Morgenausgabe Nr. 409/415 A 202 49. Jahrgang Wöchentlich /a PI, monatlich 3,25 M < davon 87 Pf, monatlich für Zufiel. lung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,87 M. einfchliehlich 80 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbeftellge- bühren. Auslandsabonnement 5,85 M vrv Monat; für Länder mit ermäßig. rem Druckfachenporto«.SS M Pei Ausfall der Lieferung wegen höherer(Bemalt besteht fein Anspruch der Abonnenten auf Ersatz. » Erfcheinungsw-ife und Anzeigenpreif, stehe am Schluß de» redaktionellen Teils Sonnabend 5 September 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 Pf. � f Berliner Voltsblatt Jentralorgan der Sozialdemokratischen Vartei DentschlanW Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 sternspr.i Dönbofs(A 7) 292—297. Telegraimn-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlins? 536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten nnd Beamten, Lindenstr. S. Dt.B.u.Ditc.»G«s., Depositenl., Jerusalemer Str. 6S/6S. Xamol um Hie Verfassung! Recht und Macht. Verfassung, Regierung und„Vorwärts*. Der„Vorwärts" steht zur geltenden Verfassung in einem engeren Verhältnis als jede andere Zeitung. Seit seinem Bestehen hat er, als Zentralorgan der Sozialdemo- kratischen Partei Deutschlands, für ihre Grundsätze gekämpft: für die Demokratie, für das gleiche Wahlrecht, für das Recht des deutschen Volkes, durch freigewählte Vertretungen sich selbst zu regieren. Seit fast einem halben Jahrhundert hat der„Vorwärts" auch für jene sozialenRechte gekämpft, die die Verfassung vom 11. August 1919 mehr verspricht als gewährt: für den besonderen Schutz der Arbeitskraft, für das Recht auf Arbeit und Existenz. Der„Vorwärts" hat in diesem Kampf viele Versal» g u n g e n zu ertragen gehabt. In seiner Jugend trug er die Fesseln des Sozialistengesetzes, aber auch später noch saßen seine Redakteure oft im Gefängnis. Während des Krieges erfreute er sich der besonderen Aufmerksamkeit der Militär- zensur. Dann kam die Zeit, in der die Mächte der Ver- gangenheit, voll Angst, für den Zusammenbruch Deutsch- lands verantwortlich gemacht zu werden, davonliefen und ihre Privilegien fallen ließen. Es entstand der Volks- st a a t der Weimarer Verfassung, und zu seiner V e r t e i- d i g u n g hat der„Vorwärts" gegen links und rechts ge- kämpft, gegen Spartakus und gegen Kapp, gegen T h ä l m a n n und gegen Eitler. Aus all dem ergibt sich, daß, wenn irgendein Blatt, so der„Vorwärts" geschichtlich legitimiert ist, die in der Ver- fassung verankerten Volksrechte zu verteidigen und daß er dies in Wahrnehmung berechtigter Interessen tut. Wenn er bei der Erfüllung seiner Pflicht Schaden leidet, so ist das weniger für ihn kennzeichnend als für diejenigen, die diesen Schaden verursachen. Für ihn ist ein zeitweiliges Verbot nur ein Blatt in seiner ehrenvollen Geschichte mehr, nur ein Zeichen mehr, daß er sich nicht geändert hat, sondern, unberührt durch die Zufälligkeiten vorübergehender Regie- rungsbildungen, seine große Linie weiter verfolgt. In der Geschichte der Regierung P a p e n werden die Verbote des „Vorwärts" wahrscheinlich eine größere Rolle spielen als in der Geschichte des„Vorwärts" selbst. Es ist eine Vor- kriegs-Regierung, die den„Vorwärts" in seine Vor- kriegsrolle zurückzuschieben versucht, ganz als ob es niemals einen 9. November gegeben hätte und als ob Deutschland schon längst keine Republik mehr wäre. Der Artikel 48 gibt dem Reichspräsidenten für den Fall einer erheblichen Störung von Ordnung und Ruhe besondere Vollmachten. Sinn des Artikels 48 ist es, die Republik in ihrem Bestände zu schützen, nicht aber Regierungen Schutz zu gewähren, deren Treue zur republikanischen Reichs- Verfassung berechtigten Anzweiflungen unterliegt. Es wäre sinnlos, zu behaupten, der„Vorwärts" hätte Ordnung und Ruhe gestört oder es sei notwendig, die geschriebene Rechts- ordnung gegen ihn zu verteidigen. Gerade umgekehrt hat er die Volksrechte der Verfassung verteidigt gegen die Gefahren, von denen sie bedroht sind, und bei dieser Ver- teidigung ist man ihm mit Mitteln des Artikels 48 in den Arm gefallen. Eine solche Anwendung dieses Ar- tikels liegt bestimmt nicht in der Absicht des Gesetzgebers. „Die Aeußerung, ein M i n i st e r habe die Ver- fassung gebrochen, ist nicht schlechthin ehrverletzend. Sofern diese Aeußerung nur die Behauptung in sich schließt. der Minister habe verfassungswidrig gehandelt, kann sie lediglich die Auffassung des Aeußernden über eine auf dem Gebiete des Verfassungsrechts liegende, nicht zweifelsfreie Rechtsfrage wiedergeben."— So der erste Senat des Reichs- gerichts in einem Urteil vom 14. April 1931. Und jetzt soll die geäußerte Sorge, die Ausführung eines Regierungs- Programms schließe für die Zukunft folgerichtig die Not- wendigkeit eines Verfassungsbruchs in sich ein. schon eine „böswillige Verächtlichmachung", ja eine„Beschimpfung" darstellen. Daß sich das Reichsgericht dieser Auffassung an- schließen könnte, scheint uns völlig ausgeschlossen. Auch hier muß gesagt werden, daß eine Verordnung zu Zwecken an- gewendet worden ist, zu. denen sie nicht erlassen wurde. Räch drei Tagen. „Strafgefangener ,Vorwäri< Sie sind entlassen. Oie Regierung erwartet aber, daß Sie gebessert sind und daß Sie recht ausführlich über die von ihr inzwischen erzielten Riefenerfolge berichten." Unter„böswillige Verächtlichmachung" und„Beschimpfung" waren ursprünglich jene Unflätigkeiten verstanden, mit denen eine gewisse Presse ihre politischen Gegner zu be- decken pflegt. Mit dieser Art von Presse hat aber der„Vor- wärts" nie etwas zu tun gehabt, er hat es stets abgelehnt und lehnt es auch jetzt ab, auf ihr Niveau hinabzusteigen. Politischer Tatbestand bleibt das augenblickliche Bestehen einer Regierung, die sich mit allen ihr zur Verfügung stehen- den Machtmitteln behauptet und die gegen Kritik äußerst empfindlich ist. Sie nennt sich„autoritär", ohne zu be- denken, daß Autorität auf Vertrauen beruht, und sie hält sich für„überparteilich", weil es ihr gelungen ist, sich zwischen alle vorhandenen Stühle zu setzen. Wir bekämpfen sie— nicht weil sie„überparteilich" ist, sondern weil sie es nicht ist, und weil sie die gegenwärtigen Wirren zu Umbauten von Staat und Wirtschaft auszunützen versucht, die aus dem Geist einer dünnen Herrenschicht erdacht und geplant sind. Gelingt ihr, was sie sich vorgenommen hat, so wird von dem. was die Verfassung für das arbeitende Volk bedeutet, nicht viel übrig bleiben. Vielleicht nicht mehr als die Erkenntnis, daß das Recht nichts ist, wenn nicht die nötige Macht hinter ihm steht, es zu schützen oder, wenn es verloren gegangen ist, wieder zu erobern. Der Kampf um die Macht der Arbeiter- klaffe ist gleichbedeutend mit dem Kampf um das Recht des ganzen Volkes. Und da mag kommen was will, es soll keinen Tag geben, der nicht die Sozialdemokratie und ihr Zentralorgan, den„B o r w ä r t s", in diesem Kampfe vornean findet! Gegen das Vorwärtsverbot! Sozialdemokratische Interpellation im Reichstag. Die sozialdemokratische Fraktion hat am DienS- tag im Reichstag gegen das Verbot des„V o r- wärts" folgende Interpellation eingebracht: „Die sozialdemokratische Presse ist seit dem Amtsantritt der gegenwärtigen Reichsregierung schweren willkürlichen Verfolgungen ausgc- seht. Den Höhepunkt dieser Verfolgungen bildet einVerbotdes..Vorwärts"fürdreiTagc. weil er in seiner Ausgabe vom LS. August die am Vortage in Münster gehaltene Programmrede des Reichskanzlers von Pape» als ein Programm des Verfassungsbruches bezeichnet hat. Der„Vorwärts" hat als Zentralorgan der größten auf dem Boden der geltenden Reichsvcrfassung stehenden Partei nur seine Pflicht erfüllt, indem er die Reichsregierung vor den angekündigten Verfassungsverlehungen warnte. Der Reichstag ersucht die Reichsregierung, zu den dem Geiste der Verfassung widersprechenden und die bestehende Rechtsordnung auf das schwerste ge- fährdenden willkürlichen Pressevcrboten Stellung zu nehmen." Vier Kragen und vier„Antworten*. Anläßlich des Verbots des„Vorwärts" hat die Redaktion an die Reichsregierung vier Fragen gerichtet, worauf die Regierung Antwort erteilt hat. Die erste Frage ging dahin, wie denn die Reichsregierung ohne Verfassungsbruch sich zwölf Monate im Amt halten zu können glaubt, wenn der Reichstag sie und ihre Notoerordnungen ab- lehnen sollte. Di« Antwort darauf lautet:„Formal kann der Reichstag nach der Verfassung ausgelöst werden. Di« Meinung des nächsten Reichs- tags aber kann niemand im voraus wissen." Aus die zweit« Frag«, ob di« Reichsregierung schon eine Be« Die Potempa-Mörder begnadigt. Todesstrafe in lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. schimpfung darin erblicken zu können glaubt, daß der„Vorwärts" die Haltung der Regierung für unvereinbar mit den Absichten der Verfassung erklärt hat, wird geantwortet:„Die Bemerkung des „Vorwärts".. ein Programm des Verfassungsbruchs" war«ine Beschimpfung." Die dritte Frage besagte:„Glaubt die Reichsregierung, daß das Verbot des„Vorwärts" aufrechterhalten bleiben könne, nachdem der Landtag die sofortige Aushebung aller Zeitungsverbote gefordert hat?" Die Antwort lautet:„Die Zeitungsverbote beruhen auf reiche- rechtlichen Bestimmungen, und deshalb handelt es sich hier um ge- setzliche Bestimmungen, auf die der Preußische Landtag keinen Ein- sluß hat." Endlich ging die viert« Frag« dahin, ob nach der Meinung der Reichsregierung die verfassungstreue Presse nicht in Wahr- nohmung berechtigter Interessen handelt, wenn sie vor einem Verfassungsbruch warnt. Darauf wurde geantwortet, das habe der„Vorwärts" nicht getan, sondern er habe der Regierung den unbegründeten Vorwurf des Verfassungsbruchs gemacht, und dadurch erscheine das Verbot des„Vorwärts" durchaus begründet. Diktatur über die Sozialpolitik. Ein fallengelassener Entwurf- aber eine besiehende Tendenz Der Soz. Pressedienst hat den Entwurf einer Verordnung ver- öffentlicht, die mit einem Federstrich die gesamte Sozialpolitik der Willkür der Bürokratie ausgeliefert hätte. Die Reichsregie- rung erklärt zu dieser Veröffentlichung, daß dieser Eni- wurf längst fallengelassen worden ist. Diese dürftige Erklärung ist in keiner Weise geeignet, unsere Befürchtungen zu zerstreuen, daß unter der jetzigen Reichsregierung planmäßig die Absicht verfolgt wird, die gesamte Sozialpolitik aus- zuHöhlen. Schon die Tatsache, daß ein solcher Entwurf überhaupt in Regierungskreifen diskutiert wurde, ist eine Ungeheuer- lichkeit. Man kann daraus mindestens folgern, daß ein solcher Schlag gegen das Lebensinteresse der überwälligenden Mehrheit des Volkes nicht ohne weiteres abgelehnt wird. Wahrscheinlich hält man nur den Zeitpunkt nicht für geeignet oder das Ausmaß wenigstens im Augenblick für zu weit gesteckt. Die Grundtendenz der weiteren Einschränkung der sozialen Idee aber wird von der Reichsregierung nicht einmal bestritten. Demgegenüber muh mit allem Nachbruck darauf hingewiesen werden, daß die Erklärung des Reichspräsidenten von Hinden- bürg,„die Lebenshaltung der deutschen Arbeiterschaft solle ge- sichert und der soziale Gedanke gewahrt bleiben", nie und nimmer auf dem Wege verwirklicht werden kann, der ursprünglich der Reichs- regierung vorschwebte und der dem von uns veröffentlichten Entwurf zugrunde lag. Dieser Widerspruch aber wird auch noch bestehen bleiben, wenn an dem ursprünglichen Entwurf gewiss« Eiijfchränkun- gen vorgenommen werden. Auch dann bliebe noch ein völliger Bruch mit der bisherigen Sozialpolitik übrig. Millionen Menschen, deren Dasein nur durch das regelnde Eingreifen des Staates gesichert werden kann, würden hoffnungslose Opfer der kapitalistischen Willkür und Mißwirtschost werden! Gegen die Gteueranrechnungsscheine. Staatsrechtliche Verwahrung der sozialdemokratischen Zieichstagsfraktion. Die sozialdemokratische Reichslagssraktion hat die Veröffentlichung einer Erklärung zum Wirtschaftsprogramm der Relchsregie- rung beschlossen, der staatsrechtlich besondere Bedeutung zukommt. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut: „Die sozialdemokratische Reichstagdfraktion verweist gegenüber den Plänen der Reichsregierung auf Heraus- gäbe von Steueranrechnungsscheinen auf die Vorschrift des Artikels 87 der Reichsverfassung, daß Gcldmittelbeschaffung auf dem Wege des Kredits zu Lasten des Reiches nur aus Grund eines Reichs» g e s e h e s erfolgen kann. Tie Reichsschuldenverwaltung hat entsprechend dieser Vorschrift gegenüber der Ver» ordnung vom 20. Februar 1032 die Kreditbeschaffung durch Verordnung für verfassungswidrig und die Mit- Wirkung des Reichstags dabei für erforderlich erklärt. Aus diesem Grunde hat die Regierung Brüning den Ent» Wurf eines Gesetzes über Schuldentilgung und Kredit- ermächtigung(Nr. 1480 der Drucksachen der V. Wahl- Periode 1030) dem Reichstag»ur Beschlußfassung vor- gelegt. Außerdem würde die Roichsregierung durch die Steueranrechnungsscheine in haushaltsrechtlich unzulässiger Weise entgegen Artikel 83 der Reichs- Verfassung über zukünftige Steuereinnahmen verfügen. Deswegen hält die sozialdemokratische Reichstags- fraktion die Ausgabe von Steueranrechnungsscheinen, soweit sie ohne Mitwirkung des Reichstags erfolgt, für verfassungswidrig und erklärt, daß eine Ein» lösungspslicht für diese Kreditmittel ohne voraus- gegangene Parlamentarische Zustimmung nicht besteht. Verbote am laufenden Band. Die Papen-T�egierung wird immer empfindlicher. . Folgende Meldungen vom Kriegsschauplatz gegen Zeitungen liegen vor: 1. Die soialdemokratische„Volksstimme" in Frankfurt (Main) wurde auf drei Tage verboten. Sie hatte die Kritik des „Vorwärts" an Popens Programm zittert, wegen der auch der „Vorwärts" verboten wurde. 2. Der Berliner Polizeipräsident verbot die k o m m u- n i st i s ch e Oppositionszeitschrist„Die Fahne des Kommunismus" bis zum 30. November(!) wegen eines Arttkels über Sonder- gerichte. 3. Der Berliner Polizeipräsident verbot gleichfalls die Zeit- schrift des Lenin-Bundes(Linke Kommunisten)„Bolkswille" bis zum 30. November! 4. Die kommunistischen Provinzblätter„Volksecho" und „Volkswacht sür Pommern und Mecklenburg" verfielen ebenfalls dem Verbot. 5. Verboten wurde auch das Organ der„Kommunistischen Arbeiter-Union",„Kampfruf" bis zum 28. September. Diesem wurde auch untersagt, den Lesern mitzuteilen, aus welche Sätze des beanstandeten Artikels das Verbot sich stützt! Amtlich wird mitgeteilt: Durch Entschließung des preußischen Staatsministe- riums vom 2. September sind die Todesstrafen» die durch das rechtskräftige Urteil des Sondergerichts in Beuthen» O.-T.» gegen 1. den Elektriker Reinhold K o t t i s ch, 2. den Grubenarbeiter Rufin W o l n i tz a, 3. den Hauer August Gräupner. 4, den Markenkontrolleur H e l- muth Josef Müll er wegen Totschlags begangen als Angreifer aus Politischen Beweggründen, und 3. den Gastwirt Paul L a ch m a n n wegen Anstiftung zu diesen Verbrechen verhängt worden sind, im Gnadenwege in lebenslängliche Zuchthausstrafen um» gewandelt worden. Für die Entschließung war maßgebend, daß die Ver- urteilten zur Zeit der Tat noch keine Kenntnis von der Verordnung des Reichspräsidenten gegen politischen Terror vom 0. August 1032 und ihre schweren Straf- androhungen gehabt haben. -i° Die Begnadigung der Mörder von Potempa ist für uns als Gegner der Todesstrafe keineswegs tadelnswert. Dar- über hinaus bedeutet sie aber das Todesurteil über die Not- Verordnung vom 9. August 1932 über die Bildung von Sondergerichten. Die Verurteilten haben einen besonders viehischen Mord aus dem Gewissen. Sie haben in mörderischer Absicht einen Rothe im Hungerstreik. Das Zuchthausurteil gegen den Reichsbannermann. Am 31. August wurde der Berliner Reichsbanner- mann Rothe von dem l. Berliner Iondergericht zu fünf Jahren Zuchthaus varurteibt. Rothe, der inzwischen in die Strafanstalt übergeführt wurde, ist am Freitag in den Hungerstreik getreten. Der Ver- urteilte hat stets behauptet, an den ihm zur Last ge- legten Taten völlig unschuldig zu sein. Absolut unver» ständlich war es, daß vom Gericht die Abhaltung eines Lokaltermins abgelehnt wurde. In der Urteilsbegrün» duirg wird auf die zahlreichen Widersprüche der Aus- sagen der nationalsozialistischen Belastungszeugen gar nicht eingegangen. Hinzu kommt, daß auch nicht erörtert wurde, daß unparteiische Zeugenaussagen ergaben, daß die Nationalsozialisten mit 0-Millimeter-Pistolen ge- schössen haben, was die Nationalsozialisten in ihren Aus- sagen vor Gericht verschwiegen. Zweifellos liegt hier ein Fall vor, der einer Nachprüfung im Wieder- aufnahmeverfahren bedarf, da die Berufungs- und Revisionsmöglichkait sa durch die Notverordnung beseitigt sind. Schlafenben überfallen und viehisch abgeschlachtet. Es ist nationalsozialistische Eigenart, diese Methode des politischen Mordes! Wenn diese Mörder begnadigt worden sind, so wäre es für das einfachste Rechtsempfinden unerträglich, wenn ein Todesurteil auf Grund der Nowerordnung vom 9. August künftig vollstreckt werden sollte. Die Androhung der Todesstrafe für den Totschlag eines politischen Gegners aus politischen Gründen steht nach dieser Begnadigung nur noch auf dem Papier. Wir sind sicher, daß die Nationalsozialisten ein ungeheu- res Freudengeheul anstimmen und dem Henker laut Beifall zurufen würden, wenn nach der Begnadigung der Mörder von Potempa ein Kommunist auf Grund der Notverordnung zum Tode verurteilt und hingerichtet werden würde. Das entspricht ihrer Moral und ihrer Sorte von Rechtsauffassung — aber es würde das Ende des Rechts überhaupt bedeuten. Nicht nur die Androhung der Todesstrafe ist damit un- wirtsam gemacht! Wenn das Urteil von Beuthen, das Urteil über diesen viehischen Mord abgeschwächt worden ist, um wieviel mehr bedürfen die drakonischen Urteile der Sonder- gerichte gegen Reichsbannerkameraden der Milderung und Ueberprllfung. wir fordern, daß den Opfern der Sondergerichtsurteile aus Ohlau. daß dem Reichsbannerkameraden Rothe, der Eigenlob stinkt. Razi- Reinhardt bestätigt das Sprichwort. Der neugebackene Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Reichstag, Reinhardt, hat sofort nach seiner Wohl gezeigt, daß er in keiner Hinsicht mit dem bisherigen verdienten Vorsitzenden, dem Sozialdemokraten Hugo Heimann, verglichen werden kann. Rein- Hardt läßt im„Völkischen Beobachter" behaupten, schon in der ersten konstituierenden Sitzung des Haushaltsausschusses sei seiner Jni- tiatioe der„Erfolg" entsprungen, daß die beiden Unteraus- schüsse, also sowohl der ständige Unterausschuß als auch der für die Rechnungsprüfung, die Zahl ihrer Mitglieder um ein Drittel, also von 12 auf 8, beschränkt haben. Das sei ein großartiger Ersparnis- erfolg. Tatsächlich ist die Zahl der Mitglieder der beiden Unteraus- JUGiNDTAG der sozialistischen Jueendueruande haute Im Voikspark Rehberga(Weddlng) ISZj Uhr im Stadion große Antikriegskundgebung Redner: Genosse Dr. Rudolf Breitech eid, M. d. R. | vom Berliner Sondergericht zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, unverzüglich ihr Recht gegeben wird! Reichsbannerkamerad Rothe, der beschuldigt wird, bei einem Zusammenstoß mit Nationalsozialisten geschossen zu haben, ist in den Hungerstreik getreten. Er beteuert nach wie vor fest, nicht geschossen zu haben, er hat im Bewußtsein, daß ihm Unrecht geschehen ist, zum Mittel des Hungerstreiks ge- griffen. Die merkwürdige Art der Beweisaufnahme, das Nichtanhören von Entlastungszeugen, die merkwürdige Be- weiswürdigung erfordern die Nachprüfung gerade dieses Urteils. Sollen die drakonischen Urteile gegen Reichsbannerange- hörige bestehen bleiben, nachdem das Urteil gegen die völki- schen Mörder von Potempa gemildert worden ist? Wir fordern mit dem größten Ernst und Nachdruck gleiches Recht für alle, wir fordern, daß alle Urteile der Sondergerichte überprüft werden! Wir fordern die Aufhebung der Sondergerichte, um so mehr, als sich immer mehr der Eindruck befestigt, daß sie in der Anwendung der Slrafbestimmungen gegen Terroristen von rechts ebenso versagen wie ordentliche Gerichte! Der Begnadigung der Mörder von Potempa ist ein Sturm von nationalsozialistischen Drohungen, von Aufstandsversuchen, von politischen Er- pressungsmanövern vorangegangen. Die Begnadi» gung erscheint demnach als ein Gnadenakt unter politischem Druck. Die Regierung, die am 9. August mit der Notverord- nung feierlich verkündet hat, daß sie die Verordnung u n e r- b i t t l i ch durchführen und sich jeder Amnestie widersetzen werde, hat am 2. September ihre schwerste Strafandrohung in einem besonders krassen Falle einer viehischen Tötung abgeschwächt, nachdem das Urteil von Beuthen zu einem Gegenstand des politischen Kampfes der Nationalsozialisten gegen sie geworden ist! Die Mörder von Potempa sind jetzt zu lebensläng- lichem Zuchthaus begnadigt. Hitler und die Seinen, die sich mit den Mördern öffentlich solidarisiert haben, wer- den sich bemühen, dafür zu sorgen, daß die Politik der Voll- streckung von Urteilen gegen nationalsozialistische Mörder weiterhin in den Arm fällt, sie werden das weitere Geschick der Mörder von Potempa zum Objekt des politischen Handels machen, den sie jetzt betreiben, und die Befürchtung ist nicht von der Hand zu weisen, daß nach dem Abschluß dieses Handels Re viehischen Mörder von Potempa bald wieder frei umherlaufen! Schon Wiederaufnahme! Wie die Telegraphen-Union mitteilt, verlautet in unterrichteten Sreisen. daß die Wiederausnahme des Versahrens bevorstehen dürfte. Das würde bedeuten, daß entsprechend der Tlotverordnung über die Einsetzung von Sondergerichten der Prozeh noch einmal vor dem ordentlichen Gericht, und zwar vor einem Schwurgericht, stattfinden wird. * Man muß wissen, wie außerordentlich schwer es ist, ein Wiederaufnahmeverfahren durchzusetzen, um die Bedeutung dieser Meldung zu verstehen. Was unschuldig Verurteilten erst nach jahrelangem Kampf vielleicht gelingen kann— das soll den viehischen Mördern von Potempa, an deren Schuld kein Zweifel ist, schon nach einem Monat gegeben sein? Der Fall soll noch einmal vor einem o b e r s ch l e s i- schen Schwurgericht verhandelt werden. Wir erinnern an das Urteil des Schwurgerichts Oppeln vom 4. Mai 1932 gegen die Mörder des Landarbeiters Bassy. Eine Bande von Nationalsozialisten unter Führung eines Gutsinspektors war in das Haus Bassys eingedrungen, hatte Bassy bis in seine Schlafkammer verfolgt, und hatte den am Boden Liegenden trotz des Iammerns und Flehens seiner Frau, die auf ihre zwei kleinen Kinder verwies, viehisch er- mordet. Für diese grausame und unmenschliche Tat er- hielten: ein Nazi 3 Jahre 3 Monate Gefängnis, ein anderer 3 Jahre, und ein dritter 2 Jahre 6 Mo- nate Gefängnis. Neun weitere Nazi erhielten jeder— 3 Monate Gefängnis, und sieben wurden freige- sprachen. In der Begründung der Begnadigung der Mörder von Potempa heißt es, daß die Verurteilten zur Zeit der Be- gehung der Tat noch keine Kenntnis von der schweren Straf- androhung der Notoerordnung gehabt hätten. Die Täter hatten mit der Milde gerechnet, mit der solche viehische Taten in Oberschlesien beurteilt worden sind. Und jetzt wollen sie vor ein oberschlesisches Schwurgericht! schüsse durch die Verringerung der Zahl der Fraktionen a u t o m a- tisch von 12 auf 7 gesunken. Aber die Nationalsozia- listen waren damit nicht einverstanden. Ihr Sprecher oerlangte im Gegensatz zu dieser selbstverständlichen Schrumpfung eine Vergrößerung der beiden Unterausschüsse, damit die Na» tionalsozialisten in ihnen mehr Plätze bekämen. Das wurde jedoch mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Kommunisten und des Zentrums abgelehnt. In Wirklichkeit ist es also so, daß der neugebackene Vorsitzende des Haushaltsausschusses eine an sich eingetretene Verringerung der Sitze in den beiden Unterausschüssen als seinen persönlichen Erfolg bucht, während seine Fraktion einer Vergröße- rung dieser beiden Unterausschüsse das Wort geredet hat. Um den Witz vollständig zu machen, bedeutet überdies auch die Verkleinerung der beiden Unterausschüsse, die sich durch die geringere Anzahl von Fraktionen selbst ergeben hat, keine irgendwie geartete „Ersparnis" gegenüber früher, denn auch in den beiden Unteraus- schüsse waren kaum jemals mehr als 7 bis 8 Reichstagsabgeordnete tätig— weil die Nationalsozialisten und zeitweise auch die Deutsch» nationalen sich ihrer Arbeitspflicht entzogen haben! Der neue Vorsitzends des Haushaltsausschusies muß noch sehr viel lernen. Im besonderen muß er sich angewöhnen, die Wahr- h e i t z u s a g e n, ehe er auch nur entfernt mit dem bisherigen Vor» sitzenden des Haushaltsausschusies verglichen werden kann Die Auflehnung der ungarischen Kleinbauern gegen das Grafen- regime hat der Ackerbauminister Pürgly zu spüren bekommen; er ist bei einer Nachwahl durchgefallen. Brachi als Obrigkeit. Eine bibelfeste Begrüßungsrede. In der rheinischen Krupp-Stadt Essen findet gegenwärtig der deutsche Katholikentag statt. Zu ihm sind fast alle katho- tischen Würdenträger aus dem Laien- wie aus dem Priesterstande erschienen. Der Reichskanzler von Papen ist jedoch fort- geblieben. Er hat sich mit einem Telegramm begnügt. Selbstverständlich wird eine so große Veranstaltung von dem Oberbürgermeister der gastgebenden Stadt begrüßt Nun ergab sich das Wunder, daß als Oberbürgermeister zur Begrüßung der gleiche Dr. Bracht austrat, der in seiner zweiten Eigenschaft als kommissarischer Diktator von Preußen seine katho- tischen Glaubensgenossen Hirtsiefer, Schmidt und Steiger kurzerhand aus ihren Ministerämtern hat entfernen lassen, um nun hier in Essen die gleichen Glaubensgenossen als willkommene Gäste zu begrüßen. Bracht zog sich dabei aus der peinlichen Affäre, indem er sich aus den Apostel Paulus berief, der in seinem Brief an die Römer schrieb:„Seid Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über euch hat; denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott!" Wenn dieser Satz Ewigkeitswert haben soll, dann war doch wohl die verfassungsmäßige preußische Regierung auch Obrigkeit im Sinne des Rümerbrieses? Wie kamen denn die katholischen cherren von Papen und Dr. Bracht dazu, diese Obrigkeit, die nicht außer von Gott sein konnte, Knall und Fall aus dem Amte zu jagen und nun für sich selbst die„Unter- tänigkeit" zu verlangen, die man nach Paulus der Obrigkeit schuldig sei? Wir haben begreiflicherweise keine Neigung, uns in diese inner- katholischen Auseinandersetzungen zu mischen. Aber es interessiert doch, daß in der Arbeiterstadt Essen schon bei der Eröffnung des Katholikentages demonstratio gegen die Papen-Theorie vom „Wohlfahrtsstaat" Stellung genommen wurde. Die beiden Eröffnungskundgebungen, die von den diesjährigen Präsidenten des Katholikentages, dem Badischen Minister Baum- g a r t n e r und dem Vorsitzenden des Gesamtverbandes der Christ- lichen Gewerkschaften Bernhard O t t e geleitet und durch Reden aus- gefüllt wurden, standen im Zeichen der Sozialpolitik. Sowohl Baumgartner als auch Otte befürworteten den Wohlfahrtsstaat als sittliche Pflicht. Aus Wesen und Zweck des Staates folge, so führte Baumgartner aus, daß er nicht nur Rechtsstaat sei, d. h. seine Tätigkeit darauf beschränken dürfe, seinen Bürgern Rechtsschutz zu gewähren, im übrigen aber alle Kräfte schrankenlos walten zu lasten. Ein solcher Staat verletze das sittliche Prinzip und sei ein Abfall von der sittlichen Idee des Staates. Da der Staat die organisierte Gemeinschaft des ganzen Volkes sei, sei es eine heilige Pflicht, Wohlfahrtsstaat für alle zu fein, d. h. er habe das Wohl aller Schichten und Stände des Volkes zu hegen und zu pflegen. Der Staat habe Sozialpolitik im tiefsten und umfassendsten Sinne zu treiben, damit er nach dem Grundsatz der ausgleichenden Gerechtigkeit jedem gebe und sichere, was ihm nach Leistung, Recht und Gerechtigkeit gebühre. Otte bemerkte:„Wir würden über die großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die zwangsläufig von sozialen chärten und Ein- griffen begleitet sind, leichter hinwegkommen, wenn die verschiedenen Volksschichten untereinander von stärkerem Gemeinschaftsgeist be- seelt wären. Die öffentliche Verlautbarung, wonach die moralischen Kräfte im Volke durch den„Wohlfahrtsstaat" gefährdet sein sollen, steht im Widerspruch zur christlichen Sozialausfassung." Herr v. Papen, der anfänglich auch an den Eröffnungssitzungen des Katholikentages teilnehmen wollte, ist in Esten nicht erschienen. Als�einer der Gründe seiner Abwesenheit ist die Miß- stimmung der Zentrumsarbeiterschast und die Gefahr von Demon- strationen gegen ihn zu betrachten. Ein �undfunkskandal. Hohcnzollernpropaganda unter Mitwirkung der Reichswehr. Der sozusagen noch republikanische Rundfunk hat uns in den letzten Wochen manches tolle Stück zugemutet. Mit der„Sen- dung" Potsdam, die am Freitagabend die Berliner Funk- stunde vereint mit Königswusterhausen, Ostmarkenrundfunk, Danzig und Schlesien verbreitete, hat er den Bogel abgeschlossen. Die Sen- dung schwelgte in jzohenzollerntum: man war bemüht, möglichst auch nicht die geringste Lebensäußerung irgendeines Mit- gliedes des preußischen Königshauses unerwähnt zu lasten. Nicht nur von Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. wurde endlos sal- badert, sondern auch ER, der Verflossene, und seine Familie mar- schierten feierlich auf. Mit in ehrfurchtsvollem Zittern untertänig ersterbender Stimme wurde immer wieder„der Kaiser" vorgestellt: hier ritt er, dort stieg er vom Pferde, da ging er zu Fuß. Und seine Söhne, wie reizend, marschierten bei der Parade als kleine Leutnants in Reih und Glied.„Wir kannten damals nur eine Fahne!" belehrte ein ehemaliger Osfizier im chörbild seinen Enkel. Und dann schilderte er die Uniformen und ließ keine aus, und auch schulfrei gab es bei der Parade, und es war immer schönes Wetter.„Muß das damals schön ge- wesen sein!" sagte der kleine zukünftige Staatsbürger der Deutschen Republik, weil das Hörbild ihm dos vorschrieb. Sollte hier das Vorbild von staatsbürgerlicher Erziehung der Jugend gs- geben werden, wie Freiherren sie auffassen? Militärmärsche schmetterten stundenlang. Die Musik lieferte die Reichswehr. Auch einen Leutnant und 30 Mann zum Aufziehen der Wache. Das gab ein paar hübsche, knarrende Kommandos:„Rechts um!" „Heute und gestern sind geheimnisvoll ver- tauscht, und alles scheint zu sein, wie es ein st gewesen war", klang es in die Ohren der Hörer. Es scheint wirklich so. Aber die Reichswehr stellte nicht nur die Schau- spieler für die historische Aufführung. Wir durften auch an einem richtigen Manöver teilnehmen, konnten Schüsse und Maschinen- gewehrgeknatter hören und uns von einem General erzählen lassen, wie die Armee der Republik die Tradition der p r e u ß i- schen Vergangenheit in Ehren hält. Diese Art der Rundsunkreportage ist ein öffentlicher Skandal. Die Beteiligung der Reichswehr ist ein Mißbrauch der auf die Republik vereidigten Mannschaften. Daß die Hörer sich Veranstaltungen dieser Art nicht gefallen Tolerierung statt Koalition. Die Verhandlungen des schwarz- braunen Blocks. Schon am 8. oder g. September wird der Reichspräsident in Berlin eintreffen. Er wird dann das Reichstagspräsidium unter � Görings Führung empfangen. Nach diesem Empfang sollen die innerpolitischen Entscheidungen getroffen werden. Die Verhandlungen zwischen Zentrum und Nationalsozialisten scheinen schon ziemlich weit gediehen zu sein. Der„Bayrische Kurier" schreibt zu der gemeinsamen Erklärung von Zentrum und Nazis über ihre Verhandlungen: „Bei allen Gerüchten, in denen behauptet werde, die Verlaut- barung habe nur den Zweck, die völlige Ergebnislosigkeit der bis- her geführten Besprechungen zwischen Zentrum und NSDAP, zu verschleiern, handle es sich um reine Kombinationen. Die Be- sprechungen würden Mitte der n ä ch st e n Woche ebenso intensiv weitergeführt werden wie bisher. Es sei also falsch, wenn behauptet werde, das Zentrum habe eine Vertagung der Verhandlungen auf unbestimmte Zeit beantragt. Im ganzen habe man den Eindruck, daß die Verhandlungen schon ziemlich weit in das Gebiet sachlicher Einzelheiten vorgedrungen seien." Die Ullstein-Presse teilt mit, daß in den bisherigen Befprechun- gen der Plan erörtert worden sei, den Reichstag und die Programm- erklärung des Reichskanzlers um mehrere Monate zu vertagen. Damit würde eine Abstimmung über die Mißtrauensanträge und über die Anträge zur Aufhebung der Notverordnungen umgangen werden. In der Praxis würde ein solcher Plan die Tole- rierung der tliegierung Papen und ihrer Notverord- nungen durch Zentrum und Nationalsozialisten ge- meinsam bedeuten! [ Solche Pläne stehen im Widerspruch zu dem Theaterdonner, � den Hitler am Donnerstag im Sportpalast gegen Papen losgelassen � hat Das will aber nichts besagen! Bis vor kurzem war das Zen- trum für die Nationalsozialiften die schwarze Pest der Separatisten und Vaterlandsverräter— und heute verhandeln die Nazis mit dem Zentrum und bezeichnen das Zentrum als eine Partei der„natio- nalen Rechten". papen-partei geplant. Es schweben Pläne, um den Stahlhelm, der am Wochenende in Berlin eine große Parade abhält, als Kern einer neu zu bildenden Papen-Partei zu gewinnen. Sie soll Deutschnationale, Stahlhelm, Deutsche Volkspartei und jene Gruppen des Bürgertums umfassen, die von den großkapitalistischen Plänen Popens entzückt sind, z. B. die Kreise des Hansabundes. Eine Goebbels-Ziache. Am Donnerstagabend wurde der Presse von den Unterhändlern für die schwarzbraune Regierungskoalition ein Be- richt über Stand und Ziel ihrer Verhandlungen übergeben. Alle Berliner Zeitungen haben diese nationalsozialistisch-zentrümlichen Mitteilungen veröffentlicht. Wer aber am Freitag dieses Kommu- niqud seinen Lesern verschwiegen und unterschlagen hat, ist das Berliner Naziblatt„Der Angriff". Wahrscheinlich, weil Nazi-Goebbels persönlich an den Verhandlungen nicht beteiligt und auch nicht als Minister in Aussicht genommen ist. Man benötigt ihn zwar als Agitator, aber sobald es um ernstere Dinge geht, wird er wie ein Holzklotz beiseitegeschoben. Seine Rache ist die passive Resistenz gegen die, die sich o h n e i h n zu Höherem berufen fühlen. Reichstag vertagt. Zwischen den Gihungen.- Tagung der sozialdemokratischen Veichstagsfraktion. Nach dem der Reichstag sich am Dienstag konstituiert und ein sozialistenreines Präsidium unter dem Vorsitz des Nationalsozialisten G ö r i n g gewählt hat, ist er sofort bis auf weiteres— voraussichtlich bis zum Ende der nächsten Woche vertagt worden. In dreitägigen Verhandlungen beschäftigte sich die sozial» demokratische Reichstagsfraktion mit der gegen- wärtigen politischen und wirtschaftlichen Lag«. Es wurden eingehend alle Aufgaben erörtert, die von der Fraktion in der nächsten Zeit zu lösen sind. Einen Tag vor dem Wiederbeginn der Reichstagsverhandlungen wird die Fraktion zu neuen Be- ratungen zusammentreten. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat die Zahl ihrer Vorsitzenden von 3 auf 4 erhöht. Zu den bisherigen Vorsitzenden Breitscheid, Dittmann und Wels tritt der bisherige Reichstagspräsident L ö b e, der künftig noch mehr al» bis- her Gelegenheit haben wird, seine reichen politischen und parlamen- tarischen Ersahrungen in den Dienst der Partei zu stellen. Zu den bisherigen Mitgliedern des Fraktionsvorst andes: Aufhäuser, Braun, Crispien, Graßmann, Hertz, Hildenbrand, Hilfer- ding, Frau Juchacz, Keil, Severing, Sollmann, Stampfer sind neu- gewählt worden: Ebert, Frau Psülf, Schumacher und Vogel. Zum Geschäftsführer der sozialdemokratischen Fraktion wurde wieder Genosse Hertz bestimmt. Kein Sozialdemokrat im Präsidium. In das Präsidium des Reichstags find als Schrift- führer acht Nationalsozialisten, drei Zentrums- Mitglieder und ein Deutfchnationaler gewählt worden. Die Kommunisten hatten auch hier, wie bei der Wahl der Prä- sidenten, ohne Rücksicht auf die Gesamtsitution ihre eigenen Kandi- daten ausgestellt. Durch dieses Verhalten ist den Nationalsozialisten die Mehrheit der Schristführer ausgeliefert worden. Das Zentrum hatte für die Kandidaten der Sozialdemokratie gestimmt. Lobe Vorsitzender des Lleberwachungsausfchusses. Zum Vorsitzenden des Ueberwachungsausschufses wurde der bisherige Reichstagspräsident L ö b e gewählt. Die Sozialdemokraten sind in diesem Ausschuh mit sechs Mitgliedern vertreten. Dem Ueberwachungsausschuß kommt besondere Bedeutung zu, da er bei einer Auflösung des Reichstags bis zu den Neuwahlen die Rechts der Volksvertretung zu wahren hat. Im alten Reichstag hatte der Nationalsozialist Gregor Straßer den Vorsitz inne: man wird sich erinnern, daß er alles getan hat, um den Zusammentritt des Ausschusses und die Erörterung der von der Regierung Papen er- lasienen Maßnahmen zu verhindern. Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses, in dem die Sozialdemokratie sieben Sitze hat, wurde Dr. F r i ck von den Nationalsozialisten, Stellvertreter der Sozialdemokrat Scheide- mann. Vorsitzender des Haushaltsausschusses war bis- her der Sozialdemokrat Heimann. Jetzt ist der Nationalsozialist Reinhardt zum Vorsitzenden und H e i m a n n zum Stellvertreter gewählt worden. In diesem Ausschuß haben die Sozialdemokraten acht Vertreter. Zum Vorsitzenden des Ausschusses für die G e- schäftsordnung, in den die Sozialdemokratie sechs Mitglieder entsendet, wurde der Zentrumsabgeordnet« Bell, zu seinem Stell- Vertreter der Kommunist Schumann gewählt. Ein Gensationsroman. Das Mittagessen als politischer Konfliktsfall. Ein Berliner Sensationsblatt hat Erfindungen über heftige Konflikte in der sozialdemokratischen Reichstagssraktion veröffent- licht. Die Erfindungen knüpfen an zwei Tatsachen an: daß die Ge- nossen Ebert, Schumacher und Genossin Toni Pfülf zum Fraktionsvorstand zugewählt wurden, und daß nach einer Rede Severings eine Pause von einer Stunde eintrat. Die findigen Leute, die auf Konflikte in der sozialdemokratischen Reichstagssraktion lauern, haben soweit ganz richtig gehört. Nur: die Wahl des Fraktionsoorstands hat vor der politischen Debatte stattgefunden und von einem Konfliktsfall war keine Rede, und die Pause nach der Rede Severings trat ein, weil es— 1 Uhr mittags war und die übliche Pause zum Zwecke des Mittogsesiens begann. Daraus hat das Sensationsblatt einen dramatischen politischen Roman gemacht. Wem wollte es mit seinen Erfindungen dienen? lassen, dürften Telephonarufe und Zuschriften empörter Rund- funkteilnehmer den Sendern sehr rasch klar machen. Auch bei uns meldeten sich telephonisch bereits zahlreiche Hörer, von denen ein Teil ausdrücklich erklärte, daß sie nicht der Sozial- demokratischen Partei angehörten, aber als ehemalige Kriegsteil- nehmer über diese Sendung empört seien und ein Sprachrohr in die Oeffentlichkeit suchten. Naz'provokaiion am offenen Grabe. Bei der Beerdigung des ermordeten Beichswetirgefreiten. Magdeburg,?. September.(Eigenbericht.) An der Beerdigung des am Sonntag ermordeten Reichswehr- gesreiten Niemann-Magdeburg, der sich in Freundes- und Bekannten- kreisen größter Wertschätzung erfreute, nahm eine riesige Menschen- menge teil. Bei der B e i s e tz u n g s s e i e r l i ch k e i t provoziert« ein uniformierter SA.-Mann in frecher Weise einen Zwischenfall. Er trat an die offene Gruft und warf unter dem Ruf„Heil Hitler!" einen Blumenstrauß in das Grab. Die Angehörigen des Toten ver- baten sich dies« Frechheit sehr entschieden. Mehrere Teilnehmer an der Trauerfeier nahmen eine drohende Haltung gegen den SA.-Mann ein, der von der Polizei in Schutzhaft genommen werden mußte. Der Zwischenfall ist um so provozierender, als ein SS.-Mann in dem dringenden Verdacht steht, der Mörder des Reichswehr- gefreiten zu sein. Von den beiden verhafteten SS.-Leuten ist der SS.-Führer Müller inzwischen aus der Hast entlassen worden. Die Untersuchung gegen ihn wird aber weitergeführt. Der SS.-Mann Vogt befindet sich wegen dringenden Tatverdachts weiter in Haft. Müller und Vogt genießen als Rauf- und Trunkenbolde den denkbar schlechtesten Ruf. Die preußische..Verwaltungsreform" ist am Freitag von der kommissarischen preußischen Regierung fertiggestellt worden. Sie sieht u. a. die Zusammenlegung preußischer Ministerien, eine Eni- lastung der Oberpräsidien durch Uebertragung eines Teils ihrer Auf- gaben auf die Regierungspräsidien und eine Stärkung der Stellung der Landräte vor. Das Ziel dieser Verwaltungsreform, die auf dem Verordnungswege in Kraft gesetzt werden soll, ist die Zurück- dränguna der Selbstverwaltung zugunsten der Bürokratie. Also rückwärts auf der ganzen Linie. Der Reichslagspräsidenl Goering hat sich den Beamten des Reichstags vorgestellt. SeuWandS Wehrforderungen. Prinzipienfrage und Sinzelwünsche. Während der Zeit des neuen„Vorwärts"-Verbots ist. wie die meisten unserer Leser inzwischen erfahren haben dürften, der an- gekündigte diplomatische Schritt erfolgt, durch den Deutschland ins- besondere von Frankreich die Anerkennung des Prinzips der Gleichberechtigung in der Wehrfrage erstrebt. Dieser Schritt steht nunmehr im Mittelpunkt der internatio- nalen Diskussion. Eine Stellungnahme wird allerdings schon da- durch erschwert, daß das deutsche Memorandum, dessen Ueber- reichung ursprünglich geheim bleiben sollte und nur durch eine Pariser Indiskretion bekannt geworden ist, nicht verössentlicht werden dürfte. Damit ist den weitesten Kombinationen so- wohl über seinen tatsächlichen Inhalt wie auch über das wirkliche Verhandlung? ziel Deutschlands Tür und Tor geöffnet. Das ist um so bedenklicher, als das Thema überaus heikel ist und mannigfaltige Probleme außen- und innenpolitischer, insbesondere auch finanzieller Art in sich schließt. Einstweilen wird in Berlin offiziell oersichert, daß keine Einzelforderungen bisher erhoben worden find, und daß die Angaben Pariser Blätter hierüber falsch sind; es werde lediglich um das— auf der Genfer Abrüstungskonferenz bisher nicht zu- gestandene— Prinzip der Gleichberechtigung gerungen. Gegen dieses Bestreben kann von sozialdemokratischer Seite natürlich nichts eingewendet werden: schon Hermann Müller hat als Kanzler dieselben Forderungen erhoben, selbstverständlich mit dem Ziel der gleichmäßigen A b rüstung. Die Reichsregierung versichert, daß sie nach wie vor, auch bei ihrem neuesten Schritt, die Gleichberechtigung in der Abrüstung verfolge. Allerdings ist das offenbar nur noch theoretisch gemeint, denn praktisch glaubt man in der Wilhelm- und in der Bendler- straße längst nicht mehr daran, daß die Vertragsmächte bereit seien, die Gleichberechtigung in dem Sinne zuzugestehen, daß sie ihrerseits nach demselben Muster abrüsten, das sie in Versailles geschaffen und Deutschland auferlegt haben. Der Verlauf des ersten Ab- schnittes der Abrüstungskonferenz läßt leider diese Skepsis berechtigt erscheinen. Die Reichsregierung geht davon aus, daß sie Anspruch ins- besonder« auf gleiche Sicherheit habe wie die anderen Mächte und die deutsche Wehr macht daher solche Waffen besigen dürfte, die ihr bisher durch den Friedensver- trag untersagt worden sind, die aber nach den eigenen Beschlüssen der Abrüstungskonferenz keinen offensiven, sondern einen d e f e n- s i v e n Charakter haben. Selbst wenn diese Waffen— gemeint sind z. B. Flugzeuge, Tanks, Flugabwehrgeschütze und dergl.— nicht ausdrücklich in dem deutschen Memorandum genannt worden sind, so ist wohl kaum ein Zweifel daran, daß d a s der Sinn des deutschen Schrittes ist. Das geht übrigens aus verschiedenen Er- klärungen des General von Schleicher in jüngster Zeit deut- lich hervor. Es ist aber, wie gesagt, nicht möglich, sich über die Tragweite der deutschen Wünsche auf„Umbau" der Reichswehr ein klares Bild zu machen, solang« sich die Regierung in Schweigen hüllt. Wir bezweifeln sehr, daß sich diese Taktik der Scheindiplomatie wird lange durchführen lassen, denn die z. T. schon leidenschaftlichen Diskussionen, die der deutsche Schritt in der Weltpresse aus- gelöst hat, wird alle Beteiligten alsbald zwingen, sich konkreter zu äußern als bisher. Geschieht das, so wird auch die Möglichkeit geschasfen sein, zum Verhalten der Regierung in dieser schwierigen und ge- jährlichen Frage kritisch Stellung zu nehmen. Als Maßstab der Kritik wird dabei für uns der Grundsatz gelten, daß das gleiche Recht Deutschlands unbedingt Anerkennung verdient, daß aber ein neues Rüstungswettrennen unvermeidlich zur Selbstver- nichtung Europas führen müßte, und darum auch um des deut- s ch e n Volkes willen auf das entschiedenste bekämpft werden muß. Scharfe Sprache in Paris. Paris, 2. September.(Elgenberichf.) Der Präsident der Republik L e b r u n kehrt am Sonnabend aus dem Sommerfchloh Rambouillet nach Paris zurück, um den Vorsitz in einem INinisterrat zur Prüfung des deutschen Moratoriums über die militärische Gleichberechtigung abzuhalten. Die Dienststellen des Quai d' Orfay haben das deutsche Schriftstück inzwischen eingehend durchgeprüft, anscheinend aber ohne zu irgend einem Entschluß gekommen zu sein. Wie verlautet, wird die französische Regierung eine a u s f ü h r- l i ch e sachliche Antwort auf das deutsche Dokument vorläufig nicht geben. Sie wird sich lediglich mit der Empfangs- b e st ä t i g u n g begnügen. Die Pariser Presse behauptet, daß Frank- reich zunächst auf das Ergebnis seiner diplomatischen Rundsrage in Washington, London, Rom, Prag, Warschau usw. warten wolle, bevor es weitere Schritte unternehme. Die juristi- Aufreizende Llrteile. SA. spielt Polizei.- Arbeiter kommen in den Kerker! Hirschberg i. Schl., 2. September.(Eigenbericht.) In Schmiedeberg(Riesengebirge) befindet sich seit dem Mai 1332 das Arbeitsdienstlager der SAJ. Die Lager- insassen wurden ständig von Nationalsozialisten angepöbelt. Am 8. Juli gegen Abend kam es in Schmiedeberg zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Hirschberger Erwerbslosen und auswärtigen Nationalsoziali st en, die angeblich zu einem Eturmappell nach Schmiedeberg wollten. Nach diesem Zusammenstoß umstellten Schmiedeberger und auswärtige SA. mit etwa 150 Mann ohne Grund die Wohn- und Schlafräume des Arbeitsdienstlagers der SAJ. Die Nationalsozialisten nahmen eine drohende Haltung gegen das Lager und die Passanten ein. Sie sperrten mit SA.- Sperrkette die Zugänge zu dem Arbeitslager ab und maßten sich so Polizeibefugnisse an. Die Arbeitslogerinsassen ver- hielten sich indessen diszipliniert Nur aus diesem Grunde kam es vor dem Arbeitsdienstlager und darin selbst zu keinem Zusammen- stoß. Schmiedeberger Arbeiter waren über die Umstellung des Lagers sehr erregt und es sammelten sich in der Nähe Gruppen dieser Arbeiter an. Gegen 22 Uhr ging die SA.- Sperrkette gegen die Arbeiter vor. Es entstand eine erhebliche Schlägerei und da die Kommunalpolizei machtlos war, muhte auswärtige Schupo eingreifen und konnte erst zu später Nachtstunde die Ruh« in Schmiedeberg wieder herstellen. Bei dem Zusammenstoß hatte es erhebliche Verletzte auf beiden Seiten gegeben. Diese Vorfälle standen jetzt vor dem Hirschberger Sondergericht zur Verhandlung. Auf der Anklagebank saßen Schmiedeberger und auswärtige Arbeiter, unter ihnen acht An» gehörige der Eisernen Front und vier Kommu- nisten. Ein einziger Nationalsozialist war ebenfalls angeklagt. Die Anklage wurde einseitig gegen die Arbeiter gerichtet. Der SA.- Sturmführer Schwarz aus Schmiedeberg, der die Umstellung des Lagers angeordnet und geleitet hatte und«in als Nationalsozialist bekannter Ortspolizist erschienen bei dem Prozeß als Krön- zeugen gegen die Arbeiter. Den Angeklagten war schwerer Landfriedensbruch und teilweise schwere Körperverletzung sowie ver- botener Waffenbesitz vorgeworfen. In zweitägiger Verhandlung traten gegen die parteiischen Nazizeugen zahlreiche unbe- teiligte Zeugen auf, die unter Eid bekundeten, daß der An- laß der großen Schlägerei dadurch gegeben wurde, daß der Nazi- Polizist Ludwig aus Schmiedeberg dem SA.-Führer Schwarz zu- gerufen hatte: „Wachen Sie mit der SA. was Sie wollen!" und daß daraufhin Schwarz den Befehl gab:„SA., Sperrkette bilden, SA. vor!" Das Gericht gestand den National- sozial! st en das Recht zu, das Lager zu umstellen, um es angeblich später von der Polizei nach Waffen durchsuchen zu lassen und stützte sich im übrigen nur auf die Nazizeugen, die der Staatsanwalt ausgesucht hatte, um die angebliche Schuld der Arbeiter erweisen zu können, trotzdem während der ganzen" Ver- Handlung eins gegen eins stand. Ergebnis des Prozesses: Der einzige angeklagte Nationalsozialist erhält wegen gefähr- licher Körperverletzung die gesetzliche Winde st strafe von drei Monaten Gefängnis. Von den übrigen Angeklagten werden verurteilt: G e w e r k- schaftssekretär Robert E tz n e r, Hirschberg, S t a d t v e r- ordnete? Leder, Schmiedeberg, und der Kommunist Ba- s a n, Schmiedeberg, zu je einem 3ahr 6 Wonaten Gefängnis wegen schweren Landfriedensbruchs. Der Arbeiter H i r f ch f e l d, der mit einem Messer gestochen haben soll, aber selb st schwer ver- letzt wurde, erhält zwei Jahre Zuchthaus und drei Jahre Ehrver- tust. Die übrigen angeklagten Arbeiter werden zu drei bis neun Monaten Gefängnis oerurteilt. Bier Angeklagte, denen selbst die Nazizeugen nichts nachweisen tonnten, wurden freigesprochen. Die Erregung über dieses Urteil ist bei der Arbeiterschaft des Hirschberger Tales sehr groß. Die Nachricht davon verbreitete sich bereits am Abend wie ein Lauffeuer durch alle umliegenden Ort- schasten. Die Erregung ist verständlich, da von der Staatsanwalt- schaft gegen die schuldigen Nationalsoziali st«n nicht das geringste unternommen wurde. s ch e n Sachverständigen des Ouai d'Orsay seien der Ansicht, daß der Völkerbund für das deutsche Verlangen nicht zuständig sei, da es sich um eine Revision des Versailler Vertrages handle. der vor der Gründung des Völkerbundes abgeschlossen wurde. Auch die Abrüstungskonferenz sei angeblich nicht zuständig, weil sie nicht über eine Ausrüstung Deutschlands, also über einen Gegenstand Be- schluß fassen könnte, der mit ihrem Programm im Widerspruch stünde. Es bleibe also nur der weitläufige Weg diplomatischer Känzleiverhandlungen, wobei Frankreich zur besseren Geltendmachung seiner Einwände sämtliche Unterzeichner des Versailler Vertrages hinzuziehen will. Inzwischen dauert das Trommelfeuer der pariser presse gegen die deutsche Forderung an. Die Blätter werfen Deutschland vor, daß seine Forderungen nicht nur mit dem Friedensgedanken des Völkerbundspaktes und des Locarno-Paktes, sondern äuch mit dem Kellogg-Pakt in Widerspruch stünden.„Entweder hat der Wille Deutschlands zur Wiederaufrüstung überhaupt keine praktische Be- deutung— erklärt der„Temps"— oder aber nur die, daß in Deutschland der Krieg nicht mehr als ein Verbrechen gegen jede menschliche Moral, sondern als ein Instrument zur Erreichung der nationalen Ziele angesehen werde." Das„Journal des D e b a t s" macht darauf aufmerksam, daß Deutschland mit seiner Forderung nur seine alten Verstöße gegen die Entwaffnungsbestim- mungen des Versailler Vertrages legalisieren lasten wolle. Die „L i b e r t e" meint, daß durch das neue Mißtrauen nach der deut- schen Demarche die Donaukonferenz von Stresa und die Weltwirt- schaftskonferenz zu einem sicheren Mißerfolg verurteilt seien. Oer Prozeß von Oorimund. Ein Schreckensurteil oder nicht? Der Landgerichtspräsident von Dortmund sendet uns folgende Berichtigung unter Bezugnahme auf Z 11 des Pressegesetzes: „Unter der Uebevschrist„Ein Schreckensurteil. Drakonische Gefängnisstrafen gegen Schupobeamte." bringt der„Vorwärts" in seiner Ausgabe vom 12. August 1932 über eine Verhandlung gegen 8 Schupobeamte, die vor der Dortmunder großen Strafkammer statt- fand, einen Bericht, der das Verhandlungsergebnis völlig entstellt wiedergibt und nicht unwidersprochen bleiben kann. Zur Aufklärung ist folgendes festzustellen: Es trifft nicht zu, daß ein« aufgehetzte vielhundertköpfig« natio- nalsozialistische Menge ein Ueberfallkommando von 22 Polizisten umlagert und zum Teil tätlich angegriffen hat. Wahr ist vielmehr, daß am 19. April 1932, dem Tag« der Tat, eine zahlenmäßig weit- aus geringere Menschenansammlung, die nur zum Teil aus Ratio- naisozialisten, im übrigen aus Neugierigen bestand, von der Polizei zerstreut worden ist. Dabei hat die Menge als solche keinen Angriff gegen die Polizeibeamten unternommen. Lediglich eine einzelne Person hat bei Beginn des Vorfalls einem nicht angeklagten Polizei- beamten einen Schlag mit einem Stock in den Nacken versetzt, weil der Beamte einen Schüler geohrfeigt hatte. Es ist weiter unrichtig, daß mehrere Polizeibeamte nachweisen konnten, man habe sie von hinten überfallen und mit Schlagwerk- zeugen bearbeitet. Nicht einmal die Polizeibeomten selbst haben derartiges behauptet. Es ist unwahr, daß randalierende Frauen den Beamten an den Hals gesprungen sind, sich an ihnen sestgehängt und versucht haben, die Verhaftung von„Jnsultanten" zu verhindern. Nur die Be- gleiterin eines„Passanten" hat versucht, diesen mit einem vorge- halten«» Handkoffer vor Schlägen zu schützen, die einige angeklagte Polizeibeamt« gegen den gänzlich unbeteiligten Mann von hintenher führten. Polizeibeamte haben bei dem Vorfall mehr als 60 Personen mißhandelt. Von den Mißhandelten hat keiner die Polizei ange- griffen, keiner Widerstand geleistet und auch nicht einer sich ge- weigert, polizeilichen Räumungsversügungen Folge zu leisten. Per- sonen, die für das Reichsbanner Flugblätter verteilten, sind von der Menge nicht mißhandelt worden: eine Verteilung von Flugblättern durch Angehörige des Reichsbanners ist an dem betreffenden Tage in der Gegend des Tatortes überhaupt nicht erfolgt." In Vertretung, gez.: Elaaßen. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Der„Vorwärts-' erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und Im Handel mit dem Titel»Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage»Volk und geit". Anzetgenpretse: Die einspalt. Millimeterzeile ZQ Pf., Retlamezeile 3.— M» „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. lzuläfsig zwei fettgedruckie Wort«) jedes weitere Wort>0 Pf. Rabatt laut Tarif. Wotte Uber I» Buchstaden zählen für zwei Worte. Arbeitsmarit Millimeterzeile 20 Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße S, wochentäglich von SV, bis 17 Uhr. Der Verlag behält fich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor! Berontwortlich für Polittt: Lietor Schiff: Wirffchaft: 8. Ztlingelhöfer: Dewertschaftsbewegung: Z. Steiner: Feuilleton: Herbert Lepore; Lokale» und vonftiges: Fritz Karstädt: Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag ß. ci. d. H. Berlin. Druck: Borwärts.Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin EW. 68. Lindenstraße tz Hierzu 3 Beilage». Um Sic auch/ Jim Wmthc wkS mdi Praktische Hausfrauen haben dieses einfache Rezept entdeckt: Sie geben dem ersten heißen Spülwasser etwas Sil, kalt aufgelöst, bei und spülen darin die Wäsche. Sil entfernt rasch alle Rückstände der Waschlauge und gibt ihrer Wäsche einen besonders klaren und reinen Ton. Zum Bleichen grauer, vergilbter Wäsche und zur schonenden Fleckentfernung(Kaffee-, Kakao-, Tinten-, Blut-, Obst- oder Saft- flecken) ist Sil ebenfalls das rechte Mittel Zum Einweichen der Wäscheu zum Weichmachen des Wassers: He nko. Henkel's Wasch- und Bleich-Soda* 7tr. 409/41 5• 49 Iahrganq 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, Z. September 1932 k�aek drei Tagen. Das„Vorwärts"- Verbot und die Berliner Arbeiter.— Eine Rüdeschau. Zum zweitenmal in wenigen Wochen ist der„B o r- wärts" durch ein Verbot der Regierung von Popen und ihrer Untergebenen dem Berliner Arbeiter vor- entholten worden. Zum zweitenmol Hot er gefehlt. Ms uns am Abend des 30. August das Verbat durch einen Beamten des kommissarischen Berliner Polizeipräsidenten übermittelt wurde, hatten wir nicht mehr die Möglichkeit, unsere Leser so rasch, wie wir es gewünscht hätten, zu unterrichten. Arbeiter und Ange- stellte, die abends am„Vorwärts"-Haus« vorüberkamen, ersuhren die aufsehenerregende Maßnahme durch den Aushang einer Sonder- ausgäbe in dem Schausenster unserer Hauptexpedition. Es bildeten sich sofort erregt diskutierende Gruppen. Am nächsten Morgen fanden unsere Leser dann in ihrem Briefkasten oder durch den Tür- schlitz hindurch ein ganz dünnes Exemplar des„Vorwärts". Es war der einzige Bogen, der nur ein« einzige Meldung enthielt: nämlich die, daß der Herr kommissarische Polizeipräsident von Berlin unser Blatt wieder einmal für drei Tage verboten hat. Nun, die Berliner Arbeiter und Angestellten haben dieses Dokument deutscher Geschichte au» dem Jahre 1332 nicht im Brief- kästen stecken lassen. Sie haben es mit in die Betriebe ge- nommen, sie haben es auch den Kollegen, die nicht Sozialdemokraten sind, gezeigt. Allgemein hörte man da die Aeußerung: so etwas von P r e s s e k n e b e l u ng ist in Berlin unter G r z e s i n s k i niemals vorgekommen! Aber nicht nur die Arbeiter und Angestellten, die in die Betriebe gingen, sondern auch die Hausfrauen, die mit ihren paar Pfennigen Kostgeld an den Ständen oder in der Markthalle einkauften, vermißten bei den Zeitungshändlern ihr Blatt und ent- deckten mir die Ankündigung des Verbotes. Einer unserer Leser hörte dabei diesen Ausspruch:„Na, n» ist der„Vorwärts" schon wieder verboten, die Herren da oben müssen doch eine mächtige Angst haben." lind eine zweite Familienmutter antwortete:„Herr von Pape» führt uns herrlichen Zeiten entgegen." Auch auf den Berliner Stempelstellen war das neue Verbot des„Vorwärts" Anlaß zu lebhasten Diskussionen. Ein Verbot, ein Verweis, wieder ein Verbot in so kurzer Zeit— die Sogialdemokraten unter den„Stempelbrüdern" konnten mit gutem Recht daraus hinweisen, daß das System Papen-Melcher in der Sozialdemokratie und im„Vorwärts" einen besonders g e f ä h r- lichen Gegner sieht. Der„Vorwärts" läßt die Sache der Arbeiterschaft nicht im Stich, die Arbeiterschaft läßt den„Vorwärts" nicht im Stich. Schräder zurückgetreten! Erregung unter den Funktionären des Polizeibeamten- Verbandes. Ernst Schräder, der erste Borsitzende des Verbandes Preußi- scher Polizeibeamten, hat seinen Posten verlassen. Bereits vor längerer Zeit trat Schräder, wie damals mitgeteilt wurde, aus Gesundheitsrücksichten einen Urlaub an. Mit Ge- sundheitsrücksichten wird auch der jetzige Schritt begründet.' Man geht aber wohl nicht fehl in der Annahme, daß Schräder nicht nur wegen seiner Erkrankung den Vorsitz niedergelegt hat, sondern daß noch andere Gründe bei seinem Entschluß maßgebend gewesen sind. Bisher ist über die Nachfolge Schräders noch nicht entschieden worden. Nicht nur der Rücktritt des Verbandsvorfitzendsn, sondern auch der seltsame Kurs, den der Polizeibeamtenverband unter der der- zeitigen Führung des stellvertretenden Vorsitzenden Bredeck, nimmt, hat unter den republikanischen Funktionären, und das ist weitaus die Mehrzahl, größte Erregung hervorgerufen. Be- sonders stark ist die Empörung im Gau W e st. Es ist zu erwarten, daß die schon in nächster Zeit stattfindende Sitzung des Verbands- Vorstandes und des Verbands-Ausschusses«ine Klärung bringen wird. Da erst im kommenden Frühjahr eine Verbandstagung ab- gehalten wird, auf der ein neuer 1. Vorsitzender gewählt werden kann, wäre es im Interesse des Verbandes nur zu wünschen, wenn sich für die wichtige Wahl ein früherer Termin finden ließe. Seit den Vorgängen des 2 0. Juli, an dem die gewalt- fame Absetzung der preußischen Regierung erfolgte, hat die Preu- ßische Polizeibeamten-Zeitung mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Bredeck niemals ein Wort der Abwehr gegen die schamlosen und gemeinen Beschimpfungen der Polizeibeamten in dem Berliner na- tionalsozialistischen Sudelblatt gefunden. Die Aufhebung des Ver- bots der Betätigung von Beamten in der NSDZlP. wurde als eine „Bereinigung der innerpolitischen Verhältnisse" begrüßt und das Bekenntnis abgelegt, die Polizeibeamtenschaft müsse„dem Umstand gebührend Rechnung tragen", daß es der nationalsozialistischen Be- wegung gelungen sei, sich von den kleinsten Anfängen zu dieser Stärke zu entwickeln. Der jetzige Vorsitzend« Bredeck verstieg sich in einer Betrachtung über die verfassungsändernden Pläne der Re- gierung sogar zu der Behauptung, daß die Heraussetzung des Wahl- alters, die Aenderung des Wahlsystems und die Errichtung einer 2. Kammer„an dem Grundsatz» der Weimarer Verfassung nicht rütteln". Schon Ansang Juli, als die Nationalsozialisten im Preußischen Abgeordnetenhause die Auslösung des Schrader-Derbandes und die Konfiskation des Verbandsvermögens beantragten, behauptete die nationalsozialistische Presse, daß Schräder von seinem Urlaub nicht mehr an die Verbandsführung zurückkehren werde, weil man ihn als„Sündenbock in die Wüste geschickt" habe. Der Verband setzte diesen Behauptungen kein klares Dementi entgegen. Wohl aber war in dem Verbandsorgan unter Leitung des stellvertretenden Vor- sitzenden, Kriminalkommissar Bredeck, nicht mehr die klare r e< publikanisch-demokratische Haltung zu beobachten, die Schräder stets eingenommen hatte. Die Wendung des Kurses bei der Führung des Verbandes ist zu offensichtlich, als daß die Funktionäre mit blinden Augen daran vorübergehen könnten. 83 000 Polizeibeamte sind in dem Verband organisiert— es ist höchste Zeit, daß der derzeitigen Leitung des Verbandes im Interesse der Organisation und seiner Mitglieder etwas scharf auf die Finger gesehen wird. Llnglücksfall einer Berliner Redakteurin. Prag. 2. September. Am Mittwochabend wollte die Redokteurin des„Berliner Tage- blotts" Marianne L e n z i a n von Zlin, wo sich die größten europäischen Schuhsabrikcn Batos befinden, mit dem Schnellzug nach Berlin zurückreisen. Als sich der Zug im Bahnhof in Bewegung setzte, sprang sie in dem Glauben heraus, daß der Zug bereits abfahre und ihr Begleiter noch nicht im Zuge sei. Durch das Tritt- brett wurde sie unter die Räder eines Wagens geschleudert. Der Schaffner des Zuges packte die Herausspringende an der Schulter und zog sie hoch, so daß sie gerettet wurde. Trotzdem erlitt die Redakteurin an einem Fuß, an der Nase und am Kops Verletzungen. Sie wurde in dos Bata-Spital gebracht. Schulklasse wegen Ruhrerkrankungen geschlossen. Aus Ersuchen des zuständigen Kreisarztes wurde die achte Klaffe der Ersten Gemeindeschule in Berlin-Niederschönhausen am Bismarck- platz wegen Ruhrerkrankungen bis 8. September 1932 geschlossen. Vandalen! Nazis gegen Frauenplastik.- Kunst ist ihnen fremd. In einer Nacht wurde auf einem Platz in Caputh die dort von der Gemeindeverwaltung aufgestellte, von einem Einwohner gestiftete Plastik„Die Kauernde" vollständig zertrümmert. Die Landeskriininolpolizei Berlin ermittelte als Täter den 23jöhrigen Nationalsozialisten Bootsbauer Erich S t o y k e aus Neukölln und den 24jährigen Schneider Ludwig Gramm aus Caputh. Die Täter mußten sich vor dem Potsdamer Schöffengericht wegen vorsätzlicher schwerer Sachbeschädigung eines öffentlich ausgestellten Kunstwerkes verantworten. Stoyke, der als Anstifter in Frage kam, erklärte vor Gericht, daß er als Nationalsozialist an der Frauenplastik„Anstoß" genommen hätte. Er wäre bei dem Anblick der nackten Frauengestalt in solchen Zorn geraten, daß er mit einem Schmiedehammer, den er vorher in ein Tuch gehüllt hatte, und der ihm von Gramm gebracht worden war, auf die Plastik losgeschlagen habe. Der andere Nazi meinte, daß er die Kauernde als„unsittlich" empfunden habe. Daß er mit seiner Ansicht nicht allein dastehe, wollte er mit der Mitteilung be- weisen, daß man der Kauernden schon öfter des Nachts ein Hemd übergezogen hätten. Der Staatsanwalt hielt eine Geldstrafe für diesen Vandolismus nicht am Platz« und beantragte gegen Stoyke 6 Wochen Gefängnis und gegen Gramm 4 Wochen Gefängnis. Das Schöffengericht er» kannte bei Stoyke auf 4 Wochen und bei Gramm auf 3 Wochen Gefängnis. In Caputh hatte seinerzeit die'rohe Zerstöning des Kunstwerkes die Einwohnerfchast stark erregt. Brennender Asphali. Lavastrom zerstört Bahnkörper.- Gebäude in Gefahr. Paris, 2. September.(Eigenbericht.) Ein schwerer Brand ist aus dem Bahnhof von Tain im Rhone- tat ausgebrochen. Mehrere Waggons mit Vollasphalt gerieten durch Funkenwurf in Brand. In glühenden Lavabächen ergoß sich der brennende Asphalt über die Geleise bis zu dem Bahnhofs- gebände hin. Der Feuerwehr gelang es nur mit äußerster Mühe, die Gebäude zu schützen. Der Brand selbst wurde mit Hille von Sand und Kies nach mehrstündiger Arbeit gelöscht. Eine schwere Rauchwolke hüllte die Stadt in nächtliches Dunkel. Kampf um das siadtpariamanl. Das ziel der Arbelierfeinde.- Neuwahlen oder Orbeilsieisiung? Noch hat die Stadtverordnetenversammlung ihre Arbeit nicht wieder aufgenommen, aber schon haben sich die zunächst einzeln vorgetragenen Angriffe gegen ihren Fortbestand zu einem wahren Trommelfeuer verdichtet. Allein die hochossiziöse„Börsen-Zeitung" hat in einer einzigen Woche nicht weniger als fünf Artikel gebracht, in denen Gründe und Scheingrllnde für eine Auflösung oder Ausschaltung der jetzigen Berliner Stadtverordnetenversammlung und der Bezirksversamm- lungen zusammengetragen werden. Warum gerade jetzt? Und warum gerade Berlin? Man bemüht sich gar nicht mehr um irgend- welche Verschleierung: die jetzigen Gemeindeparlamente sollen nicht mehr die fälligen Stadtratswahlen in Zentrale und Bezirken vornehmen. Für allgemeine kommunale Neuwahlen in ganz Preußen glaubt man offenbar nicht oder jedenfalls nicht zeitig genug die Zustimmung des Landtags und Staatsrats zu erhalten. Deshalb animiert man die kommissarische Regierung, wenigstens die B e r- l i n e r Parlamente auf Grund des Ausnahmeparagraphen der Städteordnung aufzulösen. Formell wäre das zweifellos möglich. Sachlich ist es völlig ausgeschlossen. Denn diese Auslösungsbefugnis ist der allerletzte Aus- weg,>den das Gesetz dem Kabinett eröffnet, wenn einer völlig arbeitsunfähigen Stadtverordnetenversammlung gegenüber alle anderen Mittel der Staatsaufsicht versagt haben. Von alledem kann in Berlin mit keinem Worte die Rede sein. Das Stadtporlament hat vielmehr eben erst vor den Ferien in engster Zusammenarbeit mit dem Magistrat und den Allssichtsbehörden selbst in der jetzigen schwierigsten finanzpolitischen Situation durch seinen Ermächtigungsbeschluß die Grundlage für eine ordnungsmäßige und sparsame haushaltswirtschast während der Uebergangsmonate gelegt. Der Umlageverteilungsbeschluh hat die Genehmigung des Ober- Präsidenten erhalten. Es ist zum mindesten zweifelhast, ob eine neu gewählte Stadt- verordnetcnversammlung ebenso arbeitsfähig sein würde. Aber— hier liegt der Hase im Pfeffer— sie s o l l ja gar nicht arbeiten, sie soll bloß wählen. Und die jetzige soll nicht mehr wählen. Die bauernschlaue Rechnung sieht so aus: Nach einer Neuwahl gibt es die alte„E t a t s m e h r h e i t" nicht mehr. Allerdings eine sozialdemokratisch- kommunistische Mehrheit, aber die geht in Personalfragen nicht zusammen. Dann kann bei jeder Stichwahl eine nazi-deutschnationale Minderheit die gespaltene Links- Mehrheit übertölpeln. Es kann also in Zukunft ganz ungestört eine ganz einseitig reaktionäre Personalpolitik ge- trieben werden. Darum: Neuwahlen! An etwas anderes als an Personen fragen wird überhaupt nicht gedacht. Was aus der übrigen Arbeit der Stadtverordneten wird, kümmert diese Sorte Reformer überhaupt nicht. Es ist das verantwortungslose st e Spiel, das überhaupt denkbar ist. Interessant nur, daß ausgerechnet Mitglieder der Volks- partei, die bei dieser Gelegenheit den Anschluß nach rechts nicht verpassen möchten, sich zu Wortführern eines solchen Planes machen! Die Sozialdemokratie hat— darauf haben wir schon unmittelbar nach den Reichstagswahlen hingewiesen— als Partei nichts bei einer Neuwahl der Stadtverordnetenversammlung zu fürchten. Sie würde weder an Sitzen noch an Einfluß verlieren. Die Zeiten, in denen Berlin gegen den Willen der Arbeiterschaft verwaltet werden konnte, sind dahin. Es gibt Mittel und Wege genug, um einen dicken Strich durch die bauernschlaue Rechnung jener Einbläser zu machen. Einer, der klüger ist als die volksparteilichen Klopsfechter, Hot das sofort erkannt: der verbissene Reaktionär Dr. Steiniger. Er warnt vor dem„Rezept" solcher Neuwahlen. Und er hat dafür gleich zwei bessere Rezepte zur Hand: Neuwahlen aus Grund eines neuen Wahlrechts oder aber Suspension der Stadt- und Be- zirksparlamente und Staatskommissariat des Oberbürgermeisters „unter starker Staatsaufsicht" und„mit möglichster Unabhängigkeit auch vom Magistrat". Hier wird, wie man sieht, ganze Arbeit gemacht. Die Parole Wahlrechtsänderung oder Ausschaltung aller parlamentarischen und kollegialen Körperschaften wird glattweg auch für die Gemeinden proklamiert. Dann kann allerdings„zurzeit auf Neuwahlen der freiwerdenden Stadtratsstellen unbedenklich ver- zichtet werden". So weit sind wir erfreulicherweise denn doch noch nicht. Und die Berliner Sozialdemokratie wird dafür sorgen, daß es so weit nicht kommt. Sie wird zunächst in Ruhe wieder an ihre Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung gehen und abwarten, ob die „Börsen-Zeitung" recht hat mit ihrer Behauptung, daß sowohl Herr von Papen wie Dr. Bracht nicht zögern werden, den„einfachen Verwaltungsakt" der Neuwählen durchzuführen. Es will uns aller- dings scheinen, als gäbe es augenblicklich in allen Gemeinden und in Berlin im besonderen wichtigeres zu tun, als zum fünften Mal innerhalb eines Zahres zu wählen. Der schlecht verhohlene Drang nach der„Futterkrippe" ist jedenfalls nicht Grund genug, alle übrige kommunale Arbeit auf Wochen hinaus ruhen zu lassen. Mehr als je zuvor braucht in dieser Notzeit die Berwaltungsarbcit der Stadt die öffentliche Kontrolle und Kritik der ge- wählten Vertretung ihrer Bürgerschaft. Ihre Aus- schaltung ist ein gefährliches Experiment, vor dem nicht genug gewarnt werden kann. Nächste Sitzung am IS. September. Roch Beendigung der Sommerserien wird die Stadtverordnetenversammlung zu ihrer nächsten Sitzung am 15. September zusammentreten. Mit der Verabschiedung des Etats wird man sich in dieser Sitzung noch nicht beschäftigen. Zur Beratung steht neben einer großen Anzahl kleinerer Vorlagen die Frage der städtischen Gesellschaften und Gesellschaftsbeteiligungen. In den Tagen des Verbotes. Pagenmord aufgeklärt.- Großfeuer.- Eifersuchtstragödie. Drei Tage war es dem„Dorwärls" wieder einmal verbalen, zu seinen Lesern zu sprechen. 3n dieser kurzen Zeilspanne Hai sich eine Reihe von Ereignissen in Berlin zugetragen, von denen wohl das grausigste die Zlusklärung des Mordes an dem töjährigen Hotelpagen Kurl Schöning au» Lichtenberg Ist. Durch die glänzende Aufklärungsarbeit der Kriminalpolizei ist es bereits in wenigen Tagen nach Entdeckung des Mordes gelungen, den Täter festzunehmen und zu übersühren. Der 2ö Jahre alte hotelangestellt« Rolf vom Busch hatte vor einiger Zeit den ISjährigen Pagen Kurt Schöning kennen gelernt. Am 18. August traf sich Busch mit dem Jungen und fuhr mit ihm nach Finkcnkrug. Kurt Schöning kehrte von diesem späten Ausflug nicht mehr heim. Im Sinnesrausch, so gestand der Mörder später, brachte er seinen jugendlichen Begleiter auf bestialische Weise um. Zwei Rasiermesser waren die Mordroerkzeuge! Nach der Tat badete der Täter in einem Teich unweit der Mordstelle, fuhr nach Berlin zurück und trat mit zwei Stunden Verspätung seinen Dienst im Hotel an. Blutbefleckte Kleidungsstücke überführten den Mörder, nachdem er tagelang geleugnet hatte. Es ist jetzt auch die Ver- mutung aufgetaucht, datz Busch, der bereits wegen eines Sittlichkeit»» deliktes vorbestraft ist, im Jahre 1S28 den Primaner Daube in Gladbeck umgebracht hat. Dieser Mordfall, der bis heute ungeklärt ist, hat mit dem Finkenkruger Mord große Aehnlichkeit. hinzu kommt, daß sich Busch in der fraglichen Zeit in Remscheid, nicht allzuweit von Gladbach ausgehalten hatte. Di« Ermittlungen werden weiter geführt. Zwei G r o ß s e u e r gaben der Berliner Feuerwehr in der holsteinischen Straße 23 in Wilmersdorf und in Karlshorst in der Stolzenfels» Ecke Andernacher Straße schwere Arbeit. In Wilmers- dorf brannten der Dachstuhl des Vorderhauses und Teile der an- grenzenden Seitenflügel nieder. Acht Schlauchleitungen mußten zur Bekämpfung des Großfeuers eingesetzt werden. Bei den Lösch- arbeiten erlitten Brandmeister Pawlowski und der Beamte Pohle II schwere Rauchvergiftungen. Die Verunglückten fanden im Gertraudten- Krankenhaus Aufnahm«. Das zweit« Großfeuer alarmierte die Feuerwehr in der Mittagstunde des Mittwoch nach der Stolzenfels- ftraße in Karlshorst. Dort brannte der Eckhausdachstuhl in einem Umfange von 8lXZ Quadratmetern. Fünf Lösch, züg« griffen mit zehn Schlauchleitungen in die Bekämpfung des Brandes ein. Stunden- lang wütete das Feuer mit elementarster Gewalt, ehe e» gelang, die Flammen zu lokalisieren. In beiden Fällen wird Brandstiftung vermutet. In der Lessingstraße in Neukölln spielte sich in dem Plätt- geschäst von Palm eine Eifersuchtstragödie ab. Der Be- sitzer des Ladens feuerte auf den Vetter seiner Frau, den Schorn» steinsegermelster Paul Eichblatt einen Schuß ab, der den Mann in den Kopf traf. Dann versuchte sich der Täter die Kehle durchzu- schneiden. Schweroerletzt mußten die beiden Männer ins Kranken- Haus gebracht werden. Eifersucht ist das Motiv zur Tat. Palm glaubte sich von seiner Frau und deren Vetter hintergangen. ilebet-gnffe eines polizeibeamten. Exemplare des„Abend" zu Unrecht beschlagnahmt. Ein übereifriger Beamter des III. Polizeireviers fühlte sich am Tage der Verkllndung des neuen„Vorwärts"-V«rbate» berufen, eine Anzahl Exemplare des am 3l). August erschienenen„Abend" zu b e- schlagnahmen. Der Beamte, zu dessen einziger Entschuldigung wir annehmen wollen, daß er die Grenzen seiner Dienstbefugnisse noch nicht genügend kennt, glaubte anscheinend die Beschlagnahme mit der Verordnung des Reichspräsidenten vom 14. Juni 1332 stützen zu können. Er scheint außerdem nicht gewußt zu haben, daß das Verbot erst mit dem folgenden Tag, also für die Zeitungen des „Vorwärts" vom 31. August bis 2. September in Kraft trat. Der Verlag des„Vorwärts" Hot sich wegen der zu Unrcht er- folgten Maßnahme sofort beschwerdeführend an den Polizeipräsi- denten gewandt und die Aushändigung der widerrechtlich beschlagnahmten Zeitungen gefordert. Kolonne von Brandsfllicm cnldedd. lin Dadislnhl sollte wieder In Hammen auigeiien./ Bei der Arbeit geslörf. Durch einen Zufall konnte gestern am frühen Nachmittag im Hause Augsburger Str. öS eine bis ins letzte vorbereilele Brand- st i f l u n g, die nach dem Befund schwerste Folgen hätte haben können, im letz en Augenblick vereitelt werden. Eine Brandstisler- kolonne Halle sich aus den Boden des Hauses eingeschlichen und wollte den Dachstuhl anzünden. Eine Mieterin des umfangreichen Eckhauses wollte gegen 13.30 Uhr den Boden betreten, als die Frau verdächtige G e- räusch« vernahm. In der Annahme, daß sich Bodeneinbrecher Einlaß verschafft hätten, lief die Mieterin nach unten und alarmierte telephonisch das Ueberfallkommando. Die Täter müssen das her- annahen des Polizeiwagens vom Dach aus beobachtet hoben, denn als die Beamten auf dem Boden erschienen, waren die Eindring- linge bereits geflüchtet und über die Nachbardächer entkommen. Beim Absuchen des Bodens stießen die Polizisten auf«inen er- Alle Partei- und Jugendgenossen beteiligen sich am IlHSiNDTAG dar sozialistischen Jugenduerbande heute im Volkspark Rehberge(Wedding) 15H Uhr Eröffnunaskundgehung im Stadion— 16—19 Uhr Sportliche Wettkämpfe im Stadion und auf der groSen Wiese— 16—19 Uhr im Tanzring Aufführungen der Spielgruppen, öffentliche Singestunde mitSingkreis und Blasorchester(Leitung der Singestunde: Fritz Hoffmann)— 19K Uhr im Stadion große Antikriegskundgebung Redner: Genosse Dr. Rudolf Breitscheid, M. d. R. Wir erwarten, da9 die Parteigenossen spätestens 19 Uhr sich in den Rehbergen einfinden. brochenen Verschlag. Zur größten Ueberraschung entdeckten die Beamten hier alle Vorbereitungen, um den Dachstuhl in Flammen ausgehen zu lassen. In der Mitte des Bodenverschlages hatten die Täter große Mengen Papier aufgeschichtet. Rings um den Papierhausen waren über ein Dutzend Streichholzschachteln geschichtet. Außerdem hotten die Brandstifter eine hölzerne Truhe erbrochen, in dem die Besitzerin des Verschlages mehrer« Leinensäcke mit Bettfedern aufbewahrte. Die Säcke hatten die Täter mit einem Messer aufgeschlitzt und auf die Federn gleichfalls gefüllte Streichholzschachteln gelegt. Dies alles hätte selbstverständlich genügt, um einen großen Teil des Bodens und den darüberliegenden Dachstuhl im Nu in Flammen zu setzen. Die Kriminalpolizei hat die weiteren Ermittlungen auf- genommen. Personen, die am Freitag zwischen 11 und 13 Uhr verdächtige Personen in der Augsburger Straße bemerkt haben, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen unverzüglich der Kriminal- polizei mitzuteilen. Erst am 21. vorigen Monats brach im selben Hause im Dach- stuhl Feuer aus und tonnte die Feuerwehr nur einen kleinen Teil des Daches und der Bodenkammern retten. Schon früher ist das Eckhaus Augsburger Str. 63 von zwei Dachstuhlbränden heim- gesucht worden und die Vermutung liegt nun sehr nah«, daß wieder- holt Brandstifter am Werke waren. Es ist nicht ausgeschlossen, daß auf das Konto der Brandstisterkolonne auch die schweren Eck- Hausbrände der letzten Tage kommen. ch Auf dritten Feueralarm wurde die Feuerwehr gestern nach- mittag nach dem Warenhaus Tietz am Alexanderplatz alarmiert. Stork« Verqualmung hatte zu der Vermutung Anlaß gegeben, daß ein Dachstuhlbrand ausgebrochen sei. Wie sich bald herausstellte, handelte es sich um einen ungefährlichen Schorn st«inbrand, der in der vierten Etage, wo eine Kaffeerösterei ihre Räum« hat, entstanden war. Nach 20 Minuten konnten die Wehren wieder abrücken. Die Juristische Sprechstunde fällt heule au«. „Es lebe der Frieden!" Belgische und französische Schüler nehmen Abschied. Gestern morgen verließen 62 belgische und französische Schüler und Schülerinnen vom Anhalter Bahnhof au» Berlin. um über Frankfurt a. M., wo sie das Goelhe-hau» besichtigen werden, in ihr Heimatland zurückzukehren. Wer diesem Abschied beigewohnt hat, spürt, welch herzliches Band sich um diese jungen Menschen diesseits und jenseits der deutsch-ftanzöfischen Grenze geschlungen hat. Da sah man die Kameraden und Kameradinnen der drei Nationen, wie sie, mit Sack und Pack beladen, oder mit letzten Abschiedsgeschenken für die heimkehrenden versehen, unter Tränen„Auf Wiedersehen" und „Au revoir!" sagten. Die Jugendlichen aus Belgien und Frankreich nahmen mit Küssen von ihren Pflegeeltern Abschied. Schwestern und Brüder nannten sie ihre deutschen Freundinnen und Freunde. Die Eindrücke, die unsere Gälte aü» Deutschland mitnehmen, sind sehr tief, und die Liga für Menschenrechte hat sich durch die Organisation diese« Schllleroustausches ein hohes Verdienst er- worden. Mit besonderer Begeisterung sprachen in den Minuten vor der Absohrt des Zuges die jungen Menschen au» Belgien und Frankreich von der Abschiedsfeier, die am letzten Sonnabend in der Karl-Marx-Schule stattfand. Ein von Schülern aufgeführtes Theaterstück hott« bei dieser Veranstaltung die deutsch-sranzöstsche Verständigung gefeiert. Als der Zug langsam aus der Bahnhofshalle fuhr, riefen Deutsche, Franzosen und Belgier:„Es lebe der Frieden! Vive 1» paix!" Gefahren im Haushalt Eine Ausstellung im Arbeiterschutzmuseum Wer in der wassergefüllten Badewanne sitzt und ein stromdurch- Ilossenes elektrisches Gerät oder einen Lichtschalter berührt, setzt sich bekanntlich der Lebensgesahr aus. Föhnapparat, Telephon, elektrische Stehlampe gehören deshalb niemals in die Badestube! Doch auch die Berührung der Wasserleitung mit der einen und des «ingeschalteten Bügeleisens mit der anderen Hand können den Menschen in den elektrischen Stromkreis bringen, ebenso die gleich- zeitige Berührung von Staubsauger und Zentralheizung, von Kopf- Hörern und elektrischem Gerät. Wer erinnert sich immer wieder dieser drohenden Gefahren und vermeidet sie? Das Arbeiterschutz- museum in Charlottenburg am Knie, in der Fraunhoferstr. 11/12, bringt eine Ausstellung, die in eindringlicher Weise auf dies« und manche andere Gefahren im Haushalt hinweist. Ein Museum, das nur wenige kennen. Viele Berliner werden. allerdings kaum von der Existenz dieses Museums wissen. Wenn nicht Schulklassen oder Gruppen aus be- stimmten Interessentenkreisen zu einer Besichtigung kommen, scheint es zu schlafen.'Allerdings ist seine Besichtigung(werktags von 3 bis 13, Sonntags von 11 bis IS Uhr) leider an keinem Tage un- entgeltlich: der Eintrittspreis beträgt wochentags 20 Pf. Sonntage 10 Pf. Um dieses wichtige Museum wirtlich dem Publikum zu erschließen, wäre es vor allem notwendig, Sonntags und mindestens an einem Wochentag freien Eintritt zu gewähren. Bisher brachte es hauptsächlich Sehens, und Wissenswertes für die in der Industrie Berufstätigen. Seit kurzem hat es eine Gruppe „Hausarbeit" zusammengestellt, die nach Möglichkeit alles, was im Rahmen eines„Arbeiterschutzmuseums" auf diesem Gebiete wichtig ist, behandeln will. Man kann nur hossen, daß die sehr beachtenswerte Abteilung noch erweitert wird. Sie bleibt noch manches schuldig, obwohl sie vieles zeigt. Vor allem wird der infolge wirtschaftlicher Not primitive Haushalt zu wenig im Zu- sammenhang mit Ardeiterschutz und Arbeitshygiene berück- sichtigt. Was Helsen der Frau des Arbeitslosen do» schöne Modell eines Wirtschaftsschrankes, in dem auch die Reinigung?- flüsfigkeiten sür den Haushalt ihren Platz haben, und ein warnendes Plakat, das zur sorgfältigen Ausbewahrung von Gilten mahnt? Ihr hätte man zeigen müssen, wie Giftflaschen deullich zu markieren und in einem abgesonderten Schrankfach, vielleicht auch nur in einer Kiste, gesichert aufzubewahren sind.. Oder was hilft chr dos Plakat, das einer typischen, vollgestopften Arme-Qeute-Küche den gekachelten, mit ollem Komfort«ingerichteten Wunschtraum jeder Hausfrau ent- gegenstellt? Das gleiche Plakat weist auf eine ohne besondere Kosten mögliche hygienische Vereinsachung des Schlafraumes hin: ein« ent- sprechende Gegenüberstellung wäre auch bei den Küchenbildern nötig gewesen. Immerhin zeigt die lichte Modellküche in Tisch. Bank, Fuß- schemel, die in jedem Haushalt vorhandenen oder herzustellenden Gegenständ«, die allein durch ihre einfachen Formen und ihre An- ordnung den Forderungen der modernen Arbeitshygiene ent- sprechen. Den bequemen Küchenstuhl, der infolge seiner zweck- mäßigen Form und seiner Beweglichkeit der Ermüdung vorbeugt, wird man sich allerding, in einem Arbeiterhaushalt kaum kaufen können. Leider wird ihn auch die Hausangestellte kaum je vor- finden. Eher wird man ihr einige der zahlreichen modernen Hau?- Haltmaschinen und-gerate zur Verfügung stellen, die die Au?stellung zeigt. Sie sind ausnahmslos elekttisch angetrieben. Schutz vor Ver- letzungen durch den elektrischen Strom und vor Brandgefahr ist bei ihnen weitgehend geboten. Unsachgemäße Montage und Repara- turen können ihn natürlich aufheben, und zahlreiche Modelle und Plakate machen auf die durch solche Nachlässigkeit herauf- beschworenen Gefahren aufmerksam. Auch hier muß sich der aufmerksam« Beschauer ein« Erweit«- rung der Ausstellung wünschen. Da» Arbeiterschutzmuseum gibt sür die verschiedensten Arbeitszweige farbige Unfollverhütungsplakate für wenige Pfennige ab und dazu einen billigen Wechselrohmen. Im größeren Prioathousholt, im Haushalt mit Kindern, erst recht natürlich in Wirtschastsbetrieben wären entsprechende Bild- darstellungen ein außerordentlich notwendiger Wandschmuck. Er sollte in dieser Abteilung schleunigst angebracht und sein Erwerb den Besuchern nahegelegt werden. Die Ausstellung, die mich an vielen kleinen, scheinbar un- wichttgen Haushaltgeroten die Bedeutung der zweckmäßigen Form demonstriert, lehrt nicht nur Schutz vor den Gefahren, die die Tätigkeit im Hausholt umlauern, und Vereinfachung der Arbeit. Di« klar«, sachliche Linienführung der gezeigten Gegenstände, die das richtig geformt« Gerät auch zum schönen macht, ist geeignet, auch den Geschmack der Beschauer zu bilden. Für Briher Crwerbslosenküche. Das Werl der Notgemeinschast macht Schule. Im„Buschkrug" Britz gab e» einen lustigen Kabarett-Abend. Mitglieder der Volksbühne, unter Theo M a r e t s launiger Führung, gaben Ulk, Satire und Tanz zum Besten. Barbara von B u s s o w.«ine Schülerin der Jutta-Klamt-Schule tanzte mtt viel Temperament Wolzer-Variationen und Fantasietänze, Ilse T r a u t s ch o l d, die Berliner Jöhre mit dem kleinen, traurigen Unterton, malte da» Berliner Lokalkolorit in seinen naturaetreuesten Farben, K o ch- R i e h l und Willi Krüger boten gute Rezita- (innen ernsten und heiteren Stiles und Thea Moret schließlich hüllt« da? Gan,z« in das Gewand einer liebenswürdig-omüsanten Propaganda. Denn Propaganda sollt« dieser Abend sein, hinter dessen heiterem Ton die traurige Melodie bitterster Not sitzt: die Ver- anstalter dieses ftöhlichen Abends, die Bewohner der Britzer Einfa» Siedlung gedenken ihrer erwerbslosen Mitbewohner, deren Zahl sie aus mindestens 10 Proz. schätzen und wollen dies« vor dem Aller- ärgsten, vor dem Hunger schützen. So hat der Vorsitzende des Bs- wohner-Ausschusfes, Genosse R« d e r, im Juli, mitten in do» Tohuwabohu des Wahlkamples hinein, mit muttger Entschlossenheit einen Aufruf an seine Mitbewohner erlassen, in dem er sie zur Mitarbeit an diesem so brennend nötigen Hilfswerk auffordert. E» wurde, nach dem Muster der Notgemeinschaft Berlin, eine Arbeits- gemeinschaft zur Ermerbslosenspeisung gegründet, an der man sich mit einem Monatsbeitrag, von 0,30 Mk. angefangen, be- teiligen kann. Bisher hoben sich rund 50 Proz. der Einfa-Siedler beteiligt, die Einfo-Geselllchaft hat den Kochraum unentgeltlich zur Verfügung gestellt, das Kochgerät wurde aus der Sammlung de- schafft und so wurde e« möglich gemacht, daß schon m der aller- nächsten Zeit für 200 Erwerbslose ein gutes, kräftiges Mittagesien für 10 Pfennig hergestellt werden kann. Sportfest der Notgemeinschaft. Am Sonntag, dem 4. September 1332, findet zugunsten der Notgemeinschaft Berlin, Bezirk Friedrichshain,«in große» S p o r t f e st statt. Es wirken mit: das Berliner Konzert, orchester, die Mustermannschast des VDAV., der Berliner Sport- verein 1832, der Sportklub Süd, sämtliche Abteilungen des Lübeck» schen Turnvereins. Begrüßend« Worte spricht in Vertretung de? Bürgermeisters Mielitz Stadtrat Günther, über das Wesen der Notgemeinschaft spricht Stadtverordneter L e m p e r t. Beginn 2.30 Uhr, Ende gegen 6 Uhr. Das Eintrittsgeld beträgt nur 20 Pfennig. Helft den Arbeitslosen durch Massenbesuch! Laßt die Stahlhelmer unter sich. Der„Stahlhelm" veronstollel am Sonnabend und Sonn'ag seineu„Acontsoldotentag". Die Seldte-Organisation, von deren Existenz die Oessentlichkeil kaum noch wußte, will zeigen, daß sie noch nicht ganz lol ist. Zn erster Linie ist die Demonslralion gegen die„Freunde" im Nazilager gerichtet, die den armen Stahlhelm- Bruder zu erdrücken drohen. Die Berliner Bevölkerung wird am klügsten handeln, wenn sie von den„Aufmärschen".„Blusiksesten" und Salserhos-Empsängen überhaupt keine Tlotiz nimmt. Mägen die Slohlhelmer am Sonnlag durch leere Straßen marschieren. Die Republikaner werden sich um die Seldlc-Männer nicht kümmern. » Als Auftakt zu dem großen Ereignis fand gestern ein« einzig« arttg« Prinzenparad« im Sportpalast statt. Es lehlten auch nicht der Herr Exkronprinz und Eitel Friedrich. Außerdem hatten die S«ldte-Männ«r das hohe Glück, verschiedene Prinzessinnen von serne sehen zu dürfen. Für die östereichischen Heim wehren glänzte der Fürst Starhemberg. Man sieht also: ein« erlesene Gesellschaft! Sonzerfc der Schutzpolizei. In den nächsten Tagen finden nach» stehende Konzerte der Kapelle der Schutzpolizei statt: Am 8. Sep- tember um Iß Uhr im Krankenhaus am Friedrichshoin und von 18 bis 13 Uhr im Friedrichshain om Landsberger Aar und am 7 September im Siädtischen Hospital Buch-Ttzest»nd außerdem im Städtischen Hospital Buch-Ost. Dalizeirevier?zz verlegt Da? 233. Polizeirevier in Dherschäne- weide ist von der Luisenitratze 33 nach Rathousslraße 41 4? verlegt worden. Der Dienstbetrieb in den neuen Reviei-räumen ist bereits am 1. September. 8 Uhr morgens, aufgenommen morden Das Revier ist fernmündlich zu erreichen unter': ¥ 3 Oberspree 1996 Kinderlähmung greift um fich. Bisher vier Todesfälle in Magdeburg. Magdeburg, 2. September. In der Zeit vom 24 bis 31. August sind in Magdeburg elf Neuerkcankungen an Kinderlähmung aufgetreten, von denen acht leichter Natur sind, während zwei mit ausgedehnteren Läh- mungserscheinungen verlaufen und eine weitere bei einem zwei- jährigen Kinde zum Tode geführt hat. Die Gesamtzahl der Todes- fälle an Kinderlähmung ist damit seit Mai d. I. auf vier gestiegen. Auch in mehreren anderen Kreisen des Regierungsbezirkes Magdeburg hat der Monat August zu einer leichten Steigerung der Erkrankungsziffern geführt. In der Zeit vom 31. Juli bis 27. Au- gust sind Erkrankungen an Kinderlähmung amtlich gemeldet worden: aus dem Kreise Wolmirstedt 8, Wanzleben 3, Calbe 1, Kreis Je- richow I 6, Ierichow II 1, Stendal 1, Halberstadt 1 und Garde- legen S, davon einer tödlich. Anlaß zu schärfster Aufmerksamkeit? Das Hauptgesundheitsamt teilt uns mit: In den Sommer- und Herbstmonaten treten alljährlich auch in Berlin vereinzelte Fälle von Kinderlähmung auf. Auch in diesem Jahr ist dies der Fall. Während aber bis zur Johresmitte die Erkrankungsziffern sich unter der Höhe der Vorjahr« gehalten haben(6 gegen 16 in 1931 und 13 in 1939), haben sie im Juli und namentlich im August etwas größeren Umfang angenommen. In den Vorjahren kamen in diesen Monaten 7(1931) und 12(1930) Erkrankungen zur Meldung, in diesem Jahr« bisher 24, von diesen oerliefen 3 tödlich. Wenngleich diese Zahlen noch immer nicht bedenklich hoch sind, geben sie mit Rücksicht aus die Schwer« der Krankheit Anlaß zu geschärfter Aufmerksamkeit. Da es sich um ein« a n- steckende Krankheit handelt, die vorwiegend Kinder befällt, müsien besonders die Kinder in acht genommen werden. Schon bei ver- dächtigen Erkrankungen der Atmungsorgane(Schnupfen, Husten) oder der Lerdauungsorgan«(Durchfall) empfiehlt sich di« Hinzu- ziehung eines Arztes, weil di« Krankheit nicht selten mit diesen Er- scheinungen beginnt, mitunter sich sogar auf sie beschränkt. Es braucht durchaus nicht immer zu den schweren Lähmungserscheinun- gen zu kommen. Verdächtig erkrankt« Kinder und Erwachsene sind abzusondern, gesund« Kinder halt« man von ihnen unter allen Um- ständen fern und entziehe sie den Möglichkeiten des Angehustet- und Angeniestwerdens. Parlament der Kriegsopfer. Die Tagung in Wien.— Empfang durch Präsident Zkenner. In Wien tagt in diesen Tagen die 8. Jahresversammlung der Kriegsopferinternationale. Der Vorstand der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Verbände der Kriegsopfer und Kriegstellnehmer/) Uhr, im Krematorium Baum- schulenweg statt. Alle Genossen, die Zeit haben, geben ihr das letzte Geleit. 104. Abt. Unsere Genossin Agnes Kowalski ist verstorben. Ehre ihrem An- denken. Einäscherung Sonnabend, 12 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. 126. Abt. Der Genosse Bernhard Schulzke ist am 30. August verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Beisetzung hat bereits stattgefunden. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichskortell Republik. KKS. Republik-Sportplatz Friedrichsfelde. Sonn. tag, 4. September, 11 Uhr, Uebungsschießen oller Ortsvereine zur Sau- Meisterschaft. Erscheinen Pflicht. Arbeiter-Stenographenverein Groß-Berlin. Anfängerkurse in Reichskurz. schrift beginnen in der Woche vom 5. bis 11. September in allen Stadtteilen. Auskunft erteilt Otto Wenghoefer. Vorsitzender, Velten i. d. Mark, Wilhelm- straße 10s. Außerdem befindet sich in. der 1. Beilage des„Vorwärts" vom 25. August eine genaue Aufstellung unserer Anfängerkurse. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr, Pappelallee 15, Vortrag des Herrn Dr. H. Hasse: Jenseits von Gott und Teufel. Gäste willkommen. Deutscher Arbeiter. Abstinenten-Bund, Bezirksgruppe Schillerpark. Montag. 5. September, 20 Uhr, in der Gaststätte, Uferstr. 5, Mitgliederversammlung. Esperanto- Gesellschaft Charlottcnburg. Montag, 5. September. 20 Uhr, Konditorei Wolter. Charlottenburg, Bismarckstr. 114(Knie), Klubzimmer, Uebungen, Konversation, Geselligkeit. Gäste willkommen. Vereinigte Verbände heimattreuer Oberschlesier e. B.. Sitz Berlin. Per- lin SW 11, Schöneberger Str. 11. Sonntag, 18. September, große ober- schlesische Kirmes in den Gesamträumen des Hauptreftaurants des Landes- 50 Pf., Kinder bis zu 14 Iahren 25 Pf. Verband ehem. Polizeibeamten, Preußen, e. V.(Vepp.) Sitz Berlin. Mit. gliederversammlung Montag, 5. September, 20 Uhr, in der Bockbrauerei, Fidi- cinstraße 2— 3. Allgemeine Wetterlage. 2.Sept. 4932, abds. y"OfW 22 melksoics.O heiter. O hslb bedeckt i«8dj3b8deckt»RegeaAGrsujieln !»» sßbeal,? 5ew!ftet©Wif!dsi i!le Seit Dienstagabend hat sich die Wetterlage über Mitteleuropa rasch verändert. Kräftiger Druckfall hat den Ausläufer hohen Druckes, der von Frankreich her nach Deutschland hereinragtc, ab- gebaut, so daß die feuchtwarme westliche Luftströmung, die auf der Südseite einer nunmehr über dem Nordmeer gelegenen Depression ostwärts flutet und außerordentlich kräftig ausgebildet ist, den größten Teil von Deutschland in seinen Bereich ausnahm. Hier nahm daher die Bewölkung rasch zu, und, ausgenommen Ostpreußen und das südlich« Süddeutschland, kamen überall Regensälle vor, die ini Nordwesten des Reiches am ergiebigsten waren. Die feuchtwarme Luftströittung, die uns Luft aus der Gegend der Azoren zuführt, dürste auch am Sonnabend in unserm Bezirk anhalten. Wctterauesjchten für Berlin. Meist bewöltt, nur zeitweise auf- heiternd, seuchtwarm, weiterhin Niederschlagsneigung, zeitweise ausfrischende südwestliche Winde.— Für Deutschland. Im Süden teils heiter, teils wollig, am Tage warmi im übrigen Deutschland meist bewölkt und namentlich an der Küste noch Regenfälle: im Küstengebiet frische bis starke südwestliche Winde. iWSozialistischeMejtm'ugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendfekretariat Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Alle Genossen treten heute, pünktlich 1k Uhr, in den Rehbergen bei der Eröffnungskundgebung an. Die Leiter der Spiel- und Eportmannschaften sind um 15 Uhr im Kampfrichterzimmer des Sporthauses. Der Sportbetrieb beginnt gleich nach der Eröffnungskundgebung. Mannschaften, die nicht vollzählig und pünktlich antreten, müssen bei den Kämpfen ausscheiden. Die Hand., Faust- und Völkerballmannschaften sind verpflichtet, einen Ball mitzubringen. Volksbühnenmitglieder! Für die bis zum 30. vorigen Monats eingereichten Mtgliederkarten bzw. Neuanmeldungen können die Mitgliederkarten abgeholt «erden. Erste Borstellung am 18. September. Neuanmeldungen werden ent- gegengenommen. heule, Sonnabend, 3. September. Treffpunkte zum Jugendlog: Balkan: 15 Uhr Bahnhof Prenzlauer Allee.— Falkplatz l: 15'� und — Neukölln Xl: 16 Uhr Selchower Straße.— Köpenickcr Viertel: 15 Uhr Schlesifches Tor und 17 Uhr Roter Treff.— Arnimplatz: 15� Uhr Kokswiefe. — Karlshorst: 17 Uhr Bahnhof Karlshorst.— Werbebezirk Westen: Gemein- samer Treffpunkt 14� und 16� Uhr Wilhelmplatz. Alles in Falkenkluft. Fahnen mitbringen.— Handballmannfchaft. Treffpunkt 14'*. Uhr Wilhelmplatz. Eventuell Nachzügler bestimmt 16 Ubr Stadion Nehberge, Erfrischungshalle. Cs spielen folgende Genossen: Tor: Schmidt. Verteidiger: Herz und Tscheche. Läufer: Scherff, Riehls und Etgin. Stürmer: Czngan, Fiedler, Lawrenz, �ähnel, Wölfs. Ersatz: Hübner, Kienzel, Seyffert. Kleidung: Schwarze Hose, laues Hemd. Morgen. Sonnlag. 4. September. Balkan: Treffpunkt 7 Ubr Bahnhof Weißensee.— Falkplatz I: Fahrt durch den Krämer. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee.— Neukölln TV: Spielen in der Königsheide. Treffpunkt 12 Uhr Bahnhof Neukölln.— Fried- richshagen: Friedrichstr. 87. Heimabend.— Neukölln XI: Radtour, K'z Uhr Selchower Straße.— Arnimplatz: 6% Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. a dl Sport. Trabrennen zu Martendorf. Preis von Treptow: I. Ferro lCh, Mills); 2. Ellipse; 3. Inlograpb. Toto: 24:10. Platz: 16, 17, 46:10. Ferner liefen: Mally, Irmgard, Jellchen, Athene, Weltmeistcrin. Preis von Reinickendorf: 1. Rübezahl(EH. Mills); 2. Felsburg; 3. Pankgras. Toto: 35:10. Platz: 18, 29, 30:10. Ferner liefen: Tebora, Brocken lals I. disqu., 80 Proz. Sieg nnd Platz zur.), Jnschallah, Gras- blnmc, Laetitia, Leib-Garde-Husar. Preis von Karlshorst: l. Janina lJ. Mills); 2. Constaniin Frisco; T Flieder. Toto: 37:10. Platz: 22, 22, 18:10. Ferner liefen: Natrium, Jngara, Eortez, Hank 11. o. W.), Dialog, Voraus, Lerche, Nordpol, Adio. Preis von Rummcisburg: 1. Kantale iKnöPnadel); 2, Alma Mater; 3. Johann. Toto: 35:10. Platz: 14, 20, 16:10. Ferner liefen: Hippologe, Satan, Ali so. W.), Aida, Dornzieher, Peter Winler. Preis von Wcißcnsee: 1. Cordula(Knöpnadel jr.): 2. Bandit: 3. Emi- nenz. Toto: 72:10. Platz: 22, 14, 43:10. Ferner liefen: Quebeck, Banco Tusfy, Carol, Nerv. Preis von Lichtenberg: 1. Diane IRiedl); 2. Maikaier; 3. Mister Worth. Toto: 44:10. Platz: 18,'23, 24:10. Ferner liefen: Fasan, Tuncan, Landstreicher, Quivila, Prolog, Garde du Corps. Preis von Grünau: 1. Palette(I. Mills); 2. Florica; 3. Mark Aurel. Toto: 29:10. Platz: 17, 21, 24:10. Ferner liefen: Fanal, Malvc, Ben- trix, Edgar. Toppelwette: Janina— Cordula 311:10. Das Rose-Theater macht darauf aufmerksam, daß die„Bor- wärts"-Leser bei umgehender Anmeldung zum Rose-Abonnement keine Einschreibegebühr zu zahlen haben. Das Rose-Abonnement ist das gelockerte Dauerkartcnsystem, denn der Abonnement sucht sich den Platz selbst aus, er bestimmt auch den Tag, an dem er alle 12 Abonnementsvorstellungen sehen will. Es ist jeweils nur eine Vorstellung im voraus gegen Aushändigung der Originalbilletts zu zahlen. Gute Plätze find noch für einige Serien der verschie- denen Tage, auch für Sonntag. 5,30 Ubr und 3,30 Ubr. erhältlich. Das Abonnementsbüro befindet sich im Hause des Rose-Theaters, Er. Frankfurter Str. 132. Es gibt immer noch Menschen, di- den Glouben an Deutschlands Zukunst nnd an eine Wiederauferltehung unserer deutschen Wirtschaft nicht verloren haben. Unendlich Niel unserer wirtschaftlichen Depression ist ou-schließltch auf die schlechte Stimmung zurückzuführen und die Bkltrehung. diese Stimmung zu Heden, sollte jede-'Menschen Bemühen sein, nach Kräften zu nnterstützen. Der originelle Gedanke, diesen Glauben an Deutschland- Zukunft und an eine Wtederauferstehuvg der deutschen Wirtschaft durch Selbsthilfe, wirb durch ein« Propaganda der Direkt-Schub-Läden unterstützt. Das ist eine wirklich gute Idee dieser Firma, ein reizendes kleines Nüdelchen für Herren im Knopfloch, für Damen als Schmuckstück zu tragen Es dient dazu, die Gilde der Dpti- misten Uber ganz Deutschland zu verbreiten. Das ist die neue SpiilweisHett: Die Wäsche nach dem Kochen kurze Zeii mit Sil ziehen lassen! Diese Methode ist großartig. Einige Handvoll Sil. kalt an- gerührt, werden dem ersten heißen Spülwasser beigegeben. Alle Setfenreste, die vom Waschen der noch im Gewebe verbteiben. ziehen jetzt fast von selbst heraus, und ein taufrischer Wäschescho.tz lacht Sie an, weiß wie frisch ge- tallener Schnee. Einsparung an Wirtschaftsgeld. Kaisers Kaffeegeschäft bietet der Hausttau diese Möglichkeit in der Zeit von Mittwoch, 31. August, bis Samstag. 3. Sep. tember: an diesen Tagen gewährt Kaisers auf alle Waren mit Ausnahme weniger Artikel 10 Proz. Rabatt, also doppelt soviel wie sonst. Ein Einkaus bei Kaisers ist immer klug: denn der alte Name der Firma leistet Gewähr für Dualität und äußerste Preiswürdigkeii. Eewianauszug 5. Klasse 3g. Preußisch-Süddeulsche Staats-Lstterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Ableitungen I und II 22. Ziehungstag 2. September 1922 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 Tevinns ,n 10000 M. 70553 2SSS23 2 Gewinne zu 5000 M. 231 t 12 14 Gewinne zu 3000 M. 70335 133130 176535 240731 24S2SS 250ZSS 255755 46 Gewinn« ,u 2000 M. 10333 12050 135S4 22306 27218 42350 185300 202512 203222 236935 243988 249316 263421 275013 281574 300050 302398 307169 324132 345301 363526 368735 379077 104 Gewinne ,n 1000 M. 7031 13785 19038 19980 46402 47711 49203 56869 63014 71878 75651 76460 77236 79875 89910 103786 131510 134505 135654 139639 147157 165659 169002 173832 176577 186552 193170 195270 205872 239484 245688 249528 258728 263223 282027 285217 294246 301482 301646 308733 310056 324002 330309 336290 336856 342765 343394 348809 353062 389051 393782 398340 214 Sewinne zu 500 M. 1356 4539 5912 10034 11240 12988 19950 20017 23359 25005 31013 33095 39821 41813 48345 54126 60679 66233 75023 76736 78770 81842 35334 88447 96067 93023 99476 103362 11 7296 121621 122988 12626S 123465 131007 131394 134104 135595 143604 148373 149459 151661 154597 I575S8 161242 165234 176734 180323 194052 197379 202314 213473 21 4296 215414 218279 225S39 223654 240712 242082 242311 244400 246074 250343 252672 254106 258380 285898 266310 276252 277403 277613 279788 289692 291628 297212 297352 30S372 312152 313678 316254 319866 320961 323221 328814 330637 334959 337197 343659 344903 345665 347429 348496 348518 353104 353587 359837 366322 368472 369451 375004 376802 380527 383807 386156 383340 395092 397683 398565 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 41X1 M. gezogen 2 Gewinne zu 25000 W. 192984 2 Gewinne zu 1 0000 M. 259253 4 Sewinue zu 5000 M. 42637 31 7251 12 Gewinne zu 3000 M. 6543 61313 221907 24S5S9 257141 Z04427 54 Gewinne zu 2000 M. 1279 26164 27510 33810 60696 63243 64730 86330 91056 94125 95835 99414 107220 137219 157133 179322 179603 215167 228399 254104 267524 299275 311727 336415374020 384558 395456 74 Getorane ju 1000 9R. 31248 44538 45248 47955 66704 74317 82453 32523 124327 129111 139172 144821 1S5I43 IS80S9 192695 194594 212659 215259 231886 235324 235393 239917 258904 296523 301318 304333 305104 308915 311553 317318 334572 337912 342218 367077 376734 379437 381635 138 Gewinne zu 500 Nt. 2035 13819 14897 16195 19521 24975 28346 45844 55260 60948 73643 74643 86279 38946 101002 102784 105310 116454 119654 121850 131080 137952 141145 160192 161060 166425 169637 170257 173301 137331 191432 194241 195325 200417201261 213654 221339 221840 234002 239862 243277 255312 257603 262728 264314 267682 238751 275217 284391 284921 292561 294175 312661 314677 327795 333088 337733 340656 341055 342703 346760 351302 359645 360363 361542 361905 377560 391118 393850 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien je zu 500009, 100 Schlußprämien zu je 3000, 2 Gewinne zu je 75000, 2 zu je 50000, 8 zu je 25000, 32 zu je 10000, 130 zu je 5000, 234 zu je 3000, 652 zu je 2000, 1366 zu je 1000, 2324 zu je 500, 7012 zu je 400 M. Erstklassige Qualitäten Liter I/i Fl. Feinster Weinbrand-Verschnitt....... 2.85 2.25 Reiner deutscher Weinbrand•••....... 3.80 2.95 Feinster Jamaika-Rum-Verschnitt........ 3.70 2.90 Fa. Nordh. Branntw. u. Richtenberger ca. 32% 2.25 1.85 Extra prima Getreidekorn 40%......... 3.20 2.50 Prima Edelliköre, allÄ Sorten............... 2.4-5 Prima deutscher Wermut„Triestine"..... O.SS O.TO Original ital. Vino Vermouth........... 1.15 0.95 Original süße Südweine.............. 1.20 0.96 Original spanischer Rotwein........... 1.00 0.80 Echte weiße, süße und rote Bordeauxweine.— 1.60 Prima deutsche Weißweine............ 0.60 0.60 Preise exkl. Glas Extra-Angebot„1925—30 Tischweine"..... nur O.SO Prima Dessertobstweine, süß.... Liter von 0.70 an Erstklassige Fruchtsäfte, ganz rein.... Liter 1.30—-1.46* Ausschank vom Faß vom kleinsten Quantum ab Kostproben gratis in allen mit* versehenen Geschiften *N, Brunnenstraße 42 ♦N, Müllerstraße 144 •N, Chausseestraße 76 O, Koppenstr. 87 *N, Prenzlauer Allee SO *N, Schivelbeiner Str. 6 •O, Petersburger Str. 42 *SO, Grünauer Str. 15 •SO. Köpenicker Str. 121 •SW, Bergmannstr. 11 ♦W,Martin-Luther-Str.86 •Steglitz: Schloßstr. 121 •NW, Gotzkowskystr. 31 •NW. Wilsnacker Str. 25 •Charlottenburg: Wilmersdorfer Str. 157 •Neukölln; Berliner Str. 12, Hermannstraße 27 und Bergstr. 66 •Schöneberg: Kolonnenstraße 7 •Oberschöneweide;Wilhelminenhofstr.40 •Spandau: Potsdamer Straße 23 •Weißensee: Berliner Allee 247 •Tempelhof: Berliner Straße 152 •Pankow: Wollankstr. 98 •Lichtenberg: Wismarplatz 1 Reinickendorf: Markstr. 45 Schmargendorf: Berkaer Straße 5 Potsdam: Charlottenstraße 69 •Oranienburg: Berliner Straße 1 C■ a O a"! O Lr S m toduard£>ui5Kinci *c Ms eHislten Sie von Mifiwoch, 31. Augusf bis Samsfag, 3. Sept. auf alle Waren(mit Ausnahme weniger Artikel) Jlr. 409/41 5• 49.Zahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, Z. September 19Z2 Arbeitsbeschaffung durch Lohndruck? Oer Vorwurf des starren Tariffystems nur ein Vorwand. Aus der Schrift des Genossen Erkelenz:„Um die Einheit der Gewerkschaftsbewegung" erwähnten wir kürzlich den Verhängnis- vollen Irrweg, den der frühere Arbeitsminister Stegerwald durch den allgemeinenLohnabbau eingeschlagen hat. Dieser seit Juni 1930 beschrittene Weg soll jetzt weitergegangen und durch „Auflockerung" der Tarifverträge noch mehr geebnet und verbreitert werden. Einmal sollte durch den amtlichen Lohndruck— neben dem des privatkapitalistischen Unter- nehmertums— die Wirtschaft angekurbelt, d. h. den Unternehmern die Produktion verbilligt werden, damit sie auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig würden, wovon man sich einen Rückgang der Arbeitslosenziffer versprach, zum anderen sollte der Arbeit- nehmerschaft die Pille des Lohnabbaues durch einen gleichzeitigen Abbau der Lebensmittelpreise etwas versüßt werden. Der Lohnabbau wurde vorweggenommen. der Preisabbau folgte ihm nur zögernd mit dem schliehlichen Ergebnis, daß dem durchschnittlich 2Sprozentigen Lohnabbau ein Rückgang des Lebenshaltungsindex um 22,6 Proz. folgte, wozu die„G e- werkschafts-Zeitung", das Organ des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, mit Recht bemerkt, daß die statistischen Fest- stellungen, aus denen der Lebenshaltungsindex errechnet wird, nur einen durchaus relativen Wert haben. Kann Lohnkürzung der Arbeitslosigkeit abHelsen? „Der Lohnabbau war sicher in zahllosen Fällen erheblich größer: der amtliche Lebenshaltungsindex ist überhaupt von zweifelhaftem Wert." „Aber selbst wenn man annimmt, daß Lohnabbau und Preis- abbau sich die Waage halten, was war das Ergebnis dieser staatlichen Lohn- und Preispolitik? Im Juli 1930 betrug die Zahl der gemeldeten Arbeltslosen 2 765 000, im Juli 1932 5 395 000. Bei weiterer Auflockerung der Tarifverträge, also bei weiterem Abbau der Löhne, wird die Zahl der Arbeitslosen bestimmt in demselben Ausmaß größer werden. Solange die Löhne nicht wieder aufgebaut und die Preise— namentlich auch die Preise für Artikel eines bescheidenen kulturfördernden und arbeitschaffenden Massenluxus— nicht restlos der gesunkenen Massenkaufkrast angepaßt werden, solange der Pro- duktionsapparat und der Absatz nicht in ein natürliches Verhältnis gebracht werden, so lange wird die Wirtschaftskrise und damit die katastrophale Arbeitslosigkeit bestimmt nicht zu beheben sein..." Ein starres Tarifsystem? „Abgesehen hiervon ist es außerdem nicht richtig, daß wir in Deutschland ein starres Tarifsystem haben oder jemals gehabt hätten. In zahllosen Fällen blieben stets die Tariflöhne hinter den tatsächlichen Löhnen zurück. Immer haben sich die Unternehmer entschließen müssen, besonders für Qualitätsarbeit ü b e r t a r i f- liche Löhne zu bezahlen, so daß in diesen Fällen für ihre Kol- kulation der Tarifvertrag niemals ausschlaggebend gewesen ist. Aber im Rahmen dieser übertariflichen Löhne war es den Unter- nehmern auch immer möglich, Abbaumaßnahmen oorzu- nehmen, ohne dadurch tarifbrüchig zu werden. In vielen Tarifverträgen sind Bestimmungen enthalten, wonach für minderlei st ungsfähige Arbeiter unter Einhaltung eines bestimmten Verfahrens prozentuale Abzüge vom Tariflohn zulässig sind. In nicht wenigen Tarifverträgen sind sogenannte Ausschlußfristen enthalten, die es den Unternehmern ermög- lichen, durch wirtschaftlichen Druck auf die Belegschaftsangehörigen um die Bezahlung der Tariflöhne herumzukommen. Zu diesen teilweise bereits unmoralischen Auflocke- rungsmöglichkeiten der Tarifverträge kam dann noch die weitgehende Möglichkeit der Auflockerung mit Hilfe des Schlichtungswesens. Die Reichsregierung konnte stets dahin wirken, die Schiedssprüche so kurzfristig zu gestalten, daß eine Berücksichtigung der Wirtschaftslage nach Ablauf des so entstandenen kurzfristigen Tarifvertrags jeweils unter staatlichem Zwang möglich gewesen ist. Durch Richtausspruch der Allgemeinverbindlicherklärung konnte die Reichsregierung von den Außenseiter-Arbeitgebern her auf die Handlungsfreiheit der beiderseitigen Tarifparteien stets einen starken Druck ausüben. Neuerdings will die Reichsregierung Derbindlicherklärungen überhaupt nicht mehr aussprechen und mit Allgemeinverbindlicherklärun- gen sehr zurückhaltend sein, was an sich ebenfalls bereits auf eine weitere Auflockerung des Tarifoertragswesens hinausläuft. hierzu kommt dann noch die für die Arbeiter überaus ungünstige Rechtsprechung der Arbeitsgerichtsbehörden, insbesondere des Reichsarbeitsgerichts. / Das Reichsarbeitsgericht hat schon wiederholt entschieden, daß Arbeiter, die ihren Tariflohn nachträglich fordern, wenn sie dem Arbeitgeber nicht vorher ihre Gewerkschaftszugehörigkeit offenbart haben, ihren Tariflohnanspruch verlieren, weil die nachträgliche Geltendmachung desselben arglistig wäre. Das Reichsarbeitsgericht hat es auch wiederholt zugelassen, daß Arbeitgeber ihre Arbeiter mit der Begründung entließen, sie seien zur Zahlung des Tariflohnes nicht in der Lage, da der Betrieb diese Belastung wirtschaftlich nicht tragen könne. Das Reichsarbeitsgericht hat auch dieTariffähigkeitderWerk» vereine anerkannt. Und damit ist die Reihe der Tatsachen im Nachweis, wie sehr der Tarifvertrag bereits aufgelockert ist, noch lange nicht erschöpft. Aber die aufgezählten Beispiele be- weisen genug." Der Tarifvertrag darf nicht zum Instrument des Lohndrucks gemacht und mißbraucht werden, wenn er für die Arbeitnehmerschast — und damit auch für das Unternehmertum— nicht zwecklos werden soll. Die neue Lohnabbauwelle. Eine ganze Zfcihe von Tarifkiindigungen. Am 31. August hat der Ruhr-Zechenverband die Lohnord- uung für den Ruhrbergbau zum 30. September gekündigt. Die Kündigung wird damit begründet, daß die bisherige Lohnsesl- sehung durch eine andere Lohnregelung erseht werden müsse, die den unterschiedlichen Verhältnissen der 160 Schachtanlagen des Ruhr- reoiers besser gerecht werde. Die dahingehenden Bestrebungen des Zechenverbandes im Mai seien ohne Erfolg geblieben. Bei einer Gegenrechnuug, was alles an Wünschen und Forde- rungen der Bergarbeiterschaft bei den Unternehmern unberücksichtigt geblieben ist, kämen die Zechenherren zu kurz. Zu gleicher Zeit hat die Arbeitgebervereinigung für den Mitteldeutschen Braunkohlenbergbau die Tarife der Angestellten zum 30. September gekündigt. Die Arbeitgeberverbände des Niederlausitzer Bergbaues, der Forster Braunkohlenwerk« und der ostdeutschen Braunkohlenwerke in Frankfurt a. d. O. sind diesem Beispiel gefolgt. Sie wollen eine gestaffelte Senkung der Grundgehälter und dazu eine Reihe weiterer Derschlechterungen herbeiführen. Die Generaldirektion der Saargruben will ebenfalls den Lcchn- tarif kündigen, um den Multiplikator zu senken und die Einkommen gewisser Schichtlohngruppen. Die am wenigsten mit Feierschichten belasteten Bergarbeiter sollen durch Lohnkürzung dafür büßen. Daß aber dafür den Bergarbeitern mit den wenigsten Schichten im Monat als Ausgleich eine Zulage gemacht werden soll, davon ist nicht die Rede. In der Metallindustrie hat der Arbeitgeberverband der D ü r e n e r Metallindustrie das Lohnabkommen zum 30. September gekündigt. Die Beschästigung sei zur Zeit sehr gering. Dos ist kein Grund, noch weitere Lohnverschlechterungen zu fordern. Die Dürener Glasindustrie hat zum gleichen Termin gekündigt Die Arbeitgeberverbände der Kölner Metallindustrie sowie der Eschweiler und Stolberger sind dem Beispiel der Dürener gefolgt. Es sind bei diesen Kündigungen weder Gründe angegeben noch Abänderungsvorschläge gemacht worden. In Köln wurde auch der Tarif für die T e x t i l i n d u st r i e wie für die Färbereien und chemischen Waschanstalten gekündigt, da die Löhne nochmals um 15 Prozent verschlechtert werden sollen. Der Schugverband deutscher Glasfabriken hat zum 30. Sep- tember sämtliche Lohntarife, die in normalen wirtschaftlichen Zeiten für rund 40 000 Arbeitnehmer Geltung haben, nach einer Laufzeit von kaum vier Monaten aufgekündigt. Der schlesischen Textilarbeilerschafl. die etwa 35 000 Arbeite- rinnen und Arbeiter umsaßt, wurden die Lohntarifverträge gleich- falls zum 30. September gekündigt. Die Verhandlungen zur Neuregelung der Löhne in der w e st- und o st sächsischen Textilindustrie haben zu keinem Er- g e b n i s geführt. In Westsachfen forderten die Unternehmer eine Kürzung der Tariflöhne bis zu 10 Proz. Tarifkündigungen in Berlin. Im Einzelhandel. Der Arbeitgeberverband im Groß-Berliner Einzel» Handel Hot den Gehaltstarif für die Einzelhandelsange- stellten zum 30. September gekündigt. Da zum gleichen Zeitpunkt auch der Manteltarifvertrag von den Unternehmern ge- kündigt worden ist, stehen die 40 000 Berliner Einzelhondelsange- stellten im nächsten Monat im harten Ringen um die Neugestaltung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen. Die Gehälter von 90 Proz. der Verkäufer und Verkäuferinnen liegen zwar nur noch zwischen 87,50 M. und 171,50 M. monatlich, doch dürfte das die Unternehmer kaum daran hindern, einen beträchtlichen Abbau dieser Gehälter zu fordern. Die Leere in den Einzelhandelsgeschästen, die fast ausschließlich ein« Folg« des wahnsinnigen Lohnabbaues ist, ist den Einzelhändlern offenbar noch nicht Warnung genug zur Umkehr von der verfehlten Politik der Kaufkraftvernichtung durch immer wieder neuen Lohnabbau. Für die Einzelhandelsangestellten gilt es jetzt, die leider immer noch vor- handenen organisatorischen Lücken unverzüglich auszufüllen, denn unter dem„neuen System" dürfen sie sich auf die staatlichen Schlichtungsinstanzen nicht mehr verlassen. In der Bauschlosser« und der Geldschrankschlosserbranche. Der Schutzverband Berliner Schlossereien hat den Lohn- und Manteltarifoertrag für die Bau- und Geld- schrantschlosser zum 30. September gekündigt. Obwohl keine Kündigungsgründe angegeben und von den Unternehmern auch noch keine Forderungen mitgeteilt worden sind, ist mit Sicherheit anzu- nehmen, daß die Schlossermeister eine„Tarisauflockerung" be- absichtigen. Bemerkenswert ist, daß der letzte Lohntarif er st avn17. Juni abgeschlossen wurde, und zwar nach einem vierwöchigen Streik der Bau- und Geldschrankschlosser. Der Tarifflundenlohn wurde von 1,22 M. auf 1,16 M. gesenkt und die Schutzklausel im Tarifvertrag beseitigt, wonach bei neuen Tarif- abschlüssen bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht verschlechtert werden dürfen. Betriebsratswahl in den Efha-Werken. Die Nazis von 10? auf?Z Stimmen zurückgegangen. Bei der Wahl des Betriebs- und Arbeiterrats in den Efha- Werken in Britz im März dieses Jahres hatten die Nazis 107 Stim- men bekommen, die freien Gewerkschaften 301 Stimmen. Die Nazis fochten die Wahl an. Das Arbeitsgericht erklärte sie für ungültig, weil die Nazis selber unzulässige Wahlpropaganda im Wahl- räum und Wahlschnüsfelei begangen hatten. Bei der Neuwahl am 30. und 31. August blieben den Nazis noch 73 Stimmen, die Gewerkschaften bekamen 3 0 9 S t i m m e n. Sie gewinnen ein Mandat, das die Nazis von ihren zwei Mandaten verloren. Wenn die NGO.-Revolutionäre die Gewerkschaftsliste unterstützt hätten, anstatt Stimmenthaltung zu betreiben, konnten die Nazis aus der Betriebsvertretung ausgeschaltet werden. Die Volksbühne nicht vergessen! Werbeveranstaltung der Gastwirtsgehilfen. Eine wohlgelungene Veranstaltung für den Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten wie für die Volksbühne war am Montagabend in Vogels Festsälen in der Brückenstrahe. Für den Verband bildete sie den Austakt zu seiner großen Werbe- aktion, die während des Monats Oktober im ganzen Reiche durchgeführt werden wird, und die für Berlin besondere Be- deutung hat, weil Ende Oktober der Berliner Tarifvertrag abläuft, falls es bis dahin nicht zu neuen Vereinbarungen kommt. Genosse Haber stock wies auf die Gelegenheit hin, die durch Nazis und NGO. unter Ausnützung der Not der Zeit irregeleiteten früheren Mitglieder wieder zurückzugewinnen. Hat doch der Zentral- oerband der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten bisher allen Stürmen Stand gehalten und die Interessen seiner Mitglieder wirk- sam vertreten. Der größere Teil des Abends war der Absicht gewidmet, unserer Volksbühne neue Freunde zuzuführen. Dieser Zweck dürste um so mehr erreicht worden sein, als die Funktionäre des Verbandes ihre Familienangehörigen mitgebracht hatten. Trotz der Not der Zeit muß die Volksbühne der Berliner Arbeiterschaft erhalte« bleiben. Aus einer Aazisieischerei. Notwendige Berichtigung einer Berichtigung. Zu der Berichtigung der Firma L. R o st u. Co., G. m. b. H. Berlin, Invalidenstraße 117, wird uns von der zuständigen Ge- werkschast erklärt: Wahr ist, daß besonders während der letzten Wahlen, die dort beschäftigten Gesellen in Naziuniform zur Arbeit er- schienen sind. Aus dem Grundstück in L..i e b e n w a l d e, einem ehemaligen Jagdschloß, werden nicht nur Schwein« gezüchtet. Es wird auch Landwirtschaft betrieben und zur Erntezeit werden Schnitter und Schnitterinnen beschäftigt, so daß mit dem Ausdruck G u t s b« s i tz nicht zu viel gesagt ist. Nach den Aussagen der dort beschäftigten Leute sind in Liebcnwalde 1000 Nazis gratis beköstigt worden. Auch belegte Stullen sind für die Sport- palasweranstaltung gestiftet worden. Unwahr ist, daß m dem Gewerbebetrieb mehr Fleiischergesellen und Verkäuferinnen beschäftigt werden als Bedarf vorhanden ist. Wahr ist vielmehr, daß die tariflich zulässige Arbeits- zeit nach wie vor überschritten wird. Wahr ist auch, daß die Angestellten Gehaltsrückstände bis zu einem Monat von der Firma zu bekommen haben oder hatten. Die Gehaltszahlungen sind auch nicht in drei Monatsraten erfolgt. Wahr ist, daß die Ver- käuferinnen nur auf mehrmalige persönliche Forderungen ratenweise ihr Geld bekommen. Freiwillig, ohne Aufforderung, wurde m der letzten Zeit überhaupt kein Geld mehr gezahlt. Der tarifliche Urlaub ist noch nie gewährt worden. Wenn jemand Urlaub nimmt, muß er ihn auf seine eigenen Kosten nehmen. Dies sind die Tatsachen nach den Erklärungen von Beschäftigten. die heute noch in dieser Firma sind. Eine freigewertschaftlich organisiert« Verkäuferin wurde nach Erscheinen unseres Ar- tikels fristlos entlassen mit dem Bemerken, sie werde zeitlebens vom Unglück verfolgt werden, weil sie etwas erzählt habe. Das ist bezeichnend für die Behandlung von Angestellten der Firma L. Rost u. Co. Die Zahl der Wohlsahrlserwerbslosen in den deutschen Laadkreisen hat am 31. Juli 1932 einen Stand von 853 000 erreicht und ist damit um 135 Proz. höher als im Vorjahr. .�reie Gewerkschafts-Iugend Berlin Heute, Sonnabend, finden folgende Veranstaltungen statt: Anti-Kriegg» Veranstaltung im Volkspark Rehberge(Stadion).„Jugend gegen Krieg". — Ab 16 Uhr Spiel- und Sportbetrieb.— 19� Uhr Schlußkundgebung. — Plaketten sind zum Preise von 20 Pf. im Stadion erhältlich. §Zu«endc,ruppe des Zentralverbandes Oer Zlnaestellten Heute Iugendtag mit Anti-Kriegskundgebung im Volkspark Rehbcrae. Beginn 16 Uhr.— Spiele im Freien: Ab 18 Uhr Sportplatz Humboldthain. itU*' Cßwjtßmtß Denn blonde« Haar macht begehrenswerter. Erhalten Sie sich deshalb Ihr Blondhaar, indem Sie es mit Schwarzkopf Extra Blond pflegen, dem Schaumpon der Blondine. Dann bleibt es blond, und dunkelte es nach, so läßt es sich zu jeder gewünschten Nuance wieder aufhellen. 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Eine Be- Ziehung zur Arbeitsbeschaffung besteht ausschließlich in der Ein- b i l d u n g der Regierung, daß die Unternehmer mit diesem Geld zusätzliche Arbeit ins Werk setzen würden. Da aber dafür weder auf der Jnvestitionsseite, noch— solange die Kaufkraft für Konsumgüter nicht gewachsen ist— auf der Verbrauchsgüterseite eine Absatzmöglichkeit besteht, dürfte es bei der bloßen Einbildung bleiben. Um überhaupt noch etwas zu tun, sind dann die beson- deren Subventionen für nachgewiesene Neuein st ellungen hinzugefügt worden. Die Unternehmer sollen für jeden neu eingestellten Arbeiter eine staatliche Subvention von 4 0 0 Mark bekommen. Außerdem sollen sie bei Neueinstellungen berechtigt sein, die Löhne ihrer ge- samten Belegschaft unter den Tarifsatz zu senken, und zwar pro- zentual um so tiefer, je mehr Neueinstellungen sie vornehmen. Lediglich das„Existenzminimum" soll eine untere Grenze bilden. So will es der„Änkurbelungsplan". Dieser Plan ist eine unfaßbare Ungeheuerlichkeit. In der gegenwärtigen Situation, nachdem durch immer wiederholte allgemeine Lohnsenkungen die Massenkaufkraft— und damit der Absatzmarkt und die Gesamtwirtschast— weitgehend zerstört worden ist» wäre es wahrhaftig schon schlimm genug, wenn die Regierung, statt auf eine Stärkung der Kaufkraft bedacht zu sein, noch zu weiterem Lohnabbau ermuntern würde. Was aber geschieht hier? Die Reichsregierung inszeniert unter den Unternehmern einen regelrechten Wettbewerb für den Lohnabbau. Sie seht dafür aus allgemeinen Steuermilteln hohe Geldprämien aus. nicht nur für die Sieger, sondern für jeden, der an dieser schmachvollen Konkurrenz der volksoerelendung teilnimmt. Die Papen-Regierung ruft den Unternehmern zu: Bereichert euch am Lohnabbau und der Staat wird euch dafür noch extra in bar entlohnen! Für fe 400 Rl.. die der Unternehmer vom Staate empfängt, darf er um eine gewisse Punktzahl das Lohnniveau in seinem Betriebe senken. Das ist eine Idee/ wie sie s e l b st in den ausschweifendsten lohn- politischen Phantasien des rückständigsten Unternehmer- t u m s bisher noch nicht zutage gefördert worden ist... Die berühmte automatische Krisenüberwindung im kapitalistischen System besteht bekanntlich darin, daß im Verlauf der Krise einmal wieder ein Bedarf und eine Möglichkeit für neue Investitionen entsteht. Dann kommen in den Produktions- Mittelbetrieben wieder Arbeiter in Beschäftigung, die dadurch Kauf- kraft erwerben, ohne selbst Konsumgüter herzustellen. Aus diese Weise kommt es zu Neueinstellungen auch in der Versorgungswirt- schaft, was dann rückwirkend wiederum die Bedingungen für die Investitionswirtschaft weiter verbessert. Zum Unglück für die kapi- talistische Wirtschast ist es heute so, daß durch die voraufgegangenen Ueberinvestitionen in absehbarer Zeit, auch nach Ueberwindung der Kapitalnot, neue Investitionen in nennenswertem Maße nicht mög- lich sind. Deshalb der einzige Ausweg, durch ö f f e n t- kiche Investitionen die festgesahrene privatwirtschaftliche Auto- matik der Krisenüberwindung zu ersetzen. Das ist der Volkswirt- schaftliche Sinn der Arbeitsbeschaffungspläne. Und nun kommt die Regierung Popen, tut nichts für direkte Arbeltsbeschaffung, konstruiert aber einen sicheren ZNechanis- mus, um die Reubildung von Kaufkraft zu verhindern. Dadurch wird der volkswirtschaftliche Sinn der Ar- b e i t« b e sch a f fu n g in einen kompletten Unsinn verwandelt. Wenn der Regierung die Aufgabe gestellt worden wäre, die Arbeitsbeschaffung ins Werk zu setzen, aber unter allen Umständen eine Belebung der Wirtschaft zu verhindern, dann müßte es ihr der Neio lassen, daß sie für dieses scheinbar nicht leichte Problem ein« geradezu geniale Lösung gefunden hat... Vermutlich ist die Regierung zu ihrer Idee durch das Mißverstehen der bekannten Unternehmerbehauptung gekommen, man könne zusätzliche Arbeitsaufträge hineinbekommen, wenn für diesen Fall das Recht auf niedrigere Löhne zugebilligt würde. Es liegt auf der Hand, daß in der Volkswirtschaft nicht dadurch schon ein Plus entstehen kann, daß einzelne Unter- nehmer durch den Sondervorteil billigerer Löhne anderen Unternehmern die Aufträge wegzuschnappen in der Lage sind. Ernsthaft könnten deswegen für eine solche Be- trachtung nur wirklich zusätzliche Export auftrüge in Frage kommen, die ohne eine Lohnsenkung ausfallen würden. Praktisch liegt es allerdings so, daß eine Exportsteigerung durch Lohndumping mit handelspolitischen Gegenmaßnahmen der Einfuhrländer verhin- dert werden würde, und daß in der Binnenwirtschast diese Methode — abgesehen von allem anderen— nicht angewendet werden kann, ohne die Tendenz zu allgemeiner Lohnsenkung und damit oerbun- dener Einschrumpfung des inneren Marktes wirksam zu machen. Herrn v. Papen genügt es, daß sich der einzelne Betrieb zusätzliche Arbeit verschafft. Die Prämie wird auch dann bezahlt und das Recht auf Lohnsenkung erworben, wenn die„zusätzlichen" Aufträge den Konkurrenten im eigenen Lande abgenommen werden, und da durch die planmäßige Verhinderung von neuer Kaufkraft eine vermehrte Güternachfrage nicht entstehen kann, wird praktisch in der Regel nur dieser Fall vorliegen. Visher schon war das Auskaufen und Stillegen von Konkurrenzbetrieben, um deren Aufträge auf den eigenen Betrieb zu übernehmen, häusig ein rentables Geschäft. Um wieviel mehr muß das erst der Fall fein, wenn der Staat die Betriebsschlächterei durch Subventionen auch noch planmäßig fördert. Man kann mit Sicherheit annehmen, daß in er st er Linie die modernen, technisch gut ausgerüsteten Be- triebe von der Möglichkeit profitieren werden, mit Hilfe der Subventionen und der Lohnsenkung die Aufträge auf Kosten der anderen Betriebe zu oermehren. Die technisierten Betriebe leiden ja unter den wachsenden Kapitalkosten bei sinkendem Umsatz. Ihre Konkurrenzfähigkeit steigert sich deshalb, solange die Kapazität noch nicht voll ausgenutzt ist, nicht proportional, sondern progressiv mit der Steigerung des Umsatzes.... Wenn Aufträge von einem technisch weniger entwickelten auf einen technisch hochentwickelten Betrieb übergehen, so bedeutet das aber nicht eine bloße Umlogerung der Beschäftigung, sondern im Rahmen der Volkswirtschaft eine Vernichtung von menschlicher Arbeitstätigkeit. Der Arbeiter, der in einem technisch hochstehenden Betriebe neu angesetzt wird. erzeugt das Mehrsache an Produkten als ein Berufskollege in einem technisch rückständigen Betriebe. Tausend neue Arbeiter in modernen Großbetrieben müssen mehrere tausend Arbeiter aus der Sphäre der rückständigen Betriebe i n d i e Arbeitslosigkeit stoßen, wenn der volkswirtschaftliche Aus- tragsbestand im ganzen unverändert bleibt. Und um diesen Effekt zu erreichen, sollen 700 Millionen Mark aus öffentlichen Steuermitteln aufgewendet werden? Die Regierung hat über diesen Plan die Ueberschrift gesetzt: Arbeitsbeschaffung und Verminderung der Arbeitslosigkeit! Man stelle sich nur einmal praktisch diese groteske Sachlage vor: Diejenigen Unternehmer, denen es gelingt, den anderen die Aufträge abzujager», bekommen außerdem vom Staat eine Barprämie von 400 Mark für jeden neueinge st eilten Arbeiter und da- zu noch das Recht, ihrer gesamten Belegschaft den Lohn unter den Tarifsatz zu kürzen. Die anderen aber, denen die Aufträge abgenommen wurden und die dadurch schon in eine bedrängte Lage geraten sind, erhalten zum„gerechten Aus- gleich" nicht nur keine Subvention, sondern sie bleiben gegenüber der stärkeren Konkurrenz auch noch mit d«n höheren Tariflöhnen verhaftet. Man faßt sich an den Kopf und glaubt, einer Sinnestäuschung verfallen zu sein. Die Regierung kann doch nur die tatsächlich aus den Arbeitsbeschaffungsplänen anfallende zusätzliche Arbeit, unmöglich aber generell die Gesamtwirtschast meinen? Aber nein, in diesem Falle würden ja nur die neueinzustellenden Arbeiter unter die Lohnkürzung fallen, während ganz unzweideutig die Gesamt belegschaft genannt ist, und zwar ohne Unterschied der Betriebe und ohne nach den Ursachen der Mehrbeschästigung zu fragen. Der Plan ist so sinnwidrig, daß man der Regierung wohl zubilligen muß, daß sie>hn in seiner praktischen B«deutung nicht erkannt hat. Schon nach der ganzen Mentalität des Gesamt- kabinetts läßt sich ja nicht gut annehmen, daß es bewußt den Bern ich tungskampf der technisierten Großindu- strie gegen das Mittel- und Kleingewerbe fördern wollte. Ebensowenig kann man der Regierung nach der prekären politischen Situation, in der sie sich besindet, zutrauen, daß sie b e- wüßt die Ankurbelungsmöglichkeiten für die Gesamtwirtschaft aus der Arbeitsbeschaffung ausmerzen wollte. Soweit mangelnde Er- kenntnisse eine Entschuldigung sind, sei sie dem Kabinett Papen zu- gebilligt. Aber genügt das zur Rechtfertigung seiner Taten? Württemberg gegen papen. Gegen die vernichtenden Folgen der 400«Mark-Prämie. Die Pressestelle des würtlembergischen Staalsministeriums beschäftigt sich mit der von der Reichsregierung in ihrem wirtschaftsprogramm ausgeworfenen Frage, wonach allen Unternehmern, die eine Reueinstellung von Arbeitern vornehmen, eine Prämie von 400 W. für jeden Arbeiter und ein 3ahr gewährt werden soll, und erklärt dazu, daß in solcher Ausmachung die Prämie diejenigen Unternehmungen schädigen würde, die in durchaus sozialer Weise den Stamm ihrer Arbeiterschaft, insbesondere durch Kurzarbeit, zu halten gesucht hätten. Sie würde die Unternehmungen einseitig begünstigen, die rücksichtslos rationalisiert und ihre Arbeiterschaft entlassen hätten. Bei der gerade in Württemberg seit langem und in weitestem Waße durchgeführten Kurzarbeit würde die Maßnahme der Reichsregierung in ihrer zunächst geplanten Form gerade in Württemberg großen Schaden mit sich bringen. Das Staatsministerium habe sich deshalb an den Reichskanzler und den Reichsarbeitsminister mit dem Ersuchen gewandt, die voraussehungen für die 400-Mark- Prämie so zu gestalten, daß diese Schädigungen und einseitigen Begünstigungen nicht eintreten könnten. Vor der Kredttverbittigung. Oie �eichsbank meldet neue Oevifenzugänge. In Deutschland vermehrt sich das Angebot von Geld. In den ersten drei Augustwochen hatten die Kreditrückzahlungen bei der Reichsbank die Inanspruchnahme von Krediten zum Juliend« erheb- lich übertrosfen. Der R e i chs b a u k aus w e i s zum August- ende zeigt eine Inanspruchnahme, die als normal zu bezeichnen ist. Die Handelswechsel haben sich um 228,9 aus. 3008, 9 Millionen, die Bestände an Reichsschatzwechseln um 33.1 aus 38,9 und die Lombard- darlehen um 114,9 auf 207,4 Millionen Mark vermehrt. Daß die Banken mehr Kredite genomemn haben al» sie brauchten, zeigt die Zunahme der zinsfreien Gelder auf Girokonto um 54,6 auf 407,6 Millionen Mark. Der Notenumlauf stieg um 200,0 auf 3816,9, der an Ren- tenbankfcheinen um 18,4 auf 410,9 Millionen Mark. Zum vier- ten Male zeigt sich im R e i ch s b a n k a u s w e i s eine Vermehrung der Gold- und Devisenbestände. Die Goldbestände nahmen um 0,16 auf 768,3, die Bestände an deckunge- fähigen Devisen um 13,3 auf 156,8 Millionen Mark zu. Die Noten- deckung durch Gold und Devisen hak sich freilich durch die größeren Ultimokredite gegen die Vorwoche von 25,2 auf 24,2 Proz. ver- ringert. Oiskontsenkung am-19. September? Die Lage auf dem deutschen Geldmarkt ist schon längst für eine Diskontsenkung, d. h. für eine allgemeine Kreditverbilligung reif. Dieser stand bisher die gesetzliche und international oerankerte Be- stimmung entgegen, daß der Diskontsatz 5 Proz. nicht unterschreiten darf, solange die Gold- und Devisendeckung weniger al» 40 Proz. beträgt. Die Reichsregierung verhandelt mit den Lausanner Ver- tragspartnern, um trotzdem eine Diskontsenkung durchführen zu können. Am 19. September findet in Basel eine Sitzung des Verwaltungsrats der Bant für internationale Zahlungen statt, deren Zustimmung für die Diskontsenkung er- forderlich ist. Man erwartet allgemein, daß nach dieser Verwaltungs- ratssitzung das Reichsbankdirektorium den Reichsbankdiskont von 5 auf 4 Proz. wird herabsetzen können. Die Lebenshaltungskosten im August. Amtlich wird mitgeteilt: Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten(Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und„Sonstiger Be- darf") beläuft sich für den Durchschnitt des Monats August a u f 120,3 gegenüber 121,5 Proz. im Vormonat; der Rückgang beträgt somit 1,0 Proz. An dem Rückgang sind Haupt- sächlich die Bedarfsgruppen Ernährung und Bekleidung beteiligt. Es sind zurückgegangen die Indexziffern für Ernährung um 1,8 auf 111,8 Proz., Bekleidung um 0,8 auf 115,3 Proz. und sonstiger Bedarf um 0,2 auf 165,1 Proz. Die Indexziffer für die Wohnung ist mit 121,3 unverändert, die Indexziffer für Heizung und Be- leuchtung mit 134,3 nahezu unverändert geblieben. Innerhalb der Gruppe Ernährung sind hauptsächlich die Preise für Gemüse und für Kartoffeln zurückgegangen. Zur Wende der Konjunktur. Hat Wägemann die Melodien zu Popens schauerlicher Wirtschastsmusik geliefert? Wohlwollende Beurteiler nennen Popens Wirtschaftsprogramm die Verwirklichung einer kühnen konjunkturpolitischen Idee. Ge- hindert durch das Verbot des„Vorwärts", müssen wir die inzwischen veröffentlichte Konjunkturprognose des Institut» für Kon- junkturforfchung wenigstens in groben Zügen nachtragen, wobei der Leser erkennen wird, daß wahrscheinlich Professor Wage- mann, der bekanntlich mit dem Reichswirtschastsminister Warm- bald verwandt ist, als der geniale Anreger von Popens Wirt- schaftsprogramm angesprochen werden darf. Bei der Beurteilung der weltwirtschaftlichen Ge- s a m t l a g e kommt das Konjunkturinstitut zu dem Ergebnis, daß die Weltwirtschaft als Ganzes sich nunmehr anschicke, das Krisen- ties zu überwinden. Es stützt seine Auffassung aus die Tatsachen, daß die Welthandelspreise fast allgemein anziehen, die Rohstoff- oorräte im ganzen nicht mehr zunehmen, der Mengenumsatz im Welthandel wahrscheinlich stabil geblieben sei, die Kapitalmärkte, besonders in England und Amerika, sich beleb? hätten und in den überseeischen Rohstoffländern die Konsolidierungstendenzen an- gehalten hätten. Für Deutschland ist die Prognose örheblich weniger g ü n st i g; die ganze Formulierung ist außerdem so erfolgt, als ob die Regierung zu Maßnahmen aufgefordert werden müsse. Das Institut schreibt:„Die Voraussetzungen für einen durchgreifenden Wirtschaftsaufschwung nach den Regeln der alten Kon- junkturautomatik sind, obzwar in Teilen der Weltwirtschast in greifbare Nähe gerückt, für Deutschland noch immer nicht ge- geben. Denn eine Erhöhung der Investitionstätigkeit aus pri- SUNLICHT SEIFE „GUT WAR SIE IMMER SCHON> ABER JETZT AUCH SO BILLIG! DOPPELSTÜCK JETZT 27 PF. BLOCKSTUCK JETZT 23 PF. 7/e// 1 10 PF. PACKUNG. vater Initiative— sie gibt den„normalen" Konjunkturanstoß— kann unter den derzeitigen Umständen nicht erwartet werden, und der Absatz an Verbrauchsgütern und Exportwaren wird wegen schrumpfenden Volkseinkommens und verminderter internationaler Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands eher abnehmen, wenn die Wirtschaft sich selbst überlassen bleibt, kann vorerst nicht mehr als günstigstenfalls ein allmählicher Auslous der Rückgänge in Absatz, Produktion und Beschäftigung erwartet werden." An einer anderen Stelle wird gesagt, daß in Deutsch- land der Umschwung zum Besseren wegen der sehr viel weiter- gehenden Eingriffe in die Unternehmungswirtschaft nicht ohne weiteres eintreten werde. Ob und inwieweit Besserungstendenzen sich durchsetzen,„hängt In hohem Maße von der Art, Stärke und Konsequenz der politischen Führung ob, ist also dem ökonomischen Kalkül weitgehend entzogen. Ausdrücklich bezeichnet das Konjunkturinstitut als Ab- schlußtag seines Berichts den 2 7. August; am nächsten T a ge ist bekanntlich von Papen das Wirtschaftsprogramm in Münster verkündet worden. Die Zusammenhänge sind klar und interessant genug, das Geheimnis des Rätsels von Münster, auch die Frage, warum das Reichskabinett der Mitarbeit der Staatssekretäre und Referenten für das Wirtschaftsprogromm nicht bedurfte, scheinen ausreichend geklärt. Das Werk wird dadurch nicht besser. Die Bedenken werden nur noch größer! Benzin teurer! Ein neues Benzin-Kartell und seine Absichten. l Deutschland ist nie ein Eldorado für Zluto- und Motorradfahrer gewesen. Der Zoll beträgt jetzt mehr als das Dreifache des Rohölpreises, nicht allein aus fiskalischen Gründen, weil das Reich auf die hohen Zolleinnahmen angewiesen ist, sondern auch deshalb, weil der Preis ganz bewußt hochgetrieben werden sollte. Die Deutschen hätten sonst nämlich vielleicht auf das Per- gnügen verzichten müssen, mit„deutschem" Benzin zu fahren, dem Benzin von JG.- Farben nämlich, das sehr hohe Produktions- kosten hat. Inzwischen aber ist— plötzlich und unerwartet—«ine Benzinverteuerung um drei Pfennig von den Händlern vorge- nommen worden, weil sie sich endlich über ihre Anteile am Markt geeinigt hatten. Im Herbst 1930 war die Treibstosfkonvention zer- brachen, weil die hohen Preise. eine groß« Zahl von Außen- seiter-Jmporteuren großgezogen hatten. Jetzt hat man sich wieder geeinigt. Mit den Russen(Derop) sind zwar nur in- offiziell Verhandlungen geführt worden, aber sie werden sich den Kartellabmachungen anschließen. Während man früher Preisvcr- einbarungen getroffen hatte, hat man sich jetzt auf Festsetzung der Quoten vom Absatz beschränkt. Es sollen auf die Deutsch« Petrol«um-A.-G.(Standard) etwa 21 Pro;., auf Shell 20 Proz., den Benzolverband 18 Proz., die Russen 16,5 Proz., Olex 10 Proz. und Gasolin(IG.-Farben) 9 Proz. des deutschen Absatzes entfallen. Daß bei den hohen Brennstojpreijen etwa 100 000 Autos und Motorräder abgemeldet und st i l l g e l e g t wurden, weil der Be- trieb eben zu teuer ist—«in Schönheitsfehler, nicht ganz an- genehm, aber es macht nichts! Am 1. Oktober kommt bestimmt eine neue(beinahe„gesetzliche") Preiserhöhung um etwa 2 Pf., dieses Mal, weil auch die Autofahrer für die paar tausend Groß- agrarier mit Kartosfelbrennereien etwas tun sollen. Deshalb werden dem Benzin von jetzt ab 10(bisher 6) Proz. des viel teueren Spiritus beigemischt. 3m Reichswirtschaftsrat wurde an Stelle des verstorbenen Genossen Paul Umbreit Genosse Splieth vom Bundesvor- stand des ADGB. zum Vorsitzenden des Sozialpolitischen Aus- fchusses gewählt. Die Stillegung der 3Iseder Hütte wurde ab 3. September be- schlössen, da alle Versuche zur Aufrechterhaltung des Betriebes er- gebnislos waren. 1000 Arbeiter verlieren ihr Brot. Die Stillegung steht im st r i k t e n Widerspruch zu den Erwar- tungen, die die Reichsregierung an ihr Wirtschaftsprogramm knüpft. Das Reich ist an der Jlseder Hütte beteiligt. Daß schon am grünen holz das Vertrauen in das Papen-Programm zu fehlen scheint, ist charakteristisch für die Einschätzung des Programms. Starker Rückgang der konkursziffern. Im August wurden 499 neue Konkurse und 386 eröffnete Vergleichsversahren bekannt- gegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich aus 629 bzw. 461. dkfchälfc-Jln&igßr (R. 202 „Hawag" Heizung, Lüftung, Be- unil Entwässerung NOt8, Landsberger Str. 92, Tel.: Alcx.9130/1 Bauklempnerei riedrich Hädicke Be- und Entwässerung Sanitäre Anlagen lilSW 68, Lindenstraße 2 ARBEITER! Deckt euren Bedarf in Eisenwaren, Werkzeugen, Haus- u. Küchengeräten bei ERNST WIESE.„ NärKlsdier Fieisdihonsum Hermann Pohle Palisadensir. 29 Sirausberger Str. 34 GERMANIA-PRACHTSÄLE CARL RICHTER Berlin na, cnausseesir.iio i: uietdendamm Bios u. 6080 Säle für Festlichkeiten, Kongresse usw. bis 1200 Personen fassend zu den günstigsten Bedingungen«>2» Gute KUthe ti Oepfleate Blere:: Solide Preise VOLCK& GNÄDIG Reparatur-Werkstatt mit eigener Schweißanlage für graph. Maschinen Rotations-, Tiefdruck- und Offsetmaschinen Umzüge kompletter Druckereien Berlin SW 61, Gitschiner Str. 15 Tel.: F I, Mpl. 3677.— Nachtanruf: G 5, Südring 323 und 734 F 2. Neukölln 4639. Böttdier Walzen sind die besten! 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I vrima°d"««rine,�- > 211™—■?a-t.ct}ah\pTei ffbriftiDnal. firafie Sport Stettiner Sänger Reichshalten-Theater (Dönhoffplatz) MerknrA.6. 1247. Dir. JHeiscl Tägl 8.15 Uhr, Sonntags 3.30 Uhr(ermäßigte Prj E r tf ff n n ii<»- h p r o«r r a i n m mit der Burleske Freibad Krumme Lank Neue Krältc, Preise O SO bis'.25 M. Vorverkauf II— 2, 5—9 Uhr ft�srknrf At-fi Wirksam sind dl* UCSUUUCl» Kleinen Anzeige« in der aesamt. Anfinge des Vorwärts und trotzdem zu ganz niedrigen Preisen KaßanfferttSaung spez. für starke Damen Paul Linsh, Bamaa-Mästel-FaDrlk u Hdlg., Neukölln, Reuferstr. 63 ZelHendorler Strafe 5 Natnräarten Tlerparif litntierlielus�igungen Bad ESster Kurheim Villa Jugel für Parteigenossen und Republikaner Pauschalkuren, billigste Preise Ruiliü ßlwin Jugel. (itodlmaschinen ii» Sßlä&merolien Maiiatz ISnOHATSRATEH täm ButtergroR- handlung Filialen in allen Stadtteilen HeuliciiBr IflBtaliarüBitBr-lfBrbaii!! 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September 4 932 qxikq, vüh ums was sagen, aber was, was, was?„Wunder- schön, wirklich, wun.. Die erwartet nun was, hat sich Sorgen gemacht, nun muß man was sagen, irgendwas mit Liebe und Gefühl, aber das geht doch nicht so auf Kom- mando, gerade weifs erwartet wird, gehts »I Olga erzählt von Reisen nach Kairo und Luxor, von Fahrten nach Spitzbergen, Gilgi geht zur Telephonzelle, um nach Hause zu telephonieren. Als sie wiederkommt, emp- findet Herr Reuter Olga nicht mehr als störend. Gilgi verschwindet nach einiger Zeit für eine Viertelstunde auf die Toilette. Herr Reuter erinnert sich, daß eigentlich„blond" sein Typ ist. Er wird geistreich. Olga sieht ihn bewundernd an. und Herr Reuter ist überzeugt, sich sein Lebelang unterschätzt zu haben. Gilgi kommt zurück, sitzt still und be- scheiden da und läßt sich von Olga über- blenden. Sie ist ein unscheinbares, kleines Mädchen. Herr Reuter erinnert sich an etwas verrostete Prinzipien: mit Angestellten keine Liebschaften anfangen und so weiter. Gilgi geht für zehn Minuten ins Vestibül, um nach einer Zeitung zu suchen. Durch cremefarbene Spitzen schimmert Olgas frische, rosige Blondinenhaut und überzeugt Herrn Reuter, daß Olga„die" Frau ist, die ihn versteht. Eine halbe Stunde später bringt er erst Gilgi, dann Olga nach Hause. Frühmorgens, eine Viertelstunde vor Ab» laufen des Weckers kommt Frau Krön in Gilgis Zimmer und setzt sich zu ihr auf den Bettrand. Mit ihren braven, rauhen Haus- frauenhänden streicht sie über Gilgis nackte Arme, ihre mageren Kleinmädchenschultern. Einen Augenblick lang spürt Gilgi keine Lust, über die ungewohnten Zärtlichkeiten zu staunen, noch sie abzuwehren. Die ver- traute Körpernähe der Mutter, der leichte Kernseifengeruch ihrer Hände versetzen sie in einen Zustand animalischen Wohlbehagens und nestwarmer Geborgenheit. „Iilgi, mein Kind, du hast mich doch lieb, nicht wahr?" „Was ist los?" Gilgi fährt auf und sieht erschrocken und mißtrauisch aus. „Du hast mich doch lieb, nicht wahr, Iisgi?" Gilgi sieht die Mutter an: ihre fleischigen Wangen sind heißrot gefärbt wie nach besonders geschäftigen Wasch- und Kuchenbacktagen. Gilgi begreift, daß die Frage nur eine Einleitung ist, weiß der Himmel wozu. Komische Einleitung. Ueber- flüssige Frage. Sie hat nie darüber nachge- dacht, ob sie die Mutter lieb hat. Mitleidig streift ihr Blick über Frau Krons breiten, verfetteten Rücken. „Iilgi, du wirst heute einundzwanzig Jahr alt." „Das weiß ich." „Tja", sagt Frau Krön und wieder„tja", dann schweigt sie. Ihre blassen, vollen Lippen bewegen sich, zittern. „Nu red' schon, Mutter." Frau Krön schweigt. Gilgi schiebt ungeduldig ihre lan- gen, schmalen Füße unter der Bettdecke vor — sie könnte schon immer ihre Turnübung machen. „Iilgi!" Frau Krons Stimme klingt hoch und trocken,„du bist nämlich nicht unser Kind." Gilgi vergißt zu atmen. „Was— hast— du— da— gesagt?" „Du bist nicht unser Kind." „So!" Gilgi begreift nicht ganz. Zehn Minuten später hat sie begriffen.„So", macht sie noch einmal. Immer schön fest auf den Füßen stehn, ja nicht wackeln. Wenn weiter nichts ist. Ihr Gesicht ist gleichmütig, sie reagiert nach innen. „In zwanzig Minuten bin ich am Kaffee- tisch, Mutter". Frau Krön begreift, daß sie gehen soll. „Nimm's dir nicht weiter zu Herzen, Kind." „Nein", sagt Gilgi und macht die erste Rumpfbeuge. Frau Krön geht. Immer hübsch fest auf den Füßen stehn. Auf— nieder. Ihr soll's nur recht sein so. Warum wohl mit dieser Eröffnung ausge- rechnet bis zu ihrem einundzwanzigsten Ge- burtstag gewartet wurde? Es fällt ihr nicht ein, sich durch solche Sachen aus dem Gleich- ewicht bringen zu lassen. Soll sie er- Hüttert sein? Verlangt man heftige Ge- mütsbewegungen von ihr? Muß sie etwas Besonderes tun? Wie benimmt man sich in solchem Fall? Eine kleine Näherin ist ihre Mutter. Vater unbekannt. Von Proletariern stammt sie ab. Das freut sie, denn sie hat nie Wert darauf gelegt, zur bürgerlichen Gesellschaft zu ge- hören Gilgi geht in das Plüschzimmer. Der Wasbington, das tuchene Rechteck, der zeitunglesende Herr Krön— alles ist ihr genau so fremd, wie es ihr immer war. Nicht mehr, nicht weniger. Auf dem Tisch steht der übliche Geburtstagsnapfkuchen mit den schönen, regelmäßigen Ondulations- wellen. Ueber die Sofalehne gebreitet liegen Frau Krons Geschenke: dunkelblauer Sei- denstoff für ein Kleid, lange weiße Glac«�- Handschuhe(beides mit Gilgi zusammen ge- kauft) und aus eigenem Antrieb eine Flasche Eau de Cologne und eine unverwendbare Tasche. In der Tasche steckt Herrn Krons jährliches Geburtstagsgeschenk: ein Fünfzig- markschein. „Danke, Vater." Gilgi gibt Herrn Krön die Hand. Er sieht von der Zeitung auf. „Laß dir jut jehn im neuen Jahr, Iilgi, bleib jesund und— denk jaanich mehr an das, was dir Mutter eben jesaacht hat." „Tu ich schon jetzt nicht mehr, Vater." „Na, denn is man jut." „Danke, Mutter." Gilgi küßt Frau Krön auf die Schläfe. „Iefalln dir die Sachen, Kind? Der Stoff is dekatiert. Was sagste zu der Tasche?" „Wunderschön, Mutter." Gilgi hält die Tasche in der Hand. Die Mutter guckt so ängstlich und erwartungsvoll, man muß noch JH, giiqi. trink. Gilgi! nicht, da schiebt sich ein Riegel vor, fester, immer fester...„Ich— also— wunderschön, wirklich... also, ich— bin so froh, Mutter— wirklich." Ufff, Gilgi sinkt aus den'Stuhl. Wo andre Leute nur immer im richtigen Augenblick die richtigen Worte her- nehmen mögen? „Iß. Iilgi, trink Iilgi." Iß, Gilgi, trink Gilgi. Sie würgt am Napfkuchen, hat keinen rechten Appetit. Iß, Gilgi, trink, Gilgi! Ver- flucht anständig von den Leuten. Haben mir einundzwanzig Jahre hindurch Woh- nung gegeben, Essen und Trinken. Haben mich was lernen lassen. Der Mann da, der da die Zeitung liest und den ich eigentlich nichts angehe, schenkt mir jedes Jahr fünf- zig Mark. Warum? Die dicke Frau da, die hat fünf Nächte lang geheult und nicht geschlafen, damals, als ich Scharlach hatte. Warum? Iß, Gilgi, trink, Gilgi. Und ich? Womit Hab ich be- zahlt? Verdammt, ich Hab Schulden. „Noch ein Stück Napfkuchen, Iilgi?" „Danke Mutter." Ob ich nächstens mal mit ihr zum Kränzchen- kaffee gehe? Sinnlos verschwendete Zeit. Ob ich jetzt abends immer zu Hause sitzen soll? Sinnlos verschwendete Zeit. Jedes Beisammensein mit euch ist sinn- los verschwendete Zeit. War's, ist's, wird's immer sein. Iß, Gilgi, trink, Gilgi. Also, wenn ich jetzt auch nur eine halbe Träne heule, schlag' ich alles kaputt. (Fortsetzung folgt.) i'/iof. taramounl. 3)ie drei verbotenen �age Sin kleiner Theater Stückblich lllaiiarg im IHetropol .Sine.Trau, die weift, trau fie will' • Dies ist zuerst, ist als entscheidend festzustellen: was sich hier begibt, ist in ollem und jedem end- lich einmal ausatmen lassendes Abweichen von trister Schablone. Alfred Grünwalds „Frau, die weiß, was sie will" ist ein nettes Lust- spiel, ist Gesellschoftskomödic alter Schule mit ollen Qualitäten, mit all der sicheren Routine und traditionellen Theaterkultur dieser schon fast aus- gestorbenen Gattung: nicht ohne elegante Leichtig- keit, grazile Anmut, individuelles Parfüm: voll sentimentaler Pointen, die überlegener Zynismus sofort charmant pariert und parodiert: geschickt im Dialog und amüsant im Fluß der Szene, lang- weilig lediglich am Anfang, in der Exposition. Das ist aber immer noch besser als das Um- gekehrte, Uebliche. Musik ist auch dabei. Von Oskar Strauß sogar: Musik, die sich unter- ordnet, die das Spiel nicht aufhalten will und nicht aufhält, die— so wichtig sie in Wirklichkeit ist— ganz zufällig scheinbar und wie absichtslos sich leise wie auf Katzenpfötchen tastend aus dem Orchester auf die Bühne schleicht, halblaute, rafsi- nierte, ganz exquisit instrumentierte Musik, für Kenner und Liebhaber des Chansons eine erlesene Freude. Text, Szene und Musik, all dies ist gleichsam nur ein Mantel, den sich die Favoritin dieses Abends, die M a s s a r y, ganz wunderbar um die Schultern zu legen und zu tragen wußte: ein Mantel, der die Trägerin ob des Geschmacks, mit dem sie ihn gewählt, ebenso ehrt wie die Herren Schneider, die ihn ihr verfertigt. Ihre Partner sind ja sämtlich nur Statisten, ob nun mehr oder weniger im Hintergrund, ist gleich: sie stören wenig oder nicht. Ellen Schwannecke, ihre Gegenspielerin, ist zweifellos begabt, für diese Rolle prächtig ausgesucht, immerhin nochllon. .Zu den Kopfjägern durchs Inka- reich" nennt de W a v r i n den Film, den er in vierjähriger onstvengender Arbeit drehte und den Prof. Dr. Lampe bearbeitete. Etwa? weniger wäre für den Film entschieden mehr ge- wesen. Wir werden im Rekorötempo durch alte oerlassen« Kulturstätten und bewohnte Ansiedlun- 3)le verfunkeneQlocke Eröffnung des Schiller Theaters Das ehemalig« staatlich« Schiller-Theater wird von dem Privathänder Hirsch übernommen und neu eröffnet. Der neue Direktor will kein Ge- schmacksasket und kein Geschmacksverderber fein. Er will nur sympathisch wirken. Doch er beginnt mit einem Irrtum. Denn er ist stolz darauf, datz er den Musiker Wilhelm Groß beauftragte, das Eröffnungssrück mit Opernkompositionen zu durchbrechen und zu umwinden. Uebrigens ist Ge r h a rt Hauptmann, der Mitte Novem- ber seinen 70. Geburtstag feiert, mit dieser Aus- staffierung durchaus einverstanden. Ein klügelnder, doch kein sehr hellhöriger Komponist schuf diese Märchendekoration für die „Versunkene Glocke". Er hätte die Dichtung beinahe umgebracht. Kunst fürs Volk darf nicht experimentell sein, sie soll dem braven Mann eingehen, ohne datz er viel tffteit. Aber bei der Eröffnungsvorstellung mochte sich diese spielerffche Artistik breit, die das Gegenteil von Volkstümlichkeit ist. Der Direktor duldete auch die dramaturgisch zweifelhafte Be- arbeiwng des Textes durch den Regisseur K e n t e r. Allerdings hatte der tolerante, im Theatersaol begeistert gefeierte Dichter auch hier zugestimmt. Die Kräfte des Schiller-Theaters werden nicht immer die große Musik der Romantik und die Herzensschwärmerei spielen müssen, zu der dos dramatische Märchen sie zwingt. Die Schönheit des Märchens blieb, trotzdem die Darstellung ihm vieles schuldig blieb, von mehr als drei Jahr- zehnten fast unberührt. Die Hohlheit, die gehört wurde, ist nur auf die Schuld der Schauspieler zu rechnen. Sie können erst spoter zeigen, was an ihnen noch zu entdecken ist. Vorläufig rst leider Fräulein B o r o d i n. die aus dem Staats- theoler geholt wurde, noch kein Rautendelein. Sie kann nicht aufwarten mit der göttlichen Cantilene, die chre Rolle fordert. Sie ist eher neckisch als zauberisch, cher laut als lauter. Es singt noch nicht aus ihr. Auch, um gleich den Nickelmonn zu nennen, Hermann Heuser besitzt noch Nicht die Kraft, um aus dem Flutzungeheuer eine seelische Person zu machen. Die Maske stimmt, doch er redet wie ein russischer Münk. Schon spielt Herr Erich S t r ö m e r den Glocken- gietzer Heinrich eher aus dem Fond als aus dem Strohfeuer, und was das wichtigste ist: er besitzt einen Fond, der ihm bei künftigen Helden- rollen bestimmt zugute kommen wird Gang in der Rolle, ganz aus der Besessenheit, ganz aus der gereiften Kunst, die den sicheren Erfolg garantiert, spielte Rosa P a t e g g die Wittichen- hexe. Die neue Direktion wird weniger schwere Auf- gaben lösen müssen. Dann kann sie vielleicht halten, was sie dem wartenden Volk verspricht. Denn die jungen Talente, die sich vorstellen, müssen auch Zeit zum Wachsen gewinnen. Und sie sind jung, und sie sind auch talentiert. Max Hochdorf. gen gehetzt und teils oberflächlich, teils verwirrend mit Menschen, Landschaft und Architektur be- kanntgemacht. Wir sehen die Galapagos- und die Guanoinseln vor den Küsten Perus und Chiles. Hier sind die paradiesischen Gefilde für Robben, Riesenschildkröten und Seevögel. Der Mörder Mensch läßt die Vögel vollkommen un- gestört, weil er ihren Dung industriell auszu- werten versteht und allein von diesen Inseln jährlich 100 000 Tonnen ausfährt. Wir besuchen die Hochflächen von Ekuador und gewahren in den Hochsteppen 2500 Meter über dem Meere in mächtigen Bauten Ueberrefte alter Jnkakultur. Di« brutal erobernoen Spanier konnten wobl zer- stören, aber nicht wieder aufbauen, sie brachten Verelendung ins Land, und so mobnt jetzt in diesen Gegenden ein Volk, da? nicht? mehr mit der hohen Zhiltur seiner Vergangenheit zu tun stubenzest de? Film? darstellt. Heirt« Habel Regie- und Komerakunst ihren Höhepunkt über» schritten, und in platter, landläufiger Verbilde- rung(Regie Karl Boes«, Kameramann Reimar K u n tz e) erhält das Publikum den noch klaffen- mentalischem Geschmack abgestimmten Gesinnungsfratz(nach dem Manuskript von Paul Georg und Franz Rauch) vorgesetzt. In diesem Fall ober haben sich die Produzenten den Rohmen der Publikumsbeeinslussung zu weit ge- steckt, denn die Mischung von Uniformerotik, Por- nographie, wirklicher Lustspielmotive und sogar gelegentlicher Satire zeugt im Grunde von einer geistigen Hilflosigkeit, mit der auch das patrio- tische Publikum nichts anzufangen weiß. Unter den Schauspielern, die sich dem Gesinnungsmob der politischen Straße zur Verfügung stellen, geben gute Typen ab Falkenstein, Peukert, Picha, Wenck, besonders Kurt Lilien. Die Titelhelden sind Hörbinger, Kampers und Heidemann. I. h. hat. Im Urwald des oberen Amazonas lernen wir die O c a i n a kennen, bei denen die Frauen nackt, die Männer hingegen europäische bekleidet gehen, und die Boro, bei denen Mann und Frau nackt sind. Bei den R a p o- Indianern, die längs des Napo-Fluffes wohnen, sehen wir die Zauberer bei ihrer umständlichen Arbeit, und die Iiooro- Kopfjäger zeigen uns, wie man den Kopf eines Ermordeten kunstgerecht präpariert. e. b. Z von der Kavallerie. Hinsichtlich übelster Filmkonfekttonsware wie „3 von der Kavallerie", die sogar bei der Urauf- iuhrung im Titamopalast�Steglitz(und Primus- Palast) nur zaudernden Beifall errang, mutz man bedenken, datz dieser Dreck von Kapitals Gnaden keine versehentlich« Ausgrabung aus der Kinder- .Äurt Äatl Delteii: Die Fabrik Dumpf dröhnt lTsiarfchtritt ans dem Takt n, lichtender lpreffe»— Hundert klappende Hebel hämnlern ihn mit. klatschende O�iemen reihen an 5Räder» Schwere Exzenter stampfen den Schritt. Flammen tanzen Über die.Seite der wandernden Droste. Ä.N« schwelenden Decken blakender Sohl« springt hell lenchtend lRot. Fahnen stacken da nnter Sesseln! IXanch strömt Sehnsucht an» ragenden Esse«- Hell klingt im Takt der Ollsiaschine Lllllelodie der Fabriken: Freiheit, Arbeit, Brot! 3)rehrad Heute, Sovrttog, hat einer ein Lied gedichtet, Morgen. Montag, wird er hingerichtet, Dienstag verdirbt sich ein Prinz den Magen, Mittwoch wird eine Schlacht geschlagen, Donnerstag habe ich Skatpartie. Freitag stirbt ein Kraftgenie, Samstag wird überall eingebrochen. Und so geht es durch viele Wochen: Bilder, blau«, rote, gelbe, Aber der Inhalt bleibt derselbe. Fonttoe. PROGRAMM für die Zeit vom 2, bis S. September KIMO-TAPEl I'. PROGRAMM Iflr die Zeit vom 2. bis 5. September OQ) Moabit J Potsdamer Straße 38 An der LüUo-wstraße. StrAfpachc Tan Geldern mit Paul Richter, Ellen Richter, Fritz Kampers W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 Uhr Artushof Odeon, Potsdamer Str. 75 An der Pellasstraße. Ja. trea iet die Boldarenitobe mit Frier Schuir. Ida IViiat, Jakob Tiedtke V. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 Uhr Turmstraße 12 WUanaeker Str. 63. Jonnr•tiehit Europa Harry Fiel, Dary Holm, fred Abel mit AI- Jueendlirhe haben Zutrittl W. 5. 7. 9 Uhr 5. 3. 5, 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Paaaaso) Ja. treu ia< die Soldatenliebe ra,' Fritz Schulz, Ida IVüac. Jakob Tiedtke Den esnren Tag geSflnet S. ab 3 Uhr Bio-Lichtspiele Hachescher Markt 2-3 TagesVino ab 13 Uhr, Sonnt, ab 2 Uhr Jusendvorstallune Eine Stunde mit dir mit 31. Chevalier.— Kintopp vor 30 Jahren.— Beiproerramm Wochent. ab 5 Uhr Sonntags ab 5 Uhr Parleberger Str. 29 ZTcnfilme. Der rioeher dea Tone ~ Vater geht auf Reiten mit E. GlhOner— Tonwoche E Chäriettcnburg Tfc Germania-Palast Charlottenbura. Wilmersdorier Str 53/54 Ja, treu iat die Soldatenliebe mit Fritz Schulz, Ida Wüet. Jakob Tiedtke W. 3. 7. 9 Uhr S. S. i, 7. 9 Uhr Sshöneberg Alhambra Kant-Lichtspiele Kantstr 54(an der Wilmersdorf er Str.) Tlenteb ohne Vatnen mit Werner Krauß. tlaria Bard. Helene Thiraig: W. 5. 7, 9 Uhr S. 3, 5. 7. 9 Uhr Schlüter-Theater Äuhr Schlüterstr. 17 Stg. 3 Uhr: Jugd.-V. SchGUffhai-Expreft mit Marlen« Dietrich.— Beaaerer Herr{re»\jcbt rwecka... Variet6 Tonfilm Hauptstraße 30 �lamaell Kltouche mit Annr Ondra.— Hygiene der Ehe (mit ärartlichem Vortrag) Jugendliche haben keinen Zutritt c Wilmersdorf Atrium c Sriedrichstadt Franziskaner Gearganatraha(Eck« FriedridutraD«) A 1». 3, 3. 9 Uhr Der KAnig der Vasabundeo Bit Jeanette Hacdonald »JB. 1.3U. 4.30. 7.30. 1030 Uhr l-aehendee Eeben (Kuitureller XadttlUtn) Seueate Ton-Bild-Reportafr« Die Kamera Unter den Linden 14 W. 5. 7. 9 Uhr S. 8. 5. 7. 9 Uhr Bister Keaton in Caaanova wider Willen.— Ch. Chaplin. Harold Lloyd. Wochent. 7, 9)4 U. Stg. 5. 7. 9(4 U. Kaiterallee, Ecke Berliner Strefio UreuHuhrunB.- Die verkaufte Braut(der erste Opern-Tou(ilm) frei ntrh SmeUna mit Jarmllla\o- volna, Willy Domifraf-Faßben- der. Harl Valentin— Tonbei- Programm Khlenborf-Mltte> Beginn tägl. 5. 7. 9 Uhr Stg 3 Uhr Jügendvorstell. Potsdamer Sir. 56. Hensch ohne Xamen mit Werner Krauß, Helene Thimie Beiprogramm ■ Steallt«» Zelt Titania-Palast W.6.S0. 9 U. Stg. 4, 6.30, 9U. StegLitt. SchloOstr 5. EckeGutsmuthsstr. Uraufführung: Drei a on der Kavallerie mit Paul Hörbigcr. Fritr, Kemper«. Faul Heide mann, A Paulig, Hilde Bildebrand. Genta Söneland.— Ton- fllmbelprogramin Friedenau D Kronen-Lichtspiele Rheinstraß« 65. Eeg. 7. 9 Uhr. Sonnt. 5. 7. 9 Uhr E» war einmal ein Waltrer mit H. Eggerth. F. Uörblger,— Beiprogramic Titania Schöneberg Hauptstr. 49. W. 5, letzte 9 Uhr S. ab 3 Uhr Kri min altonfilm: Schuß im Mor- ffensraucD mit Ery Bo«. Th. Looa. Peter Lorra.— Tonbeiprogramm ■ wn.tnn B Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margaretenstr. Uraufführunc Drei von der Kavallerie mit Frltr Kamper«. Paul Horbiger. Paul Heide- mann, Else Fleier, Senta Söneland W. 5,15. 7.15. 9.15 Uhr. S, ab 3.15 Uhr U SUdwaatnn U Film-Palast Kammersäle Teltotcer Str. 1. W. ab 5 30, S. ab 3.30 5 Großtonfilme; Frau Lehmann« Töchter mit Banal Xieee.— Goldfieber mit Tom JHx P Tempeihof � � ffnrftirtt 7. 9- Stg. 5. 7,? AUTiarSI 5tg. 3 Uhr; Jgd.-Vorst. Dorfstraße 22, Ecke Berliner Straße �trafaache van Geldern mit Paul Richter. Ellen Richter.— Tonbeiprogramm Lr„ L Wochentags ab Sit JxUkuk Sonntags ab 3 Uhr Kottbusser Damm 92 Schuß im Tlorgengrauen mit Ery Bo», Ludw. Dlehl.— Ton beiprogramm Mercedes-Palast �'5 u. Hermannstr. 212. Bühnengatttpiel der grandiosen Ausstattungs-Bevue: E» geht auch ohne! 40 Mitsvirkcnde. Orchester- begleitung.— Filroteil: Die Macht der\ eranebnng mit E. Brink, Fuetterer.— JugendJ. Zutritt Primus-Palast soTnTVs u! Ajn H«rm«nnplatr, Urbans tr. 72/76. Ich bin|a»o verliebt mit Felix Bres»art.— Dl» Xacht der Versuchung Tivoli TIglich 5. 7. 9, Stgs. 3 Uhr; JugcndTOralell. Berliner Straße 9f7. Tonlustspiel: Ich bin Ja»o verliebt mit Felix Breaaan. Charl- Ander-— Tonbeiprogramm M„ // Hariendotler W 7. 9, If.a-Lt Tonlicbtepiele S. 5. f. 9 Chausseestr. 305. Tonlusttpial; Ich bin Ja*o verliebt mit Felix Broeeart, Charl- Ander.— Tonbeiprogramm G Haukailn> Frre/cinr Wochentags ,b EXCeiSlOr Sonntags ab 4 Uhr Kaiser-Eriedrich-Straße 191 Zwei glückliche Tage nut Cläre Bommer.— Die Kotler dea Herrn O. F. Stern, Hermannstraße 49 Wochentags ab 5 Vi Sonntags ab 4 Uhr Schuß im Morgengrauen mit Ery Bo*. Lodw. Diehl.— Tonbeiprogramm *«a««n■ Theater am Moritzplatz W. 3. 3 45 Uhr. S. ab 4.30 Uhr Da* Lied einer Macht mit J*D Kiepura.— End»o ein Glück kann*t du nur haben mit Siegfried Arno, Georg Alexander. Deatsch-Amerik. Theater Kbpenieker Str. 43. TJgl. ab 5 Uhr Zwei glückliche Tage mit Cl. Hemmer.— Da» Millionen te«tament.— Beiprogramm Filmeek Am Görlitzdr Bihnhof W. 6 30 U, Stg. 5 U. Fritz Schulz in dem Ivstifen Tenfüm Ja* freu ist die Aoldatenliebe Ferner Eft seht um»lieft mit Eddie Polo. Luclooe Albertino Luisen- Theater 1;$ Vu kleichen bargar Str. 34. Tom Six in d'm Original-Tonfilm Goldfieber Ferner Charlotte Ander. J. Blenjann in der Tonfilm-Operette Daa SLillioncnceatament Stella-Palast �fJbsuh? KSpenlcker Straße 12—14 Der großartig« Tonfilm Schuß im Jlorgengrauen Bühnenschau; Vier Variete- Attraktionen Treptow-Sternwarte Sonoabend 8. Sonntag 4, 6, 8 Uhr: fo den Dolomiten. Xaturgroß- film aus den Berken. » 0,t*n■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Von jetrt ab tiglich Orchester unter Leitung unseres langjährigen Kapellmeister* Dr. Knauer Tonfilmteil; W. Vogel der Ausbrecherkönig, nach Strafeache van Geldern Bühne; Drei Variete-Attraktionen von Weltruf Luna-Palast»Sät. L sX- Gr. Fraakfurler Sir. l2l. Des gioßen Erfolges �ec. verlängert: Eine Stunde mit dir mit III. ('hevalier.— Di© Koffer de» Herrn O. F.— Tonwoche Schwarzer Adler Frankf. Allee 99 W. 5. 7. 9 Uhr. S 3. 5, 7. 9 Uhr Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar, Guttav Fröhlich. — Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt! Viktoria-Theater sÄaii5 frankfurter Allee 48 Da* Tllllionentektament mit Charlotte Ander, J. Rlcmaon Jugendliche haben Zutritt! Volks-Kino Königstadt Schönhauser Allee 10/11 Wochent. 3.45 Uhr, Sonnt. 5 Uhr Henacb ohne Xamen mit Werner Krauß.— Bühne; Die•lugenden Ladys > Nnu-U«ht«n5eni""� Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70. W.?47. 9 Uhr. Stg. 5, 7. 9 Uhr Eine Stunde mit dir(Itegie Lu- bitsch) mit Maurice Chevalier- Tonbetprogramm.— Emelka- Tonwoche � � S ri eck rieh Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3. Tonwoche Mensch ohne harnen mit Werner Krauß, Helene Thlmig.— Gutes Tonbeiprogramm Morden Alhambra �Ä1.38- w. 5. 7. 9 Uhr Stg. 3. 5. 7. 9 Uhr Strafsache van Geldern ont P. Richter, Kampers, E. Richter >1 Pankow""fc Palast-Theater Breite Straße 21*. W. 7 U 8.39 ITir, Stg. tb 4 39 Uhr Strafsache van Geldern mit E. Richter.— Zwei glückliche Tage mit CI. Rümmer � Toaoi■ Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2. W. 6. Stg. 4k. Uhr Sonnlag 2 Uhr; Jugend-Vopttellcns Hurra, ein Junge! mit Max Adalbert, Robert*. Schulz.— Gr. Tonbeiprogramm c Nordosten ,Elysiam" Wochent, ab Uhr. Sonnt, ab 4 Uhr Strafsache van Geldern mit Kamper*. Elga Brink.— Der Tugendkönig Flora-Lichtspiele�uT 35 och lg. 5 45, ca. 7. 8,43, Stg. ab 3 Uhr 2 Tonfilme. W, Vogel der Ausbrecherkönig. nach Strafsache van Geldern,— VoUblut W. 6, 8: s. vi.«I, KoSmOS Bühne Hiuptstraßc 6. 3 Großfilm� Eine Stunde mit dir mit ll«urice Chevalier.** Vampyr. Dreycrs Meist erweA Filmpalast st�i Berliner Str. 69 2 Tdnfllme: Tom rechnet«b mft Tom Mix.— üdchen zun raten mit Renate Füller Tom Mix.— Mädchen zum He!« WM» nur :ht. Hauptstr. 3. St�. 2 Ulir: Jug.-�ortt, Union-Theater s�;«� Der Draufgänger mit Hans Alber*.— König der Treppe gut Tun Kiene