs aus diesem Gebiet eingeleitet sei. Zu dieser Meldung bemerkt die„Telegraphen-Union": Von zuständiger deutscher Stelle wird hierzu erklärt, daß der Reichs- rundsunkkommissar die Angelegenheit prüfe und alsbald dazu Stellung nehmen werde. Kriiik verboten. Funkstunde schweigt.- Deutsche Welle spricht. Die„Politische Z e i t u n g s s ch a u", die für Montag abend angekündigt war. fiel aus. Das ist nicht zu verwundern. Die Aktionen dieser Regierung vertragen es nicht, im Mittelpunkt der Pressestimmen den Hörern dargestellt zu werden. Ob die bengalische Regierungsbeleuchtung das reaktionäre„Wirtschafts- Programm" dem werktätigen Volk, dem seine Last aufgebürdet werden soll, lieblicher erscheinen ließ? Jedenfalls wurde die dekorativ ausgemachte Rede Herrn von Popens zwangsweise am Montag noch einmal über alle Sender verbreitet, in der „Stunde der Regierung". Maulhalten, zuhören: die Freunde Herrn von Popens klatschen vernehmlich Beifall. Was ihr denkt, inter- essicrt uns nicht: was andere sagen, geht euch nichts an. Die politische Zeitungsschau fällt aus. Der„Deutschen Welle" muß für einen Bortrag Dank gesagt werden. In der„Stunde für die reifere Jugend" sprach Dr. Gerhard Neumann über„Die Verantwortung der Irgend gegenüber dem Geiste". Allerdings hätte man gewünscht, daß seine Formulierungen stellenweise noch einfacher, weniger „gebildet" gewesen wären. Zuhörer in solchen Stunden sind ja heute nicht nur Schüler höherer Lehranstalten, sondern arbeitslose prole- tarische Jugendliche. Auch für sie war der Vortrag bestimmt: auch sie konnten ihm folgen, aber nicht ohne Hindernisse, die vielleicht manchen abschreckten, die seinem Mißtrauen gegen den„Geist" nur neue Nahrung zuführten. Dr. Neumann zeigte den jungen Menschen, wie u n s i n n i g es ist, das G e f ü h l g e g e n G e i st, Vernunft, Intellekt auszuspielen. Auf Gefühlen und In- stinkten läßt sich keine Welt erbauen, läßt sich kein staatliches Leben heranbilden. Taten müssen aus dem Geist, aus dem Denken hervor- gehen. Die Gewalttaten, Lächerlichkeiten, Klopssechtereien, an denen unsere Zeit leider so reich ist, sind die Ergebnisse der G e i st- l o s i g k e i t. Die Jugend muß den Geist anerkennen, muß es lernen, das Gefühl, das Unbewußte, zur Klarheit des Denkens zu erheben und sich Rechenschaft darüber abzulegen. Sie muß lernen, daß Kritik mit Selbstkritik beginnt. Nur dann wird sie im- stände sein, aufbauend zu wirken.— lz. Zsichen derZeii. Versteigerunq der Wiener Werkstätten. Das im Jahre 1003 gegründete bekannte Wiener Unternehmen „Die Wiener W e r k st ä t t e" hat seine Verkaufsräume ge- schlössen. Gleich nach dem Ausscheiden seines künstlerischen Schöpfers und Leiters Professor Joses Hoffmann setzte die Krise ein. Die wertvollen kunstgewerblichen Warenbestände der Gold- und Silberschmiede, der Lederwerkstätte, der keramischen Anstalt und der Tischlerei werden in nächster Zeit versteigert. Das Institut war eine Produktionsgenossenschaft der beteiligten KünsUer. / Statistik amerikanischer Museen. Von der großen Zahl amerikanischer Museen und den reichen Mitteln, über die sie verfügen, gibt das von der Amerikanischen Museums-Vereinigung herausgegebene Handbuch Kunde. Danach besitzen die Vereinigten Staaten im ganzen 1400 Museen, davon 781 öffentliche, die sich in lö? Museen für Kunst, 123 für Wissenschaft, 415 für Geschichte, 24 industrielle und 50 allgemeiner Art gliedern. In privatem Besitz befinden sich 42 Sammlungen, 600 sind Unter- richtsanstalten angeschlossen. In den Iahren 1028 bis 1930 wurden 52 öffentliche Museen neu gegründet, und zwar 12 für Kunst, eben- svviele wissenschaftliche, 24 historische, 2 industrielle und 2 allgemeine. Das Metropolitan-Mufeum in New Park wurde mit einem Kosten- aufwand von 7,5 Millionen Dollar errichtet, das Kunstmuseum für Pensylvanien kostete nahezu 14 Millionen Dollar. Das Jahresbudget des Metropoliton-Museums betrug 1020 und 1030 über 2 Millionen Dollar, das des Museums von Pensylvanien in diesen beiden Jahren 1,3 Millionen und 430 000 Dollar. Das Museum der Schönen Künste in Boston hatte in diesen Iahren einen Etat von über 300 000, das Institut der Künste in Detroit einen solchen von 700 000 und 400 Dollar. Ein Dichter vergiftet. Sensation um Adam Mickiewicz. Aus Warschau wird uns geschrieben: Es gehört in den heutigen Zeiten nicht zu alltäglichen Ereig- nisten, daß die Person eines Dichters, den man als Klassiker sonst nur durch Golddruck, Denkmäler mit pathetischen Inschriften und Auswendiglernen in den Schulen zu ehren pflegt, plötzlich unter kriminalistisch-sensationellen Begleitumständen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses eines Volkes tritt. Dieser Fall ist jetzt mit dem polnischen Nationaldichter Adam Mickiewicz, deni Verfasser des romantischen Epos„Herr Thaddäus", eingetreten. 77 Jahre nach dem Tode des Poeten tritt jetzt der führende pol- nische Literaturhistoriker Boy-Zelenski mit der aufsehen- erregende» Behauptung hervor, Mickiewicz sei nicht, wie man bis- her in allen Literaturgeschichten zu lesen bekam, in Konsiantinopel der Cholera erlegen, sondern er sei— vergiftet worden. und zwar aus politischen Motiven. Boy-Zelensky stützt seine Anklage aus einige bisher geheim gebliebene Dokumente, aus denen eindeutig hervorgehen soll, daß Mickiewicz auf Anstiftung von adligen polnischen Kreisen in der Emigration, denen die revolutionär-linksgcrichtete Tätigkeit des Dichters und seine guten Beziehungen zu den Juden miß- sielen, vergiftet wurde. Mickiewicz war nämlich noch kurz vor seinem Tode in Konslantinopei eifrig dabei, neben einer„Pol- nischen Legion" auch eine„Jüdische Legion" zu grün- den. die in den Krimkrieg gegen Rußland eingreifen sollte. Ab- gesehen davon, befanden sich seine Vortröge, die er früher noch am Pariser College de France gehalten hatte, auf dem Index. Das alles schien den streng klerikal und chauvinistisch gesinnten adligen polnischen Emigrantenkreisen mit dem guten Ruf eines polnischen Dichte/s unvereinbar und sie beschlossen daher, um ihn vor weiterer „Schmach für ihn selbst und für Polen" zu bewahren, seinem Leben gewaltsam ein Ende zu bereiten. Diese Enthüllungen haben in Polen ein starkes Echo hervor- gerufen. Vor allem natürlich in den Reihen der polnischen Erben jener Emigrantenkreise, der heutigen Nationaldemokraten. Mit größter Spannung erwartet man die Beröffentlichung der Ur- künden, aus die sich Boy-Zelenski stützt, die sich In einer der größeren Privatbibliotheken des Landes besinden sollen. Auffindung von Rasputin-Ookumenten? Ein deutsches Antiquariat hat, wie ein« Korrespondenz erfährt, die amtlichen Akten und das Protokoll der zaristischen Staatsanwalt- schaft von Petersburg von einem russischen Emigranten erworben, der ehedem ein hoher Beamter des Zarenhofes war. Es handelt sich im ganzen um 03 Aktenbündel. Ein Band birgt allein die eidlichen Aussagen der Zeugen der Ermordung Rasputins, darunter die Aus- sagen des Fürsten Jussupoff und Purijchkewitschs. Man wird ab- warten müssen, ob die Nachprüfung die Echtheit der Dokumente ergibt. Im Kabarett der Komiker findet am Mittwoch, dem 31. August, III- Uhr abends, die öffentliche Generalprobe für die Max-Hansen- Premiere„Tie schöne Galathee" mit Griedel Schuster statt. Kampf in der Maßschneiderei Die Berliner Herrenschneider gegen den Schiedsspruch Montag abend befaßten sich die freigewerkschaftlich organisierten berliner Herrenmaßschneider mit dem Schiedsspruch, der kürzlich in Dresden für das gesamte deutsche.Herrenmaßschneidergewerbe von drei Unparteiischen gefällt wurde. Dieser Schiedsspruch sieht, wie im„Vorwärts" bereits mitgeteilt wurde, für das Berliner Tarifgebiet einen Lohnabbau u ml? Pro z. vor. Der Stunden- lohn des qualifizierten Maßschneiders soll nach dem Schiedsspruch am 1. September nur noch 90 Pf. betragen. Verschiedene andere Fragen, wie die Reufestsetzung des Heimarbeiterzuschlages, der Zeit- löhne usw. sind überhaupt noch nicht geregelt. Für die Berliner H c r r e n in a ß s ch n e i d e r war die Entscheidung insofern nicht schwer, als ihnen nicht nur die Branchenleitung und der Bevollmächtigte, Genosse L e h- in a n n, am Schluß seines Berichtes über die Tarifoerhandlungen die Ablehnung des Schiedsspruches empfahlen, sondern auch die Berliner Unternehmer von sich aus zur Klärung der Situation beigetragen hatten. Die Vertreter des Arbeitgeber- Verbandes hatten sofort nach der Verkllndung des Schiedsspruches in Dresden erklärt, daß sie ihn ablehnen. Die Berliner Unternehmer haben in den meisten Geschäften, offensichtlich auf Anweisung ihrer Organisation, die Maßschneider zum ZI. August gekündigt und ihnen die Weiterbeschäftigung zu Lohnsätzen angeboten, die zuni Teil noch ganz beträchtlich unter den Sätzen des Schiedsspruches liegen. Den Stück- schneidern wird in den Kündigungsschreiben, die sich nur durch die verschiedene Anschrift unterscheiden, ein Stundenlohn von 8 7 Pf., den Tagschneidern von 84 Pf. und den Repa- r a t u r s ch n e i d e r n ein Stundenlohn von 8 2 P f. geboten. Fast e i n st i m m i g wurde der Schiedsspruch von der Branchen- Versammlung abgelehnt und zum Ausdruck gebracht, daß die Maßschneider sich auch einmal im freien Spiel der Kräfte nnt den Unternehmern messen müssen, wenn diese es so haben wollen. Das dürste sowohl für den größten Teil der Unternehmer, besonders wenn die Konjunktur ein wenig besser wird, als auch für die un- organisierten Berufskollegen ganz lehrreich sein. Abbau-Schiedsspruch. Kür die Papier verarbeitende Industrie. Bei den im Reichsarbeitsministerium geführten Tarifverhand- lungen kam der Schlichter zu einem Schiedsspruch mit folgenden Auslockerungen: Der Reich slohntarif wird unverändert verlängert, und zwar immer am 1. und 15. eines jeden Monats künd- bar für einen Monat. Im Reichsmantelvertrao wird die Ferienstaffel in der Spitze gekürzt. Nach 10 Jahren werden nicht mehr 9, sondern nur 7 T a g e Urlaub gewährt. Die Auszahlung der Ferientoge erfolgt für die Tarifperiode mit 75 Prozent. Statt 7 werden künstig nur noch 4 Fericntage bezahlt. Die Feiertagsbezahlung erhält der Arbeitnehmer aber erst dann, wenn er ein Jahr im betrieb beschäftigt ist. Die L o h n s p a n n e, die im Mantel- vertrag für die Frauen verankert ist, hat nicht mehr Gülligkeit sür die Dauer des Mantelvertrages, sondern nur f ii r die Dauer des Lohntarifs. Darüber hinaus bringt der Spruch noch eine Reihe von Abänderungen zuungunsten der Arbeit- nehmer. Die an dem Vertrag beteiligten Gewerkschaften dürsten, wie -vir hören, diesen Schiedsspruch kaum annehmen. Oer Weberstreik in Lancashire. Sofortiges Eingreifen der Negierung gefordert. Die Zahl der in Lancashire streikenden Laumwollweber wird von den Zeitungen verschieden geschäht.„Time s" gibt sie aus rund 1 1 2 0 0 0 Weber an, was etwa 75 Pro;, der beteiligten Ge- werkschaslen entspricht. 3m Verlaus des Montag sehten sich die Führer mehrerer Ge- werkschaslen und Arbeitgebcrverbände in össentlichen Erklärungen sür ein sofortiges Eingreisen der Regierung ein, die sich bisher passiv verhalten hat. 3n den einzelnen Fabriken, in denen voll oder teilweise ge- arbeilet wird, ist am Sonnabend bereits eine Einigung erzielt worden. Die Verluste infolge der Arbeitseinstellung sind enorm. Sie werden sür die Arbeiter aus eine halbe Million Psund und sür die Wirtschaft Großbritanniens auf eine Million Pfund wöchentlich geschäht._ Oas neue System in Oldenburg. Növer verbietet Streikversammlung. In Oldenburg streiken seit etwa einer Woche die an der Regu- lierung der Hunte beschäftigten Notstandsarbeiter. Sie fordern bessere Entlohnung. Ministerpräsident R ö v e r hat indirekt die berechtigten Forderungen der Arbeiter anerkannt, indem er ihnen vor Beginn des Streikes zusagte, in Berlin dahin wirken zu wollen, daß die Lohnsätze von 54 Pf. all- gemein erhöht werden. Es blieb bei den Versprechungen, und die Arbeiter traten in den Streik. Einige Streikbrecher sanden sich, die zu den alten Bedingungen arbeiteten. Als am Freitag die Streikenden in einer im Ziegelhof anbe- räumten Versammlung zur Lage Stellung nehmen wollten, wurde die Versammlung durch das Ministerium ver- boten. Selbst eine im Anschluß geplante Zusammenkunft im Gewerkschastshaus wurde durch die Polizei verhindert. Eine Kommission der Streikenden wurde am Freitagnachmittag vom Nazigouleiter und Ministerpräsidenten Röver empfangen und dabei erklärte der bisherige Gauleiter dieser„Arbeiter"-Partei, daß er jede Streik.„hehe" unterbinden und den Streikbrechern jeden Schuh angedeihen lassen wird. Können die Arbeiter von einer solchen„Arbeiter"-Partei mit llnternehmergeldern und deren Funktionären etwas anderes er- warten? Dos ist das andere, das nationalsozialistisch« System. Die Bergarbeiter in Asturien beschlossen den General st reik, weil die Unternehmer ihren Verpflichtungen den Arbeitern.gegenüber nicht nachkommen. Oer Seemannsstreik in Holland. Mannschaften und Offiziere einig. Rotterdam, 80. August. Das den Unternehmern von der Gewerkschaft der Seeleute und der Vereinigung der Offiziere der Handelsflotte gestellte Ultimatum, keine niederländischen Schiffe mehr unter englischer Flagge aus- fahren zu lassen, noch niederländische Besatzungen durch Asiaten zu ersetzen, lief am Montag um l5 Uhr ab, ohne daß die Herren eine Antwort gaben. Als Antwort ist das Schiss der Steinkohlengesellschaft„Nord-Holland" unter englischer Flagge mit englischer Bemannung ausgelaufen. Die Offiziere der Kaufsohrtci beschlossen hierauf— in Rotterdom und Amsterdam— heute abend den Dienst einzustellen. My. Necderland und Rotterdamsche Lloyd werden nicht bestreikt. Hasenarbeiterstreik in Gdingen. Warschau, 30. August. Die Transportarbeiter des Gdinger Hafens sind am Montag in den Streik getreten, nachdem ihre Forderungen auf Auf- besserung der Löhne durch eine entsprechende Erhöhung der Hafen- und Umschlagspesen abgelehnt wurden. Der Trans- porrarbeiterverband betrachtet die im Juni durchgeführte Lohn- kürzung von 11 Proz. als ungerechtfertigt. Außer Kohle werden in Gdingen zur Zeit keine Güter umgeschlagen. An dem Streik beteiligen sich etwa 70 Proz. der Transportarbeiter. Rundfunk am Abend Dienstag, den 30. August 1932, Berlin: 16.03 Lieder. 16.30 Die deutschen Kolonisten in Transkaiikasien(W. Bernstein). 16.55 Unterhaltungsmusik. 18.00 Dr. Ueberall erzählt. 18.23 Bücherstunde: Entwurzelte und Erwerbslose(B. Schönlank). 18.53 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Volkslieder. 19.40 S. v. Radecki: Eigene Uebersetzungen. 20.00 Orchesterkonzert. 20.45 Berlin kehrt heim(Berichtsfahrt). 21.30 Oechester- konzert. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königs Wusterhausen: 16.00 Falsche Berufs- roraantik(Dr. W. Hoffmann-Harnisch). 16.30 Aus Leipzig; Nadimittagskonzert. 17.30 Bücher zur Wirtschaftskrise (Dr. W. Grotkopp). 18.00 Musikalische Hörübungen(W. Dieker- mann). 18.30 Die Bedeutung des Russengeschäftes für die deutsche Wirtschaft(Dr. Feidt). 18.53 Wetterbericht. 19.00 Die rechtliche Gestaltung der Wartestandsbeamtenfrage(Oberregierungsrat Weyrich). 19.30 Vorschau auf das Septemberprogramm(Dr. K. Dürre). 19.40 Viertelstunde Funktechnik (Oberingenieur Nairz). 20.00..Herr Doktor, darf ich heiraten?" (Lehrspiel). 22.30 Aus Hannover: Instrumentalkabarett Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„\orwärts"-Boten oder die Postanstalten. Wetter für Berlin: Meist bewölkt, wenig geänderte Tem< peraturen, etwas Regen, südwestliche Winde.— Für Deutschland: Im Osten wolkig, aber im wesentlichen trocken, in Mittel- und Süd- deutschland etwas Regen, im Westen und Nordwesten leicht ver- änderlich, mit vereinzelten Schauern. Vcrantwortl. sür die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Otto Hengst, Berlin. Verlag: Borwärts Lerlag®. m. b.§.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Derlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Hierzu 1 Beilage. PROGRAMM für die Zeit vom 30. Aug. bis 1. Sepl. K I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 30. Aug. bis 1. Sept. IS Potsdamer Straße 38 An der Lützowstraße! Ja treu iüt die Soldatenliebe mit Fritz Schulz, Ida Wüst, Hugo Fincbcr-Köppe W. 5, 7, 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 All der Pallasstraße. Da» Lied einer BTacht mit Jan Kiepura, Für Jugendliche freigegeben! W. 5. 7. S Uhr Tarmstraße 12 Wilsnacker Str. 63. Frau Lehmanns Töchter mit Hanfti Niese, Hertha Thiele, Else Elster W. 5, 7.» Uhr Alexanderstraße 39-40 (Fassade) Hensch ohne Namen mit Wer« ner Krnuß. Den ganzen Tag geöffnet. Bio-Lichtspiele Hackescher Markt 2-3 Tageskino ab 12 Uhr. Sonnt, ab 2 Uhr Jugendvorstellung Ek«seht um alles mit Verebes, Eddy Polo.— Marco der g Friedrichstadt""b Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichstraße") 9. 12. 3. 6. S Uhr Das Lied einer Nacht mit Jan Kiepura, Ha sda Schneider 10.30. 1.30. 4 30. 7.3u. 10 30 Uhr Der ffrönig der Vogabuoden mit Jeanette Meedonald, Dennis Kinjr Neueste Ton Büd-Beporta�e Die Kamera und"»" W. 5. 7, g ühr. S. 3. 5, 7. 9 ühr Baster Keaton in Casanova wider Willen.— Ch. Chaplin Harold Lloyd. ■ Moabit j Artashof Perleberger Str. 29 Die spanischn Fliege mit Fritz Schulz.— Die Eindenwirtin mit Käthe Dorsch.— Tonw. Germania-Palast Charloltenburg, Wilmersdorfer Str 53/54 Da» Eied einer Nacht mit Jan Kiepura. Bagda Schneider, Fritz Schulz Jugendliche haben Zutritt W. 5, 7. 9 Uhr Friedenau Kant-Lichtspiele Kanlstr 54(au der Wilmersdorfer Str.) Jfensch ohne Namen mit Werner Krauß. W. 5. 7. 9 ühr Schlüter-Theater 5.1un5% u. Schlülerstr. 17. Stg. 3 Uhr: Jugd.-V. Der ungetreue Ekkehard mit Hoberts.— Salto mortale mit A. Sten, Wallburg. > Wochcnt. 7. 914 ü. Stg. 5. 7. 914 U. Kaiserallee. Ecke Berliner Straße Uraufführung! Strafsache van Keldern mit E. Richter. Paul Richter, E. Brink. L. Wald- müllcr, F. Kampers, Falkenstein, C. Lilien— Out. Tonbpr. Atrium c Zehlendorr-Mitte To// Beginn tügl. 5. 7. 9 Uhr Kjfdll Stg. 3 Uhr Jugendvorstell Potsdamer Str. 56. Frau Lehmanns Töchter mit H. Niese, Thiele, Kampers— Beiprogramm St aglit» Titania-Palast Steeliu. SchloBstr 5. EckeGutsmuthsstr. Teilnchroor ontwortot nichc mir Dorothea Wieck.— Am Donnerstag traultuhrung; Drei von der Ksvallorle mit Paul Hör- btger, Fr!« Kamper«, P. Het- demann. Hilde Hildebrandc. — Tonbeiprogramm Kronen-Lichtspiele Sonnt. 5, 7. 9 Uhr Rheinstraße 65. Beg. 7. 9 Uhr. Der tolle Bombers: mit H. von Schleftow, Lis. Schaak, Falkenstein.— Beipropramm. Schöncbcrg Alhambra Variete Tonfilm Hauptstraße 30 Eine Stunde mit dir mit Chevalier— Bühne: 5 Ladiesingrers — Beiprosrammm Titania Schöneberg Hauptstr. 49. W. 5, letzte 9 Uhr S. ab 3 ühr Zwei glückliche Tage mit Ida Wüst. Cläre Rommer.— Ton- beiprogramm.— Tonwoche Neukölln CIZ e s t e n Primas-Palast Potsdamer Str 19 Ecke Margaretenstr. Uraufführung! Zwei glückliche Tage mit Ida Wüst. Ciaire Rommer, Paul llörbiger W. 5.15. 7.15. 9.15 Uhr Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1. W. ab 5.30. S. ab 3.30 Großtonfilni: Eine Stunde mit dir mit Iii. Chevalier.— Die Flucht von der Teufelsinsel. ff ii t fü Top � Sbd. Stg. 5, 7, 9 nunUTSl)tg. 3 ühr: Jgd.-Vorst. Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Johann Strauß mit �lichael Bohnen. Lee Parry, Hörbiger. Jugendliche haben Zutritt! Tivoli Täglich 5, 7, 9, Stgs. 3 Uhr: Jugendvorstell Berliner Straße 97. Tonfilm: Ja treu ist die Soldatenliebe mit Ida Wust, Fritz Schulz.— Tonbeiprogramm /Ä* Wochentags ab 6% LXCelSlOT Sonntags ab 4 Uhr Kaiser-Friedrich-Straße 191 Eine Stunde mit dir mit �lan rice Chevalier.— Gutes Ton beiprogramm. 1* Wochentags ab aURUR Sonntags ab 4 Uhr Kollbusser Damm 92 Ja, treu ist die Soldatenliebe mit Ida Wüst. Fritz Schulz.— Tonbeiprogramm. Mercedes-Palast s ab'lu! Hermannstr. 212. Quo vadis(in Tonfassung") mit Emil Jannings.— Goldfieber mit Tom Hiv. -Li Jlariendorfer W 7. 9. Tonlichtspiele S. 5. 7. 9 Chausseestr. 305 Tonfilm; Ja treu ist dl© SoldA- tenlieb© mit Ida Wüst, Fritz Schulz.— Tonbefprogramm Primus-Palast sonnuViTj9 Am Herraannplatz, ürbanstr. 72/76. Der Hexer(nach E. Wallace) mit Fritz Rasp— Goldfieber mit Tom Mix Stern, Hermannstraße 49 Wochentags ab 614 Sonntags ab 4 ühr Ja, treu ist die Soldatenliebe mit Fritz Schulz, Ida Wüst— Tonbeiprogramm *■ Theater am Moritzplatz W. 6. 8.45 Uhr. S. ab 4.30 Uhr Das Lied einer Nacht mit Jan Kiepura.— Und so ein Glück kannst du nur haben mit Siegfried Arno, Georg Alexander. Südosten Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beg. 4.45 Uhr Jonny stiehlt Europa mit Harry Piel.— Kitty schwindelt sich ins Glück. Luisen-Theater s�atVu. Reichenbcrgcr Str. 34. Mensch ohne Namen mit Werner Krauß. EinstündigesTonbeiprogramm Filmeck W. 6.30 U., Stg. 5 U. dir Eine Stunde mit mit Maurice Chevalier Ferner Fräulein, falsch verbunden mit Mayda Schneider, J Riemann Stella-Palast Köpcnicker Straße 12—14 Charlotte Susa in dem Kriminaltonfilm Die Pranke Charl. Anders, loh. Riemann in dem Tonfilm-Lustspiel Das Millionentestament W Treptow A Treptow-Sternwarte Dienstag. Mittwoch. Donnerstag 8 U. In den Dolomiten. Naturgroß- film aus den Bergen. W Osten"b Germania-Palast s.\bbs6u: Frankfurter Allee 314 Johann Strauß. K. u. K. Hofball- Musikdirektor mit Michael Bohnen. Lee Parry, Paul Hörbiger. Gretl Thelmer Auf der Bühne. Ein Traum im Puppenladen Tanzspiel von E. Molkow Jugendliche haben Zutritt! Luna-Palast Gr. Frankfurter Str. 121. Eine Stunde mit dir mit Maurice Chevalier. J. Macdonald. — Die Koffer des Herrn O. P. mit Paulsen M. Lion.— Tonw. Schwarzer Adler Frankf. Allee 99 W. 5, 7. 9 ühr. S. 3. 5. 7. 9 Uhr Helodie der Dieb« mit Bichard Tauber. Dien Deyers.— Ton beiprogramin.— Tonwoche. Viktoria-Theater s�'ablu5 Frankfurter Allee 48 Toniostspiel: Ja, treu Ist die Sol- datenilebe mit Fritn Schulz, Tledtke, C. Spira— Beiproyr. Nordosten ,Elysium" Ä" Wochenl. ab SV3 Uhr. Sonnt, ab 4 Uhr Eine Stunde mit dir m. M. Chevalier— Das Mlllionentesta- ment mit Charl. Ander Flora-Lichtspiele äÄ«" Wochtg. 5. 7, 9 Ühr, Stg. ab 3 Uhr Tonfilm: Mensch ohne Namen mi' Werner Krauß.— Reichhaltiges Tonbeiprogramm Volks-Kino Königstadt Schönhauser Allee 10/11 Wochent. 6.45 9 Uhr, Sonnt. 4.45 Uhr Das Lied einer Nacht mit Jan Kiepura.— Bühnenschau.— Tonwoche, Beiprogramm. Jugendliche haben Zutritt! Ncu-Liehtenberg Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70. W. 347, 9 Uhr. Stg 5. 7. 9 Uhr Gr. Tonlustspiel: Ja, treu ist die Soldatenliebe mit Fr. Schulz, Cam. Spira— Woche— Beipr- B FrledrlchsfeldG g Kino Busch 5 uw Alt-Fricdrichsfelde 3. Tonwoche Holzapfel weiß alles mit Felix Hressart, liretl Theimex.— Deutschspr. WUdwesttonf.: König der Steppe mit T. Kiene. Norden A lUsi— A,.« Müllerslraße 136. Alnambra Ecke SeeslraBe W. 5, 7. 9 Uhr Stg. 3. 6. 7. 9 Uhr Fran Lehmann. Töchter mit Fr. Kamper., Hertha Thiele. Ilan.i Vie.e Palast-Theater Breite Str. 21a. W, 7 u. 8.30 Uhr Murnaus letztes Meisterwerk: Tabu. — Ein süße* Geheimnis mit Hansl Niese (Beilage Dienstag, 30. August 1932 BerAbmO SfinJrtrdtfstßd Ja lof&arh Fünfzig Jahre Oeldiktatur Querschnitt durch ein Stück Geschichte Von Wichet Aus den Hauptstädten Boliviens und Paraguays tönt zur Zeit wieder jener aufdringliche Lärm, der zur Stimmungsmache für einen Krieg gehört. Die Entscheidung über den endgültigen Besitz des Urwaldgebietes Chaco Boreal, seit Jahrzehnten Streit- objekt zwischen den beiden Staaten, soll nun endlich fallen. In Chaco Boreal ist vor einigen Jahren Petroleum gefunden worden— also Grund genug zu einem Kriege, denn hinter Bolivien steht das amerikanische Petroleumkapital und hinter Para- guay das englische. Kommt es zu einer endgültigen Aus- einandersetzung, so wäre das eine durchaus würdige Gedenkfeier der Amerikaner für die Gründung des großen weltbeherrschenden Standard-Oil-Trusts vor fünfzig Jahren und für das erste Auftreten John Davison Rockefellers in der Pc- troleumindustrie, das genau siebzig Iahte zurückliegt. Der alte John D. Rockefeller ist heute ein sehr friedlicher Mann, der sich mit seinen 93 Jahren mit Golfspiel und Blumen- zucht beschäftigt und seinen Enkelkindern gute Lehren über den Wert der Sparsamkeit und Frömmigkeit erteilt. Er selbst wurde allerdings von seinem Vater, dem Quacksalber„Doktor" William A. Rockefeller, nach anderen Prinzipien erzogen. Damals, als John D. Knabe war, also um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, war der kapitalistische Konkurrenzkampf in Amerika kaum etwas anderes als ein schlecht verhülltes Raubrittertum. Und für diese Art Kampf wollte der umherreisende„Doktor" seine Jungens erziehen. Die Wissenschaft von der Pädagogik verdichtete sich daher bei ihm zu einem einzigen Lehrsatz: „Ich betrüge meine Jungen bei jeder Gelegenheit. Ich handele mit den Jungens und schinde sie und übervorteile sie nach Möglichkeit. Sie sollen aufpassen lernen." Man kann nicht bestreiten, daß diese Erziehungsgrundsätze bei William Rockefellers ältestem Sohne, John D., verblüffende Resul- täte gezeitigt haben. Er war mit 17 Jahren Hauptbuchhalter in einem Transportgeschäft, und mit achtzehn Teilhaber der Firma Clark, Gardner u. Co., Agentur und Transportgeschäft. Das war im Jahre 1858. Edwin Drake bohrte gerade in Pennsylvania die erste Petroleumquelle. Das Petroleumfieber ergriff das Land, und in Scharen strömten die Abenteurer in die übelriechende, aber gewinnversprechende Gegend, hinter sich einen Schwärm von nicht weniger anrüchigen„Geschäftsleuten" und Dirnen. John D. wartete die ersten Erfahrungen ab. die mit dem flüssigen Golde gemacht wurden. Dann, im Jahre 1861, fuhr er selber hin um die Sache aus der Nähe zu studieren. Es war zwar gerade der S e- zessionskrieg ausgebrochen, aber John D. sah seine Sen- chung keineswegs in übereiltem Heldentod auf dem Schlachtfelde, sondern hielt seinen Aufenthalt im Petroleumgebiet für weitaus wichtiger. Er war ein nüchterner und besonnener Mann, der reget- mäßig die Kirche besuchte, in der Baptistengemeinde Ehrenämter bekleidete und dessen literarische Bedürfnisse sich auf die Lektüre der Bibel und der Geschäftsbücher beschränkten. Er trank nicht und gab sich nicht mit den Mädchen ab, die den Spuren der Petroleum- ritter gefolgt waren. Seine ganze Aufmerksamkeit war auf das Studium des Petroleumgeschäftes gerichtet, auf die Schwankungen der Preise, die heute in Dollars, morgen in Cents notierten. Er sah das wilde Bohren, durch das die Konkurrenz sich von Tag zu Tag vergrößerte, sah die unvollkommenen und verlust- reichen Transportmethoden und kam zum Schluß: Am ecl ist ein Vermögen zu gewinnen, aber nicht durch selbständiges Vohren, sondern bei der Verarbeitung. Cr und sein Kompagnon Clark errichteten im nächsten Jahr eine Petroleumraffinerie in Cleveland. Als dritten im Bunde gewannen sie den Engländer Samuel Andrew, der ein neues Verfahren zur Reinigung des Petroleums gesunden hatte. Von Anfang an war das Geschäft ein Erfolg. John D. stellte im stillen fest, daß er von seinen beiden Kompagnons eigent- lich nur noch den Techniker Andrew brauchte, und daß es besser für ihn sei, Clark auszuschiffen. Wozu überflüssigerweise Gewinne teilen? Er veranlahte also mit einem gelinden Druck Clark zum Verkauf seines Anteils. Dafür gewann.er nach einiger Zeit einen neuen dritten Teilhaber, H. M. Flagler, einen Per- wandten des reichste» Mannes der Gegend. John D. hatte es zwar dabei in erster Linie auf die Verbindung zu jenem reichsten Manne abgesehen, aber Flagler erwies sich zudem als ein Organi- fationsgenie ersten Ranges. Er ist vielleicht mehr als Rockefeller der geistige Vater des großen Welttrustes. Schon bei Flaglers Eintritt war Rockefellers Betrieb der bestgeleitete der Gegend. Er verwertete als erster die Nebenprodukte des Petroleums, die von den anderen Raffinerien fortgeworfen wurden. Er achtete peinlich auf äußerste Sparsamkeit. Heute im Zeitalter der Rationalisierung ein durchaus geläufiger Grundsatz, damals für die vielen„lächerliche Pfennigfuchserei". Flagler war der Ansicht, daß zu viele Raffinerien bestünden. John D. stimmte sosort ein, und sie begannen, die Kon- kurrenz aufzukaufen. Flagler war es auch, der das System der geheimen Rabattabmachungen mit den Yisenbahngcsellschaften einführte. Er ging zu dem Präsidenten der Lake-Shorc-Bahn und verlangte, daß die Bahn den Tarif für die Petroleumsendungen der Firma Rockefeller, Andrew u. Flagler vom Erdölgebiet zur Raffinerie in Cleveland und von da nach New Park von 2,46 auf 1.75 Dollar herabsetze. Dafür garantierte er der Bahn sechzig Waggonladungen täglich. Der Präsident der Bahn akzep- tierte den Vorschlag. Damit waren die Konkurrenten in Cleveland erledigt. 1870 verwandelte Rockefeller seine Firma in eine Aktien- gesellschaft, die Standard-Oil-Company, der sich bereits ein großer Teil der ins Hintertreffen geratenen Rafsineure anschloß. Zu jener Zeit brach aber eine K r i s e a u s dem P e- troleummarkt aus, der die Männer von der Standard-Qil und die größten Rafsineure anderer Petroleumgebiete von USA. durch jenen Schochzug zu begegnen suchten, der zum ersten großen Petroleumskandal führte. Die Oelgewaltigen trafen sich zu einer geheimen Konferenz in Phlladelphia und verab- redeten, sich zu einer Gesellschaft, der berühmt und berüchtigt gewor- denen Southern Jmprovement Company, zusammen- zuschließen, um mit den Eisenbahnen einen Vertrag abzuschließen, in dem der Company 5 6 P r o z. Ermäßigung für die eigenen Oeltransporte und außerdem für jedes Faß Rohöl, das ein Außen- seiter transportieren ließ, eine Sondervergütung von 1,66 Dollar eingeräumt werden sollte. Die„Petroleumverschwörer" wollten also nicht nur selber billiger transportieren als die Konkurrenz, sondern auch noch an den Transporten der Konkurrenz verdienen. Das Tollste war, daß die Eiscnbahngewaltigen, die Gould, Vanderbilt usw., darauf eingingen. Wie die genaue Proportion zwischen B e st e ch u n g und U e b e r- redungskunst war, durch das dieses Ergebnis erzielt wurde, können wir nur vermuten. Jedenfalls gelang der Plan. Präsident CLCicc£ße%i-(ßtotfrfioC$: (HüUuHg&ßaßti&antcH'Clxic Ich bin ein Freund des Friedens und der Wohlgeriiche. Und dennoch bin ich Küchenchef in einer Giftgasküche. Ich bin Idylliker. Ich aale mich am liebsten still am Strande Fern der Familie!— Fern den Geschützen— Im übrigen: ich liefrc allen.— Auch dem Vaterlande... Schön ist der Friede! Schön wie ein deutsches, träumendes Lied. Aber noch schöner ist der Profit... Ich liebe Pflanzenkost.(Einschließlich vegetarischer Gedichte.) Ich lese niemals Zeitung oder Weltgeschichte. Abrüstungskonferenz?— Die Herren tragen schon den Krieg in Aktemnappen Ich mach dabei Geschäfte und Geschütze— Die sind reell gemein... Kurz: weit moralischer als Wortatrappsn. Schön ist der Friede! Schön wie die ersten, teuren Illusionen. Aber noch schöner Sind meine legten, teurer Kanonen... Der Friede erstarkt von Tag zu Tag. Er blüht im Rüstungslenze! Mein Patriotinms ist weit wie die Welt. Er kennt nämlich keine Grenze Und wenn mal die deutschen Soldatentrupps durch deutsche Bomben zerfallen-- Ist das ein grausamer Witz der Natur.— Ich liefer« und weine mit allen. Schön ist der Friede! Schön wie die alten, stummen Katakomben. Aber noch schöner Sind meine neuen, krachenden Bomben... Was bin ich?— Ein gelerntes Lamm!— Ich könnt' keinen Rollmops ermorden! Warum bin ich nicht Ziegenhirt oder Konfektionär geworden? Denk ich an meine Herenküche— wo der Chemietod auf die Menschheit lauert, Fluch ich Geschäften und Geschützen!! Doch Flüche welken... Und ein Auftrag dauert. Faul ist der Friede! Ein Kissen mit Sprengstoff, auf dem wir still liegen... Denn was ist der Friede? Was ist der Friede? — Eine Verlegenheitspause zwischen zwei Kriegen. der Southern Jmprovement wurde der ehemalige Stellvertreter des Kriegsministers Peter H. Watson. Mit diesem Abkommen in der Tasche besuchte nun John D. die unabhängigen Rafsineure und machte ihnen den Vorteil einer Verbindung mit ihm und die Nutzlosigkeit eines Widerstandes klar. Einer nach dem anderen kroch zu Kreuz. Natürlich wurde die Sache nach einiger Zeit ruchbar. Es gab Protestversammlungen, Boykottbewegungen, Pressekampagnen. Im Kongreß wurde von D i e b st a h l und Verschwörung ge- sprachen. Die Eisenbahnen ließen sich durch diese Erregung der Oeffentlichkeit einschüchtern, hoben die Verträge auf und gelobten feierlichst, keine Geheimabkommen über Rabatte usw. mehr zu treffen. Jahn D. parierte den Schlag, indem er sich mit den stärksten unter seinen Gegnern traf und sie von den Vorteilen eines Zu- sammengehens überzeugte. Durch dieje Bündnisse neu gestärkt, ver- handelte er wieder mit den Bahnen, schenkte Vanderbilt «in Paket Standard-Qil- Aktien, und schon wurde unter anderem Namen der alte Vertrag wieder hergestellt. Rocke- seller ging jetzt planmäßig daran, die Raffinerien nicht mehr eines Bezirks, sondern der ganzen USA. zusammenzuschließen. Es gab einen mörderischen Kampf mit allen Mitteln. Als unabhängige Produzenten eigene Rohrleitungen bauen wollten, um sich der Um- klammerung durch den Trust zu entziehen, mobilisierte Rockefeller bewaffnete Banden, die die Arbeiter überfielen und die Rohrleitungen zerstörten. Auf beiden Seiten, von den unabhängigen und den Standard-Qil- Männern, wurde in der Folge weder vor Bestechung, noch vor Brandstiftung, noch vor Totschlag zurückgeschreckt. Die Pennsyl- vaniobahn leistete Rockesellers Wunsch nach Rabatten und Sonder- Vergütungen zähen Widerstand. Zunächst versuchte er sie durch Boykott mürbe zu machen. Als das nicht ftuchtete, brach 1877 ein Streik bei der Bahn aus, in dessen Verlauf Banden die Bahn- gebäude stürmten und Verwüstungen anrichteten. Jetzt sah die Bahn ein, daß Rockefeller der Stärker« war. Als die Standard-Qil den Rohölproduzenten ankündigte, daß sie ihnen ihr Oel nur noch unter Marktpreis abnehmen und die Oelleitungen der Standard ihnen gesperrt würden, wenn sie nicht zu diesen Preisen sofort verkauften, entstand ein neuer Proteststurm. Vor dem Schwurgericht wurde Anklage gegen Rockefeller und seine Kumpane wegen (Erpressung, Unterdrückung und Verschwörung erhoben. Aber Rockefeller erklärt«:„Dieser Fall wird niemals vor Gericht kommen." Der Fall kam nicht vor Gericht.„Geheimnisvolle Ein- flüsse" wirkten auf die Richter ein, und als Rockefeller dann ver- sprach, die angekündigten Maßnahmen gegen die Produzenten nicht durchzuführen, zogen diese die Anklage gegen ihn zurück, obwohl sie aus Erfahrung wußten, daß Rockefeller nur selten ein Ver- sprechen hielt. Dieses hielt er natürlich auch nicht. Aber er beherrschte jetzt die Petroleumindustrie von der Erzeugung bis zum Ab- f a tz. Aus der Standard-Qil van Cleoeland schuf er im Jahre 1882 den die USA. umfassenden Trust mit der Standard-Qil of New-Jersey in New Port, 26 Boadway. John D. batte zwar die Vereinigten Swaten erobert, aber noch nicht die Welt. In jeden Erdenwinkel krochen jetzt seine Agenten, um die Kerzenbeleuchtung in jeden» Haus, in jedem Dorf durch die Petroleumlampe zu ersetzen— das Auto und damit das Venzin hatten ihren Siegeslauf noch nicht begonnen. In den Ver- einigten Staaten selbst stand eine Spionageorganisation zu seiner Verfügung, die auf den kleinsten Händler aufpaßte, ob er nicht Petroleum von einem der wenigen übriggebliebenen unab- hängigen Masfineure kaufte. Geschah das, so wurde er rücksichtslos zugrunde gerichtet. Immer wieder lief die Qeffentlichkeit Sturm gegen den Q'eltrust, verlangte die Anwendung der Antitrnst- geseyc. Aber John T.s Bestechungsmaschine funk- tionierte reibungslos. Alle Gerichtsverfahren ver- liefen im Sande, während Rockefeller sich bemühte, seine Weltstellung zu befestigen. In Südamerika werden neue Oelquellen entdeckt. Ist die zuständige Regierung nicht bereit, an Rockefeller die Kontrolle über die Quelle auszuliefern, so entstehen über Nacht Putsche und Militärrevolten. Als zum Aergcr Rockesellers der„Trustgegner" Thegdore R o o s e v e l t Präsident der Bereinigten Staaten wurde, kam doch noch ein Monstreprozeß gegen die Standard-Oil zustande. All die erbaulichen Etappen des Ausstiegs dieses ersten monopolistischen Trusts kamen zur Sprache, und als nach jähre- langen Verhandlungen endlich das scheinbar vernichtende Urteil: Zerschlagung des Trusts, damit die freie Konkurrenz wieder hergestellt werden kann, gefällt wurde, beurteilte der Wallstreet- könig I. P. Morgan die Sache ganz richtig:„W i e in Gottes Namen kann ein Mensch gegen sich selb st kon» kurrieren!" Die ganze Antitrustkampagne war tatsächlich lächerliche Schaum- schlägerei. Rockefeller ist gewiß ein rücksichtsloser und brutaler Eroberer auf dem Felde der Wirtschaft. Er hat wie alle Eroberer mit Blut und Eisen gearbeitet— aber er hat die Welt verändert. Rockesellers Werk war bereits Geschichte geworden, als der Gerichtshof es zerstören wollte. Zwar wurden auf Grund des Urteils die Tochtergesellschaften der Standard-Oil formal wieder selbständig, durch die Verteilung des Aktienbesitzes blieben sie aber dennoch eine Einheit. Es wäre eine unerhörte Verschwendung wirtschaftlicher Kräfte gewesen, hätte man aus diesem Organismus wieder einen anarchischen Haufen gegeneinander konkurrierender Ge- sellschaften gemacht— mit dem einzig möglichen Ende, daß ein neuer Rockefeller gekommen wäre, um sie von neuem zusammenzu- schweißen. Und die Staatsmacht konnte das nicht einmal wünschen, denn der Oeltrust kämpfte bereits auf dem Weltmarkt mit starken ausländischen Gegnern, die sich ebenfalls monopolistische Organisationen schufen. In überwinden waren und sind die Truste nur durch ein weitergehendes höheres Prinzip, nur durch den Staat, der an die Stelle des der Allgemeinheit nicht verantwortlichen ausbeuterischen lllüngels von Tirek- toren treten mnß. Zu einer solchen revolutionären Maßnahme fehlten damals in Amerika alle Voraussetzungen. Rockefeller selbst hat sich seitdem von seinem Geschäft zurück- gezogen. Einen Teil der Milliarden, die er gewonnen hat— sein Vermögen wird auf 2 bis 4 Milliarden geschätzt—, verwandte er seit dem Prozeß zu großzügigen Stiftungen. Vermutlich, weil er bemerkt hatte, daß es gut ist, der Oeffentlichkeit ein Ve- ruhigungspuloer zu geben, vielleicht auch nur, weil er alt ist. Etwa 666 Millionen Dollar gab er für die Kirche, für die Universität Chikago, für die Einrichtung großer medizinischer Forschungsinstitute und sür organisierte Wohltätigkeit. Auch seine Stiftungen werden nach den strengen Prinzipien kaufmännischer Organisation und Sparsamkeit geführt. Sie sind in vieler Hinsicht mustergültig. Die Welt ist ihm keinen Dank dafür schuldig. Er gibt nur einen kleinen Teil dessen zurück, was er genommen hat. Nie wäre allerdings das Geld so angewandt worden, wenn es nicht vorher durch Raub in dieser Masse in einer Hand konzentriert worden wäre. Diese Ansicht vertritt z. B. H. G. Well s. Doch wäre diese Kon- zentration in privater Hand keine Notwendigkeit, wenn sie recht- zeitig in die Hand des Staates erfolgt wäre. Das Aufsteigen großer industrieller Monopolisten beweist immer nur, daß die politische Organisation der Gesellschaft rückständig geworden, den Aufgaben der Zeft nicht mehr gewachsen ist, die daher von privaten Eroberernaturen gelöst werden müssen. Aber mit dem Unterschied, daß der Staat die Problems zum Nutzen der Mg?- meinheit hätte lösen können, während die privaten Monopolisten nur von der eigenen Geldgier getrieben werden. Daß diese indu- striellen Eroberer über Leichen gehen, nur in die eigene Tasche wirtschaften— um so schlimmer für den bürgerlichen Staat. Nachwort zum Europa-Rundflug Es hat sich wieder gezeigt, daß die ganze Ausschreibung in vieler Hinsicht höchst verbesierungsbedürftig ist. Innerhalb der technischen Prüfungen sollte manches geändert werden. Das, was bei den Start- und Landeprüfungen verlangt worden war, stellte weiter nichts als Luftakrobatik in höchster Potenz dar. Diese hat aber mit Flugtouristik nicht das geringste zu tun, deshalb mutz man hier wieder zu vernünftigen, mehr der Praxis entsprechen- den Bedingungen zurückkehren. Die Brenn st offoerbrauchs- Prüfung sollte man in irgendeiner Form dem Streckenflug ein- beziehen, denn wenn sie als besondere Prüfung ausgetragen wird, so bekommt man da kaum der Praxis entsprechende Verbrauchs- Ziffern, weil hier die Piloten, um Brennstoff zu sparen, meist nur ziemlich langsam fliegen. Beim S t r e ck e n f l u g hat sich gezeigt, daß diejenigen am meisten gefeiert werden, die einfach stur darauf lossliegen, um am Tag soviel Kilometer zu fressen, wie nur irgend möglich. Damit ist aber den Bedingungen der Ausschreibung in keiner Weise gedient. Wenn auch solche Leistungen wie die von Seidemann sportlich ganz ausgezeichnet sind, so haben sie doch mit dem Wettbewerb nichts zu tun. Vielmehr verdienen hier die in erster Linie Anerkennung, die haargenau ausgerechnet haben, mit welcher Geschwindigkeit sie zu fliegen haben, eben die, die mit dem Kopf fliegen. Der Rekord- raserei könnte leicht dadurch Einhalt geboten werden, daß für zu frühes Ankommen in den einzelnen Etappenorten Strafpunkte ver- teilt werden. Man will ja der Ausschreibung gemäß die Flug- touristik fördern und deshalb muß man diese Kilometerfresserei von vornherein verhindern. Solange der Wettbewerb noch noch der bisherigen feststehenden Ausschreibung ausgetragen wird und das geht solange, bis der Wanderpreis endgültig gewonnen ist, muß man wenigstens durch sinngemäße Aenderung einzelner Punkte dem erstrebten Ziel Rech- nung tragen. Zieger- aut 6er DLIA Auf der in den Tagen vom 1. b i s 2 3. Oktober d. I. zur Durchführung gelangenden Deutschen Luftsport-Aus- ftcllung Berlin 1932 werden in den Funkturmhallen u. a. auch die am internationalen Eurypa-Rundflug beteiligt gewesenen deutschen Sieger-Flugzeuge zur Ausstellung gelangen. Gerade diese neuesten und erfolgreichsten Flugzeuge und Motorkonstruktionen dürften in der breiten Oesfentlichkeit besonderes Interesse finden. Die Vorarbeiten für diese große Luftsportschau sind in vollem Gange. Schon heute zeigt sich, daß für die Veranstaltung in allen Teilen des Reiches größtes Interesse besteht. Ae&eUeti-fuß&ait Ad3cr OS gegen Fortuna 1: Z Beinahe wäre unsere Voraussage eingetroffen: Adler 08 konnte gegen den Bundesneuling Fortzina 32 nur unentschieden 2: 2 spielen. Dabei sahen die Aussichten für Adler nicht einmal so sehr rosig aus. Fortuna hatte gerade in der ersten Spielhälste des öfteren Gelegenheit, den Sieg an sich zu reißen. Es wurde aber manchmal zu viel„gefummelt", und auf der anderen Seite hatte Adler die taktisch bessere Hintermannschaft. Nachdem Adler einen Elfmeter, der durch Hand verschuldet war, ausgelassen hatte, gelang es den Pankowern doch noch, den ersten Treffer zu buchen. Dann zeigte es sich, daß auch bei einer noch so guten Läuferreihe ein flinker Sturm etwas erreichen kann. Adlers rechter Läufer behielt den Ball so lange, bis er vollkommen eingekreist war und den Ball los wurde. Ein schneller Lauf und das Resultat lautete 1: 1. Nach dem Seitenwechsel zeigte sich die größere Routine der Adlermann- schaft. Schuhpech Adlers und Glück in der Abwehr bei dem Fortuna- Torwart liehen es jedoch zu keinem Erfolg kommen. Fortuna ver- legte sich in der Hauptsache auf schnelle Ourchbrüche des Sturms, ohne etwas zu erreichen. Erst nachdem die Pankower wieder in Führung gingen, erfolgte wenige Minuten später abermals der Ausgleich. Mit 2: 2 teilten sich die Mannschaften die Punkte. Fortuna hat durch dieses Spiel gezeigt, daß sie zu den spielstärtsten Maiznschaften des zweiten Bezirks zu rechnen ist. Ebenfalls unentschieden trennten sich Vorwärts-Wedding und Eintracht-Reinickendorf. Die Reinickendorfer haben aber dadurch, daß sie chre Pässe nicht zur Stelle litten, die Punkte an Vorwärts abgeben müssen. Endresultat 1:1.— Der Tabellen- erste im vierten Bezirk, Teltow, blieb auch gegen Schöneberg mit S: 2 sicherer Sieger, während Luckenwalde V gegen Vor- wärts 31 einen schweren Stand hatte, um mit 1:0 als Sieger hervorzugehen. B u t a b scheint wieder etwas im Kommen zu sein; denn gegen Potsdam mit 4:2 zu gewinnen, bedeutet immerhin einen Erfolg. Weitere Spiele: Siche.Kijpentck gegen Weißenfee 7: 0. Kicker, 31 gegen Wncker.Storkow 1:3. Friederedorf gegen Frisfen.Fstrstenwnlde 0:3. StaHns? dorf 1 gegen Friesen 2 3:4. Kickers 2 gegen Etorlow 25:0. Hanfs 31 gegen Daumfchulenmeg 4: 1. Saxonia gegen Sintracht.Madlsdorf 13: 2. Wedding 2 gegen Rot-Weiß 1 0:2. Wedding 3 gegen Rot-Weiß 2: 1. Stahnsdorf 2 gegen Storkow 3 0:8. Eiche 2 gegen Weißenfee 22:1. IntenuitionaicT Fußball In Dresden standen sich Dresden-Pieschen und Red- S t a r- W i e n gegenüber. Ders Spiel endete nach interessantem Verlauf unentschieden 2:2. R a d e b e.r g und Wien trennten sich mit dem Ergebnis von 1: S.— Der Bezirk M i t t w e i d a- Döbeln gewann gegen Dresden-Land mit 6:4. Ucberraschungen in Spandau.— Tr. Westen ifreismeister Das zur Platzweihe von FT.-Spandau ausgeschriebene Tennis» turnier, an dem FT V.- Magdeburg, Tennis-Rot-Groß- Berlin, FTGB.- Norden und FT.- Spandau mit ihren besten Spielerinnen und Spielern beteiligt waren, muß als ein voller Erfolg bezeichnet werden. Es gab mehr als eine Ueber- raschung. Wegen einsetzendem Regen konnten leider bis auf das Fraucn-Cinzel die Treffen nur bis zum Finale gefördert werden. Trotzdem steht fest, daß Magdeburgs Spitzenspieler auf der ganzen Linie überwunden wurden, Berliner Spieler entschieden die ein- zelnen Treffen für sich. � Das Frauen-Einzel holte sich nach zähem Kampfe beim Fehlen der Spitzenspielerin von Tennis-Rot Genossin Wünsch- FTGB. Im Männer-Einzel gab es besonders schöne und hart Kämpfe. Fischer(TR.) uMerlag im Dreisag dem Magde- burger Spitzenspieler B o r n k a m p. Letzterer stieß dann aus Günther(FTGB.). Günther brach durch kluges und taktisches Spiel das harte, angriffslustige Spiel Bornkamps in einem Dreisatz, der als Muster eines taktisch aufgebauten Planes bezeichnet werden muß. Dieses Treffen bewies, was die taktische Leistung im Tennis be- deutet. Immer und immer wieder stürmte Bornkamp zum Netz, um den entscheidenden Punkt zu holen, herrliche Passierschläge Günthers oder feingesetzte Lobs zwangen ihn zurück zur Grundlinie. Mit einem besseren Ausschlag wäre Günther auch in der Zukunft Born- kamp immer überlegen. Das Männer-Doppel brachte eine ganz große Ueberraschung, B o r n k a m p- F a l k e(Atagdeburg) unterlagen in Dreisatz Fischer-Kohler(Tennis-Rot). Durch halbhartes Plazierungsspiel entschieden die Berliner dieses Treffen für sich. Die Schlußrunde ist eine Angelegenheit von Tennis-Rot, denn in der oberen Hälft« hatten sich Büttner- Müller(TR.) durchgespielt. Beim Spielabbruch hatte jede Mann- schaft einen Satz für sich entschieden. Wer den dritten Satz erobert hätte, steht offen, beide Gegner kennen zu gut ihre gegenseitigen Schwächen und Vorteile. Im Finale des Frauen-Doppels standen Kohler-Müller(Tennis-Rot) siegend im ersten Satz, sie hätten sich bestimmt auch weiter durchgesetzt. Auch das gemischte Doppel ist eine reine Berliner Angelegenheit, da bei Spiel- abbruch im Finale Kohler-Kohler(Tennis-Rot) und Wünsch- Günther(FTGB.) standen. Wer das Schlußspiel für sich entschieden hätte, ist ebenfalls als vollkommen offen zu bezeichnen. Organi- faiorisch hatte FT.-Spandau das Turnier mustergültig aufgezogen. mit nur guten Eindrücken konnten sich die Gäste von den rührigen Spandauern verabschieden. Die Kreismeisterschaft in der L-Gruppe für Frauen wurde durch das Treffen zwischen TR.-Westen l und TR.-Friedrichshain II entschieden. Friedrichshain trat wieder einmal nicht vollzählig an, und mußte sich eine hohe 5: 1-Niederlage ge- fallen lassen. TR.-Westen I hat sich damit die Kreismeisterschast in seiner Gruppe geholt und zwar oerdient. An zweiter Stelle in der Gruppe stehen punktgleich TR.-Friedrichshain II und TR.-Neukölln II. Zum zweiten Male Paillard! Wcttmeisterschalt der Steher in Rom Bei der Radweltmeisterschaftswoche in Rom fiel am Montag die erste Entscheidung, und zwar in der Meisterschaft der Dauer- fahrer, deren Endlauf wegen Regenwetters auf Montagabend ver- schoben werden, mußte. Wie erwartet, spielte sich der Kampf um Sieg und Titel zwischen Frankreichs Meister Georges Paillard, dem deutschen Meister Walter S a w a l l und dem Titelverteidiger Erich Möller ob. Die beiden Deutschen Fuhren ein gutes Rennen, mußten sich aber hinter dem in ausgezeichneter Zeit siegenden Franzosen mit undankbaren Plätzen begnügen. Paillard wurde zum zwnten Male Weltmeister, nachdem er schon 1929 in Zürich sich das Weltmeistertrikot für ein Jahr gesichert hatte. E r- gebnis: 1. Paillard-Frankreich 100 Kilometer in 1:20:11,2; 2. W. Sawall-Deutschland 1100 Meter zurück; 3. E. Möller-Deutsch- land 1150 Meter zurück; 4. Thollembeek-Belgien 1180 Meter zurück: 5. Lacquehay-Frankreich 1200 Meter zurück; 6. Linart-Belgien 1600 Meter zurück. /MtersricSentahrt des Bundes Alljährlich, im Spätsommer, ziehen die Allersriegen im Arbeiter- Turn- und-Sportbund hinaus, um für den Arbeitersport zu werben. Sonntag, den 4. September, laden nun die Altersriegen vom 1. Kreis(Mark Brandenburg) alle Freunde des Arbeitersports ein, mit ihnen die traditionelle„Fahrt der Alten" nach Wild- park— Caputh— Potsdam zu begehen. Mit der L-Bahn geht's 7.15 Uhr ad Schlesi f ch en Bahnhof nach Potsdam, dort umsteigen, 8.16 Uhr nach Wildpark, von hier 8.45 Uhr Ab- marsch durch den Herbstlichen Wald und Park, am Templiner See und Havel entlang nach Caputh. Auf dem städtischen Spielplatz werden Massengymnastik nach Musik der Spielleute Neues zeigen. Faustballspiele— Austragung der Kreismeisterschast— Baden im Schwielowseebad— Wanderungen in die nähere und weitere Um- gebung(bis Ferch) für Interessenten sind vorgesehen. Die U n- k o st e n für diese Fahrt sind auf 80 Pf. für Plakette, die zur freien Ueberfahrt mit der Fähre sowie zum Baden im Schwielowseebad und zur Rückfahrt mit Dampfer von Caputh nach Potsdam berechtigt, festgesetzt. Karten zum Preise von 80 Pfennig für Partei- und Gewerk- schastsmitglieder, die sich an dieser Veranstaltung zahlreich beteiligen wollen, in der Sportzentrale, Berlin 0. 34. Königsberger Str. 5— 6, und in der Geschäftsstelle des FTGB. Auch am 4. September auf dem Schlesifchen Bahnhof beim Kassierer. Zporttest der Sammelschulen Das Sportfest der Sammelschulen im Volkspark Reh- berge nahm einen glücklichen Verlauf. Vorführungen, Tänze, Gymnastik, Freiübungen boten ein abwechslungsreiches Bild. Aus dem Mannfchastsdreikampf gingen bei den Knaben als Sieger hervor: die 26 9. Schulemit76ZPunkten,die 240. Schule mit 693 Punkten und die 162. Schule mit 692 Punkten. Die 244. Schule(Ausbauschule) erreichte außer Konkurrenz 768 Punkte. Bei den Mädchen errang d>e9 Schule in Reinickendorf 1. Mannschaft mit 733 Punkten den 1. Sieg. Zweiter wurde die 197. Schule mit 643 Punkten, dritter die 244. Schule mit 579 Punkten. Die 15 X 80-Meter-StafseI gewann: Im ersten Lauf die 269 Schule in 2:58, im zweiten Lauf die 240. Schule in 2:58,8, im dritten Lauf die 208. Schule in 2:56,6, im vierten Lauf die 197. Schule in 3:4.4. Die Bestzeit erreichte die 208. Schule. Außer Konkurrenz lies die 1. Mannschaft der 244 Schule 2:52,8. In der ö0X50-Meter- Mädchenstafsel ging im 1 Laus als Siegerin die 1. Mannschaft der 244. Schule mit 1:59,8 hervor. Im 2. Laus gewann die 274. Schule mit 2:01,3. Motorrad-Sechstagefehrt Schwere UntäUe auf der Meeraner Strecke Die im Jahre 1913 von England begründete Internationale Motorrad-Sechstagesahrt wird gegenwärtig mit Start und Ziel in M e r a n zum 13. Male ausgetragen. Das Interesse der curo- päischen Industrie an dieser Zuoerlässigkeitsfahrt hat sich diesmal durch eine ganz besonders zahlreiche Beteiligung ausgedrückt. Auch einige deutsche Fabriken haben dieser Veranstaltung größte Aus- merksamkeil geschenkt, wie BMW., Ardie, NSU., so daß die deutsche Beteiligung die der Vorjahre erheblich übertrifft. Bei der Ab- nähme fehlten nur Kagerer-München(Sunbeam) und Schuttes- Berlin(Stock), so daß noch das stattliche Ausgebot von 128 Be- werbern aus Deutschland, Frankreich, England, Oesterreich, Ungarn, Italien, Holland, der Schweiz und der Tschechoslowakei zum Start am Montag früh bereit stand. Insgesamt sind 2 5 deutsche Maschinen vertreten, da auch einige Italiener, Oester- reicher und Tschechen deutsche Marken benutzen. In der Nacht zum Montag war über Meran ein Gewitter- regen niedergegangen, der für den ersten Fahrtag staubfreie Straßen verhieß. Diese Erleichterung war jedoch nur in der Nähe von Meran zu spüren, weiter im Umkreis wurden die Fahrer durch die starke Staubentwicklung arg geplagt, die vielfach Augenentzün- düngen zur Folge hatte. Die erste, 294 Kilometer lange Schleife führte über den Jauffenpaß(29,94 Kilometer) zur ersten Zwischen- kontrolle Sterzing(59,4 Kilometer), dann über Briren, Chiusa zur Kontrolle Ortisei(121,6 Kilometer). Bon hier aus ging es in starkem Anstieg hinaus zum Gardena-Paß(2121 Meter hoch) und in längerer Abfahrt zur nächsten Kontrolle an der Brücke bei San Lorenzo(183,1 Kilometer). Dann bog der Weg scharf nach Westen und führte schließlich über die letzte Kontrolle Sterzing(234,6 Kilo- meter) und über den Jauffenpaß zurück nach Meran. Der Tag verlies leider nicht ohne schwere Unfälle. Die staubbedeckten Straßen, das rücksichtslose Fahren vieler Automobi- listen, verursachten unendlich viele Stürze. Auch aus dem Gardena- paß, dessen Kurven größtenteils mit Kies bedeckt waren, kamen viele Fahrer zu Fall. Der Ungar Gerö A n d o r(Motosacoche) stürzte in der Nähe von Ortisei und zog sich Kopfverletzungen und einen Beinbruch zu. Nicht besser erging es dem Engländer A. H. Saunders(Norton), der bei Sterzing mit einem Becken- bruch aufgelesen werden mußte. Auch sein Landsmann R. O. Mit- ch e l l wurde durch Sturzverletzungen zur Aufgabe gezwungen. Viel Pech hatte ferner der Westdeutsche R u t t ch e n- Erkelenz (NSU.). Nachdem ihm bei der Kontrolle Ortisei ein Reifenschaden 65 Strafpunkte eingebracht hatte, unterliefen ihm aus der Weiter- fahrt nochmals vier Reifenschäden. Die dadurch verlorene Zeit war uneinbringlich. Cr mußte ausgeben. Dadurch ist bereits ein« deutsche Mannschaft aus dem Wettbewerb um die Silber-Base aus- geschieden. Der Tiroler Koch-Bozen(BMW.-Seitenwagen) stürzte in einen Graben, konnte aber die Weiterfahrt fortsetzen. Die Deutschen haben sich sonst aber recht gut gehallen, beson- ders die BMW.-Mannschast Henne, Stelzer, Mauermayer, die Ardie-Fahrer, deren Maschinen mit dem neuen deutschen Bark- Motor besonders leistungsfähig erscheinen, weiterhin auch Zündapp, NSU. und OD._ Buudeätceue l/zcäue iäieu nui: »artellbeziri Kr-u,derg. Donnerstag. 1. Septembct, 20U Uhr, Delegierten- sitzung, Jugendheim Horckstr. 11. Vorstand 19V4 Uhr Vorbesprechung. FTGB. Kinderturnausschuß: Sitzung mit den Helfern Mittp-och, 31. August, IgZh Uhr, in der.-treisgeschäflsst-llc Elsasser Str. 8«, Zimmer 8. Tagesordnung: Beruhte, Vortrag, Veranstaltungen. Tennis. Rot Groß-Berli». Heute, 20 Uhr, Borstandssitzung: 21 Uhr Funk. tionarpersammlung in der Geschäftsstelle. FT«?., Bezirk Südost.Treptow. 80. August, Ah- Uhr,»rüllstr. 1, Bor. standssttzung. Mirgliedschaft ohne Eintrittsgeld zu erwerben. BSD. Fortuna. Nächste Mitgliederversammlung Freitag, 2. September, bei Dogdanowitz, Eberswalder Str. 35, Schüler 18 Uhr, Jugend 19 Uhr, Senioren 20 Uhr. Zur Gründung einer Handballabteilung sowie zur Vervollständigung aller Fußballmannschaften Aufnahmen in jeder Sitzung. Stasi» W. Theater staatsoper unter cen Linden Wiederbeginn der Spielzeit Donnerstag, 1. September, lOUhr; Slzlilantsche Vesper Dirigent: Kleiber de Sirozzi- Ruziczka, Wltiriscfa, Gro�mann, List. Abendroth Vorverkauf täglich bei den bekannten Verkaufsstellen. staatliches Schauspielhaus Dienstag, den 30 August 20 Uhr Die Räuber HM a Uhr 13. Flora 3434 Kaucienen. Taps& Tempo, RemosComp. 4Richys, Sealtiel,M.& C Mayo Levanda, Hnnter& Bobette Staat. Oper Charlottenbure Frauenhoter 0231 Dienstag, 30. August Anfang 20 Uhi Die Banditen Dirig.: H U Müller Pfahl. Nikolaiewa, Eisincer, uurgwin- Kel, Linsen, Kandl, Egenlauf 'Sur noch »Taget 1 Kabale onil liebe uoiKsDQhne Theater am BUlowpl. 29. Juj. bis 4. Septimber 8V* Uhr Werbevorstellangen „Geld ohne arbeit" Ronöilii van Colantuoni. Alle PIStze eiosdil. Garderobe u.2ett9l («usiouiig der Karten) 0,50 N. Vorverkauf Tietz, KdW. Abends: Theaterk »'.uhr OASIflO- THEATER"»' Lothringer Strafte 37. iiiiiiiiiliiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiintniiiiiniiiiiiiiiuiiinniiiiMini Berlin kann wieder lachen! Jinnemawie das kleine Tanzmädel Volksoperette— Musik von Gilben Vorher ein bunter Teil. Preise 0.50 M. 0,75 M. und 1,— M. Jeden Stg. nadim. 4(Dir die gante Iforstg. zu kl. Pr. HAUSVATCRIAHD mgnipng* Ke�aisai IBerlinä TRAUM LAND SC H O N HOLZ STgASUMS- 57-68*119 Morgen Eli te tag mit 10(1« IleDcrrasdnmaen WM Mr Weidendamm 520: Eröffnung Donnerstag, I.Scpt. 6 Uhr Erstaufführung Wunder nm Verflun Dram.Dichtungvon Hans Chlumberg Regie: Karl Heinz Martin. Kassenpreise von O.SO M. bis 1 1.5■ M 5 c Hille r Uroimaniitr. 7ü/di SteinpL(C 1) 6715 A.b L September täglich ö Chr ,,Oie versunkene Glocke" zur Feier d.70.Ge- burtetages von 3erhart Hauptmann JJl Rose-Theater inli frankfarter Stnlc 132 lel. Wsiditil k 1 3421 fUO Uhr Herzdame GartenbUhne 5.30 Uhr Konzert o. Variete Fromingsinii Pumpen ziolbstaafstsllra — Röhren— Filter, slmtüdu ErsstitBilgJIIast. Preisliste gratis' KonianHSCo. Pampenfabrik. Berlin N 65 Reinickendorfer StraSe 95. & 4 Alexanderplatz Neue Königsir. 4-3 f nferate im Vorworts 'ichern Erfolg 1 Ztsttiner Sänger Reichshallen-Theater Mcrkin 1.6.1247. Dir. Maisal. Erititnungsuorsteilung am 2. September, 8.15 Uhr Sonntag nadnn. 3.30(annäB. Pr.) Kinder der Landstraße (Liedersp�l) Kreibad krumme Lanke. Borllner Burliski mit den Herren: Weisel, Britton. Glnrci, Brauer. Bomblat, Cartes. Jason. Pfoh, van Plaaken, Stedili. Snppek Volkstümliche Pr. Vorverk. 11-2,5-911. von 0.50 bis 2.25 M. M 516 m* k Buttergroßhandlung Filialen in allen Stadtteilen