BERLIN Mttvoch I.September 1932 Nr. 422 B 203 49. Jahrgang Redaltion u. Expedition: Berlin SW SS, Lindenftr.S Sei A7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". Bezugspreis fürbeideAusgabentZPf. pro Woche, z,2Z M. pro Monat ldavon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus> im voraus zahlbar. Postbezug 8,97 M. einschließlich K0 Ps. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebühren. Anzeigenprei»: Dir tsplt. Milll- «eterzeile 80 Pf. Die ReUamezetl« lostet! Mari. Rabatte n. Tarif. Weg mit der Sozialreaktion! Oer AsA.-Bund gegen das papen-programm Nach eingehender Beratung hat der A f A- B u n d e s o o r st a n d zu den wirtschafts- und sozial- politischen Maßnahmen der Reichsregterung mit folgender Entschließung Stellung genommen: Das Wirtschastsprogramm der Reichsregierung widerspricht grundsätzlich dem Verlangen der Gewcrk- schaften nach einem Umbau der Wirtschaft und ausreichen- der öffentlicher Arbeitsbeschaffung. Es steht aber auch durchaus im Gegensatz zu der zuletzt vom Reichspräsidenten auf das Telegramm der Gewerkschaften abgegebenen Er- klärung,„daß die Lebenshaltung der deutschen Arbeiterschaft gesichert und der soziale Gedanke gewahrt bleibt". Die Lebenshaltung der deutschen Arbeitnehmer wird durch diese Notverordnung nicht gesichert, sondern unerträglich geschmälert, der soziale Gedanke nicht gewahrt, sondern alle sozial- politischen Errungenschaften der letzten 14 Jahre aufs schwerste gefährdet. Es ist mit den Grundsätzen der Reichsvcrfassung nicht in Einklang zu bringen, wenn sich die Reichsrcgierung unter Berufung auf den Art. 4!� die Vollmacht geben lätzt, alle verbürgten Rechte der Ar- beitnehmer in Sozialversicherung und Arbeitsrecht, in Fürsorge für Arbeitslose und Stricgerhinterbliebenc zu ändern oder aufzuheben. Zwar erklärt die Reichsregie- rung, das Tarifrecht grundsätzlich aufrechterhalten zu wollen, tatsächlich aber wird die Unabdingbarkeit der Tarifverträge durch Ausnahmebestimmungen aufge- hoben. Zwar erklärt die Reichsregicrung, die Te- flationspolitik nicht mehr fortsetzen zu wollen, tat- sächlich aber wird durch den Lohn- und«ozialabban die Massenkaufkraft weiter gedrosselt. Ter Versuch der Reichsregierung, die Wirtschaftskrisis durch Steuergeschenke an die Arbeitgeber und durch Lohnabbau bei den Arbeitnehmern zu überwinden, mutz daher auf den schärfsten Widerstand der Gewerkschaften stoßen. Das Experiment mit den Stcueranrcchnungsscheinen ist nicht ohne Gefahr für Währung und Finanzen. Fn einem Augenblirk, in dem der öffentliche Haushalt noch nicht ausgeglichen ist, werden für die Unternehmer die Steuern im voraus gesenkt. Statt der Finanzierung eines ausreichenden Arbeitsbcschaffungsprogramms werden Milliarden aus öffentlichen Mitteln zur Entlastung der privaten Unternehmen eingesetzt. Vergeblich warten Erwerbslose und Sozialrentner auf eine Tat der Regierung, die das ihnen durch die Funi-Rotverordnung zugefügte Unrecht wieder gutgemacht. Vergeblich warten alle Angestellten und Arbeiter auf eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung auf gesetz- licher Grundlage. Dieses Programm bürdet in ein- scitiger Weise alle Opfer den Angestellten und Arbeitern auf in der Annahme, damit dem Privatkapitalismus wieder aufhelfen zu können. Zugleich aber treibt die Regierung eine Handelspolitik, die praktisch zur Ab- schnürung vom Weltmarkt führt, und eine Lohnpolitik, die eine neue starke Schrumpfung des inneren Marktes zum Gefolge haben mutz. Angesichts dieser Wirtschaft- lichcn Tatsachen und angesichts der herrschenden inner- politischen Unruhe, die durch solche Matznahmen noch vcr- schärft wird, bedeutet die Verordnung ein Experiment ohne Gewähr dafür, das» Deutschland an einer möglichen Belebung der Weltwirtschaft teilnimmt. Die Gewerkschaften fordern von den Parteien, die sich im Wahlkampf für die Arbeitsbeschaffung und gegen den Lohnabbau, für die öffentliche llontrolle der Wirtschaft gegen die Zerstörung der sozialen Rechte ein- gesetzt haben, datz sie ihre Mehrheit im Reichstag be- nutzen, die Regierung zur Aufhebung dieser Notverord- nung zu zwingen. Brandunglück im Laubengelände Ein Toter, eine Schwerverletzte, pserde und Schweine verbrannt Im Osten Berlins, auf dem Grundstück Landsberger Allee 99/103, wütete in den heutigen frühen Morgenstunden ein Großseuer. dos ein Todesopser gefordert hat. Der Bewohner einer Laube wurde von dem Zeuer überrascht und kam in den Flammen um. Eine Frau, die in einer benachbarten Laube wohnt, tonnte im letzten Augenblick von der Feuerwehr gerettet werden. Mit schweren Brandverlehungen mußte die Frau ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Außerdem wurden ein pserd, mehrere Schweine, zwei Hunde und zahlreiches Kleinvieh ein Opfer des Flammenmeeres, das mehrere wohn- lauben, Stallungen und Bretterschuppen völlig einäscherte. Aus dem langgestreckten Grundstück Landsberger Allee 93/193, \ das einer Möbeltransportsirma gehört, hatten sich einige Händler mit ihren Familie» in Wohnlauben niedergelassen. Die leichtge- bauten Holzhäuser mit anschließenden Stallungen und Schuppen standen ziemlich dicht beieinander. Gegen 3.33 Uhr, als alles im tiefsten Schlafe lag. begannen die Hunde plötzlich laut zu heulen. Die Tiere hatten Brandgeruch gewittert und versuchten sich von ihren Ketten zu befreien. Ein Bewohner wurde auf die Hunde aufmerksam und als er aufstand, um nach dem Rechten zu sehen, ! entdeckte der Mann starken Feuerschein. Eine benachbarte i Wohnlaube und mehrere Schuppen brannten be- reit? lichterloh und der Wind trieb die Flammengarben auf die übrigen Holzbauten. In wenigen Minuten war die kleine Wohn- kolonie alarmiert. In der ersten Aufregung, wobei zunächst nur alles darum ging, das nackte Leben zu retten, achtete niemand auf den andern. Einige Bewohner versuchten noch ihr Vieh zu retten, was ober nicht mehr gelang. Das Feuer griff wie rasend um sich und als die Feuerwehr mit zwei Zügen an der Brandstätte eintraf, gab es kaum noch etwas zu retten. Der ganze Wohnlauben- und Schuppenkomplex stand in hellen Flammen. Dem Brandherd entströmte eine ungewöhnlich heftige Strahlenhitze. Die Feuerwehr nahm sosort sechs Schlauchleitungen in Betrieb und durch auf» opfernde Arbeit konnte noch größeres Unheil verhindert werden. Nach mehrstündigem Wassergeben gelang es, die Flammen zu löschen. Aber erst die Aufräumungsarbeiten gaben einen erschütternden Ueberblick über den Umfang des Brandunglücks. Aus den Trümmern einer niedergebrannten Laube wurde die verkohlte Leiche des 55 Jahre alten Händlers Ferdinand Richter hervorgezogen. Unter den anderen rauchenden und schwelenden Schuttmassen entdeckten die Feuerwehrbeamten ein verbranntes Pferd, zwei tote Wachhunde, zwei Schweine, zahlreiche Kaninchen und Hühner. Eine 59 Jahre alte Händlerin Emilie B ö b e r verdankt ihr Leben dem tatkräftigen Eingreifen der Feuerwehrleute und einiger Nachbarn. Die Unglückliche, die bereits schlimme Brandwunden er- litten hatte, wurde aus ihrer brennenden Laube gerettet und durch einen Krankenwagen der Feuerwehr sofort ins Krankenhaus geschafft. Die Entstehungsursache des Feuers ist noch nicht bekannt. Di« Kriminalpolizei hat die Untersuchung bereits aufgenommen. Nach Aussagen der Bewohner des Wohnlaubengeländes ist es wahrscheinlich, daß der Händler Richter seine Wohnlaube s e l b st in Brand gesteckt hat und damit den Herd zu dem Schadenfeuer legte. Er hatte schon mehrfach die Absicht geäußert, die ganze Laubenkolonie in Brand zu stecken und sich das Leben zu nehmen. Man nimmt an, daß er sich in seiner Remise nach Anlegung des Brandes erhängt hat, zumal sich schon vorher Anzeichen von Geistesgestörtheit bei ihm zeigten. Da die Remise ganz heruntergebrannt ist und die Leiche völlig verkohlt war, konnte die Todesursache nicht festgestellt werden, so daß man keine Be- stätigung über die Richtigkeit der Aussagen der Mitbewohner er- halten konnte. Hinausgeworfen! Bracht setzt Leyden und Klausener vor die Tür. In der Dienstagausgab« des hugenbergschen„Tag" meldet der sattsam bekannte deutschnationale Landtagsabgeordnete Borck, seines Zeichens früherer Polizeioffizier, neue Forderungen auf hinauswurf politischer Beamter an. Er tut das in einer so ausfällig frechen Sprache, daß man von jedem Minister erwarten müßte, daß er solche Anmaßungen mit einer handbewcgung beiseite schieben würde. Borck spricht unter anderem von einem„Ministerialdirektor, der stets um die Herren der SPD. und des Zentrums schwänzelte, wider besseres Einsehen den Gewerkschaften alle Wünsche erfüllte und der nun treu und loyal zum neuen Kurse stehe". Er spricht von Beamten, die„äußerlich vor dem Reichskommissar vielleicht kriechen, hinten herum aber gegen ihn regelrecht Sabotage treiben". Wen Borck mit diesen Aeuherungen meinte, konnte man vielleicht erraten, aber nicht mit positiver Gewißheit aussprechen. Wie wir heute aber aus guter Quelle hören, wird der stellvertretende Reichskommissar Dr. Bracht noch im Laufe des heutigen Tages den bisherigen Ministerialdirektor Klausener, den Dezementen für Polizeifragen im preußischen Ministerium des Innern, zur D i s- Position stellen, und auch der kommunalpolitische Direktor von Leyden wird das gleiche Schicksal erleben! Ministerialdirektor Klausener ist enragierter Zentrums- mann und stellt als Vorsitzender der„Katholischen Aktion" eine besondere Nummer dar. Er ist seit Jahren im Ministerium beschäftigt, und republikanische Beamte haben vielfach an seiner durchaus nicht immer klaren Auffassung Anstoß genom- men. Wie man sagt, ist Klausener der eigentliche Vater, ja vielleicht sogar der Verfasser der Badehosenverordnung, die uns unter dem Namen Brachts beschert wurde. Aber selbst diese Aktion gegen den, Kulturbolschewismus im Freibad" bewahrt ihn nicht davor, von seinem katholischen Glaubensgenossen Bracht hinausgetan zu werden, wenn Herr Borck den„eisernen Besen" fordert. Was den kommunalpolitischen Dezernenten Herrn von Leyden anlangt, so gilt er als der theoretische und praktische Urheber der sogenannten Verwaltungsreform, die mit einem Striche zahlreiche Landkreise beseitigte und neuerdings auch durch Not- Verordnung das ganze preußische Verwalkungsfystcin„vereinfachte". Noch vor wenigen Tagen durfte er diese„Reform" vor Pressever- tretern eingehend begründen. Jetzt darf er, wie der Mohr, der seine Schuldigkeit tat, seiner Wege gehen und anderen Platz machen, die schon lange auf Beförderung warten! Als Nachfolger des Ministerialdirektors Klausener ist ein aktiver Offizier aus der Reichswehr in Aussicht ge- nommen. Man will durch diese Verbindung der Reichswehr mit der preußischen Polizei gewisse Pläne ihrer Verwirklichung näherbringen, die seit längerer Zeit hinter den Kulissen spuken. Börsenhausse gebrochen. Die Spekulanten steigen aus.— Starke Kursverluste. Die heutige Börse brachte zum erstenmal seit vielen Wochen einen Rückschlag, der nach der beispiellosen Kurs- fteigerung der letzten Tage freilich erwartet werden mußte. Die Großspekulanten sind offenbar ausgestiegen, d. h. sie haben oerkauft und die Gewinne mitgenommen. Auf der anderen Seite scheint auch dem Publikum das Kaufen jetzt schon zu riskant geworden zu sein. Jedenfalls spricht inan von stark zurückgegangenen Publikums- auftrügen. Auf den Kurstafeln waren schon zu Beginn der Börse Minuszeichen zu sehen. Der Verlauf war dann fehr uneinheitlich, doch überwogen auf allen Märkten die Kursrückgänge ganz entschieden. Auf dem Aktienmarkt ergaben sich durchschnittlich Kurs- rückgänge gegenüber den gestrigen Schlußkursen von 3 bis 5 P r o z. Montanwerte gingen teilweise um 6 bis 8 Proz. zurück. I. G. Farben sanken von ICRYi auf 103%; Siemens ging von 146 auf 140% zurück: Gelsenkirchen von 43 auf 37, AEG. von 48 auf 45%; Reichsbankanteile von 136% auf 133%. Zeter, Zeter! Was sich auf Goebbels Rücken ereignet hat. Herr Josef Goebbels ist sonst kein Feind der feinen Leute. Nach seiner Verehelichung mit der geschiedenen Gattin eines millionenschweren Generaldirektors hat er sich mitten unter ihnen, am Reichskanzlerplatz in Berlin-Westend, nobel niedergelassen. In der Politik aber tut Herr Goebbels so, als verspeise er täglich drei „feine Leute" zum Frühstück. Wenigstens gilt das, seitdem das Bündnis zwischen Papen und Hitler in die Brüche gegangen ist. Als ob er niemals Jubelartikel über Popens Amtsantritt, über die oerfassungsverletzenden Taten gegen Preußen geschrieben hätte, geisert jetzt Herr Goebbels im„Angriff" gegen die„feinen Leute", die die Regierung an sich gerissen haben. Aber dabei verplappert sich der gerissene Demagoge. Mit sprudelnder Zungenfertigkeit verrät er den wahren Ursprung der Regierung Papen. Goebbels schreibt: Während wir auf den Tribünen der Massenversammlungen standen und um eine neue deutsche Geltung den heroischsten Kampf führten, richteten sie sich hinter uns bereits wohnlich ein, und ehe man sichs versah, schwangen sie sich aus unseren breiten Rücken und kletterten behende in die Amtlichteit. Damit hat Herr Goebbels offen zugegeben, daß die Barons- regierung der„feinen Leute" nur auf dem Rücken der Nationalsozialisten zur Macht gelangt ist und zur Macht gelangen konnte. Er hat zugegeben, daß alle Wahlsiege der Nationalsozialisten zu nichts weiter geführt haben als zur Herr- schaft des nackte st en und brutal st en Kapitalis- m u s! In der Tat erhält jetzt das Volk«inen sehr lehrreichen An- schauungsunterricht: Als im Jahre 1S28 im Reichstag 153 Sozial- demokraten saßen, die etwa 28 Pro,z. der Wählerschaft repräsentierten, da war es für das Bürgertum unmöglich, gegen die Arbeiterklasse zu regieren. Im jetzigen Reichstag sitzen 230 National„sozialisten", die etwa 37 Proz. der Wählerschaft repräsentieren— und noch niemals ist die Arbeiterklasse so o h n- mächtig, das Bürgertum so geschwollen und übermütig gewesen. Dos zeigt deutlich den Wert dieser„Arbeiterpartei". Der einzige Erfolg ihres Anwachsens ist— die Alleinherrschaft des Kapitalismus! Eine„deutsche" Frau. SympathieerNärung für viehische Mörder? Frau Magda Goebbels, die Frau des Berliner Gau- Iciters der Nazis, hat in diesen Tagen eine Tochter geboren. Vier Tage vor ihrer Entbindung hat diese.deutsche Frau" ein Schreiben an die Frau eines der Mörder von Potempa gerichtet und hat dies Schreiben in der nationalsozialistischen Press« oeröffentlichen lasten. Das Schreiben nimmt offenkundig Partei für die Mörder von Potempa und gegen die Opfer der Mörder. Es ist so wie das bekannte Telegramm Hitlers eine Dokumentierung der Sym- pathi« der nationalsozialistischen Führerschaft mit dem Mord. Es heißt in diesem Schreiben: „So geht es hier doch um Dinge, die weit über die Politik hinaus nur die einfachsten Gesetze der Menschlich- k e i t und der Gerechtigkeit betreffen." Die einfachsten Gesetze der Menschlichkeit gebieten es, sich mit Schaudern abzuwenden von so verruchter Tat, wie sie in Potempa geschehen ist. Daß einem Unglücklichen, der von einer Mörderbande im Schlaf übersallen wurde, nach schwer- sten Verwundungen zuletzt noch(alles in Gegenwart seiner alten Mutter!) der Kehlkops mit einem Stiefelabsatz zer- treten wurde, daß dem ersten Mord nicht gleich ein zweiter nur deshalb nicht folgte, weil einer der Mörder zurück- schreckte vor dem Blute des er sten Opfers, das seine Hände besudelte— das ist für jeden, der wahrhaft menschliches Ge- fühl besitzt, nur ein Anlaß zum Abscheu und zur Empörung über solche Tat. Daß eine Frau, die unmittelbar vor ihrer liiederkunst steht, die einem neuen Menschen das Leben schenken soll, sich nicht von solcher Tat abwendet, sondern öffentlich ihre Sympathie mit den Mördern bekundet, das ist eine verirrung aller mensch. lichen und mütterlichen Gefühle. Das Schreiben dieser deutschen Frau ist Beweis dafür, wie tief d'e edelsten menschlichen Gefühle bei den Nationalsozialisten und ihren Frauen im Kurs ge» funken sind! Z�eichsbahn-Entiassungen. Protest der Sozialdemokratie. Das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung will weit über eine Million Menschen in Arbeit bringen. Zu diesem Zweck soll auch der Deutschen Reichsbahn die Beförderungssteuer in Höhe von 180 Millionen Mark erlassen werden. Einstweilen aber will die Reichsbahn nicht Arbeitskräfte neu einstellen, sondern Arbeitskräfte entlasten. Die sozialdemokratische Reichs- t a g s f r a k t i o n hat daher den Antrag gestellt, die Rcichsregierung zu veranlassen, auf die Deutsche Reichsbahn- Gesellschaft einzuwirken, daß die vorgesehenen Entlassungen von zirka 52 000 Eisenbahnarbeitern unterbleiben, daß die ausgesprochenen Sündigungen zurückgezogen und die bereits entlassenen Arbeiter mit ihren alten Rechten wieder eingestellt werden, daß serner die im Betriebs- und Verkehrsdienst bestehende überlange Arbeitszeit beseitig« wird. Die in dem sozialdemokratischen Antrag verlangte Einwirkung aus die Reichsbahn ist um so notwendiger, als die Reichsbahn trotz den ihr vom Reich gewährten zusätzlichen Mitteln die Absicht hat. ihr Beschassungsprogramm für 1932 noch unter dem für das Jahr 1931 zu halten. Die vom Reich zur Verfügung gestellten Mittel würden dann nur der Bereinigung der Bilanz der Reichsbahn dienen, nicht aber der vermehrten Beschäftigung. Auswechselung der Presseabteilung. Zum Pressechef der kommissarischen Preußischen Staatsregie- rung ist Dr. von C a r l o w i tz, früher Hauptmann im Reichs- wehrministerium, unter der„neuen Staatsführung" in die Reichs- Pressestelle berufen, ernannt worden. Ministerialdirektor Goslar, der feit Errichtung der Republik der treueste Mitarbeiter der Etaatsregierung gewesen ist, verabschiedete sich von den Vertretern der Presse, die ihm für die jahrelange vertrauensvolle und kamerad- schastliche Zusammenarbeit ihren herzlichen Dank aus- sprachen. Mit Goslar zusammen verläßt Oberregierungsrat H a r t e ck die Preußische Pressestelle. In die Reichspressestelle tritt Dr. Brauweiler, bisher beim„Hannoverschen Courier" tätig, neu ein. Die Ausstandstruppen von Südbrasilien haben wieder Erfolge erkämpft und sollen auf die Hauptstadt Rio de Janeiro marschieren. Man hört Vorkriegstöne Amerikanisches Mißbehagen an der deutschen Tonart Washington, 7. September.(Eigenbericht.) Das KönigSberger Interview Schleichers und die Er- klärungen Neuraths haben in hiesigen amtlichen Kreisen lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Man zeigt für die deutschen Forderungen weitgehendes Verständnis, mißbilligt jedoch die Tonart, in der sie immer wieder er- hoben werden, und macht kein Hehl daraus, daß diese Tonart mit vor dem Kriege oft gehörten Tönen überein- stimmt. Im übrigen wird verlautbart, daß Amerika sich an den jetzigen europäischen militärischen Ausein- andersetzungen nicht beteiligt, aber an einer Welt- abrüstung außerordentlich interessiert ist. Die sozialistische Abrüstungskampa�ne. Paris, 7. September.(Eigenbericht.) Der sozialistische„Populaire" fordert wiederum nachdrücklich, daß Frankreich die deutschen Forderungen mit einer kräftigen Gegenossensive für die allgemeine Entwaffnung beantworte. Frankreich müsse vor allen Dingen auf seine „lügnerische Formel: zuerst Sicherheit, dann Ab- r ü st u n g" verzichten, den Tardieu-Plon offen aufgeben, eine eigene Abrüstungsinitiative vornehmen und vor allem den A b r ü st u n g s- plan Hoovers annehmen. Eine Aufrüstung Deutschlands sei völlig unzulässig. Dafür aber müßten die Unterzeichnermächte des Berfailler Vertrages entsprechend ihrer feierlichen Versprechen selbst abrüsten. Vorbericht über die Antwort Frankreichs. Paris, 7. September.(Eigenbericht.) Der„Matin" teilt schon in großen Zügen den Inhalt der französischen Antwort auf das deutsche Militärmemo- randum mit:„Will Deutschland aufrüsten und sich von allen Klauseln des Versailler Vertrags hinsichtlich der Abrüstung zu Lande, zu Wasser und in der Lust befreien? Wenn das seine Absicht ist. muß es sich nach Genf wenden, wo die Versailler Unterzeichner- mächte im Völkerbund versammelt sind. Will Deutschland eine An- passung seines Militärslatuts, so muß es sich gleichsalls nach Genf wenden, aber unter der ausdrücklichen Bedingung, daß die Abänderungen an seinem Statut nicht zu einer Ausrüstung führen, denn in diesem Punkt sind die Versailler Bestimmungen präzis. Will Deutschland schließlich die„Gleichberechtigung nach unten", d. h. in Funktion mit den etwaigen Ergebnisten der Abrüstungskonferenz? In diesem Falle müßte zuerst das Ergebnis der Abrüstungskonferenz abgewartet werden. Aber schon jetzt sind zwei wesentliche Bemerkungen zu machen: die deutsche Forderung kann auf Grund der klaren Vertragstexte nicht Gegenstand einer direkten und ausschließlichen Aussprache zwischen Paris und Berlin sein. Deutschland droht den interessierten Mächten, daß es an den wei- teren Verhandlungen der Abrüstungskonferenz nicht mehr teilnehmen werde, wenn seine Forderungen nicht gleich günstig entschieden werden. Diese Drohung ist völlig gegenstandslos, denn sie beruht auf keiner sachlichen Grundlage, sondern nur auf einem Ausbruch übler Laune. Weiter weiß der„Matin" zu berichten, daß Frankreich auch die übrigen Mitgliedennächte des Vertrauenspaktes und die Unter- zeichner des Versailler Vertrages um Z u st i m m u n g zu der Ant- wort ersuchen wolle. Die Antwort würde also sozusagen eine Kollektivnote werden. Kapitalistische Sanierung Die Kosten zahlt der Arbeiter! Aazis gegen Hugenberger. Eine Polemik des pg. Göring. WTB. meldet: Wir haben uns an Präsident Göring um den authentischen Text der Stelle seiner Rede in der Bockbrauerei bemüht, in der er auf die Verhandlungen mit dem Z e n- t r u m zu sprechen kam. Danach hat er hierzu folgendes gesagt: „Die Deutschnationalen behaupten, unser« Verhandlungen mit dem Zentrum wären eine Sünde gegen den heiligen Geist. Das sind dieselben Deutschnationalen, die mit dem Zentrum bereits in einer Koalition gesessen haben, während wir uns zunächst mit dem Zentrum über eine Regierungsmöglichkeit unterhalten." Der Herr Hauptmann find noch zu neu im Amt des Reichstagspräsidenten, um sich der herkömmlichen Zurück- Haltung dieses Amtswalters in der Tagespolitik angepaßt haben zu können. Wegtreten! Sturm vor dem Sondergericht. Das Gericht geht weit über die Anträge des Staats- anwalts hinaus. Das Berliner Sondergericht hat ein Urteil gefällt, das über den Antrag des Staatsanwalts, der gegen acht Angeklagte in» Prozeß Tponnagel und Ge- nosien je ein Jahr Zuchthaus forderte, zum TeU um das Toppelt« hinausgeht. Die Angeklagten Sponnagcl und.König wurden zu zwei Jahren Zuchthaus, drei weitere Angeklagte, darunter der Reichs- bannermann Michaelis, zu einem Jahr Zucht- Haus verurteilt. Drei Angeklagte, darunter der Reichs- banncrmann K o e st n e r, wurden freigesprochen. Das Gericht hielt bei den Verurteilten Landfriedensbruch für erwiesen und erkannte bei Tponnagel, well er einen Pistolenschast bei sich führte, und bei König wegen seiner Vorstrafen aus die hohe Strafe. Nach der Urteilsverkündung kam es im Gerichtssaal zu aufregenden Szenen Die Angehörigen der Angeklagten brachen in Tränen aus und ein Zuhörer stürmte auf den Richtertisch los und rief dem Vorsitzenden Tolk zu:„Die werden hier verurteilt, da sollte man lieber doch die anderen— und dabei wies er um den ganzen Gerichtssaal herum— verurteilen." Der Vorsitzende ließ den Staatsanwalt herbeirufen, der die Inhaftnahme des Mannes bis zur Aufklärung seiner Personalien verfügte. Die Llnglaubwürdigkeit der Nazizeugen. Die Verteidiger hatten für alle acht Angeklagten Antrag auf Freisprechung gestellt. Sie beleuchteten vor allem die völlige Unglaubwürdigteit der Zeugen aus der S A. Es hat da förmlich eine Aussagenfabrik bestanden. Die Zeugen verabredeten untereinander, was jeder jagen solle, und so kamen Unmöglichkeiten zutage, deren Verlogenheit von den Verteidigern mit Leichtigkeit nachgewiesen werden konnte. Einer der Zeugen will mitten in der Nacht bei knapper Beleuchtung einen Mann, den er überhaupt nicht kannte, aus m�>r als 70 Meter Entfernung erkannt haben. Ein anderer behauptete zuerst, er sei gar kein Nationalsozialist, bis ihm nachher nachgewiesen wurde, daß er so- gar Mitglied der SA. ist. Zwei der Zeugen haben in der Gegend herumgeschnüffelt und gefragt und erlauscht, wer Kommuni st oder Reichsbannermann sei und wer eventuell an dem Raufhandel beteiligt gewesen sein könnte. Gattenmörder im Verhör. Das Eifersuchtsdrama in der Naunynstraße. Der 25 Jahre alle Maurer Alwin Schmidt aus der Reichen- berger Straße S2 übersiel— wie berichict— seine 23 Jahre alle Che- srau Anna an ihrer Arbeitsstelle in den Büroräumen der Mechaniker- Zwangsinnung in der Naunynsirahe 39. Schmidt wollte die Flucht ergreifen, nachdem er feine Frau gelökek hatte. Seine Vernehmung entrollte ein trauriges Bild dieser Ehe. Nach den Zeugenaussagen hat sich Schmidt ständig umhergetrieben. Arbeitsgelegenheiten, die ihm als Maurer geboten wurden, nahm er nicht an. Es genügte für ihn, daß seine Frau arbeitete. Mit ihrem Gelde trieb er sich umher und unterhielt zahlreiche Lieb- schasten. Sein« Frau hatte er ans geradezu bestialische Weis« ge- tötet. Die Waffe, mit der er zunächst geschossen hatte, war eine Schreckschußpistole. Den Dolch hatte er eine halbe Stunde vor der Tat gekauft. Es ist ein außergewöhnlich breites Messer, mit den: er der zu Boden Gestürzten die furchtbaren Stiche ins Genick bei- brachte. Die Frau war von ihm fortgezogsn, weil sie die Verhält- niste nicht mehr aushalten konnte. Am Dienstag wollte Schmidt endgültig die Frau zurückholen. Er behauptet, sich nicht mehr darauf besinnen zu können, wie es zur Tat gekommen sei. Den Dolch habe er nur gekauft, um sich selbst das Leben zu nehmen, wenn seine Friu ihn abweisen würde. Seine Angaben sind aber höchst unwahr- scheinlich. Englandflieger über Sylt. Unterwegs nach Kopenhagen verflogen. London. 7. September. Zur Ueberfliegung der Sylter Befestigungsanlagen durch eng- lische Militärflieger wird im Luftministerium mitgeteilt, daß es sich um den Flug von drei Maschinen zur englischen Ausstellung in Kopenhagen handle. Das Ministerium hat keine Nachricht von einem Flug über Deutschland und weiß nicht, warum die Flugzeuge diesen Kurs genommen haben. Angesichts der guten Beziehungen zwischen der englischen und der deutschen Fliegerei, die noch in den letzten Tagen auf der großen Heston-Veranstaltung zum Ausdruck gekommen seien, hosft man, daß der Vorfall, wenn überhaupt diplo- matische Vorstellungen nötig würden, in freundschaftlicher Weise geregelt wird. Zeppelin von 5. Südamerikafahrt zurück. Friedrichshasen, 7. September. Das Luftschisf„Gras Zeppelin" traf heute(Mittwoch) um 1.30 Uhr von seiner fünften Südamerikafahrt über Friedrichshafen ein. Da die Haltemannschaft noch nichc auf dem Gelände anwesend war, führt« das Luftschiff eine kürzere Weiterfahrt über den Bodensee aus und landete dann um 5.30 Uhr glatt._ 59 Kriegerleichen bei peronne geborgen Paris, 7. September. Die Ausgrabungen der sterblichen Ueberreste ehemaliger Sol- baten haben in der vergangenen Woche in der Gegend von Peronns zur Freilegung der Leichen von 4 2 französischen und 17 deutschen Soldaten geführt. Ein Teil der Gefallenen konnte identifiziert werden. Dänemarks LaiMhingctvahl. Großer Erfolg der Eozialisien ?spenhagen, 7. Scptember.(Eigenbericht.) Die Wahl zum dänischen Landthing hat der Sozialdemokraiie einen außerordentlichen Erfo'g gebracht: ihr« Stimmenzahl in d«ii beteiligten Kreisen ist von 16g 919 auf 231 594 gestiegen: die der Bauernlinken von 99 931 aus 121897: die der Konservativen von 98 692 auf 127 874 und die der radikalen Linken von 44 733 auf 49 892. Die Kommunisten brachten es nur auf 3439 Stimmen. Sie erhalten kein Mandat. Die Wahlbeteiligung war außervrtent� lich groß. Im Landthing erfolgt nur insofern eine Slenderung, als die radikale Linke an die Bauernlinke ein Mandat verliert. Die Par- teien haben sonst ihre Mandate behauptet. Der Wahlausgang ikt für die Sozialdemokratie um so höher anzuschlagen, als sie seit Iahren unter den schwierigsten wirtschaftlichen Verhältnissen für die Geschicke Dänemarks in der Regierung die Verantwortung(mit den Radikalen) trägt. * Die Wahlberechtigung zum Landching beginnt erst mit dem 35. Lebensjahr. Gestern wurden— nach Proporz auf Listen— die Wahlmänner gewählt, die am kommenden Dienstag die Abgeordneten wählen. Zehntausende Arbeiter st immen und somit einige Mandate sind der Sozialdemokratie dadurch ent- gangen, daß neuerdings starkbesiedelte Außengemeinden um Kopen- Haxen in Wahlkreisen liegen, die erst in vier Jahren neu zu wählen haben. Nach einem TU-Bericht haben die Konservativen der bürger- lichen Linken ein Mandat abgenommen Das Landsthing werde sich wie folgt zusammensetzen: Konservative 13(bisher 12), Venstre 28(28), Sozialdemokraten 27(27), Demokraten(Radikale) 7(8), Faroer 1(1). Ministerpräsident Slauning erklärte bereits am Dienstag, daß die Regierung zwar kein Mißtrauensvotum erhalten habe, andererseits ober die konservativen und venstre imstande gewesen seien. Reserven heranzuzieheu, wodurch sie eine Stärkung erfahren hätten. Die Regierungsparteien hätten im Landsthing nicht die Stärkung erreicht, die wünschens- wert gewesen wäre. Der Versuch, eine rechtsradikale Bewegung hervor- zurufen, ist vollkommen gescheitert. Der Taxiprozeß. Llm die Kreise und Quadrate der Autos. Die 3. Ferienkammer des Landgerichts II unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Löhning hatte sich mit dem Berliner Droschkenkrieg um die Kreise und Quadrate zu be- schäftigen. Es handelte sich um eine Klage des Ingenieurs Conrad, der sich bekanntlich diese Kennzeichen angeblich patentamtlich hat schützen lassen, gegen den Krastdroschkenbesrtzer Spring auf Zahlung von 69 M. Lizenzgebühr, und zwar 29 M. für jedes patentierte Zeichen. Spring, der der Innung vereinigter Kraftdroschkenbesitzer angehört, hatte seinerseits Widerklage auf Löschung dieses Ge- brauchsmusters erhoben. Der Rechtsbeistand des Klägers betonte, daß der Polizei- Präsident offenbar nicht darüber im Bilde gewesen sei, daß die von ihm eingeführten Kennzeichnungen der Kraftdroschken durch Kreise und Quadrate gegen das von Conrad patentamtlich angemeldete Gebrauchsmuster oerstießen. Ohne Zahlung der Lizenz von 29 Mark an Conrad dürfe kein Kraftdroschken- besitze? dieses Kennzeichen gebrauchen. Im übrigen beantragte der Anwalt, der auch die Anerkennung des Armenrechtes für den Kläger verlangte, Vertagung. Der Vertreter des beklagten Kraftdroschkenbesitzers widersprach dem Vertagungsantrag unter chinweis auf das allgemeine öffentliche Interesse an der Befchleuni- gung dieser Angelegenheit. Der Droschkenoerkehr sei durch das Ein- greisen Conrads und der von ihm beschäftigten Kontrollorgane ernstlich gefährdet und das Publikum fühle sich belästigt. Auch der Berliner Polizeipräsident halte eine sofortige Entscheidung in diesem Streit für unbedingt notwendig. Im übrige» könne die einfache Aufmalung eines Kreises oder Quadrates auf«ine Droschken- karosserie nicht den Bruch eines Gebrauchsmusterschutzes darstellen, sondern es handle sich um Zeichen, die man überhaupt nicht patent- amtlich schützen könne. Wie der Anwalt weiter erklärte, bestehe außerdem der Verdacht, daß die Eintragung des Musterschutzes durch Conrad unmittelbar nach Erlaß der neuen Kraftdroschkenordnung nicht auf rechtmäßige Weise zustandegekommen sei. Die Entscheidung des Gerichts wird den Parteien schriftlich zugehen. Wie ein Engländer berichten soll— um Gnade bei der papen-presse zu finden. „In Deutschland herrscht volle Meinungsfreiheit und die oppositionellen Blätter können ungehindert der wahren Volks- Meinung Ausdruck verleihen." „Die Regierung tut alles, um die Lebensmittelpreise zu senken, während die Löhne stetig steigen." „Es herrscht Einmütigkeit im deutschen Volk darüber, daß die deutschen Wehrforderungen jede Gefahr eines neuen Wettrüstens und damit eines neuen Krieges ausschließen." So müßte ein englischer Korrespondent aus Berlin berichten, um eine gute Zensur bei der„Deutschen Tageszeitung" zu erhalten. Weil aber der Berliner Berichterstatter des„M a n ch e st e r Guardian" aus Anlaß des Stahlhelmtages genau das Gegen- teil von alledem behauptet und noch einiges andere geschrieben hat, was den offiziellen Kreisen hier und ihren Pressetrabanten sehr un- angenehm sein dürste, wird er im Agrarierblatt eine„Schlange am Busen" tituliert. Jahrelang und bis in die jüngste Zeit hinein konnten die Artikel des„Manchester Guardian" und auch ihres Berliner Korresponden- ten nicht häusig und ausführlich genug in der deutschen Presse zitiert werden, weil das große liberale Blatt immer bestrebt gewesen ist, in allen wichtigen außenpolitischen Fragen dem deutschen Standpunkt gerecht zu werden. Jetzt soll der Korrespondent eingeschüchtert werden, weil seine Berichterstattung der„grundsätzlich neuen Staatsführung" nicht paßt. Wie wäre es mit einer Ausweisung? Das würde be- stimmt eine unwiderstehliche Welle der Symvathie für Deutschland und seine Wehrforderungen in England auslösen. Aber vielleicht versucht es Herr Bracht zunächst mit einer Auf- i ag en ach r icht an den„Manchester Guardian"? Drei Cicero über die ganze Seite, Vorgis fett. Das wäre sicher das geeignetste Mittel, um den englischen Lesern schwarz auf weih zu beweisen, daß entgegen der irreführenden Behauptung des Berliner Korre- spondenten unter der neuen Reichsregierung die Meinungsfreiheit in Deutschland völlig unangetastet ist. Shakespeare am Gendarmenmarkt Neueinstudieri:„Was Ihr wolli� Etwa um 1699 hat Shakespeare dies Narrenspiel geschrieben: vielleicht auf Bestellung irgendeines reichen Kaufmanns oder Schisfsreeders, der es nach einem auskömmlichen und guten Essen seinen Gästen vorsetzen wollte. Solche privaten oder auch öfsent- lichen Freßkabaretts waren üblich, besonders zur würdigen Ein- leitung des Faschings: darum heißt das Stück auch„Der heilige Dreikönigs-Abend". Es war der großen Elifabeth-England, das die Konkurrenz der spanischen Flotte vernichtet, die eigene Weltmacht gefestigt und end- gültig um Indien vermehrt hatte. Wohlstand und gute Laune ließen Uebermut gelten; es waren fette Tage, Feste zu feiern. Der Bürger fühlte den Besitz, während das überkommene Rittertum dahinrostete. Rur fünfzig Jahre später ritten diese Bürger, eisern gewappnet, von Cromwell geführt: 1649 wurde zum Schrecken Europas Karl I. der königliche Kopf abgenommen. So kommt es — Lohengrin und Parsifal sind endgültig dahin—, daß Witz, Spott und Hohn sich an den adligen Junkern entzünden. John Falstaff ist eine der Hauptgestalten der unbewußt wahr sprechenden Fabel: Shakespeare gab ihr die Dämonie der Unsterblichkeit. Selbstver- ständlich mußten in einer Posse, die satte Londoner Bürger zum Lachen und Schenkelschlagen bringen sollte, abgesattelte Barone ihren Buckel hinhalten: hier sind es die Junker und Ritter oder — wie es in der neuen Uebersctzung von Hans Rothe dankens- wert heißt— die Freiherren Toby Rülps und Andreas Fieberwang. Die bezahlen die Zeche, rülpsen alkoholisch Verwesung zum Spott und torkeln als tobelnder Raufbold und blutarmer Angsthase in das Bereich des Clowns Glorreiche Symbole für den von der Ge- schichte beschlossenen endgültigen Untergang der adligen Herren. Wir lächeln nur noch ganz leise, wenngleich in einer Loge des Staatstheaters als Zuschauer und Kanzler der Republik Herr von Papen sitzt. Toby, der Unflätige, wurde von Hans L e i b e l t mit saftiger Ungeniertheit, Andreas, der welke Zittergreis, von Franz Weber annehmbar unsympathisch gestaltet. Den beiden gesellte sich Aribert Wäscher, der einen restlos vertrottelten Haushofmeister auf schmelzenden Beinen vorwankte und so den gefoppten Hanswurst, nach Shakespeareschem aufschlußreichem Gebot, nicht mehr als blöden Bauern karikierte, sondern im Hof- und Staats- kleid paradierte. Jedoch: Was Ihr wollt. Der große Dichter schüttelt die Fülle seiner Gesichte in die meisterlich bereitete Pastete: es kommt ihm gar nicht daraus an, sein Reichtum ist so unerschöpflich, daß er ver- geuden darf. Was Ihr wollt: Verwechslungen die Kreuz und die Quer, Intrigen, Listen, Tücken, Narrenpossen und Narrenweisheit, zarte Liebe und grobe Liebschaft, Werbung, Weigerung und Hin- gäbe, ein gefälschter Brief, wüster Mummenschanz, Tapferkeit und Feigheit, dazu alle übrigen Tugenden und Laster des Himmels und der Erde, Girrelieder, Schelmenlieder, Herzrührlieder, Fressen und Saufen, Schiffbruch, Zweikampf, Gefängnis, schließlich Entwirrung sämtlicher Knoten und Triumph des Glücks. Was Ihr wollt: Greift nur frisch hinein in meinen Rumtopf, er ist bis zum Rande gefüllt. Solche Flut sprengt die Armseligkeit jeglicher Bühne, und hierzu sagt Goethe:„Durchs lebendige Wort wirkt Shakespeare und dies läßt beim Vorlesen am besten überliefern: der Hörer wird nicht zer- streut, weder durch schicklich noch unschickliche Darstellung." Diesmal war die Darstellung, die Lothar M ü t h e l betreute, schicklich, durchaus schicklich: aber auch sie konnte die Flut nicht fassen. Absichten, die auf Primitivität zielten, aber mehr historisch gewollt als primitiv waren(Shakespeare-Bühne), engten mehr ein, als daß sie dem Strom des Genies freie Fahrt und donnernden Sturz gaben. Es bleibt darum beim schicklich, durchaus schicklich. Das gilt auch für die Darsteller. Für Maria B a r d, die ihre (heiß ersehnte) Hosenrolle mit gewinnender Zurückhaltung kokettierte, für Eleonora v. Mendelssohn, deren liebesseufzende Gräfin glaubhaft war, für die K o p p e n h ö f e r(die, nicht irgendeine), die als gehobene Magd durchaus wünschenswerten Galopp in die zuweilen etwas schleppende Vorführung brachte, gilt nicht minder für Walter Frank, dessen Männlichkeit(als Kapitän und Retter kostümiert) der hochfliegenden Musik einen beharrenden Baß einfügte. Bliebe noch der Narr, einer der göttlichsten Narren, die Shake- speare gezeugt hat. Paul B i l d t wollte ihn verkörpern. Nicht im gewohnten Kleid umklingelter und bezipfelter Vuntscheckigkeit, viel- mehr in einer sanft karikierten Maske, die hoffentlich nicht(wie etliche meinen) an Shakespeare erinnern sollte. Im schwarzen Rock und Schillerkragen: das war ein kalter Narr, mehr ein Landpfarrer als ein Narr, mehr eine Predigt als eine Rakete, mehr Belehrung als Weisheit. So verblaßte das herrliche, alle Wirrnis, alles Schick- sal domhaft überwölbende Schluhlied des Narren:„Und der Regen regnet jeglichen Tag." Das übrigens von der neuen Uebersetzung unbegreiflich entsinnlicht wird:„Und bei Tag und bei Nacht der Regen rinnt." Robert Lreuer. „Siegfried" neuinszenieri. Städtische Oper. Vom Orchester abgesehen hat die Aufsührung das tradstionelle Gesicht der immer noch mehr als je janusköpfigen Charlottenburger Oper: ihr anderes, neues, junges, wagemutiges Antlitz ist uns frag- los wesentlich lieber. Ebert aber, der Intendant, ist von Ver- trägen geplagt wie weiland Wotan selbst, ohne daß ihm der Speer der Herrschaft da viel nützte, vorläufig wenigstens. Und so in- szeniert Otto Kraus das Werk, mit cem die Wiederbelebung der gesamten Nibelungen-Tetralogie in der Städtischen Oper ihren Abschluß findet, ihre endgültige Gestalt erfährt— ohne daß es ihm gelänge, was ihm freilich fo selten gelingt: die tausendfältigen Kontraste der Charakters, der Szene, des Spiels, in festlicher Ein- heü zu vermählen. Gewiß ist P i st o r«in gewaltiger Siegfried mit glanzvoll großer, strahlender Stimme, mag auch vieles ungleich und unaus- geglichen sein, mit seiner Bayreuther Tristan-Leistung nicht zu ver- gleichen. Gewiß ist H o f f m a n n ein prachtvoller Wotan(ein Wotan freilich mit breiter, kultivierter Kantilene, zu weich, zu lyrisch fast für den herrij'ihen Herrn der Welt): gewiß ist Alice Bindernagel eine der stimmächtigsten Brünhilden dieser Erde. ist Gombert ein besonders scharf konturierter, besonders plastisch herausgearbeiteter Mime: sie alle aber stehen isoliert im Raum, auch die Dialoge zerfallen noch in einsam« Monologe, keine Ein- heit bindet sie, kein Zusammenspiel erlöst sie, es ist gar nicht dieselbe Lust, in der sie atmen... Auch V a r g o s Bilder sind ungleich. Angemessen der erste Akt, eindrucksvoll der Beginn des zweiten (undeutlich verdämmernder Urwald, impressionistisch konzipiert: die Impression verfliegt jedoch leider sofort, sowie sich die Szene er- hellt)— konventionell und geschmacklos gelöst oder besser nicht ge- löst der Uebergang zwischen den Bildern des dritten Aktes. Deren letztes übrigens— aus der ganz anders gearteten„Göttcrdämme- rung"-Jnszenierung übernommen— zu all den anderen in harter Linienführung sinnlos kontrastiert. So war der eigentliche Held des Abends S t i e d r y. Pracht- voll bändigte er den Lindwurm dieser Riesenpartitur. In den Linien, die er herausarbeitete(ohne übrigens den Klang zu ver- nachlässigen) in den dramatischen Angel- und Höhepunkten, die er setzt«, vorbereitete und entwirrte—, da leuchtete allein der Sinn des Werkes. War auf der Bühne unorganisierte Breite und Fülle, so war hier, und nur hier, Höhe und Tiefe, Steigerung, Ballung, Lockerung, Lösung: überlegte und überlegene Gestaltung. A. W. Rundfunkreklame für Aaziverein. Berliner Abendsendung für das Zn« und Ausland. Der„Kampfbund für Deutsche Kultur" ist ein nationalsozialistischer Verein. Er beschäftigt sich mit der Reinigung der Kunst von allen rassisch unzulänglichen Ver- tretern. Alfred Rosenberg ist, trotz seines nicht gerade hundertprozentig arischen Namens und seiner Ausspracheschwierig- leiten beim Gebrauch der deutschen Sprache, Chefredakteur des „Völkischen Beobachters". Dieser Kampfbund veranstaltete ein Werbekonzert, ausgeführt von dem nationalsoziali st ischen „Deutschen K o n z e r t o r ch e st e r", dirigiert von dem N a- tionalsozialisten Gustav Havemann, eingeleitet durch «ine Werbeansprache des obengenannten Alfred Rosenberg. Berlin, getreu der am Montag vor seinem Mikrophon ausgs- rufenen Mahnung:„Deutsche, kauft nur bei deutschen Volks- genossen!", übernahm diese garantiert nazistämmige Veranstaltung, ebenso der D e u t s ch l a n d s e n d e r: sie wurden sogar über den Kurzwellensender allen ausländischen Hörern des deuffchen Rundfunks zugeteilt. So erfuhren denn alle, die es nicht vorzogen, ihren Apparat auszuschalten, daß— nach Ansicht des Balten Alfred Rosenberg — in den meisten deutschen Kunstanstalten sich Menschen zusammen- drängen, die mit deutscher Kultur nichts zu tun haben, und daß daher eine künstlerische und vor allen Dingen eine politische Er- Neuerung Deutschlands mit einer streng nationalen Regierung unter Zlusschaltung aller volksfremden Kräfte nötig sei. Das Ausland hörte durch den deutschen Rundsunk, daß Deutschland nicht das geringste Interesse daran habe, an einer Menschheitskultur mitzu- arbeiten. Der Höchstwert des Deutschen, erklärte Herr Rosenberg, sei die Ehre, und er glaubte den Beweis für diese Behauptung auch in Goethes„Faust" zu finden. Man kann es ihm seiner Herkunst nach ja schließlich nicht übelnehmen, wenn ihm der Geist unserer Klassiker nicht au'geht: aber man wird es um so mehr der Funkstunde übelnehmen müssen, daß derartiger Unsinn vor dem Mikrophon verzapft werden durfte. Es ist ein himmelschreiender Skandal, daß der Rundfunk sich jetzt schon zur Reklame für einen Naziverein hergibt!—!z. „Ailantis" im Film. llfa-palast am Loo. Seit Jahrhunderten ist es ein schöner Wunschtroum der Men- schen, die sagenumwobene versunkene Insel Atlantis als glückliches Eiland irgendwo zu entdecken. Die Geologen meinen, daß diese Insel, von der die Alten berichten, die tertiäre Landmasse zwischen Europa und Amerika ist. Frobenius will sie am unteren Niger gesunden hoben, und nachgerade ist es Mode, daß jeder Forscher von Ruf sein von ihm im Wortgefecht tapfer verteidigtes Atlantis entdeckt. Der phantasiebegabte B e n o i t aber schrieb einen Roman „Atlantide", der vor 12 Jahren einen Preis bekam. Dieser Schrift- steller, der es vorzüglich versteht, eigenartige Frauenschicksale inter- essant zu gestalten, läßt die Königin von Atlantis die Tochter einer französischen Tänzerin sein, die ein Tuareg-Fürst heiratete. Jeder, der die kalte Antinea liebt, geht zugrunde. Als sie endlich selbst liebt und ihre Liebe nicht erwidert wird, läßt sie den Geliebten von seinem Freund erschlagen. Das alles erlebte ein französischer Hauptmann, bei dem sich Traum und Fieberphantasien schließlich vermischen und der darum als Suchender in der Wüste zugrunde geht. Pabst, einer der klarsten Köpfe unter den Regisseuren, ging an dieses schwere Thema, obwohl es seiner Begabung durchaus nicht entgegenkommt. Benoit erzählt hinreißend von Atlantis, er gibt unserer eigenen Phantasie zu tun, er peitscht sie förmlich auf. Pabst gelingt es nicht, diese Erzählung in Bildern zu fassen. Er erstickt die Handlung in der Architektur. Es ist ein immerwährendes Gehen durch Gewölbe, und die Sehnsucht der Männer (H. A. K l i n e n b e r g, Gustav D i e ß l und Mathias Wst e m a n) wird nicht einen Augenblick lebendig. Brigitte Helm, die kälteste Frau, die die Filmleinwand kennt, ist als Atlantide wirklich an ihrem Platze, doch reicht sie selbst für ein paar Worte sprachlich nicht. Der Film bleibt kalt und läßt kalt, darüber täuschen auch die herrlichen Wüstenaufnahmcn nicht hinweg. e. b. Internationaler Philosophenkongreß. Zur Erinnerung an die 399. Wiederkehr der Geburt des Philo- fophen Spinoza am 24. November veranstallet die S o c i e t a s S p i n o z a n a, in der Spinoza-Anhänger aus zahlreichen Ländern vereinigt sind und die ihren Sitz im Haoger Spinoza-Haus hat, einen Internationalen Philosophenkongreß, dessen Eröffnung gestern abend im Haager Binnenhof stattfand. Ansprachen wurden im Namen der holländischen Gruppe de? internationalen Festausschusses von Prof. P o la k- Groningen und von mehreren Mitgliedern des Vorstandes der Eocietas Spinozana, darunter auch von dessen deutjcheni Mitglied Dr. Carl Gebhardt- Franksurt a. M. gehalten. Die Beratungen des Dienstag begonnenen Kongresses behandeln haupffächlich die Beziehungen zwischen Physik und Metaphysik und zwischen Religion und Philosophie. Die erste deutsche Aerztin gestorben. In Eßlingen ist gestern die erste deutsche Aerztin, vr. meci. Caroline Breitinger, im Alter von 81 Jahren gestorben,«ie war früher Lehrerin und studierte dann in der Schweiz Medizin, durfte aber mit ihrem Schweizer Examen in Deutschland nicht praktizieren. Erst nach langen Kämpfen wurde sie zur Praxis zugelassen. Der erste Theaterkrach der Sasson. Das„Theater am Kurfür st endo m m", das unter der neuen Direktion S. Hof- mann erst vor fünf Tagen als Kabarett wieder eröffnet war, ist bereits erledigt Der Direktor erlitt einen Nervenzusammenbruch. Gestern abend wurde unter Elli Gläßner und Emanuel Steiner ein Kollektiv gebildet, das weiterzuspielen versucht. Volksentscheid rettet Demokratie. Oer Erfolg der estnischen Arbeiterschast. Reval, im August.! Die Verfassung Estlands entstand zwei Jahre nach dem Ansang der russischen Revolution, im Kriege, der gegen kommunistische Truppen im Namen der Demokratie Estlands geführt wurde. Da- mals mußte die Bourgeoisie Estlands recht vorsichtig sein, um nicht die ganze Arbeiterschaft zu den Kommunisten zu treiben; damals mußte sie in der neuen Staatsverfassung und in anderen Gesetzen wenigstens die Neutralität der Arbeiterschaft erstreben. Da gelang es der estländischen Sozialdemokratie, der Bourgeoisie eine recht demokratische Staatsverfassung aufzuzwingen. Die außerparlamentarischen Kräfte der Arbeiterklasse aber waren und blieben schwach. Die Sozialdemokratische Partei, sehr stark vom Staatsgedanken und parlamentarischen Gedanken- gängen beeinflußt, konnte in den ersten Jahren der Selbständigkeit die revolutionären Kräfte der Arbeiterschaft nicht in genügendem Maße sammeln, die eifrige Arbeit der Kommunisten hatte größeren Erfolg. Die zwischen den beiden Bewegungen stehende U n a b- h ä n g i g e Sozialistische Partei konnte nicht zur Massenpartei werden. Das Bestehen der Demokratie wurde nicht so sehr durch die organisierten Kräfte der Arbeiterklasse als durch unorganisierte Wählcrmassen, überwiegend durch das Landproletariat und die städtischen Mittelschichten gefestigt. Auch die Vereinigung der beiden sozialistischen Parteien konnte nicht sofort zu einer Aenderung führen, obwohl sie die Organisierung der proletarischen Kräfte be- deutend begünstigt hat. Die Regierungspolitik neigte immer mehr zur Aenderung der Verfassung. Mehrere Teile der Verfassung sind immer umgangen worden, besonders aber hat der große Gebiete, darunter auch die Sjauptstadt, umfassende Kriegszustand dem Innenminister ermöglicht, mit Polizei- Methoden zu regieren und oft die sozialistischen Organisationen ihrer Aklionssreiheit zu berauben. Das Wachstum der Partei und der freien Gewerkschaften in den letzten Iahren hat der Bourgeoisie gesagt, daß das v s r- fassungswidrige Regieren nicht immer bestehen kann. Andererseits entstanden vor zwei Jahren faschistische Be- strebungen in Nachahmung der Lappobewegung in Finn- � l a n d und getragen von dem hauptsächlich aus Reserveoffi-! zieren bestehenden Bund der Freiheitskämpfer. Dieser Bund! besitzt jedoch nicht ausreichende Kräfte, um die Macht zu ergreifen.! Die„Freiheitskämpfer" agitieren für parlamentarische Aenderung! der Staatsverfassung. Um den„vaterländischen Kräften" entgegen-! zukommen, hat die bürgerliche Mehrheit im Parlament im Frühling dieses Jahres einen Versassungsänderungsentwurf dem Volksentscheid überwiesen, der vom 13. bis 15. August erfolgte. Nach dem Entwurf sollte ein auf fünf Jahre direkt vom Volke gewählter Präsident eine sehr bedeutende Macht in seinen Händen konzentrieren, ohne Gründe das Parlament auflösen können und selbst keine Verantwortung tragen. Ueberdies sollten weitere Verfassungsänderungen erleichtert werden. Die gesamte Bourgeoisie, einschließlich der nationalen Minderheiten, war für die Aenderung der Verfassung im Zeichen der„Starken Hand", einer Konzentrierung der Macht, eines„Wirtes im Hause", wie man das nannte. Die Gegenpropaganda der Sozia- listen fand großen Widerhall; schließlich erklärte auch die Kommu- n i st i s ch e Partei sich gegen die Verfassungsänderung. So wurde praktisch die Einheitsfront der Arbeiterklasse gegen die gesamte Bourgeoisie geschossen, und die Sozialistische Partei hatte die Führung. Es handelte sich nicht nur um die Verteidigung der Staatsverfassung, hier standen proletarische und demokratische Kräfte den reaktionären gegenüber. Die sehr starke Organisation der Agrarpartei trat für die Ver- fassungsänderung ein; sie bezeichnete alle Gegner der Aenderung als Volksfeinde; auf die kleinbürgerlichen Elemente blieb es nicht ohne Einfluß, daß die Z e n t r u m s p a r t e i den Wählern sagte, wenn jetzt die Verfassung nicht geändert werden könne, würden die Faschisten bald ihre Aenderung aus anderem Wege durchführen. Trotz allem aber konnten die Sozialisten auch verschiedene klein- bürgerliche Elemente an sich ziehen, und der Entwurf wurde mit knapper Mehrheit(etwa 10 000 Stimmen) zurückgewiesen. In den Städten gab es Mehrheiten von zwei Dritteln und sogar drei Vierteln der Stimmen gegen die Verfassungsänderung. Nur die Arbeiterorganisationen können erzwingen, daß die Ver- fassung nicht nur formell, sondern auch inhaltlich demokra- tisch bleibt. Die Bourgeoisie und die Regierung wollen das Gegen- teil. Eine Massenversammlung, die nach dem Volksentscheid in Reval geplant war, hat der Innenminister verboten. Vielleicht werden auch die Sozialisten gezwungen sein, ihre Versamm- lungen ohne Erlaubnis des Ministers abzuhalten. Es kann in Estland ein dauernder Kampf der Sozialistischen Partei und der freien Gewerkschasten gegen die Regierung nötig werden, um der Arbeiterklasse wenigstens soviel Organisationsfreiheit zu sichern, wie die F a s ch i st e n haben. Die Aktion für die Sicherung der Demo- kratie wird von einem Teil der Mittelschichten, besonders von der Intelligenz, unterstützt. Ebenso hat der Volksentscheid den Glauben an die proletarischen Organisationen vergrößert und damit die Werbearbeit leichter gemacht. Rigol Andersen. Oer Meiallarbeiierstreik in Schlesien. Breslau. 7. September. fEigenberichl.) Der Streik in der niederschlesischen Blclallindustrie dehnt sich immer weiter aus. Die mitgeteilt wird, hat die Belegschaft von etwa 500 Tsiann d e x G ö r l i h e r Waggon- und Bla- schinenbau-A.-G. heute morgen die Arbeit eingestellt. Oer Bürokratismus wird gefährlich. Llnnühe Quälereien der Arbeitslosen Sobald der Arbeitslose aus irgend einer Veränderung seiner Position zwischen die Räder des amtlichen Apparats gerät, dann ist er zur Rolle des Hungerkünstlers verurteilt. Selbst in dem denkbar g ü n st i g st e n Falle, daß der Arbeits- lose Arbeit bekommt, sei es auch nur vorübergehend, als Z e i t h i l f e etwa, soll er den letzten Rest seiner Arbeitslosenunter- stützung so lange strecken, bis der für Festangestellte bestimmte Gehalts Zahlungstermin herongekonimen ist. Kann er nicht einmal mehr eine Stulle ins Büro mitbringen, vor Hunger kaum mehr aus den Augen sehen, dann mag er sich die größte Mühe bei der Arbeit geben, er versagt, wird als unfähige oder minder- wertige Arbeitskrast angesehen, ohne daß irgendeine Stelle sich über die Ursache Kopfzerbrechen macht, danach fragt, wovon der Mann leben soll. Wagt es der Hungernde nach einigen Tagen, um einen Vorschuß in Höhe des bereits verdienten Gel- des zu bitten, wird er kalt abgewiesen, unter Hinweis auf den vorschriftsmäßigen Zahlungstermin»ach zwei oder drei Wochen. Von allen Regeln gibt es Ausnahmen, keine Ausnahme von der„V o r s ch r i f t". Der Arbeitslose, der sich eine billigere und schlechtere Wohnung nehmen und umziehen muß, ist bei der bisherigen Unterstützungsstelle abgemeldet, bei der neu zustän- digen Stelle muß er warten, bisdicAktcn dasind, was im Zeichen des heutigen Schnellverkehrs selbst innerhalb Groß-Berlin- nicht unter zwei Wochen möglich zu sein scheint. Der Akten- schimmel braucht Zeit. Mag der Arbeitslose mit seinen Angehörigen inzwischen verhungern. Es sind„Ausnahmefäll e", gewiß, doch sie sind nicht etwa konstruiert, sondern Vorkommnisse, die wir veröffentlichen. Ein anderer Fall. Arbeitsamtsange st cllte werden entlassen, um Versorgungsanwärtern Platz zu machen. Den beim Arbeitsamt Südost am 6. August Entlassenen wurde eine Absindung in Höhe eines Monatsgehalts in zwei Raten zu- gesichert, die am 16. und 31. August gezahlt werden sollten. Sie bekamen auch die erste Rate, doch als sie am 31. August die zweite Rate abholen wollten, wurde ihnen erklärt, daß diese auf Anord- nung des Landesarbeitsamts erst am 3 0. September gezahlt werden könne, unter Berufung auf einen Paragraphen, wonach den Entlassenen die Absindung erst nach dem dem Entlassungsmonat folgenden Monat erfolgen darf. Weil nun die Entlassenen fünf Tage über den Juli hinaus beschäftigt wurden, sollen sie bis Ende September auf das Geld warten. Auf der zur Antragstellung bei der sogenannten Arbeits- losenversicherung, deren Charakter ja erhalten bleiben soll, erforderlichen Verdienstbescheinigung wurde oermerkt, daß bis 5. September eine Absindung gezahlt sei so daß der Antrag erst ab 6. September läuft und nach Ablauf einer vierzehntägigen Wartefrist gegen Ende September die erste Unterstützung gezahlt wird. Am 1. September waren die Mieten fällig. Mit dem halben Monatsgehalt vom 15. August sollen die mit der Entlassung Gestraften sich bis Ende September durchhungern Die Rücksichtslosigkeiten gegenüber den Arbeitslosen machen unnützerwcise viel böses Blut. So lange die Arbeits- l o s i g k e i t nicht beseitigt werden kann, müssen die für normale Verhältnisse berechneten Vorschr-steu der Arbeitslosigte lt angepaßt werden. Die Arbeitslosen haben bei allen Not- Verordnungen, mit denen sie geplagt wurden, mindestens im Rahmen dieser Verordnungen ein Recht aus menschliche Behandlung. Ihre Notlage hat auch die Bürokratie zu berücksichtigen. Nazis als Streikbrecher. Bei der Metallfirma Krause in Leipzig. Wegen Lohnkürzung streiken bei der Firma Krause in Leipzig die Metallarbeiter. Den Arbeitern wurde zugemutet, für Hunger- löhne zu arbeiten. Obwohl die Firma Arbeiter auch von aus- w ä r t s nach Leipzig wirbt, waren bis jetzt Arbeitswillige fern- geblieben. Seit einigen Tagen aber sind 16 Nationalsozia- I i st e n als Streikbrecher bei der Firma beschäftigt. Nach Arbeitsschluß verlassen die Braungardisten fluchtartig ihre Arbeitsstätte und werden mit den Kraftwagen in die Nazi- k a s e r n e gebracht. Die Naziarbeitswilligen, die den kämpfenden Proleten in den Rücken gefallen sind, werden von den streikenden Arbeitern mit Verachtung gestraft. Die Streikbrecher werden von dem Unternehmer gut behandelt. Trotzdem wird es der Firma Krause nicht gelingen, nüt dem braunen Streikbrechergesindel den Betrieb aufrechtzuerhalten. Brand-Erbisdorf. SSltZ Einwohner, über die Hälfte Llnterftühte. Automobil- und Glasindustrie liegen brach. Arbeitslosenunter- stützung beziehen 100 Parteien, Krisenunterstlltzung 180, Wohl- fahrtsunterstützung aber 1015 Parteien; außer 187 Für- sorgeunterstützten gibt es noch 1S4 Kleinrentner und Sozialrentner. Von der Aufstellung sind 950 unterstützte Kinder und etwa 850 Ehe- frauen nicht erfaßt. In einer Volksschulklasse mit 32 Kindern ist nur der Boter eines Kindes in Arbeit. Von 3 31 jugendlichen Erwerbslosen sind 52 länger als ein halbes Jahr, 124 länger als ein Jahr, 72 über anderthalb Jahre, 55 über zwei Jahre und die übrigen bis zu vier Jahren in Fürsorge. Zum Teil handelt es sich um Lehrlinge, die entweder ihre Lehrzeit nicht voll erreichten oder arbeitslos wurden, nachdem sie ausgelernt hatten.„Die Lage dieser jugendlichen Erwerbslosen"— besagt der Bericht des Bürgermeisters S ch ö n e r t—„ist einfach katastrophal. Besonders des- wegen, well auch die wirtschaftliche Lage des Elternhauses durch fast ebensolange Erwerbslosigkeit des Houshaltungsvorstandes erschihter! ist. Mehr als 200 Väter und Söhne aus der Tafelglas- i n d u st r i e haben u. a. keinerlei Aussicht, irgendwie oder irgendwo in ihrem Fach jeweils wieder tätig zu sein." Das Schicksal der Einwohner einer Jndustriegemeinde unter vielen anderen. Wenn sämtliche Einwohner in Brand-Erbisdarf arbeitslos wären, dann bildeten sie dach nur den tausendsten-leil der Arbeitslosen in Deutschland, die bis zum Papen-Regime im „Wohlfahrtsstaat" lebten, seitdem aber mehr und mehr die Segnungen der Reaktion über sich ergehen lassen müssen. Wetter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig, ohne wesentliche Niederschläge, ün ganzen kühler, westliche Winde.— Für Deutschland: Im Alpenvorland und in Ostdeutschland noch meist stärker be- wölkt mit Strichregen, im übrigen Reiche leicht veränderlich, all- gemein kühler. � Buch Wlarcel Irland:„Meilige Ordnung" Ein französischer Gesellschastsroman, geschrieben aus einer Geisteshaltung heraus, wie sie etwa Jacques Feyders Film„Die neuen Herren" zu eigen ist: Die Gegner der bürgerlichen Ordnung werden, ohne spießiges Entsetzen und ohne gallige Ironie abkonter- feit: ihren Zielen, ihren Gewohnheiten wird ein vornehmes Ver- ständnis entgegengebracht; aber immer bleibt eine letzte Distanzierung zu ihnen und am Ende werden sie und wird ihre ganze Welt mit aristokratisch-lässiger Gebärde beiseite geschoben. Marcel Arlands Repräsentanten eines entgegengesetzten Lebens- stils sind die beiden Halbbrüder Justin und Gilbert Villars. Justin, der Arrivierte, rechtsstehender Deputierter, gar Ministeraspirant, hat die Gesetze, Tradition, Familiengesühl im Bluie sitzen. Der jüngere Gilbert ist Rebell gegen die überkommenen Werte. Er voll- zieht, haßerfüllt, den Bruch mit dem Bruder und mit dessen Um- gebung, gliedert sich, in Paris, einem teils anarchistischen, teils kam- munistischen Literaturkreise an, wird sein journalistischer Vorkämpfer. Hier ist einzuwerfen, daß die Schilderung dieses politischen Milieus die schwächlichste Seite des Romans ist. Abstrakte Theoretiker und Schöngeister, aus den Zeiten, da es noch die Boheme gab, sitzen im Cafehaus herum und reagieren ihre Verärgerungen ab. Es ist denn doch unwahrscheinlich, daß die linksradikalen Schriftsteller in izrank- reich so wenig Beziehung zu den Massen und zu den praktischen Tagesfragen haben, wie das bei Arland der Fall ist. Uebrigens ist auch die politische Haltung Gilberts selber eine sehr wenig ernst zu nehmende Angelegenheit: Cr räsoniert darauflos, und der ebenso wüste wie alberne Arrikel, der das Verbot seiner Zeitschrift nach sich zieht und ihm die journalistische Existenzbasis raubt, ist mehr der Ausfluß seiner Launenhaftigkeit als der einer fundierten lieber- zeugung. Zlber Arland kommt es weniger auf Allgemeines als aus Privat- Menschliches an: weniger auf die Dinge, die die Menschenscele formen, als auf die Menschenseele, die auf die Dinge ausstrahlt. Eine Frau spielt in den Kamps der Brüder hinein: Renee, die Tochter ihres gemeinsamen Pflegevaters, die Justins Weib wird, dann von ihm geht und mit Gilbert zusammenlebt, aber schließlich, nach dem Attentat einer früheren Liebschaft Gilberts auf sie, zu dem angetrau- ten Manne zurückkehrt: zu der heiligen Ordnung der Dinge. Das mit dem Goncourt-Preis gekrönte°.!izt.?.!.»>» il. E7 Weichsel 4031 Rose• 1 heater ole iramfuner Strate 132 lel. Weichsel E 1 342; 8.30 Uhr Aerzte im Kampf VMM Theater Weidendamm 5201 8 Uhr Wunder nm Verden Dram. Dichtung von Hans Chlumberg Regie: Karl Heinz Martin. Kassenpreise von 0.50 M. bis il.5i' M Kommerspiele Weidendamm 5201 Eröffnung freitag. 3. Sept., 9 Ubr Craaffllhrung „Schicksal nach Wunsch" Komödie v.CluislaWinslot Regie: Rrnloll Beer Melzer, Ullrich, Riemann. Abel, Mashfiim, Brausewetter Schiller Qrolmanstr. 70/71 Steinpl.(C 1) 6715 Täglich 8 Uhi „Die versankene Olocke" Kassenstunden tägl. 10—20 Uhr Pumpen Koblank&Co. Pumpenfabrik. Berlin N 65 Reinidteudorfer Strafle 95. sv. uhr CASinO- THEATER»'ü Lothringer Sirafjc 3 7. eieeneiie,iee>nie>niieiiie»iinee,eeeeeeeeeeeeeeeneeeei,eeiee»«eieeieneeee» Gutschein für die Leser 1— 1 Personen Fauteuil nur 0,75 M-, Sessel 1,25 iM. Gültig auch Sonntag nachm. 4 Uhr. Annemarie Volksoperette- Musik von Gilbert Dazu ein bunter Teil. ifklilelx leipilqer SU.\2Z-US föeilage Mittwoch, 7. September 1932 OprjUwnil %alauigaie Jet IbwäsA Auf nächtlichen Gewässern Streif fahrt durch die Havel. Von Kalihan Von der Stadt her schlug es halb elf, als wir draußen in Hatcnfelde in das große Motorboot der Wasserschutzpolizei stiegen, das knatternd im Bootsschuppen zu einer nächtlichen Streifen- fahrt bereit lag. Vorher hatten wir schon an einer zweistündigen Streife durch den Tegeler See teilgenommen. Es war ein Heller, warmer Sommerabend. Wir sahen zuerst längs den Ufern Bade- stellen, Bootshäsen, Kafseegörteni später leuchteten zwischen Kiefern- srämmcn die hellgrauen Flecks der Zeltstädte. Im Hintergrund erhoben sich düster die Silhouetten der Borsig-Werke, drohend und gewaltsam, als wünschten sie eine Beziehung zu den Menschen hier anzudeuten, die ihren Feierabend genossen, spielend, lärmend oder auch still atn Ufer entlang, liegend und gehend. Ein herrliches Boot... Wir legten dann, es war schon in der Dämmerung, bei der Anlegestelle einer Zeltstadt an, um ein herrenloses, offenbar gestohlenes Boot sicherzustellen. Die Zeltstädter saßen und standen vor ihren Zelten und Lauben. Gruppen von Männern saßen im Halbkreis wie um ein unsichtbares Lagerfeuer. Die Stadt lag der Mücken wegen im Dunkel: nur hin und wieder leuchtete eine Karbid- lampe, gespensterhaft hinter Baumstämmen und Zeltdächern. Dazu ließen sich Grammophone vernehmen, jemand spielte auf einer Ziehharnionika, im Abendwind flatterte Wäsche und Kinder wurden init Geschrei zu Bett gebracht. Das Ganze erinnert an eine weit vorgeschobene Siedlung. Diese Menschen haben die Stadt verlassen wie ein baufälliges Haus und sind zu primitiveren Dafeinsformen zurückgekehrt, um das Leben einfacher und darum leichter leben zu können. Als wir von unserer ersten Fahrt zurückkehrten, standen schon die Sterne am Himmel. Vom Ufer dufteten betäubend Linden und Jasmin, eine leichte Kühle stieg vom Wasser aus und ringsum hingen gelbe Lichttrauben in den regungslosen dunklen Wasserspiegel. Die Nachtfahrt beginnt? Nun stiegen also wir aus ein langes offenes Motor» b o o t.„Unser schnellstes Boot", wie der diensttuende Offizier bemerkte, ehe er einstieg, den schweren Wettermantel über dem Arm. Außer ihm bestand die Besatzung des Bootes aus drei Beamten. Es sollte eine lange Streifenfahrt werden: Nach Stößensee, dann die Havel entlang, über den Wannsee, Griebchensee bis zur Glienick« Brücke: erst am nächsten Morgen würden wir zurück- kehren. Der Motor sprang an. Der Bootsschuppen blieb zurück, die Kräne und Hellings einer Schiffswerft am Ufer: Fabriken schoben sich langsam heran, Gasometer, Tanks, Speicher, Lastkähne, die am Ufer lagen, tot und still, dann passierten wir die Schleuse. Wir fuhren durch Brücken, die sich mit riesigen Bogen, überspannt von Lichtschnürcn über den Fluß schwangen. Menschen standen am Geländer und sahen auf unser Boot, das wie ein kleines graues Wasserpserd dahinschoß. Straßenbahnen rollten oben schwerfällig auf Berlin zu. Gegen elf Uhr passierten wir die große Heer- straßenbrücke. Ihre riesigen Konstruktionen wurden vom Boot aus mit dem Scheinwerfer abgeleuchtet. Man erzählte mir, daß die Kriminalpolizei von Zeit zu Zeit unter den Brückenbogen Razzien veranstaltete, denn„das Gesetz in seiner majestätischen Gleichheit", sagt Anotole France,„verbietet es Reichen wie Armen unter Brückenbogen zu schlafen..." Stößensee: Die Ufer sind illuminiert. Restaurants, feudale Klubhäuser, Luxusjachten, elegante Motorboote, die jedweden Komfort aufweisen. Hier lebt das Leben sich aus dem Vollen, selbst das Licht scheint sich strahlender und verschwenderischer über den See auszubreiten. Die Terrassen, die an den Ufern auffteigen, sind mit Lampions überzogen, die Musik eines Gartenfestes dringt zu uns herüber. Mit einem Male ist das Licht zu Ende. Es reißt ab, die Havel öffnet sich. Schwächer werden die Scheinwerfer des Funk- turms, die wie lange, leuchtende Bänder die Nacht durchschneiden. Dafür leuchtet nun rechts von Staaken her ein Megerlicht, ein Meilenstein der großen Luftstraßen. Von oben gesehen wird man jetzt die Seen als klein« Bassins bemerken, eingefaßt von dem dunklen Rand der Wälder: schwarze, erblindete Spiegel, auf denen die Lichter einsamer Boote hintanzen. Wir fahren an Schildhorn vorüber. Die User sind dunkel, bis auf die wenigen Lichter, die an ihren Rändern hocken wie Leuchtkäfer: Die Lichter eines verlassenen Gartenrestaurants, eine Laterne, eine Bootslampe, ein rotes Signallicht, irgendwo. Darüber hinaus erkennt man nichts, das Leben hat sich verkrochen. Ab und zu gleitet der Scheinwerfer unseres Bootes am User entlang. In seinem grellen Licht sehen die Bäume aus wie giftiggrüne Versatz- stücke auf der Bühne eines Liebhabercheaters. Dann stehen auch plötzlich wieder Z e l t e da. In langen Reihen, zwischen den Bäumen schimmern ihre kleinen Lichter hervor. Der Wind trägt Stimmen herüber, Lachen, Musik, im Scheinwerfer erscheinen die Gestalten von Badenden. Die Nacht ist schwül. Verdeckte Boote mit Schlafenden schaukeln am User: Urlauber, die mit ihren Booten die Havel abwärts fahren. Langsam gleiten an beiden Seiten Wälder vorbei. Die Heck- welle unseres Bootes reiht einen langen Strich in den glatten Wasserspiegel, der langsam wieder zusaminensließt. Wir passieren Lindwerder und die Insel I m ch e n. Mitternacht ist vorüber. Im Osten zieht ein Gewitter auf. Die weißen Schlangen der Blitze fahren am Himmel entlang, für Sekunden ist alles in eine fahle Helle getaucht, schwer rollt serner Donner Uber die Wälder. Schwarzangler... Der W a n n s e e: riesige gespensterhafte Wasserfläche. Man möchte sie mit den Segeln, den bunten Booten, den Dampfern und Badenden eines Sonntages bedecken, um dieser beängstigenden Leere zu begegnen. Der helle Streifen am User ist das Strandbad, wir fahren jetzt dicht an den Bojen vorbei. Den natürlichen Wald am Ufer begleitet ein schwimmender Wald von Booten, eine einzige Reihe, die durch Bootsstege und Bootshäuser irgendwie eingeteilt und gegliedert ist. Wie eine trübe, undurchsichtige Glasglocke steht der Himmel über dem See. Auch auf dem Wasser treffen wir noch Menschen. Ein dunkler Strich vor uns, der Scheinwerfer saßt ein Boot mit Anglern. Kleines, unscheinbares Zeug schwimmt in den Blechbüchsen, die sie im Boot stehen haben. Kleine Krebse, mit Käscher geiangen, ein winziger Aal. ein paar Plötzen, es reicht nicht für eine einzig« Mahl- zeit. Man sagt ihnen, was sie hier tun, sei ein Vergehen, das mit Gefängnis bestraft wird. Sie haben keine Erlaubnisscheine. Und selbst dann ist das Fischen zur Rocht verboten. Die Angel- g e r ä t e werden sichergestellt, um ihre Besitzer, wie es die Vorschrift will, an der Wiederholung der strafbaren Handlung zu hindern. Sie zucken die Achseln, es ist ihnen alles gleich; sie sind arbeitslos, monatelang, jahrelang, das sagt alles. Später finden wir Angelgeräte am Ufer liegen. Ein kleines Heer von Schwarzanglern ist in dieser Gewitternacht unterwegs, und es muß eine schlechte Sache sein, als Fisch in der Havel zu leben — Angelhaken ringsum, an den Ufern liegen sie, mitten im Strom schwimmen die ausgelegten Korkstückchen mit den Schmiren. Tat- sächlich wird auch die Hovel von Jahr zu Jahr sischärmer. Es ist kühl geworden. Kühl und so still, daß man die Tropfen eines Regenschauers auf dem Wasser auffallen hört. In der Ferne verrollt endlich das Gewitter. Dann beginnen sich mit einem Male graue Streifen über den Himmel zu spannen. 3 U h r. Die Stunde, die zwischen Nacht und Tag liegt, wie eine Grenzmarke. Im fahlen Zwielicht fahren wir dicht an Häufern vorbei. Sie sehen aus, als wären sie von ihren Bewohnern fluchtartig verlassen worden. Wie Bilder von den Bauten zu einem Gespenfterfilm wirken sie. Kulissen, die noch herumstehen— und das Stück ist längst zu Ende. Lautlos wächst das Licht. Plötzlich ist der Tag da: das Leben ruht noch, wir sind allein auf dem Wasser, nichts regt sich, selbst die Vögel sind noch stumm, aber der Tag ist schon da. Und als wir durch die Glienicker Brücke fahren, poltert auf der Chaussee ein schwerer Lastzug und im Jungsernsee liegen Havelkähne wie unförmige Wassertiere. Von den Wiesen steigen Nebelschwaden auf. Jetzt beginnt es, an den Ufern lebendig zu werden. Die weißen Punkte, die am Schilf schwimmen, sind Schwäne, dann erkennt man im Fernglas eine Entenfamilie, dahinter am Strand einen Reiher, schlank und silbrig. Ueber die weite, glatte Wasserfläche kommt uns ein Schlepp- z u g entgegen. Der kleine Dampser pustet und faucht. Die Männer, die am Steuer hantieren, haben gerötete Gesichter, ein Hund bellt in langgezogenen Tönen und Frauen stecken neugierig den Kopf zur Kajüte hinaus. Sie haben etwas Großväterliches an sich, diese Kähne, etwas unheimlich Solides und Festgesügtes. Hinter dem letzten tänzelt das angebundene Begleitboot wie ein unruhiges Fohlen. Ter Morgen ist da. Langsam beginnt sich das Leben zu regen. Es erwacht zögernd, wie es auch langsam einschläft. Boote mit Anglern rudern über den See. Am User treten Menschen vor die Zelte, reiben sich die Augen, schütteln sich in der Kühle und sehen unserm Boote nach. Jetzt schläft in Berlin noch alles. Die Straßen sind wie leere Gefäße, in denen auch das kümmerlichste Leben ausgetrocknet ist. Die Stadt kennt nicht das allmähliche Werden des Tages, in dsrem Rhythmus die Landschaft erwacht. Der Morgen überfällt sie. Eilig, wie nach einem Fahrplan, rollen die Morgenstunden sich ab, die Schatten der Nacht liegen noch auf ihnen und die Luft schmeckt verbraucht vom Schlaf der Millionen. Je näher wir an die Stadt herankommen, um so belebter sind die User. Hölzerne Bauten, in denen Boote und Geräte ausbewahrt werden, Anlegeplätze, Badeanstalten, Reihen von Booten, eine Flottille alter Personen dampser, die an baufällige Hifuser erinnern. Bald tauchen die Häufer von Spandau auf. Leere Straßen. Ueber die Brücke vor uns poltert die erste Straßen- bahn. An den Ufern sitzen Angler. Ein kühler Wind weht über das Wasser. Er kommt von weither und geht hinein nach Berlin. Von irgendwoher schlägt eine Uhr halb Fünf. Wilhelm Tietgens Berichte aus England: Keine Wirtschaftseinheit in Ottawa Es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, den Sinn des Wortes „Britisches Imperium" zu erfassen, als im„Imperial In» st i t u t", dem Wirtschaftsmuseum des Britischen Imperiums in London. Hier liegen in Karten, Bildern, Statistiken und sehr geschick- ten Ausbauten die Reichtümer aller Kolonien und Dominien aus- gebreitet, vom einfachsten Rohprodukt bis zum kunstgerechten Fertig- fabrikat. Jedes einzelne Glied dieses Weltreiches hat seinen Saal oder seine Abteilung, und jedes Produkt, das in dem betreffenden Land seinen Ursprung hat, ist ausgestellt und in seiner Wirtschaft- lichen Bedeutung erklärt. Stundenlang kann man durch dieses einzigartig« Muieum wandern, ohne auch nur im entserntesten die Vielheit der wirtschaftlichen Erzeugnisse erfaßt zu haben. Eins aber prägt sich den vielen Besuchern tief und fest ein l— und das ist der Sinn des Museums): die wirtschaftliche Macht und der Reichtum des britischen Imperiums! In engsterm Zusammenhang mit dem Wirtschaftsmuseum arbeitet die W e r b e z e n t r a l e des Bri- tischen Imperiums. Die Reklameplakate der Werbezentrale gehen dem Wirtschaftsmuseum arbeitet die Werbezentrale des Bri- über das Mnze Land bis ins kleinste Dorf.„Kauft britische Waren von daheim und ilcbersee!" ist die immer wiederkehrende Parole der wirkungsvollen Anschläge, die den Konsumenlen bei seinem Wareneinkauf van ausländischen Gütern abzuhalten suchen, um dadurch die eigene Wirtschastskrise schneller zu überwinden. Zahl- reiche Firmen haben sich diese Parole zunutze gemacht und ihren Fabrikaten einen besonderen britischen Stempel aufgedrückt. Und es ist nicht ohne Interesse zu sehen, wie auch manche Firmen, die in Deutschland streng national sind(„Deutsche, kauft deutsche Waren!), hier ihre Produkte als echt britisch anpreisen. Es ist eine natürliche Folg« dieses einheitlich geführten Reklame- feldzuges, dem auch die Zeitungen mehr oder weniger stark dienen, daß so etwas wie eine Jmperiumbegeisterung hochgezüchtet wird. Besonders in den Wochen vor und während der Wirtschasts- konfcrenz jn Ottawa wurde die öffentliche Meinung in England in den Glauben versetzt, daß es der nationalen Regierung Großbri- tannicns auf der Reichskonferenz gelingen würde, mit den Do- minien einen festen Wiatfchaftsblock abzuschließen, der die Krise überwinden und das Britische Imperiuni zu neuer Wirt- schaftsgräße führen würde, Jn dieser großen national-imperialisti- schen Zielsetzung hat nun die Reichskonferenz in Ottawa, die vor kurzem abgeschlossen wurde, o e r s a g t. Der Zusammenhang zwischen den einzelnen Gliedstaaten und dem Mutterlonde wie zwischen den Gliedstaaten untereinander ist nicht stärker befestigt worden, vielmehr haben die fünswöchigen Verhandlungen die Fülle der wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten als unüberwind- bar aufgedeckt. Damit ist der Traum von einem einheitliche» Wirt- schaftsblock des Imperiums, den vor allem Minister B a l d w i n. der Führer der Konservativen, immer wieder ausgemalt hat, von der Verwirklichung weiter denn je. Die Delegierten Großbritanniens haben mit den Delegationen der sieben führenden Dominien— Kanada, Neufundland, Südafrika. Südrodesien, Indien, Australien und Neuseeland— Schutzzoll- vereinbarungen abgemacht, die den Handel Großbritanniens für die Dauer von 5 Iahren nicht unerheblich umlenken und fest- legen werden. Die Dominien haben sllr eine Reihe ihrer landwirt- sdjaftlichen Produkte von Großbritannien das Zugeständnis höherer Zölle gegenüber Staaten außerhalb des Imperiums erhalten, de- sonders für die Lebensmittel, wie Weizen, Fleisch, Butter, Eier, Käse. Fische und Früchte aller Art. Dadurch werden in erster Linie Argentinien, Rußland, Dänemark und die Niederlande getrofsea, Staaten, die bisher einen beträchtlichen Teil der englischen Industrie- Produkte gekauft haben. Außerdem werden die verzollten Lebens- inittel für den englischen Konsumenten erheblich verteuert. Wie groß die Gegenleistung der Dominien als Großbritannien fein wird, läßt sich noch nicht übersehen. Eigentümlicherweise ist es der Arbeit weiterer Komitees überlasten, die I n d u st r i« p r o- dufte Englands, die dem Ausland gegenüber ebenfalls durch Zölle geschützt werden sollen, im einzelnen festzulegen. Bisher ist nur in richtunggebenden Sätzen angedeutet worden, daß eine be- stimmte Anzahl verschiedener Fabrikate— so der eisenverarbeitenden und der Textilindustrie— bevorzugt werden sollen. Es liegt durch- aus auf der Linie der bisherigen Entwicklung, in dieser unklaren Vereinbarung ein« weitere Niederlage Großbritanniens zu sehen, dessen Delegation nicht stark genug war, für die eigenen Jn- dustrieprodukte günstig« Bedingungen abzuschließen, während die Dominien ihre Agrarprodukte durch oft beträchtlich« Zölle schützen konnten. Der Grund ist neben politischen Verwicklungen darin zu sehen, daß Großbritannien mit nur 20 P r o z. Selb st Versorgung auf die Lebensmitteleinfuhr von den Dominien dringend an- gewiesen ist, während umgekehrt die Dominien in steigendem Maße industriell selbständig werden. Andererseits muß jedoch gesagt wer» den, daß auch die Dominien ihr angestrebtes Ziel nicht erreicht haben. Die Zollsätze hoben bei weitem nicht die vorher geforderte Höhe und vor allem haben Kanada, Afrika und Australien nicht den„Antidumping-Zoll", den Kompfzoll gegen Rußland, erreicht. So ist trotz der Vereinbarungen Unzufriedenheit auf allen Seiten, die die Delegierten auch mehr oder weniger stark zum Zlus- druck brachten und die in der englischen Oeffentlichkeit nachhallte. Trog heftigster Bemühungen von Delegation zu Delegation ist der Wirtschaftskrieg Großbritanniens mit dem irischen Freistaat, der offiziell nicht zur Verhandlung stand, nicht beigelegt worden. weil in den politischen Gegensätzen keine Uebereinstimmung erzielt werden konnte. Die I r l ä n d e r verweigern nach wie vor die Zahlung der Landabgaben und fordern ein unparteiisches Schieds- gericht, die Engländer pochen auf ihre Verträge und wollen für das Schiedsgericht keinen Politiker außerhalb des Imperiums an- erkennen. So konnte mit Irland überhaupt kein Wirtschaftsvertrag abgeschlossen werden. Die Vereinbarungen mit Kanada, das am heftigsten und erfolg- reichsten seine Selbständigkeit betonte, lassen das amerikanische Pro- blem völlig offen. Es ist Großbritannien nicht gelungen, dieses nordamerikanische Land wirtschaftlich und politisch wieder fester an sich zu binden, um für den„Zug nach dem Westen", dem Pazi- fischen Ozean, die begehrte Plattform zu gewinnen. Die wirtschaftlichen Probleme zwischen Großbritannen und den anderen Dominien haben ebenfalls keinerlei Veränderungen erfahren. Es bleibt als sehr fraglich bestehen, ob all diese„Kolonien" wirklich in der Lage sind, von England in dem Maße Jndustrieprodukt« zu kaufen, wie England verkaufen muß, und wie sie selbst ihre Agrar- Produkte nach England verkaufen wollen. Die folgende Gegenüber- stellung läßt sich erkennen, wie sehr Großbritanniens Handel mit diesen seinen Kolonien in den letzten 30 Iahren zurückgegangen ist: Imp von Srogbritannien Exp. nach Grobbritannien kapkotonic tW0 70%) Natal 1'' 52%/ Australien....... 55% Neuseeland....... 70% Slldasr. 1930 43% 40% 50% 1900 85% 55% 45% 80% n) T/ 1930 52% 39% 74% Es zeigt sich in immer stärkerem Maß« die Swiespältigkeit des Britischen Imperiums, nämlich daß Großbritannien die Idee des Imperiums in Politik, Wirtschast und Handelsreklam« aufrecht- zuerhalten strebt, während die„Kolonien" oies« Ideologie bereits völlig überwunden haben und mit Erfolg ihre Selbständigkeit bc- haupten. Dadurch erhält die W e 1 t w i x t fch a f t s kri s e für das Britische Imperium und besonders für Großbritannien eine V e r sch ä r s u n g, aus der die nationale Regierung nach Scheitern der Ottawa-Konserenz kaum einen anderen Ausweg weiß. Dem- gegenüber verfolgt die Arbeiterpartei eine zielklare Politik. Sie anerkennt das Streben der Dominien nach völliger politischer und wirtschaftlicher Selbständigkeit, auch auf die Gefahr hin, daß mit der Auflösung des britischen Imperiums der Lebensstandard der Engländer aller Kreise zunächst gedrückt wird. Dem konserva- tiven Ideal des Imperiums, das trotz weitester Toleranz in Fragen der Selbstverwaltung«ine Form der Beherrschung und der wirk- schaftlichen Ausbeutung enthalten muß, setzt die englische Arbeiter- parte! das Ziel der sozialistischen Planwirtschaft gegen- über. Sie will die freien und gleichberechtigten Länder zur plan- vollen und gemeinsamen Zlrbeit im Interesse der Verbraucher zu- sammensossen und damit das Chaos der Privatwirtschaft und die Weltwirtschaftskrise überwinden. Fußballspiel in Hochkultur! Bürgerliches Werturteil über Arbeitersport Der„Fußballsturmer". daz Organ der Fußballsparte des Arberter-T-urn- und Sportbundes, bringt am 22. August er. ein Werturteil über das Länderfußballspiel der Arbeitersportler N o r w e g« n— D eutschland in Beuthen, das die hohe Kultur des Arbeiterfußballspiels gegenüber dem bürgerlichen Sport auf- zeigt. Im„Schlefischen Herold", ein im allgemeinen von Sensa- tionen lebendes Breslauer Blatt, das in seinem Sportteil«ine sehr scharfe Feder führt, schreibt der bürgerliche Sportberichterstatter Franz Hans folgendes über dieses Länderspiel: „Ich bin am Sonnabend zu dem Länderspiel Deutschland gegen Norwegen nach dem Polizeisportplatz in Vürgerwerden gegangen. Ich ging hin in dem Glauben: nun siehst du wieder mal Politik mit ein bißchen Sport drum herum! Wie man sich doch täuschen kann!— Als die 90 Minuten um waren, wußte ich, daß das schönste sportliche Erlebnis der letzten Jahre vorüber ist. Wie herrlich war es doch, einmal 90 Minuten lang nur Fußballspiel in Hochkullur zu sehen und sich nicht ärgern zu brauchen. Da gab es keine auf» geblasenen Führer, die wie Schmeißfliegen umeinander herum- kriechen! Da gab es keinen Fußballspieler, dem man auf die Ent- fernung Zuschauerterrasse zum Spielfeld schon ansah, daß er Sohn verhätschelter Führer oder Irainergünstling ist, der auf dem Rasen angibt, als wären alle nur für ihn da! Hier herrschte der Sport- g e d a n k e! Hier herrschte Sportgeist in einer Größe, wie wir ihn wünschen, aber für gewöhnlich nicht mehr erkennen. 22 Spieler kamen ins Spielfeld getrabt. Ein Deutscher führte immer einen Norweger an der Hand. Sie meinen, das hätte sicherlich kindlich ausgesehen? Wenn Sie es gesehen hätten, mit einem Tüpfelchen Gemüt in der Seele, wäre Ihnen die Freude in der Kehl« hoch- gestiegen. Und dann das Spiel. Mein Gott, wenn gegen eine dieser beiden Mannschaften eine der Primadonnen-Elfs des Deutschen Fußballbunds gespielt hätten. Hätten dann die Bürger- lichen auf die Hosen bekommen. Bei diesen Arbeitern sah man doch endlich wieder einmal, wie ein richtiges Fußballspiel aussehen muß! Diese Technik! Dieser Eifer! Diese Körperbeherrschung der„Nur-Arbeiter".„Everton", wie siehst du aus! Diese zahmen unsportlichen Engländer haben uns schweres Geld gekostet und gezeigt haben sie einen Schmarren! Diese Norweger, diese deut- schen Kumpels kosten ein Butterbrot und zeigen Lehrspiele, daß dem Reichsvereinstrainer Nerz die Augen übergegangen wären! Junge Leute, zähe Spieler, anständig und uneingebildet, das waren diese 20 des 6. August! Deutschland gewann 3: 2. Zehntausend Menschen freuten sich! Zehntausend Zuschauer benahmen sich den geschlagenen Norwegern gegenüber feinfühlig, wie, ja, wie denn nur? Wie die Bürgerlichen, wenn sie mit diesem Titel auch das Privileg des Anftandes besitzen würden! Wenn ich mich an den üblen Krampf unserer Repräsentatiospieler erinnere, wenn ich an die Berbandemeisterschastsspiele denke und dieses Spiel vom Sonn» abend als Vergleich heranziehe, dann ist mir zumute wie einem Blinden, der wieder mal die Sonne sieht. Die Spieler sind von einer F a i r n i s und einem Anstand, daß man fast irre wird, ob hier Arbeiter Fußball spielen oder ob hochkultivierte Menschen eine Wochenendfreude suchen! Eine Freude an Spiel, ein Schwung in den Kampfhandlungen, daß eben jedem Zuschauer das Herz im Leibe lachen mußte. Hier spielten Männer herzhaften und herz- erfrischenden Fußball, und ich möchte wetten, daß keiner von den 22 nach dem Spiel eine Schramme hatte, die er dem Sportfreund zu verdanken gehabt hätte. O, ihr Bürgerlichen! Könnt ihr über- Haupt noch Fußball spielen, ohne euch zu verfluchen, zu schädigen, wo ihr nur wißt und könnt?— Ich kann das Spiel selbst wegen Raummangels nicht mehr schildern, aber glauben Sie mir, die Leute hatten ja so recht, wenn sie immer wieder untereinander sprachen: sieht man so etwas bei den Bürgerlichen? Sind die Bürgerlichen so fair zueinander, wenn es um den Ausgleich oder um den Sieg geht? Oder:„Wäre jetzt der Tor- Wächter in dieser Situation bei den Bürgerlichen nicht schon eine halbe Leiche, ein kaputtgetretener Krüppel"?!— Ich habe mir im stillen gewünscht, neben jeden dieser Zuschauer einen Bürger- lichen, dann könnte man mal rote Köpfe und verlegene Gesichter sehen.— Wenn ich in den nächsten Monaten wieder die Punkt- kämpfe der Bürgerlichen über mich ergehen lassen muß, werde ich viel Vergleiche ziehen und werde mich mit inniger Freude an einen Sonnabend erinnern, da ich Fußballspiel ohne Gehässigkeit, ohne Gemeinheit, ohne Hinterhältigkeit und anderes mehr sah." Zwar nicht ganz so begeistert haben ebenfalls viel bürgerliche Zeitungen in außerordentlich anerkennenswerter Weife über dieses Länderspiel berichtet, ein Zeichen dafür, daß sich der Arbeitersport Ansehen und Anerkennung in der Oesfentlichkeit erworben hat. Protest der Arbeitersportler Gegen Behordenwillkür Mit Recht beschweren sich die Vereine der Zentralkoinmission für Arbeitersport und Körperpflege darüber, daß die in der Not» Verordnung des Kabinetts von Papen enthaltenen Ver- anstaltungsbeschränkungen einseitig gegen sie angewendet werden. Die Behörden tun das auch gegenüber Veranstaltungen und Kundgebungen dieser Vereine, die rein sportlichen und kulturellen Charakter haben. Sie begründen ihre Maßnahmen damit, daß die Vereine in Verbindung gebracht werden können mst der Eisernen Front, und das genügt schon, alles, was diese Vereine tun, politisch abzustempeln. Diese Maßnahmen sind grundfalsch, weil sie eine sportliche und kulturelle Bewegung hemmen. Ihre parteiische und willkürliche Anwendung kommt dadurch zum Ausdruck, daß die Bs- Hörden sie nur einfestig gegen die Arbeiter-Turn- und Sportvereine anwenden, dagegen Vorgänge bei Vereinen von Verbänden des Reichsausschusses für Leibesübungen, die nicht anders zu bewerten sind als die Handlungen von ZK.-Vereinen und-Verbänden, über- sehen. In der Zeit der letzten Reichstagswahl haben z. B. bürgerliche Vereine der Nazipartei ihre Sportplätze zu politischen Kund- gobungen zur Verfügung gestellt. Wir nennen dafür nur einige Beispiele: Dresdener Sportklub, Döbelner Sportklub, Sport- verein 08 Meißen, alle drei vom Deutschen Fußballbund. Aber nicht nur Vereine des DFB. identifizieren sich auf diese Art mit der Nazi- Partei. In Oberfrohna i. Sa. tat es auch der Verein der Deutschen Turnerschaft und in Bitterfeld der Verband für Leibesübungen. Glaubt eine Behörde Zweifel zu haben an der rein sportlichen Durchführung eines Festzuges oder einer anderen öffentlichen Kund- gebung, dann steht ihr das Recht zu, vom Veranstalter Garantie zu verlangen. Diese Verlangen werden aber vielfach nicht ge- stellt, sondern rundweg Verbote ausgesprochen. Gegen diese Art Behandlung protestieren die Mitglieder der ZK.-Verbände. Klubserienkämpte der Kegler Die Termine für die Klubserienkämpfe des Gaues Berlin- Brandenburg des Deutschen Arbeiter-Kegler-Bundes hat die letzte Vorstände- und Vereinstechnikerkonferenz wie folgt festgesetzt: «Srilppe\: Vorwärts gegen Snotlc am u>. September, 18 Uhr(Berliner Kegel.Eporthalle). Knorle gegen Frei Holz.Spandau am 24. September, 18 Uhr iLobel, Spanball). �Rührige Mannschaft 9cgcn_ Knotle am 29. September, 16% Uhr(Berliner Kegelsporthalle). Frei Hotz-Spandau gegen Vorwärts am 7. Oltober, 18 Uhr iLerliner Negelfporthalle). Rührige Mannschaft gegen Borwärts am 18. Oktober, 18% Uhr(Berliner ÄegelsporthaHe). Frei weg. Brandenburg gegen Vorwärts und Frei Solz.Spandau am 16. Oktober, vor. und nachmittags, in Brandenburg a. d. H. Rührige Mannschaft gegen Frei volz.Spondau am 27. Oktober, 18% Uhr(Berliner.«legelsporthalle). Frei weg- Brandenburg gegen Knorke und Rührige Mannschaft am 13. November, vor. -»'"'Kl* a. d. H.— Gruppe B: Frei weg 1925 gegen September, 18 Uhr(Löoel, Spandau). Frei und nachmittags, in Brandenburg Freie Schwimmer Spandau am 2 weg 1925 gegen Zu spitz am 4. Oktober, 18 Uhr(Gewerkschaftshaus).' Freie Schwimmer Spandau gegen Kampfhähne am 7. Oktober, 18 Uhr(Lobel, Spandau). Frei weg 1925 gegen Kampfhähne am 20. Oktober, 18 Uhr(Bähm, Maxstr. 18). Freie Schwimmer Spandau gegen Zu spitz am 1. Nsvember. 18 Uhr(Gewerkschaftshaus).—""" 18 Uhr(Gewerkschaftshaus). Kampfhähne gegen Zu spitz am 29. November, Die Termine der jeweiligen Rückkämpfe vereinbaren die Ver- eine bei den ersten Treffen und über die Festlegung ist dem Bezirks- tcchniker Georg Baldauf, Berlin S. l<4, Kommandantenstr. 63, um- gehend Mitteilung zu machen. Die Austragung der Klubserienkämpfe, die bis Ende Januar 1933 endgültig zum Abschluß gebracht sein müssen, erfolgt über 100 Kugeln(je SO Kugeln auf zwei Bahnen) und werden die fünf Besten eines jeden Vereins gewertet. Nichtantreten zu den festgesetzten Terminen bedeutet Verlust der Punkte. Die Ergebnisse der einzelnen Treffen sind sofort dem Be- zirkstechniker zu melden. Gäste als Zuschauer sind zu allen Ver- anstaltungen herzlich willkommen. W.ener Fußballer in Deutschland Der Wiener Arbeiterfußballklub E. C. Red Star (Roter Stern), weilte vor einigen Tagen in Deutschland zu einer Fußballreise. Während die Wiener ihre ersten beiden Spiele mit Rekordresultaten von 1(5:0 bzw. 8:1 gewinnen konnten, blieb das letzte Treffen in Dresden gegen den Fußballklub Dresden-Pieschen unentschieden, 2:2, trotzdem die Wiener ihrem Gegner technisch weil überlegen waren. Indische Hockeyspieler in Berlin Sie gewannen mit 14: Z in Hamburg Nachdem die indische Olympia-Hockeymannschaft Gastspiele in Essen, Amsterdam und Hamburg gegeben hat, be- kommt nun auch morgen Berlin die zweimaligen Gewinner des bürgerlichen Olympiaturniers zu sehen. Ueberall, wo die Indier auch spielten, gewannen sie mit Resullaten, die an Ergebnisse von Handballspielen erinnern. Das letzte Spiel in Hamburg wurde gegen den norddeutschen H o ckey- V e r b a n d mit 14:2!(7:2) Toren gewonnen. Di« Brandenburger Mann- schaft, die schon einmal gegen die Inder spielte und damals nur knapp mit ö: 1 unterlag, wird auf dem Preußenplatz in Neutempelhof einen schweren Stand ljaben, um bei diesem Spiel ebenfalls glimpflich abzuschneiden. Bei den Gästen ragen besonders der Mittelstürmer Dhyan Chand und der Torwart Allen hervor. Die Berliner stützen sich vor allem auf altbewährte Kräfte. Das Spiel beginnt um 17.10 Uhr. Der deutsche Arbeiler-Anglerbund. Mitglied der Zentralkom- Mission für Arbeitersport und Körperpfleg«, hat seinen Bundes- tag für Ostern nach Magdeburg einberufen. Arheiter-Zch�erLthletik Wer wird Bundesmetsier im Ringen Der Arbeiter-Athleten-Bund beschäftigt sich bereits mst der Austragung der Bundesmeifl er schaft im M a n n s ch a f t s r i n g e n für die Saison 1932/1933. Den ersten Kampf tragen die beiden Gruppenmeister von Süddeutschland, der Sportklub Fürth und der westdeutsche Meister, die Athietiksport- Vereinigung Ludwigshafen-Nord, aus. Weiter treffen sich in der Vorrunde die Meister von Mittel- und Ostdeutschland„Vorwärts"- Gera und der Athletikverein 1911 Breslau. In der Zwischenrunde starten dann die Sieger und der noch nicht ermittelte norddeutsch« Gruppenmeister.— Auf der dreiwöchigen Tournee durch Deutsch- land startet die englische Boxmannschaft in Bremerhaven, Hannover, Braunschweiz, Helmstedt, Bernburg und Bielefeld. Die Gäste treten dann über Köln die Heimreise an.— Im Oktober gastiert auch eine Ringerstafsel aus der Tschechoslowakei in Schlesien, in dem Länderteam starten einige Olympiadekämpfer. SOO Startende bei der FTGB. Mit einem ganz' groß angelegten Spiel- und Sportfest tritt die Freie Turnerschaft Groß-Berlin am Sonn- tag, dem 11. September, vor die Oesfentlichkeit. Schon um 8 Uhr beginnen in dem Stadion am Faulen See in Hohen- schönhausen die Tennisspieler mit den Kämpfen um die Vereins- Meisterschaft. Leichtathletifche Einzel- und Mehrkämpfe bringen 800 Sportler und Sportlerinnen an den Start. 29 Handball- spiele, 15 Faust- und Völkcrballspiele und ein Fußballspiel werden während des ganzen Sonntags den Zu- schauern ein reges Sportleben zeigen. Um 15 Uhr sind die Masien- Eymnastik-Uebungen, denen sich die Ausscheidungskämpfe der Leicht- athleten anschließen. Das 30 Mann starte Musitkorps des Vereins konzertiert unter der Leitung seines Dirigenten Walter. Ein Ein- trittsgeld wird nicht erhoben, Vorschau in Kür�e Vom 9. bis 11. September Hält in Lüttich die Sozialistische Arbeitersportinternationale(SASI.) ihren 6. Kongreß ab. Die Durchführung einer Europameisterschaft der SASI.» Ländermannschaften steht bevor. Das Endspiel um die reichsdeutsche Handball- m e i st e r s ch a f t der Arbeitersportler findet am 11. September in Frankenthal statt. Gegner: Pfeddersheim(Pfalz) und Leipzig- Paunsdorf. Am 11. September kommen in allen Gruppen und Bezirken des Arbeiter-Turn- und Sportbundes leichtathletische Vereinsmehr- kämpfe nach einheitlichen Vorschriften zur Durchführung. UuudcsUeuc\Jeteiue Uileu uüt: Freie Spvetvereivig Die Hallen sind diesel WW�W�»WBWWWWW Freitag, 29 Uhr. Die Altersavteilung nimmt ab 15. September ihren Turn- betrieb wieder auf. Donnerstag, 7. September, Zusammenkunft der Handball. und Hockeyspieler zwecks näherer Information über die Leipzigfahrt aui 11. September auf dem Kiffingenfportplatz. BFT. Älemaauia 22. Sitzungen der Jugend Donnerstag, 8. September, 1S>� Uhr. Anschließend Sitzung der Männer bei Duwe, Schultzr. 199. Zur Ver- vollftändigung der Mannschaften können sich Fußballspieler auf den Sitzungen melden. BsL. vftring. Heut«, 29 Uhr, Handball, und Hockengeneralversammlung bei Begner, Frankfurter Allee 285. Mitgliedsbücher mitbringen. Freie Faltbootfahrer Berlin e. B. Donnerstag. 8. September. 20 Uhr. Gruppe Lcorden: Jugendheim Brunnenplatz Ecke wchönstedtftraße. Dr. Bruno Jöwenberg: Kunst in dieser Zeit.— Öruvpe Ziordosten: Jugendheim Christ. burger Str. 7. Anna Horiock: Bub und Mädel.— Gruppe Südosten! Jugend- heim Große Frankfurter Str. 18. Im Land der Mitternachtssonne. Finowfließ. sahrer müssen�anwesenb sein. September, 29 Uhr, wichtige _________________ Donnerstag, 8. September, 20 Uhr, Ueben in der Turnhalle Müller. Ecke Triftstraße, Aebeiter-Sportiegelklub Aoewärts. Trainingsabend jeden Freitag, 29 Uhr, in der Sporthalle Alexandrinenftr. 197. Freie Schwimmer Chaelottenburg, Kannabteilung. 8. September, 29 Uhr, Sitzung im Bootshaus Tiefwerder, Am Iürgengraben. Rätsel-Ecke des„Abend" ....................................................................................................................................................................... Gternrätsel. Die Buchstaben aeeeeeeeegiitlikmmmm nnnnnnoorrrrssssttuu sind in obenstehenden Stern so einzufügen, daß Wörter folgender Bedeutung entftehen: 1—2 Armeefllhrer im Wellkriege: 2— 3 italienischer Dichter-, 4— 3 Klebemittel, 4— 5 Vogel: 6— 5 Schisfszubehör: 7—6 Oper von Bellini: 8— 7 Stadt in Italien: 9—8 männlicher Vorname: 9—10 Stadt in Westfalen: 1—10 Metall.— Die in den Kreisen 1— 10 stehenden Buchstaben aneinandergereiht ergeben die Bezeichnung politischer Auswanderer.— Kr.— Abzählrätsel schritt mag tag drum für einst das und den freu im wird leuch nimm dir t mer die ten du die dich im fon dei mensch son er mer ne ner auf ne de schla mü fon je schei je fen de ne den nen den ein sein mit.— Vorstehende Silben sind durch eine zu ermittelnde Zahl abzuzählen. Aneinandergereiht ergeben die- selben ein Zitat von Schönlank.* Äerwandluna Ich bin von dir ein kleines Stück. Setzt du ein„e" hinzu, Verkünd' ick Schmerzen dir und Glück. Manch' Mnr, bring' ich zur Ruh!• Verwandlungsrätsel Aus dem Wort Baum ist das Wort Mast durch mehrere Verwandlungen zu bilden. Der jeweils zu verändernde eine Buch- stabe ist durch ein Kreuz markiert. Wie lauten die Zwischenwörter? ak. Silbenrätsel Aus den Silben bat dau der det di don du e e en eu fan fe ga ge ha ips kü ler nan ne ner now o os pe ran ri ri ros ta ter to wich zi sind 14 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten, und die Endbuchstaben, von unten nach oben gelesen, ein Zitat von Goethe ergeben(ch— s Buchstabe). Die Wörter bedeuten: 1. Franz. Dichter: 2, Gott der Liebe: 3. Oper von Wagner: 4. SchreibutensU: 5. Muse: 6. Stadt in England: 7. italienischer Volksheld: 8. Göttin der Morgenröte: 9. Natur- erscheinung: 10. Rachsucht: 11. Fluß in Italien: 12. Stadt in Mecklenburg: 13. alte Münze: 14. Sttaußenart.* 'Dreierlei Ich steh' vor„Tuch" und steh' vor„Kuß", Du hast mich zweimal.— Wer knackt die Nuß?* Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuz und quer. Waagerecht: 2. Lob: 5. Veto; 7. Oker; 9. Res: 10. Nab: 11. Ade: 13. Reh: 15. Mirabelle: 18. Hel: 19. Elberfeld: 24. Lei; 25. oee: 26. Ger: 27. Sen: 29. Aare: 30. Ulan; 31. Ehe.— Senkrecht: 1. Verdi: 2. Los: 3. Bonz 4. Hebel: 6 Teer: 8. Karl: 11. Amsel: 12. Ebert: 14. Heide: 16. Ahe: 17. elf: 20. Legat? 21. Bier: 22. Esel: 23. Lenau: 27. Ree: 28. Eue. Silbenrätsel: 1. Konrad: 2. Elektra: 3. Ilmenau: 4. Novalis: 5. Engerling: 6. Racine: 7. Zimmermann; 8. Waterloo: 9. Edam: 10. Iridium; 11. Fregatte: 12. Engadin: 13. Leopard: 14. Tapete: 15. Alabaster; 16. Nemesis: 17. Schwindsucht: 18. Ebbe: 19. Isar: 20. Nabob: 21. Eiche; 22. München; 23. Tiefland: 24. Oboe.— Keiner zweifelt an seinem Tod. ausgenommen der Sterbende Diamanträtsel: 1. k: 2. Sau: 3. Birne: 4. Gertrud: 5. Petroleum: 6. Manfred: 7. Apfel: 8. Reh: 9. l.— Die mittelst« senkrechte Reihe lautet: Kortoffel Zahle nrätsel: Unter einer Fahne für ein Ziel! Schlüsselworte: Fahne, fünf, Uri, Tafel, Zentner.