Morgenausgabe Nr. 421 A 205 49. Jahrgang Wöchentlich 75 Pf, monatlich 3,25 2JL fdavon 87 Pf. monatlich für Zustel- Iimg ins Hans) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschliefjUch 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellge» biihren. Auslandsabonnement 5,ss M. vro Monat; für Länder mit ermäßig» tem Druckfachenporto 4.65 M. »ei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht lein Anspruch der Abonnenten auf Erfag. Grs chetnungsw elf e und Anzetg enpreif e stehe am Schluß des redakrionelleo Teils. or— Verttnev Vowsblati Miiiwoch 7. September 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 Pf. Jentvalorgan der Sozialdemokratischen Partei DeutschlämW Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 sternspr.: Dönhoff(A T) 292— 297. Telegrannn-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Borwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37538.— Bankkonto: BankderArbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. S. Dt.B.n.Disc.-Ges., Depositenk., Jerusalemer Str. KSiöst. »taa 9 Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ruft zur Offensive gegen Lohnraub. Die sozialdemokratische Fraktion hat im Reichstag den Antrag gestellt, die Verordnung des Reichspräsidenten«.zur Belebung der Wirtschast" vom 4. September 49Z2 und die aus Grund dieser Verordnung erlassene Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit vom 5. Sep- tember 1932 außer Kraft zu sehen. Der Antrag ist gestellt, weil die sozialen Bestim- mungen der Notverordnung als unerträglich und die wirtschaftlichen Bestimmungen als der- fehlt angesehen werden. Bei der grossen Tragweite dieser Verordnung für die Lebensverhältnisse dcS gesamten Volkes wird die Sozialdemokratie dahin wirken, daß der Reichstag unverzüglich zu der Not- Verordnung Stellung nimmt. Die sofortige Stellungnahme ist aber auch auS einem besonderen Grunde erforderlich. Die unter Bruch deS TarifrechtS vorgesehenen maßlosen Lohnkürzungen sollen nach der Verordnung bereits vom 15. Sep- tember ab, also in wenigen Tagen, in ftrast gesetzt werden. Tie Regierung hat die„Tarifauslockerung" und damit den Lohnabbau aus den frühest möglichen Termin gelegt, während alle übrigen Maßnahmen des WirtschaftSProgrammS erst in den nächsten Monaten durchgeführt werden sollen. Tie will vollendete Tatsachen schaffen, die durch Maßnahmen deS Parlaments nicht mehr geändert werden können. Der Zusammentritt deS Reichstags am 12. September läßt daher nur wenige Tage Frist zur Verhinderung des allgemeinen Lohnabbaus durch die Lffensive der Regierung. Die beste.Parade ist d e r H i e b! Nach diesem Grund- satz verfährt die Sozialdemokratie, indem sie fordert, daß der Reichstag unverzüglich zur Lohnraubverordnung der Re- gierung Papen Stellung nimmt. Solche Stellungnahme, die nur in der Forderung nach sofortiger Aufhebung bestehen kann, ist keineswegs nur eine leere Demonstration. Solange die Reichsverfassung gilt, ist der Beschluß des Reichstags auf Aufhebung einer Notoerordnung ein der Regiening erteilter und von ihr auszuführender Auftrag. Die Reichsregierung kann und wird auf einen solchen Beschluß durch Auflösung antworten, sie setzt damit aber den Beschluß selbst nicht außer Kraft. In einem ähnlichen Konfliktsfall hat man sich damit geholfen, daß die Regierung zwar die vom Reichstag beanstandete Verordnung aufhob, sie jedoch sofort wieder mit einigen kleinen Aenderungen neu erließ. Ein solches Verfahren zu wiederholen mit dem Ziel, die Löhne der Arbeiter gegen den Willen des Reichstags zu kürzen und die ganze Sozialpolitik gegen den Willen des Reichstags abzubauen— das wäre nicht nur vom staats- rechtlichen, sondern auch vom rein menschlichen Standpunkt aus eine Ungeheuerlichkeit. Diejenigen, die sich eine solche Ungeheuerlichkeit zuschulden kommen ließen, würden fortab mit der unversöhnlichen Feindschaft einer großen Mehrheit des Volkes zu rechnen haben. Dem Reichstag werden am Schluß der Aussprache über die Regierungserklärung zahlreiche Anträge der Parteien vorliegen. In welcher Reihenfolge abgestimmt wird, kann der Reichstag selbst entscheiden. Er kann also beschließen, den sozialdemokraiischen Antrag auf Aufhebung der Notverord- nung vom 4. September vor allen anderen Anträgen zur Abstimmung zu bringen. Würde die Regierung den Reichstag auflösen, noch bevor es überhaupt zum Abstimmen ge- kommen ist, so würde sie ihre rechtliche Situation nicht ver- bessern, ihre moralische aber nur noch weiter ver- schlechtern. Niemand wird glauben, daß die kapitalistische Offensive, von der die„Deutsche Allgem. Zeitung" mit so schöner Osfenheit spricht, durch einen Beschluß dieses Reichstags allein zum Stehen gebracht werden kann. Wohl aber hat der Reichstag die Pflicht, durch seinen Aufhebungs- befchluß den K a m p f zu e r ö f f n e n, der nach der Reichs- tagsauflösung mit allen zulässigen und erfolgversprechenden Mitteln fortzusetzen sein wird. Vom Reichstagspräsidenten G ö r i n g ist zu verlangen, daß er die Eröffnung des Reichstags auf keinen Fall auch nur noch einen Tag weiter hinausschiebt. Sie ist ohnehin schon wegen der erbärmlichen Kuhhändel, die' seine Partei nach den verschiedensten Seiten hin führt, ungebührlich lange hinausgezögert worden. Es hat keinen Zweck, durch Ver- handeln und lange Reden das Leben dieses Reichstags zu verlängern. Mag er sterben— aber erst soll er h a n d e l n l Das Nüstungsmemorandum. Kür grundsätzliche Gleichberechtigung und konzessionierte Teilaufrüstung. Die deutsche Regierung sieht sich genötigt, das Memo- randum, das der deutsche Außenminister, Freiherr v. Neu- r a t h, am 29. August dem französischen Botschafter F r a n- (jois-Poncet überreicht hat, zu veröffentlichen. Nachdem der Inhalt dieses Schriftstückes von französischen Blättern aus- führlich, zum Teil mit irreführenden Zusätzen, wiedergegeben worden ist, war die Veröffentlichung eine Notwendigkeit. Es hat folgenden Wortlaut: 1. Nach den letzten Genfer Verhandlungen über das Ab- rüstungsproblem kommt es darauf an. den Versuch zu machen, als- bald auf diplomatischem Wege die Frage zu klären, die die deutsche Delegation in ihrer Schlußerklärung vom 22. Juli aufgeworfen hat. Die deutsche Regierung möchte sich zu diesem Zweck in Versolg der hierüber bereits in Genf mit den französischen Vertretern geführten vertraulichen Unterhaltungen zunächst mit der Französischen Regierung in Ver- bindung setzen. Sie ist der Ansicht, daß eine vertrauliche Aussprache zwischen der deutschen und französischen Regierung, in der die beiderseitigen Standpunkte und Wünsche in voller Osfenheit dargelegt werden, das beste Mittel zur Herbeiführung einer Verständigung ist. Wenn die französische Regierung zu einer solchen vertraulichen Aus- spräche bereit ist, bleibt es beiden Regierungen natürlich unbe- nommen, die anderen hauptbeteiligten Regierungen, wie insbe- sondere die britische, italienische und amerikanische Regierung, in geeigneter Weise zu informieren und zu gegebener Zeit an den Verhandlungen zu beteiligen. 2. Die Haltung der Deutschen Delegation gegenüber der R«so- lution der Generalkommission vom 29. Juli war ausschließlich durch Gründe, vie in der Sache selbst liegen, bestimmt und war unver- weidlich. Die Resolution legt wichtig« Punkte für die endgültige Abrüstungskonvention fest, und zwar in einer Weise, die bereits erkennen läßt. daß die Konvention der.Herabsetzung der Rüstungen außerordentlich»vcit hinter dem Versailler Vertrag zurückbleiben wird. Di« deutsche Regierung, die im Hinblick auf diesen Vertrag aus den von ihr dargelegten rechtlichen und politischen Gründen di« Aufgabe der Konserenz in einer viel radikaleren Ab- rüstung aller Länder sieht, konnte schon aus diesem Grund« der Resolution nicht zustimmen. Es kam aber noch ein anderer Ge- sicht-punkt hinzu. Tatsächlich hatten die Beschlüsse für Deutschland überhaupt keinen Sinn. Denn trotz der Diskrepanz zwischen dem in ihnen vorgesehenen Abrüstungsregime und dem Regime des Ver- sailler Vertrags blieb in der Resolution die Frage völlig offen, ob die gefaßten Beschlüsse auch auf Deutschland Anwendung finden sollen. Solange diese Frage nicht ge- klärt ist, ist für die deutsche Delegatton auch bei den künftigen Be- ratungen über die endgültige Regelung der einzelnen Punkte des Abrüstungsproblems eine Mitwirkung nicht möglich. 3. Unter diesen Umständen wurde durch die Resolution vom 23. Juli unmittelbar die grundsätzliche Frage aufgeworfen, die in der bisherigen Diskussion als die Frage der Glcichberechti- gung Deutschlands bezeichnet worden ist. Deutschland hat seinen Anspruch auf Gleichberechtigung vom Beginn der Äbrüstungs- konferenz an geltend gemacht und hat Sinn und Tragweite dieses Anspruchs nicht nur im Rahmen der Konferenzberatungen selbst, sondern auch aus diplomatischem Wege und bei inoffiziellen Unterhaltungen der beiderseitigen Vertreter wiederhalt erläutert. Um jede- Mißverständnis in dieser Beziehung auszuschließen, soll im folgenden noch einmal zusammenfassend dargelegt werden, wäs Deutschland unter der Gleichberechtigung versteht und wie es sich praktisch die Verwirklichung dieses Prinzips denkt. 4. Vorauszuschicken ist dabei, daß es bei der von der deutschen Regierung gewünschten radikalen Gestaltung der allgemeinen Ab- rüstung keine Bestimmungen gibt, die Deutschland wegen der Trag- weite der in ihnen liegenden Bindung ablehnen würde, wenn das durch die Konvention zu schaffen allgemeine Regime für alle Staaten gilt. Dementsprechend hat Deutschland stets gefordert, baß die anderen Staaten auf einen RllßungSstand abrüsten, der, unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse jedes Landes, nach Art und Maß dem Rüstungsstand entspricht, der Deutschland durch den Vertrag von Versailles auferlegt ist. Damit wäre dem Anspruch Deutschlands auf Gleichberechtigung in einfachster Weise Rechnung getragen worden. Zu ihrem großen Bedauern hat jedoch die deutsche Regierung aus der Resolution vom 23. Juli ersehen müssen, daß die Konvention weder in den Methoden noch im Umfang der Abrüstung dem Muster von Versailles ent- sprechen wird. Unter diesen Umständen wird niemand der deutschen Regierung zumuten können, sich mit einem Konferenzergebnis abzufinden, das für die hochgerüfteten Länder nur eine geringfügige Aenderun'g ihres gegenwärtigen Rllftungsstandes mit sich bringt, für Deutschland dagegen den Versailler Status auf- recht erhalten würde. Deutschland hat das gleiche Recht auf nationale Sicherheit wie jeder andere Staat. Es kann sich deshalb jetzt nur darum handeln, zu überlegen, wie durch die erste Kon- vention der notwendige Rllftungsausgleich und damit die Verwirk- lichung der nationalen Sicherheit aller Staaten angebahnt werden kann. 5. In dieser Hinsicht lassen sich 3 Elemente der Regelung unter- scheiden, nämlich 1. die juristische Form der Regelung, 2. die Zeit- dauer ihrer Geltung und 3. ihr materieller Inhalt. Es liegt auf der Hand, daß bezüglich der beiden ersten Elemente nur eine Lösung denkbar ist. Sowohl die juristische Form als auch die Geltungs- dauer der Vertragsverpflichtungen muß für Deutschland künftig die gleiche wie für alle anderen Staaten sein. Würde man in diesen beiden Punkten einen Unterschied zuungunsten Deutschlands statuieren, so würde das bedeuten, daß Deutschland auf dem Rüstungsgebiet auch weiterhin die Rolle eines Staates zweiter Klaffe zu spielen hätte. Tie Lösung kann deshalb nur die fein, daß die Ab- rüstungskonvcntion für Deutschland an die Stelle des Teils V des Versailler Vertrages tritt und daß hin- sichtlich ihrer Geltungsdauer sowie hinsichtlich des Rechtszustandes nach ihrem Ablauf keine Sonder- bestimmungen für Deutschland gelten. 6. Im Gegensatz zu den beiden ersten Elementen der Regelung bietet der materielle Inhalt dieser Regelung Spielraum für Verhand- lungen. Die deutsche Regierung kann allerdings nicht darauf ver- zichten, daß in der Konvention das Recht Deuffchlands auf einen seiner nationalen Sicherheit entsprechenden Rüstungsstand in geeig- neter Weise zum Ausdruck kommt. Sie ist jedoch bereit, sich für die Laufzeit der ersten Konvention mit gewissen Modifikationen ihres Rüstungsstandes zu begnügen, weil sie der Ansicht ist, daß es nach Ablauf der ersten Konvention zu einer zweiten Konvention kommen muß, die in der Herabsetzung der Rüstungen der hochgerüsteten Staaten erheblich weiter geht und da- durch dem deutschen Standpunkt in der Abrüstungsfrage besser ge- recht wird. Um ein Bild davon zu geben, welche Maßnahmen Hakenkreuz über dem Kreuz!? Oer Kampf um die Kirche. Von Bernhard Göring. Die politische Situation dieser Tage und Wochen beansprucht die volle Aufmerksamkeit der großen Parteien und ihrer Mitgliedschaften und beherrscht fast ausschließlich die öffentliche Diskussiom So ist es verständlich, daß auf einem Teilgebiet des gesellschaftlichen Lebens ein wichtiger Vorgang bis zur Stunde fast unbeachtet geblieben ist. Die NSDAP., die mit dem katholischen Zentrum ein Bündnis sucht, um sich Einfluß auf den Staat zu oerschaffen, hat alle Vor- bereitungen getroffen, um auch das evangelische Deutschland ihrem Willen zu unterwerfen. Anlaß dazu bieten die Wahlen in der evangelischen preußischen Landeskirche im Herbst dieses Jahres. Die NSDAP, will durch ein überraschendes Manöver die absolute Mehrheit und damit die unbeschränkte Macht in der evangelischen Kirche Preußens an sich reißen. Sie sieht sehr deutlich den großen Einfluß der Kirche auf die Gesetzgebung und öffentliche Meinungsbildung: es lockt sie, diesen riesigen lstropaganda- apparat in den Dienst ihrer Bewegung zu stellen. Die Gefahr, daß es Hitler gelingt, die evangelische Kirche zu erobern, ist groß. Jahrzehnte hat sich besonders in Preußen nur ein ganz kleiner Teil der Kirchenmitglieder um diese große und beacht- liche Organisation gekümmert. Millionen proletarischer Kirchen- angehöriger waren und sind der Kirche völlig entfremdet. Die tieferen Gründe zu dieser Entfremdung finden ihre letzte Ursache in dem völligen versagen der Kirche gegenüber dem Arbeilsvolk des 20. Jahrhunderts. Eine kleine Schicht bürgerlicher Elemente und das Landvolk üben heute die Macht in der preußischen Kirche aus. Diese Schicht hat bis zur Stunde weder die Lage der proletarischen Masse erkannt, noch hat sie Verständnis für den mühevollen Befreiungskampf der Arbeiterschaft aufbringen können. So ist die Kirche ein Glied der kapitalistischen Wirtschaft und Gesellschaft geworden und übt bewußt oder unbewußt die ihr in dieser Gesellschaft und Wirtschaft zufallenden Funktionen aus. Ihre Stellung zum Staat im alten Deutschland war eindeutig, zum Staat von Weimar bis zum heutigen Tage sehr problematisch. Diese enge Verbundenheit der evangelischen Kirche mit den Kräften der Ver- gangenheit führt auch dazu, daß die gegenwärtig Regierenden in Deutschland sich mit Recht darauf berufen können, daß alle ihre Maßnahmen aus einem wahrhaft christlichen Sinne geboren seien. Die religiösen Sozialisten haben dagegen protestiert. Sie bestreiten dieser Regierung das Recht, sich bei Ihren Maßnahmen auf die christlichen Grundsätze zu berufen: und sie erheben gerade deswegen gegen die Kirche nach wie vor den Vorwurf, daß sie sich aus ihrer klassenmäßigen Gebundenheit nicht rechtzeitig freigemacht hat und damit darauf verzichtete, die Kirche des Volkes zu sein. Die religiösen Sozialisten werden von den christlichen Kirchen, also auch von der evangelischen Kirche Preußens, niemals verlangen, daß sie eine Parteikirche wird. Sie sind der Auffassung, daß es die Aufgabe der Kirche sein muß, in latsächlicher Unabhängigkeit nur aus dem Geiste echten Christentums wirksam zu sein. Sie haben deshalb auch immer für diejenigen Anhänger ihrer Bewegung, die der Kirche angehören, die Parole herausgegeben, in den christlichen Kirchen im Geiste des Evangeliums für eine n e u e G e s e l l- s ch a f t zu kämpfen. Praktisch haben sie in den vergangenen Jahren für diese Auffassung in den süddeutschen Ländern, vornehmlich in Baden und Württemberg gestritten. Ihre Arbeit in dem� weiten preußischen Gebiet mußte im Hinblick aus die ganz andere Struktur der proletarischen Bevölkerung grundsätzlich anders eingestellt sein. Sie sind deshalb aus Gründen, die jetzt nicht erörtert zu werden brauchen, bis auf einige ganz geringe Ansätze nicht kirchenpolilisch aktiv geworden. Wenn sie jetzt in diesem Wahlkamps prinzipiell die bisherige Methode ändern, so ist dafür der Angriff der NSDAP, auf die evangelische Kirche Preußens der Anlaß. Die NSDAP, hofft, daß die große Zahl der Kirchen- Mitglieder, die zur Arbeiterschaft gehören, den Kirchenwahlen fern- bleiben und ihr allein das Feld überlassen wird. Dem wollen die religiösen Sozialisten entgegenwirken. Ihnen steht dabei nicht der Apparat einer großen Partei wie den Nationalsozialisten zur Ver- sügung. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands muß jedoch Wert darauf legen, entsprechend ihrem Programm aus weltanschau- lichem Gebiet neutral zu sein. Ihr gehören Hunderttausende von Freidenkern ebenso an, wie zu ihr Hunderttausende evangelischer und katholischer Christen stehen. Die Sozialdemokratische Partei wird allerdings mit den religiösen Sozialisten der Auffassung sein, daß alle Sozialisten und Republikaner, die der evangelischen Kirche Preußens angehören, die unbedingte Pflicht haben, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Der Bund religiöser Sozialisten Deutschlands wendet sich deshalb an alle die Männer und Frauen in der evangelischen Kirche, die nicht wollen, daß die Kirche in die Hand unserer erbittertsten Gegner kommt. Jeder Evangelische, Mann und Frau, der über 24 Jahre alt ist, muß sein Wahlrecht ausüben, und sich bis zum 17. September in die kirchliche Wählerliste eintragen. Wer in diesem Wahlkampf mithelfen will, wende sich für Berlin und Brandenburg an: Hans Francke, Berlin-Lichterfelde-West, Lortzingstraße 36. Wahlsieg in Dänemark. Großer Erfolg der Sozialdemokratie bei den Landthingswahlen. Der dänische Rundfunk begann gestern abend anläßlich der Wahl zum dänischen Oberhaus schon um KU Uhr mit der Durchgabe der ersten Wahlresultate. Schon Sie ersten einlaufenden größeren Wahlresultate sowohl aus ländliäzen wie auch aus städtischen Bezirk«» zeigten, daß die Wahl der dänischen Sozialdemokratie sehr große Erfolge brachte. U e b e r a l l, aus allen Teilen des Landes wurden starke Gewinne für die dänische Sozialdemokratie gemeldet. Wenn man gegen �12 Uhr noch kein Gesamtbild des Wahlverlaufs.geben konnte und das Endresultat erst am frühen Morgen feststehen wird, so ersieht man doch schon jetzt aus den aorliegenden größeren Teilergebnissen, daß es der Sozialdemokratie in vielen ländlichen Be- zirken gelungen ist, die Stimmenzähl gegenüber der letzten Wahl zu oerdoppeln, ja in einzelnen Fällen zu verdreifachen! Dieses außerordentlich günstige Bild für die Sozialdemokratie von dieser Wahl herrscht auf allen dänischen Inseln sowohl im dänischen Teil Schleswigs wie auch auf den Inseln rings um Kopenhagen. Einige Kopenhagener Wahlergebnisse zeigen, daß auch in der Hauptstadt das dänische Volk der sozialdemokratischen Regierung zu der heutigen Wahl das glänzendste Vertrauensvotum ausstellten. Sehr bemerkenswert ist es, daß in einigen Kopenhagener Bezirken. in welchen die Sozialdemokraten bis jetzt in der Minderheit waren, jetzt, nachdem die Hauptstadt mustergültig von einer sozialdemo- kratischen Verwaltung durch die schwere Krise geleitet worden ist, auch in diesen antisozialistischen Bezirken jetzt eine absolute sozial- demokratische Mehrheit vorhanden ist. Trotz der sehr starken Wahlbeteiligung bei dieser Wahl gelang es der dänischen konservativen Rechten nirgends, die neuen Wähler zu sich zu ziehen. Im Gegenteil sind die Konservativen in einigen rein ländlichen Bezirken zurückgegangen und haben Stimmen an die Sozialdemokraten verloren. Die Bauernpartei, die sogenannte Venstre, scheint sich gut behauptet zu haben, wenn auch von einem so stürmischen Vorgehen wie bei der Sozialdemo- kratie bei keiner Partei überhaupt die Rede sein kann. Die r a d i- k a l« Partei, die dänischen Demokraten, haben sich in ländlichen Bezirken, wo sie niemals eine ausschlaggebende Rolle spielten, doch diesmal bemerkenswert gut gehalten und konnten in den Städten auch vereinzelt Gewinne erzielen. Es ist zwar noch nicht möglich zu sagen, ob es der Sozialdemokratie gelungen ist, die Rechtsmehrheit im Oberhaus zu brechen. Das ist deshalb besonders schwer, weil nur die Hälfte der Abgeordneten wähl- bar ist. Die anderen sind auf Lebenszeit ernannt. den Umbau der deutschen Wehrmacht in Frag« kommen, möchte die deutsche Regierung nachstehend einige Hauptpunkte erläutern. 7. Auf dem Gebiete der qualitativen Abrüstung ist die deutsche Regierung bereit, jedes Waffenverbot zu akzeptieren, das für alle Staaten gleichmäßig zur Wirkung kommt. Dagegen müßten diejenigen Waffenkategorie«, die durch die Konvention nicht allgemein verboten werden, grundsätzlich auch Deutschland erlaubt sein. Was das Wehrsystem anbetrifft, so muß die deutsche Regie- rung auch für sich das Recht aller anderen Staaten in Anspruch nehmen, es im Rahmen der allgemein gültigen Bestimmungen so zu gestalten, wie es den Bedürfnissen sowie den wirtschaftlichen und sozialen Eigenarten des Landes entspricht. Es kommt dabei einmal auf organisatorische Aenderungen. wie z. B. Abstufung der aktiven Dienstzeit der Langdienenden und Freiheit in der Gliederung der Wehrmacht an: zum anderen auf die kurzfristige Ausbildung einer besonderen wehr- Pflichtigen Miliz für Zwecke der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung sowie des Grenz- und Küstenschutzes. Es versteht sich von selbst, daß die deutsche Regierung bei den von ihr beabsichtigten Mahnahmen der finanziellen Lage des Reichs Rechnung tragen wird. 8. In Aeußerungen des französischen Herrn Ministerpräsidenten ist letzthin, gerade im Zusammenhang mit der Frage der deutschen Gleichberechtigung, wieder die Bedeutung der Sicherheitsfrage für Frankreich hervorgehoben worden. Die deutsche Regierung kann hierzu im Augenblick nicht wohl Stellung nehmen, da sie nicht weiß, wohin die konkreten Wünsche der französischen Regierung gehen. Die deutsche Regierung wird aber stets zur Erörterung von Plänen bereit sein, die dazu dienen, dieSicherheitfüralleStaaten in gleicher Weise zu festigen. g. Zum Schluß möchte die deutsche Regierung noch folgendes bemerken: Angesichts der gegebenen Rechts- und Sachlage hofft sie zuversichtlich, daß die vorstehenden Ausführungen die französische Regierung von dem loyalen und maßvollen Charakter der deutschen Absichten überzeugen und daß sie den Weg zu einer schnellen Ver- ständigung eröffnen. In der Tat liegen die Dinge heute so, daß die Fraffe der deutschen Gleichberechtigung nicht mehr länger offen bleiben darf. Die Notwendigkeit ihrer Lösung ergibt sick aus dem bisherigen Verlauf und dem jetzigen Stande der Genfer Abrüstungsverhand- lungen, darüber hinaus aber auch aus Gründen, die mit der allge- meinen internationalen Lage zusammenhängen. Es wird wefent- lich zur- Beseitigung der bestehenden Spannungen und zur Beruht- gung der politischen Verhältnisse beitragen, wenn endlich die mili» tärische Diskriminierung Deutschlands verschwindet, die vom deutschen Volke als Demütigung empfunden wird und die zugleich die Herstellung eines ruhigen Gleichgewichts in Europa verhindert. Die zunächst auf deutscher Seite nicht beabsichtigte, nun- mehr doch erfolgte Veröffentlichung des deutschen Memoran- dums wird vom Reichsaußenminister v. N e u r a t h mit einer längeren Erklärung begründet. Die französische Presse, so führt er aus, behaupte, „daß Deutschland unter dem Deckmantel seiner Gleichberech- tigungsforderung nichts anderes als feine eigene Auf- r ü st u n g und die Wiederherstellung seiner früheren Militär- macht betreibe. Es gibt keinen einfacheren Weg, diese Ent- stellungen zu entkräften, als meine Aufzeichnung der Oeffentlichkeit zu übergeben".' Die Veröffentlichung des Memorandums war in der Tat eine Notwendigkeit. Wenn indessen der Reichsaußenminister weiter in sehr übelgelaunten Redewendungen sich ausführlich dagegen wen- det, daß die französische Regierung„es für richtig gehalten hat, das Schriftstück von sich aus den Regierungen mitzu- teilen, die dem sogenannten Vertrauenspatt vom Juli d. I. beigetreten sind", und daß damit die„eingeleitete diplomatische Auseinandersetzung einen neuen Charakter ge- wonnen hat", so erscheint uns dieser Vorwurf wenig geschickt. Die Reichsregierung wußte, zu welchem Zweck dieser Vertrauenspakt, den man hier zu bagatellieren bemüht war, als man ihm aus Angst von der Isolierung hinterher bei- trat, abgeschlossen wurde: nämlich gerade im Hinblick auf den erwarteten diplomatischen Schritt Deutschlands in der Abrüstungsfrage. Sich nun nachträglich darüber zu wundern, daß die französische Regierung das deutsche Memorandum nicht für sich behalten, sondern sich vielmehr beeilt hat, die anderen Mächte zu informieren, ist eine Naivität, die man einem Manne mit mehr als zehnjähriger Botschaftertätig- keit an verantwortungsvollen Auslandsposten eigentlich nicht zugetraut hätte. Und daß gerade der ehemalige Botschafter in R o m und London seinen Aerger darüber so deutlich zum Ausdruck bringt, daß Italien und England direkt von Frankreich informiert worden sind, ist erst recht erstaunlich. Anden weiteren Ausführungen zur Sache ist ledig- lich folgende Stelle bedeutungsvoll: „Soviel steht aber schon henke fest, daß es für Deutschland n I äz t möglich ist. sich an den weiteren Beratungen der Abrästungs- konserenz zu beteiligen, bevor die Frage der deutschen Gleich- berechtigung eine grundsätzliche Klärung gefunden hat. Unsere Gleichberechtigung, nicht unsere Ausrüstung ist der Punkt, den wir zur Debatte gestellt haben." Bisher liegt uns nur eine halbamtliche Stellung- nähme einer ausländischen Macht vor, und zwar Italiens, als Ergebnis der Unterredung Mussolini— Schubert vom Sonnabend. Und gerade diese Aeußerung lautet deutlich: rechtlich wird der Standpunkt Deutschlands anerkannt, aber darüber muß in Genf verhandelt werden. Ist es daher nicht etwas unvorsichtig, sich scheinbar so festzulegen, nachdem sogar Italien, auf dessen Unterstützung man hier besonders große Hoffnungen gesetzt hat, von der Drohung mit dem Fernbleiben von der Abrüstungskonfe- renz so unzweideutig abrückt? Aeußerungen Schleichers. General von Schleicher hat nach den ostpreußischen Manövern gestern mittag zu Pressevertretern geäußert, die Provinz Ostpreußen fühle sich besonders bedroht. Unleugbar sei zweierlei notwendig, einmal eine moderne Bewaff» n u n g, die darum nicht mehr zu kosten brauche, zum andern aber, daß jeder einzelne Ostpreuße für die Zukunft wisse, wie und wo er sein Vaterland im Ernstfalle zu verteidigen habe. Traurig sei, daß es Blätter gebe, die der gegenwärti- gen Regierung die Vertretung der Fordemng nach Gleich- berechtigung nicht zusprechen wollten. Nach Meinung des Ministers habe jede nationale Regierung das Recht, den nationalen Schutz des Landes zu fordern. Der Schluß der Unterhaltung gestaltete sich nach der „Königsberger Allgemeinen Zeitung'' dramatisch. „Ich kann Ihnen nur erklären, daß Deutschland in jedem Falle"— er unterstrich die Worte„in jedem Falle" mit einer besonders entschlossenen Ge st e seiner Hand —„das durchführen wird, was für feine nationale Verteidi- gung notwendig ist." „Auf jeden Fall, Herr General?" „Jawohl, auf j e d e n Fall! Wir lassen es uns nicht mehr weiter gefallen, als eine Nationalität zweiter Klaffe behandelt zu werden." -e „Entschlossene Gesten" einer Generalshand werden stets ein beifallsfreudiges Publikum finden. Ob sie dazu beitragen, heikle Fragen der Außenpolitik zur Lösung zu bringen, ist eine ganz andere Frage. Auch können sie nichts daran ändern, daß eine Regierung, die das Volk gegen sich hat, praktisch keine Aussicht hat, das Volk nach außen erfolgreich zu vertreten. Die französische Antwort. 3n Paris verlautet, daß die französische Antwort nicht vor Ende dieser oder Anfang nächster Woche erfolgen wird. Zwei Tote und kein Täter! Sondergericht spricht den Nationalsozialisten frei! Das zweit« Sondergericht Berlin— Vorsitzender Marschner — verhandelte gestern gegen den Nationalsoziali st en Hermann, der beschuldigt war, am 13. Juli auf Kommunisten, die von einer Demonstration heimkehrten, geschossen und dabei an dem Tod« von zwei Kommunisten wenigsten» mitsei- antwortlich zu sein. Außer den beiden Erschossenen waren noch drei andere Teilnehmer an der Kundgebung schwer verletzt worden. Nach der Beweisausnahme beantragte der Staatsanwaltschasts- rat Mittelbach die Freisprechung der angeklagten National- sozialisten mit der Begründung, es hätten schwere Belastung»- Momente vorgelegen, aber es sei nicht möglich gewesen, ihn zu überführen, daß er der Schütze gewesen sei. Entsprechend dem Antrage des Staatsanwalts kam das Sonder- gericht zu einem Freispruch des unter der Anklage des Tot- schlags in zwei Fällen und des versuchten Tot- schlags in drei Fällen stehenden Nationalsozialisten. Der Dreher Werner Gebauer wurde wegen Beamtennötigung zu sechs Monaten, der Schlosser Richard Kirsch wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. * Da» Landergericht I— Vorsitzender Tolk— halte in einem ähnlichen Fall ganz anders entschieden. Es hat den junge« Reichs- bannermann Rothe aus Grund von Naziaussagen zu fünf Zahren Zuchthaus verurteilt, obwohl Rothe in jedem Stadium der Verhandlung feine Unschuld beteuerte und noch heute beteuert. Die Entlastungszeugen— völlig Unbeteiligte— hat das Sonder- gericht Tolk zwar gehört, aber mit der Bemerkung abgetan, sie mühten„sich eben geirrt" haben! Das Zuchthausurteil gegen Rothe und der F r e i s p r u ch des In weit höherem Blähe verdächtigen Tlallonalsozialiflen Hermann möge« für sich selber sprechen. Genosse Max Rothe hat auch gestern seinen vor fünf Tage« begonnenen Hungerstreik gegen da» Urteil vom 31. August fortgesetzt. Rothe beteuert weiter seine Unschuld. Die Ausfertigung des Urteils ist dem Verteidiger Rothes auch gestern noch nicht zugegangen. Dabei ist dir sehr beschleunigte Zustellung des Urteils für die Einleitung eine» wiederaujnahmeversahrens von gröhter Wichtigkeit. Reiter Papen Er läßt Gaben regnen. Doch, ach,»er Regen kommt„nach unten" nicht durch! Papen vor dem Reichstag. Die Verhandlungen zwischen Zentrum und Razis. Der Reichstagspräsident hat, wie schon angekündigt, den Reichstag zum 12. September einberufen. Auf der Tages- ordnung der Tagung steht:„Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung. Die Debatte über diese Erklärung soll am Dienstag beginnen. Die Einberufung des Reichstags zum 12. September be- ruht auf einer Vereinbarung zwischen Nationalsozia- listen, Zentrum und Bayerischer Volkspartei, die im Reichstag eine Mehrheit haben. Man verständigte sich auf den 12. Sep- tember in der Annahme, daß bis dahin der grundsätzliche Teil der nunmehr seit Wochen geführten Koalitionsbesprechungen abgeschlossen ist und dem Reichspräsidenten ein Bericht und ein Koalitionsprogramm unterbreitet werden kann. Das soll zunächst durch den Reichstagspräsidenten geschehen. Die Verhandlungen zwischen Zentrum und Ratio- nalsozialisten wurden am Dienstag durch eine Besprechung zwischen Göring und Brüning fortgesetzt. Später war auch der Abg. Bell bei Gäring. Ueber den Sinn und Zweck dieser Unterredung schreibt der Pressedienst der Zentrumspartei: „Zentrum und Bayerische Bolkspartei können in dieser Situation gar nicht anders handeln, als diesem Kabinett die fassungsrechllichem Sinne zu reformieren. Auch wir halten den Weg zur Lösung von Verfassungsproblemen und damit gleichzeitig zur Lösung von Regierungsfragcn für frei. Dazu gibt es viele Möglichkeiten, nicht nur Parteiverhandlungen oder Partei- besprechungen. Auch nicht nur der Reichspräsident hat darüber zu befinden, sondern er muh ebenfalls in Fühlung bleiben mit einer ernst strebenden und zielfesten Volksvertretung, weil der Reichs- Präsident mit dem Reichstag zusammen die Volks- souveränität darstellen. So sehen wir den Weg offen zu einer Lösung der Regierungsfrage, von der Seite der Volksvertretung her wie vom Reichspräsidenten aus gesehen. Aber ausschlaggebend bleibt jetzt und immer, daß diese Regierung vom Volke her kommt, das ihr den Weg offen machte, weil es einsieht, daß auf vcrfassungs- mäßiger Basis mit dem Volke regiert werden soll, daß klare Ziel« aufgesteckt sind und feste Wegrichtungen vorgeschrieben bleiben. Wir wollen eine solche Regierung und darum verhandeln wir! Wir bleiben aber unentwegt unserer Tradition treu!" Es mutet mehr als komisch an, wenn das Zentrum ge- rade die Hitlergarde zum Schutz der Verfassung ein- spannen will, der doch der Sturz des Weimarer Systems zum A und O ihrer Agitation geworden ist! Aber aus den Dar- legungen des Pressedienstes der Zentrumspartei kann man entnehmen, daß die Verhandlungen zwischen den schwarz- braunen Unterhändlern schon sehr weit fortgeschritten sind mit der Aufgabe, die Verfassung so oder so zu ändern. Wohin diese Absichten zielen, ist nicht klar zu ersehen. Sicher aber ist. daß jeder Angriff auf die Rechte der arbeitenden Klasse den schärf st en Wider st and finden wird, gleich- gültig ob er von Papen oder von Brüning-Hitler ausgehen sollte! GpO.-Fraktionsgeheimnisse. Schauerliche Enthüllungen der„Roten Fahne". Die„Rote Fahne" weiß von einer geheimnisvollen Unterredung zwischen Papen und Löbe zu berichten, in welcher ,chie Haltung der SPD. zum Präsidialkabinett" besprochen wurde und über die zu berichten Genosse Löbe in der Fraktion sich geweigert habe mit den Worten:„Das mache ich nicht, denn hier ist mir der Rahmen zu groß." Wie gewähnlich ist die ganze Nachricht erfunden. Die einzige Besprechung, die Genosse Löbe mit Herrn von Papen hatte, fand Mitte August statt, als er noch Reichstagspväsident war, sie drehte sich um die Einberufung des Reichstags, und über die dabei geführte Unterhaltung hat Löbe in der ersten Sitzung der neuen Fraktion, die eine Woche vor dem Reichstagszusammentritt stattfand, ausführlich Bericht erstattet. Eine weitere Unterredung hat niemals stattgefunden, über die Haltung der SPD. zum Präsidiatkabinett ist nicht gesprochen worden, und eine Weigerung, über die nicht ersolgte Besprechung zu berichten, konnte deshalb nicht in Frage kommen. Die diesmalige Erfindung der„Roten Fahne" war also besonders dumm. Recht ohne Grundlage. Die Lohndruck« Verordnung verstößt gegen die Verfassung. Das sogmannte Recht, das durch die neueste Verordnung zur Lohnsenkung eingeführt wird, findet in der Reichsver- Verfassung keine Stütze, nicht einmal in dem Artikel 4S. 3n nachfolgendem beleuchtet Rechtsanwalt Dr. Zranz Ren- mann- Berlin vom juristischen Standpunkt die Haltlosigkeit der nmm Regieningsmaßnahmm und ihre Zolgewirkungen. Die Notverordnung vom 4. September 1932 beauftragt im zweiten Teil, überschrieben„sozialpolitische Maßnahmen". die Reichsregierung, die sozialen Einrichtungen zu verein- fachen und zu verbilligen, und zu diesem Zweck Vor- schriften auf dem Gebiet der Arbeitsverfassung einschließlich der Verfassung der Arbeitsgerichte, des Arbeitsvertrages, des Tarifoertrages, des Schlichtungswesens und des Arbeiter- fchutzes zu erlassen, wie auch auf dem gesamten anderen Gebiet des Sozialrechts(Versicherungs- und Versorgungs- wesen, Arbeitsvermittlung, Arbeitsdienst) Aenderungen vor- zunehmen. Schon dieser Generalauftrag, welchen der Reichspräsident der Regierung erteilt hat, unterliegt verfassungsrechtlichen Be- denken. Es entspricht herrschender Lehre, daß die Tiktaturbefugniste des Reichspräsidenten selbst nicht übertragen werden dürfen. Allerdings kann der Reichspräsident sich darauf be- schränken, die Maßnahmen selbst nur in ihrer allgemeinen Richtung anzugeben und anderen Stellen dann die weitere Ausgestaltung der Maßnahmen zu übertragen(Reichsgericht in Strafsachen, Band 56, Seite 165). Selbst wenn man diesen Grundsatz noch so weitherzig auslegt, muß man zu der Ueber- zeugung gelangen, daß eine Generalermächtigung, welche sich auf das Gebiet der gesamten Sozialpolitik erstreckt, und welche als Grenze lediglich„die Erhaltung der sozialen Fürsorge" und „Erleichterung von Wirtschaft und Finanzen" angibt, praktisch einer Totalübertragung der Diktaturgewalt des Reichspräsi- deuten gleichkommt und demnach unter verfassungsrechtlichen Gesichtspunkten zu beanstanden ist. Auf Grund dieses Auftrages hat die Reichsregierung am 5. September 1932 eine Verordnung erlassen, die zum Zweck der Vermehrung der Arbeitnehmerzahl für die 31. bis 46. Wochen-Arbeitsstunden eine Unterschreitung der Tarifsätze zu- läßt und zwar von 10 Proz. bis zu 50 Proz. Weiterhin hat die Verordnung die Möglichkeit eröffnet, Betrieben, die durch die Erfüllung tarifoertraglicher Verpflichtungen gefährdet werden, die Unterschreitung der Tarifsätze um bis zu 20 Proz zu ge- statten. Die Verordnung der Reichsregierung überschreitet zu- nächst zweifellos die Ermächtigung, welche der Reichspräsi- dent der Reichsregierung in seiner Verordnung vom 4. Sep- tember 1932 erteilt hat. Denn, wie bereits ausgeführt, ist die Reichsregierung lediglich zum Erlaß von Vorschriften berech- tigt, welche die sozialen Einrichtungen vereinfachen und ver- billigen wollen. Gedacht ist also bei der Verordnung des Reichspräsidenten im wesentlichen an eine Aenderung und an eine Vereinfachung des Behördenausbaus, der Behörden- wstänbigkelt und des Verfahrens von Behörden. Denn nur das kann mit den Worten Vereinfachung und Ver- b i 1 l i g u n g sozialer Einrichtungen gemeint sein. Selbst wenn man Arbeitsvertrag und Tarifvertrag als „soziale Einrichtungen" im Sinne der Notverordnung des Reichspräsidenten bezeichnet, so ist nicht einzusehen, was eine Durchbrechung des tariflichen Unabdingbarkeits- Prinzips bei Mehreinstellung und bei der Ausnahme gefährdeter Be- triebe mit einer„Vereinfachung und Verbilligung" der Ein- richtung selbst zu tun hat. Die Einrichtungen des Arbeitsoer- träges und des Tarifvertrages können überhaupt nicht ver- billigt werden, weil es sich lediglich um gedankliche Konstruk- tjonen, nicht aber um behördliche Organisationen handelt. Eine Vereinfachung des Tarifvertrages ist zweifellos nicht vorgenommen worden, im Gegenteil ist durch die Durch- brechung des Unabdingbarkeitsprinzips eine erhebliche Kom- plizierung des Tarifrechts eingetreten. Möglicherweise ein- tretende Fernwirkungen der teilweisen Aufhebung des lln- abdingbarkeitsprinzips(z. B. auf die Arbeitslosenversicherung) müssen bei juristischer Würdigung außer Betracht bleiben. Kein Zweifel daran, daß demnach die Ausführungs- Verordnung der Reichsregierung den ihr durch die Rot- Verordnung des Reichspräsidenten gesteckten Rohmen über- schreitet. Nach herrschender Lehre ist aber in diesem Fall eine Ausführungsverordnung, die praeter lexem geht, nichtig, weil es sich insoweit um eine Zuständigkeitsüberschreitung handelt. Liegt aber eine solche Zuständigkeitsüberschreitung in der Ausführungsoerordnung nicht vor, so wäre die Ausführungs- Verordnung aber verfassungswidrig deshalb, weil sie einen Verstoß gegen den Artikel 165 Abs. 1 der Reichsverfassung enthält. Artikel 165 Abs. 1 erkennt die Gewerkschaften(auch die Arbeitgeberverbände)„undihreVereinbarungen an". Unter Vereinbarungen im Sinne des Artikels 165 Abs. 1 ist ein sogenanntes diktaturfcstes Grundrecht, well es in dem Grundrechtskatalog des Artikels 48 Abs, 2 RV. nicht aufgeführt ist. Nur diejenigen Grundrechte sind nach der ständigen Rechtsprechung des Reichsgerichts(zuletzt in Zivilsachen Band 134, S. 1 ff) und des Staatsgerichtshofes durch den Reichspräsidenten aufhebbar, die im Art. 48 II RV. genannt sind. Nur solche Grundrechte können weiterhin(ohne Aufhebung) inhaltlich angetastet werden, die mit dem so- genannten„Vorbehalt des Gesetzes" garantiert sind. Dazu gehört Art. 1651 RV. zweifellos nicht. Wie ich In meinem soeben erschienenen Buch„Äoalitions- freiheit und Reichsverfassung, die Stellung der Gewerkschaften im Verfassungssystem"(Carl Heymanns Verlag, Berlin 1932, Seite 112 ff.), eingehend ausgeführt habe, bedeutet die im Artikel 165 Abs. 1 vollzogene Anerkennung der Tarisoerträge „die verfassungsmäßige Anerkennung der Rechtseinrichtung des Tarifvertrages mit Normen- und Unabdingbarkeits- Wirkung unter alleiniger Zuständigkeit der Koalitionen zum Tarifabschluß". Verfassungswidrig ist jede Durchbrechung des Unabdingbarkeitsprinzips, d. h. des im§ 1 der Tarifvertragsverordnung vom 23. Dezem- ber 1918 ausgesprochenen Grundsatzes, daß die Bestimmungen des Tarifvertrages automatisch Bestandteil der Arbeits- Verträge werden, und daß abweichende Vereinbarungen von dem Tarifvertrag im Arbeitsvertrag Mtr dann zulässig sind, wenn sie entweder den Arbeitnehmer begünstigen, oder wenn sie im Tarifvertrag ausdrücklich zugelassen sind. Die Möglichkeiten, die die Ausführungsverordnung der Reichsregierung eröffnet, von vereinbarten Tariflöhnen abzugehen, bedeuten einen Berftoß gegen das Unabdingbar- keitsprinzip, denn sie gestattet, daß Arbeltgeber trotz tarif- licher Bindung untertariflich arbeiten lassen können. Das bedeutet zugleich einen Verstoß gegen die sogenannte kartell- politische Wirkung der Tarifverträge, die gerade für alle Arbeitgeber gleiche Konkurrenzbedingungen eröffnen will. Darin unterscheidet sich die Ausführungsverordnung von den bisherigen Brüningschen Notverordnungen, welche zwar in den Inhalt der Tarifverträge eingegriffen haben und die Löhne gesenkt baben, die aber den Grundsatz der Unabding- barkeit der Tarifverträge absolut und rein aufrechterhalten haben. Es ist demnach festzustellen, daß. selbst wenn dt« Reichs- regierung den ihr erteilten Auftrag nicht überschritten hat, die Zlerordnung vom 5. September 1932 wegen Verstoßes gegen Artikel 165 Abs. 1 nichtig wäre. Welche arbeitsrechtliche Bedeutung die Verordnung im übrigen hat, kann hier nicht dargestellt werden. Wichtig ist, festzuhalten, daß überall da. wo auf Grund der Verordnung von einem Tarifvertrag abgewichen wird, die Gcwcrk- schastcn ihre Kampffreiheit erhalten. Die tarifliche Friedenspflicht endet in diesem Augenblick. Es wird versucht werden, in Arbeitsprozessen diesen Gedanken zum Siege zu verhelfen! Der„Retchswart" verboten! Die Wochenzeitung„Reichs wort", die von Graf Revenllow herausgegeben wird, ist ab S, September bis zum 1. Oktober einschließlich verboten worden. Zur Begründung des Berbots wird angeführt, Sas in Nr. 36 eine grobe Befchimp- fung und Verächtlichmachung des Reichspräsidenten ab» gedruckt sei. ttazireg'erung will amnestieren. Die neue thüringische Re» gierung, die aus lauter Nationalsozialisten besteht, hat das Justiz- Ministerium beauftragt, bei Strafsachen, die überwiegend aus wirt- schastlicher Not begangen und bis 26. August 1332 rechtskräftig ab- ![«urteilt worden sins, in weitgehendem Maße Gnade zu üben, oweit die Strafen in Geld- oder Freiheitsstrafen von nicht mehr als sechs Monaten Gefängnis bestehen. WERTHEIM Leipziger Str. Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz ßUjßßicLc. fiscfa. u. fi&LSCd Scfaellliscfa 2 Pfd. � 5pf 30. 30. 75p, 85p. 90p. 95p. 33 pf. Frische Hechte Pfand von an Zander gefr. Pfund von an Leb. Schleie Pfund von an Leb. Aale Pfund von an Leb. Hechte Pfund von an Leb. Karpfen Pfund von an Leb. Krebse tO Stüde von an Nastocfasen- Fleisdi, Pfund Mastocfasen- Scfamorfleiscfa, o. Kn. Kalbskamm Pfund Kalbsbrust u.-Rücken, Pfund Hammel- Vorderfleisch, Pfund la Berl. Bratwurst Pfund Schweinebauch Pfund Scliwemeschulter Pfund 4® 78. 58 61 63 pt. 58 74pf 76pf pi. pf. pt. pi. Ostseedorsch.■ 3 ph 0.25 Makrelen..... 2«<-. 0.28 Grüne Heringe 3 0.32 Fettbüdclinge Pfd..an.n 0.18 Matjesheringe 3 Stü.?o.n 0.25 NeueFettheringe10v�n0.38 FettheringeÄ�SrÄO.OS Ölsardinen 5 v-,«..°n-n 0.82 Xordseekrahhenoa»». 0.26 Flschntarlnaden 0°-« ,n 0.38 Bäucherlachs A�än.n 1.20 %%S/ Ooihsbühne E. u. Jedes Mitglied erhält jährlich 10 bis 11 uorstellunoen 1 1 bis 2 Vorstellungen im Tb. am BUiowpiaiz I Inder Staatsoper Nachmittaysabteilungen mit 6 Vorst, im Th. am Bülowplatz(Sonntag nachm.) und I Oper Auf Wunsch«lefj auch 2 V ontellnngen Im Schiller-Theater Charlotienbnrg Vorstellungsbesuch auf allen Plätzen 1.50 JUarlz Nachmittags-Vorstellungen 1.10 M.:: Opern-Vorstellungen 2.50 M. Keine Vorauszahlungen, Auslosung der Plätze vor jeder Vorstellung Zahlreiche Sonderveransialtungen(Musik, Tanz, Kabarett) Ohne Mitgliedschatt in der Volksbühne E. V. lerner Abonnements ür 10 Vorstellungen des Theaters am Bülowplatz. Feste Plätze nach eigener Wahl. Vorparkett: 5,-, 4,50 u. 4,- M(Kasse; 8-, 7,-, u.6,- M); Parkett: 3.50, 2,70, 2,- u. 1,80 M (Kasse: 5.-, 4,-, 3,- u. 2,50 M); 1. Ring: 4,-, 3,50, 2,70 u. 2,- M(Kasse: 6,-, 5.-, 4,- u. 3,- M); 2. Ring: 1.80 M(Kasse; 2,50 M); Vorausbezahlung der beiden letzten Vorstellungen. Bei sofortiger Bezahlung sämtl. 10 Vorstellungen 5% Rabatt. Aus dem Spielplan: THEATER AM BÜLOWPLATZ STAATSOPER Gogol: Der Revisor/ Hauptmann: Die Ratten/ Pagnol: Fanny/ Hay: Das Neue Paradies/ Zuckmayer; Schinderhannes/ Raimund: Alpenkönig und Menschenfeind/ Shakespeare: Maß für Maß/ Castonier; Die Sardinenfischer/ Joachimson und Schiffer(Musik von Spolianski): Das Haus dazwischen/ Ebermayer und Mann: Prof. Unrat/ Künstl. Leitung: Heinz Hilpert In Hauptrollen: Hans Albers/ Curt Bois/ Eugen Klopfer/ Otto Wemicke/ Jacob Tiedtke/ Ernst Karchow/ Erhard Siede!/ J. Almas/ Paul Verhoeven/ Artur Mainzer/ Käthe Dorsch/ Camilla Spira/ Brig. Horney/ Käte Haack/ Maria Fein/ Lotte Stein/ Genia Kurz usw Wagner; Der fliegende Holländer/ Mozart: Cosi fan tutte/ Verdi: Rigoletto/ Der Maskenball/ Falstaff/ Die Sizilianische Vesper/ Schillings: Mona Lisa/ Mas- cagni: Cavalleria rusticana/ Leoncavallo: ßajazzi/ Job. Strauß: Eine Nacht in Venedig/ Wiener Blut usw. SCHILLER-THEATER Hauptmann: Die versunkene Glocke/ Wellenkamp: Theres geht vorüber/ Wal- lace u. Roth; Platz oder Sieg' Stolz: Wenn die kleinen Veilchen blühn/ Shakespeare: Der Widerspenstigen Zähmung/ Corrinth: Hallo! nur Mut/ Ein Berliner Volksstück mit Musik u. a. m. Prospekte und Anmeldungen in 200 Zanistellen, u a. bei sämtlichen Theaterkassen der Firma Tietz, im K. d.W. in de, Volksbühnen Buchhandlung. Köpenicker Straße 68, sowie in der Hauptgeschäftsstelle, C 25, Linienstraße 227(Th. a. Bülowplatz). D I. Norden 294».— Abonnementsbestellungen ausschließlich im Abonnementsbüro. C 25. Linienstraße 227, D J, Norden 2944 Rose-Theater Grelle Fnekfirter Stnle 132 fei. Weiduel E 7 3427 8,30 Uhr Aerzte im Kampf lA'Vzn Senüii/'Vii ß* Siaals fe Theater Mittwoch, den 7. September staatsoper unter den Linden 20 Uhr Wiener Blut Slaatliches Schauspielhaus 20 Uhr Was ihr w®SSt tagi.su. ev.unr JACK SHEA Wilson, Keppel nsw. PtA2A ülhe Sdite. Bhf. 5i.!".Stj5.2,5,8>5ll. E7 Weidnel 4031 Grolmanstr. 70/71 SteinpL(C 1) 6715 Täglich 8 Uhr „Die rersunkene ßlocke" Kassenstunden tägl. 10—20 Uhr »Theater im-g Admiralspaiastl Täglich«Vi Uhr I Gilfa A l p a r in Theatem-Westens bis 25. Septemb. I täglich 8V, Uhr 1 Stgs. 4 u. 8>7. U. I Richard Tauber in Dreimäderl- haus inetropoi-iiieaier I Täglich 8>/e Uhr| Zritzi Massary I in I Eine Fraa, die weifi,> | was sie will! Stadl. Oper Charloltenburc Frauenhoter 0231 Mittwoch, 7. Sept. Turnus III Die Boheme Anfang 20 Uhr Dirigent: Breisach Nettesheim, Pataky, Eisinger.Quttmanh. _ Heyer_ Deatsdiss Tiioalßf Weidendamm 5201. 8 Uhr Wunder um Verdnn Dram.Dichtungvon Hans Chlumberg Regie: Karl Heini Martin. Kassenpreise von 0.50 M. bis 11.5» AI Kammerspiele Weidendamm 5201 Eröffnung Freitag, 9. Sagt., 8 Ohr UranffUhrnng: „Schicksal nach Wunsch" Komödie v. Christa Winsloe Regie: Rudolf Beer Hetzer, Ullrich. Riemann. Abel, Mosheim, Brausewetter d Uhr 15. Fiorc 3434. Räumen er:. ... ein Programm schöner Frauen, hervorragender Lei- stnngen und buntester Abwechslung. Kirchliofcr!. B.T. v. 4.9. Am 4. 6cptcmbct Verstarb nach längerem Krankeniager unser lieber Kollege, ber Maschinensetzer AVilkeim Gerold im 66. Lebensjahre Wir verlieren in ihm einen auf- rechten und stets hilfsbereitenttollegen. Ein ehrendes Andenken bewahren ihm Die Mssdhlvemetzer der Firma Rudolf Mossc Die Einäscherung findet Donners- tag, dem 8 September, nachmittags 6»/, Uhr, im Krematorium Baum» schuienwea statt. «■.Uhr CÄSlüO- THEATER 8,'.Uh' Lothringer Strafe 37. iiiiiiaaiiiiiaaaaBBtiiiiianaiiiBiaiiiiaiaiaiianiaiiiiiiaiiiaeiineiiiiiiiiaiim Outschein für die Leser 1— 4 Personen Fauteuil nur 0,75 M„ Sessel 1,25 M. Gültig auch Sonntag nachm. 4 Uhr Jinncmarie Volksoperette- Musik von Gilben Dazu ein bunter Teil. Stettiner Sänger Reichshallen-Theater (Dönhoffplatz) Merkur Ä. 6. 1247. vir. Meise! Tägl 8.15 Uhr, Sonntags 3230 Uhr(ermäßigte Pr.) ErötTunngtsiprosramiu mit der Burleske Freibad Krumme Lanke Neue Kräfte, Preise 0.50 bis 2.25 M. Vorverkauf 11—2, 5—9 Uhr. DIE BESTE deutschsprachige ARBEITER-ZEITUNG AMERIKAS Seit 55 Jahren führend!— Weltweite Verbreitung! Jahresbezugs- Preise für Europa: Tägl. u. Sonntagt: Nur Sonntags: Wochenausgabe Vorwärts: RM. 84— RM. 30.— RM. 18.— Probenummern kostenfrei Verlag: NewYorkerVolkszeitung 47 Walker Street— New York-City(USA.) Gewinnauszug 5. Klaffe 39. Preußisch-Süddeuljche Staats-Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer siad zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abfeilungea l und II 25. Ziehungsfag 6. September 1932 In der heutigen Vormiftagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 4 s.wim» I» 25000 sm. 59058 366031 2©ttmnn« zu 10000 M. 1280 8 B-wimi« au 5000 m. 198398 226018 252968 334581 28 S-vmn- zu 3000-M. 35965 71664 87772 100079 167652 177220 221089 293050 312057 324786 335156 362894 365801 366153 44 S-Winu-«u 2000 M. 2414 36853 11083t 120664 142442 167981 194745 234282 240994 266221 269589 271347 287037 288120 296648 331408 341712 343841 345789 349629 359370 359757 84 S-wiun-»u 1000 M. 2230 6723 10246 13214 22947 34023 53909 70014 34289 38351 90493 94064 92534 123522 133459 139543 150602 161334 186352 175079 179703 132909 200169 203374 207753 219421 230597 234693 23S5I3 226972 257363 257629 282379 295723 296363 326048 347710 249951 355923 3S8063 271923 290014 202 Gewinns ,u 500 M. 3354 8511 13963 14780 13460 22197 32934 36191 23235 40442 41557 44341 43653 52075 52393 54573 58401 81504 69120 69271 70724 73130 30214 81507 35377 38932 89897 91969 92143 97374 103147 109811 110706 112503 119369 123245 129231 137430 141375 143019 143738 149240 149342 155045 157994 181435 164050 164396 167622 167702 168917 171556 172607 177396 178216 181163 131198 182516 194880 199120 201555 205355 216343 218438 223109 227873 234333 239322 244666 246660 249507 253604 260926 262829 266973 271812 234129 235607 292043 292999 296270 299597 315469 316061 316662 317519 221475 224348 329618 337265 327839 348953 253312 260619 364141 232402 337502 391940 294508 296739 297977 In der Heuligen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 323670 4 S-Wlnn- zu 5000 M. 81267 106440____ 18 Gewinn« in 3000 W. 24941 57818 132899 180339 215044 278974 280686 314477 324736 44 Gewinne zu 2000 M. 920 1 1 577 20928 37847 42364 43335 58663 62027 110944 113789 132070 141935 148503 150294 200549 225968 225272 223323 258621 297030 306666 365343 70 Gewinne zu 1 000 M. 2433 13119 23759 40727 44053 45629 45676 47738 70410 78313 80315 129391 125170 135230 135249 148529 170610 135792 201201 205195 217686 234996 237067 241035 247416 272013 2721 79 282795 237022 221313 296241 204731 323762 3661 19 372336• 154 Gewinne ,n 500 M. 47 8199 25132 26162 52376 55754 56137 56934 57061 59156 61649 62967 70925 74719 83192 84118 89335 96614 98335 102350 128413 126265 137804 143094 143422 144893 151730 160404 160656 161564 161689 161717 162083 163573164983 171872 181345 181530 185644 200238 205534 207937 209399213348 221267 222070 222432 224040 224266 229097 229995 232713 235932 248618 253940 259897 231271 261353 266715 277201 277758 287401 293619 322161 323421 323962 337634 340826 349417 349600 358202 365943 375074 334483 337204 395414 396929 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien je zu 500000, 100 Schlußprämien zu je 3000, 2 Gc winne zu je 75«i. 2 zu je 50000, 2 zu je 2j0U0, 22 zu je 10000, 04 zu je 5000, 130 zu je 3000, 372 zu j« 2000, 788 zu je 1000, 1250 zu je 500, 8894 zu je 400 M. 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Ludwig Hasmann, Berkenbrück(Spree), erste Eiattan hinter Fürstenwalde (Spree). Frankfurt (Oder). Van Für. stenwalde 1 Stunde Fußweg. Herrlich« Waldung. Bade- ftrand, Rudern, Angeln. Eule Per» pslegung. 3.50 Mark täglich. Fern- fprecher 13.* | mietgesücne Möbliertes Zimmer, klein, vorn, Moritz- platznähe, von älte» rem Herrn zum 1. Ollober gesucht. Preisangabe. Ange» böte unter H. 236 auptexpedition de» iorwärts. !Jlr.42i• 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 7. September 49Z2 Oer krit�er Kückenverein. Das soziale Werk der Gehag- Siedlung.— Alle müssen mithelfen! Die noch dem Jtanffuefet Beispiel von der Bolgemeinschosi auch In Berlin ins Leben gerufene Erwerbslosenspeisung Hai sich als sehr segensreich erwiesen Gestern fand in der G e h a g- Siedlung in Brih die erste Erwerbslosenspeisung stall. Das soziale lverk wurde dank einer sozialdemokratischen Anregung und unter hervorragender Blilarbeit der Sozioldemokralischen Partei geschaffen. Es war in den letzten Wahlwochen. Da flog uns ein Aufruf des unter Führung unseres Genossen R e d e r stehenden Bewohner- ausschusses ins Haus, der aufforderte, mitzuhelfen, eine Erwerbs- losenküche zu gründen. Es hieß da u. a.: Mitbewohner! Wenn wir uns in einer Zeit, die erfüllt ist von weltanschaulichen Gegensätzen und parteipolitischen Kämpfen, mit diesem Appell an die gesamte Bewohnerschaft unserer Sied- lung wenden,...so geschieht das, weil wir es als unsere Pflicht betrachten, unseren notleidenden Wohngenossen in schwerster Zeit zu helfen und ihnen die Kraft zu erhalten, mit uns allen gemein- sam für eine bessere Zukunft zu kämpfen! Und trotz Wahlzeit, politischer Tageskämpfe und mannigfacher Versammlungen, fand der Aufruf die Beachtung, die er verdiente. Rund 3l> Proz. der Bewohner erklärten sich sofort bereit, hier mit- zuhelfen und ihr Scherflein beizusteuern, damit das Werk gelingen könne. Damit waren auch die finanziellen Bedenken, die einzelne Mitglieder der Bewohnerausschusses gegen die Schaffung der Er- werbslofenküche anführten, zerstreut. Nun wurde der organisatorische Aufbau in Angriff genommen. Die beteiligten Kreise waren einig darüber, daß alle Arbeit ehrenamtlich geleistet werden müsse. Trotz- dem sich ein großer Teil der Bewohner bereiterklärt hatte, die Küche finanziell zu unterstügen, machte das Finanzierungsproblem noch manche Schwierigkeit. Nachdem die Frage der Küchen räume dank des Entgegenkommens der„G e h a g' schnell und schmerzlos gelöst werden konnte, löste die der Küchen e i n r i ch t u n g einige Sorgen aus. Der Voranschlag sah hierfür etwa öllll bis KW M. vor. Es kam aber alles anders, nur nicht so, wie man es sich so schön aus- gemalt hatte. Die angebotenen Kochkessel— man wollte aus Spar- gründen gebrauchte erstehen— waren nicht zu verwenden und neue kosteten eine Stange Geld. Wieder war es die„Gehag", die ein- sprang, das Geld borgte und somit die Anschaffung der Kessel er- möglichte! Inzwischen war, um die gesetzlichen Bestimmungen zu erfüllen, die Gründung des„Küchenvereins der Einfa-Siedlung Britz" vollzogen. Jeder, der beitritt, zahlt einen monatlichen Mindestbeitrag von 30 Pf. Nebenbei bemerkt: noch oben sieht der Beitrag keine Grenze vor... Weitere zwanzig Prozent der Be- wohner fanden sich alsbald ein, um mitzumachen, so daß äugen- blicklich die halbe Siedlung mit bei der großen Sache ist. Auch die ehrenamtlichen Helfer hatten ihre Meldung abgegeben. Zwei von ihnen schwingen als Köchinnen das Zepter, während acht bis zehn weitere in dreitägiger Schicht die gewaltigen Vorarbeiten einer täglichen Speisung leisten. Haben sich doch bereits jetzt schon über 2W Personen gemeldet, die die Küche in Anspruch nehmen möchten. Dabei steht der Winter erst vor der Tür... Kommt alle in den„Küchenverein"? Utid damit wird noch einmal die Finanzierungsfrage angeschnitten. Wie schon oben erwähnt, sind SO Proz. der Bewohner bereit, ihr Scherflein beizusteuern. Die sich hieraus ergebende Summe plus Beitrag des Küchen benutzers— er zahlt für die Partion Essen 10 Pf. und einen Monatsbeitrag von 30 Pf.— ist jedoch nicht hoch genug, um die Gesamtausgaben decken zu können. Es ist zunächst notwendig, daß alle Bewohner der Britzer Gehag- Siedlung ihren Beitritt zum Küchenverein erklären, damit die finanzielle Basis gestärkt wird. Darüber hinaus aber sind Extra- beitrüge, auch wenn sie noch so klein sind, dringend erwünscht! Hervorgehoben sei, daß ein Gartenbesitzer dem Kllchenverein seinen Garten mit Ernte zur hostenlosen Verfügung gestellt hat.— Für eine einwandfreie Abwicklung der Geschäfte(Küchenzettel, Kochen, Wareneinkauf usw.) trägt die Kiichenkommission Sorge, die gemeinsam mit einem Beirat und dem gefchäftssührenden Ausschuß, der zugleich Vorstand des Küchenvereins ist, die ehrenamtliche Arbeit leistet. Oie Küchenräume befinden sich Im Erdgeschoß eines in der Liningstraße liegenden Ein- familienhauses. Die oberen Räume hat ein erwerbsloser Genosse gegen Leistung eines geringeren Mietgeldes bezogen. Damit ist gleichzeitig für eine ständige Bewachung der Küche gesorgt. Die Küchenrärune sind in hellen Farben gehalten. Zwei mächtige Junker- und Ruh-Gaskochkessel, die zusammen 350 Liter fassen, sind m den ersten Raum aufgestellt, während der zweite als Vorbereiwngsraum dient. Hier werden Kartoffeln geschält und Gemüse verputzt. Ben- tilatoren sorgen für Entlüftung der Küche. Der wöchentliche Lebens- mittelbedarf beträgt bei einer Speisung von 2W Personen etwa 10 Zentner Kartoffeln, 2 Zentner Gemüse, 1% Zentner Fleisch usw. Der Küchenzettel, der immer für drei Wochen festgelegt werden soll. zeigt in der ersten Woche folgendes Gesicht: Dienstag: Kahler mit Sauerkraut: Mittwoch: Brühreis: Donnerstag: Linsen mit Speck: Freitag: Mohrrüben mit Schweine- bauch: Sonnabend: Kartoffelsuppe mit Würstchen. An den Sonn- tagen wird keine Speisung verabreicht. Die Eröffnung der Küche fand am Dienstag statt. Reibungslos ging die Essenausgabe vor sich. Der an der Ausgabe befindliche Wochenküchenzettel wurde aufmerksam studiert und fast jeder rief, daß„sein" Leibgericht dabei wäre. Jemand kam, stellte seine Töpfe hin und bat um„eine große Portion für einen hungerigen Jung- gesellen".„Wir machen alle satt" scholl es aus dem Küchenraum zurück und befriedigt musterte der„hungerige Junggeselle" die Größe der Portion. Soweit die Schilderung. Wir wollen wünschen, daß es den Britzern gelingen möge, ihr soziales Werk gut durch den Winter zu bringen. Keiner der Siedlungsbewohner sollte hier abseits stehen, wenn es heißt, erwerbslosen Wohngenossen eine warme Mahlzeit zu verschaffen. Jeder kann helfen, wenn er nur will! Darum: ans Werk! Allen ein warmes Essen! Auch Eharlottenburg schafft Erwerbslosenküche. Ein Lichtblick, ein ruhender Pol in all der unliebsamen Erschei- nungen Flucht ist die Tatsache, daß die Menschen, die heute noch satt zu essen haben, sich ihrer Verantwortung den vielen Hungern- den gegenüber immer stärker bewußt werden. Da haben jetzt auch die Charlottenburger sich ins Zeug gelegt und eine Erwerbslosenküche geschaffen. Von ihrem Bezirksamt erhielten sie ein früheres Gärtnereigrundstllck samt Haus am Holtzdamm(zwischen Keplerstraße und Tegler Weg) zur Ver- fllgung gestellt. Haus mit Grundstück hört sich ganz schön und viel- oersprechend an, bloß, daß an dem Haus sämtliche Fenster und Türen samt Holzrahmen, vom Fußboden die Dielen sehlten und der „Garten" eine einzige total verkommene Wüstenei war. Nun hieß es also, das Haus aufbauen, die notwendige Inneneinrichtung besorgen und den Garten in Ordnung bringen. Erwerbslose wurden herangeholt, die für 1 M. pro Tag wie die Berserker schufteten und in kurzer Zeit ein tiptoppes Häuschen und einen blühenden Garten schufen. Die Kücheneinrichtung mußte natürlich auch zusammengeschnorrt werden, da lieferte der Lindenhos den großen Kochkessel, das Bezirks- amt Herd, Tische und was sonst noch notwendig war. Im schmucken Häuschen wohnt jetzt eine Familie mit 4 Kindern— der Mann war 1/4 Jahre erwerbslos—, die den ganzen Betrieb betreut und dafür Freiwohnung erhält. Die Küchengemeinschaft setzt sich aus freiwilligen, ehrenamtlichen Helfern zusammen, die einen monat- lichen Mindestbeitrag von 30 Pf. beisteuern. Es fehlt naturgemäß noch so allerhand und da die Stadt Berlin nicht helfend unter die Arme greifen kann, so sind Mitglieder, die helfen und auch ihr Scherflein zu diesem Liebeswerk beittagen, dringend erwünscht. Am l5. September will man mit der Speisung von täglich 250 bis 3W Erwerbslosen beginnen, die für einen Groschen einen Liter kräftig gekochtes Essen erhalten sollen. Aus den verschiedensten Lagern und Weltanschauungen setzt sich die freiwillige Helferschaft zusammen, denn sie alle erkennen das drohende Gespenst Hunger, gegen das mit allen vorhandenen Kräften angekämpft werden muß. Sahm ist optimistisch. Die„wamsende Hnamkrafi Berlins"/ flaglsfrai und Vcrwalimigsreiorm. Der Oberbürgermeister von Berlin, Dr. Sahm, hatte eine Unterredung mit einem Vertreter des MTB., über die wir folgendes erfahren: Im Vordergrund des Interesses steht natürlich, so erklärte Dr. Sahm, die Finanz- und Wirtschaftslage. Ein g ü n- stiges Symptom für die wachsende Finanzkrast der Stadt Berlin dürfte besonders eindringlich in den Kurssprüngen der letzten Wochen zu erblicken sein, welche bei den st ä d t i s ch e n Anleihen zu beobachten waren. So stand der Kurs der 70pro- zentigen Berliner Goldanleihe 1926 am 1. Juli 38. am 15. Juli Zillen in der Schleuse. Ein seltsames Bild bietet diese Schleuse, in der es kein Wasser mehr zu geben scheint. So dicht liegen die tiefgehenden Zillen nebeneinander. Die Relingsbalken sehen oon oben wie breite Schienenstränge aus. Auch dieser Anblick ist heute beinahe selten geworden. Die Schiffahrt liegt brach... 43,75, am 30. Juli 46, am 31. August 49 und am 5. September 58,50; der Kurs der Berliner Verkehrsanleihe 1928 an den gleichen Tagen 46; 51: 53,50; 57,75 und 65,25: der Kurs der Berliner Goldanleihe 1924 an den genannten Tagen 37: 48,75; 45,75: 49 und 67,50; der Kurs der Goldschatz-Anweifungen 1928 auf 60: 64; 64)/»; 70,75 und 82. Eine gute Aufnahme kommunaler Anleihen macht sich auch in anderen Städten bemerkbar, wie z. B. in Hamburg und München, doch steht Berlin in dieser Beziehung an der Spitze. Noch im Lause der nächsten Wochen muß die Frage über die eventuelle Neugestaltung der Verwaltungsbezirke gelöst werden, da im kommenden Frühjahr von 102 überhaupt vorhandenen be- soldeten Bezirksstadträten 63 infolge Ablaufs der Wahlzeit neu gewählt werden müssen. Der Oberbürgermeister hat seinen Plan bereits fertig(warum darf man ihn nicht kennenlernen?— Red. d.„V") und wird ihn wahrscheinlich schon am nächsten Mittwoch, also einen Tag vor der ersten Stadtverordnetenversammlung am 15. September— in einer gemeinsamen Sitzung von Magistrat und Bezirksbürgermeistern zur Besprechung vorlegen. Die Beschlußfassung bleibt dem Magistrat. Die Etatslage ist bekannt. Die größte Sorge gilt der Beseitigung des Defizits von 100 Millionen. Der Oberbürgermeister hofft, daß in der Magistratssitzung an diesem Mittwoch weitere Beschlüsse zur Minderung der Fehlsumme gefaßt werden und der nächsten Stadtverordnetenversammlung noch diesbezügliche Vor- lagen zugehen können. Durch die Notverordnung werden den Kassen der Stadt Berlin vom 1. Oktober bis Ende Dezember etwa 8 Millionen und im Jahre 1933 rund 30 Millionen Mark zufließen. Die Arbeitsbeschaffung für Erwerbslose hängt natur- gemäß ganz oon den Mitteln ab, die von der Reichsregierung zur Verfügung gestellt werden. Diese Gelder werden restlos für Strahenbauten, für die speziell von den Automobilisten gewünschte Beseitigung der Sommerwege, Wohnungsbauten und Stadtrand- siedlungen verwendet. Potsdams neue Bürgersteuer. Der Potsdamer Magistrat teilt der Oeffentlichkeit mit, daß er für 1932 die Bürger st euer mit dem dreifachen Landessatz einzuführen gezwungen ist. Die erste Rate wird am 10. Januar 1933 fällig. Der Magistrat begründet diesen Schritt damit, daß sich die Einführung nicht vermeiden ließ, wenn die Stadt nicht auf die Reichshilfen für die Wohlfahrtserwerbslosen verzichten wollte. Als weitere Begründung für das Aufhören der Steueroase Potsdam wird angegeben, daß bei Verabschiedung des Etats durch die Stadt- verordneten sich der städtische Haushalt um 1% Millionen Mark verschlechtert hat. Oie Trauerfeier für Heinrich Schulz. Die Trauerfeier für Heinrich Schulz findet am Don- n e r s t a g, dem 8. September, nachmittags 3 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Schulklassenschließung. Die Klasse 5 I der 81. Gemeindeschule in der Tilsiter Straße 4/5 ist wegen Scharlach und die Klasse�? b der 30. Gemeindeschule in der Riidersdorfer Straße 4/5 wegen Diphtherie auf je eine Woche geschlossen worden. HtiUtr Tiefte Meister Bxandeobcrger Meister Qechstef Meister Weichet* Wir 20 Ta&akmeister. die wir als einfache Tabakarbeiter unsere Laufbahn begonnen haben, haben unsere Kenntnisse vereinigt, uro die Noch und Noch Zigarre aus hochwertigen Tabaken zu schafften. Meiner Fische« Crhältlüh in oc 4000 Berliner Zigarren Beschaffen und in allen U.' Bahnhöfen / Vluttat in der Naunynfiraße. Die eigene Frau erstochen. Zn den Vüroräumen der Mechanikerinnung in der Aaunyn- strahe 39 spielle sich gestern nachmittag eine furchtbare Ehetragödie ab. Der 25 Jahre alte Maurer Alwin Schmidt aus der Reichenberger Strohe 82 tötete feine um drei Zahre jüngere Frau Anna, die dort als Kontoristin angestellt ist. auf bestialische Weise mit einem Dolchmesfer. Der Täter versuchte zu flüchten, er konnte jedoch festgehalten und der Polizei übergeben werden. Frau Schmidt lebt seit einiger Zeit von ihrem Manne ge- trennt. Gestern nachmittag erschien Schmidt ganz unerwartet im Büro der Mechanikerinnung und betrat das Zimmer, in dem feine Frau und noch eine andere Kontoristin beschäftigt sind. In Gegen- wart ihrer Kollegin stellte Sch. seine Frau zur Rede. Es entspann sich ein heftiger Wortwechsel und plötzlich zog der Maurer eine Gaspistole hervor und gab drei bis vier Schüsse ab. Die Kollegin der Frau Schmidt eilte unter lauten Hilferufen auf den Flur. Diesen Moment benutzte Schmidt, um sich mit einem Dolchmesser auf seine Frau zu stürzen. Der Rasende stach unzählige Male auf die Wehrlos« ein. Mit einem furchtbaren Dolchstoß schnitt dann der Täter seinem schwerverletzten Opfer das Genick durch. Der Tod trat auf der Stelle ein. Als Hausbewohner zur Hilfe herbeieilten, fanden sie die junge Frau in ihrem Blute leblos auf. Der Unmensch hatte inzwischen das Büro verlassen und sich auf der Treppe verborgen gehalten. In einem günstigen Augenblick wollte er das Haus fluchtartig verlassen. Er lies aber direkt dem Hauswirt in die Arme, der auf die Hilfeschreie aufmerksam geworden und aus seinem Büro, das über der Mechanikerinnung liegt, herbei- geeilt war. Der Mörder wurde festgenommen und dem Polizei- Präsidium eingeliefert. Sucht den Kinderschänder! Wie der Mann aussieht.- 500 Mt. Velohnung? Die Untersuchung der Kriminalpolizei zwecks Ergreifung des Sittlichkeitsverbrechers aus der Königs Heide, der am Wonlag die Njährige Schülerin Ellen dort vergewaltigte, hat ergeben, daß das Verbrechen von demselben Wanne ausgeführt worden ist, der auch am 23. August in den Mittagsstunden die kleine Johanna aus Baumschulenweg überfiel, wenn auch in der Beschreibung des Mannes durch die beiden Mädchen Abweichungen vorhanden find) so lassen jedoch andere Momente keinen Zweifel daran auslauchen, daß die beiden Sittlichkeilsverbrechen von demselben Manne verübt wurden. Auf die Ergreifung des Verbrechers ist eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt worden. Der Mann wird beschrieben als 1,70 Meter groß, mit grauem Hut und grauem Anzug mit Streifen sowie rötlichbuntem Schlips. S«in Alter wird auf 20 bis 23 Jahre geschätzt. Das Haar scheint vorn gelichtet zu sein. Er trug ein Hemd mit weiß- lichen Streifen und festem Kragen, den er abband und nachher in die Tasche schob. Der Mann trug außerdem eine Brille— anscheinend aus Schildpatt, deren Stege an den Ohren aus Gold waren. Ein Charakteristikum wird in beiden Verbrechen in bezug auf die Hand des Täters gegeben. Danach soll der Verbrecher kräftige Finger mit breiten Nägeln haben, die spitz zugeschnitten waren. Genau wie bei der kleinen Johanna hatte auch bei den l 1jährigen Ellen der Mann unterwegs angefangen, von der Schule zu sprechen und sich auch erkundigt, ob das Mädchen auch Zigaretten- bilder sammle. Als das Gespräch daraufkam, begann der Mann schon zudringlich zu werden. Die Kriminalpolizei wird an den Säulen Plakate ver- öffentlichen, in denen das Publikum unter Hinweis auf die aus- gesetzte Belohnung zur Mitarbeit an der Festnahme des Wüstlings aufgefordert wird. Zweckdienliche Mitteilungen sind daher unver- züglich an Kriminalkommissar Dr. N o r d h a u s e n im Polizei- Präsidium zu richten. Schießübungen in der SA.-Kaserne. In der Sellerstraße auf d«m Wcbding befindet sich eine SA.» Kaserne, die schon wiederholt Ausgangspunkt schwerer politischer Schlägereien gewesen ist. Gestern hörten Hausbewohner in der Behausung mehrere Schüsse fallen. Die Polizei wurde alarmiert und die Räume wurden durchsucht. Dabei wurden mehrere Schlag- ringe, eine Schußwaffe, eine Leuchtpistole und einige Schuß Gewehrmunition gefunden. Die Tür zu einer Kammer wies einen Kugeleinfchlag auf. Offenbar haben die braunen Geseller Schieß- Übungen veranstaltet, um di« Durchschlagskraft der Pistole zu er- proben. Ein SA.-Mann wurde in Haft genommen. Dunkelmänner gegen Schule! Verleumdungsfeldzug gegen Karl-Marx-Schule. Seit Monaten überschüttet die reaktionäre Presse, an der Spitze die„DAZ." und die„Berliner Börsen-Zeitung", die sachliche und amtlich anerkannte Arbeit der Karl-Marx-Schule und ihren Leiter mit einem Schwall der abgeschmacktesten und sinnlosesten Vorwürfe. In Wahlzeiten häuften sich diese Tendenznachrichten aus durchsichtigen Gründen. Die Pflicht zur Amtsverschwiegenheit gegen- über der Oeffentlichkeit scheint für amtierende Studienräte und pensionierte Oberschulräte in diesem Falle nicht mehr zu bestehen. Ein Beispiel für die Honorigkeit der Börsenzeitung. Unter dem 27. Juli 1932 stellte ein Anonymus die unsinnigsten Behauptungen über den Deutschunterricht in der Neuköllner Schule auf, die klassische Literatur würde in der unziemlichsten Weise vernachlässigt, verhöhnt und besudelt. Eine ausführliche Richtigstellung wird dem Blatt auf Grund der einstimmigen Entschließung der Fach- tonferenz mit Bezug auf den Z 11 des Pressegesetzes am 18. August zugesandt: erst am 31. August bequemt sich die Zeitung zu einem unvollständigen und veränderten Abdruck, bei dem gerade der Passus fehlt:„In den jährlichen persönlichen Arbeitsberichten der Schüler findet man nicht selten ein überzeugtes Eintreten für die Literatur vergangener Zeiten." Die Zurückweisung der falschen Behauptung,„keiner der Lehrer habe das Recht, gegen den Willen der Schüler Werke von Klassikern zu besprechen", wird ebenfalls oerschwiegen. Dazu schreibt die„Börsenzeitung" einen Kommentar, der sich wieder auf dunkle Quellen beruft, die der Schule nicht bekannt sind. Es taucht die neue Erfindung auf. die Abiturienten seien in der klassischen Dichtung nicht bewandert und begegneten Fragen aus diesem Gebiete mit stereotyper Ablehnung. Die Berichtigung wird dann als kaum den Tatsachen entsprechend hingestellt: die„Börsen- zeitung" bezichtigt damit ein ganzes Kollegium der Un- aufrichtigkeit. Aber das ist noch nicht der Gipfel ihrer Wohl- erzogenheit: zum Schluß wird dem Vertreter der Konserenz, der lediglich den Text zu übermitteln hatte, die Androhung gemacht, man werde sich demnächst mit ihm selbst beschäftigen: man zitiert einen Aufsatz, den man nach fünf Iahren aus der Mottenkiste neu herausgeholt hat, nachdem das verstaubte Requisit in entstellter Form schon am 1. Juli in diesem Anstandsblatte aufgetaucht war. Doppelt hält besser! Solchen Dunkel- und Ehrenmännern gegenüber gilt es die Augen aufzubehalten, zumal wenn in allernächster Zeit, wie wir aus guter Quelle wissen, ein Pressetrommelfeuer am gleichen Tage gegen die Karl-Marx-Schule einsetzen wird! SA. ist Angreifer. tlnd Reichsbannerkameraden werden bestrast. Die große Straftammer in Eberswalde hat sechs Reichs- bannerleute. Schirmer, Zöllner, Buchwald, Graß- mann, Merkel und P r e u ß wegen Landsriedensbruchs zu Gefängnisstrafen zwischen 6 und 9 Monaten verurteilt. Dem Urteil liegt dieser Sachverhalt zugrunde: Am 31. Juli kam es in F i n o w zu einem Zusammenstoß zwischen Reichsbannerkameraden und SA.-Leuten. Die Reichs- bannerleute waren an der Geschäftsstelle der Nationalsozialisten vor- beigekommen. Dabei hatten sie Freiheitsrufe ausgebracht, und es soll unter Hinweis auf die herausgehängte Hakenkreuzfahne die Aeuße- rung gefallen sein,„jetzt holen wir die Fahne Herunter". Daraufhin sind die Nationalsozialisten aus ihrem Heim herausgestürmt und haben die Reichsbannerkameraden tätlich angegriffen. Neben den Reichsbannerkameraden waren auch 8 Nationalsozia- listen angeklagt. Gegen ihren Führer, einen gewissen Drynda, hatte der Staatsanwalt wegen Körperverletzung 6 Monate Gefäng- ms beantragt. Das Gericht hat bis auf ganz geringe Geldstrafen, die es verhängte, alle Nationalsozialisten freigesprochen und alle Reichsbannerleute verurteilt. Dabei ist es bezeichnend, daß selbst in der Urteilsbegründung gesagt wird:„Wenn die SA. zum Zwecke der Abwehr aus der Geschäftsstelle herausgekommen sei, so ändere dies an der Schuld des Reichsbanners nichts." Die als berechtigt unter- stellte Vermutung der Nattonalsozialisten, es könne jemand nach einer spontan geschehenen Aeußerung ihre Fahne herunterholen, genügte, um in der Urteilsbegründung einen Angriff in eine Abwehr umzu- wandeln! Es ist bezeichnend, daß die Staatsanwaltschaft P r e n z l a u gegen den Mitangeklagten Schimanski, der Mitglied der SA. und seit einiger Zeit flüchtig ist, nicht mit dem Effer einen Haftbefehl herausbrachte, den sie sonst bekundet. Schimanski ist zahlreicher strafbarer Handlungen verdächtig, u. a. ist er an dem Waffendieb- stahl in einem Stahlhelmheim beteiligt, über den wir berichtet haben. Noch am letzten Verhandlungstag hat der Verteidiger, Rechts- anwolt Joachim, zahlreiche Zeugen laden lassen, die bestättgten, daß die SA. mit den Pöbeleien begonnen und den Streit angefangen hat. Am Abend nach dem Zusammenstoß haben SA.-Leute Reichsbannerkameraden angefallen und in ihr Heim verschleppt. Weiter wurde bekundet, daß SA.-Leute aus 9-Milli- meter-Pistolen geschaffen haben. Die Reichsbannerleute haben sehr harte, die Nationalsozialisten außerordentlich milde Richter gefunden! Ein Flugblatt der„Bolksfursorge". Wenn die Generalversammlung der Lebensversicherung der Werktätigen getagt hat, dann wird der Geschäftsbericht in Form eines Flugblattes den Versicherten auszugsweise mitgeteilt. In diesem Jahre wird das vierseitige reichlich illustrierte Flugblatt mit seinen intereffanten Mitteilungen im Monat September an die Versicherten verteilt werden. Die Volksfllrsorge hat vom Tage ihres Bestehens an immer den größten Wert darauf gelegt, den geheim- nisvollen Schleier, der sich um die meisten Versicherungsdinge wob, Die gute Kartoffel. Warum stehen die deuisdien MarKcnharlollcln nach Endland stall nadi Berlin? Die Landwirte stimmen in diesen Tagen ein Klagelied nach dem anderen an Über den Tiefstand der Kartosfelpreise. Sie sagen, jetzt bei den Frühkartoffeln sei schon nichts zu verdienen und was soll das erst werden bei den Herbstkartoffeln, deren Er'nte in wenigen Wochen beginnt. Nun mag von der bedrängten Verbraucherseite her gegen den Kartoffelpreis— 30 Pf. für 10 Pfund— nichts eingewendet werden, aber gegen die Qualität der nach Berlin kommenden Kartoffeln muß einmal Sturm gelaufen werden. Was nützt den Hausfrauen ein einigermaßen erträglicher Kartoffelpreis, wenn sie beim Schälen eine Kartoffel nach der anderen wegwerfen muffen, weil sie allesamt schlecht sind. Zehn Pfund Kartoffeln gekauft, haben die Hausfrauen nachher fünf Pfund nur im Topf. Und so geht es nun schon Jahre hindurch: die Oualiläl der nach Verlin kommenden Kartofseln ist unter aller Kritik. Dabei gibt es gute Speifekartoffeln. So müht man sich auf alljähr- lichen Ausstellungen, Stadt und Land zum gegenseitigen Verstehen näher zu bringen. Und wenn die einzelnen Landwirtschaftskammern ihre S-Kilo-Tüten, gefüllt mit wohlsortierten Markenkartoffeln samt dem Herkunftswappen für Qualitätsgarantie, ausstellen, dann freuen sich auch die Städter über die guten Kartoffeln. Nur in ihren Koch- topf bekommen die Berliner diese Kartoffeln nie. Dafür können sie die Londoner Hausfrauen in ihren Markt- körben nach Hause tragen. Denn die deuffchen Markenkartoffeln in chren S-Kilo-Tüten spazieren wohlgemut nach England. Hier liegen sie im erbitterten Konkurrrenzkampf mit den billigeren pol- nischen Kartoffelsorten, aber trotzdem konnten sie sich durch ihre Qualität am englischen Markt gut einführen.„Diese Taffache kam der Markenkartoffel zugute, die sich am englischen Markt steigen- der Beliebtheit erfreut und sich namentlich gegen die Schleuder- konkurrenz aus Polen erfolgreich behaupten konnte. Die in der Qualität völlig gleichmäßigen Lieferungen ermöglichten es, auch zu Zeiten der Baisse ohne Verluste in den Hauptverbrauchsgebieten Englands Markenkartoffeln abzusetzen. Das Preisniveau für Markenkartoffeln lag hierbei stets erheblich über dem für die übrigen Exportkartoffeln und ermöglichte es, dem Erzeuger einen Preis zu bewilligen, der für ihn nach Abzug des durch die Herrichtung der Markenkartoffeln bedingten Mehraufwands eine Rente zuließ." Zu diesem bemerkenswerten Urteil kämmt Herr A. Mann von der Landwirffchaftskammer für die Provinz Sachsen. Dabei betragen die Unkosten für die Qualitätskontrolle der deutschen Markenkartoffeln noch nicht einmal 4 Pfennig pro Zentner! Was ist das für eine Wirffchaft! Di« Schweine- kartofseln sind gut für Berlin und die Speisekar- toffeln gehen nach England. Es bemüht sich auch nie- mand um die Einführung der Markenkartoffel in Berlin. Möglich. daß es in irgendeinem Delikateßgefchäft die von der„Grünen Woche" her bekannten ö-Kilo-Tüten gibt, aber die Grünkramhändler und die Markthallen haben sie bestimmt nicht. Die Berliner Haus- srauen können nur abseits stehen und den Londonern beim Der- zehr unserer guten Kartoffeln ein„Wohl bekomm'?" wünschen. Aber statt daß die Landwirte nach dem Spiritusbeimischungszwang und dem Kartoffelmehrbeimischungszwang zum Weizenmehl schreien, sollten sie lieber bessere Kartoffeln liefern, dann stünde es auch um ihre Rente besser. zu zerreißen und auch interne versicherungstechnische Dinge der Oeffentlichkeit bzw. dem Versicherungspublikum zur Kenntnis zu bringen. Daß dieser Weg richtig war. beweist der großartige Auf- schwung der Volksfürsorge in den letzten Jahren. Durch die Wirt- schaftskrise ist der Neuzugang wohl zurückgegangen, jedoch hält er sich immer noch auf einer beträchtlichen Höhe. Die Volksfürsorge kann von sich mit Stolz sagen, daß sie sich krisenfest und erfolgreich behauptet. Diese Tatsache wird den Versicherten Freude bereiten und der Volksfürsorge viele neue Freunde und Anhänger gewinnen. Gensation in Hollywood. Gelbstmord eines deutschen Regisseurs. Unter auffehenerregenden Umständen beging einer der prominen- testen Deutschen in H o l l y w o o d, der Produktionsleiter der Metto- Goldwyn-Filmgesellschast Paul Bern, Selbstmord durch Er- schießen. Angesichts der großen Erfolge, die Bern hinter sich hatte, und der guten Aussichten, die sich ihm auch für die Zukunft boten, steht man, was die Gründe zu seinem Selbstmord anlangt, vor einem Rätsel, das durch eine kurze Mitteilung für sein Frau, die er hinter- laffen hat, noch geheimnisvoller wird. Bern war seit zwei Monaten mit der amerikanischen Schau- spielerin Ieanne Harlow verheiratet. Der von Bern offen- sichtlich in Hast mit dem Bleistift geschriebene, für seine Frau be- stimmte Brief hat folgenden Wortlaut:„Meine teuerste Frau! Leider' habe ich keinen anderen Weg, das furchtbare Unrecht, das ich an Dir begangen habe, wieder gutzumachen. Nur jo kann ich mein« Schande wieder auslöschen. Du mußt es verstehen, daß alles, was gestern abend gewesen ist, nur Komödie war. Paul." Die Freunde des Toten, unter denen sich in erster Linie der Direktor der Metro, Irving T h a l b e r g, und der deutsche Regisseur Ernst Lü b i t s ch befinden, haben erklärt, daß die Ehe Berns als außergewöhnlich glücklich galt. Bern lernte Ieanne Harlow, die erst 2l Jahre alt ist, bei der Arbeit für den in Deuffchland verbotenen Film„Hell of Angles" kennen. Kurz zuvor hatte sich di« Schau- spielerin, die die Mode der„platinblonden" Haare in der Welt so populär gemacht hat, von ihrem ersten Gatten, einem reichen Bankierssohn aus Chikago, McGrew, scheiden lassen. Glück im Llnglück! Flugzeugabsturz in Staaken.— Niemand verletzt. Auf dem Flugplatz in Staaken bei Spandau stürzte gestern nach- mittag ein Flugzeug aus etwa 3S bis 40 Meter Höhe ab und wurde völlig zertrümmert. Der Pilot und fein Begleiter blieben wie durch ein Wunder bis auf geringfügige Abschürfungen unverletzt. Die Masichne L 25 Nr. 2106 der Deutschen Luftfahrt G. m. b. H. war gegen 16 Uhr mit dem Piloten Virffchaft und einem Flug- schüler zu einem Platzflug gestartet. Als sich das Flugzeug in etwa 35 bis 40 Meter Höhe befand und in eine Rechtskurve ging, verlor der Apparat aus noch unbekannten Gründen die normale Fluglage und ruffchte ab. Die Maschine prallte mit ungeheurer Wucht auf dem Flugfelde auf und zerschellte. Nicht eine Strebe blieb ganz. Mit größter Besorgnis war das Unglück von der Flug- platzleitung und der Polizei beobachtet worden. Um so größer war das Erstaunen und die Freude der zu Hilfe Eilenden, als die vermeintlich schwerverlegten Piloten fast völlig unversehrt aus dem Trümmerhaufen kletterten. Todessturz eines Klempnerlehrlings. Auf dem Grundstück Chausseestraße 127a in Britz ereignete sich gestern ein tödlicher Unfall. Auf dem Dach des Hauses war der 17 Jahre alte Klempnerlehrling Erwin Bartsch aus Friedrichs- felde, Fliederweg 103, zusammen mit einem Gesellen beschäftigt. Der junge Mann verlor den Halt und stürzte kopfüber in die Tiefe. Mit schweren Verletzungen wurde der Verunglückte bewußtlos ins Neuköllner Krankenhaus übergeführt, wo er wenig« Stunden nach seiner Aufnahme starb. Achtes Todesopfer des Gtahlhelmtages. Der Berliner Stahlhelmtag hat noch ein achtes Todes» o p f« r gefordert. In Hainau(Schlesien) verunglückte auf der Rückfahrt von Berlin ein Kraftwagen, der mtt vier Personen be- setzt war. Di« Frau des Besitzers, eines Schweidnitzer Arztes, wurde auf der Stelle getötet, die übrigen drei Personen kamen mit leichteren Verletzungen davon. Sonderschau„Alkoholfreie Jugenderziehung". Wie dem Amt- lichen Preußischen Pressedienst mitgeteilt wird, veranstaltet die Reichsarbeitsgemeinschaft für alkoholfrei« Jugenderziehung e. V. in ihren Räumen, Berlin W. 9, Stresemann-Str. 121, eine Sonder- schau, die geeignet ist, einen Ueberblick über das Schriften- und Anschauungsmaterial zur Aufklärung der Jugend über die Alkohol- gefahren zu gewinnen. Die Sonderschäu ist wochentags von 10 bis%5 Uhr geöffnet, der Einttitt ist frei. Meileraussichten für Berlin: Wolkig, ober zeitweff« aufheiternd. nur leichte Niederschläge, vorwiegend südwestliche Winde, Tempera- turen etwas sinkend.— Für Deutschland: Im Süden und Osten noch keine nennenswerte Aenderung, im übrigen Reiche wolkig mit westostwärts fortschreitender Abkühlung: namentlich in Nordwest» deuffchland zeitweise regnerisch. Der Staat und die Banken. Die Tschechoslowakei entlarvt den Götzen Privatwirtschaft. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat die Verstaat- lichung der Großbanken und eine Neugestaltung des deutschen Kredit- wesens verlangt. Das Echo in der bürgerlichen Presse erfolgte so, wie es erwartet werden mußte. Der Sozialdemokratie wird vor- geworfen, daß ihre Gesetzesoorschlüge nicht von praktischen und fach- lichen Erwägungen, sondern lediglich aus politischem Agitations- bedürfnis heraus gestellt worden seien. Es ist aber das Kennzeichen gerade des deutschen Bürgertums, daß es sich zu jeder positiven Gestaltung des Bankwesens unfähig erwiesen hat. Anders Länder sind den Verfallserscheinungen im Bankwesen mit ungleich stärkerer Energie entgegengetreten, ohne jene Scheu vor einer staatlichen Kontrolle, die das besondere Schreckgespenst des reaktionären deutschen Bürgertums ist. Dafür bieten die Verhältnisse in der bürgerlich regierten Tschechoslowakei einen besonderen Beweis, wo vor wenigen Wochen ein neues Bankgeseh veröffentlicht wurde. Dieses Gesetz ist von dem deutlichen Bestreben geleitet, mit schärf st en Mitteln kapitalistischenAus- wüchsen der Bankenwirtschaft entgegen zu treten und durch weitgehende S t a a ts k o n t r o l l e den Grundsatz des Allgemeinwohles wiederher- zustellen. In der deutschen bürgerlichen Presse sind bis aus ganz wenig« Ausnahmen die bedeutsamen neuen tschechoslowakischen Gesetze totgeschwiegen worden. Das Thema war zu peinlich und legte sehr unangenehme Vergleiche nahe. Um so wichtiger ist es. einer breiten Oesfentlichkeit zu zeigen, wie in der Tschechoslowakei eine bürgerlich-demokratische Regierung den Erscheinungen kapita- listischer Mißwirtschaft zu Leibe gerückt ist. Die Motive der Regierungsvorlage und die Prolokolle der gesetz- gebenden Znstanzen zeigen mit einer für Deutschland ungewohnten Offenheit, was eine wirklich kritische Betrachtung der Dinge lehrt. So heißt es im Motioenbericht der Regierungsvorlage unter anderem: „Die Erfahrungen, welche aus einigen bedenklichen Erschei- nungen im Bankenwesen, namentlich im Auslände, gewonnen wurden, führen zu der Erkenntnis, daß die Interessen der Ein- leger und der anderen Gläubiger der Banker» es erheischen, daß sowohl die zivilrechtliche als auch die strafrechtliche B e r a n t- wortlichkeit der leitenden Faktoren in den Banken für eine ordentliche Wirtschaft mit dem anvertrauten Vermögen verschärft wird, womit die Forderung Hand in Hand geht, daß diese Faktoren, nicht belastet durch die Jagd nach eigenem Erwerb und sich nicht durch ein Uebermaß von Nebenämtern zersplitternd, ihre ganze Kraft und Anstrengung zum Nutzen der Anstalt konzentrieren, an deren Spitze sie stehen. Diese Mängel trachtet der vorliegende Entwurf zu beseitigen, der ein für allemal unsere Banken vor den Störungen sichern soll, die aus einer gewissenlosen oder unfachmännischen Führung entstehen.� N o ch d e u t l i ch e r ist die Sprache des Berfassungs- und Rechts- ausschuffes des Senats, mit der er einen staatlichen Eingriff in das Bankwesen begründet. Hier heißt es: „Die Verhältnisse haben aber bewirkt, daß dieser Vermittler (das ist die Bank) sehr oft seine ursprüngliche Ausgabe nicht erfüllt, sondern getrachtet hat, sich selbst..der Früchte des Kapitals zu bemächtigen, dessen Schöpfer und Verbraucher um den größten Teil des Ergebnisses ihrer Arbeit zu bringen, denn die unnatürlich teure Regie der Geldanstalten hat den größten Teil der Erträgnisse der ausgeliehenen Kapitalien aufgebraucht und das Streben nach großen Gewinnen hat überdies zu sehr riskanten Transaktionen verleitet..." „Viele Banken haben sich überdies, um auch die Unternehmer- gewinne an sich zu ziehen, in Produktions- und Handelsunter- nehmungen eingelassen, welche entweder durch die Unfähigkeit und Selb st sucht der leitenden Personen oder durch die wirtschastliche Umwälzung der Nachkriegszeit große Verluste an Kapital herbeigeführt und viele Banken an den Rand des Ver- derbens gebracht haben." SiltNcher Perfall. Unredlichkeit, hyänentum der leitenden Personen. Schließlich kommt der Ausschuh zu einer Schlußfolgerung, die an Deutlichkeit der Wirtschaftsanalyse und der Sprache nichts mehr zu wünschen übrig läßt. Er sagt: „Aber die siebenjährig« hier und im Ausland erworbene Er- fahrung hat gezeigt, daß auch durch diese(früheren) Gesetze die angestrebten Erfolge nicht erzielt wurden, denn die Fälle waren häufig, daß eine Geldanstalt an den Rand des Verderbens geriet, ihr« leitenden Persönlichkeiten aber eine erschreckende Bereicherung hinterließen... Dies bewies, daß der Kern des Uebels größtenteils in dem sittlichen Verfall, der Unredlichkeit, ja dem Hyänentum der leitenden Personen beruhte, welche die Banken zu ihrer Bereicherung ausnutzten, indem sie sich einer- seits durch feste Verträg« unangenessene Gehälter und Entlohnungen sicherten und andererseits die ertragsreichen Geschäfte der Bank für sich okkupierten." Man begreift, daß das für die deutsche bürgerliche Presse keine willkommene Sprache war, obwohl die Verhältnisse in Deutschland noch vielfach schlimmer als in der Tschechoslowakei sich entwickelt hatten. Das neue tschechoslowakische Bankengesetz hat zunächst die Organisation eines Fonds gesichert, der zur Abdeckung solcher Ber- luste dienen soll, die speziell aus den Nachkriegsverhältnissen ent- standen sind. Die Speisung des Fonds geschieht durch Pflicht- beitrüge sämtlicher in Frage kommenden Bankinstitute und durch Staatszuschüsse. Anders als in Deutschland, wo man die Bankenstützung lediglich mit öffentlichen Mitteln vornahm, ist man in der Tschechoslowakei dazu geschritten, eine solidarische Haftung sämtlicher Bankinstitute auf diese Weise herbeizuführen. Außerdem hat man die Ge- Währung von Hilfen an die Bedingung weitgehender staatlicher Kontrolle gestellt, die in chrem Endeffekt aus die Kontrolle und die Geschäftsführung der Bankinstitute durch staatliche Treuhänder hinausgeht. Aehnlich hat man bei der Organisation eines wetteren söge- nannten allgemeinen Fonds verfahren, dessen Zweck es ist, „die Sparsamkeit durch Erhöhung der Einlagensicherheit zu fördern und die günstige Entwicklung des Geldwesens möglichst sicherzu- stellen". Die Speisung des Fonds geschieht auch hier durch Beiträge der in Frage kommenden Bankengruppen. Die Verwaltung des Fonds liegt in den Händen eines Kuratoriums, dessen Mitglieder ausschließlich von der Regierung er» nannt und abberufen werden. Die Verausgabung des Fonds nimmt dos Kuratorium, das wiederum mit schärfsten Kontrollbefugnissen ausgestattet ist, vor. Besonders interessant ist hierbei ein Grundsatz, daß die Unterstützung mit Fondsmitteln solchen Gläubigern zu verweigern ist, welche sich in sittenwidriger Art besonders hohe Zinsen oder Vorteile haben bewilligen lassen. Ganz neue Bestimmungen hat die Tschechoslowakei für die öffentlich unter st ützten Aktienbanken erlassen. Das neue Gesetz zieht hier zunächst einmal zur Tragung der Lasten der Sanierung rücksichtslos das Privatvermögen der Bankleiter und der verantwortlichen Personen heran. Dann werden die Aktionäre und die Bank selbst zur Mithastung für die Verluste verpflichtet. Vor allen Dingen wird aber eine weitgehende Einschaltung öffentlicher Kontrollen vorgenommen. Die Regierung gewährt den Regierungsorganen alle Kontrollrechte, die nur irgend denkbar sind, und der A u s s ch u ß b e r i ch t des Senates kennzeichnet diese Bestimmungen ohne Scheu als eine E r m ä ch t i- gung der Regierung„zur zeitweisen Soziali- sierung und Nationalisierung notleidender Bank- institute". Die Tschechoslowakei hat also den Mut gefunden, der der deutschen Regierung fehlte, nämlich die Macht auch ent- sprechend dem Risiko zu oerteilen. Aber sie hat auch sehr deutlich gesagt, daß der Staat sehr scharf zupacken muß, wo er den Kapita- listen Hilfe gewährt, einfach weil man sich auf den guten Willen sanierter Unternehmer nicht verlassen kann. Es heißt in der Regierungsvorlage: „Die Bestrebungen der Regierung, in den aus öffentlichen Mitteln sanierten Anstalten eine vollkommene Ordnung her- beizuführen, würden bei dem gegenwärtigen Rechtszustand, welcher die Autonomie(Selbständigkeit) für Kapitalveremigungen anerkennt, wegen der mangelnden Fähigkeit, um nicht zu sagen wegen des mangelnden guten Willens der Organe dieser Anstalten, die Wirtschaste» der Anstalten dem öffentlichen Wohl anzupassen, oft nicht zu dem wünschenswerten Ziele führen." Die tschechoslowakische Regierung hat gleichzeitig eine Neu- regelung des Aktienbonkwesens überhaupt vorge- nommen, und zwar auch in einer Weise, die das S ch w e r g e- wicht der Kontrolle auf die Seite des Staates legt und nicht in den Händen der privaten Leiter beläßt. Durch be- sondere Schutzbestimmungen ist Vorsorge getroffen, daß die leiten- den Stellen in den Banken nur mit wirklich geeigneten Persönlich- leiten besetzt werden können. Die Verantwortlichkeit des Aussichts- rates ist erhöht, die Zahl der Aussichtsratsmitglieder beschränkt, die Häufung von Aemtcrn in einer Hand stark beschnitten. Die Bezüge der Aussichtsrats- und Vorstandsmitglieder dürfen gesetzlich eine bestimmte Höhe nicht überschreiten und unterliegen dem Rücksorde- rungsrecht bei-Verlusten im Geschäftsbetriebe. Vorstand und Auf- sichtsrat sind bei ihrer Geschäftsführung an besondere Ordnungen gebunden, die nach staatlichen Richtlinien erlassen und vom Staate genehmigt werden müssen! Das tschechoslowakisch« Beispiel ist wahrhaft lehrreich. Es zeigt, daß es nur in Deutschland jene irrsinnige Ver- götzung der Privatwirtschaft gibt, die schließlich das deutsche Krifenelend in so heilloser Weis« verschärft hat. Alles, was in der Tschechoslowakei gesagt und getan wurde, ist von einer bürgerlichen Regierung geschehen! Die Mißstände in Deutschland sind nun noch unvergleichlich größer als in der Tschechoslowakei. Im Kampf um die Verstaatlichung des deutschen Bank- und Kreditwesens muß die vernichtende Kritik, die in Prag geübt wurde, eine scharse Waffe zur Ausklärung der deutschen Oesfentlichkeit werden. Popens Lorsenhausse. Die Hoffnung auf steigende Profite treibt die Kurse hoch. Die Börse befindet sich seit Ankündigung des Wirtschaftspro- gramms durch Papen in einer Hausfe-Stimmung. Zum ersten Male seit Iahren kauft wieder das„P u b l i k u m", das sind die Leute, die nicht zu den berufsmäßigen Börsenbesuchern und Börsenspekulanten gehören, Leute, die Spargelder und freie Kapi- talien in Börsenpapieren anlegen wollen. Das„mutige Bekenntnis der Regierung zur kapitalistischen Wirtschaft" nannten die Unter- nehmerblätter befriedigt das System von Steuergeschen- ken für die Unternehmer und Lohnraub und Steuerlasten für die breiten Massen, wie es in der Notverordnung verwirklicht ist. Die bestimmte Erwartung, daß bei dem notverordneten Lohndruck die Profite steigen werden, hat viel? Kapitalkräftige zu Aktienkäusen veranlaßt, die die Kurse einzelner Papiere sprunghaft in die Höhe trieben. Aktienkurse 1332. Papier D-D-Bank.................. Reichsbank,................ Allianz-Stuttgart........... Hapag..................... Mannesmann............... Rhemstahl.................. Vereinigte Stahlwerke....... Ilse Bergbau............... Gessürel.................... Siemens& Halste........... A.E.G..................... Berlin-Karlsruher Industrie.. Rheinmetall................ Orenstein& Koppel.......... Daimler-Benz.............. Salzdetfurth-Kali........... I. G. Farben................ Stöhr Kammgarn........... Bemberg................... Berger Tiefbau.............. Engelhardt Brauerei......... Freilich zeigten gungsrede steigende vor Popens Ankündi- der Durchschnitts» die Aktienkurse schon Tendenz, so daß sich k u r s aller an der Berliner Börse gehandelten Aktien von 46.5 Proz. am 13. April— am 12. April wurde die Berliner Börse wieder eröffnet— auf 55,7 Proz. am 24. August erhöhte. Diese Börsen- bewegung aber kam ohne Beteiligung des Publikums zustande und hatte verschiedene Ursachen. Zunächst waren viele Aktien- kurse ganz zweifellos auf ein ungerechtfertigt niedriges Niveau abgesunken, so daß eine Korrektur der Kurse noch oben früher oder später zu erwarten war. Dann hatten die Maßnahmen in den Vereinigten Staaten zur Krisenüberwindung zu- nächst an der New-Porker Börse einen Umschwung herbeigeführt, der auch die Stimmung an den europäischen Börsen günstig bcein- flußte. Es kam hinzu, daß die R o h st o f f p r e i s e aus den Welt- Märkten schon vor mehreren Monaten zu steigen begannen, eine Tatsache, die von den Wertpapierbörsen ebenfalls günstig beurteilt wurde. Schließlich zeigte sich endlich auch am deutschen Geld- markt eine ziemliche Flüssigkeit, die ja auch eine Diskontsenkung in kurzer Zeit erwarten läßt. Daß die„feste" Stimmung der Börse sich zu einer regelrechten Hausse auswuchs, das ist in der Tat Popens„Erfolg". In den Tagen nach seiner Rede und an den beiden Tagen nach Berkündi- gung der Notverordnung sprangen die Kurse einzelner Papiere in die Höhe, und die Umsätze erreichten ein lange nicht gekanntes Ausmaß, so daß teilweise ein erheblicher Mangel an Stücken ein- trat. In unserer Tabelle haben wir einige Papiere mit be- merkenswerten Steigerungen aufgeführt. Allgemein fällt die starke Steigerung vom 24. August bis zum 6. September auf. So hatten beispielsweise I. G. Farben bis zum 24. August nur 7 Punkte gegenüber ihrem Tiesstande aufgeholt, aber in der kurzen Zeit bis zum 6. September gewannen sie 14 Punkte. Das gleiche gilt besonders von Bemberg, aber auch bei Daimler, beim Stahlverein, 'bei Hapag, bei AEG. ist diese Bewegung deutlich. Der Kurs der Deutsche-Bank- und Disconto-Gesellschaft- Aktien ist erst nach Ankündigung des Papen-Programms in Bewegung gekommen. Zu beachten ist die besonders st a r k e Steigerung bei Berlin-Karlsruher Industriewerke(von 16 auf 58) und bei den Rheinischen Metallwerken(von 22 auf 73). Das sind Werke, die für Waffenlieferungen an die Reichswehr in Frage kommen: sie werden an der Börse noch der Ankündigung von Schleichers Wehrprogramm besonders günstig beurteilt. Daß die Börse von dieser Regierung keinen Druck auf die notwendige Sanierung der Schwerindustrie erwartet, zeigt das Steigen des Kurses der Stahloereins-Aktien auf mehr als das Doppelte, von 11 aus 23. Kurse festverzinslicher Werte 1332. Papier 8% 6% Hocfch Obligationen...... Dt. Reichsanl. von 1927... 6% Dt Reichsbahn-Schatz..... 7% Verl. Verkehrsani........ Dt. Komm. Sammel-Anl... 8% Preuß. Centralb Pfandbr. Auch der Markt der fe st verzinslichen Werte hat von der Hausse-Stimmung profitivt. Die Erklärung der Regierung, daß sie keine generelle Zinssenkung vornehmen werde, hat das Mißtrauen gegen die festverzinslichen Werte beseitigt. Gestiegen sind auch Kommunal-Obligationen, die dank einer un- verantwortlichen Hetze(die von hohen Stellen geduldet wurde!) auf einen besonders niedrigen Stand gesunken waren Die immer noch niedrigen Kurse gewähren eine phautastisch hohe Verzinsung des angelegten Kapitals(bis zu 15 Proz. und mehr) und bieten einen starken Anreiz zu Käufen. Die Börse ist also ob dieser Regierung und ihrer Maßnahmen der b e st e n Hoffnung. Wie aber, wenn der systematische Lohnraub die Kaufkraft der breiten Massen so stark senkt, daß der ver- mehrte Druck auf die Konsumgüterindustrien den schwachen Auf- trieb bei den Produttionsgüterindustrien tötet? Da die Regierung in privatkapitalistischer Jnteressenahme es vor- zog, den Unternehmern Geschenke zu machen statt umfangreiche öffentliche Arbeiten zu vergeben, fürchten wir, daß aus der ganzen Ankurbelungsaktion nichts wird. Sie hat mit ihrer Prämie für Neueinstellungen bisher erreicht, daß an der Börse eine„Hausse des Hundertmarkscheins" entstand. Den Arbeitern aber ist nur der L o h n r a u b sicher: aus vermehrte Arbeitsgelegen- heit warten sie, hoffentlich nicht vergebens. Proteste gegen die Einfuhrdrostelung. Gegen Popens Absicht, die landwirtschaftliche Einsuhr grund- sätzlich zu kontingentieren, laufen Industrie und Exporthandel be- greislicherweise Sturm. Die hanseatischen Gewerbe- k a m m e r n haben ein Telegramm an den Reichskanzler gerichtet, in dem gegen die Absicht weitgehender Kontingentierungen ebenso scharf Protest eingelegt wird, wie es schon die hanseatischen Handels- kammern getan haben. Der Verband der bergischen In- dustrie- und Handelskammern hat ähnliche Telegramme an den Reichskanzler, den Reichswirtschaftsminister, den Reichs- ernährungsminister und den preußischen Handelsminister gerichtet. Der deutsche Bund für freie Wirtschaftspolitik, in dem Wissenschaftler und Unternehmer in gleicher Weife vereinigt sind, hat an den Reichskanzler telegraphiert, daß die geplant« Kon- tingentierung das eben erst verkündete Wirtschastspro- gramm gefährden müsse. Am Konferenztisch in Gireso. In Stresa am Lagomaggiore, wo die slldosteuropäischen Agrar- länder den westeuropäische» Industrieländern, die auch ihre An- leihegläubiger sind, klarmachen wollen, daß man ihre Agrarprodukt« kaufen muß, wenn sie Schulden bezahlen sollen, ist gestern die Generaldebatte eröffnet worden. Wie sehr es sich hier um fast hoffnungslose Probleme handelt, wenn die Welt wie bisher in ihrer zunehmenden Absperrung oerharrt, zeigte gleich die Ratlosigkeit, mit der die Generaldebatte begann. Erst dauerte es einige Zeit, bis überhaupt jemand das Wort ergriff, dann meldete sich endlich der deutsche Delegierte Ministerildirektor Posse. Posse meinte, daß sich aus der Lösung der landwirtschastlichen Schwierigkeiten auch die Regelung der finanziellen Frage von selber ergeben würde. Wenn es ge- länge, die Kauskrast der Bevölkerung der Agrarländer zu stärken, so würden diese auch in die Lage versetzt, ihre Steuern zu zahlen. So wären auch die finanziellen Schwierigkeiten der Staaten zu heilen. Mit diesen guten Ratschlägen wrd den östlichen Ländern wenig geholfen sein. Der britische Gesandte Addison erklärte wenigstens klar und eindc-iig, daß das einzige Hilfsmittel die allgemeine Beseitigung der Einsuhrschwiengkeilen und vor allem die Herabsetzung der Zölle sei, denn durch die j e g i g e H a n d e l s- Politik würde die Wirtschaft«injach abgewürgt. Wirtschastliche Alchimie. Das Lohnabbau-Programm der Regierung. In unserer gestrigen Abendausgabe haben wir bereits die Be- stimmungen veröffentlicht, die nach der neuesten Notverordnung über die Senkung der Löhne erlassen worden sind. Der Reichs- arbeitsmini st er hat dazu gestern abend im Rundfunk einen Kommentar gegeben. Wenn wir den Reichsarbeitsminister richtig verstanden haben, so geht die Reichsre-gierung von der Erwägung aus, daß sich die Weltwirtschaftskrise gegenwärtig au einem Wendepunkt be- findet und daß wir unmittelbar vor einem Wiederaufftieg der Kon- junktur stehen. Um möglichst schnell in den Genuß des Wieder- ansteigens der Veschäftigungsmöglichkeit zu kommen, soll den Unternehmern durch einen Eingriff in das Tarifrecht und in die lausenden Tarifverträge derart ein Anreiz zur Einstellur.g von Arbeitskrästen gegeben werden, daß außer den allgemeinen Steuergeschenken eine Prämie in Gestalt von Lohnsenkungen gegeben wird. Wir haben nachgewiesen, daß nicht nur der Lohn des einzelnen Arbeiters oder Angestellten, sondern auch die Gesamtlohnsumme sinkt. wenn bei Einstellung von Arbeitskräften die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden die gleiche bleibt, aber die Wochenarbcitszeit des Betriebes infolge der Einstellung von Arbeitern von 48 auf 40 Stunden gesenkt wird. Die offiziellen Berechnungen, die auch in einem Teil der Presse wiedergegeben werden, gehen allerdings von der Voraussetzung aus, daß in einem Betriebe bereits die 40-Stunden-Woche herrscht, diese Wochenarbeitszeit jedoch trotz Reu- «instellung von Arbeitskräften die gleiche bleibt. In diesem Falle würde beispielsweise die Arbeitsleistung steigen entsprechend der Zahl der neueingestellten Arbeiter, der Lohn des einzelnen Arbeiters würde sinken, jedoch die Gesamtlohnsumme würde, wenn auch weniger als die Gesamtleistung, steigen. Wieso es aber möglich sein kann, Arbeiter mehr zu beschäftigen, ohne die Zahl der Arbeitsstunden ent- sprechend zu senken, darauf ist man uns die Antwort schuldig geblieben. In Wirklichkeit ist das Lohnsenkungsprogramm der Regierung «ingegeben von der Behauptung der Unternehmer, daß die Wirt- schaftskrife ihre Wurzel habe in den übersteigerten Löhnen. Als im September 1923 die Löhne infolge der Inslation so zusammen- geschmolzen waren, daß sie nicht mehr ausreichten zur Stillung des nackten Hungers, behaupteten die Unternehmer auch noch, die Löhne befänden sich„über Vorkriegsniveau". Es gibt keinen Lohn, der den Unternehmern nicht zu hoch oder der ihnen niedrig genug wäre. Stellt man sich auf den Standpunkt des Privatkapitalisten, so be- greift man, warum die Unternehmer behaupten, die Krise habe ihre Ursache in den übersteigerten Löhnen. Wenn sich der Unternehmer verspekuliert hat, in Zahlungsschwierigkeiten befindet uno Mühe hat, die jede Woche fällige Lohnsumme Aufzubringen, dann sagt er sich, daß seine Schwierigkeiten geringer wären oder ganz ver- schwinden würden, wenn die Lohnsumme entsprechend gesenkt würde. In dieser Situation befindet sich nicht«in einzelner Unternehmer, sondern die gesamte privatkapitalistische Wirt- s ch a f t. Und also liegt für die Unternehmer der Schluß sehr nahe, die Höhe der Löhne verhindere die Gesundung der Wirtschaft. Run liegen die Dinge aber tatsächlich so, daß die Produktivität der Wirt- schast weit über die vorhandene Kaufkraft hinaus gesteigert worden ist. Das Kapital, das zuviel in die Betriebe hineingesteckt wurde, soll verzinst werden. Es wurden also im Lause der letzten 2% Jahre nach der Logik des Privatunternehmers die Löhne ge- senkt. Es hat sich nun herausgestellt, daß durch diese Lohnsenkung, die in Deutschland ein gutes Drittel der Lohnhöhe von Anfang 1930 ausmachen dürfte, dl« wirtschaftlichen Schwierigkeiten infolge der Schrumpfung der Kaufkraft und somit des Absahes noch geste-gerl morden sind. In normalen kapitalistischen Zeiten ist eine sozusagen„auto- matische" Reinigung eingetreten. Die Konkurse hatten gewissermaßen eine Abschreibung des zuviel investierten Kapitals zur Folge und der Ramschverkauf der bankerotten Unternehmungen führte zu Preis- senkungen, die die Lohnsenkungen mehr als ausglichen. Diese„auto- matische" Krisenregelung ist jetzt beseitigt. Die Pleiten der /�ctitung! Eisenbahner! Am Donnerstag, dem 8. September 1932, 19 ü h r, findet im Gewerkschaftshaus Engelufer 24-25 eine Versammlung aller im Einheitsverband organisierten Parteigenossen statt Referent: Emil Barth. Thema:„Die Auswirkungen der neuesten Notverordnung!"/ Wir bitten, recht rege Propaganda für diese Versammlung zu entfalten. Partei- und Mitgliedsbuch legitimieren. Der Werbeausschuß der SPD.- Elsenbahner, großen Unternehmungen sind„sozialisiert", vom Staate übernommen worden, und die Lohnsenkung als Folge der Wirtschaftskrise wurde vom Staate forciert. Was nun die neue Rowerordnung der Regie- rung will, ist praktisch nichts anderes als die Forcierung der Lohnsenkung und damit der Kaufkraft- schrumpsung. Damit verhindert die Regierung ober nicht nur die auto- matische Regelung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise, sondern s i e bereitet bereits eine neue Wirtschaftskrise vor. Das kapitalistische Wirtschaftssystem zeichnet sich dadurch aus, daß es bis heute noch nicht vermocht hat, eine wissenschaftliche Wirt- schaftsführung zu erzeugen. Unsere Kapitalisten sind noch immer die Goldmacher und Alchimisten des Mittelalters. Den besten Beweis dafür liefert jetzt die Börse. Weil man den Arbeitern vom Lohne nimmt und den Kapitalisten damit und aus öffentlichen Steuermitteln Geschenke macht/ eskomptiert die Börse bereits die erwarteten Steigerungen der Dividenden. Diese Goldmachermethode hat aber nicht das geringste zu tun mit einer Ueberwindung der Wirtschaftskrise. Sie ist vielmehr das strikte Gegenteil davon. Es ist durchaus möglich und wahrscheinlich, daß infolge der Notverordnung über die Lohnsenkung gewisse Luxusindustrien besser beschäftigt werden, daß die teueren Hotels an der Riviera, daß die Spielhöllen in Monaco und anderwärts höhere Einnahmen haben werden; daß die hochbezahlten Kokotten im Preise steigen und das Kapital ins Ausland verschoben werden wird. Man muß aber ein mittelalterlicher Alchimist sein, um zu glauben, daß aus Lohnsenkun- gen ein Auftchwung der Konjunktur, ein Rückgang der Arbeitslosig- keit folgen kann. Das Lohnabbauprogramm ist, wie die„Deutsche Allgemeine Zeitung" ganz richtig gesagt hat, eine k a p i t a l i st i- sche Offensive. Sie kann nur, wie jede kapitalistische Offensive, mit einer Niederlage der Volkswirtschaft enden. Holzarbeiterverband 1931. Seine Abwehrkrast im Krisensturm. Die Holzarbeiter sind unter allen Industriearbeitern vielleicht die am schwersten von der Wirtschaftskrise betroffene Gruppe, wenn man die Baubcrufe ausnimmt. Das kommt nirgendwo deutlicher zum Ausdruck als in dem Jahrbuch 1931 des Deutschen Holzarbeit er Verbandes, das jetzt vorliegt. Während im vorigen Jahr im Monatsdurchschnitt bei allen dem ADGB. angeschlossenen Verbänden 37,4 Proz. der Mitglieder arbeitslos waren, meldet der Holzarbeiterverband SO, 8 Proz. arbeitslose Mitglieder im Monatsdurchschnitt. Bei dieser Gegenüberstellung ist noch zu beachten, daß die Durchschnittszahl der Erwerbslosen in allen .freigewerkschaftlichen Arbeiteroerbänden durch die hohe Prozent- zahl der Arbeitslosen im Holzarbeiterverband schon„zugunsten" des letzteren beeinflußt worden ist. Vom Jahresbeginn bis zum Jahresschluß 1931 stieg die Zahl der arbeitslasen Verbandsmitglieder von 138 894 oder 46, S Proz. aus 165 735 oder 62 Proz. Aus dieser traurigen Tatsache erklärt sich auch der Abbauschneid der Unternehmer der Holzindustrie im vorigen Jahr, ganz besonders aber am Jahres- ansang Nachdem die Unternehmer die Erneuerung der am 1. August 1930 abgelaufenen Bezirkslohnabkommen zu verhindern gewußt haben, kündigten sie am 15. Februar 1931 auch den zentralen Manteltarifocrtrag. Den Neuabschluß eines obendrein noch arg verschlechterten Manteltarifvertrages wollten die Unternehmer von der Zustimmung des Holzarbeiterverbandes zu einem generellen Lohnabbau in der gesamten Holzindustrie ab- hängig machen. Nach der Zurückweisung dieser unverschämten Zu- mutung ordnete der Unternehmerverband die diktatorische Herabsetzung der Löhne an und zwar um 8 Proz. ab 15. Januar und um weitere 7 Proz. zu einem späteren Zeitpunkt. Aus der zu diesem Zweck angekündigten Generalaus- sperrung wurde aber nur ein Guerillakrieg, an dem 6155 Holzarbeiter beteiligt waren. Das Ergebnis dieses Kleinkrieges war, daß es in 13 von den 16 Tarifgebieten gelang, den bisherigen Reichsmanteltarif unverändert in der Form selbständiger Be- zirksverträge'zu erhalten. Ein Lohnabbau von 5 bis 6 Proz. mußte jedoch in Kauf genommen werden. Dieses Ergebnis in einer Zeit schwersten wirtschaftlichen Krisendrucks ist ein klarer Beweis für die Notwendigkeit und den Wert der gewerkschaftlichen Organisation gerade in schlimmsten Krisen- Zeiten. Insgesamt wurden im Laufe des Berichtsjahres 32 bezirkliche Lohn- tarife vereinbart! meistenteils wurden die Holzarbeiterlöhne im vorigen Jahr z w e i m a l g e s e n k t. Die beiden vorjährigen Lohn- abbauwellen drückten den Tariflohn des über 22 Jahre alten Fach- arbeiters in der Holzindustrie im Reichsdurchschnitt um 8,7 Proz. herab, wozu dann noch auf Grund der Dezembernotver- ordnung ein Abbau von 11,4 Proz. im Reichsdurchschnitt kam. Die Lohnbewegungsstatistik des Holzarbeiterverbandes weist für das Jahr 1931 insgesamt SZO Bewegungen mit 188 591 Beteiligten aus. Der Erfolg dieser Bewegungen war in der Hauptsache der, daß die Unternehmer nicht willkürlich die Lohn- und Arbeitsbedingungen festsetzen konnten. Zur Illustration der Behauptung der Kommu- nisten, die„reformistischen" Gewerkschaften seien keine Kampf- organisationen mehr, ist die Angabe in dem Jahrbuch der Holz- arbeiter dienlich, daß dessen Ausgaben für Streits und Lohnbewegungen von rund 915 000 M. im Jahre 1930 a u f r u n d 2 130 000 M. im Berichtsjahr gestiegen sind. Alle Aktivität der Organisation konnte aber leider nicht verhindern, daß eine ganze Anzahl von Mitgliedern, hauptsächlich durch monate- und jahrelange Arbeitslosigkeit mürbe gemacht, dem Verband untreu wurden. Insgesamt gingen dem Deutschen Holzarbeiterverband im vorigen Jahr 30 782 oder 10,26 Proz. seiner Mitglieder vom Jahres- fchluß 1930 verloren, so daß er Ende 1931 noch 269142 Mitglieder zählte. Die fürchterlichen Krisenwirkungen kommen ebenso stark auch in dem Kassenbericht zum Ausdruck. Die Einnahmen des Holzarbeiterverbandes au- Beiträgen blieben mit 4.3 Millionen Mark um fast 3 Millionen Mark gegenüber dem Jahre 1930 zurück. Die Gesamteinnahmen des Verbandes verringerten sich gegen 1930 um 3,7 Millionen Mark: sie betrugen 5,57 Millionen Mark. Für Streikunterstützungen wurden von der Hauptkasse 1,9 Millionen Mark ausgegeben, das sind rund 1,14 Millionen Mark mehr als 1930. Die Arbeitslosen- unter st ützung in Höhe von 4,7 Millionen Mark ist offensichtlich wegen der schon lang anhaltenden Arbeitslosigkeit der Mitglieder des Verbandes um 547 446 M. gegen 1930 zurückge- gangen, die Krankenunterstützung in Höhe von 480 753 Mk. um eine Viertel Million Mark. Alles in allem darf gesagt werden, daß der Holzarbeiteroerband auch im vorigen Jahr zwar schwer unter der ungeheuren Krise zu leiden hatte, seine Leistungsfghigkeit und Kampfkraft aber zu erhalten gewußt hat. Oer Konfliki in der Maßschneiderei. Oie Berliner Herrenmaßschneider sehen klar. Die freigewerkschaftlich organisierten Berliner Herrenmaß- s ch n e i d e r nahmen gestern abend in den„Residenzsestsälen" zu der Situation Stellung, die durch das Scheitern der Nachverhand- lungen über den Schiedsspruch für das gesamte deutsche Maß- schneidergewerbe am Montag im Reichsarbeitsministerium geschaffen worden ist. Dieser Schiedsspruch sieht für Berlin einen Abbau der Löhne um 13 Proz. vor. Während die Berliner Maß- schneidet den Schiedsspruch abgelehnt hatten, führte die G e- samtabstimmung im Reich zur A n n a h m e des Spruches und zu den Nachverhandlungen am Montag im Reichsarbeits- Ministerium. Die Berliner Herrenmaßschneider waren in ihrer gestrigen Ver- sammlung über den negativen Ausgang dieser Verhandlungen nicht im geringsten erstaunt. Sie waren sich da auch darüber klar, daß kaum mit einer Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches durch das Reichsarbeitsministerium zu rechnen ist, weil die sogenannte Zwangsschlichtung in dem„neuen System" nichts mehr zu suchen haben soll. Der Berliner Filialleiter Genosse Lehmann brauchte aus diesem Grunde nicht viele Worte über die Lage machen. Wenn die Versammlung der Filialleitung den Auftrag dazu erteilt— und das tat sie zum Schluß—, so würde versucht werden, durch ö r t- liche Verhandlungen und mit Hilfe der örtlichen Schlichwngs- instanz zum Abschluß einer Lohnverbindung für Berlin zu kommen. Da aber die Unternehmer des Berliner Maßschneidergewerbes kaum darauf verzichten werden, den günstigen Wind aus der Wilhelm- straße zu benutzen, so wird es sicherlich nicht gelingen, eine örtliche Vereinbarung herbeizuführen. Die Höhe der Entlohnung im Ber- liner Maßschneidergewerbe, so führte Genosse Lehmann zum Schluß aus, wird aller Wahrscheinlichkeit nach in der nächsten Zeit davon abhängen, wie gut das Organisationsverhältnis der Maßschneider, vor allem aber wie stark die Kasse ihrer Organisation ist. Dieser Auffassung stimmte die Versammlung uneingeschränkt zu. Der Verlauf der Versammlung zeigte jedenfalls, daß in der gewerk- schaftlich organisierten Arbeiterschaft der Wille nicht gelähmt ist, den Nutznießern der wirtschaftlichen und politischen Krise in nicht zu ferner Zeit gründlich heimzuzahlen. Schlesischer Sireik greift um sich. Die Streikbewegung in der niederschlesischen Metall- industrie greift weiter um sich. In Schweidnitz und in Keulahütte (Oberlausitz) haben am Dienstag weitere 850 Arbeiter die Betriebe verlassen. Zum freiwilligen Arbeitsdienst. Die Zulassungsbedingungen. Die Zulassung zum freiwilligen Arbeitsdienst war bisher be- schränkt auf arbeitslose Arbeitnehmer, die in der Arbeitslosenver- sicherung oder Krisenfürsorge unter st ützungsberechtigt waren. Nunmehr können nach den Richtlinien des Reichskommissars für den freiwilligen Arbeitsdienst alle jungen Deutschen bis zum 2 5. Jahre im freiwilligen Arbeitsdienst Verwendung finden, ohne Unterschied der Berufsausbildung und der sozialen Stellung. Innerhalb dieses erweiterten Personenkreises soll in Rücksicht auf die große Arbeitslosigkeit die arbeitslos« Jugend be- sondere Berücksichtigung finden. Auch soll die Förderung aus Mitteln des freiwilligen Arbeitsdienstes nur solchen Arbeitswilligen gewährt werden, bei denen«ine besondere Notlage vorhanden ist. Die Altersgrenze von 25 Iahren kommt für diejenigen Dienstwilligen nicht in Frage, denen bei Bekanntwerden dieser Richtlinien beim Arbeitsamt bereits eine Arbeit zugewiesen worden ist. Weitere Ausnahmen werden nicht zugelassen. Bevorzugt werden auf jeden Fall die jungen Arbeitsdienstwilligen. Die Bezirkskommissare haben das Recht, auch über 25 Jahre alte Arbeitsdienstwillige zuzulassen, die nach dem 31. Juli 1932 als Führer von Arbeitsgruppen verwendet worden sind. Das kann geschehen auf Vorschlag von Trägern des Dienstes oder nach eigener Wahl der Bezirkskommisiare. Die Einstellung beim freiwilligen Arbeitsdienst kann nur erfolgen nach einer Meldung beim Arbeitsamt des Wohn- orts des Arbeitsdienstwilligen. Der Träger des Dienstes, d. h. die Körperschaft, die die Ausführung einer Arbeit übernommen hat, ist aber berechtigt, an Stelle des Arbeitsdienstwilligen die Meldung beim Arbeitsamt vorzunehmen. Voraussetzung jedoch ist, daß der Arbeitsdienstwillige sich an den Träger des Dienstes gewandt hat und dieser zu seiner Beschäftigung bereit ist. Kraftwerk West/ Bewaa. Donnerstag, 18 Uhr, bei Seidel, Siemens- straße 27», Elke Märkischer Steig, Fraktionsnersammlung.„Der 20. Juli und seine Folgen", Referent Walter Raue. z�reie Gewerkschasts-Iugend Berlin Heute, Mittwoch, 7. September, um 191- Uhr, tagen die Gruppen: Südwesten: Jugendheim Borckftr. 11(Fabrikgebäude). Heimbesprechung. Kampfliederabend.— Schönederg: Jugendheim Hauptstr. 15(Garten- haus). Heimbesprechung. Verbandsbuchkontrolle.— Spandau-Reustadt: Jugend- heim Lindenufer I. Heimabend. Verbandsbuchkontrollc.— Nordring! Jugendheim Sonpenburger Str. 29.„Kommunistisches Manifest."— Weistenfee: Jugendheim Gaseler Str. 2. Heimbesprechung. Verbandsbuch und Heimausweis mitbringen.— Arnswalder Platz: Jugendheim Echönlankcr Str. 11, Baracke 8, rechter Eingang. Hsimbespreckiung. Verbandsbllchcr mitbringen.— Neukölln: Jugendheim Bergstr. 29(Hos). Heimbesprechung.— Flughasen: Jugendheim Flnghafenstr. 88(U.Bahn Boddinstraße). Heimbesprechung. Verbandsbucki- kontrolle.— Humboldt: Jugendheim Graun. Ecke Lortzingstraße. Heim. besprechung. Liederabend. Bringt die Verbandsbitcher mit.— Schillerpark: Jugendheim Schule Schöningstr. 17. Heimbesprechung.— Baumschulenwrg: Jugendheim Baumschulenweg, Ernststr. 18. Heimbesprechung.— Jugendgruppc des Gefamtuerbandes: Gewerkschaftshaus, Engelufcr 24—25, Ausgang B, part. Gesamtoeranstaltung:„Unsere Stellung zur Arbeitsdienstpflicht".— Wir spielen ad 18 Uhr: Südoftkreis: Treptower Wiese, Fläche 8: Ostkreis: Sportplätze Trep. tower Wiese und Friedrichshain, Platz 4; Gcfamtncrband: Treptower Wiese, Fläche 1. Zuflcnfrqruppe des Zentralverbandes der Angestellten Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule Kastanienallee 81. Zwei heitere Stunden �Bunter Abend).— Nordost I: Jugendheim Danziger Str. 82 iBaracke 8). Eine fragt— alle antworten.— Reinickendorf: Jugendheim Lin- dauer Str. 2(Baracke). Wir lernen Kanons und Landsknechtslieder.— Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 81. Arbeitsgemeinschaft:„Die Frau in der Gewerkschaft".— Köpenick: Jugendheim Dahlwitzer Str. 15(Gasanstalt am Bahnhof Köpenick). Bunter Abend.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Straße 1— 1, Ecke Kanncr Straße. Arbeitsgemeinschaft:„Wer gibt uns Arbeit?" (Aussprache über die bestehenden Arbeitsbeschaffungsplänc.)— Südost: Jugend» heim Manteuffclstr. 7. Arbeitsgemeinschaft:„Der Sozialismus als Kultur» bewegung"<1. Abend).— Edarlsttenburg: Itzgendheim Spielhagenstr. 4. Wir besuchen die Versammlung des Werbebezirks.— Spandau: Jugendheim Linden. ufer 1. Unsere Musiker üben.— Die Versicherungsgesellschaft„Sorgenfrei" A.-G. tagt heute von 18— 18 Uhr im Verbandshaus, Zemmer 24.— Spiele im Freien: Ab 18 Uhr Sportplatz Humboldthain, Sportplatz Weißensee, Feld 5, Sportplatz Friedrichshain. Der„Vorwärts" erscheint wochentägiich zweimal, Sonntags Und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage.Volk und Zeit". Anzeigenpretse: Die e i n sp a l t. Millimeterzeile 30 Pf., Retlamezetle 2.— M. „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. lzulässtg zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort to Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über ts Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 25 Pf. Familienanzeigen Millimeter» zeile ts Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8"/i bis 17 Uhr Der Verlag behält sich das Rech! der Ablehnung nicht ge» nehmer Anzeigen vor' Verantwortlich(üt Politik: Vietor Sch'Ii, Wirtschaft: S. Klingelhöser; Geroerkschastsberoegung: 3. Steiner: Feuilleton: Herbert Lepore: Lokales „ und Sonstiges: Fritz Karstadt! Anzeigen: Otto Hengst! sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. d. H. Berlin. Druck: Lorwärt«. Buchdrucker et und Berlagsanstolt Paul Singer u. Co.. Berlin SB. SS, Lindenstraß« Hierzu 2 Beilagen, 7lr.42i* 49 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 7. Geptember-l9A2 n&�QlCgji UM WH UMS 8] Gilgi bietet Fräulein Täschler eine Ziga- rette an. Sie nimmt sie wider Erwarten, steht an den Bettpfosten gelehnt, pafft man- dän, hat eine Bademütze auf wegen Kopf- schmerzen, hat kein Gesicht und einen schrumpligen, vertrockneten Körper. Ueber dem Bett hängt ein Kruzifix. Gilgi läßt sich Maß nehmen. Brust, Taillenweite, Länge. Sie wird grauweiß wie das schmierige Handtuch neben dem Waschtisch, als die schrumpligen Finger ihr an der Taille rumfummeln und übelriechen- der Atem ihr ins Gesicht weht. Sie könnte gehen, aber sie will nicht. Sie unterhält sich mit Fräulein Täschler. Die freut sich, daß sie zu jemandem sprechen kann. Und sie wird ihren Vorteil haben, zwanzig Mark wird sie für das Kleid nehmen. Warum soll sie nicht mal Glück haben und'ne feine Kundschaft kriegen,'ne solide? Sie wird Biesen aufs Jäckchen nähen, das macht sich immer nett. Das Fräulein hat vorhin gesagt: keine Biesen— aber das gilt nicht, Biesen sind für sie eine Art Welt- anschauung, davon läßt sie sich nicht so ohne weiteres abbringen. ... Meidet den Kummer und meidet den Schmerz... dann ist das Leben... ich halle es hier nicht mehr aus—„Fräulein Täschler, wollense in der Wirtschaft an der Ecke nicht mit mir zu Abend essen? Wir unterhalten uns so gut, und ich Hab noch nicht Lust, nach Haus zu gehn." Jetzt muß die sich aber doch wundern. Da steckt was dahinter, da stimmt was nicht! Aber natürlich wird sie annehmen, nur— sie macht einen hochdeutschen Mund:„Hach, unsereins kann sich das nicht leisten, aus- wärts zu Abend zu essen." „Ich lad' Sie ein, Fräulein Täschler." Das hat sie hören wollen. Sie reißt sich die Bademütze vom Kopf mitsamt dem Um- schlag. Zehn Minuten lang murkst sie an sich herum. Sinnlose Verschönerungsversuche. Mit einem schwarzen Kammstümpfchen fährt sie sich durch die graugelben Haarreste, wechselt die braune Bluse mit einer grünen und sieht nun genau so jämmerlich aus wie vorher— für Gilgi. Sie selber findet sich vorteilhaft verändert, als sie in den Spiegel- scherben über der Kommode guckt, und das ist schließlich die Hauptsache. Und weil sie jetzt neugierig ist und was erwartet, be- kommt sie langsam so was, das wie ein Ge- ficht aussieht. Ein graues Gesicht mit klobi- ger Nase, entzündeten Lidern, lippenlosem Mund und faulen Zähnen. Die schöne Groß- mama schreibt ihrer Enkelin... So ein Ge- ficht zu bekommen! Warum hast du dir das gefallen lassen? Man kann dich nicht gern haben mit dem Gesicht, man kann noch so sehr wollen, es ist unmöglich. Heulen könnte man, schreien, lachen, heulen— na, und mein Vater! Wie wird der erst aussehen? Und Gilgi fühlt, wie ihr Gesicht weißer wird und ihre Augen tief in die Höhlen kriechen. Nun wird" mir besser w-- den, denkt sie, als Fräulein Täschler die Tür von außen zumacht. Den Gestank und die Mufsluft, die könnt' ich nicht vertragen. Wie sie auf der Straße sind, atmet sie tief. Das hilft nichts. Ufff— ufff, da liegt was auf der Brust und geht nicht runter. Und Nebel hängen vor den Augen, sie kann nichts richtig sehen, vielleicht schläft sie, und alles ist nur ein übler Traum. Dann sitzen sie in der Kneipe in einer Ecke. Fräulein Täschler hat ein kleines Helles und ein Schnittchen Gehacktes vor sich stehen. Sie ißt wie eine sehr vornehme Dame mit Messer und Gabel. Gilgi trinkt einen doppelten Korn. Sie kann nichts essen, sie muß immerzu an die kalten, klebrigen Bratkartoffelreste da oben im Zimmer denken und wird das Ge- fühl nicht los, eine von diesen Bratkartoffel- scheiden im Mund zu haben. Noch einen Korn! In einem Zug gießt sie ihn runter. Es schüttelt sie, aber den Brechreiz ist sie immer noch nicht los. Sie hat das Emp- finden, sich selbst ganz fremd geworden zu sein. Da steht man nun mit der Wirklichkeit auf du und du, und auf einmal soll man „Sie" zu ihr sagen und verlegen werden... paßt uns ober nicht, paßt uns ganz und gar nilftt. Gilgi trinkt noch einen Korn und noch einen. Sic braucht sich jetzt gar nicht mehr zu schütteln, geht runter wie Oel, das Zeug. Sie macht sich sonst nichts aus Alkohol, ist sogar eher dagegen, aber nun muß sie sich doch wundern, daß man sich für viermal fünfzehn Pfennige aus mistigem Schwarz fo'n nettes Zinnoberrot no'- die Augen zaubern kann. Alle Achtung! Na, und jetzt wird sie der Sache mal auf den Grund gehen, wie alles gekommen und gewesen ist. Was kann ihr schon passieren? Ihr Leben hat sie fest in der Hand, um sie aus der Bahn zu werfen, da müssen schon andere Sachen kommen. Und mit der schafsdämlichen Gefühlsduselei der letzten Wochen, da werden wir auch fertig. „Na, Fröllein, wenn ich Sie so kippen seh', da wer' ich direkt mit besoffen, und dasse so ordinären Kutscherschnaps trinken!" Fräu- lein Täschler bestellt sich einen Cherry Brandy und ist überhaupt so vornehm, daß der Kultusminister oder Hindenburg oder Frau von Kardorff oder... man kann da nicht vergleichen, denn so was furchtbar Vor- nehmes gibt es eben seit der Revolution nicht mehr in Deutschland. „Haben Sie nicht mal ein Kind gehabt?" fragt Gilgi. Sie hat jetzt fiinf Korn getrunken, das hat ihr die Lust genommen, diplomatische Umwege zu machen. Und das kann ich dir gleich sagen, rührende Wiedersehensszene zwischen Mutter und Kind und eventuelle Abknutscherei gibt's nicht. Ein Gesicht hat Fräulein Täschler schon seit einer halben Stunde, jetzt bekommt sie auch Augen, glitzrige, kleine Pünktchen. „Was meinen Se damit, Fröllein?" Gilgi zuckt die Achseln. Mit Fragen ant- worten, das hat sie gern.„Sie haben doch mal ein Kind gehabt, nicht wahr?" „Ich?? En Kind jehabt?? Da irrense sich aber." Fräulein Täschler hat feindselige Falten um Nase und Mund. „Vielleicht haben Sie's vergessen", vermutet Gilgi großzügig. „Ich Hab' man'n janz jutes Iedächtnis, Fröllein, un daß ich immer anständich je- wesen bin, soll ich wohl am besten wissen." „Na, trinkense noch en Eherry, Fräulein Täschler!" Die red't jetzt wie'n Wasserfall, und den Cherry, den kippt sie schnell zwischendurch mit runter und fängt überhaupt an, ein ganz kleines bißchen weniger vornehm zu werden als Frau von Kardorff. „Jfch mein', Fröllein, wenn Se fagen, die Welt wär schläch heutzutaach, na, isch saach, es hat immer föne und solche jejeben, und unsereins Hot sich immer noch hochjehalten, aber was die feinen Leute sind, na, da könnt ich Ihnen was erzählen, ne interessante Je- schichte." Sie macht eine Pause und seufzt: „Hoch, man is viel zu anständich!" Der Seufzer drückt unverkennbares Bedauern aus. Gilgi trinkt noch einen Korn und findet, daß es nicht so weitergehen kann. Soll sie die ganze Nacht hier sitzen mit Fräulein Damenschneiderin zweimal schellen und ethische Probleme erörtern?„Na trinkense noch en Cherry, Fräulein Täschler." Geld kostet sone Muttersuche! Jetzt will sie's aber wissen, letzt geht sie aufs Ganze. „Ich dacht', Sie hätten ein Kind, ich kenn' da ein Mädchen, die wurd' adoptiert von 'ner Familie— wie heißt sie doch gleich? Krön— ist jetzt einundzwanzig Jahre alt." Da springt die auf. kreischt, ein Teller fällt auf den Boden. Also doch! Gilgi merkt jetzt erst, wie sehr sie gehofft hat, das Ganze wäre Irrtum, Quatsch oder sonst was, jeden- falls nicht wahr.(Fortsetzung folgt.) 3>ie Pront der Sekten Ton den Quakern&u Joleph Todtenberg Für den Sprachgebrauch liegt im Begriff der Sekte etwas Anrüchiges. Darum soll man vor- sichtig sein: nicht jedes Weltanfchauungsgebitde ist eine Sekte. Sie entsteht, wo Rotterei, Schwärme- rei und sturer Fanatismus im Bunde sind, wo Gefühl alles und Bernunft nichts mehr bedeuten. Unsere Zeit ist nicht arm an Sekten. Wie ein Netzwerk winden sie sich um den Erdball, wie Spinngewebe, in denen sich Verzweifelte fangen lassen und nicht mehr loskommen. Was mag sie festhalten? Darüber könnte man Bücher schreiben. Hier sollen nur ein paar Fragen ausgeworfen werden,«in paar Gedanken über uraltes, stets aktuelles Seelenrätsel. Daneben zeigen ein paar historische Stichproben, wie wenig sich in der Well verändert hat. wie schwer der Mensch die retardierenden Momente in der Entwicklung über- windet. Die Sektenbildung zeigt, schcmatisch gesehen, zwei Richtungen. Sie lassen sich mit Görres als die der„aufsteigenden und absteigenden Mystik" bezeichnen. Es gibt Sekten(der Begriff paßt hier schlecht), die der ethischen und sozialen Bervoll- kommnung zustreben, und andere, deren Weg zwar auch mit religiösen Dogmen und guten Bor- fätzen gepflastert ist, deren Ziel ober Instinkt- befriedigung heißt. Der eine Weg führt zur As- kese oder Trieberzichung, der andere zur El- stase oder Triebentsesselung. Nicht immer werden diese Tendenzen eindeutig sichtbar, ober be- stimmt, wenn die Politik mit im Spiele ist wie heute... Das Schulbeispiel einer echischen Gemeinscbast sind die Quäker. Inmitten der großen englischen Revolution, ein Jahr bevor Karl I. das Schafott bestieg, trat George Fox, der Sohn eines armen Webers, predigend in Manchester aus. Seine An- Hänger wurden Quäker genannt nach»o quake (zittern). Wie der Volksmund zu dieser Namens- gebung kam, ist ungeklärt. Vielleicht wegen ihres schwärmerischen Religionseifers oder noch einer unverbürgten Anekdote. Fox soll einmal, als er wegen Religionsfrevel vor Gericht stand, ausge- rufen haben:„Zittert vor dem Worte Gottes!" Worauf die Richter spöttisch erwiderten:„Seht da, den Zitterer!" Fox lehrte Toleranz. Nächsten- liebe und Vereinfachung der Lebensweise. Er lehnte das kirchliche Zeremoniell ab, was ihm zahlreiche Vcrsolgungen einbrachte. Die Quäker begnügten sich mit Versammlungsstätten ohne .Kanzel und Altar, wo jeder für sich meditierte. Natürlich waren sie auch gegen jede Art kriege- rischer Entscheidung. Hundert Jahre später entstand auf deutschem Boden eine ähnliche Bewegung: die Brüder- gemeinde des Grafen von Zinsendorf, auch Herrn- huter genannt. Demut, Nächstenliebe und Tole- ranz stehen im Mittelpunkt ihre- Bekenntnisses. Ebenso besitzen wir heute Gemeinschaften, die wegen ihrer sozialen Haltung und ihren pazi- fistischen Tendenzen nicht zur antisozialen Front der Sektiererei zu rechnen sind. Da wäre» einige Freimaurerlogen, die sich vom Chauvinismus frei gehalten haben, die wenigen unpolitischen Re- ligionsgemeinschasten, die Heilsarmee, die Thea- sophen(weniger die Anchroposophen!). die Christian Science, bei der zwar Glauben und Geschäststüchtigkeit Hand in Hand gehen, und andere mehr. Diese Weltanschauungsgebilde zeigen sich tolerant, und darum wollen wir es auch sein — obwohl olle diese Bewegungen mehr oder weniger Früchte vom Baum des Kapitalismus sind und mit ihrer Existenz für die materiellen und seelischen Mängel der Welt zeugen. Doch das dunkle Kapitel der Sekten beginnt erst mit der„absteigenden Myst'k", wo statt As- kese Ekstase, statt Vereinfachung des Ritus der Hexensabbat der„schwarzen Magie" herrscht. Hier bieten Vergangenheit und Gegenwart ein er- schreckendes Material. Zu Beginn des 19 Jahrhunderts bildete sich im Osten Deutschlands eine merkwürdige Sekte, die der Volksmund die„Mucker von Königsberg" taufte. Aber so wenig wie die Quäker Zitterer waren, scheinen jene Mucker wirklich Mucker ge- wesen zu sein. Im Gegenteil! Der Stifter dieser pietistischen Sekte war der Archidiakonus Ebel. Ein dickes Aktenstück vom 15. Juli 1835, das von einem Zeitgenossen, dem Universitätslehrer Pro- sesjor Sachs zu dem Gerichtsverfahren gegen Ebel eingereicht wurde, ist das schauerlichste Dokument von Berirrungen, die hier unter dem Mantel der Religion getrieben wurden und nur noch psycho- pathologisch zu erklären sind. Ebel nannte sich des„Menschen Sohn" und stand an erster Stelle seiner hierarchischen Rangordnung. Nach seinen drei Frauen folgten die anderen: Adel. Gelehrte, Ossizierc und Beamte. lieber den Ritus, den „Seraphinenkuß", die„Seelenbräute" und andere Zeremonien, die an die schwarzen Messen eines Gille de Raval erinnern, ist besser zu schweigen. Dieser lehrreiche Fall zeigt, welch suggestiver Einfluß von einem geschickte» Rattenfänger aus- gehen kann, und wie weit dieser imstande ist, Vernunft, Sittlichkeit und Schpm auszuschalten. Ebels Anhänger setzten sich ja nicht aus jenen zusammen, die„mühselig und beladen" oft das beste Material für Massensuggestionen abgeben, Weitergehen, weitergehen! Zwei Jahrhunderte nebeneinander 1 852. „Dieser Junge", sagte der Polizist,„will und will nicht weitergehen, obgleich ich es ihm wieder- holt befohlen habe." „Ick jeh doch aber immerzu weiter, Herr", ruft der Junge und wischt sich die schmutzigen Tränen mit dem Arme ab.„Ick bin immer un immerzu weiter un weiter jegangen, seit ick auf die Welt bin. Wo kann ick denn noch mehr rumlaufcn, Herr, als wie ick schon rumlaufen tu." „Er will und will nicht weitergehen", sogt der Polizist ruhig und bewegt den Hals in einer kaum merklichen berufsmäßigen Weise hin und her, um ihn besser in den steifen Kragen hin- einzupassen,„obgleich ich ihn mehrmals gewarnt habe, und daher muß ich ihn in Gewahrsam nehmen. Er ist ein so dickfelliger Gannes, als mir je einer vorgekommen ist Er will und will nicht weitergehen" „O. du liebe Zeit! Wo kann ick denn hinjehn?" ruft der Junge, packt sich verzweifelt bei den Haaren und stampft mit seinen nackten Füßen auf den Boden von Herrn Snagsbys Korridor. „Mach mir nur nicht solche Späne, sonst mach ich verdammt kurzen Prozeß mit dir!" ruft der Polizist und schüttelt ihn mitleidslos.„Meine Instruktion ist, daß du weiterzugehen hast. Das Hab ich dir fünfhundertmal gesagt." „Aber wo denn hin?" ruft der Junge. „Na wahrhastig, Polizist, verstehen Sie wohl", sagt Herr Snagsbn mit kluger Miene und hüstelt hinter seiner Hand sein Gehustel großer Be- troffcnheit und Bedenklichkeit—„wahrhaftig! Danach scheint man allerdings fragen zu müssen, Wohin, verstehen Sie?" „Soweit geht meine Instruktion nicht", er- widert der Polizist. Meine Instruktion geht bloß so weit, daß dieser Junge weiterzugehe» hat." „Hörst du, Jo? Es geht weder dich nach sonst jemand etwas an, daß die großen Lichter am parlamentarischen Himmel seit einigen Jahren in dieser Angelegenheit unterlassen haben, dir mit gutem Beispiel voranzugehen, und nicht einen Schritt weitergegangen sind Das Hauptrezept bleibt für dich— die tief philosophische Ver- schreibung— dos Ein und All deines seltsamen Daseins auf Erden: Weitergehen! Auf keinen Fall darfst du stehen bleiben, Jo; denn die großen Lichter können sich damit ganz und gar nicht ein- verstände» erklären. Weitergehen!" (.Harles Dickens:..sileak House." 1932 „To die Menge der mebn'echeu Ausiorderung cum Weitergeben nicht nochkom, sah sich die Polizei gezwungen, vom Gummiknüppel Gebrauch zu machen...' zPolizeibericht Pen irgendwo in der Welt.) Weitergehen! befiehlt das Gesetz und schwingt den Gummiknüppel. Weitergehen! rufen Ar- beitslosigkeit, Hunger und Elend und peitschen die Massen durch die Länder. Der Tippclbruder auf den europäischen Landstraßen kennt es genau so gut wie der amerikanische„Tramp", der aus den Waggondächern der Frachtzüge oder den Oeltender» der Exprcßlokoytotiven die unge- heuren Flächen zu bewältigen versucht. Für die politischen Demonstranten, für die nach Brot ver- langenden Massen, ganz gleich ob in Berlin, in Rußland, in Schanghai oder Washington, für sie alle Hot es denselben harten und brutalen Klang. bedeutet es gleichermaßen Polizeiknüppel, Klassen- justiz und Zuchthau-.zellcn. Es ist ein furchtbares Wort. Es ist schlimmer als das Wort: Hunger! Denn wenn man Huitger hat, findet man vielleicht barmherzige, verständ- nisvolle Menschen, die mit einem teilen, damit man satt wird. Oder man kann sich verstecken, verkriechen wie ein Tier, in seinem Schlupfwinkel verrecken wie ein solches. Es ist auch tausendmal elender als das Wort: Heimatlos! Denn der Heimatlose kann die Hoffnung haben, daß er hier oder dort, irgendwo in der weiten Welt, doch noch einen Platz findet, der ihm Ausruhen gibt. Doch geradezu grenzenlos in seiner Hoffnungslosigkeit, dem Hungernden die Sättigung abschlagend, dem Müden die Ruhe verweigernd, ist da-: Weiter- gehen! Wenn man das ganze grenzenlose Elend der proletarischen Massen, der.Hungernden, Obdach- losen, Arbeitslosen, Heimatlosen, der Gehetzten, Ausgebeuteten, von einer hartherzigen brutalen Gesellschaft immer wieder mit ollen Mitteln am Boden Gehalteven, in allen Ländern der Welt. in einem einzigen Worte erfassen will, dann gibt es nichts, was dafür so geeignet wäre, dos olle Variationen des internationalen menschlichen Elends so in seiner ganzen Tiefe umschließt, wie das eine Wort: Weitergehen!—wer. 3)ie Ultifik gehl weiter Sklmsze aus dem-Leben/ Von-Lola-Landau �OTiüent aus sogenannten gebildeten Gesellschaft?- krersen. Wehe, wenn sie losgelassen... All« diese Sekten wachsen auf dem gleichen Ast. In der körperlichen Lösung sucht der Mensch seine Erlösung— von krankhafter Belastung. So war es bei den mittelalterlichen Flagellanten und Springprozessionen, so heulen die tanzenden Der» wische ihr„Allahs und die amerikanischen Ierkers ihr„Glorq". Der Jerker wurde plötzlich von zitternden und zuckenden Bewegungen des ganzen Körpers ergriffen, die sich bis zu den heftigsten Konvulsionen steigerten und erst nach völliger Erschöpfung lösten. Bei anderen Sekten drückten die Anhänger ihre Demut vor Gott dadurch aus, daß sie Hunde nachahmten und knurrend und bellend auf allen Vieren liefen. Aber das grauen» vollste Kapitel aus der Sektenchronik waren die religiösen Mordekstasen, wie 1817 in dem öfter- reichischen Dorf Ampfelwang oder in der deut- schen Niederlassung in Südbrafllien(1872/1883), deren Schilderung dem Leser erspart sein möge. * Und jetzt die Gegenwart. Die Gesichter haben gewechselt, die Mechoden sich der Zeit angepaßt, der Refrain ist geblieben: geh' in eine Sekte und du bist deinen Kummer los. Mit eigener Ver- antworwng wird man sich nicht mehr quälen, auch nicht mit dem Denken und ähnlichen An- strengungen. Wozu? Das besorgt ja der Meister, unser Meister Joseph Weißenberg. Dieser alte Herr hat die Mixtur erfunden, Taufende zu fanatisieren und sich hörig zu machen. Sein System ist«in Warenhaus für menschliche Wahngebilde, wie Wunderheilungen, Unsterblich- keit und— Chauvinismus. Jeden Monat ver- kündet er, daß England im Meer versinken wird, und die Geister Bismarcks und Moltkes werden als Zeugen angerufen, daß an allem der Marxis- mus schuld ist. Und als Symbol stehen vor seinem Trebbiner Heim zwei Kanonen von anno da- zumal... Hier plätschert zwischen schwarzer Magie munter die Politik. So ist es bei fast allen Sekten dieser Art. Spiritisten und okkulte Zirkel, die sich in der Astralwelt sicherer fühlen als in der rauhen Wirklichkeit, hoben alle nur einen Feind: den Materialismus. Dabei haben sie selbst nichts gegen dos Verdienen(groß geschrieben), und es ist ihnen noch nie so gut gegangen wie in diesem verfluchten materiellen Zeitalter. Zur großen politischen Sekte ist hier nur ein Schritt. Auch sie lebt vom Röucherwerk, von Zeichen und Wundern, von einem Vernebelungs- apparot, wie ihn die Technik nicht besser erfinden könnte. Glaubensgegenstände wurden Rasse, Blut und Heldenmychos. Wer an sie glaubt, wird ihrer teilhaftig— auch wenn er bis heute ein kleiner Untermensch war. Lebensarme und Lebensferne brauen sich hier ihren Rausch, fliehen aus dem Minderwsrt in die Ueberwertigkeit. Als dos Leben für den Angestellten Martin Veidt unerträglich geworden war und ihm nichts mehr bedeutete als ein sinnloses Getöse, zog ein Stockwerk höher ein Pianist ein und nahm ge- waltsam mit seinem Spiel das ganze Haus in Besitz. Musik, die sich nicht einmauern ließ, schien die abgewetzten Steine zu durchbrechen und füllte die armseligen Wohnungen mit betäuben- dem Glanz. Ohne es zu merken, schwangen die Schritte der Hausbewohner in einem belebteren Takt, wenn der Künstler spielte und sie liefen leichter die Treppe hinauf, als trüge sie die klingende Tonleiter mit noch oben. Nur Martin Veidt, der die Fäuste gegen die Ohren preßte, empörte sich gegen den Eindring- ling. Er hatte als Knabe Musik sehr geliebt. Aber was galt sie ihm nun, wenn die Not in seinem Kopfe dröhnte? Er hob mit bösem Lauern die Stirn. Die Musik entfaltete sich, jetzt ver- schlangen sich drei Stimmen in rhythmischen Kreisen.„Warum", dachte Martin,„warum prahlt oben jene Bachfuge mit ihrem scheinbaren Sinn und ihrer kristallenen gesetzmäßigen Schön- heit, die nur eine lächerliche Täuschung ist?" Sinnloser wurde nur das Gekreisch des täglichen Kampfes, das schmutzige Licht des Morgens, wenn man sich zum Aufstehen zwingen mußt«. Nur der Schlaf war Glück, in dem man nichts mehr wußte, der taube, tonlose Schlaf. Martin Veidt hatte heute einmal wieder ver- gebliche Gänge zurückgelegt, jene verzweifelten Wanderungen nach Arbeit, die ihn immer wieder in sein trauriges Zimmer zurückführten. Von oben durch die Decke rauschten die starken Klänge des Klavierspiels. Einen Augenblick betrachtet« Martin spöttisch seine nutzlosen Hände. „Ja, der da oben", dachte er verbittert,„der läßt seine Hände tanzen wie geschickte Füße und schmeichelt sich beim Leben ein. Und doch hämmert und sägt er auch nur aus totem Holz seine Lügen zurecht. Zum Teufel mit der Musik, die nichts Und dann geht es mit geschwollener Brust los... Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Hier zeigen sich all« antisozialen Momente, die nicht sortgezaubert sind mit der Behauptung, den echten deutschen Sozialismus gepachtet zu haben. Wie äußerte er sich denn in der Glanzzeit de? Sektenwesens, im Mittelalter: in Bilderstürmerei, Iudenoerbrennungen, in Haß und gegenseitiger Zerrissenheit. taugt, die nicht Hilst, wenn die Zähne vor Hunger und Verzweiflung knirschen." „Schweig, du Narr!" schrie er plötzlich und warf ein dickes Buch gegen die Decke.„Ruhe!" Aber ungestört ging das Spiel weiter, eine Beethooen-Sonate, die mit dem Wispern wogen- der Aehrenfelder das tiefe, summende Glück der Erde ausklingen ließ. Martin Veidt hört« nicht mehr zu. Er hatte begonnen Geld zu zählen und stapelte die kleinen Geldmünzen wie Spielmarken auf dem Schreib- ttsch auf. Aufmerksam rechnete er, wieviel Tage er von dieser Summe noch leben könne. Fünf Tage! Oben brauste ein Andante auf. Und bei diesen genußsüchtigen Melodien, die sogar die Trauer herrlich mochten schien es Martin Veidt. als ob der Unsichtbare da oben über dem kalkigen Stuck- Himmel ein Dämon wäre, der unbekümmert um die Qual seiner Kreaturen sich immer wieder von neuem seine Schöpfung vorspielte, wie er sie sich gedacht hatte und wie sie in Wirklichkeit gar nicht aussah. Und er brüllte hinauf:„Zählst du auch? Achtel und Sechzehnte!? Daß die vollkommene Lösung, die letzte Harmonie dieser Welt erreicht werde? Ich aber zähle Geld, und diese Zahlen werden den vollendeten Rhythmus ein wenig zer- stören." Plötzlich fiel ihm ein. daß er vergessen hotte, das Fahrgeld für die mühsamen Gänge der nächsten Woche zu berechnen, und er begann von neuem, seine Lippen zu bewegen. Jetzt tauchten zwischen den Zahlen die kablen Bor- zimmer aus. in denen er warten mußte, so un- erträglich lange warten, bis er fuhlle. wie sein Rücken schlaff wurde und feine Wangen greisen- Haft einfielen. Cr sah wieder die weißen Wände. die ihn anstarrten und davor Menschen eilig vor- überhuschen, mit demselben gleichgültigen und kalkigen Ausdruck der toten Wand. Und endlich sah er sich selbst die Treppen hinunterschleichen und an den Häusern weiterkriechen. Und heute?— Vielleicht wird«m« spater« Gsschichtsschreiiung die Feststellung machen, daß es sich bei den pssudopolitischen Gebilden unserer Zeit nicht um eine„Bewegung" handelt«, sondern schlechthin um eine Sekte mit ihren typischen Merkmalen: Dogmen, Vorurteile. Wirklichkeitsflucht und Hörig- keit. Mit diesem Speck fängt man verzweifelte, hungernde Menschen... t-idre. Voll Ekel schob er mit der hohlen Hand da? Geld vom Tisch herunter. Nein, er würde nicht mehr warten, sich schleppen und krümmen. Er hatte genug. Er würde sich schlafen legen, ohne am nächsten Morgen aufstehen zu müssen. Schon lange hatte er sich auf eine solche gewattsamc Ruhe ohne Erwachen vorbereitet. Er würde keinen Lärm machen. Er ging in die Küche, in der noch der säuer- liche Geruch des abgestandenen Essens hastete. drehte die Eashähns auf und eilte ohne zu zögern durch den engen Schlauch des Korridors in sein Zimmer zurück Dann warf er die Kleider wie etwas Schweres auf den Boden, löschte das Licht und fiel auf das Bett nieder. Durch die Dunkel- hett flössen nun die Töne des Klavierspiels noch deutlicher herunter. Immer klarer, durchsichtiger liefen sie hintereinander her und lösten sich einzeln aus der Reihe.„Mozart", dachte Martin Veidt schon halb betäubt, und zugleich sah er seltsame körperliche Wesen mit gläsernen Köpfen, die wie Lampenmonde leuchteten, an sein Bett schweben, sich vor ihm verneigen und wieder zer- rinnen. Dann gingen die Melodien allmählich in ein zischendes Sausen über. Er hotte schon das Bewußtsein verloren. Plötzlich, wie von einem ungeheuren Stoß geschüttelt, fuhr er im Bette auf. Oben die Musik war in der Mitte iah ab- gebrochen. Dos Schweigen fuhr wie ein enttetz- licher Mißklang durch das Haus und zerspaltet« es wieder in viele Räum«. Martin Veidt öffnete die Augen, die wie zu- geklebt waren. Krampfhaft griff er mit beiden Händen nach vorne. Dann mit dem erstickten Gurgeln der Todesangst sprang er auf, stürzt« an da» Fenster und stieß es auf. Kalle Luft um- spülte ihn. Er trank sie mit hastigen Atemzügen Was hatte er tun wollen? Sich töten? Mitten im Takt abbrechen wie der Musiker oben, will- kürlich eine Pause fetzen, die nur ein schreckllches ohnmächtiges Schrillen auf dem letzten Ton war und seine ungelebten Jahre für ewig verdammte. Immer noch gellte dos Schweigen durch die Wände. Auch die sinnlosen Geräusche des Lebens bedeuteten noch mehr als diese hohle Stille vor dem Ende. Nein, er konnte nicht aufhören, er mußte nun einmal sein Stück Leben weiterspielen mit den vielen anderen, die Not litten wie er, von einem gleichen dunklen Kampfakkord weiter- gerissen Und vielleicht kam dann doch ein-? Tages die Auflösung in eine lichtere Tonart. Cr dehnte die Arme, atmete tief und begann von neuem seinen Tag 82. Abt. Achtung! Die Bezirksfbbr« werden gebeten, die Freiheitzopser und SnmmeMsten bi» spätesten? 12. September beim Abteilungskässierer abju- rechnen. Die angegebene Frist ist unbedingt einzuhalten. ZS. Abi. Dvnncr-tag, S. September, Funktienärsigung bei Bauer, kimter Straß- 27. 40. Abt. Leute findet kein« Mrtglieteioersammlung statt. SZ. Abt. Die heutige Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder lallt aus und findet erst am Sonnabend, 10. September. 20 Uhr, bei Dolter, Kaiserin- Augusta-AIIee i2, statt. Heute beteiligen stch all« an der AreUmitglieder. Versammlung im Türkischen Zelt. Berliner Str. 53. 17. Abt. Alle Parteimitglieder beteiligen stch an der Einäscherung des Genossen tcinrich Schulz, Donnerstag, 8. September, 15 Uhr, im Arematorium ülmersdorf. 74. Abt. Siedlung. Heut« streismitzliederversammlung im Lindenpark. Sief»- rent Genosse Erkelenz. Zahlreiches Erscheinen ist notwendig. 87. Abt. Freitag, g. September, Funktionärsitzung bei Rosenau, Laubacher Eck' Varziner Straße. 91, Abt. Freitag, 9, September, Funktionärsitzung, 1 Stund« vorher Vorstands- sitiung im Lokal von Köster. «2. Abt. Freitag. 9. Sevtember, pünktlich 19 Uhr. Funktionärversammlung im Sägerheim,'Wildenbruchstr. 81. Anschließend Vortrag de? Genossen Dr. Landauer über„Planwirtschaft". 95. Abt. Freitag, 9. September, 20 Uhr, bei Pflanz, Handjerpstr. 73, Funk- tionärsitzuna. 93. Abt. Freitag, 9. September, Funktionärsitzung bei Lohann, Wipper Straße 18—19. 99z. Abt. Heute. 20 Uhr, trefien wir uns in der Halle am Huieisen. Genosie Thomas spricht über„Das RettuNgsprpgramm der GewerkkSiaften". Die Veranstaltung wird einberufen pon der Gruppe junger Sozialdemokraten. l»3. Abt. Donnerstag. 8. September, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder im Jugendheim Laufener Str. 2. Referent Dr. Fränkel. ilZ. Abt. Leute Funktionärsidung an bekannter Stell«. !I3. Abt. Heute, 20 Uhr, wichtig« Funktionärhesorechunq an bekannter Stelle. i79. Abt. Donnerstag, 8. Sevtember, Funktionärsitzung bei GGade. .22. Abt. Freitag. 9. September, pünktlich 20 Uhr, Vorstandssitzunz beim Ge- noffen Porath. 143. Abt. Dounerstag. 8. September, Vorstandssitzung beim Genossen Lehmann. stolonie Bnäi. Zahlabend Donnerstag, 8. September, 20 Uhr, bei Klemmer, Alpenschlößchen. Thema:„Arbeitsdienstpflicht". Zraucnoeranstollungen. 77. Abt. Sonnabend, 10. September, Treffpunkt 74 Uhr zur Fahrt nach Srumme Lank«. Rezitationen der Genossin Fried«! Hall. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Vertin. Achtung, Falteuseft in der Siedlung Linbeuhof-Schöneberg. Die Kreise Schöneberg, streuzberg, Tempelhof, Steglitz, Eharlottenburg und Wilmersdorf treffen iicb am Sonntag, 11. September, 14 Uhr, iMwfcHIc Lose. Ecke Alboinstrasie. Fabrverbindung: Straßenbahn Rr. 60. Srouzberg: Heute, Mittwoch, 18 Uhr, trifft sich der Eingekrei» in der Wassertorltr. 4. Borher Besprechung der Rot- und Iungsalken- Zeltlagergemeinschaften. Sterhetafel der Groß-Derliner Partei-Organisation 48. Abt. Unser Genosse Walter Wildenhann. Vrandenburgitr. 2«, ist am Sonntag, 4. Sevtember,»erstorben. Ehre seinem Andenken! Einäsche- :ung Freitag. 9. September, 17 Uhr, Krematorium Baumschulenweg. Um reg« Beteiligung oitlet der Vorstand. 92. Abi. Am Montag. 5. September, verstarb unser langjähriger Genosse Wilhelm Gerold, Weserstr. 49 sVezirk 511. Ehre seinem Andenken! Sin- ischerunz Donnerstag, 8. September, 18!: Uhr, Aremotorium Baumschulenweg. Um rege Desciligung wird gebeten. i Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen kür diese Rubrik nur an das Iugendseiretariot | Berlin EW 68. Lindenstraß» 2. vorn 1 Treppe recht» Achtung, Wettbewerb! AI« Gruppe» mSssca»och stampssondsmarke» ablesen. Die ilawpfsoadsmarke» werden bi» zum 7. Oktober vertriebe». Vom l. bi» 79. Oktober Vertrieb b«r„Arbeiter-Zugend". Volksbühneomitglieder! Für die bis zum 30. August eingereichten Mit- zliederkarten bzw. Reuanmeldungen können die Mitgliedskarten abgeholt »erden. Erst« Borstellung am 18. September. Neuanmeldungen werden noch -ntgegengenommen. heute. Mittwoch, 7. September. 19 H Uhr. Voltcnplotz: Tilsiter Str. 4— 5: Schällplattenadend.— Franklnpter Viertel: tranisurter Allee 807:„Politische Tagessragcn".— Petersburger Viertel: dbsrtxstr. 72:„Lausbubengeschichten".— Warschauer Viertel: Spörtplatz triedrichihain.— Spandau: Lindaaufer t:„Grundlagen des Marxiiwua".— tempelhos: Gotzstraße: Bunter Abend.— Ldiershos: Bismarckstr. 1: Mitglieder- -crsammlung.— Bohnsdorf: Wachtelftr. 1: Mitglied er»-rs-mmlung.— Sölten. bcrg. Gemeinschastihaus:„Aktuelles".— Aaulsdors: Adolsstraße:„Die Mädel» baden da» Wort".— Lichj-nbcrg, Mitte: Scharnwcberstraße: Mitgliederperfamm. lung.— Reu-Lichtcnberg: Sunterstr. 44: Fragekastenabend— Lichtenberg, Nord: Gunterstr. 44:.Ausgaben des Arbeitegerich-s".— Mablsdorf: Mclanchthon- sträße 63:„SAB.— Reichsbanner und Partei".— Reinickendorf. Dost: S-idkl- I-rätze Ii Siederabend. Derbe bezirk Rculolln: DBB.-Sitzunz 79 Uhr Parteibüro Fuldastraß«. vcrbebezirk vberspre«: WBB.-Sitzung im Jugendheim Vaumichulcnwea, Ernststr. 16. Lerbebezirk Areuzberg: 13— 16 Uhr Pioniergruppe Seim llrbanstr. 167. Derbebezirk Tempelhof: I81Z Uhr Borstandssitzung. Sötzstr. 8. Werbebezirk Reinickondorf: Vorstondsfitzung im Heim Wittenau. All« Ab- teilungsleiter müssen erscheinen. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäft» stelle: Berlin S. 14. Eebastianstr 37—88. Hot 2 Tr. Ritt«, 4. Rameradschast: Mittwoch, 7. September, Nameradschast»- Versammlung bei Brandes, Etralauer Str. 10. Referent.ssamerad Böhme.— Ziergarten, 8. Sameradschaft: Freitag. 9. September, 2V Ubr, «------------»------"ckerr, Steinmetzstraße. Buchkontrolle.— Sevtember, 18>.z Uhr, Antreten sämtlicher WDW! Rehberge. Freikonzert, ausgeführt vom Musikkorp» und Evielmannszug de» Ortsuereins.— Zriedrichsbain, Lamerad- schaft Frankfurt: Mittwoch, 7. September, 2V Uhr, kameradschastsversammlung bei Wittschuß. Petersburger Str. 5. Referat. Kameradschaft Memel: Donners- tag. 8. September, 20 Uhr, Aameradschaftsversammlung im Lokal von Neumann, Gubener Str. 45. Acußerst wichtige Tagesordnung.— Wassersportablcilnng, Zug Növenick: Mittwoch, 7. Sevtember, außerordentliche Mitgliedernerlammlung km Bootshaus Köpenick. Vollzählige» und pünktliche» Erscheinen Pflicht. Deutsche Liga für Menschenrechte, Ortsgruppe Westen IN. Donnerstag, 8. September, 20 Ubr, Pilfator am Stadtvarl(Schöneberg, Lnnsbrucker Eck« Freiherr. vom-Stein-Straße. Untergrundbahn Stadtparkl, konstituierende Mit. gliedervsrsammlung. Thema:„Notoerordnungen und ihre Auswirkungen". Gäste können eingeführt werden. Sozialistischer Ssveranto-Bund. Gruppe Neukölln: Mittwoch, 7. September, 20 Uhr, in der Schule Rütlistraße.— Gruppe Reinickendorf: Donnerstaa, 8. September, 20 Uhr, Barocke Lindauer Straße.— Gruppe Zentrum: Freitag, 9. September, ISZj Ubr, Metallarbeiterverbandshaus, Linienstr. 83—85.— stindergrupps Rütli: Mittwoch, 7. September, 17—19 Uhr, Schul« Danziger Straße. 7>ma: Grimertk« reepero. Lono'ellow Hnolisd Debatin« C!ab, Bfilowstr. 104: Mittwoch, 2014 Uhr Mr. K. Prince:.Modern German painters". Gäste willkommen. Gardinen und Teppiche bei Israel. Di« Baumwollgardine ist da! Da sieht man färben- prächtig« Fresko-, Flamengo- und Eretongewebe in feinabgestimmten, meist quergestreiften Musterungen: dann Baumwolle mit Kunstseide verarbeitet, aber matt im Ton mit hübschen großen Blumendelsins, den sogenannten Schattendruck, oder klcingezeichneten Ehinzmusiern. Die große Auswahl der Forben ermöglicht Ungleichung an Möbel und Wand�arbe. Die Stoffe fallen schwer aber nicht plump, sie haben alle transparent« Lichtwirkung, find lichtecht und leicht waschbor. Daneben siebt man noch marauisctteähnliche Gewebe mit gan» neuen Dessins, Tülle, leichte Kunstseiden Die Drapierungs- weise geht immer vielseitigere Wege, man rafft die Gardinen lchräa, läßt sie lvse lallen, zieht sie zu Wolkenstores, je nach Phantasie und Geschmack. Neuartig« Querleisten, Schlitzzüge genannt, montieren den ganzen Zugapparot so, daß er auch bei der hellsten Gardine absolut nicbt zu sehen ist. Dazu gibt es neu konstruierte Stäbe, die. mit einem Karabiner am Ende versehen, das Hin- und Herschieben der Gardine gänzlich schnurlos ermöglichen. Bei den Teppichen erreicht der buntfarbige Smyrna eine immer größere Berooll- kommnung in der Aehnlichkeit des echten Orientalen, er ist durch- gewebt, so daß die Täuschung fast vollkommen ist: sehr schön und echt wirken auch die gutgswähtten Mustsr. Daneben behaupten sich Tournan und Boucle mit ihren klargezeichnetsn Dessins und ihrer großen Stropaziertähigkeit noch wie vor. Eine Rillia» AusftLgles benutzten in diesem Lahre die BBS-Ausklug»- wage» oder.Omnibusse»u Fahrten in die näöcrc oder weitere Ilmgebunz Berlins. Auch im Herbst setzt die BVG. ihre beliebten Fahrten fort. Tele» E>e da» Inserat in der morgigen Ausgab« und verlangen St« nähere Auskunft van der BBG..Verichrsabliilung, flöthener Str. 17, Fernruf B 2 Lüssow 9014-�9019. Apparat 117. Kind und Hund. Im Rahmen der großen Jubiläumsausstellung des Deutschen Schäferhundoerbandes ist im Landesausstellungspark Alt- Moabit(Ulap) ein Photo- und Zeichnungenwettbewerb zu sehen, unter den Kennworten„Kind und Hund". Hierdurch hat man ganz bewußt den Umgang mit Tieren als Erziehungsfaktor gewertet. damit die Entfaltung des kindlichen Gemüts, die unter den un- geistigen und brutalen Strömungen der heutigen Zeit leidet, nicht ganz zurückgedrängt wird. Der Photowettbewerb, der von Erwachsenen bestritten wird, zeigt in erster Linie den Hund als gut aufgelegten Spielkameraden oder als verstehenden Beschützer des Kindes. Die IStXi ausgestellten Bilder ober, die aus allen Orten und aus allen Schulen Deutschlands den Weg nach Berlin antraten, sind vom pädagogischen Standpunkt aus in höchstem Maße interessant. Man sieht reife Bilder von Primanern, die man unbedingt als talentierte Hundemaler bezeichnen darf, und sich mühsam abgequälte Zeichnungen von Siebenjährigen, die vorsichtshalber noch dazu schreiben, was ihr. Bild zu bedeuten hat. Die Kinder sehen in erster Linie den Hund als Spielkameraden und Beschützer, jedoch, und das ist ein trauriges Zeichen unserer Zeit, beschäftigen sie sich auch sehr eingehend mit dem Nahrungstrieb des Hundes und der Tatsache, daß es einem hungerigen Hund schwerfällt, Mein und Dein zu unterscheiden. Ein Bild hingegen zeugt von wunderbarem Humor: ein Storch steht langhalsig auf dem Nest, Vögel suchen, jedes Tier auf dem Bauern- Hof guckt aufgeregt und unter dem Bild steht:„Wo ist Treff?" Neben den Zeichnungen sind die Kinder mit netten Plastiken ver- treten. Da hat beispielsweise ein lustiger Bube einen Hund derartig modelliert, daß man ihn für ein kleines Schwein halten kann und dieses Gebilde nennt der kleine Künsller:„Der Siebenschläfer". Die Ausstellung bietet auch sonst Anregungen mannigfacher Art. parteinachrichten für Groß-Berlin eiojentmngen für dtcj« Rubrik stnd stet» an Das Beztrissetretartat Berlin SW 68. Lindenstraß« 3 2. Hos. 2 Treppen rechts, zu richten Achtung! Kreis» und Abteilungsleiter! Die Genossinnen und Genossen der flreis« Wilmersdorf, Mitte, Tiergarte», «edding, Eharlottenburg, Spauöan, Schöneberg, Steglitz, Tempelhof, Neukölln beteiligen sich an der Einäscherung des Genossen Heinrich Schul, im flrema- torium Bilmersdors am Donnerstag, dem 8. September, 75llhr. Di« Seuossinnes und Genossen der Kreise flrenzberg, Treptow, Köpenick, Lichtenberg beteiligen sich an der Einäscherung de» Genossen Otto fl r a a tz im Krematorium Vauwschnleuwcg am Donnerstag, dem 8. September, 1 7 ll h r. Parteibauner und Fahnen find mitzubringen. Der B-zirks-orftanb. Beginn aller Veranstaltungen lSl4 Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 2. flrei». Donnerstag, 8. September, 20 Uhr, Sitzung des Btldungsausschusses bei Hübner, Wilsnacker Str. 84.— Achtung! flr«i»mitgli-derv--samorlung Freitag, 9. September, 20 Uhr, in den Armtniushallen, Bremer Str. 73. Tagesordnung:„Unser Kampf gegen die Reaktion". Referenten: Siegfried Aufhäuser, Otto Meier. Mitgliedsbücher stnd zum Zweck« der Kontroll« mitzubringen, ohnedem kein Zutritt. 3. Kreis. Donnerstag, 8. September. 16 Uhr, Zusammenkunft«rwerbsloser Parteimitglieder an bekannter Stelle.„Klassenkampf von oben", Referent Marcel Komendzinsk!. 7. Kreis. Heute, 15 Uhr, gusammeukuust erwerbsloser Parteimitglieder im Jugendheim Rosinenstr. 4. Aussprache über Unterstützungen usw. 78. Krcts. Donnerstag, 8. September, Erwerbslosenfahrt nach Machnower Schleuse. Treffpunkt 8 Uhr Attilaplatz in Tempelhof. Radfahrer ebenfalls dort. Bei schlechtem Wetter 141» Uhr Heim Götzftraße. 8. Abt. Mitwoch. 7. September, Zusammenkunft fllngerer Parteimitglieder bei Ende, Luisenuker 20.— Freitag. 9. September, im Saal 5 des Gewerk. schastshausss, Funktionärsitzung mit recht wichtiger Tagesordnung. 78. Abt. Heute Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder im Ledigenheim Lchönstedtstr. 1.„Sozialismus und Gewalt", Referent Heinrich gakubowicz. 37.«bt. Heute, 20 Uhr, Zusammenkunft jüngerer Partein'.itgiieber bei Weiß, Bornholmer Str. 1.„Wie diskutier« ich mit einem Nazi?"