4y.Iahrgang Morgenausgabe 3tr. 419 A 204 Wijchemltch 7» Pf. monatlich 3,58 M. (davon 87 Pf, monatlich für guftol- lung in» Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,87 M. einschließlich 80 Pf. Postzeitungs- und 75 Pf, Postbeftellge- bilhren. Auslandsadonnemcnt 8,88 M. vro Monat: für Länder mit ermäßig- tew Druckfachenvorto 4.88 M »et Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten aus Erfaß, » Erscheinungsweise und Anzetgenpreis« siehe aiu Schluß des redaktionellen Teils, Dienstag 6. September 1952 Groß-Lerlin 10 Pf- Auswärts 15 Pf. p> WM Berliner Bolksblatt Jentralovgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschland Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Retnfot.: Dönbvsf(A T) 292—297, Telegramm-Adr,: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkomo: Berlin 37 536.— BankkoMo: Bankder Arbeiter, Angestellte» und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.DiSc.-Gef., Deposltenk.,J«ruialemerStr. K5/SS. Pressefreiheit slSSZ. Reichstag am 12. September. Zentrum und Ikationalsozialisten wollen bis dahin fertig fein. . Der Reichstag wird voraussichtlich zum Montag, den 7 2. September, einberufen, weil Nationalsozialisten und Zentrum hoffen, bis dahin die inzwischen nach Beendigung des Katholikentages wieder aufgenommenen Koalitionsver- Handlungen zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht zu hoben. Der Empfang des Reichstagspräsidenten durch den Reichs- Präsidenten dürste am Freitag erfolgen. Wahrscheinlich wird der Reichspräsident bereits im Verlauf dieses Empfanges durch den Reichstagspräfidenten Göring über Zweck und Ziel der Koalitions- Verhandlungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum unterrichtet werden. »Vorwärts''-Interpellation zurückgewiesen! Der nationalsozialistische Reichstagspräsident Göring hat an die sozialdemokratische Fraktion wegen der Interpellation über das „Vorwärts"-Verbot folgendes Schreiben gerichtet: „Die beiliegende Interpellation bedauere ich, nicht zum Druck geben zu können, weil die unterstrichene Stelle eine über die Angabe des Sachverhalts hinausgehende Beurteilung enthält, in der ich— abgesehen von ihrer Unrichtigkeit— eine Kränkung der größten Fraktion des Reichstags erblicke. Der Wortlaut widerspricht mithin dem 8 Abs, 1 der Geschäftsordnung." Di? Zurückweisung betrifft die im folgenden Satz der sozial- demokratischen Interpellation unterstrichenen von uns gesperrt gedruckten Worte: „Der„Vorwärts" hat als Zentralorgan der größten aus dem Boden der geltenden R e i ch s o e r s a s s u n g stehenden Partei nur seine Pflicht erfüllt, indem er die Reichsregierung vor den angekündigten Dersassungsverletzungen warnte,"> Sicherem Vernehmen nach sind einig« nationalsozialistische Ab- geordnete in Tränen ausgebrochen, als sie von der ihrer Fraktion angetanen Kränkung erfuhren. Die Guten konnten es gar nicht fassen, daß es Leute gibt, die an ihrer Systemtreue zweifeln Sie erblicken in solchem Mißtrauen einen neuen Beweis für die sittliche Verworfenheit des Marxismus, Herr Göring selbst aber— Spaß beiseite, obwohl es wirklich schwer fällt, ernst zu bleiben— erklärt die Annahme, daß die nationalsozialistische Fraktion nicht auf dem Boden der Weimarer Verfassung stehe, für unrichtig, ja sogar für kränkend! Es muß sich also, wenn man dem Reichstagspräsidenten nicht Unwahrhaftig- keit vorwerfen will, in der NSDAP, ein katastrophaler Ge° sinnungswechsel vollzogen haben. Reichsbanner und Partei.. Oer Bundesvorstand berichtigt unwahre Behauptungen. Ein Berliner Montagsblatt hat gestern über angebliche Vor- gänge im Reichsbanner phantastische Dinge erzählt. Dem Blatt ist folgende Berichtigung des Bundesvorstandes zugegangen: 1. Unwahr ist, daß die Angehörigen des Gaues Berlin- Brandenburg für Anfang Oktober eine Gaukonferenz de» Reichs- banners verlangt und durchgesetzt haben(in der die Absetzung des bisherigen Gauvorsitzenden Stelling beschlossen werden soll). Wahr ist vielmehr, daß der Vorstand des Gaues Berlin- Brandenburg(unter Leitung des Gauvorsitzenden, Kameraden Stelling) die satzungsgemäh fällige Einberufung der Gaugeneral- Versammlung von sich aus, ohne durch irgendeinen Druck veranlaßt zu sein, für den 23. Oktober bereits vor drei Wochen veranlaßt hat. 2. Unwahr ist, daß Sonderkonferenzen für West- und Süd- deutschland vorgesehen waren, die vom Bundesvorsitzenden Höltermann im Austrage des Parteivorvorsitzenden Wels abgesagt worden sind. Wahr ist vielmehr, daß solche Konferenzen nicht angesetzt waren, daznit sind auch die an die falsche Behauptung geknüpften Folgerungen hinfällig. 3, Unwahr ist, daß die Zentrale des Reichsbanners vor einiger Zeit nach Berlin übergesiedelt war und dann auf Verlangen von Wels wieder nach Magdeburg heimgekehrt ist. Wahr ist vielmehr, daß die Zentrale des Reichsbanners nie- mals nach Berlin übergesiedelt war, sondern sich seit der Gründung des Bundes in Magdeburg befunden hat. Zu Beginn dieses Jahres ist von der Bundesleitung in Berlin ein Informationsbüro ein- gerichtet worden, das nach wie vor besteht. Italien für Gleichberechtigung. Aber Genf als BerhandlungSort. Rom, 5. September. Von zuständiger amtlicher Stelle wird die deutsche Gleichbmch- tigungssorderung für rechtlich unanfechtbar erklärt. Da demnächst die Abrüswngsverhandtungen wieder beginnen, hält Italien G e n s für den geeigneten Verhandlungsort für diese Forderung. Italien erkennt also die deutsche Forderung auf Gleich- berechtigung an. Es will aber, daß in Genf über diese Forde- rung verhandelt wird, während Deutschland erklärt, überhaupt nicht mehr über Abrüstung verhandeln zu wollen, wenn seine Forderung nicht erfüllt wird. popeti, der Mtter. Das großkapitalistische Programm ves Klassen- kampfs von oben. „Die Regierung trifft diese Maßnahmen, weil sie über- zeugt ist, daß die Privatwirtschaft noch immer den besten Weg für eine rationelle Befriedigung der wirtschaftlichen Bedürfnisse der Menschen darstellt, und daß es deshalb darauf ankommt, die in ihr schlummernden Kräste zu wecken." Begründung der Reichsregierung.) Die neueste Notverordnung der Regierung Papen ist ein Instrument zur Rettung des kapitalistischen Systems mit kapitalistischen Mitteln. Das heißt: die Arbeiter haben die Rettung zu bezahlen. Die Rettung der Kapitalisten— denn daß die Rettung des Kapitalismus nicht die Rettung der Arbeiter aus Elend und Krisennot bedeutet, fühlt die große Mehrheit des Volkes. Die Regierung Papen fingt in der Begründung ihrer Notverordnung das hohe Lied vom kapitalistischen System als von der besten aller Welten.„Den besten Weg für eine rationelle Befriedigung der wirtschaftlichen Bedürfnisse der Menschen"— so nennt sie stolz den Kapitalismus. Die Kapitalisten glauben es selbst nicht mehr. Ein gewaltig aufgeblähter Produktionsapparat, der in vollem Betrieb ein Ivv-Millionen-Volk versorgen könnte— aber Millionen von Arbeitslosen, das Volk im Elend! Die Halden voll Kohlen, die Scheuern voll Getreide, die Mieten voll Kartoffeln— aber ein drohender Winter voll Kälte und Hunger vor den Arbeitslosen— so sieht„die rationelle Befriedigung der wirtschaftlichen Bedürfnisse der Menschen" im Kapitalismus aus! Wer den Kapitalismus bejaht, bejaht zugleich die Krisen mit ihren wahnwitzigen Erscheinungen, die das sinnloseste, unrationellste wirtschaftliche Geschehen darstellen. Ist es„rationellste Befriedigung der wirtschaftlichen Bedürfnisse der Menschen", wenn das Einkommen der besitzenden Klassen aus Prosit gesteigert, das Einkommen des Arbeiters aber gesenkt wird? Rein, das ist Klassenkamps, Klassenkampfvon oben! Das aber ist der Inhalt der Notverordnung, mit der die Regierung Papen die Wirtschaft ankurbeln will. Diese Not- Verordnung enthält für die Kapitalisten: VA Milliarden Steuergutscheine, die ab 1. Oktober des Jahres ausgegeben werden. Sie enthält in diesem Rahmen eine neue direkte Subvention an den Großgrundbesitz, da für 40 Prozent der Grundsteuer Gutscheine ausgegeben werden. Obendrein enthält sie ein Geschenk von 50 Millionen Mark für den Hausbesitz. Dazu 700 Millionen Steuergutscheine für Unternehmer, die Arbeiter einstellen. Für die Arbeiter: Eine Auflockerung des Tarisrechls, die in einer Durch' führungsverordnung noch erläutert werden wird. Eine Ermächtigung für die Schlichter, die Tariflöhne für „besonders gefährdete Betriebe" mit sofortiger Wirkung zu senken. Ein Oohnminderungsrecht der Unternehmer, das am 7S. September 1932 in Kraft tritt, und den Unternehmern die Möglichkeit gibt, je nach Maßgabe neuer Arbeilereittstellungen die Löhne bis zu 12yo proz. unter den jetzigen Stand zu senken. Eine Ermächtigung an die Regierung, mit einem Zederzuge die einschneidendsten Veränderungen auf dem gesamten Gebiete der Sozialpolitik vorzunehmen. Haben wir nicht recht, wenn wir behaupten, daß das arbeitende Volk die Rettung des Kapitalismus zu bezahlen habe? Es ist selbstverständlich, daß dies Programm des Großkapitalismus und des Klassenkampfes von oben den leidenschaftlichsten Kampfwillen der Arbeiterschaft wecken wird! Mehr als dies Programm bietet, konnten die Großkapi- taliften in ihren kühnsten Träumen nicht erhoffen. Es ent- hält nahezu alles, aber auch alles, was sie seit vielen Jahren programmatisch gefordert haben: Steuergeschenke an die Kapi- talisten, während die Arbeiter Lohnsteuer und Krisensteuer in voller Höhe weiter zu zahlen haben, neue gewaltige Lohn- senkungen, Zerschlagung des Tarifrechts, Auslieferung der Sozialpolitik an die reaktionäre Bürokratie. Was bleibt ihnen noch zu wünschen übrig? Das alles, obwohl die antikapitalistische Stimmung im Volte noch nie so stark war wie heute! Das ist die Folge der Diktaturanbetung, der Mißachtung der Demokratie und der Freiheit. Was die Demokratie in zäher mühseliger Arbeit aufge« baut hat, um das Recht und die Lebenshaltung des arbeiten» den Volkes zu fördern und zu sichern, das zerschlägt die Diktaturl Die wirtschaftspolitischen und finanzpolitischen Speku» lationen, auf denen diese Notverordnung beruht, sind so vage und unbegründet wie die Rechtskonstruktionen, auf die sich ihr Hauptstück von den Steuergutscheinen stützt. Um so massiver ist der Klassenkampfwille, der darin zutage tritt. Deshalb ist eine Wirkung dieser Notverordnung gewiß, während alles andere ungewiß ist: eine gewaltige Zuspitzung der Klassengegensätze und da- mit der Klassenkämpfe in Deutschland! Dennoch Darlehen! Die Sieueranrechnungsscheine und die Reichsschuldenverwaliung. H-193 gilt nicht mehr! Ein Angriff auf linksstehende Verteidiger. Im nationalsozialistischen Lande Braunschweig hat ein Zlmts» gericht, und zwar das Amtsgericht in Blankenburg am Harz, ein unglaubliches Urteil gefällt: Der Rechtsanwalt Frank aus Braun- schweig, der fünf kommunistische Angeklagte wegen eines Zusammen» stoßes mit Polizeibeamten vor dem gleichen Gericht verteidigt hatte, wurde wegen Beleidigung eben dieser Polizeibeamten zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Worin hatte das Verbrechen des Verteidigers bestanden? Er hatte gemäß den Angaben seiner Klienten in seiner Berteidigungs- rede behauptet, daß die Polizeibeamten auf die Arbeiter einge- schlagen hätten. Er hatte weiter ausgefiihrt, daß die als Zeugen vernommenen Polizeibeamten dieses Verhalten freilich nicht zugeben könnten, weil sie sich dann selber einer disziplinar- und strafrechtlich zu ahndenden Handlung bezichtigen würden. Ferner hatte der Der- teidiger den Polizeibeamten zur Last gelegt, daß sie gegen die Ange- klagten besonders rigoros vorgegangen seien, weil diese Kommunisten waren, gegen Nationalsozialisten würden sie nicht so schroff vor- gegangen sein. In diesen Ausführungen erblickte das Schnellgericht in Blanken- bürg eine„Behauptung nicht erweislich wahrer Tatsachen" im Sinne des§ 186 des Strafgesetzbuches. Nach der ständigen Rechtsprechung des Reichsgerichts sind derartige Ausführungen eines Der- teidigers, wenn sie nicht durch absichtlich verletzende Form die Ab- ficht der Beleidigung erkennen lassen, durch den§ 193 StGB. (Wahrnehmung berechtigter Interessen) voll gedeckt. Es wäre auch in der Tat phantastisch, wenn es anders wäre. Wie soll ein Verteidiger überhaupt noch seine Klienten verteidigen können, wenn es ihm nicht mehr möglich sein soll, die Wahrheit einer Zeugenaus. sage zu bezweifeln? Man kann nur eins feststellen: je größere Fortschritte die pol!- tische Reaktion macht, desto leichtherziger werden die elementarsten Grundsähe von Recht und Gerechtigkeit außer Kurs geseht. Lahufenprozeß noch lange nicht! Am Ende gar noch Hastentlassung? Der Mrtschoftsverbrecher Carl Lahusen. der Haupt- schuldige am Krach der Rordwolle, au» dem der Danatkrach und die große Bankenkrise entstand, ist immer noch nicht abgeurteilt, obwohl seit dem Rordwollekrach mehr als ein Zahr verflossen ist! Der Prozeß soll seht bis zum nächsten Frühjahr ver- tagt werden, weil der Zeuge Generalkonsul S t r u b e. der ehemalige Geschäftsinhaber der Danatbank. für mehrere Rio- nate nach China gereist ist. Strube gehörte zu denen, die nichts gesehen hatten. Die Verteidiger Lahusens bemühen sich jetzt um die hastent- lassung ihres Mandanten. Lahusen wird bekanntlich auch von Hitler- Anwälten verteidigt. Prozeß bi» nächstes Jahr vertagt, und am Ende gar noch Lahusen durch die Bemühungen der Hltler-Anwälte entlassen— sieht so die gerichtliche Ahndung des größten deutschen wirtschaftsver- brechens aus? Aaziminister stellt sich vor. Enttäuschung bei thüringischen Regierungsbeamten. Aus Weimar wird mitgeteilt: Bor einigen Tagen war in Weimar Regierungswechsel. Die Minister Baum und Kästner verabschiedeten sich von den Beamten und Angestellten ihrer Ressorts. Neue Männer kamen. Drei Ver- treter einer sogenannten„Arbeiterpartei" wurden Minister. Sauckel, Wächtler und Marschler von der NSDAP, bezogen ihre neue Stellung, nahmen die Ministersessel ein. Bevor sie an das schwere Geschäft der Regiererei gingen, stellten sie sich gleichfalsH den Be- amten ihrer Ressorts vor, machten ihre Antrittsoisite. Diese ist im Finanz- bzw. Wirffchaftsministerium nicht ganz ohne Reibung vor sich gegangen. Es hat dort einen kleinen Sturm der Entrüstung gegeben, weil der Herr Staatsrat und Bürgermeister und Land- tagspräsident o. D. und nunmehrige Minister Marschler nur den„höheren Beamte n", vom Regierungsrat auf- wärts, seine Antrittsvisite machte und auf die Bekanntschaft auch der„mittleren Beamten" und Ange st eilten keinen sonderlichen Wert legte. Das hat in den Reihen dieser Beamten und Angestellten eine Ent- täuschung erzeugt. Sie hatten ganz bestimmt gehofft, daß der Ver- treter einer„Arbeiterpartei" auch die Bekannffchaft derjenigen nicht verschmähe, deren Väter nicht in der Lage waren, ihren Kindern das Studium zur Laufbahn des„höheren Beamten" zu«rmög- lichen. Es sind in den Amtszimmern und Fluren darob harte Worte gewechselt worden. »> Wir geben diesen Bericht, der von Zeugen verbürgt ist, wieder und freuen uns, feststellen zu können, daß auch die Beamten schon am ersten Tag bemerkten, daß immerhin ein Unterschied zwischen Arbeitervertretern nationalsozialistischer Couleur und Marxisten besteht. Verschwindet die Gtaatspartei? Ein letzter Parteitag geplant. In der Staatspartei wird zur Zeit heftig für und gegen die Auflösung dieses Splitters gerungen. Eine für den 11. September nach Berlin einberufene Sitzung des Gesamtvorstands der Staatspartei soll über diesen Kamps ein« vorläufig« Entscheidung sällen, die vann wahrscheinlich ein Parteitag zu sanktionieren haben wird. Voraussichtlich wird sich die Staatspartei auflösen. vlosür Japan Geld hat. Das japanische Parlament hat für Armee und Marine 37 Millionen Jen Zusatz- t r e d H« bewilligt. Gegen die Deklaration der sozialdemokrolischen Reichs- tagssraktion über die Steuergutscheine hat die Reichsregierung eine Erklärung veröffentlicht. Zu dieser Erklärung schreibt uns Reichstagsabgeordneter Genosse Kurt heinig. Mit- glied de» Schuldenausschusses: Die Reichsregierung geht von der Fiktion aus, daß es ihr ge- lungen sei, durch eine geschickte juristisch« Konstruktion der Steuer- anrechnungsscheine die Reichsschuldenverwaltung umgehen zu können. Dem steht aber entgegen, daß selbst der Reichskanzler von Papen in seiner Rede in Münster diese Steuerverrechnungsscheine als eine Art Darlehen an das Reich bezeichnet hat. Im übrigen hat auch die regierungsoffiziöse„DAZ." den Charakter der Steueranrechnungsscheine als Reichsdarlehen eindeutig unterstrichen. Weiter hat eben erst Professor Kern in der„Vossischen Zeitung" den gleichen Standpunkt vertreten. Man versucht es so darzustellen, als ob das Reich etwas ver- schenke und nicht diese 2,2 Milliarden borge. In Wirklichkeit ist es so, daß das Deutsche Reich vom Tage der Ausgabe der Steueran- rechnungsscheine der Schuldner der Empfänger jener Scheine ist. Im übrigen ist auch der ganze Charakter der Steueranrechnungs- scheine durchaus den normalen langfristigen fundierten Krediten des Reiches angepaßt. Zum ersten werden Zinsen gezahlt. Dabei ist ganz gleich- gültig, ob das in der Form der Anrechnung oder Zuschreibung ge- schieht. Zum anderen sind die Steueranrechnungsscheine l o m b a r d- fähig. Zum dritten sollen die Steueranrechnungsscheine, wie jede andere Anleihe des Reiches an der Börse gehandelt werden. Im übrigen hat die„DAZ." schon verlangt, und das ist sicher aus Kenntnis der Regierungsabsichtekl geschehen, daß das Reich eine besondere Reservemasse aus Etatsmitteln b i l d e t, die dem Zweck zu dienen habe, an der Börse den Kurs der Steueranrechnungsscheine zu beeinflussen. Sämtliche Merkmale der Steueranrechnungsscheine sind damit die gleichen wie bei jeder anderen Reichsanleihe. Der Kredit des Reiches wird durch die 2,2-Milliarden-Mark-Steueranrechnungsschein« ganz wesentlich beeinflußt. Dabei wird sich, wenn die Reichsschulden- Verwaltung wider Gesetz und Recht ausgeschaltet bleibt, der merk- würdige Zustand ergeben, daß das Reich zwei Arten von Anleihen in Umlauf hak. Die eine Art wird durch die Kreditkontrolle der Reichsschuldenver- s waltung die Reichsanleihen erster Klasse darstellen, und die anderen Art wird, weil sie der Komrolle der Reichsschuldenverwal- tung entzogen ist, eine Art Reichsanleihe zweiter Klasse, also Reichsanleihe mit geringerer Sicherheit, sein. Die Reichsregierung behauptet weiter, daß das Kreditermächti- gungsgejetz vom 12. Mai 1932 ihr ohnedies die Möglichkeil gebe, 2,2 Milliarden als Sleueranrechnungsscheine in den Verkehr zu bringen. Das ist ein ganz grober Irrtum. Ein ebensolch grober Irrtum ist es, wenn die Reichsregierung meint, daß sie aus dem Wege des Artikels 48 frei über Steuerein- nahmen der Jahre 1934 bis 1938 verfügen könne! Ganz gleich, wie man auch die Frage betrachlet, es bleibt nur die ein« seftstehende Tatsache, daß die Reichsregierung ganz bewußt die Reichsfchuldenverwaltung umgehen will. Der Grund dafür scheint uns ganz klar. Die Reichsschuldenocrwaltung hat eben erst dem Kabinett Brüning bewiesen, daß sie den festen Willen hat. den Kredit des Reiches unbeeinflußt durch politische oder sonstige Kräfte, zu hüten. Die Konsequenz davon war, daß das Kabinelt Brüning das Kreditermächtigungsgejeg vorlegen mußte. An der grundsätzlichen Auffassung der Reichsschuldenverivoltung gegenüber der Ausweitung des Artikels 48 zum Zwecke der Kreditschöpfung hat sich nach unserem ltzissen auch gegenüber dem Kabinett Papen nichts geändert. Die Reichsschuldenverwaltung kann sich dabei darauf berusen, daß auch der R e i chs s ch u ld e na u s s ch u ß die strittige Frage seiner- zeit nur deswegen für erledigt gehalten hat, weil der Reichstag das Kreditermöchtigungsgesetz des Kabinetts Brüning angenommen hat. Im übrigen braucht man sich nich darüber zu wundern, daß die Reichsschuldenverwaltung von sich aus der ihr ob- liegenden Pflicht der Stellungnahme zu den Steueranrechnungs- scheinen noch nicht nachgekommen ist. Die Aufgab« der Reichs- fchuldenverwolwng beginnt nach unserer Auffassung erst jetzt, nach- dem die Reichsregierung ihre Notverordnung erlassen hat. Dann wird bis zur Ausgabe der ersten Steuerverrechnungsscheine, die für die großen Steuergläubiger wohl am 6. Oktober d. I., für die Masse der kleinen überhaupt erst im nächsten Jahre erfolgen wird, noch genug Zeit zur Stellungnahme sein. Dabei wird überdies auch der Schuldenausschuß, der aus Rlil- gliedern des Reichstages und aus Mitgliedern des Reichsrate» besteht, seinerseits auch noch ein wörtchen mitzureden haben. Es bleibt also dabei, daß die Deklaration der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion in jeder Hinsicht den wahren Tatbestand trifft. Nazis vor dem Gondergericht. Oer Aaziarzt mii der Pistole. Paderborn, S. September.(Eigenbericht.) Am Montag begann vor dem hiesigen Sondergericht der aus mehrere Tage berechnete Prozeß gegen den Neuhäuser Naziarzt Dr. Linden und 13 zum Teil aus der.Hast vor- geführte Angeklagte, die ebenfalls der NSDAP, angehören. Linden wird beschuldigt, am Wohlsonntag den Kommunisten B r i s i ck e vorsätzlich, aber ohne Ueberlegung erschossen zu haben. Die übrigen Angeklagten stehen unter der Anklage der vorsätzlichen Körpermißhandlung. Die Angeklagten fühlten sich am Wahlsonntag beim Plakate- kleben in Neuhaus angeblich bedroht und weckten deshalb den jetzigen Angeklagten Dr. Linden, der Hilfe herbeiholen sollte. Auf dem Wege nach dort trafen sie einen Mann, der die Freiheitspfeile der Eisernen Front trug. Er wurde überfallen und übel zugerichtet. Zwischen Neuhaus und Sennelager überfielen dann später etwa 12 bis 15 Nationalsozialisten, die in einem Ueberfallwagen herbei- gerufen worden waren, eine vier Mann starke Klebekolonne der SPD. Mehrere hundert Meter weiter stießen die„aufbauwilligen Kräfte" auf eine kommunistische Klebekolonne, die ungefähr 12 bis 14 Mann stark war. Linden ließ den Ueberfallwagen halten und gab auf die fliehenden Kommunisten zwei Schüsse ab. Von dem ersten Schuß wurde der Kommunist Brisicke tödlich getroffen. Der als Zeuge vernommene SA.-Mann Steffens sagte aus, daß die Ueberfälle planmäßig vor sich gegangen seien. Der SA.- Mann Brandt bestätigte diese Aussage, während Linden die Plan- Mäßigkeit bestreitet. Er entschuldigt sich damit, daß er vor etwa 8 Jahren ein halbes Jahr lang Morphinist gewesen sei und auch von dieser Zeit ab von Zeit zu Zeit Nein« Dosen Morphium zu sich genommen habe. Seine Verteidiger beantragen deshalb die Ladung eines Gutachters, der über den damaligen Geisteszustand Dr. Lin- dens gehört werden soll, da feststände, daß Dr. Linden sich an dem fraglichen Abend zwei Morphiumspritzen gegeben habe. Linden gibt zu, geschossen zu haben, aber nur in die Luft. Außer von ihm seien auch von SA.-Leuten Schüsse abgegeben worden. Es sei das reinste Maschinengewehrfeuer gewesen. Milde. Leichte Gefängnisstrafen für nationalsozialistische Land« friedensbrecher. Ossenburg i. B.. 5. September. Nach fünftägiger Verhandlung verurteilte die Große Straf- kammer beim Landgericht Offenburg-Baden wegen Land- friedensbruchs 11 Nationalsoziali st en zu Gefäng- nisstrafen von drei bis sieben Monaten. Die Unter- suchungshaft wurde voll angerechnet. Sämtliche Angeklagten ge- hören der SA. in Steinbach an. Sie drangen am 19. Juli in eine geschlossene Versammlung des Iungzentrums und der Badenwacht in Steinbach ein, wobei es zu einer großen Schlägerei kam, bei der auch geschossen wurde. Das Gericht nahm vollendeten Landfriedensbruch an, billigte den Angeklagten aber mildernde U m st ä n d e zu. Jfozis überfallen einen Ernteball. 15 Festteilnehmer schwer verletzt. Hannover. 5. September.(Eigenbericht.) In Barendors bei Lüneburg überfielen am Sonntag abend Nazi» einen Ernteball. Die Nazis kamen mit einem Lastwagen von außerhalb. Di« SS.-Leute sprangen vom Wogen, umstellten die Wirtschaft und drangen mit Schulterriemen in der Hand in da» Lokal ein. Mit den schweren Karabinerhaken am Ende der Schulterriemen wurden die Fejtteilnehmer geschlagen. Der Saal wurde regelrecht leer geprügelt. Fünf- zehn Festteilnehmer wurden schwer verletzt, und zwar ausschließlich am Kops. Bei fast allen Schwerverletzten mußten die Wunden ge- klammert oder genäht werden. Ein Festteilnehmer, der verfolgt wurde, sprang in seiner Angst aus einem Fenster des zweiten Stocks auf die Straße. Von den SS.-Leuten wurde nicht ein einziger verletzt. Von Hitlers Kameraderie. Im Geiste von potempa. Der„Angriff" veröffentlicht ein Bill» der Mutter des von Hitlers Kameraden viehisch ermordeten Pietrzuch mit folgender Unterschrfft: „Als er tot war, sagte sie wörtlich:„Ich bin zufrieden, daß der Hacher weg ist. Er war ein Taugenichts und ein Lump!"" Die Vervichung hat keine Grenze. * Der Nazilandtagsabgeordnete Ingel hetzt im„Angriff": „Wenn auf Grund des von den Marxisten öffentlich gesorder- ten Betriebsterrors nationalsozialistische Arbeiter ihre Fäuste gegen sozialdemokratische Gewerkschastshäu- >er und Redakt ians st üben erheben, dann ist die Notwehr der durch marxistischen Terror zur Verzweiflung getriebe- nen Massen." * Zum Thema Nazi-„Notwehr": Di« nationalsozialistisch« Reichs- tagssraktion hat für eingeln« Gebiete Sachbearbeiter eingesetzt. Auf die Liste steht: N. S.- Rotwehr-Heines. Ztoihe noch im Hungerstreik Verteidiger betreibt Wiederaufnahmeverfahren. Der Berliner Reichsbannermann Max Rothe, vom Sondergericht zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, seht den am Freitag voriger Woche begonnenen Hunger- streik fort! Der Verurteilte verweigert die Aufnahme jeglicher Nahrung« nur hin und wieder nimmt er einen Schluck Waffer zu sich. Wie wir erfahren, ist die schriftlich« Urteilsbegrün- dung und damit die(?ndausfertigung des Urteils für heute zu erwarten. Der Verteidiger Rothes, Rechts- anwalt Joachim, wird die Nachprüfung des Urteils im Wiederaufnahmeverfahren betreiben, da er von der Schuldlosigkeit feines Mandanten restlos überzeugt ist. Vom Gondergericht freigesprochen! Sogar in Ungarn. Vor dem Schnellgericht in Szolnok(Ungarn) stand der Me- chaniker Samuel V ö r ö s, der angeklagt war. zur Zeit der Räte- regierung— vor 13 Jahren!!— als Mitglied einer kommunistischen Terrorgruppe einen Landwirt aus Szolnok in einem Kahn er- schössen und in die Theiß geworfen zu haben. Vörös wurde frei- gesprochen mit der Begründung, es könne nicht nachgewiesen werden, daß e r den tödlichen Schuß abgegeben habe. In dem Kahn hätten sich mehrere Terroristen befunden, und die Frage habe nicht geklärt werden können, wer den Schuß abgefeuert habe. Vöröq wurde sofort auf freien Fuß gesetzt. Sozialistisches Regiermgsprogramm. Staunings Wahlrede. Kopenhagen, 5. September.(Eigenbericht.) Zur Landsthingswohl am morgigen Dienstag sprach heute— nachdem die Rechtsopposition ihre Wahlreden gehalten halte— Ministerpräsident S t a u n i n g für die Sozialdemokratie im Rund» sunk. Er führte aus: Nun gilt es, die Rechtsmehrheit im Oberhaus zu beseitigen. Dieses vor acht Jahren gewählte Oberhaus ist durch sein« konservative Mehrheit das größte Hindernis der Arbeit der Linksregierung gewesen; es hat jeden sozialen Regierungsplan ab- gelehnt. Die Regierung konnte nur unter größten Schwierigkeiten für das Boll arbeiten. Die Linksregierung will dem Wohl des g a n z« n Volkes dienen und nicht nur weniger Großgrund- b e si tz e r! Nach Kennzeichnung der skrupellosen Wahlwerbung der Konser- vativen legte Siauning sein Wirtschaftsprogramm dar; während die Konservativen die Renten der Armen und Aermsten kürzen wollen, sieht Stauning seine größte Aufgabe darin, den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit mit aller Energie zu führen, Im Kampf gegen die Krise Ist vor ollem nötig, alle Rechte der Werktätigen zu schuhen und die Arbeiterschaft vor Angrissen des Unternehmertums zu bewahren. Die Linksregierung hat der notleidenden Landwirtschaft große Krisenhilse erwiesen; sie wird auch weiterhin mit ihrer ganzen Kraft die Landwirtschast in ihrem schweren Kampf unterstützen. Man hilft nicht der Landwirtschaft, wenn man, wie die Konservativen wollen, nur einigen Großgrundbesitzern unter die Arme greift. Dem Klein- dauern und dem von der Krise am härtesten betroffenen Ar- beiter gilt zuerst die chilfe des Staates. Arbeitsbeschaffung ist das Ziel der Regierung für den kommenden Winter. Die Kon- fervativen wollen hohe Zölle, aber Zölle sind kein Mittel, um die Arbeitslosigkeit abzuwehren. In anderen Ländern hat man versucht, durch Zollbarrikaden der Krise beizukommen, aber nur das Gegenteil erreicht. Solche Experimente wollen wir nicht machen. Zum Schluß sagte Stauning, daß sich Anzeichen der Besserung in Dänemark bemerkbar machen. Wer für das Volk das Beste wolle, könne seine Stimme nur der Partei geben, die wirklich nationale Politik im wahren Sinne dieses Wortes treibt und die Interessen des wert- tätigen Volkes vertritt. Je de Stimme deshalb der Völker- verbindenden Sozialdemokratie! Kollektivierung der Sowjetbauern. Oer(Staat gegen Auflösungstendenzen. Moskau. 5. September(Sowjet-Ag.) Ein Regierungsbeschluß über die Erhaltung des ständigen Bodenbesitzes der Kollektivgüter besagt, daß die Kollektivgüter 80 bis 90 Proz. des gesamten Staatsbodens erfassen, wodurch für immer«in verstreuter und verteilter Bodenbesitz beseitigt und die Möglichkeit gegeben ist, von jetzt an auf Grund der st e i g e n d e n Mechanisierung der Kollektivländereien eine st o b i l e K u l» turwirtschaft zu pflegen. Der Beschluß verfügt die Wahrung des gesamten bearbeiteten Bodens jedes Kollektivgutes. Zugleich betont der Beschluß die Wahrung der Sicherheit des Boden- eigentums des Arbeiter- und Bauernstaates. Eine B e r ä n d e- r u n g der Grenzen der Kollektivgüter durch Zusammenlegung und Trennung ist nur zulässig bei Einverständnis von nicht weniger als drei Viertel der Mitglieder der zusammenzu- legenden oder zu trennenden Kollektivgüter und nach B e st ä t i- gung durch die entsprechende staalliche Bodenkommission. Im Fall« des Austritts von Bauern aus einem Kollektiogut erfolgt die Zuteilung neuen Bodens nur aus freiem Staatsbodenbesitz, keinesfalls auf Kosten eines bestehenden Kollektioguts. « Die ungenügenden Ablieferungen der Kollektiven haben bereits im Mai zur Wiederzulassung de? freien Handels geführt, der aber neuerdings durch die notgedrungen scharfe Bekämpfung von Speku- lation und Schieberei— auch bereite staatlich ersaßt« Waren sind in den freien Handel verschoben worden!— wieder eine starke Einschränkung ersohren zu haben scheint. Der pbenstehende Beschluß läßt daraus schließen, daß sich Auslöfungsmerkmale in Kollektiven zeigen.(Red. d ,.V.�) Krankreich und die Gowjeinaphtha. Moskau, 5. September.(Sowjet-Ag.) Der Vorsitzend« der französischen Parlamentskommission für den Bergbau Eh. Baron(Soz.) ist hier eingetroffen, um sich mit der Rohöl- Industrie und dem Aufbau der Sowjetunion vertraut zu machen. Baron wird außer Moskau Leningrad, Baku, Grosnyi, die Häfen am Schwarzen Meer, Dnjeprostroi usw. besuchen. Er wurde vom Vorsitzenden des Naphtha-Exportverbandes empfangen. Günstige Urteile prominenter Ausländer. Der jetzt Südrußland und Kaukasien bereisende deutsche Botschafter v. Dirksen sagte tn Tiflis einem Berichterstatter der„Jstwestija" u. a., der Wirtschaftsaufbau des Kaukasus habe den größten Eindruck auf ihn gemacht. Ueberall im Land werden die Produktionskräfte entwickelt. Dirksen bezeichnete den Fünf- jahresplon als die Grundlage der Befestigung der deutsch- russischen Wirtschaftsbeziehungen. Er habe sich persönlich von der Entstehung zahlreicher neuer Industriewerke über- zeugen können, die von einem großen Fortschritt in der Sowjetunion zeugten. Nach der Darstellung des Korrespondenten erklärte Dirksen sodann, daß alles Gerede über die Ilnwirklichkeit des Fünffahresplans der Vergangenheit angehöre. Die Er- f ü l l u n g des Fünfjahresplans gebe den Produktionskräften des Landes die stärkste Entfaltung, und die großen Erfolge der Sonnet- regierung auf dem Gebiet der I n d u st r i a l i s i e r u n g des Landes seien unbe st reitbar. Auf dem internationalen Geologenkongreß in Leningrad führte der stellvertretende Volkskommissar für die Schwerindustrie, K o s s i o r, aus, daß in diesem Jahre bereits 200 Millionen Rubel für geologische Forschungen bewilligt und eine riesige Armee von Geologen zu diesen Arbeiten herangezogen worden seien. Bei einem Austausch ihrer Eindrücke von der Konferenz erklärte der öfter- reichische- Professor Gettinger: Wir ausländischen Gelehrten üderzsuzen uns davon, welche grandiose und wichtige Arbeit in den letzten Jahren die Sowjetgeologen geleistet hohen. Ihre Verdienste um die Wissenschaft sind um so höher einzuschätzen, als ihre Forschungen fast vollständig die riesigen Gebiete Europas und Asiens erfaßten. Der norwegische Professor H o e g erklärte, die Aktivität des wissenschaftlichen Denkens in der Sowjetunion habe großen Eindruck auf ihn gemacht. Auflage nach Schema F. Die Pressepraxis des Reichskommissars Bracht. Der kommissarische Verwalter Preußens hat am Montag die Uniformierung der Linkspresse zuwege ge- bracht: �Nicht weniger als fünf Abendblätter, darunter der „Abend", waren gezwungen, an ihrer Spitze in großer Auf» machung über die ganze Breite des Blattes hinweg(so war es vorgeschrieben) die gleichlautende Auflagenachricht, einen Auszug aus dem Ohlauer Bluturteil enthaltend, zu bringen. Schon diese Gleichförmigkeit weist auf den rechtlich h ö ch st b e de n k l i ch e n Charakter der Zwangsmaßnahme hin. Nach der Notverordnung vom 4. Juni muß die Presse auf �Verlangen amtliche.Kundgebungen" und„Entgegnun- gen" bringen. Der übereinstimmende"Wortlaut der Auflagen würde auf eine„Kundgebung" hindeuten. Jedoch das eigene Geleitschreiben des Reichskomissars spricht ausdrücklich vom Abdruck einer amtlichen„Entgegnung". Die Notverordnung vom 14. Juni schreibt nun ausdrück- lich� vor, daß sich amtliche Entgegnungen„auf die in der periodischen Druckschrift mitgeteilten T at s a ch e n" beziehen müssen. Die amtliche Auflage dagegen gibt überhaupt nicht an, welche f a l sch e n Tatsachen die betroffenen Blätter mitgeteilt haben sollen, sondern wirft ihnen in Bausch und Bogen„irreführende Mitteilungen über Urheberschaft und Schuld an den blutigen Ausschreitungen in Ohlau" vor. Was im einzelnen falsch geschildert und falsch dargestellt sein soll, wird nicht gesagt, sondern einfach der Abdruck eines U r te i l s t e x t e s erzwungen, der von keiner der betroffenen Zeitungen in Abrede gestellt worden ist. In diesem Verfahren liegt u. E. ein schwerer Miß- brauch der Notverordnung. Sinn und Entstehungs- gefchichte der Verordnung weisen darauf hin, daß sie der Re- gierung die Möglichkeit geben sollte, ganz b e st i m m t e unwahre Behauptungen durch entsprechende Gegenüber- stellung der Wahrheit richtigzustellen. Nach dem Sinn der. Notoerordnung hätte ein Blatt zum Abdruck der Urteils- gründe gezwungen werden können, wofern es eben diese llrteilsgründe falsch dargestellt hätte, wenn es z. B. geschrieben hätte: in den Urteilsgründen von Ohlau stände, daß die Nationalsozialisten die Angreifer gewesen seien. Einer solchen Unwahrheit hat sich aber weder der„Vor- wärts", noch unseres Wissens eines der anderen Blätter auch nur im geringsten schuldig gemacht. Der„Vorwärts" hat vielmehr im Verlaufe des Prozesses, also zu einer Zeit, als das Uickeil noch garnicht existierte, die Auffassung seines Berichte? st atters über das jeweilige Ergebnis der Beweisaufnahme und der Zeu- enaassagen wiedergegeben. Unsere Wertung der eugenaussagen war und ist eine andere als die Wertung des Gerichts. Das war ohnehin für jeden Leser klar, der aus dem„Vorwärts" das Urteil des Gerichts und den bereits von uns gegebenen Begründungsauszug erfuhr. Daß das Gericht anderer Auffassung war als wir, haben wir nicht ver- schwiegen. Wenn aber Herr Bracht durch seine Presseauflage uns oder unsere Leser zwingen will, unsere eigene Auffassung vor der des Gerichtes z u b e u g e n, so ist er hierzu weder berechtigt, noch wird er den Zweck seines Vorgehens auch nur annähernd erreichen. Wir werden die Unabhängigkeit unserer Ueberzeugung gegenüber den Urteilen der Sonderjustiz in jedem Falle wahren. Wenn z. B. die Berliner Sondergerichte in Prozessen gegen Reichsbannerleute die Aussagen nationalsozialistischer Gegner für voll glaub- würdig erklären, wenn sie aber umgekehrt Nationalsozia- listen freisprechen, weil die Belastungszeugen politische Gegner gewesen seien, so werden wir— das oersichern wir auf das bestimmteste— unsere eigene Wertung der Zeugen- aussagen demgegenüber beibehalten. Wir wissen, daß bei einer Kritik der Justiz heute nicht nur Auflagenachrichten, sondern auch Verbote drohen. Auch das wird uns nicht beirren. Gerade die.Leute, die wie wild um sich schlagen, wenn man ihre Gerechtigkeit anzweifelt, sind durchaus nicht die Gerechten. Ein Gerechter verträgt Kritik. Nur das Wissen um eigene Mängel schafft jene Ner- vosität, die die eigene Gerechtigkeit damst erweisen will, daß sie den Kritiker mundtot macht. Wie steht es denn in diesem Punkte mit Herrn Bracht selber? Wird die Auflage und Verbotspraxis gleich- mäßig gehandhabt? Wir führen folgendes an: Der„Vor- wärts" wurde auf drei Tage verboten, weil er auf die V e r» faffungswidrigkeit geplanter Regierungsmaßnah- men hinwies. In der nationalsozialistischen„Nationalpost" vom 31. August dagegen kann man folgende Rede K u b e s lesen: Der neue Reichspresseches Major Marcks habe angedeutet, Herr Dr. Bracht werde jede Regierung, die sich aus der preußischen Volks- Vertretung heraus bilden werde, ebenso beseitigen lassen, wie er die Regierung Braun-Severing beseitigt habe. Ein solches Spiel mit dem Feuer sei, so sührte Kube aus, nicht nur ein Verfassungsbruch, sondern glattweg ein Staatsstreich. Die Ueberempfindlichkeit der Regierung gegen den Bor» wurf des Berfassungsbruchs scheint sich danach auf die Linke zu beschränken. Nationalsozialisten dürfen nicht nur von Verfassungsbruch, sie dürfen sogar von geplantem Staatsstreich unangefochten reden und schreiben.„Wenn zwei das Gleiche tun, ist es nicht das Gleiche." An diesen Satz wird man immer wieder erinnert, wenn man die Ver» bots- und Auflagepraxis der Regierung gegen links und rechts verfolgt._ Neue Zeitunqsverbote. Der Oberpräsidem der Provinz Hessen-Rossau hat die in Frank- furt a. M. erscheinende„Arbeiterzeitung, Organ der Kommunistischen Partei Deutschlands" mit sofortiger Wirkung bis einschließlich t8. d. M. verboten. Das Verbot erging wegen eines Artikels.„Popens Bekenntnis zum Faschismus" und einem weiieren Artikel„Neuer Silberstreifen— neuer Schwindel". Der Oberpräsident der Provinz Oberschlesien hat die in Oppeln in polnischer Sprache erscheinende Tageszeitung„N o v i n y C o d z i e n n e" für die Zeit vom 0. bis einschließlich 8. September verboten, weil die Zeitung in ihrer Ausgabe Nr. 199 vom 30. Au- guft die B-uthener Polizei böswillig verächtlich gemacht Hot. Ein Rationalsozialist schwer verletzt. Im Anschluß an«in« nationalsozialistische Kundgebung kam es am Sonntagabend in der Ostoorsiadt von Chemnitz zu einer Auseinandersetzung zwischen Notionaisozialislen und Kommunisten, in deren Verlaus e i n Nationalsozialist durch einen Messerstich in die Herzgegend schwer verletzt wurde. Der Täter konnte noch nicht oerhastet werden. KpO. macht Generalstreik. Was Thälmann über den 20. Juli enthüllt. In der kommunistischen Zeitschrift„Die Internationale" treibt Thälmann bolschewistische Selbstkritik, Warum war die kommu- nistssche Generoistreitparole am 20, Juli ein völliger Versager?, so fragt er. In der Antwort heißt es: „Es gibt ferner eine Reih« von besonderen, einmaligen, aus der Situation erwachsenen Mängeln in unserer Streikmobllisierung am 20. Juli. So die Tatsache, daß unsere Parteileitungen vielfach in den wichtigsten ersten Stunden mit der Sicherung der Partei und den dafür notwendigen technisch-organisatorischen Maßnahmen so stark beschäftigt waren, daß der volle Einsatz aller Kräfte auf die Kampfmobilisierung der Arbeiterschaft darunter litt. Das beeinträchtigte auch die Entfaltung der Masseninitiative," Negierungskonstiki in Oanzig. Angst der Nazis vor ihrer eigenen Tolerierungspolittt. D a a z i g, 5. September.(Eigenbericht.) 3n Danzig ist ein ernster Regierungskonslikt ausgebrochen, der die bisherige, fast zwei Zahre bestehende Regierungskoalitioo, die sich au» Deutschnationalen, bürgerlichen Mittelparleien und Zentrum zusammensetzte und ihre parlamentarische Mehrheit durch die Unter- stühung der Rationalsozialisten fand, gesprengt Hot. Di« Nationatsozialisten, die auf Grund ihrer Schlüsselstellung bis jetzt den weitaus stärksten Einfluß in der Regierung ausübten und zahlreiche Drangsalierungsmahnahmen gegen die Sozialdemokratie, so u. a. ein zweimonatiges Verbot der„Danziger Volksstimme" und das Verbot des Arbeiterschutzbundes durchsetzten, haben am Montag der Regierung ihre Mitarbeit gekündigt. Sie wollen einen Antrag auf Auflösung des Landesparlaments einbringen und Neuwahlen herbeiführen. Als Vorwand für diese Mahnahmen benutzen sie eine von ihnen selbst zunächst gutgeheißene Notverordnung, die den breiten Massen weitgehend« Belastungen aufbürdet. Der wahre Grund für den übereilten Entschluß ist aber in einer in der NSDAP, weit ver- breiteten Mißstimmung gegen die von der Nazi-Bürgerblock-Regie- rung getroffenen unsozialen Verordnungen zur Ausbalancierung des Staatshaushalt, und gegen die von der Regierung eingeleitete Ver- ständigungspolitik mit Polen zu erblicken. In der Hoffnung, das Vertrauen ihrer empörten Mitglieder wiederzugewinnsn, haben die Razisührer sich zu dem Versuch. Neuwahlen herbeizuführen, drängen lassen. Heber den weiteren Verlaus der Dinge läßt sich noch nichts Endgültiges sagen. Jedenfalls bedürfen die Nazis, deren Fraktion im Landesparlament IS Mann stark ist, der Unterstützung von zwei Abgeordneten einer anderen Partei, um ihren Auslösungsantrag einbringen zu können. Die Rechtskoalition bleibt allerdings nach der Absage der Nazis im Parlament ohne Mehrheit. Ob eine andere Mehrheitsbildung möglich ist, ist bisher nicht abzusehen. Rasche Klärung in Mexiko. Ein neuer Stiatspräsident. Rew Bark, 5. September.(Eigenbericht.) In Mexiko wurde General Abelardo Rogrigez vom Bundeskongreß einstimmig an Stelle des zurückgetretenen Ortiz Rubis zum Staatspräsidenten gewählt und darauf in sein Amt eingeführt. Die politische Lage ist durch diese Wahl geklärt. Die Wahl von Rogrigez, der Vertrauensmann des Expräsidenten Calles ist und als amerikafreundlich gilt, ist in Washington mit Befriedigung aufgenommen worden. Schießerei auf dem Gesundbrunnen. Zwischen Hakenkreuzlern und Kommunisten /HO Festnahmen 3n der Bullmann st raße aus dem Gesundbrunnen spielte sich kurz vor Milternachl eine schwere Schlägerei zwischen Ralionalsozialislen und Kommunisten ab. 3m verlause des Hand- gemenges wurden von beiden Seilen eine Reihe von Schüssen abgefeuert. Ob die nächtliche Slraßenschlacht Opfer gefordert hat, fleht zur Stunde noch nicht fest. 55 Rationalsoziali st en. von denen der größte Teil an der Schlägerei beteiligt war. wurden aus ihrem verkehrslokal heraus von Beamten des Uebersallkommandos festgenommen: gleichfalls wurden vier Kommunisten zwangsgeslellt. Bei einem hakenkreuzler wurde eine geladene Pistole gefunden. Stahlhelmsrühstück beim Kanzler. Der Reichskanzler empfing in Anwesenheit des Reichswehrminister» die Bundessührer und andere Mitglieder des Stahlhelm. An dem Empfang schloß sich ein Frühstück an. Razis und Katholikenlog. Aus dem Katholikentag hat es einen Zwischenfall mit den deutschnationalen Katholiken gegeben. Außer- dem hatten die Nazis schriftlich gefordert, daß ein Nazi über das Thema„Nationalsozialismus und Katholizismus" sprechen solle. Die Forderung ist abgelehnt worden. Eine Versteigerung von 12 Kanonen, 17 Mörsern und 7 Minen- wersern veranstaltet die französische Militärverwaltung in Vincennes bei Paris. Die letzte derartige Versteigerung war vor dem Krieg. Damais hatte ein Allessenhändler für 30 Tonnen Stahl und Bronze — 20 Franken geboten. Der„Matin" bofft, daß der Versteigerung»- preis diesmal doch etwas höher fein wird. Unbedingte Gozialreaktion. Oer längst fallengelassene �eferenienentwurf. Der Sozialdemokratische Pressedienst hat am vergangenen Freitag den Entwurf einer Verordnung veröffentlicht, die die gesamte sozialpolitische Gesetzgebung mit einem Federstrich der Willkür der„überparteilichen" Reichsregierung ausliefert Zu dieser Veröffentlichung gab die Reichsregierung am Sonnabend bekannt, daß es sich nur um einen„Referentenentwurf" handelt, und daß dieser Entwurf„längst fallen gelassen" worden sei, Nunmohr liegt die neueste Notverordnung vor, die im zweiten Teil„Sozialpolitische Maßnahmen" enthält. Bis auf die Präambel, die in einigen Punkten abgeändert worden ist, deckt sich der Wortlaut der Notverordnung wortwörtlich mit dem angeblichen Reserentenentwurf, der nach der Reichsregierung am Sonnabend„längst fallen gelassen" worden wäre. Und nun zur Notverordnung selbst, soweit sie die„Sozial- politischen Maßnahmen" betrifft. Da ist zunächst zu bemerken, daß die Notverordnung in keinem Punkte Klarheit über die Absichten der Reichsregierung schafft. klar ist nur, daß sich die Reichsregierung selbst die Ermächtigung gibt, die gesamte sozialpolitische Gesetzgebung von Grund aus umzukrempeln. Die Bestimmungen über die Kranken-, Unfall-, Arbeitslosigkeits-, Alters- und Jnoalidilätsversicherung, die Arbeitslosenhilfe, Krisen- fürsorge und Wohlfahrtsfürsorge, die Vorschriften über den äußeren Aufbau und die innere Verfassung, das Verfahren und den Ge- sthäftsgang der Verforgungsbehörden sollen abgeändert werden. Wie und wieweit, das bleibt alles der Willkür der Reichsregierung überlassen. Aber nicht nur die Sozialversicherung und die Sozial- fürsorge in ihrer Gesamtheit wird durch die Notverordnung in Frage gestellt. Die Reichsregierung will— wie es die Unternehmer- oerbände schon immer gefordert haben— „ganze Arbeit" machen. Auch die Vorschriften über die Arbeitsversassung, den Arbeitsvertrag, die Arbeitsgerichtsbarkeit, den Tarifvertrag, das Schlichtungswesen und den Arbeiterschutz will die Reichsregierung„ändern und einheitlich zusammenfassen". Damit aber nicht genug, sollen auch die Bor- schristen über die Arbeitsvermittlung und Arbeits- beschaffüng, die Arbeitsfürsorge und den Arbeits- d i e n st geändert werden. Aus dem„Referentenentwurf" ist nur ein Punkt nicht in die Notverordnung übernommen worden: nämlich der, der die Vorschriften über das M i e t r e ch t und das Wohnungswesen betraf und wo es wortlich hieß, daß die Regierung Vorschriften erlassen,„und auf dem Gebiete des Bau- wesens Grundsätze für die B e r e i t st e l l u n g und Verwendung des Bodens aufstellen und zu diesem Zweck Vorschriften über Enteignung treffen" könne. Von einer eventuellen E n t- eignung und einer Bereitstellung des Bodens ist also in der Notverordnung keine Rede mehr. Nur in diesem Punkte ist der„Referentenentwurs längst fallen gelassen". Solange wir die Ausführungsbestimmungen zu dieser Notverordnung nicht kennen, ist es natürlich nicht möglich, die Tragweite dieser Aenderungen zu beurteilen. Nach den programmatischen Erklärungen des Reichskanzlers und den Ausführungen, die gestern vor den Vertretern der Presse gemacht wurden, muß man aber schließen.» daß die Eingriffe in die Gesetzgebung, die die Reichsregierung beabsichtigt, so ungeheuerlicher Natur sind, daß mit ihnen das gesamte sozialpolitische Werk der Republik entwertet und teil- weise in sein Gegenteil verwandelt wird. Tariflöhne sollen aus Minde st löhnen zu Höchst- löhnen verwandelt werden. Die Unterschreitung der Tariflöhne soll prämiiert werden, so daß damit die Ueberschreitung der Tariflöhne gewissermaßen unter Strafe gestellt wird. Nach dem furchtbaren Leistungsabbau in der Sozial- versicherutig fragt man sich, was es da noch abzubauen geben kann. Aber osfenbar ist man in der Reichsregierung der Auffassung, daß der Staat immer noch zu sehr die Gestalt einer„Wohlfahrts- anstatt" hat. Ebenso scheint man sich mit der Absicht zu tragen, mit den kümmerlichen Resten der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung völlig aufzuräumen. Gewiß gibt es Reformen in der Sozialversicherung, die längst fällig sind. Die Z e r s p l i t t e- rung im Krankenkassen wesen, wo nicht lebensfähige Zwergkrankenkassen zum Schaden der Versicherten aufrechterhalten werden, müßte längst beseitigt werden. Wir bezweifeln aber, daß die Reichsregierung gerade diese notwendige Reform im Auge hat. Nach den Erklärungen der Mitglieder der Reichsregierung, die von diesen notwendigen Verwalwngsreformen kein Wort enthielten, muß man vielmehr annehmen, daß die Regierung den Willen zur unbedingten Sozialreaktion in dte Tat umsetzen will. Lohnraub und Subventionen. Goldene Zeiten für Unternehmer.— Wie sich die Regierung verrechnet hat. Di« Notverordnung mit ihren Riesengeschenken für die Unter- nehmer und dem Diktat von Hungerlöhnen ist ergang«». Den Ar- beitern ist gnädigst zugesichert, daß sie Sas„Existenzminimum" — wenn man nur wüßte, wie dieses errechnet wird!— auf alle Fäll« verdienen werden. Die Unternehmer werden gebeten, Höf- lichst ihre pnvatwirtschaftliche Initiative zu entfalten— und wenn sie es nicht tun, so werden ihre Kassen doch gesllllt! Mit den in ihrer Auswirkung sehr zweifelhaften Maßnahmen sollen angeblich zwei Ziele erreicht werd«n, um die die Arbeiterschaft seit Jahren kämpft:«inmal die Vermehrung der Arbeits- gelegen Helten und zweitens die allgemeine E i n f ü h- rung der 40-Stunden-Woche. Um nun den Unternehmern die-lO-Stunden-Woche schmackhaft zu machen, erhalten sie folgend« Vorteile: Für jeden neu eingestellten Arbeiter erhalten sie viertel- jährlich IVO M. in Steuergutscheinen(die verkäuflich und b e l e i h b a r sind), und zwar ein Jahr lang. Ferner brauchen sie ihren gesamten Arbeitern nurdie erstenöOWochenstunden voll zu bezahlen: für die 30. bis 4Ü. Wochenstunde zahlen sie aber geringere Löhne, und zwar beispielsweise um 40 Proz. ermäßigte Stundenlöhne, wenn die Arbeiterzahl um 20 Proz. ver- mehrt ist. Die folgenden Wochenstunden(also die 41. bis 48.) sind wieder voll zu bezahlen— und das gerade soll ein„Druck" aus die Unternehmer sein, in Zukunft nicht länger als 40 Stunden in der Woche arbeiten zu lassen. Die Regierung erwartet bestimmt, daß durch die Neuein st ellun gen die Gesamtlohnsumme der Arbeiterschaft erhöht wird. Rechnen wir einmal nach. Nehmen wir zunächst den(für die Regierungsrechnung günstigen) Fall, daß in einem Betrieb schon bisher die 40-Stunden-Wochs galt und daß der Unternehmer sich durch die Prämie und die Lohnherabsetzung zu Neueinstellungen bestimmen läßt. Wenn in diesem Betrieb bisher 100 Arbeiter 40 Stunden in der Woche zu(beispielsweise:) einer Mark Stunden- lohn arbeiteten, so wurden 4000 Arbeitsstunven geleistet und 4000 Mark Gesamtlohn bezahlt. Stellt der Unternehmer 20 Leute neu ein, so werden jetzt insgesamt 4800 Arbeitsstunden in der Woche geleistet. Davon zahlt aber der Unternehmer nur für 3600 Stun- den(je 30 Stunden von 120 Arbeitern) vollen Tariflohn, das sind 3600 M. Für die restlichen 1200 Stunden zahlt er 4 0 Proz. je S t u n 0 e weniger, also 60 Pf. pro Stunde, insgesamt 720 M. Die Gesamtlohnsumme stellt sich somit aus 4320 M.(gegen vorher 4000 M.). Aber er erhält vom Reich für die 20 Ar- beiter im Vierteljahr 2 00 0 M. an Prämien, das sind je Woche 134 M.- Der Unternehmer zahlt also selbst für 800 mehr geleistete Wochenstunden(die vorher mit 800 M. zu bezahlen waren) nur 166 M., ein Geschäst, das als„recht reizvoll" erscheinen muß. Wie aber, wenn ein Betrieb bisher 48 Stunden in der Woche arbeitete? Und bekanntlich sind diese Fälle gar nicht so selten, weil die Unternehmer sich stets gegen die 40-Stunden-Woche sträubten, weil sie so um so mehr auf die Stundenlöhne zu drücken hofften, wie z. B. im Braugewerbe(im Bankgewerbe werden noch heute vielfach Ueberstunden gemacht!). In einem solchen Betrieb leisteten nach unserem Beispiel bisher 100 Arbeiter in der Woche 4800 Arbeitsstunden bei einem Gesamtlohn von 4800 Mark. Dieser Unternehmer möchte auch in den Genuß der Vergünstigungen kommen, hat aber nur ein Arbeitsquantum von 4800 Stunden zu vergeben. Er verkürzt also die Arbeitszeit aus 40 Stunden und kann jetzt 20 Arbeiter neu einstellen. Jetzt erhält er zunächst die gleiche Prämie wie oben, pro Woche 134 Mark. An Löhnen zu zahlen hat er wie im ersten Beispiel 3600 Stunden voll und 1200 Stunden„billiger", insgesamt 4320 Mark. Bei ver- mehrter Arbeiterzahl hat sich jetzt also die Ge- s a m t l o h n s u m m e von 4800 auf 4320 Mark er» mäßigt. Rechnet man die Prämie noch dazu, so hat der Unter- nehmer jetzt für dasselbe Arbeitsquantum nur noch 416 6 Mark(statt 4800 Mark) zu zahlen. Dieser Gewinn fällt ihm in den Schoß, weil er jetzt gnädigst die Arbeitszeit von 48 auf 40 Stunden ermäßigt hat. So ist es in allen Betrieben, die bisher unsozial genug waren, an der 48-Stunden-Woche festzuhalten. Der einzelne Arbeiter aber, der bisher 48 Stunden arbeitete, muß sich einen plötzlichen Lohnabbau um 23 Prozent gefallen lassen. Die Gesamtlohnsumme, die gesamte Kaufkraft der Arbeiterschaft, wird gesenkt. Der Lohn des einzelnen Arbeiters wird gesenkt. Dem Unternehmer wird Geld geschenkt. Das ist die grundsätzlich neue, überparteiliche Staatsführung. Arbeiisgerichte berichten. Zunahme der Streitfälle trotz abnehmender Beschäftigung. Der zweite Vierteljahrsbericht des Statistischen Reichsamtes gibt eine Uebersicht über die Tätigkeit der Arbeitsgerichts- behörden für das Jahr 1931. Danach bestanden im Vorjahr noch 432 Arbeitsgerichte und 60 Landesarbeits- g e r i ch t e: 4 Landes- und 10 Arbeitsgerichte sind während der Berichtszeit aufgehoben worden. Trotz des erheblichen Rückganges der Beschäftigungsziffern in Deutschland ist die Zahl der Streitig- keiten aus dem Arbeitsleben im wesentlichen stabil geblieben: im Jahre 1931 wurden 441 000 Sachen anhängig gemacht gegen 438 WO im Jahre 1930, also eine Zunahme um 0,6 Proz. Inner- halb dieser Gesamtzisfer erfuhren jedoch die Streitigkeiten der Ange st eilten eine bedeutende Zunahme, nämlich um 12,2 Proz. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich hier um bei Entlassungen aufgetretene Differenzen. Die stärkste Beschäftigung wiesen die Arbeitsgerichte in den Großstädten auf. Berlin, Hamburg, Köln, Breslau, Leipzig, Dresden, München, Frankfurt, Düsseldorf, Dortmund, Königsberg, Hannover, Chemnitz und Essen hatten allein �rund 40 Proz. aller Streitsachen zu erledigen. Am meisten in Anspruch genommen war wieder das Arbeitsgericht Berlin, hier hat sich die Zahl der Streitfälle um 2 Proz. von 7197? auf 73288 erhöht. Der verhältnismäßig größte Teil der Streitsachen tonnte allerdings auch im Jahre 1931 wiederum durch Erledigung ohne Entscheidung aus der Welt geschafft werden. Etwa 22 Proz. aller Fälle endeten von vornherein durch Ver- gleich im Güteverfahren, etwa 12 Proz. konnten dann durch Vergleiche vor den Spruchkammern erledigt werden, nicht weniger als 93 000 Antragsteller oder 24 Proz. zogen ihre klagen zurück und 42 WO Sachen endeten durch Versäum- n i s u r t e i l, da die eine oder andere Partei gar nicht mehr zum Termin erschien. Nur 19 Prozent aller Streitfälle brauchten durch ein Endurteil entschieden zu werden. Außerordentlich hart umkämpft waren die Betriebsvertretungen der Arbeiter und Angestellten. Die Zahl der Fälle, bei denen es sich utft die Ersetzung der Zustimmung von Betriebsvertretungen zur Kündigung ihrer Mitglieder handelte, hat sich gegenüber dem /�cktung! Lisenbsknei-f Donnerstag, dem 8. September 1932, 19 U h r, findet im Gewerkschaftshaus. Engelufer 24-25 eine Versammlung aller Im Einheitsverband organiserten Parteigenossen statt. Ein Refeient vom Bezirksvorstand wird über die neu-sie Notverordnung und deren Auswirkungen referieren./ Wir bitten, recht rege Propapanda(ür diese Versammlung zu entfalten Partei- und Mitgliedsbuch legitimieren. w«r luMhua SPD.- KlMBbahbsr« Vorjahr verdoppelt. Hier wurden auch 44 Proz. aller Fälle erst durch Sachbeschluß beendet. Die V e r l a n g s a m u n g in der Durchführung der Urteils- oerfahren hat sich gegenüber dem Jahre 1930, wenn auch in gerin- gem Maße, fortgesetzt. Wo überhaupt ein Urteil nötig war, konnte dieses bei etwa einem Fünftel der Streitfälle in weniger als zwei Wochen erzielt werden, ein Drittel aller Sachen lief einen Monat, ein zweites Drit- tel bis zu drei Monaten bis zur Urteilsverkündung, und nur der geringfügige Rest dauerte länger als ein Vierteljahr Da- gegen sind die geldlichen Forderungen der Kläger im Berichtsjahr etwas höher geworden. Während 1930 noch rund 54 Proz. aller Antragsteller bis zu 100 M. forderten, waren dies 1931 nur noch 31 Proz. aller Antragsteller. Llm den Tarifverirag. Neichsarbeitöminister und Maßschneiderspruch Im Lohnkonflikt der Maßschneider liegt jetzt die Entscheidung beim Reichsarbeitsminister Die Nachvcrhand- l u n g e n am Montag zu dem Schiedsspruch zur Neuregelung der Löhne der Maßschneider sind, wie zu erwarten war, ergebnislos verlaufen. Die Unternehmer hatten kaum Lust zu verhandeln, geschweige denn entgegenzukommen. Die Gewerkschaiten haben, obwohl sie von dem Inhalt des Spruchs durchaus unbeiriedigt sind, Antrag auf Verbindlichkeitserklärung gestellt. Der Entscheidung des Reichsarbeitsministers über den von den Maßschneidern gestellten Antrag auf Verbindlichkeitserklärung der neuen Lohnregelung kommt große grundsätzliche Bedeutung zu. Hoffentlich fällt seine Entscheidung noch vor der Besprechung des Reichsarbeitsministers mit den Gewerkschaften über die Sicher- heitsmaßnahmen, die angeblich gegen einen Mißbrauch der Tarif- auflockerung getroffen werden sollen. Wird den Maßschnei- der» der elementarste Tarifschutz versagt— wozu dann noch Sicher- heitsmaßnahmen gegen einen Mißbrauch der Lockerung der Tarife? Beamtenrätewahlen bei derZ�eichsbahn. Einigkeit im Einheitsverband. Der Beamtenausschuß und der Haupträteaus- schuß des Einheitsverbandes der Eisenbahner beschäftig- ten sich am Montag in einer gemeinsamen wichtigen Tagung mit der personalpolitischen Lage bei der Reichsbahn. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die Vorbereitung der Neuwahl der Be- a m t e n r ä t e, die am 9. und 10. Oktober stattfindet. Bei dieser Neuwahl treten rund 300 0 00 W ä h l e r an. Zu den Beamten- räten wählen nicht nur die Beamten und Anwärter, sondern auch die Angestellten und die im Beamtendienst tätigen Lohnempfänger. Die Zlrbeitersäzaft der Reichsbahn wird mehr und mehr vom Zugang zur Beamtenftellung ausgeschaltet. Die Reichsbahngejell- schaft benutzt die Situation, um das Beamtenverhältnis der unteren und mittleren Gruppen immer stärker einzuschränken. So werden in neuerer Zeit ganze Tätigkeitsgebiete der Beamten zu Nichtbeamtendienst erklärt. Es ist ein ernster Augenblick, in dem die gemeinsame Tagung des Beamtenausschusses und Haupträteaus- schufses des Einheitsverbandes an die Reichsbahnbeamten und An- Wärter die Mahnung zu größter EinigkeitundGeschlossen- h e i t richtet. Die Zersplitterung in rund 60 Verbändchen u n d V e r e i n e(!) sei das Unglück des Reichsbahnbeamten und An- Wärter und mache sie zum Spielball der Verwaltungswillkür und der Reaktion. Bei der Neuwahl der Beamtenräte komme es darauf an, die Gefahr der parteipolitischen Zersetzung der Beamtenvertretungen durch nationalsoziali st ische Zellen abzuwehren. Diese Zersetzung sei in jüngster Zeit von den sogenannten„neutralen" Verbänden, deren sich die Nazi-Agitation bedien«, gefördert worden. Der Einheitsverband fordert dazu auf, für arbeitsfähige Beamtenräte zu sorgen. Die Gewähr dafür ist gegeben, wenn die Reichsbahnbeamten und Anwärter die Listen der sreigewerk- schaftlichen Einheitsorganisation unter st ützen und dadurch dem Einheitsoerband wirksamen Einfluß in den Beamtenräten sichern. Oer englische Baumwollkampf. Eingreifen der Regierung. London, 3. September. Der Arbeitsminister beschloß, die Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer der Baumwollindustrie Lancashires zu Besprechun- gen mit Vertretern der Regierung schriftlich einzuladen. Sofort nach Empfang der Antwort auf dieses Schreiben wird sich ein Bertreier des Ministeriums nach Manchester begeben. GoliöaritätserNärung der Gewerkschaften. New Eastle, 5. September. In einer vom hier oersammelten Gencralrat der Gewerkschaften angenommenen Entschließung zum Lancashire-Streik wird die Hal- tung der Arbeitgeber einer scharfen Kritik unterzogen— die Resolution spricht von„leichtfertiger Politik"—, die Streikenden selbst können der vollen Sympathie des Gewerkschafts- k o n g r« s s e s gewiß sein, der alles tun will, sie in ihrem Kamps« zu unterstützen und ihnen jede moralische undfinanzielle Hilfe zu gewähren. Der Präsident des Kongresses teilte mit, daß sich der Generalrat mit einem Betrag von 10M Pfund Sterlmg an die Spitze der öffentlich ausgelegten Sammellisten stelle. Gerso». Mittwoch, 19 Va Uhr, Fraktionsversammlung im Hause des Gesamtverbandes, Iohannisstraße.„Krisenwende oder nicht", Referent Bruno Neumann. Ii I II I I I M! M M i I i M I> M I-+-1-I-+ Zugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heut«, Dienstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Sefund- deaunen: Jugendheim EdiSnstedtstr. 1. Bortrag:„Reiseeindrllcke ans Frankreich". Referent Dr. Lewinfki.— Lichtenberg: Jugendheim Gunterftr. 44. Dir besuchen die Versammlung des Werbebezirks.— Rordweft: Jugendheim Lehrter Str. 18— 19. Diskufflonsabend:„Die REO. unter der Lupe".— Osten: Wir besuchen die Versammlung des Wcrbebczirks.— Heute ab 29 Uhr Sprech- chorprobe in der Turnhalle Baruther Str. 29.— Spiele im Freien: Ab 29 Uhr in Köpenick,„Tiche". Sportplatz, Ecke Achenbachstraßc: ab 18 Uhr Sportplatz Rehberge. Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntag» und Montags einmal, die Abendausgabe silr Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". Anzeigenpreise: Die einspal t. Millimeterzeile 80 Pf„ Retlamezeile Z.— M. „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 90 Ps.('zulässig zwei fettgedruckte Worte) jede» weitere Wort ro Pf. Rabatt laut Tarif. Worte iiber 18 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Millimeterzeile 2b Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeile IS Ps. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraß- 3, wochentäglich von UVt bi» 17 Uhu Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vori Verantwortlich filt Politik: Victor Schiff, Wirtschutt:®. Kliagelhöser! Gewerkschastsbewegung: I. Steiner! Feuilleton: Herbert Lepere; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt! Anzeigen: Otto Hengst; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag<5. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerel und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin EW. 68, Lindenstraß« T Kierz» 2 Beilagen. 7lr.4i9• 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Oienöiag, 6. September 4952 voiKsfest im Strandbad. Der Wannsee-aetrieu einst und letzt.- Ein lustiger JuDiiaumsiesizug. 3n diesem Zahr seieri das Strandbad Wannsee— unter dem neuen Berlin zum schönsten Volksfreibad Europas geworden— sein ZSjähriges Bestehen. Sonntag hatte„Berlins Seebad" besonderen Schmuck erhalten, lleberoll grüßten die schwarz- rotgoldenen Zahnen und die Flaggen der Reichshauplstadt. Tausende von Fähnchen flatterten lustig im Wind. Ein von dem rührigen Leiter des Strandbades, Direktor E l o j u s, außerordentlich wirkungsvoll zusammengestellter endloser Zeslzug, Kinderbelusti- gungen, Weltkämpfe im Wasser und eine festliche Abendbeleuchtung vereinten die Massen der Besucher zu einem verbindenden Volksfest, wie wir es in Berlin nur selten erleben. Die„Bädcrzllge" nach dem Wannsee konnten die Reisenden kaum unterbringen, die alle beim Jubiläums-Strandfest dabei sein wollten. 25 Jahre Strandbad Wannsee, ein Vierteljahrhundert un- Aus dem Jubiläumsfestzug im Strandbad. Die„gute, alte" Zeit: Familie Jänsekleio zieht 1907 ins„Freibad". beschwerter Sommerfreude für all die vielen Tausende und aber Taufende, für die es zum Wochenende und auch zum Urlaub nicht weiter reicht. Des Hauses lebende Chronik marschierte am Sonntag in einem überaus launig zusammengestellten Jubi- l ä u m s- F e st z u g vor den zahlreich erschienenen Gästen vor- über. Des Zuges Spitze flankierte ein überdimensional gewachsener Schupo, der als äußerst liebenswürdiger und sympathischer Hüter des Gesetzes mit freundlicher Miene seine Mannen führte. Dann kam das Thema des Strandes: die Geschichte des Badeanzuges, heute aktueller denn je: da marschierten unsere weiblichen Ahnen in koketten, rüschchen- und volantbesetzten, languettengezierten Bade- anzögen mit den nachtmützenähnlichen Badekäppchen, dann die männlichen quergestreiften Zebras und hinter ihnen der Büttel, der irgendwie, irgendwo und irgendwarum„Anstoß" genommen hatte. Das war um 1900— alles scheint einmal wiederzukommen. Schließlich kamen die Badegäste von Anno dazumal, die bloß dem Spaziergang am feuchten Gestade huldigten und sich zu diesem Zweck besonders„fein" gemacht hatten. Die Frauen in Seiden- fähnchen mit Mantille, Pompadour, langen Handschuhen und Kapotthütchen, die Männer im Bratenrock, heller Hose, wenn möglich im Zylinder. Schmucke Soldaten, forsche Studentlein, der Junge mit der Botanisiertrommcl vervollständigten das historische Gemälde. Und dann gings in die neuere und neueste Zeit über mit all ihren schwer, aber zäh erkämpften Errungenschaften. Da zeigte sich die vernünftige Straßen- und vor allem Badcbekleidung— wer weiß, wie lange noch?—, denn schon trabte vorneweg das Modell 1933, ein schwarzer, mephistoähnlicher Badeanzug. oben bis an den Hals, unten bis zum Knöchel reichend, bloß die langen Handschuhe fehlten noch, aber was nicht ist, kann ja noch werden! Dann wurde gezeigt, was zu einem modern ausgestalteten Badebetrieb so alles notwendig ist, von dessen Vorhandensein sich die meisten überhaupt keinen Begriff machen können: ein Heer von aus- gebildeten Schwimm- und Bademeistern, die hauptsächlich im Rettungsdienst unbedingt ihren Mann stellen, die Feuerwehr, die Samariter, die Wannseepost-Beamten, die Beamten der Kinder- Fundstelle, die Garderobenfrauen, die Männer, die den Strand säubern, die Verkäufer, die Hunger und Durst nach sauren Gurken, Banane», kalter Milch, Regerküssen und Zigaretten zu stillen haben, und endlich die Angestellten des großen Wirtschaftsbetriebes. Geführt von zwei„Stadtvätern" trottete der Berliner Bär gemütlich dahin und Vater Neptun wurde auf einem prächtigen Thron getragen. Dann kam die Sport- und Kolonistenjugend, froh- gemut und braungebrannt. Einige hatten sich sogar zu lachenden N e a e r l e i n gefärbt. Der Sport war noch durch eine Gym- nastikschule vertreten, die Kunst durch die Hauskapelle von Wannsee. zusammengestellt aus der Schwimm- und Bademeisterschaft des Hauses, durch die Iuoenaboothauskapelle und das Notstandsorchester Berlin-Mitte. das den ganzen Nachmittag im freundlichen Nestau- rant konzertterte, in dem Vater feine Weiße trank und Mutter ihren Appelkuchen mit Sahne verzehrte— sofern das Kleingeld das zuließ. Im Wasser gab es Wett- und Kleiderfchwimmen der Rettungsmannschaft zu sehen, Wasserballsviele.Schwimmvorsührungen und gymnastische Darbietungen. Jeder Besucher erhielt ein Freilos, das ihm die Anwartschast auf eine Winterreise, einen nahrhaften Eßkorb, Badezeug und noch vieles andere gewährte. Für die Kinder gab es Ballons, Mützen und Tut-Trompeten in Massen, am Abend erstrahlte Festbeleuchtung auf dem Strand und am Wasser, Fackeltanz und Nirenreigen der Badeengel schufen eine Szenerie S la Sommernachtstraum. Sogar der Wettergott hatte ein Einsehen, es klappte also alles und Vater Clajus konnte sich der Popularität und Beliebtheit„seines" Strandbades unbedingt erfreuen. Im Zeichen der Sonnenblume. Im sonnigen Garten des städtischen Erziehungsheimes in Zehlendorf herrscht Festesfreude: da flattert«ine zierliche Einladung auf den Tisch, mit dem sommerlichen Symbol einer selb st gemalten Sonnenblume geschmückt, und darin steht, was Schulkinder und Jugendliche alles zeigen wollen: schöne, selbstgefertigte Kleider und leckere Kuchen, Bastelarbeiten und ein großes Festprogramm. Keine Sprache spricht deutlicher, als die des freudigen Herzens, keine Erziehungsmethode offenbart sich schöner, als die des gemeinsamen und zielbewußten Schaffens junger Menschenkinder unter der Anleitung und dem Schutz einer von menschlichem Verständnis erfüllten Lehrerschaft. Was die 60 Schul- kinder da an Geschicklichkeit ihrer kleinen Hände, Ertüchttgung ihrer Körper und fröhlichem Darstellungstalent zeigten, was die Nähstubc an schönen Arbeiten und der Kochkursus an schmackhaften Dingen bot, das alles gab einen überaus lebendigen Ausschnitt aus der wert- vollen erzieherischen Arbeit dieses Hauses. Der Mensch ist gut! könnte das Motto solch einer Veranstaltung lauten, bei der man den unbedingten Eindruck gewinnt, daß Verständnis, menschliche Güte und zielbewußte Arbeit das Größte zu liefern imstande sind: Menschenkinder, die irgendwie und irgendwann seelischen Schiffbruch erlitten, wieder zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft zu machen. Voll Stolz zeigten die jungen Nähkünstlerinnen ihre selbstverfertigte Garderobe: bei ihnen gesellt sich ja zur Freude am Schaffen auch noch das Hauptmoment des Besitzes. Von den vielversprechenden Kocherzeugnissen aber hätte sich so mancher gerne„eine Scheibe abgeschnitten". Großen Erfolg hatten die wirklich hübschen Bastelarbeiten, die rasch Absatz fanden und so die Materialklasse wieder ein wenig belebten. Eine Hundertschaft froher Menschenkinder, seelisch und körperlich gewappnet fürs Leben, ein schöner Erfolg des Heims. Grausige Tagesbilanz. Fünf Gelbstmorde in Berlin an einem Nachmittag. In den gestrigen frühen Nachmiltagsstunden, in der Zeil von 14 bis 15.30 Uhr wurden nicht weniger als 5 Selbst- morde entdeckt. Eine grausige Bilanz! In der Aschaffenburger Straße war die 36 Jahre alte Nadia N. als Hausangestellte beschäfttgt. Kurz nach Tisch begab sich das Mädchen auf den Boden des Hauses, von wo es sich aus einer Luke auf den gepflasterten Hof hinabstürzte. Die Unglückliche wurde aus der Stelle getötet. Zwei Lebensmüde fanden ihr Ende durch Gas. In der Werderstraße vergiftete sich die 70jährige Witwe Berta Sch. und auf dieselbe Weise schied die 67 Jahre alte Schneiderin Amalie W. aus dem Leben. In beiden Fällen konnten die Samariter der alarmierten Feuerwehr keine Hilfe mehr bringen. Im Jagen 74 des Tegeler Forstes wurde gegen 14 Uhr der 50jährige Karl O. aus der Maximilianstraße in Pankow an einem Baum erhängt aufgefunden. Der Tod muß schon viele Stunden vor der Entdeckung der Verzweiflungstat eingetreten fein. Den gleichen Tod suchte der 63 Jahre alte Arbeiter August S. Spazier- gänger sahen die Leiche des Mannes im Frohnauer Walde, unweit der Oranienburger Chaussee, an einem Baume hängen. S. scheint die Tat wahrscheinlich schon am Sonntag ausgeführt zu haben. In allen Fällen ist das Motiv zur Tat, wie die Polizei sagt, „u n b e k a n n t". Arbeitslosigkeit und die furchtbare Not dürften aber die Verzweifelten zu diesem letzten Schritt getrieben haben. Zehn Arbeiter verschüttet. Unter einer einstürzenden Mauer begraben.- Drei Tote. Mailand, 5. September. Ein schweres Unglück, bei dem zehn Arbeiter ver- schüttet wurden, ereignete sich hier bei einem Neubau. Bei dein Ausbau des Fundaments stürzte eine bereits aufgeführte starke Hauptmauer ein und begrub die zehn Unglücklichen unter dem Schutt. Die Feuerwehr konnte erst nach stundenlangen, äußerst vorsichtigen Retlungsarbeiten die Verschütteten bergen. Drei starben bald da- nach an den schweren Verletzungen, während die übrigen schwer ver- wundet im Krankenhaus liegen. Noch ein Schmalsiich-Konzert im Zoo. Heute nachmittag, 16 Uhr, findet im Zoo noch ein Konzert des B e rl i n e r Konzert- vereine unter Leitung von Clemens S ch m a l st i ch statt. Als Solistin bringt Frau Johanna Fritfch-Pollack(Sopran) zwei Arien aus der Oper„Lohengrin" zu Gehör. (Mi der Polldsdien Polizei cnllernf. Regierungsdirektor Goerke muh gehen.— Das ist der neue Kurs. Aus dem Berliner Polizeipräsidium wird bekannt, daß Regierungsdirektor Goerke, der bisherige ver- dienstvolle Leiter der Politischen Polizei, von seinem Urlaub, auf dem er sich zur Zeit befindet, nicht mehr auf seinen bisherigen Posten zurückkehren wird. Gr soll mit der Leitung der Abteilung II» zu der in erster Linie das Einwohnermeldeamt gehört, betraut werden. Regierungsdirektor Goerke ist aus der mittleren Beamten- karriere hervorgegangen. Er war niemals Sozialdemokrat, wurde vielmehr längere Zeit von der Sozialdemokratie skeptisch betrachtet, da er als ein weltanschaulich ziemlich weit rechtsstehender Mann galt. Auch ihm politisch nicht Nahestehende mußten jedoch Goerke zu- gestehen, daß er stets ein aufrechter und gerader Beamter guten Schlages war. Ganz allmählich und durchaus nicht geleitet von eigensüchtigen Gesichtspunkten näherte sich Goerke dem demokratisch- republikanischen Bürgertum. Wer Goerkes Arbeit kannte, wußte, daß dieser Mann nur Pflichterfüllung kannte und stets bemüht war, strengste Objektivität in allen Fällen zu wahren. Der Beschluß der neuen Herren, ihn von seinem Posten zu entfernen, bedeutet des- halb eine besonders schwere Kränkung für den verdienswollen Mann. Vielleicht trägt jedoch dieser Beschluß mit dazu bei, daß auch er nun seine Versetzung als eine Erleichterung empfindet. Eine Not- wendigkeit, Goerke seines Postens zu entheben, bestand auch für die neuen Machthaber nicht. Es sei denn, daß man unter der neuen Amtsführung ein Abweichen von der bisher streng innegehaltenen objektiven Linie für notwendig hält. Die Frage, ob mit diesen Maß- nahmen gegen alte, verdiente Beamte das Vertrauen des Beamten- tum? zur neuen Führung gestärkt wird, mögen sich die neuen Herren selbst beantworten. £ Szsie Zunngizuz iweilen und Jü/vzi Z&2 Tülle! Das spricht für die hohe Qualität unserer und dar! auch als Beuieis für ihre Bekömmlichkeit gelten. Gerade weil Juno auf Zugäben wie Werimarken, Gutscheine oder Stickereien verzichtet, vermag diese gute JmM-NairM alte wichtigen Forderungen der Raucher zu erfüllen: Erlesene Tabake Beste Mischung- Volles Format Die Sehnsucht nach der Stadt. Ein Neiner Ausreißer in Berlin angehalten. Ein jähes Ende fand der Freiheitstraum eines 12 Jahre alten Jungen Adolf R. aus A l t e n b u r g in Thüringen, der in Berlin aufgegriffen wurde, wo er durch fein zielloses Umherirren auf- gefallen war. Es war in den frühen Abendstunden, als Passanten in der Prenzlauer Allee im Norden Berlins einen Jungen sahen, der in der dortigen Gegend völlig ziellos umherwanderte und schon recht oerhungert aussah. Man beobachtete ihn eine Weile und übergab ihn dann einem Polizeibeamten, der mit ihm zum nächsten Revier ging. Hier behauptete der Knabe, bei einem Onkel in Berlin zu wohnen, der Rechtsanwalt fei. Cr erklärte ferner, daß er bloß mal aus Neugierde nach dem Norden Berlins hinausgelaufen fei, um sich dort die Straßen anzusehen. Der kleine Schwindel des Jungen klärte sich aber— sehr zu seinem Aerger— schnell auf. Es wurde festgestellt, daß Adolf R. seit dem 15. August aus Alten- bürg in Thüringen gesucht wurde, von wo aus er seinen Eltern ausgerückt war. Bei seinem Weggang hatte er nur eine Manchester- hose und ein Hemd an und ging barfuß. Er gelangte zunächst zu Fuß bis nach Pirna, wurde von dort nach Leipzig mitgenommen und fuhr dann mit einem Ueberlandtransport von Leipzig mit nach Berlin. Hier hatte er es inzwischen schon zu einem Paar Schuhe gebrocht. Als man dem Jungen auf dem Polizeirevier ein tüchtiges Essen verabreichte, hieb er kräftig«in. Er wird nun nach Altenburg zurückgebracht werden. Kahrraddiebstahl blühi. Täglich werden in Berlin'lvO Fahrräder gestohlen. Die Fahrraddieb stähle haben sich in Berlin derart ge> häuft, daß«ine schon ganz niedrig angesetzte Schätzung ergibt, daß täglich etwa lyll Fahrräder gestohlen werden. Bei Diebstählen dieser Art ist insbesondere der Westen Berlins sowie die Bororte Steglitz, Tempelhof bevorzugt. Die Mieter nehmen ihre Räder gewöhnlich nicht mit In die Wohnungen, sondern stellen sie im Keller unter. Die meisten von ihnen benutzen das Fahrrad als Verkehrsmittel zur Arbeitsstätte. Der Verlust der Maschine trifft sie daher recht erheblich. Gestern ist es vorgekommen, daß innerhalb von vier Stunden 6 Fahrrad- diebstähle gemeldet wurden. Die Diebstähle geschehen meistens in den frühen Morgenstunden. Kürzlich wurde festgestellt, daß mit in Berlin gestohlenen Fahrrädern in der Provinz ein umfangreicher Handel getrieben wird. Charlottenburger Schießerei nicht geNärt. ZOOV Mark Belohnung. In den späten Abendstunden des 29. August kam es vor einem Naziverkehrslokal in der Röntgenstr. 19 in Charlottenburg zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Hakenkreuzlern und Kommunisten. Bei dem Handgemenge wurden etwa 29 Schüsse abgefeuert. Die Nationalsozialisten behaupteten, daß nur die Kommunisten geschossen hätten. Ein Kugeleinschlag an dem Standort der Kommunisten lieferte aber den gegenteiligen Beweis. Die polizeilichen Ermittlungen haben ergeben, daß der Zwischenfall, bei dem ein Nationalsozialist getötet und zwei weitere leicht verletzt wurden, offenbar von den Kommunisten her- beigeführt worden ist. Der Polizeipräsident hat jetzt die aus- gesetzte Belohnung zur Ausklärung des politischen Mordes von 1999 auf 3999 Mark erhöht. Es ist verwunderlich, daß die Polizei plötzlich eine so hohe Be- lohnung aussetzt, nachdem von einem halbamtlichen Telegraphen- büro bereits zum Wochenende mitgeteilt wurde, daß über 29 Kommunisten festgenommen seien, unter denen sich die mutmaß- lichen Schützen und der Anstifter zu der Schießerei befänden. An diese Nachricht war noch der Satz geknüpft, daß damit eine baldige völlige Aufklärung des Falles zu gewärtigen sei. Frauenmord in Perleberg: 1000 M. Belohnung. An der Aufklärung des Verbrechens in Perleberg, das an der 73 Jahre alten Witwe Steußloff in der Nacht zum vergangenen Sonntag verübt wurde, wird von der Perleberger und der Berliner Kriminalpolizei fieberhaft gearbeitet. Um die Mordkommission in ihrer Arbeit zu unterstützen, hat der Regierungspräsident von Pots- dam eine Belohnung von 1999 Mark ausgesetzt. Personen, die irgendwelche Angaben im Interesse der Aufklärung des Mordes machen können, werden unter Hinweis auf die ausgesetzte Belohnung gebeten, sich im Polizeipräsidium zu melden. Besciwoi'enliek Ruf der Kriegsopfer. Kriege grauenhaft und zwecklos!"- Schlußtag der Kriegsopfertagung. Der VIII. Kongreß der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der verbände der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer(EIAMAT.s. der seil Donnerstag im Niederösterreichischen Landtag in Wien stattfand, wurde am Sonnabend nachmittag beende». Nach Schluß des Songresses besuchten die Teilnehmer den österreichischen Heldensriedhos aus dem Zentralsriedhos. Nach einer Ansprache des Stadtrat» Pros. Tandler wurden Kränze mit den in den Nationalfarben gehaltenen Schleifen der einzelnen Delegationen niedergelegt. Als erste Aufgabe der Schlußsitzung wurde die Wahl des Bor- standes erledigt. Zum Präsidenten der CJAMAT. wurde Bundesrat Brandeiß(Oesterreich), zum Vizepräsidenten Morel lFrankreich), K a r k o s z t a(Polen) und der Bundesoorsitzende des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten P f ä n d n e r(Deutschland) einstimmig gewählt. Die Vorsitzenden der im Verlaufe der Eröffnungssitzung ein- gesetzten Kommissionen erstatteten sodann ihre Berichte über die Ergebnisie der Ausschußbcratungen. Die zur Prüfung der Ver- sorgung der Kriegsopfer eingesetzte Kommission hatte sich mit der Lage der Kriegsopfer im allgemeinen sowie mit der Not der Kriegsblinden und Tuberkulosen besonders eingehend beschäftigt. Die hierzu vorgelegten Resolutionen wurden ebenso wie die Ent- schließungen über die Regelung der Versorgung der staatenlosen Kriegsopfer einstimmig angenommen. An die Regierungen der Tschechoslowakei und Ungarns appellierte der Kongreß in besonderen Entschließungen, um die Lage der Kriegsopfer dieser Länder menschenwürdig zu gestalten. Die Probleme der Friedenssicherung, der Schulden- regelung und der A b r ü st u n g nahmen bei den Beratungen des Kongresses in den Kommissionen wie auch in den Plenarsitzungen einen breiten Raum ein. Aus den Ausschußberatungen ist noch als besonders bedeutsam hervorzuheben eine Erklärung des französischen Berichterstatters, Prof. C a s s i n, Paris(Völkerbundsdelegierter). Auf eine Anfrage des Delegierten des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten, Rechts- anwalt W o l s s b e r g(Hamburg), bezeichnete Prof. C a s s i n es als zweifelsfrei, daß die von den Alliierten im Versailler Vertrag festgelegte Verpflichtung zur Abrüstung der Nationen nicht eine bloße moralische Geste darstelle, sondern eine bindende Rechtsverpflichtung enthalte. Diese Erklärung dürste geeignet sein, die Ar- beiten der Genfer Abrüstungskonferenz zu erleichtern und nicht un- wesentlich zu fördern. In einer Schlußresolution beschwört die Internationale Arbeitsgemeinschaft der Kriegsopfer die Regierungen, sich endlich klar darüber zu werden, daß der Krieg nicht nur grauenhaft, sondern auch zwecklos ist. Die Arbeitsgemeinschaft stützt sich auf ihre vier Millionen Mit- glieder, die gestern noch Gegner waren, heute Freunde sind, um an die Menschen in allen Ländern einen Appell zu richten, sich gegen jede kriegerische Bestrebung aufzulehnen, sich des vollen Ernstes der Lage bewußt zu werden und durch gemeinsame Arbeit die Hindernisie zu beseitigen, die man einem Erfolg der Abrüstung?- konferenz in den Weg stellen will. Der VIII. Kongreß gibt seinem Internationalen Borstand den Auftrag, die zu diesem Zweck bereits unternommene Aktion auszubauen und weiter zu verfolgen. Sie vertraut ihm insbesondere die Ausgabe an, alles vorzubereiten, um zum Ende des Jahres 1932 oder zu Beginn des Jahres 1933 ein „Welttreffen der Kriegstellnehmer aller Länder für die Ab- rüstung und gegen den Krieg" einzuberufen. Einer der nicht stirbt. Sankt Bürokratius in den Rathäusern. Der Magistrat hat in diesen Tagen wieder zur Verteilung der Veteranenspende an die Kriegsteilnehmer von 1864, 1866, 1879/71 ausgerufen. Ordnungsmäßig erfolgt dieser Ausruf in jedem Jahr«, und sein Wortlaut steht fest wie ein ehernes Gesetz. Für diese Verteilung der Veteranenspende wird ein großer Apparat ausgezogen, in jedem Bezirksamt wird eine Dienststelle mit der Entgegennahm« der Anträge vierzehn Tag«„befaßt". Und dabei scheint noch niemand im Laufe der Jahre bemerkt zu haben, daß in ganz Groß-Berlin heute kaum noch ein knappes Dutzend von Ve- teranen leben dürften, die alle Bedingungen der magistratlichen Vor- schristen erfüllen können. Es handelt sich nämlich um Männer, die mittlerweile heute zwischen 82 und 88 Jahren alt geworden sind, wenn sie als Zwanzig- jährig« 1864 und 1879 ins Feld gezogen sind. Die alten Herren haben aber längst nicht ohne weiteres Anspruch auf diesen Ehrensold der Stadt, sie müssen vorher ein« Reche hochnotpeinlicher Bedingun- gen erfüllen, die wirtlich eine Vergeudung der Spendengelder an Unwürdige ausschließen. Zunächst dürfen die Veteranen nur dem Unteroffizier- oder Gemeinenstande angehören. Dann aber müssen sie noch erstens„w ü r d i g" und zweitens„bedürftig" sein und schließlich müssen sie noch nachweisen,„daß sie am 2. September 1919, dem Tag« der 49jährig«n Wiederkehr des Sieges von Sedan im Bereich« der jetzigen Stadt Berlin ihren Wohnsitz gehobt und seit- dem chn dauernd hier behalten haben". Wer alle dies« Vorbedin- gungen erfüllen kann, muß sich mit seinen Militärpapieren oder dem Ehrensoldbuche in den amtlichen Dienststunden melden. Gonniagsrückfahrfarten bis Montags 12 Uhr. Die in Aussicht genommene Verlängerung der Geltungsdauer der Sonntagsrückfahrkarten ist jetzt mit sofortiger Wirkung durchgeführt worden. Die Rückfahrt, die bisher bis 9 Uhr vormittags angetreten werden mußte, kann nunmehr mit Zügen erfolgen, die den Zielort der Sonntagsrückfahrkarte bis 12 Uhr mittags verlassen. Diese Maßnahme gilt bis aus Widerruf, längstens bis 1. April 1933. „Fest der deutschen Schule." Der Landesverband Mark Bran- denburg des VDA. veranstaltet am Sonntag, dem 11. September, für sämtliche Berliner Schulen und die der Schule nahestehenden Die mißglückte Feuerprobe. Wie es kam, deo die Leute von.Seebiick' und.Kuhle Wampe* ruhig schielen konnten Zum bevorstehenden Abschluß der Zeltsaison und vor allem um das angebahnte Vertrauensverhältnis zwischen den Bewohnern der Dauerzeltkolonien und den Männern der V e r w a l t u n g s- be Hörden noch einmal zu unterstreichen, wurden von den Leitern der Zeltstädte rings um Berlin zwei nächtliche Feueralarme angesetzt. Der westliche Alarm in Saatwinkel ging vor einigen Wochen unter der Mitwirkung von Feuerwehr und Forst- b e h ö r d e auch zur allgemeinen Zufriedenheit vonstatten: die Zeltbewohner von Saatwinkel hatten ihre tätige Mithilfe bei der Verhütung von Waldbränden nachdrücklichst unter Beweis gestellt. In der Nacht vom Sonnabend zun, Sonntag sollte der zweite Feueralarm am Müggelsee steigen. Hier konnten im Lauf« des letzten Monats zwischen den Plätzen der Kolonien„Kuhle Wampe" und„Seeblick" bereits zweimal Waldbrände durch die Aufmerksamkeit der Zeltstädter im Keime erstickt werden. In beiden Fällen glimmten bereits mehrere Quadratmeter Waldboden — irgendwer mag unaufachtsam geraucht haben— aber es gelang sofort das Feuer auszugießen und Gräben zu ziehen, um Schlim- meres zu verhüten. Da die Zeltbewohner vom Müggelsee den Ausflüglerscharen aber keine Dorschristen über die Derwendung ihrer Streichholzschachteln machen können, ordneten sie dennoch einen strengen Wachdienst an: je zwei Zeltleute haben ständig Tag und Nacht Wache, und in jedem Zelt hat außerdem sofort greifbar ein Eimer mit Wasser und ein Spaten zu stehen. Vergangenen Sonntag nun wollte man einen Schritt weitergehen. Auf Blech- pfannen sollten zwei Kilo roter Magnesia abgebrannt werden und zwar nachts um 2 Uhr, wenn alles im tiefsten Schlafe liegt, die Wache sollte die Alarmhörner gellen lassen, die Berussfeuer- wehr von Köpenick und die Forstverwaltung hatten ihre Mitwirkung zugesagt und nach Löschung des imaginären Feuers sollte ein Beamter von der Köpenicker Feuerwehr einen kleinen Vortrag über Bekämpfung von Waldbränden halten. Es kam aber anders. Die Verständigung der Polizei hatte ein Genosse übernommen, der bereits den Saatwintler Alarm geleitet hatte. Am Freitag rief die Polizei diesen Genossen auf der Saatwintler Rettungsstation der Arbeitersamariter an. Nun ist aber diese Station für Telephonate insofern ungünstig, als von Woche zu Woche wechselnd jeweils eine andere Gruppe der Samariter dort Dienst macht, also auch nicht vorausgesetzt werden kann, daß die einen die anderen kennen. So verlangt nun die Polizei Herrn W.; der Mann am Telephon antwortet aber: hier wäre gar kein W. Inzwischen hat die Polizei selbst Alarm wegen des Stahlhelmtages, man wird stutzig und den ganzen Feueralarm hält man wohl für einen vertappten Ausmarsch zum Nachtangriff auf die in Köpenick in Quartier liegenden schlesischen Stahlhelmer. Am Sonnabend endlich' �hat die Polizei den Ge- nassen W. in seiner Berliner Wohnung ermittelt, man nimmt ihn mit aufs Präsidium, unterdessen kommen auch schon die Landjäger noch dem Müggelsee und fahnden nach W. Aus dem Präsidium ist man sehr zugeknöpft, eigentlich wollte man W. bis zum Montag in Schutzhaft behalten, aber unter der Zusicherung, daß er sich ständig zur Verfügung der Polizei hält, läßt man ihn laufen. Natürlich mußte der Feueralarm abgesetzt werden, die Magnesia brannte nicht ab und die Zeltstädter vom Müggelsee konnten ungestört bis in den Sonntogmorgen hinein schlafen. Von dem geplanten Alarm er- fahren sie überdies erst durch diese Zeilen. Den Zeltstädten liegt natürlich auch an einem erträglichen Verhältnis zu den Polizeibehörden. Und die Zeltbewohner möchten deshalb noch einmal unterstrichen wissen, daß sie friedliche, Erholung suchende Leute sind, die gar nicht daran denken, den Nachbar bei Nacht und Nebel durchzuwalken. Kreise ein großes„Fest der deutschen Schule". Die Veranstaltung steht unter der Losung:„Die deutsch« schul« im Reich für die deutsche Schule im Ausland". Sie soll an die Verbundenheit aller Deutschen in der Welt erinnern, um der heranwachsenden aus- landsdeutschen Jugend Sprache, Kultur und Volkstum zu erhalten. Durch Leichtsinn umgekommen. Pfadfinder durch Sprengkapsel getötet. Frankfurt a. NT. 6. September. Eine Gruppe Pfadfinder lagerte am Sonntag im Kelster- bacher Wald. Nachdem die jungen Leute«in F«uer angezündet hotten, warfen sie Sprengkapseln, die sie vorher in einer Schneise gefunden hatten, in die Flammen. Dabei kam es zur Explosion. Der am Feuer stehende 17 Jahre alt« Hans Stiffke aus Frankfurt a. M. wurde durch ein Sprengstück, das ihm m die Brust drang, getötet. Di« Polizei ist noch mit der Aufklärung des näheren Tatbestandes beschäftigt, insbesondere mit der Klärung der Frage, woher die Sprengkapseln stammen. Tod durch Wurstvergiftung. Zwei Todesfälle in Braunschweig. Lrauaschweig.S. September. Am Sonnabend wurden der Reichsbahaassistent Hitler« au» L raunschweig und seine beiden Söhne unter schweren vergislung». erscheinungen in das hiesige Marienstift eingeliefert. Dort ist der Reichsbahnassistent noch am Sonnabend gestorben, während sein IZjähriger Sohn im Lause des Sonntags starb. Der zweite Sohn liegt noch schwer erkrankt danieder. Als einziges Familienmitglied ist die Müller von der krankheil verschont geblieben. Man nimmt an, daß die schweren Vergiftungen aus den Genuß von verdorbeneu wurstwaren zurückzuführen sind. Kinderlähmung auch in Mecklenburg. Schließung der Schulen angeordnet. Das Mecklenburg-Strelitzer Stoatsministerium hat als Vor- beugungsmaßnahme gegen die weitere Ausbreitung der spinalen Kinderlähmung die Schließung aller Schulen des Landes bis zum 18. September angeordnet. Besonders in Neustrelitz und Umgegend treten Neuerkrankungen auf, von denen bereits sechs tödlich verlaufen sind. Geplanter Einbruch in Reichswehr-Pulverfchuppen. Königsberg, 5. September. Ein Beamter der Wach- und Schließgefellschast, dem die Be- wachung eines Reichswehr-Pulverschuppens obliegt, stellte einen Königsberger Lieferkrastwagen fest, der auf dem Festungsgelände in einen tiefen Graben geraten war. Zwei Männer entflohen aus dem Auto, während der Beamte einen angetrunkenen Mann, einen Königsberger Kupferschmied, aus dem Wagen heraus festnehmen tonnte. Es wurde festgestellt, daß einige Kellerfenster an dem Pulver- schuppen eingeschlagen worden sind, daß jedoch von den Beständen nichts fehlt. Man nimmt an, daß ein Einbruch in den Pulver- schuppen geplant war. Gronau in Tokio gelandet. D«r deutsche Flieger von G r o n a u ist am Sonntag in T o t i o gelandet. Zu seiner Begrüßung hatten sich zahlreich« Persönlich- leiten aus dem Flugplatz eingefunden. Gronau beabsichtigt, eine Woche in der japanischen Hauptstadt zu bleiben. Wieder Wochenendfahrt nach Hamburg-Helgoland. Am 19./11. September veranstaltet die Reichsbahndirettion Berlin wieder eine Wochenendfahrt nach Hamburg-Helaoland. Die Fahrt beginnt am Sonnabend, 19. September, ab Lehrter Bahnhof, 12.99 Uhr: um 17.95 trifft der Sonderzug in Hamburg ein. Die Rückfahrt ab Homburg erfolgt in der Nacht vom Sonntag, 12. Sep- tember, zu Montag, 13. September, ab Hamburg 1.99 Uhr, und am Montag früh, um 6.19 Uhr, ist der Zug wieder in Berlin. Der Dampferausflug nach Helgoland ist für den Sonntag vorgesehen: um 7 Uhr verläßt der Dampfer den Hamburger Hasen und trifft um 13.29 Uhr in Helgoland«in. Die Hin- und Rückfahrt nach Hamburg allein kostet 11,69 M. oder 17 M. bei Benutzung der 2. Klasse. Die Fahrt Berlin— Helgoland— Berlin 21,19 M oder 26,59 M Der Fahrkartenverkauf beginnt akn 1. Sep- tember bei den Fahrkartenausgaben Berlin Lehrter Bahnhos, Spandau und Nauen sowie bei den bekannten Ausgabestellen deg Mitteleuropäischen Reisebüros(MER.). Verteidiger gegen Gericht. Protest sämtlicher Anwälte des Zelseneck-Prozesses. Sämtliche Verteidiger des Felserteck-Pruzesses, und zwar die Rechtsanwälte Dr. P u f ch. Dr. Pickardt, Dr. P l e t t e n- berg, Dr. Prasse, Dr. Plasch, Litten und Baum, also diejenigen der nationalsozialistischen wie der kommunistischen An- geklagten, nehmen in einer gemeinsamen Erklärung gegen das Ausscheiden des Vorsitzenden Landgerichtsdirektor Dr. Bode und des Berichterstatters Landgerichtsrat Kuhlow Stellung. In der Erklärung heißt es: Rechtsanwalt Litten hatte bereits vor mehr als sechs Wochen den beiden Richtern nahegelegt, die Frage ihrer Befangenheit zu prüfen. Sie haben damals die Ver- Handlungen weitergeführt und damit zum Ausdruck gebracht, daß ihrer Ansicht nach die Besorgnis der Befangenheit auch vom Stand- punkte der Angeklagten aus nicht bestehen könne. Die beiden Richter haben auch jetzt selbst dienstlich erklärt, daß sie nicht be- fangen seien. Wenn sie gleichwohl die Möglichkeit unterstellen, daß ein Teil der Angeklagten Mißtrauen in ihre Ueberparteilichkeit von ihrem subjektiven Standpunkt aus hätten haben können oder sogar müssen, so wäre eine derartige Erklärung der Angeklagten erst einmal abzuwarten gewesen. Die Begründung des Beschlusses, der das Auffliegen des Prozesses zur Folge hat, ist juristisch unHalt- bar und verschleiert die wahre Absicht, entgegen dem Beschluß des Kammergerichts die Verhandlung mit einem mißliebigen Verteidiger nicht fortzusetzen. Dieses Verhalten muß auf das schärfste ver- urteilt werden, weil es, wie bereits in der Oeffentlichkeit aus- geführt, auf das Schicksal der seit fast acht Monaten in chaft befind- lichen Angeklagten und auf die außerordentlich hohen Kosten für die Staatskasse keine Rücksicht nimmt. Gegen den Beschluß ist sofort von den Verteidigern V e- Ich werde beim Kommergericht eingelegt. 250000 Dollar geraubt. Sensationeller Bankraub in Chikago. Chikago, 5. September. Acht Verbrecher beraubten auf äußerst kühn« Art eine Chikagoer Hypotheken- und Depositenbank um mehr als 250 000 Dollar. Sie überfielen das Bankgebäude, setzten zehn anwesende Bankangestellte auf 14 Stunden gefangen, erbrachen in aller Ruhe 350 Stahltassetten und flüchteten mit ihrer reichen Beute. Zum Aufknabbern der Stahl- kassetten bedienten sich die Räuber modernster Werkzeug«, außerdem trugen sie Handschuh«, um der Polizei keine Fingerabdrücke zu hinter- lassen. Llm den Beamten-Wirtschastsverein. Vergleichsvorschlag erst in einiger Zeit zu erwarten. Zwischen dem Vorstand des Beamtenwirtschaftsver- e i n s e. G. m. b. H. und einem Teil seiner Mitglieder ist ein Streit entstanden über die Art, wie die Fortführung des Betriebes und die Sicherung des Vergleichsverfahrens zu erreichen ist. Zunächst hat der Vorstand die Einzahlung der ausstehenden Beiträge, die sich je Mitglied auf 30 M. belaufen, gefordert und zugleich einen Beschluß auf Erhöhung der Beitragssumme auf 60 M. herbeigeführt. Gefordert werden diese Beträge zum Teil auch von Leuten, die schon vor Jahren ihre Mitgliedskarten abgeliefert haben, deren Mitglied- schaft aber im Genossenschaftsregister nicht gelöscht wurde. Es hat sich«in G e n o s s e n s ch u tz v e r b a n d gebildet, der sich gegen die Maßnahmen des Vorstandes beschwerdesührend an die Ge- richte gewandt hat. Sollten die Genossen zur Zahlung der fällig gemachten Beiträge verurteilt werden— einzelne Fälle werden in den nächsten Tagen entschieden—, dann verlangt der Schugverband die Anlage der eingehenden Beiträge auf Sperrkonto(min- bestens zu zwei Dritteln), damit diese Gelder zur Durchführung des Vergleichsverfahrens bereit stehen. Wann das V e r g l e i ch- v e r- fahren eröffnet werden wird, ist noch nicht zu sagen. Bis zum 19. September muß der Status«ingereicht sein, der dann aber noch von Sachverständigen überprüft werden muh. Gas gegen Verbrecher. In dem Bestreben, gegen das Verbrechertum wirksamen Schutz zu schaffen, sind bereits verschiedene Selbstschutzapparate konstruiert worden. Neuerdings hat eine Berliner Firma, die sich mit dem Problem seit einiger Zeit beschäftigt, unter dem Signum ..Hülzer-Hilfe" einen Selbstschutzapparat geschaffen, der nach den Vorführungen vor Vertretern der Presse und Beamten der Berliner Polizei in der Kaserne in der Friesenstraße tatsächlich einen Schritt vorwärts bedeutet. Der Apparat, der einem kleinen Mörser gleicht, ist mit einer Gaspatrone geladen, die bei der Entzündung eine laute Detonation verursacht. Außer dieser moralischen Wirkung sorgt das im Augenblick zerstäubende Reizgas dafür, daß der Ver- brecher sofort unschädlich gemacht wird. Die kleine Selbstschutz- anlage wird elektrisch durch eine eigene Trockenbatterie ausgelöst. Wesentlich ist der Umstand, daß der Apparat unauffällig montiert werden kann, was besonders in Geschäftshäusern, Banken und Kassenstuben von besonderem Wert sein dürfte. Die kleine„Gas- kanone" kann durch einen Kontaktknopf ausgelöst oder durch auto- matische Selbstauslösung in Tätigkeit gesetzt werden. Schüler spielen„Cgmont". Im Zeichen des Goethe-Jahres veranstaltete das Reform- realgymnasium mit Oberrealschule Berlin-Weißcnsee, Woelck- Promenade 38, in der überfüllten Stadthalle eine Egmont-Aus- f ü h r u n g. Den Auftakt bfldete der schwungvolle Vortrag von Beethovens Egmont-Ouvertüre durch das Schülerorchester, das unter der Leitung von Musiklehrer Barz die schwierige Aufgabe mit erstaunlichem Gelingen meisterte. Dann begann das Spiel, das die Hörerschaft fast bis Mitternacht in Bann hielt. Die junge Künstler- schar hatte sich unter der Regie von Studienrat Dr. H e i d l a u f in den Geist der Dichtung vertieft und gab ihr Bestes, um den Freiheitskampf der unterdrückten Niederländer sowie Egmonts und Klärchens tragisches Schicksal dramatisch zu gestalten. So wurde die Aufführung, wie der reiche Beifall des Hauses bewies, zu einein schönen Erfolge. Am nächsten Tage folgten im Stadion am Faultn See unter Leitung von Oberturnlehrer F i e l i tz sportlich« und turnerische Vorführungen und ein geselliges Beisammensein mit Musik und Tanz im Schloß Weißenjee bildete den Ausklang des wohlgelungenen Sommerfestes. Die Firma„Bala"-Zlin ersucht uns um die Aufnahme folgender Berichtigung:„Es ist Unwahr, daß die Bata-Werke in den letzten Monaten mit großen Schwierigkeiten zu kämpien hatten und daß Absatz- und Kr'editschwierigkeiten vorhanden sind. Wahr ist vielmehr, daß die Bata-Werke in keine Schwierigkeiten geraten sind llnd die finanziell« Lage der Bata-Werke oolllommen sichergestellt ist." Allgemeine Wetterlage. , Äp 15 ifl iß_ ) wolkenlos.(5 hei w, 9 halb bedockt >v>olkg.*bedeckt�egew3Crau{abi Am Montag herrschte in Mitteleuropa fast allgemein ruhiges Wetter. In Deutschland war das Wetter größtenteils trocken und verschiedentlich auch heiter. Die Mittagstemperaturen überschritten aber nur am Oberrhein 20 Grad Celsius. Ein flaches Hoch, dessen Kern sich über Westpolen befindet, dehnt sich nach Norden aus. In dem Räume zwischen Island und Schottland befindet sich eine Depression, auf deren Südseite ein Ausläufer über Irland liegt. Da diese Depression aber nur noch einen schmalen Warmsettor auf- weist, wird sie ihre Bewegungsenergie allmählich verlieren. Die aber noch in der Höhe befindliche Warmluft wird jedoch bei uns durch Aufgleiten aus die über Mitteleuropa lagernde Kaltluft neue Wetterverschlechterung bringen. welteraussichlen für Verlin. Allmählich zunehmende Be- wölkung, später auch Regenneigung, südliche Winde: Temperaturen nur wenig verändert.— Für Deutschland. Im Süden und Süd- osten ziemlich heiter, nachts sehr kühl, im Nordosten weitere Be- ruhigung, in Mittel- und Westdeutschland neue Wetterverschlechte- rung. Parteina chrichten für Groß-Berlin StBlcRtiBBgn fftt Olett Rudrtt ftnd Berit» SB 68. Lt»d«»st>ab» 3 stet»«a bat«tjltftfftntortai i. Set. t Snpbtn-echt». ,u richte» Beginn aller Beranstaltungen i9Vi Uhr. sofern keine besondere Zeitangabek Z. Kreit Wedding. Die zum Mittwoch angelegte BildungsausschußNtzung wird auf später»erlegt. Benachrichtigung erfolgt. It. Kreit. Mittwoch, 7. September, im„Picabilly", Schäneberg, Ebertstr. 80, Kreismitglicdervcrsammlung. Referent Genosse Tornow, M. d. R. Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. Ib. Kreis. Heute, 20 Uhr, Kreisoorstandtsitzung an bekannter Stelle. 20. Kreis. Donnerstag, 8. September, 1b Uhr, gusammenkitnfte erwerbsloser Parteimitglieder an folgenden Stellen: Reinickendorf.Ost in der Schul« Hoppisirahe. Referent Karl Schoodt, Reinickendorf-West: Außenspielplag. Referent Paul Bernstein. Tegel und Wittenau im Reichsbanner-Booto» haus Tegel. Referent Hans Äarx. l. Abt. Donnerstag, 8. September, 20 Uhr, Funktionärsthun g bei Klement, Sophienstr. 0.. �... 18. Abt. Die Bezirksfithrer werden ersucht, Sammellisten und Fieiheittopfer. marken umgehend beim Kassterer abzurechnen. 28. Abt. Mittwoch, 7. September, 20 Uhr, bei Barteidt, Wörther Str. 19. Sit. kusstonsabend:„Führung und Organisation in der Partei", Referent I. P. Mayer. >8. Abt.' Die Bezirlsfsthrer rechnen die Freiheitsopfermarken und Sammel listen am 8. September bei Losak mit dem Kassterer von 19 Uhr an ab. 88. Abt. Freitag, 9. September, 19 Uhr Vorstandssitzung, 20 Uhr Funktionär. konferenz bei Bartusch, Friedenstr. 88. Abrechnung sämtlicher Notopfer- listen. <0. Abt. Mittwoch, 7. September, 20 Uhr, Schultheist lTivoli), Lichterfelder Strahe 11, Abteilungsversammlung.„Nach der Wahl", Referent Richard Barth. 48. Abt. Achtung. Bezirksfithrer! Abrechnung der Listen 10. September. 88. Abt. Mittwoch, 7. September, Kreismitgliederversammlung im Türkischen Zelt. Berliner Str. bZ. Mitgliedsbuch legitimiert.— Donnerstag. 8. September, Funktionärsihung. 62. Abt. Heute bei Bogel Sitzung aller Funktionäre der Abteilung. 69./70. Abt. Mittwoch, 7. September, 20 Uhr, bei Heidemann, Uhland. straße 108—109, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder.„Politische Lage", Referent Felix Fligg.___. 82. Abi. Mittwoch, 7. September, 20 Uhr, Funktionärsttzung bei Schellhase, Ahornstraste. Besonders wichtige Tagesordnung. 84. Abt. Mittwoch, 7. September, 20 Uhr, Funktionärsttzung bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm-Str. 29—81. 92. Abt. Die nächst» Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder findet erst am Freitag, 9. Sevtember, 20 Uhr. im Iägcrheim, Wildenbruchstr. 81, statt. „Planwirtschaft", Referent Dr. Karl Landauer. 98. Abt. Alle Marken stnd noch in dieser Woche abzurechnen. 97. Abt. Wir- nehmen unsere Kusammenkllnkt» der jüngeren Parteimitglieder wieder auf. Nächster Heimabend Mittwoch, 7. Sevtember, 19V, Uhr, in der Lesehalle Nogat. Ecke Ilsestraste.„Umbau der Wirtschaft", Referent Hans Lehnert. 108. Abt. Dienstag, Köllnische Borstadt: 18 Uhr Flugblattoerbreitung vom Lokal Bcwart aus. Alle Genossen des Bezirks beteiligen stch daran.— Mittwoch: Sitzung aller Funktionäre 1919 Uhr auf dem Eiche. Sportplatz. 109. Abt. Mittwoch, 7. September, im Restaurant Etadttheater, am Markt. platz. Mitgliederversammlung.„Nach der Reichstagswahl", Referent Franz Künstler, M. d. R. 118. Abt. Mittwoch, 7. September, 19 Uhr, Funktionärkonferenz bei Tempel, Gudrunstraste. 124. Abt. Mittwoch, 7. September, Funktionärsttzung an bekannter Stelle. 124s. Abt. Mittwoch, 7. September, Funktionärstäuna bei Draber. 128. Abt. Beistenlee. Heute, 18 Uhr, wichtige Flugblattverbreitung vom be- kannten Lokal aus. 127. Abt. Alle Genossinnen und Genossen beteiligen stch heut«, 20 Uhr, am Ilu-Iitsu-Kursu« in der Turnhalle Rödernstraste. Turnschuh« stnd mitzu- bringen. Frauenveranstaltungen. 20. kreis. Heut«, 20 Uhr. Funktionärinnensttzung an bekannter Stell«. Bericht vom Wochenendkursus. 74». und 74h. Abt. Donnerstag, 8. September, Ausflug. Treffpunkt 1» Uhr Botsdamer Ecke Königstraste. »öntgental. Donnerstag, 8. September, 20 Uhr, bei Meifel, Bahnhofstr. 78, Bortrag der Genossin Elfriede Ryneck, M. d. L. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrt. 2. Kreit. Der Kursus..Soziale Gerichtsbilfe" am 8. September findet nicht bei Lavlch, sondern bei Hübner, Diksnacker Str. 55, statt. 3. Kr->S Wedding. Die Aktenabholung im Jugendamt findet in Zukunft Freitags statt. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreude Groh-Berliu. Die«eeise Tewpelhof, Kren, berg, Tiergarten, Eharlottentvrg und Wilmersdors werden gebeten,»«gehend de« Kreit Schöneberg die Teilnehmerzahl der Falke» für de» Falkeutag in der viedlang Lindenhos am 11. September zu nennen. Krci, Neukölln. Voranzeige! Am Sonntag, lt. September, Kreis. tresfahrt der IF und RF, lgetrenntj. Unkosten 30 Pf, Alle IF. und RF. nehmen daran teil.— Abt. Quell«: Elternoersammlung mit Sung. und Rote Falken heute, Dienstag, um 18 Uhr in der Schule Marien- dorfer Weg. Alle werden erwartet.— Abt. Sturmfalke: Heute, Dienstag, sind alle Falken in der Karl-Marx-Schul« von 17—19 Ubr, Wichtige Mitteilungen.— Abt. Lichtkämpfer: IF. und RF. stnd heut« um 1719 Uhr m der Baracke zur Ausstellungtarbeit. Anfchliestend Vollversammlung. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 43. Abt. Unser seit 28 Iahren In der Partei stets eifriger Genosse und langjähriger Bezirksverordneter Otto Kraatz, Sroefestr. 18, ist noch schwerem Leide» am 4. September verstorben. Ehre seinem Andenken! Ein. äscherung Donnerstag, 8. September, um 17 Uhr, in Baumschulenweg, Um rege Beteiligung bittet der Abteilungsvorstand. fl Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlm Einfendungen für dies» Rubrik nur an das Iugendsekretariat Berlin SW 68. Lindenstraste 2. vorn 1 Treppe rechts, Bolksböhnenmitgliederl Für die bis zum 80, August eingereichten Mit. gliederiarten bzw. Neuanmeldungen können die Mitgliederkarten abgeholt werden. Erste Borstellung am 18. September. Neuanmeldungcn werden noch entgegengenommen. heule, Dienstag, K. September, 1934 Uhr. Arkonaplatz: Elifabethkirchstr. 19:„Die SPD. als Machtfaktor im politischen Leben".—»eweekschaftshau«: Köpenicker Str. 92:„Wie lese ich«ine Zeitung?" — Zentrum: Waisenstr. 18: Mitgliederversammlung.— Brunnenplttz: Pank» Ecke Wiesenstraste: Mitgliederversammlung.— Sesundbrunue» l: Kolonie. straste 8: Mitgliederversammlung.— Gesundbrunnen II: Kollmiestr. 8: Licht, bildervortrag.— Schillerp-rk: Schöningstr. 17: Mitgliederversammlung.— Wedding: Willdenowstr, 5; Mitgliederversammlung.— Wedding-Rord: Turiner Ecke Seestraste: Mitgliederversammlung.— Arnim» last: Sonnenburger Str. 20: Mitgliederappell.— Arnswalder Platz I: Schönlanker Str. 11:„Tagespolitik".— Kohenschönhause»: Dingelstädter Straste:„Politische Polizei".— Nordosten I: Danziaer Str. 62:„Internationale Iugendtage".— Halenheide! Wassertorstr, 4: Mitgliederversammlung.— Reichenierqer Viertel: Rcichenberger Str. 66: Mit. aliederversammlung.— Südwesten: Lindenstr, 4: Mitgliederversammlung.— Friedenau! Offenbacher Str. 8»: Mädelabend.— Ebarlottenburg: Turnen, Pestalozzistraste.— Ehaelottenbueg-Nord: Kaiserin-Auaust.Allee 970: Mitglieder- Versammlung.— Westend: Svortvlatz Westend: Mitgliederversammlung.— Westend: Svortplatz Westend: Mitgliederversammlung.— Wilmersdors: Baden am Teufelssee. Treffpunkt 1919 ühr Bhf. Halensee.— Steglitz l: Albrecht. straste 47: Mitgliederversammlung.— Zehlenbvrs-Dahlem: ginnowald- Schule: Mitgliederversammlung.— Lichtenrade: Dorfstr. 16, Zimmer 4: Mitaliederver- sammlung.— Neu.Tempelhof: Wintgensstraste, Schulbaracke:„Das Programm der NSDAP."— Britz: Hannemannstr. 41:„Aktionsprogramm der SAI."— Neukölln l: Sander. Ecke Hobrechtstroste: Mitgliederversammluna.— Neukölln U: Steinmetzstr. 94: Mitgliederversammlung.— Reukölln IN: Steinmetzstr. 114: „Wir starten zum Sozialistischen Wettbewerb".— Reukölln IV: Kanner, Ecke Böhmische Straste:„Tagesvolitik".— Reukölln VI: Trevtower Str. 95—96: „Junge und Mädel in der SA3."— Reukölln vn: Karl-Marx-Schul«:„Krieg". — Neukölln TV; Schul« Mariendorser Weg:„Wir machen einen„Bracht">vollen Abend".- Neukölln X: Bergstr. 29:„Krieg",- N-uISlln XI: Flugbafenstr, 68: „Reichstagasttzunq",— Bohnsdorf; Wochtelstr. 1: Funktionärsttzung,— Köpenick H; Dohlwitzer Str. 15:„Sexuelle Fragen".— Karl-Horst: Treskow» alles 44:„Das 9. Schuliahr".— Lichtenberg-Nordwest: Dossestr. 22: Mädel. abend.— Hermsdors: Roonstraste:„Aktuelle Fragen".— Rcinickendors-Ost: Lindauer Str. 1: Mitgliederversammlung.— Tegel: Treisvunkt 20 Uhr vor dem Jugendheim.— Wittenau: Houvtstr. 8—12: Politisch. satirischer Abend.— Buch- htlz: Berliner Str. 19; Mitgliederversammlung. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". GelchSktsstell«: Berlin E. 14. Sebastionstr, 87—88, Hot 2 It. M TdW Gedding(Ortsverein): Mittwoch, 7. September, 1819 ühr. Antreten • sämtlicher Kameraden in Bundeskleidung im Tanzring Bolkspark Rehberge, Freikonzert, ausgeführt vom Mustkkorp« und Spielmannszug des Ortsvereins,— Wassersportabteilung. Zug Tegel: Dienstag, 6. September, 20 Uhr, Zugsttzung im Bootshaus. Unbedingte Teilnahme erforderlich.— Sreuz- berg(Örtsverein): Achtung! Die ttreissunktionärverfammlung fällt au«. Polizeisportverein Berlin e. V., Abt. Sinheittkurzschrist. Regelmästige Uebungsabende an allen Wochentagen, auster Sonnabends, 1919—2119 Uhr, im Polizeischulgebäudc, Hannoversche Str. 28—80. 2. Stock, Zimmer 10. Anfänger-, Fortbildungs. und Redeschriftkursc. Auch für Zivile. Sprachklub„The English Speakers". Heute um 2l Uhr im Nordwest.Kastno, NW. 87, Alt. Moabit 55(nahe Gotzkowskybrücke), Englische Borträge und Di«. kusston. Gäste willkommen. Aebeiter-Stevographenverein Groh-Berlin. Anfängerkurse beginnen in Reichskurzschriit wie folgt: Norden: Schule Schulstr. 99, Dienstag, 6. September: Südwesten: Schule Gneifcnaustr. 7, Dienstag, 6. September: Schöneberg: Schule Feurigstr. 57, Dienstag, 6. September: Südosten: Schule Reichenberger Str. 67, Donnerstag, 8. September: Osten: Schule Litauer Str. 18, Donnerstag, 8. Erp- tember- Charlottcnburg: Schule Oranienstr. 18—15, Donnerstag, 8. September; Lichtenberg: Schule LUckstr. 68. Donnerstag. 8. September: Neukölln: Jugend. heim Steinmetzstr. 94, Donnerstag, 8. September. Beginn aller Kurse 1919 Uhr. Anmeldung ersolgt am 1. und 2. Kursusabend. Auskunft auch über Fort» schrittskurfe und Debattenfchriftkurs« erteilt Otto Wenghoefer, Vorsttzender, Velten i. d. M., Wilhelmstr. 10». Das Fahrrad als Verkehrsmittel. Dos Fahrrod ist noch niemals so sehr begehrt worden wie in diesem Jahr. Man darf deshalb in diesem Jahr auch kaum von einer Fahrradsaijon im üblichen Sinne sprechen. Das Mißverhältnis, das zwischen den Einkünften der Arbeiter und Angestelten einerseits und den hohen Fahrgeldspesen andererseits besteht, hat gerade den kleinen Mann dazu bewogen, wieder das Fahrrad als das billigste und bequemste Verkehrsmittel zu bevorzugen. Man muß deshalb in diesem Jahr damit rechnen, daß mit dem Juli/August die eigentliche Fahrradsaison durchaus nicht zu Ende ist, sondern daß das Fahrrad, solange es das Wetter erlaubt, und das kann bis tief in den Ottober hinein sein, begehrt bleibt. Das Unternehmen der freien Gewerkschaften, dosLindcar-Fahrradwerkin Berlin- Lichtenrade, gibt uns für diese Feststellungen sehr interessante Aus- schlllsse. Der Ersatz, und Zubehörteileverkaus ist in diesem Jahr ganz ungewöhnlich groß gewesen. Das beweist, daß so mancher sich seines alten Fahrrades, das er im Keller oder auf dem Boden verstaut hatte, wieder erinnert hat. Daneben läust ein verhältnismäßig guter Absatz an neuen Fahrrädern. Lindcar verkaust seine Fahrräder heute ab 62 Mark. Die Wochenraten betragen ab dem katalogmäßigen Modell 40 nur 2 Mark. Günstigeres kann nicht geboten werden, da das wöchentliche Fahrgeld normalerweise höher liegt. Die Lindcar- filialen befinden sich: Berlin SO. 16, Engelufer 31(Ecke Michaelkirch- platz) und Berlin SW. 19, Alte Jacobstraße 148-155(DMV.-Haus). R&mept t Pfand Pflaumen oder Zwetschgen— entsteint gewogen— in mögliehst kleine Stücke zerschneiden, mit 4 Pfd. Zucker unter Rühren zum Kochen bringen und 10 Minuten brausend durchkochen.H ierauf eine Normalflasche Opekta „flüssig" zu 86 P/g. hineinrühren ü. sofort In Cid- ser fällen. Genaueste Kochanweisung mit Rezepten liegt jeder Flasche bei. Vorsicht beim Opekla-Ein- kauf! Niehl zu oerwech- seln mit ähnlich lautenden Geliermitteln. Opekta i ist nur echt mit dem damp- Aap tut trOchien»•woontn /enden lO-Minuten-T opf. Opekta; rrock«n*Op«kU Ist Opekta In Pulverform von gleich hoher Qualität wie Opekta fiüttlg. 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September und enthält vier Abschnitte: Entlastung der Wirtschaft, sozialpolitische Mah- nahmen, kreditpolitische Maßnahmen und sonstige finanzpolitische Maßnahmen. Der von der Regierung amtlich dazu herausgegebene Kom> m e n t a r ist von kühnen Behauptungen über die guten Absichten und sichere Wirkungen der Maßnahmen voll. Da steht die unbewiesene Behauptung, daß die bisherigen Erfahrungen ergeben hätten, daß mit öffentlichen Aufträgen nicht genug Arbeit beschafft werden könne, und daß nur die Ankurbelung der Initiative der Privatwirtschaft helfen könne. Sorglich wird hervorgehoben, daß die Verordnung in enger Zusammenarbeit mit der Reichs- dank entstanden sei. Ebenso zuversichtlich wie das Spekulative der Verordnung ignorierend wird gesagt, daß„der Wirtschaft" nur dort Erleichterung gewährt werden, wo eine unmittelbare Be> lebung der Produktion und damit des Arbeitsmarkts mit Sicher» h e t t zu erwarten sei. Nicht ohne Erschütterung kann man die von Papen schon gegenüber chugenberg festgestellte Absicht der Regierung zur Kenntnis nehmen, daß die Reichsregierung g r u n d- sätzlich die Schaffung von Kontingenten zur Droste- lung der landwirtschaftlichen Einsuhr beschlosten habe, was endgültig erkennen läßt, daß die Landwirtschaft gegenüber der Industrie gesiegt hat und auch ein grundsätzlicher Wechsel in der Handelspolitik zu erwarten ist; dieser muß in größtem Um- fang auf dem Arbeitsmarkt wieder zerstören, was die Regierung von ihren Ankurbelungsmaßnahmen erhofft. Entlastung der Wirtschast. Bei den zur Senkung der Produktionskosten vorgesehenen lSüll Millionen Steuerentlassungen hat der Landbund seine Forderung auf höhere Anrechnung der gezahlten Grund- st e u e r bei der Gewährung der Steuergutscheine durchgesetzt. Bei der Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Grundsteuer werden jetzt ein- heitlich 40 Proz.(statt SO. 40 und 25 Proz.) der 1932/33 fälligen und gezahlten Beträge in Steuergutscheinen von den Finanzämtern für spätere Steuerzahlungen zur Verfügung gestellt. Den Steuergutscheinen sind fünf Abschnitte angehestet, von denen die Finanzämter bei der Zahlung jeweils ein Fünftel in den Iahren von 1934 bis 1938 abtrennen. Die Beförderungssteuer (Reichsbahn) wird nach wie vor zu 100 Proz. bei den Gutscheinen gutgeschrieben. Zugunsten der Landwirtschaft ist weiter die Umsatz- steuerfreiheit bei der Pasteurisierung(Erhitzung zur Erzielung von Keimfreiheit) der Milch verordnet. Der hausbesih erhält für die Durchführung von haus- reparaluren reine Subventionen im Betrage von 50 Millionen Mark. Die Reichsregierung hat die auf der Hamburger Tagung der deutschen Hausbesitzer kürzlich erhobene entsprochene Forderung glatt honoriert Ob Garantien für die volle Verwendung der von den Mietern gezahlten Reparaturbeiträge vor der Gewährung der Subvention geschaffen werden, müssen erst die Durchführungsverordnungen zeigen. Endlich werden die Steuerverzugszuschläge von 1)4 auf 1 Proz. auf je einen halben Monat gesenkt. Alle diese Maßnahmen sollen von der Privatwirtschaft her zu neuen Aufträgen führen. Die Zweiselhaftigkeit der Ergebnisse haben wir oft genug betont. Unmittelbar der Mehreinstellung von Arbeitern sollen die 700 Millionen Lohnsubventionen dienen, die unter den sozialpolitischen Maßnahmen behandelt werden(Vergleiche auch den Gewerkschaftsteil). Diese 700 Millionen sollen zur Mehreinstellung von 1�» Millionen Arbeitern beitragen. Vergleichsgrundlage bei der Gewöh- rung der Gutscheine von vierteljährlich 100 oder jährlich 400 M. pro Arbeiter soll der Stand der Belegschaft in den Monaten Juni, Juli und August 1932 sein. Ab 15. September berechnet sich die Zahlung der Einstellungsprämien. Die Mehreinstellung ist den Finanzämtern auf Grund von Unterlagen glaubhast zu machen. Vorenthaltung der Steuergutscheine und Versagung der weiterhin vorgesehenen Lohnabschläge bei Mehreinstellungen sollen U m- geHungen und Schiebungen bei der Inanspruchnahme der Einstellungsprämien verhindern. In den Aussührungsbestimmungen soll ebenfalls für Großbetriebe evtl. eine O b e r g r e n z e für die Lohnsubventionen festgesetzt werden. Um den Anreiz zur Mehreinstellung zu verstärken, werden ab 15. September progressiv die Löhne der geleisteten 30. bis 40. Arbeits- stunde gesenkt, wer 5 proz. mehr Arbeiter einstellt, hat das Recht auf einen Lohnabschlag von 10 proz., bei 10 proz. Mehreinstellung beträgt der Lohnabschlag 20, bei 15 proz. Z0, bei 20 proz. 40, und bei 25 proz. Mehreinstellung sollen für die 30. bis 40. Stunde 50 proz. vom Lohn gekürzt werden, praktisch kommt es hier, wenn ein Unternehmer von der 48stündigen zur 40slündigen Beschäftigung allgemein übergeht, was die Rebenabficht dieser Maßnahmen ist, zu der unerhörten Lohnkürzung für den einzelnen Arbeiter von insgesamt 27 proz. Der Borteil, aus den die Regierung rechnet, ist die Entlastung der Arbeitslosenversicherung und der Gemeinden von Unterstützungen. Das Maß der Belastung der Arbeiterschaft ist damit noch nicht voll: die Verordnung ermächtigt auch den Schlichter zur Unterschreitung der Tariflohnsätze in dem Fall. in dem Betriebe nicht anders aufrecht erhalten werden.können. Auch hier ist alles den Durchführungsbestimmungen vorbehalten; die Tarifparteien sind nur vorher vom Schlichter zu hören. Kreditpolitische Maßnahmen. Der Reichsfinanzminister wird ermächtigt, zur Behebung finanzieller Notstände Garantien in Höhe von 45 Mil- lionen Mark für Darlehen zu übernehmen, die an gewerbliche Kreditgenossenschaften und K o n s u m g e n o s s e n- sch asten gewährt werden: außerdem kann sich der Reichsfinanz- minister für diese Zwecke zur Gewährung von Zinszuschüssen in Höhe von 3,4 Millionen Mark verpflichten. Zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens in den Grenzgebieten werden ebenfalls Garantien im Betrage von 50 Millionen Mark vom Reichsfinanz- minister zur Verfügung gestellt. Für die Gewährung von Krediten an klein« und mittler« Betrieb« fall der Reichsfinanzminister insgesamt 40 Millionen Mark durch Vor- finanzierung der Industrieumlage zur Verfügung stellen. Sonstige finanzpolitische Maßnahmen. Aus den nach früheren Gesetzen den Gemeinden vom Reich zur Verfügung zu stellenden 072 Millionen Mark sollen für b e- sonders notleidende Kommunen den Ländern nicht wie bisher 10, sondern 20 Proz. vorweg zur Verfügung gestellt werden. Die Bürger st euer soll weiter erhoben werden. Die Gemeinden werden zunächst ermächtigt, vom Oktober bis Dezember die Steuer weiter zu erheben mit der Maßgabe, daß Verheiratete den 50prozentigen Zuschlag für ihre Frau nicht mehr zu zahlen haben und daß, nachdem die Verrechnungsgrund- läge von 1930 he.ute überholt ist, die Steuerbeträge um 25 Proz. gesenkt werden. Mit den gleichen Aenderungen wird aber z u- gleich für das Jahr 1933 die Forterhebung der Bürgersteuer angeordnet. An Stelle des starren Satzes der Frei- grenze von 500 M. tritt jetzt nur ein beweglicher Satz, der nach den Sätzen der Wohlfahrtsunterstützung berechnet werden soll. Bon weittragender Bedeutung ist das Recht der Finanzbehörden zur Beanstandung von Löhnen und Gehältern bei Betrieben oder Körperschaften des öffentlichen Rechtes(;. B. Gemeindearbeiter und öffentliche werksbelegschaften), die den Reichslöhnen und Gehältern „noch nicht angeglichen" feien. Diese Bestimmung kommt aus einen neuen Eingriff in die Unabdingbarkeit der Lohntarise heraus. Lei allen subventionierten Betrieben. das heißt Betrieben, die vom Reich, von einem Lande oder einer Kommune eine finanzielle Beihilfe erhalten(Kredite oder verlorene Zuschüsse, übernommene Zinsgarantien, Bürgschaften und ähnliches), sieht die Verordnung vor. daß für die Dauer der finanziellen Beihilfe die Dienstbezügc eines Vor- standsmitgliedes oder eines leitenden Angestellten einen Betrag nicht übersteigen dürfen, der in der Reichsverwaltung für vergleichbare oder gleichwertige Dienstleistungen bezahlt wird. Hier ist es voll- st ä n d i g offen, ob zu den vergleichbaren Leistungen zum Bei- spiel auch diejenigen der Direktoren der größten öffentlichen Be- triebe gehören, und ob die sehr hohen Nebeneinnahmen(Spesen, Tantiemen und Aufwandsentschädigungen) für Direktoren subventio- vierter Betriebe zu den Dienstbezügen zu rechnen sind. Die Verordnung des Reichspräsidenten„zur Belebung der Wirtschaft" hat gegenüber dem, was bisher über die Absichten der Regierung bekannt' war, nichts wesentlich Neues gebracht. Das Neue, was sie aber bringt, sind noch mehr Subventionen zugunsten der Privatwirtschaft und der Landwirtschast auf Kosten der Steuerzahler und aus Kosten des zukünftigen Ausgleichs im Reichshaushalt. Wirtschaftspolitisch bleiben die jetzt getroffenen Maßnahmen eine Spekulation, die zu den schwersten Rück- schlügen führen muß, wenn die Hoffnungen aus eine endgültige Wirtschaftsbelebung trügen. Der aus so breiter Front vorgenommene Abbau der Löhne muß zu furchtbaren Kaufkraftzer- störungen führen, wenn die erwartete Wirtschaftsbelebung nicht außerordentlich groß ist. Da aber die neue Wendung in der Handelspolitik den Export von neuem gefährden wird, be- steht die Gefahr, daß von hier aus jede Belebung auf dem Binnen- markt wieder unterbunden wird. Finanzpolitisch bleiben die Mah- nahmen ein Ritt über den Bodensee; jedem zukünftigen Finanzminister muß vor der spekulativen Zuversicht des jetzigen ein Grauen ankommen. Wie die Gemeinden finanziell zu Rande kommen sollen, wenn die Entlastung des Arbeitsmarktes nicht sehr groß ist, fragt man nach der dem Steuerzahler an sich willkommenen Senkung der Bürgersteuer vergeblich. Sozialpolitisch bleiben die Maßnahmen der Reichsregierung schlechthin unverant- w o r t l i ch angesichts der entscheidenden Bedeutung, die einer pfleg- lichen Behandlung der Arbeitskraft im industriell hochentwickelten Deutschland für jede Wiederbelebung der Wirtschaft zukommt. Oer Llmsturz der Handelspolitik. Wir erinnern den Reichswirtschastsminister an seine pflichi. Popens Zusagen in seinem Brief an Hugen- b e r g, über die wir schon kurz berichteten, kündigen eine Schwen- kung in der Handelspolitik an und müssen zu einem vernichten- den Schlag gegen den Industrieexport werden, wenn sie gehalten werden. Papen erklärte, daß sich die Reichsregierung im Grundsatz für die Anwendung von Kontingenten entschieden habe; er macht nur die Einschränkung, daß auf die Verhandlungs- läge mit den Handelsvertragsländern Rücksicht zu nehmen sei. Papen will die bisher schon durchgeführten einschneidenden Hilfs- maßnahmen für die Landwirtschaft zu einem„ausreichend wirk- samen Gesamtwerk vervollständigen". Das ist eine Bindung gegen- über den Forderungen Hugenbergs, die die vorher gemachte Ein- schränkung fast wertlos macht. Man kann kaum daran zweifeln, daß die Reichsregierung die Schwenkung in der Handelspolitik end- gültig vollziehen und damit den deutschen Jndustrieexport in der ungeheuerlichsten Weise gefährden wird. Der Reichslandbund bombardiert inzwischen die Reichs- regierung mit Telegrammen und die Oeffentlichkeit mit neuen Ent- schließungen. Das angekündigte Wirtschaftsprogramm der Reichs- regierung fei enttäuschend und beunruhigend. Die Landwirtschaft müsse feststellen, daß die Reichsregierung die Waffe des Einfuhr- kontingents zum Schutze der nationalen Produktion noch immer nicht in dem für die Landwirtschaft gebotenen Umfange anwendet. Dem wird die Drohung angefügt, daß jede Reichsregierung, „die sich nicht zu der wahrhaft konservativen Führer- t a t durchringt, die deutsche Landwirtschaft und damit das deutsche Landvolk zu dem sicheren Fundament des deutschen Volks-, Wirt- schafts- und Staatslebens zu machen, scheitern muß." Wir verlangen, daß der Reichswirtschaftsminister den Autarkiebestrebungen viel mehr Widerstand entgegensetzt, als bisher geschehen ist. Im Reichsernährungsministerium sind schon seit langem die Einsuhrmengen festgelegt, nach denen die Kontingen- tierung durchgeführt werden soll. Die Verabschiedung des Staats- fekretärs Trendelenburg muß heute in der Tat als Symptom dafür gewertet werden, daß das Reichswirtschaftsministerium die Interessen der Exportindustrie preisgibt, obwohl gerade der Reichswirtschaftsministcr die Verantwortung dafür trägt, daß die in den neuen Wirtschaftsoerordnungen angestrebte Belebung der Wirtschast nicht im Keime durch die Zerschlagung des Exports erstickt wird. Zur Konserenz in Etresa. Die Not der oft- und südostenropäischen Länder. In Stresa hat gestern die erste Sitzung des Komitees für den wirtschaftlichen Wiederaufbau der südosteuropäischen Länder begonnen. Das Lausonner Abkommen enthält die Verabredung zu einer Konferenz, die sich mit„Fragen des mittel- und oft- europäischen Wiederaufbaues"— zu lesen: mit der Frage, wie der drohende Zusammenbruch der kleineren Agrarstaaten in Mittel- und Osteuropa zu vermeiden ist!— beschästigen soll. Diese Konfe- renz hat unter französischem Vorsitz am 5. September in Stresa (Norditalien) begonnen: beteiligt sind an ihr fast alle europäi- schen Staaten: Deutschland,'Frankreich, England, Belgien, Holland, Italien, Schweiz aus der einen Seite und Oesterreich, Un- garn, Rumänien, Bulgarien Griechenland, Südslawien, Tschecho- slowakei und Polen auf der anderen Seite. Die finanziellen Fragen werden im Vordergrund stehen. Die Verschuldung der in Frag« kommenden Länder soll festgestellt werden und ferner will man untersuchen, wie die Schul- denlast dem Preissturz der Agrarprodukte anzupassen ist. Aus einem neu zu bildenden Fonds sollen den schwerst betroffenen Ländern Beihilfen gezahlt werden. Man redet davon, daß die Tilgung für die Auslandsschulden e i n g e st« l l t und die Zinssätze wesentlich herabgesetzt werden sollen. Offizielle Verhandlungspunkte der Konferenz sind die allmähliche Beseitigung der Devisen- bewirtschaftung und die Förderung des Handels der süd- osteuropäischen Staaten untereinander und mit anderen Staaten. Mit schönen Reden wird man sich aus dieser Konferenz nicht begnügen können. Die südosteuropäischen Länder stehen mehr oder weniger vor dem Bankrott; sie werden erdrückt vcyr Finanz- Verpflichtungen gegenüber dem Auslande und sind von dem Heber» angebot und dem Preissturz am Agrarmarkt schwer betroffen. Daß die Schuldnerländer(darunter Polen, Ungarn, Rumänien) da- bei sind, eine Einheitsfront zu bilden, um in Stresa ge- schlössen auftreten zu können, zeigen die Verhandlungen auf einer Agrarkonferenz in Warschau, auf der acht Länder vertrete« waren. Wenn auch ein« gemäßigte Entschließung diese Konferenz beendet hat, die polnischen Vorschläge gingen viel weiter, und in den Verhandlungen war man sich weitgehend einig. Allgemein wird gefordert, daß die europäischen Industrie» st a a t e n die Einfuhr von Produkten der Landwirtschaft und Vieh- zucht Südosteuropas durch Vorzugszölle gegenüber der überseeischen Einsuhr begünstigen. Darüber hinaus aber verlangen sie von ihren Gläubigerländern die Einräumung von bestimmten Ein» fuhrkontingenten; dadurch sollen die Auslandsschulden getilgt werden. Die Kapitaloerpflichtungen an» Ausland sollen also direkt durch Warenliefe« rungen abgedeckt werden. 750 Millionen öffentliche Aufträge? Oer Reichsregierung ist bei der rein prwatkapitalistifthen Wirtschastsbelebung nicht wohl zumute. Allzuviel Selbstvertrauen scheint die Reichsregierung In die wirtschastsbelebenden Wirkungen ihrer Maßnahmen nicht zu haben. Es wirkt überraschend, daß die offizielle Erklärung der Reichsregie- rung zur Notverordnung eine entscheidende Bedeutung öffent- l icher Aufträge im gegenwärtigen Augenblick leugnet, und daß auf der anderen Seite die Reichsregierung mit sehr großem Nachdruck unterstreicht, daß sie das bisherige Programm der öffentlichen Arbeitsbeschaffung stark erweitert habe. Nachdem die Oeffentlichkeit bisher nur von höchstens 300 bis 3 30 Millionen öffentlicher Aufträge wußte(nämlich 135 Mil- lionen für Straßenbau, Wasierbauten und Meliorationen und ähn- lichen Arbeiten), wird jetzt ein Programm für 51 Milliarden Mark öffentliche Aufträge angekündigt. Sieht man näher zu, dann erkennt man freilich gleich, daß die Regierung es sich leicht macht, die zusätzlichen 400 Millionen herauszurechnen. Denn darin sind enthalten 170 Millionen Reichsbahnaufträge aus den Steuergut- scheinen, dft die Reichsbahn erhält, 60 Millionen zusätzliche Postaufträge, über deren Finanzierung nur gesagt wird, daß sie gesichert sei, die Zusätzlichkeit ist ober osfen, ferner die 50 Millionen Sub- ventionen für Hausreparaturen, die 45 Millionen Kreditgarantien für Genossenschaften, die 50 Millionen Kreditgarantien für die Grenz- beihilfe und endlich die Vorfinanzierung der 40 Millionen Kredit« für kleinere und mittlere Betriebe. Man sieht, hier ist sorgfältig als öffentliche Arbeitsbeschaffung alles zusammengerechnet, was in der neuen Wirtschafts- Verordnung nur irgendwie und irgendwann einmal in Austrägen sich auswirken könnt«. Erstaunlich freilich, daß dazu auch Kredi- garantien gerechnet werden. Interessant ober immerhin, daß der Reichsregierung bei der jetzigen Vernachlässigung der öffentlichen Aufträge offenbar selbst nicht wohl ist. Der Karstadt-Konzern meldet für die Zeit vom 1. Mai bis 31. Juli 52,5 Millionen Umsätze gegen 49,3 Millionen im vorher- gehenden Quartal. Steigender Fahrradabsah. Die Adam Opel A.- G., R ü s- s e l s h e i m, meldet eine starke Besserung des Fahrradgeschäfts. Im ersten Halbjahr 1932 sind der Menjje nach 23 Proz. mehr Fahrräder als in der gleichen Zeit des Vorjahres abgesetzt worden. Im August betrug die Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahre sogar 50 Proz. Wenn der Gesamtumsatz wertmäßig nicht höher als im Vorjahr war, so beweist das, daß die billigen Räder bevorzugt wer- den und daß die Umsatzsteigerung zum Teil eine Folge von herab- gesetzten Preisen war. Opel hat jetzt auch die Fabrikation von Ersatz- und Zubehörteilen erheblich ausgedehnt. Nr. 44 9• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag. 6. September 4932 WM jM QXHQ. W H UMS vor ihr ausbreiten. Man kann doch nicht aufgucken, man kann doch keine ansehn, die kein Gesicht hat! Pfanne mit klebrigen Brat- kartoffeln, Dame ohne Unterleib, schmutziges Bett, Gestank nach ranziger Margarine, ?! Gilgi steht unten auf der Straße und reibt sich ihr Handgelenk. Hat der Junge einen Griff! Macht der sich das Leben schwer! Und den um Rat fragen! Der hat selber Rat nötig. Jeder für sich, Gott für uns alle. Gilgi zieht aus ihrem Täschchen ein kleines Notiz- buch: Fräulein Margarethe Täfchler, Thie- boldsgaffe. Da wird man jetzt Hingehn. Es interessiert einen ja schließlich, das Wesen zu sehen, das einen zur Welt gebracht hat. War gar nicht so einfach, den Namen von zu Haus rauszukriegen, die Adresse hat sie sich selber gesucht. Karneval liegt in der Luft... wie kütt die Mösch, die Mösch, die Müsch— bei uns en die Köch... aus einem Fenster plärren Ostermanns diesjährige Schlager. Gilgi geht die Domstraße entlang, am Hauptbahnhof vorbei— Samstag abend— das kriecht und wimmelt, hetzt und jagt, sie überquert den Domplatz, muß sich die Mütze festholten, daß sie nicht fortweht. Gott sei Dank, jetzt steht sie vorm Savoy-Hotel, hier ist es weniger stürmisch. Sie streicht sich den Trenchcoat glatt und die Haare, gibt der kleinen Basken- mutze wieder den richtigen Sitz. Biegt in die Hohestraße ein— Menschen, Menschen— das schiebt sich die schmalen Bürgersteige ent» lang, man kommt nur langsam vorwärts. Verkehrsordnung einhalten! Rechts gehen! Man wird ganz kribbelm, wenn man ge- wohnt ist, lange, flotte Schritte zu machen. An der Passage stehen ein paar trübselige Nutten, sie sehen brav, bieder und schlecht gelaunt aus, ohne Schminke und Attropin könnte man sie für entlassene Telephon- beamtinnen halten. Gilgi geht durch die Schildergasse.„Blumen— Blumen!" Ein verfrorenes, kleines Mädchen steht an der Ecke.„Gib man'n Strauß her". Gelbe Mi- mofen, wem soll sie die schenken? Sie wird sie der Mutter mitnehmen, die freut sich vielleicht. In der Thieboldgasse ist's dreckig und dunkel. Es dauert eine Weile, ehe Gilgi die richtige Hausnummer gefunden hal. Im Hausflur stinkt es nach faulem Fisch und alter Wäsche. Gilgi steigt eine Treppe rauf. noch eine, das Haus lebt: irgendwo kreischt eine Frau, weint ein Kind, schimpft ein Mann. Vor einer Tür liegt ein„Kölner Stadt-Anzeiger"... un wenn selvs der janze Fastelovend an Auszehrung engon soll, die Häresitzung der Große Kölner krige die Miesmächer nit kapot! An dem Humor und dem Festhalten ererbter kölscher Art rennen sie sich den Schädel ein... Oh, du goldner, rheinischer Humor!„Hütt dä Sau- kerl doch als widder et janze Stempelgeld versöffe", schreit eine Frau. Das Haus lebt, das Haus atmet. Gilgi werden die Beine schwer. Warum ist sie hergekommen, was will sie hier? Ufff, sie kriegt keine Luft. Schlapp machen gilt nicht. Da hängt ein schmieriges Zettelchen: Fräulein Margarethe Täfchler. Damenschneiderin, zweimal schellen. Gilgi schellt. Schluff— schluff— schluff kommt's näher— wie das stinkt hier im Haus, mir wird schlecht— tapp— tapp— topp— noch wär's Zeit, umzu... „Wer is da?" Warum wird denn nicht aufgemacht! „Es do jemand?" „Ja." „Wer?" ..Ich." „Zu wem wollenst?" „Zu Fräulein Täfchler." Eine Sicherheits- kette rasselt, die Tür öffnet sich:.Kommense erein. Fröllein, man muß hier so vorsichtich sein wegen de Einbrecher. Vorjestern Habense nebenan en ärm Frau niederje- schlagen, de Menschen sin esu schläch heutzu- tach, kommense hier erein, Fröllein." Ist sie das, ist sie das, ist sie das? Gilgi preßt den Mimosenstrauß an die Brust. Es fällt ihr nicht ein, Herzklopfen zu haben, es fällt ihr nicht ein. aufgeregt zu sein. Da ist ein Zim- mer mit einem schmutzigen Bett, gegenüber ein Gasherd, eine Pfanne mit ein paar kal- ten, klebrigen Bratkartoffeln drauf. Vorm Fenster steht eine schwarze Probierpuppe, die Dame ohne Unterleib. So leben wir. so leben wir, so leben wir alle Tage.. ..Setzense sich man, Fröllein." Die Frau fegt ein paar schmierige Wäschestücke vom Stuhl. Ein feines Mädchen! Wenn die bei ihr arbeiten lassen will— und was soll sie sonst wollen? Fräulein Margarethe Täfchler, Damenschneiderin. zweimal schellen— man muß sie ansehen. Gilgi— man ist hergekommen, um sie anzusehen. Weg die Augen von der Dame ohne Unterleib, da steht die Alte in der Ecke und plinkt nach dem Ofen, wo eine gerupfte Katze liegt, Miß, miß, miß— lockt sie und macht dazu einen schauerlich krum- men Zeigefinger wie die Knusperhexe aus „Hänsel und Gretel". Miß, miß, miß— will das Fräulein ein Kleid arbeiten lassen? Miß, miß, miß. Jeder will gern einen guten Eindruck machen, dann und wann. Zieht die eine sich schnell'neu seidenen Schlafrock über, lockt die andre'ne Katze hinterm Ofen vor. Miß, miß, miß— das ist sie, das ist sie. Gilgi klammert die Fin- ger um den Mimosenstreuß und spricht: ja. sie hat gehört von Fräulein Täfchler, sie ist ihr empfohlen worden, sie will sich jetzt was von ihr nähen lassen, ein Kleid mit Jäckchen, und den Stoff hat sie gleich mitgebracht. Das ist sie. Sie ist mager und vertrocknet. und ein Gesicht hat sie gar nicht, das hat sie verloren. Sie hat eine Bademütze, eine helle Bademütze auf dem Kopf, graugelbe Haar- strähnen hängen drunter vor.„Dä Mötz han ich auf wejen der Kopfschmerzen, dö hau ich ne kalte Umschlag drunger." Und Gilgi empfiehlt Aspirintabletten und besieht sich die Modejournale, die die Hexenfinger i)a ifi ein 3. im mer iml einem fritmulplgen Meli--- feuchte Wände und morscher Fußboden. „Elegante Welt". Schönheitsnummer. Die schöne Großmama schreibt ihrer Enkelin: Karneval, ach, der war zu unserer Zeit noch toll und köstlich, trotz der Maske war ich immer umschwärmt, denn man sah genug von meinem schönen Teint(dessen ganzes Geheimnis die Pfeilringpflegc war)... Miß Germany 1931...„das hättense auch werden können, Fröllein!" Und der Kopf mit der Bademütze lacht, das ist aber nicht wahr, das ist gelogen, das Lachen. Und der Kopf beugt sich und ist jetzt dicht neben Gilgis. Ich kann den Geruch nicht mehr vertragen, ich muß mir'ne Ziga- rette anstecken. Das Licht ist schlecht, man kann nichts rich- tig erkennen, wie kann man hier nähen! Das Nicht-Gesicht hat rote Augen, das sind keine Augen, das find ent- zündete Lider, die weh tun. Die schöne Groß- mama schreibt ihrer Enkelin... Du, du, du — warum läßt du dir das gefallen! Warum wohnst du hier, warum lebst du hier? Tot- schlagen sollte man dich, wenn du zufrie- den bist!— Nebenan spielt ein Grammo- phon: Trink, trink, Brüderlein trink... Warum bist du zufrieden?— Lasset die Sorgen zu Haus... Warum? Trink, trink... Abgefunden, abgefunden.— Bin's nicht anders gewohnt— Kenn' nur das Lied von den graublassen Stunden.— Gibt's was, das Mühe lohnt?(Fortsetzung folgt.) iU Mundslage ynelancJtolifcher Rückblick/ Ton Srich Preuße Die Sonne tropfte Feuer aui die Erde. Der Asphalt glühte. Es war zu 5hause und draußen unerträglich. Der Schweiß rann in Strömen. Vor mir lauerte die Schreibmaschine. Die oberste Tostenreihe reicht vom ß bis zum—. In den nächsten Reihen liegen nebeneinander die Typen bis zum—. Nun braucht man nur die Tasten anzuschlagen und die Berichte und Feuilletons trudeln aus der Maschine.. Aber es war nicht möglich zu arbeiten. Ich flüchtete in den Schreber- garten, der meinen Wirtsleuten gehört. Da blühten die Gladiolen, Montbrctien, Dahlien und Astern. Die Rosen setzten die zweiten Knospen an. Das Bohnenkraut hing verdorrt an den Stangen. Der Kürbis war wohlauf und schickte sich an. den Garten zu erobern. Hinter den breiten und rauhen Blättern sahen d>« gelben und grünen Köpf« hervor. Die Hitze brütete schlaff und matt. Ich saß in der Laube, und mein Gehirn begann zu fließen. Ein fetter Brummer hielt auf dem Manuskriptpapier Siesta. Flog, aufgeschreckt, einige Runden und setzte sich beharrlich wieder aus dieselbe Stelle. Bis er in Ruhe gelassen wurde. Ich trollte wieder noch Hause und suchte einen Waschzuber hervor Das Wasser aus der Leitung war schon schaumig, eh« es kalt lief. Aber dann ließ sich's aushalten... Abends, wenn es sich etwas abgekühlt hatte und somit die Möglichkeit gegeben war, zu ar- beiten, störten die Laussprecher. Aus fast jedem Fenster knarrte, quäkte und psiss das. Seit die Sender nun unter dem neuen Kurs lausen, ist es besonders erbaulich, alle diese kleinen Apparate. die nur den Ortssender sassen können, einstimmig die„Wacht am Rhein" und ähnliche schön« Lieder kreischen zu hören. Weiß der Teufel, welches Vergnügen die Leute dabei haben, ihre miserablen Lautsprecher an die geöffneten Fenster zu stellen und sie mit größter Lausstärke„Lieb Vaterland. magst nchig sein" brüllen zu lassen. Ich floh in den Garten. Auf dem freien Platz an der Laubenkolonie aber hatte sich ein Wanderzirkus niedergelassen. Die Musiker bliesen mit Vehemenz: O Mona, o Mona... Die Wachhunde machten ihnen Konkurrenz. Und so heulten sie vereint den Mond an. der breit und behäbig über den Himmel schaukelte. Ich entwich in den Friednchshain Ein leiser Wind verwehte. Die Luft war feucht und schwül. Eine Welle Blumenduft und Rasen- otem flutete durch den Park Es roch welk und erdig. Irgendwo sang ein Vogel im Schlaf: Zück- zllck-zück-zllck-ri-ri-pi-ping. Ein blosser Mond über- zog die Baumkronen mit fließendem Silber. Bogenlampen überspülten die Alleen mit Licht. Auf den Bänken unter den Lampen saßen die unentwegten Skatbrüder. Diskussionsgruppen standen beisammen Junge Leute lutschten an Waffeltüten. Aus dem Dunkel der Anlagen stieg Mädchenlachen aus. Die Nächte waren voller Schwüle. Der Straßenlärm pochte in den Halbschlaf hinein. Morgens um 6 Uhr begannen die Lautsprecher zu röhren. Später kamen die Müllkusscher und bollerten mit den Aschkübeln. Da brannte schon die Sonne heiß und sengend Eines Morgens kam der Töpfer. Er meinte. der Oien müsse umgesetzt werden. Da bin ich ausgerückt und habe eine Sommerreis« unter- nommen. Ich fuhr nach Hamburg, nach der Heimat. Der Zug war kaum besetzt Es hat heute kein Mensch Geld zum Reisen. Wie hat sich Hamburg in einem Jahr, als ich zuletzt dort war, verändert! Einstmals strömte die Welthafenstadt«ine unbändige Kraft aus. die lebensvoll über die Meere drängte. Jetzt pulsiert in den Straßen ein Leben, dem das unerbittliche Verhängnis der Arbeitslosigkeit seinen Stempel ausdrückt. Wo sonst die Arbeit ihr ehernes Lied donnerte, grinst die nackte Fratze der Not. Gegen die mächtigen Kontorpaläste prallt der Rhythmus eines toten Geschehens Ich fuhr über die Elbe nach Harburg-Wil- helmsburg. Eine aufblühende Industriestadt van über lOOOOO Einwohnern ist zum Feiern ver- urteilt. Die Fabriken haben keine Austräge. Die Arbeiter drängen sich, wie in Berlin, vor den Stempelstellen und warten in den Wohlsahrts- ämtern. Trübe szoffnungslosigkeit umdüstert die Gesichter. Meine Schulkameraden von srüher, Bürgersöhne. sind fast alle arbeitslos und stehen alle, aber auch alle bei Hitler. Eine trübe Metaphysik verschleimt ihre Gedanken. Die gewissenlose Hetze, die hier tagtäglich von einer faschistisch aufgemöbelten Meute von Lokalblättchen, die krüher im General- anzeigergenre schrieb, besorgt wird, ist nicht ohne Folgen geblieben Eine.Unterhaltung mit Bc- .kannten nahm etwa folgenden Verlaus: nachdem sie mein Abzeichen der drei Pfeile gesehen hatten, meinten sie:„Daß du noch nicht vernünftig ge- worden bist—". Als ich die Absicht äußerte, in nächster Ze-t für immer nach Harburg zu kommen, warnten sie(und kamen sich dabei ungeheuer gut- mlltig vor. daß sie mich warnten):„Bleib bloß in deinem Berlin! jhier wird nächstens aufge- räumt... Alle hiesigen Sozis werden aufge- Johann ZPinneberg Schreibt an denfflerrnffieichskansler Hochverehrter Herr Reichskanzler, gestatten Sie, daß ich mich vorstelle. Ich bin der Johannes Pinneberg aus dem Buch von Hans Fallada:„Kleiner Mann— was nun." Ja, ich bin mit meinem Lämmchen und mit meinem Murkel von Duchsrow nach Berlin ge- kommen, habe hier bei Mandel in der Konfektion gearbeitet, konnte die Quote nicht erreichen— und wurde entlassen. Seit 16 Monaten bin ich nun erwerbslos. Ich wohne in einer Laube, die mir mein Freund Heilbutt— sozusagen umsonst— zur Verfügung gestellt hat. Meine Frau geht nähen — und ich, junger Mann von 2b Jahren, bin bei meinem Murkel, der schon Beppo sogen kann. allein— und warte, warte—! Sehen Sie. sehr geehrter Herr Reichskanzler, ich bin nur ein kleiner Mann. Bin in Pommern ge- boren, habe die Volksschule besucht und dann war ich in der Lehre! Nachher kam das mit Lämmchen. die beste Frau auf dieser Welt. Nun hörte ich, denn eine Zeitung kann sich unsereins nicht kaufen und auch fürs Radio reicht das Geld nicht(für Frau und Kind habe ich knapp l? M. die Woche), daß die alte Zeit kommen soll, und ich habe sie ausgehoben, die Zeitungen aus der Straße, und dachte, nun wird es besser, denn es sagten die Leute:„Der Pape», das ist ein starker Mann, der wird es schaffen." Da habe ich mich gefreut und Hoffnung geschöpft und zu meinen, Lämmchen gesagt:„Siehst du, da hast du es mit deinen Kommunisten, die machen es nicht, aber unser Reichskanzler, der gibt uns Arbeit und Brot, der läßt uns wieder Menschen werden". Und dann, Herr Reichskanzler, haben wir zu- sammengesessen und Pläne geschmiedet und waren ganz ordentlich glücklich. Nun würde es doch nur noch wenige Tage dauern, dann hat das Elend ein Ende. Aber nun warte ich schon mit meinen: Lämurche« und unserem Murkel sehr lange— und es passiert nur nichts, sondern als ich dos letztemal bei der Krise war, da haben sie mir 2 Mark weniger gegeben. Der Beamte war barsch und sagte:„Jetzt wird Schluß gemacht mit dem Wohlfahrtsstaat". Als ich ihn so fragend anguckte. hat er mir noch gesagt:„Ja, ja, das hat der Reichskanzler gesagt" Aber das ist sicher nicht wahr, obwohl Lömmchen— aber über Lämmchen will ich nichts sagen. Und dann sollte ich doch recht bekommen. Eines Tages sah ich die ersten mit solchen neuen schönen Anzügen— und da mar ich atemlos zu Lämm. che» gelaufen und habe ihr gesagt:„Siehst du, Lämmchen, die Regierung hilft doch, jeder be- kommt einen neuen Anzug". Aber Lämmchen hat nur gesagt:„Junge, Jung«, du bist ein Einsaltspinsel". Ja und nun höre und lese ich auch manchmal so viel von den„nationalen Belangen", von der Einheit der Nation und dem Interesse der Staats- autorität. Da denke ich immer eben, daß wir, die vielen Arbeitslosen, gemeint sind— aber Läinm- chen sagt wieder,„es sind nur die Generäle ge- nieint". lind weil ich nun mich das erstemal mit meinem Lämmchen richtig gezankt habe, schreibe ich, Io° Hannes Pinneberg aus Ducherow, jetzt Berlin, an den Herrn Reichskanzler und frage an, wie es nun mst unseren Belangen ist, wann die alten llnterstützungssäize ausgezahlt werde»— und wann es Arbeit gibt, denn, und darin muß ich Lämmchen wieder recht geben, die Uniformen, die Geiöehre und der Kommandoton können uns nicht satt machen. Aber verzeihen Sie, Herr Reichskanzler, das ist nur die bescheidene Ansicht eines kleinen Mannes — der nur fragt: was nun? Hochachtungsvoll Johannes Pinneberg aus Berlin, z. Zt. Siedlung Grünheide. HZngt!� Dos glauben sle nun Im Ernst� Ich habe ihnen erwidert, daß, wenn sie alle Sozialdsmo- traten an die Laternsnpsähle hängen würden, s i e deshalb doch nicht Heller sähen. Ich sollte nicht spaßen, meinten sie. Der Gauleiter der Nazis sei schon in Harburg eingetroffen, um die Macht zu übernehmen. Und wahrhastig, dieser „Arbeiterführer" bewohnte d'e ganze zweite Etage des feinsten und teuersten Hotels in Harburg... Auf dem Lande sieht es noch schlimmer aus mit der Hetze. Die Dörfer stehen unter einer kaum verhüllten Diktatur der Nazis. Sie ergehen sich in wilden Drohungen gegen alle Anders- gesinnten. Es gehört heute Mut dazu, sich, auf dem Lande wohnend, als Republikaner zu be- kennen. Zwei Bardowicker Lehrer sind aus der SPD. ausgetreten. Aus„Vorsicht". Mein Onkel, der im Ortsvorstand der Partei sitzt, hat den beiden Konjunkturpolitikern noch mehr Angst ein- gejagt: die Nazis würden sie wohl trotz Vorsicht hängen... Hängen ist übrigens jedes dritte Wort, das hier in einer politischen Debatte fällt. Hängen, Aufräumen und Totschlagen. Ein Bar- dowicker Nazi hat erklärt:„Na, nun werden wir bald aufräumen! In der Piperstraße fangen wir an, da wohnen die meisten Sozis und Tannen- bergbündler." Die Ludendorff-Anhänger und die Nazis können sich nämlich nicht riechen. Und der Tannenbergbund ist stark in Bardowick, weil die meisten Welsen zu Ludendorff übergeschwenkt sind.(Die frommen Bauern beginnen sogar aus der Kirche auszutreten... Der Ortskaufmann, «in Tannenbergbündler, hat erwidert:„Lat jümm man kamen! Ick heff noch'n gauden Prügel in de Eck stahn!" Das kennzeichnet so ungefähr die Stimmung... Einer meiner Verwandten, ein früherer Reichs- wehrfeldwebel. der politisch neutral ist, hat mir folgendes erzählt. Er ist auf der Saatreise zu einem Bauern gekommen. Zu einem Großbauern. Der hat gesagt:„Jetzt kummt Adolf bald an de Macht! Dann ward wi ja für unfern Roggen bat Geld kriegen, wat wi Hebben möt. Und de SA., de arbeit' denn umsünst. De brukt wi nich Lohn betohln. Dann lewt wi aber..." Sein Knecht begrüßt meinen Verwandten:.Letzt kummt bald Adolf— dann kriegt wi doppelten Lohn..." Der Nachbar ist ein Kleinbauer, der Roggen kaufen muß..Letzt kummt bald Adolf an de Macht... Da ward de Roggen billiger..." Sie sind wie mit Blindheit geschlagen. Sic sehen nichts, und sie hören auch nichts. Da sind die Unterführer. In ihnen ballen sich Strebertum, Neid, Engherzigkeit, Dumpfheit und Dummheit zu einem teuflischen Klumpen zusammen, Di« Heils- gläubige Mass« vertraut blindlings dem, was jene ihr vorschwägen. Die größten Narreteien werden kolportiert und geglaubt: Hindenburg sei SPD.-Führer usw, usw. Und dann die Presse! Die steht auf einem Niveau, das kaum noch zu unterbieten ist. Sie entfaltet ein« hemmungslose Hetze. Die schamlosesten Lügen werden ungestraft oerbreitet. Da nun die Press« bekannterweise Zustände nicht nur spiegelt, sondern auch macht, können sich diese bei jener bedanken, daß sie sind. wi« sie sind.... Natürlich bin ich jetzt vom Thema abgerutschi. 14 Hundstage... Ich habe sie am und im Master schließlich überstanden. Mit einer vor- schriftsmäßigen,„bracht"vollen Badehose ange- tan... 'ICulhan Qurdnt: ü)as ffl die£iebc der Banditen Mit Speck fängt man Mäuse. Womit sängt man aber Banditen? Das war die Frage, über die sich der ehrenwerte Herr Polizeipräfekt der Stadt Marseille seit Wochen schon den Kops zerbrach. In Südfrankreich lebt noch die alte Räuberromontik, wenn auch in durchaus modernen Formen. Die alten Flinten und Dolche der berühmten Räuberdynastien sind zwar alle schon lange im Museum von Marseille, ober die Sprötz linge der„Dynastien" leben und halten Maschinen- Pistolen modernster KonstrukNon in der Hand. Ein solcher Nachkomme eines„bekannten Gc- schlechts" war auch der Bandiot Moqueur, berühmter Bandeniührer, der unzählige Banküberfälle und große Räuberfeldzüge aus dem Gewissen hatte. Moqueur war e? auch, über dessen Fest- nähme sich der Herr Polizeipräsekt so sehr den Kops zerbrach. Keine Falle war fest genug für den Banditen, lind„biß" er einmal an, und die Polizei umstellte ihn, dann war leider Moqueur immer der erst«, der den Revolver zog. Marseilles Präsekt war verzweifelt. Schon be- gann man in Paris über sein« Hililosigkeit zu lachen, schon begann der Bandit volkstümlich zu werden durch seinen Humor, er schrieb nämlich immer nach jedem gelungenen Banküberfall ein selbstgedichtetes Spottlied, das er dem Herrn Prä- iekten, und, was noch unangenehmer war, auch der Morfeiller Preste übersandte. Eines Tages setzte der Bandit seiner Frechheil die Krone auf. Er brach in die Wohnung des Präfetten ein, stahl besten Uniform und spazierte, gegrüßt von der gesamten Verkehrspolizei, so an- getan eine Stunde lang durch die Hauptstraße Erst später erfuhren die braven Schutzleute, welchen„hohen Offizier" sie gegrüßt hatten. Nun war es vorbei mit der Geduld des Prä- selten. Tagelang schmiedete er an einem Plan und dabei erinnert« er sich, daß der Mensch zwischen der dritten und fünften Rippe ein Organ besitzt, das Herz, dos auch in der Bonditenbrust schlägt. Di« Aerzte sind zwar der Ansicht, daß das Herz mit der Liebe nichts zu tun habe, und daß es viel wichtigere Aufgaben erfüllen muß. aber der Herr Polizeipräsident und wir alle wissen genau, daß dos Herz eben doch schneller schlägt, wenn man verliebt ist und das Herz des Banditen Moqueur schlug schneller! Es schlug schneller lür die schöne Elija Carbonel! So fängt man Banditen, dachr« mir Reckt der Polizeipräfekt. Hier war der schwache Punkt des Röuberkönigs. Schon am nächsten lag war Elisa Carbonel zu einer Konferenz im Zimmer des Polizeipräsidenten eingeladen und, ach wie so trügerisch sind Frauenherzen, sie erklärt« sich zum verrat bereit. Der Verrat war hier eine Frage des Kostenpunktes und die Belohnung war so an- sehnlich und Elisa träumt« schon so lange von einem kleinen Haus und einem eigenen Garten... Mademoiselle Carbonel schrieb an ihren früheren Freund, den Banditenrönig, unter einer posrlagernden Adresse. Sie schrieb, was alle Frauen, treue und untreue, in solchen Fällen schreiben.„.Mon eher, ich habe Dich nicht ver- gessen. je t'sime— ich liebe dich—, gib mir ein Lebenszeichen, und ein Zeichen, wo wir uns treffen können..-" Der vorsichtige, der kluge und gerissenst« Bandit ganz Südfrankreichs ist auch nur ein Mann, er schrieb. Moqueur verabredete mit der schönen Elisa ein Rendezvous und gab ihr seine geheimste Adresse preis. Elisa erschien... und Moqueur vergaß die Welt, er vergaß, wie sonst jeden Augenblick aus dem Fenster zu blicken, sonst hätte er sehen können, daß dos ganze Haus von Polizei umstellt war und zwei Maschinengewehr« auf die Tür gerichtet waren Elisa selbst öffnete der Polizei die Tür und der Bandit blickte sie an und begann erst jetzt alles zu verstehen. Zum erstenmal zog Moqueur nicht den Revolver, sondern hielt seine Hände hin den Polizeibeamten für die Handfessel. Zwanzig Jahre Zuchthaus bekam er, weil er nur geraubt, ober nicht gemordet hatte. Dem Richter sagte er als Schlußwort:„Ich nehme an. Vielleicht wird die Welt in 20 Jahren weniger gemein sein!" und dabei sah er Elisa Carbonel an, die auf der Zeugenbank saß. «aal» Thcaler Dienstag, den 6. September Staatsoper unter den Linden 19 Uhr Die Walküre staatliches Schauspielhaus 19 Uhr (Neueinstudiert) Was ihr wollt TlsL( o. Uhr JACKSHEA WILSON. KEPPEL BETTY /TOGARE LAI-POUN/OENIA NIKOLAJEWA TRIO DARESCO PLAZA Ufa$41«.»dl, Se.PMtp.Z.S.B1'!). nWiHmUDil Eammersplele Weidendamm 5201. Eröffnung Freitag. 9. Sept. 8 ilin rraufftthrung „Schicksal nach Wunsch" ImMtv. Christi Wlnloi Rep: Rgdoll Beer NriiarettNdur, Um« Ullridi. Jfaina Rismana. Ilfnd ttfl. Uns BnnuwittEr Kartenverkauf von 10 bis 18 Uhr ununterbrochen Schiller Orolmannr. 70/71 SteinpL(01)6718 TSglich 8 Uhi „Die versmikaic Olocke" Kassenständen tkgl. 10-20 Uhr Berlin kann wieder lachen! Jinnemawie da* kleine Tanrm&del Volksoperelte— Musik von Gilben Vorher ein bunter Teil. Preise 0.S0 M. 0,75 M. und 1,— M Jedes Slg. udim. 4 Uhr ditganu fgrstg. zu kl. Cr . Theater im lAdmlralspaiast I Täglich 8Zi Uhr | Gitta Alp a r in Hatharin» Heaterd.Westens Tägl.»'/. Uhr 1 Nichard Tauber in I DreimSderl. I haus netropoi-meaier Taglich 81/« Uhr 1 »rißt Massary «5 8 Uhr 15. Flora 3434 Ronffionori. Das berühmte Dayelma-Baiieft Paul Beckers. 3 Su/ltts »•/«uhr CflSlflO- THEATER � Uh' Lothringer Straf)« 87. ■ llllllllllilMIIIIIIMIIIMIIIMIIIMIMIII Allen unseren Freunden geben wir hiermit tieferschüttert bekannt, daß der erste Vorsitzende und Gründer unserer Gemeinschaft Herr Staatssekretär i. e. R. Heinrich Schulz nach langer, schwerer Krankheit unerwartet am Sonnabend, dem 3. September, einem Herzleiden erlogen ist. Der Vorstand Prof. Aug. Kraue 2. Vorsitzender. Der ArbeltsaussehuB Rechtsanwalt und Notar Werda Syndikus. Stettiner Sänger Reichshallen-Tbedter (Dönhoffplatr) IPrlur A. 6. 1 247. Dir. Beisel Tägl. 8.18 Uhr, Sonntags 130 Uhr(ermäBigte Pr.i ErOfTnnn geprogramni mit der Burleske Freibad Krumme lanke Neue Kräfte, Preis« 0.50 bis 2.25 M. Vorverkauf 11—2, 5—9 Uhr. Ein« Fun, die weit. was sie will I blWMyk Rgsfeufont Berlins msm Deutscher Metallarbeiter-Verband As Uhr, erlöste ein sanfter Tod meinen Ober alles geliebten Mann, unseren innigst, gellebten Vater, unseren lieben Schwiegervater und Großvater Heinrich Schulz Staat ue kr et Ar L e. R. von seinen Kämpfen und Leiden Bin-Eichkamp. Königsweg 84. d 4. September 1082 Mafa Sdiols geb. Kahn Gertrud ädtulz geb. Stahl Agnes sdsalz-Llditerfeld Susi üdiuls.HaefeHn Klaus Schuir Walter Llcbterfeld Max Haefelin und Enkelkinder. > Die Trauerleier findet am Donnerstag, dem 8. September, nachmittags.3 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Am 4 September verstarb nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser herzensguter Vater Otto Kraatz im 54. Lebensjahr Berlin S 59, Grüfestr. 19 Im Namen der Hinterbliebenen; Berta Kraatz und Kinder Die Trauerfeier findet am Donnerstag, dem 8 September. 17 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg statt E. 1. J. 273. 28. Bekanntmachung. ?«r Schriftsteller Karl Kaufmann. Mitglied des Rerchstage», ist durch llrfeti des Schöffengerichts in Oranienburg vom 8. Dezember 1981 wegen bffent- Itcher Beleidigung des Preußischen Mtnisterpräsidenfen vr. h. c- Braun, begangen durch die Presse, zu einer Geld. ftrate oon 1000,— RM.. an deren Stelle int Falle der Uneinbringlichfeif 20 Tage Gefängnis treten, verurteilt morden. Berlin, den 2S. August 1932. Set Oberstaatsanwalt bei de« Landgericht IN. Ravnnfiaza■tttu&i ua de KLEinm AfizQ&n DcMIUUCia le der Genrat-Anflage hfllinl tu.forakU" lad trabdeu itBenrdeetlidi Ullliy J Siniilileiiuilmllujulliziilisvironireftafraktiiiii Krcuzberg Am Sonntag, dem 4. September, verstarb nach schwerem Leiden unser lieber und treuer Genosse Otto Kraatz im Aller oon 54 Sohren Wir sedieren in dem Verstorbenen einen guten fisllegen, dessen Anden len wir stet» in Übten holten werden. J. 21: Der FrakHonevortUnd. Die Einäscherung findet am Donner». tag. dem 8. September. 17 Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. statt Am Sonntag, dem 4. September d. J., verstarb nach schwerem Leiden im 54. Lebensjahr unser Freund nnd Kollege, der Angestellte unserer Ortsverwultnng Otto Kraatz Als Hann von Pflichtbewußtsein und lauterem Charakter hat er stete das Beste für seine Kollegen und seine Organisation hergegeben, und war er uns stete ein aufrichtiger Freund und Mitarbeiter. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet Donnerstag, 8 September, nachm. 5 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Rege Beteiligung erwartet Deutscher Metallarbeiter-Verband Ortswerwaltung Berlin Die Ortsverwaitung Die Angesiellteii Gewipnauszog 5. Klasse 39. Preubisch-Güdbeutscht Staats-Lotteri«. Ohne Gewähr NachdruZ verböte« Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewstwe gefalle», und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer In den beiden Abteilungen l und II 24. Ziehungstag S. September 1932 3n der heuligen Dorinitlagsziehuog wurden Gewinne über 41X1 M. gezogen 8 Stumme 5000 322. 16117 101333 118933 227934 18®«oiim.»1 3000 W. 66558 96533 196233 210036 212057 252078 201310 323763 387121 62 Ifattümt tu 2000 all. 2178 3313 40035 41435 65456 73747 77175 102956 114860 127796 181050 186162 212283 223351 237291 241269 248100 286117 280363 268015 296157 311217 326278 354986 370008 371248 378060 3S2941 385914 399447 399787 128»mmm»«u 1000 Ol. 3059 3871 17568 30229 30249 42886 54976 59272 65103 85309 65835 85520 106422 122982 123493 135345 137403 141340 141624 155167 157251 152709 168576 169912 179903 190327 191225 199415 200283 210436 218608 219708 225390 226565 230697 241797 252596 273977 275997 281 595 282951 285656 286014 287392 295230 297921 302757 304712 316685 324304 325413 323286 326934 332059 337319 338615 342131 351722 353282 363024 375920 376388 384780 391 949 190»otDium!U 500 7-. 2062 6350 20768 28017 20830 38533 47626 48898 49697 55831 68930 60569 81931 83029 85167 85622 90129 91814 105780 108597 114099 117652 113449 125136 128877 134917 142918 152550 136493 164826 164982 167740 169920 173429 179399 180433 185357 185613 166397 189206 196466 195760 198395 1931S9 200335 201861 203910 216224 221502 226710 238120 239311 240348 241993 242333 244589 255156 255041 256657 253181 263959 268515 289261 278658 279922 280324 285043 291413 303426 307025 314193 321388 323454 324634 327613 330055 333712 334035 341023 341625 342651 343381 345223 360974 361087 363800 367813 368295 373070 373458 374680 378552 381718 383495 387442 cta der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Getvimu|S 25000 W. 60293 4 j« 10000 TB. 146816 255388 8 eatuim« jo 5000 M. 54389 69483 220903 362414 10»«BUuu ,v 3000 W. 110357 113415 224897 343013 365433 38 emmm.«* 2000 32. 24527 30041 39992 43949 49274 88240 104091 112444 158469 172045 197663 199355 298006 318292 326704 350053 387166 387486 70©«m™. n 1000 an. 10219 23698 36220 51582 56135 58113 73182 94541 119781 135975 154734 172044 206436 214182 219961 221700 233388 254027 254360 258471 262923 293442 296396 301347 304597 314275 328579 327087 330791 382002 366230 366513 376334 384963 389321 160»eioinu. m 500 SIL 17892 19157 19562 20014 24699 28642 32091 43361 50363 56822 58940 68709 73139 96683 97392 108117 II 1368 117975 118602 126422 135281 138752 144850 147031 148135 149226 150926 153179 175642 175684 1 7821 7 179881 193205 1945S5 189939 206758 207907 212803 220494 221864 231145 240420 245379 246057 251120 254399 258123 263027 263910 272026 281931 232624 284731 268253 290930 293732 301954 309839 316033 316203 325799 326634 336722 342122 356863 358277 360244 363025 363273373326 374321 375198 377813 382390 384214 386750 339291 392666 394389 395153 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien je zu WOOM. ICO Schlußprämien zu je 3000, 2 Gewinne zu je 75300, 2 zu je 50000, 6 zu je 25000, 26 zu je 10000, 103 zu je 5000, 182 zu je 3000, 460 zu je 2000, 942 zu je 1000, 1606 zu je 500, 4906 zu je 400 M. | ueritöute Zattttn Sc.llaf. lldlvni«. strafte 9. frlÖDBl tfatenttnafzagt* „$timi(runo* Me. tallbetten. fluflege- matraften. Waller Slargarderstiafte achtzehn, stein Laden 3a äRotftoU- oebäube. Breite- strafte 84, gebrauchte || MSbel spottbillig. Total- | betabnefeftte Preise! sVochlaßimmer. Eiche, . 22ö,—, Schlaf, im. rnei, poliert, 295,— Rüche, kompl. H,— Spetfejttnmet, zu. rückgenommen, 195,—, Bücher- schzänt« 28,-. 30 [ SlnNeideschränte zu halben Pieifen. i Teilzahluna ge- 1 stattet. Möbel- I Schräger, stastanien- atfee 45— 49, Hof. gebaude. Oleifez. äUatanbemiolL Möbelkataldg Ztr. 33 gratis. Schlaf, immer 250— 550, Dielen- aarnituren 20—75. st amerling, stasta. nienallee 56(Ccfc Fehrbellinerstrafte). Sftftintmtt, modern, Büfett. An, richte oder Pitrtne prima Material. Zill.-. 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