Redaktion u. Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 Tel. A7 Dönhoff 292—297 BERLIN Montag S.September 1932 10 Pf. Nr. 418 B 201 49. Jahrgang Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgode des„Vorwärts". Bezugspreis fü r b e i d e A u s g a b e n 7S Pf. pro Woche, Z,2z M. pro SDionat(davon 87 Pf. monatlich fiir Zustellung ins Haus) rm voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebühren. Anzeigenpreis i Di« lsplt. Milli- meterzeile 30 Pf. Die Reklamezeil« tostet 2 Mark. Rabatte n. Tarif. Gegenüber irreführenden Mitteilungen über Ur- hcbcrschaft und Schuld an den blutigen Ausfchrci- tungcn in Qhlau am IN. Juli 1932 wird aus den Urtcilsgründen folgendes amtlich bekanntgegeben: »�ur Entschuldigung der Angeklagten haben ihre Verteidiger geltend gemacht, daß die AuS- schrcitungcn der Rcichsbanncrangchörigcn lediglich durch das Provozierende Verhalten der Nationalsozia- listen ausgelöst worden seien... VcrcitS in Vricg hätten sich die Nationalsozialisten mit wurfgropcn Stücken aus Ziegelsteinen versehen und sie in ihren Vrotbcntcln und Taschen verstaut; sie seien auch mit Pistolen und Gewehren ausgerüstet gewesen... Hier- zu ist zunächst zu bemerken, daß. selbst wenn einzelne Nationalsozialisten im Besitze von Schuszwasscn gc- Wesen sein sollten, nicht in einem einzigen Fall von diesen Waffen Gebrauch gemacht worden ist... Fe- doch, ganz abgesehen davon, datz schon an sich diese angeblichen Provokationen, die auch nach der Dar- stcllung der Angeklagten für keinen der Beteiligten auch nur die geringsten nachteiligen Folgen gehabt haben, die von den Angeklagten begangenen schweren Ausschreitungen nicht im geringsten entschuldigen können, können sie auch deshalb nicht zur Recht- fcrtigung der Angeklagten dienen, weil sie ihnen ja zur Zeit der Begehung ihrer Straftaten noch gar nicht bekannt gewesen sind. Alle den Nationalsozia- listen gemachten Vorwürfe sind erst nach und nach im Laufe des Verfahrens zusammengetragen worden. Zu der' Zeit, als die Rcichsbanncrangchörigcn den Zug zum Schlotzplatz antraten, wußte keiner von ihnen etwas. Damals war ihnen lediglich gemeldet worden:„Schnell zur Pachurcrkc und auf den Ring, drin geht's los, die Nazis kommen." Das allein war Die Schuld von Ohlau. das Signal zum Marsch aus den Schloßplatz, nicht die Entrüstung über Ausschreitungen der Nationalsozia- listen. Das Gericht ist deshalb davon überzeugt, daß die Gewalttätigkeiten der Rcichsbanncrlcutc ledig- lich durch ihre und ihrer Führer Angriffslust und Angriffsbercitschaft ausgelöst worden ist, weil die Rcichsbanncrangchörigcn die Gelegenheit, die Nationalsozialisten zu überfallen und zu vcr- prügeln und ihren in langer Feindschaft auf- gespeicherten Haß an ihnen auszulassen, für günstig hielten.... daS Gericht hat keinen Zweifel daran, daß die Rcichsbanncrlcutc, nachdem sie bereite in Quallwitz genügend aufgehetzt worden waren, von ihren Führern lediglich zu dem Zweck im„Wal- fisch" zusammengehalten worden sind, um bei sich bietender Gelegenheit die Nationalsozialisten anzu- greisen. Denn eine andere einleuchtende Erklärung fiir das Zusammenbleiben im„Walfisch" konnte nicht gegeben werden. Turnick behauptet zwar, er habe mit seinen Leuten das Gcwcrkschaftsstüro und den Konsumverein schützen wollen... Aber er hat keinerlei Angaben darüber machen können, wer ihm solche Acußcrungcn zugetragen hat, und wann dies geschehen ist. Er hat tatsächlich auch nichts zum Schutz dieser Räume unternommen... So wenig die Tatsache, daß die Rcichsbanncrlcutc nach dem ttampf auf dem Ring im„Walfisch" zusammenblieben, aus die angebliche Besetzung der Stadt durch 2000 Nationalsozialisten zurückzusühren ist, so wenig ist den Angeklagten zu glauben, daß sie nach der Rück- kehr auS Quallwitz nur zu dem Zweck im„Walfisch" versammelt geblieben sind, um das GcwcrkschaftS- büro und den Konsumverein zu schützen. Für den einen wie für den anderen Fall gibt es keine andere Erklärung, als die AngriffSabsicht des Reichs- banncrS." Berlin, den 3. September 1932. Zugleich für den Justizministcr: Der Preußische Minister des Innern. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt: gez. Dr. Bracht. Beglaubigt. Modrow, Ministcrial-ttanzcilsckrctär. Der vorstehende Aufsatz der preußischen Re- gierung ging uns mit folgendem Begleitschreiben zu: Der minister des Innern. II 1206 e/58 Berlin NW. 7, den 3. September 1932. Anläßlich der Verhandlung über den Ohlauer Landfriedensbruch vom 10. Juli 1932 vor dem Sondergericht in Brieg hat Ihre Zeitung irreführende Mitteilungen über Urheberschaft und Schuld an den blutigen Ausschreitungen gebracht. Auf Grund des Z 5 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 14. Juni 1932— RGBl. I S. 297— ersuche ich daher um Abdruck der in der Anlage beigefügten amtlichen Entgegnung in der nächstfolgenden, für den Druck nicht bereits abgeschlossenen Nummer Ihrer Zeitung einschl. etwaiger Ropchlätter. Die Entgegnung ist aus der 1. Seite am Kopf der Zeitung über alle Spalten hinweg abzudrucken, die Ueberschrift in 3-Ciccro hoch, der Text in Borgis fett. Ich weise ausdrücklich darauf hin. daß nach 8 5 Abf. 2 der Verordnung vom 14. Juni 1932 eine Stellungnahme zu der Entgegnung in der gleichen Nummer unzulässig ist. Bei Zuwiderhandlungen gegen mein Ersuchen wird gemäß 8 6 Abs. 1 Ziff. 6 der genannten Verordnung eingeschritten werden. Mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt: gez. Dr. Bracht. Beglaubigt. Modrow, Ministerial-Kanzleisekretär. An die Schriftleitung der Zeitung„Vorwärts" Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. vis uns Keule regieren Deutschland 1932. Stahlhelm, Neichsregierung, Nechtsputschisten. Gestern hat die Schutztruppe der„unabhängigen und überparteilichen" Regierung Papen, des Herrenklubs, der Hohenzollern und der Offiziersbünde auf dem Tempelhofer Feld paradiert. Es war Anschauungsunterricht über die Kräfte, die Deutschland im Jahre 1932 regieren! Es stellten sich vor: Reichskanzler v. P a p e n, Reichsinncnminister v. G a y l, Reichsaußenministcr v. Neurath, Reichswehrminister v. Schleicher, Reichsfinanzminister Graf v. Schwe- rin-Krosigk, Reichsernährungsminister Freiherr v. Braun. In ihrem Gefolge Herr Bracht und Herr M e l ch e r. Als besondere Repräsentation der I a n u- schauer. Neben ihnen sämtliche Hohenzollernprinzen mit dem Exkranprinzen an der Spitze, der Herr Papa von Doorn war im Geiste bei ihnen... Ein Schock alter Generäle, Exfürsten und Exherzöge an der Spitze eines Heeres von Pensionären der Republik. Bewährte Hochverräter und Putschisten: der Kapp- Minister L ll t t w i tz, der Heimwehrputschist S t a r h e m- b c r g, der berüchtigte Kapp-Major P o b st. Die Herren ließen sich, um den Anschauungsunterricht auf alle Zeiten im Bild festzuhalten, zum Teil gemeinsam photographieren. Wir geben dies Bild wieder. Die Berliner Arbeiter müssen sehen, wer sie heute regiert! Das war gestern! Morgen wird die neue Rotverord- nung veröffentlicht: Vrncb des Tarifrechts— Milliarden- geschenke an die Unternehmer— Lohnsenkungen für die Arbeiter. Was ist von den Kräften, die gestern auf dem Stahl- helmtag paradierten, anders zu erwarten? Die nicht da waren. Die Stohlhelmpurade war ei» Ehrentag für das rote Berlin, das sich nicht blicken ließ. Es waren o»f dem Tempelhofer Feld mehr Swhlhclmleule als Publikum— ein Kroßslugmg zieht weit mehr Berliner an, als eine Parade des«tahlhelm. Was hat die Von linR» nach rechts: Putschist Fürst Starhemberg, Putschist Major Pabst, Reichsernährungsminister Freiherr v. Braun, Kapp-Putschist Lüttwitz, Reichsinnenminister von Gayl In trauter Gemeinschaft bei der Stahlhelmparade! Reichshauptstadt mit dieser Parade zu schassen? Ihre Bevölkerung wußte besseres, als Stassage sür die Exzellenzen zu machen! Wo blieb die schwarzweißrote Beflaggung? Sie war nicht da. Das hatte man den Stahlhelmjoldaten anders vorgestellt, und ihre große Enttäuschung machte sich oft und durch bissige Fragen nach der Berliner Bevölkerung Luft. Die umliegenden Schrebergärten mit ihren schwarzrotgoldenen Fahnen haben dem Herrenklub und auch den wohl mit unerschöpflichen Geldmitteln versehenen Stahl- Helmkommandeuren gezeigt, wo und aus welcher Seite die Reichs- Hauptstadt steht und wie sie diese Militär- und Kriegsmaskerade beurteilt. Die Nutznießer des Militärs, der Kasernen, des ehemaligen Adelsregime und der Junkerherrschaft hatten sich ein Stelldichein ge> geben. Die Opfer der Hohenzollern und des Krieges waren un- sichtbar. Die Offiziers-, Generals- und Prinzenpcnsionäre waren da! Die hungernden Krüppel, die Witwen und Waisen haben gefehlt, und gefehlt haben die zwei Millionen Toten der Massengräber..... Wer bezahlt? Die Stahlhelmer, die am Sonntag auf dem Tempelhofer Feld aufmarschierten, stammten zum allerkleinstcn Teil aus Berlin. In der Reichshauptstadt dürste der Stahlhelm nur eine sehr bescheidene Zahl von Mitgliedern, wenige Tausend, zählen. Die große Masse der Stahlhelmer war zweifellos von außerhalb gekommen. Nun aber weiß jeder, daß der Transport einer so großen Truppe nach einem Platz, selbst bei billigsten Fracht- und Verpflegungssätzen, sehr erhebliche Kosten verursacht. Das Vergnügen, fast seine ge- samte Mitgliedschaft auf einem Fleck versammelt zu sehen, hat dem Stahlhelm sicherlich mehrere Millionen gekostet. Dem Stahlhelm?— Da eben liegt die große Frage. Denn der Stahlhelm verfügt über solche slüssigen Mittel nicht. Es ist auch kaum anzunehmen, daß Privatleute nur für eine Parade mit Millionensummen eingesprungen sind. Und so entsteht die seht dringliche Frage: Mit wessen Geld ist der Stahlhelm- rummel finanziert worden? Lohnsenkungen sofort! papen-Programm von Hindenburg unterzeichnet. Die„Verordnung des Reichspräsidenten zur B«> lebung der Wirtschaft" ist am Sonntag vom Reichs- Präsidenten von Hindenburg in Neudeck unterzeichnet worden. Tie Verordnung gliedert sich in vier Teile, und zwar: 1.„Entlastung der Wirtschaft" 2.„Sozialpolitische Maßnahen" 3.„Kreditpolitische Maßnahmen" 4.„Finanzpolitische Maßnahmen". Das.Kernstück dieser Verordnung bildet die vom Reichskanzler von Papen in Münster angekündigte Er» mächtigung zur Einrichtung von Steueranrech» »ungs scheinen in Höhe von 1,5 Milliarden Mark sowie zur Neueinstellung von Arbeitskräften, d. h. je Ncueinstellung 400 Mark jährlich. Ter«tichtag für die Ingangsetzung dieses Programms wird der 4. Lktober lOIj'Z sein. Nutzer dieser Verordnung des Reichspräsidenten wird eine Turchführungsverordnung erlassen werden, in der u. a. auch die Auflockerung des Tarifwcs ens behandelt sein wird. Die darin enthaltenen Maßnahmen sollen um- gehend in die Tat umgesetzt werden. Tas Verordnungswcrk wird im Reichägcsctzblatt etwa sieben Zeiten umfassen, über die eine amtliche Zusammenfassung veröffentlicht wird. Ein Teil der Verordnung wird sich mit den vom Reich subvcntio- nicrtcn Betrieben befassen. Für die Dauer der finanziellen Beihilfe müssen die Gehälter in diesen Betrieben den Gehältern in den Reichsbctriebcn entsprechen. Der Inhalt der Verordnung. Die wirtschaftliche Verordnung der Regierung von Papen trägt nicht den Namen„Notverordnung", sondern wird von der Regierung „Verordnung zur Belebung der Wirtschaft" betitelt. Ihr Inhalt wird sich in vier Teile gliedern: Entlastung der Wirtschaft, sozialpolitische Maßnahmen, kreditpolitische Maßnahmen und sonstige finanzpolitische Maßnahmen. Im ersten Teil wird die Frage der Steueranrechnung s- scheine behandelt, die den Namen Steuerguts ch eine er- halten und in folgenden Fällen gewährt werden: l. Für Steuerzahlungen(Umsatzsteuer mit 50 Proz. Gewerbesteuer mit 40 Proz., Grundsteuer mit 25 Proz. und Beförderungz- steuer in Höhe des Ganzbetrages, wie bereits früher angekündigt. 2. Für die Mehrbeschäftigung von Arbeitnehmern sollen viertclsährlich 100 M. in Steuergutscheinen für jeden neu ein- gestellten Arbeitnehmer orgeütet werden. Wenn beispielsweise ein Arbeitgeber in der Zeit vom Oktober 1032 bis September 1933 in seinem inländischen Unternehmen mehr Arbeitnehmer als im Durchschnitt der Monate Iuni-Iuli- August d. I. in einem Kalendervierteljahr beschäftigt, so hat er je- wcils Anspruch auf Steuernachlaß in Form des Steucrgut- scheines. Die Steuergutscheine für Steuern und Mehrbeschäftigung werden von den Finanzämtern ausgegeben, die näheren Bestimmungen darüber, in welchen Fällen der Mehr- Beschäftigung sie zu gewähren sind(Saisonbetriebe, Mindestdaucr der Arbeitszeit, für welche Gruppen von Arbeitnehmern Neueinstellun- gen nicht anzurechnen find) erläßt das Reichsarbeitsministerium. Aus Hauswirtschaft, Heimarbeit und Hausgewerbe finden die Bor- fchriften grundsätzlich keine Anwendung. Die Scheine werden in den Rechnungsjahren 1934 bis 1938 mit je«in Fünftel bei Zahlungen der Besitz- und Verkehrs- steuern, mit Ausnahme der Einkommen- und Körperschaftssteuer, und bei Zöllen und Verbrauchssteuern in Anrechnung gebracht! Sie sind zu jeweils 50, 100, ,200, 1000, 19 000 und 20 000 Mark gestückelt. Für die Jahresabrechnung folgen später Scheine zu 10 und 20 Mark. Die Steuergutscheine sind bekanntlich an der Börse zugelassen und befreit von der Börsen- u m s a tz st e u e r. Fernerhin werden ab 16. September die Ver- zugszusthläge von VA auf 1 Proz. für jeden halben Monat her- abgesetzt und bei der Umsatzsteuer Steuerfreiheit nach§'7 für Milchlieferungen bei Reinigungs-, Erhitzungs- oder Tiefkühlungs- verfahren gewährt. Weiterhin wird für die Instandsetzung von Wohngebäuden usw. dem Reichssinanzministcr die Ermächtigung gewährt, 50 Millionen Mark auszugeben. Im zweiten Teil dieser Verordnung wird die Reichsregierung beauftragt, die sozialen Einrichtungen zu verein- fachen und zu verbilligen.(Aufbau der Reichsversiche- rungen, Arbeitsverfassung, Arbeitsvertrag, Tarifrecht, Verfahrens- gang, Arbeitslosenhilfe.) Dieser Passus der famosen Verordnung zur Ve- lebung der Wirtsclsaft enthält also nichts weniger als die vom„Vorwärts" bereits angekündigte und von der Regierung dementierte Generalvollmacht für die Umgestaltung der gesamten sozialen Gesetzgebung. Im dritten Teil wird den gewerblichen Kreditgenossenschaften und Konsumgenossenschaften die Möglichkeit gegeben. Garantien bis' zu 45 Millionen Mark und Zinszuschüsse in Höhe von 3,4 Millionen zu erhalten. Den Grenzgebieten werden zur Förderung des Wirt- schaftslebcns 50 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Der vierte Teil besagt, daß die Länder zur Weitergabe an die Gemeinden und Bezirksfürsorgeverbände monatlich einen Betrag für die Wohlfahrtshilfe erhalten. Gegen- über dem bisherigen Rückbehaltungsrecht eines Betrages von 10 Pro- zcnt der Länder zwecks Verteilung an besonders schwer betroffene Gemeinden wird auf 20 Prozent heraufgesetzt. Die Bürger- steuer wird entgegen früheren Erklärungen auch in den kommen- den Jahren weiter erhoben, die Gemeinden können sie für das letzte Ouartal 1932 nach den bisherigen Sätzen erheben. Der Zuschlag für die Ehefrau in Höhe von 50 Prozent fällt fort. Eine Aenderung tritt bei der Gemeinde-Biersteuer- entschädigung ein durch Abänderung des Verfahrens. Die Ver- günsligungen für die Spar- und Girokassen, die kommunalen Kredit- institute usw. werden verlängert. Lei den subventionierten Unternehmungen dürfen während der Dauer der finanziellen Beihilfe die Dienstbezüge der Angestellten nicht die Dienstbezüge eines Reichsministcrs übersteigen. Die Gerichte sollen nicht befugt sein, die Zulässigkeit dieser Anord- nung nachzuprüfen. Die Deutsche Rentcnbankkreditanstalt wird durch die Notverordnung von sämtlichen Steuern befreit. Des weiteren werden Vorschriften über die Beanstandung von Angestellten- und Arbeiterbezügen bei Gemeinden und anderen öffentlichen Körper- schaften, sowie gemischtwirtschaftlichen Betrieben erlassen für alle Fälle, in denen die Angestellten und Arbeiter günstiger gestellt sind als bei den Reichsverwaltungen. Diese Beanstandungen sind für die Gerichte von bindender Wirkung. Sie werden je nach Zuständigkeit vom Reichsarbeitsminister, vom Reichsfinanzminister oder von der obersten Landesfinanzbehörde erhoben. Zum Schluß bringt die Ver- ordnung Vorschriften, denen zufolge Dienstbezüge bei Geineinden und Körperschaften nach den Vorschriften der zweiten Gehalts- kürzungsverordnung herabzusetzen sind. -i° Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist die Einsetzung eines fiommisjars für die vom Reich subventionierten Betriebe auf dem Verwaltungswege vorgesehen. Gne Greisin ermordet! Raubmord an einer Hausbesitzerin— In der Wohnung erwürgt Ein schreckliches Verbrechen ist am Sonntag früh in unmittelbarer Nähe von Perlcberg entdeckt worden. Tort wurde die 73 Jahre alte Haus- und Gärtnerei- besitzerin, die Witwe Steulzloch, in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden. Allem Anschein nach liegt ein Raubmord vor. Ter Amtsrichter von Pcrleberg forderte zur Klärung des Verbrechens eine Berliner Mordkommission an. In den Morgenstunden des Sonntags erschien vor dem etwas abseits der Stadt gelegenen Grundstück die Auswartefrau der oitsn Witwe. Auf mehrfaches Klingeln und Klopfen wurde ihr nicht ge- öffnet. Die Frau schlug L a r m, so daß Nachbarn hinzukamen, die über den Zaun des kleinen Grundstücks stiegen. Als man im Haufe das Wohnzimmer der Greisin betrat, fand man diese an der Tür liegend t o t auf. Im Munde befand sich ein Knebel, über den Kops war ein großes Tuch geworfen. Die alte Frack ist er- würgt worden. Man benachrichtigte sofort die dortigen Behörden Nach Besichtigung des Tatortes durch den Amtsrichter wurde B e r- l i n von dem Verbrechen in Kenntnis gesetzt und Berliner Beamte angefordert. Der Verdacht der Täterschaft ist auf einen Mann ge- fallen, der am Sonnabend bei der Greisin vorgesprochen haue, da diese ihr Grundstück verkaufen wollte. Verzweifelter Kampf mit dem Mörder. Frau Steußloss bewohnte das Häuschen, das von einem Garten umgeben ist, ganz allein. Eine ältere Frau besorgte die Auswartung. Die Greisin lebte sehr zurückgezogen und sprach wenig mit ihren Nachbarsleuten. Anscheinend hat sie noch dem Mörder heftigen Widerstand entgegengesetzt. Der Täter hat dann die Wohnung systematisch durchsucht. Teilweise rückte er die Möbel von den Wänden ab und suchte nach dem Verstecks des Geldes. Ob er es gesunden hat. weih man nicht Denn Frau Steußloss hat das Versteck auch ihren wenigen Bekannten nicht ver- raten. Man erzählte sich nur. daß sie ziemlich begütert wäre und stets größere Geldsummen im Hause habe. In der Nacht zum Montag hat die Berliner Mordkommission noch umfangreiche Maß- nahmen getroffen, um des Täters habhaft zu werden. Die Ver- nehmungen der Nachbarn haben noch ke-.ne wichtigen Anhaltspunkte ergeben. Hahnenschwanz am Stahlhelm Oer fürstliche Hitler-Junge als Ehrengast Auf der Ehrentribüne des Stahlhelmaufmarsches durfte unter den anderen prominenten Nicht- oder Etappenkriegern auch jener gewesene Heimwehrsührer Ernst Rüdiger Starhemberg nicht fehlen, der den Weltkrieg noch auf der Schulbank verbracht hat, sich aber außerhalb der Grenzen seiner republikanisch gewordenen Heimat Deutsch-Oesterreich noch„Fürst" nennen kann und darum als halbwegs ebenbürtig mit den anderen die armen Teufel von Muskoten a. D. stundenlang vom bequemen Tribünenplatz be- trachten kann. Inzwischen hat sich die ganze Hahnenschwanzherrlichkeit jämmer- lich abwärts entwickelt. Das nutzlose Warten auf die„Uebernahme der Staatsführung" und auf die„Vernichtung der Marxisten", die keineswegs gesonnen sind, sich vernichten zu lassen, die Ausdeckung der Riesenplkite Starhembergs und seiner Verschuldung an den mährischen Juden Kohn, der Wahlerfolg der Hitler-Leute, In- trigen und Eifersüchteleien in dem Militärbetrieb der abgebauten schwarzgelben Offiziere— das alles hat bereits den Abfall der oberöstcrreichischen, steirischen und Salzburger H e i m w e h r vom Haupthahnenschwanz bewirkt. Zugleich stellt die„Heimatschutz-Zeitung" nach sechsjährigem Bestand ihr Er- scheinen ein— nicht ohne noch einen Partherpfeil gegen das Wiener Hakenkreuzorgan„Dötz"(Deutsch-Oesterreichische Tageszeitung) abzuschießen; dieses edle Blatt ist schon bei dem großen Bestechungsskandal um die verkrachte Credii-Anstalt als Empfänger eines ansehnlichen Betrages gebrandmarkt worden. Run enthüllt das sterbende Hahnenschwanzorgan auch noch, daß die„Dötz" oft- mal? und stets mit Erfolg den Starhemberg angebettelt hat, wenn es im Druck war und besonders, wenn der Send- und Pfändbote des marxistischen Wiener Schatzkanzlers Breitner dräuend Mammon für Jnseratensteuer u. a. m. heischte. Schwere Sorge von der Verfchlingung selbst der christlichsozialen Wähler durch den deutschen Mode-Faschismus der H i tl e r e i äußert übrigens auch die Berliner„Germania" in einem Artikel über Oesterreich in ihrer Katholikentag-Sondernummer. Vorsichtshalber wird da freilich hin- zugefügt, daß man die Stärke einer Religion nicht nach Wähler- stimmen beurteilen dürsle. Welch ein Trost für Seipels Erbschaft! Sie wollen ihren Könia w eder. München, 5. September. In Aichach in Oberbayern fand am Sonntag eine große Bayern- kundgebung statt. Auf dem Burgplatz in Oberwiitelsbach hielt dar Bischof von Augsburg, Dr. Kumpfmüller. einen Festgottesdienst ab, dem Exkronprinz R u p p r c ch t von Bayern sowie viele Angehörige des bayerischen Adels beiwohnten. In Aichach hielt Rupprecht eine Ansprache. Neben anderen Rednern sprach auch Gehcimrat Dr. Heim, der dem Wunsch nach baldiger Wiederherstellung des bayerischen Königtums Ausdruck gab. Ehinefifcher General ermordet. Der chinesische General T s ch a n q- t s ch u n g t s ch a n g, der frühere Gouverneur der Provinz Schon- tung, ist in Tsinanfu ermordet worden, als er sich auf dem Bahnhof von Freunden verabschiedete. Im Bürgerkrieg 1925 war Tschanztchungtschang einer der erfolgreichsten Führer. Ein schöner Wahlersolg. Soziolöemokratie geVinnt/ Bürgertum und Nazis verlieren Breslau, 5. September.(Eigenbericht.) In der Gemeinde Schotttvitz im Wahlkreis Breslau fand am Sonntag ans Anlast der kürzlich erfolgten Ein- gcmcindung des Nachbardorfes Polanowitz die Wahl zur Gemeindevertretung statt. Ans die So- zialdemokratie entfielen 38». auf das Zentrum 34, aus die.KP?. 34 und auf die vereinigten Bürger- lichen einschließlich der Nazis und der Teutschnationalen 100 Stimmen. Während die Sozialdemokratische Partei einen Stimmenzuwachs von etwa 1» Prozent erhielt, haben alle Parteien erhebliche B e r l u st e zu verzeichnen. Ter Tieg der sozialistischen Liste ist um so beachtlicher, als die Gemeinde Schottwitz seit Jahren von einem Sozialdemokraten verwaltet wird. Beim Waffendiebsiahl erschossen. Einbruchsversuch in die ostpreußlsche polizeischule.- Zwei Tote. Königsberg, 5. Sepiember.(Eigenbericht.) Zu der Senzburger Polizeischule gab es heule nachl bei einem Einbruchsversuch in das Schieß siandarfenal zwei Tote. Zn der Wohnung des Polizeihaupkwachtmeisters Salller waren die Waffen des Schießflandarfenals untergebracht. Mehrfach waren schon Einbruchsversuche unternommen worden. Als Sattler beute nacht feine Wohnung verließ, blieben zwei Polizeihauptwacht. weisier als Wache zurück. Kur; nachdem Polizeihauptwachtmeister Sattler fortgegangen war, erschien ein Mann, der nach Zertrümmern der Fensterscheibe in die Wohnung einstieg. Als er be- merkie, daß er in eine Falle gegangen war. s ch oß er sofort auf die beiden Polizeihauptwachlmeisler und verletzte den Polizei- hauplwachlmeister Baak durch einen Brustschuß tödlich. Der andere polizeibeamle erschoß darauf den Einbrecher, bei dem es sich um einen gewissen Schmidlke aus Mcrtinsdorf im Kreise Senzburg handelt. Kreisverkehr am AZex. polizeiliche Straßensperrungen aufgehoben Seil heute früh ist am Alcxanderplatz nach sahrclangen Um- lcitungen und polizeilichen Absperrungen der Kreisverkehr eröffnet und sämtliche Straßensperrungen sind ausgehoben worden. Vor mehr als fünf Jahren, als noch die„Berolina", die jetzt auf irgend einem Lagerplatz in Berlin ein unrühmliches Ende ge- funden hat, den Vorplatz vor dem Warenhaus Tietz zierte nahmen die Arbeiten am Alexanderplatz ihren Beginn. Die„Berolina" oerschwand, eine Bretterbudenstadr entstand und Arbeiterkolonnen drangen immer tiefer wie Wühlmäuse in die Erde. Ein gigan» tischer Schacht, in dem sich heute die imponierenden Bahnhof-- anlagen der E-Bahn befinden, entstand in jahrelanger, zäher Ar- beit. Es soll nichts mehr darüber gesagt werden, mit welchen Schwierigkeiten die Anlagen des Bahnhofes und des unterirdischen Schienenstranges verknüpft waren, aber es sei daran erinnert, daß eine Reihe von alten Berliner Häusern der Spitzhacke zum Opfer sielen. Der ungestüm vorwärtsdrängende Verkehr, die städtebau- liche Entwicklung Berlins, sorderten diese Zerstörung gebieterisch, um modernen neuen Gebäuden Platz zu machen. Wer den Alexander- platz vor 15 Iahren nicht gekannt hat. kann sich heute kein Bild mehr von seinem ursprünglichen Zustand machen Es hat sich alles so grundlegend geändert, es ist alles so umgewandelt worden, daß sich Berlin mit dem Aleranderplatz einen Weltstadtplotz ersten Ranges geschaffen hat. Seit 1927 wird an der völligen Umwand- lung de- Alexanderplatzes gearbeitet. Ueber fünf Jahre hat es ge- dauert, bis der neue, schöne Platz von der Polizei dem Verkehr sibergeben werden konnte. Die Baubuden— die Bretterstadt— sind wieder abgerissen worden, vereinzelte Schuppen in den Seiten- straßen dienen noch den letzten Arbeiten, die in einigen Monaten gleichfalls restlos beendet sein werden. Seit heute früh herrscht also auf dem Alexanderplatz der Kreisverkehr. Lichtsignale(Am- peln) sind bisher nicht montiert worden, die Regelung des starken Fahrverkehrs geschieht durch Schupobeamte. Es ist noch sehr frag- lich, ob überhaupt Lichtsignalmaste errichtet werden. Die Fertig- stellung des„Alex" bringt kurzum folgende für jeden interessante Umänderungen im Verkehr: Einführung des Kreisverkehrs, die Sperrung der östlichen Fohrbahn der Alexonderstraßc von der Neuen Königstraße bis zur Prenzlauer Straße ist aufgehoben worden. Auch die Alte Schützen- straße ist für den Verkehr in beiden Richtungen wieder freigegeben. Die wichtige Seitenverbindung, die Grunerstraße von der Kloster- straße in Richtung Alexanderstraße ist ab heute wieder Einbahn- straße._ Börse im Fieber. Auch heute stürmische Hausse. Aus der heutigen Börse fand die stürmische Hausse vom Sonn- abend in neuen starken Kurssteigerungen auf allen Märkten ihre Fortsetzung. Die privatkapitalistischen Sonderoorteile aus den wirtschaftlichen Notverordnungen, die gestern unterzeichnet wurden und morgen veröffentlicht werden, bleiben nach wie vor das am stärksten anregende Moment. Die gefährlichen Folgen aus den gleichzeitig beabsichtigten Lohnsenkungen und aus der scheinbaren offiziellen Schwenkung der Reichsregierung zur Autarkie- Politik werden vernachlässigt. Daß die Reichsbahn aus dem Erlaß der Beförderungsftcuer für etwa 150 Millionen Mark neue Aufträge vergeben soll, wirkte besonders stimulierend für die Montanwerte. LG. Farben überschritten nach einem Kurs von 98 am Sonn- abend heute die Parigrsnze, erreichten 102 und befeftiglen sich schließlich auf 101 A Proz. Siemens-Halske erhöhte den Kurs von 142'/« auf 147 A, Solzdetfurth von 185V» auf 188, AEG. von 43'/» auf 45. Montanwerte lagen durchweg sehr fest in Erwartung der Reichsbahnausträae. Im Durchschnitt ergaben sich K u r s b e s s e- rungen von 2 bis 5 Proz. Auf dem Markt der festverzinslichen Papiere war die Nachfrage noch wie vor sehr stark. Goldpfandbriefe und Kam- munalobligationen stiegen im Durchschnitt wieder um 1 bis 2 Proz. Lei den städtischen Anleihen und Schatzanweisungen war c; ebenso. Parade in Tempelhof 5,: M f*; Bellndet sich in Hitlers Händen Dodi mehr das Kroppzeug rüder Schläger, So ist in Seldtes Restbeständen Die bessre Note etwas reger. Man sah viel wohlgeflegte Herren Mit einer Brust voll Ordensschnallen. Die sich der Ansicht nicht versperren, Es mühte bald mal wieder knallen. Sie schmissen steil von den Gesäßen Die Beine, daß die Gegend dröhnte. In jedem Anflitz stand zu lesen, Daß es sich nach Kaserne sehnte. Daß jeder einen Blick erschnappe Von prinzlichen Antiquitäten, War auch die einstige Etappe In großer Anzahl angetreten. Die Männer, die voll Orden bammeln Und die nach neuem Kriege schmachten, Die müßten alle Staaten sammeln Und in ein ödes Land verfrachten Dann mögen sie mit Mordmaschinen Austilgen sich an fernen Golfen. So wäre uns und wäre ihnen, So war' der ganzen Welt geholfen. Hans Bauer. Sieben Opfer des SiaHlHelmiages. Drei Sichlhelmleuie bei der„Parade" tot umgefallen. Der Berliner Slahlhelmtag hat durch Unglücksfälle sieben Todesopfer gefordert. Als erster verunglückte der 26jährige Freiherr Georg Dietrich von T f ch a m m e r aus Schlesien auf einer Motorradfahrt nach Berlin tödlich. Hierüber haben wir schon berichtet. In der Nacht zum Sonntag ereigneten sich dann in Berlin drei tödliche Unglücks- fälle. Ein 18jöhriger Stahlhelmmann Adolf Bergmann aus Eisleben, der mit mehreren Kameraden auf den Gewässern zwischen Wannsee und Potsdam eine Dampferfahrt unternahm, stürzt« in der Trunkenheit ins Wasier. Seine Leiche wurde später in der Nähe von Moorlake am Haoelufer aus dem Wasier gezogen. In der gleichen Zeit wurde zwischen den Stationen Teltow und Lichterfelde die Leiche des 33jährigen Stahlhelmers Kurt Lang- Heinrich, der Angestellter des Deutschnationalen Hondlungs- gehilfenverbandes in Gera war, auf den Schienen aufgefunden. Langheinrich muß kurz hinter Teltow aus dem Zug gestürzt und überfahren worden sein. Ein weiteres Opfer ist ein 22jähriger Mann aus Bitterfeld. Er hatte kaum sein Quartier bezogen, als er plötzlich tot zusammen- sank. Außerdem erlitten am Sonntag bei der„P a r a d c" auf dem Tempelhofer Feld drei Stahlhelmleute Herzschläge. Gerhari-Hauptmann-Keiern. Breslau, 5. September.(Eigenbericht.) Schlesiens Hauptstadt feiert in diesen Tagen den 7 0. G e» burtstag Gerhart Hauptmanns, einer der größten Söhne öes fchlesischen Landes. Unter den zahlreichen Veranstal- tungen, die der Ehrung des Dichters gelten, ist von besonderer Be- deutung für das sozialistische Deutschland eine gutbesuchte Ger- hart-Hauptmann-Feier des Arbeiter-Bildungs- Ausschusses, die am Sonntag in Anwesenheit des Dichters im Breslauer Konzerthaus stattfand. Rezitationen aus verschieoenen Werken Hauptmanns und Dar- bietungen des Breslauer Lolkschors umrahmten die Feier. Lebens- weg und Lebenswerk des Dichters zeichnet« in einem Vortrag, der das Wesen der Schöpfungen Hauptmanns vor den Augen der pro- letarijchen Besucher der Feier lebendig werden ließ, Professor Otto A n t he s- Lübeck. Die Forderung nach vollkommenem Menschentum, nach wahrer Menschlichkeit, die dem deutschen Volke und der deutschen Arbeiterschaft als Herzenssache gelte, sei in diesem Manne aufs edelste wirksam geworden. Hauptmann wurde der Dichter der Armen, der Elenden, der von einem grausamen Schick- sal Bedrückten und ins Dunkel Gestoßenen. Wenn die deutsch« Arbeiterschaft gerade ihn als ihren Dichter betrachte, so ehre sie da- mit sich selbst und das Beste im Wesen des deutschen Volkes. Hauptmann kleidete in sichtlicher Bewegung feinen Dank für die ihm von der Breslauer Arbeiterschaft zuteil gewordene Ehrung in schöne Gedanken über das Götttiche im Menschen, das sich vornehmlich im Ringen um Besiergestaliung des menschlichen Daseins und des Zusammenlebens der Menschen untereinander äußere. Der Mensch könne seinen Kampf gegen die Natur im all- gemeinen und in ihm selbst nur iiihren vermöge des Göttsichen. das in ihm wirke. Zu diesem Göttlichen gehöre das Pflichtgefühl und der Wille zur Arbeit. Einen höheren Sinn aber besitze die Arbeit des Menschen nur, wenn sie die Wohlfahrt der A 1 1 g e- m e i n h e t t zum Ziele habe. Nur so pdeben merde sie in eine zukünftig« göttliche Freiheit führen. Wenn ihn die kämpfende Arbeiterschaft mit dieser Feier gewissermaßen in ihr« Gemeinschaft aufnehme, so empfinde er das als den größten, schönsten und wärmsten Lohn seines Lebens.„Meine besten Wünsche"— so schloß der Dichter—„gelten immer dem Wohlergehennmeiner Mit- menschen." Nach Beendigung der Veranstaltung des Arbeiter-Bildungs- Ausschusses brachten die Besucher der Feier dem Dichter jubelnde Ovationen dar. Vielhundcrtstimmige Freiheitsrufe schollen Gerhart.Hauptmann, als er den Festsaal oerließ, als Gruß der deutschen Arbeiterschaft nach. Im Rahmen der Hauptmann-Ehrungen erfolgte am Sonn- abend die Einweihung des neuen Gerhart-Hauptmann-Theaters. Das Bauwerk stellt einen von der Volksbühne durchgeführten Um- bau des früheren Thalia-Theaters dar. Der Katholikentag in Essen ist am Sonntag feierlich beendet worden. Bei der Schlußkundzebung auf dem Durgplatz wurde eine Stafettenborschaft des Erzbifchofs von Köln verlesen. Darin werden die Katholiken aufgefordert, durch Reform der Zustände und der Gesinnung eine neue Gesellschaftsordnung zu be- gründen— eine wahrhaft sittliche Ordnung— die, von Willkür iind menschlichem Machtwillen befreit, auf die unerfchütterlichen Pfeiler der zehn Gebote, der christlichen Gerechtigkeit und der Nächstenliebe aufgebaut sei. Ein neuer Chor. Zur Pflege des Acapella-Gesangs ist von Kurt Singer ein junger Chor gegründet und dem..Berliner Aerzte- Chor" anzegliede t worden, der sich die Aufgabe gestellt hat, mittel- alterliche Musik, alte Madrigale, Motetten, unbegleitete Volkslieder zu studieren. In der Nacht zum Montag hat der Tod unfern Ge- nassen Heinrich Schulz, wenige Tage vor Vollendung seines 60. Lebensjahres, abberufen. Dieses vorzeitige Schei- den eines hochverdienten Freundes wird in der gesamten Arbeiterbewegung tiefste Anteilnahme hervorrufen. � Mit dem Namen Heinrich Schulz verbindet sich die Er- innerung an den Aufbau der systematischen Fortbildungsarbeit innerhalb der sozialistischen Bewegung, deren Schöpfer er war und deren Förderer er bis zum Tode blieb. Als junger Volksschullehrer in Bremen, seiner Vaterstadt, hatte Heinrich Schulz sein Amt bereits mit 22 Iahren niedergelegt, um sich ganz der sozia- listischen Arbeit zu widmen. Der Weg zu ihr ging damals noch einzig über die Redaktionen der Parteiblätter, die selbst noch bescheidenste Organe auf publizistischem Felde waren. Im Jahre 1896 fand Schulz Eingang in die Re- daktion der Erfurter„Tribüne", der er bis 1901 angehörte. Dann ging er nach kurzem Zwischenspiel in Magdeburg nach seiner Heimatstadt zurück, wo er die„Bremer Bürgerzeitung" leitete. Hier begann er die planmäßige Arbeit zur Errich- tung selbständiger Bildunasschulen in der Partei, als deren Krönung im Jahre 1906 die Parteischule in Berlin erstand. Zu ihrem geschäftlichen Leiter wurde Heinrich Schulz berufen, der auf dem Mannheimer Parteitag 1906— gemeinsam mit Klara Zetkin— ein großzügiges Referat über Erziehungsprobleme erstattet hatte. Die Parteischule in ihrer alten Form ist durch den Krieg und seine Folgen zerstört worden. Nicht zerstört aber wurde das Streben ihres Leiters, der seit 1912 auch dem Reichs- tage angehörte, die vielfältigen Bildungskräfte in der Ar- beiterbewegung zusammenzufassen und auszugestalten. Erst vor kurzem feierte der Reichsausschuß für sozia- listische Bildungsarbeit, dessen Vorsitzender er Gonderschau Saarländischer Künstler. Zweite Abteilung der Großen Verliner Kunstausstellung. Seitdem die Große Berliner von Moabit nach dem Schloß Bellevue übergesiedelt ist, muß sie aus Raummangel in zwei Ab- teilungen getrennt werden. Bisher ist sie dadurch nicht inter- esianter geworden. Indessen bietet diesmal die zweite Serie, am 3. September eröffnet, einen wirklichen Anziehungspunkt in Gestalt der Sonderschau Saarländischer Künstler, die in über- raschender Weise eine geschlossene Form entwickelt haben, gemäß dem Charakter des Grenzlandes an der Saar von allen Seiten das Beste nehmend, deutsche und französische Kunst zu einer Synthese verschmelzend. In Saarbrücken hat sich in der Zeit seit dem Kriege ein äußerst reges und fruchtbares Kulturleben entwickelt,- das dem Deutschtum des schönen umkämpften Ländchens dient, indem es den Bewohnern das Beste an deutscher Kunst der Gegenwart vermittelt. Die Kunst- schule ist unter der Leitung von Fritz Grewenig zum Zentrum dieser Bestrebungen geworden. Daß sie damit auch in produktivster Weise fördernd gewirkt hat. lehrt diese ungemein eindrucksvolle Ausstellung ihrer Künstler. Man hat schon lange keine so erfreuliche, srifche, schöpferische Darbietung geseheni sie macht uns wieder Mut, an die fortwirkende Kraft der modernen Kunst zu glauben. Dafür soll den Saarländern unser Dank ausgesprochen werden. Durchgängig steht ihre Malerei auf der Höhe: in der Form gibt sie jene aus Abstraktion und Naturerlebnis schön gemischte Konstruktivität, die wir z. B. bei Karl Hofer und den Meistern deck Dessauer Bauhauses(Feininger, Klee, Schlemmer usw.) finden, und die wohl den höchsten Rang in der heutigen Kunst einnimmt�wir finden sie ebenso in Paris, wie bei den besten Italienern und Spa- niern wieder. Am d)araktcristischstsn ist diese Phantasiekunst, die echtes Seherlebnis in halb gegenstandslose strenge Linien und zauberhaste Farben kleidet, bei Fritz Grewenig selber und dem höchst begabten Erhard Jene, dessen morgenländische Stadt- landschastcn zum Besten der Ausstellung zählen. Von ähnlidzer Romantik: Keuth, Zolnhofer, Trude B.rück: näher an der Natur: Trepte, Schmeer, P. Nikolaus, Bauer und die stilvollen Zeichnungen von C 1 ü s e r a t h und Strauß. Ein begabter Arbeiter-Moler ist dabei: Kurt Steng, in dessen „Schulgang" wir eine ganz selbständig erarbeitete Leistung von naiver Anschaulichkeit sehen, wohltuendes Beispiel eines aus der Tiefe des Volkes selber heraufkommenden Formwillens, der in die Zukunft weist. Weniger günstig zeigen sich diesmal die sogenannten„Ab- strakten", als Ortsgruppe Berlin sich„die Zeitgemäßen" nennend: Oskar Nerlinger, bedeutendstes Talent der Gruppe, läßt sich ein wenig gehen, die Aeinfigurigen Reoolutionsszenen von Fritz W o 1 s f sind künstlerisch auch ein wenig matt. Der„Bund revolutionärer Künstler" ist durch ein nachträgliches Maäuwort von oben her von den Wänden radikal entfernt worden, übriggeblieben sind nur sieben� Proletarierporträts von Otto Nagel, tüchtige Arbeiten des klassenbewußten Künstlers. war, seine 25jährige Arbeit, und Schulz lieferte dazu in seiner auch im„Vorwärts" besprochenen Schrift„Bildung und Politik" einen historischen Abriß über die umfangreiche Arbeit der Bildungsausschüsse. Die Schrift sollte auch heute und immer wieder gelesen werden, denn sie gibt einen tiefen Einblick in das fleißige Ringen zweier Generationen um sozialistische Erkenntnis und Vertiefung inmitten einer um- wälzenden Geschichtsperiode. Nach dem Kriege wurde Heinrich Schulz als Staats- sekretär für Schul- und Bildungsfragen in das Reichsministerium des Innern berufen. Er hat einen starken Anteil an der Aufbauarbeit, die in Erfüllung der Verfassungsrichtlinien geleistet wurde, um das gesamte Unterrichtswesen in neue Bahnen zu lenken. Auch bei den ersten Versuchen, das in der Verfassung vorgesehene Reichsschulgesetz zu verwirklichen, wirkte er an erster Stelle mit. Die Versuche mußten— bis heute— scheitern, weil die politischen Kräfte sich mehr und mehr nach einer Richtung oerlagerten, die ein fortschrittliches Schulgesetz im Reiche unmöglich macht. Der deutschnationale Innenminister v. Keudell ließ Schulz deshalb in Pension gehen, weil dessen Ansichten mit der„seines" Ministers in schroffem Wider- spruch standen. Aber in der amtlichen Tätigkeit erschöpfte sich die Schaffensfreude von Heinrich Schulz keineswegs. Seine alte und tiefste Liebe galt der sozialistischen Bewegung. Hier schuf er— in Ergänzung seiner Bildungsarbeiten— den Sozialistischen Kulturbund, der alle Arbeiter- kulturorganisationen zusammenfaßte: die sozialdemokratischen Bildungseinrichtungen mit denen der Gewerkschaften, die Arbeitersportverbände, den Arbeiterradiobund, die Arbeits- gemeinschaft sozialistischer Lehrer und alle ähnlichen Organi- sationen, die sozialistischem Wollen auf einem besonderen Ge- biete zum Durchbruch zu verhelfen suchen. Die sozia- li(tischen Kulturtage legen von der organisatorischen Arbeit des jetzt Verstorbenen ein beredtes Zeugnis ab. Ein besonderes Verdienst hat Genosse Sdzulz sich er- worden durch die Gründung der„Deutschen K u n st- gemeinschaft", die im alten Schloß an der Spree ihre ständige Ausstellung hat und jungen Künstlern— Malern wie Bildhauern— die Möglichkeit bietet, ihre Werke schon zu Lebzeiten.an Käufer abzusetzen, denen durch Elastizität der Zahlungsbedingungen der Ankauf erleichtert wird. Von seiner schöpferischen Kraft legen zahlreiche Bücher und Broschüren Zeugnis ab, in denen Heinrich Schulz im Laufe der Jahre die Stellung der Sozialdemokratie zu den Erziehungsfragen behandelte und sie vielfach richtunggebend beeinflußte. Sein Buch„Der kleine Jan", in dem er das geistige Wachsen eines kleinen Erdenbürgers lebendig schildert, hat weit über die Kreise der Partei hinaus Be- achtung gefunden und viele Freude ausgelöst. Nun hat eine Erkrankung des Herzmuskels den schaffensfrohen Mitkämpfer plötzlich von uns genommen. Der Bewegung ist einer der Arbeitsamsten und der Treuesten entrissen. Sein Gedächtnis aber lebt in seinen Werken fort! Hin und wieder trifft man inmitten der sonstigen Ausstellung?- wüste noch auf Oasen: schöne Aquarelle von Gertrud Koress- Stemmler, Erna Schmidt-Caroll, Annot. R. Ja- codi, Niemeyer-Holstein: und in der auffallend reich- baltigen Abteilung der Graphik, die auf einen neuen Aufschwung dieses lange vernachlässigten Hauptzweigs unserer Kunst schließen läßt, neben Farbholzschnitten von Berger-Bergner, die die Munch-Tradition fortsetzen, die vorzüglichen Parträtstiche von Büttner, die in den Rahmen der jüngst sich stark bemerkbar machenden Erneuerung des Kupferstichs gehören. Lau! F. Schmidt. Oer Stahlhelm marschiert. Der Bortrag des Gartendirektors Ludwig Lesser„Für Siedler und Kleingärtner" fiel am Sonntag aus. Was interessiert es die Funkstunde, daß Tausende von Hörern auf ihn warten? Der Stahlhelm marschiert ins Stadion ein, und das hat dem echten Deutschen wichtiger zu sein als die Bestellung des Stückchen Bodens, der seiner Ernährung und seiner Freude dient. Die Vorträge Ludwig Lessers sind so beliebt, daß viele zuhören, selbst wenn das Thema ihnen keinen unmittelbaren Gewinn ver- spricht. Ludwig Lesser hat zu verschwinden, wenn dafür den auf- horchenden Hörern die Mitteilung gemacht werden kann, daß„d e r Kronprinz, der ehemalige Kronprinz" in der Ehren- löge neben Generalfeldmarschall von Mackensen Platz genommen hat. Selbstverständlich war mit dieser Stahlhelm-Reportage am Sonnabend es für die Funkstunde nicht abgetan. Am Sonntag ging über alle deutschen Sender ein weiterer Hörbericht, der von den Sonnabend- und Sonntagveranstaltungen des Stahl- heim auf Wachsplatten aufgenommen worden war, um die Hörer für die ruhmreiche Geschichte der preußischen Könige und für die schwarzweißrote Fahne zu begeistern. Wie der Sprecher im Stadion, das als Höchstzahl 60 000 Personen faßt, 100 000 Anwesende zählen konnte, bleibt sein Geheimnis. Es gab am Abend im Programm des Deutschland- s e n d e r s eine Uebertragung der Hauptmann-Feier aus Breslau, in deren Mittelpunkt die launige und weise Ansprache des Jugendfreundes B ö 1 s ch e an den Dichter stand und deren Ab- schluß die einfachen Dankesworte des Dichters bildeten, der in ihnen auch des ersten Reichspräsidenten, unseres Fritz Ebert, ver- ftändnisvoll gedachte. Zum zweitenmal nun in diesen Wochen, in denen das Wort„Republik" im deutschen Rundfunk so verpönt ist wie die Namen der Männer, die in ihrem Dienst kämpften und starben— in keiner Rheinland- oder Saarseier, die wir jetzt so häusig haben, fällt auch nur der Name Stresemann—, zum zweitenmal hat G e r h a r t Hauptmann sich vor dem Mikro- phon, vor dem deutschen Volk, dankbar zur Deutschen Republik, zu ihren Männern, zu ihrem Friedensgedanken bekannt. Wir danken ihm, daß der Freiheitsgedanke seiner Jugendwerke, daß er selber uns lebendig blieb.— J», Appell an die Golidariiät dei* Seeleute! Für holländische Schiffe nicht anmustern� Seit dem 30. August streiken die Seeleute und Offiziere der holländischen Schiffahrt. Die Reeder wollen die Heuern durch- schnittlich Um 2 0 P r o z. herabsetze n und es den ihnen ange- schlossenen Gesellschaften freistellen, ihre Schiffe crientuell unter englischer Flagge fahren zu lassen und englische Seeleute anzumustern, zu den niedrigeren englischen Heuern. Offiziere und Mannschaften weigern sich, auf allen Schiffen anzumustern, die ver- sucht haben, neue Besatzungen heranzuziehen, auch dann, wenn sie die alten Heuern zahlen wollen. Die holländischen Organisationen ersuchen alle Seelcuteorgani- sationen im Ausland dringend, für holländische Schiffe nicht anzu- mustern, solange der Konflikt dauert. Hafenarbeiterstreik in Gdingen beendet. petroleumstreik geht weiter. Warschau, 5. September.(Eigenbericht.) Der Hafenarbeiterstreik in Gdingen ist beigelegt. Die durch die Vermittlung der Regierungsstellen erzielt« Verständigung sieht die Ausarbeitung eines Sammelabkommens bis zum 1. Oktober vor. In der Zwischenzeit sollen die Hafenarbeiter einen fünfprozenti- gj: n Zuschlag zu den bisherigen Löhnen erhalten. Alle anderen Streitfragen sollen später geregelt werden. Der Transportarbeitervert'and wollte diese Kompromißlösung ursprünglich ablehnen. Da aber die beiden nichtsozialistischen Ver- bände vorzeitig die Waffen streckten, mußte auch er schließlich nach- geben. Die Arbeit im Hafen wurde am Montagmorgen wieder aufgenommen. Nur die Matrosen beabsichtigen, den Streik fortzusetzen, um weitere Verhandlungen zu führen. Der Streik in der polnischen Petroleumindu- strie dauert in unverminderter Stärke an. Unter den Streikenden machte sich die Tendenz bemerkbar, den Kampf durch Stillegung der elektrischen Kraftwerke usw. noch zu verschärfen. Die 11000 Ar- beiter wehren sich gegen eine Lohnkürzung um 23 bis 30 Proz. Sie fordern Lohnbesserung und Einführung des Sechsstundentags. Einigung im belgischen Grubenkonflikt. Nach zwei Monaten Streik. Brüssel, 3. September.(Eigenbericht.) Die Abstimmung unter den streikenden Bergarbeitern hat eine Mehrheit von 37 Prozent für die Annahme»euer Vorschläge des Arbeitsministers ergeben. Der Bergarbeiterkongreß hat daher am Sonntag mit allen gegen 2 Stimmen seine Vertreter in der gemischten Kommision beauftragt, den ministeriellen Vorschlägen zuzustimmen. Praktisch bedeutet das, daß der vor zwei Monaten ausgebrochene Bergarbeiterstreik, der gedroht hat, in allen Betrieben einen General- streik hervorzurufen, trog der kommunistischen Manöver eine sür die Bergarbeiter befriedigende Lösung erfahren wird. Die niedrigsten Löhne werden erhöht, die Arbeit wird unter alle Arbeiter verteilt und die anderen Löhne werden bis zum 1. November fest- gesetzt. Die Arbeit wird Mitte der Woche wieder aufgenommen. Man erwartet, daß die Unorganisierten sich der sozialistischen Organisation anschließen werden, so daß die Arbeiterbewegung ge- stärkt aus diesem Kampf hervorgehen wird. Oie Arbeitszeit in England. In der Textilindustrie S5>--Stunden-Woche. Nach dem Jahresbericht des Obersten Gewerbeaufsichtsbeamten für das Jahr 1931 ist die 47- bzw. 48-Stunden-Woche allgemein. Natürlich ist infolge der Krise die Arbeitszeit verschiedentlich gekürzt worden Die 48-Stundcn- Woche habe sich soweit durchgesetzt, daß weitgehend die Meinung verbreitet ist, eine längere Arbeitszeit sei gesetzwidrig. Diese Auffassung herrscht wohl nur in Arbeitnehmerkreisen vor, denn der Bericht stellt in einer'Anzahl von Industrien weit- gehende Ausnahmen fest. Zum Beispiel hat sich in der' Textilindustrie nach der Ausgabe des Goldstandards wieder die gesetzliche 3 31--- S t u n d c n- W o ch c für Frauen und Kinder durchgesetzt; für Männer ließ sich sogar oft eine längere Arbeitszeit sestslellen. Auch in einer Anzahl weiterer Industrien wurde üblicherweise noch 33 Stun- den wöchentlich gearbeitet. Auf der anderen Seite gibt der Bericht eine Anzahl von Bei- spielen für die Durchführung der 3-Tage- Woche, die sich in all den Betrieben, in denen sie eingeführt ist, weitgehend bewährt hat. Von der Rationalisierung des Washingtoner Achtstundentag- abkommens ist hüben wie drüben nicht mehr die Rede. Lohntarifkünöigung in Schlesien. Der Arbeitgeberverband für das Transport- und Ver- kehrsgewerbe Schlesiens hat ebenfalls den B e z i r k s l o h n- t a r i f zum 30. September dieses Jahres gekündigt. Englischer Gewerkschaftskongreß Der Kongreß wurde heute in Newcaslle eröffnet. Am Sonntag war die übliche offizielle Kundgebung in der Stadlhalle. Der Vor- sitzende des Internationalen Gewerkschaftsbundes Genosse Citrine hielt eine Rede, in der er scharfe Angriffe gegen die Regierung vorbrachte. Der Kongreß, an dem 373 Vertreter aus allen Teilen Englands teilnehmen, wird sich in der Tzauptsache mit der Arbeitslosenfrage, mit Finanz-, Wirtschasts- und handelspolitischen Fragen sowie mit internationalen Problemen, wie der Abrüstungsfrage und dem Zoll- wesen, beiaisen. Auch die Ottowaer Konseren;, zu der der Gewert- schaftskongreß eigene Beobachter entsandt hatte, wird erörtert werden. Die Londoner Omnibusangestellten beschlossen, falls bis zum 23. September die Lohnkündigungen nicht zurückgenommen sind, zu streiken. Wetter sür Berlin: Nach klarer, kalter Nacht am Tage wieder Eintrübung mit Erwärmung, später wahrs.t einlich Regen.�nach j�iid- west zurückdrehende Winde.— Für Deutschland: Im oiiden und Südosten ziemlich heiter, nachts sehr kühl, im Nordosten weitere Beruhigung, in Mittel- und Westdeutschland neue Wetterverschlechte. rung. Rundfunk der Woche Politisch neutral Man schlägt das Programm der deutschen Sender an einem beliebigen Tag auf: Mittwoch, den 31. August. Von zehn Sendern beginnen fünf— Deutschlandsender, Berlin, Schlesien, Mittel- und Norddeutschland— den Tag mit einem Blasorchesterkonzert. Der O st markenrund- funk bringt ein buntes Schallplattenkonzert, selbstverständlich auch mit Militärmärschen durchwoben. Mittags übernehmen diese sämtlichen Sender mit Ausnahme von Königswusterhausen ein Konzert der Dresdener Philharmonie, dessen geschmacklos zu- sammengewürfeltes Programm wieder mit einem Militärmarsch schließt. Westdeutschland bringt um 1.30 Uhr ein Konzert, in dem ebenfalls die Marschmusik nicht vergessen wurde, der Süd- westfunk zur gleichen Zeit aus Schallplatten eine halbe Stunde Marschmusik. Der Schlesische Rundfunk hatte das Konzert aus Dresden um 1.03 Uhr mit einer eigenen Musiksendung, sort- gesetzt, die von Märschen strotzte. Weiter: um 2 Uhr für Berlin und Oeutfchlandsender eine Balladen-Stundc, die Gelegenheit bietet, Loewes„Fridericus Rex" den Hörern wieder einmal vorzu- setzen. Um 4 Uhr übernimmt Sllddeutschland das Kurkonzert aus Badenweiler, in dem der Militärmarsch so wenig fehlt wie in dem 4-Uhr-Konzert des O st m a r k e n- F u n k s. 4.30 Uhr bringt Berlin ein Konzert des Musikkorps der Kommandan- tur Berlin. Westdeutschland bringt als Zlbenddarbietung ein Militärkonzert.» Der Ostmarken-Rundfunk ergänzte seine strammen musikalischen Sendungen durch zwei hauswirtschaftlichc Vorträge, eine Elternstunde, einem Vortrag über„B e r n st e i n", eine Schul- funkstundc„W ie ich Tannenberg erlebte" und eine Abend- Veranstaltung„O st preußische Erinnerungen aus der Franzosenzeit 180 7— 1 8 1 3". Wenn auch die Programme der übrigen Sender etwas belebter sind, da, um mit Herrn Dr. Dürre von der Deutschen Welle zu sprechen, der Kreis der na- tionalen Aufgaben nicht ganz zur Ausfüllung des Sendetages reichen wollte, so halten sich doch alle auf einer ähnlichen Linie. Kultur- Programm? Mitteldeutschland sandte von 3 Uhr bis 3.30 Uhr Musik„Für die Jugend", geschmacklosen Unter- Haltungsmischmasch, in dem Translateurs„W a s Blumen träumen" und ein„Liederkranz: Das treue deutsche Herz" paradieren. Die Zusammenstellung erhebt auf Vollständigkeit in bezug aus „nationale" Darbietungen keiner Anspruch. Viele Sendungen ver- raten ihren Geist ja erst in der Ausführung und nicht im Titel. Die Werbenachrichten z. B. sind jetzt willkommener Anlaß bei den Sendern geworden, um Märsche auf Schallplatten loszu- lassen. Das hat berests zu dem Erfolg geführt, daß zahlreiche Hörer die Werbenachrichten nicht mehr abhören. Die Geschäftsleute dürfen sich also nicht wundern, wenn ihre Werbung durch den Rundfunk keine zufriedenstellenden Ergebnisse mehr zeitigt. Die meisten Hörer empfingen diese Reklamesendungen ja nur, weil ihnen die gefällige musikalische Aufmachung zusagte, und die zur Zeit übliche mili- taristische lockt nur sehr wenige an den Lautsprecher. Von Lesern werden wir darauf hingewiesen, daß in den Früh- konzerten des Berliner Senders augenblicklich das„Flaggen- l i e d" besonders häufig zu hören sei, das den schönen Refrain hat: „Dir woll'n wir treu ergeben sein, getreu bis in den Tod, dir woll'n wir unser Leben weih'n, der Flagge S ch w a r z w c i ß r o t." Das ist die Aktualität, wie der deutsche Rundfunk heute sie versteht, wie sie aus dem eingangs zitierte» Tagesprogramm spricht, das für die Sendungen aller Tage charakteristisch ist. Man höre sich doch nur die Tagesnachrichten an, die ja ihrer Natur nach aktuell und angeblich neutral sind: ist heute noch irgend jemand imstande, sich aus ihnen ein richtiges Bild von den wesentlichsten innen- und außenpolitischen Geschehnissen zu machen? Dabei besteht vorläusig der Mangel dieser Nachrichten nur in dem, was sie verschweigen. Mit der Auflösung der„Dradag", der Nachrichtendicnst-A.-G., soll, nach den Plänen des Pg. Scholz, nur amtliches Material noch zur Mitteilung an die Hörer gelangen; das bedeutet, daß die Re- gierungsbrille allen Hörern zwangsverordnek wird. Auf diese Weise sollen sie lernen, die„aufbauwilligcn Kräfte" der Papen-Schleicher- Regierung zu erkennen. Daß diese weitere Verschlechterung des Nachrichtendienstes Tat- sache wird, daran ist nicht zu zweifeln. Walter Beumelburg, der politische Kommissar, dem der Nachrichtendienst untersteht, ist der richtige Mann auf diesem Posten. Als ehemaliger Mitarbeiter des Großindustriellen und Naziprotektors Fritz Thyssen besitzt er zweifellos die heute an dieser Stelle erwünschte „O b j e k t i v i t ä t". Zu seiner Unterstützung wurde ein Herr er- nannt, dessen Qualifikation zur Mitarbeit am Rundfunk in einem adligen Namen und in der Tatiache besteht, daß er einmal eine wenig erfolgreiche deutschnationale Parteikorrcspondenz herausge- geben hat. Die Futterkrippe ist groß und hat für viele Platz! Der Rundfunk ist erobert! Die Ankündigungen der Deutsche Welle sür den Monat Sep- tember haben wir schon beleuchtet. Aus der Programmvorschau der Berliner F u n k st u n d e für die erste Septemberwochc ist eine Pressenotiz besonders bemerkenswert. Sie bezieht sich aus den Bor- trag„W ehrer Ziehung durch Spar t", der am 9. Sep- tember steigen wird. Da liest man:„Der wahre Sinn des Sports ist die Entwicklung biologischer Wehrfähigkeiten durch Hebung im jugendlichen und ihre Erhaltung im erwachsenen Menschen. Weder System noch Methode sind an sich entscheidend für die Möglichkeit einer Wehrerziehung durch Sport, sondern das Vorhandensein gc- cigneter Führer, die es verstehen, in der Generation der heutigen Jugend zu leben und mit ihr mitzufühlen" Der Stil und der phrasenhafte Inhalt dieser wenigen Sätze lassen die Vermutung auf- kommen, daß der Vortragende Dr. C. K r ü m m e l aus dem Lager der Nazis stammt. Auf jeden Fall hat die Funkstunde mit dieser Veranstaltung ein dringendes Bedürfnis ihrer Hörer ersaßt. Brennender als alle Probleme der Arbeitslosigkeit und des gefähr- deten Tarifrechtes ist ihnen das der Wehrerziehung Bon diesen anderen ist denn natürlich auch bei der Funkslunde nicht die Rede. Wir wissen ja: nicht einmal in der Bücherstunde war für die Er- werbslosen Platz! Auch diese Bücherstunde wird den Weg des Nachrichtendienstes gehen müssen. Sie war einmal ein wirklich objektiver Literatur- Nachrichtendienst. Die geistigen Strömungen, die sich in der Lite- ratur spiegelten, wurden hier nach besten Kräften den Hörern auf- gezeigt. Nicht jede dieser Stunden entsprach allen Wünschen; bis- weilen unterdrückte ein Zuviel an Material die nachgestaltende Per- sönlichkeit des Redners, bisweilen auch fand ein Redner nicht die seinem Härerpublikum gemäße Ausdruckssorm. Immer aber war die geistige Haltung dieser Stunden ehrlich und verantwortungs- bewußt. Sie gehörten in ihrer Summe zu den wichtigsten Dar- bietungen der Funkstundc. Sobald sie aber tendenziös umgestaltet werden, sind sie nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich— nicht nur für die Hörer, sondern viel mehr noch sür die darin be- sprochenen Autoren, die durch die Tatsache, daß dieser Rundfunk- betrieb sich mit ihren Werken befaßt, auf jeden Fall vor dem geistig wachen Teil des Publikums diskreditiert werden. Die Absetzung der Bücherstunde„Entwurzelte und Erwerbslose" war ein neues markantes Kennzeichen für den gegenwärtigen Rundfunk-„Tendcnzk" betrieb". Rundfunk am Abend Montag, den 5. September 1932. Berlin: 16.03 Hochgebirge am Meeresgrund(Prof. O. Baschin). 16.30 Klaviermusik. 17.00 Kammermusik. 17.30 Bücher für die Jucrend(Margot Epstein). 17.50 Die seelische Not der Erwerbslosen(Dr. A. Werner, Dr. med. A. Werner). 18.10 Kauft deutsche Waren!(E. Schwabe). 18.30 Blasordiester- konzert. 18.35 Die Funkslunde teilt mit. 10.00 Stimme zum Tag. 19.10 Anthos: Eigene Prosa. 19.30 Wirtschaftler zur Gegenwart(Dr. Bie, Generaldir. d. Kokswerke und Chemische Fabriken A.-G., E. M. Abraham). 20.00 Erinnerungen an Sommernächte(Bunter Abend). 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Kammermusik. 22.00 Wetter-, Tages- und Sport- »ach richten. Aus Königsberg: Unterhaltungsmusik. 24.00 Aus- schnitt:„Das Sonntagskind"(Operette von Millöcker). Königswusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 17.30 Seelenleben und Seelenführuiig(Prof. Dr. D. W. Gruehn). 18,00 Musizieren mit cinsiditbareu Partnern(Dr. II. Just). 18.30 Spanisch für Anfänger(Gertrud v. Eyscren, Dr. F. Armesto� 18.55 Wetterbericht. 19.00 Stunde des Landwirts. 19.23 Funktechnik(Ob.-Ing. Nairz). 19.40 Zeitdienst. 20.00 Aus Frankfurt a. M.: Orchesterkonzort. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Aus Königsberg:„Das Käthchen von lleilbronn"(von Klei-t, Musik von C. M. von Weber). 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monail. % Pf durdi alle„Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. Verontwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Otto Hengst, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag CS. in. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Cinger& S.o., Berlin 6® 68. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. «aal» Theater Montag, den 5. September staatsoper unter den linden 20 Uhr R i g o I e 1 1 o Beschränkter Kartenverkauf Staatliches Schauspielhaus 20 Uhr ieppe vom Berge PtAZA lliht SdilK. Bhf. j». 815.Stgs. 2.5,8I5U. E7 Weichsel 4031 Der liebe Auptin Rose- Theater CroBi Frankfurter SlnSe 132 Iii. Weichsel E l 3422' 8.80 Uhr Aerzte im Kampf $iadl.0per Charlottenbure Frauenhofer 0231 Montag, 5, Sept. Volksvorstellung beschränkt. Kartenverk. Friedemann Bach Anfang 20 Uhr Dirigent: Ladwig. Schirach, Malkin. Friedrich, Ludwig, Husch, Baumann, Gonszar, Gombcn W u Uhr 1 ä. Flora 3434. Raudien eri. Das berühmte Dayeima-Baiiett Paul BecKers.3Sumts MW» rp Penmuaimrf Resfeurarf Berlins Qeutsdies IHM Weidendamm 520: 8 Uhr Wonder um Verdun Dram.Dichtungvon Hans Chlumberg Regie; Karl Heinz Martin. Kassenpreise von 0,50 M. bis 11.50 M Kammerspiele Weidendamm 5201 Eröffnung Freitag, 9. Sept.. 8 Uhr Uraufführung „Schicksal nach Wunsch" Komödie v. Christa Winsloe Regie: Rudolf Reer MargartfeMelzer. Luise Uliridi, Johannes Riemann. Alfred Abel. Hans Brausewetter Kartenverkauf von 10 bis 18 Uhr ununterbrochen. Theater im-j lAdmiralspaiastl I Täglich 8Vi Uhr| Gitta A l p a r I I 1 Katlinrinn I Theaterd.Westens ITägl.»>/, Uhr 1 Richard Tauber in Dreimäderl- haus »G uhr CASinO- THEATER»'9 Uh. Lothringer Strafe 37. IltllMlinmilllll: Berlin kann wieder lachen! Jinnemarie das kleine Tanzmädel Volksoperette.— Musik von Gilbert Torhep ein bunter Teil. Preise 0,50 M., 0,75 M. und 1,— M. Jeden Stg. nadim. 4 Uhr die ganze Vorslg. zu kl. 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September 1932 QntÜbmt StuLbmiQaße Ju Ibwäsü Die Pariser Septem ber morde Zu ihrem hundertvierzigsten Jahrestag— Von Hermann Wendel Die ersten Tage des September 1792, da in den Pariser Ge- fängnissen das Blut in Strömen floß, haben sich der Großen Re- volution als Brand- und Schandmal ausgepreßt: mit Recht stellt C a r l y l e diese barbarischen Ereignisse„der Bartholomäusnacht, den Armagnacmetzeleien, der Sizilianischen Besper oder dem Aller- ichrecklichsten in den Annalcn dieser Welt" an die Seite, Freilich haben auch die Feinde der Revolution, die über die wildesten Greuel der Gegenrevolution, die wüstesten Ausschreitungen des weißen Schreckens den Schleier des Schweigens breiten, alles getan, die Erinnerung an jene Greuelszenen recht frisch zu erhalten: was damals an Unheilvollem geschah, ward von ihnen ausgeschmückt, vergrößert und vergröbert, so daß heute, wie immer in solchen Fällen, die Legende die Wahrheit überwuchert. Aber wenn noch eben der Revolutionshistoriker Georges Lesebvre bedauern durfte, daß eine zureichende kritische Studie über die Septembertage sehlt, wird dies« Lücke jetzt durch eine Arbeit ausgefüllt, die G e r a r d Walter unter dem Titel„I-es massscres de Septernbre"(Die Septemberschlächtereien) bei Payot in Paris herausgibt. Auf Grund eines gewissenhaft durchackerten umsangreichen Materials strebt diese Untersuchung nur nach objektiver Wahrheit: ohne Für und Wider ist das Buch von der leidenschaftslosen Nüchternheit und überzeugenden Sachlichkeit eines Sektionsprotokolls. Bielleicht geht Walter zu wenig auf die Wochen vor den Septembermorden ein, die erst die Voraussetzungen für das Un- geheuerliche schufen. Da der Widerstand, den die Königsgewalt am 10. August in den Tuilerien teils geplant, teils geleistet hatte, allgemein als Ergebnis einer ruchlosen royalistischen Verschwörung galt, grollte seit diesem Tag die Volkswut gegen die wirklich oder vermeintlich Schuldigen: der Gedanke in die Gefängnisse einzu- dringen und die verhastete»„Verschwörer vom 19. August" nieder- zumeyeln, lag drohend in der Lust. Das ani 17. August eingesetzte Ausnahmegericht besänftigte die Rachegelüste der Masse eine kurze Weile, aber daß diese unvollkommene Revolutionsjustiz auf beiden Beinen lahmte und überführte und ausgekochte Volksfeinde laufen ließ, führte der Meinung, das Bolk müsse selber die Abstrafung seiner Widersacher in die Hand nehmen, neue Scharen von An- hängern zu. Aber was den Kessel zum Platzen überheizte, war doch der Krieg und nur der Krieg. Preußen und Oester- reicher rückten heran, die Feste L o n g w y war gefallen, Verdun stand vor der Uebergabe—: wehe den Revolutionären, wenn die Heere der Koalition Frankreich überfluteten und Paris besetzten! Zwar machten die Nationalversammlung und der revolutionäre Gemeinderat, Legislative und Kommune, gewaltige Anstrengungen, der feindlichen Invasion einen Damm entgegcnzuwersen: das Vater- land war in Gefahr erklärt, Freiwillige wurden aufgeboten, der letzte waffenfähige Mann soll:« an die Front. Aber saßen in Paris nicht 39 999 Aristokraten? Braute sich nicht in den Ge- fängnissen eine Verschwörung zurecht? Würden, wenn alle Patrio- ten im Felde waren, die Royalisten nicht hervorbrechen, die Ge- fängnisse öffnen, die Greise nebst den Frauen und Kindern der Vaterlandsvcrteidiger abwürgen und das Lilienbanner auf Leichen- Haufen pflanzen? Wirre Jaeen, aber mit schauerlicher Logik ergab sich daraus der Schluß, solcher Kesahr könne nur vorgebeugt wer- den, wenn man in den Gefängnissen reinen Tisch mache. Nicht wenige Historiker betrachten die Septembermorde als Folge eines sorgfältig ausgeheckten und systematisch durchgeführten tcuslischen Planes: wenn Sybel von dem„Beschluß" spricht,„in ganz Frankreich einen großen Mordschlag gegen die Widersacher der Demokratie zu richten", steht er nicht einmal heute allein, nur Saß nicht jeder den gleichen Berantwortlichen sucht. Daß„der be- rechnende Ro bespie rrc" den Ansang des Wardens mit Bor- bedacht auf den 2. September verlegt habe, ist Sybels Meinung: selbst ein verdienstvoller moderner Geschichtssorscher wie M a- t h i e z versteigt sich zu der Behauptung, daß Danton„die Sep- tembermorde entfesselt" habe: verbreiteter ist die Ansicht Del- briicks, der Ma r a t„den eigentlichen Anstifter dieses Massenmordes" nennt, und von den reoolutignären Behörden kommt durch- weg die Kommune am schlechtesten weg. Walter zeigt klipp und klar die Haltlosigkeit all dieser Bezichtigungen. Robespierres, Da N t o n s, selbst Marats Schuld, die Schuld des Ministeriums, der Nationalversammlung und aller Zlcmter war rein passiv: sie ließen geschehen, was sie beim besten Willen nicht hindern konnten, schon weil ihnen Machtmittel nicht zu Gebote standen. Selbst mit dem Kemeinderat verhält es sich nicht viel anders. Wohl gedieh am 31. August im Kopf einiger weniger Mitglieder des Gcneralrats der Kommune die Idee, nicht etwa aus heiler Haut ein Blutbad unter den Gefangenen anzu- zetteln, sondern lediglich die Massen an sich zu fesseln, indem man ihrer„Justiz" gegen die„Verschwörer" freien Lauf ließ, aber um wieviel Eingeweiht« es sich dabei handelte, ob um ein Dutzend oder nur um drei, vier, bleibt im Dunkel. Daß aber im Volk der Drang, sich selber„Recht zu verschassen", den Siedepunkt erreicht hatte, erwiesen am 2. September, einem Sonntag und Festtag des Patriotismus, da die Sturmglocke hämmerte, die Alarmtrommel wirbelte und überall Werber die Freiwilligen ausriefen, die Be- schlösse mehrerer Sektionen. Voran ging die durchaus zahme Sektion La Poissonier«, deren Generalversammlung, wie die der anderen in Permanenz tagend, den Antrag annahm,„alle zur Zeit in den Gefängnissen von Orleans und Paris scstgehaltenen Staats- Verbrecher vor dem Abmarsch der an die Grenzen eilenden Bürger zu Tode zu bringen: andere Sektionen, wie Luxembourg und Quinze-Vingt, schlössen sich an. Aber che von dieser Seite unmittelbarer Anstoß konmren konnte, hatte das Bolk aus freien Stücken mit dem Morden begonnen. In den ersten Nachmittagsstunden wurden zwanzig Geistlich«, die den Bürgcreid verweigert hatten und deshalb als besonders ge- fährliche Feinde der neuen Ordnung ollen Haß aus sich zogen, aus dem vorläufigen Gewahrsani des Rathauses in. das Abtei-Gefäna- nis übergeführt Als sich die Wagen mit den Gefangenen, von Nationalgardisten geleitet, durch eine erregte, wütende, murrende Menge schoben, kam es wie von selbst zu Beleidigungen, zu Stein- würfen, zum ersten Totschlag, und was noch lebt«, wurde bei der Ankunft vor dem Gefängnis von Rasenden zerfleischt. Wie ein Raubtier, das Blut geleckt hat, warf sich die Menge danach auf 38 Schweizergardisten, Tuilerien-Berteidiger vom 19. August, und inachte sie erbarmungslos nieder. Zwei an Ort und Stelle ent- sandte Gemeinderatsmitglieder vermochten nichts auszurichten: die Masse hielt lediglich für eine Stunde mit dein Metzeln inne, damit die Kommune das Verlangen:„Wir wollen eine prompte Justiz!", anerkenne. Auf Vorschlag Billaud-Varennes faßte der Generalrat gegen Widerspruch den Beschluß,„Kommissäre nach der Ablei zu schicken, um die Haftregister durchzusehen und dem Volke alle an der'Affäre vom 19. August Beteiligten auszuliefern". Zu- gleich richteten die beiden Polizeiverwalter der Kommune, P a n i s und S e r g e n t, nicht im Auftrag, sondern auf eigene Faust, a» die Schlächter folgende Weisung:„Im Namen des Volkes, Käme- roden, wird euch aufgegeben, alle Gefangenen der Abtei ohne Unterschied zu richten. mit Zlusnahiiie des Abbe L e n f a n t, der in Sicherheit zu bringen ist." Dieser Befehl entkettete nicht, wie inan oft behauptet hat. das Morden, da sich längst die Leichen häuften: vielmehr diente er dazu, die Volksjustiz in«ine gewisse Form zu bringen und das ganz planlose Hinschlachten zu zügeln. In der Tat trat unter dem! Vorsitz des Bastillenstürmers Stanislas M a i l l a r d eine Art Gericht zusammen, das jeden einzelnen Fall, wenn auch sehr oben- hin, pruste und sich jeden Angeschuldigten zum Perhör vorführen ließ, ileberzeugte sich die improvisierte Geschworenenbank von der Schuld, verfügte Maillard:„Freilassen!", und der Unglückliche, in den Garten hinausgestoßen, endete sofort unter Säbelhieben und Pikenstößen. Ein für unschiildig Erkannter dagegen wurde unter lebhaften Rufen:„Hoch die Nation!", iinter Umarmungen und sogar Freudentränen der blutbesudclten Henker wirklich in Freiheit gesetzt. Aehnlich ging es im Gefängnis La Force zu, wo allerdings das Gemetzel erst gegen Mitternacht begann: auch hier bildete sich. ein Tribunal unter Vorsitz D u v a l d'E st a i n g s, den, nicht zu diesem Zweck, die Kommune als Kommissär hierher gesandt hatte. 'Auch hier gab es Verurteilungen und Abschlachtungen, darunter die der Prinzessin L a m b a l l e, Freundin Marie Antoinet- tens, auch hier Freispräche und Entlassungen Ein Provinz- geistlicher rettete seine Haut, iiidem«r beteuerte, daß er ein Bauernsohn und der Sache des Volkes ganz ergeben sei, und der Abbe F l a u st schwor den verlangten Eid auf Freiheit und Gleich- heit, und kaiii so davon. Im K a r m e l i t e r k l o st c r, wo nur Geistliche, unter ihnen der als Gegenrcvolutionär verschriene Erz- bischos von Arles, D u l a u, den Tod fanden, leitete ein Delegier- ter nicht der Kommüne, sondern der Sektion des Luxembourg, namens Violette die grauenhaften Operationen, die bei nur neun Verschonten in zwei Stunden beendet waren. Unmittelbar vor den Augen, aber kaum unter Mitwirkung des Komitees der Sektion der Sansculotten, ging dagegen am Abend des 3. Sep- tember die Hinmordung der Geistlichen vor sich, die im Seminar Saint-Firmin gefangen saßen. Etwas wie ein Gericht hatte sich auch im B i c s t r e- G e f ä n g n i s eingenistet, das anfangs viele Freilassungen anordnete: den Todgeweihten wurde, ehe inan sie zur Erledigung in den Garten abschob, mit Kreide ein Kreuz auf den Rücken gemalt. Hier vollzog sich vielleicht das Haar- sträubendste und Entsetzlichste dieser Tage: Der Zuchtmeister der mit Bicetre verbundenen Korrektionsansialt für Jugendliche, Boy er, bat das Volkstribunal, auch über seine 55 Zöglinge z» Gericht zu sitzen, und lieferte ZZ als„unverbesserlich" den Schlächtern aus. Andere Gefängnisse waren Schauplatz van Metzeleien, ohne daß auch nur die Finger der Kommune oder der Sektionen sichtbar wurden: die C o n c i e r g e r i e, wo es den Schweizer Osfizieren und den Assignatenfälschern ans Leben ging, das C h a t e l e t, der Sankt-Bernhards-Turni, wo 72 auf ihren Abtransport wartende Galeerensträflinge der Massenwut zum Opfer fielen, und in den Morgenstunden des-t. September das Frauengefängnis La Salpetriere, wo sich im wesentlichsten Prostituierte be- fanden. Die später in die Welt gesetzte Legende, caß, aus naheliegenden Gründen hier die Jungen verschont und nur die Aelteren massakriert worden seien, zerstört Walter: von den 52 Frei- gelassenen zählten nur 13 weniger als dreißig und 16 mehr als fünfzig Jahre, von den 35 Abgeschlachtete» nur 2 mehr als sechzig und l6 weniger als vierzig Jahre! Die Massakers, die keineswegs in allen Gefängnissen zugleich begannen, dauerten achtundvierzig Stunden, vom 2. September, 3 Uhr nachmittags, bis 4 September um dieselbe Zeit: nur in La Force floß das Blut vierundzwanzig Stunden länger Die Zahl der Opfer wurde von den Schreibknechten der Gegenrevolution um ein Viel- fachcs übertrieben: man sprach van 2999 bis 3999, von 6909, von 8999, ja, van genau 12 852 Getöteten! Walter weist nach, daß die wahre Zahl sich auf 1199 belief. Im Gegensatz zu einer land- läusige» Meinung, die nur abgeschlachtete Royalisten und Priester kennt, kam mehr als die Hälfte dieser Ziffer, näin'ich 600, auf | Verbrecher des gemeinen Rech's, die man als Spießgesellen oder Werkzeuge der gcgenrevolutionärcn Verschwörung ansah: 300 waren Geistliche, 150„Verschwörer des 10. August" und 50 Schweizergardisten. Die Schlächter, die sich selber„Röcher der Nation" tausten, schalt noch iinlängst Alfred Stern in einer Darstellung der französischen Revolution(Propyläen-Weltgeschichte) ein„ge- dungenes, blutdürstiges und raublustiges Gesindel". Blutdürstig waren, trotz mancher Beispiele van Großmut, die Septembriseure gewiß und steigerten sich hier und da in einen wahren Blutrausch hinein; als gedungen könn en sie bis zu einem gewissen Grade auch gelten, da die Kommune sie für ihr schauerliches Handwerk zu entlohnen beschloß, aber„raublustiges Gesindel"— nein! Walter tut dar, daß mustergültige Ehrlichkeit sie auszeichnete: was ihre Opfer an Papieren, Geld, Wertsachen bei sich trugen, wurde säuberlich bei den Sektionen abgeliefert: einige wenige, die etwas für sich zu entwenden suchten, ließen ihre Kameraden ohne weiteres über die Klinge springen. Auch gehörten die Mörder, die man auf 159 bis 399 beziffert, durchaus nicht dem an, was so- zialer Hochmut die„Hefe der Bevölkerung" zu nennen beliebt: schon L e n o t r e staunte, daß es durchweg Angehörige friedlicher Berufe, Handelsleute, Olstverköufer, Schneider, Hutmacher, Schuster, Uhrmacher, Goldschmiede, Barbiere waren: wenn Walter her- vorhebt, daß sich das Tribunal aus Männern zusammensetzte, die sich in ihrein Stadtviertel eines guten Rufes erfreuten,„Kaufleuten, Unternehmern, kleinen Meistern", so stellt auch L e f e b v r e fest, daß sich unter den Massakrierern viel« Kleinbürger befanden, und M i ch e l c t führt einen wichtigen Grund für ihr Rasen und Rabiat- sein an: die gänzliche Stockung des Handels, die Bankrotte, die Schließung der Kramläden, Ruin und Hunger. 'Aber der wesentlichste Grund mar doch die Furcht. In seiner Geschichte der Revolution, die sich scharf gegen jede unklare und feige Rechtfertigunq jener Greuel kehrt, hat Jean Ja»res es unterstrichen, hinzufügend, daß selbst, wenn sie sich in b!ut- triefender Brutalität entlade, die Furcht keine revolutionäre Kraft sei. Sicher, ineint er, waren unter denen, die hinterhältig und unnütz mordeten, ehrenhafte, hingegebene und wackere Patrioten. „'Aber nicht auf ihren Charakter kommt es an, sondern auf ihr Handeln. Ihr Handeln aber entsprang der Furcht und der blinden Wut, die die Furcht erzeugt. Dorum ist ihr Handeln verächtlich und auch dumm, denn es hat der Revolution in der Welt und vor der Geschichte unendlich mehr gcsckadet, als es die Gefangenen, die man abwürgte, selbst auf freiem Fuß hätten tun können." Wie Vordon starb Ein dunkles Kapitel aus der englischen Geschichte Von L y t t o n S t r a ch e y. den« glänzenden historischen Schriftsteller Englands, sind schon inehrere Werke in deutscher Uebcrsetzung erschienen. Jetzt liegt ein neues Sammelbuch seiner Aussäge unter dem Titel„G e i st und A be n t e u e r"(Berlin 1932. S.-Fischer-Verlag) vor. Der Band enthält seine Untersuchungen über Voltaire, Shakespeare, Stendhal und englische Historiker. Am wichtigsten ist aber der Aufsatz über das Ende des Generals G o r d o n. Gordon war der bekannte englische koloniale Krieger, der in den achtziger Jahren im Sudan von den Anhängern des Mahdi, des religiös-nationalen Führers der Eingeborenen, ermordet wurde. Die Mit- und Nachwelt hat sich oft gefragt, warum die englische Regierung, an deren Spitze damals G l a d st o n e stand, Gordon im Stich ließ. Lytton Strachey hat jetzt durch genaue Forschungen den Schleier des Geheimnisses gelüftet. Gordon war keine weit- historische Figur, und sein Schicksal brauchte uns heute nicht allzu sehr zu erregen. Aber gewisse Methoden der englischen Weltpolitik kommen hier mit unheimlicher Deutlichkeit zum Vorschein, zumal da Lytton Strachey nichts beschönigt. Er klagt nicht gerade an, aber er schildert doch in leicht satirischer Form die Dinge, wie sie wirklich waren. General Gordon war eine merkwürdige Mischung von Mystiker, Bibelforscher, Abenteurer und Alkoholiker. Er stand immer auf den Vorposten der britischen Welteroberung. Er diente fremden Re- gierungen wie China und Aegypten, vertrat aber dabei immer die englischen Interessen. In den achtziger Iahren hatten sich die Engländer in Zl e g yp t e n festgesetzt, aber es war noch sehr zweifelhaft, ob sie diese Position gegen den Widerstand Frankreichs und der anderen Mächte würden behaupten können. Zugleich drohte ein Krieg mit Rußland an der indischer» Grenze. Der Sudan, das ungeheure Land am oberen Nil, war in jener Zeit eine Provinz Aegyptens. Da kam es zu dem großen Aufstand des Mahdi, und man sah bald, daß Aegypten die rebellische Provinz nicht würde halten können. Die englische Regierung sah sich vor eine schwere Entscheidung gestellt. Solange die Aegypter den Sudan beherrschten, regierten dort indirekt auch die Engländer. Triumphierte aber der Mahdi, so war Englands Einfluß in Zentralafrika vernichtet. Die ägypti- scheu Truppen waren dem Mahdi nicht gewachsen: also hätte man eine englische Armee in den Sudan schicken müssen. Indessen bei der gespannten internationalen Lage wollte das Ministerium Gladstone eine englische Armee für den Sudan nicht hergeben: viel- leicht fehlten eines Tages die englischen Divisionen, die man nach Jnnerafrika geschickt hatte, bei der Verteidigung Indiens. Nun wußte man, daß General Gordon, der früher einmal im ägyptischen Dienst im Sudan konimandiert hatte, die dortige Lage oplimistisch ansah. Er traute sich zu, den Sudan auch ohne englische Truppen gegen den Mahdi zu verteidigen. Da kam das Ministerium Gladstone auf folgenden Ausweg: Gordon wurde der ägyptischen Regierung zur Verfüg ung gestellt: er erhielt den Auftrag, dank seiner besonderen Lokal- und Pcrsonenkenntnis die ägyptischen Truppen aus dem gefährdeten Sudan herauszuführen. Der geheime Gedanke der englischen Regierung maf dabei folgender: Gordon würde, einmal im Sudan eingetroffen, gar nicht den Rückzug organisieren, sondern den Kampf gegen den Mahdi aufnehmen. Wenn er Erfolg hatte, war alles gut, wenn er scheiterte, dann hatte er die Instruktion der englischen Regierung übertreten, und er starb auf eigene Verantwortung. So ist Gordan als Opfer des„hochmoralischen" Gladstone und seiner Kollegen in Khartum ums Leben gekommen. Arthur Rosenberg. Herbstregatten im Sturm Die Freien Segler voran Der Wind, der den freien Seglern bei ihren vielen Welt- fahrten in diesem Sommer meistens fehlte, war Sonntag zu reich- lich vertreten. Bei einer Windstärke von 6 bis 7 Metern aus WRW., der in den Böen aber ganz bedeutend stärker war, gab es viele, die es vorzogen, ihr werwolles Bootsmaterial wieder in Sicherheit zu bringen. Trotzdem wurden noch viele Fahrzeuge be- schädigt. Bei der Gruppe O st auf dem Langen See und S e d d i n s e e gingen nach einer Startverschiebung von 30 Minuten 1 t 8 Boote mit Surs aus die Rohrwallinsel durch den Start, der besonders be! den 20-2 uadratmcter- Ren»booten durch eine blendende Geschlossenheit aufsiel. Die Jugendruder- regatten, die für ihr« Langstreckensahrt die Wendemarke in Schmück- witz ausgelegt hatten, geboten auf der ersten Strecke Vorsicht. In rauschender Fahrt ging es mit räumen Schooten zum Scddinsec. Hier sah es aber anders aus. Der Wind hatte ganz schöne Wellen hervorgezaubert und die Fahrt vor dem Winde machte vielen schon recht zu schaffen, da die Böen das Segel einmal«if diese und ein- mal auf jene Seite warfen. So wurde es meist unterlassen, Ballon oder Spinnacker zu setzen. Nach der Wende an der Gosener Tonne gab es«ine harte Kreuzstrecke, die an den Gosener Bergen schon inehreren zum Verhängnis wurde. Zwei lö-Ouadratmeter-Renn- sollen und eine lO-Quadratmeter- Wanderjolle kenterten. Etwas später ereilte der Ausgleichsjolle„Windsbraut" vom WSV. 1929 dasselbe Verhängnis, da dieselbe aber mit Ballast oer- sehen war, ging sie unter und nur die Spitze des Segels mit der Nummer IV 382 ragte noch aus den Fluten. Etwa 30 von den gestarteten Booten mußten früher oder später das Rennen auf- geben; 9 davon hatten Havarien, die bei solchem Sturm leider nie ausbleiben. Schnellstes Boot der großen Bahn wurde Z88„Ga- zelle" mit 1.40.29 Stunden, der kleinen Bahn III 422„Tartane" mit 1.09.31 Stunden. Für die 30-Quadratmeter-Rcnn- klasse war das Wetter gerade richtig, obgleich schon hier einige Boote mit gerefftem Zeug fuhren. In der.-�-Klasse siegte„Wind- spiel" leicht vor„Trauni II", da„Windhund" havarierte und „Masovia" aufgab. Auch der 3ö-Oua0ratmeter-Kreuzcr„Ammer- see" fühlt sich bei uns im Worden ganz wohl und hielt sich gut, obwohl er keine Konkurrenz hatte.„Jenny" von den Nationalen Jollen wurde wie immer Erster. Zwei Minuten später ging„Froh Fahrt" durchs Ziel. Die 20-Ouadratmet«r-Rennjollen hatten viel Ausfälle, trotzdem die Klasse anfangs gut besetzt war. Drei havarierten, zwei gaben auf und Z 79 mußte distanziert werden. Erster wurden„Gazelle" in der.�-Klasse und„Loki" in der B-Klasfe. Sehr gut fuhren bei dem starken Wind die 2 0- 2 u a- dratmeter-Wanderjollen, die schneller waren als die meisten Rennjollcn. Erster wurde„Friede!". Bei den 1Z-2uodrat- meter-Rennjollen mußte„Wienerin" den Sieg an„Lucifer II" abgeben, da sie nicht gerefft hatte und vollschlug. Zweiter wurde die alte„Schnulli" trotz schlechtein Start und Havarie. Von der B-Klasse konnte nur„Trumpf", der Erster wurde, und„Rudi" durchhallen. Ein gutes Rennen lieferten die 1S-2ua0rat° meter-Wanderjollen. obgleich auch hier die Hälfte der Boote ausfiel, teils durch Distanzierung, da die Segel zu groß find, einer wegen Havarie, drei gaben auf. Die Neubauten konnten „Aare" nicht gefährlich werden, die Erster wurde vor„Pan" und „Meckernich". Die leichten 10-2uadratm«t«r-Renn° sollen hieben sich trog des Sturmes gut,„Jschi Capa", der die beste Zeit segelte, mußte distanziert werden, weil er die Wende- marke bei Gosen verkehrt rundete. So belegte„Ausreißer" den ersten Platz vor„Silberbob". In der B-Klass« siegte„Rumtreiber". Interessante Kämpfe lieferten auch die 10-2uadrat meter- Wanderjollen, eine Klasse, die immer größer wird. Trotz des starken Windes gab keiner auf: 10 Boote passierten die Ziel- linie.„Mucki" als Erster vor„Annekin".„Wodan" kenterte. Bei den 20-2uadrayneter-Kielbooten lichteten sich die Reihen viel stärker als bei den kleinen Klassen. Vier gaben auf und zwei havarierten. Die ersten Plätze belegten„Vagabund" von der A.-Klasse und „Tuddi" von der B-Klasse. Bei den Tourenkreuzern fuhr„Fraternite" diesmal eine gute Zeit. Das Iugendboot des SC. 1919 wurde Erster in der Ausgleichsklasse und bei den Ausgleichsjollen konnten„Traute", „Tartane",„Daheim",„Good Wind" und„Viechen" die ersten Plätze der 13. bis 20. Klaffe belegen. (Truppe Weht aut der Unterhavel Start und Ziel beim Segelklub Wein meist erHorn. Ein SW.-NW.-Wind, der mit sieben Sekundenmetern blies, stellte die größten Anforderungen an Mannschaften und Bootsmaterial. Bei einsetzenden Böen bis zu 10 Sekundenmetern blieb denn auch nicht aus, daß Boote kenterten oder der Mast weggescgelt wurde. Be- sonders der Wannsee, auf dem eine respektable Welle stand, machte den Seglern zu schaffen. Unermüdlich wurde geschöpft und gepumpt. Es wurden durchweg gute Zeiten gesegelt. In der Ausgleichsklasse holte sich„Friede! II" den Sieg. In der 20-Quadratmeter-Jollenkreuzer-Klasse holte „Libelle II" gut auf und gewann, dicht gefolgt von„Frohsinn II", der 20 Sekunden später durchs Ziel lief. Sieger der 2 0- 2 u a- drat meter-Rennjollen-. �-Klaffe wurde„Rowdy II", gleichzeitig schnellstes Boot der großen Bahn werdend, in der guten Zeit von 1.32.55 Stunden. Einen guten Start hatten die 1 5- 2 u a- dratmeter-Wanderjollen.„Ronchi", welche anfangs führte, mußte„Greif" und„Windspiel" vorbeilassen und„Greif" sicherte sich den Sieg seiner Klasse. In der 15-2uadrat- meter-Iollenkreuzer- Klasse lieferten sich„Inge" und „Pochent" einen scharfen Kampf.„Inge" lief als Erster durchs Ziel vor dem 24 Sekunden später einlaufenden„Pochent". Vom Start weg führend, siegte„Satan" überlegen bei den 1 5- 2 u a- dratmeter-Rennjollen. Hart gekämpft um die Sieges- palme wprde in der Flossenkieler-Klafse. Hier führten abwechselnd „Libelle" und„Pipifax".„Libelle" passierte als Erster die Ziel- linie. Einen schönen Kampf lieferten sich die 10-2uadrat- meter-Wanderjollen.„Pilot", anfangs an zweiter Stelle liegend, siegte knapp vor„Bummler" und„Aeolus II", gleichzeitig schnellstes Boot der kleinen Bahn werdend, in 1.11.58 Stunden. „Tutti",„Ohio" und„Schwalbe" waren die Sieger der 12. bis 14. Klasse. Regatta der Ruderer und Kanutahrer Die diesjährige Kreisrcgatta der Ruderer und K a n u f a h r e r des ATSB. war vom Wetter begünstigt. Der launische Wettergott schloß rechtzeitig, nachdem er noch in der Nacht sein Mütchen in kleinen Wolkenbrüchen restlos gekühlt hatte, zu Be- ginn des Sonntags seine Schleusen und der Platz des Rudervereins Collegia wies bei Beginn der Regatta eine stattliche Anzahl von Teilnehmern und Gästen auf. Die Rennen waren gut beschickt und der technische Teil der Veranstaltung spielte sich trotz des böigen Windes reibungslos ab. Der Verlauf der Regatte bewies, daß trotz aller Behinderungen wirtschaftlicher Art die Arbeitersportbewegung auch bei den Ruderern und Kanufahrern marschiert und die be- teiligten Organisationen können mit diesem Erfolg durchaus zu- frieden fem. Ergebnisse der Renne». Doppelzweier, Senioren: 1. Ruderverein Vorwärts 0:28,8: 2. Rudcrvcreinigung 1913 9:39,6.— Kanuvicrer für Anfänger: 1. Havel» altionsgruppe Potsdam 3:31,1; 2. Rcichsbanner-Waffeefportadteilung 6:17,1.— Riemenvierer für Junioren: 1. Rudcrverein Collegia 8:29; 2. Wassersportverein Rathenow 8:33,6.— Doppelkajal für Junioren, 1. Lauf: 1. Reichsbanner» Wasscrfportabteilung 6:13,1: 2. Poddclllub Moddcrirebs 6:31: 3. Freie Schwimmer Zehlenborf 6:37.— Doppelvierer für Frauen: I. Ruderocrein Collegia 3:29,6: 2. Ruderverein Vorwärts 3:17.— Doppelkajal für Frauen: 1. Kanuverein Undine 3:19,2: 2. Sportvereinigung Schweifsterne 3:21,6.— Kanuvicrer für Junioren: Havelattionsgruppe Potsdam 3:26: 2. Freie Schwimmer Charlottenburg 3:27,3.— Achter für Junioren: 1. Rudervercin Collegia 7:12,8: 2. Rudcrverein Vorwärts 7:19,1.— Doppelkajak für Senioren: 1. Waffersportverein Rathenow 3:36,1: 2. Freie Kanutahrer Spandau 3:37,6.— Ricmenvierer für Frauen: 1. Freie Wassertahrcr Brandenburg 1:17: 2. Wasser» fahrer Brandenburg 1:37.— Doppelkajak für Junioren, 2. Laut: 1. Freie Kanu.Union 3:39; 2. Freie Kanufahrer Spandau 3:39,6: 3. Sportverein Moabit 6:91,1.— Ricmenvierer für Anfänger: 1. Rudervercin Vorwärts 8:93; 2. Wasser. fahrer Brandenburg 8:98,2.— Faltboot-Zweier: 1. Freie Kanu-Union 3:37,3; 2. Freie Turnerfchaft Cottbus 6:92.2.— Doppelvierer für Junioren: 1. Ruder» verein Vorwärts 7:39,2; 2. Wanerfahrer Brandenburg 7:13,2.— Ciner-Kajak: 1. Wassertahrcr Brandenburg 6:99,6: 2. Haoelaktionsgruvpe Potsdam 6:19,1,— Leichter Ricmenvierer: 1. Ruderverein Collegia 8:13,6; 2. Ruderklub Borwärts. Stettin 8:19.2.— Kanu. Fünfer: 1. Freie Schwimmer Charlottenburg 1:59,1; 2. Kavelaktionogrupve Potsdam 5:61,6.— Achter für Senioren: 1. Rudervercin Porwärts.Vcrlin 6:37,8; 2. Rudervereinigung 1913 6:38,6. Motorrad-Sechstagefahrt beendet England gewinnt Nach Erledigung der sechs Schleifenfahrten durch die Dolo- mite» fand am Sonntag in M e r a n als Abschluß der Jnter- nationalen Motorrad-Sechstagefahrt noch eine G e s ch w i n d i g- keitsprüfung statt, bei der Geschwindigkeiten zwischen 60 und 70 Stundenkilometer verlangt wurden. Leider begann es im Ver- laufe der Veranstaltung stark zu regnen, wodurch gerade die ent- scheidenden Rennen um die Internationale Trophäe und die Silber- vase stark beeinträchtigt wurden. Aus dem Kampf um die Jnter- nationale Trophäe der Nationalmannschaften ging England mit der Mannschaft Perrigo(BSA. 500 ccm), Rowley(AIS. 500 ccm) und Bradley(Sunbeam Beiwagen 600 cem) hervor, die eine bessere Zeit erzielte als die gleichfalls strafpunktfreie italienische Mann- schast. England gewann mit dem Rudge-Team Mc Gregor, Wil- liams, Walker auch die„Silber-Vase" gegen Italien A(Guzzi- Team), Italien B(Bianchi-Team) und Deutschland A(Gebr. Thumshirn).(Die genauen Ergebnisse waren bei Redaktionsschluß noch nicht errechnet.) tUebter— Weltmeister in Rom Zweiter Mozzo, dritter Frach Der vorletzte Abend der Weltmeisterschaftswoche in Rom brachte die Entscheidung in der Weltmeisterschaft der Amateur- f l i e g e r. lieber 5000 Zuschauer wurden Zeugen eines eindrucke- vollen Sieges des Kölners Albert Richter, der in beiden Ent- scheidungsläufen knapp, aber sicher über den italienischen Meister Mozzo die Oberhand behielt. Der lange Holländer Moeskops hat also mit seiner Prophezeiung recht behalten, als er Richter nach dessen Sieg im Pariser Grand Prix als den kommenden Weltmeister bezeichnete. Aber auch unser zweiter Vertreter, der sich für die Viertelfinals qualifiziert hatte, Willy F r a ch- Breslau, schlug sich ganz hervorragend. Frach unterlag zwar in der Vorentscheidung gegen Mozzo, behielt aber dann im Kampf um den dritten Platz in beiden Läufen über den überraschend gut fahrenden Oesterreichcr Dusika die Oberhand. Nachdem die Amateure das Feld geräumt hatten, begannen die Vorläufe der Berufsflieger. Von unseren beiden Vertretern schied Peter Steffes-Köln bereits in den Vorrennen endgültig aus, dagegen konnte sich der deutsche Meister Mathias Engel durch seinen zweiten Platz im Hofsnungs-Endlauf für die Viertelfinals qualifizieren, an denen weiterhin noch Falck-Hansen, Michard, Geradin, Faucheux, Scherens, Martinctti und Mocskopz teilnahmeberechtigt sind. �.ut der Olympiabahn Nachwuchsfahrer vor leeren Tribünen Der gestrige Renntag der Olympiabahn— es dürfte der letzte der Sommersaison gewesen sein, denn schon am kommenden Sonn- tag will der Sportpalast die Winlersaison anläuten— war äußerst schlecht besucht. Knapp 250 Personen hatten sich eingefunden. Vier Nachwuchsfahrer und der alte Fritz Bauer bestritten drei Dauer- rennen, die über eine Gesamtdistanz von 100 Kilometer gingen. Alle drei Rennen wurden eine sichere Beute des Forsters Pawlack, der seine Gegner nach Belieben überrunden konnte. Bauer war sehr schnell müde, und die sogenannten„kommenden Leute" wie Corpus, Stock und Balte fuhren ohne Herz und Taktik. Stock war außerdem zu wenig trainiert, um sich hier irgendwie bemerkbar machen zu können. Kurzum: Pawlack halte keine Gegner. Zwei Amateur-Fliegerrennen, die ebenfalls arm an inter- esfanten Momenten waren, wurden von Gangel und Wesenberg gewonnen. Blinde treiben Sport Gute Resultate im Lauf und Sprung Als sich vor vier Iahren einige Blinde zusammenfanden, um durch Ausübung von Sport und Leibesübungen sich selbst und ihren Lcidensgenossen neuen Lebensmut und neue Lebensfreude zu schaffen, glaubten sie wohl selbst nicht daran, daß sie auch einmal mit einem Sportfest an die Oeffentlichkeit treten würden. Was von vielen nicht für möglich gehalten wurde, trat gestern in Erscheinung. Auf dem Sportplatz in derBerner Straße in Reinickendorf- Ost tonnte man in dxn Vormittagsstunden den Berliner Blinden- sportverein bei seinem Sportfest bewundern. Glanzleistungen und Weltrekorde hat niemand erwartet, desto größer war aber das Er- staunen der Zuschauer, wenn sie sahen, wie sich diese Blinden be- wegen. Wenn dann noch Resultate wie beim 100-Meter-Lauf in 13,1 Sekunden, beim Hochsprung 1,50 Meter und beim Weitsprung 4,65 Meter erzielt werden, so kann man dem Berein nur gratulieren. Eine Mutter erzählte, daß ihr jetzt 19jähriger Sohn als Achtjähriger durch einen Unfall sein Augenlicht verlor. All« Freude am Leben war'verschwunden. Da trat er vor einigen Monaten dem Verein bei. Seit dieser Zeit lebt er wieder auf. Und das ist das Verdienst des Vereins und seiner ehrenamtlich tätigen Sportlehrer. Einige Ergebnisse: Frauen, Sochlprung, 1 Meter.— Weitsprung 3.69 Meter. — 30.Meter-Laui 8,6 Sek.— Männer, Hochsprung, 1,39 Meter.— Weilsprung 1,63 Meter.— 199.Metei.Laut 13,1 Sek.— Schleüderballwerfcn 19,83 Meter.— Kugelstoßen 19 Meter. Vorwärts-Wedding schlägt Fortuna 5: Z Im zweiten Bezirk scheint durch das Hinzukommen neuer Vereine ein allgemeine Umwälzung in der Spielilärke der Mann- schast«» eingetreten zu sein. Ueberraschungen sind ja an jedem Spielsonutag an der Tagesordnung, und je länger gespielt wird, desto größer werden die Ueberraschungen. Gestern gab es eine solche bei deni Treffen Vorwärts- Wedding— Fortuna. Durch das Unentschieden gegen Adler 08 und durch den einwandfreien Sieg über Hansa gab man den Fortunen gegen Vorwärts alle Siege saussichtcn. Es kam aber etwas anders, als sich zillrtuna träumen ließ. Gleich zu Beginn übernahm Fortuna das Kommando. Nach einigen schnellen Angriffen wurde der erste Treffer durch einen Handelfmeter erzielt. Weiter drückte Fortuna auf das Tempo; der Sturm spielt« zu engmaschig, so der Vorwärtsvertcidigung immer die Möglichkeit gebend, rechtzeitig eingreifen zu können. In einem unbewachten Augenblick bekam der Rechtsaußen der Weddinger den Ball zugespielt. Im schnellen Lauf ging es nach vorn. Aus einem fast unmöglich erschienenen Schußwinkel heraus gab«r den �Sall hoch vor das Tor, wo der starke Wind das Weitere besorgte. Trotz verzweifelter Anstrengungen beider Sturmreihen blieb es bei diesem Resultat bis zur Pause. Fortuna versuchte dann, wieder in Führung zu kommen, was auch bald gelang. Dann war es aber vorbei. Der Sturm versiebte sich durch eigensinniges Spiel jede weitere Gelegenheit, während Vorwärts immer gefährlicher wurde. Nur noch zwanzig Mimiten Spielzeit. Da reißt Vorwärts durch und in gleichmäßigen Abständen werden weitere vier Treffer erzielt. die den 5: 2-Sieg herstellten. Teltow mußte einen wichtigen Punkt an Hertha- Luckenwalde durch ein 2:2-Resultat abgeben. Nord schlug den Volkssport Weißensee hoch mit 7:0. Das Treffen Pankow— Saxonia mußte beim Stande von 1:0 für Pankow abgebrochen werden. Normannia gewann gegen ASV. Neukölln 4:1. Osten gegen Kickers 5: 0. Schöneberg verlor gegen Luckenwalde I 1: 12. ASV. Borsigwalde gegen Adler 08 1: 10. Hansa gegen Zehdenick 2:3. Vorwärts 1b gegen Eintracht-Mahlsdorf 1:3. Minerva gegen Wilmersdorf 3:4.— Zweite Mannschaften: Minerva gegen Wilmersdorf 2: 1. Schöneberg gegen Luckenwalde 16:3. Hansa gegen Zehdenick 5: 2. Vorwärts gegen Fortuna 4: 1. Teltow gegen Hertha 1: 4. Hansa(Schüler) gegen Fortuna 2: 0. Oewonnen und doch verloren Bei den Aufstiegsspielen der Handballer Die gestrigen Aufstiegsspiele der Arbeiter-Hand- b a l l e r standen unter einem sehr ungünstigen Stern. Schon die Tatsache, daß jede Mannschaft verpflichtet war, zwei Spiele aus- zutragen, wirkte lähmend auf die einzelnen Kämpfe. Außerdem hatte der Regen den Platz derart durchnäßt, daß die Spieler wie auf einer Eisbahn hin- und herrutschten. Die Nachmittagskämpfe litten dann sehr unter den nachträglichen Einwirkungen der Vormittags- spiele. Aber auch der unmögliche Platz der Freien Turnerschaft Schöneberg muß bei weiteren Spielen gemieden werden. Wir haben doch in Berlin genügend städtische Plätze zur Verfügung, die voll- kommen einwandfrei sind. Bei den Spielergebnissen zeigte sich folgendes Kuriosium: Der Meister des ersten Bezirks, Stralau, gewann wohl beide Spiele, ohne jedoch die Punkte zu erringen. Die Stralauer hatten nämlich den Fehler begangen, ihre Spielerpässe zu vergessen. Nach den Bestimmungen hätte der Schiedsrichter das Spiel gar nicht anpfeifen dürfen. Als erster Kampf stieg die Begegnung Stralau— Süden 2, die mit dem knappen 9:8-Sieg der Stralauer endete. Branden- bürg, als Meister des 3. Bezirks schlug seinen Gegner, Moabit, zweiter Bezirk, hoch mit 9:3. Dann kam dos schönste Spiel des Tages: Hennigsdorf gegen Köpenick. Nach scharfem aber durchaus fairem Kampf blieben die Köpenicker mit 6:5 sieg- reich. Mit einer Verspätung von einer Stunde traten sich dann Brandenburg und Stralau gegenüber. Daß die Stralauer auch hier gewinnen würden, haben wohl nur wenige erwartet. Nach- dem die Stralauer bereits mit 4:2 in sicher geglaubter Führung lagen, holten die Brandenburger schnell auf. Ja, wenige Minute» vor Schluß gingen sie sogar mit 5:4 in Fühning. Im Endspurt rückten jedoch die Stralauer wieder in den Vordergrund, um mit 6:5 zu gewinnen. Das Schluhspiel Moabit gegen Süden 2 war zu unruhig. Süden gewann mit 4:2, trotzdem sie den größten Teil der Spielzeit nur mit 10 Mann spielen mußten, da ein Spieler durch einen unglücklichen Fall zu Schaden kam.— Das Ergebnis der Spiele ist also: Brandenburg und Süden 2 gelten als sichere Aufstiegs- kandidaten, während Stralau und Moabit noch einmal gegen die vorletzten Mannschaften der ersten Klasse spielen müssen. Für Stralau besteht also immer die Hoffnung, daß sie zur ersten Klasse aufrücken, wenn es gelingt, die Abstiegskandidaten zu schlagen. Weitere Ergebnisse: Stralau 2 gegen Wedding 3 3:7.— Stralau Jugend gegen Wcdding Jugend 19:3. Die kahrt der Alten Die„Fahrt der Alten"(Altersriegen im 1. Kreis) ging unter einer Beteiligung von 300 aktiven und ebensovielen Zuschauern bei bestem Wetter und bester Stimmung vor sich. Ein Marsch durch den märkischen Wald am Templiner See entlang. Die Bundesgymnastik unter Begleitung des Bezirksspielmannskorps war etwas Neues und fand gute Aufnahme. Die angesetzten Kreismeisterschaftsspiele wurden des starken Windes wegen auf den Sporte und Spieltag am 23. Oktober im Friedrichshain ver- legt.(Meldungen bis 15. Oktober an H. Stanislaus.) Es gab noch regen Badebetrieb. Die Rückfahrt mit Dampfer bis Pots- dam gab der ganzen Veranstaltung einen guten Abschluß. Ein heiterer Zwischenfall sei noch erwähnt: Bei der Ab- fahrt vom Potsdamer Bahnhof fragte ein Thüringer Stahlhelmer: „Nu, was sind denn das für welche?" Als fein Gastgeber ihm antwortete, das find Arbeitersportler, meinte der Thüringer:„Nu. wer hat denn die eingeladen?" Der gute Mann war eben der Meinung, daß sich in Berlin nur Stahlhelmer aufhalten. Buudesiecue' Veeziue teilen wi: Kartcllbciirt Rculölln. Die Technikcrsstzung fällt heute, 3. September, aus, und findet Dicnstnn, 6. September, auf dem Eonnenplatz statt. VfK. Prales. Heute. 3. September. Technikersshung bei Bendtke. Falcten- steinstr. 12. Mittwoch, 7. September. 29 Uhr, Pcrcinsvorftandositzung bei Ball» fchmidt, Friedenstr. 96. Kartell bezirl Wedding. Heute, 29 Uhr, Kartcllverfammlung bei Saath. Lynarftr. 19. Am Sparrplatz. Thema: Hcrbstfportfest am 18. September 1932 im Volksparl Rehberge. SP. Moabit. Mittwoch. 7. September, 29 Uhr, ausserordentliche Hockeyssssung bei Roftel, Putlissstr. 19. All« Senossen müssen erscheinen zwecks Monnlchäfts» aufstellung zur Serie. Pässe mitbringen. Polizeifxortoercin Berlin c. P.. Abt. Cinhritskurzfchrift. Regelmässige Uebungsabende an allen Wochentagen, ausser Sonnabends, von 19>z— 21:, Uhr im Polizeifchulgebäude, Hannoversche Str. 28—39, 2. Stock, Zimmer 19.' An, fängcr», Fortbildungs» und Redcfchriftkurse. Auch für Zivile. Der nächste An- zängertursu, beginnt am 12. September. Gebühr für Mitglieder 2,39 M.